[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #6… ]

Sandra Trauner (26. Juni 2007): “ … Das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel hat im Auftrag des Gesundheitsministeriums Rauchen im Film erforscht. … Das Ergebnis: Im deutschen Kinofilm wie auch im deutschen Fernsehen wird häufiger geraucht als in amerikanischen und anderen europäischen Produktionen. Ein deutscher Kinoheld greift im Laufe des Films durchschnittlich 14,5 Mal zur Zigarette, ein spanischer oder amerikanischer nur halb so oft. … Die Universität von San Francisco kam 2007 zu einem parallelen Ergebnis: „Die Zahl der Raucher unter amerikanischen Erwachsenen hat sich zwischen 1950 und 2002 halbiert, während das Rauchen im US-Film 2002 ein historisches Hoch erreicht hat, höher als vor einem halben Jahrhundert“, berichten Jonathan Polansky und Stanton Glantz. …“ | https://www.stern.de/kultur/film/rauchen-im-film-kippe-ist-cool-3262930.html

Jacqueline Siepmann (26.11.2017): “ … In dem legendären Krimi „Der eiskalte Engel“ klaut Alain Delon als Killer Jef Costello in einer Szene einen Citroën DS, fährt los – und steckt sich dabei ganz lässig eine Zigarette an. In dem fast noch berühmteren Gangsterdrama „Außer Atem“ wird Jean-Paul Belmondo als Kleinkrimineller Michel zum Mörder, er findet Unterschlupf bei einer amerikanischen Studentin, in die er sich verliebt, er wird von der Polizei gejagt und am Ende erschossen. In gefühlten 80 der 87 Filmminuten hat Belmondo eine Zigarette zwischen den Lippen. Er sieht sensationell cool dabei aus. Delon natürlich auch. Überhaupt wurde in den französischen Filmen der 1950er bis 80er-Jahre, von denen es viele zu Klassikern der Kinogeschichte gebracht haben, eigentlich ständig geraucht. Musste sein. Wegen der Nonchalance. … Konnte das Kinopublikum früherer Jahre womöglich besser zwischen dem eigenen Alltag und inszenierter Filmkunst unterscheiden als das von heute? Irgendeinen Grund muss es ja dafür geben, dass in dieser Woche in der Grande Nation ernsthaft darüber diskutiert wurde, ob in französischen Filmproduktionen künftig nicht mehr geraucht werden darf. Aus pädagogischen Gründen. Wegen des miserablen Vorbilds. Und der Gesundheitsprävention. Oh là là … Statt Wein dürfen Deneuve, Huppert, Gainsbourg und Co. dann nur noch Filme drehen, in denen sie beim Rendez-vous keinen Wein (Alkohol, ganz gefährlich), sondern nur noch stilles Wasser trinken, statt Pastis serviert der Barkeeper Birnensaft aus ökologischem Anbau. Nie wieder werden dann lasziv Croissants (schlecht fürs Cholesterin) gekrümelt oder Baguettes (Kohlenhydrate!!) geteilt. Alternativ rühren atemberaubend attraktive Frauen lustlos in ihrem Dinkel-Quinoa-Müsli und trinken dazu Grünkohl-Smoothies statt Café au lait (hohe Herzbelastung durch Koffein, außerdem Laktose). … “ | https://www.nrz.de/region/niederrhein/humor/filmgeschichte-neu-geschrieben-id212645121.html

Thomas Burmeister (01.02.2016): “ … Kinos, Fernsehsender und Streamingdienste im Internet sollen außerdem verpflichtet werden, vor jedem Film, in dem geraucht wird, einen Spot einer Anti-Tabak-Kampagne zu zeigen. Nach so einem Spot darf man dann ganz vorsichtig auch Humphrey Bogart und Lauren Bacall in einer längst vergangenen Zeit beim Rauchen zusehen. …“ | https://www.welt.de/gesundheit/article151704209/In-Kinofilmen-soll-nicht-mehr-geraucht-werden.html

Ulrich Rüdenauer ‚Glühender Phallus‚ (16. Januar 2015):“ … Das Kino war einmal der natürliche Ort der Zigarette – „eine Schule der Semiotik des Rauchens“, wie der Filmkritiker Georg Seeßlen meint. … Thank you for smoking versammelt einige lesenswerte und erhellende Texte von Filmwissenschaftlern, Produzenten und Regisseuren; es geht um einschlägige Werke wie Jim Jarmuschs Coffee and Cigarettes oder um die Bedeutung der Zigarette im Werk Rainer Werner Fassbinders, es geht um das „Kino des Begehrens“ […]. Vor allem aber handeln die 28 Beiträge von der Liebe zum Kino, die immer auch eine Liebe zu Gesten ist, zum Verschwenderischen und zum Wagnis, zum erträumten Leben und zum bewegten Traum. Die Zigarette ist ein glimmendes Symbol dieser Liebe. …“ | http://www.zeit.de/kultur/literatur/2015-01/thank-you-for-smoking-zigarette-im-film

lemonhorse / 12 Dezember 2017 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Religions-Setzbaukasten #2… ]

Carsten Pilger (04.12.2015): “ … [Er ist ein] Freund, Student der Philosophie und Atheist. An Letzterem zweifle ich seit einiger Zeit. Auch hier: Star Wars Episode VII. Seine Begeisterung für den bald im Kino erscheinenden Streifen steigert sich ins Unermessliche, dass er mit Funkeln in den Augen auf Abenden stets die neuesten Details aus Filmvorschauen erzählt. Sichtlich angegriffen reagiert er derzeit auf Witze über seine Krieg-der-Sterne-Manie und gab zuletzt offen selbstironisch zu: Er spüre eine Verletzung seiner religiösen Gefühle. …“ | https://hpd.de/artikel/12500

Wolfgang G. Voegele (24.08.2017): “ … Bei manchen Anthroposophen scheint Endzeitstimmung zu herrschen: „Die Anthroposophie schwindet aus dem Goetheanum und es macht sich eine zunehmende Missachtung Rudolf Steiners breit.“ Eine fundamentalistische Fraktion träumt davon, dass bis dahin in der Dornacher Zentrale der vor 100 Jahren unterbrochenen „Mysterienbetrieb“ wieder aufgenommen wird. Vielleicht unter der Leitung des reinkarnierten Meisters? Es gibt Autoren, die solche Erwartungen nähren. Zander würde hier vermutlich von einer „spannenden“ Entwicklung sprechen. …“ | http://www.themen-der-zeit.de/content/Helmut_Zander_wurde_sechzig.2136.0.html

Björn Hayer (14.11.2015): “ … In vielerlei Hinsicht haben sich Geschichte, Mythen und Philosophien der abendländischen Kultur in dem Epos vereint. Ihm inhärent ist allem voran die Dramaturgie der klassischen Heldenerzählung. … Dem Laserschwert kommt dabei eine hohe symbolische Bedeutung zu. Es erinnert an den Donnerkeil des Zeus, der selbst den eigenen Vater töten muss, um die Herrschaft zu übernehmen. … Luke und Lea verkörpern die Zwillinge Apollon und Artemis, stehen für Liebe, Sühne und die Vereinbarkeit von Gegensätzen. Gegen das sterile Grauen des Imperiums ziehen die Geschwister mithilfe einer bunten Armee aus Menschen, Affen- und Mischwesen zu Felde. Wie üblich gesellen sich zum Helden allerhand Gefährten, darunter der sich vom Söldner zum gemeinschaftsdienlichen Space-Cowboy wandelnde Han Solo oder zahlreiche Phantasie- und Mischwesen. Kurzum: Die Rebellen repräsentieren Vielfalt und Entwicklungsfähigkeit gegenüber einer uniformen Machtelite auf einem architektonisch hohlen Todesstern. … Man könnte noch viele Worte über die psychoanalytische Grundierung oder Nietzsches Machtbegriff verlieren. Was bei allem Über- und Unterbau aber nicht übersehen werden darf, ist die psychologische Tiefenbedeutung. Die galaktischen Weiten des Lucas-Universums sind vor allem eines: ein Abbild unseres Bewusstseins, worin widerstrebende Kräfte, Unmoral und Tugend, Lust und Vernunft in dauerhaftem Wettstreit stehen. …“ | https://www.nzz.ch/feuilleton/kino/erloeserkult-und-dekadenz-1.18646070

Ingo Hoppe (12. Oktober 2016): “ … Es ist kein Geheimnis, dass Lucas seine Kinder auf die Waldorfschule schickte und sich aktiv engagierte, unter anderem als grosszügiger Gönner des Waldorflehrerseminars in Sacramento (USA). Auch wird von zuverlässiger Quelle bezeugt, dass er sich intensiv mit Steiners Schriften befasste. Er wirkte im sogenannten «Raphael-Kreis» mit, wo anthroposophische Themen ausführlich diskutiert wurden. … Einige Philosophen halten Star Wars für den «Mythos unserer Zeit». In Form moderner mythologischer Bilder werde hier das Drama der Gegenwart auf die Leinwand projiziert. … Das passt insofern zur Anthroposophie, als auch sie – sehr vereinfacht – als eine Art «neuer Mythos» aufgefasst werden kann (allerdings mit wissenschaftlichem Anspruch, was freilich nicht unumstritten ist). … Die Polarität des Bösen, repräsentiert durch Jabba und Vader, stimmt bis in die Einzelheiten mit Steiners Lehre über die polaren Wesen Luzifer und Ahriman überein. Jabba ist weich, aufgedunsen, fett. Vader hingegen hart und sklerotisch. Der sinnenfrohe Riesenfrosch Jabba geniesst die Freuden des Lebens und lacht auch gerne mal schallend. Er haust in einer schmutzigen Lasterhöhle, dessen Boden nächtliche Schnapsleichen zieren. Leider gehört auch Grausamkeit zu seinen «Vergnügungen». Der Kontrollfreak Vader hingegen versteht keinen Spass. Pedantisch und freudlos beherrscht er einen blitzblanken Maschinenplaneten, an dem allenfalls ein Hygieneverein Vergnügen finden könnte. … Zentrales Bemühen des Helden angesichts der Polarität des Bösen ist das fortwährende Ringen um das Gleichgewicht zwischen Luzifer und Ahriman. In den ersten Star-Wars-Filmen ist es vor allem der angehende Jedi-Ritter Luke Skywalker, der dieses Ringen repräsentiert. Er ist weder kalt und berechnend wie Vader, noch genusssüchtig wie Jabba. Das hier zum Ausdruck kommende mittlere Prinzip nannte Steiner den «Menschheitsrepräsentanten» bzw. «Christus». An ihm zeige sich die harmonische Ausgeglichenheit zwischen den Extremen. Als Sonnenheld muss er beide Einseitigkeiten in sich selbst besiegen und miteinander versöhnen. Im Film kommt dies dadurch zum Ausdruck, dass Luke sowohl Jabba wie Vader entgegentreten muss. Zwei Kämpfe, die jedoch nicht mit denselben Waffen geführt werden können: «Es gibt nur eine Macht», erklärt Steiner, «vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwirkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht.» – Star Wars bringt dieses Konzept sinnbildlich zum Ausdruck: In Jabbas Lasterhöhle erscheint Luke im Mönchsgewand, ein Symbol für Moralität. Gegen Darth Vader hingegen kämpft er mit dem Lichtschwert, ein Sinnbild für denkendes «Unterscheidungsvermögen». Wie der messerscharfe Verstand scheidet es richtige von falschen Begriffen und erleuchtet wie das «Licht der Vernunft» die Finsternis des dunklen Ahriman. …“ | http://www.zeitpunkt.ch/news/artikel-einzelansicht/artikel/krieg-der-goetter.html

lemonhorse / 12 Dezember 2017 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Mythen meiner Kindheit #8… ]

The Blues Brothers (R: John Landis, 1980)

(“ … In der amtlichen Zeitung des Heiligen Stuhls, L’Osservatore Romano, wurde der Film 2010 als „katholischer Klassiker“ bezeichnet. …“) via

lemonhorse / 12 Dezember 2017 / Cinema.Exposure / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #5… ]

Markus Brunner (2011): “ … Auf den endgültigen Zusammenbruch war »selbst bei zunehmend empfundener Ambivalenz die große Mehrheit innerlich nicht vorbereitet«, weil die Allmachtsfantasien und Projektionen den realitätsgerechten Blick in die Zukunft unmöglich gemacht hatten (ebd., S. 38). Das Ende durfte nicht nahen. … Der Verlust des narzisstisch besetzten Objektes und die damit einhergehende Drohung einer Melancholie, die mit allen Mitteln abgewehrt werden muss, stehen – neben der Abwehr von Schuld – im Zentrum der Mitscherlichschen Argumentation. Doch was heißt eigentlich eine Abwehr von Melancholie? … Hitler oder besser: die Idee der großen »Volksgemeinschaft«, […] diente im »Dritten Reich« in seiner Funktion als Ichideal-Ersatz auch der Integration unbewusster Triebregungen […]. Der Nationalsozialismus gestattete es den »VolksgenossInnen« tatsächlich in einer vorher nicht gekannten Weise Grandiositätsfantasien zu realisieren. Als »Erlebnisangebot« (Brockhaus 1997) ermöglichte er psychische Intensität, die Teilhabe an Kraft, Stärke, Kameradschaft, Gemeinschaft und auch Gewalt. … “ | Aus: „Die Kryptisierung des Nationalsozialismus – Wie die »Volksgemeinschaft« ihre Niederlage überlebte“ http://www.agpolpsy.de/wp-content/uploads/2013/11/brunner-2011-die-kryptisierung-des-nationalsozialismus-text.pdf

“ … Das Bild, das wir heute von den 50er Jahren haben, ist das der witzig geformten Nierentische, der lustig wippenden Petticoats und der Cocktailsessel. Heute finden wir das alles ein bisschen schräg, aber eigentlich ganz lustig. … Vieles wiederholte sich, wenn auch in einem neuen Gewand. Der Mief, die sozialen Vorurteile blieben, sie verschoben sich nur. Waren zunächst die Flüchtlinge oft genug „Menschen zweiter Klasse“, so waren es dann wenig später die „Gastarbeiter“. Soziale Vorurteile gegenüber „dem Fremden“ blieben erst einmal bestehen. Was man nicht kannte, lehnte man vorerst ab, denn es machte ja auch gleichzeitig Angst. So waren Anstand und gutes Benehmen wichtig. Das war sicher nicht falsch, aber der Schein nach außen war wichtiger als die Ehrlichkeit. So sollte alles seine Ordnung haben und blitzsauber sein, das Haus und die Kinder. Frauen putzten fleißig, Männer zeigten stolz ihre Neuwagen und wenn sie auch nicht die Wohnung putzten, dann zumindest ihr neues Auto. Jeder schaute nach jedem und keiner wollte in der Menge auffallen. Was könnten denn die Nachbarn sagen? Eine Frage, die sich viele Menschen stellten. … “ | http://www.zeitklicks.de/brd/zeitklicks/zeit/143/4/typisch-50er-jahre/

Michael Dienstbier (27. Dezember 2014): “ … Lange Zeit spielte die nationalsozialistische Terrorherrschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im kollektiven Gedächtnis der Deutschen keine Rolle: Die Verantwortlichen waren ja in den Nürnberger Prozessen abgeurteilt worden und in der BRD genoss man die Früchte des Wirtschaftswunders, richtete sich in der neuen Mittelklassegemütlichkeit ein, ließ den alten Adenauer die große Politik machen und die Vergangenheit Vergangenheit sein. …“ ( Aus „Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut“ – Kommentar zu: „Die Unfähigkeit zu trauern: Grundlagen kollektiven Verhaltens„)


Der Verlorene, (R. Peter Lorre, D 1951)

Jessica Ellicott (January 16, 2015): “ … Peter Lorre’s Der Verlorene (“The Lost One”) does not fit easily within the grand narrative of German film history. When discussing German film in the 1950s, one is usually told of a barren cultural landscape, populated by escapist Heimatfilme. Films that satisfied the perceived desire of post-war audiences to forget. …“ | https://fourthreefilm.com/2015/01/the-lost-one-in-german-film-history-peter-lorres-der-verlorene-1951/

“ … Der Verlorene, 1951 … In Hamburg drehte er als Regisseur und Hauptdarsteller den Spielfilm Der Verlorene. Von der Journaille verrissen und verhöhnt, vom Publikum ignoriert, verschwand der Film nach 10 Tagen aus den Kinos und in der Versenkung. …“ | http://der-film-noir.de/v1/node/130

Ein sehr schwieriges Thema, Tita Fürst-Koren (25. November 2017): “ … Es blieben einige Fragen für den Zuschauer offen. Wie ist es mit der Sühne, wann kann ein Mensch von der Schuld „befreit“ sein […] ? Darf man in einer besonderer Zeit, wie der Krieg ist, andere Maßstäbe für die Schuld haben, eben, weil es „so war“. …“ | https://www.amazon.de/Verlorene-Deutscher-Film-Peter-Lorre/dp/B002LEZ2J2

Friederike Schulz (05.07.2010): “ … Doch wer unfähig ist zu trauern, um den Verlust des Führers einerseits und um die Millionen Opfer andererseits, der kann sich auch der Gegenwart und der Zukunft nicht stellen, der verharrt in psychischer Starre, so das gewagte Fazit. Nimmt man das Buch heute zur Hand, überraschen diese Thesen noch immer – schließlich liegt hier das gesamte deutsche Volk wider Willen auf der Couch. …“ | http://www.deutschlandfunk.de/kursiv-kollektive-verdraengung.1310.de.html?dram:article_id=194124

Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (04.11.2017): “ … Liest man heute, fünfzig Jahre nach der Erstveröffentlichung, Alexander und Margarete Mitscherlichs Die Unfähigkeit zu trauern, so kann man überrascht werden. … Die Deutschen seien, so konstatierten die Mitscherlichs, emotional so blockiert, dass sie sich nicht für die Opfer interessieren konnten. … Nicht nur der Moralismus, auch die Psychoanalyse behagte vielen Lesern nicht. Unberechtigt ist das nicht, ist doch der Schritt vom einzelnen klinischen Befund zum Kollektiv methodisch kaum ausgewiesen und das Verständnis von Trauer alles andere als klar. … Mehrfach argumentieren die Mitscherlichs, die Gefühlsstarre sei Resultat eines »gleichsam reflektorisch ausgelösten Selbstschutzmechanismus« gegen die totale psychische Entwertung gewesen, eine Regression, die einen »submoralischen Notstand« ausgelöst habe – die Deutschen hätten also gar nicht anders gekonnt, als nicht zu trauern. … der heutige Diskurs über die Erinnerungskultur ist geprägt durch so abstrakte wie kategorische Forderungen, ›niemals zu vergessen‹ und einen weitgehend entpolitisierten und neutralisierten Begriff von ›kulturellem Gedächtnis‹. Er könnte von einem Konzept von Erinnerung profitieren, dass sich der Ambivalenz und Doppelbödigkeit von Erinnerungen bewusst ist, das Individuum und Gemeinschaft aufeinander bezieht und auch die Dimension von Affekt und Abwehr – gerade diese! – denken kann. Die Psychoanalyse stellt hier ein Potential dar, das noch keineswegs ausgeschöpft ist. …“ | http://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2017/11/14/daniel-weidner-die-unfaehigkeit-zu-trauern-geschichte-einer-abwehr/

Caroline Fetscher (03.12.2017): “ … Handelt es sich bei Aggression um eine anthropologische Konstante, wie Lorenz in „Das sogenannte Böse“ behauptete, oder um kulturabhängige, einhegbare Triebabfuhr? Welche Rolle besaßen Freuds Konzepte von Eros und Thanatos, Libido und Destrudo bei Mitscherlich? … „Aggressive Triebbefriedigung“, schrieben die Mitscherlichs 1967 in „Die Unfähigkeit zu trauern“, sei „moralisch bis heute zulässiger geblieben als die zärtlich-sexuelle“. Altersempfehlungen für Filme stufen auch 2017 noch – oder wieder? – eher gewalttätige denn erotische Szenen als kindgerecht ein. …“ | http://www.tagesspiegel.de/wissen/aufarbeitung-der-ns-vergangenheit-wozu-die-deutschen-unfaehig-waren/20664540.html

fidelche (16. Juni 2012): “ … Detlef zum Winkel schrieb in Konkret 9/87 über Margarete Mitscherlichs Aufsätze zur »Erinnerungsarbeit« : „Die Nachkommen der Nazis sind nicht »weiß«, sie beginnen ihr Leben nicht an einem existentiellen Nullpunkt, sondern sind auf vielfache Weise – individuell wie kollektiv – von der Vergangenheit geprägt. Je weniger man sich das eingestehe, desto stärker sei man diesen Kräften ausgeliefert.“ …“ | https://thinktankboy.wordpress.com/f-rubriken/margaretemitscherlich/#comment-17769

seriousguy47 (14.06.2012) “ … [Es] sei schließlich noch auf eine merkwürdige Diskussion in konservativen Kreisen Baden-Württembergs hingewiesen, wo, ausgerechnet nach dem staatlich „übersehenen“ langjährigen Rechtsterrorismus (5), nach dem jahrzehntelangen Decken des Ohnesorg-Mörders Kurras durch Polizei und Justiz (6), den immer neuen Medienberichten über die Nicht-Ahndung von polizeilichen „Übergriffen“ (sprich Verbrechen) (7) und dem Nichtverfolgen eines in Italien rechtskräftig verurteilten SS-Mörders durch den Stuttgarter Oberstaatsanwalt Häußler (8) nebst öffentlicher Rückendeckung für denselben durch einen SPD-Justizminister (9), der Rücktritt der Integrationsministerin Öney gefordert wird, die sich in einer Diskussion verplappert hatte und die deutschen Zustände, politisch inkorrekt, nicht hinreichend von türkischen Zuständen separiert hatte, wo mit dem Begriff „tiefer Staat“ ein Staat im Staate gemeint ist, „bei dem Politik, Verwaltung, Justiz und Sicherheitskräfte mit dem organisierten Verbrechen zusammenarbeiten.“ Damit haben die oben genannten Zustände selbstverständlich nichts zu tun. Wir sind schließlich keine Türken (10). …“ | https://www.freitag.de/autoren/seriousguy47/margarete-mitscherlich-tot-unfahigkeit-zu-trauern-bleibt

lemonhorse / 7 Dezember 2017 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #2… ]

Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre (RSI) – Die drei Strukturbestimmungen des Subjekts Reales, Imaginäres und Symbolisches sind in der Struktur eines Borromäischen Knotens miteinander verbunden, das heißt: Jedes dieser „Register“ des Psychischen bedingt die anderen beiden, so dass die drei Begriffe eine unauflösbare Einheit bilden. … [Wikipedia, „Das Reale“ (02/2013)]

kurier.at (15.03.2017, 12:36): “ … Er ist der Filmproduzent mit dem richtigen Riecher: Harvey Weinstein wird 65. Wer in seiner Gunst steht, kann im Handumdrehen zum Hollywood-Star werden …“ | https://kurier.at/stars/harvey-weinstein-wird-65-wie-tickt-der-maechtigste-mann-hollywoods/251.902.842

“ … Eigentlich klingt die Mär von der Besetzungscouch ja derart abgeschmackt, dass sie nicht einmal mehr für schlechte Witze taugt. Nun stellt sich heraus, dass die Realität leider genauso abgeschmackt ist. … Wer [Harvey Weinstein] einmal auf dem Filmfest in Cannes sah, wie er durch die Rue d’Antibes eilt, mit einem halben Dutzend, handybewehrter (männlicher) Assistenten im Schlepptau, die abwechselnd nach vorne zum Chef eilen, um ihm das nächste Telefonat zu reichen, vergisst diesen Anblick der zur Schau gestellten Macht nicht mehr. Produzenten wie Weinstein jonglieren mit vielen Millionen Dollar, sie haben tatsächlich das Potenzial, Karrieren zu kreieren oder zu zerstören. In der Branche, so heißt es jetzt, war Weinsteins Sexismus ein offenes Geheimnis, ebenso wie sein cholerisches Wesen. … Lisa Bloom, jene beratende Firmenanwältin, nennt ihn jedenfalls einen „alten Dinosaurier, der neue Wege lernen muss“. Man kennt das, vom kürzlich gestorbenen Playboy-Herausgeber Hugh Hefner bis zu US-Präsident Donald Trump … [Und da ist] die politische Dimension. Weinstein gilt als Liberaler, er hat die Demokraten mit großzügigen Spenden unterstützt und soll während des diesjährigen Sundance Filmfestivals in Park City beim Women’s March gegen Trump mitdemonstriert haben. …“ | http://www.zeit.de/kultur/2017-10/harvey-weinstein-sexuelle-belaestigung-entlassung-weinstein-studios/komplettansicht

xy1 #15 (10.10.2017): “ … Ist es auszuschließen, dass gelegentlich auch Frauen ihm mal mit einem vielversprechenden Augenaufschlag begegnet sind, um eine bessere Rolle zu bekommen, oder um eine Konkurrentin auszustechen? …“

M Schäfer (10.10.2017): #15.1 (10.10.2017): “ … Nichts ist jemals mit Gewissheit auszuschließen, deshalb haben Vermutungen keinerlei Beweiskraft. …“

einervonvieren #17 (10.10.2017): “ … Jetzt mal Ernsthaft: Wir leben in einer Zeit, wo der Wirtschaftsliberalismus und Homo Oeconomicus in weiten Kreisen als unzweifelhaft richtig dargestellt wird. Überwiegend auch in der „Zeit“ . Wenn jetzt Weinstein nichts strafrechtlich relevantes getan hat, wo liegt den dann, unter Berücksichtigung des o.a. Wirtschafts- und Menschenbild, das Problem. Er hat sein Bedürfnis (Sex) gegen das Bedürfnis eines anderen (Erfolg) angeboten. Angebot und Nachfrage. Der Markt! – Ich kenne FDP-Wähler mit denen man ernsthaft darüber diskutieren konnte, dass man über seine Organe frei bestimmen kann, also auch zum Kauf anbieten können müsste. …“

roland_s #17.1 (10.10.2017): “ … Worin das Problem liegt? Dass Männer wie Joseph Fiennes, Ben Affleck, John Goodman, Colin Firth, Brad Pit, Christoph Walz, Leonardo di Caprio, Liam Neeson oder John Reilly nicht über die Besetzungscouch mussten, um in Filmen wie Shakespeare in Love, The Artist und The King’s Speech, Gangs of New York, Inglorious Basterds, Django Unchained oder The Hateful Eight mitspielen zu können. Wer darin kein Problem sieht, hat den Schuss nicht gehört. …“

fiesematente #17.2 (10.10.2017): “ … Und Ryan Gosling? …“

Nachtrag #1
(11. Oktober 2017): “ … Das Ausmaß der Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein nimmt immer drastischere Formen an. Wie das Magazin „New Yorker“ berichtet, werfen drei Frauen dem 65-jährigen vor, sie vergewaltigt zu haben. … Schon zuvor hatte sich Weinstein entschuldigt und eine Auszeit angekündigt, um seine „Dämonen“ in den Griff zu bekommen. Er befindet sich Medienberichten zufolge in Europa, um sich in einer Einrichtung ärztlich behandeln zu lassen. … Manche Vorfälle reichen laut „New York Times“ fast drei Jahrzehnte zurück. Mit mindestens acht Frauen habe Weinstein sich außergerichtlich geeinigt. …“ | http://www.stern.de/lifestyle/leute/-es-war-ein-albtraum—-harvey-weinstein-soll-mehrere-frauen-vergewaltigt-haben-7655940.html

(10.10.2017): “ … So soll Weinstein sich vor der TV-Journalistin Lauren Sivan (39) ohne deren Einverständnis im Keller eines Restaurants selbst befriedigt haben. Die beiden sollen sich in dem inzwischen geschlossenen Restaurant Cafe Socialista kennengelernt haben, das unter anderem dem Filmproduzenten gehörte. Nach einem ungefähr zehnminütigen Gespräch habe Weinstein sie gefragt, ob er sie herumführen dürfe. Anschliessend habe er sie in einen abgesperrten Restaurantbereich im Keller gebracht und versucht, sie zu küssen. «Als ich ihn abblitzen liess, sagte er: Dann steh dort und sei still», sagt Sivan in der TV-Show «Megyn Kelly Today». Anschliessend habe er begonnen zu onanieren und in eine Topfpflanze ejakuliert. …“ | https://www.blick.ch/people-tv/kino/eklige-details-im-sex-skandal-um-harvey-weinstein-er-hat-vor-mir-in-eine-topfpflanze-onaniert-id7438903.html

(11 October 2017): “ … Three women have accused Weinstein of raping them in a story published online by the New Yorker. Weinstein denied the claims through a spokesperson, saying any sexual activity was consensual. Gwyneth Paltrow, meanwhile, has described Weinstein’s attempt to lure her, then 22, into giving him a massage in a hotel room, while Angelina Jolie said she refused to work with Weinstein and warned other women against it after a “bad experience” with him during her youth. An audio recording has come to light of a secretly recorded exchange in which Weinstein allegedly admits to groping the actress Ambra Battilana Gutierrez and tells her: “Don’t ruin your friendship with me.” …“ | https://www.theguardian.com/world/2017/oct/11/wednesday-briefing-the-sins-of-harvey-weinstein

Nachtrag #2:
LiberalFreedomFighter (1:02 AM GMT+0200) “ … New Reality TV Show: Cosby, Trump, and Weinstein dropped on a desert island with nothing but a casting couch, a bottle of pills, and a tiny pair of latex gloves. Who wins? …“ | https://www.washingtonpost.com/news/arts-and-entertainment/wp/2017/10/10/harvey-weinsteins-behavior-was-a-dark-inside-joke-on-shows-like-entourage-and-30-rock/?commentID=washingtonpost.com/ECHO/item/0311a63d-f87d-4050-91bd-a97fff2463a2&outputType=comment&utm_term=.9cf137e2558b

Nachtrag #3:
Sabrina Markutzyk (18.10.2017): “ … „Ein Sexskandal trifft die Traumfabrik ins Herz“, vermeldet die „Zeit“. „Süddeutsche“, „Focus“, „FAZ“, „Bild“, „Welt“ – der „Sexskandal“ ist überall, laut einem Tweet von heute.de „erreicht der Sexskandal um Weinstein“ jetzt sogar Amazon. Offenbar hat das schlimme Virus Roy Price, den Unterhaltungsspartenchef des Online-Unternehmens, ebenso „getroffen“ wie den Mann aus Hollywood. Und die Redakteure in beinahe allen deutschen Medienhäusern gleich mit. Auch der Tagesspiegel verwendete den Begriff in Tweets und einer Online-Überschrift – und änderte sie nach Kritik aus der Redaktion. Denn es geht hier mitnichten um einen „Sexskandal“. … Wenn ein verheirateter CSU-Politiker unehelichen Sex hat, mag das ein „Sexskandal“ sein. Wenn sich Männer eines Versicherungskonzerns Prostituierte auf Firmenkosten leisten: ein Sexskandal. Wenn ein mächtiger, reicher Mann einer Frau droht, ihr Leben zu zerstören, wenn sie sich seinen sexuellen Übergriffen entzieht, ist das: kein Sexskandal. Machtmissbrauch … Es geht um Unterdrückung und Gewalt. … Wer „Sexskandal“ schreibt und Missbrauch meint, reproduziert – absichtsvoll oder aus dem Automatismus des meistverwendeten Hashtags heraus – ein System, das das Leid der Opfer missachtet. Wer Missbrauch als „Sexskandal“ bezeichnet und sich im gleichen Atemzug wundert, dass Opfer nicht sprechen, hat das Problem nicht verstanden. Es heißt: „Rape Culture“, eine Kultur, in der sexuelle Gewalt verharmlost oder sogar toleriert wird. …“ | http://www.tagesspiegel.de/politik/hollywood-produzent-weinstein-vergewaltigung-ist-kein-sexskandal/20468434.html

Nachtrag #4:
Christian Vooren (18.10.2017): “ … Die Sängerin Björk warf bereits vor einigen Tagen dem Regisseur Lars von Trier indirekt vor, sie sexuell belästigt zu haben. Von Trier habe sie wiederholt gegen ihren Willen gestreichelt und umarmt und ihr ungewollte sexuelle Anspielungen zugeraunt, oft verbunden mit eindeutigen Handbewegungen. Von Trier bestreitet die Vorwürfe und behauptet lediglich, Björk sei „schwierig“. … Mittlerweile trat auch der Chef der Amazon Studios, Roy Price, zurück. Auch ihm wurde vorgeworfen, eine Mitarbeiterin sexuell belästigt zu haben. Er soll ihr unter anderem 2015 in einem Taxi gesagt haben, sie werde seinen Penis lieben. …“ | http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/weinstein-skandal-albtraeume-aus-der-traumfabrik/20471950.html

Nachtrag #5:
Georg Seeßlen (22. Oktober 2017): “ … Das alte, reaktionäre Modell zur Casting-Couch-Mythologie – und es ist wahrlich nicht verschwunden – lautet [ ]: Wer sich in dieses System begibt, tut es freiwillig, mit der Hoffnung auf den eigenen Vorteil, er hat unsere Warnungen gehört, es geschieht ihm recht, es soll nur möglichst nichts von diesem Verhalten nach außen dringen. Im abscheulichsten, aber nicht auszurottenden Bild ist die unattraktive Frau ja nur neidisch auf die attraktive, die sich „nach oben schläft“. … Die Verhaltensweisen von Trump oder Weinstein lassen sich nicht nur als Rückfälle in barbarischen Machismo lesen, sondern auch als exzessive Auslegungen neoliberaler Gepflogenheiten. So wird aus dem offenen Machtspiel das heimliche Wettbewerbsspiel. … Hollywood war und ist auch in dieser Hinsicht Avantgarde: Man lebt hier zugleich den Traum von Liberalität, Gleichberechtigung, Respekt, Korrektheit und Solidarität und den alten Traum von Sexualität als Preis, Beute, Gespenst und Hierarchie. Früher hat man vereinfachend „Doppelmoral“ zu einem solchen Verhalten gesagt. Aber es reicht vermutlich tiefer. Es ist wirklich eine Art von Bewusstseinsspaltung, was sich da zeigt. … Jedes System, das aus Macht, Abhängigkeit und Karrierehoffnung besteht, besteht auch aus sexueller Unterdrückung, Korruption und Demütigung. Wo das anfängt? Vielleicht schon im gockelhaften Benehmen des Filialleiters? In der Bereitschaft, eine Schmeichelei als Währung einzusetzen? In den symbolischen Gesten erotischer Zugehörigkeit? Im Büroklatsch und in Spitznamen? Wer weiß. Und wohin würde eine gesteigerte Sensibilität für die sexuelle Korruption führen, wenn nicht zur Dysfunktionalität des Systems selbst? Also beschränken wir uns im Allgemeinen auf die Frage: Wo muss das aufhören? Es ist also ein drittes Vertrauen notwendig, um überhaupt miteinander arbeiten zu können, nämlich das Vertrauen in die Fähigkeit eines solchen Systems, Regularien für die Praxis zu entwickeln. Und das umfasst auch die Fragen (die Fragen, die wiederum jeder Film stellt): Wieviel dürfen wir sehen? Was sehen alle, und was nicht? Welche Metapher soll entschlüsselt werden? Wo bin ich Zeuge, wo Komplize, wo Mitautor? … Kann jemand sich über das Verhalten von Harvey Weinstein empören, der zugleich Aussagen unterschreiben würde wie „Macht macht sexy“, oder der vom „Eros des Erfolgs“ spricht? Wie viele Menschen beiderlei Geschlechts haben Trumps Übergriffe als gesundes männliches Verhalten bezeichnet? Die westliche Gesellschaft funktioniert nicht so, wie sie es sich gern glauben macht. Also muss es Opfer geben; der Hyde muss vernichtet werden, damit Dr. Jeckyll immer wiederkehren kann. …“ | http://www.zeit.de/kultur/film/2017-10/sexismus-hollywood-harvey-weinstein-sexueller-missbrauch/komplettansicht

rumbati #33 “ … Aufschrei der Heuchler – Der Opportunismus der Verdammung hat den Opportunismus der Andienung abgelöst. Die gestern noch vor Weinstein den Diener machten, um teilzuhaben an seinen Segnungen, sind heute die Eilfertigsten in Sachen Verdammung, Medien eingeschlossen. Das, was Weinstein vorgeworfen wird, wurde in Showbusiness, Politik und Medien als eine Art Selbstverständlichkeit hingenommen und stillschweigend akzeptiert. … “

alliance1979 #39 “ … Gut und Böse sind abgesteckt, aber so ziemlich niemand stellt die wirklich entscheidenden Fragen. Letztendlich dreht sich alles um ökonomische Abhängigkeit und das Schwimmen mit dem Strom. Sich gegen etwas zu wehren, oder andere auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen, kostet Kraft und kann im Zweifel die eigene Existenz gefährden. Etwas zu verdrängen ist wesentlich leichter und sogar lukrativer. Ökonomisch und sozial ist es schlicht einfacher und lohnender Fehlverhalten zu ignorieren, es kann sogar von Vorteil sein Menschen, die sich falsch verhalten, in Ihren Handlungen direkt und indirekt zu bestärken. So machen viele Karriere.
Es hat nichts mit Hollywood oder der Filmbranche zu tun, es hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, es liegt schlicht in unserer Natur mit dem Strom zu schwimmen. Unsere Gesellschaft beruft sich zwar gerne auf „ihre“ Helden, aber meist erst dann, wenn es bequem und sicher ist. Was hat etwa ein E. Snowden gewonnen? Wie viel hat er verloren?
Was riskiert ein Mann oder eine Frau, wenn sie oder er angibt missbraucht worden zu sein? Was kann der gewinnen, der Zeuge solcher Handlungen wird, wenn er dem Opfer zur Seite springt? Was riskiert er dabei? Letztendlich hängt es dann von der Stellung von Opfern und Tätern ab. Sich richtig und mutig, moralisch und ethisch zu verhalten, birgt einfach zu häufig keine wirklichen Vorteile. …“

Nachtrag #6:
Berichte über schwere sexuelle Belästigungen im EU-Parlament (derstandard.at, 23. Oktober 2017) “ … Die britische „Sunday Times“ und andere Medien hatte zuvor schwere Vorwürfe von Parlamentsmitarbeiterinnen öffentlich gemacht. So sollen männliche Abgeordnete Frauen auf verschiedene Weise sexuell bedrängt oder begrapscht haben. In einem Fall habe ein Parlamentarier vor einer jungen Assistentin masturbiert, schrieb die „Sunday Times“. Der Zeitung zufolge sind unter den Beschuldigten mindestens zwei deutsche Abgeordnete. Einer von ihnen wird sogar als „führend“ bezeichnet. …“ | https://derstandard.at/2000066549175/Berichte-ueber-schwere-sexuelle-Belaestigungen-im-EU-Parlament

Nachtrag #7:
Jagoda Marinić (9.11.2017): “ … Zunächst einmal: Zwei Journalistinnen haben für die New York Times „Die Weinstein-Story“ bis in die Neunziger zurückverfolgt. … Wann hat die Presse die Aufgabe, Vergewaltigungen und sexuelle Nötigung zu einer Sache des öffentlichen Interesses zu erklären, und wann nicht? Ist die Belästigung von Leyla Soundso in einem Dorf in Mitteldeutschland, die einem gewalttätigen Chef ausgesetzt ist, für die Presse von derselben Bedeutung? Und selbst wenn sich die Lokalpresse hinter Leyla Soundso stellte, käme ihr in ihrem Ort dieselbe Solidarität entgegen, wie sie die Welt nun den Reichen und Schönen entgegenbringt? … Die meisten Fälle, die unter #MeToo bekannt wurden, fanden in beruflichen Kontexten statt. Kontexte also, in denen die Macht oft bei Männern liegt und unter Frauen wenig Solidarität herrscht. Mangelnde Solidarität unter Frauen, die Erfolg haben, ist ein Grund, weshalb Männer an der Macht es oft so leicht haben, den Kuchen unter sich aufzuteilen. Auch dahingehend ist #MeToo vielleicht der Anfang von etwas Besserem. Das wird es jedoch nur sein, wenn wir differenzieren lernen. Es gibt eine Sphäre zwischen Mann und Frau, zwischen Menschen, gleich welcher sexuellen Orientierung, die geheimnisvoll ist, in der beide, frei nach Büchner, „Dünnhäuter“ sind. Diese Debatte über sexuelle Selbstbestimmung sollte jetzt nicht wie eine Walze über all jene Momente rollen, in denen auch Erotik oder sexuelle Anziehung ihren Platz haben. Sie verlangt von Männern mehr Feingefühl und Selbstbewusstheit. Von uns Frauen verlangt sie das auch. …“ | http://www.taz.de/Debatte-Sexualisierte-Gewalt/!5457949/

lemonhorse / 10 Oktober 2017 / Cinema.Exposure, Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung / 0 Comments

[RWF #3… ]

Filmstill 4 Despair 1978
Despair – Eine Reise ins Licht (Rainer Werner Fassbinder, 1978)

// mathiasdeepred (2011): “ … DESPAIR wurde bei den Filmfestspielen in Cannes mit enormen Erwartungen uraufgeführt und erntete eher ernüchternde Kritiken. Auch die Zuschauer zeigten sich nur mäßig beeindruckt von Fassbinders intellektuellem Spiel um Doppelgänger und Spiegel, ein Thema, das ihn seit jeher faszinierte. Umso größer war die Enttäuschung des Regisseurs, der hier erstmals mit Schauspielern vom Kaliber eines Dirk Bogarde zusammen arbeiten konnte. Die ursprünglich drei Stunden lange Version von DESPAIR wurde von Fassbinder und seiner Cutterin Juliane Lorenz in einer Nachtaktion von drei, bzw. zweieinhalb, auf zwei Stunden heruntergekürzt (der im Vorspann angegebene Cutter Franz Walsch ist ein gängiges Fassbinder-Pseudonym). Nach der schwachen Kinoauswertung verschwand DESPAIR in der Versenkung … Bogarde, der DESPAIR als einen seiner wichtigsten Filme bezeichnete und ihn stets gegen jede Kritik verteidigte, spielen wie üblich viele Fassinder-Vertraute wie Volker Spengler, Ingrid Caven, Peter Kern, Adrian Hoven und Hark Bohm. Andrea Ferrèol aus dem „Großen Fressen“ (1973) ist eine hinreißende Lydia. Fassbinders Lebensgefährte Armin Meier spielt gleich drei Rollen – in einem Film-im-Film (eine der besten Sequenzen von DESPAIR, in der Fassbinder den Hollywood-Gangsterfilm der 30er imitiert) gibt er sowohl einen Polizisten als auch dessen Zwillingsbruder, einen Gangster, und dann taucht er noch als Arbeiter in der Schokoladenfabrik auf, quasi als Doppelgänger von zwei Doppelgängern. Das Thema des Doppelgängers, bzw. Stellvertreters, findet sich in unzähligen Fassbinder-Werken und wird hier künstlerisch auf die Spitze getrieben. Viele Kritiker und Zuschauer störten sich an der Tatsache, dass Klaus Löwitsch Bogardes Ebenbild darstellen soll, diesem aber nicht mal annähernd ähnelt. … DESPAIR ist ein sperriger Film …“ | https://deepreds-kino.blogspot.de/2011/11/despair-eine-reise-ins-licht-1978.html

// 000 (am 12. März 2008):“ … Genial spielt Dirk Bogarde den in den Wahnsinn hinübergleitenden Herman Herman. Diese Entwicklung spielt sich zum größten Teil in Bogardes Gesicht ab und in den Monologen über seine russische Mutter, die er in einer Szene als Person mit fettem wabbeligen Gesicht, dann wieder als wunderschöne Frau, die vor dem Zaren tanzte, beschreibt. Sie belegen seinen Realitätsverlust. Aus Angst vor der Realität- drohender Konkurs seiner Schokoladenfabrik, seine einfältige Ehefrau betrügt ihn vor seinen Augen mit ihrem Cousin, der sich wiederum bei ihm durchschlaucht und aufgeschreckt durch den aufkommenden Nationalsozialismus und die ersten Gewalttaten gegen Juden, die er von einem Straßencafé in Berlin aus beobachtet, flüchtet er sich in eine irreale Welt und in eine neue Identität. Beeindruckend ist auch Andrea Feréol als nymphomanische und einfältige Ehefrau. Der Film ist nicht einfach zu verstehen, man muss ihn daher mehrfach sehen …“ | https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/RYDR1LH2J4NOV/ref=cm_cr_dp_d_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=B00004RRPS

lemonhorse / 13 September 2017 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Zombie (Eine kaum verklausulierte Travestie)… ]

SZ, (5. August 2017):“ … Viele Unternehmen werden nur künstlich am Leben erhalten. Sie machen seit Langem Verluste, verschwinden aber trotzdem nicht vom Markt. … Dennoch finden sie Investoren, die sie finanzieren. Die Rede ist von Unternehmen, die es nach den Regeln der Marktwirtschaft nicht mehr geben dürfte, die weiter existieren, Produkte herstellen und Mitarbeiter beschäftigten, obwohl sie unter normalen Umständen längst pleite sein müssten. Die Rede ist von sogenannten Unternehmenszombies, von untoten Betrieben. Sie sind statistisch erfasst. Ihre Zahl lag im vergangenen Jahr bei 17 702 Firmen. … Besonders groß ist das Problem in Italien, Portugal und Spanien. Aber auch in Deutschland gibt es Zombies. … “ | Aus: „Zombie-Firmen bedrohen die Wirtschaft“, http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/firmenpleiten-zombie-firmen-bedrohen-die-wirtschaft-1.3616490

20min.ch (12. August 2017):“ … Nazis und Zombies – diese Kombination wird ab dem 3. November wieder für Freude unter Shooter-Fans sorgen. Denn nicht nur der … Blockbuster «Call of Duty: WWII» wird dann erscheinen, sondern auch der neue Zombie-Ableger. Der Horden-Modus hat sich in den letzten Jahren etabliert und erfreut sich zunehmend grosser Beliebtheit. … Im Gegensatz zum Hauptspiel muss man kein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich durch Horden von untoten Nazi-Schergen metzelt. Krieg darf und soll da Spass machen, zumal der Fantasy-Faktor den Zombie-Mode von jenen moralischen Bedenken befreit, die bei «CoD» immer mal wieder auftauchen. … Die Kombination aus dreckigem Realismus und fiktiven Elementen mache ihren Zombie-Modus so effektiv, sagten die Entwickler in einem Interview. … «Wir haben mehrere Inhaltsebenen im Spiel. Ein Grossteil davon wurde für pure Unterhaltung designt – will heissen: Du hast Angst, aber du hast auch jede Menge Spass.» … “ | Aus: „Zombies, Nazis und kultige Stars“, http://www.20min.ch/digital/games/story/23957149

Kai Müller (17.07.2017): “ … [George A. Romero] verdankt das Kino eine psychodynamische Umprogrammierung, die der Schriftsteller Daniel Kehlmann in einem Interview mit dem SZ-Magazin einmal damit erklärte, dass der Zombie-Film jedem von uns den Blick des Psychopathen gewähre: „Der Zombie als Figur ist eigentlich uninteressant, er hat keine Aura, aber genau darum geht es: Durch ihn können wir Mitmenschen als seelenlose Wesen sehen, die man ohne Mitleid wegballern kann. Für einen Psychopathen wären alle Menschen Zombies, genau das bestimmt den Blick des Psychopathen auf seine Mitmenschen.“ – Nach dieser Logik steht der Zombie-Film für die Sehnsucht des Spießers, sich aller anderen Spießer um sich herum zu entledigen. Man darf die Täterperspektive ausleben, ohne Bestrafung fürchten zu müssen: ein radikales, anarchistisches Befreiungsprogramm, geleitet vom totalen Wahn der Rechthaberei. Wie nah diese idiotische Selbstermächtigung der Wirklichkeit zuweilen kommt, demonstrieren die Amokläufe in den USA ebenso wie die NSU-Morde und die Verwüstungsorgien linker Autonomer. Wodurch immer sie sich legitimiert wähnen, Romero war ihnen einen Schritt voraus. … “ | Aus: „Zombies und der Tod von George A. Romero Friss oder stirb“, http://www.tagesspiegel.de/kultur/zombies-und-der-tod-von-george-a-romero-das-phaenomen-reicht-bis-weit-in-die-romantik-zurueck/20072060-2.html

presetfreund (12.08.2017 08:48): “ … Die schlüssigste Interpretation der Figur des Zombie lieferte Romero bereits mit seinem zweiten (in der Wahrnehmung vieler: dem ersten) modernen Zombiefilm „Dawn of the Dead“, in dem die Zombies in der Mall herumtorkeln: eine kaum verklausulierte Travestie des Menschen in der modernen Leistungsgesellschaft, der als Glücksversprechen nichts anderes erhält als sinnlosen Konsum und Überfluss. Der Zombie denkt nicht in Zusammenhängen, konsumiert zweckfrei und verbreitet sich krebsartig. Gibt es eine bessere Metapher für unser Leben im Betäubungskonsum und einem Wirtschaftssystem des Wachstums um jeden Preis? – Das Konsumieren (Fressen) macht den Zombie nicht glücklich; er kennt vielmehr überhaupt keine Gefühlsregungen – abgesehen von genervtem Grunzen, wenn etwa eine Beute ihm entwischt. Dennoch will er stetig weiter konsumieren. … Erkennt sich hier jemand wieder? – Die Konsumtätigkeit des Zombies ist komplett sinnlos. Sehr anschaulich wird dieser Umstand in einem weiteren Zombiefilm illustriert, in dem ein abgeschlagener, gleichwohl noch durchaus aktiver Kopf, jemandem einen Finger abbeißt. Der Finger wird geschluckt, erscheint aber im nächsten Moment, wenig angekaut, am unteren, offenen Ende der durchtrennten Speiseröhre. Bon appetit! …“ | https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Zombies-in-der-Kultur/Die-schluessigste-Interpretation-der-Figur-des-Zombie/posting-30856925/show/

lemonhorse / 14 August 2017 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Schatten #5… ]

Vampyr – Der Traum des Allan Grey (D/F/1932)
R: Dreyer, K: Maté, D: Dreyer (nach Le Fanu)

“ … Durch den Einsatz spezieller Kamerafilter (teilweise aus Gaze) und einer ausgefeilten Beleuchtungstechnik (die Außenaufnahmen wurden bei Morgen- bzw. Abenddämmerung gedreht) erzeugte Dreyer eine unheimliche und traumartige Atmosphäre. …“ | Aus: „Vampyr – Der Traum des Allan Gray“, https://de.wikipedia.org/wiki/Vampyr_%E2%80%93_Der_Traum_des_Allan_Gray (28. April 2017)

Impuls via [Trotz der vielen subtilen psychologisch-psychoanalytischen Ansätze, verfällt Dreyer auch immer wieder auf einfache filmische Taschenspielertricks, die an frühe Filme der Lumières und Méliès erinnern; so wenn Schatten scheinbar eigenständig über die Wand gleiten, oder rückwärtsabgespielte Aufnahmen Verwunderung erregen sollen. …]

lemonhorse / 12 Juli 2017 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Zwischen Lust und Melancholie #3… ]

ImZeichenDesLoewen1959b

ImZeichenDesLoewen1959a

„Im Zeichen des Löwen“ (Éric Rohmer: Le signe du Lion, 1959)

// “ … Die noch nicht gänzlich vorhandene Handschrift des Dialogmeisters verzeihe ich dem Film aber in der Tat recht gern, denn auf einer Ebene zwischen Armut und Reichtum, stellt er einen durchaus interessanten Beitrag zur Thematisierung der Klassenunterschiede dar, so begleiten wir den Hauptprotagonisten derart direkt, als stünden wir tatsächlich dicht neben ihm, als wären wir es, jene „Beteiligten“ könnte man beinahe sagen, die sich sein Leid höchstpersönlich vor Augen führen müssten – wir, die wir das Leid somit gewissermaßen teilen und mittragen. …“ (C.S. Filmkunst am 13. Oktober 2016)

// “ … Im heissen August in Paris. Und nun sehen wir ihn durch die Strassen laufen, auf der Suche nach jemandem, der ihm Geld leihen kann. Aber alle Freunde sind im Urlaub. Also das ist kein Film, in dem jetzt ploetzlich einer in der Gosse landet, es ist viel glaubwuerdiger, es wird so erzaehlt, wie es jedem, der in seinem Leben mal mit sehr wenig Geld auskommen musste, ergehen kann. Wenn du ploetzlich nichts in der Tasche hast, und nicht weisst, wohin. Seine Touren durch die Strassen sind bedrueckend, alles an Originalschauplaetzen gedreht …“ (Daniel Zynda am 21. Februar 2017)

lemonhorse / 22 April 2017 / Cinema.Exposure, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Ennio Morricone #7… ]

Musik: „Amore Come Dolore“ (Ennio Morricone, 1970)

// From an obscure Italian thriller Le Foto Proibite di una Signora Per Bene / The Forbidden Photos of a Lady Above Suspicion / The Secret Picture of a Respectable Woman (1970)

// “ … Camera Obscura … Italian Genre Cinema … In den 1980er Jahren war Pront Video eines jener Labels, die unter reißerischen Titeln eine wilde Mischung aus vergessenen Perlen und lachhaftem Trash im Programm hatten. In die erste Kategorie fällt FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT, dessen deutscher Titel ähnlich haarsträubend wie SCHÖN, NACKT UND LIEBESTOLL anmutet … Wobei hier weniger Schockierendes auf der visuellen Ebene geliefert wird, als in der kruden Psychologie, die ganz auf den ‚weiblichen Masochismus‘ abhebt, wie ihn Freud konstatierte. „Ich würde mich gerne mal vergewaltigen lassen…“ sagt hier die Freundin der Protagonistin ganz nebenbei beim Kaffeeplausch … Ercoli [arbeitet] eher psychologisch als reißerisch, was den Film jedoch nicht weniger kontrovers macht. Er … schafft eine Atmosphäre psychosexuellen Drucks, der sich deutlich über die sorgfältige Breitwandfotografie und den loungigen Morricone-Score vermittelt – ein Edel-Giallo mit sadomasochistischen Anklängen. … “ Quelle: http://www.ikonenmagazin.de (2012?)

// [ “ … Obskurität (von lateinisch obscuritas „Dunkelheit, Unverständlichkeit“) bezeichnet eine Verdunkelung im übertragenen Sinn einer Undeutlichkeit. Das zugehörige Adjektiv obskur wird im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert in der Bedeutung „dunkel, unbekannt, verdächtig, [von] zweifelhafter Herkunft“ verwendet. … Heinrich Heine schätzte Anfang des 19. Jahrhunderts das Wort und ordnete zahlreiche Zeitgenossen, insbesondere die Anhänger einer rückwärtsgewandten Romantik, dem Obskurantismus zu. … Meyers Konversationslexikon in der Ausgabe von 1888 erklärt die Obskuranten schließlich zu „Finsterlingen“: „Obskurantismus (lat.), Gegensatz zu Aufklärung …, sowohl die Hinneigung zur geistigen Dämmerung als das System, alle Aufklärung von andern abzuhalten. Die Anhänger des O. heißen Obskuranten (Finsterlinge).“ … In aktuellen Wörterbüchern und Lexika ist der Begriff Obskurantismus [ ] weiterhin präsent, als Bestreben, andere Menschen absichtlich „in Unwissenheit zu halten, ihr selbstständiges Denken zu verhindern und sie an Übernatürliches glauben zu lassen.“ …“ —> de.wikipedia.org] (2017)

// [ „… Teilweise wurde in Barcelona gedreht. Der Aussichtsturm Torre de Sant Sebastià am Hafen spielt eine nicht unerhebliche Rolle. … Auf Schnittberichte.com wird Ercolis Werk als „Psycho-Thriller der Spitzenklasse“ bezeichnet. Zu dieser zählt laut Christian Ade von Filmtipps.at der Erotikthriller gerade eben nicht, aber an Spannung – erzeugt durch „eine gewisse Unvorhersehbarkeit und Plot twists [*]“ – fehle es ihm auch nicht. „Spannung bis zuletzt“ bestätigt auch das italienische Online-Magazin Futuro Europa in seinem Filmreview anlässlich des Todes Luciano Ercolis. Zudem wird der Soundtrack dort als eindrucksvoll bezeichnet. …“ —> https://de.wikipedia.org] (2017)

// [ * … When a plot twist happens near the end of a story, especially if it changes one’s view of the preceding events, it is known as a surprise ending. —> https://en.wikipedia.org/wiki/Plot_twist ] (2017)

// [ Luciano Ercoli (1929 – 2015) —> https://de.wikipedia.org/wiki/Luciano_Ercoli] (2017)

lemonhorse / 20 April 2017 / Akustische.Wellen, Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder / 0 Comments

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