lemonhorse / 9 November 2017 / Kiel.Refugium, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

lemonhorse / 9 November 2017 / Kiel.Refugium, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #44… ]

Der Leichenzug, Widmung an Oskar Panizza (1917-1918), George Grosz, Öl, 140cm × 110cm

“ … Grosz wurde in der Weimarer Zeit zahlreichen zermürbenden Gerichtsprozessen unterworfen. Schon 1921 war er auf Grund der 1920 auf der Dada-Kunstmesse ausgestellten Mappe Gott mit uns wegen „Beleidigung der Reichswehr“ zu einer Geldstrafe von 300 RM verurteilt worden [Gott mit uns … zierte [ ] nach dem Ende der Monarchie die Koppelschlösser der Soldaten der Reichswehr und der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.]. Eine Geldstrafe von 600 RM wurde zusätzlich seinem Verleger Wieland Herzfelde vom Malik-Verlag auferlegt. Ein Hauptmann der Reichswehr hatte die Anzeige erstattet, weil er die Dada-Ausstellung im Allgemeinen und besonders die Mappe von Georg Grosz als systematische Hetze und verabscheuungswürdige Verunglimpfung empfunden hatte. 1923 wurde ein weiteres Verfahren wegen „Angriffs auf die öffentliche Moral“ nach § 184 StGB, dem Unzuchtsparagrafen, eröffnet. Sieben Farb- und 27 Schwarz-Weiß-Abbildungen aus dem Werk Ecce Homo wurden im April beschlagnahmt und im Dezember wurde Anklage wegen der Verbreitung unzüchtiger Schriften erhoben. 1924 wurden Georg Grosz, Wieland Herzfelde und Julian Gumperz zu einer Geldstrafe im Betrag von jeweils 500 RM verurteilt. Fünf Aquarelle und 17 Zeichnungen mussten aus der Mappe entfernt werden; die entsprechenden Platten und Formen sollten zudem unbrauchbar gemacht werden. Die positiven mündlichen Stellungnahmen der geladenen Sachverständigen, darunter auch der Reichskunstwart Edwin Redslob, und das schriftliche Gutachten von Max Liebermann konnten daran nichts ändern. Ausschlaggebend für die Richter war „das Schamgefühl des normal empfindenden Menschen“. …“ | Aus: „Grosz’ Werk und die Justiz“ (13. Oktober 2017), https://de.wikipedia.org/wiki/George_Grosz#Grosz.E2.80.99_Werk_und_die_Justiz

(2017): “ … Leopold Hermann Oskar Panizza (* 12. November 1853 in Kissingen; † 28. September 1921 in Bayreuth) war ein deutscher Schriftsteller, Satiriker und Publizist. Panizzas Hauptwerk ist das 1894 erschienene satirische Drama Das Liebeskonzil – eine in der Literaturgeschichte beispiellose antikatholische Groteske. Bedeutend sind daneben Panizzas bizarre Erzählungen, in denen er Realistik und Phantastik verband. Als äußerst polemischer Publizist setzte Panizza vor allem satirische Mittel ein … Panizzas lyrisches Schaffen wird in erster Linie als bemerkenswertes Zeugnis seiner zunehmenden Geistesgestörtheit rezipiert. Waren die ersten Veröffentlichungen noch deutliche Nachahmungen romantischer Lyrik, so sind die expressiven Gedichte der 1899 erschienenen Parisjana inhaltliche wie stilistische Provokationen, die selbst von ehemals befreundeten Zeitgenossen als „Material für den Irrenarzt“ gewertet wurden. …“ (Aus: „Das Liebeskonzil und andere Schriften. Hrsg. u. mit e. Nachw. vers. von Hans Prescher.
Panizza, Oskar: Verlag: Neuwied, Luchterhand, 1964) | https://www.zvab.com

“ … Liebeskonzil ist eine Verfilmung des satirisch-grotesken Theaterstücks Das Liebeskonzil (1894) von Oskar Panizza aus dem Jahr 1982. Der Film des Regisseurs Werner Schroeter wurde von der österreichischen Regierung 1985 mit der Begründung verboten, dass er die christliche Religion beleidige. 1994 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Fall Otto-Preminger-Institut gegen Österreich, dass das Verbieten des Filmes eine berechtigte Beschränkung der Kunstfreiheit sei, weil der Film religiöse Gefühle von Katholiken verletzen könne. … 1983 gewann der Film beim Internationalen Filmfestival in São Paulo den Kritiker-Award. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Liebeskonzil (25. Januar 2016)

“ … Kein anderer Autor des wilhelminischen Deutschland – vielleicht Frank Wedekind ausgenommen – war so sehr von der Zensur betroffen, keiner wurde für seine literarischen Werke ähnlich hart durch die Justiz bestraft. Fast alle seine Bücher wurden schon kurz nach ihrer Veröffentlichung verboten und konfisziert, an eine Aufführung seiner Theaterstücke war jahrzehntelang nicht zu denken und seine Familie weigerte sich nach seinem Tod, die Urheberrechte freizugeben. So konnte eine Rezeption seiner Werke erst in den späten 1960er-Jahren einsetzen, in größerem Umfang geschah dies erst in den 1980er-Jahren. … Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Werke Panizzas lange Zeit weder verlegt noch gespielt und waren kein Thema der Germanistik. Als Jes Petersen 1962 die Erstausgabe des Liebeskonzils als Faksimile in einer kleinen Auflage von 300 Exemplaren neu herausgab, wurde das Buch auf den Index gesetzt und Petersen inhaftiert. Seine Wohnung wurde durchsucht, Bücher und Bilder beschlagnahmt und ihm wegen Verbreitung pornographischer Schriften der Prozess gemacht. Nach heftigem Protest der Presse wurden jedoch alle Anklagepunkte gegen Petersen wieder fallengelassen. Erst 1964 gab Hans Prescher das Liebeskonzil zusammen mit anderen Schriften bei Luchterhand in größerer Auflage heraus. Damit war erstmals eine Grundlage für eine breitere Rezeption Panizzas im deutschsprachigen Raum geschaffen. Bereits 1960 war eine französische Übersetzung erschienen, 1964 folgte eine niederländische, 1969 eine italienische und 1971 eine englische Ausgabe.
… Einen veritablen Skandal hatte eine Inszenierung am Teatro Belli in Rom unter der Regie von Antonio Salines 1981 zur Folge. Die italienische Produktion Il concilio d’amore wurde in den Film Liebeskonzil des deutschen Regisseurs Werner Schroeter integriert, der im ausverkauften Zoo Palast auf der Berlinale 1982 Premiere feierte. Die Filmhandlung ist nicht völlig identisch mit Panizzas Stück, so fehlt ihm, wie schon der italienischen Inszenierung, die zügelloseste Szene am Hofe Alexanders VI. im Vatikan. Dagegen werden die Szenen vom Prozess gegen Panizza umrahmt, dessen „Beweisstücke“ sie sind. Die hohen Erwartungen konnte der Film nicht erfüllen: Statt der erwarteten Provokation rief der Film eher enttäuschte Langeweile hervor und galt bald als Flop, die Religionskritik als harmloser Anachronismus aus wilhelminischer Zeit. Auch finanziell war die Low-Budget-Produktion kein Erfolg und lockte nur wenige Zuschauer in die wenigen Kinos, in denen der Film lief. … Völlig überraschend kam im Mai 1985 ein Verbot des Filmes durch die Tiroler Landesregierung, weil er die christliche Religion beleidige: Als das Otto-Preminger-Institut für audiovisuelle Mediengestaltung (OPI) das Liebeskonzil sechs Abende in ihrem Kino in Innsbruck zeigen wollte, erstattete die katholische Diözese Anzeige gegen den Direktor des OPI, Dietmar Zingl, und fand die Unterstützung des Staatsanwalts. Trotz harscher Reaktionen der österreichischen Presse wurde der Film, wie kurze Zeit vorher Das Gespenst von Herbert Achternbusch, in Tirol verboten. 1994 bestätigte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte diese Entscheidung. In der Schweiz erstattete 1997 eine Gruppe namens „Christen für die Wahrheit“ unter Berufung auf § 261 StGB (Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit) Anzeige gegen eine Inszenierung des Liebeskonzils durch die Abschlussklasse der Schauspielschule Bern. Diese Klage wurde 1998 durch ein Berner Gericht abgewiesen. …“ | Aus: „Oskar Panizza“ (22. Oktober 2017), Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Panizza

lemonhorse / 28 Oktober 2017 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Zur Ontologie des nicht Seienden #16… ]

Thomas Metzinger (06.09.2017): “ … Humanoide Roboter lösen etwas in uns aus, was ich „soziale Halluzinationen“ nenne. Wir Menschen haben die Fähigkeit, uns einzubilden, es mit einem selbstbewussten Gegenüber zu tun zu haben, auch wenn das nicht der Fall ist. Davon gibt es Vorstufen: Kinder und Naturvölker glauben oft an eine beseelte Natur. Wenn der Computer spinnt, brüllen wir ihn an. Andere Menschen lieben ihr Auto oder vermissen ihr Handy. … Wirkt der Roboter zu echt, finden das viele Menschen tatsächlich gruselig. Forscher nennen diese Grauzone „uncanny valley“, das unheimliche Tal. Das ist wie in einem Horrorfilm. Wenn wir merken, da schaut uns etwas an, das eigentlich tot ist, rührt das an Urängste. … Ich kann mir […] vorstellen, dass in 20 Jahren in einem ethischen Streitgespräch mal jemand auf den Tisch haut und sagt: „Jetzt mal langsam, das ist bloß eine Maschine!“ Und die Antwort dann lautet: „Wie? Maschine? Das ist mein Freund! Immer gewesen.“ …“ | Aus: „Menschen gegen Roboter „Der Evolution ist ja egal, ob wir glücklich sind““ (06.09.2017) | http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/menschen-gegen-roboter-der-evolution-ist-ja-egal-ob-wir-gluecklich-sind/20268974-all.html

lemonhorse / 7 September 2017 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Matti (1973 – 2017) … ]

Matti

“ … Mindexpander Logbuch: 161.Eintrag (10.12.1995, 22:23) … Ich sitze auf einem Stuhl, der naturwissenschaftlich aus gigantischen Zwischenräumen besteht, gefüllt mit Zwischenräumen. Ich tippe auf einer Tastatur – die mein Nervensystem als Antwort auf den nicht leicht fassbaren Energietanz konstruiert hat. Mein Nervensystem ist ebenfalls aus Zwischenräumen aufgebaut; funktioniert aber in diesem euklidischen Universum ganz gut (naja, Ansichtssache). … Das Nervensystem verfügt über ein eigenständiges System: das Bewusstsein … Es kann sich selbst umbauen, ausbauen, erweitern, vergrößern. … Es dient gewissermaßen als natürlicher Regulator, je nach Belastbarkeit des Nervensystems. … [Mein] Nervensystem ist jetzt leicht überlastet, sodass es die Beantwortung der unweigerlich auftauchenden Frage nach dem Sinn des Ganzen getrost dem 162. Eintrag überlässt. …“

lemonhorse / 28 April 2017 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 3 Comments

[Kriegsschauplätze (1947) #28… ]

“ … Einen Tag nach Borcherts Tod, am 21. November 1947, fand die Uraufführung von Draußen vor der Tür in den Hamburger Kammerspielen statt. Erst kurz vor Premierenbeginn erreichte die Todesmeldung die Mitwirkenden …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Borchert (31. Januar 2017)

“ … Kurz vor seinem Tod in Basel urteilte [Wolfgang Borchert] in einem Interview über den sich abzeichnenden Erfolg seines Stücks: „Daß eine Reihe von Bühnen mein Stück aufführt ist reine Verlegenheit – was sollen sie sonst tun?“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Drau%C3%9Fen_vor_der_T%C3%BCr (31. Januar 2017)

Lutz Herden „1947: Klabautermann“ (13.02.2017): “ … Das Heimkehrer-Drama „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert wird als Hörspiel ausgestrahlt [am 13. Februar 1947 vom Nordwestdeutschen Rundfunk]. … Wer den Krieg überlebt hat, ist nicht davongekommen, glaubt der Autor … Borchert wird Beckmann. Und Beckmann rettet Borchert. Für ein paar Tage zumindest, für acht, um genau zu sein, in denen Draußen vor der Tür entsteht als dramatisches Traktat, das wohl „kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“, ist der Autor überzeugt. … Beckmann in seiner Stunde null trifft auf Deutschland im Jahr zwei nach der Stunde null, auf Menschen, befallen von der Seuche und Sucht des Vergessens, gegen die kein Krieg gewachsen ist. Und keine Not. Beckmann kann tun, was er will, bebend vor bleierner Schwere und zitternd vor angestauter Verzweiflung, immer zieht es ihn ins nasse Grab der Elbe, wo es kalt ist und er endlich wieder einschlafen kann, wenn das Vergangene hinabsinkt wie ein leerer Stiefel. … „Lass Dich auf Deinem einmal beschrittenen Weg nicht beirren. Schreibe für uns, Deine Kameraden“, verlangt einer, der mit „ein Kriegsversehrter aus Essen“ unterschreibt. Dass Borcherts expressive Sprachwut viel fatalistische Hingabe ans Unabänderliche umgibt, stört kaum. Der Zeitgeist verzeiht nicht nur, er braucht die suizidale Inbrunst. Und Bertolt Brechts Hinweis – „Die dunklen Mächte“, (…) die dich da schinden, sie haben Name, Anschrift und Gesicht“ – verblasst. …“ | Quelle: https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/1947-klabautermann

lemonhorse / 14 Februar 2017 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

lemonhorse / 28 Januar 2017 / Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

lemonhorse / 20 Januar 2017 / Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Fellini #18… ]

„A director´s notoebook“ by Federico Fellini shot in 16mm (54 Minutes, 1969) | Fellini discusses his views of making motion pictures and his unorthodox procedures. He seeks inspiration in various out of the way places. During this film viewers go with him to the Colisseum at night, on a subway ride past Roman ruins, to the Appian Way, to a slaughterhouse, and on a visit to Marcello Mastroianni’s house. Fellini also is seen in his own office interviewing a series of unusual characters seeking work or his help.

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lemonhorse / 7 Januar 2017 / Cinema.Exposure, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel, Traum.Log / 0 Comments

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