[Bericht aus dem Hinterhof (06.06.2015)… ]

Kiel. Im Niemannsweg rauschen die Bäume ehrwürdig ruhig im Wind, die Borderline-Patienten sind ja auf offener Straße nicht zu sehen. Jeder Stadtteil hat seine Selbstverständlichkeit. Düsternbrook hält sich daran. Das Fahrrad klappert. Die abschüssige Kurve noch, dann zieht es mich wieder auf das Ostufer.
Auch auf dieser Seite der Kieler Förde ergeht man sich im Erfüllen von vorhersehbarem: von der Eckkneipe gegenüber brüllt ein Mann (wie alt mag er sein?) um die fünfzig mit versoffenem Ton einer Frau hinterher. Er bewirft alsdann die Dame mit einer vollen Flasche Bier, die Dame (schlau genug) ist aber schon um die Häuserecke verschwunden und entwichen. Der Flaschenwurf war um zwei Sekunden alkoholverzögert und auch nich zielgenau. Die noch mit dem silbernen Kronkorken verzierte braune Flasche prallt in leicht gebogener Bahn auf die Kühlerhaube von einen VW-Polo. Akustisch ein kurzes Znack-(Pause)-Zrotz-Klock-Klock-Geräusch. Eine kleine Delle im Lack. Eigentlich ist gar nichts passiert. Schon ist wieder Ruhe in der Medusastraße.
Das alte Rad klappert nun gesteigert beim überfahren des Kantsteins – und trägt mich weiter zu einer kleinen Pizzeria. Runter vom Rad. Bin in der Gutenbergstraße – gar nicht weit weg vom Schrevenpark.
Direkt neben mir geht ein hölzernes Garagentor auf. Ich sitze bereits auf einem Gartenstuhl in einem Hinterhof. Vom Holz und der Machart her betrachtet, könnte das knarrende Tor vielleicht in den 30iger Jahren zusammengebaut worden sein. Ein kleiner aber beleibter Bestattungsunternehmer mit stark augenvergrößernder Brille und schwarzer Anzugshose betritt das hinterhöfische Als-ob-Theater. Ein paar tapsige Schritte von kleinen breiten Füßen. Der Gang hat etwas marionettenhaftes. Doch die Füße, in Kunstleder und Gummisohle gebettet, haben keine Fäden und Ösen. Mit einer etwas zu engen und zugeknöpften Weste schiebt der Herr Bestatter den schwarz-rot-gold verzierten Kaffeebecher vor sich langsam über die mit etwas Unkraut umzingelten Kopfsteinpflaster. Er nimmt einen kleinen Schluck aus seinem nur noch mäßig dampfenden Deutschland-Becher. Der Herr in Schwarz sagt recht laut “ja, ja, ja…”. Ich frage mich dabei, ob er seine Worte an sich selbst, an niemanden, oder an mich adressiert hat. Möglicherweise weiß er es selber nicht genau. Wir sehen uns an. Er wagt sich noch zwei weitere Schritte zum Als-ob-Bühnenzentrum vor. Hinter ihm das geöffnete Garagentor. Dahinter nur noch dunkler Schatten. Noch ein mal entkommt seinem Mund ein “Ja, ja, ja.”
Die Sonne brennt auf den weißen Campingtisch. Ich fühle die Hitze auf dem Gesicht. Der Sommer 2015 hat begonnen. Es ist so hell, dass ich die Augen ein wenig zukneifen muss. Selbstvergessen und etwas verlegen nicke ich dem Mann samt seinem patriotischen Becher zu, schweige und esse das nächste Stück Pizza mit der Hand. Ich schließe die Augen ganz. Noch vor ein paar Minuten fuhr ich an einem Kiosk vorbei. Ein in der Sonne glänzender BMW liegt auf der linken Seitentür vor einem Zebrastreifen. Ein Polizist spricht in sein Funkgerät: “…ja zwei junge Männer, sie sind weggelaufen, ich brauche noch einen Wagen hier…” – das Blaulicht des Notarztwagens geht fast unter, denn der Himmel ist ja schon so voller Blaulicht.
Schon will mir jemand freundlich auf dem Gehweg eine alte Kleinbildkamera verkaufen, die aussieht als wäre sie samt Schutzhülle und Bedienungsanleitung aus dem Nord-Ostseekanal gefischt worden. Die Kamera sieht mich halb erblindet an und ich höre das kurze Stöhnen einer verlotterten Weltseele.

lemonhorse / 15 June 2015 / Gedanken.Memo, Kiel.Gaarden, Kiel.Refugium, Realitaets.Tunnel, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[Wissensordnung und Sprachgebrauch #1… ]


Posted by nothing-cheesy // via

// … die Einsicht, dass die Sprache die Realität nicht bloß abbildet, sondern mittels ihrer Kategorien und Unterscheidungen auch herstellt. Typischerweise ist mit dieser Perspektive auch eine Abkehr von einer objektivistischen Sicht auf die Gesellschaft verbunden… | http://de.wikipedia.org/wiki/Poststrukturalismus

Nachtrag (04.06.2015): // Mister Micawber, Language Coach (knowledge or knowledges? Tue May 06, 2008 1:58 am knowledge or knowledges?): “Knowledge is uncountable.” // John V (Sun Apr 07, 2013 12:17 pm knowledge or knowledges?): ” … “Knowledges” comes essentially from bad translation of French: specifically Foucault. … Foucault, however, uses it to define a relative position of knowledge, i.e., knowledge is never absolute – there are different perspectives, ways of seeing which may all contain elements of truth. The idea is clearer if we think of Foucault’s idea that statements about reality are discourses, which means that even statesments which should be patently obvious such as “little Jimmy has a temperature” become questionable because they come from specific social/historical circumstances.
In English “knowledges” is pretentious. It implies that the user of such terms has more knowledge than we mortals who thought the word did not exist but were wrong. … I think maybe people are intimidated by the rubbish Foucault wrote, but it is not all his fault. Bad translation does not help …” | http://www.english-test.net/forum/ftopic24559.html

lemonhorse / 1 June 2015 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Subjekt & Objekt #2… ]

” … Given the nature of emotional contagion, film is especially well suited to produce it. … Such scenes, which are typically shot in close-up and focus on a characters face, contain several eliciting conditions of emotional contagion. … The most serious challenge to identification accounts of character engagement, including those that emphasize the roles of empathy and simulation, has come from Noël Carroll, who has repeatedly charged that such accounts fail to explain the majority of our reactions to fictional film characters (Carroll 2007, 2008: 177–84). Carroll doesn’t deny that something akin to simulation, empathy, or identification can sometimes occur during the film viewing experiences, but he argues that when spectators’ emotions match those of the characters, it is typically due to criterial prefocusing (which I’ll explain below), not a process of identification or simulation (2008: 149–91). Carroll offers several arguments to support his position. First, he says that spectators’ emotions have different objects from those of the characters, and thus the emotions cannot be the same. This, he claims, is because we observe characters’ situations from outside the narrative. Second, spectators often have different information or more information than the characters, and so they have a different experience of the narrative events. Finally, spectators often have different desires or preferences from those of the characters and ones that can be in conflict with those of the characters. If empathy, simulation, or some other form of identification were a major part of our interaction with characters, there would be greater symmetry than occurs between the characters’ mental states and those of the spectators. …”

From: “”EMPATHY AND CHARACTER ENGAGEMENT” (Amy Coplan) – THE ROUTLEDGE COMPANION – TO PHILOSOPHY AND FILM”, Edited by Paisley Livingston and Carl Plantinga (First published 2009) | http://e-edu.nbu.bg/pluginfile.php/303072/mod_resource/content/0/9780415771665_-_Paisley_Livings_-_The_Routledge_Companion_to_Philosophy_and_Film_-_Routledge.pdf

lemonhorse / 5 May 2015 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Zur Wahrnehmungsblase (Realitätstunnel) #2… ]

… es gibt keinen Punkt, an dem eine Gedankenkette wie “A vermutet, dass B weiß, dass X; und A vermutet auch, dass B denkt, dass A glaubt, B wisse X; usw.” zum Stoppen kommt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Common_Ground, 4. März 2014)

” … In Konflikten … geht die Meinung darüber, was … passiert, weit auseinander. Beide Seiten beschuldigen sich immer wieder der Desinformation und beide werfen Medien vor, parteiisch zu sein. Ursache dafür ist ein Phänomen, das Eli Pariser die Filter-Blase genannt hat – beide Seiten informieren sich aus unterschiedlichen Quellen und es gibt kaum Informationslieferanten, die von allen genutzt werden.
Das ist nicht überraschend und auch kein neues Phänomen. Spannend aber ist, wie eindeutig sich dieser Bias [Trend] in den Daten sozialer Netzwerke beobachten lässt.
Gilad Lotan … hat Daten von Twitter, Instagram und anderen Netzwerken analysiert und visualisiert, um diese Form der “personalisierten Propaganda”, wie er es nennt, zu zeigen. Dazu hat er bei Medium einen Text veröffentlicht.
Lotan untersuchte Twitterer, die im Juli 2014 in irgendeiner Form auf die Bombardierung der Schule des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNRWA) in Gaza reagierten. Der Inhalt der Reaktionen waren nicht entscheidend, vielmehr erstellte Lotan eine Karte, auf der die Accounts danach angeordnet wurden, wem sie folgen. …
Das alles sagt nichts darüber aus, wie Medien über den Konflikt berichten und welche Berichte nun richtig oder falsch sind. Es zeigt aber, dass diejenigen, die die Berichte lesen und kommentieren, sich in vollkommen unterschiedlichen Sphären bewegen. Was die Gefahr erhöht, dass sie kein Verständnis füreinander aufbringen und die andere Seite als Gegner erleben, den es zu bekämpfen gilt. Und es erhöht die Gefahr dafür, dass die Beteiligten auf jeder Seite anfällig für Propaganda sind. Der Krieg am Boden hat also offensichtlich leider auch im Netz zu einer klaren Front geführt. Noch mal, das ist nicht neu. Aber es ist dank Lotans Analyse nun sichtbar. …” | Aus: “Personalisierte Propaganda” Kai Biermann (8. August 2014) >> http://blog.zeit.de/open-data/2014/08/08/gaza-propaganda-twitter/ | (Gilad Lotan – NYC https://medium.com/@gilgul ): “Israel, “Gaza, War & Data” >> https://medium.com/i-data/israel-gaza-war-data-a54969aeb23e

Outside_Observer, 8. August 2014 um 17:37 Uhr: Vor 20 Jahren, als das Internet noch in den Kinderschuhen war, hatte ich grosse Hoffnung, dass sich Menschen nun unabhängig informieren könnten, und dass das zur allgemeinen politischen Bildung beiträgt, und Konflikte entschärft.
Das Gegenteil ist der Fall. Überall bilden sich eigene Blasen und eigene Welten, und man liest nun mal am Liebsten, was die eigenen (Vor)Urteile bestätigt. Das Internet vertieft die Gräben und Konflikte. Dazu kommt, dass durch die Anonymität die Aggressivität der Kommentare enorm zunimmt. Auch das färbt ins wirkliche Leben (die “real reality”) ab.

Le Toast, 8. August 2014 um 18:01 Uhr: Das ist wirklich sehr interessant … dass das Internet maßgeblich dazu beiträgt, dass Leute sich ihre Informationen nach dem Filtern, was sie hören bzw. lesen wollen. Differenziertes Auseinandersetzen mit einer Thematik wird eben von der Notwendigkeit eines vergleichsweise hohen kognitiven Aufwandes begleitet, da keine Heuristiken, wie z.B. Vorurteile mehr sinnvoll genutzt werden können. Vorurteile, Stereotypen, etc. machen es aber sehr viel einfacher, sich ein Bild zu machen, das jedoch von der Realität (ob die jetzt objektiv oder relativ ist, sei mal dahingestellt) enorm abweichen kann.
Man muss versuchen davon wegzukommen, eine eindeutige Einteilung in Gut und Böse erreichen zu wollen, wenn man schon (wie wir) emotional weitgehend unverwickelt ist in der ganzen Sache.

lemonhorse / 3 December 2014 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Es ist immer 17:09…]

Der orange-rote Klappziffernwecker steht seit Monaten auf 17:09 – ich sehe mir die Ziffern immer wieder wie zufällig an. Ich brauchte die Steckdose des Klappziffernweckers für den Drucker, der jetzt auf dem Holzstuhl steh. Dadurch habe ich eine symbolische Zeitstillstandszone in dem Zimmer hergestellt. Es ist immer 17:09. Es klappert nachts nicht mehr. Der Drucker ist für die Flugtickets in das Zimmer eingedrungen. Diese kleine schwarze Maschine druckt etwas aus und andere Maschinen lesen mit einem Piepp-geräusch am Flugplatz, was der kleine schwarze Drucker geschrieben hat. Ich als Mensch war nur der Übermittler auf 2 Beinen, der benötigt wurde, damit die zwei Maschinen miteinander reden können. Sie haben sich über das Stück Papier verabredet, dass eine Flugmaschine mich mitnehmen soll – bis in die Höhe von 11km. Immerhin sitze ich am Fenster. Nachts sehen die Großstädte von hier oben aus wie glühende Lava.
Lieber würde ich jetzt mit G. eine Zigarette rauchen in seiner kleinen Kellerküche. Wir könnten über Elektronenröhren reden. Zum Beispiel über die EL156. Seinen alten zerfledderten Arbeitssessel hat G. kürzlich aus der Kellerwohnung verbannt – der stand dort über Jahrzehnte. Wir haben so manche Nacht auf ihm gesessen und G. hat dann gekonnt den Lötkolben geschwungen. Er wollte schon seit Jahren mal alles umbauen und wieder Platz schaffen. Jetzt hat er mit dem Sessel augenscheinlich begonnen den Gedanken in die Tat umzusetzen.
Oder ich könnte bei S. einen Becher Kaffee trinken in der Wik. Dort wo die alten Klinikgebäude im Anscharpark zerfallen. S. sagt, sie könne nichts für Später zurücklegen, obwohl sie die ganze Zeit wie wild arbeitet. Manchen Gästen würde sie gern andere Preise für das Essen abverlangen. Höhere Preise für die Kieler-Nachrichten-Leser, gleichbleibende Preise für die Leute, die sie immer schon unterstützt hätten.
Oder ich würde mit V. über Musikequipment reden. Vielleicht würden wir dann etwas später loslegen, V. würde in die Tasten hauen – und ich die Gitarrenseiten hin und her schwingen lassen. Aber V. arbeitet jetzt in Hamburg, kommt darum seit den letzten Wochen etwas später zur Probe.
Oder ich begegne T. im Treppenhaus. Wie das wohl wird. Gerade wurden “wir” verkauft. Das alte Haus aus der Jahrhundertwende hat die Kontonummern und den Besitzer gewechselt. Unten aus dem Keller kommt etwas vermoderte Luft, diese reicht aber nur bis in den ersten Stock. Wir lächeln uns kurz an – und fragen einander wie es uns denn so geht – und ich würde T. vielleicht fragen, ob die Stadtwerke den Strom in seiner Wohnung wieder eingeschaltet hätten.
Es ist 17:09. Ich liege im Bett, habe die Augen zu. Ich schlafe. Ich träume. Es ist nicht leicht Dich (meine erste große Liebe) so zu sehen. Warum liegst du im Bett? Warum hat du dich die letzten 25 Jahre nicht verändert? – Warum sagst du denn nichts? – Ach, es war nur ein Traum. Es ist wieder morgens. Es ist 17:09. Ich trinke einen Becher Kaffee mit J. – ein Blick in die Augen, ein schneller Kuss, schon halb im Flur. Mal schnell quer über die Straße. Ein Stück weiter überblickt der Funkturm die Stadt. Als würde er uns alle ungerührt beobachten, wie ein alter bentongrauer ungelenker Mann auf einem Bein, der seit Jahren inne hält. Die Linie 41 war gerade noch zu bekommen, denn das Rasieren hat zu lange gedauert. Die zwei Halogenlampenreihen an der Linienbusdecke fluchten als Parallelen über unseren Köpfen. Diese seltsame Mischung von Anonymität und Privatheit ist ein ungeheure Quelle für den Psychogeographen. Hier tritt alles zu Tage, die eher leeren Blicke der Müdigkeit, oder wer mit wem den Augenkontakt wagt, wer sich mit Kopfhörer und Touchscreen in die cybernetische Welt der Taschentelefone zurückzieht. Wer traurig ist, wer noch fast wie betäubt sich fühlt, wer in der morgendlichen Ich-Verdünntheit mit wackeligen Gedanken auf die Reise gegangen ist.

lemonhorse / 26 November 2014 / Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel, Traum.Log, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[The Reality of the Virtual (2003)… ]

” … Helmut Lethen hatte … im Herbst 2007 eine Rückkehr zur Wirklichkeit gefordert und den Kulturwissenschaften dabei vorgeworfen, zu leichtfertig alle “sozialen Phänomene zu rhetorischen Inszenierungen zu machen”. In den Kulturwissenschaften, so der Ausgangsbefund auch bei der Tagung des Wiener Wissenschaftskollegs, hätten konstruktivistische Ansätze in den letzten Jahren den Ton angegeben: “Wir konstruieren die Welt durch Symbole. Das heißt aber auch, dass wir das Reale ‘als solches’ von uns fernhalten und ungreibar machen.” Versagten diese Verfahren, dann käme es zum “Einbruch des Realen” …” | Aus: “Schwierige Datenverarbeitung: Das Reale” (futurezone/Gerald Heidegger, 14.12.2008) | http://www.fuzo-archiv.at/artikel/1500733v2

Eine zentrale Rolle im Denken Žižeks spielt das auf Lacan zurückgehende triadische Modell der drei Strukturbestimmungen der Psyche: Reales, Symbolisches und Imaginäres (RSI). Auch hier besteht Žižeks Leistung vor allem in der Übertragung der abstrakten Lacanschen Begriffe auf Phänomene aus Politik, Philosophie, Alltag und Populärkultur.
http://de.wikipedia.org/wiki/Slavoj_%C5%BDi%C5%BEek

Jacques-Marie Émile Lacan, bekannt unter dem Namen Jacques Lacan (* 13. April 1901 in Paris; † 9. September 1981 ebenda)
http://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Lacan

Das Reale ist in der Theorie des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan eine der drei Strukturbestimmungen des Psychischen. Das Reale ist der unauflösbare Rest, der in den übrigen beiden Ordnungen des Imaginären und des Symbolischen nicht aufgeht. Der Begriff des Realen ist nicht mit dem der Realität zu verwechseln, welcher eher der symbolischen Ordnung zuzurechnen ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Reale

LINK ACCUMULATOR :: Slavoj Žižek – der „Bud Spencer der Psychoanalyse“ (G. Seeßlen)
http://www.subf.net/linklist/index.php/topic,165.0.html

lemonhorse / 31 August 2014 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Journalismus (Metakritik)#6… ]

Oliver Das Gupta, “Münchner Neueste Nachrichten vom 4.8.1914: Berlin schiebt Russland die Kriegsschuld zu” (4. August 2014): ” … “Agenten, Schnüffler, Feinde! Wenige Tage nach Kriegsbeginn grassiert die Furcht vor den Handlangern fremder Mächte in Deutschland. Aus verschiedenen Winkeln des Reichs laufen Meldungen ein über Spione, vereitelte und vollzogene Anschläge – und erschossene Verdächtige. Erst am Vortag war von französischen Flugzeugen und versuchten Grenzübertritten vor der Kriegserklärung berichtet worden – alles Falschmeldungen. … Die Reichsführung um Wilhelm II. veröffentlicht den Notenwechsel, der Ende Juli zwischen dem Kaiser und Zar Nikolaus II. stattfand, nachdem Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärt hatte. Die Dokumente sollen beweisen, dass der deutsche Kaiser bis zum Schluss versuchte, den Frieden zu retten. Abgesehen von einem kurzen Schwanken war das nicht der Fall.
Fakt ist: Am Ende der Julikrise waren auch Russland und Frankreich kriegsbereit. Aber in den Wochen zuvor hatten die Führungen in Wien und Berlin an der Eskalation der Lage gebastelt, die nach dem Mord an Österreichs Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo entstanden war. Wilhelm II. nickte den Krieg ab, den seine von ihm hochgezüchtete Kamarilla vorbereitet hatte. Die unschöne, aber gründlich dokumentierte Wahrheit durften die Deutschen erst nach dem Krieg erfahren. …” | http://www.sueddeutsche.de/politik/muenchner-neueste-nachrichten-vom-berlin-schiebt-russland-die-kriegsschuld-zu-1.2076686

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Jochen Bittner, 40, ist Politik-Redakteur der ZEIT (24. Juli 2014): “Es gibt, wie nie zuvor, ein “uns” und ein “sie” nach dem vergangenen Donnerstag. …” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11

Hotte2O, 24. Juli 2014 7:47 Uhr: “Wären wir… “Was seit 7/17 heftiger und gefährlicher zusammenprallt als jemals zuvor, sind demokratische und selbstkritische Länder auf der einen Seite und Länder, die nie demokratisch und kaum selbstkritisch gewesen sind, auf der anderen Seite.” …das, würden wir uns mittlerweile selbstkritisch fragen welche Schuld auch wir an diesem Konflikt haben. Aber gut, dass es mal wieder gesagt wurde, dass wir die “Guten” sind. …” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=1#cid-3841518

alice_42, 24. Juli 2014 8:16 Uhr: “Der Vergleich … >> Das ist Europas 11. September << ... ist so absurd und hinkt an so vielen Stellen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. ..." | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=17#cid-3841588

jonas-zonas, 24. Juli 2014 8:49 Uhr: " ... "Das ist Europas 11. September” Was für ein absurder Vergleich… Ich würde vielmehr sagen: Dieser Artikel ist das Waterloo des kritischen Journalismus. …” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=49#cid-3841704

fenris, 24. Juli 2014 8:17 Uhr: “Heuchelei – Der Vergleich mit 9/11 ist überzogen, allerdings gibt es auch gewisse Parallelen. Momentan wird der Abschuss von MH17 von allen Seiten für ihre neokaltkriegerische Propaganda derart ausgebeutet, dass einem übel werden kann. … Es kommt mir so vor, als wäre jedes Mittel recht um weltweit Konflikte zu schüren damit der militärisch Industrielle Komplex neue Produkte vertrieben kann. ” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=17#cid-3841590

vonDü, 24. Juli 2014 8:23 Uhr: ” … Wären wir selbstkritisch, würden wir uns mit unserem eigenem Beitrag zur Ukrainekrise beschäftigen. Im Wahn moralischer Überlegenheit hat vor allem der Westen agiert, der nichts unternommen hat, um auch Kiev zu mäßigen, sondern ihnen beim Plan, den Konflikt gewaltsam zu lösen, noch den Rücken gestärkt hat. Interessen der Russen in der Ostukraine und Moskau, ignorieren wir bis heute, weil wir die “Guten” sind und uns damit nicht beschäftigen müssen. Nicht als selbstkritisch, sondern als Doppelmoral, wird unsere Politik in weiten Teilen der Welt wahrgenommen. Auch zu Hause, weswegen es nicht gelingt ein “wir gegen die” herbeizuschreiben. …” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=17#cid-3841604

IM Ernst, 24. Juli 2014 8:43 Uhr: “Ach Herr Bittner, keine Ahnung wie Sie auf solche Vergleiche kommen, aber unterlassen Sie bitte so populistische Schlagwörter wie “uns” und “sie”. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft in der es zum Glück nicht so einfach ist eine Krisen – und Kriegsbegeisterung zu erzeugen. Ich denke die Mehrheit zählt weder zu den sog. “Putin-Verstehern” noch zu den “NATO Trommlern” (wozu ich Sie hinzuzähle). Wer soll denn “uns” oder “sie” sein, sind wir wieder soweit das wir Ideologien martialisch verteidigen? … Ich bin mir sicher, dass Sie bereits eine der beiden zu Ihrem “uns” hinzurechnen konnten und wünsche Ihnen eine gute Reise und viel Spass als embedded Journalist im Kampfgebiet – oder bevorzugen Sie dann doch das Trommeln vom heimischen Schreibtisch? … ” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=41#cid-3841678

Anzugveraechter, 24. Juli 2014 8:11 Uhr: “Selbstkritik in unserer westlichen Welt – Ich fürchte, der Herr Bittner lebt in einer eigenen Welt. Denn Selbstkritik transportieren weder unsere westlichen Politiker, noch unsere Leitmedien. …” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=9#cid-3841571

frawx, 24. Juli 2014 8:23 Uhr: ” … “er lebt in einer anderen Welt” – Dieser auf Putin gemünzte Satz trifft wohl eher für den Autor zu. “Es gibt, wie nie zuvor, ein “uns” und ein “sie”..”. Er möchte dieses Lagerdenken aus dem kalten Krieg wieder heraufbeschwören, in dem es nur schwarz und weiß, gut und böse gab. In seinem Weltbild ist kein Platz für die Überlegung, ob Russland die beständige Osterweiterung der Nato, einschließlich des Aufbaus eines Raketenschirms, als Bedrohung auffassen könnte … Im Hinblick auf 9/11 meint der Autor: “Der größte Gesamtfehler dieser Ära war das Versagen westlicher soft power.“. Ob dem Autor jemals der Gedanke gekommen ist, dass der größte Gesamtfehler des Westens die Kriege in Afghanistan, Irak und Libyen waren?
Leider gibt es zu viele Leute mit absurden Weltbildern…“. Was man an den transatlantisch vernetzten Journalisten sieht, die die Interpretationsmuster Washingtons verbreiten. …” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=25#cid-3841606

D.Schüttler, 24. Juli 2014 8:27 Uhr: “Wow Herr Bittner hat sich selbst übertroffen. “Das ist Europas 11 September“. … Man könnte Sie Herr Bittner durchaus als “Psychopath” bezeichnen, wenn man nicht wüsste dass Sie ein Lobbyist für diverse Kreise sind, und somit solche Artikel für gutes Geld schreiben. … ” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=25#cid-3841623

sprintf, 24. Juli 2014 8:47 Uhr: “Der Reichstagsbrand könnte mit 9/11 verglichen werden, weil auch dort – bis heute – Unklarheit über die Täterschaft bzw. die Drahtzieher im Hintergrund besteht. Die enormen Vorteile, die die Machthaber aus der politischen Instrumentalisierung der Katastrophen jeweis ziehen konnten, sind in beiden Fällen eindeutig und im Sinne ihrer Machterweiterung zu bedeutend, um auch schlimmste Vermutungen entkräften zu können: Sie lieferten “gerechtfertigte” Gründe für Krieg, für die Vergeltung eines vermeintlichen Angriffs. Auch die Dämonisierungskampagnen der Medien, die konstruierten Feindbilder, die Hetze und Agitation erinnern heute wieder an dunkelste Zeiten. Wie viel naive Obrigkeitshörigkeit und blinden Gehorsam braucht es, glauben zu können, dass ein “fürsorglicher und beschützender Vater Staat” niemals seine eigenen Kinder verraten würde? …” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=41#cid-3841692

Stefan1337, 24. Juli 2014 8:47 Uhr: “Beruhigender Konsens in den Kommentaren – Beruhigend, dass … die ZEIT-Foristen bei so einem Thema einer Meinung sind. Ich wäre froh, wenn die ZEIT ihrer Verantwortung langsam aber sicher auch mal gerecht würde, und sich versucht, auf ihre journalistischen Wurzeln zu besinnen … Wenn ich verarscht werden will, kann ich die BILD lesen. …” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/fuenf-vor-acht-russland-putin-ukraine-9-11?commentstart=41#cid-3841691

Am Abend des 27. Juni 1980 stürzte Itavia-Flug 870, eine Douglas DC-9 der italienischen Gesellschaft Itavia mit der Kennzeichnung I-TIGI, nördlich der italienischen Insel Ustica auf dem Wege von Bologna nach Palermo aus zunächst ungeklärter Ursache ins Tyrrhenische Meer. Alle 81 Insassen starben bei diesem Flugzeugunglück, das in Italien als „strage di Ustica“ (das Ustica-Blutbad oder -Massaker) bekannt wurde. … Ob die Itavia-Maschine irrtümlich dort hineingeriet oder durch eine Verwechslung abgeschossen wurde, ist ungeklärt und Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Durch die sich seit nunmehr drei Jahrzehnten hinziehenden Ermittlungen und deren jahrelange massive Behinderung durch italienische Militärs und Geheimdienste ist Ustica bis heute ein sehr präsentes und emotionales Thema in Italien. … Im September 2011 entschied ein Zivilgericht in Palermo, dass die italienische Regierung 100 Millionen Euro Schadensersatz an die Hinterbliebenen der 81 Todesopfer leisten müsse. Das Urteil wurde damit begründet, dass die Ministerien für Verkehr und Verteidigung durch Nachlässigkeit und Unterlassung den Absturz mitverursacht sowie die Ermittlungen jahrelang behindert hätten. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Itavia-Flug_870 & https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_abgeschossener_Flugzeuge_in_der_Zivilluftfahrt

Wolfgang Michal (24.07.2014): ” … Auch der Iran und eine radikale Palästinensergruppe waren zeitweise in den Verdacht geraten, das Lockerbie-Attentat verschuldet zu haben. Der Iran, hieß es, habe Vergeltung geübt für den (versehentlichen) Abschuss einer iranischen Passagiermaschine durch ein US-Kriegsschiff am 3. Juli 1988. Dabei kamen 290 Menschen ums Leben. Trotz hochmoderner Erfassungs-Systeme auf dem US-Kreuzer Vincennes wurde das Passagierflugzeug (ein Airbus A300) mit einem Kampfflugzeug des Typs F 14 Tomkat verwechselt. Der damalige US-Vizepräsident George H.W. Bush verteidigte den Fehlschuss seiner Spezialisten als angemessenes Verhalten in einer Konfliktsituation und verweigerte eine Entschuldigung. Die westlichen Medien berichteten meist neutral und forderten keine empfindlichen Sanktionen gegen die USA. Die USA wurden auch nicht zum Schurkenstaat erklärt. Acht Jahre später zahlten die USA eine Entschädigung von 61,8 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen der Opfer, was in etwa 2,5 Prozent der libyschen Zahlung an die Angehörigen des Lockerbie-Anschlags entspricht. Der (irrtümliche) Abschuss der iranischen Passagiermaschine ist wohl eher mit dem Abschuss der malaysischen Boeing zu vergleichen, als dieser mit dem Attentat von Lockerbie. …” | http://www.carta.info/73771/ein-russisches-lockerbie/

Berlin/Moskau – Sollen nach dem Abschuss des malaysischen Flugs MH17 die Strafmaßnahmen gegen Russland verschärft werden? Ja, sagen die meisten Deutschen. … | http://www.spiegel.de/politik/ausland/umfrage-zu-russland-deutsche-befuerworten-haertere-sanktionen-a-983083.html

Alexander Dill “SPIEGEL schließt Russland-Forum nach drei Stunden” (27.07.2014): ” … “Deutsche befürworten härtere Sanktionen gegen Putin” – mit diesem Titel überraschte Spiegel-Online am Sonntag, dem 27. Juli 2014 um 11 Uhr seine Leser. Überraschte deshalb, weil bisher alle Umfragen zu Boykotts und Kriegen mit deutscher Beteiligung stets eine Mehrheit gegen eine außenpolitische Konfrontation zeigten. … Das Schließen des Spiegel-Forums zu Russland zeigt, dass offensichtlich im Propagandakrieg alle Mittel erlaubt sind – nur: Wie möchte man mit solchen Zensurmaßnahmen die Werte einer “freien westlichen Welt” gegen die angebliche Diktatur in Russland verteidigen? …” | http://www.heise.de/tp/artikel/42/42371/1.html

Terror Vacui, 28. Juli 2014 08:29: “… [Ist mir bei spon und faz aufgefallen] Kommentare, die die Artikel als solche bzw. die Arbeit/Ausrichtung der veröffentlichenden Zeitung kritisieren, scheinen im allgemeinen nicht freigegeben zu werden. Anfangs war ich gelegentlich verwirrt, weil ich nicht klar ausmachen konnte, welche meiner überwiegend “kritischen” Kommentare durchgingen und welche nicht. Kommentare, die sich rein auf das beschriebene Geschehen konzentrieren (Ukraine, Schröder, etc.) kommen gelegentlich durch, auch wenn sie nicht der Linie des Artikels entsprechen. Wenn aber “Meta”kritik, enthalten ist, kommen die Kommentare nicht durch. Bei der faz noch konsequenter als beim Spon. Scheint eine Kommentar-Richtlinie zu sein: keine Diskussion über die redaktionelle Arbeit. …” | http://www.heise.de/tp/foren/S-Medium-nicht-kritisieren/forum-283326/msg-25562095/read/

Nachtrag / Kontext:

Markus Ritzmann über Google+, vor 2 Monaten
Qualitätsjournalismus in Deutschland.

dakingcem327, vor 2 Monaten
Aufklärung für Dummies find ich gut

Nachtrag #2
Marcus Klöckner “Leitartikler und Machteliten” (23.05.2014): ” … Josef Joffe, Herausgeber der ZEIT, beschwerte sich beim Chefredakteur des ZDF, Peter Frey über angeblich falsche Darstellungen in der Satire-Sendung. Die “Anstalts”-Redaktion durfte sich mit Unterlassungserklärungen auseinandersetzen, die ihr der Herausgeber und ein Redakteur der liberalen Zeitung haben zukommen lassen. Und Stefan Kornelius, Leitartikler der Süddeutschen Zeitung, wies gegenüber dem NDR-Medienmagazin Zapp Kritik an seiner Nähe zur Elite zurück. … Der Beitrag aus der “Anstalt”, in dem die Hintergründe deutscher Spitzenjournalisten angesprochen wurde, hat die Zuschauer elektrisiert. Sie spüren, dass es hier einen blinden Fleck in ihrem Wissen und in der Berichterstattung der Medien gibt.
Wer zur Bilderberg-Konferenz, zum Treffen der Machtelite am Bohemian Grove samt seines bizarren Rituals oder zur Atlantik-Brücke keinen kritischen Bericht in den Leitmedien findet, dem bleibt nichts anderes übrig, als eben das Internet zu bemühen.
Dem Journalismus der Leitmedien wird immer wieder ein gewaltiger “Bias” vorgeworfen, wenn es um die Deutungsnarrative zu aktuellen gewichtigen gesellschaftspolitischen Themen (siehe Ukraine-Krise) geht.
Vielleicht hängt diese angeprangerte Eindimensionalität in der Berichterstattung gerade auch mit der offensichtlich starken Verwurzelung von so manchem Spitzenjournalist im Eliten-Milieu zusammen. Ihr Habitus, ihre Denke, ihre Selektionskriterien, ja ihre Wahrnehmungs- und Interpretationsschemata entsprechen, das darf man annehmen, in etwa denjenigen, deren Politik und Handeln sie eigentlich kritische beobachten sollten. …” | http://www.heise.de/tp/artikel/41/41841/1.html

Nachtrag #3:
“Journalisten-Kritik muss aus dem Netz” Marcus Klöckner (30.07.2014)
Zeit-Herausgeber Josef Joffe und Polit-Redakteur Jochen Bittner gehen gegen die Satiresendung “Die Anstalt” vor… | http://www.heise.de/tp/artikel/42/42401/1.html

ichwersonst, 30. Juli 2014 03:46: ” … Ich finde es ja schon faszinierend wie die Pressevertreter unserer größeren Blätter mit Meinungsfreiheit, Informationsweitergabe und Widerspruch umgehen. … man fühlt sich wirklich an Kaisers Zeiten und Biedermeier erinnert, denn sie scheinen sich so sehr an ihren Verkündungsjournalismus gewöhnt zu haben, daß sie gar nicht mehr anders können. …” |http://www.heise.de/tp/foren/S-Ich-finde-es-ja-schon-faszinierend/forum-283434/msg-25573771/read/

OmO0815 30. Juli 2014 08:30: ” … Journalismus und Prostitution – “Die Prostitution des Leibes teilt mit dem Journalisten die Fähigkeit, nicht empfinden zu müssen, hat aber vor ihm die Fähigkeit voraus, empfinden zu können.” – Karl Kraus …” | http://www.heise.de/tp/foren/S-Journalismus-und-Prostitution/forum-283434/msg-25574155/read/

-.-

Nachtrag #4:

“Einstweilige Verfügung gegen “Die Anstalt”: Zeit-Journalisten wehren sich gegen ZDF-Satire” (29.07.2014) : ” … von Josef Joffe erreichte uns am Dienstagabend eine Stellungnahme … ” … Betonen möchte ich: Um Satire oder Meinungsfreiheit ging es in dem Antrag auf einstweilige Verfügung nicht. Satire darf vieles, solange sie weder Fakten, noch Persönlichkeitsrechte verletzt. Meinungsfreiheit darf alles, was das Grundgesetz erlaubt. Das muss so bleiben; daran dürfen Journalisten als letzte rütteln.
Das ZDF hat Widerspruch eingelegt. Die Richter haben das letzte Wort. So muss es sein in unserem Rechtsstaat. Mir wäre es hundert Mal lieber gewesen, wenn der Sender ein faires Korrekturangebot gemacht hätte, was nicht geschehen ist.
” Josef Joffe, Herausgeber der Zeit, 29. Juli 2014 …” | http://meedia.de/2014/07/29/einstweilige-verfuegung-gegen-die-anstalt-zdf-wehrt-sich-gegen-zeit-journalisten-joffe-und-bittner/

Thomas Stadler, (28.7.2014): ” … Es sieht also ganz so aus, als würden sich Bittner und Joffe in haarspalterischer Weise auf einige Details konzentrieren, mit dem Ziel die Darstellung größerer Zusammenhänge zu verhindern. …” | http://www.internet-law.de/2014/07/zeit-journalisten-gehen-gerichtlich-gegen-das-zdf-und-die-anstalt-vor.html

Nachtrag #5:

“ZDF sperrt “Anstalt”-Sendung weiterhin komplett in der Mediathek” (05.08.2014)
http://www.heise.de/newsticker/meldung/ZDF-sperrt-Anstalt-Sendung-weiterhin-komplett-in-der-Mediathek-2283400.html

lemonhorse / 28 July 2014 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Der Gebirgsblumenstrauß… ]

Als ich mich dann noch ein mal umdrehte, sah ich die leichte kurze Drehung deines Kopfes – und es blitzte da für kurz ein kleiner Gebirgsblumenstrauß von Fragen in deinen Augen auf. Plötzlich fiel ein Moment aus meinem Leben die Steilküste herunter. Die Zusammenhänge über welche wir hätten reden können, sind seit Jahren dabei, wie Wracks am Meeresboden langsam auseinander zu fallen. Aber wer weiß, ob wir überhaupt im gleichen Meer tauchen. Und weil mein Sohn fast wütend an meinem Ärmel zog, weil auf dem Parkplatz ein Auto auf ihn und mich wartete, konnten wir die zaghaften, um die wirklichen Fragen noch weiträumig kreisenden Sätze, nicht ein mal mehr zu ende sprechen.

Ein naher Niedergang und Tod ist nicht in ein paar Tagen weg zustecken. Das braucht schon etwas länger. Dennoch ist mir, als könnte ich das ganze Gebiet der Erinnerungen und Zustände einigermaßen ruhig durchwandern. Diese Gegebenheiten. Auf das Leben zu schauen ohne zu stocken. Im Grunde haben wir es miteinander ja außerordentlich gut getroffen – in fast den allermeisten Momenten. Danke ist da ein zu kleines Wort. Gut, dass ich mal dein Kind war. Wir haben jetzt das Miteinander in der Gegenwart aufgeben müssen. Nun gibt es keine neuen Kalendertage mehr für uns. Aber manchmal sehe ich verstohlen auf das ausgewechselte Klingelschild, wenn ich gerade mal mit dem Klapperrad durch die Kopfsteinpflasterstraße fahre, in der du gestorben bist.

Perplex war ich schon. Fast 15 Jahre hatte ich vermutlich auf diese Sätze von dir gewartet. Jetzt kommen sie einfach so daher. Ich war gar nicht vorbereitet. Hatte das eigentlich alles schon vergessen. Nun fühlt es sich etwas ungelenk und angerostet an sie zu hören. Vor 15 Jahren wäre das alles irgendwie unschätzbar gewesen. Aber so ergeht es uns Menschen eben. Da fragt man sich etwas ganz still in sich hinein – und bekommt 15 Jahre später die Antwort. Um was es damals ging ist da nicht mehr wichtig – aber das Antworten auf nicht laut gestellte Fragen manchmal so lange brauchen – das sollte ich Idiot besser nicht vergessen.

lemonhorse / 16 July 2014 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Zur Begegnungen mit Phantomen… ]


… Phantom ist ein deutscher Spielfilm von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922. Der Film wird der Stilrichtung des Expressionismus zugerechnet und entstand nach der gleichnamigen Erzählung von Gerhart Hauptmann. … | >> https://de.wikipedia.org/wiki/Phantom_%281922%29

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” … [Ein Phantom ist das, was nicht loslässt, in Gestalt einer trügerischen Vergangenheit, die nicht aufhört, oder einer verheißenen Zukunft, die nicht anfängt.] … Täuschung der Sinne tritt für Purkinje im Rauschzustand ebenso auf wie in Traum und Wahnsinn. Kaum verwunderlich ist daher, dass Begegnungen mit Phantomen und Schwindelerfahrungen um 1800 in Wissenschaft wie Unterhaltungskultur gleichermaßen Aufmerksamkeit zuteil wird. Phantome haben gerade wegen ihrer prekären Stellung zwischen Faktum und Fiktion, zwischen Taumel und Täuschung Faszination erregt. … Die Zeit des Phantoms ist aus der Zeit gefallen, eine Spalte bzw. Verzögerung in der Zeit, eine unmögliche Zeit zwischen Traumzeit und Erwachen. Seine Gestalt ist, wie Kracauer unterstreicht, „erschwindelt“, sie ist immer schon im Verschwinden begriffen, nicht greifbar deshalb. Im Übergang vom Erschwindeln zum Verschwinden gerät die Sprache selbst in den Taumel einer bildmächtigen Metaphorik, die ihren Gegenstand mehr umtänzelt als ergreift. … Die Filmleinwand fungiert generell als Blickscharnier, durch das sich Zuschauerblicke und Blicke in die Kamera kreuzen. Das gilt besonders für das frühe Kino, das Ansichten und Aktualitäten großstädtischen Lebens mit all seinen Zufällen auf Zelluloid gebannt hat […]. … Das Kino, das weiß auch Kracauer und das wussten schon die Kinotheoretiker der ersten Stunde, ist die Heimat der Phantome. Das bewegte Lichtbild nimmt den Menschen wie den Dingen ihre Räumlichkeit und Dichte, macht aus ihnen unheimliche Schemen. Das hebt Herbert Tannenbaum ausdrücklich hervor: „Durch das Fehlen jeder seelischen Tiefe entwachsen die Personen des Lichtbildes gänzlich ihrer irdischen Bodenständigkeit: sie werden zu eigenartigen, triebhaft lebendigen, bewegten Phantomen, sie werden unheimlich, phantastisch.“ … Die „besondere poetische und psychologische Möglichkeit“ des Films sieht Balázs deshalb besonders darin, „daß er das Verhältnis von Traum und Träumer zueinander darstellen kann“ […] … Das eigentliche Skandalon ist jedoch, dass der Film keinen kategorialen Unterschied zwischen Dingen und Phantomen, Gedachtem und Geträumtem macht. […] … Phantome sind [] immer schon da als „analogische Vorstellungen unserer Sinne“ bei Kant, als „Vor-Dinge“ …” | >> Aus: “Phantome – Begegnungen mit dem Ungewissen” Petra Löffler (1997) | >> http://edoc.hu-berlin.de/ilinx/1/loeffler-petra-97/PDF/loeffler.pdf (24 Seiten)

lemonhorse / 27 March 2014 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Rap News 23… ]

Richard Bird, 18.03.2014
As always, brilliant. 

brian cooper, 19.03.2014
F*@king epic….

lemonhorse / 19 March 2014 / Daten.PolitixMicro, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

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