[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #19… ]

foto: joanna pianka

Roman Gerold (23. August 2018): “ … Falls Sie kommende Woche Menschen erblicken, die aus einer riesigen weiblichen Brust trinken, die hinten aus einem Lkw herausragt – dann steckt dahinter der Künstler Milan Mijalkovic. … Zu jenen Phänomenen, die es in einer besseren Welt wohl nicht gäbe, zählt der „Arbeiterstrich“. Tagtäglich bieten dort Männer, vor allem aus Osteuropa, Dienste als Schwarzarbeiter an. Privatpersonen holen die Pfuscher ab und verbringen sie zu Baustellen in der Umgebung. Wiewohl die Männer nicht selten ausgebildet sind – sei es als Maurer oder als Elektriker -, müssen sie mangels Arbeitserlaubnis unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. In Wien ist zum Beispiel die Triester Straße ein Hotspot solcher Schattenwirtschaft. Ebendort, unweit eines großen Baumarkts, könnte man in der kommenden Woche Zeuge einer seltsamen Begebenheit werden. Einer jener Lkws, die den Männern wohlbekannt sind, fährt vor, öffnet die Ladeluke – und zum Vorschein kommt eine riesige weibliche Brust. Keine Milch verspritzt diese allerdings, sondern Wasser, an dem sich die Arbeiter laben können. … Ja, ganz profan könnte man diese Intervention des Künstlers Milan Mijalkovic einen mobilen Brunnen nennen. Eigentlich heißt die Aktion, die außerdem an der Brünner Straße und der Herbststraße stattfindet, jedoch Die Wiener Maria. Sie fügt sich in eine ganze Reihe von sozial engagierten Kunstprojekten ein, die Mijalkovic verwirklicht hat, seit er im Jahr 2000 aus Mazedonien nach Wien kam. Gemeinsam sind diesen Interventionen der Fokus auf gesellschaftliche Schieflagen und der Hang zu einer fast überrumpelnden Direktheit. 2013 ironisierte Mijalkovic den Begriff „Verantwortung“, indem er in einem Happening die Verantwortung für diverse Naturkatastrophen der letzten Jahrtausende versteigerte. Später hielt er eine „Rede zur Demokratie“, die ausschließlich aus kalmierenden Pscht-Lauten bestand. Beruhigen und zugleich ruhig halten: Auf eine ähnliche Doppeldeutigkeit möchte Mijalkovic auch mit der Wiener Maria hinaus. Als „Brust des Kapitalismus“ sieht er das Objekt, eine Brust, die zugleich nähre und abhängig mache. … “ | https://derstandard.at/2000085852159/Weibliche-Brust-als-Wasserspender-fuer-den-Wiener-Arbeiterstrich

Mag. Bitterer, Ernst (Penthousebewohner, August 2018) “ … Das wird den Frauen der Arbeiter zuhause gefallen, wenn die im Ausland an fremden Brüsten nuckeln … Ob das nicht mehr Eigenwerbung für den „Künstler“ ist, als auf ein Problem hinzuweisen? Und wie „ausbeuterisch“ sind denn die Auftraggeber wirklich? Die zahlen doch sicher mehr als die Konzerne in Osteuropa – wer ist da der Ausbeuter? Die Arbeiter kommen meines Wissens auch aus freien Stücken nach Wien. Durch die Arbeitskraftverknappung im Osten steigt dort das Lohnniveau – alles nicht so einfach. …“
sistiana (August 2018): “ … Eklig und unnötig …“
Crom (August 2018): “ .. Genau wegen solcher verbitterten Leute sage ich: Coole Aktion :) …“
QueenBandBabyDuck (August 2018): “ … Igitt, Brüste! ;) …“
zeon (August 2018): „Bin ich der einzige, der nicht wusste, dass sowas wie ein Arbeiterstrich existiert? …“
Miesepete (August 2018): “ … Vermutlich. Sind Sie von der SPÖ Wien? …“
Markus D. Hartbauer (August 2018): „Was macht der Künstler eigentlich beruflich?“
Mafi (August 2018): „Kunst?“
yieldmush (August 2018): “ … [Du darfst] diesen Vergleich von Woody Alan ansehen: https://youtu.be/mr7ZWJJdPV8 …“
Der Waehlerwille (August 2018): “ … Wirklich mutig wär ja ein Penis gewesen .. der Milch gibt. …“
Der unbestechliche Akupunkteur (August 2018): “ … Eher Joghurt… “
Elektronik (August 2018): “ … Hatte ich heute Nacht schon. Danke, …“
Thorin (August 2018): “ … Ja, das hätte mir besser gefallen. Zumal den Kapitalismus weitgehend die Männer repräsentieren, nicht die Frauen. Aber gestandene Arbeiter, die an einem Penis nuckeln. Schwer vorstellbar. Das hält das männliche Ego nicht aus. …“

(Wien, 30. Juli 2018) „Kann alles Arbeit“ ist ein Satz, der in der illegalen Subkultur der Wiener Baubranche typischerweise die Verhandlungen eröffnet und dabei ein Dilemma ausdrückt. Wer seine Chancen auf Arbeit und damit Lohn nicht verwirken will, muss sich verkaufen können – und zwar unter Wert. Acht Euro ist der Stundenlohn, den sich die Männer aus Bulgarien, Rumänien, Polen, Ungarn, der Ukraine und dem Kosovo, viele von ihnen Meister ihres Fachs, erhoffen, wenn sie an der Triester Straße täglich zu Dutzenden darauf warten, abgeholt und zu einer Baustelle im Umland gefahren zu werden. …
https://milanmijalkovic.com/ | https://milanmijalkovic.com/Die-Wiener-Maria

lemonhorse / 23 August 2018 / Daten.PolitixMicro, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemonhorse / 14 August 2018 / Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemonhorse / 1 August 2018 / Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemonhorse / 30 Juli 2018 / Akustische.Wellen, Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Zur Nicht-Realität der wahrgenommenen Objekte #1… ]

Isa Miranda in Malombra (1942) | via
// https://en.wikipedia.org/wiki/Malombra_(1942_film)

// “ … Man kann beispielsweise weder daran zweifeln, dass die Haltung des Glaubens an die Nicht-Realität der wahrgenommenen Objekte, so dauerhaft sie ihrer Möglichkeit nach ist, nicht die ganze Zeit zum Tragen kommt, noch daran, dass sie gelegentlich vom Eindruck des Realen gänzlich verdrängt wird. …“ | Aus: „Der Realitätscharakter der filmischen Projektion“ Albert Michotte van den Berck (Aus dem Französischen von Vinzenz Hediger, 2003(?)) | http://www.montage-av.de/pdf/121_2003/12_1_vandenberck.pdf

lemonhorse / 28 Juli 2018 / Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Vulfpeck… ]

Ooble Dooble vor 8 Monaten „What The Funk“
Sőregi Máté Möc vor 2 Monaten „absolutely massive“
Elric D’André Alarie vor 10 Monaten „Cory’s faces are priceless“
Salome Scala vor 5 Monaten „i am getting horny!“
Sérgio Vasconcelos vor 11 Monaten „got a neck injury“

Cath Ridge: Nice. That groove reminds me of Steely Dan.
mvl: Bach would totally upvote this

// Recordings are done live with real instruments,
// and very seldom are different takes cut and mixed.
// Occasionally tape recording is used for effect.
// https://en.wikipedia.org/wiki/Vulfpeck

>> https://www.youtube.com/user/DJparadiddle/videos

lemonhorse / 17 Juli 2018 / Akustische.Wellen, Found.Stuff, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Der Blick in die Kamera #19… ]

Conrad Veidt blickt in die Kamera (1931) | via

// Notiz:
// Hans Walter Conrad Veidt (* 22. Januar 1893 in Berlin; † 3. April 1943 in Hollywood, Kalifornien, USA)
// … Den Durchbruch zum Filmstar hatte Conrad Veidt in Das Cabinet des Dr. Caligari des Regisseurs
// Robert Wiene. Darin verkörperte er den Somnabulen Cesare … Joseph Goebbels wollte den Filmstar
// in Deutschland halten und versprach Veidt sogar, seiner Ehefrau einen Ariernachweis auszustellen.
// … Am 6. April 1933 floh er mit seiner Frau aus Deutschland, nachdem es zuletzt Gerüchte um eine
// geplante Ermordung Veidts gegeben hatte. … Zu seinen bekanntesten Rollen gehört die des
// deutschen Majors Strasser in Casablanca. …
// https://de.wikipedia.org/wiki/Conrad_Veidt

lemonhorse / 8 Juli 2018 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #13… ]


The Art Forger – SRF (European Broadcasting Union, Am 19.10.2015 veröffentlicht)

Der Kunstmarkt ist eine Fantasiewelt. Es geht um irreale Werte. Der Glaube an Kunst ist wie in die Kirche gehen. …“ (Beltracchi, 8. März 2017)

Farmhouse #4 — 8. März 2017: “ … ich gönne dieser professinellen gehobenen Kunstszene einen Beltracci – den habt ihr euch verdient …“

fabricius3591 #4.1 — 8. März 2017 : “ … Finden Sie nicht, dass das ein bisschen sehr nach dem Neid der besitzlosen Klasse klingt ? …“

Frischfrei #3.7 — 9. März 2017: “ … Welch oberflächliche Retouren. Zur Strafe: Notwendig zwar, aber leider, weil viele Steuerhinterzieher (die öfter als Normalbürger private Käufer teurer Kunstwerke sind) das Gemeinwesen weitaus mehr geschädigt haben als Beltracci, ohne wirkliche Strafe davonkommen. Zur Kunsthochschule: es geht nicht um Unterricht in Kunstgeschichte oder Moral des Malens, sondern auch um Professoren die die Essenz eines Bildes so wiedergeben oder neu kreieren können, dass andere Kunstkenner sich irren. Nur so werden Hypes wirksam demaskiert. … Beltracci hat gezeigt, dass die Kaiser im Kunstmarkt oft nackt sind. …“

haschmi123 #5.6 — 9. März 2017: “ … Was soll daran gut sein, dass man die Experten narrt? Ist etwas gut daran wenn man den Tacho bei einem Gebrauchtwagen verstellt oder Papiere fälscht? Dieser Mann ist für mich ein geldgeiler Betrüger und sonst nichts. …“

Karl Josef Schleidweiler #22 — 9. März 2017: “ … Dass dem Kind, das den Kaiser ohne Kleider, sein aufgeblasenes Wichtigtun entlarvte, die Anerkennung versagt wird, ist bezeichnend für den Markt,
nicht für den Künstler …“

fabricius3591 #8 — 8. März 2017: “ … Ich verstehe den Hype um diesen Mann nicht. … Ich kann da beim besten Willen nix cooles dran finden, sondern allenfalls einen enormen Verfall rechtlicher und bürgerlicher Sitten und Konventionen. …“

parrot0815 #8.1 — 8. März 2017: “ … Finden Sie es wirklich nicht cool, wenn Sie die reichen Idioten abzocken, um einer von ihnen sein zu können… ;-) …“

Till_Eulenspiegel #8.3 — 8. März 2017: „… Sind jene, die sich von Beltracchi täuschen haben lassen, nicht ebenso von Gier getrieben wie er? Von der Gier nach Spekulationsgewinnen, von der Gier nach sozialer Bedeutung durch den Besitz (vermeintlich) bedeutender Werke? Hat er den Kunstbetrieb der heutigen Zeit nicht vielleicht (wenngleich unbeabsichtigt) dadurch entlarvt, dass er eben nicht plagiiert hat, sondern imitiert und dennoch Gutachter wie Käufer täuschen konnte? – Zeigt die Geschichte Beltracchis nicht, dass der Wert von Kunst eben in erster Linie im Auge des Betrachters liegt? Warum sind die von ihm gefertigten Gemälde nun weniger wert? Weil nicht der Name bekannter Künstler darunter steht. Was aber eigentlich auch zeigt, dass es am Ende gar nicht mehr ums Werk an sich geht, sondern um die Vermarktung eines Künstlers. Der Weg zum Turnschuh, dessen Wert stark davon abhängt, welches Label darauf abgedruckt ist, ist da nicht weit, oder? … Beltracchi erfährt vielleicht die Aufmerksamkeit aufgrund seiner technischen Fähigkeiten und weil es eben nicht nur um Plagiate ging. Seine Motive sind nicht zu beschönigen, aber es zeigt doch, dass es bei der Wertermittlung anscheinend vor allem um den Mythos des kopierten Künstlers geht. Damit rückt das Werk an sich eben in den Hintergrund und diesen Umstand hat Beltracchi ausgenutzt. Sprich: Ohne den Hype auf dem Kunstmarkt wäre der Betrug vielleicht niemals möglich gewesen. Das ist letztlich eine Erkenntnis, die erst durch diesen Coup zustande kam.
Im Übrigen hat es schon immer Sympathien für Outlaws gegeben. Wenn es dazu noch gewaltfrei abgeht und mehrheitlich eine Schicht trifft, die der finanzielle Verlust wohl nicht existenziell bedroht, ist die Glorifizierung fast zwangsläufig. …“

Kommentare zu: „Wolfgang Beltracchi: „Der Glaube an Kunst ist wie in die Kirche gehen““
Interview: Martina Kix (8. März 2017)
https://www.zeit.de/campus/2017/02/wolfgang-beltracchi-kunstfaelscher-haft-betrug-kunstmarkt

lemonhorse / 1 Juli 2018 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Kunst.Encoder / 0 Comments

lemonhorse / 27 Juni 2018 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemonhorse / 24 Juni 2018 / Akustische.Wellen, Found.Stuff, Kunst.Encoder / 0 Comments