[Zur Theorie der Macht (Wikileaks XII)… ]

Sebastian Moll “Der Subversive” (2010): ” … Im Jahr 2006 schrieb [Julian Assange] einen Aufsatz mit dem Namen „Conspiracy as Governance“, der heute auch als das Wikileaks-Manifest gilt. Das Dokument, das Assange zuerst auf seinem Blog iq.org veröffentlichte, ist keine sechs DIN-A4-Seiten lang. Doch es enthält nicht weniger als eine umfassende Theorie der Macht sowie präzise Handlungsanweisungen, wie man die Mechanismen der Macht torpedieren kann. Jedes autoritäre Regime, schreibt Assange in dem Pamphlet – und damit meint er unzweifelhaft auch westliche Staaten – hat die Struktur einer Verschwörung. Die Konspiration bestehe aus einem geheimen System von Mechanismen zur Machterhaltung, Mechanismen, die „sich gegen den Wunsch des Volkes nach Wahrheit, Liebe und Selbstverwirklichung“ wenden. … Die [jetzige] Verfolgung dürfte dem Verschwörungstheoretiker wohl insgeheim Genugtuung verschaffen. Er wird das als Beleg dafür nehmen, dass seine Theorie der Macht richtig ist – und dass er mit Wikileaks an genau der richtigen Stelle angesetzt hat. … ” | http://www.fr-online.de/politik/portraet-der-subversive,1472596,4904122.html

Rudolf Hermann “Dänisches Eingeständnis zu Snowden-Jagd” (Stockholm 7.2.2016): ” … Ein Flugzeug der amerikanischen Regierung hat im Juni 2013 in Kopenhagen auf den Whistleblower Edward Snowden gewartet, um ihn in die USA zu bringen. Der dänische Justizminister Sören Pind hat eingeräumt, dass Dänemark die Landeerlaubnis erteilt habe. Das Flugzeug sei in Kopenhagen gelandet, um Edward Snowden übernehmen zu können, falls er in Kopenhagen ankommen sollte, schrieb Pind in einer Notiz zuhanden des Rechtsausschusses des dänischen Parlaments. … Mit diesem Flugzeug waren laut der britischen Tech-Website The Register 2012 für das amerikanische Justizministerium islamistische Terrorverdächtige transportiert worden. … Noch Mitte der letzten Woche hatte der dänische Justizminister Pind erklärt, er habe nicht gewusst, worin der Zweck der Reise des amerikanischen Flugzeugs nach Kopenhagen bestanden habe. Am Freitag wurde dann aber klar, dass die Regierung damals im Bild war. … ” | http://www.nzz.ch/international/daenisches-eingestaendnis-zu-snowden-jagd-1.18691392

kostas Aslanidis (07.02.2016): ” … Wenn die USA befiehlt, gehorchen die europäischen Vasallen. Was sind das für seltsame Länder. Europa ist eine Kolonie der USA und das schlimmste oft freiwillig. Voreiliger Gehorsam. …”

Kristina Beer (09.02.2016): ” … Die schwedische Staatsanwaltschaft hat sich von dem UN-Rechtsgutachten, das die jahrelange Botschaftszuflucht von Wikileaks-Gründer Julian Assange als Freiheitsberaubung einstuft, unbeeindruckt gezeigt. “Er ändert nichts an meinen früheren Beurteilungen in der Voruntersuchung”, wurde Chefanklägerin Marianne Ny am Dienstag in einer Mitteilung zitiert. Zuvor hatte schon der britische Außenminister Philipp Hammond die 17 Seiten lange Begründung der UN-Arbeitsgruppe als “juristisch fehlerhaft” bezeichnet und nannte den Befund “lächerlich”. …” | http://www.heise.de/newsticker/meldung/Julian-Assange-Schwedische-Staatsanwaltschaft-zeigt-sich-vom-UN-Bericht-unbeeindruckt-3097861.html

AlAdler (09.02.2016): ” … Auch wenn es etwas zynisch ist: Assange ist Gradmesser für den Demokratie-Level, unter dem wir im “freien Westen” leben. … Leute wie Assange und Snowden lassen quasi die gläsernen Wände und Decken beschlagen, die uns die verlockenden Früchte des Garten Eden sehen lassen aber vorenthalten. Und das gibt es eben nicht nur in den bösen Unrechtsstaaten wie China oder Russland, sondern ganz konkret bei uns im “freien Westen” … ” | http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Julian-Assange-Schwedische-Staatsanwaltschaft-zeigt-sich-vom-UN-Bericht-unbeeindruckt/Auch-wenn-es-etwas-zynisch-ist-Assange-ist-Gradmesser/posting-24506567/show/

” … Die schwedische Außenministerin Margot Wallström ließ eine Erklärung veröffentlichen, in der betont wird, dass Assange freiwillig die Botschaft von Ecuador aufgesucht hatte. “Herrn Assange steht es jederzeit frei, die Botschaft zu verlassen. Deshalb ist er durch keine Handlung der schwedischen Behörden in seiner Freiheit eingeschränkt. Die Regierung bestreitet deshalb die Ansicht der UN-Arbeitsgruppe.” …” | http://www.heise.de/newsticker/meldung/Nach-UN-Bericht-Assange-bleibt-Haftbefehl-auch-3096099.html

r.e.s (07.02.2016): ” … Tja, solange es um Fälle in Burma, Malaysia und dem Iran ging, unterstützte UK und Schweden selbstverständlich das Uno-Tribunal [1].
In previous, celebrated cases ruled upon by the Working Group
– Aung Sang Suu Kyi in Burma,
– imprisoned opposition leader Anwar Ibrahim in Malaysia,
– detained Washington Post journalist Jason Rezaian in Iran
both Britain and Sweden have given support to the tribunal.
The difference now is that Assange’s persecution and confinement endures in the heart of London.

Aber wir (Premium-Mitglieder des freien Westens) sind ja die Guten. Wir dürfen das (und noch viel mehr, etwa foltern, mit Drohnen morden, ohne UN-Mandat und ungebeten andere Ländern wie Syrien bombardieren usw, usf. – da ist doch willkürliches Festsetzen nix dagegen). … Übrigens – es lohnt sich, mal unter “About Us/Who We Are” nachzulesen [2]: “The Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights (OHCHR) represents the world’s commitment to universal ideals of human dignity. We have a unique mandate from the international community to promote and protect all human rights.” Deren Urteile als „lächerlich“ zu bezeichen, zeigt das Ausmaß der Arroganz und der Instrumentalisierung der UN, [[… denn]] solange [es] uns […] passt [[sind wir dabei]], andernfalls „pfeiffen“ wir drauf. … — Quellen
[1] http://johnpilger.com/articles/freeing-julian-assange-the-last-chapter
[2] http://www.ohchr.org/EN/AboutUs/Pages/WhoWeAre.aspx
…” http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Nach-UN-Bericht-Assange-bleibt-Haftbefehl-auch/Tja-solange-es-um-Faelle-in-Burma-Malaysia-und-dem-Iran-ging/posting-24497259/show/

lemonhorse / 9 February 2016 / Überwachungssysteme, Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Weltdeuter und der Strom eines Unbewussten… ]

(1. Februar 2016):” … In Deutschland herrsche “eine Pogromstimmung, die eine kreuzgefährliche Intensität bekommt“, sagte Merbitz der Leipziger Volkszeitung. In einer Mitteilung der Polizei bezeichnete Merbitz die Angriffe gegen Asylunterkünfte zudem als “feige Straftaten“. Diese spiegelten nicht nur die politische Gesinnung wider, sondern auch die Unfähigkeit der Täter, Empathie, Rücksicht und Mitgefühl für Schutzbedürftige zu zeigen. …” | http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-02/luechtlingsunterkuenfte-anschlaege-sachsen-polizeipraesident

Nichtkonform #23 (02.02.2016): “… Ich bin mir nich mal so sicher, dass das immer Rechtsextremisten sind. Ich denke, darunter sind auch normale Leute, Nachbarn, Väter, Onkel, Tante etc, die sich einfach nicht mehr anders zu helfen wissen. … Und nein, ich möchte hier nicht relativieren. Ich bin einfach der Meinung, solche Taten pauschal als Rechtsextremismus abzutun, wäre falsch. … ” | http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-02/luechtlingsunterkuenfte-anschlaege-sachsen-polizeipraesident?cid=6007307#cid-6007307

Unterlinner #23.1 (02.02.2016): ” … “Ich bin mir nich mal so sicher, dass das immer Rechtsextremisten sind. Ich denke, darunter sind auch normale Leute, Nachbarn, Väter, Onkel, Tante etc, die sich einfach nicht mehr anders zu helfen wissen.” Nach dem Krieg gab es auch fast keine Nazis mehr. Das waren alles normale Leute, Nachbarn, Väter, Onkel, Tante etc, …” | http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-02/luechtlingsunterkuenfte-anschlaege-sachsen-polizeipraesident?cid=6007425#cid-6007425

Heribert Pilch #23.4 (02.02.2016): “… Auch die NSDAP-Führung hatte Kinder und Enkel. Der Führer war ja so nett zu seiner Eva und seinen Schäferhund hat er geliebt, der nette Mensch. Aber er wusste sich einfach nicht mehr zu helfen, gegen, Behinderte, Juden, Schwule, Juden, Linke, … Sie kotzen mich an! …” http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-02/luechtlingsunterkuenfte-anschlaege-sachsen-polizeipraesident?cid=6007563#cid-6007563

Galgenstein #74 (03.02.2016): ” … Die deutsche Seele hat schon sehr abgründige Seiten: Zucht und Ordnung muss man notfalls mit Willkür und Gewalt durchsetzen. Wenn es darum geht Flüchtlinge zu verhindern, ist wohl alles erlaubt. Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte werden zu einem Akt der Notwehr stilisiert. … Die Angst vor fremden Blut lässt die Menschen wieder einmal hysterisch werden. …” http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-02/luechtlingsunterkuenfte-anschlaege-sachsen-polizeipraesident?cid=6010342#cid-6010342

Christian Schröder (01.02.2016): ” … So verdammte Botho Strauß, … ein Veteran des neorechten Menetekelns, die „Flutung des Landes mit Fremden“. Der Dramatiker stilisiert sich zum „letzten Deutschen“ und fristet eine randständige Existenz in der Uckermark, weitab von den Diskursen der Großstadt. …” | http://www.tagesspiegel.de/kultur/botho-strauss-ruediger-safranski-peter-sloterdijk-deutsche-denker-gegen-angela-merkel/12907680.html

Götz Eisenberg //*([https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Eisenberg]) *// “Titel: Fluten, Wellen, Ströme“, (Datum: 23. September 2015 um 9:41 Uhr):” … In welchen Begriffen reden wir über Flüchtlinge? Welche Bilder und Metaphern verwenden die Medien? Was sagt das über uns selber aus? … Seit Wochen sehe ich jeden Abend in der Tagesschau Polizisten, die, wenn sie Flüchtlinge in Empfang nehmen, Mundschutz und Gummihandschuhe tragen. Warum tun sie das? Man denkt unwillkürlich, dass die Fremden unter ansteckenden Krankheiten leiden, Pest und Cholera einschleppen. Man nähert sich ihnen wie Schmutz oder hochtoxischem Abfall. Was machen solche Fernsehbilder mit unserem Bewusstsein – und vor allem unserem Unbewussten? Und: Wie wirken Mundschutz und Gummihandschuhe auf die Ankömmlinge? Man berührt sie mit den spitzen Fingern des Ekels. … Wenn von den Flüchtlingen geredet wird, ist von Flüchtlingsströmen und einer Asylantenschwemme die Rede, von Wellen, Ansturm, Flut. Diese Begriffe legen nahe, dass wir uns dagegen schützen, zur Wehr setzen, Dämme errichten müssen, sonst gehen wir unter, werden wir überschwemmt. Lloyd deMause und Klaus Theweleit haben gezeigt, dass die Verwendung von bestimmten Metaphern wenig über die solcherart Bezeichneten, aber viel über die Körpergeheimnisse, unbewussten Phantasien, Wünsche und Ängste derer aussagen, die sie verwenden. …” | http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=27666

Sven Reichardt “Klaus Theweleits „Männerphantasien“ – ein Erfolgsbuch der 1970er-Jahre” (Zeithistorische Forschungen – Archiv » Heft 3/2006): ” … Die in den Jahren 1977/78 publizierte und „summa cum laude“ bewertete literaturwissenschaftliche Dissertation Klaus Theweleits zählt zu den merk- und denkwürdigsten Exemplaren ihrer Art. … Es gehörte bereits zu den zentralen Denkfiguren der 68er Studentenbewegung, dass Politik und Sexualität eng miteinander verwoben seien. … Männliche Gefühlskälte, ein bloß dressierendes Verhältnis zum Körper, soldatische Härte gegenüber sich und anderen, heroisierendes Beschützerverhalten gegenüber Frauen und ein männlicher Allversorger-Gestus wurden in der alternativen „scene“ zunehmend hinterfragt. Theweleit untermauerte dabei die Kritik der linksalternativen Männer an den herkömmlichen Männerbildern, weil er den soldatischen Mann als einen „Gefühlskrüppel im Charakterpanzer“ (Cora Stephan) schildert, der mit der NS-Zeit zwar seine Blüte erlebt habe, aber bis in die Gegenwart nachwirke: „Die Sorte Männer, die Gegenstand dieser Untersuchung ist, soll keineswegs prinzipiell von den übrigen Männern isoliert werden. Sie bildet vielmehr die Spitze eines Eisbergs von Patriarchialität; was unter der Oberfläche liegt, macht die Gewässer aber insgesamt kalt.“ … Wenn Theweleit zu bedenken gab, dass die Männer weiterhin Elemente des faschistischen Mannes in sich trügen (siehe etwa Bd. 2, S. 270-274), so war dies eine Frage, die in den 1970er-Jahren ständig eruiert wurde und mit Hinweis auf die nach wie vor bestehenden kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen mit ihrer Produktion von Unterordnungsverhältnissen und autoritären Charakterstrukturen zumeist bejaht wurde. Das Konzept des autoritären Denkens, Fühlens und Handelns, die Intoleranz und die behauptete undemokratisch-repressive Politikführung der Bundesrepublik spielte bei dieser Brückenkonstruktion zwischen Vergangenheit und Gegenwart eine herausgehobene Rolle. … Der Erfolg des Buches gründete auf dem Schock, dass „welche von uns“ zu Terroristen wurden. Theweleit hat selbst Verbindungen zur gewaltbereiten Szene im Alternativmilieu und zum Umfeld der RAF hergestellt. Deren kaltherzige Bespitzelung der eigenen „Genossen“ und deren maßloser Hass erinnerten ihn an nationalsozialistische Machenschaften: „Ein Staat, Spitzel, Bullenknüppel können zwar viel, aber nicht so viel wie Leute, die bis gestern Abend um halb neun deine ‚Genossen‘ waren und ab halb zwölf und heute morgen dich unter denen sehen, die besser aufgehoben wären an einem Strick oder so. … Die Genickschüsse fielen verbal oder durch Auslöschung deiner Person aus der Wahrnehmung der Genossen.“ … Theweleit selbst schreibt im Jahr 2000, rückblickend auf die Rezeption seines Buches in Deutschland: „Die Historiker-Kaste […] erwies sich als resistent besonders gegenüber der Psychoanalyse des weißen Terrors“. Auch wenn mit Lutz Niethammer ein prominenter Zeithistoriker das Buch 1979 als „the most fertile contribution to the study of fascism over the last decade“ bezeichnet hat, ist die Einschätzung des Autors sicher nicht ganz falsch. Dies hat jedoch nicht nur mit der Schreibweise, den Zitat-Collagen und dem zusammengewürfelten Bildmaterial vom Gemälde bis zum Comic zu tun – einer Form, die bei einer in solchen Dingen eher konservativ eingestellten Historikerzunft keine Gnade fand. … Unter Historikern lautet zudem ein beliebter Einwand gegen Theweleit, dass er in seinem Buch gar keine Nationalsozialisten untersucht habe. Auf den ersten Blick leuchtet dies ein, da Theweleit sieben Biographien an den Beginn seiner Untersuchung stellt, von denen die meisten im nationalsozialistischen Regime nicht zurechtkamen. Die Freikorps-Typen vom Afrika-Generalmajor Paul von Lettow-Vorbeck bis zum Kapitänleutnant Martin Niemöller, der später im KZ einsaß, wurden keineswegs umstandslos zu Nationalsozialisten. Selbst solche Haudegen wie der Freikorpskommandeur Gerhard Roßbach, der charismatische Chef der Marinebrigade Kapitän Ehrhardt, rechtsradikale Literaten wie Ernst von Salomon und Ernst Jünger wurden bekanntlich im nationalsozialistischen Regime zu unbequemen, keineswegs angepassten Figuren. Lutz Niethammer hat dementsprechend darauf hingewiesen, dass die Freikorpsmänner zum einen keine typischen Nationalsozialisten waren und zum anderen auch nicht den Massenzuzug zur NS-Bewegung seit 1930 erklären könnten. … Gleichwohl bleibt auch auf den zweiten Blick die Frage offen, auf welche (soziale und kulturelle) Gruppe von Männern man Theweleits Theorie beziehen soll. …” | http://www.zeithistorische-forschungen.de/3-2006/id%3D4650

” … wie kommt es, dass saturierte und etablierte Intellektuelle sich in ihrer wohl geheizten Schreibstube plötzlich vor dem Islam fürchten und den Untergang des Abendlands schon vor der Tür sehen? Spricht hier – wie in den von Klaus Theweleit analysierten Flut- und Fließmetaphern der Freikorpsliteratur und ihren Vorstellungen von Bedrohung und Entmenschlichung – einmal mehr der Strom eines Unbewußten, der schon für die Konstitution des faschistischen Mannes prägend war? Oder handelt es sich nur um ein Erregungs-Syndrom alter Säcke … [ (… //* [Wolfgang am 03.02.2016 um 04:55 Uhr: Die sexuelle Anspielung von wegen drohender Altersimpotenz von Leuten wie Sloterdijk als “heimlicher” Motivation ihrer Skepsis finde ich etwas daneben. *// …) ] … Wenn schon gestandene Denker und Weltdeuter sich Fluten, Schwemmen, Wellen und Ströme einbilden – und implizit nach dem Retter rufen wenn sie “Merkel muß weg!” fordern – muß sich über [ ] Pegidisten, die Flüchtlingsheime angreifen und einen starken Führer herbeisehnen, niemand mehr wundern. Wie auch, wenn nicht einmal die Großdenker zu den eigentlichen Ursachen des Problems irgendetwas zu sagen haben, sondern sich nur darüber mokieren, dass hierzulande die Symptome nicht schnell genug beseitigt werden? Zu den Kriegen, die die Massenfluchten auslösten, hat man von den gelehrten Herrn jedenfalls keinen empörten Widerspruch gehört [[Hmmm siehe (***) weiter unten…]]. Wer aber über Bomben und Drohnen nicht sprechen will, sollte über die davor Fliehenden schweigen. Und wer die mit deutscher Unterstützung geführten Kriege für notwendig hält und stillschweigend billigt, der muss die Konsequenzen tragen. Wer Grenzen schließen will muß schießen – auf alles was sich bewegt, denn anders lassen sich Grenzen nicht schließen. Wer sich Flüchtlinge aussuchen will, muß Selektionsrampen eröffnen: die Guten in’s Töpfchen, die Schlechten ins Mittelmeer. … Als ob das Signum “Nation” oder “Volk” nicht ebenso zum Betrug und Missbrauch genutzt wurde, wie Missionen im Namen der “Menschheit” zum aktuellen Menschenrechts-Bellizismus ausgeartet sind. Nicht die “Willkommens-Kultur” ist deshalb als Hypermoral zu kritisieren, sondern die hypermoralistische Perfidie, mit der “Menschenrechte” permanent vorgeschoben und missbraucht werden, um Macht,-und Geschäftsinteressen mit Krieg durchzusetzen. Solange sich gegen diese Politik keine Erregung breit macht, solange unter dem Fähnchen der universellen Gesinnungsethik “Menschenrechte” mit Bomben verbreitet werden, solange können “Verantwortungsethiker” zu Hause nur an den Symptomen herumpfuschen. Dafür braucht es in der Konsequenz, da hat die AfD-Dame Storch (**) durchaus recht, den Schießbefehl an der Grenze. …” Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/47/47295/1.html //* [[Gently__ (3. Februar 2016)” … Was ist denn jetzt kaputt? – Ich hätte jetzt … irgendwas von der “gesteuerten Invasion der Flüchtlinge durch die VSA um die EU-Konkurrenz zu vernichten”, gespickt mit ein paar “CIA-False-Flag”-Anekdoten erwartet. …” | http://www.heise.de/tp/foren/S-Was-ist-denn-jetzt-kaputt/forum-297135/msg-27119808/read/]] *//| [ … [ … (**) Kaum waren Sloterdijks Einlassungen erschienen, machten sich Frauke Petry und Beatrix von Storch gleichsam auf den Weg, die Idee „starkwandiger Grenzen“ radikal zu Ende zu denken, indem sie offen über Gewalt gegen Flüchtlinge orakelten. Erstere forderte, Asylsuchende, die aus Richtung Österreich kämen, unbedingt aufzuhalten. Und dabei müsse man eben „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz.“ Beatrix von Storch sekundierte auf ihrem Facebook-Account: „Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angreifer müssen wir uns verteidigen.“ Auf die Nachfrage eines Users, ob sie denn auch auf Frauen und Kinder schießen lassen wolle, antwortete sie bündig: „Ja.“ Mittlerweile ist die AfD zurückgerudert. Sei alles nicht so gemeint gewesen, natürlich wolle man nicht auf wehrlose Flüchtlinge schießen. Zumal dies – entgegen Petrys Behauptung – rechtlich auch gar nicht möglich ist. Es gibt zwar tatsächlich das 1961 in Kraft getretene „Gesetz über den unmittelbaren Zwang bei Ausübung öffentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte des Bundes“, doch dieses sieht den etwaigen Einsatz von Schusswaffen nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen vor. Betreffende Personen müssen sich schwerer Verbrechen schuldig gemacht haben und gleichzeitig im Begriff sein, sich der Kontrolle zu entziehen. Beides trifft auf [ ] einreisende Flüchtlinge nicht zu. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) gab eigens eine Pressemitteilung heraus und betonte, dass Petrys „Ultima Ratio“-Forderungen keinerlei juristische Grundlage besäßen, sondern die Partei vielmehr ihr „radikales und menschenverachtendes Gedankengut“ entlarvt habe. … Es wird jene „wohltemperierte Grausamkeit“ geben, die Sloterdijk zynisch forderte. … Und im Prinzip wissen das auch alle. Der Zynismus, er ist längst strukturell geworden. …] …] | Aus: “Der Zynismus der anderen” (Nils Markwardt, 04.02.2016), Quelle: https://www.freitag.de/autoren/nils-markwardt/der-zynismus-der-anderen

DJ Holzbank (3. Februar 2016 07:19): ” … Grundsätzlich: Die Partei des moralisierenden Interventionismus unter dem Vorwand des Schutzes der “Menschenrechte” rekrutiert sich in Westeuropa in erster Linie aus (neo-)Liberalen, bei uns also den Grünen und Teilen von CDU und SPD; demnächst auch den liberalen Teilen der Partei “Die Linke”, nicht aus eher Konservativen a la Sloterdijk, Safranski oder Strauss. Bröckers Vorwurf ist also falsch adressiert. …” | http://www.heise.de/tp/foren/S-Zu-den-Kriegen/forum-297135/msg-27118851/read/ | [ [ Sloterdijk: … Die Europäer müssen sich über ihre eigene Attraktivität für Flüchtlinge neue Gedanken machen, und da gibt es verschiedene Modelle. Man kann es machen, wie die Kanadier es tun oder die Australier es tun oder wie die Schweizer es tun, und dabei geht es jedes Mal darum, dass eine Nation, eine allzu attraktive Nation ein Abwehrsystem aufrichtet, zu dessen Konstruktion so etwas wie eine wohltemperierte Grausamkeit vonnöten ist. … [[(***)]] Übrigens ist ein Großteil des jetzigen Emigrationsstromes durch fehlerhafte Außenpolitik der Europäer in der Zeit des Arabischen Frühlings mit ausgelöst worden, denn der größte Teil der Flüchtlinge nimmt ja den Weg über Libyen oder direkt aus Libyen, und die Tatsache, dass seinerzeit Sarkozy Libyen bombardiert hat und bei der Ermordung Gaddafis die Hand gereicht hat, das sind politische Entscheidungen gewesen, die aus einem kurzatmigen Moralismus heraus zu diesen Deregulierungen beigetragen haben. …] Aus:”Peter Sloterdijk: Die Europäer definieren sich selber als gutartig – Peter Sloterdijk im Gespräch mit Rainer Burchardt” (http://www.deutschlandfunk.de/peter-sloterdijk-die-europaeer-definieren-sich-selber-als.1295.de.html?dram:article_id=326944, 30.07.2015) //* ” … Alle sind empört – von BILD bis TAZ, von GROKO bis zur Partei „Die Linke“, von Flüchtlingsinitiativen bis antirassistischen Gruppierungen. Zusammen stehen sie vereint, um diesen „Schießbefehl“ als zynisch und menschenverachtend zurückzuweisen. Das ist er auch. Aber ist es nicht genauso unerträglich, mit Parteien und Positionen zusammenzustehen, die das Ertrinken von Flüchtlingen im Mittelmeer erst möglich gemacht haben und bis heute dafür sorgen, dass ihre Rettung nicht das oberste Gebot ist? An dieser Praxis sind bis heute über 20.000 Menschen gestorben. … Ist es nicht erbarmungslos zynisch, wenn ein Innenminister dieser Tage nach Afghanistan reist, in ein Land, das man in Schutt und Asche gelegt hat, um dort nach „innerstaatlichen Fluchtalternativen“ zu suchen? Mit dem einzigen Ziel, zu verhindern, dass Menschen vor diesem vom Westen so edel geführten Krieg fliehen – dorthin, wo die Unterstützer und Kriegsteilnehmer so friedlich leben? In Griechenland wurde der gemeinnützigen Organisation „Sea watch“ verboten, rechtzeitig und ungehindert Flüchtlinge zu retten. Man warf ihr sogar vor, dass sie die Rettungsmaßnahmen derer störe, die gar nicht rechtzeitig vor Ort sind, um genau dies zu tun. Ist das weniger zynisch, weniger menschenverachtend als das, was AfD fordert? Es gibt aber auch noch einen deutlichen und gewichtigen Unterschied zwischen AfD und Großer Koalition: Erstere sind widerlich, letztere sind zudem an der Macht.” Aus: “Erschießen oder Ertrinken”, Wolf Wetzel (02/04/2016) https://wolfwetzel.wordpress.com/2016/02/04/erschiessen-oder-ertrinken/

Irwisch (Februar 2016 08:38): ” … Das Unbewußte, das sind die nicht in das bewußte Selbst integrierten Selbstanteile, die aus Angst vor Entzug der Fürsorge und des Wohlwollens der Eltern bereits in vorsprachlichen Phasen abgespalten werden mußten. Wir dürfen schon als Kinder, wenn sich dieses Entwicklungsfenster auftut, nicht dieses Ur-Vertrauen in unsere eigene Wahrnehmung und Urteilsbildung entwickeln, die für eigenständiges Denken und von Bevormundung freie Urteilsfähigkeit von grundlegender Bedeutung sind. Deswegen sind die Massen auch so leicht lenkbar, quasi von heute auf morgen umschwenkbar. Daran ändert auch diese ständig überschätzte Intellektualität nicht das Geringste. … Die […] Hemmung der vollständigen Entwicklung eines autonomen Selbst, wie es dem Menschen zustehen würde, wurde umfassend von Arno Gruen untersucht und beschrieben. Gruen beschreibt in seinen Werken detailliert, wie diese Verkrüppelung der menschlichen Psyche vonstatten geht und welche Folgen sie zeitigt. Unsere Gesellschaft ist genau so Ausdruck dieser seelischen Verkrüppelung wie der heutige Mensch Resultat der gesellschaftlichen Verhältnisse ist. Man kann schon lange nicht mehr bestimmen, wo das eine beginnt und das andere aufhört. … Wenn ich meine Mitmenschen nicht mehr empathisch wahrnehmen kann, dann weiß ich nicht, wie sie sind, was sie denken und fühlen. Dann bekomme ich Angst vor meinen Mitmenschen, empfinde sie als bedrohlich, die gefühlte Sicherheit tendiert gegen Null. … ” //* Georg Meier, (3. Februar 2016 09:02): ” … Re: Der Strom eines Unbewußten … Wobei es, platt ausgedrückt, Arschlöcher überall gibt, hier und sonstwo auf dem Planeten. Und ein Depp wird nicht zwangsläufig zu meinem Freund, nur weil er die gleiche Staatsbürgerschaft wie ich hat und ein Anderer ist genauso wenig zwangsläufig mein Gegner, nur weil er woanders her kommt. …” *// | http://www.heise.de/tp/foren/S-Der-Strom-eines-Unbewussten/forum-297135/msg-27118927/read/

lemonhorse / 3 February 2016 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Zwischen Lust und Melancholie #2… ]

…gerade weil sich kaum jemand mehr vorstellen mag, wie ein Leben, ein Alltag jenseits des Spektakels aussehen könnte.

Das lateinische Palindrom “Wir irren des Nachts im Kreis umher und werden vom Feuer verzehrt” liefert den Titel für Guy Debords sechsten und letzten Film, der als kommentierte Abfolge von Standbildern und Filmausschnitten Debords Medien- und Gesellschaftskritik zusammenfasst. (via)| https://de.wikipedia.org/wiki/Guy_Debord

” … In his Theory of the Subject (1982), Badiou suggests that Debord and the situationists could only offer a Promethean politics of “active nihilism.” … | https://fadingtheaesthetic.files.wordpress.com/2013/08/guy-debords-time-image-in-girum-imus-nocte-et-consumimur-igni-1978.pdf (BENJAMIN NOYS: “Guy Debord’s Time-Image:In girum imus nocte et consumimur igni (1978), Grey Room 52, Summer2013, pp.94–107., …)

” … Die Realität werde unsichtbar hinter einer Scheinwelt aus Werbung, Klischees, Propaganda, die aber wiederum ganz reale Auswirkungen auf das Leben der Menschen hat. Real Erlebtes oder Ersehntes wird zunehmend durch seine Repräsentation, durch sein Surrogat ersetzt – Debord nimmt hier auch Ideen der Postmoderne vorweg (das Zeichen bezeichnet nichts mehr, verweist nicht mehr auf etwas Wirkliches, sondern steht für sich selbst, wird so selbst zum Ersatz: Hyperrealität). …” | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Gesellschaft_des_Spektakels (Stand: 05/2014)

” … Ebenso wie ästhetische Phänomene nicht in ›Ästhetisierung‹ aufgehen müssen, ist umgekehrt über die Kenntnis sozialstruktureller Unterschiede im ästhetischen Feld die Brechung sozialer Inhalte im Medium der Distinktion und die Kennzeichnung der ästhetischen Form als »Verleugnung des wahren Charakters von Gesellschaft und sozialen Beziehungen« nicht geringzuschätzen. … Die ästhetische Sphäre scheint der Autonomie des Subjekts im Vergleich zu Politik und Moral mehr Stoff und Bewegungsspielraum zu geben, äußere Bedingungen, die sich als Beschränkung erweisen, in vom Individuum Assimilierbares zu überführen. Wo die Lust des Scheins den Schmerz des Seins brechen soll, entwirklicht sich das Individuum in der Steigerung der Erlebtheit von Geschehnissen über alles wirklich Erlebbare hinaus. Das Erdichtete gerät intensiver als das Reale und die Realität zu einer lachhaften Kopie unserer großen Romane (Arno Schmidt). …” | Aus: “Ästhetisierung und Ideologie” (Meinhard Creydt, Datum ????) | http://www.meinhard-creydt.de/archives/48

Dennis Vetter “Guy Debord: Mit dem Geist des Experiments zurück ins Tageslicht” (29. Jänner 2016): ” … Das Zusehen verurteilte er in seinem Gesellschaftsbild als einzig verbliebene Handlungsoption. Denn alle, die nur noch hinsehen, vergessen das Handeln, verleugnen das Potenzial eines Miteinanders von freier Individualität und Gesellschaft. … Debords Filme waren mehr als zwanzig Jahre lang praktisch nicht zu sehen: Er selbst zog sie 1984 aus dem Verkehr, und erst nach dem Freitod des Künstlers kehrten sie allmählich wieder ans Tageslicht zurück …” | http://derstandard.at/2000029954422/Guy-Debord-Mit-dem-Geist-des-Experiments-zurueck-ins-Tageslicht

” … Die Unbedingtheit, die aus Guy Debords Kino-Trailer für seinen Film La Société du spectacle spricht, mutet fast wie ein Witz an – und ist auch einer, nicht erst heute (in der noch viel ­extremeren Gesellschaft des Spektakels Jahrgang 2015), sondern schon damals, 1973. Dieser Witz ergibt seinen schneidenden Sinn aber erst dann, wenn man ihn – so wie das gesamte schneidende Schaffen von Guy Debord (1931–1994) – nicht wie üblich als Muskel-Entspannung nach der Pose der Unbedingtheit begreift, sondern als deren ernsteste Zuspitzung. Es ist der härteste Galgenhumor, der in der Kunst, im Kino und in der Gesellschaftstheorie des 20. Jahrhunderts zu finden ist. Zugleich steckt in Debords luzider Härte der Vorschein eines ­anderen Lebens, und sei es nur durch das emphatische Wach­halten jener (biografischen) Erfahrungen von Freiheit und Revolte, die er in den Filmen immer wieder beschwört. Er hat dieses andere Leben beschützt, indem er sich weigerte, „das Spiel zu spielen“. Er stellte lieber neue Spielregeln auf. Er wurde nicht zu einem der üblichen öffentlichen Intellektuellen (Hofnarren), die das Spektakel als „kritische Geister“ beleben, sondern machte sich nahezu unsichtbar. Schon 1959 heißt es in seinem zweiten Film: „Ein Film über diese Generation kann nur ein Film über das Fehlen ihrer Werke sein.“ Debord war damals keine 30, und „diese Generation“ ist die inter­nationale Gruppe der Situationisten, in deren Mitte er sich bewegte. … Sechs essayistische, sprachgewaltige, zwischen Fotografie, Bewegtbild und Stimme, zwischen Wut und Melancholie changierende Kinomonumente „gegen das Kino“. Werke, die den politisch-kulturellen Konsens der Medien- und Konsumgesellschaft frontal angreifen und dafür das Massenmedium ihrer Ära wählen – allerdings in Schwarzweiß. Filme, die zugleich „strategisch“ und „maßlos“ sind: strategisch nicht nur, wenn sie Clausewitz, Johnny Guitar, Karl Marx, Die Kinder des Olymp und Baltasar Gracián zitieren, maßlos nicht nur in ihrem Abzielen aufs große Ganze. Und Filme, die diesen ganzheitlichen Angriff durchwegs auf der Grundlage ­einer singulären, persönlichen Erfahrung führen. Das macht sie ­teilbar, mitteilbar, benutzbar – gerade weil sich kaum jemand mehr vorstellen mag, wie ein Leben, ein Alltag jenseits des Spektakels aussehen könnte. …” | http://www.filmmuseum.at/jart/prj3/filmmuseum/main.jart?rel=de&content-id=1216720898687&schienen_id=1448635933522&reserve-mode=active (filmmuseum.at “Guy Debord“, 29. Jänner bis 11. Februar 2016)

lemonhorse / 3 February 2016 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Momentaufnahme #1… ]

(Ende Januar 2016): Kiel ist gerade wie eine nasse dunkle glitschige angegammelte Holzplanke mit Nieselregen und eine handvoll Wind darüber. Gegenüber wird matt weißes Kiosklicht auf verschmierten Fenstern zurückgeworfen. Ich drehe doch noch die Heizung an und schalte die Lampe auf der Arbeitsplatte aus. Angenehm ist die Stille und die Dunkelheit. Wenn ich jetzt in die Straße hinunterschaue, glimmt auf ein paar Pflastersteinen noch dunkelrote Farbe spiegelbildlich auf einer dünn-kalten Wasserschicht. Eine tiefe Schlaflust rieselt in den psychischen Apparat. Was ich gerade noch wahrnehme – oder wie es sich anfühlt, dass die Zeit mich verändert – all das nehme ich mit auf die Matratze. Dann warte ich ab, in welche Gedankenspurrillen ich noch hinein rutsche, bevor dann nichts mehr für mich zu erinnern ist, bevor es weitergeht. Bevor ich morgen früh den Becher Kaffee mit ein paar Tropfen Sahne umrühre, bevor sich die Augen im ersten Moment noch nicht richtig scharf stellen.

lemonhorse / 3 February 2016 / Fraktal.Text, Kiel.Gaarden, Kiel.Refugium, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #53… ]


Ultimo tango a Parigi (1972) | Bild/Impuls via

” … Weltverlorene Figuren finden sich bei Bacon wie bei Bertolucci in Räumen wieder, die von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen zu sein scheinen. … das von Bertolucci vorgestellte erotische Modell bleibt eine Utopie, die zum Scheitern verurteilt ist. Als Jeanne später in der Liebeswohnung von ihrem Vater erzählt und auch Paul von seinen Eltern berichtet, wird die Autarkie ihrer Beziehung und des Ortes nach und nach aufgebrochen. Beide transportieren über ihre Erzählungen ein Stück der Außenwelt, ein Stück bourgeoiser Wirklichkeit mit allen Konventionen und Beschränkungen in den zuvor hermetisch abgeriegelten Raum. … hier [soll] noch [] auf die Interpretation Bernd Kiefers hingewiesen werden, der die Befunde zusammenfassend dargestellt hat: „Bertolucci wollte schockieren, und er wußte, wodurch sich die bürgerliche Kultur, die die „sexuelle Revolution“ (Wilhelm Reich) integriert hatte, noch schockieren ließ: durch die Darstellung kruder, emotional, ja personal abgelöster Sexualität. Das Sakrale, die transzendierende Kraft, ist dem Sexus genommen worden; es bleibt das wahnsinnig-verzweifelte Suchen nach dem Körper, dem eigenen und dem des Partners, in einer fremd gewordenen Welt.“ (Bernd Kiefer: Bernardo Bertolucci. In Thomas Koebner (Hg.): Filmregisseure. Stuttgart 1999, S. 67)” … Bertoluccis zu Puppen erstarrten Tangopaare visualisieren eine moderne Gesellschaft, die zur produktiven Maschine verkommen ist. Gefangen in einem dichten Regel- und Normenwerk, treten diese völlig ignorant ihrer Umwelt gegenüber und sind gekennzeichnet durch emotionale Blindheit. …” | Aus: “Seduktionstheorie des Films IV: Anatomie einer Leidenschaft – Anmerkungen zu Bernardo Bertoluccis transgressivem Liebesfilm DER LETZTE TANGO IN PARIS” Peter Moormann (Datum ????) | Quelle: www.ikonenmagazin.de/artikel/Tango.htm

(15. Januar 2016): ” … Einer von Bertoluccis Freunden, der Schriftsteller Alberto Moravia, sah im Letzten Tango zwei gegensätzliche Kräfte walten, den Eros, der das Lustprinzip verkörpert und Thanatos, das Prinzip des Todes. Die Wohnung ist der privilegierte Sitz des Eros, während über alles andere, über die Außenwelt, Thanatos obwaltet. Der Eros verbleibt als die einzige vollkommene Artikulationsmöglichkeit in der Zivilisation, was eine klare Kritik Bertoluccis an der westlichen Kultur bedeutet. „Der Sexus ist lebendig. Der ganze Rest ist tot: die Bourgeoisie, die Ehre, die Orden, die Familie, die Ehe und sogar die Liebe selbst.“ Die bürgerliche westliche Gesellschaft kennt keine andere lebendige Wahrhaftigkeit als den Sex, … Bertolucci erklärte, in der westlichen, bürgerlichen Gesellschaft sei die Paarbeziehung von Einsamkeit und Tod gekennzeichnet. In seinem Film erlebten die Figuren den Sex als eine neue Sprache. Entsprechend ist der Einsatz des Tango. Er entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den Bordellen von Buenos Aires und genoss in Europa als Import einen Anstrich von Verruchtheit und Erotik. Die bürgerlichen Tanzpaare, die sich bei Bertolucci im Tango üben, führen ihn ritualisiert und leblos aus. War der Tango im Großen Irrtum noch heißblütig, ist er hier eine kalte Karikatur. … Ist er [Paul] zu Beginn der Erzählung noch brutal gewesen, so wird er im Lauf des Films entmännlicht. Gegen Ende rückentwickelt sich Paul zum Flegel, welcher der feinen Gesellschaft den Hintern zeigt, und zum Kind, das den Kaugummi unter die Balustrade klebt, ehe er in fötaler Stellung tot liegen bleibt, im Schoß von Paris. … Jeannes Vater ist im Algerienkrieg gefallen. Sie hat ihn in seiner Uniform hinreißend gefunden. Die Vermutung liegt nahe, dass sie in Paul ihren Vater wiederzufinden hofft. Auch Bertolucci bezeichnete ihre Beziehung als ödipal. Jeanne ist passiv, nur durch Brutalität erregbar, unterwirft sich Paul und ist von ihm fasziniert, weil er ihr die Erfahrung völliger Hingabe vermittelt. Pauls Einsiedlertum, sein Mysterium und seine Authentizität machen ihre Begegnungen mit ihm zu etwas Höherem als ihr Alltag, vermitteln ein Erlebnis von Abenteuer und Freiheit. Paul will nicht altern, Jeanne nicht erwachsen werden. … Als Bertolucci den Letzten Tango schrieb, brach nach fünf Jahren gerade die Beziehung mit seiner Lebensgefährtin auseinander. Bei Brando gab es Vermutungen, dass er aufgrund der Streitigkeiten um Alimente und Sorgerecht einen gehörigen Hass auf Frauen und Familie entwickelt hatte. Der Streifen geriet sofort unter Beschuss durch Feministinnen, von denen einige ein Verbot forderten. Dazu meinte Bertolucci, das sei für ihn eine viel zu instinktive Reaktion. Das Werk handle von Chauvinismus, und moralische Urteile abzugeben interessiere ihn nicht. Überhaupt traumatisiere der Film Männer stärker als Frauen, weil er Männlichkeit in Frage stellt. Es gab Kritikerinnen, die sich dieser Lesart anschlossen: Paul sei gleichzeitig eine extreme Ausprägung des Machotums wie auch ein Beispiel dessen Scheiterns, was eine feministische Kritik erschwere. …” | https://de.wikipedia.org/wiki/Der_letzte_Tango_in_Paris

CLAUDIA TIESCHKY (10. Mai 2010): ” … Das Rätsel des Tangos löst der Film nicht. “You fucking big fucker — ein Mann mag alle Mysterien des Universums kennen, aber das seiner Frau wird er nie verstehen”, sagt Brando am Sarg seiner Ehefrau. Bertolucci schwört, das war improvisiert — so einen Monolog hätte er sich nie ausgedacht. …” | http://www.sueddeutsche.de/kultur/im-fernsehen-der-letzte-tango-ich-kenne-diesen-mann-nicht-1.419898

lemonhorse / 29 January 2016 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Marvin Lee Minsky (09.08.1927 – 24.01.2016)… ]

// Und wieder geht einer der Großen… (bitkobold, 26.01.2016 10:00)
// Marvin Lee Minsky (09.08.1927 – 24.01.2016)
// https://en.wikipedia.org/wiki/Marvin_Minsky

” … Minksy has worked on visual scanners, the Muse synthesizer for musical variations with Ed Fredkin, and the first turtle robots using the computer programming language Logo with Papert. He also designed mechanical hands with tactile sensors, and his research led to the theory of Turing Machines and resistive functions. He was also a technical consultant for the 1968 movie 2001: A Space Odyssey. … A core tenet of Minsky’s philosophy is that “minds are what brains do”. The society of mind theory views the human mind and any other naturally evolved cognitive systems as a vast society of individually simple processes known as agents. These processes are the fundamental thinking entities from which minds are built, and together produce the many abilities we attribute to minds. The great power in viewing a mind as a society of agents, as opposed to the consequence of some basic principle or some simple formal system, is that different agents can be based on different types of processes with different purposes, ways of representing knowledge, and methods for producing results. This idea is perhaps best summarized by the following quote: “What magical trick makes us intelligent? The trick is that there is no trick. The power of intelligence stems from our vast diversity, not from any single, perfect principle.” — Marvin Minsky, The Society of Mind, p. 308 …” // https://en.wikipedia.org/wiki/Society_of_Mind
//* The Society of Mind (wörtlich: Die Gesellschaft des Geistes, deutscher Titel: Mentopolis) ist der Titel eines Buches und einer Theorie von Marvin Minsky.Minsky entwickelt in einem Schritt-für-Schritt-Prozess ein umfassendes Modell menschlicher Intelligenz, und versucht dieses auf das Feld der Künstlichen Intelligenz zu übertragen. Seine Kernthese ist, dass unintelligente (mindless), einfache Bausteine, Agenten, durch Interaktionen Komplexität aufbauen können. Er beschreibt, wie verschiedene Interaktionen, die einer spezifischen Problemlösung zugeordnet sind, als „Agentengemeinschaften“ aufgefasst werden können, daher der Titel „Society of Mind“. … *//
// https://de.wikipedia.org/wiki/The_Society_of_Mind
// http://www.acad.bg/ebook/ml/Society%20of%20Mind.pdf
—-
ByR. Halperinon (amazon review, February 27, 2010): ” … Minsky offers a super intelligent model of the human brain/mind in simple and accessible language and addresses some of philosophy’s oldest riddles with ease and smoothness. A sheer delight! Must read for anyone who wishes to explore the concepts on mind, intelligence and perception. …”

Random Access (amazon review, June 16, 1998): ” … This book [‘Society of the Mind‘] does more to explain the fundamental structure of the human mind than all the volumes of developmental psychology that I’ve read. In a step-by-step process, Minsky constructs a believable thesis for a way in which the human mind in all its complexity can be built up, layer by layer, from the interactions of “agents”, functional subroutines. Some agents are hard-wired by evolution and some are learned. The learned ones stay in consciousness only while they are being built and then become the substrate for higher-level constructs. “The Society of Mind” had shaped the way I look at consciousness. …”

“MOST PEOPLE ARE CONVINCED computers cannot think. That is, really think. Everyone knows that computers already do many things that no person could do without “thinking.” But when computers do such things, most people suspect, that there is only an illusion of thoughtful behavior, and that the machine … ” | Marvin Minsky MIT Cambridge, Massachusetts “Why People Think Computers Can’t” (AI Magazine, 1982)
http://www.agent.ai/doc/upload/200302/mins82_1.pdf


(Westworld, 1973)

” … beim Übergang von der Objektbeziehung zur Objektverwendung, die erst die Anerkennung von Äußeren Objekten als Äußere ermöglicht, stellt sich folgendes Paradox, das auch dem Kind widersprüchliches zumutet: “Das Kleinkind erschafft das Objekt, aber das Objekt war bereits vorher da, um geschaffen und besetzt zu werden” (Winnicott 1973, 104). Winnicott betont ausdrücklich, dass ein wesentlicher Beitrag seiner Theorie in der Aufforderung besteht, “dieses Paradox anzuerkennen und hinzunehmen und es nicht lösen zu wollen. Nur eine Zuflucht zu abgespaltenen intellektuellen Funktionen könnte es lösen; der Preis wäre jedoch, dass das Paradox dabei seinen Wert einbüßt” (ebenda, 8). Der Gedanke Winnicotts besteht darin, “dass eine Widersprüchlichkeit, die akzeptiert wird, positiven Wert haben kann” (ebenda, 25). …”
http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2006/865/pdf/Kuenstliche_Intelligenz_und_Psa_PG.pdf

lemonhorse / 26 January 2016 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Das Verhältnis des Kunstwerks zu seinem Gegenstand #2… ]

// Und dann kurz noch notiert…
Gregor Dotzauer (21.01.2016): ” … Das große Thema der achtziger Jahre, wie es federführend Jean Baudrillard formulierte, war die mediale Simulation von Wirklichkeit. Ben Lerners Thema ist die Simulation von Kunst – und welche Aufgaben ihr im Angesicht einer vermeintlich zurückweichenden Wirklichkeit bleiben. … Es geht um eine Wirklichkeit, die sich in ihrer Dringlichkeit nicht mehr erleben lässt, und um eine Kunst, die sich in ihrer Harmlosigkeit eingerichtet hat – inmitten von Blutbädern und ästhetischem Agitprop. Literarisch gesehen treibt ihn eine Sprachskepsis an, der die Worte nicht im Mund zerfallen wie modrige Pilze, sondern in der Eloquenz alles erstickt. Die künstlerische Praxis erlebt sich in ihrer Täuschungshaftigkeit so bewusst, dass sie jede Suche nach einem Äußerungsmodus aufgegeben hat, der einen der Wirklichkeit angemessenen Einsatz verlangt. … ” | http://www.tagesspiegel.de/kultur/ben-lerner-und-sein-roman-22-04-das-motto-stammt-von-walter-benjamin/12857568-2.html

lemonhorse / 21 January 2016 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Spannungsverhältnisse (Gottesgnadentum)#3… ]

András Szigetvari (18. Jänner 2016): ” … Es ist höchste Zeit für eine breite Debatte … Man muss kein verträumter Linker sein, damit einen angesichts der Zahlen, die Oxfam am Montag zu den globalen Eigentumsverhältnissen veröffentlicht hat, Wut überkommt. Laut der britischen Nichtregierungsorganisation verfügt eine Gruppe von 62 Superreichen über ein Vermögen, das jenem von 3,5 Milliarden Menschen entspricht. Die Ungleichheit hat … zugenommen. …” | Quelle: http://derstandard.at/2000029299042/OXFAM-Studie-zu-Superreichen-Jedes-Mass-verloren

andreas stampf (19.01.2016): ” … Als jemand der soviel besitzt wie ein Viertel der Weltbevölkerung kann ich diese Kritik nicht nachvollziehen. …”

Gaadse Geschwadse (19.01.2016): ” … Nun, Herr Redakteur, Sie meinen doch nicht ernsthaft, Europas “Elite” hätte dieses System so geschaffen, ohne genau ob dieser Möglichkeiten für Reiche und Konzerne zu wissen ? … Und nun glauben Sie weiterhin, dass eine “Debatte” losbricht? …”

Privatsprache (19.01.2016): ” … Ist die Wanderung derer, die “Wirtschaftsflüchtlinge” genannt werden, nicht ein Zeichen dafür, dass die “breite Debatte über Verteilungsgerechtigkeit”, für die es “höchste Zeit” ist, schon lange auf dieser Welt geführt wird und offensichtlich auch bei einigen zu Konsequenzen geführt hat? Dass diese Menschen sich nichts von Antworten auf die “zentralen Fragen” von “Steueroasen” und Vermögensbesteuerung versprechen? Vielleicht haben diese Menschen einen guten Instinkt dafür, dass es nur am Rande um Debatten politischer Steuerung geht, sondern um ihr Leben. Um das, was sie in ihrer Zeit für sich erreichen können. Geld und Blut, darum geht es für viele. “Gerechte Besteuerung” ist die schlechte Lyrik derer, die es sich leisten können, zu warten. …”

call me ismael (19.01.2016): ” … Interessant eigentlich, dass bei dem Wort “Linker” immer das Attribut “verträumt” dazugesetzt wird. Nun, man könnte sagen es handelt sich einfach um die Sprachregelung des bürgerlich-neoklassischen Journalismus, der ja glaubt er habe mit der Angebots/Nachfragekurve alle Probleme der Ökonomie gelöst. … Verträumt sind lediglich Leute des neoklassischen Mainstreams, die glauben Steuern seien da um Vermögen auszugleichen oder die glauben es gäbe eine krisenfreien, gerechten Kapitalismus. …”

Alexandra Endres (18. Januar 2016): ” … Wer viel leistet, hat sich sein Vermögen eben verdient, oder? Das ist die meritokratische Verteidigung der Ungleichheit. Doch sie funktioniert nicht mehr, weil die Kluft zwischen den Einkommen zu groß geworden ist. Oxfam zufolge bekommt der Chef von Indiens größter IT-Firma 416 mal so viel wie einer seiner typischen Angestellten, und in den USA sind die Gehälter der Konzernbosse seit dem Ende der 1970er Jahre um 90mal schneller gestiegen als die ihrer durchschnittlichen Mitarbeiter. Mit ihrer Leistung hat das wohl nur begrenzt zu tun … Oxfam zufolge haben die Vermögenden der Welt … Billionen Dollar in Steueroasen wie der Schweiz, Luxemburg oder Singapur geparkt. Die reichsten Unternehmen und Privatpersonen beschäftigen ein Heer von Investmentberatern und Anwälten, um ihr Vermögen vor dem Fiskus in Sicherheit zu bringen. Die Steuern, die sie nicht zahlen, fehlen dann in den öffentlichen Kassen … Lange lebte Europa wie eine gated community. Aber in einer globalisierten Welt funktioniert das immer weniger, wie die Flüchtlingskrise zeigt. … ” | http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-01/oxfam-studie-soziale-ungleichheit-reichtum

Ligature (18.01.2016): ” … Armut ist unser Naturzustand. Jeder von uns ist gehalten, sich daraus zu befreien. Mit Produktivität. …”

Columba livia (18.01.2016): ” … Klassische neoliberale Ideologie. …”

KlausRetina (18.01.2016): ” … Man sollte sich auch fragen wieso dagegen nichts gemacht? Denn jedesmal wenn jemand in der Politik diese Misstände ändern möchte bekommt er nur ein müdes lächeln und wird allenfalls als Idealist bezeichnet. Und die Bürger? Meiner Meinung nach ist denen das sowas von egal, die meisten scheren sich einen feuchten Kehricht um Ungleichheit und bekämpfen allenfalls die Symptome davon (Flüchtlinge, Arme, Geringverdiener) aber die Ursache lässt sie kalt. ..”

Otto2 (18.01.2016): ” … Gottesgnadentum – Die Monarchen beriefen sich, um ihre Machtstellung und ihren Reichtum zu rechtfertigen, auf Gott. Er hätte sie und ihr Geschlecht durch seine Gnade zu Königen und Kaisern gemacht. Die unter den Untertanen, die das glaubten, schrien „Hurra“ und waren teilweise sogar bereit für Gott, Kaiser und Vaterland oder irgendetwas Ähnliches zu sterben. …”

Areo Pagita (18.01.2016): ” … Die Tatsache erbärmlicher Armut auf der Welt steht in gar keinem zwingenden Zusammenhang mit der Existenz von ein paar Superreichen. Armut hat andere Gründe. Es ist völlig fehlgeleitet, die Superarmen gegen die Superreichen auszuspielen, als hätten die einen die Armut der anderen verursacht. Schon gar nicht global. […] …”

zechenwart (18.01.2016): “… Wahrscheinlich fällt die Armut einfach vom Himmel! …”

Nachtrag:

Gert G. Wagner (“Superreichtum ist nichts Schlimmes“, 20. Januar 2016): ” … Auf die Multimilliardäre kommt es nicht an – Ungleichheit lässt sich durch Umverteilung nur schlecht bekämpfen. Sondern besser mit Bildung, Demokratie und Wettbewerb. … Zwei wichtige andere Punkte, die auch im Oxfam-Report zu finden sind, werden überdeckt: Von Superreichen, die versuchen, Politik und öffentliche Meinung zu kontrollieren, geht eine politische Gefahr aus. Dabei kommt es allerdings auf die eine oder andere Milliarde mehr oder weniger auf dem Konto nicht an. Und Steueroasen sind völlig unproduktiv und schaden Ländern und Gesellschaften. Sie sollten ausgetrocknet werden. Ansonsten aber gilt: kämpfen für Demokratie, bessere Bildung, starke Gewerkschaften und Wettbewerbskontrolle! Ob den Milliardären dann ein bisschen weniger oder sogar mehr Geld bleibt, ist belanglos. …” | http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-01/vermoegen-studie-oxfam-diw-berlin

Nachbohrer (20.01.2016): ” … Allein die Überschrift [Superreichtum ist nichts Schlimmes] ist schon ein Schlag ins Gesicht von Milliarden von Menschen, wenn man bedenkt, dass schon ein kleinerer Teil des Vermögens nur eines dieser “Superreichen” ausreichen würde, um z.B. in einem Land wie Bangladesh die Versorgung aller Einwohner mit sauberen, statt arsenverseuchtem Trinkwasser zu gewährleisten. Superreichtum ist nichts anderes als Diebstahl an der Gesellschaft! Erbärmlich, wie Herr Wagner hier einer Art von Feudal-Kapitalismus das Wort redet …”

einirrer (20.01.2016): ” … Hab ich den Artikel jetzt gerade richtig gelesen und interpretiert? Wir rechtfertigen das System in dem wir das System rechtfertigen? Ist das jetzt rekursive Beweisführung oder wie soll man das verstehen? …”

Kowalski46 (20.01.2016): ” … Wieder mal ein Artikel der nichts anderes aussagt als: Lasst die großen Kapitalseigner mal schön machen. Die wissen am besten was gut für’s Volk ist. Anders gesagt: Wirtschaft (und damit auch Politik) nach Gutsherrenart. …”

parrot0815 (20.01.2016): ” … Naja, ein bisschen was haben Sie noch unterschlagen. Wer nicht reich ist, sollte sich besser bilden und Reiche sind reich, weil sie gut sind, außer die Reichen in China. …”

Alex.N (20.01.2016): ” … Na irgendwie hab ich das Gefühl das dieser Artikel nicht von den armen finanziert wurde. …”

Paul von Arnheim (20.01.2016): ” … Leicht durchschaubarer Gefälligkeitsjournalismus … Demokratie ist gar nicht möglich ohne den Grundsatz, “Eigentum verpflichtet”. Wer mehr hat, hat mehr Verantwortung. Materieller Wohlstand ist ein Machtfaktor. Und da die Macht in einer Demokratie vom ganzen Volk ausgehen soll (Artikel 20 Gg), ist es nicht gesund, Macht in den Händen Einzelner, die nicht durch Wahl legitimiert wurden, zu konzentrieren. … ”

Leser201 (20.01.2016): ” … Selbst der gröbste Unsinn darf an prominenter Stelle erscheinen, wenn er dem Kartell der Superreichen nach dem Mund fabuliert. … Wem gehören noch mal die Printmedien? …”

Garfield1 (20.01.2016): ” … “Ungleichheit lässt sich durch Umverteilung nur schlecht bekämpfen. Sondern besser mit Bildung, Demokratie und Wettbewerb.” Na, da konnte man ja drauf warten, bis die ersten Beiträge zur Verteidigung dieser obszönen Ungleichheit in die Tasten gehauen waren. Jetzt muss der Autor nur noch erklären, wie die Ungleichheit verschwindet, sollte selbst eine Mehrheit gut gebildet sein. Ich nehme an, dann ist jeder mindestens Abteilungsleiter. Aber wer sind dann seine Untergebenen? “Die meisten Superreichen kennen ihr Vermögen nicht mal selbst voll und ganz. … Das wahre Vermögen bleibt unbekannt.” Da ist sogar was dran. … “Aber durch bloße Umverteilung von Vermögen wird man die Ungleichheit nicht nachhaltig reduzieren können.” Soso … “Höhere Steuern sind manchmal nutzlos” Kommt doch wohl auf die Art der Steuern an, und wer damit belastet wird. “Da die vielen Armutsberichte [die] bisher keine mehrheitsfähige Lösung zur Überwindung der Armut angeboten haben” Ist auch nicht ihre Aufgabe, sondern die Konsequenzen ziehen die Wähler. …”

Tavio (20.01.2016): ” … [Reichtum muss kein Problem sein] … zumindest nicht für die “Betroffenen”. …”

Bli-Bla-Blubb (20.01.2016): … Man kann sich darauf verlassen, dass es immer genau nach diesem Muster abläuft: Erst kommt der Armutsbericht – der inzwischen von der Regierung schön frisiert wird – und dann kommt irgendwann Oxfam. ZEIT & Co., ja sogar die FAZ bringen diese Meldung dann auch ganz brav – allerdings in etwa so neutral wie eine Wasserstandsmeldung. Einen Tag später dürfen dann die großen Rechtfertiger ran. Wobei, das stimmt nicht mal: Bei der Wirtschaftswoche hat es nur ein paar Stunden gedauert bis der erste Rechtfertigungsartikel online war. Es ist wirklich traurig – aber immerhin schnell durchschaubar. …”

tbc.

lemonhorse / 19 January 2016 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Identitätspolitik #4… ]

… In der Debatte um personale Identität, die eng mit der philosophischen Fragestellung um den menschlichen Geist (Philosophie des Geistes) verbunden ist, wird die Frage behandelt, was unsere Identität ausmacht. Diese Frage ist schwierig, da sie im abstraktesten Sinn eine tiefere Frage nach Identität überhaupt … betrifft. …” | Aus: “Identität – Philosophie des Geistes”, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4t (Stand 18.01.2016)

mr. tom (Dienstag, 05.Mai, 18:09 Uhr 1. blogschokolade): ” … euer ‘ich will dass du mich anpisst‘ der überschrift – fehlt da ein komma nach möchte, ..äh, will? …” | https://www.br.de/puls/themen/popkultur/buch-marie-calloway-es-hat-echt-ueberhaupt-nichts-mit-dir-zu-tun-100.html

David Hugendick, “New Sincerity: Das literarische Selfie” (17. Januar 2016): ” … Abschied von der Ironie, stattdessen Exhibitionismus der eigenen Traurigkeit. … In einem tiefgefrorenen Sprechblasenstil erzählt [Marie Calloway] von Entjungferung, Hotelzimmersex mit älteren Männern und wie sie sich prostituiert. Eine Episode beginnt so: “Ich brauche Geld für Foundation von BareMinerals und Lippenstifte von MAC und Soja-Latte und Pizza. (…) Ich bin so jung und schön, dass Männer dreihundert Dollar dafür bezahlen, mit mir ins Bett gehen zu dürfen; die Prostitution ist die Bestätigung meiner Jugend und meiner Schönheit.” … Tao Lin schreibt Bücher, die er dicht um das eigene Leben konzipiert. In ihnen sehen die Figuren meistens durch ein MacBook auf die Welt, sitzen wie Untote vor YouTube-Videos oder kommunizieren unentwegt, obwohl es nichts zu sagen gibt. Ein Kritiker der NZZ verglich die Absurdität der Dialoge in Lins Buch Taipeh (aus dem Englischen von Stephan Kleiner; DuMont, Köln 2014; 288 S.) mit Beckett. Doch die Beckettschen Endstationen sind keine Mülltonnen mehr, sondern Apartments in Brooklyn, wo Tao Lins Held Paul Valium MDMA und Xanax mit Gemüsesmoothie herunterspült und später mit “neutralem Gesichtsausdruck” auf Partys steht zwischen Leuten, die genauso entfremdet zu sein scheinen wie er. Wobei man fragen kann: Entfremdet, wovon eigentlich? – Das Grundgefühl in Lins Prosa ist awkwardness – ein Wort, das seit einiger Zeit die Aufwallungen von Scham und einsamer Peinlichkeit beschreiben soll … Heute ist alles awkward: der Zwang zur Individualität, die dauerironischen Zeitgenossen, der eigene Körper, das ganze Dasein. … Lin und Calloway reagieren darauf mit einem apathischen Realismus: Jede Regung, jedes Gespräch, jede kleinste Geste wird mit aufgerissenen Augen registriert und katalogisiert. Dahinter herrscht ein ostentativer Gleichmut gegenüber einer Welt, in der die einst tröstenden Begriffe wie Liebe, Glück und Freude zu leeren Palästen geworden sind, in denen Werbung und Spaßkultur ihre Partys ausrichten. … Dämmert hier die durchs Internet beförderte, viel beschworene Tyrannei der Intimität herauf? Ist diese Innerlichkeit nur eine Folge von Facebook, tumblr und Twitter? Ein literarisches Selfie? Vielleicht könnte man die New Sincerity auch als radikal zeitgenössisches Update jenes Weltschmerzes begreifen, der Heinrich von Kleist in einem seiner letzten Briefe befiel: “Meine Seele ist so wund, daß mir, ich möchte fast sagen, wenn ich die Nase aus dem Fenster stecke, das Tageslicht wehe tut, das mir drauf schimmert.Als enttäuschtes romantisches Bewusstsein in einer hoffnungslos entromantisierten Welt. …” | Quelle: http://www.zeit.de/2016/03/new-sincerity-literatur-trend-usa-traurigkeit

GrandCru (18. Januar 2016): ” … Die “Ich”-Sachen lassen sich ja immer am schnellsten und einfachsten schreiben … Was mich wundert, ist dass dieser Anspruch der Ironiefreiheit offenbar gar nicht erfüllt wird. “”Ich brauche Geld für Foundation von BareMinerals und Lippenstifte von MAC und Soja-Latte und Pizza … die Prostitution ist die Bestätigung meiner Jugend und meiner Schönheit.” Ob Sarkasmus oder Ironie, aufrichtig im Sinne einer Selbstbefragung kann man es wohl nicht nennen. …” | http://www.zeit.de/2016/03/new-sincerity-literatur-trend-usa-traurigkeit?cid=5912659#cid-5912659

Bohemien (18. Januar 2016): ” …Tja, literarische Selbstentblößung, aufgepeppt mit „schonungslosem“ Duktus eines extremen Dystopismus mag ein Zeitzeichen wider die postmoderne Ironie sein. Zuallererst ist es aber ein Indiz dafür, daß die postmaterielle Ich-Kultur in den hochindustrialisierten Ländern in die vorhersagbaren Identitätskrisen mündet, wenn sie sich der Vereinzelung ausliefert. Überraschung? – Eher nicht. Wer im Denken beständig befangen ist vor dem Ungemach der individualisierten Selbstverwertungszwänge, der kommt irgendwann an den Punkt der Resignation und gesteht sich dort bestenfalls ein, daß es eine Kapitulation ist, dem Sound der Gleichgültigkeiten nichts entgegen gesetzt zu haben. Das einzig Neue an der „new sincerity“ scheint mir ihre Bewusstlosigkeit über das Wesen ihres Schaffens, das man auch mit „neue Innerlichkeit“ übersetzen könnte. Die gab es in Krisenzeiten, nicht nur den literarischen, immer wieder. Den Rückzug ins „innere Exil“ haben schon viele angetreten, wenn auch nicht immer freiwillig. Da findet sich, wenig überraschend, kaum Vermerkenswertes, abgesehen von einer Poetisierung des Gewöhnlichen und Unscheinbaren, in der sich der Erfahrungshunger einkapselt und gelegentlich die Raserei in einer Sackgasse imaginiert. Das könnte man auch negativen Subjektivismus nennen, fortwährende Selbstbespiegelung im Angesicht gescheiterter Lebensentwürfe. Selbstverwirklichung war das postmoderne Primärziel nach dem gefeierten Untergang der Utopie. New sincerity ist nur der Abgesang. …” | http://www.zeit.de/2016/03/new-sincerity-literatur-trend-usa-traurigkeit?cid=5911360#cid-5911360

dieterhoffmann (18. Januar 2016): ” … Die Lebensbedingungen auf unserem Planeten sind größtenteils nicht lebensfeindlich, sondern durchaus angenehm und bereiten jede Menge Spaß und Freude. Mit ein bisschen mehr Fairness im internationalen Handel und Menschlichkeit unserer politischen Führer, könnten alle Menschen auskömmlich und vielleicht sogar zufrieden mit einander Leben. Mein Gott wäre das langweilig! Statt dessen liefern wir uns einer psychopathischen Machtelite aus. Wir erkennen, daß Politik schon lange durch die Macht des faktischen korrumpiert würde. Internationale Beziehungen, Großkonzerne unvorstellbare Konzentration von Kapital und Macht in den Händen weniger, die wichtigen Entscheidungen werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffen. Für uns bleibt nur der Rückzug ins Private, entpolitisiert verlieren wir langsam den Zugriff auf unser Leben, immer mehr Bereiche unseres Lebens werden von Mächten kontrolliert, die sich der politischen Kontrolle entzogen haben. “awkward”, gelangweilt, ficken ist das noch privat oder auch schon pornoisiert? …” | http://www.zeit.de/2016/03/new-sincerity-literatur-trend-usa-traurigkeit?cid=5911454#cid-5911454

Ich bin der gezähmte Wolf. (18. Januar 2016): ” … Ohne die ganz großen Literaten beleidigen zu wollen. Aber, ich dachte, diese Art Exhibitionismus gab es in der Literatur schon immer. Auch OHNE jegliche Ironie. Wo ordnen Sie einen Marcel Proust denn ein?? …” | http://www.zeit.de/2016/03/new-sincerity-literatur-trend-usa-traurigkeit?cid=5911309#cid-5911309
-.-
” … „Es besteht für jeden ein unverfügbares Innerstes, das immer wieder zu den unangenehmsten Überraschungen imstande ist, wozu man entgegen seinem Selbstbild fähig ist.“ Die Frage, ob seine obszönen Schriften als „surrealistische Experimente“ oder als „pornographische Literatur“ gelten können, sei unentscheidbar. …” Aus: “Georges Bataille – Das obszöne Werk” Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Bataille (Stand: 20. November 2015)

Nachtrag:

” … Es müsse ein Selbstbezug erarbeitet werden, der die Individuen nicht versklave. Dieser sei nicht durch die Vorgabe eines bestimmten Wissens oder universell gültiger Regeln zu erreichen. Neue Subjektivierungsweisen können nur experimentell erarbeitet werden. Damit könnte “das Leben eines jeden … ein Kunstwerk werden” (Foucault, 1982, S. 273). Diese “Ästhetik der Existenz” sei unter den gegenwärtigen Bedingungen des Normalisierungsdruckes unverzichtbar, entspringe einer “Diagnose der Gefahr”. Foucault hat diese Subjektkonzeption aus der Reflexion um eine neue Ethik entwickelt, die das Verhalten, Denken nicht an einem vorausgesetzten Gesetz mißt, sondern daran, ob die jeweilige Existenzweise jenen Regeln der Selbstregierung oder Selbstregulierung gehorcht, die der freien Wahl überlassen sind (Deleuze, 1986, S. 166). Im Unterschied zu traditionellen Ethiken, die von einem wesenhaften “Ich” ausgegangen sind und erklärten, daß dieses “Ich” dann ein moralisches sei, wenn es sich einem allgemeinen Gesetz, einer Autorität unterwirft, ist bei Foucault das Subjekt ein historisches, sich veränderndes, sich transformierendes. Die Frage seiner Ethik als einer Ästhetik des Existenz ist die nach den Praktiken, die es dem Individuum gestatten, zu einer Form des Verhältnisses zu sich selbst zu finden, in der es sich als Subjekt einer moralischen und gesellschaftlich anerkannten Lebensführung konstituiert. Sie erfordere die Arbeit am reflektierenden Subjekt. Diese sei unverzichtbares Instrument für seine Freiheitspraxis, für die Erkundung neuer Wege der Subjektivierung. …” | (Aus: “Arbeitskreis Psychologie und Postmoderne am Studiengang Psychologie der Freien Universität Berlin – KLAUS-JÜRGEN BRUDER: Das postmoderne Subjekt”, Colloquium vom 16.11.1995) | Quelle: http://web.fu-berlin.de/postmoderne-psych/berichte1/bruder_pomo_subjekt.htm

” … Georges Bataille … wieder zu lesen [1997], … hat etwas Kurioses und Paradoxes zugleich. Wer sich derzeit mit Vernetzung, Globalisierung und Zukunftsfähigkeit beschäftigt und sich aktuell eine aus Maschinenlogik, Screens und Interfaces gewebte Tele-Existenz zulegt, dem wird ein Sich-Zurückbeugen auf Anthropologie, auf Körperfunktionen und “Tier-Werden” (Gilles Deleuze) merkwürdig überholt erscheinen. Denn in den Kanälen und Netzen der höchstamtlich ausgerufenen “Wissensgesellschaft” wird man mit einem Autor, der das Nichtwissen zum höchsten Ziel erkoren hat, nicht viel anfangen können. … Um “bis ans Ende” zu gehen, heißt es bereits 1943 in L‘experience intérieure, jenem Hauptwerk, das weiter auf seine Übersetzung wartet, “muß man in den Hintergrund treten, die Einsamkeit auf sich nehmen, hart unter ihr leiden und darauf verzichten, anerkannt zu werden.” Und genau dieses Ende ereilte Bataille. Alles, was er war, enthüllte sich am Ende seines Lebens “als zerbrechlich und vergänglich”. Von einer schweren Arteriosklerose, von Gedächnisverlust und Schlaganfällen gezeichnet, hatte er nicht nur Mühe, sich auf seine theoretische Arbeit zu konzentrieren. Um Bataille wurde es einsam. Nur noch wenige, vor allem sein Freund Patrick Waldberg, kümmerten sich um ihn. Mit Geldspenden und solidarischen Verkaufsaktionen sorgten sie dafür, daß Bataille, dessen Werke sich schlecht bis gar nicht verkauften, ein kärgliches Auskommen fand, bis ihm endlich die “wunderbare Herrschaft des Nichtwissens” gegönnt war, jener “souveräne Augenblick”, wo “sich nichts mehr vorstellen” läßt, nur noch Schweigen existiert. …” (Lappersdorf, 20. Juli 1997) | Quelle: http://www.rudolf-maresch.de/rezensionen/rezens13.pdf

lemonhorse / 18 January 2016 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Kriegsschauplätze #23… ]

” … In seinem Job für das britische Foreign Office habe er für seine Regierung zuerst aus Überzeugung gelogen, dann mit Zweifeln, und zum Schluss habe er immer häufiger ein nagendes Gefühl von Schuld verspürt. Die Geschichte, die Ross … erzählt, beginnt in den späten 1990er Jahren. Er hatte gerade bei den Vereinten Nationen angefangen, und die mächtigsten Staaten der Welt versuchten damals, den irakischen Diktator Saddam Hussein nach seinem Angriff auf Kuwait mit Wirtschaftssanktionen zu zwingen, Beweise vorzulegen, dass er keine Massenvernichtungswaffen mehr besaß. Ross sollte die Sanktionen im Auftrag Großbritanniens verhandeln. “Und das, obwohl meine Regierung davon ausging, dass Saddam Husseins Waffen keine Gefahr mehr darstellten”, sagt Ross. … Die Sanktionen, sagt er, hätten ausschließlich dazu gedient, Saddam davon abzuhalten, seine Armee mit dem Geld aus dem Ölverkauf wieder aufzubauen. Der Irak wurde mit komplettem Handels- und Finanzembargo belegt. Die gesamte Wirtschaft brach daraufhin zusammen. Die Berichte über die humanitären Zustände im Irak seien verheerend gewesen, sagt Ross. Experten gingen davon aus, dass 500.000 Kinder unter fünf Jahren aufgrund der Sanktionen gestorben seien, es habe kaum noch sauberes Wasser gegeben, weil auch Chlor nicht mehr importiert werden durfte, die medizinische Versorgung sei katastrophal gewesen. Doch Kritik am westlichen Kurs habe es offiziell nicht geben dürfen, sagt Ross. “Wir haben Beweise für das Leiden der Zivilbevölkerung regelrecht geleugnet und jeden mundtot gemacht, der die Sanktionen infrage stellte.” Selbst die Äußerungen von Kofi Annan habe er kontrolliert, sagt Ross. “Ich habe die Berichte seines Büros vor Erscheinen redigiert. Annan hat gesagt, was wir wollten.” Zwanzig Mitarbeiter der Menschenrechtsabteilung hätten damals gekündigt. Heute ist Ross überzeugt, dass die Sanktionen dem Irak mehr geschadet haben als der Krieg. “Sie haben ein hochentwickeltes Land komplett zerstört. Und ich habe dabei mitgemacht.” …” | Aus: “Diplomatie: “Ich habe da mitgemacht”” – Der Berufsdiplomat Carne Ross beendete seine Karriere und verpflichtete sich der Wahrheit | Kerstin Kohlenberg (7. Januar 2016, DIE ZEIT Nr. 52/2015, 23.) | Quelle: http://www.zeit.de/2015/52/diplomatie-demokratie-diplomat-vereinte-nationen-luegen

antidote #8 “Unglaublich. 500000 tote Kinder weil ein paar… ich finde nicht einmal Worte für solche Subjekte. … Es ist anzunehmen, dass derartige katastrophale Entscheidungen heute noch genauso und aus dem selben menschenverachtenden Kalkül heraus getroffen werden – nur wird man davon erst in 20 Jahren hören. Schön, dass es zumindest Herr Ross geschafft hat, aus diesem Verbrechersyndikat auszusteigen …”

sme3 #42: “Ein bemerkenswerter Artikel. Bemerkenswert, weil er in der Zeit steht, und alles, was drin steht, jedem, der es wissen wollte, längst bekannt ist. Zuerst wurde ein Volk durch gnadenlose Sanktionen zu Grunde gerichtet, und danach das Land dieses Volkes durch einen völkerrechtswiedrigen Krieg zerstört. Wo, fragt man heute, blieb denn damals der Aufschrei der freien und unabhängigen Presse? Und heute kommt der von unserer (ich sage mal unserer im Sinne von “der Westen”) Politik ins Chaos gestürzte Nahe Osten nach Europa. Was sagen denn die Transatlantiker um Josef Joffe dazu? …”

Moritz.Grattke #45 “… Endlich sagt mal jemand aus dem Inneren Kreis das, was viele schon seit 2002 zwar nicht wirklich wussten, aber zumindest … sich zusammenreimen konnten. Und bis vor kurzem noch wurden Verdächtigungen, die Ross klar als Fakten schildert, als Verschwörungstheorien lächerlich gemacht.”

Aus: “Begründung des Irakkriegs” (Stand: 23. Dezember 2015): “… Als Begründung des Irakkriegs 2003 nannten die kriegführenden Regierungen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens seit Oktober 2001 vor allem eine wachsende akute Bedrohung durch Massenvernichtungsmittel des Irak und eine Verbindung mit dem Terrornetzwerk Al-Qaida, das die Terroranschläge am 11. September 2001 ausgeführt hatte. Eine Bevölkerungsmehrheit in den USA glaubte diesen Angaben seit 2002 und befürwortete deshalb die Invasion in den Irak. …Die angegebenen Kriegsgründe waren international stark umstritten. Die von der UNO beauftragten Waffeninspektoren, einige Antiterrorexperten und Parlamentsabgeordnete widersprachen den Regierungsangaben vor dem Krieg und verwiesen auf fehlende oder unzuverlässige Quellen. Im Irak wurden keine Massenvernichtungsmittel gefunden. Der Bericht der 9/11-Kommission vom Juli 2004 widerlegte die genannte Verbindung zu Al-Qaida. Bis 2007 widerlegten weitere Untersuchungsberichte auch die übrigen genannten Kriegsgründe. Regierungs- und Geheimdienstvertreter wiesen sich wechselseitig die Verantwortung für die Falschangaben zu.
Viele Historiker und Investigativjournalisten beurteilen die falsche Kriegsbegründung als vorsätzliche, kampagnenartige Täuschung, die ausreichende Zustimmung für die schon getroffene Kriegsentscheidung herbeiführen sollte. Andere sehen die Falschangaben als von damaligen Annahmen der Geheimdienste gedeckte Irrtümer. Viele Kriegsgegner halten wirtschaftliche und geostrategische Interessen der USA und Großbritanniens, vor allem am Erdöl, für die eigentlichen Kriegsursachen. …
” | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Begr%C3%BCndung_des_Irakkriegs

lemonhorse / 12 January 2016 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

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