[Zur Begegnung mit Phantomen #7… ]

(22. November 2018): “ … Im Ministerium von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) an der Berliner Wilhelmstraße klingen die Alarmglocken. Hektisch werden Prüfaufträge an die Finanzämter geschickt. Dass das Ministerium erst auf Medienanfragen hin ermittele, sei „kaum zu glauben“, sagt FDP-Finanzexperte Florian Toncar. Anlass ist eine Affäre um einen möglichen Steuerbetrug mit „Phantomaktien“. … “ | https://www.wiwo.de/finanzen/steuern-recht/cum-fake-die-wichtigsten-fakten-zur-phantomaktien-affaere/23667262.html

(12. Dezember 2018): “ … Nach Recherchen von WDR und Süddeutscher Zeitung untersucht die Staatsanwaltschaft Köln die Rolle der Bank im Zusammenhang mit möglicherweise illegalen Börsendeals. Im Rahmen eines bereits seit 2017 laufenden Ermittlungsverfahrens wegen sogenannter Cum-Ex-Geschäfte wollen die Strafverfolger offenbar auch herausfinden, ob das Geldinstitut beim Handel mit „Phantom-Aktien“ dazu beigetragen haben könnte, die Staatskasse zu plündern. Banken und Börsen-Manager, so die Vermutung, sollen in den USA mit Schein-Aktien gehandelt haben, um auch in Deutschland Steuererstattungen zu kassieren, die ihnen eigentlich nicht zugestanden hätten. Die lange Zeit unentdeckte Masche wurde erst vor wenigen Wochen bekannt; als neue Variante im Cum-Ex-Skandal. …“ | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-aktiendeals-phantom-aktien-cum-ex-1.4249822

(29.11.2018): “ … Für Kritik im Finanzausschuss sorgt, dass die Bankenaufsicht Bafin Hinweisen aus den USA offensichtlich nicht weiter nachging. … “ | https://www.wr.de/politik/betrug-mit-phantom-aktien-fdp-kritisiert-olaf-scholz-id215898035.html

(26. November 2018): “ … Die Arglosigkeit des Gesetzgebers gegenüber den Banken zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngere Geschichte der Finanzkriminalität. … “ | https://www.nachdenkseiten.de/?p=47438

Rückblende // (08.05.2017): “ … Tatsächlich deuten die Koalitionsvertreter im Entwurf des Abschlussberichtes für den Ausschuss den Skandal als Akt organisierter Kriminalität, und nicht als Versagen staatlicher Aufsicht. Die betrügerischen Steuergeschäfte seien schon immer verboten gewesen. Einzelne Berater, Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen hätten Steuerregeln gegen ihren Sinn ausgelegt. Im Entwurf des Abschlussberichts heißt es: „Dieser Untersuchungsausschuss war nicht erforderlich.“ …“ | https://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/Steuerskandal-Cum-Ex,cumex116.html

lemonhorse / 12 Dezember 2018 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #24… ]

“ … Vor dem Religionsunterricht wurde [Arno Gruen] nach Hause entlassen. Sein Vater erklärte ihm, dass man zwischen Juden, Christen, Atheisten unterscheide, oft auch zwischen Deutschen und Franzosen. Arno antwortete erstaunt: „Ich dachte, wir sind alle Menschen.“ – Arno Gruen: dreizehnjährig …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Gruen

“ … Die meisten Verknüpfungen, die das Gehirn bzw. die Großhirnrinde (der Neokortex) herstellen, entstehen weitgehend vollautomatisch: Unser waches Bewußtsein ist daran kaum beteiligt, mit Ausnahme von Situationen, in denen wir ganz bewußt über unsere Assoziationen sinnieren und sie einer geflissentlichen Prüfung unterziehen. Da wir aber nur über einen einzigen Fokus verfügen – wir können nicht mehrere Gedanken oder innere Bilder gleichzeitig betrachten –, bleiben uns alle Assoziationen, die wir uns nicht bewußt machen, verborgen. So entstehen innere Widersprüche, die wir oft gar nicht bemerken, bis wir eines Tages mit ihnen konfrontiert werden, weil zwei konkurriende Gedanken unser Bewußtsein erreicht haben. Wenn wir z.B. einen Spielfilm im Fernsehen verfolgen, ist unser Fokus hauptsächlich auf die Handlung gerichtet. Mit Spannung verfolgen wir den Handlungsablauf, waren auf den nächsten Schock oder Kick und wirken äußerlich wie innerlich ziemlich erstarrt. Diese Erstarrung betrifft auch unsere Kritikfähigkeit in Bezug auf im Film quasi unterschwellig mitlaufende Botschaften. … Wer sich etwas eingehender mit Medientheorien befaßt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, daß mediale Wiederholungen gewöhnlich die Wirkung haben, im Medienkonsumenten, der ihnen regelmäßig ausgesetzt ist, zur gefühlten Wahrheit zu werden. Als Wahrheit bezeichnet man einen Sinnzusammenhang im menschlichen Neokortex, der nicht mehr oder kaum noch bezweifelt wird, der im Grunde keinerlei nennenswerter Kritik im Zusammenhang seiner tatsächlichen Existenz ausgesetzt wird. Mit anderen Worten: Wahr ist für mich ein symbolisch codierter Sinnzusammenhang dann, wenn ich den entsprechenden Verknüpfungen absolut glaube, ohne mir bewußt zu sein, daß ich auch hier immer nur glaube. Dieser absolute Glaube ist nur deshalb möglich, weil wir alle gelernt haben, daß es sogenannte objektive Wahrheiten gäbe. Das Objektive ist laut Definition das, was auch ohne unsere Wahrnehmung angeblich existiert oder seinen Sinnzusammenhang auch ohne unsere Sinnlichkeit beibehält – auch das ein Glaube und letztlich eine Ideologie. … Sobald ich es versäume, bei der Aufnahme derartiger Symbolketten, die mir Sinnzusammenhänge, noch dazu in penetranter Wiederholung zu vermitteln suchen, meine Kritik und meine Hellhörigkeit zu vernachlässigen, bin ich den vermittelten Falschaussagen gnadenlos ausgeliefert, weil ich es gar nicht erst mitbekomme, wie man mich verarscht. Kritik und Hellhörigkeit beim Aufnehmen medialer Inhalte sind nichts anderes als die aktive Beteiligung meines wachen Bewußtseins bei der medialen Rezeption. Wenn ich dagegen die Zeitung oder einen Artikel im Internet so lese, als würde ich ein Unterhaltungsbuch lesen, dann entgehen mir die Manipulationsversuche. Die Folge davon wäre dann die unbewußte Produktion von Sinnzusammenhängen, die sich an meiner Kritik vorbeigeschlichen und in meinem Gedächtnis eingegraben haben. Werden diese Fremdkörper, die als Verknüpfungen in meinem Neokortex darauf warten, aktiviert zu werden, nun abgerufen, stellen sie etwas bereit, das ich nicht willentlich autorisiert habe. Es ist in etwa so, wenn ich ein Fremdwort lese, das ich noch nicht kenne, und dann bei Wikipedia nachschlage, wo mir eine bereits komplett durchmanipulierte und oft gegen meine eigenen Interessen gerichtete Definition gegeben wird. Wenn ich zudem nicht über die Manipulation in der Wikipedia informiert bin und diesem Medium daher Vertrauen entgegenbringe, übernehme ich diese Definition vollkommen kritiklos. … Die menschliche Verblödung hat nicht erst in neuester Zeit begonnen, sondern stellt einen bereits Jahrtausende anhaltenden Prozeß dar, der aber seit der Zeit der Massenmedien so richtig an Fahrt aufgenommen hat. Davor war in Europa die Römisch-Katholische Kirche weitgehend allein für die Verblödung der Massen verantwortlich. In der Inquisition hatte die Kirche ihren Höhepunkt erreicht, die Psychiatrie ist der direkte Nachkomme der Inquisition. Die Kirche als bisherige Verwaltung der Massenverblödung wurde durch die Zeitungen nach und nach abgelöst. Im 20. Jahrhundert wurden erst das Radio und kurz darauf der Fernseher erfunden, die nun als Hauptverwalter der massenmedialen Verblödung dienen. Nicht unerwähnt bleiben sollen die staatlichen Schulen, die einst dem einzigen Zweck dienten, folgsames Kanonenfutter für die zahllosen Söldnerheere herzustellen. Bildung im Sinne der Aufklärung war nicht nur ausgeklammert, sondern ausdrücklich nicht erwünscht. Ein Soldat mit humanistischer Bildung ist ansich schon fast unvorstellbar; gäbe es ihn, würde er wohl den Gehorsam verweigern. …“ | Aus: „Verklammerung = medial erzwungene Assoziation“ Irwisch (09.12.2018) | https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Dissensmanagement-durch-Zersetzung-und-Spaltung/Verklammerung-medial-erzwungene-Assoziation/posting-33565468/show/

“ … Heute sind es industrialisierte und zusehends miteinander vernetzte Metamaschinen wie Medien, Mode oder Pop, die auch Subversion und Ironie als Produktinnovation à la „Die Simpsons“ frei Haus liefern.
Für Metz/Seeßlen gibt es kein kluges Leben im blöden. Das beweist schon ihr Rekurs auf das kluge Sich-blöd-Stellen und das dumme Sich-klug-Stellen der Schildbürger im Lalebuch aus dem 16. Jahrhundert. … Zugleich [geht es] auch [um] eine Geschichte der Selbstermächtigung der Deklassierten, die es linken Intellektuellen ohne Elitendünkel verunmöglicht, das Begehren nach Verblödung moralisch zu verdammen. … “ | Thomas Edlinger zu „Blödmaschinen“ von Markus Metz, Georg Seeßlen (FALTER 22/2011) | https://www.falter.at/falter/rezensionen/buch/382/9783518126097/blodmaschinen

Jürgen Nielsen-Sikora (2011): “ … Die Ökonomie, schrieb Guy Debord in der »Gesellschaft des Spektakels« 1967, verwandle die Welt in eine Welt der Ökonomie; in eine Welt der Pseudoereignisse und Dramatisierungen, in der das Bewusstsein immer zu spät komme. Diese Welt wird inzwischen von glücklichen Narren bewohnt, die ohne Sinn für Geschichte dahinleben. Alte Wahrheiten entdecken sie auf diese Weise immer wieder neu. Sie werden in Tortengrafiken aufbereitet, in tabellarische Halbsätze gezwängt oder als wortlose Statistik präsentiert. Mit Hilfe von Vokabeln wie Story-telling und Rocket Science lässt sich fast zweieinhalb tausend Jahre nach Aristoteles konstatieren, der Mensch sei eigentlich ein soziales Wesen. … Der Klügste in unserem Zeitalter der Posthumanität sei, so Metz und Seeßlen wohl mit einem Blick auf Facebook und Co., wer die meisten Dummen um sich herum versammle. … Volksmusiksendungen, dieser Mischmach aus »Nuttigkeit und regressiver Obszönität« ist das Pendant im TV. Lang lebe auch der Gott der Unterhaltung, die Wiederholung (in Form der Serie, des Remake und des Remix), die erst dazu führt, dass die Dinge wirklich wahr werden: Das Wuchern der Ein-Euro-Läden, der Stumpfsinn der Talentsuchsendungen, das ganze Bologna-Entertainment an den Unis, die durch Studiengebühren zum Bildungsbordell geworden sind, das elende Schauspiel der Demokratie, die Soap, die Modenschau, der Comedy-Quatsch, die Aufwertung der Dingwelt bei gleichzeitiger Abwertung der Menschenwürde, die Kleiderhöllen und die Trostlosigkeit der Industriegebiete, die als Traumschiff getarnten Verblödungsreisen, das »Totarbeiten als Extremsport der Mittelschicht«, das zunehmende Management des Irrsinns, Politik als Karneval, die Discounter-Diktatur, die Strafverfolgungspornografie à la Aktenzeichen XY und schließlich die »Boulevardisierung der Weltkatastrophe« (Fukushima) zeugen davon, so Metz und Seeßlen, dass die Blödmaschinen einwandfrei funktionieren während Kassandra sich zu Tode plappert. …“ | http://www.glanzundelend.de/Artikel/abc/m/metz_seesslen.htm

lemonhorse / 9 Dezember 2018 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Bernardo Bertolucci (1940 – 2018)… ]

Robert de Niro and Bernardo Bertolucci: „1900“ (1975-1976) | via

// https://de.wikipedia.org/wiki/Bernardo_Bertolucci

(Manche seiner Filme haben seltsam mehrdeutig mein Leben verändert. Danke, Bernardo Bertolucci. Buon viaggio Maestro.)

Lesenswert / Nachtrag (1):

Nikolai E. Bersarin „Mimesis en Cadrage. Zum Tod von Bernardo Bertolucci sowie zwei wunderbare Filme: „Die Träumer“ und „1900““ (26. November 2018): “ … Sicherlich sieht man Die Träumer als junger Mensch anders als einer, der mitten im Leben steht, abgeklärt von vielem und die poetischen Träume der Jugend irgendwie vergessen, irgendwo auf dem Weg geblieben. Und doch blitzt beim Betrachten dieses Films ein Funke von jener Zeit wieder auf, wo Theorie mit Politik, Protest und Ästhetik sich paarte. … Zum Schluß nur ein Wort, ein subjektives, zu diesem genial-ausufernden Film-Epos 1900: Es erzählt in strömenden Bildern die Geschichte Italiens auf eine Weise, wie ich eine solche Narration noch nie erlebte. Und es war die Geschichte einer wunderbaren und wie auch von Zwiespalt geprägten Freundschaft zwischen einem Landarbeiterkind und dem Sohn des Gutsbesitzers. Klassenkampf, Faschismus und die Schönheit eines Ortes. … “ —> https://bersarin.wordpress.com/2018/11/26/mimesis-en-cadrage-zum-tod-von-bernardo-bertolucci-sowie-zwei-wunderbare-filme-die-traeumer-und-1900/

// https://de.wikipedia.org/wiki/Cadrage_(Film)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Mimesis

Nachtrag (2):

Gerhard Midding (26. November 2018): “ … Der misogyne Machtmissbrauch, das während der Dreharbeiten durchlebte Trauma wurden für Schneiders spätere Drogensucht und ihren Krebstod verantwortlich gemacht. Bertolucci wehrte sich erst nach einigem Zögern und halbherzig gegen die Vorwürfe. Er hätte sich, sagte er, gern vor ihrem Tod mit Schneider versöhnt. Der letzte Tango von Paris lässt sich heute vor allem als das Symptom einer sexuellen Revolution lesen, die hauptsächlich männliche Schaulust befreite. Die Selbstbestimmung der Frauen und ihr Bild im Kino profitierten vorerst nicht von ihr. … Das Ambiente war bei ihm stets beredt. Sein Meisterwerk Der große Irrtum erkundet die Mentalität des Faschismus anhand ihrer monumentalen Architektur, die Bertolucci in Tableaus von mulmiger Symmetrie ausmisst. Nicht nur in seinen erotischen Kammerspielen Der letzte Tango von Paris und Die Träumer herrscht unentrinnbare Klaustrophobie. … Bertoluccis Filme artikulierten sich im Wechselspiel von Intimität und Öffentlichkeit; immer zielten sie auf die Überwindung der Enge. Das galt für seine Kammerspiele ebenso wie für ausgreifende Epen. …“ | https://www.zeit.de/kultur/film/2018-11/bernardo-bertolucci-regisseur-italien-der-letzte-tango-in-paris-nachruf/komplettansicht

Nachtrag (2a):

Erwin In het Panhuis (27.11.2018): “ … Gerade in Bertoluccis älteren Filmen stehen Männer im Fokus, während Frauen eher passiv und Projektionsflächen von Angst und Hass sind. Besonders deshalb freue ich mich über seinen Film „Die Träumer“ (2003), weil er als Korrektiv ein aktuelles Frauenbild zeigt und damit beweist, dass seine Filme nicht nur ein historisches Interesse verdienen. … Darüber hinaus gibt es noch ein weiteres verbindendes Element, wie es in „Der letzte Tango in Paris“ (1972) und „Die Träumer“ (2003) deutlich wird: Diese Filme zeigen zwar die harte Realität, aber auch den Glauben an eine private Utopie. Es sind solche Filme, die ich von Bernardo Bertolucci vermissen werde. …“ | https://www.queer.de/detail.php?article_id=32437

Nachtrag (3):

Carsten Heidböhmer (26. November 2018): “ … Ich war erstaunt, dass „Der letzte Tango in Paris“ entgegen seinem Ruf gar kein Film über Sex ist. Es ist eine ergreifende Studie über Einsamkeit. … Paul muss mit dem Freitod seiner Frau klar kommen und erfährt, dass sie ihn zu Lebzeiten betrogen hat. Jeanne hat das Leben noch vor sich, aber den falschen Mann an ihrer Seite. … Der Film verströmt eine tiefe Melancholie, die noch verstärkt wird durch die eindringliche Filmmusik des argentinischen Jazz-Saxofonisten Gato Barbieri. Dieser herbstliche Stimmung kann man sich nur schwer entziehen. Natürlich übersahen die Moralapostel diese delikate Melancholie, als der Film 1972 in die Kinos kam. Viele stürzten sich ausschließlich auf die Sex-Szenen und wollten damit sogar ein Verbot begründen. Im Laufe der Jahre verzog sich der Rauch, heute kann man den Film als das sehen, was er schon immer war: Eines der großen Meisterwerke des 70er-Jahre-Kinos. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. …“ | https://www.stern.de/kultur/tv/tv-tipp/bernardo-bertolucci—der-letzte-tango-in-paris–mit-marlon-brando-3831028.html

Nachtrag (4):

Fritz Göttler (26.11.2018): “ … Mitte der Siebziger, als die zwei an benachbarten Drehorten ihre neuen Filme drehten – Pasolini «Die 120 Tage von Sodom«, Bertolucci «1900» – haben die beiden Teams sich immer zu Fussballmatches getroffen. Schwerer war es mit dem Vater Attilio, der ein berühmter Lyriker war, «mein Vater musste akzeptieren, dass ich ihn in jedem Film aufs Neue umbrachte». … Nicht gern hat Bernardo Bertolucci seinen Blick zurückgewendet, und sicher nicht auf die eigenen Filme. «Ich fühle mich nicht mehr verantwortlich – sprich: schuldig – für sie, der Mensch, der diese Filme machte, ist mir so fern.» Am Montag ist er im Alter von 77 Jahren nach langer Krankheit in Rom gestorben. …“ | https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/kino/alle-illusionen-verloren/story/20085481

lemonhorse / 26 November 2018 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Mythen meiner Kindheit #9… ]



// (… ‚Vater und Sohn‘ Bücher flogen oft in meinem Kinderzimmer umher – und ich wusste lange Zeit nichts über das Schicksal des Autors…)

Nachtrag / Kontext (1) // Christian Schröder (04.07.2001): “ … „Ich schlief, als Vater starb“, hat Christian Ohser später erzählt. Christian ist der Sohn von Erich Ohser, und wenn man alte Fotos von ihm sieht, lässt sich eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Co-Helden der Bildgeschichten nicht bestreiten: dieselbe Stupsnase, derselbe Wuschelkopf. Er war 13, als der Vater seinem Leben ein Ende setzte, und lag mit Diphterie im Bett. … Das Werk seines Vaters hat ihn nie losgelassen. „Ich habe Chinesen getroffen“, sagte er, „die mir erzählten, dass sie ihre Kinder nach den Vater-und-Sohn-Büchern erziehen.“ … In Düsseldorf ist Christian Ohser jetzt an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Er wurde 69 Jahre alt und blieb doch ein Leben lang Kind: als Sohn aus den Bildgeschichten, die jeder kennt. …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/der-sohn-des-zeichners-e-o-plauen-christian-ohser-ist-tot-das-vaterkind/238960.html

Nachtrag / Kontext (2) // Peter Pisa (17.06.2014): “ … Hier liebt ein Vater seinen Sohn, sie sind ein zärtliches, verspieltes Team gegen Dummheit, Fantasielosigkeit, Unmenschlichkeit. Sie halten zusammen, selbst wenn es „die da oben“ – Lehrer, Parkwächter, Polizisten – auf sie abgesehen haben. … Er wurde denunziert, Goebbels selbst gab dem „Volksgerichtshof“-Präsidenten den Befehl zum Todesurteil. Erich Ohser erhängte sich 1944 vor dem Prozess in seiner Zelle. Er war 41. Sein Sohn war damals 13. … Auf ihrem Grabstein ist eine Zeichnung aus der 192. und letzten Geschichte eingraviert: Vater und Sohn halten einander an der Hand und verlassen die Welt. …“ | https://kurier.at/kultur/erich-ohser-hinter-vater-und-sohn/70.670.958 — // https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Ohser

lemonhorse / 26 November 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Irrationalismus und das Romantische Erbe #4 … ]


(Ginsberg, Leary, Lilly, 1991)

“ … In the province of the mind, what one believes to be true is true or becomes true, within certain limits to be found experientially and experimentally. These limits are further beliefs to be transcended. In the mind, there are no limits … In the province of connected minds, what the network believes to be true, either is true or becomes true within certain limits to be found experientially and experimentally. These limits are further beliefs to be transcended. In the network’s mind there are no limits. …“ From: John C. Lilly: „The Human Biocomputer“ (1974) | https://en.wikiquote.org/wiki/John_C._Lilly

“ … Schleiermacher wendet sich an die Gebildeten, die zwar unangenehm weltverhaftet sind, aber sicherlich in der Lage, mit ihm den „beschwerlichen Weg“ ins Innere des Menschen zu gehen. Denn Religion ist im Menschen angelegt und gehört einer eigenen „Provinz im Gemüthe“ an. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_Religion._Reden_an_die_Gebildeten_unter_ihren_Ver%C3%A4chtern (‚Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern‘, 24. April 2018)

Martin Teske (21.11.2018): “ … Religion sei nicht Moral und Lehre, sondern Anschauung und Gefühl, ein „heiliger Instinkt“, die „zarteste Blume der Phantasie“. Das mystische Einswerden mit dem Universum, sagt er, ist der heilige Moment der Religion. Es ist ein durch und durch romantischer Ansatz, mit dem Schleiermacher aufgeklärten Denkern begegnet. Er sucht sozusagen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner mit den Verächtern, er nimmt Religion in Schutz vor allem, was nicht zu ihr gehört. … Religion lebe nicht im Denken und Handeln, sondern in Anschauung und Gefühl des Universums. … Jeder sei auf seine Weise religiös, erfasse immer nur eine ganz bestimmte Perspektive ein- und derselben Religion. Religion sei als „edle Anlage“ in jedem Menschen begründet. Dass Schleiermacher mit dieser Beschreibung – eine Definition kann man das alles nicht nennen – nicht gerade Zustimmung in der Amtskirche findet, versteht sich von selbst. … Schleiermacher will sogar zugeben, „dass eine Religion ohne Gott besser sein kann, als eine andre mit Gott“. Der jugendliche Heißsporn – Schleiermacher ist gerade gut 30 Jahre alt, als er die „Reden“ schreibt …“ | https://www.tagesspiegel.de/wissen/zum-250-geburtstag-von-friedrich-schleiermacher-romantiker-der-religion/23662064.html

“ … Zum „Schleiermacher-Fest“ 1868 erschien eine Karikatur „Was man jetzt in Berlin unter Schleier-Macher versteht“, welche die Verschleierung der Vernunft mit dem Gewande der Orthodoxie zeigt. Auch Friedrich Wilhelm Joseph Schelling sparte 1799 nicht an „Widerporstigkeit“ vor allem gegen die Reden, aber auch den Tenor einer an Fichte, Goethe und Spinoza orientierten Religionsphilosophie und deren Popularisierung überhaupt: „Zwar, als sie sprachen davon so trutzig, Wurd ich eine Weile stutzig, las, als ob ich was verstehen könnt, Darum so Reden als Fragment.“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schleiermacher

lemonhorse / 22 November 2018 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Der tragische Wahrheitsbegriff… ]

“ … Der „tragische Wahrheitsbegriff“ [(Nietzsche)] sei an der Kunst orientiert: „Es ist die Wahrheit der Kunst, den Schein als Schein zu schaffen und in seinem Scheinsein zu vergegenwärtigen. ‚Schein‘ sei im ontologischen Begriff die Aussage, die den Möglichkeitscharakter des Daseins bewahrt. „Das Dasein der ‚Tierheit‘, aus der wir ‚für gewöhnlich‘ nicht herauskommen, ist ‚sinnlos‘, während die Erlösung in der ‚metaphysischen Bedeutsamkeit‘ besteht. Der Gegensatz von Tierheit und Erlösung zum höheren Selbst ist der von ‚metaphysischer Bewußtlosigkeit‘ und Selbstbewußtsein. Dieser Gegensatz verweise erneut auf den Gegensatz von Konvention und Intuition. … Das Faszinierende der ästhetischen Produktion ist [], dass sie – wie Subjektkonstruktionen übrigens auch – nicht wie die Wissenschaft auf Verallgemeinerungen angewiesen ist. … “ | Aus: »Ich kratz ihr die Augen aus« – Phantasmen einer Welt ohne den Anderen – Bildungsprozesstheoretische Lektüren nach Jacques Lacan – Wissenschaftliche Hausarbeit von Tim Schmidt (2010) | Quelle: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2012/5809/pdf/Dissertation.pdf

lemonhorse / 14 November 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Zur Ontologie des nicht seienden #21… ]


via

die-tagespost, 07. November 2018: “ … Der missionarische Atheismus hat in Deutschland eine gerichtliche Niederlage erlitten. Die „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ darf anders als etwa die christlichen Kirchen am Ortseingang keine Tafeln aufstellen, die auf „Nudelmessen“ hinweisen. …“ | https://www.die-tagespost.de/politik/pl/Portrait-der-Woche-Die-Kirche-des-Spaghettimonsters;art315,193285

Daniela Wakonigg (31. Okt 2018): “ … Als die Mitglieder der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. vergangenen Donnerstag den Weltnudeltag begingen, hatte das oberste deutsche Gericht ohne ihr Wissen bereits über sie entschieden. Wie erst jetzt bekannt wurde, wies das Bundesverfassungsgericht am 11. Oktober die anhängige Verfassungsbeschwerde der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. ab. Seit 2014 kämpft [Weltanschauungsgemeinschaft KdFSMD] darum, ebenso wie andere Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften an den Ortseingangsstraßen von Templin mit Schildern auf ihre wöchentliche Nudelmesse in der Templiner Mutterkirche der deutschen Pastafaris hinweisen zu dürfen. … | https://hpd.de/artikel/bundesverfassungsgericht-weist-spaghettimonsterklage-ab-16132

Karlsruhe – 02.11.2018: “ … Hintergrund des Rechtsstreits ist eine Entscheidung des Landes Brandenburg aus dem Jahr 2015. Dies hatte den Mitgliedern der „Spaghettimonster-Kirche“ untersagt, mit Schildern an den Ortseingängen von Templin für die freitäglichen „Nudelmessen“ zu werben. Das Landgericht Frankfurt/Oder bestätigte später das Verbot. Der Verein hatte das gleiche Recht wie die christlichen Kirchen für sich beansprucht, die an den Ortseingängen mit Schildern auf die Zeiten ihrer Gottesdienste hinweisen dürfen. …“ | https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/spaghettimonster-kirche-scheitert-vor-bundesverfassungsgericht

Jürgen Roth am 2. November 2018 – 14:54: “ … Satire ist so lange komisch, bis es noch jemanden gibt, der darüber lacht. Dieser Nudelverein vermag indes nur noch zu nerven. …“ | https://hpd.de/artikel/bundesverfassungsgericht-weist-spaghettimonsterklage-ab-16132

Udo Endruscheit am 1. November 2018 – 10:20: “ … Über diese nicht völlig unerwartete kognitive Sperre hinaus wird zudem deutlich, dass faktisch eine Gleichstellung religiöser und weltanschaulicher Positionen, wie sie das GG doch postuliert, nicht vorhanden ist. Es wird immer den transzendental-unbegründbaren Positionen, dem wohligen Schauer des Irrationalen, der Vorzug gegeben vor konkreten Positionen, die vom Menschen handeln. Der Mensch wird sozusagen zur Profanität herabgestuft, das Irrationale zum Anbetungswürdigen hochstilisiert. Nun, was will man von einem Spruchkörper erwarten, der regelmäßig tiefernsten Austausch mit den ebenfalls bunt gekleideten Partnern von der irrationalen Fraktion pflegt? Denen man – gegen Wortlaut und Sinn des GG – längst ein „Supergrundrecht Religionsfreiheit“ (Prof. Schachtschneider) gebastelt hat …“ | https://hpd.de/artikel/bundesverfassungsgericht-weist-spaghettimonsterklage-ab-16132

Ossi 62 · 5. November 2018 – 9:41: “ … Der europäische Gerichtshof sollte diese Nudelheinis für verrückt erklären und in die geschlossene Psychatrie einweisen! Wieviel Blödsinn wird in dieser Kapitalistischen Diktatur noch zugelassen? …“ | https://www.nordkurier.de/templin/satireverein-fordert-gleichberechtigung-0433624411.html

Henrikki · 5. November 2018 – 10:51: “ … Es gibt keine „kapitalistische Diktatur“ – Der Brotkorb der Dummheit wurde durch das Christentum schon sehr hoch gehängt. Die „Nudelheinis“ machen auf diesen Wahnsinn lediglich aufmerksam, das mag dem schlichten Gläubigen durchaus seltsam vorkommen. …“ | https://www.nordkurier.de/templin/satireverein-fordert-gleichberechtigung-0433624411.html

Alemannevor 9 Tagen: “ … Gute Entscheidung. Diese Leute sind zwar nicht schädlich, aber sie machen das Christentum lächerlich. Das muss sich unsere Gesellschaft nicht geben. …“ | https://www.idea.de/gesellschaft/detail/spaghettimonster-kirche-scheitert-vor-dem-bundesverfassungsgericht-107090.html

lemonhorse / 14 November 2018 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

lemonhorse / 10 November 2018 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Zeit im Bild #25 … ]


Die Neue Synagoge in Hannover befand sich in der Bergstraße in der Calenberger Neustadt. | via


[Abrissarbeiten der Synagoge 1939] – Die Synagoge Goethestraße in Kiel existierte von 1909 bis 1938 | via

Martin Siebert (09.11.2018): “ … Spätestens durch die Pogromnacht wurde klar, dass die „Eliminierung der minderwertigen jüdischen Rasse aus dem deutschen Volkskörper“ nicht nur Nazipropaganda war, sondern grausame Wirklichkeit zu werden drohte. Doch das große Schweigen im Volk und in den Kirchen – nur wenige erhoben als Privatpersonen ihre Stimmen – signalisierte Zustimmung zu der „spontanen Volkserhebung“. … “ | http://www.paz-online.de/Stadt-Peine/Grausame-Pogromnacht-Vor-80-Jahren-brannten-die-Synagogen

“ … Die Liste der im Deutschen Reich von 1933 bis 1945 zerstörten Synagogen soll einen möglichst vollständigen Überblick über die Zerstörung von Synagogen in der Zeit des Nationalsozialismus geben. Soweit möglich, ist der Umstand der Zerstörung angegeben. Beim Zentralrat der Juden in Deutschland schreibt Salomon Korn: „Zu Beginn der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gab es auf dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches etwa 2.800 Synagogen und Betstuben. In der Nacht vom 9. November 1938 sowie in den darauf folgenden Tagen und Nächten zerstörten nationalsozialistische Trupps über 1.400 Synagogen und Betstuben. Weitere jüdische Gotteshäuser wurden in den folgenden Jahren „arisiert“, zweckentfremdet oder abgerissen.“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_im_Deutschen_Reich_von_1933_bis_1945_zerst%C3%B6rten_Synagogen

lemonhorse / 9 November 2018 / Fraktal.Text, Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #22… ]

Ronald Pohl (2013): “ … Jacques Lacan (1901-1981) hielt seinen Vortrag über Das Freudsche Ding 1955 tatsächlich an der Neuropsychiatrischen Universitätsklinik in Wien. … Die Unverfügbarkeit des Unbewussten bleibt Sigmund Freuds epochale Entdeckung. Nur ist die Wahrheit eben immer nur im buchstäblichen Sinn zu verstehen oder zu begreifen. Das Unbewusste ist wie eine Sprache strukturiert. … Jacques Lacans Theorie von der Triade, die unser Weltbegreifen ausmacht: das Symbolische, das Imaginäre, das Reale, ist in seinem Wiener Vortrag bereits angelegt. „Wo Es war, soll Ich werden“, benennt er jenen Prozess der Signifizierung, der durch uranfängliche Mängel überhaupt erst in Bewegung gesetzt wird. Das Grauen der Ich-Bildung besteht in der Erkenntnis, Identifizierungen vornehmen zu müssen, denen unser „Ich“ nicht genügt. Zugleich ist das schöne, schmeichelnde Bild von der Innerlichkeit des menschlichen Subjekts nicht zu retten. Mit der Psychoanalyse als Serviceeinrichtung hat Lacans Denken nichts am Hut. Wo Freud war, sollte Lacan werden …“ | https://derstandard.at/1385170673861/Die-Kultur-des-Leids-als-Lebensschule

Axel Schmitt (2018): “ … Das, was wir als Realität erfahren und benennen, ist immer schon beschnitten, gefiltert; irgendeine Dimension, irgendein disparates Element ist von ihr ausgeschlossen und kann nur als Fiktion erscheinen, als nicht zu unserer Realität gehörig. Die Realität des Menschen ist symbolisch konstruiert, also letztlich eine kollektiv praktizierte Fiktion. … “ | https://literaturkritik.de/zizek-disparitaeten-denken-tertium-slavoj-zizek-erkundet-konzept-disparitaet-als-grundlage-philosophischen-denkens,24889.html

Wolfram Eilenberger (21.07.2018): “ … Wenn man die vier Philosophen [Benjamin, Heidegger, Wittgenstein, Cassirer] typologisch einordnet, stehen sie für vier Existenzweisen, die bis heute noch sehr aktuell sind [Benjamin ist der typische klassische weltläufige Prekariatsjournalist, der in der Großstadt leben will; der in Exzessen, sei es in der Spielsucht, sei es in den Bordellen, sei es in der Drogenerfahrung gewisse Extremformen der Erfahrungen auszumachen meint, die besonderen Erkenntniswert haben. Heidegger sucht den Rückzug in der Geborgenheit seines völkischen Umfeldes in der Hütte in Todtnauberg. Wittgenstein wird zum spirituell Suchenden, der in der Einsamkeit und Bedürfnislosigkeit nach geistiger Klarheit sucht. Und schließlich Cassirer – der klassisch bürgerliche, glückliche Denkbeamte, der aus dem großbürgerlichen Milieu heraus seine bildungsbürgerliche Tradition fortführt.] … “ | https://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wz_reflexionen/vermessungen/977982_Die-Sprache-ist-das-Fundament.html

Wolfram Eilenberger (Sein und Streit | Beitrag vom 28.01.2018): “ … Was diese Welt im Kern zusammenhält? … Gute Fragen. In Davos wurden sie schon einmal mit aller Schärfe und Dringlichkeit erörtert. Und zwar anlässlich der legendären Disputation zwischen Martin Heidegger und Ernst Cassirer im Frühjahr 1929. … So entwarf Ernst Cassirer … die Vision einer Menschheit, die sich von den allzu alltäglichen Überlebensängsten und auch politischen Fundamentalismen durch die Werke der Kultur und Bildung befreien würde. Für ihn ist der Mensch ein „Animal Symbolicum“, also ein zeichenverwendendes Naturwesen. Wobei das eigentliche Ziel dieses Zeichengebrauchs – der Sprachen, der Künste, der Mathematik, der Philosophie – für Cassirer darin besteht, den Menschen „frei werden zu lassen von der Angst als bloßer Befindlichkeit“. … Heidegger hingegen, damals frisch gebackener Autor von „Sein und Zeit“ und just als Husserls Nachfolger nach Freiburg berufen, erkannte gerade in der Kultivierung der Angst – vor dem Tod, vor dem Nichts, vor dem Untergang des eigenen Volkes – den entscheidenden Motor wahrer Selbstfindung. Worum es im Philosophieren eigentlich gehen müsse, warf er Cassirer deshalb auf offener Bühne entgegen, sei „den faulen Aspekt eines Menschen, der bloß die Werke des Geistes benutzt, zurückzuwerfen in die Härte seines Schicksals“. … Heidegger ging damals übrigens als gefühlter Sieger vom Podium. Und auch politisch sollte eine völkisch gestimmte Form der Angst bald den Sieg davon tragen. Mit bekannten Folgen. Aus der Davoser Disputation von 1929 wäre also bis heute manches zu lernen. …“ | Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/weltwirtschaftsforum-in-davos-was-heidegger-und-cassirer.2162.de.html?dram:article_id=409428

lemonhorse / 9 November 2018 / Fraktal.Text, Global.Politix:Micro / 0 Comments

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