[Zum Wahn der Liebe (Frühling) #54… ]

kiezneurotiker Die Balzbude (Dienstag, 3. Mai 2016): ” … Frühling. Das Tierreich balzt. Wie die Scheißvögel vor meinem Schlafzimmerfenster so auch mein verdammter Arbeitsplatz. Mein Büro hat nie mehr Besucher als an dem ersten Tag einer attraktiven Auszubildenden, die mir gegenüber sitzt. Ein Reigen komplett verstrahlter Hormonopfer tanzt vor meinen Augen umher. Die Männer geben sich die Klinke in die Hand, um ihren Arbeitsbereich vorzustellen. Das machen sie sonst nie … Mir gegenüber sitzen Titten. Jetzt tanzen die Verhältnisse. Jeder Lackaffe, der zu Balzzwecken die Schwelle meiner trostlosen Bürotür übertritt, mutiert zu einer Art krawattentragendem Pavian. Sie schneiden auf, die Schultern wachsen in die Breite, der Brustkorb steht hervor. Ich warte noch darauf, dass sie sich jeden Moment mit den Fäusten auf die Brust trommeln und kreischend die Lamellen der Jalousie hochklettern. … Natur. Evolution. Ein Irrenhaus. Es gibt Spielregeln, aus denen sie alle nicht ausbrechen können, Rituale, Instinkte und das alles zusammen ist natürlich nicht fair. …” | Quelle: http://kiezneurotiker.blogspot.de/2016/05/die-balzbude.html

lemonhorse / 3 May 2016 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung / 0 Comments

[Auf den Brettern des Abstrusen (#2)… ]

” … Ein Clowndoktor oder Klinikclown ist ein Clown, der in Spitälern und Pflegeinstitutionen auftritt, um dort kranken Menschen mittels Humor wieder Hoffnung und Lebensmut zu schenken. … Unter dem Motto „Lachen ist die beste Medizin“ wird versucht, die emotionale Situation der Patienten zu verbessern, die oft mit Langeweile und Trostlosigkeit verbunden ist. … Diese Spielart des therapeutischen Humors wird unter dem Begriff Clowntherapie mittlerweile auch wissenschaftlich erforscht. … So wurde bei einer Studie an einer israelischen Klinik beobachtet, dass sich der Prozentsatz erfolgreicher In-vitro-Fertilisationen [„Befruchtung im Glas“] mit dem Besuch von Clowndoktoren von 20 % auf 36 % steigerte. … ” (https://de.wikipedia.org/wiki/Clowndoktor#In-vitro-Fertilisation) (04/2016)

” … Wenn selbst Beatrix von Storch auf einmal mit erhobenem Mauszeiger auf Seiten der Satire kämpft, über wen soll ich dann noch Witze machen? Nicht auszudenken, wenn sich auch noch Til Schweiger zwischen zwei Flaschen Emma Cuvé aus dem mallorquinischen Frühling melden würde, um mir beizustehen …” Quelle: https://www.facebook.com/jboehmermann/ (04/2016) | via

Peter Glaser “Zukunftsreich: Moderne Heiterkeit” (16.04.2016): ” … „Das Traumziel der Künstlichen Intelligenz wäre erreicht, wenn ein Computer einen Stummfilm mit Buster Keaton sieht und an den richtigen Stellen lacht“, skizzierte Professor Wolfgang Wahlster, damals Vorstandsmitglied im Sonderforschungsbereich „Künstliche Intelligenz“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ende der Achtzigerjahre das große Ziel. … Bisher hat man [Jan Böhmermann], erstaunlich genug, in seiner ganzen hochvergnügten Schärfe unterstützt, weil er getan hat, wofür er engagiert wurde, nämlich ein junges, medienversiertes Publikum auch weiter ans Fernsehen zu binden. Nun liegt genau deshalb eine einstweilige Vergnügung wegen Majestätsbeleidigung gegen ihn vor und es ist einfach nicht zu fassen, dass jemand bei einem Satiriker so tut, als wäre alles ernst gemeint. Zudem weiß jedes Kind, dass bei dem Versuch, einen Witz und seine scharfe Würze zu übersetzen, zumeist alles verloren geht. Humorlosigkeit ist, nebenbei gesagt, ein zuverlässiges Merkmal, an dem man Fundamentalismus jeder Schattierung erkennen kann. … Ich bin vor einiger Zeit von Facebook für ein paar Tage gesperrt worden, weil ich das Foto eines Hundes gepostet hatte, der zufällig so dalag, dass seine Umrisse einem riesigen, flauschigen Penis ähnelten. Um sicherheitshalber noch einen Hinweispfeil „Achtung, Witz!“ dranzumontieren, hatte ich als Bildunterschrift einen Link auf den Loriot-Filmausschnitt gewählt, in dem Tante Mechthild beim Scrabble-Spielen das Wort „Schwanzhund“ erfindet. Wie ich danach herausgefunden habe, gibt es eine Facebook-Antipornobrigade, die aus schlecht bezahlten Mitarbeitern, rekrutiert in Marokko oder Pakistan, bestand. Wie soll ein Pakistani die für einen Deutschkundigen unmissverständliche Ironie erkennen, die in der Bildunterschrift zum Ausdruck kommt? – Eine Humor-dekontaminierte Welt wäre ein deutlich zu hoher Preis für die Globalisierung. Humor, das Herzeigen der Zähne, ist die friedlichste Art der Aggressionsäußerung, die es gibt. Humor ist Zivilisiertheit, und Humor erfordert Toleranz, und zwar tatsächliche, nicht jeweils die, die einem gerade in den Kram passt. …” | http://futurezone.at/meinung/moderne-heiterkeit/193.060.583

Nachtrag #1
Axel Brüggemann “Realpolitisches Drehbuch” (18.04.2016): ” … Böhmermann … macht keine Satire – sondern er legt die Satire unserer Realität offen. … Er führt den Beweis für Guy Debords Diktum von der „Gesellschaft des Spektakels“. Das realpolitische Drehbuch, das Böhmermann losgetreten hat, konnte er sich an einem Stinkefinger abzählen: Während er abtaucht – und mittlerweile unter Polizeischutz steht –, löscht das ZDF seinen Beitrag, Erdoğan klagt, Merkel steckt in der Bredouille, Yanis Varoufakis und Springer-Chef Mathias Döpfner solidarisieren sich, und selbst deutsche Komiker, die in den letzten Jahren eher Honig im Kopf hatten, werden zu Bekennern. Wie in einem Tatort, in dem alle behaupten, der Mörder zu sein, verfassen nun Alt-68er wie Didi Hallervorden Solidaritäts-Schmähgedichte. Einer meiner Facebook-Freunde witzelte: „Solange Bob Geldof kein Benefiz-Konzert macht, kann es nicht so ernst sein.“ Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich: Ein großer Teil Deutschlands reagiert in der Böhmermann-Debatte wie die beflissene Putzfrau beim Beuys-Fettfleck. Freuen wir uns, dass Kunst noch diese Kraft hat! …” https://www.freitag.de/autoren/axel-brueggemann/realpolitisches-drehbuch-boehmermann-ist-schlingensiefs-kleiner-bruder-im-geiste

balsamico 18.04.2016 ” …Sind Satiriker dafür veantwortlich, dass das Publikum teilweise eine falsche Vorstellung von und ein falsches Bewusstsein über Satire hat? Wenn Satiriker bedenken (müssen), dass ihre Satire in einem zwar undefinierten aber gleichwohl grünen Bereich liegen müsse, kann man Satire als solche vergessen. Weil dann jeder Hinz und jeder Kunz seinen ganz persönlichen grünen Bereich zum Maßstab macht. Das geht schlicht nicht. Wer sich über Satire aufregt hat etwas nicht kapiert. Und eine Politikerin, die Satire gegenüber einem Despoten als “bewusst verletzend” bezeichnet, ganz besonders. Merkel hätte Erdogan sagen können: Ok, mir gefällts auch nicht. Aber es ist Satire, nichts weiter. Weißt Du nicht, Erdogan, was Satire ist? Stattdessen hat sie gemeint, ihren guten Geschmack demonstieren zu sollen …”

Joachim Petrick 18.04.2016 : ” … Was Jan Böhmermann, ungeachtet der Qualität seines Schmähgedichts, gelungen scheint, ist offenzulegen, dass von Ankara bis Berlin, Erdogan bis Merkel, alle postmonarchistischen Majestäten sein wollen und zu prachtvollem Hofe in Pressekonferenzen laden, nur Hofnarren, Harlekine, Eulenspiegel, die ihnen ihre Existenzen bei Gelagen geladen spiegeln, direkt ins Gesichts speien, wollen sie, bei Anrufung des § 103, 104 a StGB seit 1876 im II. Deutschen Kaiserreich, die vermaledeit monarchistisch missratene 1848er Brut in die Zucht zu nehmen, nicht. Da waren einst wirklichen barocken Mahjestäten im Mittelalter toleranter, die hielten sich Hofnarren, Hofschranzen, Harlekine, Eulenspiegel zum Wohlgefallen ihres dröhnend krachenden Gelächters in geheiligten Hallen an ihrer üppig gedeckten Tafeln bei Wein, Weib, Gesang und Trank, um auf eine kurze Weile einmal so richtig deftig Mensch zu sein …”

lemonhorse / 18 April 2016 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Kriegsschauplätze (Mentalitätsgeschichte) #25… ]


WENN DIE ABENDGLOCKEN LÄUTEN (R: Alfred Braun, 1951)

Immagini in attimi (R6dw6C, Sonntag, 10. Februar 2013): ” … Eines der wenigen wirklich faszinierenden Bilder in WENN DIE ABENDGLOCKEN LÄUTEN (Alfred Braun, 1951), einem muffigen – wie Silvia Szymanski passend bemerkte – “Ultraverzichtfilm” – Hans Holt (‘Michael Storm’), der sterile Halbgott des Miefs, dieses so asexuelle und leidenschaftslose Wesen, sitzt am Klavier und starrt – ja, ins Nichts, ins Blaue, an der Kamera vorbei? Ins Nichts, denke ich. …” Quelle: http://immagini-attimi.blogspot.de/2013/02/eines-der-wenigen-wirklich.html // ” … [Albrecht Finke (Willy Birgel) hat] aus dem Krieg doch einen Splitter nahe der linken Herzkammer behalten, der gewandert ist und nun nur noch einen Zentimeter vom Herzen entfernt liegt. … Für den film-dienst war es „sentimentaler Edelkitsch im Gartenlaube-Stil inszeniert. Auch die verlogene Moral und die angestaubten sozialen Ansichten zeugen von einem hoffnungslos veralteten Film.“ „Bei so viel Kitsch läuten die Alarmglocken“, schrieb auch Cinema. …” Aus: “Wenn die Abendglocken läuten (R: Alfred Braun, 1951)”, https://de.wikipedia.org/wiki/Wenn_die_Abendglocken_l%C3%A4uten_%281951%29

” … Oft ist den Filmen eine restaurative Tendenz zugeschrieben worden, ein Festhalten an Lebensformen eines bäuerlichen Deutschland, das so gar nicht mit der Realität der 1950er zusammengehen mochte. Und es wurde eine grundlegende eskapistische Tendenz erkannt, die vom Nachdenken über die noch so nahe Nazi-Vergangenheit abgelenkt habe. Es bleibt Aufgabe der Forschung, diese Urteile nachzuzeichnen und ihnen die These entgegenzuhalten, dass der Heimatfilm gerade nicht restaurativ orientiert gewesen sei, sondern die verschiedenen Modernisierungen, die die BRD in den 1950ern zu einer kapitalistischen Industriegesellschaft entwickelten, in manch mal süffisanter Art thematisiert habe. Junge gegen Alte, Städte gegen Dörfer, Blasmusik gegen Schlager, das Reisen gegen das Bodenstämmige, Handarbeit gegen Maschineneinsatz, autoritäre gegen egalitäre Familienbeziehungen – es sind eine ganze Reihe von dramatischen Konflikten gewesen, die über den reinen Heimatfilm in die soziale und ökonomische Realität der Bundesrepublik hinausweisen. …” Aus: “Medienwissenschaft Hamburg: Berichte und Papiere – Heimatfilm (Der BRD-Heimatfilm der 1950er Jahre: Eine Biblio-Filmographie, Zusammengestellt von Hans J. Wulff)” (2011), Quelle: http://berichte.derwulff.de/0119_11.pdf

Matthias Lohre “Das zähe Seelenerbe des Zweiten Weltkrieges” (13. April 2016): ” … An den Satz unserer Eltern “Ihr sollt es mal besser haben” können wir uns gut erinnern. … Die von Margarete und Alexander Mitscherlich 1967 beschriebene “Unfähigkeit zu trauern” der Kriegsgeneration und der Kriegskinder hat sich in den -enkeln fortgepflanzt: als Unfähigkeit, sich und anderen zu vertrauen. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/kriegsenkel-2-weltkrieg-folgen-erbe-schuld-trauma

online_meinung #1 (April 2016): ” … Mir gehts gut.” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/kriegsenkel-2-weltkrieg-folgen-erbe-schuld-trauma?cid=6472273#cid-6472273

Freigeistxx #29 (April 2016): ” … Das Schlimmste was einer Familie passieren konnte war, wenn die Männer aus dem Krieg in die Familie zurück kehrten. Ich kann dieses “mir geht es gut” einiger Kommentatoren nicht hören. Sorry. Das ist schön für sie, hilft Betroffenen aber nicht weiter. Es wird dadurch nur weiter geschwiegen. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/kriegsenkel-2-weltkrieg-folgen-erbe-schuld-trauma?cid=6473413#cid-6473413

zoon politicon #1.2 (April 2016): ” … Sie verkennen die Vielschichtigkeit dieses Kommentars. “Mir gehts gut” – das ist die Standardantwort, die Verwandte von Kindern zu hören bekommen. Die Antwort, die sie zu hören bekommen wollen, und die so oft nicht der Wahrheit entspricht. Und es ist die Antwort, die derjenige gibt, dem es doch eigentlich an nichts fehlt. Der glücklich und zufrieden sein könnte (sollte!) weil er doch in Frieden und Wohlstand aufwächst. … Insofern, … passt dieser Kommentar auf den Artikel wie der Arsch auf den viel besungenen Eimer. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/kriegsenkel-2-weltkrieg-folgen-erbe-schuld-trauma?cid=6473138#cid-6473138

MICHA BRUMLIK (20. September 2008): ” … das ist das zeitdiagnostische Projekt, das sich Mitscherlich gestellt hat -, “wie die paternitäre [vaterrechtliche] Gesellschaftsordnung sich selbst in eine kritische Lage manövriert hat”. … Diese Kritik des Paternismus ist immer zugleich als Reaktion auf die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, zumal unter dem Nationalsozialismus zu lesen. …” Aus: “Alexander Mitscherlich: Ein Missverständnis”, http://www.fr-online.de/kultur/alexander-mitscherlich-ein-missverstaendnis,1472786,3302418.html

Tobias Freimüller (Datum?): ” … Alexander Mitscherlich (1908–1982) hatte bereits seit 1945 „massenpsychologische” Fragestellungen verfolgt. … ” … Die Diagnose einer „apolitisch konservative [n] Nation” (S. 18f.), die sich vorerst nicht auf die demokratische Gesinnung ihrer Bürger stützen könne, fand in den Rezensionen des Buches breite Zustimmung. Es herrschte Konsens, dass es den Autoren „zum ersten Mal überzeugend” gelungen sei, den inneren Nachweis für „das verblüffende Phänomen des sozialen und politischen Immobilismus (Unbeweglichkeit) des Bonner Staats zu führen” …” | Quelle: https://docupedia.de/zg/Mitscherlich,_Unf%C3%A4higkeit_zu_trauern Aus: “Der versäumte Abschied von der Volksgemeinschaft. Psychoanalyse und „Vergangenheitsbewältigung“”

RUTSCHKY, Michael (2001): V wie vaterlose Gesellschaft (StZ-Serie: Das Alphabet der 70er Jahre), in: Stuttgarter Zeitung v. 03.03.2001: ” … Der Sound geht so: Es gibt irgendwie Zusammenhänge zwischen persönlichen Charaktereigenschaften, Erziehungspraktiken und gesellschaftlichen Entwicklungsstufen, und man kann darüber im psychoanalytischen und im soziologischen Vokabular reden. – Insgesamt ging Alexander Mitscherlich ja als Repräsentant von Sigmund Freuds Lehren in die Kulturgeschichte der BRD ein. Oder war es doch nur die Formel von der »vaterlosen Gesellschaft«, die sich einprägte? (…) Gewiss lieferte Mitscherlichs Formel von der »vaterlosen Gesellschaft« der antiautoritären Revolte der späten Sechziger eine Parole. Und in den Siebzigern kehrte in der konservativen Kulturkritik als »Mut zur Erziehung« (ein Kongress von 1978) noch einmal der Autoritarismus zurück, den Helmut Kohl 1982 in einer geistig-moralischen Wende zur Richtlinie der Politik machen wollte. Aber dann kam der ganze Zusammenhang – trotz allem – aus der Mode.” …”, Quelle: http://www.single-generation.de/kohorten/vor_68er/alexander_mitscherlich.htm#weg

zoon politicon #22 (April 2016): “… Ich habe den Eindruck, es lastet wie ein Alpdruck auf unserer Gesellschaft. Und, anders als der Autor [(Matthias Lohre “Das zähe Seelenerbe des Zweiten Weltkrieges”, 13. April 2016)], meine ich, dass es noch lange nicht ausgestanden ist. … Der Vater meines Vaters wurde im Krieg verwundet. Schwerer als die körperlichen wirkten die seelischen Verletzungen, über die er nie gesprochen hat, die aber offensichtlich waren. Er versuchte sie im Alkohol zu ertränken und war gewalttätig. Mit dem Ergebnis, dass er irgendwann unter mysteriösen Umständen in der eigenen Wohnung den Tod fand, mit gerade einmal Mitte 50. Mord, Selbstmord, Unfall, niemand weiß es so genau. Und niemand spricht darüber. 20 Jahre später wurde ich geboren, alles was ich darüber weiß, sind Fetzen von Gerüchten. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/kriegsenkel-2-weltkrieg-folgen-erbe-schuld-trauma?cid=6473144#cid-6473144

Eiertanz #9.1 (April 2016) “… Meine Eltern waren auch sehr fleißige Menschen. Es ging ihnen nichts über Fleiß, Strebsamkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Arbeit, Arbeit, Arbeit. “Ohne Fleiß kein Preis”, “die sollen erstmal arbeiten” (über Studenten), “die arbeiten ja nichts” (über Beamte und Akademiker), “die gehören ins Arbeitslager” (über Hippies), “du sollst es mal besser haben”, aber auch “wozu brauchst du das Abitur, du heiratest ja sowieso” (ist bis heute nicht passiert), “lerne lieber was Vernünftiges” (z.B. Bürokram, Buchhaltung oder Banklehre, womit ich heute wahrscheinlich arbeitslos wäre). Meine Eltern (Jahrgänge 1917 und 23) haben sich mit all ihrem Fleiß und der Arbeit die Erinnerungen (und das schlechte Gewissen?) zugekleistert. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/kriegsenkel-2-weltkrieg-folgen-erbe-schuld-trauma?cid=6472669#cid-6472669

Luis Tränker #9.2 (April 2016): ” … Ich möchte noch ein “dann geh doch nach drüben” anhängen. Meine Eltern waren ‘nur’ Jahrgang 1930, aber politisch doch ziemlich unterwürfig (…). Für Veränderungen einstehen und dann auch noch an offentlichen Protesten teilnehmen einfach undenkbar. Da konnte man ja nur Kommunist sein und die gehörten eben “nach drüben”, sonst wird D. wieder zerstört, so wie die Sozen (Brandt/Wehner) es anstrebten, indem sie nach Moskau gingen und “Befehle abholten”. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/kriegsenkel-2-weltkrieg-folgen-erbe-schuld-trauma?cid=6473139#cid-6473139

zerprofi #24 (April 2016): ” … Krieg erzeugt Monster und ein Teil davon wird auf die Kinder weitergegeben. Ich hasse Politiker, die verlangen, dass wir wieder “Verantwortung” übernehmen müssen, auf der ganzen Welt und in Wirklichkeit nur unsere Soldaten in den Krieg schicken wollen. Und ich hasse Pfarrer, die Bomben segnen. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/kriegsenkel-2-weltkrieg-folgen-erbe-schuld-trauma?cid=6473266#cid-6473266

Frauwinkel #6 (April 2016): ” … Erst als mein Vater vor wenigen Jahren einmal ganz beiläufig erzählte, wie er als 10-jähriger panisch aus dem überfüllten stickigen Keller rausgerannt ist und im Garten meiner Großeltern liegend die Flugzeuge am Himmel gezählt hat, in der Erwartung, diese Nacht nicht zu überleben, da habe ich zum ersten Mal sowas wie eine Ahnung davon gespürt, was dieser Krieg mit ihm angerichtet hat. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/kriegsenkel-2-weltkrieg-folgen-erbe-schuld-trauma?cid=6472389#cid-6472389

lemonhorse / 14 April 2016 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Kriegsschauplätze #24… ]

Hauke Friederichs (8. April 2016): ” … Deutsche Banken werben mit nachhaltigen Geschäften und geben sich kritisch gegenüber der Rüstungsindustrie. Eine Studie zeigt nun, dass die großen Geldhäuser und Landesbanken zahlreiche Waffenbauer finanzieren. …” >> http://www.zeit.de/2016/16/ruestung-deutsche-banken-krieg-finanzierung

Pro Vernunft #26: Was ist an diesem Bericht so besonders? Wo verdient wird, sind Banken dabei. Und es ist ja nicht nur das Exportgeschäft. Die Rüstungsindustrie wird ja auch vom Staat reichlich subventioniert. Die Entwicklung zahlt der Steuerzahler, die Gewinne kassieren die Aktionäre.
http://www.zeit.de/2016/16/ruestung-deutsche-banken-krieg-finanzierung?cid=6436151#cid-6436151

Zivilisationswächter #12: “Krieg ist gut für das Geschäft” – Ferengi-Erwerbsregel #34
http://www.zeit.de/2016/16/ruestung-deutsche-banken-krieg-finanzierung?cid=6435249#cid-6435249 // http://www.cologneweb.com/StarTrek/ferengi.htm

no-panic #20: Hans und Erika Mustermann befördern als Bankkunden den Flüchtlingsstrom und gehen dann aus Protest spazieren. Die Welt wird immer bekloppter.
http://www.zeit.de/2016/16/ruestung-deutsche-banken-krieg-finanzierung?cid=6435870#cid-6435870

lemonhorse / 9 April 2016 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Der Kauf sexueller Handlungen sei… ]

” … In Oberlehrerinnenmanier wurde der Esslustigen anschließend von ihren drahtigen Gefährtinnen auseinandergesetzt, es biete sich nun die ideale Chance, Anpassung und Unterwürfigkeit zu lernen: Hirn ausschalten, Klappe halten und so sein, wie “der Kunde” (nicht selten Klum-Werbepartner wie McDonald’s) einen haben will. Nämlich: dünn, dämlich, servil. … ” | Aus: “TOP-MOPPEL GISELE – 150 Jahre Frauenbewegung – im Handstreich erledigt” Patricia Dreyer (16. Mai 2008), http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,553737,00.html

ZEIT ONLINE (6. April 2016): ” … Der Kauf sexueller Handlungen sei eine Verletzung der Menschenwürde, sagte Frauenrechtsministerin Laurence Rossignol. “Die Prostitution ist an sich eine Gewalt.” Vorbild für die neue Regelung ist Schweden, das Freier seit 1999 bestraft. Ähnliche Vorgaben wurden in der Folge in Norwegen, Island und Großbritannien eingeführt. … ” | http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/prostitutionsgesetz-frankreich-prostitution-freier-nationalversammlung-geldstrafe

palladio (07.04.2016): “… Jede Art von sexueller Befriedigung mit einer Prostituierten ist nur eine Notbefriedigung, … weil die Liebe fehlt. Wer was anderes behauptet, hat möglicherweise noch nie zutiefst befriedigenden Sex erlebt. Männer, die gegen eine kurz zuvor ausgehandelte “Gebühr” in Körperöffnungen von Frauen eindringen (müssen), die sie gerade erst kennen gelernt haben, können einem Leid tun. Es mag Frauen geben, die diesen “Job” auf freiwilliger Basis erledigen. Die weit überwiegende Mehrzahl der Frauen wird zutiefst gedemütigt. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/prostitutionsgesetz-frankreich-prostitution-freier-nationalversammlung-geldstrafe?cid=6421909#cid-6421909

Provo-Kant (07.04.2016): ” … Sie haben Recht! … NUR was haben Gesetzt & Strafe damit zu tun? Wollen sie Moral und Liebe per Paragrafen verordnen? …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/prostitutionsgesetz-frankreich-prostitution-freier-nationalversammlung-geldstrafe?cid=6421937#cid-6421937

kannnichtsein (07.04.2016): ” … sex mit liebe ist was wunderbares, keine frage. allerdings ist sex mit einem fremden ebenfalls etwas sehr aufregendes …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/prostitutionsgesetz-frankreich-prostitution-freier-nationalversammlung-geldstrafe?cid=6422502#cid-6422502

Zornpimpel (07.04.2016): ” … Aufgabe des Staates ist es, die Schwachen zu schützen. Strafen für Menschen die andere zur Prostitution zwingen können gar nicht hoch genug sein. … Aber wenn mündige Menschen Sex gegen Geld tauschen wollen – auf völlig freiwilliger Basis – dann hat sich ein Staat da rauszuhalten. Wo soll das hinführen? Endet dann die “Versorgungsehe” demnächst auch im Knast? …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/prostitutionsgesetz-frankreich-prostitution-freier-nationalversammlung-geldstrafe?cid=6426720#cid-6426720

mintho (07.04.2016): ” … Das interessante daran: die neue Welle der Prüderie kommt nicht von Rechts und aus den Kirchen wie in der Vergangenheit, sondern von einer neuen, autoritären Linken. Nicht nur in diesem Fall, immer öfter wird gegen Bikini-Models, etc. Stimmung gemacht. Die Argumentation ist dabei kein Deut besser als damals bei den Rechten. In jedem Arbeitsverhältnis wird ein “Körper” gekauft. Vom Körper der Putzfrau die sich mit dem Kot und Dreck von Hunderten Menschen beschäftigen muss bis zum Körper des CEO der mit Millionen Euro der Anleger/Eigentümer jonglieren muss. Solange diese Beziehung auf Freiwilligkeit beruht gibt es nichts einzuwenden. Wir bewegen uns gerade rückwärts und setzen wieder individuelle Moralvorstellungen in allgemeine Gesetze um. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/prostitutionsgesetz-frankreich-prostitution-freier-nationalversammlung-geldstrafe?cid=6421261#cid-6421261

//* [Einschub & Kontext #: ” … Eine wissenschaftliche Expertin für Probleme der Prostitution (Emilija Mitroviç, Dozentin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg, Mitglied des Bundesvorstands des BdWi, Projekt „Arbeitsplatz Prostitution“) hat kürzlich folgenden bedenkenswerten Satz formuliert: „In der Verachtung, die der Prostituierten entgegengebracht wird, spiegelt sich die gesellschaftliche Verachtung gegenüber der Frau im allgemeinen“ … Warum gab es durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende hindurch jene Doppelzüngigkeit, mit der gewerbliche sexuelle Dienstleistungstätigkeiten und Dienstleisterinnen einerseits geduldet, andererseits verachtet wurden? – Sie lässt sich nur begreifen, wenn man sich klar macht, dass Prostitution und Ehe miteinander verschwisterte Institutionen und geschichtlich wohl ungefähr gleichzeitig aufgetreten sind … der Grund dafür ist schwer zu entschlüsseln. Neuere Überlegungen sprechen dafür, dass hier eben „Zucht“ und „Unzucht“ zusammengekoppelt sind: Die Ehe – damals unter uneingeschränkter Vorherrschaft des Ehemanns – war für die Ehefrau zwar ökonomisch nicht ungünstig, dies aber um den Preis völliger sozialer Abhängigkeit vom sogenannten Familienvater, seiner „Zucht“; während das „Hurendasein“ eine ökonomisch zwar nicht völlig sichere, aber doch sozial wirklich selbstständige Existenz bedeutete, eine im besten Sinne des Wortes „unzüchtige“ Lebensweise – ich betone, dass das Wort „unzüchtig“ hier eine positive Bedeutung hat. Wenn die jeweilige Gesellschaft Ehe und Familie für förderungswürdige Institutionen hielt, was aus wirtschaftlichen Gründen geboten war, musste sie die entgeltliche Sexualdienstleistung schlechtmachen; jenes Gewerbe, das eine stärkere Selbstbestimmung derjenigen Frauen über ihren Lebenswandel erlaubte, die aus verschiedenen Gründen nicht verehelicht waren und sich ihren Lebensunterhalt selbst beschaffen mussten, was ihnen in diesem Gewerbe möglich war. So entstand Prostitution als gesellschaftliche Einrichtung zur Reglementierung und Diskriminierung der beruflichen, gewerblichen sexuellen Dienstleistungstätigkeit, die eben deshalb reglementiert und diskriminiert wurde, weil sie anderenfalls viel attraktiver als die Ehe hätte sein können. Bleibt jedenfalls die Frage, ob und ggf. wieweit es diese herrschaftsbezogene Doppeleinrichtung „Ehe und Prostitution“ noch gibt …] Aus: “Prostitution – Pendant der Ehe: Überlegungen zu einer gesellschaftlichen Institution” (15.03.2006), Quelle: http://www.bdwi.de/forum/archiv/archiv/115536.html *//

Azenion (07.04.2016)” … Ich glaube, die Quelle solcher repressiver Gesetze ist eine Art fehlgeleiteter Empathie: Man stellt sich vor, man selbst müßte tun, was andere freiwillig tun, und will es ihnen in der Folge verbieten, da man die Freiwilligkeit nicht nachvollziehen kann. Doch die Menschen sind verschieden – ein Phänomen, mit dem ein Teil der Linken traditionell Probleme hat. …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/prostitutionsgesetz-frankreich-prostitution-freier-nationalversammlung-geldstrafe?cid=6421510#cid-6421510

Haschmich (07.04.2016): ” … Eine vermögensorientierte Libido findet man in der Mitte und der Spitze der Gesellschaft ebenso wie im Puff. Nichts ist besser, nichts ist schlechter. Nicht schon wieder Gesinnungsdiktatur von Hobby-Moralisten! …” http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/prostitutionsgesetz-frankreich-prostitution-freier-nationalversammlung-geldstrafe?cid=6422674#cid-6422674

Patrick Catuz (2014): ” … Mir fällt dazu ein guter Aufsatztitel der feministischen Soziologin Frigga Haug ein: Als ich einen Film genoss, den ich schlecht fand. Die Formulierung bezog sich zwar auf einen Liebesfilm, ist aber auch für den Porno anwendbar. …” Aus: “„Es gibt mehr als Cum Shots“” Verena Reygers (05.03.2014), Quelle: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/es-gibt-mehr-als-cum-shots

Ein Kunde, “Über die Verfasstheit dieses Landes – zu: Im Stein (8. November 2013): “… Ein vielstimmiger, oft chaotischer und somit kakophoner Chor hebt an in Clemens Meyers Werk “Im Stein”. … eine Anzahl namenloser, jedoch in ihren Erzählungen mit viel Liebe zum Detail ausgestatteter Huren. Ihre Erzählungen gehören mit zum besten, was dieses Buch zu bieten hat, gerade weil es Meyer gelingt, sie weder eindimensional als Opfer noch – ebenso eindimensional – als “Huren mit Herz” darzustellen, sondern ganz unterschiedliche Wege in diese Art der Betätigung aufzeigt und dabei weder halt macht vor Beschreibungen der Härten des Geschäfts, noch davor, dessen manchmal unfreiwillig komischen Seiten offenzulegen. … oft erschließen sich Zusammenhänge erst nach Hunderten von Seiten. Meyer schreckt nicht davor zurück, in einem Satz sowohl zwei unterschiedliche Icherzähler, als auch noch eine auktoriale, erklärende Stimme zu Wort kommen zu lassen. Zudem schert er sich oftmals nicht darum, ob die gerade Erzählenden zu identifizieren sind (sie sind es oft nicht). Man kann dem folgen, man erkennt einzelne Stimmen auch durchaus wieder, doch nie fügt sich dies alles zu einer Kohärenz zusammen. …” | http://www.amazon.de/gp/customer-reviews/RSRY4FZGRLQUF/ref=cm_cr_getr_d_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=3100486021

Ronald Düker (22. August 2013): ” … Clemens Meyer liebt Jörg Fauser, Hubert Fichte und William S. Burroughs. Und spekuliert um wirklich jeden Preis auf den Effekt der schnellen, atemlosen und krassen Geschichte. Meyer liebt auch die Desperados. Über diese Sehnsucht tappt er aber in eine Falle, die vielleicht der blinde Fleck und ganz sicher das Problem dieses Romans ist. Die ledrig-gutherzigen Typen, Meyers harte Jungs, wirken wie aus dem Kostümverleih. …” Aus: “Gebumst wird immer”, http://www.zeit.de/2013/35/literatur-roman-clemens-meyer-im-stein

Nachtrag #1
Newsday’s Bilkisu Labaran spoke to Thierry Schaffauser, a sex worker and coordinator of the National Network of Sex Workers’ Organisations in France. What does he make of the bill? (7 April 2016, Audio: Duration 5 minutes) http://www.bbc.co.uk/programmes/p03q8hjp // https://en.wikipedia.org/wiki/Thierry_Schaffauser

lemonhorse / 7 April 2016 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Zur Ontologie des nicht Seienden (Illusionen) #11… ]

via

” … So wird von Einbildung gesprochen oder Imagination, Erdichtung, Fiktion und Gaukelspiel, von Fata Morgana, Trugbild, Schimäre, Ausgeburt der Phantasie und Hirngespinst, von Wunschtraum oder Seifenblasen, von Wolkenkuckucksheim, Luftschloss, Phantasmagorie, Träumerei, schönem Schein bis hin zu trügerischer Hoffnung – wie es auch möglich ist, von verlorenen Illusionen zu sprechen, von gefährlichen, schädlichen, vergeblichen bis hin zu jugendlichen und romantischen Illusionen oder Illusionen der Jugend.

[E]ine große Zahl von Redewendungen hält [auch] die Alltagssprache bereit: danach kann man sich Illusionen nicht nur machen, man kann sie haben, wecken und nähren, in ihnen leben, sich der einen oder anderen Illusion sogar hingeben, für seine Illusionen gelegentlich aber auch teuer bezahlen müssen, an seinen Illusionen festhalten, sich gar an sie klammern, sie sich nicht nehmen lassen, aber auch aus seinen Illusionen gerissen werden oder erleben, dass sie einem genommen, wenn nicht sogar zerstört oder völlig zunichtegemacht werden. …” | Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Illusion (7. März 2016)

lemonhorse / 20 March 2016 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Memento mori #1… ]


Smultronstället (Wilde Erdbeeren), R: Ingmar Bergman (1957)

Arletty (17.03.2016): ” … Denn unfassbar bleibt er immer, dieser eine letzte Atemzug; dieser ‘knappe Übertritt’, wie es im ‘Zauberberg’ heißt. … Wenn ich daher heute zu Familienmitgliedern oder Freunden ‘bis bald’ sage, dann schwingt das ‘hoffentlich’ immer mit; und das ist nicht das Schlechteste. …” http://www.zeit.de/kultur/2016-03/trauer-tod-bewaeltigung-krise-arbeit-10nach8?cid=6302610#cid-6302610

Xepio (17.03.2016): ” … “….dass unsere Gesellschaft Sterben, Trauer und Tod immer noch fein säuberlich verdrängt.” Ich habe es so gesehen, das selbst nahe Verwandte so sehr mit ihren alltäglichen Geschäften beschäftigt sind, das ihnen keine Zeit mehr bleibt oder sie selbst nicht mehr bereit sind, sich Zeit für andere Dinge zu nehmen. Mit Volldampf auf das Ende zu. Manchmal komme ich mir wie ein nicht mehr funktionsfähiger Borg in einem Borg-Kollektiv vor. …” http://www.zeit.de/kultur/2016-03/trauer-tod-bewaeltigung-krise-arbeit-10nach8?cid=6302866#cid-6302866

lemonhorse / 17 March 2016 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung / 0 Comments

[Zur Ontologie des nicht Seienden #10… ]

” … Die meisten verbeugten sich in Resignation vor der Übermacht des Faktischen … Aufgrund derselben Dispositionen biegen sich die Bibliotheksregale unter der Last von Hunderten faktensüchtiger Hitler-Biografien, indes man noch immer einen Roman vermisst, der zeigte, wie Adolf H. nach der Entlassung aus der Armee gemeinsam mit einem befreundeten jüdischen Maler einen florierenden Postkarten-Laden in Salzburg eröffnete, bis er schließlich 1932 bei einer sommerlichen Alpenwanderung durch Steinschlag tragisch verfrüht ums Leben kam. Aus einem solchen Konjektural-Roman träte ein anderes 20. Jahrhundert ans Licht. … ” | Peter Sloterdijk (2016), Quelle: http://www.zeit.de/2016/11/fluechtlingsdebatte-willkommenskultur-peter-slotedijk/komplettansicht

// Kontext: Leider sei ansonsten bei Sloterdijk hingedeutet zu: –>> [Weltdeuter und der Strom eines Unbewussten…] — Hinzugekommen ist als Nachtrag nun eine Kritik auf die Kritik Peter Sloterdijks Kritik (Es geht um Männerphantasien und politisierte Intellektuelle die dadurch auffallen, “dass sie Ideen umzingeln wie Frauen in Silvesternächten” [Herrn Sloterdijks Ideen seinen demnach wehrlose Opfer, die von politisierten Intellektuellen belästigt, bedränkt und kriminell bedroht würden.]… Peter Sloterdijk, Conférencier der Mühelosigkeit, der sich stets als Gewinner fühlen kann, weil er allein auf einem Feld spielt, dass er sich selbst erfunden hat … (Jürgen Kiel, 2009)) ]

Nachtrag #1
” … “Shifting Baselines” beschreiben das Phänomen, dass die Orientierungspunkte, anhand derer Menschen ihre Umwelt beurteilen, sich schleichend verschieben. …” http://www.uni-oldenburg.de/fileadmin/user_upload/wire/fachgebiete/produktion/download/081031Shifting-Baselines-Abschiedsvorlesung.pdf

Richard David Precht und Harald Welzer (in DIE ZEIT Nr. 13/2016, 17. März 2016): ” … Sich vor “Überrollung” und “Flutung” zu fürchten, wie es Peter Sloterdijk tut (ZEIT Nr. 11/16), ist in einer multipolaren Welt mit ökologischen und wirtschaftlichen Ungleichheiten von gestern. … Statt mit der normativen Kraft des Faktischen haben wir es mit einer normativen Kraft des Fiktiven zu tun. In Staaten wie dem Libanon ist jeder Fünfte ein Flüchtling. Jordanien gibt ein Viertel seines Staatshaushaltes für Flüchtlingshilfe aus. In Deutschland ist nicht mal jeder Vierzigste ein Flüchtling, und die Staatsausgaben für Zuwanderer liegen im niedrigen einstelligen Bereich. Trotzdem konstatieren Kommentatoren “Staatsversagen”. So hält das völlig fiktive Bild eines kollabierenden und überrannten Landes dafür her, harte Maßnahmen zu fordern. Wer hier die öffentliche Ordnung kollabieren sieht, redet wohlgemerkt von Deutschland im Jahr 2016 und nicht von Syrien, Afghanistan oder Somalia. Nicht die Realität, sondern Übertreibung und Phantasma begründen die immer stärkere begriffliche Aufrüstung. … Die Migrationsbewegung, die wir derzeit erleben, ist keine sozialrevolutionäre Vereinigung. Aber sie ist eine Herausforderung an unsere kapitalistische Gesellschaft, die neue Impulse setzt, weil sie zum Umdenken zwingt. Weil sie uns dringlich vorführt, was wir alle wissen: wie unfair die Chancen auf ein erfülltes Leben in der Welt verteilt sind. In diesem Bewusstwerden von Unfairness liegt ihr gesellschaftlicher Sprengstoff. Wie früher die Sklaverei, die Frauenfrage oder die Arbeiterfrage haben wir die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Lebenschancen lange als naturgegeben betrachtet. Aber sie ist ebenso wenig naturgegeben wie einst die Rolle der Sklaven, der Frauen oder der Arbeiter. … Fragestellungen dieser Größenordnung wecken Ängste. Es sind naheliegende Ängste, denn von Lösungen sind wir, trotz des beherzten Einsatzes der Kanzlerin, weit entfernt. Es sind gerechtfertigte Ängste vor einem Anwachsen von Kriminalität, wenn es uns nicht gelingt, eine Integrationspolitik zu machen, die diesen Namen auch verdient. Doch eine pauschale Lösung gibt es nur in Märchen. In der Realität muss man der Herausforderung auf verschiedenen Feldern begegnen. Dabei wird klar, dass das Flüchtlingsthema genau dort Probleme sichtbar macht, wo sie ohnehin vorhanden sind und jetzt lediglich virulenter werden. … Aus sozialpsychologischer Perspektive mutet die vollkommen hysterisierte Diskussion allfälliger Real- und Fantasieprobleme mit “den Flüchtlingen”, die Klage über die “Willkommenskultur”, die dringend von einer “Verabschiedungskultur” (FAZ) abgelöst werden müsse, wie ein gespenstisches Realexperiment zum Phänomen der shifting baselines an. Gemeint ist die unbemerkte Verschiebung der normativen Maßstäbe, die man an Geschehnisse anlegt. Das Phänomen ist an vielen unguten historischen Beispielen ausführlich beschrieben. Die Referenzrahmen der Wahrnehmung und Deutung von Ereignissen und Situationen wandeln sich oft erstaunlich schnell, und alle halten sich auch dann noch für moralisch integer, wenn sie schon längst der Gegenmenschlichkeit und ihren Maßnahmen zustimmen. Man kann zur Illustration die Geschichte eines Deutschen von Sebastian Haffner lesen oder in der Gegenwart beobachten, wie unter dem mutwilligen Einsatz intellektueller Stichwortgeber ein “Flüchtlingsproblem” so ins Maßstablose vergrößert wird, dass am Ende die “Lösung” der “Krise” nicht etwa in der Modernisierung der Zuwanderungspolitik und des staatsbürgerlichen Selbstverständnisses, sondern in der Schließung der Grenzen imaginiert wird. …” | http://www.zeit.de/2016/13/migration-debatte-gefluechtete-zuversicht-jugend

andrea51 #61 (März 2016):” … Was ich dem Kommentar des Herrn Precht ankreide, ist: eine verklärende Sicht des modernen Kapitalismus. Die Frage: “Was kann der Kapitalismus leisten, was kann er nicht mehr leisten?” wird ohne viel Nachdenken mit einem positiven Bias belegt. Die Gleichsetzung der Arbeiterfrage des 19.Jhdts. mit der Migrationsfrage des 21. Jhdts. unterstellt, dass der Kapitalismus dazu in der Lage wäre, hunderte Millionen zusätzlicher Menschen in den Markt zu integrieren. Nichts absurder als das: Die Tatsache, dass es überhaupt eine Migrationskrise gibt, ist der Beweis dafür, dass der Kapitalismus diese Menschen eben nicht integriert. Anders gesagt: Wäre der Kapitalismus als Weltsystem in der Lage alle Menschen aufzunehmen, würden wir derart schicksalshafte Migrationsbewegungen gar nicht erleben. Es ist die Armut, die mangelnde Perspektive, nicht primär die Kriege, die die Menschen zur Migration treibt. Wie kann man also hoffen, dass eben jenes System, das den Wahnsinn im Weltmaßstab befördert, ihn dann beseitigt? Für mich ist das das Grundproblem aller hoffnungsfrohen Philosophen: Sie sind sich über die inhärente Grenze des Systems nicht bewußt und phantasieren sich in eine Zukunft, die durch die Tatsachen der Gegenwart bereits widerlegt ist. Hundertmal sympathischer ist mir ein Herr Sloterdijk, der das Ausschlußprinzip des Kapitalismus spürt, die Überflüssigmachung vieler, vieler Menschen, von dem Herr Precht keine Ahnung zu haben scheint…..” | http://www.zeit.de/2016/13/migration-debatte-gefluechtete-zuversicht-jugend?cid=6319679#cid-6319679
// [” … „Die Überflüssigen“ sind eine Gruppierung, die unter gleichen Namen Aktionsformen des sozialen bzw. zivilen Ungehorsams praktiziert. … Der Name wurde als Kampfbegriff gewählt, weil sich die Akteure als Menschen verstehen, die in einem „profitfanatischen“ System überflüssig gemacht werden. …” | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_%C3%9Cberfl%C3%BCssigen_%28Gruppe%29- (26. Mai 2014)]]

tiefstapler #213 (März 2016 ): ” … Dabei wird klar, dass das Flüchtlingsthema genau dort Probleme sichtbar macht, wo sie ohnehin vorhanden sind und jetzt lediglich virulenter werden. Der kernsatz des ganzen Artikels! …” | http://www.zeit.de/2016/13/migration-debatte-gefluechtete-zuversicht-jugend?cid=6321222#cid-6321222

andrea51 #88 (März 2016): ” … Der Kapitalismus leidet seit geraumer Zeit unter Verengung, unter nicht ausreichender Aufnahme von Arbeitskräften im Verhältnis zum weltweiten Bevölkerungswachstum, hervorgerufen dadurch, dass die Arbeitsproduktivität schneller wächst als sich die Märkte mengenmäßig ausdehnen. Die Folge ist, dass mehr und mehr Menschen überflüssig werden, das alte Marx`sche Dogma der “industriellen Reservearmee” kehrt mit Wucht auf die Weltbühne zurück – nur, dass die Armee keine Reserve mehr ist, sondern schlichtweg “überflüssig”. Ein System, das unter Verengung leidet, wird Ausschluß suchen und nicht Integration. Es wird Mauern bauen, um es wenigstens für die Wenigen zu erhalten, und sich dagegen sträuben die Mauern, die gegen die “Überflüssigen” schützen sollen, niederzureissen. Diese kapitalistische Logik können oder wollen unsere Philosophen nicht sehen und dementsprechend weltfremd sind ihre Schlüsse. …” | http://www.zeit.de/2016/13/migration-debatte-gefluechtete-zuversicht-jugend?cid=6319795#cid-6319795

jjkoeln #90 (März 2016 ): ” … Ein schöner Artikel, der aufzeigt, dass es um Gerechtigkeit geht, dass es darum geht, die Ressourcen für ein grechte Gesellschaft wieder zu moblisieren, anstelle dem Irrweg eines “Trickle Down” oder einer alternativlos marktkonformen Demokratie zu folgen. Bei hinreichender Orgnisation und Ressourcenfreigabe gibt es keine “Flüchtlingskrise”. Aber das Vermögen, die Erbschaften und Wohngbiete der obersten 1% sind sakrosankt. Menschenrechte stehen eher zur Disposition als Vermögenswerte …” | http://www.zeit.de/2016/13/migration-debatte-gefluechtete-zuversicht-jugend?cid=6319805#cid-6319805

Für Elise #142 (März 2016 ): ” … Ein weiterführender Denkanstoss, den ich sehr gerne gelesen habe, weil er einen neuen Anlauf nimmt in dieser in allmählich hysterischer Endlosschleife – immer die gleichen Perspektiven! Denkmuster! Argumente! – ablaufenden Diskussionen. Die immer mehr um sich greifende Schwarz-Weiß-Malerei auch in den Foren finde ich langsam ziemlich ermüdend. …” | http://www.zeit.de/2016/13/migration-debatte-gefluechtete-zuversicht-jugend?cid=6320187#cid-6320187

maramalis #221 (März 2016 ): ” … Wir haben uns in den letzten Jahren mehrfach die Augen gerieben. Wer hätten den Beinah-Zusammenbruch des Kapitalismus in der Bankenkrise denn vorhergesehen oder auch nur annähernd für möglich gehalten. Der arabische Frühling hat an den Gitterstäben der nordafrikanischen und nahöstlichen Diktaturen gerüttelt – und einige davon zu Fall gebracht. Dass Menschen nun sich auf den Weg in eine sinnvolle Zukunft machen, auch nach Europa… erstaunt uns das wirklich? …” | http://www.zeit.de/2016/13/migration-debatte-gefluechtete-zuversicht-jugend?cid=6321629#cid-6321629

lemonhorse / 10 March 2016 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Zur Begegnung mit Phantomen #2… ]

lessthannil2016
[Symbolfoto] — // >> Found via & via — // ” … Als Symbolfoto bezeichnet man … abgebildete Fotografie, die nicht den tatsächlich dokumentierten Sachverhalt darstellt, sondern aus einem davon unabhängigen Zusammenhang stammt. … Ein Pendant bei der Verwendung von Bildern auf Lebensmittelverpackungen ist die Kennzeichnung als Serviervorschlag. …” | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Symbolfoto

// ” … „Insofern der Blick unserem Bewußtsein einen Ausweg von dem Ort sichert, den unser Körper bewohnt, stellt er im wörtlichen Sinne einen Exzeß dar.“ — Jean Starobinski, Das Leben der Augen — […] Phantome sind [ ] immer schon da als „analogische Vorstellungen unserer Sinne“ bei Kant, als „Vor-Dinge“ … Begegnungen mit dem Ungewissen laden ein zum Nachdenken über die eigentümliche Zwischenwelt, der … Phantome entsprungen sind. …” | Aus: “Phantome – Begegnungen mit dem Ungewissen” Petra Löffler (1997) | >> http://edoc.hu-berlin.de/ilinx/1/loeffler-petra-97/PDF/loeffler.pdf (24 Seiten)

lemonhorse / 7 March 2016 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Visual.Notes / 0 Comments

[HAL 9000 & ewige Speicherung… ]

Andreas Wilkens (17.02.2016): ” … Forscher in Großbritannien haben eine kleine Glasscheibe entwickelt, auf der sich bis zu 360 Terabyte Daten speichern lassen. Sie ist etwa so groß wie ein Zwei-Euro-Stück, soll Temperaturen von bis zu 1000 Grad aushalten und mehrere Milliarden Jahre lang auslesbar sein …” | “Glasscheibe zur “ewigen Speicherung” großer Datenmengen soll marktreif werden“, http://www.heise.de/newsticker/meldung/Glasscheibe-zur-ewigen-Speicherung-grosser-Datenmengen-soll-marktreif-werden-3109718.html & https://www.southampton.ac.uk/news/2016/02/5d-data-storage-update.page & http://www.orc.soton.ac.uk/fileadmin/downloads/5D_Data_Storage_by_Ultrafast_Laser_Nanostructuring_in_Glass.pdf

// * kmueho (18.02.2016): ” … Kommt mindestens 15 Jahre zu spät – In Stanley Kubrics Film 2001 a space odyssey hat der HAL 9000 doch bereits solche transparenten Speichermodule:

Deactivation of Hal 9000
https://youtu.be/c8N72t7aScY


2001: A Space Odyssey” (R: Stanley Kubrick, 1968) *//

lemonhorse / 18 February 2016 / Cinema.Exposure, Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Global.Politix:Micro, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

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