[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #46… ]

“ … Die Deutung ist nach wie vor ein zentrales Element der psychoanalytischen Behandlung. …“ (Kuttenkeuler, Dorothea; Schäfer, Georg (Hg.) – Zu: „Deutungsprozesse im Wandel‘)

“ … Generationen sind zugleich als historische Lagerungen zu begreifen. … es liegt [ ] nahe, Generationen als zeitdynamische Strukturierung von Gesellschaften und Organisationen zu begreifen. …“ | (Olaf Struck „Generationen als Zeitdynamische Strukturierung“, 2003)

“ … Die Moderne ist in die Jahre gekommen. Sie galt einmal als Teil eines Rationalisierungsprozesses. … das, woran wir uns beim Weinen erinnern, ist stets die Erkenntnis, dass wir eben nicht heroisch oder infantil-allmächtig alles in der Hand haben. …“ (Gesine Palmer)

Der Loulou“ (1980)

“ … In einer Vorstadtdisco lernt Nelly, eine junge bürgerliche Frau, den charmanten Herumtreiber Louis, genannt Loulou, kennen. In ihrer Beziehung zu André, einem gut situierten Besitzer einer Werbeagentur, findet sie keine Erfüllung. Der unbeschwerte Lebenskünstler Loulou dagegen war bereits im Gefängnis und hält sich mit Gelegenheitseinbrüchen über Wasser. Nelly ist fasziniert von dem unkonventionellen Typ, der ihre Sehnsüchte nach einem weniger spiessigen Leben verkörpert. Sie verlässt André und stürzt sich in das Abenteuer. Doch alles ändert sich, als sie plötzlich schwanger ist und mit den sozialen Verhältnissen Loulous konfrontiert wird. …“ | https://www.cede.com/fr/movies/?view=detail&aid=10300909

Olga Baruk zu ‚Der Loulou‘ – Frankreich 1980: “ … „Stimmt es, dass du im Hotel wohnst?“ fragt Loulous Mutter ihren Sohn. – „Ja“. – „Und wer bezahlt das?“ – „Na sie“. … In diesem dynamischen Film, in dem ausgesprochen viel um die Häuser gezogen, ausgegangen, gebummelt und gebumst, einander besucht und geprügelt wird, ist Nelly die Figur, die die größte Bewegung vollzieht. Sie macht etwas höchst Unvernünftiges, nämlich – wenn auch vermutlich nicht für ihr Leben lang – einen Milieuwechsel. … André zu Nelly: „Na hör mal, du musst dir deinen Macker erziehen. Sorg dafür, dass er Mozart hört, während du ihm… (eine obszöne Geste)“. … Bei einem geselligen Landausflug passiert etwas, was sich in Folge als Wendepunkt der Geschichte erweist – so beiläufig gewendet sieht man Storys im Kino selten. … “ | https://www.perlentaucher.de/im-kino/filmkritiken-zu-dau-von-ilya-krzhanovsky-und-der-loulou-von-maurice-pialat.html

Pretty Woman“ (1990)

“ … »Ein seichtes Melodram, angereichert durch einen repräsentativen Querschnitt durch die amerikanische Schlager-Geschichte und eine Bestandsaufnahme der Modetrends der oberen Zehntausend. Die Süddeutsche Zeitung beschrieb die Wirkung von Pretty Woman sehr treffend: Entweder man heult mit, oder man kotzt. …“ | http://www.wunderlin-online.de/film/pretty%20woman%20(1990).htm

Johanna W. Stahlmann (31.12.1991)“ … jener unterhaltsame Film … ist gemacht von und für Menschen, die sich selbst peinlich sind. … “ | https://www.krisis.org/1991/pretty-woman/

“ … Es ist eine dieser Geschichten, die American-Dream-treue Ameri­kaner gern erzählen. So wie die vom Teller­wä­scher, der es zum Millionär gebracht hat. Oder der Prosti­tu­ierten in Gary Marshalls Pretty Woman (1990), die vom reichen Geschäfts­mann »erkannt« und »erlöst« wird. Alles Geschichten, die im Kern natürlich nichts anderes sind als eine Variation des alten Grimm’schen Märchens vom »Aschen­puttel« (1812) …“ | https://www.artechock.de/film/text/artikel/2020/06_25_cook_off_zimbabwe_purr.html

“ … Als Pretty Woman 1990 in die Kinos kam, wurde der Film sofort zum Kassenschlager und die Fans konnten nicht genug bekommen von Julia Roberts und Richard Gere, die als Edward und Vivian ihre Liebesgeschichte in der noblen Umgebung von Beverly Hills ausleben. … “ | https://www.editorchoice.com/geheime-fakten-pretty-woman/

“ … der Film [Pretty Woman sollte eigentlich] „3000“ heißen – also nach der Summe, die Vivian für ihre Liebesdienste von Edward bekommen sollte. … „Er warf sie aus dem Auto, warf ihr Geld als Erinnerung hinterher, fuhr weg und ließ sie in einer dreckigen Gasse zurück“ … Das Arthouse-Drehbuch wurde [dann aber] Hollywood-gerecht umgeschrieben … Die Schlussszene, in der Edward über eine Feuertreppe klettert, um Vivian seine ewige Liebe zu gestehen, gehört zu den Klassikern der Filmgeschichte. Roberts wurde über Nacht zum Superstar und alle Frauen wollten ihr braun gepunktetes Kleid, das selbst zur Fashion-Ikone wurde. Die romantische Komödie rührt mit ihrer Sentimentalität zu Tränen, verzerrt den Job von Sex-Arbeiterinnen, bildet durchweg Stereotype ab und setzt die Rettung durch Liebe einer christlichen Erlösungsidee gleich. …“ | Aus: „Julia Roberts verrät eigentliches Ende von „Pretty Woman““ (25.06.2019) | https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.von-wegen-happy-end-julia-roberts-verraet-eigentliches-ende-von-pretty-woman.560e9a41-3ee9-4650-9ede-a7a29bb8e450.html

Gisela Thiele: “ … Den „Konsumkapitalistische(n) Inszenierungen der Liebe“ … In der Postmoderne, … sei die Verfügung über Ressourcen gegenüber dem Besitz und Haben vorrangig geworden. Im Zwischenmenschlichen sei eine tiefe Liebesbeziehung gegenwärtig zu wenig, denn sie könnte als Mangel und der Beschränkung nach Abwechslung gedeutet werden. Die Chance der Begegnung und menschlicher Nähe müssten dauerhaft enttäuscht bleiben, damit die Konsumlust, die Nachfrage nach Beziehungsangeboten, die online feilgeboten würden, dauerhaft bestehen (S. 21). …“ | Zu: „Burkhard Bierhoff: Liebe im Konsumkapitalismus“ (Wiesbaden) 2016 | https://www.socialnet.de/rezensionen/22082.php

Zimmer mit Aussicht“ (1985)

Magdalena Natalia Zalewski (6. Juli 2014) zu „Zimmer mit Aussicht“ (1985) : “ … Humorvoll werden anhand von Lucys Schicksal die Sitten und Gebräuche der besseren Gesellschaft infrage gestellt, wenn nicht gar belächelt. Tourismus- und Italienklischees werden mithilfe opulenter Landschaftsaufnahmen und skurriler britischer, wie italienischer Nebencharaktere mit Eleganz durch den Schlamm gezogen. Aus der naiv wirkenden Romanze entwickelt sich bald eine köstliche Gesellschaftssatire. …“ | http://www.cereality.net/kritik/zimmer-mit-aussicht-071556

Oliver Armknecht (2. März 2020): “ … Schöner Schein … Das Thema der Emanzipation, der Ausbruch einer Gefangenen, das kommt relativ kurz. Am Ende läuft es nur darauf hinaus, dass zwei Menschen, bei denen von Anfang an feststeht, dass sie füreinander bestimmt sind, doch noch zusammenkommen. Das war als Geschichte vor über hundert Jahren schon nicht originell, ist es seither auch nicht geworden. Beim Thema der Klassenunterschiede bleibt man ebenfalls an der Oberfläche, das wird immer nur wieder angekratzt bei der Frage, wer auf welchem Stand ist, wer wofür oder für wen unangemessen ist. Zu größeren Verwerfungen oder Konflikten führt das nicht. …“ | https://www.film-rezensionen.de/2020/03/zimmer-mit-aussicht/

lemon / 25 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[In jenen Tagen (1947) … ]

In jenen Tagen (Episodenfilm von Regisseur Helmut Käutner, 1947)

Eva Pfister (25.03.2008): “ … [Helmut Käutner] „Ich nahm das Mittel der Verfremdung, nämlich die Geschichte eines Autos, um von einem relativ neutralen Standpunkt die Dinge zu erzählen, denn unsere Wut, unsere Verzweiflung und unser Hass auf das, was gewesen war, wäre nicht in der Lage gewesen, eine Geschichte zu erzählen, die richtig wär. Das wäre dann nur: Ja, jetzt wo ihr dürft, da brüllt ihr los.“ … In den 60er und 70er Jahren arbeitete Helmut Käutner vermehrt als Theaterregisseur, auch als Schauspieler sah man ihn auf der Bühne und in Fernsehfilmen. Auf die Entwicklung des westdeutschen Kinos nach dem Krieg sah er mit Resignation zurück: „Es wurde eine allgemeine Banalität, und es gab eigentlich keinen künstlerischen oder politischen Film mehr, sondern nur noch eine Art von, ja: Unterhaltung. Die wertvollen Ansätze dieser ersten Zeit sind im Grunde verloren gegangen.“ … “ | https://www.deutschlandfunk.de/auf-umwegen-zum-film.871.de.html?dram:article_id=126190

“ … Nach der Zerschlagung der Ufa, konnte man im besetzten Deutschland nur Filme drehen, wenn man eine Produktionsfirma hatte. Käutner gründete daher die Camera-Film, um IN JENEN TAGEN realisieren zu können. Er drehte mit einem Minimum an Aufwand und Personal unter widrigsten Bedingungen außerhalb der Ateliers und wurde deshalb – gemeinsam mit Wolfgang Staudte – zum Begründer des »Trümmerfilms« und zum Hoffnungsträger des deutschen Films nach 1945. … Auf den Internationalen Filmfestspielen von Locarno wurde IN JENEN TAGEN ausgezeichnet, doch das deutsche Publikum war an »Trümmerfilmen« nicht interessiert und der Film floppte an der Kinokassa. …“ | https://www.film.at/in_jenen_tagen

“ … In sieben Episoden wird die Zeit des Nationalsozialismus dargestellt. Eine Rahmenhandlung hält die Episoden zusammen: Am Beginn und am Ende des Films schlachten auf einem Rummelplatz der Nachkriegszeit zwei Männer ein altes Auto aus und unterhalten sich darüber, ob es „in jenen Tagen“ Menschen und Menschlichkeit gegeben habe. Das Auto mischt sich, nur für den Kinozuschauer hörbar, in das Gespräch und erzählt die folgenden sieben Episoden aus seiner „Lebenserfahrung“ in Form von Rückblenden, um die fragliche Menschlichkeit zu bezeugen. …“ | http://www.geschichte-projekte-hannover.de/filmundgeschichte/deutschland_nach_1945/zeitgenossische-spielfilme/die-filme-3/in-jenen-tagen-2.html

“ … Das Lexikon des internationalen Films bezeichnet In jenen Tagen als „(film-)historisch wichtige[n] Film, der in knapp-präziser Charakterisierung und geschickter Aufbereitung der Zeitatmosphäre die Frage stellt, was es heißt, ‚Mensch‘ zu sein.“. Käutners Neigung zu oberflächlicher Symbolik schwäche jedoch gelegentlich den Gesamteindruck. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/In_jenen_Tagen_(1947)

“ … Durch seine Aufnahmen des Nachkriegsalltags, überliefert der Trümmerfilm interessante Einsichten und Eindrücke einer Nachkriegsgesellschaft, bei denen es sich, […] um keine identisch abgebildete Wirklichkeit handelt, aber „sie geben Zugang zu den jeweiligen historischen Werten, Normen und Reflexionen unbewusster kollektiver Wunsch- und Traumvorstellungen oder Frustrationen.“ Natürlich sei auch an dieser Stelle erwähnt dass, Filmbilder „niemals die ganze Wirklichkeit, sondern nur bewusst oder unbewusst ausgesuchte Bruchstücke eines Ausschnittes einer gesellschaftlichen Wirklichkeit zeigen.“ … Wie sooft im deutschen Nachkriegsfilm, verzichtet „In jenen Tagen“ (1947) auf die explizite Darstellung von nationalsozialistischen Tätern. …“ | Aus: „„Geschichte“ als Kulisse? – Analyse der Ausstattung von so genannten Trümmerfilme“ – Verfasser Michael Hochwarter (Wien, im März 2009) | https://core.ac.uk/download/pdf/11585422.pdf

lemon / 22 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Peter Lorre #2 (Casablanca)… ]

Peter Lorre in „Casablanca“ (R: Michael Curtiz, 1942)

“ … Als Casablanca am 29. August 1952 in die deutschen Kinos kam, enthielt der Film kaum noch Hinweise auf den Zweiten Weltkrieg. Alle Szenen mit Major Strasser und anderen Nazis waren herausgeschnitten worden. Auch die Szene, als die Deutschen Die Wacht am Rhein anstimmen und von französischen Patrioten mit der Marseillaise niedergesungen werden, fehlte. Victor László wurde zu Victor Larsen, einem norwegischen Atomphysiker, der die rätselhaften Delta-Strahlen entdeckt hat. Capitaine Renault wurde in Monsieur Laporte umbenannt und war nun ein Mitglied der Interpol. Casablanca war in dieser um 25 Minuten gekürzten Version eher eine harmlose Romanze als ein Propagandafilm gegen die Nationalsozialisten und das Vichy-Regime. Erst am 5. Oktober 1975 strahlte die ARD die ungekürzte und neu synchronisierte Fassung aus, die bis heute bekannt ist. … In der DDR wurde der Film erstmals am 6. September 1983 im Fernsehen gezeigt. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Casablanca_(Film) (Stand: 16 Juni 2020)

lemon / 19 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Der psychische Apparat #2… ]

“ … Das Imaginäre ist ein Sammelbegriff für alles „Bildhafte“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Imagin%C3%A4re (Dezember 2018) // “ … Für Lacan bezeichnet das Imaginäre zwar einen Kern des Ichs, aber zugleich »das Element einer notwendigen Verkennung, einer ursprünglichen, nie wieder einholbaren Entfremdung des Ich ins Bild (seiner selbst)«. Das Ich ist Lacan zufolge wesentlich durch eine »Verkennungsfunktion« charakterisiert: Es ist das Ergebnis der Identifikation des Säuglings mit seinem idealisierten Spiegelbild, mit dem es gerade nicht identisch ist. … Susanne Lüdemann beschreibt das »kollektive Imaginäre« in Anlehnung an Castoriadis – aber zugleich auch in Umschreibung von dessen Theorie – als Ort einer kulturellen Manifestation des Unbewussten einer ganzen Gesellschaft: »Von der ›absoluten Egozentrik‹ (Freud) des Traums, den singulären Produktionen des individuierten Unbewußten, bis hin zum kollektiven Imaginären, wie es sich etwa in Mythen, Legenden, politischen Ideologien, aber natürlich auch in der alltäglichen Produktion der Massenmedien niederschlägt und konstituiert, reicht die Spannweite der primären und sekundären Bearbeitungen unbewußten Materials.« … Die Mechanismen der Verdichtung, Verschiebung und Darstellung bilden die primäre Bearbeitung des Traummaterials; die sekundäre Bearbeitung nimmt dem Traum seine »Absurdität und Zusammenhangslosigkeit« und nähert ihn »dem Vorbilde eines verständlichen Erlebnisses« …“ | Aus: „Die imaginäre Dimension der Politik“ von Wilhelm Fink (2014) | Quelle: https://orbilu.uni.lu/bitstream/10993/13194/1/Imag_Dim_Koh.pdf

Sabine am Orde und Tom Vesterhold (13.6.2020): “ … Es ist ja nicht das erste Mal, dass Margarete Vesterhold ihrem Sohn Nachrichten zukommen lässt, die direkt von der AfD stammen könnten. Seit mindestens drei Jahren geht das so. Mal ist es ein Post über libanesische Familienclans, mal ein Video über den angeblichen „Selbstmord Europas“ durch zu viele Einwanderer oder eine Meldung von einer „Gruppe der informierten Bürger“: „Ungarischer Geheimdienst: Tausende Migranten bereiten Bürgerkrieg in Deutschland vor.“ Dazwischen schickt Margarete Vesterhold ihrem Sohn, Fotos der Enkel oder Tierbilder, um sie den Kindern zu zeigen. Dann kommt wieder ein Fake-Zitat von Aydan Özoguz (SPD), der ehemaligen Migrationsbeauftragten der Bundesregierung: „Dass Asylbewerber kriminell werden, das ist einzig und allein die Schuld der Deutschen, weil deren Spendenbereitschaft sehr zu wünschen übrig lässt.“ Oder ein angeblicher Spruch von Sieglinde Frieß, einer grünen Bundestagsabgeordneten: „Ich wollte, dass Frankreich bis zur Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.“ … Was weiß ich, was Aydan Özoguz wirklich gesagt hat? Und was Sieglinde Frieß? Ich habe anderes zu tun, als diese absurden Pöbeleien zu widerlegen. Und ich habe Mama schon so oft gesagt, dass sie mich mit dem rechten Murks nicht behelligen soll. Wir haben uns schon so oft über Ausländer oder Flüchtlinge gezofft. Über ihr Menschenbild. Ihre sinnlose Angst vor dem Fremden. Knallharte Streite – und total sinnlose dazu. Die Frau ist unbelehrbar. … „Wir merkten: Wir brauchen eine Kommunikation, die nicht an der Oberfläche bleibt, die uns tiefer trägt. Sonst bleibt es bei Schlagabtauschen, die nichts ändern.“ … | https://taz.de/Rechtsruck-und-Familie/!5689436/

“ … Während im Realismus der Beobachter die Welt gleichsam von einem neutralen Standpunkt aus betrachtet, sich beobachtend nicht als Teil der Welt versteht, den Einfluss des Beobachters ausschließen will, weist der radikale Konstruktivismus darauf hin, dass dieser Standpunkt nicht eingenommen werden kann: Der Beobachter ist immer Teil der Welt und hat immer einen subjektiven Standpunkt und beeinflusst so immer auch die Beobachtung selbst. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Radikaler_Konstruktivismus (Mai 2020)

“ … Als Gegenbegriff zu einem naiven Realismus [Ihr zufolge sind die Dinge im Wesentlichen so, wie sie uns erscheinen] gewann nun der Konstruktivismus die Überhand, worunter ich die Positionen subsumiere, die uns weismachen wollen, dass wir keinen direkten Zugang zur Wirklichkeit haben, da wir zunächst Begriffe oder Systeme hervorbringen müssen, die „die Wirklichkeit“ oder „die Welt“ dann bestenfalls verzerrt erfassen. … Neuerdings sind es Gehirne oder vielmehr bestimmte Gehirnareale, die sowohl das Bewusstsein als auch seine bunten Umgebungsbilder erzeugen. Was bleibt, ist die Idee eines kognitiven Gefängnisses: „als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt“ (Rilke). Dies gefiel schon Schopenhauer, der einer der Ersten war, die dem Gehirn die Funktion zuschrieben, die „Welt als Vorstellung“ hervorzuzaubern, an die sich die überlebenshungrigen Menschentiere dann in einer dauernden Lebensgeilheit verlieren. … Der Neue Realismus ist [ ] alles andere als naiv. Die Grundidee lautet [ ], dass wir die Wirklichkeiten, auf die wir Bezug nehmen, tatsächlich begrifflich und perspektivisch vermittelt erfahren. Diese Begriffe und Perspektiven sind selbst Wirklichkeiten und deswegen ihrerseits erkennbar. … Die Illusion, von welcher der Neue Realismus befreien will, ist die Illusion, dass wir in einem riesigen Täuschungszusammenhang gefangen sind. Denn dies ist nur eine Ausrede, die den Fatalismus der Freiheit vorzieht. Früher wurden Gott und Schicksal beschworen, um uns von unserer Freiheit zu entlasten, heute sind es die Natur, das Universum, das Gehirn, das egoistische Gen oder die Evolution. Darin sehe ich einen Täuschungszusammenhang, die Ideologie unserer Zeit. … “ | Aus: „Texte zum NEUEN REALISMUS: Markus Gabriel: Wir Verblendeten“ (Die ZEIT, 5. 06. 2014) | http://www.fachverband-ethik.de/fileadmin/daten_bawue/dateien/unterrichtsmaterialien/Reader-Neuer_Realismus.pdf

Markus Gabriel (2020): “ … Die [ ] These, die jetzt in Fiktionen [erschien 2020] ausbuchstabiert wird, lautet, dass unser geistiges Innenleben genauso zur Wirklichkeit gehört wie die uns umgebende Natur. Es gibt also keinen Wirklichkeitsabstand zwischen einem Juckreiz, der Erinnerung an einen schönen Sommerabend in Neapel und dem Vesuv. Das heißt, der Geist ist kein zweitrangiger Bewohner der Wirklichkeit, und umgekehrt hängt die Wirklichkeit auch nicht vom Geist ab. Weiteres Beispiel: Man hat Durst und erinnert sich an das kühlende Kölsch vom letzten Jahr. Dann geht man in den Kiosk und kauft genau deswegen ein Bier, weil man sich selbst in einer Erzählsituation betrachtet: „Ach, weißt du noch, das kühlende Kölsch …“ Das ist die Wirklichkeit des Geistes. Da steckt nicht anderes dahinter, weder Neuronenfeuer noch Klassenkampf. Das nenne ich die Unhintergehbarkeit des Geistes. Aus dem Geist kommt keiner raus. … Deswegen bin ich ja auch Neo-Existenzialist, wie ich das nenne: Wir Menschen sind als geistige Lebewesen das, was wir nicht sind, und wir sind nicht das, was wir sind. Kurzum: Wir können uns in keine Identität mit uns begeben. Auf der Basis kritisiere ich ja dann auch die sogenannte Identitätspolitik. Identitäten wie die Gesellschaft, die Rasse, das Geschlecht, die Religion, die gibt es alle gar nicht. Das sind schlechte Fiktionen, die von Leuten produziert werden, die inkompetent im Erzählen sind. …“ | Aus: „„Wir täuschen uns““ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wir-taeuschen-uns

Natasha Kelly im Gespräch mit Alexander Moritz (06.06.2020)“ … Warum weiß als deutsch imaginiert wird, geht ja damit einher oder führt ja dazu, dass Schwarze Menschen hier als Fremde gelesen werden, obwohl viele Familien seit vielen Generationen schon in Deutschland leben. Das reicht bis zur Kolonialzeit zurück, einige Familiengeschichten. Also, da sind wir jenseits zweiter oder dritter Generation. Und wenn wir nicht anfangen zu verstehen, dass dann im Prinzip die Kontinuität dieser Vorstellung sich in Gesellschaft einschreibt – das ist ja, was die Strukturen schafft – können wir ja gar keine Debatte auf einer strukturellen Ebene führen. … Das heißt, dass wir Rassismus auch als Struktur, das heißt, als historisch gewachsene Kontinuität einer lange andauernden rassistischen Ideologie lernen müssen zu verstehen. … Wenn weiße Menschen ihre Abwehrstrategien niederlegen … „Ja, aber ich will nicht als weißer Mann markiert werden.“ Oder: „Ich sehe keine Farbe. Für mich sind alle Menschen gleich.“ – Also, da sind schon ganze Bücher mit gefüllt worden, alleine mit den Abwehrstrategien. … Ich brauche keinen weißen Mann, der mir erzählt, was es bedeutet, eine Schwarze Frau in Deutschland zu sein. … Wenn wir [ ] uns [] die Geschichte des Rassismus ansehen: Die Geschichte des Widerstandes war auch immer kontinuierlich. Die ist ja nie abgebrochen, nur haben Weiße das Privileg gehabt, sich nicht daran zu beteiligen. … “ | Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/soziologin-zur-deutschen-debatte-ueber-rassismus-die.990.de.html?dram:article_id=478142

lemon / 15 Juni 2020 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Fellini #29… ]

Arno Widmann (19.01.2020): “ .. Mit „La Dolce Vita“ verlässt Fellini 1959 die Nachkriegsgeschichte und stürzt sich in die Gegenwart. Wozu sind wir auf der Welt? Wozu lebe ich? Was fange ich mit dem Leben an? Diese Fragen scheinen in einer Welt, die die Trümmer hinter sich gelassen hat, in einer Demokratie, eher noch drängender geworden als sie es in Diktatur und Krieg gewesen waren. Das hat seine Komik, aber die nimmt den Fragen nichts von ihrem Ernst. Wir neigen dazu, die Wohlstandsinnsuche zu verspotten. Fellini ist da keine Ausnahme. Er kommt her von der Karikatur. Er hörte nie auf, sie zu lieben. Aber er hörte auch nie auf, die zu lieben, die er karikierte. Fellinis Menschen sind Clowns mit großen Nasen, großen Brüsten, mit breiten Mündern. Sie sind Karikaturen. Dazwischen er selbst als Marcello Mastroianni, ein gutaussehender Fremder, der fasziniert ist von den ihn umgebenden Erscheinungen, der ihnen erliegt, aber immer wieder aufsteht und schüchtern weitergeht. … “ | https://www.fr.de/kultur/tv-kino/fellini-100-geburtstag-liebte-karikierte-13450960.html

(20.01.2020): “ … Alexandra Friedrich: Und mit welchen Blick schaut Fellini auf die Frau? – Antje Dechert: Fellini hat in einem Interview selbst von sich gesagt, dass er immer Frauen kreiert hat, wie sie von einem bestimmten Männertyp zu seiner Zeit gesehen wurden. Diese hypersexuellen Frauen hätte er für das „naschhafte, unreife, infantile Auge eines unterentwickelten Mannes“ kreiert, und damit kritisierte er immer wieder diese offizielle, sehr rigide Sexualmoral der damaligen italienischen Gesellschaft, die vom Katholizismus sehr beeinflusst war und von der auch viele seiner männlichen Zeitgenossen sehr geprägt waren.
Sexualität, vor allem die weibliche, war öffentlich weitgehend ein Tabuthema. Das Frauenbild zerfiel für viele in zwei Extreme: die keusche, heilige, engelhafte Frau auf der einen Seite und die Prostituierte, die dämonische Frau auf der anderen Seite. Fellini kreiert diese Bilder immer wieder in seinen Filmen, lässt sie dann aber auch in sich zusammenfallen, indem er sie auch vermischt. Da funktioniert diese eindeutige Zuweisung nicht mehr. Er zeigt Männer und Frauen, die an genau diesen Idealen ihrer Zeit scheitern und nach alternativen Beziehungsformen suchen. In „La dolce vita“ sieht man das zum Beispiel ganz deutlich: Da sieht man Frauen, die ihre Sexualität ganz selbstbewusst leben, und Männer, die mit diesem patriarchalischen Männlichkeitsbild überhaupt nicht zurechtkommen. Da sieht man Marcello Mastroianni als gescheiterten Klatschreporter, der gar nichts auf die Reihe kriegt – weder beruflich, noch schafft er es, eine Familie zu gründen, eine feste Beziehung zu führen. Diese gescheiterten Typen zeigt Fellini aber positiv, und damit ist das auch ein Aufruf zu anderen Lebensformen und Werten. Er ist da seinerzeit sehr voraus: Er greift vieles auf, was dann die 68er-Bewegung in Italien aufgreifen wird. … Eine letzte Hommage an sein Werk war der auch in Deutschland erfolgreiche Film „La Grande Bellezza – Die große Schönheit“ von Paolo Sorrentino. Fellinis Werk ist nach wie vor für viele Inspirationsquelle und als solche bisher auch unübertroffen im italienischen Kino. …“ | Quelle: https://www.ndr.de/kultur/Antje-Dechert-zum-100-Geburtstag-von-Federico-Fellini,fellini106.html

(16 March 2020): “ … Searching for an earlier film that might offer readier access to the director’s distinctive style and vision, the author settled on Le notti di Cabiria (Nights of Cabiria 1956). … Le notti di Cabiria proves to be an excellent starting point from which to explore what John C. Stubbs calls “the Fellini manner.” When the author teaches Le notti di Cabiria , she first addresses students’ discomfort with the film’s lack of conventional plot and with what they describe as its “confusing ending”. …“ | https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/9781119431558.ch43

lemon / 9 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #45… ]

BRAVO 11 (1961)

“ … Edgar-Wallace-Filme sind Spielfilme, die auf Werken des britischen Schriftstellers Edgar Wallace (1875–1932) basieren. … Obwohl es international zahlreiche Verfilmungen von Stoffen dieses Autors gibt, werden heute vor allem die zwischen 1959 und 1972 entstandenen Wallace-Adaptionen der Rialto Film als Edgar-Wallace-Filme bezeichnet, auch wenn sie teilweise gar nicht nach Originalstoffen von Wallace gedreht wurden. … So drehte sich das Geschehen vordergründig um einen meist fantasievoll maskierten Hauptverbrecher. Im Gegensatz zum Psychothriller war hierbei das Entlarven des bis zum Finale unbekannten Verbrechers entscheidend (Whodunit). Die Motive der Verbrecherfiguren waren meist Habgier, Rache, Erbschleicherei sowie Mädchen- und Drogenhandel. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Edgar-Wallace-Filme (April 2020)

Jochen König “ …. Der rückwärst gewandte Blick, der sich nicht um Tagesaktualität scherte, erlaubte den Machern hemmungslos in der Vergangenheit zu plündern. Gotischer Horror mit Nebelschwaden bis in die Baumwipfel, schreiende Käuzchen, Mönchskutten und andere mehr oder minder gruseliger Verkleidungen (Der Frosch mit der Maske, Der grüne Bogenschütze) wurden aufgefahren und lieferten sich ein Stelldichein mit einer naiven Komik, die Slapstick mit dem Vorschlaghammer reproduzierte und sich verbal gern in grobmotorischer Selbstreflexion versuchte. … Gewalt und Horror blieben angedeutet und wohlig, es starben zwar mächtig viele Menschen im Nebel, auf regennassen, nächtlichen Straßen oder exotischen Orten, aber richtig blutig wurde es erst, als die Serie bereits in den letzten Zügen lag, und der Einfluss der ungleich brutaleren italienischen Psycho-Thriller hinzukam. Das verpasste den Filmen zwar nicht den Todesstoß, doch rette es Edgar Wallace auch nicht. Die apolitische Harmlosigkeit und das rückwärtsgewandte Gesellschafts- und Menschenbild, trotz deutlicher ironischer Brechung, ließen die Filme angesichts der herrschenden Auf- und Umbruchsstimmung, der Konkurrenz durch junge Autorenfilmer, New Hollywood und ein Kommerzkino, das einerseits immer kostspieliger und andererseits wesentlich wilder wurde (Italo-Western, Horrorfilme mit mehr als angedeutetem Goregehalt, Krimis, die nicht nur politisch brisanter waren und ganz anders geartete, wesentlich alertere, modernere und reflektiertere Protagonist*innen aufwiesen) ließen die Filme nach Edgar-Wallace Werken und Motiven zu Auslaufmodellen werden. … für einen gepflegt eskapistischen Nostalgietrip gibt es unbehaglichere Zufluchtsorte. …“ | Quelle: https://www.krimi-couch.de/magazin/film-kino/edgar-wallace/

“ … In den weiblichen Hauptrollen drängen attraktive, junge Schauspielerinnen wie Karin Dor (fünf Filme), Brigitte Grothum (drei), Karin Baal (drei) oder Uschi Glas vor die Kamera. Meist geben sie das Opfer, das es vor Intrigen und den finsteren Machenschaften zu schützen gilt. Nicht selten enden männlicher Ermittler und weibliches Opfer als glückliches Liebespaar. …“ | Aus: „Kinogeschichte Im Bann des Killer-Froschs“ Ralf Klee und Broder-Jürgen Trede (04.09.2009) | Quelle: https://www.spiegel.de/geschichte/kinogeschichte-a-948483.html

Philipp Stiasny, Berlin (02.06.2010): “ … Mit dem deutschen Kino der 1950er-Jahre ist es so eine Sache. Einerseits erreichte die Film- und Kinobranche in der Bundesrepublik um 1955 mit 800 Millionen Kino-Besuchen die höchste Nachfrage beim Publikum (im Vergleich dazu wurden im ungewöhnlich erfolgreichen Jahr 2009 im gesamten Bundesgebiet 146 Millionen Kino-Besuche gezählt). Auch heute noch werden Spielfilme aus den 1950er-Jahren vergleichsweise häufig im Vor- und Nachmittagsprogramm der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gesendet. Zudem folgen viele aktuelle Fernsehfilme und Serien – darunter Arztfilme, Urlaubskomödien und Liebesdramen vor Bergpanorama – damals erprobten Formen und Konventionen. … Das Kino der 1950er-Jahre hat deutliche Spuren in der populären Kultur hinterlassen. Andererseits hat die akademische Forschung von wenigen Ausnahmen abgesehen um diese wichtige Epoche der deutschen Filmgeschichte bis in die 1990er-Jahre hinein einen großen Bogen gemacht. Viele Filmhistoriker ebenso wie Kritiker und Cineasten betrachteten die Filme als Dutzendware, als ideologisch rückwärtsgewandt und künstlerisch belanglos. …“ | Aus: „Das deutsche Kino der 1950er-Jahre“ | Quelle: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-10617


Joachim Horvath (1999): “ … Den wissenschaftlichen Grundkonsens zur Filmkritik der 50er Jahre faßt Schmid wie folgt zusammen: „Augenfälligstes Merkmal der Kritik dieser Jahre ist die Vermeidung gesellschaftspolitischer Implikationen. Bedingt durch die besonderen Umstände der Nachkriegszeit entstand so die Form der erzählenden Filmkritik, welche als Text den Leser zu unterhalten vermochte, ohne ihn mit Hinweisen auf filmische Finessen zu belasten.” … Eine wichtige Sonderrolle in der filmkritischen Landschaft der 50er Jahre (und auch später noch) spielten die Organe der kirchlichen Kritik, der katholische „Film-Dienst“ zum einen, der sich bis heute gehalten hat, und der „Evangelische Film-Beobachter“ zum anderen, der schließlich im heutigen „epd Film“ aufging. Ihr Hauptanliegen war natürlich vor allem die Einstufung und Bewertung der aktuellen Filmproduktion nach den Maßstäben der kirchlichen Morallehre. Hierzu ein Zitat aus den Wertungskriterien der Katholischen Filmkommission von 1959: „Bei der Beurteilung des moralischen Gehalts sind Inhalt und äußere Erscheinungsform des Films an den Normen der katholischen Morallehre zu messen. Bei der Beurteilung der Wahrhaftigkeit ist insbesondere zu berücksichtigen, wieweit der Film geeignet ist, im Betrachter falsche Vorstellungen über die Lehre der Kirche sowie über den Menschen und seine Umwelt zu wecken.”
Um die Gläubigen davor zu bewahren, an ihrer Seele ernstlich Schaden zu nehmen, wurden die aktuellen Kritiken in Schaukästen öffentlich ausgehängt. Der Filmkritiker Peter Nau erinnert sich an seine eigene Jugend: „An einer Häuserwand auf dem Weg zu diesem Kino (einem verrufenen, in dem es vor allem amerikanische Gangster- und Kriminalfilme gab) hing der Schaukasten mit den Kritiken vom Katholischen Filmdienst. Ich liebte auch diese Kritiken. […] Im Lob und Tadel, in der Befürwortung und Ablehnung spiegelte sich der moralische Rigorismus der Filme wider, der in ihnen waltende Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen”
Weitere Merkmale der deutschen Filmkritik der 50er Jahre sind laut Prinzler, daß es ihr, wie bereits angedeutet, zumeist an den fachlichen Voraussetzungen mangelte, daß kaum Austausch der Kritiker untereinander stattfand, daß es keine Filmwissenschaft und keine Filmliteratur und somit auch keine kontinuierliche Wahrnehmung der internationalen Filmgeschichte gab. Dies führte vor allem zu einem gänzlich hilflosen Umgang mit Genrefilmen, die von der damaligen Kritik entweder überhaupt nicht oder nur verzerrt wahrgenommen wurden. Hierzu noch einmal Prinzler: „Das Melodram, in dem Gefühle ernstgenommen werden müssen, war ihr [der Filmkritik, J.H.] fremd. Auf Kriminalfilme reagierte sie mit moralischen Begriffen. Und den Western [damals etwas abschätzig „Wildwestfilm“ genannt, J.H.] konnte sie mit ihrem traditionellen Kulturbegriff schon gar nicht begreifen.” …“ | Aus: „Zur gegenwärtigen Situation der Filmkritik in Deutschland – Eine Analyse anhand ausgewählter Beispiele – Diplomarbeit im Fach Medienwissenschaft – Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen (Stuttgart, November 1999) | Quelle: https://hdms.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/274/file/Joachim_Horvarth.pdf

Claudius Seidl (04.05.2020): “ … Der französische Historiker Paul Veyne hat in seiner Geschichte des frühen Christentums den Sieg der neuen Religion über die alte unter anderem damit begründet, dass für ein Bauernmädchen zum Beispiel in der Provence die Jungfrau Maria einfach eine sympathischere und viel verständlichere Figur gewesen sei, als es Juno oder Diana jemals waren. Und wenn man sich die deutschen Filme der fünfziger Jahre anschaut mit ihren verklemmten und verspannten Helden, die schon deshalb keine Tiefe haben durften, weil über die Vergangenheit geschwiegen werden musste: Dann versteht man heute erst recht, warum sich die deutsche Jugend geistig und kulturell unbedingt von Robert Mitchum oder Rita Hayworth, von John Wayne oder Maureen O’Hara adoptieren lassen wollte. So hätten die deutschen Vorgeschichten in der amerikanischen Imagination und nicht mehr in der verdammten deutschen Wirklichkeit gespielt. …“ | Aus: „How deutsch are we?“ | Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wie-die-amerikanische-kultur-westdeutschland-beeinflusst-16751191.html

Gottfried Lobeck (golo7) 04.05.2020 – 16:21: “ … Auch Kitsch hat durchaus gewinnende Seiten! Und die verkrampfte Auseinandersetzung mit deutscher Vergangenheit 1968, die wenig Klarheit bewirkte, kann auch so gelesen werden, dass american way of life das Sein in merkwürdiger wie auch zuweilen gern gesuchter Weise verkrüppeln kann. …“

Wendy Corinna Fhields (WendyC) 04.05.2020 – 11:38: “ … Nochmal zu amerikanischen, pardon „us-amerikanischen“ Einflüssen: Wer mit BONANZA, KOJAK, CANNON, COLUMBO, FLIPPER und den STRASSEN VON SAN FRANZISKO aufgewachsen ist und die ersten McDonalds-Restaurants erlebt hat und sich dazu noch an das ewige kulturkritische Untergangsgeraune erinnert, das diese Sozialisation von konservativer wie linker Seite begleitete, der wird den Amerikanern ewig dankbar sein! MIAMI VICE statt Martin Heidegger! …“

usw.

lemon / 3 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #86 … ]

A Room with a View“ (1985)

“ … Phantasma (altgriechisch φἀντασμα ‚Erscheinung, Bild, Vorstellung, Gesicht‘ bzw. ein von der Gottheit gesandtes Vorzeichen, Wunder, Traumbild mit und ohne Traum, Gespenst, Geist) … Lacan bezeichnet damit die psychische Repräsentation eines Objekts oder einer Situation, an die sich das Subjekt bildhaft erinnert. Das Phantasma gehört somit dem Register des Imaginären an. Diese zunächst allgemeine Bestimmung spezifiziert Lacan, wenn er vom Phantasma als einer Form der Abwehr spricht. Oft liegen der Entwicklung eines Phantasmas traumatische Erlebnisse zugrunde, die jedoch im vorgestellten Bild abgewehrt und umgedeutet werden. Ein Beispiel dafür ist eine Pornografie, in welcher der Konsument sich ein Szenario entwirft (bzw. ein solches konsumiert), in dem reale Unterlegenheit und subjektiv empfundene Minderwertigkeit in sexuelle Unterwerfung der Frau und uneingeschränkte phallische Macht des Mannes umgedeutet wird. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Phantasma (Januar 2020)

Ela Angerer (2. Juni 2020): “ … Man verliebt sich nicht in eine reale Person, sondern in das Traumbild … Experten auf dem Gebiet der emotionalen Verwicklungen nennen diese Fixierung auch: Phantasma. Was ist dieses Phantasma? Jene notorische Fantasie, über die sich Aristoteles, Schopenhauer und Lacan den Kopf zerbrachen? Spielverderber sprechen von einem Hirngespinst und warnen: ein liebestechnischer Selbstbetrug, bei dem es weniger um das Gegenüber als um das Bild geht, in das der andere passt. Alle anderen ahnen: Es macht erst dann „klick“, wenn die neue Eroberung wie eine Blaupause über unsere innere Vorstellung von romantischer Liebe passt.
Ich weiß von Männern, die – halb bewusst, halb unbewusst – in jeder neuen Frau ihre vollbusige Kindergartentante suchen. Oder den charismatischen Polizisten, den sie vom Rücksitz des elterlichen Wagens aus beobachteten. Andere klopfen jede neue Bekanntschaft nach der sommersprossigen Mitschülerin ab, die sie einst so schmerzhaft ignorierte. Ein beliebtes Genre ist auch die Deutschlehrerin mit ihrem im Gegenlicht durchscheinenden Rock. … Ja, eine kleine Liebe mag auf dem Boden von Vertrauen und Realitätssinn gedeihen. Die große, leidenschaftliche Liebe hingegen, die kommt nicht ohne den künstlichen Lichtstrahl unserer Fantasie aus. …“ | Aus: „Lustprinzip – Gespenster der Leidenschaft: Vom Verlieben in ein Traumbild“ (02.06.2020) | https://www.derstandard.at/story/2000117580583/gespenster-der-leidenschaft-vom-verlieben-in-ein-traumbild

Wachstumsschmerz (2020): “ … Ich glaube ja, dass jedes Verlieben über eine gewisse Projektion läuft. … Für mich sind es eher Bedürfnisse, die auf die Person projiziert werden, die stammen natürlich aus der Jugend, wenn nicht aus der Kindheit. Das Problem ist, dass somit die andere Person für viel zu viele Projektionen herhalten muss, erstens hat die Person gar keine Ahnung, dass (und was) ich projiziere, und zweitens kann sie all diesen Projektionen gar nicht gerecht werden, und sollte das auch nicht. Der, der projiziert sollte das erkennen, passiert aber viel zu selten. …“

“ … [Es gibt] … das imaginale Phantasma, das etwas als real gegeben ansieht (a priori Korrelation zwischen Wahrnehmung, Wahrgenommenen und Sein) und zweitens um das imaginäre, das eine Korrelation verneint. Für gewöhnlich werden beide Phantasmen streng auseinander gehalten: Wir grenzen uns von falschen Auffassungen und Illusionen ab. Wir analysieren z.B. einen Traum oder eine Phantasie und bezeichnen diese Phänomene dann auch als solche. Wir tun dies jedoch immer vor dem Hintergrund einer vorausgesetzten Wahrheit und eigentlichen Realität. Das, was wir dabei als Realität bezeichnen, wird selbst nicht für eine Imagination gehalten. Es könnte sich jedoch herausstellen, dass genau das selbst ein Phantasma ist. Dass sich derartige Abgrenzungen nicht so einfach halten lassen, zeigt sich z.B. schon daran, dass ein bloß eingebildetes Angstobjekt, ein Horror-oder ein Liebesfilm ebenso intensive Gefühle und Reaktionen hervorrufen können wie eine reale Schlange vor uns oder die Anwesenheit einer geliebten oder verhassten Person. … Der psychotische Mensch, der von einem imaginalen Phantasma beherrscht wird, … irrt paradoxerweise genau dadurch, dass er glaubt sich nicht zu irren. In seiner absoluten Täuschung ist keine Täuschung möglich. Die Möglichkeit der Korrektur ist jedoch fundamental. Das verdeutlicht auch das bekannte Beispiel von Tschuang-Tse, der träumt, er sei ein Schmetterling. Als er aufwacht, kann er sich fragen, ob nun der Schmetterling träumt, Tschuang-Tse zu sein. Genau dies beweist aber, so Lacan [(J. LACAN: Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse. Das Seminar Buch XI,Weinheim, Berlin 1987)], dass er nicht verrückt ist, denn er hält sich nicht für absolut mit sich selbst identisch. Es ist dieser Abstand von der eigenen Identität, die eigene Selbst-Differenz, der den nicht verrückten Menschen auszeichnet. …“ | Aus: „Gerhard Burda: Phantasma – Wirklichkeit –– Psyche : Grundzüge einer Theorie der Imagination“ (2016)

lemon / 3 Juni 2020 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Symbolische Formen (Ernst Cassirer) #3 … ]

Bibliothek Warburg

Frank Hartmann (Datum ?): “ … Aby M. Warburg [https://de.wikipedia.org/wiki/Aby_Warburg] hatte [eine] kulturwissenschaftliche Bibliothek angelegt, um das Nachleben der Antike, die Formen von Überlieferung in der abendländischen Kultur- und Geistesgeschichte zu studieren.
Diese kunst- und kulturhistorische Sammlung umfasste auch ein Fotoarchiv mit hundertausenden von Zeugnissen von der klassischen Antike bis ins neunzehnte Jahrhundert, auch nichteuropäischer Kulturen. Warburgs Projekt einer Ikonologie oder Bildwissenschaft bedeutete eine der ersten signifikanten Erweiterungen der empirischen kulturwissenschaftlichen Basis. Diese Mischung von kunst- und formgeschichtlicher Forschung beeindruckte den Philosophen Cassirer nachhaltig. … Der Mensch, so Cassirer, ist immer in einer besonderen Welt, er lebt in seine bestimmenden Symbolwelten. … Den Menschen als Symbolwesen aufzufassen heisst, die innere Logik der Erfahrung nicht allein in vernunftkritischen Kategorien zu analysieren, sondern die „Logiken“ des mythischen, sprachlichen und alltagskulturellen Verstehens einzubeziehen. Der Mensch ist also nicht allein durch Vernunft und durch Sprache ausgezeichnet, sondern er verschafft sich seine Identität durch den allgemeinen Gebrauch von Symbolen: „Der Mensch kann der Wirklichkeit nicht mehr unmittelbar gegenübertreten; er kann sie nicht mehr als direktes Gegenüber betrachten. Die physische Realität scheint in dem Maße zurückzutreten, wie die Symboltätigkeit des Menschen an Raum gewinnt. Statt mit den Dingen hat es der Mensch nun gleichsam ständig mit sich selbst zu tun. So sehr hat er sich mit sprachlichen Formen, künstlerischen Bildern, mythischen Symbolen oder religiösen Riten umgeben, dass er nichts sehen oder erkennen kann, ohne dass sich dieses artifizielle Medium zwischen ihn und die Wirklichkeit schöbe.“ (Versuch über den Menschen, 1944) …“ | https://homepage.univie.ac.at/Frank.Hartmann/Vorlesung/ss02.htm

“ … Erst wenn es dem Individuum gelingt, den ‚Mechanismus‘ der Reiz-Reaktions-Sequenzen aufzubrechen und die unmittelbare Reaktion zu verzögern, entsteht die „Fähigkeit“, die eigenen „Reize anderen Personen oder sich selbst aufzuzeigen“ und das ‚mechanische‘ durch „rationales Verhalten“ zu ersetzen …“ | Quelle: M. R. Müller – „Das Bild als soziologisches Problem“ (Beltz Juventa, 2018)

“ … Zeichen sind [ ] für Eco alles, «was man zum Lügen verwenden kann» (SZ 26, 89). Ihr Vorhandensein bedeutet nicht notwendig, etwas offenbar zu machen, sondern gleichermaßen, mit ihrer Hilfe etwas kaschieren oder vertuschen zu können. Daraus folgt die Notwendigkeit ihrer Interpretation. Zeichen sind nicht allein eine Frage der Erkenntnis, sie gehen nicht unmittelbar in dem auf, was sie repräsentieren. Entsprechend hat es der Detektiv mit Hinweisen zu tun, die regelmäßig etwas anderes bedeuten können als sie zu bezeugen scheinen. Wenn es für ihn also darauf ankommt, das Entscheidende hinter einer Tat und ihr Zustandekommen herauszufinden, die Lüge zu demaskieren und den «tatsächlichen» Hergang bloßzulegen, so darf er sich nicht allein auf die Referenz der Zeichen verlassen, sondern er muss auf die Differenz zwischen Bezeichnung und Bedeutung pochen. Er muss sozusagen die wesentliche Dreistelligkeit des Zeichens in Rechnung stellen. Erst sie markiert die eigentliche «Schwelle der Semiotik». Allein das Kriterium des Sinns erlaubt, «den gesamten Kreis der Semiose abzudecken» (SS, 73). […]
… [ein] Zeichen [fungiert] stets als etwas, das für etwas anderes steht, [ ]. Peirce definiert es als „something which stands to somebody for something in some respect or capacity“ (Peirce, 1931, 2. 228) – eine Definition, die sich übersetzen lässt mit: etwas, das für jemanden in irgendeiner Hinsicht oder aufgrund irgendeiner Fähigkeit für etwas anderes steht. „In irgendeiner Hinsicht“, bedeutet, dass das Zeichen nicht die Totalität des Gegenstandes repräsentiert, sondern ihn –vermittels unterschiedlicher Abstraktionen– nur von einem bestimmten Gesichtspunkt aus oder im Hinblick auf einen bestimmten praktischen Zweck vertritt.» [Eco, Umberto: Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag, 1977, S.  30-31] … “ | Aus: „ZEICHEN Signo“ (Linguistik) | http://www.hispanoteca.eu/Linguistik/z/ZEICHEN%20Signo%20-%20Deutsche%20Zitate.htm

lemon / 19 Mai 2020 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Global.Politix:Micro, Kunst.Encoder / 0 Comments

[You can never tell a book by its cover #13… ]

“ … The Jungle is a 1906 novel by the American journalist and novelist Upton Sinclair (1878–1968). Sinclair wrote the novel to portray the harsh conditions and exploited lives of immigrants in the United States in Chicago and similar industrialized cities. His primary purpose in describing the meat industry and its working conditions … In 1933, the book became a target of the Nazi book burnings due to Sinclair’s endorsement of socialism. … President Theodore Roosevelt had described Sinclair as a „crackpot“ because of the writer’s socialist positions. … the Bureau of Animal Industry issued a report rejecting Sinclair’s most severe allegations, characterizing them as „intentionally misleading and false“, „willful and deliberate misrepresentations of fact“, and „utter absurdity“. …“ | https://en.wikipedia.org/wiki/The_Jungle (10 May 2020) | https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Dschungel // [ “ … Aufgrund seiner politischen Position musste Sinclair allerdings seine Dramen, Romane, Kinderbücher und politisch-soziologischen Untersuchungen in den Vereinigten Staaten teilweise selbst verlegen, weil kein Verleger bereit war, seine Bücher zu drucken und zu vermarkten. Die von ihm verlegten Werke wurden in der Presse seiner Zeit nicht besprochen. Dazu gehörte etwa The Brass Check (1919) (deutsche Übersetzung: Der Sündenlohn. Eine Studie über den Journalismus, 1921), eine Studie, in der Sinclair die Beschränkungen der Presse darstellte, dabei ging er auf die Manipulationstechniken der Regenbogenpresse [von] William Randolph Hearsts ein. Sinclair nannte dieses Werk „das wichtigste und gefährlichste Buch, das ich je geschrieben habe“. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Upton_Sinclair (3. Mai 2020)]


socialkairos 18.05.2020, 21:34 Uhr: “ … Was für ein Albtraum. Und was hat sich seit über einem Jahrhundert geändert ??? “ | zu: Fleischindustrie … Alkoholsucht, Druck und Gewalt. Sebastian Leber (19.05.2020) | –> https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/das-schweinesystem-was-insider-ueber-die-ausbeutung-in-der-fleischindustrie-verraten/25840872.html

lemon / 19 Mai 2020 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Visual.Notes / 0 Comments

[Michel Piccoli (1925 – 2020) … ]

“ … Ich lass mich nicht von meiner Kindheit trennen, ich warne euch! … “
(‚Milou en mai‘, Louis Malle, 1990)

“ … „Eine Komödie im Mai“ (‚Milou en mai‘ [Schnee im Mai]) ist ein Film von Louis Malle aus dem Jahr 1990 […] … Als die betagte Madame Vieuzac im Mai 1968 in der südfranzösischen Provinz stirbt, reist ihre Familie zur Beerdigung an. Da infolge des Generalstreiks auch die Totengräber streiken, ist die Familie gezwungen, länger als geplant zu verweilen. … Prisma-online: „Louis Malle schuf eine heiter-melancholische Gesellschaftskomödie über das Scheitern einer Revolte, die ein ganzes Land bewegte und für wenige Stunden auch den Alltag einer großbürgerlichen Familie durcheinanderwirbelt. Malle zeigt ein ironisches Bild … wunderbar: der Versuch der Gesellschaft, freie Liebe zu praktizieren … , aber auch etwas Wehmut, da von der rebellischen Zeit Ende der 60er Jahre kaum etwas geblieben ist. Eine […] meist feinsinnig, mitunter auch derb sarkastische Komödie … “ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Eine_Kom%C3%B6die_im_Mai

“ … In Claude Lelouchs Komödie Männer und Frauen, eine Gebrauchsanleitung bringt eine Figur den schönen Satz: der amerikanische Film erzählt eine kleine Geschichte mit riesigen Mitteln, der französische Film erzählt eine riesige Geschichte mit kleinen Mitteln. … Wenn Piccoli bei Sautet auch gradlinige Charaktere spielt, ist er doch in vielen anderen Filmen immer ein wenig zwielichtig. So wie hier in Belle de Jour: äußerlich der korrekte Bourgeois, aber doch geheimnisvoll, hintergründig. Er hat einmal gesagt, er würde gerne so spielen wie Munch malte. … “ | https://loomings-jay.blogspot.com/2015/12/michel-piccoli.html

Michel Piccoli (1925 – 2020)
https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Piccoli | https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Piccoli#Filmografie_(Auswahl)

Nachtrag #1

Seldon-X #19 : “ … Themroc! …“
zu: https://www.zeit.de/kultur/film/2020-05/michel-piccoli-ist-tot

Nachtrag #2

Andreas Kilb (18.05.2020): “ … mit [Michel Piccoli] verglüht ein ganzes Arsenal von Erinnerungen, Bildern, Momenten, Abenden im Kino, Nächten vorm Fernseher, Begegnungen, Träumen. Eine Zeit wird versiegelt, ins Museale entrückt, die eben noch greifbar war, lebendige Vergangenheit, mit uns verbunden durch die Gegenwart seines Spiels. Trauernde neigen zu Übertreibungen, aber wenn wir irgendwann, wieder mit kühlem Kopf, gefragt werden, ob es den einen großen europäischen Filmschauspieler je wirklich gegeben hat, dann wird die Antwort lauten: Ja, es gab ihn. … Sechs Filme hat Piccoli bis zu ihrem Tod mit Romy gedreht, und wenn man sieht, wie er in Jacques Rivettes Maler-Modell-Drama „Die schöne Querulantin“ mit Emmanuelle Béart umspringt, kann man auf den Gedanken kommen, dass seine kühle Ruppigkeit auch eine Art des Trauerns ist.
Was Sautet 1970 nicht zeigen wollte, hat Louis Malle zwanzig Jahre später in „Eine Komödie im Mai“ erzählt, und wieder steht Michel Piccoli im Mittelpunkt. Er ist das alt gewordene Kind Milou, das in einem Landhaus die Wirren der Zeitgeschichte verschlafen hat, aber als dann wirklich die Revolution ausbricht (oder das, was die Bourgeoisie dafür hält), behält er als Einziger der vielköpfigen Familie die Nerven. Diese Bonhomie ist die andere Seite des Shakespeare- und Thomas-Bernhard-Schauspielers und Gelegenheits-Anarchisten Piccoli: Wenn er wollte, konnte er sich in eine Inkarnation jenes französischen Bürgertums verwandeln, das seine Außenseiterfiguren wie der Anstreicher aus „Themroc“ oder der Serienmörder Sarret aus „Trio infernal“ am tiefsten verachteten.
… Die Erfahrungen, die sich in einem so langen Leben verdichten, kann das Kino nicht aufbewahren, es kann nur einen Abglanz davon wiedergeben, einen Widerschein, der sich in Gesten und Worten ausdrückt und in dem, was man, aus Mangel an besseren Begriffen, Präsenz nennt. In seiner letzten großen Rolle, in Nanni Morettis „Habemus Papam“, hat Piccoli einen Papst gespielt, der an seinem Glauben irre wird und den Vatikan verlässt, um ihn wiederzufinden. Wir aber haben immer an Michel Piccoli geglaubt. …“ | Aus: „Der Bürger und sein Gegenteil“ Andreas Kilb (18.05.2020) | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/zum-tod-des-franzoesischen-schauspielers-michel-piccoli-16775967.html

Michael Seeck (Xylocastro), 19.05.2020 – 09:40: “ … Ein Monument des französichen Film noir in einer Glanzzeit des Filmemachens, wo nicht nur der Profit und Mainstream im Fokus waren. Eine Zeit, die man schmerzlich vermisst. Und so auch Piccoli. Adieu! …“


lemon / 18 Mai 2020 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

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