[Das Verhältnis des Kunstwerks zu seinem Gegenstand #4… ]

Julia Maria Grass (5.4.2020): “ … Die Debatte, [ … ] ist die gute alte Kunstfreiheitsdebatte, die wir gefühlt alle 14 Tage führen: Ein heterosexueller, weißer – meist alter – Mann veröffentlicht etwas, das am Rande oder gern auch einfach voll und ganz rassistisch, frauenfeindlich oder anderweitig diskriminierend ist und nennt es Kunst. …“ | Aus: „Weniger sexistischen Dreck, mehr gesamtgesellschaftliche Verantwortung, bitte!“ | Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/till-lindemann-gedicht-sexismus-und-kunst-li.80566

questor9987 #26 (7.4.2020): “ … Es weht ein anderer Zeitgeist durch die Gesellschaft. Nachdem die 68er Hippies erstmal allem spießbürgerlichen dem Garaus gemacht haben, kommen jetzt deren Kinder und führen die Spießigkeit wieder ein. Diesmal unter anderen Gesichtspunkten, gewiss. Aber hier trifft sich mal wieder die Blockwartmentalität mit der künstlerischen Freiheit. …“

Lavendelzweig #26.2 (7.4.2020): “ … Nicht die Spießigkeit, sondern die Moral wird zurückgefordert. Die 68er haben keinen Frieden gebracht und auch keine „Freiheit“. …“

violettagetyourgun #26.3 (7.4.2020): “ … Vergewaltigungsphantasien zu kritisieren, ist also spießig. Sie gut zu finden, ist dann wohl hip und modern. Für mich genauso wenig nachvollziehbar wie die Begeisterung für Bushido und Konsorten. Aber offensichtlich sind Sexismus und Homophobie immer noch salonfähig. …“

morauc #26.4 (7.4.2020): “ … „Vergewaltigungsphantasien zu kritisieren, ist also spießig.“ – Zu kritisieren nicht, alles ist kritikwürdig. Zu glauben das Vergewaltigungsphantasien verschwinden, wenn wir unsere Kunst und Unterhaltung nur schön reinlich halten ist schon spießig. …“

Teilzeitsarkast #32 (7.4.2020): “ … In der Anfangszeit des Punk gehörte es zum Spiel, mit Mut zur Häßlichkeit, Absage an die Leistungsgesellschaft und dem Tragen von Hakenkreuzen auf der Kutte das Spießertum bzw Establishment zu provozieren. So anders verlaufen die Fronten im Fall Rammstein / Lindemann (die aus der Punkszene der DDR stammen) auch nicht. Martialisches Auftreten, SM-Ästhetik und nun vor allem Vergewaltigungsfantasien entsetzen diesmal das angeblich liberale Kulturestablishment, das mittlerweile offenbar nicht mehr zwischen lyrischem Ich und Autor unterscheiden kann oder will. Die Lindemannsche Form der Provokation ist dabei zwar nicht besonders originell, funktioniert aber immer noch. …“

Aus Kommentaren zu: https://www.zeit.de/2020/16/till-lindemann-100-gedichte-veroeffentlichung-protest

Jenni Zylka (10.03.2020): “ … Für mich ist das ein bisschen Bürgerschrecklyrik. … Ich habe vor Jahren schon einmal anlässlich der Veröffentlichung seines ersten Gedichtbands mit ihm [Till Lindemann] gesprochen. Damals hat er gesagt, die Leute seien an Abgründen interessiert und nicht daran, wie er von der Kaufhalle nach Hause geht. … Man kann mit ihnen gefahrlos dieses Bedürfnis nach Düsternis oder Wildheit ausleben, aber in einem „safe space“, das ist nicht wirklich gefährlich. Insofern spricht er vielleicht die Menschen an, die das Bedürfnis nach dieser Art von klassischer Gothic-Rockpose teilen, und am Rest des Tages völlig glückliche Familienväter und –mütter sind. …“ Aus: „Bürgerschrecklyrik vom Rammstein-Frontmann“ Jenni Zylka im Gespräch mit Martin Böttcher (10.03.2020)| Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/gedichtband-von-till-lindemann-buergerschrecklyrik-vom.2177.de.html?dram:article_id=472176

Jens Balzer (7.4.2020): “ … Zur Aufregung um ein Gedicht des Rammstein-Sängers Till Lindemann. … sind Vergewaltigungsfantasien, wenn sie in einem Buch abgedruckt werden, skandalöser, als wenn derselbe Künstler sie vor 80.000 Zuhörern im Berliner Olympiastadion brüllt? … Man sieht an diesem Beispiel also vor allem, wie ungleich verteilt die moralische Empfindlichkeit in den unterschiedlichen Teilen der kulturellen Öffentlichkeit ist: Zur Taubheit im Pop gegen moralische Fragen bildet die hypernervöse Dauererregung der twitternden Literaten das komplementäre Extrem. …“ | https://www.zeit.de/2020/16/till-lindemann-100-gedichte-veroeffentlichung-protest

alice_42 #13 (04/2020): “ … Zur allgemeinen Erbauung beim Nachdenken über diese oder andere Fragen empfehle ich derweil das hier -> https://de.wikipedia.org/wik…

[Judith und Holofernes ist ein Gemälde von Artemisia Gentileschi. Es entstand in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Florenz und gilt als eines ihrer bekanntesten Bilder. | https://de.wikipedia.org/wiki/Judith_und_Holofernes_(Artemisia_Gentileschi)] … Man beachte den konzentrierten Gesichtsausdruck der Dame rechts. Und natürlich das Licht. Grandios. …“ | https://www.zeit.de/2020/16/till-lindemann-100-gedichte-veroeffentlichung-protest?cid=52227234#cid-52227234

lemon / 7 April 2020 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder / 0 Comments

lemon / 29 Februar 2020 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Unmaßgebliche Augenblicke #1 … ]

Ein neuer Tag. 6 Uhr. Langsam zu sich kommen. Der zweite Becher Kaffee war ohne Milch. Rasur, Socken, Schuhe, alte Jacke. Auf dem Klapperrad sitzend, landen ein paar kühle Regentropfen im Gesicht. Morgendämmerung an der Kieler Förde. Lastenkräne mit orangenen Signallampen über der matschigen Baustelle. Hier wird gebaut. Hier stehen zugleich die Zelte des Circus Royal, wo es kurz nach Pferdeäpfeln von Circuspferden duftet und das Rad über die provisorische Stromleitung holpernd übersetzt. Das Vorderrad erreicht die Klappbrücke. Der Uhrenwürfel an der Kaistrasse zeigt Punkt 8 Uhr.
Im Sophienhof sitzt wieder Chruschtschow. Sein Gesichtsausdruck, seine behäbige zugleich kraftvolle Körpersprache, lässt meine Gehirn, still und ohne Beteiligung von bewußtem Willen, seinen Namen ausspucken. Gehe ich an ihm vorbei, denke ich an die Archivaufnahmen von 1960 in denen Nikita Chruschtschow mit einem Schuh auf einen Konferenztisch hämmerte. Mit einem großen Hörgerät sitzt er im Mittelgang. Mal ist er ganz allein, mal sitzt er mit befreundeten oder unbekannten Delegierten der UNO auf der roten Sitzgelegenheit und beobachtet Szenerie. Chruschtschow schaut ruhig in das Gemenge. Die Sitzgelegenheit ist wie eine Insel im Gewusel, die allen Menschen gut tut, die was mit den Knien haben und mal eine Pause brauchen.
Vorfreude mischt sich mit leiser hysterischer Angst. Die Übung heißt freundlich, aber nicht zu vulgär zu werden. Hingegeben zu sein, aber zugleich auch aus Tackt ein Stückweit unbeteiligt zu bleiben. Zwischen Alltagslärm und Kapitalismus, kommt es in der Eingangshalle an der Supermarktkasse zu einem temperierten Sirenengesang (Nymphenblick) der süchtig macht.
Der Bon, nein Danke, den brauch‘ ich nicht. Das Studentenfutter und eine Gemüsesaftflasche landen in der zerlebten Ledertasche, die an der Schulter durch den Lederriemen zerrt.
Im Kieler Hauptbahnhof steht schon der dauerredende Holländer am Bahnsteig. Einer aus der Menge, schlank gewachsen, immer sprechend, einem inneren Zwang nach in ständigem Wortschwall gefangen. Ob ihm jemand zuhört ist Schnuppe. Was mag es für eine Sprache sein, woher kommen die kräftigen Gesten, der Blick ins Ungefähre, die Lautäußerungen, die ihm unwillkührlich aus dem Munde fahren – ist es Niederländisch (ich weiß es nicht)?
Die Tür schließt sich mit Regionalbahn-typischer Warntonfolge. Auf den Schienen geht es über die Autobahnbrücke an der silbernen Müllverbrennungsanlage vorbei.

lemon / 20 Februar 2020 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kiel.Gaarden, Kiel.Refugium, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[Von des Tanzes Wahnsinnwogen #4… ]

“ … Aron selbst wird fortgezogen Von des Tanzes Wahnsinnwogen, … Paukenschläge und Gelächter! …
// Aus: „Das goldene Kalb“, Heinrich Heine, Romanzero, 1851

L’Adoration du Veau d’or (Nicolas Poussin, 1633-1634)

Gernot Knödler (17.2.2020): “ … Der Vorgang gehört zu dem Komplex fragwürdiger Aktiengeschäfte, die den deutschen Fiskus insgesamt mehrere Milliarden Euro gekostet haben dürften. Bei diesen sogenannten Cum-Ex-Deals wurden Aktien rund um den Dividenden-Stichtag schnell ge- und verkauft. Ziel war es, sich die einmal gezahlte Kapitalertragssteuer mehrfach erstatten zu lassen – ein dreister Griff in die Steuerkasse, bei dem skrupellose Anwälte und Banker Gesetzeslücken nutzten. Konkret geht es darum, dass die Finanzbehörde 2016 eine 47 Millionen Euro hohe Steuerschuld der Warburg-Bank aus dem Jahr 2009 verjähren ließ, obwohl das Absahnen mit Hilfe von Cum-Ex-Geschäften seit Jahren bekannt war. Forderungen aus den Folgejahren machte die Finanzbehörde geltend – allerdings erst nach ausdrücklicher Anweisung aus Berlin. …“ | https://taz.de/Hat-Hamburg-Steuergeld-verschenkt/!5661281/

Andreas_2020 17.02.2020, 23:12: “ … „Die Bank hat sich nie mit unzulässigen, rechtswidrigen Forderungen oder Wünschen an die Fiskalverwaltung oder Politikerpersönlichkeiten gewandt“ — Ja. Das ist sicherlich eine wahre Aussage der PR-Abteilung der Bank. Das Geld kam sowieso, es kam direkt aus der Steuerkasse, das bedeutet, dieses Geld konnte in Hamburg nicht für einen Spielplatz, nicht für eine Straße, eine Schule oder die Universität ausgegeben werden. … Und dann schreiben sie solche Sätze dort, wahrscheinlich bleibt bei so viel Dreistheit nicht mal ein Hauch von Anständigkeit übrig … Fakt ist: Die ex-Cum-Geschäfte spülten Geld in die Kassen dieser Privat-Bank, die gar keine normalen Kunden hat, sondern nur mit den ober 10 oder 5 Prozent der Stadt arbeitet, vielleicht sogar nur für einen oder zwei Prozent offen steht. Diese Geschichte manifestiert, wie niedrig die Gesinnung der Superreichen ist. Dass ihnen dabei Parteien behilflich waren und sie diese dann mit ein paar Tausend Euro hier und dort abspeisten, ist schon an sich ein Lehrstück, wie dämlich Politiker sein können. Und es ist interessant, dass der Finanzsenator damals keine Lust hat, sich diesen ultradreisten Praktiken offensiver zu stellen, während seine Behörde bie kleinen Freiberuflern erbarmungslos zuhaut, ein Kios-Besitzer hat schnell vier Sachbearbeiter. …“

Rossignol 18.02.2020, 07:46: “ … @Andreas_2020 „ein Lehrstück, wie dämlich Politiker sein können“ Wirklich dämlich? Oder doch dummdreist abgebrüht? Und dann behauptet dieser Tschentscher sein Landesverband wäre „ursozialdemokratisch“ und im eigentlichen Sinne links …. Wenn es nicht so traurig wäre, weil all diese Schandtaten (HSH_Nordbank!) zu Lasten sozialer Einrichtungen geht, wäre es zum lachen! …“

Günter 17.02.2020, 21:09: “ … Nach allem was man weiß, muss der Steuerbescheid, der die Forderung von 47 Mio begründet, schon ergangen sein. Um eine Festsetzungsverjährung geht es offenkundig nicht. Also hat man die Zahlungsverjährung vergeigt. Das ist schon ein großes Kunststück. Zahlungsverjährung regeln §§ 228 – 232 AO. Schaut man sich etwa § 231 AO an wäre es ein Leichtes, die Zahlungsverjährung zu verhindern. … Und ausgerechnet bei einem Betrag von 47 Mio ist da ,hoppla, mal was vergessen worden. Kann ja mal passierern …“

Kendi 17.02.2020, 19:42: “ … Cum ex lief 2016 seit über 6 Jahren. Der Dümmste sollte 2016 kapiert haben, dass das Raub war. Und auch die neuerlichen Versuche 2017 und 2019, der Bank Geld zu schenken, zeigt, dass da System hinter steckte. …“

“ … Mindestens einmal, im November 2017, trifft sich Olearius laut Notizen persönlich mit dem damaligen Bürgermeister Olaf Scholz. Pünktlich um 17 Uhr habe man sich in dessen Amtszimmer gesehen, erst geplaudert. Dann habe er Scholz über den Sachstand bei Finanzbehörde und Staatsanwaltschaft berichtet. Die Reaktion deute er so, schreibt Olearius, „dass wir uns keine Sorgen zu machen brauchen“. Wenn das stimmt, empfängt der Bürgermeister einen Mann, der verdächtigt wird, sich an der Staatskasse bedient zu haben – und beruhigt ihn. Heute ist dieser Bürgermeister der deutsche Finanzminister Olaf Scholz … 169 Millionen Euro hat sich die Warburg-Bank für ihren Cum-Ex-Eigenhandel zwischen 2007 und 2011 an Steuern erstatten lassen. … “ |Quelle: https://www.zeit.de/2020/08/m-m-warburg-privatbank-cum-ex-ansprueche-staat (Aus: „Das Millionen-Geschenk“ Oliver Hollenstein, Christian Salewski und Oliver Schröm, 13. Februar 2020)

DerPefda #26 (13. Februar 2020): “ … „Warburg erklärt nun, man bekenne sich zwar zu keiner Schuld, aber wolle den Schaden des Steuerzahlers begleichen.“ — Welch großzügiger Mensch, dieser Herr Olearius. Und unser Olaf… Dieser harte Hund (G20) hat auch eine ganz weiche Seite, sehr beruhigend …“

Seimen #4.5 (13. Februar 2020): “ … „Allgemein sei ein Dialog zwischen Steuerbehörden und Steuerpflichtigen aber üblich und ein „Gebot der Höflichkeit und Bürgerfreundlichkeit“. — Das gilt natürlich nur wenn man einige Millionen schwer ist und nicht für jene bei denen der Gerichtsvollzieher die Couch mit nimmt. …“

rumbati #82 (13. Februar 2020): “ … Wohl dem, der einen Bürgermeister in Hamburg und einen Finanzminister in Berlin sein Eigen nennt. …“

Alleggs #16 (13. Februar 2020): “ … „Viele Hamburger sind auch verwundert. Ausgerechnet Warburg? Die Privatbank, seit 1798 eine der feinsten Adressen in der Stadt, verwaltet mehr als 50 Milliarden Euro von vermögenden Kunden.“ — Nein, wer hätte das gedacht. Ich dachte, gerade die eher Bedürftigen wie die Gebäudereinigungsfachkraft habe ein Konto auf den Cayman-Islands oder begehen für nen Fuffi Steuerhinterziehung. Reiche haben das doch gar nicht nötig. …“

Entenschorsch#4 (13. Februar 2020): “ … Sei es bei schwarzen Koffern, dem NSU, Amri, oder auch hier CumEx [PKW-Maut haben Sie vergessen.(bhaefner,#4,4) ]. Immer gibt es einen Entscheider den keiner kennt, oder eine Struktur, die keine Entscheidung zuließ. …“

kielbasam #4.7 (13. Februar 2020): “ … Das „Steuerschlupfloch“ ist seit weit über einem Jahrzehnt bekannt. Auch bei den Parlamentariern im Bundestag. …“

Ziraldi #4.1 (13. Februar 2020): “ … Auch in der Politik gilt scheinbar sinngemäß: 5 Minuten doof stellen spart eine Stunde Arbeit. …“

ofinley #6 (13. Februar 2020): “ … was ist mit dem Koffermann Schäuble? …“

Paul O Reilly #6.1 (13. Februar 2020): “ … Hier im Artikel geht es um Hrn. Scholz. …“

alliance1979 #6.2 (13. Februar 2020) “ … Wobei Schäuble bei diesem Thema auch nicht unbeteiligt ist. [… Wer war noch gleich der Vorgänger von Schäuble? ;) …] …“

parasolguy #6.5 (13. Februar 2020): “ … Die herrschenden Eliten sind eben korrupt. Egal, welche Farbe, Macht korrumpiert immer. Man kann nur noch müde lächeln. …“

maugham #7 (13. Februar 2020): “ … An prominenter Stelle knapp zwei Wochen vor der Hamburg-Wahl so eine Schlagzeile. …“

alliance1979 #7.5 (13. Februar 2020): “ … Wann wäre es besser? 4 Wochen vorher? 4 Monate? Oder nimmt man Rücksicht auf die Politik und wartet bis unmittelbar nach der Wahl? …“

Zeitdasssichwasdreht #10 (13. Februar 2020): “ … Wenn Merz kommt, ist Schluss mit solchen Machenschaften ;) …“

StamoKap2019 #13 (13. Februar 2020): “ … Houston. Wir haben ein Problem. Mit dem Großkapital und deren politischen Handlangern. Diese Unheilige Allianz wird immer mal wieder sichtbar. Trotz medialer Deckung und juristischer Verschleierung. …“

StamoKap2019 #13.3 (13. Februar 2020): “ … PARS PRO TOTO. Der Teil steht für das Ganze. Hier gibt es leider nichts zu verrharmlosen bzw. zu relativieren. …“

(13. Februar 2020): “ … Ihre Untätigkeit sollen die Behörden damit begründet haben, dass sie einen teuren Rechtsstreit mit der Bank hätten vermeiden wollen. NDR und „Zeit“ zitieren den Steuerrechtler Christoph Spengel, demzufolge schon 2016 – als Hamburg über den Fall informiert war und die Frist abzulaufen drohte – Urteile von Finanzgerichten die Cum-Ex-Geschäfte als illegal eingestuft hatten. …“ | https://www.n-tv.de/politik/Schonte-Minister-Scholz-eine-Cum-Ex-Bank-article21574161.html

Ragnar Vogt (13.02.2020): “ … Zu den Vorwürfen der „Zeit“ will [Olaf Scholz] sich gegenüber der Wochenzeitung nicht äußern. Die Stadt Hamburg hatte im vergangenen Jahr auf eine Anfrage der Linkspartei beteuert: Es habe keine persönlichen Gespräche von Mitgliedern des Senats zum steuerlichen Verfahren der Warburg-Bank mit dem Bankhaus gegeben. …“ | https://www.tagesspiegel.de/politik/cum-ex-skandal-und-ein-millionen-schaden-warum-das-tagebuch-eines-bankers-olaf-scholz-in-erklaerungsnot-bringt/25541824.html

Arvid Kaiser (13.02.2020): “ … Die Stadtführung scheint fest entschlossen, der Superreichen-Bank von der Binnenalster einen hohen Rabatt zu geben. Es erinnert fast an das Verhältnis zwischen Apple und dem irischen Staat, der partout keine Steuermilliarden von dem liebgewonnenen Unternehmen will, so sehr die Europäische Union auch dazu drängt. Pikant ist die Enthüllung auch, weil der Hamburger Senat noch im November 2019 auf eine Anfrage der Linken geantwortet hatte, es habe im Zusammenhang Cum-Ex keine persönlichen Gespräche zwischen dem Bankhaus und dem Senat gegeben, ausdrücklich auch nicht mit Scholz oder Tschentscher. Doch entweder lügt die Führung des Stadtstaats, oder das Tagebuch von Christian Olearius. …“ | https://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/cum-ex-tagebuch-von-christian-olearius-belastet-olaf-scholz-a-1304736.html



Nachtrag #1

Karolina Meyer-Schilf (18.02.2020): “ … Der von Kahrs geführte SPD-Kreisverband Hamburg-Mitte hat 2017 Wahlspenden von Warburg erhalten. Das berichtet jetzt das „Hamburger Abendblatt“. Insgesamt 45.500 Euro ließ die Bank direkt oder über Tochtergesellschaften der Partei zukommen, allein 38.000 an den Kreisverband Hamburg-Mitte. Und das, nachdem die Hamburger Steuerbehörden eine Forderung aus den Cum-Ex-Deals von rund 47 Millionen Euro an Warburg im Jahr 2016 verjähren ließen. Zufall? Recherchen von „Panorama“ und „Zeit“ hatten in der vergangenen Woche Treffen zwischen Scholz und dem Warburg-Chef Christian Olearius zutage gefördert – und das, obwohl der Senat die Kleine Anfrage der Linken nach ebensolchen Treffen im November verneint hatte. In der SPD heißt es dazu, die Anfrage sei im Sinne der Fragestellung korrekt beantwortet worden. Soll heißen: Gefragt worden war nach Gesprächen mit Bezug auf die Cum-Ex-Deals. Tschentschers und auch Scholz’ Linie aber ist: Gespräche mit führenden Wirtschaftsvertretern seien völlig normal, um die Cum-Ex und Steuerthematik sei es dabei jedoch nicht gegangen. Dagegen steht die Tagebucheintragung des Bankers, der sich nach dem Treffen notiert hatte, man müsse sich wohl keine Sorgen wegen der Rückzahlung machen. …“ | https://www.tagesspiegel.de/politik/hamburger-buergerschaftswahl-und-cum-ex-spende-der-warburg-bank-bringt-die-spd-in-erklaerungsnot/25555278.html

j.quidde 07:35 Uhr: “ … Im gleichen Zeitraum wurde von der Warburg Bank eine etwa gleich große Spende an die CDU getätigt. Kann man bei der Schwester-Zeitung ZEIT lesen. Das ist nicht neu, sondern üblich bei ortsansässigen Traditionsunternehmen und nicht verwerflich – solange die Spenden offengelgt werden. Und das wurden sie – und zwar schon vor Jahren. Dieses Medien-Schmutz-Kampagnen-Konstrukt vor der Hamburger Bügrerschaftswahl ist unglaublich. „

BangJI 08:55 Uhr: “ … Antwort auf den Beitrag von j.quidde 07:35 Uhr: Die schöne heile Welt der Saloniers und der Salonieren. Was für ein Musterbeispiel für die sektorale Wahrnehmung …. fundamentalistischer Dogmatiker, denen es entweder an Interesse, an Vermögen oder einfach an Grips fehlt, um den Faden der Entwicklung von der … Modernisierung des Dividendenstrippingsteuerverfahrens unter den Finanzministern Eichel und Steinbrück (Realresultat = Cum-Ex-Deals/Cum-Cum-Geschäfte UND die Mehrwertsteuerkarusselbetrügereien) – hin zur […] neuen sozialen Marktwirtschaft und dem neuen Deutschland, also der deutschen Version der US-Plutonomy und – Plutocracy zu verfolgen, zu studieren, zu analysieren UND politisch zu bewerten. [„Aus der Leistungsgesellschaft ist eine Ständegesellschaft geworden“ Ursula Weidenfeld (23.12.2018) https://www.tagesspiegel.de/politik/demokratie-aus-der-leistungsgesellschaft-ist-eine-staendegesellschaft-geworden/23794248.html … [Tante_Frieda 23.12.2018, 18:04 Uhr: “ … Man traut seinen Augen nicht: Ein ja schon fast „linker“ Kommentar von Frau Weidenfeld, die sonst für gewöhnlich stramm konservativ-wirtschaftsliberale Positionen einnimmt und für die das Wort „sozial“ eher zu den Pfuiwörtern zu gehören scheint. An was könnte es liegen? Ist es … schlicht der Blick auf die gesellschaftliche Realität? …“] [guggiilein 27.12.2018, 12:48 Uhr: “ … Wie viele, sogenannte Hochkulturen vor uns, ruinieren wir uns sehr erfolgreich selber. Arroganz, Gier, Unerhlichkeit, Korruption, Steuerflucht, Ueberregulierung, mangelnde Menschlichkeit und normaler Menschenverstand etc. sind der unaufhaltsame Niedergang unserer Gesellschaft. Wie kann man Anpassung an unsere Werte verlangen, wenn diese nicht mehr gelebt werden? …“] ] …“

AWolff 17.02.2020, 18:11 Uhr: “ … Die 47 Mio aus den fragwürdigen Bankgeschäften und evtl. Steuerschulden in einen Zusammenhang der SPD. Spende zu konstruieren ist aber auch irgendwie billig; nicht nur vom Zeitpunkt her – vor allem im Verhältnis :-) …“

SOK321 07:49 Uhr: “ … Antwort auf den Beitrag von AWolff 17.02.2020, 18:11 Uhr: … Die CumEx-Bänkster [ ] spenden aus reinster Nächstenliebe … “


Nachtrag #2

Oliver Hollenstein und Karsten Polke-Majewski (17. Februar 2020): “ … Neben Scholz hat Olearius ausweislich seiner Tagebücher auch Gespräche mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs und dem ehemaligen Zweiten Bürgermeister Alfons Pawelczyk (SPD) geführt. Kahrs hat die Gespräche inzwischen eingeräumt. Pawelczyk reagierte auf eine Anfrage nicht. … Scholz und Olearius bestreiten, dass es eine politische Einflussnahme gab. Gespräche zwischen Politikern und Wirtschaftsführern seien üblich. … Unklar ist, ob es an irgendeinem Punkt zu einer politischen Beeinflussung der Entscheidung des Finanzamtes kam. Alle Beteiligten – also Scholz, Tschentscher, die Finanzbehörde und die Warburg-Bank – betonen, keinen Einfluss genommen zu haben, sämtliche Entscheidungen seien auf Basis der juristischen Einschätzung in der Finanzverwaltung getroffen worden. Offen ist auch, was in den Gesprächen zwischen Scholz und Olearius genau besprochen wurde. Olearius beschreibt in seinem Tagebuch, wie er mit Scholz über die Ermittlungen spricht. Scholz bestreitet, dass es um das Verfahren ging. … “ | https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-02/cum-ex-steuerskandal-hamburg-bank

MarkusAK #21: “ … Gleiches Recht und gleiches Maß für alle ob Arbeiter Rentner, Unternehmen Banken usw. Diesen Grundsatz kann man seit Jahren bezüglich Steuerraub und Steuern allgemein nicht erkennen. …“

Rosenkohl #25: “ … DIe 47 Millionen Euro fehlende Steuernachzahlung sind peanuts gegen die Mehrkosten der Elbe-Philharmonie, diese ihrerseits peanuts gegen die Verluste für Hamburg und Schleswig-Holstein bei der Rettung und Veräußerung der HSH-Nordbank …“
// [“ … Bereits 2013 hatte die HSH Nordbank eingeräumt, dass sie zwischen 2008 und 2011 ihren Kunden mit sogenannten Cum-Ex-Deals dabei geholfen hat, insgesamt bis zu 112 Millionen Euro Kapitalertragssteuern möglicherweise unbegründet zurückerstattet zu bekommen. Für die Vorgänge hat die Bank einschließlich Zinsen im Jahresabschluss 2013 eine Steuerrückstellung in Höhe von 127 Millionen Euro gebildet. DIE ZEIT kommentierte dazu, dass die Geschäfte zum Nachteil des Staates in genau dem Zeitraum begannen, als der Staat die Bank aus der Krise rettete. …“| Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg_Commercial_Bank#Beihilfe_zur_Steuerhinterziehung (11. Januar 2020) ]

kanister #32: “ … Kann mir irgendjemand mit Sachverstand erklären, wie es überhaupt sein kann, dass die Verwaltung beschließt, Steuern verjähren zu lassen? … Wieso kann die Verwaltung dann „entscheiden“, das verjähren zu lassen? …“

“ … Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hat den Vorwurf politischer Einflussnahme in der Cum-Ex-Affäre um die Warburg-Bank zurückgewiesen. „Die Unterstellung, hier hätten Politiker Einfluss genommen auf die Entscheidung von Finanzämtern, die kann ich ganz eindeutig zurückweisen“, sagte der SPD-Politiker dem Sender NDR Info. …“ | https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-02/peter-tschentscher-hamburg-cum-ex-warburg-vorwurf

Miramodo #16: “ … Es muss sich doch nachvollziehen lassen, wer genau Ende 2016 in der Finanzbehörde entschieden hat, die Forderung stecken zu lassen. Da war doch ein dienstlicher Vorgang vorgeschaltet – das zuständige Finanzamt wollte die 47 Millionen geltend machen. Eine Etage höher ist das Ganze gestoppt worden. Und jetzt lässt sich nicht mehr klären, durch wen und warum? …“

hellmut2 #29: “ … Lt. Olearius hätte nach dem Gespräch mit dem ehemaligen Bürgermeister Scholz, den Eindruck, dass sie nichts zu befürchten hätten. Tschentscher war zu dieser Zeit Finanzsenator. Lt. Tagesschau.de informierte das BMF die Hamburger Finanzbehörde, dass sich die Warburg Bank 2006 aus Cum Ex Geschäften 46 Millionen € unberechtigt verschafft habe. Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte die Warburg unter dem Verdacht dieser Geschäfte durchsucht und die Hamburger Finanzbehörden darauf hingewiesen. Und nichts passiert? Tschentscher war Finanzsenator und Scholz Bürgermeister. Tschentscher trug für diese Finanbehörde die Verantwortung. Scholz hatte das oben erwähnte Gespräch mit Olearius und beide haben nicht die notwendigen Schritte eingeleitet. Wenn dem so ist, wäre das Beihilfe zum Steuerbetrug, da würde auch keine Rückzahlung der Warburg Bank helfen. Die Kleinen hängt man, die großen lässt man laufen, so lautet doch der Spruch oder? ..“

straightinyourface #33 : “ … Da darf der steuerzahlende Buerger „brutalst moegliche Aufklaerung“ erwarten… Die Aelteren werden sich erinnern …“

lemon / 13 Februar 2020 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Zur Theorie der Macht (Wikileaks #17) … ]

Stefan Krempl (03.02.2020): “ … Melzer [https://de.wikipedia.org/wiki/Nils_Melzer] hat im Interview mit dem Schweizer Magazin „Republik“ erstmals Details seiner Erkenntnisse über die Vorverurteilung und Verhaftung Assanges publik gemacht. Er kommt zum Schluss: „Vier demokratische Staaten schließen sich zusammen, USA, Ecuador, Schweden und Großbritannien, um mit ihrer geballten Macht aus einem Mann ein Monster zu machen, damit man ihn nachher auf dem Scheiterhaufen verbrennen kann.“ Es handle sich um einen „Riesenskandal und die Bankrotterklärung der westlichen Rechtsstaatlichkeit“ … „Ich traute meinen Augen nicht: Nach Aussagen der betroffenen Frau selber hat es nie eine Vergewaltigung gegeben. Und nicht nur das: Die Aussage dieser Frau wurde im Nachhinein ohne ihre Mitwirkung von der Stockholmer Polizei umgeschrieben, um irgendwie einen Vergewaltigungsverdacht herbeibiegen zu können. Mir liegen die Dokumente alle vor, die Mails, die SMS.“ … Das „wirklich Erschreckende“ ist für den Beobachter so „der rechtsfreie Raum, der sich entwickelt hat: Mächtige können straflos über Leichen gehen, und aus Journalismus wird Spionage. Es wird ein Verbrechen, die Wahrheit zu sagen. „. …“ | https://www.heise.de/newsticker/meldung/Assange-UN-Folterexperte-wirft-Behoerden-konstruierte-Vergewaltigung-vor-4652122.html

Nils Melzer (31.01.2020) : “ … Darf ich von vorn beginnen? Ich spreche fliessend Schwedisch und konnte deshalb alle Original­dokumente lesen. …“ | Nils Melzer im Interview | —> https://www.republik.ch/2020/01/31/nils-melzer-spricht-ueber-wikileaks-gruender-julian-assange

“ … Nach Angaben der schwedischen Tageszeitung „Dagens Nyheter“, die am Samstag online über […] die Vorwürfe Melzers gegen Schweden berichtete, wollten sich weder Justizminister Morgan Johansson noch die Staatsanwaltschaft äußern. …“ | Aus: „Wie UN-Experte Melzer Wikileaks-Gründer Assange entlastet“ Sven Lemkemeyer (09.02.2020) | https://www.tagesspiegel.de/politik/schweden-lehnt-kommentar-ab-wie-un-experte-melzer-wikileaks-gruender-assange-entlastet/25517070.html

Milosz Matuschek (23.01.2020): “ … Assange wurde oft als paranoid bezeichnet. Dabei sollte man beachten, dass er seit Jahren in einer kafkaesken Situation ist, in der alles unterhalb der Schwelle von Paranoia wohl dem Reich der Naivität zuzuordnen wäre. …“ | https://www.nzz.ch/feuilleton/julian-assange-freiheitsheld-und-mann-im-ausnahmezustand-ld.1533798?reduced=true

lemon / 11 Februar 2020 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #82 … ]

Roland Barthes mit Zigarette im Mundwinkel
// https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Barthes

Andreas Bick (2010): “ … Der Verliebte ist bei Barthes wie auch bei Goethe jemand, der außerhalb der Gesellschaft steht. Er lebt in einer „unwirklichen“ Welt, in einem Wahn, der für ihn zur Wahrheit wird, während er das, was die Leute „Wirklichkeit“ nennen, als Illusion empfindet. …“ | http://www.andreas-bick.de/fragmente-einer-sprache-der-liebe/

Hanns-Josef Ortheil (28. September 1984): “ … Barthes erhebt [ ] [ in ‚Fragmente einer Sprache der Liebe‚ ] die passionierte, die seit der Romantik deklamierte Liebe nicht zum Kult, nicht zum Traum … „Obwohl jede Liebesbeziehung als einzigartig erlebt wird und das Subjekt die Idee verwirrt, sie später anderswo zu wiederholen, ertappt es sich manchmal bei einer Art Streuung des Liebesverlangens; dann begreift es, daß ihm bestimmt ist, bis zum Tode umherzuschweifen, von einer Liebe zur anderen.“ …“ | https://www.zeit.de/1984/40/der-idiot-des-gluecks/komplettansicht

lemon / 5 Februar 2020 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Visual.Notes / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #81 … ]

“ … Und das durchbohrte Herz, das Schmerz verlockend blendet,
Segnet noch jenen Pfeil, an dem es Tag für Tag verendet. …“

// Charles Baudelaire:
// An Sainte-Beuve
// Aus: ‚Der Spleen von Paris‘, 1869
// (Übersetzt von Simon Werle, 2019)

lemon / 1 Februar 2020 / Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Fellini #27… ]

Arno Widmann (19.01.2020): “ … In einem Interview mit Wolfram Schütte erklärte Rainer Werner Fassbinder über Federico Fellini: „Das sind die perfektesten Filme für mich, die es gibt. Da gibt es keine schwache Sekunde, nichts, und das ist das persönlichste Kino, das ich kenne.“ (FR vom 31. Januar 1976) Ich beginne mit diesem Zitat, weil ich mich inzwischen so einsam fühle mit meiner grenzenlosen Begeisterung für die Filme Fellinis. …“ | Aus: „Fellini zum 100. Geburtstag: Er liebte die, die er karikierte“ | https://www.fr.de/kultur/tv-kino/fellini-100-geburtstag-liebte-karikierte-13450960.html

Stingadsguck (20.01.2020): “ … Hab erst am Wochende „Die Stadt der Frauen“ wieder gesehen. Fellini und vor allem auch Bergmann verstanden es, den Bildern eine Poesie zu verleihen, die bis heute unerreicht ist. Das Geheimnisvolle, der Mythos, die Psychologie der menschlichen Existenz ist allgegenwärtig und man hat nach einem Fellinifilm immer das Gefühl geträumt zu haben. Danach wacht man auf, irritiert, erstaunt, verführt und stimuliert, ohne genau zu wissen, was man jetzt da eigentlich gesehen hat. Der Beweis das Kino Kunst sein kann. …“ | Kommentar zu: https://www.derstandard.at/story/2000113483828/in-italien-wo-die-zitronen-und-die-neurosen-bluehen

lemon / 20 Januar 2020 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #42… ]

John Michael Krois (‚ZUR DARSTELLUNG VON SYMBOLISCHEN UND SOZIALEN STRUKTUREN‘, 1999): “ … Cassirer schreibt in der Tat einen „klassischen“ Stil, aber er spricht nicht die Sprache des Rationalismus: „Vernunft“ gehört nicht zu seinen Begriffen; diese sei für ihn „vage und unbestimmt“ und nur dann sinnvoll, wenn man ihr die „differentia specifica“ hinzufügt [[https://de.wikipedia.org/wiki/Genus_proximum_et_differentia_specifica]]. Aus animal rationale [[“ Mit diesem Ausdruck hob Aristoteles die Fähigkeit des Menschen zu denken als die wesentliche, ihn vom Tier unterscheidende Eigenschaft des Menschen hervor.“] https://de.wikipedia.org/wiki/Animal_rationale] wird animal symbolicum [[ „Der Begriff animal symbolicum wurde von Ernst Cassirer geprägt. Der Begriff hebt die typisch menschliche Fähigkeit hervor, Symbole hervorzubringen und in einer Welt der Symbole zu denken und zu leben. “ ] https://de.wikipedia.org/wiki/Animal_symbolicum], statt Vernunft ist die Teilnahme an symbolischen Formen das Entscheidende am Menschen. Animal symbolicum ist und bleibt „a mythical animal“ und Mythos ist keine historische Wirklichkeit, sondern „a permanent element in human culture“. Jedoch ist das Symbolische – und nicht die Macht das Zentrum von Cassirers Kulturbetrachtungsweise. Deshalb kann er Kultur den Prozeß der menschlichen Selbstbefreiung nennen. Diese Behauptung basiert auf keiner inhaltlichen Anthropologie, weder auf einem Rousseauschen Vertrauen in eine allgemeine bonte naturelle der Menschen [[ Die natürliche Güte des Menschen (Rousseau) ]] noch auf einer Verehrung für die „höchsten Exemplare“ wie bei Nietzsche. In seinen letzten Schriften spricht er am deutlichsten seine Ansicht aus: das Symbol gewährt die Mittel für eine mögliche Befreiung von Angst, Unterdrückung und Unwissenheit, gleichwohl analysiert er ebenfalls im Spätwerk auch noch ganz andere Möglichkeiten. Albert Speer meinte in den Spandauer Tagebüchern, Cassirer habe in „The Myth of the State“ wo er die Theorie der technischen Instrumentalisierung des mythischen Denkens ausarbeitet, das Einmalige und Neue im dritten Reich richtig erkannt: die neu gefundene Möglichkeit der Auslöschung selbstverantwortlicher Persönlichkeiten, die Ausschaltung des rationalen Widerstands. Die Öffentlichkeit einer schriftlichen Gesellschaft, auch Radio und Film, können bedient werden, um mythische Formeln zu verbreiten und so zur wirkungsvollsten aller Herrschaftsmittel werden, denn so werden Menschen von innen durch ihre eigenen Phantasien und Emotionen gelenkt und nicht bloß von außen gesteuert.

… Der Unterschied zwischen Bourdieu und Cassirer liegt in ihren Auffassungen von dem, was Cassirer die „kritische Kräfte“ der Kultur nannte – ästhetische, ethische und intellektuelle. Wir finden ihn in Cassirers Behauptung, Kultur ist der Prozeß der menschlichen „Selbstbefreiung“. Cassirer begründet diese Behauptung mit seiner Symboltheorie, aber eine pauschale Formel dafür gibt er nicht, denn dieser Befreiungsprozeß sieht in jeder symbolischen Form anders aus. ln Bourdieus Soziologie der symbolischen Formen muß eine solche Behauptung unrealistisch sein, denn eine Befreiung aus Machtverhältnissen ist nur sehr bedingt, wenn überhaupt möglich. Cassirers Behauptung läuft Gefahr, das politische Feld ganz zu verlassen und in den Idealismus zurückzufallen. Man könnte Cassirers Symbolphilosophie als apolitisch bezeichnen, und so wäre die Grenze zu Bourdieus Auffassungen gezogen.

… im Gegensatz zu Cassirer sieht Bourdieu nicht einmal in der Kunst einen Bereich, in dem der Allgegenwärtigkeit von Machtverhältnissen zu entkommen wäre. Bourdieu lehnt die rein ästhetische Auffassung der Kunst zugunsten einer sozialkritischen ab.

… Für Cassirer ist Kunst symbolische Form, ein Ausdrucksphänomen und nur sekundär Gegenstand von Geschmacksurteilen. in der Kunst geht es zunächst weder um Genuß noch um Gefallen. Kunst ist eine Darstellung von Ausdruck in einer symbolischen Form. Kunst ist eine „Intensivierung und Illumination“ des Lebens [[„Beleuchtung hat einen rein praktischen Zweck: Man kann etwas sehen. Illumination erhebt sich über den reinen Zweck und wird zur Kunst“ ] Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Illumination_(Beleuchtung)]. In der Kunsterfahrung nehmen wir sinnliche Inhalte wahr, aber im Gegensatz zum praktischen Leben geht es nur um ihre Formen. Dadurch werden unsere Gefühle und Emotionen in der Kunsterfahrung fundamental verändert. In der Kunst haben wir zwar mit tragischen, komischen und lyrischen Inhalten zu tun, aber wir erleiden diese Inhalte als emotionale Zustände nicht, wir erleben eine befreiende Erleichterung von ihnen. Wir erleben „die ganze Skala des menschlichen Lebens“: „die kontinuierliche Oszillation zwischen all seinen Extremen – zwischen Freude und Trauer, Hoffnung und Angst, Jubel und Verzweiflung“. Diese Erweiterung der Gefühle würde im alltäglichen Leben unerträglich sein. Doch in dem Kunsterleben sind wir befreit von der Last: „Die Last der Emotionen wird uns von den Schultern genommen; was wir fühlen, sind ihre inneren Bewegungen, ihre Vibrationen und Oscillationen – ohne ihre Gravität, ihre unterdrückende Macht, ihr Gewicht und ihren Druck“. Kunst ist Katharsis, aber nicht einfach im Sinne einer psychologischen oder moralischen Reinigung der Gefühle. Kunst transformiert die Gefühle: wir fühlen, ohne zu leiden, wir erleben das Passivste an uns (unsere Gefühle) als etwas Aktives, indem wir ein Werk nachvollziehen. Wir erleben eine Befreiung von den Inhalten durch ihre symbolische Darstellung, die einen Gefühlsablauf anregt und gleichzeitig Distanz ermöglicht. …“

Aus: MITTEILUNGEN DES INSTITUTS FÜR WISSENSCHAFT UND KUNST 54. JAHRGANG 1999, NR. 2-3: „SYMBOL-STRUKTUR-KULTUR – Zur erkenntnistheoretischen Grundlegung der Sozial-und Kulturwissenschaften nach Ernst Cassirer, Claude Levi-Strauss und Pierre Bourdieu“ | Quelle: http://www.iwk.ac.at/wp-content/uploads/2014/06/Mitteilungen_1999_2-3_symbol_struktur_kultur.pdf

lemon / 15 Januar 2020 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #41… ]

“ … Der Zauber des Medialen betreibt und forciert ihr Spiel. … Momente der Störung, der Inversion, der Setzung von Hindernissen und Widersprüchen. Sie beinhalten eine Hemmung, ein Stocken. Kunst bedeutet deren Fortschreibung, deren Vervielfältigung und Multiplikation, denn sie erfindet ständig neue und andere Würfe und Gegenwürfe des ›Un-Sinns‹ …“ Aus: DIETER MERSCH „Absentia in Praesentia – Negative Medialität“ – „Christian Kiening (Hg.) – Mediale Gegenwärtigkeit (Band 1, Zürich, im Frühsommer 2007)“ | https://www.mediarep.org/bitstream/handle/doc/12651/Kiening_2007_Mediale_Gegenwaertigkeit_.pdf

“ … Der Österreichische Rundfunk verwendete für die Vereidigung der neuen Bundesregierung die Untertitel einer anderen Sendung … aus der dritten Folge der Telenovela Alisa – Folge deinem Herzen … [ Mit 27 Jahren muss Alisa Lenz wieder von vorne anfangen. Ihr letzter Freund hat sie nicht nur mit einer anderen Frau betrogen, sondern auf Alisas Namen auch noch einen Berg Schulden gemacht, den sie nun abzahlen muss. Doch davon will sich Alisa nicht unterkriegen lassen. Ihr Weg führt sie nach Schönroda zu ihrer Adoptivfamilie und der Möglichkeit, bei „Castellhoff Optische Werke“ in ihrem Beruf als Feinoptikerin zu arbeiten. Alisa war gerade einmal vier Jahre alt, als ihre Mutter über Nacht verschwand. Drei Jahre später wurde ihr Vater Opfer eines Verkehrsunfalls und starb. Auf dem Weg in ihr neues Leben begegnet Alisa durch Zufall Christian Castellhoff. Ein Blick in seine blauen Augen führt sie in Versuchung, der Liebe noch einmal eine Chance zu geben. … Quelle: https://www.fernsehserien.de/alisa-folge-deinem-herzen] „| via https://ze.tt/orf-untertitelt-die-vereidigung-der-oesterreichischen-regierung-irrtuemlich-mit-telenovela-text/ | https://threadreaderapp.com/thread/1214566156008181768.html

Stefan Brettl: “ … Gehaltserhöhung für den Untertitel Mitarbeiter! …“

Coursera: “ … Das ist Geschichte und gehört ins Museum der Republik …“

Nordwicht: “ … Das ist noch eine Klasse besser als die Neujahrsansprache von Kohl. [https://www.spiegel.de/geschichte/tv-panne-an-silvester-a-947439.html] …“

Sofa King Wee Todd Ed : “ … der ORF gewinnt neues Ansehen in meinen Augen. ..“

Kommentare zu: https://www.derstandard.de/story/2000113023872/orf-entschuldigt-sich-fuer-abwicklungsfehler-tvthek-untertitel-sorgten-bei-angelobung

PTT (08.01.2020, 15:14 Uhr): “ … Die Geburt einer neuen Kunstform! …“ | https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/regierungsvereidigung-mit-falschen-untertiteln-hoffentlich-haelt-die-strumpfhose/25400044.html

lemon / 9 Januar 2020 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

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