[Die Seele ist entweder schmäler oder breiter… ]


Bild aus: Welt am Draht (Rainer Werner Fassbinder, BRD 1973)

cubefox (14.10.2013) “ … Wie schon anderswo angemerkt wurde: Wahrscheinlich war es Absicht, dass sich die Figuren so gestellt und künstlich verhalten. Wenn sie sich realistischer verhalten hätten, ginge dem Film viel von seiner surrealen Atmosphäre ab. …“ | http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Vor-40-Jahren-Wer-lebt-in-welcher-Simulation/Re-Sehr-sehenswerter-Film/posting-10711759/show/, Kommentar zu: „Vor 40 Jahren: Wer lebt in welcher Simulation?“ (13.10.2013)

“ … Im Film A Million Ways to Die in the West erscheint der Doktor aus Zurück in die Zukunft wie er grade seine Zeitmaschine repariert. ….“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Crossover_(Medien) (2. August 2016)

“ … „Ich denke mir mein Ich durch ein Vervielfältigungsglas;“, bekennt Hoffmann 1809 und runzelt die Stirn: „Alle Gestalten, die sich um mich bewegen sind Ichs, und ich ärgere mich über ihr Tun und Lassen.“ Das von der zeitgenössischen Philosophie gepriesene Individuum im Sinne einer ihrer Einzigartigkeit bewussten, in sich gefestigten Persönlichkeit gerät zur fixen Idee. Geradezu lächerlich müssen dem komponierenden und zeichnenden Dichter alle ästhetischen Ansprüche seiner Mitstreiter angewidert haben. Romantiker sahen sich als autonome Schöngeister, allerdings auf der Suche, das entfremdete Menschsein mit der Kontinuität der Natur wieder in Einklang zu bringen. Hoffmann dagegen beobachtet, wie gute Sitten zu unsinnigen Normen zerfallen, diagnostiziert den Niedergang politischer Kultur und die Agonie ästhetischer Prinzipien. Von der nachgesagten „Harmonie“ keine Spur. Selbst als Memorandum versagt für ihn das romantische Credo. „Es müsste spaßhaft sein, Anekdoten zu erfinden und ihnen den Anstrich höchster Authentizität durch Zitate u.s.w. zu geben, die durch Zusammenstellung von Personen, die Jahrhunderte auseinander lebten, oder ganz heterogener Vorfälle gleich sich als erlogen erweisen;“, schmunzelt er auf überraschend moderne Abart. „Denn mehrere würden übertölpelt werden und wenigstens einige Augenblicke an die Wahrheit glauben.“ … Überschrieben ist diese beredte und wohl auch programmatische Tagebuchnotiz 1809 mit „Merkwürdige Arten des Wahnsinns“. … Absonderliche Einfälle verkleiden Realität. Umgekehrt zeigt sich im literarischen Karneval das wahre Antlitz gleichfalls „närrischer“ Lebensweise. Fiktion und Wirklichkeit verschmelzen: weniger, weil sich wie im von den Brüdern Grimm oder Clemens Brentano kreierten Märchenstil die imaginierte Volksseele öffnet oder sich Übernatürliches und Profanes auf einer Ebene ohne Scheu treffen; vielmehr entgrenzt Hoffmann sowohl das rein Dokumentarische wie entfesselte Phantasie und erschafft einen Zwischenraum, welcher den Blick auf frei Erfundenes wie verifizierbare Quellen schärft. Dieses Verfahren sollten Autoren der Postmoderne über 250 Jahre nach dem Tod des antiromantischen Romantikers „Crossover“ nennen. …“ | Aus: „„Kreisleriana“ oder: Zur Ironie des eingebildeten Wahnsinns“ von Achim Schiff | Quelle: http://www.carmen-stahlschmidt.de/frankfurterhof/kreisleriana.pdf (Datum?)

“ … Georg Lukács war Vorbild für die Figur des Naphta in Thomas Manns Roman Der Zauberberg. Nach ihrer einzigen kurzen Begegnung, nach dem Ersten Weltkrieg in Wien, zeigte sich Thomas Mann von Lukács nachhaltig beeindruckt, nämlich durch dessen im „Sinnlichen wie im Geistigen asketische Natur“ sowie durch die „fast unheimliche Abstraktheit seiner Theorien“. Das Vorbild hat sich selbst, so Manns Einschätzung, in Naphta „offenbar nicht erkannt“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Luk%C3%A1cs#Vorbild_in_literarischen_Werken (1. Juni 2016)

Georg Lukács (1920): “ … Die Selbsterkenntnis und damit die Selbstaufhebung der Subjektivität wurde von den ersten Theoretikern des Romans, den Ästhetikern der Frühromantik, Ironie genannt. … die Fremdheit und die Feindlichkeit der innerlichen und der äußerlichen Welten ist nicht aufgehoben, sondern nur als notwendig erkannt, und das Subjekt dieser Erkenntnis ist geradeso ein empirisches, also weltbefangenes und in der Innerlichkeit beschränktes Subjekt, wie jene, die zu seinen Objekten geworden sind. Das nimmt der Ironie jede kalte und abstrakte Ueberlegenheit … Diese Ironie ist die Selbstkorrektur der Brüchigkeit: die inadäquaten Beziehungen können sich zu einem phantastischen und wohlgeordneten Reigen von Mißverständnissen und Vorbeigehen aneinander verwandeln, wo alles von vielen Seiten gesehen wird; als Isoliertes und Verbundenes, als Träger des Wertes und als Nichtigkeit, als abstrakte Absonderung und als konkretestes Eigenleben, als Verkümmern und als Blühen, als Leidenmachen und als Leiden. … Die Ironie des Dichters ist die negative Mystik der gottlosen Zeiten: eine docta ignorantia dem Sinn gegenüber; ein Aufzeigen des gütigen und des böswilligen Wirkens der Dämonen; der Verzicht, mehr als die Tatsache dieses Wirkens begreifen zu können, und die tiefe, nur gestaltend ausdrückbare Gewißheit: in diesem Nicht-wissen-Wollen und Nicht-wissen-Können das Letzte, die wahre Substanz, den gegenwärtigen, nichtseienden Gott in Wahrheit getroffen, erblickt und ergriffen zu haben. Deshalb ist die Ironie die Objektivität des Romans. … Die Ironie als Selbstaufhebung der zu Ende gegangenen Subjektivität ist die höchste Freiheit, die in einer Welt ohne Gott möglich ist. … Die Verlassenheit der Welt von Gott zeigt sich in der Unangemessenheit von Seele und Werk, von Innerlichkeit und Abenteuer; in dem Fehlen des transzendentalen Zugeordnetseins für die menschlichen Bestrebungen. Diese Unangemessenheit hat roh ausgedrückt zwei Typen: die Seele ist entweder schmäler oder breiter als die Außenwelt, die ihr als Schauplatz und Substrat ihrer Taten aufgegeben ist. …“ | Aus: „Die Theorie des Romans – Ein geschichtsphilosophischer Versuch über die Formen der großen Epik“, Author: Georg Lukács (Verlegt bei Paul Cassirer in Berlin, 1920) | https://archive.org/stream/dietheoriedesrom26972gut/26972-0.txt

lemonhorse / 4 August 2016 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Kriegsschauplätze #27… ]

Thorsten Jungholt (12.07.16): “ … Die Bürger müssen mit Debatten zu deutschen Interessen und deren Durchsetzung behelligt werden. …“ | http://www.welt.de/debatte/kommentare/article156997830/Deutschland-neue-Ordnungsmacht-auf-Strategiesuche.html

(Kommentar, 12.07.16): “ … „Deutschland, neue Ordnungsmacht auf Strategiesuche“ Ordnungsmacht? Nein, Danke! – Wer auch nur einen Hauch Ahnung von der deutschen Geschichte hat, bei dem müssen jetzt alle Alarmsirenen losgehen. Deutschland als Ordnungsmacht ist schon immer so was von denebengegangen, das hinterher Millionen von Leichen entsorgt werden mussten. …“

“ … Als die Wehrmacht am 17. Mai 1940 Brüssel besetzte, konnte Sievers fliehen und versteckte sich fortan in einem nordfranzösischen Dorf. Am 3. Juni 1943 verhaftete ihn dort die Gestapo und brachte ihn zurück nach Berlin. Max Sievers blieb seiner Überzeugung treu. Auf die Frage des Volksgerichtshofpräsidenten Roland Freisler, ob er Schuld empfinde, entgegnete er: „Schuld? Schuld nur, wenn es eine Schuld ist, dass ich von einer anderen geistigen Substanz bin als die Nationalsozialisten.“ Den Nationalsozialisten war das Schuld genug. …“ (Aus: „Max Sievers im kulturellen Gedächtnis“, 17. Jan 2007 | http://hpd.de/node/938) // [“ … am 17. Januar 1944 [wurder Max Sievers] im Zuchthaus Brandenburg-Görden durch das Fallbeil hingerichtet. …“] | https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Sievers // [ Volker Mueller (2016): “ … Sein Andenken ist uns Verpflichtung, sich in unserer Gegenwart für ein gerechteres Miteinander in unserem Gemeinwesen, für Gewissens- und Geistesfreiheit, für einen säkularen Humanismus und für die gewaltfreie Lösung der sozialen und politischen Probleme unserer Zeit einzusetzen. …“ | http://www.freidenkerbund-brandenburg.de/index.php/in-der-tradition-von-max-sievers)

“ … Das Schlagwort Ideen von 1914 wurden schon während der ersten Kriegstage geprägt. Steffen Bruendel benennt als „Erfinder“ den Nationalökonomen und Soziologen Johann Plenge. Der Begriff wurde schnell von Historikern, Philosophen, Kulturschaffenden usw. aufgegriffen, die auf eine ideologische Sinnstiftung des Krieges abzielten. … Die Ideen von 1914 wurzelten in dem im 19. und frühen 20. Jahrhundert gepflegten, nationalistisch-romantischen Selbstverständnis, dass Deutschland eine Sonderkultur darstelle. In der ideologischen Fundierung der deutschen Kriegsanstrengungen durch eine intellektuelle, teilweise aber auch die jugendbewegte Elite, fand diese Theorie einen Höhepunkt. Die Ideen richteten sich propagandistisch gegen englische „Krämerseelen“, „gallische Oberflächlichkeit“ und „slawischen Despotismus“ und knüpften an „Phobien“ der Vorkriegszeit an: Englandhass und Antisemitismus, Germanisierungsdünkel und romantisierende Deutschtümelei. Dahinter steckte aber auch ein expliziter Angriff gegen den englischen Liberalismus und die französische Demokratie. Stattdessen wurde die „Schützengrabengemeinschaft“ zur Lösung für Probleme der deutschen Klassengesellschaft erhoben. … Der kriegsfreiwillige Schriftsteller Walter Flex schrieb im Frühjahr 1917 als Nachwort zu „Der Wanderer zwischen beiden Welten“, das eines der sechs meistverkauften deutschen Bücher des 20. Jahrhunderts wurde:
Ich bin heute innerlich so kriegsfreiwillig wie am ersten Tage. Ich bin’s und war es nicht, wie viele meinen, aus nationalem, sondern aus sittlichem Fanatismus. Nicht nationale, sondern sittliche Forderungen sind’s, die ich aufstelle und vertrete. Was ich von der ‚Ewigkeit des deutschen Volkes‘ und von der welterlösenden Sendung des Deutschtums geschrieben habe, hat nichts mit nationalem Egoismus zu tun, sondern ist ein sittlicher Glaube, der sich selbst in der Niederlage oder […] im Heldentode eines Volkes verwirklichen kann […]. Mein Glaube ist, daß der deutsche Geist im August 1914 und darüber hinaus eine Höhe erreicht hat, wie sie kein Volk vordem gesehen hat. Glücklich jeder, der auf diesem Gipfel gestanden hat und nicht wieder herabzusteigen braucht. Die Nachgeborenen des eigenen und fremder Völker werden diese Flutmarke Gottes über sich sehen an den Ufern, an denen sie vorwärtsschreiten. – Das ist mein Glaube und mein Stolz und mein Glück, das mich allen persönlichen Sorgen entreißt […].
Die Realität und das Scheitern der so sicher erwarteten Übernahme der geistigen Weltherrschaft durch die „sendungsvolle“ (Thomas Mann) deutsche „Wesensart“ musste die Anhänger einer weltgeschichtlichen „Missionsaufgabe“ des deutschen „Wesens“ zutiefst verstören. … Mit dem Kriegsende 1918 kam dann zu der Auffassung eines geistigen Verrats noch die Behauptung des Dolchstoßes, also die Schuldzuweisung für den militärischen Ausgang des Krieges an die vermeintlich von Juden und Bolschewisten beherrschte Sozialdemokratie. Damit war eine wichtige Basis gelegt für den späteren Erfolg völkisch nationaler Ideologie:
Eine neue Generation, gehärtet in den ‚Stahlgewittern‘ des Ersten Weltkrieges, galt nun als auserwählt zur Revision der Weltgeschichte.
Diese Vorstellungen lassen sich in eine Kontinuität mit der Argumentation der antidemokratischen Rechten in der Weimarer Republik (Konservative Revolution) und mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus stellen. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ideen_von_1914 (13. März 2016)

“ … August Bebel und Wilhelm Liebknecht hatten sich 1870 im Reichstag gegen Kriegskredite für den Krieg mit Frankreich ausgesprochen. Im hurra-patriotischen Deutschland Bismarcks ein starkes Stück! Die beiden wurden verhaftet und als Landesverräter beschuldigt. … Für den Kriegsausgang blieben die Stimmen der beiden Politiker aus der Arbeiterbewegung ohne Bedeutung. Deutschland gewann und wurde zum Kaiserreich.
Doch der frischgebackene Reichskanzler Otto von Bismarck hatte den vermeintlichen Verrat der „vaterlandslosen Gesellen“ Bebel und Liebknecht nicht vergessen und drängte weiterhin auf eine Verurteilung. Am 26. März 1872 verhängte eine Jury von Geschworenen in Leipzig das Urteil: zwei Jahre Festungshaft für jeden der beiden. …“ | Aus: „Heute vor 140 Jahren: Hochverratsprozess gegen „vaterlandslose Gesellen““ (seniorbook-Nutzer, 26.03.2012), http://www.seniorbook.de/themen/kategorie/legenden-und-vorbilder/artikel/90/heute-vor-140-jahren-hochverratsprozess-gegen-vaterlandslose-gesellen

“ … „Vaterlandslose Gesellen“ war im ausgehenden 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert unter Wilhelm II. ein Schimpfwort … Zur Zeit der Sozialistengesetze von Bismarck und unter Wilhelm II. bis zum Beginn der Burgfriedenspolitik wurden die deutschen Kommunisten, Sozialisten und Sozialdemokraten als „Vaterlandslose Gesellen“ bezeichnet. Schon in dieser Zeit wurden auch andere Gruppen als vaterlandslose Gesellen geschmäht. … Großen Rüstungskonzernen der Kaiserzeit wurde immer wieder vorgeworfen, dass sich hinter ihren patriotischen Bekenntnissen lediglich Gewinninteressen verbergen würden. Gleichzeitige Belieferung der deutschen und britischen Marine durch deutsche Unternehmen in der Zeit des Wettrüstens zwischen beiden Ländern bestätigten solche Anschuldigungen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Vaterlandslose_Gesellen (24. Juni 2016)

Siegfried König (über: ‚La Grande Illusion‚ Frankreich 1937, Regie: Jean Renoir): “ … „Die große Illusion“ von Jean Renoir ist ein Kriegsfilm, in dem der Krieg kaum vorkommt. Es gibt keine Schlachten, keine Bomben, ja nicht einmal einen wirklichen Feind. Trotzdem ist „Die große Illusion“ ein Film, der die Absurdität des Krieges bloßlegt, wie selten ein anderes Werk. Der Film entstand 1937, als der 1. Weltkrieg noch „der“ Weltkrieg war, klarsichtige Zeitgenossen wie Renoir den zweiten aber schon kommen sahen. Es gab bereits Filme über den 1. Weltkrieg, die das Grauen eindringlich vor Augen führten: „Im Westen nicht Neues“ von L. Milestone etwa, oder „Westfront 1918“ von G.W. Pabst. Renoir ging es nicht darum, nochmals die Schrecken des Grabenkrieges darzustellen, ihm ging es um die Menschen, die in diesem Krieg agierten, woher sie kamen, was sie wollten und was der Krieg aus ihnen machte. … In der Gestalt Elsas und Maréchals scheint echte Völkerverständigung möglich, jenseits ritterlicher patriotischer Rituale. Und als Maréchal und Rosenthal an der Schweizer Grenze von einer deutschen Patrouille entdeckt werden, hindert einer der Soldaten den anderen am Schießen. „Mensch, hör auf. Sie sind in der Schweiz“, sagt er und der andere senkt sein Gewehr …“ | http://www.filmzentrale.com/rezis/grosseillusionsk.htm

Agnieszka Brugger (Agnieszka Brugger im Gespräch mit Dirk-Oliver Heckmann, 13.07.2016) “ … Denn auch das ist eine Lehre aus den letzten Jahren: Konflikte lassen sich nicht militärisch lösen. Und insofern versäumt das Weißbuch [https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fbuch_(Bundeswehr)] die wichtige Chance zu erklären, was eigentlich denn wirklich unser Beitrag aktiv in der Welt zu mehr Verantwortung und zu mehr Konfliktlösung ist, jenseits des Militärischen. … Ad-hoc-Koalition bedeutet übersetzt eigentlich Koalition der Willigen, außerhalb von Systemen kollektiver Sicherheit wie Vereinte Nationen, Europäische Union und NATO, und auch da haben wir ja in den letzten Jahren ein paar Auslandseinsätze gesehen, die genauso auch konstruiert sind. Und für mich steht diese Formulierung mit den Ad-hoc-Koalitionen klar im Widerspruch zu den Vorgaben aus dem Grundgesetz für die Auslandseinsätze der Bundeswehr, aber auch zur Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Besonders schlimm finde ich daran aber auch, dass das ja eine aktive Abkehr ist von den internationalen Organisationen, was so natürlich erst recht dazu führt, dass Institutionen wie die Vereinten Nationen eher geschwächt werden, handlungsunfähiger werden, und ich glaube, angesichts der Instabilitäten in dieser Welt ist eine funktionierende internationale Ordnung und starke Vereinte Nationen eigentlich eher die Antwort auf die Krisen unserer Zeit und man sollte nicht irgendwas tun, um sie zu schwächen. … [Sie sind der Ansicht, dass das Weißbuch in diesem Punkt gegen das Grundgesetz verstößt?] Ja, das ist meine Auffassung, weil wirklich gesagt wurde, auch in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, nur im Rahmen von Systemen kollektiver Sicherheit, und das ist für mich hier wirklich ein großer Tabubruch. …“ | http://www.deutschlandfunk.de/weissbuch-zur-sicherheitspolitik-das-verstoesst-gegen-das.694.de.html?dram:article_id=359933

zappp (20.07.2016): “ [Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will 300 Millionen Euro für externe Berater ausgeben. Das geht aus der Ausschreibung für den Beraterauftrag hervor, die der ZEIT vorliegt. Demnach sollen die Berater Rüstungsvorhaben überprüfen und die Beschaffung von Rüstungsgütern neu organisieren.] … 300 Million für Berater … Im Vergleich zu den Kosten eines neuen Waffensystems…, ist die Summe sogar noch moderat. …“ | http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-07/ursula-von-der-leyen-berater-ruestung-ausgaben?cid=7851482#cid-7851482 | Zu: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-07/ursula-von-der-leyen-berater-ruestung-ausgaben

joaber (20.07.2016): “ … Nun, nachdem Frau von der Leyen der Firma Airbus schon 475.000.000 Euro für Satellitendaten mit fragwürdigem Nutzen zugeschoben hat, sind die 300.000.000 Euro jetzt nur noch eine „Ergänzung“. … [Der Deal sorgt seit Monaten für Befremden – denn das Wirtschaftsministerium besitzt die Daten bereits. Der Bund hat das „Terrasar-X / Tandem-X“-Projekt zu drei Vierteln finanziert: 313 Millionen kamen aus Steuermitteln, 90 Millionen vom Projektpartner Airbus Defence & Space. Der Rüstungskonzern investierte weitere rund 70 Millionen Euro für die Vermarktung, bekam dafür aber die Exklusivrechte für die kommerzielle Nutzung der Daten. Ein blendendes Geschäft, wie sich nun herausstellt: Airbus verkauft die Daten wieder an den Bund – für beinahe das Dreifache der Summe, die das Unternehmen ursprünglich investiert hat. Dem Konzern dürfte das durchaus gelegen kommen. 2011 hatte die Bundesregierung 40 Eurofighter-Kampfjets abbestellt. Ende 2014 wurde bekannt, dass Airbus für den dafür entstandenen Verlust eine Ausgleichszahlung von rund 500 Millionen Euro fordert. Bei der Opposition sorgt der „Tandem-X“-Deal für Befremden… http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/tandem-x-bundeswehr-kauft-satelliten-hoehenmodell-a-1030171.html]“ | http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-07/ursula-von-der-leyen-berater-ruestung-ausgaben?cid=7850192#cid-7850192

Icke123 (20.07.2016): „… Vor kurzem hat man eine McKinsey Frau zur Staatssekretärin im Verteidigungsministerium gemacht. … Nein, das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist das Geschäftsmodell. …“ | http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-07/ursula-von-der-leyen-berater-ruestung-ausgaben?cid=7850376#cid-7850376 | >> GURKENBANANENREPUBLIK (20.07.2016) “ … Verschwörungspraxis :-) “ | http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-07/ursula-von-der-leyen-berater-ruestung-ausgaben?cid=7852056#cid-7852056

“ … Mit dem Ende der Apartheid glaubten viele, dass das Zeitalter des Kolonialismus endgültig zu Ende gegangen sei. Andere sind der Ansicht, dass die – von ihnen als Neokolonialismus bezeichnete – fortgesetzte ökonomische und politische Abhängigkeit vieler ehemaliger Kolonien zeige, dass das Phänomen noch nicht der Vergangenheit angehöre. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Antikolonialismus#Nach_1945 (25. Mai 2016)

“ … Auch in der Weltordnung nach 1945 werden von Wissenschaftlern wie Herfried Münkler und Hans-Heinrich Nolte imperiale Strukturen wahrgenommen, die Parallelen zu vorherigen Weltreichsordnungen aufweisen. So wäre etwa der Kalte Krieg eine Auseinandersetzung zwischen einem östlich-kommunistischen Weltreich, der Sowjetunion mit ihren Vasallenstaaten im Ostblock, und einem westlich-kapitalistischen, den USA mit ihren Verbündeten in der westlichen Welt. In dieser Interpretation ist die Herrschaft dieser postkolonialen Imperien nicht an Territorien gebunden, sondern äußert sich maßgeblich in der Kontrolle der Weltwirtschaft sowie einem überstarken und zugleich globalen Einfluss auf Politik, Technologie, Migration, Sprache und ganz besonders deutlich auf die Kultur. Münkler sprach sich 2007 für ein Amerikanisches Imperium aus, in dem die EU eine Art imperiales Subzentrum bilde. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Weltreich#Postkoloniale_Imperien (11. Juli 2016)

lemonhorse / 20 Juli 2016 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[My Beautiful Laundrette (1985)… ]

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// — Post-Punk Cinema Club: My Beautiful Laundrette (1985): “ … If someone were to say, „Hey, let’s watch some postcolonial biracial queer cinema?“ I’m sure most of you would just stare blankly. … The time is early 80s. The place is Thatcherite London, as seen through the eyes of Pakistani immigrants. … Even when such Big Issues as racism, homosexuality, and consumerism demand explanation in the minds of the curious (like me!), we’re given only a brief window into these people’s lives. And what a window! If you can be stoic enough to disregard the 80s cheese soundtrack (bubbles are included), this is a really fascinating and touching film. …“ // comment: Anonymous: “ … I read this review several months ago, before I went to Bangalore for the summer. One night in Bangalore, I’m flicking between channnels on the TV and lo and behold, My Beautiful Laundrette comes on! I was surprised to see it on Indian television; it might have been a domestic cable/satellite channel. …“ | http://p-pcc.blogspot.de/2007/03/my-beautiful-laundrette-1985.html —//

// “ … The original soundtrack, which is credited to „Ludus Tonalis“ (a name associated with a work by the composer Paul Hindemith), was produced by Stanley Myers and Hans Zimmer. Non-original music included the waltz Les Patineurs, by French composer Emile Waldteufel, and excerpts from Puccini’s Madama Butterfly. …“ | https://en.wikipedia.org/wiki/My_Beautiful_Laundrette

Ludus tonalis (lat. „tonales Spiel“) ist ein Klavierzyklus von Paul Hindemith aus dem Jahre 1942, der aus zwölf Fugen, elf Interludien (Zwischenspielen), sowie einem eröffnenden Praeludium[1] (Vorspiel) und einem abschließenden Postludium (Nachspiel) besteht. … Hindemiths Ludus tonalis ein musikalisches Exempel für die von ihm selbst gefundene tonale Struktur der chromatischen Tonleiter. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludus_tonalis

Paul Hindemith (16 November 1895 — 28 December 1963) – Ludus Tonalis
– Performer: Sviatoslav Richter (piano)
– Year of recording: 1985 (live at “Fêtes Musicales en Touraine”, France)
https://www.youtube.com/watch?v=Sd3hvhnd7YU

London in film
https://en.wikipedia.org/wiki/London_in_film

lemonhorse / 15 Juli 2016 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Subjekt & Objekt (Fotografie) #5… ]

Der Pressekodex des Deutschen Presserats fordert in Ziffer 2: „Symbolfotos müssen als solche kenntlich sein oder erkennbar gemacht werden.“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Symbolfoto (10. April 2016)

“ … Es brauchte noch lange Zeit, bis die Ästhetisierung der Macht nach Riefenstahl – und Hoffmann-Vorbild [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Hoffmann_(Fotograf)] verschwunden, bis der Gemütskitsch eingedämmt war. …“ Norbert Denkel, 01.02.1985 (Aus: „Überwältigt vom neuen Blick – Die Photographische Sammlung in Essen“)

“ … Als Fotograf, der der Beschäftigung des Fotografierens von anderen Menschen nachging, überkam mich in den Momenten des Fixierens der Fotokamera auf den Menschen, der Wahl des Bildausschnitts und des finalen Abdrückens des Auslösers nicht selten ein Gefühl des Unbehagens. Die Fotografie erwuchs zum Agens [(Verfahren, Handeln)] meiner tiefen Sehnsüchte und war zugleich die gewaltvollste Art mich mit meiner Umwelt auseinanderzusetzen. Mir wurde so bewusst, dass es nicht mal mehr konkretem Handeln oder spezifischer Worte bedurfte, um sich eine privilegierte (soziale) Position zu verschaffen und Machtstrukturen wirken zu lassen. Tatsächlich war es nur der Vorgang eines spezifischen Sehens durch die Fotokamera sowie ein von ihr gefärbter eigentümlicher Blick, der hierfür Verantwortung trug.
Der Blick eines Subjekts auf das Andere erfährt eine Wandlung, sobald er durch die Fotokamera hindurchgeht. Grund dafür ist die Fotokamera selbst, welche soziale Ungleichverhältnisse festigt und stärkt. Durch die Konstituierung des gewaltvollen Augenblicks … Was heißt es zu blicken und wo liegt die Grenze zum Sehen? Wofür stehen koloniale und touristische Blicke und wie sind sie zu verstehen? Wo liegt die Schnittmenge zum fotografischen Blick? Inwiefern wird das Blicken unter der Zunahme einer Fotokamera verändert? … „Es gibt keinen ,unschuldigen‘, ,naiven‘ Blick. Jeder Blick spiegelt eine bestimmte gesellschaftliche Struktur wider.“ (Baumgartner (2011): „Zigeuner“-Fotografie aus den Ländern der Habsburgermonarchie im 19. und frühen 20. Jahrhundert, S. 133.)
Diese zugespitzte Aussage formuliert Gerhard Baumgartner zu Beginn seines Aufsatzes über die geschichtliche Entwicklung der „Zigeuner“-Fotografie. Die Kritik ist gerichtet auf die Konstruktion und Etablierung von visuellen und narrativen Stereotypen, die sich im Laufe des 19. und 20 Jahrhunderts dank medialer Penetration in der Gesellschaft festigen konnten. Mit diesem Zitat führt er den Idealismus „Objektivität“ ad absurdum und konkludiert anschließend, „Zigeuner“-Fotografien seien nur „das Produkt eines konditionierten, herrschenden und kategorisierenden Blicks auf diese Bevölkerungsgruppe.“ Nach [der] Lektüre seines Aufsatzes ist Baumgartner wie folgt zu verstehen: Es gibt diejenigen, die blicken und diejenigen, die erblickt werden. Das führt zu einem asymmetrischen Verhältnis, in dem die Verteilung von Definitionsmacht und Selbstbestimmungsrecht ungleich ist. … Da, wo der Blick zum Sujet ([Gegenstand, Motiv, Thema einer [künstlerischen] Gestaltung]) erwächst, eröffnet sich ein weites […] Themenspektrum. … Es bleibt die Frage, wie es sich verhält, wenn die Kamera im Besitz strukturell schwacher Subjekte ist. Oder um es allgemeiner zu halten: Was passiert wenn der Blick nicht mehr nur noch einseitig und strukturell singulär von oben nach unten gedacht wird, sondern die vermeintlichen ErträgerInnen des Blicks zurückblicken? … “ | Aus: „DIE ÜBERLEGENHEIT DES BLICKS – Eine transdisziplinäre Verortung des fotografischen Blicks zwischen Kolonialismus und Tourismus“ Aria Sebastian Wojciechowski (2014) | http://www.whitecharity.de/wp-content/uploads/Wojciechowski.pdf

lemonhorse / 14 Juli 2016 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Subjektivität & Selbstverständnis (Fotografie) #4… ]

“ … Die helle Kammer (La chambre claire, Paris 1980) ist ein Essay des französischen Philosophen Roland Barthes. Barthes vermittelt hier die Möglichkeit, eine Phänomenologie und ein Kompendium der Photographie entwickeln zu wollen. Der zweite Teil hingegen ist sehr intim, womit er lehrhafte Aussagen zur Photographie aus dem ersten Teil wiederum demaskiert. In diesem Teil erscheint das für seinen medientheoretischen Diskurs über die Photographie wichtigste Photo, das als einziges Photo in dem Band nicht abgedruckt ist. Es ist eine Kindheits-Photographie seiner Mutter, auf die er bei der Suche nach dem für ihn Wesentlichen seiner Mutter beim Durchstöbern der Fotos nach ihrem Tod zufällig stößt. Barthes stellt somit die Subjektivität in seinem Diskurs über die Photographie heraus: „Es existiert ausschließlich für mich (…) bestenfalls würde es für Ihr Studium von Interesse sein: Epoche, Kleidung, Photogenität; doch verletzen würde es Sie nicht im mindesten.“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_helle_Kammer (7. Februar 2016)

lemonhorse / 14 Juli 2016 / Fraktal.Text, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Ewigkeit & Widerspruch #1… ]

Aus: „Der gnadenlose Begriff“ (Klaus Baum, 12. Juli 2016): “ … Schiller spricht von der Ausbildung des Empfindungsvermögens, damit der Reflexion aufs differenzierteste Inhalte zufließen, sie gleichsam gegen ihren Abstraktionscharakter sich zur Wehr setzt, ihn nicht als unüberwindbares Hindernis hinnimmt. Mit der Idee solcher Anstrengung, die im übrigen Ähnlichkeiten mit Buster Keatons Versuchen hat, die Schwerkraft zu besiegen, verbinde ich die Vorstellung, daß Philosophie nicht nur dazu dient, ihre jeweilige Zeit in Gedanken zu erfassen, sondern daß der Philosoph an sich selber arbeitet, das eigene Ich mit Hilfe des Denkens durchbildet, eine Art Aufmerksamkeit und selbstkritischer Wachheit entwickelt für die jeweilige Situation, für das dem Augenblick angemessene Verhalten. Philosophie ist für mich nicht nur ein Training des Denkvermögens, eine Demonstration theoretischer Stärke, sondern sie ist ebenso eine Frage des Charakters, des Verhaltens, der praktizierten Humanität. …
Es gab in den sechziger Jahren eine kleine Anzahl von Schallplatten, Jazz und Lyrik. Neben Heine, Enzensberger und Rühmkorf, gab es auch eine Platte mit Gedichten von Gottfried Benn. Ich war damals Anfang Zwanzig, als wir in einem Freundeskreis diese Platten immer wieder hörten. Als ich mit meiner ersten langjährigen Freundin Ferien in einem Jugendlager in Sanary-sur-mer machte, schworen wir uns bei französisch gesungener Rock-Musik, bunten Lampen und lauer Sommernachtsluft ewige Treue. Als wir uns dann auseinanderlebten, ich mich aber am mein Versprechen gebunden fühlte, tauchten immer wieder folgende Verse von Benn in meinem Gedächtnis auf: „Hör gar nicht hin, die leisen und die lauten Beteuerungen haben ihre Frist.“ Diese machten mir allmählich bewußt, daß die Substantialität [Wesentlichkeit] einer Beziehung einen zeitlichen Index hat, daß sie vergänglich ist. Und immer, wenn ich mich dabei ertappte, aus einem Gefühlsüberschwang heraus zu ewigen Schwüren zu neigen, tauchten diese Verse überichhaft im Bewußtsein auf, um mich von Versprechungen abzuhalten, die ich auf Dauer nicht einzuhalten vermochte. In jeder neuen Sitiuation, die anders war als die vorhergehende und doch mit ihr Gemeinsamkeiten hatte, konkretisierte sich Benns Erfahrung in meiner eigenen. …“ | Quelle: https://klausbaum.wordpress.com/2016/07/12/der-gnadenlose-begriff/

lemonhorse / 14 Juli 2016 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Fellini #14… ]

NightsofCabiria
Le notti di Cabiria“ (1957)

“ … Der film-dienst bemerkte, dass in Cabiria „unwandelbar die fast schmerzend-heftige Sehnsucht nach Reinheit, nach Menschlichkeit gegenwärtig“ sei. … Ende der 90er Jahre erschien eine restaurierte Fassung des Films, die unter anderem eine Szene enthält, die seinerzeit der italienischen Zensur zum Opfer fiel. In dieser führt ein guter Samariter („Mann mit Sack“) die Titelfigur zu Menschen, die in Höhlen im Untergrund leben und von ihm mit Essen versorgt werden. Die als religiöser Vorwurf verstandene, „mysteriöse“ Szene wurde daraufhin auf Betreiben von römisch-katholischen Behörden aus dem Film entfernt, so die US-amerikanische Kritikerin Janet Maslin (The New York Times) …“ | Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Die_N%C3%A4chte_der_Cabiria (Stand: 18. Mai 2015)

lemonhorse / 11 Juli 2016 / Cinema.Exposure, Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Kriegsschauplätze („in gutem Glauben“ ) #26… ]

Einschub Rückblende #1 “ …Die Anwesenheit britischer Soldaten im Irak sei nicht die Ursache für die Sicherheitsprobleme Großbritanniens, verschlimmere sie aber, sagte der Chef des Generalstabs der Zeitung „Daily Mail“. Die Soldaten sollten „irgendwann recht bald“ abgezogen werden. … Ein Sprecher von Blair hatte zuvor eingeräumt, dass die Äußerungen des Generals „Fragen aufgeworfen haben“. Der Armeechef habe diese aber in weiteren erklärenden Äußerungen weitgehend selbst beantwortet. …“ | Aus: „Armee unterstützt General – Nach Kritik an Irak-Einsatz“ (14.10.2006), http://www.zdf.de/ZDFheute/inhalt/28/0,3672,3988284,00.html (Seite nicht mehr abrufbar, depubliziert?)

Einschub Rückblende #2″ … Nach dem britischen Armee-Chef hat nun auch ein australischer General den Irak-Einsatz seines Landes kritisiert. Der frühere Oberbefehlshaber im Irak, Cosgrove, sagte, es sei mittlerweile ziemlich offensichtlich, dass der Einsatz nicht den gewünschten Erfolg habe. Vielmehr seien die militanten Islamisten noch stärker geworden. Unterstützt wird Cosgrove von der Opposition im australischen Parlament. Labor-Chef Beazley sagte, Australien sei durch den Einsatz im Irak weniger sicher geworden. Er forderte den Rückzug der Truppen. Australien hat derzeit rund 1.300 Soldaten im Irak stationiert. Vor Cosgrove hatte bereits der britische Oberbefehlshaber Dannatt erklärt, der Einsatz der Soldaten verschlimmere die Sicherheitsprobleme nicht nur im Irak, sondern weltweit. …“ | Aus: „Australischer General kritisiert Irak-Einsatz“ (MDR INFO; 15. Oktober 2006), http://www.mdr.de/nachrichten/meldungen/3613979.html (Seite nicht mehr abrufbar, depubliziert?)

(6. Juli 2016, ZEIT ONLINE,AFP,AP,Reuters,dpa,kg) Einmarsch der Briten war voreilig „An der Seite der USA führte der damalige britische Premier Blair Krieg gegen Saddam Hussein. Das war völlig voreilig, urteilt die Kommission der britischen Regierung. … Blair selbst verteidigte die Beteiligung seines Landes am Irak-Krieg. Die Entscheidung habe er „in gutem Glauben“ und mit der Überzeugung getroffen, im „besten Interesse des Landes“ zu handeln, hieß es in einer von seinem Büro veröffentlichten Reaktion. …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report

t.opa #3 (06.07.2016): “ … soso „voreilig“ war das Ganze. Eben schon auf Spiegel-online, welt.de, Süddeutsche dasselbe Wort gelesen. …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report?cid=7587945#cid-7587945

andrerae #2.1 (06.07.2016): “ … Und was macht Blair so…? Golf? Rosenzüchten? …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report?cid=7588494#cid-7588494

Klüger #7 (06.07.2016): “ … Voreilig … Ein Angriffskrieg, der ohne UN-Mandat gegen ein souveränes Land mit dem Ziel geführt wurde, die Regierung abzusetzen. Ein Krieg der über 100.000 Opfer, darunter elend viele Zivilisten, gefordert hat. Ein Krieg, der die Region nachhaltig destabilisiert hat. Ein Krieg, der den Anstieg des islamistischen Terrors und Fundamentalismus verstärkt hat und somit die Welt ebenfalls nachhaltig destabilisiert hat. …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report?cid=7588101#cid-7588101

Lex dubia non obligat #10 (06.07.2016):“ … „Voreilig“! Klingt wie ein verzeihbarer Ausrutscher. …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report?cid=7588244#cid-7588244

Einschub Rückblende #3 (27.03.2003): “ … Noch klarer als bisher hat CDU-Chefin Angela Merkel ihre Unterstützung für die Vereinigten Staaten und Großbritannien herausgestellt. Der Angriff auf den Irak sei eine unumgängliche Schadensbegrenzung. … Trotz der weit verbreiteten Bedenken an der CDU-Basis und in der deutschen Bevölkerung verteidigte Merkel den amerikanisch-britischen Angriff ausdrücklich als unumgängliche Schadensbegrenzung. Nach Irritationen zu Wochenbeginn bewegte sich der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) auf die Position Merkels zu. …“ | http://www.faz.net/aktuell/politik/cdu-csu-merkel-verteidigt-irak-krieg-189806.html

WacherVerstand #14 (06.07.2016) „… „Das war völlig voreilig, urteilt die Kommission der britischen Regierung.“ Voreilig? Ach so, dann ist die Entscheidung etwas später somit richtig geworden? …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report?cid=7588341#cid-7588341

ClydeFrosch #17 (06.07.2016): “ … „Voreilig“? So so… Und ich dachte schon völkerrechtswidrig. Aber wer bin ich schon. Nun, die Hinterbliebenen, die Verstümmelten und die durch Uranmunition missgebildeten Kinder können endlich aufatmen. …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report?cid=7588395#cid-7588395

Muinegi #21 (06.07.2016): “ … Nur mal so am Rande, die die damals den Lügen, die den Krieg rechtfertigen sollten, nicht glaubten, wurden als Verschwöhrungstheoretiker abgetan …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report?cid=7588500#cid-7588500

Marcus Aurelius #24 (06.07.2016): “ … „Das Land versank danach in Grabenkämpfe zwischen Schiiten und Sunniten …“ „Grabenkämpfe“ ist ein ziemlicher Euphemismus für einen langwierigen Bürgerkrieg. …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report?cid=7588621#cid-7588621

nana hara #25 (06.07.2016): “ … Aus der Presseerklärung von Blair „The report should lay to rest allegations of bad faith, lies or deceit. Whether people agree or disagree with my decision to take military action against Saddam Hussein; I took it in good faith and in what I believed to be the best interests of the country.“ Blair ist sich keiner Schuld bewusst und betrachtet das Ergebnis der Kommission als Freispruch. …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report?cid=7588672#cid-7588672

Igor Spalko #40 (06.07.2016): “ … Eine schöne Gelegenheit für Politiker und Redakteure ihre damaligen Arbeiten erneut zur Hand zu nehmen, zu überdenken und für die aktuellen Konflikte daraus zu lernen. …“ | http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/irakkrieg-tony-blair-kritik-grossbritannien-chilcot-report?cid=7589349#cid-7589349

lemonhorse / 6 Juli 2016 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #35… ]

(dpa, reuters, bb [4. Juli 2016]): “ … Günther Oettinger spricht sich dafür aus, dass die EU Sanktionen gegen Spanien und Portugal verhängt. Grund dafür sei, dass beide Länder im letzten Jahr ihre Haushaltsverpflichtungen nicht erreicht hätten, sagte der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft in einem Interview mit der Bild-Zeitung. … In einem Interview mit dem Spiegel hatte der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis aus Lettland, eine baldige Entscheidung zu Sanktionen gegen Spanien und Portugal angekündigt. Womöglich könnte sich die Kommission schon bei ihrer nächsten Sitzung am Dienstag mit der Frage nach Strafmaßnahmen beschäftigen. …“ | http://www.zeit.de/politik/2016-07/europaeische-kommission-guenther-oettinger-sanktionen-spanien-portugal

gio. #22 (04.07.2016): “ … Gutes Timing nach dem Wahlsieg des Brexit andere EU Staaten schikanieren. …“ | http://www.zeit.de/politik/2016-07/europaeische-kommission-guenther-oettinger-sanktionen-spanien-portugal?cid=7547586#cid-7547586

sqrt #16 (04.07.2016): “ … Peinlich. Oettinger hat offenbar nicht mitbekommen, was in der EU los ist. Zumal: gerade als Deutscher sollte er hinsichtlich damaliger mehrfacher Verletzung der EU-Defizitkriterien durch die Bundesrepublik (zu Zeiten von Finanzminister Hans Eichel) … schön still [ver]halten. …“ | http://www.zeit.de/politik/2016-07/europaeische-kommission-guenther-oettinger-sanktionen-spanien-portugal?cid=7547022#cid-7547022

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[1] [In der Krise ist die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern Europas stark gestiegen, wie unsere Infografik zeigt. Besonders schlecht ist die Lage in Spanien und Griechenland. ] Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-03/arbeitslosigkeit-arbeitslosenquote-griechenland-spanien-europa
[2] [Seit dem Beginn der Finanzkrise ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen in Griechenland auf 74 Prozent gestiegen. Im Jahr 2008 habe die Quote noch bei 40 Prozent gelegen, heißt es in einem Bericht des griechischen Wirtschaftsforschungsinstituts Kepe (Centre of Planning and Economic Research). Am stärksten betroffen sei die produktivste Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren. Dem Bericht zufolge waren im vierten Quartal des Jahres 2008 rund 178.000 Griechen länger als zwölf Monate ohne Arbeit; Ende 2015 lag die Zahl bei 872.000 Menschen und damit mehr als vier Mal so hoch. In diesem Zeitraum seien auf Grund der Krise mehr als eine Million Arbeitsplätze verloren gegangen – doppelt so viele, wie in den vorhergehenden Boom-Jahren zwischen 2001 und 2008 geschaffen worden waren. ] Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-07/griechenland-arbeitslosigkeit-finanzkrise-sparpolitik-eu
[3] [Europäische Union: Jugendarbeitslosenquoten in den Mitgliedsstaaten im Mai 2016] | http://de.statista.com/statistik/daten/studie/74795/umfrage/jugendarbeitslosigkeit-in-europa/
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Zwischen-den-Zeilen-Leser #5 (04.07.2016): “ … Arbeitslosigkeit sinkt auf tiefsten Stand seit Herbst 2009 Natürlich, denn in Spanien gelten nun auch (un- oder geringbezahlte) Praktikanten nicht mehr als arbeitslos, sodass sie aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden. Hier ein Artikel aus dem letzten Jahr: „Spanisches „Jobwunder“ mit Macken“ Die Jugendarbeitslosigkeit liegt nach wie vor bei 49 Prozent, rund 73.000 weniger als vor einem Jahr. Zugleich werden auch rund 70.000 von ihnen als Praktikanten geführt und, aufgrund einer Gesetzesänderung von 2013, auch als arbeitende Beitragszahler der Sozialversicherung. http://derstandard.at/2000019868237/Spanisches-Jobwunder-mit-Macken Das System funktioniert ähnlich wie in Deutschland …“ | http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-07/spanien-arbeitslosigkeit-gesunken-eurozone?cid=7554149#cid-7554149

Steffen Hoernig #27 (04.07.2016): “ … Wenn die „Europaeische“ Kommission jetzt anfaengt, Portugal fuer ein Defizit von 3,2% (!!) (und mit fallender Tendenz) zu bestrafen, nachdem Frankreich mit 4.1% durchgewunken wurde, und beide Deutschland und Frankreich in 2003 als Erste ganz natuerlich den Stabilitaetspakt verletzt haben, dann ist die EU endgueltig ins Absurde versunken. …“ | http://www.zeit.de/politik/2016-07/europaeische-kommission-guenther-oettinger-sanktionen-spanien-portugal?cid=7548266#cid-7548266

Zwischen-den-Zeilen-Leser #5.1 (04.07.2016): “ … Wann werden eigentlich die 50% der arbeitslosen Jugendlichen in Spanien entschädigt? Wann wird die Politik hierfür „sanktioniert“? Oder will man es wie in Deutschland machen und die Arbeitslosen für ihre Arbeitslosigkeit „sanktionieren“? …“ | http://www.zeit.de/politik/2016-07/europaeische-kommission-guenther-oettinger-sanktionen-spanien-portugal?cid=7546518#cid-7546518

bromfiets #6 (04.07.2016): “ … Arbeitslosenzahlen sind ungefähr so aussagekräftig, wie die Politik sie haben möchte. Weit spannender ist die Frage, wieviele Spanier im erwerbsfähigen Alter unterhalb der Armuntsgefährdungsgrenze leben. Das gibt einen realistischeren Überblick darüber, wer alles durch’s soziale Netz gefallen ist oder sich als „working poor“ durchschlägt. …“ | http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-07/spanien-arbeitslosigkeit-gesunken-eurozone?cid=7555905#cid-7555905

Nachtrag #1

Harald Schumann (05.07.2016): “ … Den Zorn der Briten über den Verlust ihres demokratischen Rechts zur Einflussnahme teilen Millionen Bürger in ganz Europa, vor allem jene, die sich wirtschaftlich abgehängt fühlen. Schließlich machen sie seit vielen Jahren die Erfahrung, dass, ganz gleich wen sie wählen, für sie nichts besser und vieles schlechter wird. Während Konzerne und Aktionäre ungestraft ihre Milliardengewinne steuerfrei einstreichen und Subventionen kassieren, läuft im unteren Drittel der Einkommenspyramide europaweit ein gnadenloser Wettlauf um niedrige Löhne und den Abbau von Schutzrechten.
Die bittere Ironie daran ist, dass die eigentliche Ursache der Misere keineswegs direkt bei den EU-Institutionen liegt, sondern bei den nationalen Regierungen, auch der britischen. Denn es sind die nationalen Regierungsapparate und politischen Eliten, die seit Jahrzehnten die wirtschaftliche Verschmelzung Europas radikal vorantreiben, aber gleichzeitig verhindern, dass der so geschaffene Binnenmarkt auch sozial und demokratisch regiert wird.
Das sichtbarste Zeichen dafür ist die Allmacht der Räte von Ministern und Regierungschefs. Sie und ihre nationalen Beamten sind es, die in der EU alle wichtigen Entscheidungen treffen, und das unter Ausschluss der Öffentlichkeit und oft ohne parlamentarische Kontrolle. Weil sie sich aber nur gegenüber den Wählern ihrer Heimatstaaten verantworten müssen, stellen sie dabei ihre kurzfristigen, nationalen Interessen immer wieder über das europäische Gemeinwohl, auch wenn der Preis dafür die Unregierbarkeit ist.
Darum gibt es bis heute keine Mindeststeuer für Unternehmensgewinne, weil Großbritannien, Irland, Luxemburg und die Niederlande ihre Staatskassen lieber mit Gebühren für Briefkastenfirmen füllen, als dem Steuersenkungswettlauf in der EU Einhalt zu gebieten. Darum gibt es keinen wirksamen EU-Klimaschutz, weil alle Regierungen die Energiepolitik allein an ihren nationalen Wahlkämpfen orientieren. Darum gibt es bis heute keine wirkliche EU-Sozialpolitik, weil es immer genügend Regierungen gibt, denen das nicht in ihr nationales Kalkül passt.
Darum auch konnten die Krisenländer der Euro-Zone gezwungen werden, sich dem Regime von nicht gewählten Beamten aus der EZB und der EU-Kommission jenseits aller demokratischen Kontrolle zu unterwerfen. Die deutsche Regierung und ihre Alliierten nutzten ihre Stellung als Kreditgeber, um der Euro-Zone eine Wirtschaftspolitik aufzuzwingen, die ihre Interessen schützt, auch wenn das in den betroffenen Ländern Millionen ins Elend stürzte.
… Im Ergebnis wird der europäische Wirtschaftsriese entweder schlecht regiert oder nach dem Willen der Stärkeren, fast immer aber gegen die Schwachen. Kein Wunder daher, dass Europa erneut ein Flächenbrand des Nationalismus droht. Wer das verhindern will, muss jetzt für die Demokratisierung der EU streiten. Dazu gehört eine EU-Kommission, die gewählt – und abgewählt – werden kann. Und das mit einem Parlament, dessen Abgeordnete mittels europäischer Listen gewählt werden und eine Länderkammer, die öffentlich tagt, aber nicht allein entscheiden darf. Ja, das klingt utopisch und ist doch realistischer als die Illusion von nationaler Souveränität in einer europäisierten Ökonomie. Die EU wird demokratisch sein, oder sie wird nicht sein. …“ | http://www.tagesspiegel.de/politik/europa-nach-dem-brexit-starke-nationale-regierungen-machen-die-eu-unsozial/13829186.html

Nachtrag #2
// —[ „… Eribon wurde 1953 in Reims geboren, wo er seine Kindheit verbrachte. In seiner „autobiografischen Analyse“ Rückkehr nach Reims aus dem Jahr 2009 (dt. 2016) erinnert er sich an Reims „als Stadt der Beleidigung“ und an seine dortige Existenz als Arbeiterkind, das sein Schwulsein entdeckt und deshalb geschmäht wird. Er studierte Philosophie und erhielt nach Abschluss seines Studiums eine Anstellung als Hochschullehrer an der Universität Amiens in Frankreich. …“ (3. Juli 2016) | Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Didier_Eribon (3. Juli 2016)] — // — // — Didier Eribon im Interview mit Felix Stephan, Paris (4. Juli 2016): “ … Eribon: Auffallend ist, dass in England gerade die Arbeiter im Norden für den Brexit gestimmt haben, also in den Gegenden, in denen die Deindustrialisierung das Leben der Menschen vollkommen zerstört hat. Diese Leute haben nicht nur Geld verloren, sondern auch ihre Hoffnungen, ihr soziales Umfeld, ihr ganzes Leben. Das ist eins zu eins auf Frankreich übertragbar. Im deindustrialisierten Norden Frankreichs gibt es Gegenden, in denen der FN sechzig, siebzig Prozent der Stimmen bekommt. Dort haben die Menschen nicht das Gefühl, von der EU zu profitieren und oft haben sie damit auch einfach recht. … Wenn man heute einem sozialistischen Politiker gegenüber den Begriff der sozialen Klasse erwähnt, widerspricht er sofort und behauptet, so etwas existiere nicht mehr. Die französischen Linken glauben das wirklich und sind jetzt ganz verblüfft, weil sie feststellen, dass es doch noch eine Arbeiterklasse gibt. Es ist tragisch, dass die Arbeiter erst für den Front National, die AfD und den Brexit stimmen mussten, um auf sich aufmerksam zu machen. Der französische Premierminister Manuel Valls hat die französischen Demonstranten gerade abfällig „die alte Linke“ genannt. Dabei ist es einfach die Linke. Das sind die Leute, die ihn gewählt haben. Doch statt ihnen zuzuhören, will er das Land modernisieren, und alle wissen, was das heißt: Abbau von Sozialleistungen, Einschränkungen von Arbeitnehmerrechten und so weiter. … Es gibt in Europa sehr viele Menschen, die marginalisiert sind, die verzweifelt sind, die über das, was in ihrem Leben vor sich geht, wütend sind. Die nicht nur keine Arbeit haben, sondern die sich auch nicht mehr vorstellen können, dass sie jemals wieder einen Job bekommen werden oder dass es ihren Kindern eines Tages besser gehen wird. Und diese Leute haben kaum eine Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen: Wenn man keine Arbeit hat, kann man nicht streiken. Und wenn man einen Job hat, riskiert man, dass der befristete Vertrag nicht verlängert wird oder man während des Streiks nicht bezahlt wird, was sich viele schlicht nicht leisten können. Und wenn sie dann demonstrieren, wissen sie, dass das keinerlei Effekt haben wird, selbst wenn sie wie in Frankreich eine sogenannte linke Regierung haben. Die Leute, die in diesen Tagen auf die Straße gehen, haben die aktuelle Regierung gewählt, bekommen aber nun zu hören, dass ihre Meinung keine Rolle spielt. … Plötzlich reden alle darüber, wer diese Leute sind und was sie wohl wollen könnten. Sonst kommen sie im politischen Diskurs schlicht nicht vor. Die Frage ist eher: Wie ist es möglich, so viele Menschen im politischen Alltag zu ignorieren? In Europa wissen die Eliten nicht einmal, dass es in ihren Ländern echte Armut gibt. Ich sage seit Jahrzehnten, dass der FN eines Tages mehr als 20 Prozent erreichen wird. Aber immer hieß es, ich würde übertreiben. Dabei ist es offensichtlich: Auch wenn man den Menschen fast jede Möglichkeit nimmt, sich politisch auszudrücken, werden sie immer eine andere Möglichkeit finden, sich Gehör zu verschaffen. In den Sechzigern und Siebzigern gab es noch eine Linke, zumindest in Frankreich, in Italien und Spanien, die der Arbeiterklasse einen Rahmen gegeben hat, in dem sie sich selbst denken konnte. In diesem Rahmen war klar, was in ihrem Interesse liegt, was sie einfordern muss, was sie verteidigen muss. … Occupy Wall Street war eine sehr, sehr wichtige Bewegung, aber sie wurde getragen von Studenten aus Princeton, der Columbia und der NYU. Ich fürchte, dass weiße Arbeiter in den USA eher Donald Trump unterstützen als Occupy. „We are the 99 percent“ war ein großartiger Slogan, aber er war auch extrem simplifizierend. Innerhalb der 99 Prozent gibt es völlig mittellose Menschen, die nicht genug zu essen haben, und Menschen, die eine Wohnung im Zentrum von Paris besitzen. Als politische Gruppe mit gemeinsamen Interessen gibt es die 99 Prozent nicht. … In ganz Europa ist unter linken Bewegungen dieser grassierende Konservatismus zu beobachten: Die LGBT-Bewegung wird als Erfindung des Neoliberalismus abgetan, von der Frauenbewegung heißt es, sie lenke vom eigentlichen Kampf ab – dem Klassenkampf. So haben die Stalinisten in den Fünfzigern argumentiert: Erst müssten sich alle so lange gedulden, bis der Klassenkampf gewonnen sei, dann könne man sich um ihre Belange kümmern. Aber natürlich kann man da lange warten. Ich halte den Klassenkampf auch für zentral, und anders als die meisten Linken in Frankreich habe ich stets darauf bestanden, dass soziale Klassen immer existiert haben. Er darf aber nicht gegen die Interessen anderer Minderheiten in Anschlag gebracht werden. … Die Idealisierung des Gemeinsamen und der Heimat ist für den Faschismus auf jeden Fall anschlussfähig. In den Dreißigern haben christlich-faschistische Denker wie Emmanuel Mournier ganz genauso argumentiert, als sie ihre Kampagnen gegen André Gide gefahren haben. Die Rhetorik ist immer die gleiche: Beim Prozess gegen Oscar Wilde, bei den christlich-faschistischen Philosophen der Dreißiger, bei den psychoanalytischen Debatten über die Zersetzung der Zivilisation durch Homosexuelle. Und heute findet man diese Rhetorik auch bei den Linken. Sie lehnen den Neoliberalismus auch deshalb ab, weil er einen Rahmen schafft, in dem plötzlich jeder denkt, seine Rechte einfordern zu dürfen, ohne das allgemeine Volksinteresse zu berücksichtigen. In Auseinandersetzungen wie diesen bin ich immer, immer, immer auf der Seite von André Gide. … Zum Erbe von 1968 gehört, dass sich heute in jeder Sphäre Menschen in verschiedenen Konstellationen zusammenschließen können, um für ihre Rechte zu kämpfen. Die Idee des allgemeinen Volksinteresses denunziert diese Freiheit als neoliberal. Das ist verrückt. Was 1968 definiert hat, war gerade, dass sich dort so viele politische Subjektivitäten entwickelt und geäußert haben. Foucault hat das immer wieder betont. Das ist nicht neoliberal, das ist politisch. Man kann den Homosexuellen, den Frauen, den Ökos und so weiter nicht sagen, dass sie jetzt die Klappe halten sollen, weil ihre Subjektivität eine Erfindung des Kapitalismus ist. … Die Bewegung Black Lives Matter in den USA ist vielleicht auch eine wirtschaftliche Initiative, aber nicht nur. Es ist eine ethnische Bewegung, eine soziale Bewegung, eine Minderheitenbewegung. Man kann den Schwarzen in den USA nicht erzählen, dass ihr Widerstand gegen die Polizeigewalt weniger gilt, nur weil er auch kommerziell funktioniert. Es geht in vielen Fällen ganz konkret um ihr Leben. Auch Abtreibungen sind mit dem Neoliberalismus kompatibel. Sollen die Frauen deshalb aufhören, für das Recht zu kämpfen, über ihre Körper und ihr Leben selbst entscheiden zu dürfen? Was wäre denn eigentlich nicht irgendwie kompatibel mit dem Neoliberalismus? Es ist ein idiotisches Argument. Und es ist erschreckend, wie populär es in der europäischen Linken gerade ist. Dieser Rechtsruck der Linken ist nicht mitanzusehen. … Niemand wählt eine Partei, weil er mit ihr in jedem einzelnen Punkt übereinstimmt. Wir wählen Parteien, weil wir in dem Weltbild, dass sie vor Augen haben, selbst vorkommen. …“ | Quelle: http://www.zeit.de/kultur/2016-07/didier-eribon-linke-angela-merkel-brexit-frankreich-front-national-afd-interview/komplettansicht —//

lemonhorse / 4 Juli 2016 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Spannungsverhältnisse (Brexit, Anzeichen)#5… ]

„Zeichen stehen stellvertretend für etwas, Anzeichen dagegen verweisen auf eine Ursache, sei es als Indiz, Erklärung oder als Symptom.“ | https://de.wiktionary.org/wiki/Anzeichen

Beim EU-Mitgliedschaftsreferendum 2016 stimmten 52 % der Wählerinnen und Wähler für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Rechtsgrundlage für diesen Austritt wäre Art. 50 des Vertrags über die Europäische Union. …(30. Juni 2016)
https://de.wikipedia.org/wiki/EU-Austritt_des_Vereinigten_K%C3%B6nigreichs

(25.06.2016): “ … Die Geschichte der europäischen Integration ist bislang durch ein Geflecht konkurrierender Motive und Entwicklungstendenzen charakterisiert, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten jeweils richtungsgebend auf die Entwicklung der Gemeinschaft eingewirkt haben. Bezeichnend ist daher die Umsetzung des Möglichen und Machbaren in der jeweils gegebenen zeitgeschichtlichen Lage („Inkrementalismus“), nicht die geradlinige Verwirklichung einer genau umrissenen Planung. … Die verhängnisvollen Entstehungsmechanismen des Ersten Weltkriegs, das Massensterben in den Materialschlachten des Stellungskriegs und der Schwächezustand des Kontinents als Kriegsfolge haben in den 1920er Jahren erstmals breiter fundierte europäische Einigungsbewegungen hervorgebracht. … Das die Strukturen der Europäischen Union langzeitig bestimmende unübersichtliche Vertragskonglomerat ist auf diese Art und Weise von Kompromiss zu Kompromiss und von Erweiterung zu Erweiterung der Gemeinschaft komplexer geworden. Für die Union resultiert daraus [ ] ein Akzeptanzproblem bei den EU-Bürgern, denen „Brüssel“ immer undurchsichtiger erscheint …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_europäischen_Integration | >> https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_europ%C3%A4ischen_Integration#Chronik_der_Europ.C3.A4ischen_Integration

Brexit
Bild via http://lowerclassmag.com/2016/06/besser-ohne-eu-zur-brexit-debatte/

Thomas Grüter (27. Juni 2016 ): “ … Die kürzeste und treffendste Analyse ist wohl der Kolumnistin und Schriftstellerin Laurie Penny im britischen New Statesman gelungen. Das Brexit-Votum, schreibt sie, sei ein Referendum gegen die moderne Welt gewesen. (This was never a referendum on the EU. It was a referendum on the modern world). Dem ist nichts hinzuzufügen. …“ | http://www.scilogs.de/gedankenwerkstatt/die-haesslichen-folgen-des-brexit/

KRichard (27. Juni 2016):“ … Kopfschütteln! Die Sichtweise von Laurie Penny – der Brexit sei ein Referendum gegen die moderne Welt gewesen – ist äußerst fragwürdig. Z.B. die Mittelbayerische Zeitung schreibt heute (Zitat von Seite 2): „Der heute 49 Jahre alte Cameron hat gemeinsam mit seinem Finanzminister George Osborne mit seiner strengen Sparpolitik bewusst vor allem die kleinen Leute getroffen. Über viele Jahre machte er die Armen in Großbritannien noch ärmer, nahm Leistungen aus dem Gesundheitssystem, schloß dazu noch Bibliotheken und Sozialdienste, um die von der Bankenkrise ausgelösten immensen Staatsschulden zu tilgen. Damit schuf Cameron den Boden, auf dem die Unzufriedenheit der Protestwähler wachsen konnte.“ …
Dieser Kommentar beschreibt sehr gut, dass unzumutbare soziale Verhältnisse ein wichtiger Auslöser für Unzufriedenheit sind – die im UK geschickt von Populisten für ihre Zwecke missbraucht wurden. Wenn es die Politiker nicht für nötig finden, die sozialen Verhältnisse armer Menschen im Land zu verbessern, haben es politische Populisten sehr leicht, Anhänger zu mobilisieren.
Unzufriedenheit sucht sich ein Ventil – und die Unzufriedenen sind in der Mehrheit! Unzufriedenheit gibt es genug: Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern, Abschaffung des sozialen Wohnungsmarktes, schlecht bezahlte Jobs die kein vernünftiges Leben ermöglichen, zunehmende Altersarmut, … Die EU hat in den letzten Jahren den Fehler gemacht, dass man das Leben einfacher Menschen mit kleinlichen Vorschriften reguliert […]. Wenn aber Reiche z.B ein ganzen Land finanziell ausbluten lassen, weil sie ihre Steuer nicht bezahlen und Vermögen ins Ausland verschieben (Z.B: Griechenland) – dann hatte die EU keinerlei Interesse, aktiv zu werden. Mit diesem asozialem Verhalten wird die EU-Politik für immer mehr Menschen nicht mehr akzeptabel. …“ | http://www.scilogs.de/gedankenwerkstatt/die-haesslichen-folgen-des-brexit/#comment-20311

DH (27. Juni 2016): “ … Was bitte ist modern daran , die EU umzufunktionieren in einen Selbstbedienungsladen für Privilegierte? Was ist modern daran , die Griechen schamlos an die Wand zu drücken und deren hausgemachte Schwäche auszunutzen? – Wenn ich demnächst einen kleinen Mob auf der Straße treffe, der gerade einen Obdachlosen zusammenschlägt, werde ich hingehen und den Leuten zu ihrer Modernität gratulieren, sie haben erkannt, wie man sich heutzutage zu verhalten hat , wenn man auf Schwäche trifft. …“ | http://www.scilogs.de/gedankenwerkstatt/die-haesslichen-folgen-des-brexit/#comment-20320

Paul Stefan (27. Juni 2016): “ … Die sozialen Fehler, die in UK gemacht wurden, wurden allerdings von den britischen Regierungen gemacht, nicht von der EU. Und Griechenland darf seine Reichen auch stärker besteuern. Offenbar geht es nicht oder es fehlt der Wille, ich weiß es nicht. Es ist nur typisch für Politiker und EU-Bürger, für alles Schlechte „Brüssel“ verantwortlich zu machen. Das rächt sich jetzt. …“ | http://www.scilogs.de/gedankenwerkstatt/die-haesslichen-folgen-des-brexit/#comment-20317

atlánticoazul #65 (28. Juni 2016): „… Liebe Zeit, ihr habt heute alles richtig gemacht mit #WeLoveUKbecause. (twitter.com) Beispiele der letzten 10 Minuten: „#WeloveUKbecause has just made me cry! Made me feel proud to be British for the first time in a long while. Thank you to our German friends“ „@CKarius_Bonn The hash tag is… #WeLoveUKBecause – it made me cry. Hate is so contagious.“ „Our German friends are sending us some love via @zeitonline. Danke schon, liebe Freunde! #weloveUKbecause „ Noch nie habe ich auf Twitter von so vielen Tränen zu einem hashtag gelesen. …“ | http://www.zeit.de/kultur/2016-06/brexit-jugend-protest-internet-polemik?cid=7448961#cid-7448961

Peter (28.6.2016): “ … Die Jugend „Der Unterschied ist durchaus signifikant und nicht nur eine bloße Spitzfindigkeit, denn eine höhere Wahlbeteiligung unter den Jungwählern hätte das Referendum anders ausgehen lassen können“ Das ist richtig, aber wie informiert und interessiert wären diese jungen Nichtwähler, die sich nicht aufraffen konnten, an so einer bedeutenden Abstimmung teilzunehmen? Vielleicht hätte jemand aus dem Remain-Lager ihnen erklären sollen, dass es nicht die „likes“ auf Facebook oder die Verlinkungen des hashtags „remain“ sind, die gezählt werden. So viel zum Narrativ der „(senilen) Generation Rollator“ und der aufgeschlossenen und gebildeten Jugend. …“ | http://www.fachportal-hochbegabung.de/blog/die-intelligenz-hat-versagt-oder-warum-dummheit-allein-den-brexit-nicht-erklaeren-kann/#comment-95556

Robin Detje (28. Juni 2016): “ … Entpolitisierung ist wie eine Klospülung: Einmal auf die Taste drücken und in einem hypnotischen Wirbel verschwindet alles, was uns nervös macht. … Wenn wir keinen erkennbaren politischen Standpunkt mehr beziehen, wenn wir allen Konflikten ausweichen, wenn wir uns nur noch taktisch verhalten, wenn wir alle nur noch miteinander sprechen wie Kaufleute, die ja keinen Kunden vergraulen wollen, ist Democracy over. … Oben regiert der aus politischem Kalkül gesetzte unpolitische Ton, unten rast der leere unpolitische Wahn, bis er politisch wird. Beide spielen einander in die Hände. Im Brexit haben beide Seiten einander benutzt. Wir haben natürlich selbst Schuld. … Komisch, dass einem heutzutage kaum jemand empfiehlt, nachzudenken. Dass uns Jungen und uns Alten alle immer nur an die Gefühle wollen. Die immer unpolitisch sind. Immer wenn wir fühlen sollen, rauscht die Klospülung der Entpolitisierung. … Fühlen ist nicht Denken. Kapitalismus ist keine Staatsform. Infotainment ist kein Freund der offenen Gesellschaft. Und eine Jugendrevolte wird nicht in den Medien anfangen. …“ | http://www.zeit.de/kultur/2016-06/brexit-jugend-protest-internet-polemik/komplettansicht

Inside-Man #62 (28.06.2016): “ … Stellen Sie sich vor, Mann kommt nach hause seine Frau sagt zu Ihn ich werde dich verlasen und Die Kinder kannst du auch behalten. Der Mann geht den nächsten Tag in seine Stammkneipe und erzähl seine Freunde ich habe meine Frau raus geschmissen und die Kinder hab ich auch behalten. So ist das Verhalten der EU im Moment, Hysterisch ist noch milde ausgedrückt. Statt in den Problemen der Menschen ein zu gehen und versuchen die zu lösen. …“

kahh #40 (28.06.2016): “ … Herr Detje kritisiert die Emotionalisierung der Politik – und reiht selbst nur Befindlichkeiten und „flash“artige Aussagen aneinander. Wo ist denn die fundierte, zusammenhängende Analyse, die man gemeinhin den Gefühlen entgegensetzen würde? Immerhin kommen als notdürftiger Ersatz ein paar Fragen, deren Beachtung als tiefgründig und konstruktiv-kritisch verstanden werden können. Ich habe den Eindruck, dass hier jemand gerade die Gefahren der öffentlichen Gefühlsduseligkeit erkannt hat, es aber selbst noch nicht geschafft hat, seinen stark gefühlsbasierten Formulierungsstil abzustellen. Dem allerletzten Absatz stimme ich jedenfalls zu. Wichtig ist (was Herr Detje indirekt ebenfalls so äußert), dass Gefühle nicht schlecht sind, sondern das Zusammenspiel mit der Vernunft benötigen. …“

Uwe Z #50 (28.06.2016): “ … Ich glaube, dass in Zeiten, in denen juvenile [‚jugendliche‘] Nasen sich permanent zur homo-ökonomischen Selbstoptimierung berufen fühlen, schlicht gar keine Zeit für eine Revolution bleibt. Wäre der junge Mensch nicht damit ausgelastet, der Feind der anderen jungen Menschen im Zirkus allumfassender Konkurrenz zu sein, dann wäre wohl alles möglich. So reicht die juvenil verbrachte Zeit echt nur zur individuell-selbstbestimmten, emotionalen Verkrüppelung der Art soziale „Shades of Grey“. Aber ein bisschen masochistische Unterwerfung fühlt sich ja wenigsten geil im durchfeuchteten Schritt an, wenn der Höhepunkt des Schmerzes einem jenes Hirn wegbläst, das eh nicht mehr weis, worüber es neben der Suche nach der geeigneten Methode zur Dauerstimulanz der neurobiologischen Belohnungszentren noch nachdenken könnte. … Albert Einstein – Why Socialism? – Monthly Review, 1949 [http://monthlyreview.org/2009/05/01/why-socialism/ (Monthly Review)] Unbegrenzte Konkurrenz führt zu einer riesigen Verschwendung von Arbeit und zur Lähmung des sozialen Bewusstseins von Individuen. […] Diese Lähmung der Einzelnen halte ich für das größte Übel des Kapitalismus. Unser ganzes Bildungssystem leidet darunter. Dem Studenten wird ein übertriebenes Konkurrenzstreben eingetrichtert, und er wird dazu ausgebildet, raffgierigen Erfolg als Vorbereitung für seine künftige Karriere anzusehen. [[ … Private capital tends to become concentrated in few hands, partly because of competition among the capitalists, and partly because technological development and the increasing division of labor encourage the formation of larger units of production at the expense of smaller ones. The result of these developments is an oligarchy of private capital the enormous power of which cannot be effectively checked even by a democratically organized political society. … ]] …“

Caproni #60 (2016) “ … Fühlen ist nicht denken. Stimmt, aber wie Oscar Wilde schon sehr richtig schrieb: „Die Empfindungen des Menschen werden rascher erregt als sein Verstand.“ …“

hasepremium #57 “ … Zum Tode von H.D. Genscher ging der Film noch mal durch alle Medien: Deutsche Botschaft in Prag. „.. und Ich darf Ihnen heute mitteilen, das Ihre Ausreise…. Jubel, Jubel, Jubel. Tausende Ostdeutsche hatten sich entschlossen, einem System, das sie nicht wollten, den Rücken zu kehren. Das war historisch und es war gut. … Systeme dulden keine Querulanten, mögen keine Widerworte – Systeme wollen geliebt werden und fordern bedingungslose Gefolgschaft. So war das und so ist das. Aber vielleicht steht irgendwann ein stotternder Hr. Juncker vor dem EU-Parlament und verkündet: aber ich liebe Euch doch alle, ich liebe doch alle Europäer …!!! Wie werden die Märkte darauf reagieren? Wie der DAX? Wir werden sehen …“

Uwe Z #57.1 (2016): “ @ hasepremium … Der „Jubel der Ostdeutschen“ in der Prager Botschaft ist ebenso verständlich, wie der Jubel der britischen Brexit-Befürworter bei der Bekanntgabe der Referendumsergebnisse. So jubeln überall auf der Welt halt all jene, die aus einer individuell empfundenen Hölle entfliehen können. Bei unseren ostdeutschen Mitmenschen wurde der Jubel ja dann recht schnell leiser, als die feststellten, dass der Sprung in eine neue Ideologie gar nicht lustig ist, wenn man als optimistisch Abgesprungener im vorgeblich „Guten“ dann individuell in der auch dort vorhandenen Sch**sse landet. … Kaum hatten die sich selbst entwurzelt … schallte denen aus unserem gelobten Land Deutschland-West die Hiobsbotschaft entgegen: „Das Boot ist voll“. So ist das eben mit Ideologien … “

(ZEIT ONLINE, AFP, sah, 29. Juni 2016): “ … Nach dem Brexit-Votum der Briten hat der US-Demokrat Bernie Sanders vor dem Unmut der Wähler über das globale Wirtschaftssystem gewarnt. … „Die Vorstellung, dass Donald Trump von denselben Kräften profitieren könnte, die den ‚Leave‘-Befürwortern in Großbritannien eine Mehrheit verschafft haben, sollte in der Demokratischen Partei der Vereinigten Staaten die Alarmglocken schrillen lassen“, schreibt Sanders. Millionen amerikanischer Wähler seien wie die Brexit-Unterstützer verständlicherweise wütend und frustriert über die wirtschaftlichen Kräfte, die die Mittelklasse zerstörten.
Als Ursache für die Frustration identifiziert der Sozialist die wachsende Ungleichheit, die auf ein ungerechtes globales Wirtschaftssystem zurückzuführen sei. Dieses System arbeite nicht für die Mehrheit der Menschen, sondern nur für die Eliten, die es entwickelt hätten. „Die sehr Reichen leben in unfassbarem Luxus, während Milliarden Menschen Armut, Arbeitslosigkeit und eine unzureichende Versorgung ertragen müssen“, schreibt Sanders. „Das System ist gescheitert.“
Als Ausweg sieht Sanders einen „echten Wandel“ in der Wirtschaft, der beispielsweise dazu führen müsse, dass Wirtschaftspolitik nicht mehr die Interessen der Börsen, sondern die der Arbeiter verfolge.
Die Antworten der Brexit-Befürworter und von Donald Trump hält Sanders dagegen für völlig falsch. „Wir brauchen keinen Wandel auf Grundlage von Demagogie, Bigotterie und Fremdenfeindlichkeit.“ …“ | Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-06/usa-bernie-sanders-brexit-aerger-donald-trump

MaryPoppinsky #3 (29.06.2016): “ … Thanks, Bernie!“

Horatio Caine #14 (29.06.2016): „… Eine Analyse die selbstverständlich von der Politik, großen Teilen der Wirtschaft und auch einigen Leitmedien nicht so gesehen wird und vor allem nicht so gesehen werden kann, da es das System für die Profiteure und deren Vasallen in Frage stellen würde. …“

Daniel Löw #15 (29.06.2016): “ … Und wen kümmert, was die Verlierer denken? …“

Guenni_1 #2.4S (29.06.2016) “ … Steuerparadise, massenhafte Wirtschaftssubventionen, sowie die Rettung der Banken und Versicherungen, sind auch untrügliche Anzeichen dafür, dass wir eine falsche Richtung eingeschlagen haben. Dazu kommt dann noch die Automatisierung und die Digitalisierung und schon sind noch mehr Arbeitsplätze nicht mehr vorhanden und noch mehr Leute, werden trotz modernster und produktivster Technik, vom Wohlstand abgeschnitten. Aber, wenn ich eine Portion Sarkasmus beifüge … die Leute sind alle selbst schuld, sie hätten ja auch stinkreich geborene werden können, denn zumindest bei denen geht es noch aufwärts. …“

insLot #5 (29.06.2016): “ … Sanders und Trump haben zumindest eine Gemeinsamkeit. Beide sind ein Ventil für mit der gegenwärtigen Entwicklung unzufriedene Bevölkerungsschichten. …“

Kakophonie #26.1 (29.06.2016) “ … Was lernt der Juncker daraus? Bei CETA ja nicht die Parlamente fragen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/jean-claude-juncker-will-ceta-an-nationalen-parlamenten-vorbeischleusen-a-1100444.html [Ausgerechnet auf dem Brexit-Gipfel erklärt EU-Kommissionschef Juncker, das umstrittene Handelsabkommen Ceta an den nationalen Parlamenten vorbeischleusen zu wollen. (29.06.2016)] …“

(30.06.2016): “ … Es reden zwar alle von Europa, aber was sie meinen, ist jeweils etwas ganz anderes. … Der Grüne Jürgen Trittin beschwört, Europa sei „der bessere Weg, um den globalen Herausforderungen“ zu begegnen. … [Aber] was den Menschen an Europa in Gestalt der EU, … missbehagt, darauf deutet an diesem Mittwoch ein Gerichtsurteil aus Luxemburg hin. Vor dem Kadi standen ein Journalist und zwei Informanten, welche die „Lux Leaks“-Affäre ausgelöst hatten, durch Dokumente der Wirtschaftsberatungsfirma PWC, die en detail darlegten, dank welcher Tricks und Deals mit internationalen Konzernen Luxemburg zum europäischen Steuerschlupfloch par excellence werden konnte. Jean-Claude Juncker, der Premierminister des Großherzogtums war, wusch seine Hände seinerzeit in Unschuld, so wie er es als Chef der EU-Kommission mit Blick auf die Abstimmung in Großbritannien jetzt abermals tut. Er wirkt dabei auch noch seltsam gut gelaunt, nach dem Motto: Mir kann keiner. Wenn eine solche Haltung für Europa steht, wenn sie europäische Politik kennzeichnet, darf sich niemand wundern, dass die Wähler das nur noch zum Weglaufen finden. …“ | http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-maischberger-europa-ist-wenn-juncker-lacht-14316179-p2.html? | >> http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/dass-die-lux-leaks-enthueller-vor-gericht-gelandet-sind-ist-ein-skandal-14315588.html | >> https://de.wikipedia.org/wiki/Luxemburg-Leaks

Johannes Richardt „Der Demokratieschock“ (29.06.2016): “ … Die Brexit-Befürworter seien zu dumm, zu alt, zu weiß, zu männlich, zu proletarisch, nicht urban, fremdenfeindlich, schlecht gebildet, sozial frustriert, ökonomisch abgehängt, lebten in der Vergangenheit. Loser eben, die den Rechtspopulisten auf den Leim gegangen sind und die man als moderner kosmopolitischer Europäer eigentlich nicht ernst nehmen muss – und mit denen man vor allem auch nichts zu tun haben will. Das Kommentariat war sich schnell einig, in welche Schublade man die angeblich so homogene Masse der Brexit-Befürworter zu stecken habe. Wie immer verraten solcherlei Vorurteile mehr über diejenigen, die sie mit sich herumtragen, als über die Realität. Diese ist facettenreicher. … Klar, nahezu alle Ukip-Wähler und eine deutlich Mehrheit der Tory-Wähler haben für den Brexit gestimmt. Aber eben auch 37 Prozent der Labour-Wähler, 30 Prozent der Liberalen, jeder Vierte Grünenwähler und sogar 36 Prozent der Wähler der Scottish National Party (Lord Ashcroft poll). Das überrascht nur auf den ersten Blick. Zwar hatte die „Leave“-Kampagne eine Übermacht der meisten Medienhäuser, von Vertretern multinationaler Konzerne und Banken, der NGO- und Stiftungsszene und nicht zuletzt der großen Mehrheit der etablierten Politik gegen sich. Dennoch wurde die Brexit-Kampagne nicht nur von Populisten wie Farage oder Opportunisten wie Johnson getragen, sondern von einem deutlich breiteren gesellschaftlichen Bündnis, das von linken Gewerkschaftsaktivisten über liberale Professoren bis hin zu Bürgerrechtlern reichte, also alle möglichen Menschen umfasste. Man sieht es auch beim Blick auf die Wahlkreisergebnisse.
Während die weiße Working-Class im nordirischen Industriezentrum Belfast oder im schottischen Glasgow für „Remain“ gestimmt haben (u.a. weil sie in der Tendenz entweder schottischen Separatisten oder irischen Nationalisten zuneigen), haben die Wähler im reichen Südosten und Südwesten mehrheitlich für den Brexit gestimmt. Selbst im Europa zugewandten London haben 40 Prozent für „Leave“ gestimmt.
Die Brexit-Befürworter sind zu gleichen Teilen Männer und Frauen. Die große Mehrheit der älteren Abstimmungsteilnehmer hat für „Leave“ gestimmt, die große Mehrheit der jüngeren für „Remain“. Viele Kommentatoren nahmen dies zum Anlass, der „Generation Rollator“ vorzuwerfen, sie hätte den Jungen aus irrationalen und egoistischen Motiven die Zukunft gestohlen. Kaum kritisch hinterfragt wurde die extrem niedrige Wahlbeteiligung bei den 18-24-jährigen – mit nur ca. einem Drittel so niedrig, wie in keiner Altersgruppe. Zum Vergleich: 80 Prozent der über 65-jährigen haben sich zur Verantwortung bekannt, über die Zukunft ihres Landes mitzubestimmen. …
Der technokratische und bürgerferne EU-Apparat hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum Instrument der Spaltung zwischen den Völkern und innerhalb der Gesellschaften entwickelt. Selbst große Befürworter der EU geben zu, dass die Entscheidungsprozesse auf europäischer Ebene keinen Bezug zu den Wählern in den Mitgliedsländern haben. Entscheidungen werden in Hinterzimmern ausgeklüngelt, statt in der Öffentlichkeit zur Debatte gestellt zu werden. Gerade auf europäischer Ebene wurde dieser Politikstil im Laufe der letzten Jahre perfektioniert: Macht ohne Kontrolle, Verantwortung ohne Rechenschaftspflicht, Entscheidungen ohne Souverän. …
Es ist eine traurige Ironie der Brexit-Debatte, dass gerade viele linke und liberale Kommentatoren in den Medien und vor allem in den Sozialen Medien, denen die Missstände in der EU nicht selten sehr bewusst sind, bei ihrer Geringschätzung jener angeblich so unaufgeklärten Massen, die den Brexit ermöglich hätten, plötzlich so einig sind. Frappierend ähnlich sind die Vorurteile von Linken und Liberalen, die doch sonst kaum eine Gelegenheit auslassen, sich gegenseitig schlechte Absichten zu unterstellen und sich wahlweise als „Sozialisten“ oder „Neoliberale“ zu diskreditieren.
Der Dissens scheint hier vor allem in der Frage zu liegen, welche „aufgeklärte“ Clique möglichst unbehelligt von den Zumutungen des dummen Volkes das Sagen haben soll. Nur: Was sollen das für „Eliten“ sein, die für sich in Anspruch nehmen, es besser zu wissen, aber gleichzeitig einer argumentativen Auseinandersetzung mit denjenigen, über die sie bestimmen wollen, aus dem Weg gehen, wo sie nur können? …
Sollte der im Brexit-Votum ausgedrückte Wille des britischen Volkes nicht umgesetzt werden, würde dies einen weiteren schweren Rückschlag für die Demokratie auf dem Kontinent bedeuten. Es wäre eine erneute Botschaft an die einfachen Menschen, dass sie sich aus der Politik gefälligst herauszuhalten haben, weil sie zu blöd, fremdenfeindlich oder affektgetrieben oder was auch immer sind. Nachdem die Brexit-Abstimmung entschieden ist, beginnt nun die viel wichtigere Schlacht um die Demokratie. Jeder Demokrat – unabhängig von seiner Meinung zum Brexit – sollte hier klar Stellung beziehen. …“
Quelle: https://www.novo-argumente.com/artikel/der_demokratieschock

„Britain’s strange white-on-white bigotry“ by Joey deVilla on June 29, 2016
If I told you that the largest immigrant group in the UK were the targets of the wrath of triumphant British nationalists in the days after Brexit, you wouldn’t be surprised. … http://www.joeydevilla.com/2016/06/29/britains-strange-white-on-white-bigotry/

Andrew Molyneux June 29, 2016 at 8:02 pm: “ … On behalf of my fellow Brits, I’d like to apologise for the unseemly and undignified events of recent days. I assure you that normal service will be resumed once we’ve had a nice cup of tea and a lie down, and launched those xenophobic twatbadgers into the sun. …“

Joey deVilla June 29, 2016 at 9:49 pm: “ …It’s not all that different here in the U.S. — every place has its bigots — it’s just that white-on-white bigotry is a little unusual for us. …“

lemonhorse / 29 Juni 2016 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

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