[Zum Wahn der Liebe #78 … ]

“ … Das Grübeln über Natur und Wesen des Menschen sowie die engeren und weiteren Bedingungen seines Menschseins hat viele Antworten hervorgebracht. Letztlich aber laufen alle Versuche zur Bestimmung der conditio humana auf etwas hinaus, das der Bayerische Volkssänger Weiß Ferdl in einem Stoßseufzer so zusammenfasst: „I woaß net wia ma is!“
Rund 2.000 Jahre früher ist sein römischer Kollege Catull von ähnlichen Problemen geplagt: „Ich hasse und liebe zugleich“, beginnt er eines seiner berühmtesten Gedichte. … Ambivalenzerfahrungen sind ein natürlicher Teil unserer psychischen Realität. Und es gibt gute Gründe, ihnen ein dauerhaftes Bleiberecht einzuräumen. …“ | Quelle: „Das innere Hin und Her“ Simon Demmelhuber (31.01.2018), https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/psychologie/ambivalenz-konflikt-100.html

“ … Im Begehren kann der Freundschaftskeim enthalten sein, aus Kameradschaft wird Zärtlichkeit; aber im allgemeinen scheint es mir ratsam, zwischen Eros und Sympathie, zwischen geschlechtlich-emotioneller Attraktion und moralisch-intellektueller Affinität sauber zu unterscheiden. …“ | Klaus Mann (1906-1949) – Der Wendepunkt. 1. Auflage. Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag, 1974. S. 400

lemon / 17 Oktober 2019 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Im Spiegel #12… ]

On June 8, 1963, the Illustrated London News ran the following story
about an exhibition at the gorilla house at The Bronx Zoo in New York City.

The exhibit told visitors: “You are looking at the most dangerous animal in the world. It alone of all the animals that ever lived can exterminate (and has) entire species of animals. Now it has the power to wipe out all life on earth.” / via

lemon / 16 Oktober 2019 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #35… ]

Caravaggios „David mit dem Haupt des Goliaths“ (~1607).
Der Maler soll sich im enthaupteten Riesen selbst porträtiert haben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Michelangelo_Merisi_da_Caravaggio

“ … Entdeckung der Gefühle. Regungen wie Schmerz, Erstaunen, Entsetzen oder Leidenschaft gliedern auch die Schau. … Unbestritten pflegt Caravaggio einen nachlässigen Lebensstil, trinkt, rauft, treibt sich im Prostituiertenviertel herum, wo er Modelle akquiriert. Eine Jungfrau nach dem Vorbild so einer? Auftraggeber wollen trotzdem mehr davon – denn die Gegenreformation in der Papststadt setzt auf Gefühle, um Gläubige von der Lehre zu überzeugen, und Gefühle erregt Caravaggio mit seinen Bildern wie kein Zweiter. …“ | Aus: „Caravaggio und Bernini im KHM: Huren als Heilige und Beten mit schmutzigen Füßen“ Michael Wurmitzer (15. Oktober 2019), https://www.derstandard.at/story/2000109885888/caravaggio-und-bernini-im-khm-beten-mit-schmutzigen-fuessen

Steverino (10/2019): “ … Geiles, affektiertes Zeugs! …“

Ein österreichischer Europäer (10/2019): “ … Seltsam ist nur, dass auf Twitter noch keine Aufregung herrscht und nicht die sofortige Schließung der Ausstellung gefordert wird. Immerhin war Caravaggio ein verurteilter Mörder. In ähnlichen Fällen heißt es nicht selten in den sozialen Medien: Man könne so einem Künstler doch kein Forum bieten, was sei schon seine Kunst angesichts seiner moralischen Verfehlungen, sein Werk sei „problematisch“ und „verherrlicht Gewalt“, außerdem sei das schon wieder „ein alter weißer Mann“ usw. Es ist wirklich interessant, ab welchem zeitlichen Abstand das Werk eines Künstlers seriös gewürdigt werden kann und nicht auf biografische/persönliche Details reduziert wird sowie die üblichen Polemiker vom Dienst nichts von sich hören lassen. …“

lemon / 16 Oktober 2019 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Mythen meiner Kindheit #10… ]

„Mein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale.“

“ … Monty Python waren die psychedelische Revolution in der Geschichte der Komik. … Dieser realitätsaufweichende Impuls indes war nicht etwa drogeninduziert, sondern reines Kalkül. … “
Frank Schäfer (06.10.2004)

„… Am Sonntag, 5. Oktober 1969, zeigte die BBC im Abendprogramm die erste Episode einer Unterhaltungsserie, die das Comedy-Genre für immer verändern sollte: „Monty Python’s Flying Circus“ … Anders als konventionelle Komiker verzichteten die Pythons auf die obligatorische Pointe am Schluss und verknüpften die einzelnen Elemente mit surrealen Animationen und satirischen Songs zu einer Art absurden Bewusstseinsstrom. …“ | Aus: „Very British: Die Kultshow „Monty Python’s Flying Circus“ wird 50″ Uli Hesse (05.10.2019) | Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Very-British-Die-Kultshow-Monty-Python-s-Flying-Circus-wird-50-4542653.html

lemon / 5 Oktober 2019 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Zeit im Bild #33 … ]

The CBS Tribute to Duke Ellington, 1974
Broadcast on the day that the Duke died, featuring concert footage and interview with colleagues and band members such as Ella Fitgerald, Sony Greer, Russell Procope, Billy Taylor and Stanley Dance, this is a newly digitised tape.

Forgive the silly John Wayne clip and the sillier ads popping up which are good reminders of the crude world in which Ellington was creating his sophisticated and inimitable art.

via https://ehsankhoshbakht.blogspot.com/2019/03/the-cbs-tribute-to-duke-ellington-1974.html

lemon / 1 Oktober 2019 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #33… ]

Jamieson Webster (August 21, 2019): “ … The French psychoanalyst Jacques Lacan drove a Citroën DS. What else? This car, Barthes tells us, was a truly magical object, a perfect fetish, the essence of freedom, movement, and power. … Lacan’s son-in-law, Jacques-Alain Miller, wrote a biographical text on Lacan and speaks about his intolerance of red lights, how he ran them all the time. Even when Lacan was merely a passenger, if you refused to run a red light, he would get out of the car, walk through the crossing, and have you pick him up on the other side. Apparently, this behavior was a source of great anxiety for his daughter, who had to devise ways to avoid stopping when driving.  Lacan himself drove fast. Once, he took Martin Heidegger and his wife, Elfride, on a day trip to Chartres to visit the cathedral. Though Heidegger was a hero of his, Lacan continued to drive at his characteristic high speed despite Elfride’s frantic protestations. As the story goes, Lacan was completely silent on the long drive back as he pressed harder and harder on the gas pedal. …“ | https://www.nybooks.com/daily/2019/08/21/riding-in-cars-with-jacques-lacan/

lemon / 29 August 2019 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #77 … ]

Ein Telefon – Aus: „7 invenções do passado que estavam muito além de seu tempo“ | [7 vergangene Erfindungen, die weit über Ihre Zeit hinausgingen] ( 03/05/2017)

“ …. „Zum einen gilt es, mediale Maschinerien als Spiegelungen von Bedürfnissen, Antrieben und Phantasmen einer Menschheit zu verstehen, die nicht zuletzt in Gestalt der techné praktische Anthropologie betreibt, zum anderen aber ist danach zu fragen, wie diese mediale techné die Befindlichkeit des Menschen verändert, variiert und modifiziert, die sich nicht einfach statisch zwischen Mensch und Welt stellt, sondern indem sie letztere erst in der uns heute geläufigen Form konstituiert, auch jene Momente des Inszenatorischen und Imaginären ins Blickfeld rückt.“ …“ Quelle: Hans Ulrich Reck: Inszenierte Imagination. Beiträge zu einer historischen Anthropologie der Medien. Hrsg.: Wolfgang Müller-Funk, Hans Ulrich Reck. Springer, Wien/New York 1996, S. 1. | https://de.wikipedia.org/wiki/Techne (1. Mai 2019)

Rainer Funke „Die Erotik des Design“ (2006): “ … Als Sehnsucht nach Vollkommenheit ist Eros auch der gefühlte Hinweis auf die Leerstellen in der eigenen Existenz, die eigene Unvollkommenheit und Quelle für Vorstellungen der eigenen Idealität. So, wie dem geteilten Menschen die andere Hälfte fehlt und er im Streben nach der Vereinigung mit der anderen Hälfte seine Vorstellung von dem eigenen idealen Dasein versucht zu realisieren, so sind wir auch in ständiger Bemühung, die Leerstellen unseres physischen, sozialen und seelischen Daseins im Wechselspiel zwischen Hingabe und Penetration mit Prothesen aufzufüllen. Die Lust, die bei der Begegnung mit einer viel versprechenden Prothese, sei es der neue MP3-Player, das neue Computerspiel, die neue Version von Photoshop, oder das neue Interieur einer Bar, erfahren wird, ist durchaus mit der Lust im engeren erotischen Sinne zu vergleichen. Auf dem Weg zum Ideal wird die Erweiterung des Ich durch Verschmelzung erfahren. … Design liefert die Oberflächen, also die Anreize, Wahrnehmung unter Rückgriff auf Vorstellungen idealen Daseins zu konstruieren. Indem Design Formen kreiert, die Lust wecken, schafft es Wahrnehmungs-, Projektions- und Reflexionsanlässe, die mehr oder weniger dazu geeignet sind, dass die Nutzer mit sich selbst oder mit anderen Menschen bzw. auch mit Gruppen von Menschen in Bezug auf den Horizont verfügbarer Ideale kommunizieren. …“ | http://www.applaus-potsdam.de/2006/de/event/program.html

lemon / 27 August 2019 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #32… ]

Elmer Booth as the Snapper Kid | The Musketeers of Pig Alley (1912)

Susan Vahabzadeh (15. März 2018):“ … Die Realität imitiert manchmal die Fiktion. Das kann man beobachten, seit es reproduzierte Bilder gibt. Mit „The Musketeers of Pig Alley“ setzte D. W. Griffith 1912 die Maßstäbe fürs Gangsterfilm-Genre. Gedreht hat Griffith in der Gegend um New York, in der der damals 13-jährige spätere Super-Gangster Al Capone aufwuchs. Und der hat den Film sicher gesehen, denn er hat sich später so gekleidet wie die Filmfigur Snapper Kid: eleganter Anzug, schräg aufgesetzter Hut. … Seither scheint die falsche Mafia der echten als Vorlage zu dienen dafür, wie sie sich darstellte. Roberto Saviano beschreibt in „Gomorrah“, wie sich in Italien genau jene Ästhetik breit machte, die Francis Ford Coppola 1972 den New Yorker Mobstern in der Verfilmung von Mario Puzos Roman „Der Pate“ verpasst hatte. Unter anderem schwappte der Begriff des „padrino“ von der Leinwand in die Wirklichkeit hinunter. Und der Mafia-Boss Luciano Leggio begann, sich nach seiner Verhaftung, öffentlich so zu präsentieren, als werde er gerade von Marlon Brando verkörpert, vom feinen Zwirn bis zur Zigarre. … Der ehemalige Marine Anthony Swofford berichtet in seinem Buch „Jarhead“ davon, dass sich im Golfkrieg die Soldaten Filme wie „Apocalypse Now!“ oder „Full Metal Jacket“angeschaut hätten, um sich in Kriegsstimmung zu versetzen. Das sind Filme, deren Schöpfer eigentlich etwas anderes im Sinn hatten, die genau die gegenteilige Emotion erzeugen wollten: Abscheu. Und doch, sagt Swofford, sei das „unsere Art zu feiern gewesen, was auf uns zukommt“. … Die hoffnungslose Stimmung des Vietnamkriegs empfand Swofford als passend. …“ | https://www.sueddeutsche.de/kultur/kino-politik-sind-die-agenten-zu-oft-ins-kino-gegangen-1.3907275-0

Interview: Dominik Kamalzadeh (26. August 2019): “ … Roberto Saviano: … die Mafia [imitiert] das Kino, um ein klares Signal an die Öffentlichkeit auszusenden, leichter verstehbar zu sein. Ein Boss namens Walter Schiavone hat seine Villa als exakte Replika jener von Tony Montana in Scarface bauen lassen. Er wollte damit unterstreichen, dass er alles dominiert und ihm niemand den Platz streitig machen kann. Bernardo „Zu Binnu“ Provenzano hatte jedes Jahr ein Kino gemietet, um sich die Paten-Trilogie anzuschauen. …“ | https://www.derstandard.at/story/2000107778447/roberto-saviano-salvini-ist-eine-gefahr-fuer-europa

lemon / 27 August 2019 / Cinema.Exposure, Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #31… ]

Medicom Johnny Rotten Sex Pistols Figure | via
// https://de.wikipedia.org/wiki/John_Lydon

“ … Es gibt in der fiktionalen Literatur erfundene Gestalten wie etwa Don Quijote im gleichnamigen Roman von Cervantes. Diese zeichnet aus, dass es sie gemäß verlässlicher Quellen nie gegeben hat. Anders verhält es sich etwa mit Napoleon in Die Elenden von Victor Hugo. Der Napoleon des Romans entspricht in seiner Biografie, seinem äußeren Erscheinen und seinen Taten dem realen Napoleon, dessen Geschichte durch Quellen hinreichend bezeugt ist. Es kann sein, dass nicht erfundene Gestalten in fiktionalen Darstellungen erfundene Taten begehen. Da sich die Identität von realer und fiktiver Person erst aus dem gleichen oder ähnlichen Lebenslauf erschließen lässt, stellt diese Situation einen recht komplizierten Fall dar – der allerdings keineswegs selten ist. … Oft werden alltagssprachlich „Realität“ und „Fiktion“ als Gegensatzpaar benutzt. Diese Ausdrucksweise charakterisiert das Verhältnis von fiktiver und realer Welt nur unzureichend, weil sie die vielfältigen gegenseitigen Abhängigkeiten übergeht. Bei der Bestimmung dessen, was Realität ist, gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen. … Seit jeher ist das besondere Verhältnis von Fiktion und Wahrheit von Interesse. Wie man das Verhältnis begreift, hängt vom zugrunde liegenden Wahrheitsbegriff ab, der seinerseits wiederum davon abhängen kann, was man unter Kunst versteht. … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Fiktion (17. Juli 2019)

lemon / 26 August 2019 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #30… ]

Ariadne von Schirach (07.05.2019): “ … Die Idee, alles könne völlig aufgeräumt sein, ist eine wohltuende Fiktion. Wie ein gut gepackter Weekender, sehr instagramable. Nichts stört und man stört sich auch selber nicht. Ich habe auch solche Fantasien. Aber die Realität ist immer ein bisschen anders. … Wir brauchen keine neue Welt, sondern ein neues Bewusstsein der Welt. … Die poetische Revolution fordert den Einzelnen auf, seine Haltung zu den Dingen zu ändern. Sie beschreibt den Moment, wo ich aus dem Wetter da draußen mein Wetter mache. Oder aus einem Menschen, den ich nicht kenne, jemanden, den ich mag. Wenn die Ökonomisierung die Alchemie der Entfremdung ist, ist das Poetische eine Alchemie der Aneignung. …“ | https://taz.de/Ariadne-von-Schirach-ueber-Gesellschaft/!5589389/ | https://de.wikipedia.org/wiki/Ariadne_von_Schirach

lemon / 15 August 2019 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

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