[Von des Tanzes Wahnsinnwogen #5… ]

The Third Man (1949)


Harry Lime und die Katze (15.06.2003): “ … Carol Reed: «Mir hat einfach die Idee gefallen, ‹Katze liebt das Böse›», sagte der Regisseur. … Im Dunkel eines leeren Hauseingangs schmust sie um ein Paar feine englische Massschuhe, spielt mit den Schnürsenkeln und schaut hinauf so, wie nur Katzen schauen. Im Licht erscheint plötzlich und überwältigend zart das Gesicht von Harry Lime. Der Mann ist ein zynischer Verbrecher, verantwortlich für den Tod von vielen, weil er verwässertes Penicillin verschiebt. Auch seine Freundin ist ihm egal. Er wird gejagt, die Katze liebt ihn … Ihre verräterische Liebe zu Harry Lime und seinen Schuhen war (vermutlich abwechselnd) erkauft mit: Sardinenöl, Garnelenpaste, Honig und Baldrian (in Überdosis). Ein spezielles Kamerateam war für die Schlüsselszene verantwortlich. Film ist Fälschung und Knochenarbeit. Die Bilder im Gedächtnis selber bleiben unantastbar. … (Brigitte Timmermann/Frederick Baker: Der dritte Mann. Auf den Spuren eines Filmklassikers. Czernin- Verlag, Wien 2002, 287 Seiten)“ | https://www.nzz.ch/article8WVI7-1.264984

“ … Musil selbst macht im Mann ohne Eigenschaften eine „konstruktive Ironie“ zum Programm: „Ironie ist: einen Klerikalen so darzustellen, daß neben ihm auch ein Bolschewik getroffen ist. Einen Trottel so darstellen, daß der Autor plötzlich fühlt: das bin ich ja zum Teil selbst. Diese Art Ironie – die konstruktive Ironie – ist im heutigen Deutschland ziemlich unbekannt. Es ist der Zusammenhang der Dinge, aus dem sie nackt hervorgeht.“ …“ | Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Mann_ohne_Eigenschaften (Juli 2020)

life_is_short #8 (2020): “ … „50 Prozent der Erwachsenen in Deutschland besitzen rund 1,4 Prozent des Gesamtvermögens“ — Immer noch 1,4 Prozent zuviel…“

MadMarvin #8.1 (2020): “ … „Immer noch 1,4 Prozent zuviel…“ Genau, was bilden die Sklaven sich ein? …“

Miss Morality #33: “ … „Die Vermögen sind ungleicher verteilt als gedacht.“ Das Unvermögen auch. …“

Pavlos Mavlos #31.1: “ … Sobald man Erfolg hat, wird man schlecht angesehen. Echt krank … „

Aus Kommentaren zu: https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-07/vermoegensverteilung-deutschland-diw-studie-ungleichheit

chinamen (16. Jul, 11:52): “ … Das ist in der Tat ein merkwürdiges Phänomen, dass in Deutschland die Wähler diejenigen belohnen die sie regelmaessig in den Hintern treten. Dieses masochistische Volks-verhalten ist aber Teil der deutschen Tradition. Auch schon gut zu beobachten nach 1871, als das neu geschaffene Deutsche Reich sich mit so einer Wollust dem uniformierten, militarisierten und schikanösen Vertretern des Kaiserreiches unterwarf. Es brauchte schon eines Weltkrieges um diese Kaiserhoerigkeit zu beenden. Nun ja, wir wissen alle dass es dann ab 1933 weiterging und es wieder eines Weltkrieges bedurfte um die nächste Obrigkeit zu beenden.
Also verglichen damit, läuft es an für sich doch sehr gut. Es geht doch nur um Geld und der Arme wird sowieso im Himmelreich belohnt wie unsere christlichen Parteien es versprechen. …“ | Kommentar zu: https://taz.de/Ungleichheit-bei-Vermoegen-in-Deutschland/!5695967/

“ … Was Elton und seine Kollegen ihrem ehemaligen Chef und dem Besitzer der Mine, Samir Mane, vorwerfen: Statt in Sicherheitsstandards zu investieren, würde er den Profit maximieren. Laut der neuen Gewerkschaft Sindikata e Minatorëve të Bashkuar të Bulqizës, die Elton mitgegründet hat, kam es in den vergangenen sieben Jahren zu unzähligen Unfällen. Acht Arbeiter seien gestorben, weil sie unter einem instabilen Stollen verschüttet worden seien. … Samir Mane gehört nicht nur die größte Mine des Landes, er besitzt auch Einkaufszentren, Banken, Luxusresorts, private Universitäten. Für ihn arbeiten mehr als 5000 Menschen. Sein geschätztes Vermögen liegt bei 1,2 Milliarden Euro. … “ | https://www.zeit.de/campus/2020/04/arbeitnehmerrecht-albanien-unterbezahlung-studierende-mindestlohn-ausbeutung/komplettansicht

gerliman #4 : “ … Der Mindestlohn in Albanien liegt bei 210 Euro. Es wird also wohl nichts Unrechtes gemacht dort. …“

Pinkman (03.08.2020) “ … wer noch nie 1,2 Mille kurz vor Mitternacht überwiesen hat, werfe den ersten Stein. …“ | zu: https://www.derstandard.at/story/2000119123591/land-burgenland-dementiert-geldabhebung-bei-commerzialbank-vor-schliessung

Dieter Thomä (Juli 2020): “ … 1,9 Milliarden Euro sind irgendwie verschwunden oder waren nie da. … Die Figuren, die in dieser Geschichte auftreten, sind Typen, die an Klischees entlangschrammen. Ein Chief Executive Officer, der als „Mann wie ein Algorithmus“ (Spiegel) wirkt und nebenbei Martin Heidegger oder Hannah Arendt zitiert. Ein Chief Operating Officer, den seine Mutter einen „präpotenten Zampano“ nennt und der sich angeblich gern Sushi auf nackten Frauenkörpern servieren lässt. Ein Unternehmensberater, der von seinem Amt als Bundesminister wegen eines erschlichenen Doktortitels zurücktreten musste. Ein Staatssekretär, der vor seinem Amtsantritt eine Führungsposition in einer großen Investmentbank innehatte. Eine leitende Mitarbeiterin der Wertpapieraufsicht, die zuvor an Cum-Ex-Geschäften einer Bank mitwirkte. Ein Chef einer Aufsichtsbehörde, dessen Hauptbeschäftigung darin zu bestehen scheint, sich für nicht zuständig zu erklären. … Derzeit gilt in diesem Bereich immer noch das „Prinzip der Arbeitsteilung“, das Robert Musil in seinem Roman Der Mann ohne Eigenschaften auf unübertreffliche Weise beschrieben hat. Unser „ganzes Zeitalter“, so heißt es dort, „betet den Geist des Geldes an“ und „beklagt das zugleich“. In dieser gespaltenen Gesellschaft gibt es dann auf der einen Seite diejenigen, die ihre wirtschaftliche Tätigkeit „über Kontinente“ ausbreiten und für ein „großes Geschäft“ auch die „gerissensten“ ihrer Konkurrenten reinlegen. Auf der anderen Seite stehen Politiker, „welche das ihnen wesensfremde, aber wichtige Gebiet der Wirtschaft mit der Vorsicht von Männern behandeln, die einen nicht ganz verlässlichen Elefanten zu pflegen haben“. … Diejenigen, die – wie Musil dies nannte – vom „Geist des Geldes“ besessen und von der „Ichsucht“ ergriffen sind, müssen eine Art Entziehungskur machen. Das klingt mühsam und schmerzhaft, ist es aber gar nicht. Denn die Gier nach Geld ist eine selten einfallslose und öde Angelegenheit. „Die Freude am Geldbesitz“, so meinte Georg Simmel, „gleicht der Freude am Siege, die bei manchen Naturen so stark ist, dass sie gar nicht danach fragen, was sie denn eigentlich durch den Sieg gewinnen.“ Die Gier nach Geld basiert also auf einer Verwechslung, bei der man ein Mittel für den Zweck selbst hält und am Ende ziellos durchs Leben irrt. Bei Arthur Schopenhauer heißt es: „Das Geld ist die menschliche Glückseligkeit in abstracto; daher, wer nicht mehr fähig ist, sie in concreto zu genießen, sein ganzes Herz an dieselbe hängt.“ … “ | https://www.zeit.de/2020/32/wirecard-betrug-bilanzskandal-finanzbranche-geld/komplettansicht

sonstwer #24: “ … Bevor man das Problem wieder bis zu Unkenntlichkeit banalisiert und auf „die Gier“ als allgemeine, menschliche Schwäche verweist, gegen die man leider, leider nix tun kann: Es gibt durchaus Menschen, die ihre Prioritäten anders setzen, die ihre Gier im Griff haben und sich auch mit weniger Zufriedenheit geben. Nur bewegen sie sich nicht in diesem Umfeld und werden nicht als „Alpha-Tiere“ ideologisch verklärt. …“

R4mbo #40: “ … Jedenfalls kann es den Problemkindern ganz recht sein wenn wir uns in philosophischen Gedanken verlieren. …“

Wolfgang Michal (03.08.2020): “ … Hinweise gab es viele. Bereits 2008 hatte Markus Straub, der Vizevorsitzende der „Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger“, behauptet, die Firma frisiere ihre Bilanzen. Wirecard schlug zurück und verklagte ihn. 2015 erschien in der Financial Times (FT) die Enthüllungsserie des Investigativreporters Dan McCrum unter dem Titel „House of Wirecard“. McCrum wurde dafür angefeindet. 2016 stellte der Finanzanalyst Matthew Earl seinen 100 Seiten umfassenden „Zatarra-Report“ ins Netz, anonym, weil er Wirecards Rache fürchtete. 2018 präsentierte der Ex-Fortune-Journalist Roderick Boyd seine Recherchen, und 2019 gelangte der interne Bericht der Singapurer Kanzlei Rajah & Tann über die allzu krummen Asien-Geschäfte zur Financial Times. Doch getreu dem Motto „Haltet den Dieb!“ überzog Wirecard sämtliche Kritiker mit dem Vorwurf der „Marktmanipulation“ und forderte Schadenersatz. Die „Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht“ (BaFin) glaubte der Firma und stellte Strafanzeige. Journalisten, so die gemeinsame Lesart, hätten sich mit Hedgefonds verschworen, um auf Wirecards Absturz zu wetten. Auch deutsche Wirtschaftsjournalisten glaubten das. Der tapfere Wirecard-Chef, schrieben sie, befinde sich „im Auge des Orkans“ (Der Spiegel) oder „im Zentrum des Sturms“ (Wirtschaftswoche). Nun gelte es, „mit stahlharten Nerven“ gegen die „haltlosen Vorwürfe“ und „aggressiven Attacken“ von „Bloggern“ und „Spekulanten“ vorzugehen. …“ | https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/keingroschenoper

lemon / 3 August 2020 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[RWF #6… ]

Ulrich Behrens: “ … Niklashauser Fart – Deutschland 1970, 90 Minuten (DVD: 86 Minuten), Regie: Rainer Werner Fassbinder … Die Geschichte, an die Fassbinder in einem seiner weniger bekannten Filme 1970 anknüpfte, hatte sich tatsächlich im Jahr 1476 im fränkischen Niklashausen ereignet. Der Pauker Hans Böhm verbrannte am 24. März dieses Jahres seine Pauke und verkündete den Bauern, ihm sei Maria erschienen und habe ihn aufgefordert, zum Volk zu sprechen. Schon bald werden aus den ursprünglich christlichen Ansprachen Böhms sozialrevolutionäre Forderungen, d.h. er will die Abschaffung der reichen Stände und ihrer Privilegien, er will gleichen Lohn für gleiche Arbeit und die Schaffung von Gemeineigentum der Bauern. Doch zwischen der Mentalität der Bauern und der Böhms klafften Welten. Denn die Bauern konnten sich eine Veränderung ihrer Situation ausschließlich durch ein Wunder vorstellen, nicht aber durch eigenes Handeln. In Böhm sahen sie keinen Revolutionär, sondern eine Art Messias. Böhm konnte diese Kluft nicht schließen. Und als er schließlich von der Obrigkeit festgenommen und am 15.7.1476 in Würzburg öffentlich verbrannt wurde, standen die Bauern untätig und apathisch beiseite. … Die Selbstzweifel über den eigenen Film kamen schon bald. Man sei sich schon bald nicht mehr über alles an dem Film sicher gewesen, und man denke darüber nach, warum man den Film gemacht habe: „… weil es ein Film über unsere eigene Situation ist.” … So sind denn auch die Schauspieler im Film kaum mehr als Statisten, Repräsentanten von Überzeugungen, aber kaum wirklich fühlende Menschen. Sie stehen für etwas, kaum für sich selbst – außer Fassbinder selbst als schwarzer Mönch. Man könnte fast sagen: „Niklashauser Fart” ist eine komplizierte Selbstdarstellung des Regisseurs und seiner Probleme innerhalb der Linken der damaligen Zeit. … Heute ist „Niklashauser Fart” „nur” noch eine Art Zeitdokument, ein Teil der Selbstdarstellung eines Teils der damaligen Linken, die sich in wenigen Jahren zersplitterte, verschwand, in Terrorismus ergoss oder den Marsch durch die Institutionen wagte, aus dem am Ende u.a. „Die Grünen” hervorgingen. Auf das Werk Fassbinders bezogen allerdings steht der Film in einem homogenen Kontinuum und ist daher zu Unrecht mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. …“ | https://www.follow-me-now.de/html/body_niklashauser_fart.html

lemon / 31 Juli 2020 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

lemon / 28 Juli 2020 / Akustische.Wellen, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #47… ]

Bild via https://intuitiveencyclopedia.wordpress.com/2015/11/22/part-xlviii-phantasmagoria-walter-benjamin-passagenwerk/


“ … Wenn man davon ausgeht, daß »jede Wahrheit ihr Haus, ihren angestammten Palast, in der Sprache hat« (GB II, 409), dann kommt der Terminologie eine entscheidende Bedeutung zu. Der terminus (lat. für ›Grenzstein‹) markiert eine Grenze, die dem Denken einen Spielraum erschließt, es dadurch ermöglicht. …“ | Aus: „WALTER BENJAMINS KONZEPT DES EINGEDENKENS“ – Über Genese, Stellung und Bedeutung eines ungebräuchlichen Begriffs in Benjamins Schriften – vorgelegt von STEFANO MARCHESONI geb. in Rovereto (Italien) – Fakultät I: Geisteswissenschaften der Technischen Universität Berlin (Berlin, 2015) | https://d-nb.info/1076082211/34

“ … Der Fetisch drückt in nahezu exemplarischer Weise eine Sehnsucht nach Unmittelbarkeit aus. Indem ein Subjekt einem Objekt Kräfte zuschreibt, verkörpert das Objekt Glauben, Normen und Werte des Subjekts und bringt es in die Position des Fetischisten. Plötzlich scheinen Dinge auch etwas mit Menschen zu tun zu haben und nicht nur Menschen mit ihnen. … Die Phantasmagorie gilt heute als romantische Leitmetapher, um das neue Lebensgefühl des 19. Jahrhunderts anschaulich zu machen. Der Terminus tauchte gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Paris auf und ging auf eine damals neue Technologie zurück: Mit ihm wurden die neuartigen Darbietungen der ›Laterna magica‹ benannt. Die technische Apparatur wurde nun vor dem Publikum versteckt, und mit Hilfe von Spiegeln, Musik, Rauch, Elektrizität, Stimmenprojektion und anderen theatralischen Mitteln stellte man spukartige Effekte her. Die so produzierten Trugbilder erlangten schnell große Popularität, und die Zauberlaterne avancierte zum Massenmedium des 19. Jahrhunderts. … Das Phänomen der Phantasmagorie eröffnet eine Perspektive, die es erlaubt, sich mit den sozialen und affektiven, historischen und materiellen, ästhetischen und technischen Aspekten der Wirklichkeit auseinanderzusetzen, ohne auf den Fetisch zurückzugreifen. … Die Dinge üben einen Zauber auf die menschliche Wahrnehmung aus. … Die Phantasmagorie kann auch als kritisches Werkzeug dienen. Sie enthält sowohl ein verzauberndes wie ein entmystifizierendes und aufklärendes Element. Es ist gerade dieser doppelte Charakter, der die Phantasmagorie nicht nur zu einem modernen und profanen, sondern auch zu einem kritischen Begriff macht. In der Moderne kann sie eine Alternative zum magischen Fetisch bieten. …“ | Aus: „Christine Blättler, »Phantasmagorie statt Fetisch: Zur modernen Signatur der Dinge«, in Phantasmata: Techniken des Unheimlichen, hg.v. Martin Doll, Rupert Gaderer, Fabio Camilletti und Jan Niklas Howe, Cultural Inquiry, 3 (Wien: Turia + Kant, 2011), S. 259–74 | https://www.ici-berlin.org/oa/ci-03/blaettler_phantasmagorie-statt-fetisch.pdf

lemon / 27 Juli 2020 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Schatten #14… ]

via ‚The Third Man‘ (1949): behind the scenes of the film noir masterpiece (in pictures) | https://www.theguardian.com/film/gallery/2019/sep/05/the-third-man-behind-the-scenes-film-noir-in-pictures

Ian Thomson (2019): “ … Carol Reed was courageous enough to give the film a determinedly unhappy ending, which even the pessimistic Greene was reluctant to endorse. Reed stuck to his conviction that Anna would not have any cause to love the man who had just betrayed and shot dead her lover. Wonderfully, at the conclusion she walks past Martins as he waits for her in the cemetery after Lime’s burial, not even pausing to acknowledge him. A writer of religious doubt rather than of religious certainty, Greene had found in Catholicism a sense of melodrama — an atmosphere of good and evil — that served him well for a film shadowed by the atom bomb and the brutality of Stalin’s technocratic Russia. Seven decades on, The Third Man remains a near-perfect work that continues to speak to our troubled times. …“ | https://www.ft.com/content/5cce6602-bf76-11e9-9381-78bab8a70848

Fritz Göttler (04.03.2020): “ … [die] Musik, [ ] so schrieb es einmal die Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch, [die] „ebenso stupid wie bösartig animiert wirkt. In ihrer ohrwurmhaften Monotonie kennt sie vor allem das An- und Abschwellen. Sie verfolgt die Handlung und deren Personal auf eigenständige und perfide Art. Im Gegensatz zu den vielen Verstellungen besitzt sie die irreale Rachsucht einer Stimme aus dem Nirgendwo, die immer schon da war. Man könnte sagen, dass diese Zither-Musik einen grotesk verdrehten Plan ausführt: Statt aus der Unterwelt orphisch zu befreien, führt sie direkt in sie hinein.“ …“ | https://www.sueddeutsche.de/kultur/der-dritte-mann-der-oligarch-und-das-penicillin-1.4829285

// Das Harry-Lime-Thema (engl. The Third Man Theme)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Harry-Lime-Thema
// https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Krasker
// https://de.wikipedia.org/wiki/Der_dritte_Mann
// https://monovisions.com/the-third-man-1949-vintage-classic-film-photos/

lemon / 27 Juli 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Im Hinblick aus dem Fenster #7… ]

Photo: Virgilio Carnisio (Corso di Porta Ticinese – Milano, 1969)

“ … Sein Leben verbrachte [der Mailänder Fotograf Virgilio Carnisio] damit, durch die Straßen seiner Stadt zu gehen und sie zurückzuverfolgen, um Orte und Lebensstile zu dokumentieren, die vom Aussterben bedroht sind: die Innenhöfe und das Leben des „Geländers“, die alten Tavernen, die noch schiffbaren Schiffe, die Vororte …“ | http://www.ilpostodelbello.it/2013/05/22/cera-una-volta-milano-intervista-a-virgilio-carnisio/ (by Il posto del bello)

lemon / 27 Juli 2020 / Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemon / 27 Juli 2020 / Found.Stuff, Visual.Notes / 0 Comments

[Memento Mori #10… ]

Schachboxen ist eine Kampfsportart, bei der die beiden traditionellen Sportarten Schach und Boxen miteinander verbunden werden. Jeweils abwechselnd treten die Kämpfer in Schach- und Boxrunden gegeneinander an. Schachboxen wurde 2003 vom niederländischen Aktionskünstler Iepe Rubingh (1974–2020) erfunden. Zunächst als Kunstperformance gedacht, entwickelte sich die Idee schnell zum ausgereiften Wettkampfsport. …

David Ensikat (23.07.2020): “ … Am 8. Mai lag er in seinem Bett und war tot, plötzlich, unverständlich, ohne Pointe. Keine Kunstaktion, keine Provokation. Das schnelle Ende eines schnellen Lebens. …“ | https://www.tagesspiegel.de/berlin/nachruf-auf-iepe-rubingh-schlauer-schneller-haerter/25992320.html

Rob Savelberg (31. 5. 2020): “ … er sprach wie sein Vorbild Joseph Beuys („Jeder Mensch ist ein Künstler“) auch von sozialen Plastiken. … Am 8. Mai 2020, ein dreiviertel Jahrhundert nach der deutschen Kapitulation 1945, wurde der 45-jährige Iepe Rubingh tot in seiner Wohnung gefunden. Der König war gefallen, sein Löwenherz hatte aufgehört zu schlagen. …“ | https://taz.de/Nachruf-auf-Iepe-Rubingh/!5686709/

// https://de.wikipedia.org/wiki/Iepe_Rubingh
// https://de.wikipedia.org/wiki/Schachboxen

lemon / 24 Juli 2020 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Seelenleben #1… ]

“ … Because of their interest in dreams and the unconscious, it may have seemed obvious that Dali and Freud would have made natural friends, but Freud’s taste in art was strictly traditional and he was wary of the Surrealists after a run-in with André Breton in 1921. …“ | via https://dangerousminds.net/comments/that_time_salvador_dali_met_sigmund_freud (15.01.2020)

Jens Heise (23.09.2019): “ … Der Traum ist wie eine Psychose, aus der wir morgens gesund aufwachen; die Psychose ist wie ein Traum, aus dem es kein Erwachen gibt. … Freud hat die Psychoanalyse nicht philosophisch begründet. Philosophisch wirksam ist sie durch ihre Kritik an der Autonomie des Ichs oder des Subjekts, wie es sich im Selbstportrait des animal rationale kristallisiert hatte. Dieser Anspruch, ein anderes Bild vom Menschen zu vertreten, macht den philosophischen Kern der Psychoanalyse aus und verbindet sie mit nachidealistischen Positionen unter der Parole, das Ich zu dezentrieren. Für Freud liegt in der Dezentrierung des Ichs die Bedingung seiner Psychologie des Unbewussten. Was aus der Zentralperspektive des Ichs als Unsinn erscheint wie der Traum oder die Neurose, wird sinnvoll auf dem Schauplatz des Unbewussten. … In der Psychoanalyse erscheint die Kondition des Menschen prekär: Das Ich ist abhängig von der Außenwelt, über die Innenwelt seelischer Vorgänge ist es nur unzureichend informiert, es ist den Trieben ausgesetzt und unterliegt der Zensur durch das Über-Ich; die Vernunft erscheint als Werkzeug der Triebe und ist ohne eigenständige Kraft. Zusammengefasst: „Der Mensch ist ein Wesen von schwacher Intelligenz, das von seinen Trieben beherrscht wird“, schreibt Freud laut „Studienausgabe“. … Es ist offensichtlich, dass die Wende vom Bewussten zum Unbewussten in der Geschichte der Naturwissenschaften nicht aufgeht. Die psychologische Dezentrierung betrifft das Ich selbst und konfrontiert uns mit der Einsicht, dass wir zu einem Teil unserer Innenwelt keinen Zugang haben. In der Entdeckung des Unbewussten liegt die eigentlich philosophische Frage der Psychoanalyse … In seiner Rede zum 80. Geburtstag Freuds stellt Thomas Mann 1936 fest, dass die Wirkung der Psychoanalyse die Grenzen der Medizin weit überschritten und das Selbstverständnis des Menschen entscheidend geprägt hat: „die analytische Einsicht ist weltverändernd“ … “ | https://www.forschung-und-lehre.de/zeitfragen/deuter-unserer-traeume-2145/

Thomas Anz (‚Psychoanalyse und literarische Moderne – Zu den Anfängen einer dramatischen Beziehung‘, 21.11.2016): “ … Umstritten war die Psychoanalyse indes damals so sehr wie heute. Auch die gegenwärtig häufiger und aggressiver werdenden Stimmen gegen Freud haben eine literarische Vorgeschichte. Hofmannsthal schrieb 1908 in einem Brief: „Freud, dessen Schriften ich sämtlich kenne, halte ich […] für eine absolute Mediocrität voll bornierten, provinzmäßigen Eigendünkels.“ Die polemischen Bemerkungen von Karl Kraus gegen die Psychoanalyse sind bekannt, vor allem sein Bonmont, die Psychoanalyse sei jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich halte. … Am Kampf gegen die „entarteten“, „kranken“ Kunstwerke und Künstler der Moderne, wie er um und nach 1900 mit Argumenten sozialdarwinistischer und psychiatrischer, sozialistischer, deutschnationaler und rassistischer, heimatkunstbewegter und neoklassizistischer Provenienz geführt wurde, hat sich Freud allerdings nie beteiligt. … Die Bewunderung, die ihm später die Surrealisten entgegenbrachten, registrierte er, mochte diesen indes seinerseits wenig Verständnis entgegenbringen. … Gleichsam als Einmischung in innere Angelegenheiten wies Freud das Interesse der literarischen Moderne an psychopathologischen Stoffen zurück. Umgekehrt reagierten Autoren der Moderne hochempfindlich, wenn Psychoanalytiker in ihrem Interesse an der Kunst und an Künstlerpersönlichkeiten gegenüber dem Autor und seinem Werk von vornherein einen vaterähnlichen Überlegenheitsanspruch behaupteten, während dem Autor die Rolle eines quasi neurotischen, bewusstseinsmäßig unterlegenen Patienten zugeschrieben wird. Gewiss, es gibt im Umkreis der literarischen Moderne zahllose Beispiele dafür, dass sich Autoren freiwillig als Patienten einer therapeutischen Analyse unterzogen haben. Für viele war dies der Weg, auf dem ihre Rezeption der Psychoanalyse erfolgte. Das Beispiel Rilke, der im Winter 1911/12 eine psychoanalytische Behandlung erwog, doch dann davon Abstand nahm, weil er fürchtete, mit seiner Neurose auch seine Kreativität zu verlieren, ist nicht ganz so typisch, wie oft gesagt wird. Den produktiven Anstößen der Psychoanalyse steht indes die Bedrohung gegenüber, die von ihren dem „Therapiemodell“ folgenden Kunstinterpretationen dadurch ausging, dass jeder Autor durch sie, und zwar unfreiwillig und sogar öffentlich, mit seinen Werken zum pathologischen Fall und Untersuchungsobjekt werden konnte. „Ich bin […] unvermögend mich gegen Interpretationen der vagsten Art zu wehren […], wenn morgen ein Freudianer meine sämtlichen Arbeiten bis aufs I-Tüpferl als infantil-erotische Halluzinationen ‚erkennt'“, schrieb Hofmannsthal in einem Brief. Karl Kraus wettert: „Nervenärzten, die uns das Genie verpathologisieren, soll man mit dessen gesammelten Werken die Schädeldecke einschlagen.“ Döblin sprach in diesem Zusammenhang von „Tölpeleien“. … Den Antagonismus von Sexualität und Moral, Unbewusstem und Bewusstem, Körper und Geist wird in Literatur und Psychoanalyse gleichermaßen immer wieder mit Metaphern des Kampfes dramatisiert. Zusammen mit „Unterdrückung“, „Widerstand“ oder „Abwehr“ gehört auch „Kampf“ zum festen Inventar des psychoanalytischen Vokabulars. Vom „Kampf mit dem mächtigen Triebe“ oder „Kampf gegen die Sinnlichkeit“ spricht Freud etwa in seiner 1908 erschienenen Schrift „Die ‚kulturelle‘ Sexualmoral und die moderne Nervosität“. Und Lou Andreas-Salomé, die 1911 Freud persönlich kennen lernte und bald zu seinem engsten Kreis gehörte, schrieb 1915, wohl nicht zufällig also während der Kriegszeit, in einem ihrer zahlreichen Beiträge zur Psychoanalyse: „Gewiß gibt es auch ohne alles spezifische ‚Schuldgefühl‘ im Menschen genug Krieg und Widerstreit der Triebe gegeneinander“. …“ | https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=5803

Anna und Sigmund Freud im Jahr 1920

(4. Juni 2020): “ … Ganz im Gegensatz zu Sigmund Freud, der in einem Brief an die Prinzessin und Psychoanalytikerin Marie Bonaparte schreibt: „Im Moment, in dem man nach Sinn und Wert des Lebens fragt, ist man krank, denn man hat nur eingestanden, das man einen Vorrat von unbefriedigter Libido hat,“ sieht Frankl in der Frage nach dem Sinn des Lebens eine Manifestation der „geistigen Mündigkeit und intellektuellen Redlichkeit des Menschen“. … Mit verschiedenen Methoden, wie Hypnose, der sogenannten „freien Assoziation“ oder der Traumdeutung erforschte [Sigmund Freud] das Unbewusste. Auch er entschloss sich 1938 zur Emigration. Nach Bezahlung der „Reichs-fluchtsteuer“, gelang es Freud, das Land zu verlassen. Seine erzwungene Unterschrift unter der „Erklärung“, von der Geheimen Staatspolizei korrekt behandelt worden zu sein, ergänzte er mit den Worten „Ich kann die Gestapo jedermann auf das Beste empfehlen“. …“ | https://www.derstandard.at/story/2000117844831/ein-historischer-blick-auf-die-sinnsuche-die-oesterreichische-seele-und

Georges Roth (4. Juni 2020, 18:31:25): “ … [Es] ist vielleicht wirklich nur für neurotische Charaktere von Bedeutung, aber die falsche Angabe des Gestapo-Zitates vermurkst die eigentliche Pointe. Freud sagte nicht, er könne die Gestapo auf das Beste, sondern „auf das Wärmste“ empfehlen. Und das ist ja sexualtheoretisch ein kleiner Unterschied. …“

lemon / 16 Juli 2020 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung / 0 Comments

[Fellini #30… ]

Fellinis Satyricon (1969)

“ … Tatsächlich stellt Satyricon einen der überzeugendsten Versuche dar, den Blick in die Antike als den in eine monströse Ferne zu formulieren, als Mixtur aus Pop und Byzanz. In dieser schillernden Version des Petronii Arbitri Satyricon findet sich das alte Erzählkino zum Scherbenhaufen klaustrophobischer Fragmente und fremdartiger Sackgassen zerschlagen. …“ | https://www.filmmuseum.at/en/film_program/calendar/production?veranstaltungen_id=1545032748824

// Der Film basiert auf dem Fragment des gleichnamigen satirischen Romans Satyricon
// von Titus Petronius Arbiter aus der Zeit um ca. 60 n. Chr.
// https://de.wikipedia.org/wiki/Fellinis_Satyricon

lemon / 15 Juli 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

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