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Author Topic: [Abwehrmechanismus (Notizen) ... ]  (Read 441 times)

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[Abwehrmechanismus (Notizen) ... ]
« on: July 02, 2020, 01:38:58 PM »

Quote
[...] Abwehrmechanismus ist ein Begriff aus der Psychoanalyse, der auch Eingang in die Psychologie gefunden hat. Er bezeichnet psychische Vorgänge, die dazu dienen, innerseelische oder zwischenmenschliche Konflikte auf eine Weise zu regulieren, die der seelischen Verfassung einer Person Entlastung verschafft. Dies geschieht meist unbewusst. ...

In Psychotherapien sind Abwehrvorgänge nicht nur als Widerstand zu verstehen, sondern dienen auch dem Schutz des psychischen Gleichgewichts des Analysanden. Die Geschwindigkeit des therapeutischen Prozesses muss sich weitgehend nach den Möglichkeiten des Patienten richten, Veränderungen und Entwicklungen zuzulassen.

...

Liste bekannter Abwehrmechanismen:

Verdrängung: Verdrängung ist ein Abwehrmechanismus, der vor allem die Aufgabe hat, das Ich vor einem bedrohlichen Einfluss zu schützen. Wie die Dissoziation löscht auch die Verdrängung keine Erinnerungen aus, sie erschwert nur die bewusste Erinnerung an ein Erlebnis. Unerwünschte Es-Impulse, die ein Gefühl von Schuld, Scham oder das Herabsetzen des Selbstwertgefühls hervorrufen, werden durch Ich und Über-Ich in das Unbewusste verdrängt. Von dort aus können sie allerdings in Träumen, Fehlleistungen und Ersatzhandlungen wieder zutage treten. Freuds Begriff der Verdrängung muss von einer willentlich-bewussten Unterdrückung unterschieden werden. Das Ideal gelingender Verdrängung als eines unbewussten Automatismus im Sinne Freuds macht den bewussten Zugang zum verdrängten Inhalt (ohne psychoanalytische Unterstützung) geradezu unmöglich.

Reaktionsbildung: Gefühle oder Motive werden durch entgegengesetzte Gefühle/Motive niedergehalten (z. B. Mitleid statt aggressiver Impulse oder Hassgefühle, wenn Liebesgefühle gefährlich erscheinen). Dies muss abgegrenzt werden von einer bewusst ablaufenden Unterdrückung (z. B. bei der ärztlichen Untersuchung körperlich attraktiver Patienten oder Patientinnen).

Regression: Es erfolgt ein überwiegend unbewusster Rückzug auf eine frühere Entwicklungsstufe der Ich-Funktion, in der ein niedrigeres organisiertes Verhalten noch funktioniert hat (Trotz­verhalten, Fresslust, Suche nach Versorgung). Probleme mit regressivem Verhalten werden ebenfalls durch andere Mechanismen abgewehrt.

Progression: ist das Gegenstück zur Regression. In einer gefährlichen Situation verhält sich jemand in einer erwachsenen Weise. Es findet eine Flucht in spätere Entwicklungsstadien statt. Zum Beispiel wenn die Mutter einer Zehnjährigen nicht mehr da ist, kümmert diese sich um jüngere Geschwister und wird zum Mutterersatz. Wenn die Belastung vorüber ist, kann es zu einer Regression über das Ausgangsniveau hinweg kommen.

Verleugnung: Im Unterschied zur Verdrängung wird nicht ein konfliktreicher innerer Wunsch abgewehrt, sondern ein äußerer Realitätsausschnitt verleugnet, also in seiner Bedeutung nicht anerkannt. Beispielsweise werden Veränderungen in der Umgebung zwar wahrgenommen, aber ihre reale Bedeutung wird emotional nicht erlebt und rational nicht anerkannt.

Vermeidung: Triebregungen werden umgangen, indem Schlüsselreize vermieden werden. (vgl. Repression und Sensitization)

Verschiebung: Phantasien und Impulse werden von einer Person, der sie ursprünglich gelten, auf eine andere verschoben, so dass die ursprünglich gemeinte Person unberührt bleibt (z. B. Aggression gegen eine tadelnde Autoritätsperson wird in Form von Beschimpfungen oder Tritten als Aggressionsverschiebung an einem Hund ausgelassen), oder ursprünglich vorhandene Zusammenhänge werden ausgeblendet und neue hergestellt. Dieser Vorgang ist insbesondere am Phänomen der Tierquälerei beteiligt.

Spaltung: Inkompatible Inhalte werden auf mehrere Objekte verteilt. Sowohl die Objekte als auch das Selbst werden in „gut“ und „böse“ oder „schlecht“ aufgeteilt. „Gute“ Anteile werden idealisiert, „böse“ oder „schlechte“ werden ent- bzw. abgewertet, verdammt oder dämonisiert. (Vgl. Entwertung)

Verneinung: Negierung eines Sachverhalts. Im Gegensatz zur Reaktionsbildung wird ein Gefühl oder eine Einstellung nicht durch deren Gegenteil ersetzt, sondern nur deren Vorhandensein verneint („Ich empfinde überhaupt nichts für XXX“).

Ungeschehenmachen: Einsatz faktisch unwirksamer Handlungen und Rituale (z. B. auf Holz klopfen), denen eine symbolische Kraft zugeschrieben wird, mit dem Ziel, Strafe bei Verbots- und Gebotsübertretungen abzuwenden.

Projektion: Eigene psychische Inhalte und Selbstanteile (vor allem Affekte, Stimmungen, Absichten und Bewertungen) werden anderen Personen zugeschrieben. Der Triebimpuls bzw. das Motiv wird auf ein Objekt projiziert wie bei einer optischen Projektion.

Projektive Identifizierung: Kombination von innerpsychischen und interpersonellen Vorgängen, bei dem das Gegenüber (unbewusst) so beeinflusst wird, dass es bestimmte Erwartungen erfüllt. Im subjektiven Sinne „negative“ Selbstanteile (in der Regel Aggressionen) werden erst abgespalten, dann auf das Gegenüber projiziert – wenn das Gegenüber sich unbewusst mit den abgespaltenen, projizierten Anteilen identifiziert und so handelt, wie es der Erwartung entspricht (z. B. aggressiv) werden durch diese Externalisierung unangenehmer oder unerträglicher Selbstanteile so innere Konflikte in der Außenwelt inszeniert, um das innerpsychische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, was jedoch die Beziehungen zu anderen stark belasten kann. Es handelt sich um einen für sogenannte Borderline-Störungen typischen Abwehrmechanismus, der die Schwierigkeiten, sich der Psychodynamik der Betroffenen gegenüber abzugrenzen, besser verständlich macht.

Introjektion und Identifikation: Wehrt Angst vor Bedrohungen von außen ab durch das Einverleiben äußerer Einflüsse wie z. B. bestimmtes Verhalten, Anschauungen, Normen oder Werte einer anderen Person in die Ich-Struktur, sodass das Individuum sie nicht mehr als Bedrohungen von außen erleben muss.

Identifikation mit dem Aggressor: Bei einem gewaltsamen Übergriff bzw. einer psychischen Grenzüberschreitung wird die Verantwortung für das Geschehen sich selbst zugeschrieben und/oder die Einstellung oder das Verhalten eines Angreifers übernommen. Beides dient der Abwehr unerträglicher Angst- und Hilflosigkeitsgefühle und einer symbolischen Rückerlangung von Kontrolle.

Intellektualisierung: Entfernung vom unmittelbaren konflikthaftem Erleben durch Abstraktions­bildung und theoretisches Analysieren (z. B. abstrakte Gespräche über das Wesen der Liebe; Fachsimpeln unter Ärzten oder Therapeuten über schwierige Patienten oder solche, die in ihrem Leid als psychische Belastung erlebt werden), Philosophieren über Dinge, die eine verborgene emotionale Bedeutung für die Person haben.

Rationalisierung: Rational-logische Handlungsmotive werden als alleinige Beweggründe für Handlungen angegeben oder vorgeschoben. Gefühlshafte Anteile an Entscheidungen werden ignoriert oder unterbewertet (z. B. die Rassenideologie im Nationalsozialismus. Abgewehrt werden hier die emotionalen Bedürfnisse der Ausgrenzung und Vernichtung Unliebsamer).

Sublimierung oder Sublimation: Nicht erfüllte Triebwünsche werden durch gesellschaftlich höher bewertete Ersatzhandlungen ersetzt und damit befriedigt (Kunst, Wissenschaft, Musik, Sport, exzessive Arbeit). Typischerweise eignen sich für bestimmte Wünsche bestimmte Sublimationstechniken besonders gut. So werden aggressive Triebe oft durch Sport sublimiert, sexuelle Wünsche durch Beschäftigung mit schönen Künsten oder kindliche Neugierde durch wissenschaftliche Forschertätigkeit. Sublimierungen erfüllen die Befriedigung der Triebwünsche oft gut und werden dann nicht als psychopathologisch angesehen. Nach Freud ist die Sublimierung ein wichtiger Motor für die Kulturentwicklung.

Abwehr unter Beteiligung körperlicher Symptome

    Somatisierung: Nicht-Wahrnehmen eines Konflikts in seiner eigentlichen Gestalt, sondern in Form körperlicher Beschwerden. Diese haben jedoch keine symbolische Beziehung zum Konflikt.

    Konversion: Umlagern eines psychischen Konflikts auf somatische Symptome, die eine symbolische Beziehung zum Konflikt haben. Entspricht dem früheren Hysteriebegriff (hysterische Blindheit, Lähmung).

Abwehrmechanismen des Affekts

    Affektualisierung: Ein Ereignis oder Verhalten wird dramatisiert.

    Entwertung/Idealisierung: Objekte werden unbewusst entwertet oder überhöht.

    Affektisolierung: Fehlen oder Dämpfung eines normalerweise spontan auftretenden Gefühls in einer bestimmten Situation. Der Nachweis eines isolierten Affektes dient therapeutisch auch der Bewusstmachung und rationalen Betrachtung bestimmter gefühlsintensiver Reaktionen.

Aggressive Abwehrmechanismen

    Autoaggression: Aggressive Impulse werden gegen die eigene Person gerichtet und treffen so nicht die Person, der sie ursprünglich galten, um die Beziehung zu dieser Person nicht zu gefährden. Das interpersonelle Feld wird so von Störungen freigehalten, ein interpersoneller Konflikt wird zulasten eines intrapsychischen Konflikts vermieden.

Isolierung: Ein unerfüllbarer Wunsch wird dadurch bewältigt, dass er in entstellter Form befriedigt wird, wobei er als fremd, nicht der eigenen Person zugehörig, erlebt wird. Isolierung tritt häufig bei Zwangsneurosen auf, wo zum Beispiel die Zwangsvorstellung, andere Leute könnten auf der Straße tot umfallen, an die Stelle eines vom Ich nicht annehmbaren Todeswunsches gegen den Vater tritt.

Gefühlsblockaden als Reaktion auf Gefahr: Unter dem Einfluss eines traumatischen Ereignisses, zum Beispiel wenn jemand einen nahen Angehörigen verliert, kann es zu einer Blockierung aller Affekte und Stimmungen kommen, also zu einer Extremform der Isolierung vom Affekt.

Objektneutralisierung: Objekte werden für unwesentlich, unattraktiv und unwichtig gehalten. Damit wird vermieden, dass es im interpersonellen Feld zu intensiven Beziehungen kommt, deren Auswirkungen unangenehm sein könnten (z. B. wenn man bedroht würde, verletzt oder gekränkt zu werden).

Selbstneutralisierung: In einer gefährlichen Situation hat die Person das Gefühl, selbst unwichtig zu sein. Wichtig sind nur die zu erreichenden Ziele. Bei Depressiven kann die Selbstneutralisierung vor Selbstvorwürfen schützen (wer sich selbst nicht wichtig nimmt, braucht sich keine Vorwürfe zu machen).

Derealisation/Depersonalisation: Treten bei Gefahr auf und haben einen Bezug zu den Frühstörungen.

    Depersonalisation: Es kommt zur Veränderung der Körperwahrnehmung (z. B. Teile des Körpers werden in der Größe oder, wie bei Magersüchtigen, die gesamte Körpermaße werden verändert wahrgenommen). Hat oft das Ziel, ein Umsetzen von (i. d. R. aggressiven) Impulsen in motorisches Handeln zu erschweren.

    Derealisation: Umwelt wird verändert erlebt. Die Art, wie sich die Umwelt verändert, kann Symbolgehalt haben. Manchmal wird die Umwelt als bedrohlich erlebt, wobei aggressive Impulse in die Umgebung projiziert werden.


...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Abwehrmechanismus (18. Juni 2020)

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Abwehrmechanismus


Der Grundkonflikt ist ein Fachbegriff aus der Psychoanalyse und der Tiefenpsychologie und beschreibt einen „zentralen“ infantilen Konflikt in der Lebensentwicklung eines Menschen. Der Begriff wurde von Sigmund Freud gebildet. Um einen solchen Konflikt zu bewältigen, ist es erforderlich, zwischen zwei Zielen zu entscheiden, die sich gegenseitig ausschließen und zueinander im Widerspruch stehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Grundkonflikt

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[Abwehrmechanismus (Notizen) ... ]
« Reply #1 on: July 02, 2020, 02:41:44 PM »

Quote
Natasha Kelly im Gespräch mit Alexander Moritz (06.06.2020)“ … Warum weiß als deutsch imaginiert wird, geht ja damit einher oder führt ja dazu, dass Schwarze Menschen hier als Fremde gelesen werden, obwohl viele Familien seit vielen Generationen schon in Deutschland leben. Das reicht bis zur Kolonialzeit zurück, einige Familiengeschichten. Also, da sind wir jenseits zweiter oder dritter Generation. Und wenn wir nicht anfangen zu verstehen, dass dann im Prinzip die Kontinuität dieser Vorstellung sich in Gesellschaft einschreibt – das ist ja, was die Strukturen schafft – können wir ja gar keine Debatte auf einer strukturellen Ebene führen. … Das heißt, dass wir Rassismus auch als Struktur, das heißt, als historisch gewachsene Kontinuität einer lange andauernden rassistischen Ideologie lernen müssen zu verstehen. … Wenn weiße Menschen ihre Abwehrstrategien niederlegen … „Ja, aber ich will nicht als weißer Mann markiert werden.“ Oder: „Ich sehe keine Farbe. Für mich sind alle Menschen gleich.“ – Also, da sind schon ganze Bücher mit gefüllt worden, alleine mit den Abwehrstrategien. … Ich brauche keinen weißen Mann, der mir erzählt, was es bedeutet, eine Schwarze Frau in Deutschland zu sein. … Wenn wir [ ] uns [] die Geschichte des Rassismus ansehen: Die Geschichte des Widerstandes war auch immer kontinuierlich. Die ist ja nie abgebrochen, nur haben Weiße das Privileg gehabt, sich nicht daran zu beteiligen. … “

Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/soziologin-zur-deutschen-debatte-ueber-rassismus-die.990.de.html?dram:article_id=478142


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Kommentare zu: https://www.zeit.de/kultur/2020-06/cancel-culture-struktureller-rassismus-kolonialismus-popkultur/komplettansicht

Quote
Holmer Danske #125

Es tut mir wirklich leid für die armen Menschen, die in jedem und allem Rassismus sehen. Was ist denn euer Problem?


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Maximos #18

Das ist wird langsam kompliziert.


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------ #1

Irgendwann wird es albern. ...


Quote
Mama Lauda #1.18

.... wenn das alles rassistisch ist, was genau ist eigentlich so schlimm am Rassismus?


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Landegaard #1.36

"Es gibt ein paar üble Rassisten in Deutschland (leider). Mehr jedoch nicht. "

... Wenn Sie aber mal in einem Fussballstadium erlebt haben, wie aus wenigen Brüllern ein vernehmbarer Massenchor wird, der einem schwarzen Fussballer Affenlaute zubrüllt, werden Sie es schwer haben, weiter von "ein paar" Rassisten auszugehen.


Quote
Dr. Ole De These #1.40

Subjektives Empfinden oder Betroffenheit kann nicht Maßstab gesellschaftlichen Handelns sein außer es genügt der Maxime ein allgemeingültiges Prinzip werden zu können, um einmal Kant verkürzt zu erwähnen. Daher ist einzig richtige Ansatz derjenige, dass die Handlung des Beleidigenden, Kränkenden, Ausgrenzenden eben einem solchen Prinzip nicht genügt und sie deswegen unangemessen, falsch oder was auch immer Sie wünschen ist. Dafür benötigen wir keinen Import us-amerikanischer Betroffenheitsurteilungen, der immer wieder neue Ungerechtigkeiten hervorbringen wird. Wie aber kommen sie auf die Idee in D sei struktureller Rassismus nachgewiesen? Von wem, bitte?


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MattKirby #1.51

Wo und wie würde denn struktureller Rassismus nachgewiesen und nicht nur behauptet?
Ein Thema, dass man mit wissenschaftlichen Maßstäben nicht untersuchen kann.


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Wanderertom #1.56

Einfach so Quatsch. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. ...


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Anja Witz #1.70

„Was genau ist schlimm an Rassismus „

Diese Frage können nur weiße so Formulieren. ...


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PendlerBlock #2

Wir lassen es einfach wie es ist.


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SchimmiSchimmiJaJa #6

"Und ich lebe in einer rassistischen Kultur"

Gibt es eine die nicht rassistisch ist?


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MSchäfer #12

Erster Schritt wäre mal einen klaren Kopf zu behalten und nicht überall vermeintlich rassistische Gespenster zu sehen. ...


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thesard_ecully #25

Ich habe das Gefühl, dass der Selbsthass, an dem viele Menschen in westlichen Gesellschaften (und nur hier) offenbar leiden, immer seltsamere Blüten treibt. ...


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Miro František #35

Das es bei Tom&Jerry eine Haushälterin gab hätte ich nicht mehr gewusst. Mir blieben nur die Maus und die Katze in Erinnerung.


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S1072 #35.1

Sie war auch immer nur für wenige Sekunden zu sehen - und an die Hautfarbe hätte ich mich beim besten Willen nicht erinnern können. ...


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Felis.silvestris #35.2

Gab es.

https://youtu.be/k_oEOdIBOpU

Mit interessanter Meinung von Frau Goldberg dazu.


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Kulturist #36

Ich verstehe nun ehrlich das ganze Problem bei alten Filmen nicht. ...


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Maneki Neko #37

Der Autor hat jedes Maß verloren. Offenbar ist alles und jedes rassistisch. ...


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Abstraktionsprinzip #46

Wenn wir so Rassismus bekämpfen wollen, können wir es auch gleich lassen.


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rumbati #59

Ist Rassismus überwindbar? ...


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Herbstmensch #62

... Es stimmt einfach nicht, dass Weiße insgesamt von Rassismus profitieren. ...


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PeterKai #63

Ich bin wohl zu alt dafür. ...


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Schweizer Söldner #64

... Zum Artikel, ich ziehe mir den Schuh, den sich der Autor anzieht bereits im ersten Satz, das man Rassist ist, nicht an. ...


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PinkPurple #66

Ich stimme nicht zu. Das hat für mich mit der Definition von Rassismus nichts zu tun.


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AH-JA #68

Mag ja sein, dass sich der Autor als Rassisten sieht. Das ist dann das Problem des Autors. ...


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neuer_user #72

... Rassismus als solcher ist weder Straftat noch ein Hindernis für friedliches Miteinander. ...


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FlorindaGrove #76

Ich denke, dass man das Rassismus - Thema (so angebracht und wichtig es auch ist) nicht „überstrapazieren“ darf. ...


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WerSchreibtDa #79

Ist es heute bei einem gebildeten, durchschnittlichen Menschen wirklich Rassismus? ...


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Heinz Wescher #83

... Der Text weitet den Rassismus-Begriff so weit aus, dass er seine Schlagkraft verliert. Dann sind die Leute eben rassistisch - so what? ...


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rriotrradio #92

... Mittlerweile muss ich über derlei "Essays" herzlich lachen. ...


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hansmaier2 #98

Aus dem Artikel: "Nein, ich bin Rassist, weil ich in einer Gesellschaft lebe, in der immer noch struktureller Rassismus parallel zur sozialen Ungerechtigkeit verläuft, und in der jemand mit heller Hautfarbe, ob er oder sie es will oder nicht, Privilegien erfährt oder wenigstens Gefährdungen und Benachteiligungen vermeiden kann. "

Ich bin also Rassist, nur weil ich in dieser Gesellschaft lebe?
Wenn das mal kein Rassismus ist. Ich fasse es nicht.


Quote
T. Becker #107

... Wenn wir jetzt jeden Tag Rassismus vorgehalten bekommen, bin ich eben Rassist. ...


Quote
Tee4U #113

Ich konnte diesen unsäglichen Artikel nicht zu Ende lesen. ...


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Hab da so meine Zweifel #133

Dieser Artikel ist kontraproduktiv. ...


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Chandrasekhar #144

Ich empfinde den Artikel als Elfenbeinturm-Diskussion. ...


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Nick Anart #152

Ich kann in den meisten aufgeführten Beispielen überhaupt keinen Rassismus erkennen. ...


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Mitdiskutierix #158

.... Was für eine Nonsense-Debatte...


Quote
volcae2 #162

Es wird immer lächerlicher. ...


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HonorisCausae #165

Es muß sehr, sehr mühsam sein, jeden Tag am Morgen aufzustehen und sich über seinen internalisierten Rassismus zu grämen. Viel Spaß dabei, ich habe Besseres zu tun.


Quote
Imhotep1111 #171

Wie steht es eigentlich mit den Bezeichnungen White-Trash, Redneck oder Trailer Park Trash in der USA?
Ebenso beleidigend, herabsetzend und ebenso Diskriminierung wie der vorsätzlich beleidigende Gebrauch des N**** Worts... oder bestehen hier akademische Differenzen?
Das Problem ist Armut, die daraus resultierend mangelnde Bildung und entsprechend Teilung der Gesellschaftsschichten: Dies wird defacto vererbt: Nicht nur in der USA.

Kevin-Jason & Mandy-Chantal stellen sich auch in Deutschland von den Lebenschancen nur wenig besser als Murat, Mohammed oder Aishe. Kein Vergleich zur USA aber Deutschland ist auf dem Weg zu solchen Zuständen.

Sören-Maximilian, Sohn einer Gymnasiallehrerin und eines Diplom Biologen im Staatsdienst (beide Fördermitglieder bei BUND & Greenpeace und aktive Mitglieder im Kreisverband der Grünen) wird nie die gleiche Schule, Sandkasten oder Kita besuchen wie Mandy-Chantal oder Murat. Nachwuchs eines Paketzustellers und Hartz4 Aufstockers & einer Verkäuferin mit Jahresvertrag.
Prinzipiell hätten sowohl Mandy-Chantal oder Murat das Potenzial ihr Leben zu besser zu verwirklichen zu dürfen.
Sind wir wirklich so viel besser als die USA? Im sogenanntem grüner Linksliberalismus ist eines unverrückbar verankert : Das Klassendenken nebst dem Trend der Bevormundung. Natürlich nur zum Guten.

Wir haben ein soziales strukturproblem kein ethnisches... und der sogenannte akademische grüne Bürgertum ist nicht Lösung sondern Teil des Problems.


Quote
Tachoseal #173

Dem heftigsten Rassismus bin ich persönlich in Afrika begegnet. Die Menschen in Zentral- und Westafrika unterscheiden einander neben der Stammeszugehörigkeit - wörtlich „aus welchem Busch man kommt“ ...


Quote
Mariai #177

Was soll eigentlich mit den Karl May-Filmen nicht in Ordnung sein? ...


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« Last Edit: July 16, 2020, 02:48:46 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Abwehrmechanismus (Notizen) ... ]
« Reply #2 on: October 08, 2020, 03:39:04 PM »

Quote
[...]  Filimon Mebrhatom brach als 14-Jähriger aus Eritrea nach Europa auf. Er verdurstete fast, wurde von Schleppern gequält, dann in libyschen Gefängnissen gefoltert. Nun hat er seine Geschichte aufgeschrieben.

... Filimon Mebrhatom hat seine Geschichte aufgeschrieben. In einer Januarnacht 2014 brach er auf, als 14-Jähriger, von seinem Heimatland Eritrea, zunächst nach Äthiopien, dann in den Sudan, irgendwann durch die Sahara, Richtung Libyen. Wie er sind in den vergangenen Jahren Hunderttausende aus Eritrea geflohen. Mebrhatom vertraute sich Schleppern an, er verdurstete ein paar Mal fast, so schreibt er es.

Er landete in mehreren libyschen Gefängnissen, in den Händen einer Dschihadistenmiliz. Das einzige Zeugnis seiner Herkunft, ein Schülerausweis, wird in der Zeit verbrannt. Fast ein Jahr später landete er auf einem Schiff Richtung Italien und kurz darauf in München, wo er blieb.

Mebrhatom, heute 20 Jahre alt, wurde in Deutschland als Flüchtling anerkannt. Er beendete die Schule und eine Ausbildung zum Cutter und Kameramann. Er will die Mittlere Reife nachholen, sagt er, unbedingt studieren. "Ich will doch nur frei sein" heißt sein Buch, es erscheint am 24. August; Ausschnitte daraus zitieren wir im Text kursiv. Der SPIEGEL kann seine Erinnerungen nicht in Gänze verifizieren, wir haben jedoch keinen Anlass, an deren Richtigkeit zu zweifeln. Das Interview führten wir mit Mebrhatom am Telefon.

SPIEGEL: Was nimmt man aus seiner Heimat mit, wenn man für immer geht?

Filimon Mebrhatom: Mein Cousin und ich sind gemeinsam aufgebrochen. Wir hatten etwas Geld dabei, sonst nichts. Das haben wir uns in die Kleidung genäht. Mit Gepäck ist es schwer, die Grenzen zu passieren. Man fällt auf. Wird vielleicht angeschwärzt. Ohne Gepäck kann man leichter rennen, wenn man verfolgt wird.

SPIEGEL: Wie haben Sie sich von Ihrer Familie verabschiedet?

Mebrhatom: In der Nacht meiner Flucht habe ich nicht bei meinen Eltern übernachtet. Ich ging abends zu Bett, am nächsten Morgen ging ich, ohne ein Wort. Ich habe mich nie von meiner Mutter verabschiedet. Ich konnte meinen Eltern nicht sagen, dass ich sie verlasse. Denn meine Schwester ist kurze Zeit vorher auf der Flucht gestorben.

SPIEGEL: Sie sind im Sudan auf den Jeep von Schleppern aufgestiegen und mit ihnen durch die Wüste Richtung Libyen gefahren. Sie beschreiben Hunger, Durst, Folter. Was hat Sie davon abgehalten umzukehren?

Mebrhatom: Ein Leben in Eritrea wäre keine Option gewesen. Ich wusste schon, dass die Flucht gefährlich sein würde, aber ich sah keine andere Möglichkeit als aufzubrechen. In Eritrea wird man gefoltert, wenn man ein Leben führt, das der Regierung nicht gefällt. Man wird unterdrückt. Ich hätte in den Militärdienst gemusst. Das ist kein gutes Leben, kein freies. Und ich wollte meine Eltern im Alter unterstützen, das wäre mir in Eritrea nicht gelungen.

SPIEGEL: Warum sind die Schlepper so brutal?

Mebrhatom: Es ist ihre Art zu überleben. Das sind Menschen, die nie etwas anderes gelernt haben, als ihre Waffe zu benutzen, um Geld zu erpressen. Sie haben diese Prioritäten von klein auf so gelernt. Jeder, der eine Waffe hat, nutzt diese Macht, um andere Menschen zu unterdrücken, zu verkaufen, zu behandeln wie Sklaven. Wenn du in der Hand der Schlepper bist, wirst du wie ein Tier behandelt.

SPIEGEL: Sie schreiben, dass auch Mädchen und Frauen bei der Überfahrt in der Wüste dabei waren. Wie ist es ihnen ergangen?

Mebrhatom: Manchmal haben die Schlepper die Frauen aus dem Innenraum des Wagens zu sich nach vorn befohlen. Sie wurden dann angefasst, manche wurden während unserer Pausen in der Wüste vergewaltigt. Einige wurden schwanger. Wir konnten gar nichts tun, ich konnte sie nicht beschützen. Manchmal haben wir ihre Schreie gehört.

SPIEGEL: Nur selten erfährt die Öffentlichkeit, wie es in den libyschen Gefängnissen zugeht. Wie war es dort?

Mebrhatom: Es stank, die Menschen können sich nicht waschen. Es gab fast keine Toiletten. Tausende Menschen saßen eng gedrängt. In einem Lager musste ich, als ich nachts ankam, über die Menschen regelrecht drübersteigen, über Beine und Köpfe, so dicht lagen sie da. Wenn die Wärter kamen, war da immer die Hoffnung, dass wir weitergelassen werden Richtung Mittelmeer. Aber meistens kamen sie und schikanierten uns. Es herrscht Bürgerkrieg in Libyen, niemand muss sich an ein Gesetz halten.

SPIEGEL: Welche Menschen haben Sie in den Gefängnissen getroffen?

Mebrhatom: Sie kamen von überall her, viele hatten Ähnliches erlebt wie ich. Da waren Menschen, die die Fahrt übers Mittelmeer nicht schafften und zurückkehren mussten. Manche wurden wie Arbeitssoldaten gehalten. Manche hatten kein Geld mehr und keine Verwandten, von denen sie hätten freigekauft werden können. Manchmal sind Männer nachts umgefallen und waren tot. Es gab keine Ärzte und keine Medikamente.

SPIEGEL: Sie waren über Monate in diesen Gefängnissen. Wie fühlt sich dort drinnen die Zeit an?

Mebrhatom: Du weißt irgendwann nicht mehr, wo du bist, welcher Tag es ist. Die Schlepper nahmen uns die Handys ab, ich hatte keine Uhr. Sie haben uns zum Beispiel in einen Kühllaster verladen, ohne Fenster. Darin ging es von dem einen Gefängnis ins nächste. Ich war in mehreren libyschen Lagern. Du fährst in der Nacht los, manchmal mit verbundenen Augen, den Kopf musst du stets gesenkt halten. Manchmal sagten uns die Libyer absichtlich falsche Uhrzeiten.

SPIEGEL: Die Schlepper haben Ihre Verwandten immer wieder angerufen und gefordert, neues Geld zu schicken und für Ihre Fahrt übers Mittelmeer zu zahlen. Sie wurden während dieser Telefonate mit Strom gefoltert. Irgendwann brachten die Männer Sie dann tatsächlich an die Küste und auf ein Schiff. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie auf das Boot stiegen?

Mebrhatom: Ich kann nicht schwimmen. Mein Mut schwand. Wir saßen alle zusammen, Christen und Muslime, und beteten. Wir wurden dann von der italienischen Marine gerettet, aber ich weiß nicht, in welchem italienischen Hafen wir europäischen Boden betraten. Ich verstand kein Wort, ich war so müde.

SPIEGEL: Sie sind dann mit dem Zug nach München gekommen, von dort in eine Flüchtlingsunterkunft, und haben irgendwann ein Paar kennengelernt, das Sie bei den ersten Schritten in Deutschland unterstützte.

Mebrhatom: In München konnte ich die ersten zwei Jahre nicht gut schlafen. Im Schlaf kannst du nicht kontrollieren, welche Bilder du siehst. Ich habe immer Bilder gesehen, die ich nicht mehr sehen wollte. Ich bin dann oft nachts spazieren gegangen oder habe gebetet. Wenn es einen Streit im Flüchtlingsheim gab, sind die Erinnerungen wieder hochgekommen, das Leid, die Aggressionen. Wenn ich die Polizei sehe, dann bekomme ich heute noch Panik, ich denke dann an Libyen. Viele fragen mich, ob ich eine Therapie machen will. Aber ich schreibe viel, rede darüber und mache Musik. Ich habe vor drei Jahren angefangen, meine Geschichte zu erzählen. Ich will, dass viele sie kennen und verstehen, was es heißt, es als Flüchtling bis Europa geschafft zu haben.

SPIEGEL: Wie geht es Ihrer Familie? Wie oft hören Sie von ihr?

Mebrhatom: Ich will nicht viel über meine Familie sprechen, sie ist nicht in Sicherheit. Ich habe, seit ich in München bin, viermal mit meiner Mutter telefonieren können. Es gibt in meinem Heimatdorf sehr schlechtes Netz. Ich probiere es oft, aber ich komme fast nie durch. Ich wollte eigentlich dieses Jahr nach Äthiopien fliegen und meine Familie dort treffen - nach Eritrea kann ich unmöglich zurück. Doch wegen der Coronakrise geht das nicht.

SPIEGEL: Laut dem Uno-Flüchtlingshilfswerk müssen jeden Tag 37.000 Menschen ihre Heimat verlassen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie Bilder von Menschen auf der Flucht siehst?

Mebrhatom: Ich frage mich, wann ist das Sterben zu Ende? Selbst wenn die Menschen die Flucht überleben, stirbt etwas in ihnen, denn sie sehen Unmenschliches. Dabei wünschen sie sich nur Freiheit. Die Menschen leben auf der Flucht nicht wie Menschen. Sie sind allein. Kein Mensch geht einfach so durch die Wüste, wo es kein Wasser gibt, kein Leben.

...


Aus: "Geflüchteter über libysche Gefangenschaft: "Selbst wenn die Menschen die Flucht überleben, stirbt etwas in ihnen" " Ein Interview von Maria Stöhr (22.08.2020)
Quelle: https://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtling-aus-eritrea-erzaehlt-von-seiner-flucht-a-f9486350-4cc2-4d6f-a5b5-63cb79a08ac2

Quote
Dirk

Er kann sich leisten, in München zu wohnen? Glückwunsch, viele können das nicht.


Quote
Feldmann

Soll ich mich so schuldig fühlen, dass ich in die Spree springe, aber vorher noch mein Konto räume und in der Hasenheide (Park in Berlin) an Migranten verteile?


Quote
Rolf

Das wird ja langsam penetrant. Ich will das nicht mehr lesen, Framing und fortwährende Volkserziehung müssen aufhören. ...


Quote
Sven

Ja das ist in der Tat alles sehr traurig. Mir erschließt sich aber nicht aus welchem Grund ich für den Lebensunterhalt der Millionen Flüchtlinge die die deutsche Regierung in die BRD bittet aufzukommen hätte. ...


Quote
Petra

Schlechtes Interview -wirklich relevante Fragen wurden nicht gestellt. Woher zum Beispiel ein 14jähriger mind.
€ 2.600 für die Schlepper hat, wenn das jährliche Durchschnittseinkommen in Eritrea bei ca. € 650,00 liegt? Das wäre zu vergleichen mit einem deutschen Jugendlichen, der mit einer Viertelmillion nach Amerika oder Australien will!


Quote
Goldregenpfeifer

Es zieht nicht mehr, wir haben keinen Bock mehr.


Quote
Thomas

Ich kann mit diesen Beiträgen nichts mehr anfangen. Bin ich als alter weißer Mann jetzt an allem Schuld? Man wird mit dem ganzen Elend doch überfüttert (Klimakrise, Flucht , Vertreibung usw).


Quote
Michael

Danke für das Interview mit Herrn Mebrhatom. Es ist wichtig, dass er und andere Geflüchtete ihre Geschichte einem breiten Publikum erzählen können. Wie wichtig das ist, zeigt auch die krasse Abwehr unter den Kommentatoren hier die sich in teils hahnebüchenen Statements bahnbricht. Diesen offenbar recht verängstigten Mitbürgern sei gesagt: Wenn auch Eure Angst vor Menschen mit Fluchtgeschichte völlig unbegründet ist, mit einem habt Ihr Recht: Dieses Land verändert sich tatsächlich und Ihr werdet immer weniger. Gott sei Dank.


...
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« Reply #3 on: November 12, 2020, 04:11:54 PM »

Quote
[...] In ihrem Gastkommentar "Wiener Mut" [https://www.derstandard.de/story/2000121509022/wiener-mut] im STANDARD, vermutlich eine Anlehnung an das Lied "Wiener Blut" von Falco, schlussfolgert die Extremismusforscherin Julia Ebner, dass Wien gezeigt hat, dass es dem Terror nicht klein beigibt und in paralysierende Angst oder blinde Wut verfällt. Aus ihrer Sicht scheint es, als hätten die Politiker aus Fehlern in anderen Ländern gelernt. Eine sehr positive Beurteilung der Sachlage.

Nur ist das wirklich so? Im Kontext des Beitrages merkt der User "3 Pfeile in den Abgrund" an: “Schöne Worte! Das offizielle Österreich, Journalisten etc reden, schreiben kalmierend, verharmlosend. Man sollte mal raus gehen und zuhören, was die Menschen dazu sagen“. Und der User “Art10 EMRK“ analysiert in seiner Postingheadline “Wenn Eigenlob zum Selbstbetrug wird“. Der Kommentar löst anscheinend eine durchaus kontroversielle Diskussion aus.

Will man die zur Schau gestellte kulturelle Hegemonie etwas stören, könnte man anführen, dass das schreckliche Phänomen des Terrors - zumindest für einen kurzen Moment - die Irritation des Urvertrauens, trotz aller “Wien steht zusammen“-Mantras, zur Folge hatte. Zumindest solange bis das von Sigmund Freud treffend beschriebene Phänomen der Verdrängung als psychischer Abwehrmechanismus einsetzte. Und das ausgerechnet in Wien, der zentralen Wirkungsstätte des österreichischen Arztes. Kommt vielleicht nicht von ungefähr.

Denkt man etwas weiter, so kann man ebenfalls das Modell der Kompensation frei nach dem Psychotherapeuten Alfred Adler, im Umgang mit dem traumatischen Ereignis erkennen. Darunter versteht man jeglichen Prozess, der darauf abzielt, psychische Ungleichgewichte und Einseitigkeiten auszugleichen. Was aber noch elementarer ist, ist die Tatsache, dass in der Psychologie unter Kompensation die Strategie bezeichnet wird, mit der bewusst oder unbewusst versucht wird eine echte oder eingebildete Minderwertigkeit auszugleichen. Nach diesem Ansatz kann eine wirklich vorhandene Minderwertigkeit, die übertrieben erlebt wird, mit einer mehr oder weniger eingebildeten Überlegenheit kompensiert werden. Die Psyche ist in der Konsequenz bestrebt, den Zustand der Unterlegenheit zu überwinden. Ähnlichkeiten mit realen Situationen oder Personen sind rein zufällig, wie es in manchen Filmen so schön heißt.

Terrorismus darf die Gesellschaft nicht spalten, so der gemeinsame Tenor. Die Aussage ist nicht ganz korrekt, denn diese ist längst gespalten. In Arm und Reich, Fortschrittsgewinner und Fortschrittsverlierer, in politische und religiöse Gruppierungen, in verschiedene Weltanschauungsmodelle, in Fake-News und Faktenchecker und vieles mehr. Deutlicher als in den USA nach den Präsidentschaftswahlen kann man es aktuell gar nicht beobachten. “Wir stehen zusammen“ so lautet eine schöne Formulierung von Politikern. Stehen diese auch zusammen, wenn es um eine gerechte Verteilung von finanziellen Ressourcen geht? Wie sieht es aus, wenn Menschen keine Perspektive sehen und nicht in der Gesellschaft akzeptiert werden?

Die bittere Realität ist, dass weiterhin viele im Regen stehen gelassen werden. Nach dem sozial erwünschten Prozedere kehren wir wieder zu "business as usual" zurück. Corona und die Auswirkungen der Wahlen in den USA warten schon. Bis zum nächsten schockierenden Ereignis, dann geht die Abwehrspirale mit Mitgefühlsäußerungen und Solidaritätsbekundungen weiter und die Suche nach einem Schuldigen geht wieder von vorne los. Warum kann es nicht einen pragmatischen, rationalen Weg zwischen "Wir schaffen das" und “Festung Europa“, zwischen naivem Freund- und unreflektiertem Feindbild geben? ...

Zum Abschluss ein Posting des Users “Schwergewicht“ zum kultivierten Sinnieren: "Im Grunde verliert sich jeder Staat/jede Gesellschaft irgendwo zwischen Angst, Relativieren, politischer Korrektheit, ritualisierte Betroffenheitsrhetorik, Stärke signalisierende Floskeln ('Wir lassen uns nicht spalten', 'Wir behalten unseren Lebensstil'), Aktionismus zur Bevölkerungsberuhigung und den wirkungslosen Versuch von Gegenmaßnahmen ..."

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Aus: "Terror in Wien: Verdrängung, Abwehr und Kompensation" Daniel Witzeling (11. November 2020)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000121533634/terror-in-wien-verdraengung-abwehr-und-kompensation

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Sam8ara

Die eigenen Gedanken sind oft der schlimmste Feind

Ich sehe die „Gesellschaft" als viele Ebenen mit unterschiedlichen Meinungen - nicht als gespalten. Eher scheint sich eine Orientierungslosigkeit breit zu machen. Durch die Digitalisierung haben wir eine Fülle an verschiedensten Informationen, im Sekundentakt. Dies führt zwangsläufig zu einer psychischen Überforderung. ...


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Textaris(txt*bot)

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[Abwehrmechanismus (Notizen) ... ]
« Reply #4 on: December 21, 2020, 02:06:40 PM »

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[...] Angeblich treiben Gespenster ihr Unwesen, wo ein Fluch über einem Ort hängt. Geschichten davon berichten dann stets vom Gewesenen, von der Vergangenheit: Vertuschte ungesühnte Taten geben keine Ruhe. Solchen Legenden liegt eine reale seelische Dynamik zugrunde, jene der Wiederkehr des Verdrängten.

Solange dieses nicht ans Licht geschafft und bearbeitet wurde, rüttelt es nicht nur an den Toren der Gegenwart, sondern treibt sich in ihr herum, eben als Gespenst. Zu erkennen, was bestimmte Gespenster repräsentieren, versucht eine Anthologie mit Blick auf das Polen der Gegenwart. Sie beleuchtet, woher dessen aktuelle, so dramatisch antidemokratische Strömungen stammen. ...

Verdrängung ist kein Mittel gegen Gespenster. Das machen sämtliche Aufsätze dieses reichhaltigen, ausgezeichneten Bandes deutlich. Daher ist er keineswegs ein Polen-Buch, sondern spricht akut und intelligent zu einer Gegenwart, die an den Spuren der Totalitarismen arbeiten muss, um sich ihnen nicht auszuliefern.

...


Aus: "Das Erbe des Totalitarismus: Wie Polen von seinen Traumata heimgesucht wird" Caroline Fetscher (21.12.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/das-erbe-des-totalitarismus-wie-polen-von-seinen-traumata-heimgesucht-wird/26735424.html

Wiederkehr des Verdrängten? - Psychoanalyse und das Erbe der Totalitarismen
Kann die »antidemokratische Wende« in Polen und in anderen postkommunistischen Ländern, die auch in Deutschland und Westeuropa spürbar ist, als Erbe der Totalitarismen des vergangenen Jahrhunderts und als Wiederkehr des Verdrängten verstanden werden? Oder ist sie Ausdruck einer neuen Regression zu archaischen Ängsten und Aggressionen angesichts der Herausforderungen durch die Globalisierungsprozesse? Vor diesem Hintergrund stellen die Autor*innen die Frage nach dem kritischen Potenzial der Psychoanalyse. Verfügt sie über das Erkenntnispotenzial, um die beunruhigenden sozialen Phänomene zu erklären?
Mit Beiträgen von Lisa Appignanesi, Jakub Bobrzyński, Bernhard Bolech, Felix Brauner, Paweł Dybel, Lilli Gast, Ewa Głód, Tomas V. Kajokas, Ewa Kobylinska-Dehe, Andrzej Leder, Rosalba Maccarrone Erhardt, Ewa Modzelewska-Kossowska, Małgorzata Ojrzyńska, Katarzyna Prot-Klinger, Annette Simon, Wojciech Sobański, Krzystof Szwajca, Nadine Teuber, Joanna Tokarska-Bakir, Hans-Jürgen Wirth und Anna Zajenkowska
Ewa Kobylinska-Dehe, Pawel Dybel, Ludger M. Hermanns (Hg.)
Wiederkehr des Verdrängten?
Psychoanalyse und das Erbe der Totalitarismen
https://www.psychosozial-verlag.de/2938
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Textaris(txt*bot)

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[Abwehrmechanismus (Notizen) ... ]
« Reply #5 on: January 25, 2021, 06:46:24 PM »

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[...] Der unter dem Namen Willi Fetz 1925 geborene André Müller sen. ist mit dem Leben davongekommen. Ein Kölner Jude, der aus dem Konzentrationslager fliehen konnte, um diese Erfahrung danach konsequent von sich abzuspalten, wie er in einem Interview vor zehn Jahren erzählte: "Ich habe einen einzigen Komplex behalten. Ich lese keine Bücher über KZs, ich sehe keine Filme über KZs, und Freud hat Unrecht, wenn er meint, man müsste das Verdrängte auferwecken, es zum Bewusstsein heben und dann verschwinde es. Ich habe festgestellt, dass mein ganzes Leben nur dann gut ist, wenn ich in der Lage bin, das alles zu verdrängen."  ...


Aus: "André Müller sen.: Lebenslügen der BRD" Matthias Dell (25. Januar 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2021-01/andre-mueller-sen-nationalsozialismus-kommunismus-theater
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