Author Topic: [Verhältnis zwischen Kunst, Moral und Künstlern... ]  (Read 46 times)

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[Verhältnis zwischen Kunst, Moral und Künstlern... ]
« on: January 03, 2018, 11:17:19 AM »
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[...] Kunst und Moral - Fremde oder gar Feinde? ... Es ist schwerlich zu leugnen, dass wir auch heute noch allergisch auf Kunst reagieren, die gegen die gerade üblichen Schön- und Umschreibungen der Welt verstößt. Die verbreitete Schwärmerei für die Autonomie der Kunst hält die wenigsten davon ab, sie der Zensur durch konventionelle Moral oder Political Correctness zu unterwerfen. So werden lange verehrte Kinderbücher umgeschrieben, weil man sich plötzlich an dem Wort „Neger“ stößt, oder Huckleberry Finn von der Liste der empfohlenen Schullektüre gestrichen, da die Figur Jim ein antiquiertes Bild des kindlichen Schwarzen vermitteln könnte (Booth 1988:3f., 457ff.). Welche Kunstwerke hier der moralischen Zensur entzogen, welche ihr unterworfen werden, scheint lediglich vom Grad ihrer Exklusivität oder Popularität abzuhängen. So wird Der Ring des Nibelungen, ein Genuss für die relativ kleine Gruppe der Wagner-Liebhaber, seit je aufgeführt, ohne die geringste Rücksicht darauf zu nehmen, dass die Gestalten des Alberich und des Mime bei Wagner antisemitischen Klischees entsprechen. Die in den ersten Folgen der populären amerikanischen Fernsehserie Breaking Bad dargestellte Entwicklung Walter Whites vom biederen Lehrer zum brutalen Drogenbaron, die als lustvolle persönliche Befreiung inszeniert wurde, stieß hingegen – ungeachtet ihrer artistischen Würdigung durch diverse Preise – auf heftige Kritik, die sich erst beruhigte, als Walter Whites Treiben in den späteren Folgen in die persönliche und familiäre Katastrophe mündete.

Nun mag man dies für einen falschen Umgang mit Kunstwerken halten. Aber stellt die moralische Kritik an der „falschen Botschaft“ (der Belohnung der Bösen), die von solchen Narrativen ausgehen könnte, wirklich eine grundsätzliche moralische Zumutung an diese (Film-) Erzählungen dar? Das mag in Einzelfällen gewiss so sein, wenn im Nachhinein Kunstwerke zensiert werden, weil sie den je neuen Normen der Political Correctness nicht entsprechen, oder wenn die Kritik von einer ängstlichen Konventionalität ausgeht, die weder der Komplexität der Filmkunst, noch der moralischen Mündigkeit der Zuschauer gerecht wird. Was in Narrativen wie Breaking Bad geschieht und wie es filmtechnisch und künstlerisch vermittelt wird, überlegen sich Drehbuchautoren, Kameraleute, Schauspieler und Regisseure jedoch immer schon mit Blick auf die erwartbaren moralischen Reaktionen der Zuschauer; ihre zu erwartende Schockiertheit oder Befremdung ist in die narrative Konstruktion der modernen Serie ebenso mit eingebaut wie in die Theaterstücke seit der Antike und in den modernen Roman. Moral (im Sinne sowohl der thematisierten Moral als auch der antizipierten moralischen Reaktionen der Kunstkonsumenten) ist immer schon Teil des Sinnganzen, nicht etwa etwas Sinnfremdes.

... Die wichtige kantische Einsicht, dass die ästhetischen Kriterien der Beurteilung von Kunst andere sind als die moralischen, ist daher nicht mit der irrigen Vorstellung zu verwechseln, die Kunst sei ein von sozialen, moralischen und politischen Fragen abgeschirmter Bereich. Dass es gute Gründe gab und gibt, Kunst vor bestimmten gesellschaftlichen und politischen Vereinnahmungen zu schützen, steht dabei außer Frage.

... aus platonischer Sicht stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Moral und Kunst vor allem als Frage nach der Wahrheitsfähigkeit der Kunst: Inwieweit ist Kunst nur Nachahmung von äußerem Schein, inwieweit kann sie sich – evtl. auch mit Hilfe der Philosophie – dem nicht augenscheinlichen Wesen der Dinge nähern und es veranschaulichen? Eine Dichtkunst, die das nicht leisten kann, ist in ihren sittlichen Auswirkungen gefährlich.

... Lessing denkt sich die Entwicklung von Mitgefühl nicht als ein primitives emotionales Mitschwingen mit den dargestellten Gefühlen im Theater, sondern führt sie auf eine komplexe Konstellation zurück, zu der klassische Strukturelemente der Tragödie, aber auch die Selbstwahrnehmung des Zuschauers gehören. Die narrative Konstellation orientiert sich an den Strukturelementen der aristotelischen Poetik: Mitgefühl entsteht, wenn das Schicksal des Helden vom Glück ins Unglück umschlägt, aber nicht in ein banales kleines Unglück, sondern eines, das im Verhältnis zum persönlichen Verschulden unverhältnismäßig groß erscheint. Die emotionale Reaktion des Zuschauers auf das dargestellte Unglück steht bei Aristoteles in Beziehung zu der moralischen Natur der Hauptperson: Diese darf nicht schlecht sein, sondern muss zu den eher guten, aber nicht ganz vollkommenen Personen gehören, damit eine Identifikation möglich wird. Daran orientiert sich auch die Reflexion auf die Beziehung zwischen Zuschauer und Tragödienheld bei Lessing: Die Furcht, die das Schicksal der anderen bei uns auslöst, entspringt unserer Ähnlichkeit mit der leidenden Person, ist also eigentlich ein auf uns selbst bezogenes Mitleid. Dieses aber setzt voraus, dass wir noch Grund haben, für uns selbst zu fürchten: Weder der Verzweifelnde, noch der Übermütige kann mit anderen Mitleid haben (Lessing 1973:578ff.). So wird die dramatische Konstellation, die die aristotelische Katharsis bewirkt, bei Lessing zu einer Art Technik der Erzeugung moralischer Gefühle: Mitgefühl wird durch die Manipulation der narrativen Bedingungen hervorgerufen, die beim Zuschauer sympathetische Identifikationen hervorrufen.

Die Erwartungen Lessings an das Theater als eine moralische Bildungsinstitution haben nicht alle Zeitgenossen geteilt.

... Wie schon die Diskussion des Mitgefühls bei Corneille und Lessing zeigt, hängt die Bedeutung, die man dem Theater im späten 18. Jahrhundert für die moralische Bildung zuschrieb, damit zusammen, dass man die bloß rationale Überlegung sowohl mit Blick auf die moralische Motivation als auch die Fähigkeit, sich in die Perspektiven anderer zu versetzen, für ethisch unzureichend hielt. Auf das Theater konzentrieren sich somit die Hoffnungen der Aufklärungskritik, die sich gegen die Illusionen und Folgeschäden eines verengten Rationalitätsverständnisses richtet. Ihren Höhepunkt findet diese Entwicklung im ästhetischen Idealismus bei Schiller: dem Gedanken, dass die Dichtkunst auf das Gute, das Schöne und das Wahre gerichtet sei, und dass diese drei Dinge auch unverzichtbar zusammenpassten, sich wechselseitig stützen müssten.

... Viele Diskussionen zum Verhältnis von Kunst und Moral seit dem zwanzigsten Jahrhundert drehen sich um die Frage, was die Kunst zur Entwicklung eines Bewusstseins moralischer Normen leistet und inwiefern sie hier eine konventionelle Moral stützt oder geeignet ist, sie kritisch oder subversiv zu unterwandern.

...


Aus: "Kunst und Moral" Maria-Sibylla Lotter (2016)
Quelle: https://www.kubi-online.de/artikel/kunst-moral


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[Verhältnis zwischen Kunst, Moral und Künstlern... ]
« Reply #1 on: January 03, 2018, 11:24:33 AM »
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[...] Ist der eben noch hochgepriesene, mit zwei Oscars, Golden Globes und Emmy Awards ausgezeichnete und erst 2016 von Prince Charles als Amerikaner und langjähriger Direktor des Londoner Old Vic Theatres zum britischen Ritter geschlagene Schauspieler Kevin Spacey nunmehr zur völligen Unperson geworden?

Wir müssen die ganze MeToo-Debatte um sexuellen Missbrauch, im Film- und Fernsehgeschäft wie in der übrigen Gesellschaft, hier nicht ausführlich wiederholen. Aber der Fall Kevin Spaceys, der im Unterschied zum Hollywood-Produzenten Weinstein selbst ein Künstler ist, darf in mehrerlei Hinsicht als besonders gelten.

Am 15. Februar, dem Eröffnungstag auch der Berlinale 2018, wird in den deutschen Kinos Ridley Scotts neuer Film „Alles Geld der Welt“ über die einstige Entführung des Milliardärsenkels John Paul Getty anlaufen. In dem bereits abgedrehten und fertig geschnittenen Film hatte Spacey den grausam geizigen, das Leben seines Enkels riskierenden Familienboss J. P. Getty verkörpert. Ende Oktober aber behauptete der bis dahin nicht sehr bekannte Schauspieler Anthony Rapp, vor über 30 Jahren habe der damals 26-jährige Spacey ihn als erst 14-Jährigen bei einer Party in Spaceys Wohnung angefasst und körperlich „belästigt“. Wie der Junge auf diese Party kam, wurde nicht weiter erörtert.

Spacey reagierte per Twitter, er könne sich an den Vorfall nach drei Jahrzehnten nicht erinnern, entschuldige sich aber für den Fall eines im Alkoholrausch ein „unangemessenen“ Verhalten. Dazu machte er erstmals öffentlich bekannt, „inzwischen das Leben eines schwulen Mannes“ zu führen. Fast postwendend erklärte die Firma Netflix, Spacey als Hauptdarsteller der TV-Erfolgsserie „House of Cards“ zu entlassen und einen mit Spacey gedrehten Film über den homosexuellen Autor Gode Vidal unter Verschluss zu halten.

„Alles Geld der Welt“ wird dagegen gezeigt. Aber nicht mehr mit Kevin Spacey. Regisseur Ridley Scott hat seinen Star aus dem mehr als zweistündigen Film herausgeschnitten und in neun Tagen für etwa sechs Millionen Dollar die entsprechenden Szenen mit Christopher Plummer als Milliardär Getty nachgedreht und einmontiert. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte der 80-jährige Altmeister Scott dazu, es sei vor allem darum gegangen, die bisherigen 45 Millionen Dollar Produktionskosten nicht umsonst ausgegeben zu haben. Also keine zuvörderst moralische, eher eine geschäftliche Entscheidung.

Im SZ-Interview wird Scott allerdings auch nach dem Verhältnis zwischen Kunst, Moral und den Künstlern gefragt. Der Regisseur: „Man muss die Person von ihrem Werk trennen.“ Scott verweist etwa auf die Gemälde des Franzosen Balthus und seine Darstellung kindlich junger Mädchen in lasziven Posen. „Es sind unbehagliche, teils verstörende Gemälde.“ Aber ihn selbst interessiere dabei nicht, was ein Künstler „privat macht. Ich beurteile ausschließlich seine Kunst“. Und bei dem von ihm gleichfalls bewunderten Akteur Spacey? Der hätte „wegen dieser Skandale“ den Film, sprich „das Gemälde zerstört!“

Tatsächlich sind bei einem Schauspieler als Darsteller Werk und Person nicht zu trennen. Der Akteur wird so selbst zum Werk. Und Proteste gegen einen Film oder eine Aufführung würden alle sonst beteiligten Künstler in Mitleidenschaft ziehen. Trotzdem bereitet der Film-Fall Kevin Spacey jetzt Unbehagen.

Technisch ist das, was bei „Alles Geld der Welt“ passiert, gewiss machbar. Aber Schauspieler, ihre Besetzung mit bestimmten Rollen sind künstlerisch (und damit auch menschlich) nicht einfach austauschbar wie Requisiten. Regisseure beharren normalerweise darauf, dass ihre einmal gewählten Schauspieler für sie der Inbegriff ihrer Inszenierung seien.

Und: Im möglichen Missbrauchs-Fall Kevin Spacey ist wohl nicht alles so eindeutig, wie es etwa bei den zahllosen Attacken des Produzenten Weinstein auf junge Frauen zu sein scheint. Anders auch als einst bei Roman Polanski und einer 13-jährigen Party-Bekanntschaft ist laut den Schilderungen von Anthony Rapp zwar von körperlichen Anzüglichkeiten, aber von keinem Sexualverkehr die Rede. Was nach dem Statement von Rapp noch etliche andere (erwachsene) männliche Kollegen von Spacey als Erfahrungen vor allem während dessen Londoner Theaterzeit am Old Vic vorgebracht haben, klingt dennoch unappetitlich. Klingt nach (situativem) Machtmissbrauch durch einen Prominenten. Ohne hier den strafrechtlichen Begriff der Vergewaltigung zu diskutieren oder über unbekannte Details zu spekulieren: Es gibt trotzdem bislang keine Anklage, es ist wenig oder nichts wirklich bewiesen – ganz abgesehen von der rechtsstaatlichen Unschuldsvermutung, an die sich vor allem in der amerikanischen Öffentlichkeit derzeit kaum noch jemand zu erinnern bemüht. Und selbst in Deutschland, wo im Film-, TV- und Showbusiness allerorts ohne konkrete Namensnennung debattiert wird, selbst hier herrscht ein Klima der teils gratismütigen, teils selbstgerechten Vorverurteilung.

Auch eine schlimme Kindheit, von der Kevin Spaceys älterer Bruder Randall Fowler in der „Daily Mail“ ausführlich berichtet hat (der Vater Spacey ein Nazi, Antisemit, Peiniger und sexueller Missbraucher in der Familie), selbst sie entschuldigt nichts, was ein mittlerweile berühmter Star mit seinen weniger privilegierten Mitmenschen privat oder in Ausnutzung seiner beruflichen Stellung womöglich treibt. Aber folgt aus dem Verdacht für den jetzt 58-jährigen Spacey ein – lebenslängliches ? – Berufsverbot, ein gar retrospektiver Bann?

Als die Künstler-Agentin Heike-Melba Fendel zu Gast bei Anne Will vor einigen Wochen auch nur ansatzweise erwähnte, dass es bei Kevin Spacey ohne gesicherte Fakten um den (dennoch nichts vorab entschuldigenden) Respekt gegenüber „einem der bedeutendsten lebenden Schauspieler“ gehe, umgab sie in der TV-Talkrunde sogleich eine eisige Wand.

Man muss heute gegenüber einem übertreibenden Rigorismus nicht gleich die früheren Bilderstürmer bemühen. Oder die modernen Bildmanipulationen eines Stalin, der den Mitrevolutionär Trotzki durch Retuschen bei Film- und Fotoaufnahmen aus der russischen Geschichte löschen wollte.

Aber, der bislang beispiellose Umgang mit dem Fall Spacey lässt einen weiter fragen: Sollen Roman Polanskis oder Woody Allens Meisterwerke, wie es in den USA zum Teil gefordert wird, aus dem cineastischen Gedächtnis verschwinden? Und was wäre mit Charlie Chaplin oder Marlon Brando, die es auch mit sehr jungen Mädchen hatten, und was mit all den noch immer bejubelten Sexsymbolen der Pophistorie?

Sicherlich ist unser Blick, nicht erst durch die Missetaten eines Strauss-Kahn oder Weinstein, geschärft. Und in der Kunstgeschichte weiß jeder halbwegs Kundige, wie viele barbusig stillende Madonnen, wie viele antike Göttinnen, Sklavinnen oder geraubte Sabinerinnen der Erbauung vor allem des männlich lüsternen Blickes galten. Wie ein Großteil der Aktmalerei überhaupt. Oft genug sind sie trotzdem größte Kunst und allemal Zeugnisse anderer Zeiten.

Das gilt auch für den berühmten nackten Amor des Caravaggio aus der Berliner Gemäldegalerie. Die Frage ist nur, ob man ausgerechnet dieser Tage das Gemälde aus seinem um das Jahr 1600 noch halb privaten und dann seit langem musealen Kontext herausnehmen soll und ziemlich knallig, mit dem fotorealistisch entblößten Glied eines etwa zwölfjährigen Modells als Plakatwerbung der Staatlichen Museen zu Berlin unter dem Motto „5.322.913 Kunstwerke 365 Tage 15 Museen“ auf Berliner Litfasssäulen kleben muss. Wie vor Weihnachten geschehen – und alsbald an der empfindlichsten Stelle mit allerlei Kritzeleien bedacht. Die Werbeaktion wirkte frech, doch nicht unbedingt sensibel.

Dennoch ist der wunderbare Künstler Caravaggio, mag er im Leben auch ein Messerstecher und womöglich Liebhaber Minderjähriger gewesen sein, gegen Angriffe auf sein Werk, die es immer wieder gibt, zu verteidigen. Wie auch Nabokovs (rein literarisch gebliebene) erotische Liebeserklärungen an junge Mädchen. Wie Louis-Ferdinand Célines grandioser Weltkriegsroman „Reise ans Ende der Nacht“ – obwohl der Autor zu einem rabiaten Antisemiten wurde. Gallimard wird Célines gegen Juden hetzende Pamphlete 2018 erstmals im Rahmen seiner Gesamtausgabe wieder drucken, aber, was sonst, mit historisch-kritischer Kommentierung.

Die Fallbeispiele sind ohne Zahl. Brecht etwa wurde nicht zu Unrecht sein Sex in Schreibarbeit verwandelndes Verhältnis zu seinen Geliebten und Koautorinnen vorgeworfen. Trotzdem hat Brecht in seinen erotischen Gedichten und mit den Heldinnen seiner Stücke einige der schönsten Frauenfiguren der Weltliteratur geschaffen. Es gehört eben zur Geschichte der Kunst wie zur gesamten Menschheitsgeschichte sehr oft: eine Disproportion von Talent und Charakter. Oft ist sie der Preis und bildet zugleich die humane, weil widersprüchliche Wahrheit der Kunst. Oder anders gesagt: Das Werk ist und weiß mehr als der Autor.

Kevin Spacey übrigens habe ich vor gut sechs Jahren in der weltweit gezeigten Inszenierung von Sam Mendes als Richard III. am Londoner Old Vic leibhaftig erlebt. Er spielte Shakespeares Mörderkönig als furioses, von diabolischem Witz befeuertes Monster. Ungeheuerlich. Ja: genial. Sein Regisseur, der mit ihm auch den Oscar-Gewinner „American Beauty“ gedreht hat, sagte über Spacey damals: „Ich hatte immer das Gefühl, er wurde geboren, um diese Rolle zu spielen.“


Aus: "Künstler können Monster sein" Peter von Becker (03.01.2018)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/metoo-debatte-und-kevin-spacey-kuenstler-koennen-monster-sein/20806416.html

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[Verhältnis zwischen Kunst, Moral und Künstlern... ]
« Reply #2 on: January 03, 2018, 12:31:22 PM »
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[...] Die Welt ist nicht schwarz-weiss, sie hat leider ganz viele Schattierungen und die machen es verdammt schwer, in ihr zu leben und zu urteilen. Auch einer, der moralisch ein Schwein ist, kann einen künstlerischen Blick auf Dinge haben, der toll ist, der tief ist, der wahr ist. Wenn man diesen anerkennt, akzeptiert man nicht gleich sein moralisches Vergehen mit.

Das Kunstwerk entstand nicht im luftleeren Raum. Es entstand in und durch den Menschen, der durch sein anderes Tun ein Ekel, ein unmoralischer Mensch, ein Betrüger oder was auch immer ist. Aber wenn er es geschaffen hat, steht es auch für sich. Als Kunst. Das vollendete Werk ist vom Künstler losgelassen. Er wendet sich dann Neuem zu. Das sagen ganz viele Künstler über ihre Werke: Sie brüten und schaffen – dann lassen sie los. Und dann passiert ja auch viel damit durch die Reaktionen der Betrachter. Das Werk gehört quasi ihnen, da sie dann daraus durch die Rezeption was machen.

Drum schaue und höre ich mir weiter Werke von Künstlern an, die ich moralisch fragwürdig finde. Ich neigte noch nie zum Fan-Kult. Mir ist relativ egal, wer hinter einem Werk steht. Entweder es überzeugt mich oder nicht. Das gibt den Ausschlag, ob es meine Zeit wert ist – oder nicht. ...


Aus: "Moral, Künstler und Kunst" (30.10.2017)
Quelle: https://denkzeiten.com/2017/10/30/moral-kuenstler-und-kunst/