Author Topic: [Romantik und Melancholie... ]  (Read 499 times)

0 Members and 1 Guest are viewing this topic.

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8939
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Romantik und Melancholie... ]
« on: June 04, 2017, 01:28:56 PM »
Quote
[...] Für mich ist Melancholie etwas Bejahendes, sie hat für mich mit Wärme zu tun, mit Liebe.


Aus: "Matti Geschonneck im Interview: „Melancholie hat mit Liebe zu tun“" Christina Bylow (02.06.2017)
Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/kultur/film/matti-geschonneck-im-interview--melancholie-hat-mit-liebe-zu-tun--27025760-seite2
« Last Edit: June 04, 2017, 01:32:33 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8939
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
Re: [Romantik und Melancholie... ]
« Reply #1 on: October 11, 2017, 01:15:47 PM »
Quote
[...] Die Romantik, die erste moderne Avantgardebewegung, gilt zu Unrecht als prinzipiell rückwärtsgewandt. In den Ländern, in denen sie zuerst entsteht, Deutschland und England, kann sie viel genauer beschrieben werden, wenn man sie unter dem Blickwinkel ihrer kritischen Sympathie mit der französischen Revolution betrachtet, auf derem Höhepunkt sie entsteht. Die revolutionären Sympathien der frühen Romantiker sind nicht individuelle Zufälle, sondern reichen ins Innerste der Neuen Schule. Sie nimmt die epochale Erschütterung nicht nur von aussen auf, um sie zu verarbeiten, sondern betrachtet sich selbst, ihre Philosophie, Kunst und Wissenschaft als integralen Bestandteil eines revolutionären Programms, das beitragen soll, die Revolution vor ihrem Versagen zu retten, indem sie über ihre Beschränkung hinaustreibt. In diesen Kreisen wird das Problem der Erneuerung, man könnte fast sagen: der Gründung einer Gesellschaft radikaler betrachtet als jemals vorher, und lange nachher. ...


Aus: "Über Romantik und Revolution: Jörg Finkenberger – Do 28.09.2017 – 20:00 Uhr, ACC Galerie Weimar" (31.07.2017)
Quelle: http://spektakel.blogsport.de/2017/07/31/ein-riss-ist-in-der-welt/

---

Quote
[...] »Linke Melancholie« ist eine Diagnose, die gerade in Krisenzeiten emanzipatorischer Praxen schnell zur Hand ist. In Berufung auf das von Walter Benjamin in den 1930er Jahren geprägte Schlagwort erklingen Klagen über einen Mangel an »Aktivismus«, den Rückzug aus gesellschaftlichen Gefechten »der Straße« in Selbstbespiegelungsdiskurse, »passives Lesekreisen« und (pop-)kulturelle Jammertäler. Was sich der Umwälzung verschrieben habe, sei durch eine Rückwärtsgewandtheit bestimmt, die sich in nostalgischem Schwelgen in überholten Traditionen und melodramatischem Suhlen in Niederlagen emanzipatorischer Bewegungen äußere. Von einer »wirklichen Bewegung« keine Spur – nur unwirksamer Stillstand und eine einzige Misere aus Pessimismus, Nihilismus und Utopieverlust. Als Hauptübel wird ein ästhetischer Eskapismus identifiziert, der zu »politischer Handlungsunfähigkeit« führe. ...


Aus: " »… versunken im Schlamm des Trauerbachs«: »Linke Melancholie« und revolutionäre ästhetische Praxis"
Antje Géra – Do 12.10.2017 – 20:00 Uhr, ACC Galerie Weimar (31.07.31)
Quelle: http://spektakel.blogsport.de/2017/07/31/versunken-im-schlamm-des-trauerbachs/


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8939
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Romantik und Melancholie... ]
« Reply #2 on: May 09, 2018, 01:45:37 PM »
Quote
[...] Nicht im melancholischen Verdämmern, sondern in trotziger Selbstbehauptung und Streben nach Glück begegnen seine Figuren der Unerbittlichkeit des Lebens, selbst dann, wenn ihnen das Scheitern eingeschrieben ist.“


Aus: "Hans Falladas Doppelleben" Wilhelm von Sternburg (27.09.2017)
Quelle: http://www.fr.de/kultur/literatur/biografie-hans-falladas-doppelleben-a-1358246,2

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8939
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Romantik und Melancholie... ]
« Reply #3 on: August 15, 2018, 10:42:48 AM »
Quote
[...] Frank Jödicke: ... Als ob die Melancholie dadurch entstünde, dass etwas innerlich, geistig genau ausgearbeitet wird. Sei es jetzt durch die Erinnerung oder die Kunst.

Konstantin Wecker: Das ist natürlich völlig richtig, die Melancholie gehört immer dazu. Eugen Drewermann hat gesagt, die Schwermut sei die Schwester Deines Glücks.
Das erscheint mir deswegen interessant, weil ich das an mir erst seit kurzem akzeptiere. Ich habe vor 14 Jahren ein Lied über die Schwermut geschrieben. Meine Texte passieren mir ja und ich denke sie mir nicht aus. Und nach diesem Lied wusste ich plötzlich, dass ich immer schon ein schwermütiger Mensch war und mir gerne von außen einreden ließ, ich hätte die Power und sei immer gut drauf. Ohne Schwermut kann man nicht mitfühlend sein. Erst die Schwermut gibt uns die Möglichkeit, tief in uns hineinzugehen, und wir beginnen dort etwas zu verarbeiten.
Die Schwermut ist eine Bedingung der Kunst. Das Glück ist ohne Schwermut gar nicht als solches zu erfassen. Das Erinnern an die schönen Augenblicke wird mir heute im Alter erst viel klarer. Die wirklich schönen Augenblicke sind nicht die, wo man mal kurz gut drauf ist, sondern sind jene der Ich-Losigkeit, wo man einfach nur da ist und aufgehoben ist in allem.
An diese mystischen Erfahrungen kann man sich natürlich nachher nicht erinnern, weil man ja in diesen Erfahrungen mitten drinnen war und ohne Ratio. Ich kann mich nur erinnern, dass da mal was war. Es kann nicht nachempfunden werden und mit dem Verstand zurückgeholt werden. Um es erneut zu empfinden muss es wieder erlebt werden. Das ist gerade das Schöne an diesen Momenten. Sie können auch nicht erarbeitet werden, auch vierzig Jahre Meditation bieten keine Gewähr, dass man in diesen Zustand kommt.



Aus: ""Nationalismus wird uns immer ins Elend führen"" Frank Jödicke (15. August 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Nationalismus-wird-uns-immer-ins-Elend-fuehren-4136969.html?seite=all