Pages: [1]   Go Down

Author Topic: [Orpheus am Machtpol... ]  (Read 4849 times)

0 Members and 1 Guest are viewing this topic.

Textaris(txt*bot)

  • LASER#17 Ambivalenzen
  • Hero Member
  • *
  • Offline Offline
  • Posts: 11224
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Orpheus am Machtpol... ]
« on: March 29, 2012, 09:54:49 AM »

Wolfgang Ullrich: Mit dem Rücken zur Kunst
Die neuen Statussymbole der Macht
KKB. 2000, 128 Seiten. Gebunden. Mit vielen, teilweise farbigen Abbildungen.
ISBN 978-3-8031-5164-3
Wo Führungskräfte sich noch vor zwanzig Jahren in gediegenem Mobiliar und mit ebenso gediegenen Ölgemälden abbilden ließen, stehen sie heute vor moderner Kunst. Moderne Kunst im Umfeld von Geld und Macht: Wie konnte sie zu einem der wichtigsten Statussymbole unserer Zeit werden? Und was sagt dies über die Kunst selbst aus – sowie über diejenigen, die sich ihrer bedienen?
»Wolfgang Ullrich stößt mit seiner Analyse die Tür weit auf für einen vorurteilslosen Systemvergleich der Kunstbetriebe in BRD und DDR. Selten gab es so entlarvendes Material über die Verstrickungen der Künstler im Spätkapitalismus.« (Berliner Zeitung)
https://www.wagenbach.de/buecher/titel/321-mit-dem-ruecken-zur-kunst.html

-

Buch der Könige (auf 4 Bände angelegt)
    1. Orpheus und Euridyke, Stroemfeld Verlag 1988
    2x. Orpheus am Machtpol, Stroemfeld 1994
    2y. Recording Angel’s Mysteries, Stroemfeld 1994
http://www.klaus-theweleit.de/?page_id=6

-

Quote
[...] "Es ist der Moment, in dem der Kunst-Pol ins Feuer fliegt", so Theweleit. Der Moment auch, in dem sich Gottfried Benn, "Dr. Orpheus", an den Machtpol ankoppelt und auf die Kollaboration mit dem Nazi-Staat einläßt. So, wie sich auch Knut Hamsun an den Nazi-Machtpol anschloß. So, wie sich andere mit anderen Machthabern einließen - Ezra Pound mit Mussolini, Elvis Presley mit Richard Nixon, Andy Warhol mit den Konzern-Mächten von Campbell''s bis Mercedes-Benz.

"Orpheus am Machtpol" ist der Untertitel des zweiten Teils von Klaus Theweleits "Buch der Könige", jenem monumentalen "work in progress", an dem der Freiburger Freelance-Germanist seit mindestens 16 Jahren arbeitet, fast seit seiner berühmten Doktorarbeit von 1977 über "Männerphantasien" (SPIEGEL 52/1977).

Gemeint sind die Kunst-Könige, namentlich die Dichterfürsten, die Herrscher im Kunst-Reich. Vor sechs Jahren, im ersten Band des "Buchs der Könige", untersuchte Theweleit am Modell von Orpheus und Eurydike die Paar-Beziehung zwischen Künstlern und ihren Frauen und stellte die These auf, daß Kunst mit Menschenopfern, vorzugsweise mit Frauenopfern, erkauft wird. Frauen, schreibmaschinenkundige, Manuskripte erstellende Diktat- und Aufschreibengel, kurz: Recording Angels, werden dem Hades geopfert, damit Kunst, damit Literatur zustande kommt. Orpheus ist der Überlebende, Eurydike ist das Opfer; er verwandelt Schmerz in Kunst, sie schweigt und stirbt.
Ging der erste Band des "Buchs der Könige" der Frage nach, wie Orpheus, der Prototyp des Künstlers als Weltverwandler, es mit der Liebe hält, fragt jetzt der zweite Teil (der auf zwei Bände mit insgesamt 1750 Seiten angeschwollen ist), wie Orpheus es mit der Macht hält*. Der Brückenschlag zurück zu den "Männerphantasien", in denen etwa aus der Freikorps-Literatur heraus eine neue Faschismus-Theorie entwickelt wurde, ist offensichtlich und Theweleits Absicht: "Man kann dies hier lesen als ihren genuinen dritten Band."

Es ist ein Werk in Theweleits typischer Endlosbauweise, eine lockere Text-Bild-Montage, die ihre narrativen und illustrativen Mittel gleichwertig ein- und sich über akademische Verfahrensregeln fröhlich hinwegsetzt - weniger ein "Theorie-Epos" (wie Rüdiger Safranski das nannte) als vielmehr eine Fakten-Saga über Fiktionen, die alle Theorieansätze der germanistischen Interpretationszunft zum Werk und zum Leben von Künstlern unterläuft. Tausende Seiten umfaßt dieses work in progress inzwischen, Tausende Seiten könnte es auch noch weitergehen - ein uferloses, sich selbst entgrenzendes Projekt über Literatur und Liebe, Literatur und Frauenleiber, Literatur und Macht.

... 1970 sprach King Elvis bei Präsident Nixon im Weißen Haus vor, um sich einen Spezialausweis als Drogenfahnder vom "Federal Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs" zu verschaffen. Was auch gelang: Nixon lancierte eben, als Ablenkung vom Vietnamkrieg, eine Anti-Drogen-Kampagne, da kam ihm der Mega-Rocker Elvis als Kampagnereiter zupaß. Was Tricky Dick nicht wußte: Narziß Presley war selber ein schwerer Narcotic und wünschte sich das magische Emblem eines "Federal Narc" einzig, weil ihm die Plakette das Recht verlieh, jede verbotene oder verschreibungspflichtige Droge bei sich zu führen.

So zeigt die Konstellation des Orpheus am Machtpol, soweit Klaus Theweleits Auge reicht, nur katastrophische Beispiele. Bis auf dies: "Nur bei einem Ausnahme-Mann ging es ohne Katastrophe - Nähe zum Machtpol bei vollem Erhalt des poetischen Schreibens plus Abneigung gegen Diktatoren: Thomas Mann." Na bitte.

...

DER SPIEGEL 49/1994


Aus: "Wie einer zum Nazi wird" 
Sigrid Löffler über den zweiten Band von Klaus Theweleits "Buch der Könige"" (05.12.1994)
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9293848.html

« Last Edit: May 29, 2021, 11:21:40 AM by Textaris(txt*bot) »
Logged

Textaris(txt*bot)

  • LASER#17 Ambivalenzen
  • Hero Member
  • *
  • Offline Offline
  • Posts: 11224
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Wer zwei Paar Hosen hat... ]
« Reply #1 on: March 29, 2012, 09:59:28 AM »

Rezension bezieht sich auf:
Buch der Könige, Band 2x / 2y: Orpheus am Machtpol / Recording Angels' Mysteries. 2 Bände:

Quote
"Alle große Kunst gruppiert sich um einen linken Kern", dekretierte Alfred Andersch vor fünftig Jahren: Ein Wunschdenken der jungen Bundesrepublik (und noch mehr der DDR). Was aber, wenn das Kunstempfinden gerade bei politisch eher zweifelhaften Personen ausschlägt: bei Benn, der sich öffentlich für Hitler einsetzte, bei Hamsun, der Goebbels seinen Literaturnobelpreis schenkte, bei Celine, bis zu seinem Tod 1962 bekennender Faschist und Antisemit, bei Pound, der sich als Berater Mussolini andiente? Andererseits, der rasch gezogene Umkehrschluß: Expressionismus führt zu Faschismus, Ästhetizismus führt zu Faschismus, ist ebenso unbefriedigend. Das Verhältnis von Kunst und Macht scheint komplexer zu sein. Theweleit, Chronist der Moderne, beschäftigt sich in diesem Band des "Buches der Könige" hauptsächlich mit Gottfried Benn und anderen, die (zweitweise) zu Faschisten mutierten. Das hohe Niveau der Psychologie sowie die Breite der Assoziationen sind fesselnd. Der zweite Teil des Bandes widmet sich Amerika: Elvis und Warhol. Ihren Arten, damit umzugehen, daß sie Herrscher in einem Kunststaat waren. Elvis' Wirken als FBI-Ermittler, Warhols Erlösung im Seriellen. Theweleit berichtet alle jene Geschichten, die sonst gerne unter den Tisch fallen oder umgeschrieben werden. Er schreibt keine Polemik, er geht seinen geistigen Wurzeln nach. Auch wenn er meist persönlich bleibt, den Untertönen der Texte nachspürt, treffen seine Analysen oft gesellschaftliche Entwicklungen (in der Art Deleuzes, McLuhans oder DeMauses). angesichts der substanzlosen aber erbitterten Zeitungsdebatten gerade über die oben genannten ist es erstaunlich, daß man ein derart ruhiges, riesiges Buch über das Thema Kunst und Macht schreiben kann. "Wer zwei Paar Hosen hat, sollte eines versetzen, um sich dieses Buch zu kaufen" (Lichtenberg)


Aus: "Kunst und Macht" Von ??? (3. September 1999)
Quele: http://www.amazon.de/Buch-K%C3%B6nige-Band-Recording-Mysteries/dp/3878773064

Logged

Textaris(txt*bot)

  • LASER#17 Ambivalenzen
  • Hero Member
  • *
  • Offline Offline
  • Posts: 11224
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Triumphale Inszenierungen... ]
« Reply #2 on: March 29, 2012, 10:13:31 AM »

Quote
[...] Design ist seit dem Einsatz der Medici für die Gegenreformation und neureiche
Achsenbildungen - gipfelnd in Giorgio Vasaris Bau der Uffizien und der Gründung der
'Accademia del disegno' 1563 - ein probates Mittel für politische Zwecke und triumphale
Inszenierungen. Spätestens mit dem entwickelten Barock - im Rom Berninis und im Versailles
des Sonnenkönigs - ist es allerdings fraglich, ob Politik, vorgeblich auf Konzepte von
Interessendurchsetzung, rationaler Entscheidung und historischer Einflussnahme beschränkt,
ohne das Dekorations- und Inszenierungsmodell von Design überhaupt auskommt. Ebenfalls
unter der Leitung von Giorgio Vasari wurde für die Florentiner Piazza della Signoria ein
designstrategisches Gesamtkonzept inszenierter Macht entwickelt: an die Stelle des sein
Zentrum konzentrisch, dialogisch und kommunikativ verweisenden Platzes, der die Utopie der
demokratischen Republik verkörpert, treten andere Figurenprogramme und vor allem die
Fluchten, die, in den Uffizien kulminierend, den Platz zerschneiden. Bandinellis Skulptur und
Ammanatis Brunnen akzentuieren diese neue Achse folgsam, aus welcher auf dem Wege
administrativer Bereinigung der störende David Michelangelos, das allen verständliche Sinnbild
der wachsamen Republik, entfernt worden ist. Von da aus erscheint Design als Strategie der
Achsenbildung - neuzeitlich und beispielgebend noch für die Moderne, also seit ihrem
Ursprung - mit der neofeudalen Repräsentation, der Ästhetik der Macht, verbunden und
belastet.

In Frage steht demnach in aller Deutlichkeit, ob nicht der gesamte Designdiskurs der Moderne
auf einer historisch ungebrochenen, mindestens subkutan nachhaltig wirksamen Illusion
beruht. Diese Illusion ist die als Macht der Kunst sich durchsetzende Korrektur der
politischen Macht, mitsamt allen Verführungen der Kunst hin zum 'Machtpol' (Klaus
Theweleit). Mit Giorgio Vasaris 'Accademia del Disegno' 1563 in Florenz und der 1593 in
Rom durch Zuccari in eine avancierte Kunstakademie umgewandelten alten Lukasgilde der
Maler, der 'Accademia di San Luca', beginnt jedenfalls die eigentliche neuzeitliche
Künstlerausbildung - man kommt entsprechend im Sinne einer nach vorne wie nach rückwärts
sich drehenden Spirale immer wieder darauf zurück: auf die Figur der Institution, wie die des
Diskurses, der Rhetorik und des Zeigens. Sie beginnt also mitten in einem angestrengten
Diskurs der Macht, ihrer kritischen und krisenhaften Restabilisierung.

...


Aus: "HANS ULRICH RECK: VON DER GESCHMEIDIGEN REGELLOSIGKEIT DER REGELN"
Einschnitte, Schwellen, Grundierungen, Maximen der neuzeitlich-modernen Künstlerausbildung von der Renaissance bis zur Gegenwart im Techno-Imaginären (2001)
Quelle: http://www.khm.de/kmw/kit/pdf/regellosigkeit_regeln.pdf

Logged

Textaris(txt*bot)

  • LASER#17 Ambivalenzen
  • Hero Member
  • *
  • Offline Offline
  • Posts: 11224
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Das Konzept der Wunschmaschine... ]
« Reply #3 on: March 29, 2012, 11:10:07 AM »

Quote
[...] Der Germanist Theweleit untersucht kulturkritisch die Psychoanalyse, dekonstruiert und kombiniert neu. Narziß ist und bleibt wie im Mythos ein Mächtiger, ein Halbgott. Elvis Presley war für ihn ein Narziß der Moderne, einer der sich, wie McLuhan Narziß deutete, in den Medien erweiterte und Gefühle betäubte, ein aktiver Narziß, der sich im Symbolischen verlor. Allerdings bewegt sich Theweleit sehr in der symbiotischen Terminologie der Deleuze/Guattarischen „Wunschmaschine“ und übersieht das nicht halluzinieren könnende Baby, verwechselt damit Ursache und Wirkung, sobald er das Foucaultsche Gebäude verläßt. ...


Aus: "Narziß sieht fern" - Der „Neue Sozialisationstyp“ und die Sozialisationsinstanz Fernsehen - Eine kulturkritische Analyse von Gerd Fittkau (1995)
Quelle: http://www.gerd-fittkau.de/pdf/narziss%20sieht%20fern.pdf

-.-

Quote
[...] das Konzept der Wunschmaschine, eines Unbewussten, dessen Funktion, anders als in der Psychoanalyse, nicht sprachlich strukturiert ist. ...[M]it dem unbewusste Vorgänge bezeichnet werden, die sich durch keinen noch so komplexen Algorithmus modellieren lassen.“ ... „Die Wunschmaschinen stecken nicht in unserem Kopf, sind keine Produkte der Einbildung, sondern existieren in den technischen und gesellschaftlichen Maschinen selbst.“ ...

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Wunschmaschine (15. Dezember 2011, Kategorie: Philosophie des 20. Jahrhunderts)

Logged

Textaris(txt*bot)

  • LASER#17 Ambivalenzen
  • Hero Member
  • *
  • Offline Offline
  • Posts: 11224
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Die Gottbegnadeten-Liste... ]
« Reply #4 on: March 29, 2012, 11:44:43 AM »

Die Gottbegnadeten-Liste war eine 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkrieges, vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels und Adolf Hitler zusammengestellte, 36 Seiten umfassende Liste, in der 1041 Künstler aufgeführt waren, die dem NS-Regime wichtig erschienen. Der Name beruht auf dem Aktentitel der Liste und ist folglich der offizielle, vom Reichsministerium verwendete Ausdruck. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Gottbegnadeten-Liste


-.-

Quote
[...] Ab 1944 führen Hitler und Goebbels die Gottbegnadeten-Liste. Die aufgeführten Künstler gelten für die Kultur von Nazi-Deutschland als unabkömmlich. Der einzige Ausländer auf der Liste heißt Johannes Heesters. Akten im Bundesarchiv belegen jetzt: Während Millionen Deutsche an der Front kämpfen, verdient der Schauspieler fürstlich. Der Ende 2011 gestorbene Schauspieler und Sänger Johannes Heesters zählte gegen Ende der Nazi-Zeit zu den Großverdienern. Er erhielt Gagen von bis zu 40.000 Reichsmark (RM) pro Film. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, verdiente Heesters für 24 Filmprojekte bis 1944 über 576.000 RM. Das geht aus den Akten des Bundesarchivs in Berlin hervor.

Hinzu sollen auch noch Sonder- und Bonuszahlen gekommen sein. Zudem genoss Heesters besondere Steuererleichterungen, die Adolf Hitler 1938 für prominente Künstler erlassen hatte. Zum Vergleich: Die monatliche Miete für eine 80-Quadratmeter-Wohnung lag damals bei 100 Reichsmark.

Heesters war 1903 im niederländischen Amersfoort als Johan Marius Nicolaas Heesters geboren worden. Er begann seine Bühnenlaufbahn als 17-Jähriger in Amsterdam. Kurz nach seinem Wechsel nach Berlin im Jahr 1936 bekam er für seine Rolle in "Der Bettelstudent" noch 6000 RM.

Während Millionen von Deutschen in den Krieg zogen, kletterte der Niederländer die Karriereleiter nach oben. Vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte er zu den Stars der Unterhaltung. In einem Brief an Propagandaminister Joseph Goebbels soll er 1942 als 39-Jähriger sogar noch mehr Filmrollen gefordert haben.

Die höchsten Gagen erhielt Heesters im Jahr 1944 für die Komödien "Frech und verliebt", "Die Fledermaus" und "Glück bei Frauen". Auch das geht aus den "Beschäftigungs-Nachweisen" hervor. Seine Schreiben unterzeichnete er demnach mit "Heil Hitler! Ihr sehr ergebener Johannes Heesters".

... Heesters verstarb am 24. Dezember 2011 im Alter von 108 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Wegen seiner Karriere in der Nazi-Zeit war Heesters in seiner Heimat stark umstritten. Einerseits wurde der Landsmann als großer Künstler gewürdigt. Doch erheblich stärker als in Deutschland spielte in den Kommentaren Heesters Verhalten während der Nazi-Zeit eine Rolle.

Dabei wurde auf den Besuch des auch bei Nazi-Größen beliebten Operettenstars im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1941 verwiesen. Der Künstler habe wohl "keine blasse Ahnung" gehabt, wie problematisch seine Auftritte in Deutschland in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in seiner Heimat gesehen wurden, hieß es beim angesehenen Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation (NIOD). "Auch nach seinem Tod kann man das nicht anders als dumm nennen", sagte NIOD-Sprecher David Barnouw.

...


Aus: "Er unterschrieb mit "Heil Hitler"" (28. März 2012)
Quelle: http://www.n-tv.de/panorama/Er-unterschrieb-mit-Heil-Hitler-article5885631.html

Logged

Textaris(txt*bot)

  • LASER#17 Ambivalenzen
  • Hero Member
  • *
  • Offline Offline
  • Posts: 11224
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Sie solle ihr politisches Kapital nicht verschleudern... ]
« Reply #5 on: May 05, 2014, 09:42:55 AM »

Quote
[...]  Assange: ... Es gibt interessante Unterschiede bei den Leuten, die uns unterstützen. Manche tun es öffentlich, manche privat, und dann gibt es jene, die beides tun. Die zweite Position ist die stärkste: Menschen mit der Bereitschaft, für ihre Überzeugungen einzustehen, aber nicht um der Publicity willen, sondern weil es ihnen ein persönliches Anliegen ist. Aber es gab auch welche wie Lady Gaga, die in gewisser Hinsicht eine Enttäuschung waren. Ich habe viel Zeit damit zugebracht, sie zu überreden, Chelsea Manning während ihres Prozesses zu unterstützen. Sie hat einiges versprochen. Und nichts davon gehalten.

Richter: Eigenartig. Sonst engagiert sie sich doch sehr offensiv, unter anderem für Schwulenrechte.

Assange: Sie erzählt, das Weiße Haus hätte ihr nahegelegt, sich nicht für Manning zu engagieren. Sie hat mit vielen Leuten gesprochen, darunter auch mit welchen im Weißen Haus, und die hätten ihr gesagt, sie solle ihr politisches Kapital nicht verschleudern. Und dass sie sich nicht gleichzeitig für Manning und die Legalisierung schwuler Ehen einsetzen könne.

...


Aus: "Inside Julian Assange" (02.05.2014)
Quelle: http://interview.de/film/inside-julian-assange

Logged

Textaris(txt*bot)

  • LASER#17 Ambivalenzen
  • Hero Member
  • *
  • Offline Offline
  • Posts: 11224
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Orpheus am Machtpol... ]
« Reply #6 on: July 23, 2020, 02:11:01 PM »

Quote
Einlage #2  —  23. Juli 2020, 12:15 Uhr

Auch für Lebenskünstler?


Quote
AGB akzeptiert #2.1  —  23. Juli 2020, 13:31 Uhr

Nein, Leben ist keine Kunst. Dazu gehört auch vorsichhinvegetieren.


Quote
Xander-Man #7  —  23. Juli 2020, 13:19 Uhr

Staatliches Geld gehört nicht in die Kunst.
Wer mit seiner Kunst kein Geld verdient muss sich einen Nebenjob suchen.


Quote
Neela75 #7.1  —  23. Juli 2020, 13:34 Uhr

Es geht hier nicht um arbeitslose Künstler, die hin und wieder im stillen Kämmerlein ein Bild malen, sondern um Menschen, die im künstlerischen Bereich beruflich tätig sind und durch Corona Umsatzeinbußen haben. Und denen stehen Hilfen ebenso zu wie jedem anderen. So schwer ist das doch nicht zu verstehen.

Aus dem Artikel: "Die Erhöhung der Stipendien für die Jahre 2020 und 2021 um 43,5 Millionen Euro ist unsere Antwort auf die schwierige Situation der Solo-Selbstständigen in der Corona-Krise", sagte Grütters.


Quote
hairy #7.2  —  23. Juli 2020, 13:35 Uhr

"Wer mit seiner Kunst kein Geld verdient muss sich einen Nebenjob suchen."

Mich erinnert diese These immer an die Forderung in der DDR, dass die Kunst den Sozialismus preisen muss.


Quote
recht und gerechtigkeit #12  —  23. Juli 2020, 14:24 Uhr

Das Problem hier ist eher, dass irgendjemand entscheidet, wer für welche Projekte dieses Geld bekommt.

Damit wird die Kunst vom Staat beeinflusst, weil es dann förderungswürdige Künstler und nicht förderungswürdige Künstler gibt.


Quote
Kapaster d.J. #12.1  —  23. Juli 2020, 14:34 Uhr

In den Jurys für die Stipendienvergabe sitzen Künstler und Kunstvermittler, keine Politiker.


Quote
recht und gerechtigkeit #12.2  —  23. Juli 2020, 14:35 Uhr

Und wie werden diese Künstler in die Jury berufen?


Quote
Der Korrektor #12.3  —  23. Juli 2020, 14:40 Uhr

Der Künstler qualifiziert sich durch seine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse.


Quote
recht und gerechtigkeit #12.4  —  23. Juli 2020, 14:42 Uhr

Es geht hier um eine Auswahl, also um ein Wettbewerb.



Quote
joleosey #8

... Was für ein Witz. Vorführung von Künstler*innen als nicht ernstzunehmende Bittsteller.  ...


Zu: Corona-Krise: Bund stockt Stipendien für Künstler auf - Der Etat von Kulturstaatsministerin Monika Grütters wird um 43,5 Millionen Euro erhöht. Das Geld ist vor allem für freiberufliche Künstlerinnen und Künstler gedacht. 23. Juli 2020
Der Bund stockt die Stipendien vor allem für freiberufliche Künstlerinnen und Künstler in diesem und im kommenden Jahr massiv auf. Das geht aus einem Papier der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), hervor, das der Neuen Osnabrücker Zeitung vorliegt. ...
https://www.zeit.de/kultur/2020-07/corona-krise-kuenstler-freiberufler-stipendien-aufstockung-bund-monika-gruetters
« Last Edit: April 12, 2022, 01:19:44 PM by Textaris(txt*bot) »
Logged

Textaris(txt*bot)

  • LASER#17 Ambivalenzen
  • Hero Member
  • *
  • Offline Offline
  • Posts: 11224
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Orpheus am Machtpol... ]
« Reply #7 on: April 12, 2022, 12:51:27 PM »

Quote
[...] Helene Bertha Amalie „Leni“ Riefenstahl (* 22. August 1902 in Berlin; † 8. September 2003 in Pöcking) war eine deutsche Filmregisseurin, -produzentin und -schauspielerin sowie Drehbuchautorin, Schnittmeisterin, Fotografin und Tänzerin. Sie gilt als eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Filmgeschichte.

... Als Riefenstahl 1987 ihre Memoiren veröffentlichte, waren die Reaktionen erneut geteilt. Während die New York Times das über 900 Seiten lange Werk trotz der Tatsache, dass sie ihr Werk in den Dienst der Nazis gestellt habe, als „fesselnd“ bezeichnete[123] und unter die 100 „bemerkenswerten“ Bücher des Jahres 1993 wählte,[124] beanstandeten andere ihre fehlende Selbstreflexion und die mangelnde kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.[61][125][126] Die Psychoanalytikerin und Autorin Margarete Mitscherlich bezeichnete Riefenstahl 1994 als „Superverleugnerin“.[61] Zu ihrem 100. Geburtstag am 22. August 2002 sowie anlässlich ihres Todes am 8. September 2003 veröffentlichten zahlreiche Medien Retrospektiven auf ihr Leben und Werk.[127][128][129] In ihrem Nachruf fasste die britische Times die Rezeption der Künstlerin zusammen: „Leni Riefenstahl war die einzige Frau, die als Filmemacherin uneingeschränkt Anerkennung fand. Aber damit hört die einhellige Zustimmung auch schon auf. Sie wurde als Bösewicht, Heldin, Lügnerin, Betrügerin, Rassistin, Opfer einer patriarchischen Gesellschaft und vorbildliche Künstlerin um der Kunst willen porträtiert. Vielleicht hat der Filmhistoriker Liam O’Leary die Widersprüche am besten auf den Punkt gebracht, als er sagte: ‚Sie war ein künstlerisches Genie und ein politischer Trottel‘.“[127][130]

... Riefenstahl selbst sah in der Reichsparteitagstrilogie und Olympia rein dokumentarische Werke und wies Vorwürfe nationalsozialistischer Propaganda der Öffentlichkeit bis zuletzt vehement zurück: „Triumph des Willens ist ein Dokumentarfilm von einem Parteitag, mehr nicht. Das hat nichts zu tun mit Politik. Denn ich habe aufgenommen, was sich wirklich abgespielt hat und habe es insofern überhöht, als ich keinen Kommentar dazu gemacht habe. Ich habe versucht, die Atmosphäre, die da war, durch Bilder auszudrücken und nicht durch einen gesprochenen Kommentar. Und um das ohne Text verständlich zu machen, musste die Bildsprache sehr gut, sehr deutlich sein. Die Bilder mussten das sagen können, was man sonst spricht. Aber deswegen ist es doch keine Propaganda.“[131]

In ihren Memoiren und diversen Interviews behauptete Riefenstahl außerdem, dass sie sich zunächst gesträubt habe, die Reichsparteitagstrilogie zu drehen. Sie habe keine Ahnung von ihrer Begabung als Dokumentarfilmerin gehabt und eigentlich nur als Schauspielerin arbeiten wollen. Hitler habe jedoch so lange auf sie eingewirkt, bis sie sich schließlich dazu bereit erklärt habe. Sie habe Hitler jedoch das Versprechen abgenommen, dass sie danach nie wieder einen Film für ihn oder die NSDAP drehen müsse.[33]

Stets betonte Riefenstahl, dass sie sich nicht für Politik interessiert und sich keine Gedanken über die Wirkung ihrer Werke gemacht habe. In ihrem künstlerischen Wirken sei es ihr immer nur um Ästhetik, nicht um Ideologie gegangen.[132][133] Gleichwohl war sie bereit, ihren Einfluss zugunsten von Parteiinteressen einzusetzen. So intervenierte sie 1936 bei Goebbels gegen die Ernennung des vom Deutschen Archäologischen Institut ausersehenen Kandidaten zum Leiter des Zweiginstituts in Athen und verschaffte die Stelle einem Bewerber, der Landesgruppenleiter der NSDAP/AO in Griechenland war.[134] Auch soll sie 1934 gegenüber einem britischen Reporter ihre Begeisterung über Hitlers Buch Mein Kampf geäußert haben: „Das Buch machte auf mich einen enormen Eindruck“, bekannte sie. „Ich wurde ein überzeugter Nationalsozialist, nachdem ich die erste Seite gelesen hatte.“[135] Sie sei nur eine Mitläuferin des NSDAP-Regimes gewesen und habe erst nach dem Krieg von dessen Verbrechen erfahren. An den Chefredakteur der deutsch-jüdischen Exilzeitung Aufbau in New York, Manfred George, schrieb sie 1949: „Ich bin fast wahnsinnig darüber geworden, und ich fürchte, dass ich niemals mehr frei werden kann von dem Alpdruck dieses ungeheuren Leidens.“[76] In späteren Interviews beteuerte sie immer, die nationalsozialistischen Verbrechen zu verurteilen. Gleichzeitig wehrte sie sich gegen jeden Schuldvorwurf: „[…] wo liegt denn meine Schuld? Sagen Sie mir doch das. Ich habe keine Atombomben geworfen, ich habe niemanden verleugnet. Wo liegt denn meine Schuld?“[33]

...


Leni Riefenstahl
Herausgeber: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie.
Autor(en): Wikipedia-Autoren, siehe Versionsgeschichte
Datum der letzten Bearbeitung: 2. März 2022, 18:46 UTC
Versions-ID der Seite: 220729458
Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Leni_Riefenstahl&oldid=220729458
Datum des Abrufs: 12. April 2022, 10:49 UTC

Logged
Pages: [1]   Go Up