Author Topic: [Gefechte zur Sexualität... (Notizen)]  (Read 72329 times)

0 Members und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Revolutionäre Töne aus dem Vatikan... (Notizen)]
« Reply #35 on: November 22, 2010, 11:00:58 vorm. »
Quote
[...] BERLIN taz | Revolutionäre Töne aus dem Vatikan: Papst Benedikt XVI. bricht mit dem bisherigen totalen Präservativtabu und sieht wenigstens in Einzelfällen den Gebrauch von Kondomen als moralisch gerechtfertigt an. Dies jedenfalls ist die Position, die er in dem Interviewbuch "Das Licht der Welt" bezieht.

Am Wochenende wurden zentrale Passagen des von dem deutschen Journalisten Peter Seewald mit Ratzinger geführten Interviews bekannt; so veröffentlichte der Osservatore Romano am Sonntag Auszüge aus dem Werk, das in 18 Sprachen gleichzeitig auf den Markt kommen wird.

Zum Präservativ heißt es dort einigermaßen verschwurbelt, in der Sache aber deutlich, dass es "einzelne begründete Ausnahmen" geben könne: "zum Beispiel wenn ein Prostituierter ein Kondom benutzt". Dies könne "ein erster Schritt der Moralisierung sein, ein erster Akt der Verantwortlichkeit, um von Neuem das Bewusstsein für die Tatsache zu entwickeln, dass nicht alles erlaubt ist und man nicht all das tun kann, was man will".

Zugleich stellt der Papst pflichtgemäß klar, Präservative seien nicht "die wahre Weise, um die HIV-Infektion zu verhindern"; dafür nämlich sei weiterhin "eine Humanisierung der Sexualität nötig". Dennoch argumentiert Ratzinger diesmal ganz anders als noch im März 2009 bei seinem Afrikabesuch. Damals hatte er schon auf der Hinreise mit einer Stellungnahme für Unverständnis und Empörung gesorgt.

"Man kann das Aidsproblem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln", hatte Benedikt damals erklärt. "Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem", behauptete er, Rettung verspreche allein ein "spirituelles und menschliches Erwachen" sowie die "Freundschaft für die Leidenden". Ganz anders klingt die neue Position, in der ausgerechnet das von der Katholischen Kirche als Symbol sexueller Verantwortungslosigkeit verdammt Präservativ zum Instrument einer verantwortlicheren Sexualität ernannt wird.

Natürlich stellt Ratzinger weiterhin klar, dass die von Papst Paul VI. verfasste Enzyklika "Humanae vitae" von 1968 weiterhin gültig bleibt. Dort wurde jede Form der Empfängnisverhütung verdammt. ...


Aus: "Papst erlaubt Kondome - Safer Sex für Stricher" VON MICHAEL BRAUN (21.11.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/die-sexuelle-revolution-des-papstes/


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Der heilige Schein... ]
« Reply #36 on: Mai 12, 2011, 10:10:52 vorm. »
Quote
[...] Seit sich der studierte Theologe und Religionslehrer im letzten Jahr zunächst als schwul outete, und dann die katholische Kirche in seinem Buch Der heilige Schein öffentlich für ihren Umgang mit Homosexualität kritisierte, scheiden sich an ihm die Geistlichen. Zwar bekam Berger viel Rückendeckung für sein Buch, auch in Zuschriften von katholischen Priestern. Gleichzeitig begannen radikal Konservative in Internetforen wie kreuz.net aber eine regelrechte Hetzjagd gegen den 43-Jährigen. Sie bezeichneten ihn als "homo-gestört" und "notorischen Lügner" und forderten Joachim Kardinal Meisner zu Konsequenzen auf. Der umstrittene Kardinal ließ sich nicht lange bitten: Am Donnerstag vor einer Woche entzog der Kölner Erzbischof Berger die Lehrerlaubnis für das Fach katholische Religion.

Mit dieser Entscheidung führt der als Hardliner bekannte Meisner seine konservative Linie fort. Der Kölner Kardinal ist seit 22 Jahren im Amt, gilt als einer, der Kritiker gerne aussortiert und für den Homosexualität gegen die Schöpfungsordnung verstößt. Damit spiegelt Meisner in der katholischen Kirche die offizielle Meinung – sogar die des Papstes – wider. Lange Jahre galt die Lehre des katholischen Katechismus, der das Ausleben von homosexuellen Handlungen als schwere Sünde sieht, die bloße Neigung allerdings noch nicht. 2005 veröffentlichte dann der Vatikan ein Dokument, das nicht nur offen schwul lebenden Katholiken die Priesterweihe verweigert, sondern auch solchen, die "tief sitzende homosexuelle Tendenzen" haben. Das Paradoxe: In dem gleichen Dokument fordert die katholische Kirche dazu auf, Homosexuelle nicht zu diskriminieren.

... Den Moment der Verbannung wird David Berger wohl nie wieder vergessen: Es war etwa halb zwölf, Berger hatte gerade eine Freistunde und machte sich einen Kaffee in dem schmalen Durchgangsraum neben dem Lehrerzimmer am Ville-Gymnasium in Erftstadt-Liblar, wo er seit elf Jahren Deutsch und Religion unterrichtet. Die Erzdiözese hatte zwei Briefe gleichzeitig raus geschickt, einen an die Schule und einen an Bergers Privatwohnung. Weil Berger den ganzen Morgen in der Schule war, wusste die Schulleitung vor ihm Bescheid. Stellvertreter Martin Sina kam in die Kaffeebar, bat ihn in sein Dienstzimmer und legte ihm das Schreiben vor: Von einem auf den anderen Tag durfte Berger seine sieben Religionsklassen nicht mehr unterrichten.

... Winfried Jansen, Gemeindepfarrer in Erftstadt, glaubt, dass sich die Kirche mit dem Entzug der Lehrerlaubnis selbst ins Abseits manövriert. Er hat früher selbst an dem Gymnasium in Liblar unterrichtet, ist auch jetzt noch einmal in der Woche da. "Herr Berger hat einen guten Religionsunterricht gemacht, ihn mitten im Schuljahr abzuziehen ist nicht in Ordnung", sagt er. Aber die, die ihm einst zur Karriere verholfen hätten, fühlten sich jetzt nun mal verraten.

... David Berger traf der Rausschmiss hart. Mit seinem Kummer blieb er jedoch nicht allein, seine Schüler ergriffen für ihn die Initiative. Unter anderem Niklas Kohlgraf. Der 17-Jährige saß mehrere Jahre im Religionsunterricht von Berger. "Ich habe mit Religion eigentlich nichts am Hut, aber bei ihm hat es sogar Spaß gemacht", sagt der Schüler. "Außerdem ist Herr Berger menschlich einfach super. Er ist mehr der Kumpeltyp und nicht umsonst Vertrauenslehrer an unserer Schule." Kohlgraf hat auf Facebook die Gruppe "Wir stehen hinter David Berger" gegründet. Innerhalb von vier Tagen ist sie auf 800 Mitglieder gewachsen, darunter viele Schüler Bergers. So wie Thomas Zingsheim. Auch er hatte Berger zwei Jahre lang in Religion. "Herr Berger hat sich im Unterricht nie negativ gegen die Kirche geäußert. Auch seine sexuelle Einstellung war nie Thema", sagt der 16-Jährige. "Die meisten halten ihn für den besten Relilehrer an der Schule, deshalb wollen wir ihn zurück."

...

Quote
    mcharlie
    12.05.2011 um 8:31 Uhr

gleiches recht etc.

Es laufen nun zahlreiche Debatten über Bürger mit Migrationshintergrund. in diesen wird gefordert, dass sie sich zur deutschen Verfassung bekennen und diese hier auch leben (was ich befürworte).
Ich finde das sollte auch für diese katholiken gelten.


Quote
    christoph.
    12.05.2011 um 8:51 Uhr

... "Der Kardinal duldet nicht, dass man als Religionslehrer seine Homosexualität so offen nach außen trägt".

Schwul zu sein scheint nicht das Problem zu sein in der katholischen Kirche, aber das sich dazu bekennen. Deckt sich mit dem Bild, was man in den letzten Jahren gewinnen konnte.


Quote
    freiheit79
    12.05.2011 um 9:38 Uhr

Es hat sich anscheinend nicht viel geändert...

Der Papst/die Kirche ist unfehlbar und alle Kritiker werden entfernt. Eine uralte und zugegebenermaßen erfolgreiche Strategie.


Quote
    Zenj
    12.05.2011 um 9:52 Uhr

Todesstrafe für Homosexuelle

In 48 Stunden könnte das ugandische Parlament über ein brutales neues Gesetz abstimmen, das Homosexualität mit dem Tod bestraft. Tausenden von Ugandern könnte die Hinrichtung drohen -- einfach nur, weil sie homosexuell sind. ...


Quote
    sklavenkoch
    12.05.2011 um 9:56 Uhr

... Im Übrigen ist es ja ein Widerspruch in sich, wenn Homosexualität nicht zu Gottes Schöpfung gehören soll, auf die er wohlwollend runter blickt. Mit ist schon klar, warum ich diesen "Laden" vor 30 Jahren verlassen habe.



Aus: "Du sollst nicht schwul sein" Von Britta Beeger (12.5.2011)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-05/homsexualitaet-lehrer-religion


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Positionen... (Notizen)]
« Reply #37 on: September 21, 2011, 04:32:42 nachm. »
Quote
[...] Das US-Verteidigungsministerium hebt die Order an Soldaten auf, über ihre Homosexualität zu schweigen. Damit gehört das "Don´t ask, don´t tell"-Gesetz zur Vergangenheit.  ....

„Mit Wirkung von Dienstag“, schreibt der Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, Clifford Stanley, in einem Memorandum, „ist das ,DADT’ aufgehoben und verliert seine Gültigkeit.“ Nach fast 18 Jahren des Banns dürfen sich Schwule im US-Militär künftig zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen.

Wenngleich Diskriminierung der informellen Art nicht mit einem formalen Akt aus der Welt zu schaffen sein wird, können sich die bisher in Heimlichkeit gehaltenen Soldaten und Soldatinnen auf die neue Regelung stützen. Demnach sollen Aussagen zur sexuellen Orientierung oder gesetzeskonformes homosexuelles Verhalten kein Grund zur Ablehnung in Institutionen der US-Armee mehr sein. Es bleibe dabei, dass die sexuelle Orientierung als Privatangelegenheit betrachtet werde. In Bewerbungsverfahren dürfe die sexuelle Orientierung keine Rolle spielen.

...


Aus: "US-Soldaten dürfen zu ihrer sexuellen Orientierung stehen" Von Barbara Junge (21.09.2011)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/us-soldaten-duerfen-zu-ihrer-sexuellen-orientierung-stehen/4628752.html

-.-

Quote
[...] Was die Positionen zur Homosexualität angeht, ist man sich natürlich kein Stück nähergekommen. „Wir haben die Möglichkeit genutzt, unsere unterschiedlichen Standpunkte auszutauschen“, sagte Steinert. Der Lesben- und Schwulenverband tritt für sexuelle Selbstbestimmung des Menschen ein und dafür, dass die Grundrechte von Homosexuellen von allen respektiert werden.

Für die katholische Kirche gilt Homosexualität als eine „objektiv ungeordnete Neigung“. Homosexualität verstoße gegen das Naturgesetz, weil sie nicht auf die „Weitergabe des Lebens“ gerichtet ist. Deshalb seien Homosexuelle zur Keuschheit „gerufen“. So steht es im Katechismus. Dort steht aber auch, dass Homosexuellen mit Achtung, Mitgefühl und Takt zu begegnen ist. „Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen.“

Darauf berief sich Erzbischof Woelki im Gespräch mit dem LSVD und hob hervor, „dass er persönlich und die katholische Kirche insgesamt keineswegs Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminieren oder ausschließen wollen“. Vom Ideal der Ehe zwischen Mann und Frau werde man trotzdem nicht abweichen und diesem Ideal auch in kirchlichen Einrichtungen „Rechnungen tragen“.

...


Aus: "Katholische Kirche - Unterschiedlich, aber friedlich" Von Claudia Keller (16.09.2011)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/unterschiedlich-aber-friedlich/4617972.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Damit bestätigte das Kölner Gericht im Wesentlichen... ]
« Reply #38 on: Oktober 26, 2011, 09:40:03 vorm. »
Quote
[...] Die Bundesprüfstelle habe die im Grundgesetz geschützte Kunstfreiheit von Rammstein in ihrer Entscheidung nicht hinreichend berücksichtigt, entschieden die Kölner Richter. Die erforderliche Abwägung von Kunstfreiheit und Jugendgefährdung sei daher nicht ordnungsgemäß vorgenommen worden. (Az.: 22 K 8391/09)

Damit bestätigte das Kölner Gericht im Wesentlichen seine schon im Mai 2010 ergangene Eilentscheidung, die den Vertrieb des Albums vorläufig ermöglicht hatte. Die Bundesprüfstelle hatte im November 2009 das gesamte Album indiziert, da sie ein Bild im Booklet und das Lied "Ich tu dir weh" für jugendgefährdend hielt.

Zur Begründung hieß es, die Band animiere auf dem Album zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr und verbreite gefährdende Sado-Maso-Praktiken. Gegen das Kölner Urteil kann binnen eines Monats ein Antrag auf Zulassung der Berufung beim Oberverwaltungsgericht Münster gestellt werden.

Quote
25.10.2011 um 18:30 Uhr, agt schreibt

... Es wird Zeit, diese Prüfstelle endgültig abzuschaffen. Im Internetzeitalter wirkt eine Indizierung sowieso im doppelten Sinne kontraproduktiv. Zum einen wird durch die Indizierung das Interesse geweckt, zum anderen der legale Vertrieb erheblich eingeschränkt. Die indizierten Werke werden daher vermehrt illegal aus dem Internet geladen ... Die Bundesprüfstelle ist ein trauriges Relikt aus den spießigen 50er Jahren. Eine der ersten Indizierungen betraf damals übrigens ein Tarzan Comic...




Aus: "Urteil zum Rammstein-Album: Liebe ist doch für alle da" (25.10.2011)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/urteil-zum-rammstein-album-liebe-ist-doch-fuer-alle-da-1.1172929


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Mein Körper gehört mir... ]
« Reply #39 on: November 16, 2011, 11:26:23 vorm. »
Quote
[...] Schlecht belichtet und lieblos in Szene gesetzt sind die Fotos, die derzeit viele Ägypter in Aufregung versetzen. Der künstlerische Wert ist nebensächlich. Was zählt, ist das Motiv: eine Frau, beinahe nackt, nur mit Netzstrümpfen und roten Schuhen bekleidet. Ein Pin-up-Girl, wie es im Internet auf Tausenden Websites zu sehen ist. Auch in Ägypten.

Doch dieses Bild ist anders. Die Frau, die hier posiert, ist kein anonymes Nacktmodell, dass islamistische Konservative als Erscheinung westlicher Verkommenheit verdammen könnten. Die Frau ist Ägypterin, sie lebt in Ägypten. Zumindest gibt sie das an. Sie hat die Fotos auf ihrem Blog unter ihrem Namen veröffentlicht. Sie heißt Aliaa Magda Elmahdy und sagt: "Mein Körper gehört mir."

Das Bild ist ein Affront, denn in Ägypten herrscht Zensur. Das war unter dem Mubarak-Regime so, und es ist nach dem Sturz des Diktators unter dem jetzt herrschenden Militärrat nicht viel besser geworden. Presse- und Meinungsfreiheit sind weiterhin eingeschränkt. Nacktheit und Sexualität sind gesellschaftliche Tabus. Wer darüber spricht, muss um seine Sicherheit fürchten. Das gilt für Aliaa Magda Elmahdy und für andere Aktivisten, die im Internet aufbegehren.

Blogger und Twitter-Nutzer hatten maßgeblichen Anteil daran, dass das Mubarak-Regime zusammenfiel. Nun müssen sie einsehen, dass der Sturz des Herrschers nicht automatisch das gesellschaftliche Klima verändert hat. Ägypten bleibt konservativ. Und der Einfluss der Religion wächst.

Fernsehshows religiöser Prediger erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Zahl der Kopftücher in der Öffentlichkeit steigt, wie ein Video auf Youtube eindrücklich zeigt. Zu sehen sind die Absolventinnen der Universität Kairo im Laufe der Zeit - zunehmend verschleiert.

Mubarak hatte sich gegenüber dem Westen stets damit gerühmt, die Islamisten in die Schranken gewiesen zu haben. Er ließ die Muslimbrüder einsperren. Aber andere religiöse Strömungen wie die Salafisten hatten weitgehend freie Hand. Solange sie keine politische Teilnahme einforderten, ließ das Regime sie gewähren. Nach dem Sturz beanspruchen sie nun beides: politischen und gesellschaftlichen Einfluss.

Hinzu kommt, dass viele Ägypter, die einst als Gastarbeiter in Saudi-Arabien arbeiteten, in ihr Land zurückkehren. Sie bringen nicht nur Geld mit, sondern auch die konservative wahhabitische Auslegung des Islam, wie sie in Saudi-Arabien gelebt wird.

Mit zunehmendem Selbstbewusstsein vertreten islamistische Konservative ihre radikalen Ansichten. So verlangte Abdel Monem al-Shahat, der Sprecher einer salafistischen Gruppe, von einer Fernsehmoderatorin, dass diese ein Kopftuch anziehen müsse. Andernfalls werde er ihr kein Interview geben.

Es sind solche religiösen Eiferer, die Aliaa Magda Elmahdy provozieren möchte. In einem der Bilder bedecken gelbe Balken ihre Augen, ihren Mund und ihre Scham. "Die Balken sollen unsere Zensur von Wissen, Ausdruck und Sexualität darstellen", erklärt die Bloggerin. Auf ihrer Facebook-Seite legt sie nach. Dort tritt sie auf einem Bild mit ihrem Schuh auf ein am Boden liegendes Kopftuch.

Schuhe zu zeigen allein gilt in der islamischen Welt schon als Beleidigung. Damit auf ein religiöses Symbol wie das Kopftuch zu treten, ist für viele Ägypter unfassbar. Sie werde in der Hölle landen, heißt es in einigen Kommentaren unter den Bildern. Wie solle man Respekt vor ihr haben, wenn sie selbst keinen Respekt vor anderen und deren Religion habe?

Elmahdys Antwort: "Ich trete auf niemanden. Ich trete auf ein Stück Stoff, dass die Versklavung von Frauen repräsentiert." Sie wende sich gegen die Gesellschaft, die auf "Gewalt, Rassismus, sexueller Belästigung und Heuchelei" aufgebaut sei. Laut ihres Profils bei Twitter sieht sich Elmahdy als "säkulare, liberale, feministische, vegetarische, individualistische Ägypterin". Außerdem ist sie nach eigenen Angaben seit ihrem sechzehnten Lebensjahr Atheistin.

Wer sich so outet, begeht gesellschaftlichen Suizid. Auf Atheismus oder den "Abfall vom Glauben" steht im Islam die Todesstrafe. Säkular und liberal sind für die Konservativen Reizworte, Feminismus sowieso. Vegetarier ist man allenfalls, weil man sich kein Fleisch leisten kann. Und vor dem Individualismus stehen in Ägypten traditionell der starke Bezug zur Familie und zur Gemeinschaft. Elmahdy aber schreibt: "Meine Familie hat kein Anrecht auf meinen Körper oder meine Handlungen."

Die Reaktionen sind zwiespältig. Während viele Kommentatoren im Internet den Mut der Aktivistin bewundern, halten andere die Identität der Frau für eine Fälschung. Andere verachten Elmahdy und werfen ihr vor, bloß süchtig nach Aufmerksamkeit zu sein.

Sich so zu zeigen, sei kein Zeichen für Mut, sondern für fehlende Bescheidenheit, schreibt Twitter-Userin @reemAwad. Nackt sei nicht gleich frei, heißt es immer wieder. User @Elna7as_pasha schreibt: "Sollte sie so auf die Straße gehen, würde ich das als Einschränkung meiner eigenen Freiheit sehen."

Einige fürchten gar, Elmahdys Nacktbilder gefährdeten den Ruf der Liberalen. Sie liefere Islamisten genügend Material, um den Ruf der liberalen Aktivisten zu schädigen. Wenn das Nacktsein Liberalismus bedeute, würden sich viele von liberalen Ideen abwenden, zitiert die Online-Zeitung Bikyamasr einen Aktivisten. Der Trend zum Konservativen werde sich verstärken.

Elmahdy schreckt das nicht ab. Und sie ist nicht allein. In ihrem Blog hat sie auch ein Foto eines nackten Mannes hochgeladen. Bei Facebook forderte sie Männer dazu auf, wie Frauen Kopftücher zu tragen, um Solidarität mit diesen zu zeigen. Nach dem Motto: Gleiche Rechte und Pflichten für alle.

Eine neu gegründete Facebook-Gruppe fordert mehr Rechte für Homosexuelle in Ägypten. Ihr sind schon mehr als 1300 Mitglieder beigetreten - wenn auch teils nur deshalb, um Hasstiraden gegen Schwule und Lesben veröffentlichen zu können. Die Initiatoren haben angekündigt, am 1. Januar den Tahrir-Platz in Kairo besetzen zu wollen, der als Symbol für die Befreiung vom Mubarak-Regime gilt.


Aus: "Seht her, ich bin nackt, akzeptiert mich!" Von Jan Hendrik Hinzel (15.11.2011)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/bloggerin-kaempft-fuer-meinungsfreiheit-in-aegypten-seht-her-ich-bin-nackt-akzeptiert-mich-1.1189432

-.-


Quote
[...] Nackte Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy. Am Wochenende haben Dutzende Frauen in Israel ihre Unterstützung für die 20-jährige Ägypterin bekundet. ... Elmahdy hatte Ägypten in Aufruhr versetzt, weil sie Ende Oktober Aktfotos von sich im Internet veröffentlichte. Die junge Bloggerin trägt auf den Bildern nichts - außer Nylonstrümpfen und roten Ballerina-Schuhen. Doch damit beging sie einen kalkulierten Tabubruch. Sie wollte provozieren, protestieren, für freie Kunst und Ausdrucksfreiheit.

Doch mit derart scharfer Kritik hat sie nicht gerechnet. In Ägypten, einem Land, in dem es sogar verpönt ist, wenn sich Paare in der Öffentlichkeit küssen, tobt eine heftige Debatte. Elmahdy wurde als Prostituierte bezeichnet, als geistig gestört, die junge Frau erhielt Dutzende Todesdrohungen. Dass sich Elmahdy und ihr Freund, der Blogger Karim Amer, öffentlich als Paar zeigen, obwohl sie nicht verheiratet sind, empfinden viele Kritiker zusätzlich als Angriff auf die "gesellschaftlichen Werte" Ägyptens.

Unter dem Motto "Liebe ohne Grenzen" hat jetzt die Israelin Or Tepler via Facebook zu einem Fotoshooting aufgerufen. Sie war über die vielen ablehnenden Reaktionen auf Elmahdys Fotoveröffentlichung erschrocken und angewidert. Dem israelischen Nachrichtenportal Ynet sagte die 28-Jährige, es sei ihr auf die Nerven gegangen, dass Elmahdy so viele verächtliche, abwertende Kommentare und Todesdrohungen bekommen habe.

Ungefähr 40 Frauen waren es schließlich, die nach Teplers Facebook-Aufruf an diesem Wochenende bewiesen, dass Elmahdy über Landesgrenzen hinweg viele Unterstützer in der Welt hat und nicht alleine steht mit ihrer Kritik. 100 Frauen hatten sich laut Ynet angemeldet.

Doch ob diese Stimmen vom Erzfeind in Ägypten Gehör finden, scheint zumindest fraglich. Der Kunst- und Medienwissenschaftsstudentin Elmahdy drohen in ihrer Heimat sogar rechtliche Konsequenzen: Mehrere ägyptische Anwälte bezichtigen sie und ihren Freund der Unmoral. Sie würden die Religion missachten. Noch ist allerdings nicht klar, ob auch wirklich Anklage erhoben wird.

Elmahdy jedenfalls gibt sich unerschrocken: In einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN erklärte sie noch einmal, warum sie nackt im Internet posiert. Sie habe zugestimmt, das Foto über Twitter zu veröffentlichen, "weil ich mich nicht schäme eine Frau in einer Gesellschaft zu sein, in der Frauen nichts anderes als Sex-Objekte sind, die tagtäglich von Männern belästigt werden." Die Männer in Ägypten wüssten nichts über Sex oder die Wichtigkeit einer Frau. "Das Foto ist ein Ausdruck meiner selbst und ich sehe den menschlichen Körper als die beste künstlerische Umsetzung davon", erklärt sie.

Mit Politik habe sie vor der Revolution in Ägypten nichts zu tun gehabt. "Ich ging zum ersten Mal am 27. März demonstrieren, weil ich dabei sein wollte", sagte sie CNN. "Ich dachte, ich könnte die Zukunft Ägyptens ändern. Ich wollte nicht still sein."

Die Realität in Ägypten hat sie jedoch schnell wieder eingeholt. Das Medienbüro der Jugendbewegung, die im vergangenen Februar mit ihren Demonstrationsaufrufen zur Entmachtung von Präsident Mubarak beigetragen hatte, hat sich schon von Elmahdy distanziert: Sie habe der Bewegung nie angehört.

Quote
21.11.2011 um 13:21 Uhr hirnhygiene schreibt:

Es ist also eine "Verhöhnung" irgendeines Glaubens, wenn man den Menschen so abbildet wie ihn der (angebliche) Gott geschaffen hat? Dann hat entweder dieser sogenannte Gott mächtig einen an der Waffel oder seine Follower.



Quote
21.11.2011 um 12:23 Uhr, toxicbuddha schreibt

Verhöhnung des Islam durch Israelis ist bestimmt sehr hilfreich

Diese Aktion hilft den Frauen in Ägypten bestimmt weiter, wird sie doch zwangsläufig als Verhöhnung der islamischen Moral durch die Freunde aus Israel aufgefasst werden. Zum Hohn nennt man die Verhöhnung dann noch Solidarität.


Quote
21.11.2011 um 13:18 Uhr, Kante77 schreibt @ toxibuddha

"Verhöhnung des Islam durch Israelis ist bestimmt sehr hilfreich"

Ah, die alte Leier!
Als in den 60er Jahren die Frauen in Deutschland auf die Straße gingen und sich die Büstenhalter vom Leib rissen um damit symbolisch sich vom alten vornehmlich katholischen Rollenbild der Frau zu verabschieden war das natürlich supi. Das war zwar auch eine Verhöhnung der katholischen Moral und meines erachtens richtig. Aber beim Islam ist das natürlich was anderes, da soll man gefälligst sensibler sein, hm?
Respekt vor diesen Frauen, respekt vor der Ägypterin...





Aus: "Nackte Solidarität" Von Sebastian Gierke (21.11.2011)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/unterstuetzung-fuer-aegyptische-bloggerin-nackte-solidaritaet-1.1195301

« Last Edit: November 21, 2011, 01:58:54 nachm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Es gab Zeiten in denen wir am Essenstisch saßen und... ]
« Reply #40 on: Mai 10, 2012, 09:57:29 vorm. »
Quote
[...] US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals öffentlich dafür eingesetzt, dass Schwule und Lesben heiraten können. Seine Meinung darüber habe sich im Laufe der Jahre "weiterentwickelt", sagte Obama in einem Interview des Senders ABC. Obama sagte, dass es sich um seine persönliche Auffassung handele. Die Entscheidung über deren Einführung sollte weiterhin den einzelnen Bundesstaaten überlassen werden.

Seine Meinungsänderung verdanke er nicht zuletzt seinen Töchtern, die Freunde mit gleichgeschlechtlichen Eltern hätten. "Es gab Zeiten, in denen wir am Essenstisch saßen und uns über ihre Freunde und deren Eltern unterhielten. Und Malia und Sasha konnten einfach nicht nachvollziehen, warum die Eltern ihrer Freunde anders behandelt werden sollten", sagte Obama. "Es macht für sie einfach keinen Sinn und offen gesagt, das ist die Art und Weise, wie man eine neue Sichtweise gewinnt." Er sei überzeugt davon, dass im Laufe der Zeit immer mehr Amerikaner gleichgeschlechtliche Ehen akzeptieren würden.

Vor vier Jahren hatte sich Obama im Wahlkampf noch gegen die Eheschließung zwischen Homosexuellen ausgesprochen. Zuletzt hatte das Weiße Haus stets erklärt, dass sich Obamas Haltung in dieser Frage "entwickelt".

... Obamas wahrscheinlicher republikanischer Herausforderer bei den Wahlen, Mitt Romney, teilte umgehend mit, er lehne die Homo-Ehe ab und wolle gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht anerkennen. Bei Bürgerrechtlern und Homosexuellen-Verbänden war der Jubel dagegen groß. Rea Carey von der National Gay and Lesbian Task Force sagte, Obama habe "Geschichte geschrieben".

Unterstützung erhielt Obama unter anderem auch von dem New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der weder den Demokraten noch den Republikanern angehört. "Dies ist ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte der amerikanischen Bürgerrechte", sagte Bloomberg.

...

Quote
    Pumpernickel
    10.05.2012 um 8:54 Uhr

Bald gibt es nur noch die Arschficker. Den Nachwuchs zeugen dann die Asiaten und die westliche Bevölkerung stirbt dann an Aids.

Quote
    studentD
    10.05.2012 um 9:41 Uhr

... Manchmal fragt man sich, insbesondere in Foren, mit wem man eigentlich in seinem Land zusammenleben muss....


Quote
    whale
    10.05.2012 um 9:08 Uhr

Ich gehe davon aus, dass sich meine Antwort auf diesen unsäglichen "Kommentar" erledigt haben wird, weil er wohl berechtigterweise hier nicht lange stehen wird. Vielleicht aber sollte er doch stehen bleiben, als Beleg dafür, dass das Thema Gleichbehandlung/Akzeptanz von Homosexuellen längst noch nicht erledigt ist...

...


Quote
    Gerry10
    10.05.2012 um 9:10 Uhr

... "Viele Menschen sind gut erzogen, um nicht mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun."

Orson Welles



Quote
    Ataraxis
    10.05.2012 um 9:19 Uhr

21. Erstens geht es um die Freiheit ...

von Schwulen und Lesben. Gerade in den USA ist man schnell zur Stelle wenn ansonsten auf der Welt "Freedom" & "Democracy" fehlen.

Zweitens, steht der Gleichstellung religiöse Bedenken entgegen, dürften diese in einem sekulären Staat keine Beachtung finden.

Drittens ist es unerträglich, dass Menschen, die es nicht angeht über die Liebe und Zusammenleben Anderer voll und ganz entscheiden sollen.

Aber in Staaten, die vor wenigen Jahrzehnten Ehen zwischen Schwarzen und Weißen unterbunden haben, ist dieser Gedankensprung wahrscheinlich ein wenig zu viel verlangt!

Ich würde dagegen fordern, dass im US-Schulunterricht das Buch "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins gelehrt werden muss. Vielleicht würden wir dann in 2-3 Generationen erleben, dass auch in Fragen von "Freiheit" und "Demokratie" Vernunft einzieht!

PS
Haben die Republikaner/Evangelikalen & Anti-Schwulen vielleicht nie begriffen, dass "Freiheit" und "Demokratie" gerade der Schutz von Minderheiten und Andersgläubigen beinhalten?

... Go Obama!


Quote
    klapilz
    10.05.2012 um 9:27 Uhr

Warum wollen Homos überhaupt heiraten?

Dieses kulturübergreifende Ritual ergibt nur im Kontext der Heterosexualität einen Sinn und gesellschaftlichen Nutzen.

Homos können auch so zusammenleben und ihr privaten Beziehungen notariell regeln. Ein übergeordnetes gesellschaftliches Interesse besteht nicht.


Quote
    christygoe
    10.05.2012 um 9:28 Uhr

Don't feed the troll...

würde ich sagen.



Aus: "Obama sagt Ja zur Homo-Ehe" (10.05.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-05/usa-obama-homosexuelle-ehe




Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Die genaue Zahl lässt sich jedoch kaum ermitteln... ]
« Reply #41 on: Juli 05, 2012, 10:48:46 vorm. »
Quote
[..] Christopher Street Day Paraden wie in Berlin, München oder Köln, auf denen Homosexuelle selbstbewusst, farbenfroh und sexy ihre Forderungen stellen, sind in 68 Ländern dieser Welt undenkbar. Homosexualität steht dort unter Strafe. Eine der Anliegen der diesjährigen Straßenumzüge ist deshalb die konsequente Umsetzung allgemeiner und sexueller Menschenrechte weltweit.

In sieben Ländern steht auf Homosexualität die Todesstrafe, unter anderem in der islamischen Republik Iran. Amnesty International spricht von 400 Homosexuellen, die seit der islamischen Revolution von 1979 im Iran hingerichtet worden seien. Die genaue Zahl lässt sich jedoch kaum ermitteln, sie ist wahrscheinlich viel höher.

... Einer weiteren Parole des CSD, "Wissen schafft Akzeptanz", kann sich Arsham Parsi deshalb nur anschließen. Der Mangel an Aufklärung sei eines der größten Probleme von Homosexuellen in Iran, sagt er. "Die Meinungen wandeln sich, wenn Freunde und Eltern von homosexuellen Frauen und Männern begreifen, dass es sich bei gleichgeschlechtlicher Liebe um Liebe handelt und nicht um eine Krankheit oder gewalttätiges Verhalten." Er erzählt, viele Iraner würden immer noch denken, dass Homosexuelle mit Vergewaltigern beziehungsweise Pädophilen gleichzusetzen seien. Eltern, die sich nichts unter der sexuellen Orientierung ihrer Kinder vorstellen könnten, stünden unter Schock: "Sie haben niemanden, den sie um Rat bitten können, ohne sich selbst zu gefährden", sagt Arsham Parsi.

Auch das Thema Aids wird tabuisiert, obwohl die Zahl der HIV-Positiven steige. Deshalb hat Parsi sich vorgenommen, noch in diesem Jahr eine Internet-Plattform ins Leben zu rufen, die er P-Flag Iran nennt. Schwule und Lesben, ihre Angehörige und Freunde sollen sich dort austauschen und informieren können. Das klingt leicht, ist es aber nicht, da in Iran schwule Webseiten oder Chatrooms immer wieder von der iranischen Cyberpolizei gehackt werden. Danach sind die Teilnehmer von Razzien und Festnahmen bedroht.

...


Aus: "Gay Pride in Teheran" Von Yasmin Khalifa (05.07.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-07/gay-pride-teheran


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Love and Sex With Robots... ]
« Reply #42 on: Juli 19, 2012, 11:56:37 vorm. »
Quote
[...]  Der schottische Schachmeister und Computerexperte David Levy hatte das bereits 2007 in seinem Buch Love and Sex With Robots konstatiert. Er behauptete, Sexbots hätten sogar eine therapeutische Funktion: Sie ermöglichten unsicheren Menschen, mit ihrer Sexualität zu experimentieren und ihren Körper neu zu entdecken. Regelmäßiger Sex mache die Welt zu einem glücklicheren Ort.

... Kritik kommt vor allem aus der religiösen Fraktion: So zeigte sich der Unternehmensberater und Evangelikaner Brandon Wall in seinem Blog entsetzt. „Es ist eine unglaubliche Perversion – der letzte Schlag der sexuellen Revolution der Sechziger“, schreibt Wall. „Jetzt hat tatsächlich alles nur noch mit dir und deinem Roboter zu tun.“ Je mehr man sich auf sich selbst konzentriere, desto frustrierter werde man. Sexbots seien eine moralische Apokalypse.

...


Aus: "Ach du wilde Wendy!" Boris Hänßler (15.07.2012)
Quelle: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ach-du-wilde-wendy


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Spülwasser aus der höllischen Küche... ]
« Reply #43 on: August 10, 2012, 12:46:53 nachm. »
Quote
[...] Hamburg/Moskau - Madonna, dem größten weiblichen Popstar der Welt, droht nach ihrem Konzert in St. Petersburg eine Geldstrafe, weil sie ungeachtet eines Verbotes öffentlich zur Toleranz für Homosexuelle aufgerufen hat. "Wir haben Zeugen, es gibt Videoaufnahmen", sagte der Stadtabgeordnete Witali Milonow der Agentur Ria Nowosti. Er warf der Sängerin vor, bei dem Auftritt gegen das Verbot der "Schwulen-Propaganda" verstoßen zu haben. Darauf steht im Fall eines Urteils eine Geldbuße.

"Wir werden nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft mit dem Spülwasser aus der höllischen Küche des Imperiums des Bösen gefüttert wird", hatte der Politiker vor dem Konzert in seinem Internetblog gewarnt. Unter den Zuschauern seien auch Kinder gewesen. Nach dem Konzert, bei dem Madonna unter anderem eine Regenbogenfahne mit der Aufschrift "No Fear" (Keine Furcht) zeigte, werde nun Anzeige erstattet, sagte Milonow. "Entweder Madonna selbst oder die Organisatoren müssen als Gesetzesbrecher verurteilt werden", forderte der Abgeordnete.

"Wir alle verdienen Liebe", hatte Madonna am Donnerstagabend Medien zufolge vor 25.000 Menschen in der Konzertarena gesagt. Homosexuelle hätten wie jeder Mensch auf der Welt das Recht auf Gleichheit und Liebe. Konzertaufnahmen zeigten, wie sie auch auf dem nackten Rücken die Aufschrift "No Fear" trug. "Ich reise viel herum in der Welt und habe erlebt, dass die Menschen immer intoleranter werden. Aber wir können das ändern. Wir haben die Kraft", sagte Madonna der Agentur Interfax zufolge vor der jubelnden Menge.

Die Sängerin hatte als Zeichen ihrer Solidarität mit den in Russland ausgegrenzten Schwulen und Lesben rosafarbene Armbänder verteilen lassen. Madonna rief ihre Anhänger auf, zum Protest gegen Intoleranz die Hände mit den Armbändern zu heben.

Bei ihrem Moskauer Auftritt hatte die Sängerin wenige Tage zuvor ihre Solidarität mit dem Punk-Trio Pussy Riot erklärt, das in einem weltweit beachteten Prozess wegen Rowdytums angeklagt ist - das Verfahren gilt als politisch motiviert.

Vor dem Konzert hatten auf der Straße zahlreiche russisch-orthodoxe Christen mit schwulenfeindlichen Losungen gegen Madonnas Auftritt protestiert. In der russischen Touristenmetropole gilt seit kurzem ein international umstrittenes Gesetz, das "Homosexuellen-Propaganda" verbietet. Ähnliche Gesetze gibt es in mehreren russischen Städten. Sie verhindern nach Meinung von Experten auch die Aufklärung über Aids. Homosexualität selbst ist in Russland seit Anfang der neunziger Jahre kein Straftatbestand mehr.

...


Aus: "Madonna droht Geldstrafe in Russland" (10.08.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/madonna-geldstrafe-drohung-wegen-schwulen-solidaritaet-in-russland-a-849315.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Ein schwerwiegender Loyalitätsverstoß... ]
« Reply #44 on: August 11, 2012, 12:57:34 nachm. »
Quote
[...] Junginger aber stolpert über eine Vertragspassage und am Ende auch über ihre sexuelle Orientierung. "Ich las die Floskel, dass mein außerdienstliches Verhalten nicht im Widerspruch zu den Bestimmungen des kirchlichen Dienstes stehen darf", sagt Junginger. Sie wollte nicht lügen und informierte die Leiterin: "Ich bin lesbisch."

Die Kindergartenleitung schaltete daraufhin den zuständigen Gemeindepfarrer Markus Mattes ein. Dieser habe ihre homosexuelle Lebensweise als unnatürlich bezeichnet, erzählt Junginger. "Das war so demütigend."

Wegen Personalnotstands kam die befristete Anstellung doch zustande, sie wird aber nicht verlängert. Für die evangelische Erzieherin liegt der Grund auf der Hand. Sie ist nicht die Einzige in Deutschland, die Ärger mit einer kirchlichen Einrichtung hat, weil sie homosexuell ist. Mattes, Vorgesetzter der Kindergartenleitung, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Leiterin des Kindergartens verweist auf die Diözese Augsburg.

Junginger macht ein Urteil des Verwaltungsgerichtes Augsburg Mut: Das Gericht entschied im Juni, dass die Diözese Augsburg einer lesbischen Erzieherin aus dem Landkreis Neu-Ulm nicht kündigen darf, solange sie in Elternzeit ist. Daraufhin machte auch Junginger ihren Fall publik. "Wir leben ja nicht mehr im 18. Jahrhundert. Es geht nicht nur um mich." Der psychische Druck im Kindergarten nahm aber so zu, dass sie krankgeschrieben werden musste, sagt Junginger.

Juristisch kann die Ulmerin keine Weiterbeschäftigung durchsetzen. Markus Kremser, Pressesprecher der Diözese Augsburg, sagte jüngst in einem Zeitungsinterview, dass es sich lediglich um einen befristeten Vertrag handele, der auslaufe. Im Fall der lesbischen Erzieherin in Elternzeit hatte Kremser der dpa gesagt, dass die Homosexualität ein schwerwiegender Loyalitätsverstoß sei.

... Uwe Renz, Pressesprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart, möchte sich zwar nicht in die Belange der Nachbardiözese einmischen, sagt aber: "Eine homosexuelle Prägung kann kein Grund für eine Einstellung, Nichteinstellung oder Entlassung sein." Hauptamtliche Mitarbeiter müssten jedoch gemäß der Glaubens- und Sittenlehre der katholischen Kirche leben. Falls sich ein Widerspruch auftue, müsse man "mit viel Sensibilität und Sachkenntnis vorgehen und entscheiden." Die Diözese Freiburg hat ein eigenes Referat für Schwule und Lesben eingerichtet, um diese besser in Gemeinden, Gruppen und Verbänden zu integrieren.

Manfred Bruns, früherer Bundesanwalt am Bundesgerichtshof und seit der Pensionierung Rechtsberater des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD), rät Homosexuellen, kirchliche Arbeitsverträge zu unterschreiben und zu schweigen.

... Unverständnis zeigt [] die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): "Für die Arbeit ist die sexuelle Orientierung völlig unerheblich", sagt GEW-Sprecher Matthias Schneider in Stuttgart. "Ich würde mir wünschen, dass sie bei Arbeitsverträgen der katholischen Kirche keine Rolle spielen würde."

Junginger sucht mittlerweile eine neue Stelle.

Quote
11.08.2012, 50er

Wieviele Pfarrer entsprachen denn nicht den Regeln der Kirche und sind dennoch noch im Job?



Aus: "Lesbische Erzieherin muss katholische Kita verlassen" (08/2012)
Quelle: http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article108573956/Lesbische-Erzieherin-muss-katholische-Kita-verlassen.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Wegen unsittlichen Verhaltens... ]
« Reply #45 on: November 21, 2012, 02:23:30 nachm. »
Quote
[...] Ali Wanies ist Politiker, Salafist - und nun wegen unsittlichen Verhaltens in der Öffentlichkeit und Beleidigung der Polizei verurteilt. Beamte in Kairo hatten ihn in seinem Auto mit einer verschleierten Frau beim Knutschen erwischt. ...

Kairo - Ali Wanies muss für vier Monate ins Gefängnis, das hat ein Berufungsgericht in der Stadt Tuch nördlich von Kairo entschieden. Die Polizei hatte den Salafisten im vergangenen Juni mit einer Studentin beim Knutschen im Auto erwischt. Wegen unsittlichen Verhaltens in der Öffentlichkeit und Beleidigung der Polizei wurde der Ägypter nun verurteilt.

Wanies hatte die Polizisten als "Hundesöhne" beschimpft, als sie an die Scheibe seines Autos klopften. Außerdem behauptete er, die junge Frau sei seine Nichte, die ohnmächtig geworden sei. Er habe lediglich versucht, ihr zu helfen.

Der Politiker war bei der Parlamentswahl als Abgeordneter für die salafistische Partei des Lichts ins Parlament eingezogen. Die junge Frau, die vollverschleiert auf dem Schoß des Salafisten gesessen hatte, muss für drei Monate in Haft.

aar/dpa


Aus: "Salafist muss wegen Knutscherei ins Gefängnis" (21.11.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/aegypten-salafist-muss-wegen-knutscherei-ins-gefaengnis-a-868480.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Weil Familien ihre Ehre verletzt sehen... ]
« Reply #46 on: M?RZ 13, 2013, 02:34:49 nachm. »
Quote
[...] Weil er eine Frau ohne Zustimmung der Familien traf, richteten Pakistaner einen Mann mit Steinen hin. Zum Schicksal der Frau gibt es nur Gerüchte.

Angehörige eines Stammes haben im Nordwesten Pakistans einen Soldaten gesteinigt, weil er eine "unerlaubte Beziehung" zu einer jungen Frau gehabt haben soll. Offiziellen Angaben nach warfen 40 bis 50 Menschen Steine auf den Mann, bis er tot war. Sie hätten damit eine Entscheidung des Stammesrats in dem Ort Parachinar nahe der afghanischen Grenze vollzogen, sagte ein Stammesvertreter.

Der 25-jährige Soldat soll zwei Jahre lang in Parachinar stationiert gewesen sein, bevor ihn das Militär in die Region Kaschmir versetzte. Kürzlich kehrte er nach Parachinar zurück, um sich mit der jungen Frau zu treffen. Dort wurden sie am Sonntag auf einem Friedhof gesehen.

Der Soldat gestand danach nach Angaben des Stammesvertreters, sich mindestens drei Mal heimlich mit der 18-Jährigen getroffen zu haben.

Die Menschen töteten den Mann auf dem gleichen Friedhof, auf dem das Paar gesehen worden war. Die Leiche sei in einem "schrecklichen Zustand" gewesen, sagte ein Vertreter der Klinik, die den Leichnam später untersuchte. 

Das Schicksal der jungen Frau ist unklar. Es gebe Gerüchte, sie sei ebenfalls gesteinigt worden, sagte der Stammesvertreter.

Beziehungen zwischen Männern und Frauen ohne Zustimmung der Familien gelten in weiten Teilen Pakistans als unmoralisch. Jedes Jahr werden Hunderte Menschen getötet, weil Familien ihre Ehre verletzt sehen. Steinigungen sind jedoch äußerst selten.

Quote
    Hogobaram
    13.03.2013 um 14:28 Uhr

Die ethische Beurteilung muss vor dem Hintergrund der dort herrschenden Gesetze getroffen werden. Der Mann hat ein Gesetz gebrochen, wurde dabei gesehen, vor einen Richter geführt (es wurde ein Richter zitiert, ich unterstelle einfach mal, dass dieser einen Prozess durchführte) und hat die Strafe erhalten, die das Gesetz vorschreibt.

Wenn die Mehrheit der pakistanischen Bevölkerung dafür ist, dass solche Strafen existieren, sei es aus traditionellen, religiösen oder sonstigen Gründen, so sind diese Gesetze quasi vom Volk legitimiert oder wenigstens akzeptiert und mindestens geduldet.

Ich teile absolutes Verständnis mit jedem, der diese Taten verurteilt und dem "Mob" unterstellt, er ergötze sich am Steinewerfen. Ich verstehe solche Gefühle, denn vor europäischem Hintergrund sind solche Strafen für das "Vergehen", welches für uns kein Vergehen ist, einfach nur barbarisch. (Wenn man barbarisch ethymologisch betrachtet, bedeutet es "fremd, ungestüm, wild", was ja auch zutrifft, für uns ist das fremd)

Wie also damit umgehen, dass solche Strafen verhängt werden? Letztendlich sollte einem soetwas dazu beflügeln, dass wir uns auf uns konzentrieren. Versuchen sie mal, westliche Wertevorstellungen dort zu verbreiten. "Komasaufen", Pornographie, zerrüttete Familien, Kinderlosigkeit, "Spassgesellschaft" und vieles mehr, dass sind dann die Dinge und Schlagworte, die einem pakistanischem Menschen als negative Konsequenzen unseres Systems ins Auge stechen.

Sich selbst im Spiegelbild des anderen erkennen.


Quote
    PedroPantalone
    13.03.2013 um 13:30 Uhr

... Jeder der auch nur einen Hauch Verständnis für solche Entgleisungen aufbringen kann, wird vermutlich gut beraten sein sich psychologisch untersuchen zu lassen. ... Was also soll man tun mit einer solchen Nachricht? Was soll man dazu sagen ?


Quote
    Biertuose
    13.03.2013 um 13:43 Uhr

Jaja, die Sache mit der Ehre -  ich finde ja dass die von den Europäern deutlich eleganter gelöst wurde.
Einer beleidigt einen anderen, beide suchen sich einen Arzt und je einen Kumpel, man trifft sich und beschießt sich gegenseitig mit Vorderladern. Wer überlebt dem gibt Gott recht wenn beide überleben ist die Sache aus der Welt geschafft. ...



Aus: "Soldat wegen Rendezvous mit Frau gesteinigt" (13.03.2013)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-03/pakistan-soldat-steinigung


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Erst Tabak... ]
« Reply #47 on: M?RZ 20, 2013, 10:21:02 vorm. »
Quote
[...] Erst Tabak, jetzt Porno: Der Frauenausschuss des EU-Parlaments will uns vor unsittlichen Angeboten aus den Medien schützten. Mit Moral hat das nichts zu tun – das ist ein Angriff auf unsere Freiheit.

... Pornografie – beziehungsweise das, was darunter verstanden wurde – war immer ein Gradmesser für die Liberalität einer Gesellschaft. Und für deren Doppelmoral. Während die gebildeten Stände die "Venus im Pelz" von Leopold von Sacher-Masoch lasen, gaben sie sich große Mühe, dem einfachen Volk die Lektüre von Groschenromanen als "Pornografie" zu verbieten.

Auch in den Privatgemächern von Erich Honecker wurden Pornos gefunden, die kein DDR-Bürger in einem Konsum-Laden kaufen konnte. In repressiven Gesellschaften, sagt Salman Rushdie, kann Pornografie "zum Bannerträger für die Freiheit, ja sogar für die Zivilisation" werden. Im sittenstrengen Pakistan würden "mehr als 60 Prozent aller Internet-Nutzer pornografische Websites" benutzen.

Nun leben wir nicht in Pakistan, und wer nur einmal kurz RTL einschaltet, kann die grausamen Kollateralschäden der "sexuellen Revolution" besichtigen. Wenn zum Beispiel 20 lobotomierte Barbies um die Gunst eines Ken-Klons buhlen. Das ist peinlich mitzuerleben und immer wieder ein Grund fürs Fremdschämen.

...


Aus: "Es lebe die Freiheit! Es lebe die Pornografie!" Henryk M. Broder (13.03.13)
Quelle: http://www.welt.de/kultur/article114399937/Es-lebe-die-Freiheit-Es-lebe-die-Pornografie.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Die Realität sieht anders aus... ]
« Reply #48 on: M?RZ 26, 2013, 10:05:53 vorm. »
Quote
[...] Bei Gründung der Islamischen Republik im Jahr 1979 versprach Revolutionsführer Ajatollah Chomeini, das Land von der "westlichen Unzucht" zu reinigen. In den folgenden Jahren wurde die Gesellschaft radikal islamisiert, soziale und individuelle Freiheiten wurden massiv eingeschränkt. Frauen wurden gezwungen, Kopf und Körper zu verschleiern, in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens herrschte Geschlechtertrennung. Es waren nur zwei von vielen Maßnahmen des Regimes, die das Ziel hatten, außereheliche Beziehungen zwischen Männern und Frauen zu verhindern.

Die Mullahs behaupten, das von Chomeini verkündete Ziel sei erreicht worden, die Islamische Republik sei heute die Wiege der "Frömmigkeit" und "Geistigkeit" in der ganzen Welt. Die Realität sieht anders aus.

...


Aus: "Sexuelle Revolution in Iran: Erst kommt die Lust, dann die Moral" (26.03.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sexuelle-revolution-in-iran-erst-kommt-die-lust-dann-die-moral-a-888727.html



Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Hier also die Zusammenfassung... ]
« Reply #49 on: April 10, 2013, 09:41:01 vorm. »
Quote
[...] Die Legende von der dunklen Liebesnacht ist unsterblich. Damals, im November 1965, brach in Nordamerika für mehrere Stunden das Stromnetz zusammen. Genau neun Monate später stieg die Geburtenrate stark an, notierte damals die "New York Times". Seither wird diese Geschichte bei jedem Bericht über einen Energiekollaps wieder ausgekramt.

Nun, in Pakistan fällt der Strom jeden Tag aus, an manchen Orten für bis zu 22 Stunden. Und die Geburtenrate ist ziemlich hoch, vier, fünf Kinder pro Paar sind nichts. Darf man da einen Zusammenhang sehen?

Freunde in Deutschland fragen mich regelmäßig: Wie läuft das eigentlich bei den Muslimen? Geht da was? Vor ein paar Tagen schrieb mir eine Studentin, sie arbeite an einem Forschungsprojekt über Sexualität und Islam, ob sie mir mal ein paar Fragen stellen könne. Man wird heutzutage ja sehr schnell Experte für irgendetwas, und offensichtlich reicht es, in Pakistan zu leben, um als Fachmann für Sex und Islam zu gelten.

Hier also die Zusammenfassung meines Expertenwissens. Der Islam beansprucht, alle Lebensbereiche zu regeln, also gibt er auch Antworten rund um dieses Thema. Aber wie so oft, sind die Geistlichen sich meist uneinig. Immerhin in der wichtigsten Grundregel stimmen sie überein: Sex ist nur innerhalb der Ehe erlaubt. Daher heiraten Muslime vergleichsweise jung. Im Idealfall ist die Hochzeitsnacht jener Zeitpunkt, zu dem ein Mensch zum ersten Mal Geschlechtsverkehr hat.

Die Schiiten haben sich etwas ganz Cleveres einfallen lassen: die Kurzzeitehe, die nur ein paar Minuten dauern kann. Aber natürlich gibt es auch viele unverheiratete Paare, und die trinken nicht nur Tee miteinander. Kliniken, die die Jungfräulichkeit wiederherstellen, machen in Pakistan wie in vielen anderen islamischen Ländern deshalb big business.

Die Meinungen über Verhütung gehen weit auseinander, viele halten sie aus sozio-ökonomischen Gründen und zum Schutz vor Krankheiten für sinnvoll. Aber ein Mullah sagt mir, er könne "diese ziellose Kopulation nicht gutheißen". Das Modell des "freien Sex", also ohne religiöse, moralische oder sittliche Restriktionen, sei ja doch eine "sehr westliche, sehr unislamische Erscheinung". Ich glaube, konservative Katholiken sind auch gegen "ziellose Kopulation" und halten nichts von Verhütung, aber da bin ich nun wirklich kein Experte.

Es gibt Religionsgelehrte, die meinen, man dürfe beim Sex nicht vollständig nackt sein. Andere sagen, es sei schon okay, solange die Partner einander nicht allzu genau anguckten. Ob Oralsex erlaubt ist oder nicht, vermochte ich in keinem meiner Gespräche herauszufinden, ohne mich oder meine Informanten in eine unmögliche Situation zu bringen. Meine Fragen dazu ignorierten alle Gesprächspartner beharrlich. Nur einer erklärte, es sei nichts dabei, "solange kein Samen vergeudet wird".

In Erfahrung bringen konnte ich aber, dass viele Geistliche Transvestiten für "pervers" halten. Dabei sind sie in Südasien weit verbreitet und in Pakistan sogar vom Obersten Gerichtshof offiziell als "drittes Geschlecht" anerkannt.

Homosexualität steht unter Strafe, aber in Pakistan wird niemand deswegen verurteilt, weil Schwule und Lesben sich nicht offen zu erkennen geben. Ich kenne Männer, die verheiratet sind und Kinder haben, aber heimlich Beziehungen zu Männern pflegen. Sie würden sich nie als homosexuell bezeichnen. "Wir treffen uns doch nur zur Entspannung", sagt einer.

Prostitution ist ebenso verboten, aber in Islamabad stehen jeden Abend, nach Anbruch der Dunkelheit, junge, stark geschminkte Frauen an bestimmten Stellen und verkaufen ihren Körper. "Ich habe aus Liebe geheiratet, gegen den Willen meiner Eltern", erzählt eine. "Die Ehe ging schief, aber meine Familie wollte nichts mehr von mir wissen. Und einen neuen Mann, der mich heiratet, werde ich wohl auch nicht mehr finden." Seither schlägt sie sich als Prostituierte durch. Fast alle dieser Frauen haben dramatische Lebensgeschichten. Und manchmal sieht man Polizisten, wie sie sie festnehmen und auf ihre Wachen mitnehmen. Was dort mit ihnen geschieht, hat weder mit Recht noch mit Religion zu tun.

Polygamie ist nach islamischen Regeln erlaubt, gilt aber in Pakistan weitgehend als Tabu. Gleichwohl: Ich kenne mehrere Männer aus allen Schichten, die zwei oder mehr Ehefrauen haben. Man nennt das Polygynie, Vielweiberei. Die islamischen Vorschriften sehen vor, dass alle Frauen gleich behandelt werden müssen. Polyandrie dagegen, also mehrere Ehemänner für eine Frau, ist verboten.

Zum Thema Selbstbefriedigung steht im Koran nichts Eindeutiges. Geistliche sagen, für unverheiratete Männer sei das in Ordnung, solange ihnen die finanziellen Mittel für eine Ehe fehlten oder wenn dadurch eine Vergewaltigung verhindert würde. Aber es sei grundsätzlich besser, seine Zeit damit zu verbringen, Gott zu ehren und zu beten. Denn irgendwie sei Onanieren ja doch unzüchtig.

Letztlich gilt überall auf der Welt: Trieb ist Trieb, und Natur ist stärker als Religion. Viele Geistliche haben es sich nur noch nicht eingestanden. Wo Religion zu sehr unterdrückt, suchen die Menschen sich ein Ventil. Google zufolge suchen nirgendwo so viele Menschen nach pornografischen Inhalten im Internet wie in Pakistan. Meist allerdings ohne Erfolg - mehrere tausend solcher Seiten hat die Regierung sperren lassen.


Aus: "Sexualität und Islam: Verklemmt durchs Leben" Von Hasnain Kazim, Islamabad (10.04.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/welche-sexualregeln-der-islam-vorschreibt-a-892686.html

---

Bangladesch
https://de.wikipedia.org/wiki/Bangladesch

Quote
[...] Abhijit Roy war einer der bekanntesten Blogger Bangladeschs. Unter anderem engagierte er sich gegen religiösen Fundamentalismus. Das wurde ihm möglicherweise zum Verhängnis. ... Der Blogger Abhijit Roy und seine Frau Rafida Ahmed Banna wurden auf dem Campus der Universität in Dhaka von Unbekannten mit Macheten angegriffen, wie die bangladeschischen Nachrichtenseiten bdnews24.com und "Dhaka Tribune" berichteten. Roy wurde demnach bei der Attacke zunächst schwer verletzt und starb später während einer Notoperation im Krankenhaus. Seine Frau erlitt Hiebverletzungen und verlor einen Finger. Die Polizei fand zwei Macheten am Tatort. Ein Korrespondent der Deutschen Welle in Dhaka bestätigte die Meldungen.

Abhijit Roy, der als Ingenieur in den USA arbeitete, war bekennender Atheist und kritisierte in seinen Büchern und auf seinem Blog "Mukto-Mona" religiösen Fundamentalismus. Deshalb hatte es Morddrohungen von islamischen Fundamentalisten gegen ihn gegeben. Nach Angaben eines Kollegen war er bereits früher von fundamentalistischen Gruppen attackiert worden. Wegen einer Buchvorstellung war er mit seiner Frau nach Bangladesch gereist.

Auf "Mukto-Mona" gab er anderen Bloggern aus Bangladesch die Möglichkeit - trotz Zensur in ihrem Heimatland - ihre Meinung zu veröffentlichen. Unter anderem war sein Blog eine Plattform für den Kampf um die Rechte von Schwulen und Lesben, einem Tabuthema in dem mehrheitlich muslimischen Bangladesch.

Abhijit Roy wurde im vergangenen Jahr für den Bobs Award nominiert. Die internationale Auszeichnung für Blogger, Aktivisten und Journalisten, die sich im Internet für freie Meinungsäußerung und Menschenrechte einsetzen, wird von der Deutschen Welle ausgerichtet.

...  Es ist nicht der erste Angriff dieser Art in Bangladesch, einem mehrheitlich muslimischen Land mit rund 160 Millionen Einwohnern. Im Jahr 2013 war in Dhaka der Blogger Ahmed Rajib Haider, der ebenfalls religiösen Extremismus kritisierte, auf ähnliche Weise ermordet worden.

cr/kle (bdnews24.com, Dhaka Tribune, DW, dpa, epd)


Aus: "Religionskritischer Blogger in Bangladesch ermordet" (26.02.2015 )
Quelle: http://www.dw.de/religionskritischer-blogger-in-bangladesch-ermordet/a-18283810

http://www.fr-online.de/politik/bangladesch-blogger-brutal-ermordet-,1472596,29993342.html

"Bangladesch Islamist nach Mord an Blogger verhaftet" (02.03.2015)
In Bangladesch ist der mutmaßliche Mörder des atheistischen Bloggers Abhijit Roy gefasst worden. Die Polizei nahm einen 28 Jahre alten Islamisten fest. ...
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/islamist-in-bangladesch-nach-mord-an-blogger-verhaftet-13458913.html

« Last Edit: M?RZ 04, 2015, 04:05:15 nachm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Worte, mit denen alles angefangen hat... ]
« Reply #50 on: April 14, 2013, 01:46:26 nachm. »
Quote
[...] „Mein Körper gehört mir und ist nicht die Quelle von irgendjemandes Ehre“. Das sind die Worte, mit denen alles angefangen hat. In arabischen Schriftzeichen auf ihren nackten Oberkörper geschrieben, den Amina Tyler auf Facebook am vergangenen 11. März, wie sollte es ausgedrückt werden: zur Schau gestellt hat? Oder um die Welt geschickt hat?

Die Bilder machen die 19-jährige Schülerin, die das letzte Jahr an einem neusprachlichen Lyzeum in Tunis besuchen würde, über Nacht bekannt. Sie erfährt Unterstützung mit etlichen Tausend sogenannten Likes und Kommentaren auf der online-Präsenz, die sie „Femen – Tunisian Fanpage“ genannt hat. Ein paar Beleidigungen sind auch darunter. Aber „Hure“ oder „Miststück“, das sind Ausdrücke, die unvermeidlich auftauchen, wenn eine Frau aufreizend wirkt, egal ob das Publikum in New York, Berlin oder eben in Tunis sitzt. So etwas wird nicht einmal mehr unter shitstorm verbucht; es weckt Interesse.

... dass sie eine gewisse Empörung nicht verstehen könne: „Wir sehen oft Männer am Strand mit nacktem Oberkörper, das schockiert niemanden, also gilt das selbstverständlich auch für unsere Aktionen. Das hat nichts mit Provokation zu tun, sondern ist eine einfache Aktion, um die Freiheit der Frau zu erklären.“ Und: „Wir ziehen uns nicht aus sexuellen Gründen oben herum aus, wie Femen haben den Mut, unsere Forderungen zur Befreiung der Frau laut hinaus zu rufen.“ Dafür habe sie Todesdrohungen erhalten, fügt sie an.

...


Aus: "Verdammt, ein Busen!" (12.04.2013)
Quelle: http://www.freitag.de/autoren/ed2murrow/verdammt-ein-busen


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[...da könne ja alles mögliche geschehen]
« Reply #51 on: November 13, 2013, 10:04:29 vorm. »
Quote
[...] Unverheiratete Studenten sollen in der Türkei nicht zusammenwohnen, fordert Premier Erdoğan – da könne ja "alles mögliche geschehen". ...

Zeynep versucht, gelassen zu wirken: "Wenn unser Premier gemischte Wohnheime wirklich verbietet, geht er einen Schritt zu weit", sagt sie. "Immerhin ist die Türkei ein säkularer Staat." Die 20-jährige Studentin lebt in einem Wohnheim der privaten Istanbuler Universität Sabancı. Sie teilt sich den etwa 15 Quadratmeter großen Raum und ein Bad mit einer weiteren Studentin. Zwei Hochbetten stehen an der Wand, darunter jeweils ein Schreibtisch.  Auf dem Gang liegen Aufenthaltsraum und Gemeinschaftsküche. Die männlichen Studenten wohnen zwar im selben Gebäude, allerdings in einem anderen Stockwerk. Zusammen kochen, fernsehen, Besuch von Freund oder Freundin, das alles ist hier kein Problem.

In den Augen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan sind Wohnheime wie dieses ein Sündenpfuhl: "In gemischten Wohnungen könne "alles mögliche geschehen", verkündigte er vergangene Woche. Sie entsprächen nicht dem konservativ-demokratischen Charakter des Landes, der Staat müsse deshalb "intervenieren". Erdoğan will die Geschlechtertrennung nicht nur in Wohnheimen durchsetzen, sondern auch verbieten, dass Studentinnen und Studenten in privaten Wohngemeinschaften zusammenleben.

... Schon zuvor hatte Erdoğan immer wieder verkündet, wie die Türken nach seinen Vorstellungen zu leben haben. Er erklärte, dass eine Frau mindestens drei Kinder haben sollte und wetterte gegen Abtreibung und Alkohol. Nicht zuletzt richteten sich die Gezi-Proteste im Sommer auch gegen die wachsende Bevormundung durch die regierende AKP-Partei.

Offenbar setzt Erdoğan nun weiter auf Polarisierung und darauf, dass sich diese für ihn auszahlt, denn im März sind Kommunalwahlen in der Türkei. Doch selbst bekennende AKP-Anhänger wenden sich ab: Die konservative Kolumnistin Nazlı Ilıcak etwa sagte auf CNN, sie habe die Regierungspartei gewählt, doch nun schäme sie sich und glaube auch nicht, dass dieser Vorstoß der AKP Stimmen bringen werde.

Ein Riss geht auch durch die Regierungspartei. Erdoğans Stellvertreter Bülent Arınç hatte nach Erdoğans Äußerung, er werde gegen unehelich zusammenlebende Studenten vorgehen, zunächst beschwichtigt und erklärt, das alles sei ein Missverständnis. Nur um vom Ministerpräsidenten wieder zurechtgewiesen zu werden: Erdoğan bestätigte, er habe das alles genau so gemeint. Arinç, der die AK-Partei mitgegründet hat, forderte den Ministerpräsidenten daraufhin laut Medienberichten auf, die Sache zu klären.

Arinç kündigte außerdem an, sich aus der Politik zurückzuziehen und nach der nächsten Wahl nicht mehr für ein Ministeramt zu kandidieren. Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Politiker aneinandergeraten. Im Sommer hatte sich Arinç für die Polizeigewalt bei den Gezi-Protesten entschuldigt, die Erdoğan für gerechtfertigt hielt.

In drei von vier staatlichen Wohnheimen sind Studentinnen und Studenten ohnehin schon in getrennten Gebäuden untergebracht, sagte Ministerpräsident Erdoğan und kündigte an, dass in den anderen die Geschlechtertrennung nun vollzogen werde.

Quote
    bergischerjung20
    gestern 21:58 Uhr

Wenn das so läuft wie in Deutschland wird er wiedergewählt.



Aus: "Erdoğan und die wilden Studenten-WGs" Mirjam Schmitt (12. November 2013)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-11/tuerkei-geschlechtertrennung-wohnheime


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[In der Armee wurde das Thema... ]
« Reply #52 on: August 28, 2014, 12:34:42 nachm. »
Quote
[...] SANTIAGO DE CHILE afp | Erstmals in der Geschichte Chiles hat sich ein Offizier offen zu seiner Homosexualität bekannt. Er habe diesen Schritt aus „Respekt“ sich selbst gegenüber vollzogen, sagte Mauricio Ruiz am Mittwoch vor Journalisten in Santiago de Chile. „Es gibt nichts Besseres, als man selbst zu sein.“ Er habe sich „nicht verstecken und ein Doppelleben führen“ wollen, fügte der 24-Jährige hinzu.

Die Äußerungen des Marine-Offiziers wurden von Menschenrechtsgruppen und Homosexuellen-Verbänden begrüßt. „Er hat eine historische Entscheidung getroffen“, erklärte beispielsweise die Bewegung für die Integration Homosexueller.

Ruiz ist der erste Offizier, der sich in Chile offen zu seiner Homosexualität bekennt. Sein Land ist eines der konservativsten in Südamerika, immer wieder gibt es Übergriffe gegen Homosexuelle. So wurde 2012 ein junger Homosexueller gefoltert und getötet.

In der Armee wurde das Thema offiziell bisher einfach totgeschwiegen. „Ich habe gemerkt, dass viele Soldaten Homosexualität nicht akzeptieren“, berichtete Ruiz. „Nicht, weil sie dagegen sind. Sondern weil eine soziale Gruppe beschlossen hat, dass Homosexualität ein Problem ist.“


Aus: "Aus „Respekt“ vor sich selbst" (28. 08. 2014)
Quelle: http://www.taz.de/Homosexualitaet-in-Chile/!144969/


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Die geplante Reform... ]
« Reply #53 on: September 18, 2014, 01:16:57 nachm. »
Quote
[...] Die Pläne der niedersächsischen Landesregierung zur Sexualkunde sind der CDU-Landtagsabgeordneten Karin Bertholdes-Sandrock nicht geheuer. Sollen Kinder wirklich darüber aufgeklärt werden, was zum Beispiel "transsexuell" bedeutet? Sollen Homosexuelle im Unterricht davon erzählen, wie sich Diskriminierung anfühlt? Lieber nicht, sagt Bertholdes-Sandrock, von Beruf Gymnasiallehrerin für Deutsch und Politik. Sie glaubt, das Thema überfordere die Jugendlichen.

Schülervertreter in Niedersachsen finden das empörend. "Dass Frau Bertholdes-Sandrock davon spricht, dass es unverantwortlich sei, Schüler mit Homosexuellen unbeaufsichtigt zu lassen, ist wirklich traurig und höchst diskriminierend. Es schockiert mich", sagte Helge Feußahrens, Vorsitzender des Landesschülerrates Niedersachsen. Die Schüler finden, die Abgeordnete solle deshalb von ihrem Mandat zurücktreten.

Eine geplante Reform des Sexualkundeunterrichts in Niedersachsen sieht vor, die Vermittlung von Toleranz im Bildungsplan zu verankern. Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität und Intersexualität an Schulen solle "verbindlich thematisiert werden". So steht es in einem Entschließungsantrag aus dem Sommer, auf dessen Grundlage derzeit ein Gesetz erarbeitet wird.

Bertholdes-Sandrock hatte gefordert, dass man Schwule und Lesben nicht ohne Aufsicht in Klassenräume einladen dürfe. "Auf keinen Fall kann es sein, dass beispielsweise Schwule und Lesben in den Klassen allein gegenüber den Kindern auftreten", hatte die "Nordwest-Zeitung" die Politikerin zitiert. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINEhatte Bertholdes-Sandrock ihre Aussage relativiert., Ihre Forderung nach Anwesenheit eines Lehrers beziehe sich auf alle externe Gäste.

Die geplante Reform des Sexualkundeunterrichts soll an allen Schulen Niedersachsens gelten und viele Details neu regeln. So sollen etwa Schulbücher danach ausgesucht werden, ob sie die Vielfalt sexueller Identitäten berücksichtigen.

"Wir wollen Antworten auf diese Fragen. Schulaufklärungsprojekte sind immer super angekommen bei den Schülern, sagt Tjark Melchert vom Landesschülerrat. "Wir freuen uns sehr über den Antrag der Regierung und begrüßen die vorgesehen Maßnahmen. Ich glaube, dass dies dazu beiträgt, Diskriminierung in Schulen nachhaltig zu bekämpfen."

Anfang dieses Jahres hatte in Baden-Württemberg das Kultusministerium ebenfalls angekündigt, "sexuelle Vielfalt" im Bildungsplan verankern zu wollen. Christlich-konservative Kräfte hatten dort daraufhin Antipathien geschürt und in einer Online-Petition Stimmen gegen die Reform gesammelt.

cpa



Aus: "Schüler für Sexualkunde-Reform: "Wir wollen Antworten"" (18.09.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/sexualkunde-reform-in-niedersachsen-schueler-wettern-gegen-abgeordnete-a-992308.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Wer weiterhin freizügig bloggen will... ]
« Reply #54 on: Februar 25, 2015, 10:24:51 vorm. »
Quote
[...] Blogger dürfen ab dem 23. März keine sexuellen Inhalte mehr auf Googles Blog-Plattform veröffentlichen. Nutzer von Blogger.com müssen bis dahin nicht-jugendfreie Bilder und Videos aus ihren Blogs entfernen oder ihr Onlinetagebuch auf "privat" stellen. Damit ist es nur noch für dessen Eigentümer, Administratoren und freigegebene Personen sichtbar.

Unzulässig sind laut neuer Richtlinien künftig Inhalte, die "sexuell eindeutig sind oder sexuell explizite Nacktheit darstellen", schreibt Google. Nacktheit ist nur erlaubt, "wenn der Inhalt der Öffentlichkeit einen wesentlichen Nutzen bietet". Das können etwa Kunstwerke sein oder Inhalte, die in einem dokumentarischen oder wissenschaftlichen Kontext stehen.

Blogs, die vor dem 23. März erstellt wurden und gegen die neuen Richtlinien verstoßen, will Google dann selbst als "privat" markieren. Inhalte würde aber nicht gelöscht. Allerdings gilt das nicht für Blogs, die nach dem 23. März eingerichtet werden: Verstoßen sie gegen die neuen Inhaltsrichtlinien, will Google sie löschen oder "andere Maßnahmen" ergreifen.

Für den Export von Inhalten stellt Google ein Tool parat. Wer weiterhin freizügig bloggen will, kann das etwa bei Tumblr tun: Yahoos chaotische Blog-Plattform erlaubt explizite Darstellungen. Man solle solche Inhalte aber bitte als "Not Safe For Work" (NSFW) markieren. Der Upload von NSFW-Videos ist allerdings tabu – denn deren Hosting sei "fucking expensive", erklärt Tumblr. (dbe)

Quote
Niecfac, 24. Februar 2015 14:27
Google wird Apple

Willkommen im Club der Sexualitätsphobiker.


Quote
Dieter-MZ, 24. Februar 2015 14:23
Prüde, prüder, am prüdesten

Gilt das Verbot auch für die Darstellung von Gewalt? Wahrscheinlich
nicht. Es ist einfach nur noch traurig zu sehen, welche Prüderie wieder Raum
gegriffen hat.



Aus: "Blogger.com: Google verbietet sexuelle Inhalte auf Blog-Plattform" (24.02.2015)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Blogger-com-Google-verbietet-sexuelle-Inhalte-auf-Blog-Plattform-2558498.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Weil... (Notizen)]
« Reply #55 on: April 15, 2015, 12:18:39 nachm. »
Quote
[...] "Kikar HaShabbat" ist eines der wichtigsten Onlinemagazine für die Haredim in Israel, die ultraorthodoxen Juden. Sie lehnen die Abbildung von Frauen ab, weil sie Männer zu unzüchtigen Gedanken verführen könnten. Im Januar hatte eine ultraorthodoxe Zeitung Angela Merkel aus einem Foto ausradiert. ...


Aus: "Kardashian ausradiert: Kim ist nicht ganz koscher" (15.04.2015)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/leute/kim-kardashian-juedische-webseite-in-israel-loescht-sie-aus-einem-foto-a-1028644.html

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Um sich zu schützen... ]
« Reply #56 on: Juni 16, 2015, 09:58:31 vorm. »
Quote
[...] Horst Hörig wurde von den Nazis als Homosexueller verfolgt. Der Paragraf 175, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte, galt auch nach dem Krieg in der Bundesrepublik weiter – er wurde erst 1994 ersatzlos gestrichen. ...

Um sich zu schützen, besorgte sich Horst Hörig nach Kriegsende falsche Papiere. Er hoffte, alle Spuren seiner Vergangenheit zu verwischen. Als „Heinz Müller“ heiratete er Petras Mutter im Dezember 1947 in Thüringen. Mit ihr hatte er sechs Kinder. ... Im Jahr 1949 wird Heinz Müller durch einen Bekannten als Horst Hörig entlarvt. Er muss ins Gefängnis wegen Identitätsfälschung. Das Gericht besorgt sich seinen Strafregisterauszug, und seine ganzes Umfeld erfährt, dass er früher als „175er“ bestraft worden war.

... 1939 muss er für vier Jahre ins Zuchthaus wegen Urkundenfälschung. Zwischendurch unterzieht die Gestapo ihn einem „verschärften Verhör“ – ein Codename für Folter –, weil sein Name im Tagebuch eines anderen Homosexuellen gefunden wurde. „Seine Unterschrift sah vorher anders aus als nachher“, sagt Petra Hörig.

Nachdem er seine Haftstrafe abgesessen hat, wird Horst Hörig 1944 nicht entlassen, sondern als sogenannter Schutzhäftling ins KZ Sachsenhausen überführt. Dahinter verbirgt sich eine paranoide Vorstellung aus der NS-Propaganda: dass Homosexualität eine Seuche sei, vor der die Volksgemeinschaft geschützt werden müsse. Im KZ wurden die „175er“ mit einem angenähten „Rosa Winkel“ in gesonderten Baracken untergebracht. Das Überleben ihres Vaters erklärt sich Petra Hörig dadurch, dass er im Krankenrevier als Schreiber gebraucht wurde. „Dort gab es einen SS-Arzt, der homosexuell war. Ich gehe davon aus, dass er ihm geholfen hat.“

... All diese Fakten hätte die ehemalige Angestellte der FU Berlin gern früher erfahren. Ihre Mutter schwieg darüber bis zu ihrem Tod. Als die Homosexualität ihres Mannes in ihrem ostdeutschen Heimatort 1949 bekannt wurde, schämte sie sich so sehr, dass sie lieber mit ihm in ein kleines Dorf nach Niedersachsen flüchtete. „Dort hatten wir kein Telefon, und meine Mutter tat nach dem Tod meines Vaters alles, damit der Name Hörig nirgendwo öffentlich auftauchte. Als ich mit 14 in einer Lokalzeitung schreiben durfte, war sie sehr beunruhigt, anstatt sich für mich zu freuen“, erzählt Petra Hörig. Die Tochter spürte, dass es um ihren Vater „unterschwellig etwas gab“, was sie nicht wissen durfte. „Nach seinem Tod wurde nicht mehr über ihn geredet. Meine Mutter hat ihn negiert.“

Am meisten hätten ihre beiden Brüder Horst und Dieter unter der familiären Verdrängung gelitten. „Für sie war es besonders schwer, ohne männliche Identifikationsfigur aufzuwachsen.“ Dass es eine Verbindung zwischen ihrem Schicksal und der Depression des Vaters geben könnte, das war nie ein Thema in der Familie. „Noch heute habe ich Verwandte, die lieber von einem Unfall als von einem Suizid meiner Brüder reden.“

Der israelische Psychotherapeut Natan P. F. Kellermann ist überzeugt, dass „der Verfolgungskomplex der Eltern auch den Nachwuchs über Generationen hinweg infizieren kann“. Er benutzt dafür den Begriff der „neurobiologischen oder epigenetischen Vererbung“: Eltern könnten „jegliche Arten von Konflikten, Leidens- und Lernprozessen, posttraumatische Emotionen, sogar einen Gemütszustand oder Angst, Leiden und Vulnerabilität im Allgemeinen weiterreichen“.

Es führe zu einer ähnlichen „DNA-Markierung“ unter den Nachkommen, die zurückentwickelt werden könne, „wenn der Druck der Umgebung wegfällt“. Schweigen, emotionale Abstumpfung, eine potenzielle Gewaltneigung, all das können auch Merkmale in NS-Täter-Familien sein. Was in Verfolgten-Familien ähnlich aussehen mag, hat einen anderen Hintergrund, sagt der Psychotherapeut Jürgen Müller-Hohagen: „Der Täter schweigt, um seine Schuld zu verbergen, während der Verfolgte es tut, um seine Kinder und sich selber vor der Erinnerung des Schrecklichen zu schützen.“

Die Gewaltausbrüche der Eltern, die auch Petra Hörig erlebte, haben bei Peinigern und Gepeinigten eine andere Bedeutung: Beim Täter bilden sie eine Kontinuität, um über andere Menschen eine grenzenlose Macht auszuüben. Die Gewalt der verfolgten Eltern drückt hingegen etwas von der geronnenen Verzweiflung aus – geronnen, weil sie keinen anderen Ausdruck gefunden hat. Unbewusst spüren Kinder oft diese Verzweiflung der Eltern.

...


Aus: "Leidvolles Erbe" Geneviève Hesse (15.06.2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/kinder-von-nazi-opfern-leidvolles-erbe/11910658.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Weil sich unterschiedliche Deutungsmuster überlagern... ]
« Reply #57 on: Juli 14, 2015, 09:31:39 vorm. »
Quote
[...] In Russland wurden zwischen 2011 und 2013 Jugendschutzgesetze verabschiedet, die Werbung für Homosexualität verbietet, wenn sie Personen unter 18 Jahren zugänglich ist. Zuwiderhandlern drohen Geldstrafen von mehreren Tausend Euro. Von westlichen Politikern, Medien und "Aktivisten" wird das Land dafür immer wieder kritisiert.

Es gibt allerdings auch Sachen, bei denen man in Russland schwer versteht, warum man in westlichen Ländern ins Gefängnis wandert: Das zeigt sich aktuell an der Aufmerksamkeit die die amerikanische Lehrerin Jennifer F. gerade in russischen Medien erregt.

Die Dreißigjährige wurde von einem Gericht in Tampa, Florida zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie sich mit zwei Siebzehnjährigen und einem Schüler eingelassen hatte, dessen Alter nicht öffentlich bekannt wurde. Das geschah zwar einvernehmlich (und kam nur durch die Mutter eines der Schüler zur Anzeige), gilt in weiten Teilen der USA aber trotzdem als "statutory rape", weil dort Gesetze festlegen, dass Personen vor ihrem 18. Lebensjahr ohne Ausnahme sexuell zustimmungsunfähig sind.

Dass es Regelungen geben sollte, die geschlechtsunreife Kinder vor einem durch Süßigkeiten oder andere Geschenke erkauften Missbrauch durch Erwachsene schützen, zweifelt kaum jemand an. Eine andere Frage ist, ob dieser Schutz auch für Personen gelten muss, die voll geschlechtsreif sind und in vielen Ländern wählen, Wehrdienst leisten, arbeiten, Familien gründen und Rechtsgeschäfte abschließen. Und eine ganz andere, ob man Lehrerinnen, die mit Siebzehnjährigen Sex haben, härter bestrafen sollte als die meisten Mörder. Außerdem fragen sich russische Kommentatoren, ob man nicht der Realität Gewalt antut, wenn man in solchen Fällen keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Lehrern und männlichen und weiblichen Schülern macht.

Jennifer F. ist kein Einzelfall: In den USA kommt es regelmäßig zu Verurteilungen von Lehrerinnen, die sich mit halbwüchsigen Burschen eingelassen haben: Am 9. Juli wurde die 36-jährige Brianne A. aus Utah zu zwei bis 30 Jahren Haft verurteilt, weil sie Sex mit einem Sechzehnjährigen und zwei Siebzehnjährigen hatte. Im Jahr davor verhängte ein Gericht in Kenner in Illinois gegen die beiden Englischlehrerinnen Shelley D. (damals 32) und Rachel R. (damals 24) drei Jahren Haft auf Bewährung, nachdem sie sich nach einem Footballspiel gemeinsam mit einen 16-jährigen Schüler verlustiert hatten. Auch diese Bewährungsstrafe führt in den USA dazu, dass die beiden Lehrerinnen lebenslang in den Sexualverbrecherdatenbanken aufscheinen - mit entsprechenden Folgen für die Wohnungs- und Arbeitssuche.

2012 wurde die 32-jährige Sportlehrerin Stacy S. aus Mason in Ohio zur vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie Sex mit mehreren Halbwüchsigen aus dem Football-Team der Schule hatte. Nach einem Jahr kam sie wegen guter Führung vorzeitig frei. Im selben Jahr schickte ein Gericht im texanischen Arlington die Sportlehrerin Brittni C. für fünf Jahre ins Gefängnis, weil sie mit fünf sportlichen Schülern geschlechtlich verkehrte. Bewiesen werden konnten die Vorwürfe gegen sie, weil einige der Burschen die Lehrerin beim Geschlechtsakt mit ihren Telefonen gefilmt hatten, um damit zu prahlen.

Die 33-jährige Lehrerin Amy Renee S. aus der Nähe von Dallas wurde dagegen 2011 in flagranti erwischt, als eine Reinigungskraft das Klassenzimmer betrat, in dem sie mit einem Schüler zugange war. Bei der 24-Jährigen Lindsay M. aus New Jersey, die 2009 mit einem 15-Jährigen verkehrte (der nicht ihr Schüler war) kam der Fall dagegen vor Gericht, weil der Vater des Teenagers sie anzeigte. Ihre dreijährige Haftstrafe wurde nicht zur Bewährung ausgesetzt.

Quote
13. Juli 2015 16:41
Interessante Formulierungen
Twistie2015, Bettina Hammer, twister@twistie.at (707 Beiträge seit 21.01.15)

Jennifer F. ist kein Einzelfall: In den USA kommt es regelmäßig zu
Verurteilungen von Lehrerinnen, die sich mit halbwüchsigen Burschen
eingelassen haben:

...nachdem sie sich nach einem Footballspiel gemeinsam mit einen
16-jährigen Schüler verlustiert hatten

...Die 33-jährige Lehrerin Amy Renee S. aus der Nähe von Dallas wurde
dagegen 2011 in flagranti erwischt, als eine Reinigungskraft das
Klassenzimmer betrat, in dem sie mit einem Schüler zugange war

Ob diese Formulierungen wohl auch bei männlichen Lehrern und
weiblichen Schülern genutzt werden würden?

Quote
13. Juli 2015 16:49
Re: Interessante Formulierungen
notvalid (mehr als 1000 Beiträge seit 17.03.08)

Twistie2015 schrieb am 13. Juli 2015 16:41

> Ob diese Formulierungen wohl auch bei männlichen Lehrern und
> weiblichen Schülern genutzt werden würden?
>
Naja, alles in allen stellt sich die Frage ob die jungen männlichen
Schüler über diese Vorgänge tatsächlich unglücklich waren oder dies
in ihrem späteren Leben je einmal sein werden. Als Mann denke ich
eher nicht.

Ich weiß nicht wie eine junge Frau/Mädchen das zu dem Zeitpunkt oder
später im umgekehrten Fall sehen würde.


Quote
13. Juli 2015 17:09
Re: Interessante Formulierungen
Twistie2015, Bettina Hammer, twister@twistie.at (708 Beiträge seit 21.01.15)

notvalid schrieb am 13. Juli 2015 16:49

> Twistie2015 schrieb am 13. Juli 2015 16:41
>
> > Ob diese Formulierungen wohl auch bei männlichen Lehrern und
> > weiblichen Schülern genutzt werden würden?
> >
> Naja, alles in allen stellt sich die Frage ob die jungen männlichen
> Schüler über diese Vorgänge tatsächlich unglücklich waren oder dies
> in ihrem späteren Leben je einmal sein werden. Als Mann denke ich
> eher nicht.
Das wird bei der Berichterstattung über die jetzige Situation ja auch
nicht möglich sein, des zu beurteilen - und später wird nicht gefragt
bzw. es ist auch gleichgültig fr die rechtliche Bewertung.

>
> Ich weiß nicht wie eine junge Frau/Mädchen das zu dem Zeitpunkt oder
> später im umgekehrten Fall sehen würde.
auch da ist es für die rechtliche Bewertung irrelevant.

Der Punkt ist für mich eher, wie untereschiedlich die Sprache ist -
da verlustiert sich die Dame, da wird der Lehrer übergriffig, da wird
das Mädchen verführt, da wird die Lehrerin verführt usw. usf (je nach
Medium).




Quote
13. Juli 2015 16:49
die Moskau Times
laestern (mehr als 1000 Beiträge seit 17.01.04)

Die Moskau Times beschreibt das viele Russen sich an einer
Onlinepetition gegen die Strafe beteiligt haben.

Danach schreibt die Moskau Times:

"This is a clear example of how chauvinistic Russian society is,
Anton Sorin, a children psychologist and the head of the Kvartet
("Quartet") psychological clinic, told The Moscow Times on Monday."


Quote
13. Juli 2015 18:54
Nicht ganz einfach
luky (mehr als 1000 Beiträge seit 06.11.00)

Die Geschichte hat ja einiges Potential für Humor – zuerst allerdings
etwas ernsthaft: Die Strafe ist meiner Meinung nach massiv zu hoch.
Auf der anderen Seite finde ich es richtig, sexuelle Verhältnisse
zwischen Lehrpersonen und Auszubildenden nach Möglichkeit zu
vermeiden. Ich halte es für unvermeidlich, in jedem Fall einzeln
abzuwägen, wie freiwillig das war.

Wie man aber den Kommentaren leicht entnehmen kann, interessiert sich
wirklich niemand für diesen Einzelfall – das Thema "Sex und Lehrerin"
scheint ganz allgemein interessant. Amüsant wird es meiner Meinung
nach, weil sich unterschiedliche Deutungsmuster überlagern.

Zum einen ist da die archaische Auffassung vom Mann als
Jäger/Raubtier und der Frau als Beute. Dann die
religiöse(christlich?, katholisch?) Vorstellung von der bösen™ Eva,
die den unschuldigen Adam verführt. Dazu die Idee der
Gleichberechtigung, dass Täter unabhängig von ihrem Geschlecht
verurteilt werden.

Und dann zeigt es natürlich deutlich auf, wie weit unten der Beruf in
der sozialen Hackordnung der USA angesiedelt ist. Anderen dabei
helfen zu wollen, erfolgreich zu werden, riecht ja auch schwer nach
Kommunist. Als katholischer Priester, Präsident von Italien oder
Blauhelmsoldat kommt man deutlich glimpflicher weg.

scnr + gruss. luky



Aus: "Andere Länder, andere Tabus" Peter Mühlbauer (13.07.2015)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45431/1.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Gefechte zur Sexualität... (Notizen)]
« Reply #58 on: Oktober 04, 2016, 09:56:44 vorm. »
Quote
[...] Der Landeselternbeirat in Hessen sieht unter den Kritikern der Sexualerziehung „ultrakonservative Christen und nationalistische Kräfte“ am Werk.

In der Debatte um den neuen Lehrplan zur Sexualerziehung distanziert sich der Landeselternbeirat von Äußerungen „ultrakonservativer Christen und nationalistischer Kräfte“. Diese befürchteten eine „Frühsexualisierung der Kinder“, doch der Lehrplan biete hierfür keinerlei Anhaltspunkte, erklärte das Gremium in einer Mitteilung. Dieses Thema sei auch nicht Gegenstand der Diskussion im Landeselternbeirat gewesen.

Vielmehr sei eine Mehrheit dafür gewesen, anstelle von „Akzeptanz“ sexueller Vielfalt „Toleranz“ als Zielvorgabe in den Plan zu schreiben. Deshalb habe der Landeselternbeirat der Änderung nach kontroverser Diskussion nicht zugestimmt. Generell betrachte das Gremium den Vorgang als abgeschlossen, da der Lehrplan nun per Ministerentscheid in Kraft getreten sei.

Gegen den Lehrplan hat sich unter anderem die hessische AfD gewandt. Das ultrakonservative „Aktionsbündnis Ehe und Familie“ hat zudem für den 30. Oktober zu einer Demonstration unter dem Motto „Elternrecht achten - Indoktrinierende Sexualerziehung stoppen“ in Wiesbaden aufgerufen. Die Anmelderin hatte bereits unter anderem in Baden-Württemberg Stimmung gegen ähnliche Änderungen gemacht.


Aus: "Landeselternbeirat mahnt - Elternvertreter uneins in Debatte um Sexualerziehung" (03.10.2016)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/ungerechte-verteilung-die-meisten-fluechtlinge-landen-in-armen-laendern-14465211.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Gefechte zur Sexualität... (Notizen)]
« Reply #59 on: Februar 13, 2018, 10:42:13 vorm. »
Quote
[...] Wer bei Prostituierten davon spricht, dass sie „ihren Körper verkauften“, aber genau die gleichen, dort genau so zutreffenden Worte vermeidet, wenn es um andere, meist männliche Arbeiter (wie etwa Bauhelfer, Lagerarbeiter, Paketboten, Gebäudereiniger, Bergleute oder Fernfahrer) geht, belegt im Spiegel dieses seines Sprechens, dass sein Blick auf die Arbeit von seiner anachronistisch-moralistischen Sicht der Sexualität getrübt ist. Die „politische Analyse“ eines so sprechenden Menschen ist nichts weiter als eine Larve der restriktionsbereiten Prüderie; das nur zum Schein politisch formulierte Programm besteht in einer weiteren Verschiebung der zwangsneurotischen Sexualunterdrückung bei gleichzeitigem Aufrechterhalt aller anderen Strukturen der Unfreiheit und kapitalistischen Knechtschaft des größten Teiles der Menschen.


Aus: "Im Spiegelbild des angeprangerten Körperverkaufes"
Filed under: Dunkle Gedanken by Nachtwaechter (3. Februar 2018)
Quelle: https://tamagothi.wordpress.com/2018/02/03/im-spiegelbild-des-angeprangerten-koerperverkaufes/
« Last Edit: Februar 13, 2018, 04:55:56 nachm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Gefechte zur Sexualität... (Notizen)]
« Reply #60 on: M?RZ 29, 2018, 12:26:47 nachm. »
Quote
[...] Aus seiner Vorliebe für Gold macht Francesco Mangiacapra in den Fotos die von ihm in der Presse gezeigt werden kein Geheimnis: Sein Kaminsims ist gesäumt von Putten, ägyptischen Miniaturtotenmasken und Kerzenhaltern – alles in Gold, wie die Uhr an seinem Handgelenk. Doch bei aller Liebe zum Gold ist die Moral dem 37-Jährigen doch wichtiger als der Reichtum.

Anfang des Monats veröffentlichte er deshalb ein über 1000-seitiges Dossier, in dem er anhand von Fotos und Chatverläufen 40 katholische Priester outet, die sich in Rom gerne mit Callboys treffen. Seine Informationen hat der Prostituierte dabei aus erster Hand.

Dabei geht es Mangiacapra nicht um den öffentlichen Skandal, die Presse erhielt eine Version des Dossiers mit geschwärzten Namen. Nur der Diözese Neapel übergab er das ungeschwärzte Dokument. Auch in seinem vor drei Jahren erschienenen Buch „Nummer Eins – Bekenntnise eines Escorts“ hatte er alle beschriebenen Begegnungen anonymisiert.

Denn auch wenn er selbst schon vor zehn Jahren aus der Kirche ausgetreten ist, will er keinen Generalverdacht erzeugen: „Ich habe diese Liste der faulen Äpfel nicht mit dem Ziel ausgegraben, um über die Kirche Unrat auszukippen“ übersetzt die Nachrichtenagentur Catholic News Agency mit viel Bibelflair ein Interview. Mangiacapra selbst meint eher nüchtern im aktuellen Stern: „Ich habe auch eine Würde, und ich finde, dass diese Priester sie mit Füßen treten. Ich bin homosexuell und weiß, was es für die LGBT-Community bedeutet, dass unsere Gesellschaft von den Wertvorstellungen der Kirche geprägt ist.“

Laut eigener Aussage merkt Mangiacapra bei seiner klerikalen Kundschaft wenig davon, dass sich diese der eigenen Widersprüche bewusst wäre: „Die sagen dann Dinge wie, mach dir keine Sorgen, Jesus weiß, wie sehr ich ihn liebe.“ Passend dazu finden sich in seinem Dossier auch Bilder von Priestern, die vor der Marienstatue masturbieren.

Neapels Erzbischof Crescenzio Sepe, dem das Dossier zuerst übergeben wurde, gibt in einem offiziellen Statement an, die Fälle lägen außerhalb seiner Zuständigkeit. Er habe die Dokumente an den Vatikan weitergeleitet. „Eine Enttäuschung“ sagt Mangiacapra der schweizerischen Boulevardzeitung Blick. „Wahrscheinlich wird keiner der Priester, über die ich berichtet habe, Disziplinarmaßnahmen erleiden.“

Als Call-Out-Boy ist Mangiacapra nicht zum ersten Mal in Erscheinung getreten. Noch bevor er das Dossier übergab, brachte er einen seiner Kunden in den Fokus der Öffentlichkeit: den toskanischen Pfarrer Luca Morini, bekannt als Don Euro. Dieser gab unter anderem hunderttausende Euro an Gemeindegeldern für Escorts und Drogen aus. Bis Mangiacapra ihm auf die Spur kam. Zu hoffen bleibt, dass die weltlichen Gerichte dabei strenger mit Don Euro umgehen als die kirchlichen: Diese enthoben ihn zwar seines Amtes – wegen Krankheit -, entschädigten ihn aber mit einem Haus im Wert von über 200.000 Euro.

Von Papst Franziskus Zugehen auf Homosexuelle hält Mangiacapra übrigens nichts: „Hören Sie bitte genau hin: Er richtet nicht über Homosexuelle – solange sie keinen Sex haben. Nein danke, das ist kein Fortschritt.“

Quote
BigRed

Homosexuelle gegen ihren Willen zu outen, mit dem Ziel, "Displinarmassnahmen" zu bewirken, ist bemerkenswert unmoralisch.


Quote
atalaya

"Diese enthoben ihn zwar seines Amtes – wegen Krankheit -, entschädigten ihn aber mit einem Haus im Wert von über 200.000 Euro."
Er ist mittlerweile in den Laienstand versetzt worden und das Haus hat er nicht als Entschädigung bekommen, sondern durfte es bisher lediglich bewohnen.


Quote
Alxndr

"Police raid drug-fuelled gay orgy at cardinal's apartment" 5 Jul, 2017 1:35pm
 Vatican rocked: Police raid drug-fuelled gay orgy at cardinal's apartment
http://www.nzherald.co.nz/world/news/article.cfm?c_id=2&objectid=11886097


...


Aus: "Callboy gegen Doppelstandards" Arved Clute-Simon (28. 3. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/Homosexualitaet-im-Vatikan/!5494937/


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Gefechte zur Sexualität... (Notizen)]
« Reply #61 on: Juli 28, 2018, 06:18:09 nachm. »
Quote
[...] Weibliche Brustwarzen sind auf Instagram immer noch tabu.  ... Bis heute finden Kreative weltweit immer neue Ansätze, um die sexualisierenden und tabuisierenden Instagram-Richtlinien zu thematisieren. Fast vier Millionen Bilder finden sich unter dem Hashtag #freethenipple auf Instagram. Die künstlerische Umsetzung erstreckt sich mittlerweile über eine enorme Bandbreite. Fast könnte man sagen, dass sich aus dem Protest heraus eine eigene Kunstform entwickelt hat.

Kollektive wie das Nipple Magazin, gegründet von fünf Frauen aus Barcelona, bündeln in ihrem Feed zahlreiche Fotos zu dem Thema, vor Kurzem ging sogar die erste „Nipple Exhibition“ als Insta-Story online. Ihre Mission: „Wir möchten, dass zukünftige Generationen in einer Welt aufwachsen können, in der zwischen weiblichen und männlichen Brustwarzen keine Unterschiede gemacht werden.“ Im Feed finden sich Bilder mit Brustaufsätzen, von Fischen bedeckte Brüste, glitzernde Brüste oder bemalte Nippel, Illustrationen, GIFs und Galerien, von Künstler*innen weltweit. Auch wenn echte weibliche Brustwarzen auf Instagram natürlich noch erstrebenswerter wären ....


Aus: "So protestieren Kreative weltweit gegen das Nippelverbot auf Instagram" Milena Zwerenz (27. Juli 2018)
Quelle: https://ze.tt/so-protestieren-kreative-weltweit-gegen-das-nippelverbot-auf-instagram-freethenipple-zensur/

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Gefechte zur Sexualität... (Notizen)]
« Reply #62 on: Dezember 10, 2018, 07:32:26 nachm. »
Quote
[...] Social media platform Tumblr has announced a ban on so-called “adult content,” a move made, it seems, in reaction to Tumblr’s app being removed from the Apple app store. But while making the app more available is in theory good for Tumblr users, in practice what’s about to happen is mass censorship of communities that have made Tumblr a positive experience for so many people in the first place.

On December 3, Tumblr CEO Jeff D’Onofrio posted a lengthy missive about a new policy, titled, apparently unironically, “A better, more positive Tumblr.” Instead of laying out a vision that is better and positive, D’Onofrio’s post lays bare the problems with the ban on so-called “adult content.” First of all, the policy is confusing and broad, leaving users in the lurch about what they can and can’t do on Tumblr. Second, according to D’Onofrio, enforcement of the policy will be reliant on automated tools, the use of which is—and always has been—rife with problems. Third, the people who will end up punished aren’t pornbots or sex traffickers but already-marginalized groups who have built sex- and body-positive communities on Tumblr. And finally, all of these things come together to show just how many ways platforms and tech companies can get in between users and their freedom of expression.

n D’Onofrio’s post, he explains that “in order to continue to fulfill [Tumblr’s] promise and place in culture, especially as it evolves, we must change,” going on to say that as part of that evolution, “adult content” will no longer be allowed on the platform. He further explains:

    “We recognize Tumblr is also a place to speak freely about topics like art, sex positivity, your relationships, your sexuality, and your personal journey. We want to make sure that we continue to foster this type of diversity of expression in the community, so our new policy strives to strike a balance.”

On the face of it, this is literally contradictory. Saying adult content is banned, but that “diversity of expression” related to all those listed topics isn't is impossible to parse for the average user. Tumblr’s FAQ “clarifying” the definition of adult content (that is, that which includes “photos, videos, or GIFs that show real-life human genitals or female-presenting nipples, and any content—including photos, videos, GIFs and illustrations—that depicts sex acts”) likewise compounds this problem.

The new policies rule out almost all forms of nudity. “Female-presenting nipples” in particular is a phrase that has come under ridicule, because, among other things, it polices bodies for what they look like, based on a specific conception of gender, and a body part that only some cultures—but certainly not all!—prohibit showing in public.

On the other hand, the very next question has Tumblr claiming that “female-presenting nipples” can be shown in some contexts, that written erotica, “political” nudity, and “art” are permitted. These are all subjective categories that leave a lot of people on uncertain ground. Just look at Facebook, which has similar rules regarding nudity. In the past few years, we’ve seen Copenhagen’s Little Mermaid statue, a famous illustration of a woman licking an ice cream cone, a classic French painting, and a 16th-century statue of the Roman god Neptune taken down by Facebook’s content moderators under the restrictive policy.

Tumblr has also decided that the way to make these subjective calls about what is “art” and what is “adult content” is by using automated tools. D’Onofrio basically admits that these tools don’t work properly, saying in his post that “We’re relying on automated tools to identify adult content and humans to help train and keep our systems in check. We know there will be mistakes”.

That is an understatement. Filters don’t work. We’ve seen this in the copyright context many times. For example, YouTube’s Content ID system works by checking newly uploaded material against a database of copyrighted material and notifying copyright holders if there’s a match. And it resulted in five copyright claims being filed against a video of white noise. Five people claimed they literally owned exclusive rights to static.

And that’s just when it comes to checking for copyrighted material. It’s rather brazen of Tumblr to suggest it has the ability to develop and train a program to determine if something is porn; after all, there is literally a famous Supreme Court quote about the difficulty of defining obscenity! And so far, as any informed observer would have predicted, Tumblr’s system is failing miserably. Among the items flagged are a picture of Pomeranian puppies, selfies of fully-clothed individuals, images of raw chicken, and much much more. And, despite D’Onofrio’s statement that art, discussion of sexuality, and politics wouldn’t violate the terms, all of those categories have been hit.

When we look to groups outside the dominant culture, the problem is especially pernicious. Already, an image of a video game character on a pride flag, a selfie with the word “lesbian,” and someone talking about a family death due to AIDS have all been flagged. Tumblr may think it’s creating a “better” community, but it’s destroying what made it great in the first place.

In his post, D’Onofrio defends the policy by saying that the bottom line is that “there are no shortage of sites on the internet that feature adult content.” Indeed, the Internet is full of porn, the overwhelming majority of which caters to heterosexual men. But on Tumblr, people created sex-positive spaces on Tumblr that don’t exist elsewhere. People created portfolios of their work, all of it, on the platform. Those spaces are going to vanish.

Three paragraphs into his better, more positive manifesto, D’Onofrio states “posting anything that is harmful to minors, including child pornography, is abhorrent and has no place in our community. We’ve always had and always will have a zero tolerance policy for this type of content” and asks that no one confuse that with this new policy. Child exploitation imagery is both vile and illegal, and the fact that Tumblr apparently wasn’t eliminating it shows that it needed to hire people to enforce its existing policy, not outsource the job to algorithms. So why create this new, wholesale ban?

It’s impossible to divorce the new policy from the fact that, just a month prior to the announcement, Tumblr disappeared from the Apple App Store. And that, when asked about it, a Tumblr spokesperson responded with nearly the same words that D’Onofrio also used in his post.

Apple’s App Store has long acted as censor and gatekeeper to the Internet. In 2010, Steve Jobs once said that the iPad offered “freedom from porn” and that there was a “moral responsibility to keep porn off the iPhone.” Apple has consistently enforced draconian rules for app developers, exerting control over how its users get to experience the Internet. The company’s rules have even had the effect of silencing the press, as in 2010 when a large-scale removal of apps containing nudity impacted several mainstream German news publications.

We don’t know if Apple is the sole reason for these new rules. Tumblr also got banned this year in Indonesia because of pornography, for example, and may just want to make itself as non-controversial as possible. And it’s notable that Tumblr’s new policy is largely in line with that of peers Facebook, Microsoft, and YouTube, all of which heavily restrict so-called “adult content.”

The end result, though, is that companies and governments are changing how users get to express themselves on the Internet. The multi-billion dollar corporate porn industry won’t go away; rather, what will are places for people to talk frankly, openly, and safely about sex and sexuality. Groups that are pushed out of mainstream discussions or find themselves attacked in mainstream spaces are once again losing their voices.


From: "Dear Tumblr: Banning "Adult Content" Won't Make Your Site Better But It Will Harm Sex-Positive Communities"
By Katharine Trendacosta and Jillian C. York (December 5, 2018)
Quelle: https://www.eff.org/deeplinks/2018/12/dear-tumblr-banning-adult-content-wont-make-your-site-better-it-will-harm-sex


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Gefechte zur Sexualität... (Notizen)]
« Reply #63 on: Dezember 15, 2018, 01:15:02 nachm. »
Quote
[...] Der Mikrobloggingdienst Tumblr hat angekündigt, ab dem 17. Dezember [2018] keinen “adult content” mehr zu dulden. Gemeint sind damit Sex, Geschlechtsteile, und natürlich weibliche Brustwarzen. Nicht gemeint sind offenbar Hetzpropaganda, Nazikram und Fake News. Die betroffenen Nutzer sprechen von Zensur und Vertrauensbruch und suchen seit Bekanntgabe nach Alternativen, manche sind schon auf andere Plattformen verzogen, viele haben ihr Blog schon komplett gelöscht.

Warum sollte mich interessieren, was irgendwelche Pornofritzen in Amiland tun?

Geduld. Ich versuche, die Zusammenhänge zu erklären, soweit ich sie selber weiß.

Das Geschäftsmodell

Tumblr existiert seit 2009 und hostet heute ungefähr 450 Millonen Blogs. Sein Gründer David Karp versprach damals explizit, keinerlei Einschränkungen an der Art der eingestellte Inhalte zu üben, solange sie gegen keine Gesetze verstießen, und lockte damit viele Nutzer an, die auf anderen Plattformen nicht so gern gesehen waren.

Tumblr akquirierte einige hundert Millionen $ Startkapital, sollte aber irgendwann auch mal profitabel werden. Aber erst 2012 erschienen dort die ersten Anzeigen und spülten magere 13 Mio $ in die Kasse. Die angekündigten 100 Mio $ Anzeigeneinnahmen pro Jahr scheint Tumblr nie erreicht zu haben, hauptsächlich, weil es neben Facebook eher klein ist und außerdem seine Nutzer nicht derart leibesvisitierend ausspäht, um denselben Preis für Anzeigen verlangen zu können. Trotzdem wurde das Blognetzwerk 2013 von Yahoo gekauft, für unglaubliche 1 Milliarde $. Yahoo und tumblr gehören seit 2017 unter der Abteilung Oath zu Verizon, und die haben ein Interesse daran, den Kaufpreis wieder einzuspielen.

Da paßte es nicht in den Geschäftsplan, daß Apple die Tumblr-App im Oktober 2018 aus seinem Store schmiß, vorgeblich, weil irgendwo auf den 450 Mio Blogs angeblich Kinderpornografie gefunden wurde. Die Ankündigung, Tumblr komplett “safe for work” zu fegen, kam im Dezember 2018, doch die Programmierung hinter den Kulissen hatte dies wohl schon ein halbes Jahr lang vorbereitet.

Die Nutzer

David Karp hatte den Anteil “pornografischer” Blogs einst mit höchstens 4% benannt, externe Stellen behaupteten eher 17% nackten Inhalt, der für 22% des gesamten Tumblr-Datenverkehrs sorgte.

Innerhalb dieses Segments sind mehrere Nutzergruppen zu erkennen:
1. die reinen Porn-Blogs, mit Bildern und GIFs und eingebetteten Videoschnipseln, der größte Teil irgendwo aufgesammelt, der Rest selbstproduziert, also alles von simplen Nacktbildern bis Amateurporno. Hier gibt es alles, von Mainstream bis hin zu liebevoll kommentierten seltenen Fetischen.
2. Pornblogs als Link-Köder, von Profis betrieben als Werbung für Webseiten außerhalb Tumblrs, oder als schlichte Klick-Generierung für Anzeigen. Es ist nicht klar, inwieweit diese Anzeigen offiziell über Tumblr geschaltet sind, oder ob sie durch geschickte Programmierung als Parasiten leben.
3. Sexworker-Accounts. Hier tummeln sich professionelle Models und Escorts genauso wie taschengeldverdienenden Camgirls, sie machen hauptsächlich Werbung für ihre anderswo gehosteten kostenpflichtigen Angebote.
(Die Gruppen 2 und 3 könnte Tumblr durchaus in seinen Gewinnfluß integrieren, wenn es ihnen nur ums Geschäft ginge.)
4. Sex- und Body-positive Activists.
5. Models, Künstler- und Fotograf*innen, die ihre eigene Arbeit vorstellen.
6. LGBT-Menschen, die Tumblr zur Selbstdarstellung und -findung nutzen und den positiven Zuspruch ihrer Communities schätzen.
7. Und schließlich sehr viele Menschen jeglichen Alters, die ihre Nackt- und Sexbilder ganz selbstverständlich neben ihre Katzen- und Gartenbilder stellen, weil dies einfach ein weiterer wichtiger Teil ihres Lebens ist, über den sie sich mitteilen wollen.
(Ich habe bestimmt wen vergessen.)

Die meisten amerikanischen Anzeigenkunden haben nun allerdings ein Problem damit, neben Porno oder auch nur Nacktheit zu werben, sei es aus eigener Entscheidung, sei es aus Angst vor Kundenreaktionen - und eine bestimmte Gruppe “Kunden” ist sehr organisiert und lautstark darin, Firmen an den Pranger zu stellen, die “Unzucht” unterstützen, indem sie daneben Anzeigen schalten.

Die Filter

Tumblr funktionierte anfangs so, daß jeder jeden Inhalt sehen konnte, egal ob er/sie eingelogt war oder nicht. Auch Suchmaschinen hatten vollen Zugriff, und Links von außerhalb funktionierten ohne Einschränkung.

Ab 2013 (Verkauf an Yahoo) waren dann die Tumblr-internen Tags nur für Eingelogte suchbar. Im Februar 2018 wurden alle Nutzer per default auf “safe mode” gesetzt, dh wenn sie diese Einstellung nicht änderten, bekamen sie nur noch jugendfreie Inhalte angezeigt (änlich wie in der Google-Suche).

Tumblr sortiert Inhalte so, wie alle anderen auch: mit Filtern. Zunächst wurde nur Text gefiltert und mit einer Liste abgeglichen. Seit dem offiziellen Porn-Bann im Dezember werden sämtliche Bilder durchforstet, und wenn die Bots etwas für NSFW halten, wird es entsprechend gekennzeichnet und taucht auf der Normalansicht von Tumblr nicht mehr auf. Momentan (10.12.) werden offenbar noch keine Blogs gesperrt oder Inhalte gelöscht - was nach dem 17. Dezember passieren wird, ist Gegenstand heftiger Spekulation.

Einige Blogbetreiber berichten, daß sie eine Einspruchsmöglichkeit gegen die Einstufungsentscheidungen der Bots bekommen hätten, aber die Masse der betroffenen Nutzer macht sich bereit, das Schiff zu verlassen. In einem letzten Aufflackern werden auf Tumblr selbst, aber vor allem anderswo Beispiele komplett harmloser Bilder gezeigt, die für Bots offenbar böse Nacktheit enthielten. Einige Blogger, die ausschließlich Kunst zeigten, haben aus Prostest schn ihre Blogs geschlossen.

Automatische Filter sind schlecht in dem, was sie tun sollen. Das wissen wir inzwischen vom fehlgeschlagenen Gesichtserkennungsversuch am Berliner Südkreuz, von der unzuverlässigen Autokennzeichenerfassung in NRW, und von vielen anderen Beispielen mehr. Wie ein Filterbot “female-presented nipples” von männlich-erlaubten Brustwarzen unterscheiden kann, wäre Gegenstand einer unterhaltsamen wissenschaftlichen Untersuchung. Der Filter ist unzuverlässig, Tumblr weiß das und moniert lieber zuviel als zuwenig - sie spielen auf Sicherheit, denn:

Die Gesetze

Wenn es nur ums Geschäftemachen ginge, wäre all dies kaum passiert. Mainstream-Pornografie hat bis jetzt noch immer Mittel und Wege gefunden, seine Erzeugnisse der ganzen Welt zugänglich zu machen, und Plattformen haben Wege gefunden, davon zu profitieren.

Am 11. April 2018 traten in den USA zwei Gesetze namens SESTA und FOSTA in Kraft. “Stop Enabling Sex Traffickers Act (SESTA)” und “Allow States and Victims to Fight Online Sex Trafficking Act (FOSTA)” hatten vorgeblich das Ziel, Menschenhandel und Zwangsprostitution zu bekämpfen. Quasi in einem Nebensatz steht aber auch drin, daß Onlineanbieter haftbar gemacht werden können, wenn irgendwo in ihrem Angebot auch nur der kleinste Hinweis auf Zwangsprostitution etc gefunden wird. Sexworking ist in den USA fast überall illegal, Werbung dafür verboten, und die tägliche Praxis von Exekutive und Judikative ist nicht wirklich darauf ausgerichtet, Sexworker zu schützen.

Was diese Gesetze anrichten, hat das Beispiel Craigslist deutlich gezeigt: diese altehrwürdige Kleinanzeigenplattform hat den kompletten Bereich Kontaktanzeigen löschen - schließlich könnten sie nie sicher sein, daß sich unter den zehntausenden Angeoten nicht doch eines für bezahlten Sex verbirgt - und dann wären sie haftbar. Und so fürchtet auch Tumblr, den Laden zugemacht zu bekommen, und sogar der marktbeherrschende Gigant Facebook hat letzte Woche seine Regeln für erlaubte Inhalte dahingehend geändert, daß schon die leiseste Andeutung wie “I’m looking for a good time tonight”, umso mehr eine offene Diskussion über Sex verboten ist.

Die Zensur und die Geografie

Die Erfahrung der letzten 20 Jahre hat gezeigt, daß einschneidendste Zensurmaßnahmen, egal ob technisch oder inhaltlich überhaupt sinnvoll, in Gesetzesform sofort durchgewunken werden, sobald mit Bekämpfung von Kinderpornografie argumentiert wird. Ist ein solches Gesetz erst einmal in Kraft, werden sofort Stimmen laut, die seine Erweiterung auf andere Bereiche fordern, beispielsweise Glücksspiel, Copyright-Durchsetzung, einzelne sexuelle Vorlieben usw.

Wir erinnern uns, daß noch in jedem neuen Abkommen, ACTA, SOPA, PIPA, CISPA, CETA und wie sie alle heißen, stets vereinbart werden soll, die lokalen Gesetze “anzupassen”, dh in der Praxis die für Normalbürger jeweils schlechteste Regelung für alle zu übernehmen. Aber auch ohne diese Abkommen sind andere Länder durchaus bereit, dem Vorbild USA zu folgen. Großbritannien will nächstes Jahr eine verpflichtende Alterskontrolle für sämtliche “erwachsenen” Inhalte einführen - natürlich einschließlich Überwachung des Internetverkehrs aller, dh GHCQ weiß, wer wann einhändig am Rechner saß. In Deutschland gibt es nur wenige deutsche Pornoanbieter im Netz, weil die gesetzlich geforderten Altersverifikationssysteme für Betreiber wie für Kunden gleichermaßen teuer sind. Außerdem leiden sie am systemimmanenten Fehler, daß ein Mensch zum Verifizieren des Alters dies öffentlich am Postschalter kundtun muß (PostIdent) - die Peinlichkeit ist politisch gewollt.

Momentan ist in der EU ein Gesetzespaket im Abstimmungsablauf, das zwar nicht das Wort “Filter” enthält, aber in anderer Formulierung sämtliche Internetanbieter verpflichtet, sämtliche Inhalte der Nutzer schon beim Hochladen auf Strafbares (zunächst Copyrightverstöße, aber ist die Technik erst installiert, kann das Suchgebiet beliebig erweitert werden) zu kontrollieren (und dann das Hochladen zu verhindern). Die technische und inhaltliche Unmöglichkeit stört niemanden, genausowenig wie die vorhersehbaren Kollateralschäden.

Die Auswirkungen

Ob die betroffenen Blogs nach dem 17.12. überhaupt noch existieren, weiß zur Zeit niemand. Momentan versuchen viele Blogger, sich Accounts auf anderen Netzwerken zu sichern, in der Hoffnung, daß irgendwo genügend kritische Nutzermasse zusammenkommt, um das in langen Jahren erarbeitete soziale Netzwerk wenigstens teilweise herüberzuretten.

In einem geschickten Schachzug hat Pornhub.com (die in Kanada sitzen) bekanntgegeben, daß sie nichts dagegen hätten, wenn Blogger ihre Inhalte bei ihnen hosten würden, auch wenn sie gar nicht pornografisch seien. Das ist vor allem prima Marketing, denn sehr viele Nutzer möchten eben nicht dort zu finden sein, wo schon “Porn” obendrübersteht. Dasselbe Problem besteht bei Fetlife.com und bei vielen kleineren Sex-zentrierten Netzwerken: zwar gibt es Alternativen für viele sexuelle Teilbereiche, aber jede von denen ist monothematisch, keine erreicht das breite Ausdrucksspektrum von Tumblr. Flucht ist also keine Lösung.

Oft wird vorgeschlagen, Tumblr erstens nur für Nutzer ab 18 und zweitens kostenpflichtig zu machen, doch dies ist nur eine Scheinlösung. Jedes Age Verification System (so eine Art Straßenräuber im Jugendschutzfell) ist teuer, die Kosten werden auf die Nutzer geschoben, und durch die Bezahlung sind diese Nutzer nicht mehr anonym. Außerdem wird die willkürliche Trennung zwischen “über 18, darf sich ausdrücken wie will” und “unter 18, darf bestimmte Themen nicht einmal sehen, geschweige denn selber Inhalte produzieren” wieder einmal festgeschrieben, obwohl es nirgends seriöse belastbare wissenschaftliche Ergebnisse über den angeblichen Schaden an der Jugend gibt.

Nacktheit, Sex, Sexwork, sexuelle Identität - dies alles wird aus dem ganz normalen Alltag wieder einmal ausgesperrt und dadurch mit dem Stigma des Bösen versehen.


Aus: "Tumblr ohne Sex macht die Welt besser!" (12/2018)
Quelle: http://slowtiger.tumblr.com/post/180981848151/tumblr-ohne-sex-macht-die-welt-besser

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Gefechte zur Sexualität... (Notizen)]
« Reply #64 on: November 25, 2019, 12:51:35 nachm. »
Quote
[...] 

DER PORNOJÄGER: EINE HATZ ZWISCHEN LUST UND POLITIK
Regie: Peter Heller
BRD 1989
16mm, OV

Martin Humers Lebensinhalt dreht sich um Pornografie: mit großer Leidenschaft arbeitet dieser Mann daran, diese mit allen Mitteln aus Österreich zu verbannen – mit der Beantragung von Strafanzeigen, spektakulären Aktionen, Amtsanmassung und teils auch Erpressung.
Mit Rechtsradikalen zu reden ist nicht nur heutzutage dämlich. Es war schon 2014 dämlich. Und 1932. Und selbstverständlich war es das auch 1989. Das sieht man sehr schön im Gespräch zwischen Martin Humer und seinem Erzfeind, einem großen Wiener Verleger von Pornozeitschriften: beide kommen im Wartesaal eines Wiener Gerichts ins Gespräch, der Verleger gibt sich sichtlich Mühe, mit Humer zu reden, doch dieser brüllt ihn immer wieder mit weiteren Beleidigungen, Obszönitäten, Unterstellungen und Schimpftiraden nieder...
Der TV-Dokumentarfilm DER PORNOJÄGER gehörte für mich zu den großen Highlights des Hofbauer-Kongresses. Wie DIE TOTENSCHMECKER ein Blick in das kackbraune Herz des teutonischen Alltagsfaschismus. Humer, der selbsternannte Kämpfer für Anstand, scheut sich nicht davor, Gegner systematisch zu dehumanisieren: immer wieder bezeichnet er sie als "Schweine". Die "Massenpornografie" ist für ihn ein Mittel des Weltkommunismus, der Marxisten und der Ausländer, um das deutsche Volk zu destabilisieren. Humer spricht meist von "deutsch" und "Deutschland" und entpuppt sich damit als echter "Großdeutscher". Den aktuellen österreichischen Staat bezeichnet er als Diktatur, die wesentlich schlimmer sei als das Dritte Reich und scheut sich nicht, seine Gegner als Nazis zu beschimpfen. Er beteuert immer wieder, dass er natürlich den Frauen im Pornomilieu helfen wolle, nur um sie wenig später außer sich vor Zorn als "Huren" und "Schlampen" zu bezeichnen, denen alles "Mütterliche" fehle – als liege der einzige Existenzgrund von Frauen, (sexlose) Mutter zu sein. Wilde Verschwörungstheorien mit Linken und Ausländern als Sündenböcke, vulgärer Sexismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus bei gleichzeitiger Beschimpfung der Gegner als Nazis... Wer bei der Sichtung des Films das höchst unangenehme Gefühl bekommt, das alles kürzlich schon ähnlich gehört zu haben – tja, so "neuartig" ist die sogenannte "Neue Rechte" halt auch wieder nicht...

 DER PORNOJÄGER "redet" nicht mit Humer, aber er beobachtet ihn beim Reden. Ohne jeglichen Off-Kommentar lässt er den selbsternannten Tugendwächter seine Tiraden ausspucken und voller Stolz die vielen angesammelten Regalmeter an Pornozeitschriften (Beweismittel) in seinem Büro zeigen. Zwischendurch kommen natürlich auch weitere Personen zu Wort: am häufigsten der Geschäftsführer eines Pornomagazins, aber auch Staatsanwälte und Richter (von denen einige tatsächlich fast ihre komplette Arbeitszeit den Strafanzeigen Humers widmen müssen) sowie Humers erste Ehefrau. Der Film lässt sämtliche gezeigte Personen für sich sprechen, nutzt keinerlei Off-Kommentar und greift auch so gut wie nicht ein. Das ist natürlich weder "neutral", noch heißt es, dass Regisseur und Autor Peter Heller zu dem Gezeigten keine Position beziehen würde, denn die Kadrage und die Montage werden doch immer wieder als ironisierende Mittel eingesetzt (für Zuschauer natürlich, die das so sehen wollen). So stellt sich Humer einmal in seiner Arbeitszentrale ganz stolz vor eine grotesk überdimensionierte, gefühlt fünf Meter hohe Regalwand, in der sorgfältig Pornozeitschriften sowie Aktenordner mit Beweismitteln verstaut sind. Die Kamera schwenkt auch mal genüsslich über die Ordnerrücken (ein ziemlich dicker Ordner ist mit "Pasolini" beschriftet). Putin hat einmal gesagt, dass er Terroristen bis aufs Klo verfolgen würde, aber das hat der Pornojäger Humer schon Jahrzehnte vor dem russischen Präsidenten gemacht: die Kamera folgt Humer und seiner ihn assistierenden Tochter durch mehrere Räume voller Regale, und eines dieser Räume ist dann auch das stille Örtchen, vollgestellt mit Ordnern voller Beweismittel (also Pornozeitschriften). Hier ging wahrscheinlich das lauteste Lachen durch den ganzen Saal.
Natürlich ist Humer irgendwo auch eine "komische" Figur. Ohne mit der Wimper zu zucken und mit großem Ernst nennt er auch mal einige Dutzend völlig bestialische und absurde Titel von Pornofilmen, die er gerade rechtlich verfolgen will (was auch für große Erheiterung im Saal sorgte). Das Lachen bleibt einem aber auch regelmäßig im Hals stecken, denn Humer und seine Leute schrecken auch vor Amtsanmaßung, latenter Bedrohung und schließlich auch Erpressung nicht zurück. Ein unkenntlich gemachter Interviewpartner entpuppt sich als Besitzer eines Pornoladens, den Humer erfolgreich zur "Kollaboration" erpresst hat: Insider-Hinweise werden getauscht gegen den Verzicht auf eine Strafanzeige (die in Fällen kleiner Betriebe durch die potentielle, juristisch angeordnete Unterbrechung der Geschäftstätigkeit während der Untersuchung tatsächlich zum Konkurs führen kann – Humers Tätigkeiten haben also in seinem Sinne manchmal durchaus Erfolg). Auch wenn DER PORNOJÄGER: EINE HATZ ZWISCHEN LUST UND POLITIK durchaus in einigen ironischen Momenten ein lustiger Film war (und der Saal hat an einigen Stellen sehr herzlich gelacht), ist er doch auch beklemmend.



Aus: "Volljährig, schlaflos & lustvoll in Nürnberg (Teil 1)" (Freitag, 22. November 2019)
Euphorien vom 18. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos
Quelle: https://whoknowspresents.blogspot.com/2019/11/volljahrig-schlaflos-lustvoll-in.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 10247
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Gefechte zur Sexualität... (Notizen)]
« Reply #65 on: Dezember 23, 2019, 09:23:23 nachm. »
Quote
[...] „Pornographen“ nach dem „Obszönitäts-Paragraphen“ strafrechtlich zu verfolgen, forderten vier Mitglieder des amerikanischen Kongresses, wie der Catholic Herald mitteilt. In einem Brief an das Justizministerium warnten die drei Männer und eine Frau der Republikaner vor einer „Pornographie-Explosion“, die Gewalt gegen Frauen, Menschenhandel und Kinderpornographie anheize. Verlangt wird, dass die Sondereinheit zur Verfolgung von Obszönität („Obscenity Prosecution Task Force) in der Strafjustiz wieder eingesetzt werde. Die 2005 unter George W. Bush gegründete Behörde war für strafrechtliche Ermittlungen von Hardcore-Pornographie verantwortlich. 2011 wurde sie unter Präsident Obama aufgelöst. Für 15 US-Bundesstaaten besteht in Bezug auf Pornographie ein „öffentlicher Gesundheitsnotstand“.

...


Aus: "Würzburg: Internationale Zeitschriftenschau am 11. Dezember 2019" Katrin Krips-Schmidt (11. Dezember 2019)
Quelle: https://www.die-tagespost.de/gesellschaft/literatur/Internationale-Zeitschriftenschau-am-11-Dezember-2019;art4882,203849