Author Topic: [Zur neuen Biedermeierlichkeit... ]  (Read 14873 times)

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[Zur neuen Biedermeierlichkeit... ]
« on: October 26, 2010, 11:59:03 AM »
Quote
[...] [Als Biedermeier wird die Zeitspanne vom Ende des Wiener Kongresses 1815 bis zum Beginn der bürgerlichen Revolution 1848 in den Ländern des Deutschen Bundes bezeichnet.] ... Der Ausdruck Biedermeier bezieht sich zum einen auf die in dieser Zeit entstehende eigene Kultur und Kunst des Bürgertums (z. B. in der Hausmusik, der Innenarchitektur und auch in der Mode), zum anderen auf die Literatur der Zeit, die beide oft mit dem Etikett „hausbacken“ und „konservativ“ versehen werden. Als typisch gilt die Flucht ins Idyll und ins Private. Schon der Dichter Jean Paul hatte vom „Vollglück in der Beschränkung“ gesprochen, Goethes Sekretär Johann Peter Eckermann „eine reine Wirklichkeit im Lichte milder Verklärung“ zu erkennen geglaubt.

[...] Mit dem Begriff Biedermeier ist in erster Linie auch eine bürgerliche Kultur gemeint, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand. Das Bürgertum kultivierte das Privat- und Familienleben in ganz neuem Ausmaß. Nicht die Repräsentation stand im Vordergrund, sondern das häusliche Glück in den eigenen vier Wänden, die zum Rückzugsort wurden. Bürgerliche Tugenden wie Fleiß, Ehrlichkeit, Treue, Pflichtgefühl, Bescheidenheit wurden zu allgemeinen Prinzipien erhoben. Die Biedermeier-Wohnstube war die Urform des heutigen Wohnzimmers, und wahrscheinlich wurde damals der Ausdruck Gemütlichkeit eingeführt. Die Geselligkeit wurde in kleinem Rahmen gepflegt, beim Kaffeekränzchen, am Stammtisch, bei der Hausmusik, aber auch in den Wiener Kaffeehäusern. ...

[...] Die bürgerliche Familienstruktur war patriarchalisch, der Mann das Oberhaupt der Familie; der Wirkungskreis der Frau war der Haushalt. Das wohlhabendere Bürgertum beschäftigte Personal, darunter eine Köchin, einen Kutscher, eine Kinderfrau, für Säuglinge auch eine Amme, mitunter einen Hauslehrer. Die wichtigsten weiblichen Freizeitbeschäftigungen waren Handarbeiten und das Klavierspiel, das jede Bürgerstochter zu lernen hatte. Wesentlich mehr Aufmerksamkeit als vorher widmete man auch der Kindererziehung und dem Kinderzimmer, es erschien entsprechende Literatur mit Anleitungen zur Erziehung. Es entstand erstmals eine eigene Kindermode, die nicht nur eine Kopie der Erwachsenenmode war. Die Spielzeugindustrie erlebte ihre erste Blüte. 1840 gründete Friedrich Fröbel in Bad Blankenburg den ersten Kindergarten.

In der Biedermeierzeit wurde auch das häusliche Weihnachtsfest in der Form ausgebildet, die uns heute allen bekannt ist, mit Weihnachtsbaum, Weihnachtsliedern und Bescherung.

...


Aus: "Biedermeier" (16. Oktober 2010)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Biedermeier

-.-

Quote
[...] Gemütlichkeit, abgeleitet von Gemüt, ist ein subjektiv empfundener Gemütszustand des Wohlbefindens, ausgelöst durch subjektiv determinierte materielle Verstärker und/oder Situationen. Das Wort Gemütlichkeit hat auch Eingang in den englischen Sprachgebrauch gefunden, da es dort keine richtige Entsprechung hat.

Gemütlichkeit kennzeichnet zugleich eine dem Menschen freundliche, warme Atmosphäre und Umgebung, in der man sich wohlfühlt. Sie ist gekennzeichnet von Ruhe, Ausgeglichenheit und Geborgenheit, Konfliktfreiheit und Sorglosigkeit. Sie bringt Ruhe in die Hektik. Gemütlichkeit verträgt keine Aufregung, keinen Streit, keine sich aufdrängenden Sorgen. Sie ist auch unvereinbar mit gleichzeitiger schwerer Arbeit, die zwar zu Gemütlichkeit führen kann, aber selbst keine darstellt. Durch die Konfliktfreiheit wirkt die Darstellung von Gemütlichkeit in der Kunst oft kitschig.

... Der Begriff Gemütlichkeit bedeutete zunächst nur soviel wie „voller Gemüt“. Die Herrenhuter verwendeten den Ausdruck Anfang des 18. Jahrhunderts in ihren Schriften im Sinne von Herzlichkeit. Eine neue Bedeutung bekam er in der Biedermeierzeit; in dieser Phase wurde Gemütlichkeit zu einem Modebegriff im Sinne von Behaglichkeit, wurde von Kritikern wie Joseph Görres aber auch in Zusammenhang gebracht mit Nationalismus und Deutschtümelei. Gemütlichkeit bekam daher eine negative Konnotation im Sinne von Trägheit und fehlender Courage.

...


Aus: "Gemütlichkeit" (4. Juli 2010)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gem%C3%BCtlichkeit

-.-

Quote
[...]     Fabiana
   04.01.2014 19:04 Uhr

"Wahres Glück"

Adorno sagte über den Versuch, so etwas wie privates Lebensglück in Nazideutschland zu suchen, schlicht „es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ (Minima moralia). Ich denke, für jede Diktatur, also auch für die DDR, gilt dieser harte Satz. Das heißt nicht, dass es keine Glücksempfindungen gab, aber sie wurden durch ungeheure Verdrängungen erkauft – man war glücklich jeden Sommer an der Ostsee, auch wenn man gerne einmal als Mittelmeer gereist wäre, man war glücklich im Alltag, obwohl man weder den Arbeitskollegen noch den Freunden oder sogar Ehepartnern vertrauen konnte (ca. 1 Spitzel auf 180 DDR-Bürger/innen), man war glücklich, auch wenn Westfernsehen eine Straftat darstellte? Viele sagen das von sich und unter dem Aspekt, dass das Leben kurz ist, nicht jede(r) zum Helden/zur Heldin taugt ist diese biedermeierliche Auffassung auch verständlich. Aber „wahres Glück“ ist das nicht, denn dazu würde eben auch Wahrheit gehören.



http://www.zeit.de/2014/02/ddr-kinderwissen?commentstart=1#cid-3269053

« Last Edit: March 14, 2019, 12:22:48 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Biedermeierlicher Alltag und kleinbürgerliche Geborgenheit... ]
« Reply #1 on: October 26, 2010, 12:02:06 PM »
Quote
[...] Biedermeierlicher Alltag und kleinbürgerliche Geborgenheit machen sich halt nicht nur in Diktaturen breit - wie in der Metternich-Ära, im Hitler-Regime und im SED-Staat -, sondern auch in Demokratien, wenn sich allzu viele bedingungslos anpassen und jedes Infragestellen, jedes Umdenken und jede Veränderung für verwerflich halten. Erinnert sei nur an die späten fünfziger Jahren, als Adenauer mit der Losung regierte "Keine Experimente". Erinnert sei auch an die Stagnation in der langen Kohl-Ära. Die Gefahr, dass wir versuchen, uns biedermeierlich einzurichten, droht uns auch gegenwärtig, und das um so mehr, je komplizierter und undurchschaubarer die wirtschaftlichen und politischen Prozesse und Systeme um uns herum werden. Doch wie wir gesehen haben, Subversives und Zukunftsweisendes gedeiht immer und überall, und eben das lässt hoffen.


Aus: "Biedermeierlichkeit in der Bundesrepublik" (Ursula Homann, Datum ?)
Quelle: http://www.ursulahomann.de/Biedermeier/kap004.html


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[Die gute alte Volksweise... ]
« Reply #2 on: October 26, 2010, 12:07:44 PM »
Quote
[...] Volkslieder? Sind jahrezehntelang im Stadel versumpft oder durch den Schlund grausiger Massenchöre gewandert. Gott hilf!, konnte man da nur flehen. Doch langsam scheint sich das Blatt zu wenden, die gute alte Volksweise erfährt eine zum Teil hochkarätige Renaissance. Ob nachhaltig, das wird sich noch zeigen.

In einer geradezu konzertierten Aktion schmettern Opernheroen und Kunstlied-Kapazitäten den „lieben Mai“ an, sie beklagen „entzwei gesprungene Ringlein“ und bitten uns, „immer Treu und Redlichkeit“ zu üben. Sony hat dafür Stars wie Jonas Kaufmann, Annette Dasch oder den über alles erhabenen Christian Gerhaher zusammengetrommelt. Das Album „Wenn ich ein Vöglein wär“ kam eben auf den Markt – versehen mit einem hübsch bebilderten Booklet, inklusive Liedtexten und Vogerln auf dem Titel.

Singer Pur, Echo-verwöhntes A-Cappella-Ensemble mit Regensburger Domspatz-Wurzeln, bot im Juni eine wohlklingende Steilvorlage unter dem Titel „Letztes Glück“ (Oehms Classics). Die Lieder stammen aus der deutschen Romantik – und selbst mit der ausgeleierte Rheinsirene Loreley kann man hier Frieden schließen.

Wobei die „Wiegenlieder“ aus dem Carus-Verlag quasi den Startschuss zur neue Liedliebe gaben: Schon seit einem Jahr dominiert der aufwändige Band die Bestsellerlisten, Teil 2 liegt seit März in den Buchhandlungen, im Herbst folgen die „Volkslieder“. Natürlich auch mit fein besungener CD – mancher Knirps hat dergleichen noch nie vernommen. Und also wurde die Wiegenlied-Scheibe großzügig an über 8000 Kindergärten verteilt. Dass die Bundeskanzlerin daselbst den Schirm über so ein Zukunftsprojekt hält, versteht sich fast von selbst.

Eine gute Sache, finden die meisten, Lehrer wie Kinderärzte sowieso, und wir wollen mit Lob nicht zurückstehen. Nur kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, dass sich die ganze Chose famos in die neue-alte Bürgerlichkeit der Deutschen fügt: zum wieder entdeckten Schick von Eiche-rustikal-Küchenzeilen, karierten Wanderhemden (allerdings aus Higtech-Fasern) und tortensüßen Damenkränzchen mit Filterkaffee. Oder biedermeierlichen Schrebergartenfreuden, denen selbst das hippe Münchner Lounge- und Partyvolk auf langen Wartelisten entgegenfiebert.

Nichts desto trotz darf man sich die neuen Scheiben ruhig auflegen. Denn wenn der fabelhafte Helmut Deutsch am Flügel sitzt und Salzburgs neue Sopranentdeckung Christiane Karg den Mai endlich hersäußelt oder Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt das holde Mädchen anhimmelt, dann geht einem doch grad das Herz auf.


Aus: "Biedermeierliche Schrebergartenfreuden" (13. Aug 2010)
Quelle: http://www.abendzeitung.de/kultur/205628


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[Der kritisch-reflektierte Geist wird abgetötet ... ]
« Reply #3 on: October 26, 2010, 12:14:47 PM »
Quote
[...] Das Massenphänomen der gelebten Zerstreuung und Sinn-losigkeit beeinflusst unsere Gesellschaft wie kaum eine andere Erscheinung. Im privaten Raum, eine Errungenschaft des Liberalismus, ist der Spaß eine Erholung für viele. Er versorgt sie mit Kraft im Vergnügungshafen der stürmischen Leistungsgesellschaft. Gerade in Zeiten, die zu defätistischem Kulturpessimismus einladen, ist Ablenkung eine willkommene Gefährtin. Das Privatfernsehen ist hier der Vorreiter für seichte Unterhaltung am Abend des gestressten Großstädters oder der abgehängten – meist männlichen – Landpomeranze. ...

Eine andere seichte Unterhaltungsform, die gleichsam mit Tabus belegt ist und mindestens ebenso gefährlich ist für ein verantwortungsvolles Miteinander ist die Spaßgesellschaft. Als Ansammlung von Menschen, die nach Grenzerfahrungen suchen ist der Club meist ein Ort des Exzesses. Entweder wird mit Stimulanzien nachgeholfen oder der Körper natürlicher Weise gemartert, bis man nicht mehr kann. In dieser jugendfixierten Verklärung des Sich-Auslebens schwingt oft ein Hang zur Verantwortungslosigkeit mit. Der kritisch-reflektierte Geist wird abgetötet oder klein gehalten, das wertfrei Triebhafte voll nach außen gekehrt. Allerdings kann eine freiheitliche Gesellschaft, die sich als Solidargemeinschaft versteht, überhaupt nur überleben, wenn ihre citoyens kritische Bürger sind. Die Reflexion, gerade auch die Selbstreflexion gehört zwingend zum zoon politicon dazu.
Der Spaß, als apolitische Zerstreuung und reflexartige Instinkthandlung und Bedürfnisbefriedigung lässt jedoch das kritische Reflektieren meist nicht zu.

Dabei geht es nicht um eine bierernste und lachfeindliche Gesellschaft, sondern um eine, die den profunden Humor und das Vergnügen an Herausforderungen geistiger Art vor die doch recht trivialen und überaus kurzweiligen und somit doch auch persönlich unergiebigen Bedürfnisbefriedigungen setzt. Die Spaßgesellschaft ist biologistischer Konsumterror.

Zur Lösung sieht man momentan in Prenzlauer Berg viel: Die Biedermeierlichkeit. Wenn man bemerkt, dass die ganze Feierei und Fickerei einem doch nicht so das gegeben hat, was man dachte, bekommt man eben ein Kind!
Für alle bambinophoben Zeitgenossen bleibt da leider nur eins: Geht ernster mit euch um!


Aus: "Therapiestunde Spaßgesellschaft" Von Jan Mollenhauer (Montag, Oktober 25th, 2010)
Quelle: http://le-bohemien.net/2010/10/25/therapiestunde-spasgesellschaft/


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[Das Haus am See & schwelende Absturz-Panik... ]
« Reply #4 on: October 26, 2010, 12:18:35 PM »
Quote
[...] Die Lebensentwürfe der interviewten Jugendlichen lassen eine Biedermeierwelt durchscheinen, in der das zentrale Lebensziel darin besteht, ein kleines Haus, mit Garten oder eine Eigentumswohnung zu besitzen. Das Lied von Peter Fox über das "Haus am See" wird daher als Hymne an diesen Lebensentwurf von Jugendlichen beispielhaft genannt. Psychologisch verständlich wird diese Anknüpfung die an Ideale des Biedermeier erinnernde Lebenshaltung vor dem Hintergrund, dass alles als brüchig empfunden und die Lebenswirklichkeit ständig erschüttert wird. Das Lebensgefühl der Jugendlichen ist von Krisen geprägt, sowohl im gesellschaftlichen (Wirtschafts- und Finanzkrise) wie im familiären Rahmen. Diese ständige Unsicherheit und Zerrissenheit führt bei leistungsbereiten Jugendlichen zu einer "schwelenden Absturz-Panik". Die Jugendlichen sind daher sehr emsig und leistungsbereit. Sie investieren viel Zeit in ihre Ausbildung. Bereits in der Schulzeit beginnen sie sich ein ganzes Arsenal von (zertifizierten) Fertigkeiten, Ausbildungen und Kompetenzen zu beschaffen: Praktika, Fremdsprachen-Kenntnisse, Auslands-Aufenthalte, Zusatz-Qualifikationen gelten als unerlässliche Fahrkarten in eine erfolgreiche Zukunft. Die Studie spricht von "Kompetenz-Hamstern" - allerdings werden diese Kompetenzen häufig sehr wahllos, maßlos oder schematisch gehamstert. Immer bleibt die Sorge, es könnte noch eine Qualifikation fehlen.

Die entstehende Wut auf das gesellschaftliche Chaos kann jedoch oft nicht kanalisiert werden. Ihre ständigen Absturz-Ängste versuchen die Jugendlichen aber auch zu bannen, indem sie sich strikt von allen Menschen abgrenzen, die bereits abgestürzt sind. Den Opfern und Verlierern der Gesellschaft wird nicht Mitleid oder Solidarität entgegengebracht, sondern Verachtung und Schmähung. Hartz IV ist für die Jugendlichen zum Sinnbild eines Loser-Schicksals geworden, das jedem jederzeit drohen kann.

Der Leiter des Institutes, Stephan Grünewald erklärte gegenüber der FR, dass ihn die Ergebnisse der Studie an die Sarrazin-Kontroverse erinnern. Sie biete "Erklärungshilfen" dafür, warum Sarrazin so viel Zuspruch erhalte, obwohl er Migranten für ihre Integrationsprobleme selbst verantwortlich mache, Sozialdarwinismus betreibe.

...


Aus: "Wie die Jugend von heute drauf ist" von Susanne Bauermann  (Montag, 25. oktober 2010)
Quelle: http://kritische-massen.over-blog.de/article-wie-die-jugend-von-heute-drauf-ist-59646120.html

« Last Edit: November 22, 2011, 11:34:47 AM by Textaris(txt*bot) »

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[...wenn es einen Geschmackswechsel gibt.]
« Reply #5 on: November 22, 2011, 10:55:39 AM »
Quote
[...] Berlin –  Der Namensgeber der „Generation Golf“ Florian Illies wechsele vom Gipfel des Journalismus in den Kunsthandel. Seine Mission: junge Sammler für die Naturmalerei des 19. Jahrhunderts zu begeistern - und Schönheit in Geldwert zu verwandeln.

Cool und jungdynamisch wirkt dieses Zimmer nicht. Schon gar nicht wie das Arbeitsdomizil des vor Kurzem noch prominentesten Vertreter des jungen Feuilletons. Die Wände sind gedämpft gestrichen, die Möbel: Biedermeier. Mitten im Raum steht eine Récamière, eine dieser exzentrischen Liegen ohne Rückenlehne, auf denen sich die Damen um 1800 so effektvoll niederlegten. In dieser gediegenen Retro-Atmosphäre also, und nicht in Corbusier-Stahlrohrsesseln oder in Sixties-Klassikern, soll die erwachsen gewordene „Generation Golf“ zu Hause sein? Die hatte Florian Illies vor elf Jahren als unpolitische, an den Wohlstand der alten Bundesrepublik gewöhnte Jugend beschrieben.

Irgendwo im Regal liegt ein dicker Band mit Kate-Moss-Fotografien – das passt schon eher zum Klischeebild des Trend-Seismographen. Aber die Bilderwelt, um die es Illies hier geht, ist eine ganz andere, keine gegenwärtige. An der Wand hängen dicht an dicht Bilder aus dem 19. Jahrhundert: romantische Landschaften, religiös gestimmte Dämmerungen, traute Familienszenen, viel Natur und noch mehr Italien-Sehnsüchte, dazwischen preußische Offiziere und sächsische Melancholiker.

Constable, Carus, Blechen, Rottmann, Menzel, Achenbach, Piloty – es ist alles dabei, ein Querschnitt durch das, was zwischen 1800 und 1900 vor allem in Deutschland entstand. Morgen kommen die 84 Werke in einer eigenen Versteigerung in der Villa Grisebach zum Aufruf. Das Berliner Auktionshaus, deutscher Marktführer für die klassische Moderne, eröffnet sich damit zu seinem 25-jährigen Jubiläum ein neues Geschäftsfeld. Dann muss sich die Kollektion, die Illies zusammengestellt hat, am Markt bewähren. In nur vier Monaten hat er alle diese Bilder ausfindig gemacht, untersucht und mit Experten diskutiert. „Ich habe mit sehr vielen alten Männern gesprochen – aber auch mit vielen Kunsthistorikern meiner Generation“, erzählt der 40-Jährige. Von deren Erfahrung zu profitieren, das habe Spaß gemacht.

Bei meinem Besuch liegen gerade die Katalogfahnen auf dem Tisch; noch fehlen einige Texte. Illies gesteht, dass er selbst im Journalismus noch nicht so viel habe arbeiten müssen wie in den vergangenen Wochen. Viele der Kurzanalysen, in denen für den Kunden alles Wissenswerte über die Geschichte und die Zuschreibung des Bildes stehen muss, hat er selbst verfasst. Das ist neu im Auktionshandel: dass der Chef selbst elegante, anschauliche Kurzminiaturen über „seine“ Bilder verfasst. „Ich versuche, mit den Katalogtexten den Menschen etwas von meiner Begeisterung mitzugeben“, sagt Illies dazu. Hier ist einer angekommen und so heimisch, als habe er nie woanders hin gewollt.

Und während sich Illies in der neuen Umgebung pudelwohl fühlt und jeden Besucher an seiner Freude teilhaben lässt, kann es die Feuilletonistenbranche immer noch nicht fassen. Im letzten Winter erschütterte Illies seine Kollegen im ganzen Land mit der Nachricht, dass er als Kulturchef der Zeit zurücktreten und als Teilhaber in das Berliner Auktionshaus Villa Grisebach eintreten wolle. Wie kann man nur freiwillig den Gipfel des Journalismus verlassen und in die hysterische Branche des Kunsthandels wechseln, fragten sich viele. Doch Illies, gut gelaunt wie eh und je, fühlt sich nicht als Oberratte, die noch rechtzeitig ein Feuilleton in der Identitätskrise verlassen hat. Es sei keine Entscheidung gegen die Presse gewesen, sondern eine für die neue Aufgabe.

Dabei war Illies Journalist voller Leidenschaft. Er ist es wohl geblieben, denn als erstes gründete er für die Villa Grisebach ein Kundenmagazin, in dem Uwe Tellkamp, Wolfgang Büscher oder Gustav Seibt über Bilder der Auktion schreiben. Das ist der Illies, den wir kennen. Gleich nach dem Abitur, machte er in der Fuldaer Lokalzeitung ein Volontariat. Mit Mitte zwanzig war er schon FAZ-Redakteur, gründete für die Zeitung die „Berliner Seiten“ und half beim Aufbau der neuen Sonntagszeitung. Dazwischen schrieb er die Bestseller „Generation Golf“ und „Generation Golf 2“ und veränderte mit dem Magazin Monopol die deutsche Kunstszene. Der Ruf auf den Feuilleton-Chefsessel der Zeit erschien dann als die vorläufige Krönung einer außergewöhnlichen Journalistenkarriere. Bis Bernd Schultz, der Chef der Villa Grisebach, ihn fragte, ob er als Teilhaber einsteigen wolle.

Wer Illies vor zwanzig Jahren als blutjungen Kunstgeschichtsstudenten in Bonn erlebt hat, der wundert sich nicht, wie er jetzt in seinem Bilderzimmer sitzt und von der Malerei des 19. Jahrhundert schwärmt. Einzeln hängt er die kleinen Ölstudien ab, die es ihm besonders angetan haben, zeigt einen expressiven Windstoß hier, eine luftige Wolke dort oder einen flirrenden Baum des Dresdner Postromantikers Gille, den er für ein verkanntes Genie hält. Illies, der selbst seit Studententagen kleine Ölstudien sammelt, ist überzeugt, dass gerade diese spontane, oft schon abstrahiert wirkende Naturmalerei heute junge Sammler begeistern könnte. „Das 19. Jahrhundert ist unterbewertet.“ Für einige tausend Euro bekommt man hier schon hochrangige Kunst, was bei den Zeitgenossen kaum noch möglich ist.

Aus Illies’ Mund klingt es wie eine Mission: „Das 19. Jahrhundert braucht leidenschaftliche Anwälte.“ Es kümmerten sich heute ja „so viele um Kate Moss, aber viel zu wenige um Blechen und Gille.“ Die Aufgabe des Auktionshaus-Mitbesitzers ist es nun, die Schönheit in Geldwert zu verwandeln, und Illies beteuert: „Ich bin gerne Unternehmer.“ In einem sei es ohnehin wie im Journalismus: „Man muss erkennen, wenn es einen Geschmackswechsel gibt.“


Aus: "Florian Illies - Vom Top-Journalisten zum Kunsthändler" Von Sebastian Preuss (22.11.2011)
Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/kultur/florian-illies-vom-top-journalisten-zum-kunsthaendler,10809150,11179138.html


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[Gentrifizierungsgegner wenden ihren Blick... ]
« Reply #6 on: January 26, 2012, 01:58:49 PM »
Quote
[...]     christygoe
    26.01.2012 um 8:33 Uhr

Gentrifizierungsgegner, wenden ihren Blick, sobald sie ihre persönliche Situation ändern, Kinder bekommen, die spritzenfreie Spielplätze nutzen sollen, von Gewalt fern gehalten und gern durch nicht ganz so abgewrackte Szeneviertel geschoben werden sollen.

Dann will man weg von der billigen Ofenheizung, hätte es gern renoviert und mit bequemem Bad und die nachtaktiven Szeneleute beginnen wie auch der Müll, den sie zu hinerlassen pflegen, zu nerven.

Und dann kommt die Frage, tut man etwas zur Verbesserung der eigenen Lebensqualität, die unter anderem eine Aufwertung der eigenen Wohnung und auch deren Umgebung bedeutet oder zieht man ins Kleinfamilien-Idyll vor die Städte ... ?

http://www.zeit.de/2012/05/Gentrifizierung?commentstart=1#cid-1831717



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[Vom Normalen zum Horror... ]
« Reply #7 on: April 24, 2012, 10:36:33 AM »
Quote
[...] Die kleinbürgerliche Mittelklassefamilie erinnert im Kino immer ein wenig an einen Horrorfilm. Vielleicht liegt es an der Inneneinrichtung: den Ledergarnituren, seelenlosen Zimmerpflanzen und dem biederen Kunsthandwerk an den Wänden. Wo bereits das Leben wie ein Transitraum ausgestattet ist, Lebenskonzepte sich in behaglicher Durchschnittlichkeit eingenistet haben, da stellt sich unwillkürlich Unbehagen ein.

... Dieser kleinbürgerliche Habitus ist per se ahistorisch, in seiner Verblendung existiert für ihn nichts außer der Lüge des absoluten Jetzt. Der Horror des kleinbürgerlichen Milieus besteht weniger in seinen geschmacklichen Verirrungen, als in der tristen Zeitlosigkeit seines Entwurfs.

...

Quote
   gorgo
    24.04.2012 um 8:34 Uhr

Identitätsbildung, wie gehabt "Die Familie", "das" Kleinbürgertum", "das" "deutsche" "Kleinbürgertum" [ ] - wie verbohrt in seinen eigenen Überlegenheitsanspruch ist wohl jemand, der wie hier derartig platte Verallgemeinerungen an einen Film wie diesen hängen muss - um sich selbst dann ganz un-kleinbürgerlich findend in die Prenzlauer oder Kölner oder Münchner Altbauwohnung (am besten, indem er sein Fahrrad demonstrativ an die Wand hängt und abends ein wenig "chilled"...)? OmG...

Mich würde mal eine echte Analyse dieser seit 19hunderts bewährten Endlosschleife interessieren, in denen der Begriff und das Klischee des "Spießers" oder der des "Kleinbürgers" zur wohlig-problemlosen Identitätsbildung des sich intellektuell dünkenden - ja was - Kleinbürgers? Großbürgers? Anti-Bürgers? immer wieder gerne gebraucht wird...


Quote
   christygoe
    24.04.2012 um 8:38 Uhr

Ich halte das nicht für ausgelutscht...

Gerade fährt eine Generation ihr Leben in diese Tristesse und Sprachlosigkeit, die davon ausgingen, dass ihnen das nicht passieren könnte, die sich dumm und dusselig kommunizieren in alle Welt und dabei sprachlos im Nahbereich sind bis zum Verstummen in der Partnerschaft.


Quote
   maristra
    24.04.2012 um 9:56 Uhr

Ich finde Normalo-Familie super

Wann ist eigentlich der Traum vom Normalen zum Horror geworden?
Ich finde das sogenannte Kleinbürgerliche der Mittelklassefamilie toll.
Ich finde es wunderschön, einen Mann, zwei gesunde Kinder, einen sicheren Arbeitsplatz und ein nettes Zuhause zu haben. Und wenn da Standardmöbel drinstehen und keine italienischen Designerstücke, sondern auch mal ein Regal aus dem schwedischen Möbelhaus und ein Teppich aus dem Online-Versandhandel, dann bedeutet das nicht, dass es nicht auch trotzdem schön aussehen kann.
Ich verstehe echt nicht, warum eine "normale" Familie und ein "normales" Zuhause plötzlich zur grässlichen Horrorvorstellung werden.
Klar, eine Kleinfamilie kann zur Falle werden.
Aber sollen wir uns denn jetzt alle trennen, in Luxus-Lofts ziehen, um die hlabe Welt jetten und nur noch coole, unverbindliche Freunde haben anstatt richtiger Beziehungen, und schwupps geht es uns besser?

... Man darf eben nicht immer jammern. Man kann sich auch mal freuen, dass es einem gesundheitlich, wohnungstechnisch und finanziell relativ gut oder zumindest abgesichert geht, und dann das aus Ausgangspunkt dafür nehmen, eine schöne Zeit mit den Seinen zu verbringen und etwas Sinnvolles mit seinem Leben anzufangen, was auch immer das für jeden Einzelnen sein soll.

Für einen bindungsscheuen, neurotischen Künstler mag dieses Leben vielleicht ein Alptraum sein, aber wir können und wollen nicht alle neurotische Künstler sein, oder?



Aus: "Der Horror liegt im Kleinbürgerlichen" Von Andreas Busche (23.04.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/kultur/film/2012-04/film-krummacher-totem

« Last Edit: July 31, 2012, 07:01:58 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Das ist Biedermeier... ]
« Reply #8 on: May 29, 2012, 10:31:44 AM »
Quote
[...] Heute gibt es inzwischen zahlreiche Zeitschriften, in denen es um den rustikalen Lifestyle geht.

Eine dieser Zeitschriften heißt Landlust. Im ersten Quartal 2012 hat sie es geschafft, über eine Million Exemplare zu verkaufen. Damit gehört sie zu den zehn erfolgreichsten Publikumszeitschriften, die momentan in Deutschland verlegt werden. Wie der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger mitteilte, wurden pro Ausgabe durchschnittlich 1.010.873 Hefte verkauft. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht das einem Zuwachs von mehr als 25 Prozent.

... Scheinbar haben es solche Zeitschriften geschafft, gerade in der urbanisierten Gesellschaft das Bedürfnis des Publikums nach Heimeligkeit zu befriedigen. Viele suchen hier nach Einrichtungsideen. Andere wiederum suchen konsequent nach einem günstigen, altem Bauernhaus für die Familie. Weitläufige Gartenfläche inklusive. Natürlich finden sich in den Zeitschriften auch viele Tipps, wie man seinen Bauernhof gut und günstig umgestalten kann.


Aus: "Der Erfolg der Zeitschrift “Landlust”" von Clement (25/04/2012)
Quelle: http://www.tease-online.de/der-erfolg-der-zeitschrift-landlust

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Quote
...

Alte Sessel neu bezogen 6 (104)
Ein Anbau umgebaut 3 (94)
Historische Bettwäsche 4 (72)
Küche mit Kanapee 5 (94)
Landhausküche aus Altholz 3 (106)
Leserideen - Betten 2 (106)
Schrankpapier 2 (80)
Windfänge und Fensterkleider 1 (70)
Wohnen unterm Dach 1 (100)
Handarbeiten und Anleitungen
Bettschuhe 6 (110)
Bunte Bordüren häkeln 5 (88)
Gestickte Grußkarten 4 (82)
Gestrickte Dreiecktücher 1 (89)
Handgewebte Trachtenjacke 2 (86)
Häkelschmuck 3 (86)
Häkeltop 4 (102)
Landlust - Strickjacke 2 (104)
Landlust - Mohair Tweedjacke 5 (93)
Luftig Leinen-Garderobe 4 (89)
Pulswärmer und Schal 2 (94)
Raffinierte Stricktücher 5 (105)
Rosen häkeln 4 (80)
Schalkragen 6 (114)
Socken stricken 1 (96)
Stickvorlage „Wildes Treiben“ 2 (98)

...


Aus: "Landlust 2011 - Inhaltsverzeichnis 2011"
http://www.landlust.de/index.php/2011/View-category.html

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Quote
[...] Di Lorenzo: ... Natürlich herrscht angesichts fallender Auflagen und sinkender Werbeeinnahmen große Verunsicherung. Die entscheidende Frage ist, ob wir einen Journalismus machen, mit dem wir noch genug Menschen erreichen können, und ob die Verluste, die viele von uns erleiden, hausgemacht oder strukturell bedingt sind.

Göring-Eckardt: Eine Zeitschrift, die 2005 gegründet wurde, hat heute eine verkaufte Auflage von rund einer Million.

Schirrmacher: Landlust.

Göring-Eckardt: Das ist Biedermeier, das passt nicht zu Ihrer Krisendiagnose.

Schirrmacher: Doch, das passt total. Die erste Generation, die in ihrer Jugend die gesamte Welt gesehen hat, ist erwachsen geworden. Jetzt geht sie zurück in den Garten. ...


Aus: "Am Medienpranger" (24.05.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/2012/22/DOS-Interview-Schirrmacher/seite-2

« Last Edit: May 29, 2012, 11:02:10 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Ein Schauer durchzuckt sie (Familie und Besitz)... ]
« Reply #9 on: June 05, 2012, 01:11:40 PM »
Quote
[...] „Heirat war ein Rechtsgeschäft“, sagt die Volkskundlerin Christel Köhle-Hezinger. Es ging darum, Familien und Besitz zusammenzufügen, und die entscheidenden Verhandlungen wurden während der Anbahnung des Eheversprechens geführt. Der Rest war Vollzug.

... Eines Abends saßen sie auf dem Sofa, er mit einem Eisbeutel auf einem schmerzenden Knie, und stritten, mal wieder. Um den Einfluss seiner Ex auf das gemeinsame neue Leben und ihr Gefühl, dass er ihr den angemessenen Status verweigerte. Er ist ein spontaner Typ, mehr Rock’n’Roll als Schnulze, und plötzlich fragt er, wie im Scherz: Wollen wir heiraten? Und weil sie nicht reagiert, lässt er den Eisbeutel los, hinkt zu ihr hinüber, kniet sich vor sie und legt ihr die Hand auf die Schulter: Willst du mich heiraten? Ein Schauer durchzuckt sie. Er meint es ernst. Er spürt den Ernst. Die Tragweite einer Entscheidung, die ihr gemeinsames Leben auf eine neue Grundlage stellt. Später wird er bei ihren Eltern um ihre Hand anhalten, eine ernste Sache verlange nach einer ernsthaften Form, sagt er. Sie streiten sich heute weniger.


Aus: "Es fühlt sich richtig an und schön und perfekt " Von Julia Schaaf (02.06.2012)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/die-ewige-frage-es-fuehlt-sich-richtig-an-und-schoen-und-perfekt-11772511.html


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[Renaissance konservativ-bürgerlicher und bisweilen auch... ]
« Reply #10 on: July 31, 2012, 07:00:38 PM »
Quote
[...] Auf Mitgefühl und Solidarität von den bessergestellten Angehörigen der „Generation Golf“ können [ ] Systemverlierer und ihre Kinder nicht unbedingt setzen. Solidarität und Einfühlungsvermögen gehören nicht zu deren Kernkompetenzen. Seit ein paar Jahren realisieren sie: Der lange sicher geglaubte (ererbte) Lebensstandard der westdeutschen Mittelschichten ist bedroht.

Aggressiv grenzt sich dieses Milieu heute nach unten ab. Statt einer solidarischen, gemeinsamen Perspektive beschwört es eine Renaissance konservativ-bürgerlicher und bisweilen auch religiös-fundamentaler Werte. Es achtet auf Distinktion, häufig in Form kulturalistischer Islamdebatten. Es schickt seine Kinder auf (christliche) Privatschulen und strebt nach Homogenität – frei von sozialer und ethnischer Durchmischung. Ein solches Ausmaß an gewollter sozialer Segregation wie heute hat es seit Gründung der Republik noch nicht gegeben.

Quote
04.04.2012 07:53 Uhr
von Dyrasch:

Der Artikel ist ein gelungener Auftakt für eine Debatte, die dringend nötig ist. Denn noch vor der Frage, was mit der Macht gemacht werden soll, steht doch die Frage, welche Werte dem zugrunde liegen (und zwar in den nächsten 5-20 Jahren einer Generation). ...


 

Aus: "Im Windschatten der Generation Golf"
Kommentar von Eberhard Seidel (03.04.2012)
Quelle: http://www.taz.de/Debatte-Milieus/!90854/


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[Deluxe-Nostalgie-Interieur-Design-Serie... ]
« Reply #11 on: August 28, 2012, 01:22:10 PM »
Quote
[...] Die Damen üppig, devot, angepasst, die Kerle lässig, arrogant, triebgesteuert. Die US-Serie "Mad Men" strotzt vor längst überholten Klischees. 

... die Gründe für den Erfolg von "Mad Men" liegen auf der Hand. Die Ausstattung sieht aus, als hätten sich Depot und Manufactum zusammengetan und eine Deluxe-Nostalgie-Interieur-Design-Serie herausgegeben. Diese stoffbezogene Nachttischlampe! Diese cremebraunen Sofakissen! Und diese verzierten Griffe an der Schublade über dem Herd!

... Vielleicht ist der Erfolg der Serie auch ein Indiz für das langsam um sich greifende Kristina-Schröder-Syndrom. Dieses Gefühl von Frauen um die 30, sich sofort schwer emanzipiert zu fühlen, wenn sie Kinder kriegen und zudem nicht nur "Hausfrau" in ihrer Vita stehen haben, sondern irgendwas, was nach Karriere aussieht. Und sich insgeheim doch an Heim und Herd (am besten mit Prämie) zurücksehnen und sei es nur, indem man "Mad Men" schaut und denkt, wie toll es doch wäre, einen erfolgreichen Mann zu haben, etwas mehr Zeit für die Kinder und den Klatsch und Tratsch mit der besten Freundin.

...

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Epimetheu$ heute, 11:11 Uhr
Ich kann den Artikel bestätigen. Meine Frau steht auch total auf den 60er Jahre Flair. Genauso wie auf die Filme, die vor 1900 spielen und in denen es schöne Kleider zu sehen gibt. Und das trotz der guten Bildung die sie genossen hat :-) Aber manchmal setzt das Gehirn halt aus. Ich steh auch quasi auf jede Serie in der ein Raumschiff durch die Gegend fliegt. Kann man nichts machen.

http://forum.spiegel.de/f22/geschlechterklischees-mad-women-69309-2.html#post10839292


Quote
Grob missverstanden
zeitreisende heute, 11:32 Uhr
Mir scheint ebenfalls, dass Herr Petschek die Serie Mad Men und auch ihre weibliche Anhängerschaft grob missverstanden hat. Die Tatsache, dass Frau von einer gut gemachten TV-Produktion angetan ist, die ein hervorragendes satirisches Abbild einer vergangenen Epoche bietet und dabei noch unterhaltsam ist, gleichzusetzen mit einer geheimen Sehnsucht nach dieser Vergangenheit und ihren männlichen Vertretern, ist geradezu absurd. Ich selbst (weibliche Führungskraft in einem internationalen Wirtschaftsunternehmen des 21. Jahrhunderts) lache mitunter schallend, wenn die männlichen Kollegen Peggy Olson zum Kaffeekochen schicken möchten oder Betty Daper ihren Gatten Don bei dessen abendlicher Heimkehr befragt, ob er lieber Geflügensalat oder schwedische Hackbällchen zum Dinner möchte. Wer darüber nicht lacht und sogar vermutet, hier würden tief verborgene weibliche Sehnsüchte angesprochen, hat die Serie nicht verstanden. Derartige Thesen beleidigen meine Intelligenz.

http://forum.spiegel.de/f22/geschlechterklischees-mad-women-69309-3.html#post10839524


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nayiim heute, 12:51 Uhr
Vielen Dank an den Autor! Gut erfasst! Diese ewige Rückbesinnung an die vermeintlich gute alte Zeit, wo alles noch hübsch war, weil Frauen scharfe Kleider tragen konnten...nervt unglaublich! Weder die 50er noch die 60er waren eine gute Zeit für Frauen und auch heute noch ist es alles andere als ausgelebt. Und ich darf das sagen...ich habe in den 60ern schon gelebt und nein...ich persönlich möchte nicht zurück. Wenn das jemand sehen möchte, ist das ja okay...mir persönlich kräuseln sich die Haare :-)

http://forum.spiegel.de/f22/geschlechterklischees-mad-women-69309-5.html#post10840322


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Informativer Beitrag
hermeneuticus heute, 11:42 Uhr
Mich faszinieren die Mad Men eigentlich wegen ihrer subtilen Angründigkeit, Vielschichtigkeit und stillen Dramatik. Der Beitrag von Herrn Petschek erinnert mich daran, dass der große Erfolg der Serie wohl nur möglich ist, weil sie schlichten Gemütern, die nur ein Rezeptionsmuster kennen - Selbstbestätigung durch Identifikation mit dem Personal - noch genug zu bieten hat. Danke für diese Erinnerung! :-)

http://forum.spiegel.de/f22/geschlechterklischees-mad-women-69309-3.html#post10839640



Aus: "Geschlechterklischees - Mad Women" Von Peter Petschek (28.08.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mad-men-warum-frauen-die-serie-so-lieben-a-852249.html


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[Das mit dem Glück und dem Land... ]
« Reply #12 on: September 12, 2012, 11:31:32 AM »
Quote
[...]  Die Antike entwickelte eine ausgeprägte Tradition angenehmer Naturvorstellungen in Alternative zum Leben der Stadt und des Staatswesens. Wer es konnte, leistete sich Landhäuser. In der Dichtung besang man das glückliche Leben der Hirten. Mit dem Beginn des 17. Jahrhunderts sollte diese Kulturtradition mit einer breiten Mode der Schäfereien neu aufleben, die ihren Ort vor allem an den Höfen und in geschlossenen Gesellschaften fand. Man inszenierte Idyllen, feierte sommerliche Tage bei weniger strenger Etikette unter freiem Himmel. Schäferspiele, die Oper, galante Lyrik und eine eigene Romanproduktion trugen die Mode, und nährten das Gefühl, ein weit glücklicheres Leben könnte außerhalb des streng reglementierten Zusammenlebens in Stadt und Hof bestehen oder zumindest in der fernen Antike bestanden haben. ....

... 20. Jahrhundert und Gegenwart: Der Naturzustand als problematischer Debattengegenstand: Was als philosophisches Argument begann und von der Forschung des 19. Jahrhunderts am Ende eingeholt wurde, entfaltete im 20. Jahrhundert Massenbewegungen – von denen des trivial-darwinistisch ausgerichteten Nationalsozialismus, der über die Rolle der menschlichen Rassen philosophierend den Staat zum verlängerten Arm der weiteren „natürlichen“ Selektion machen wollte, bis zu den vielfältigen Bewegungen der „Aussteiger“, die ein „Zurück zur Natur!“ als Absage an die westliche Konsumkultur propagierten.

Ein Nachdenken über den Naturzustand, für den der Mensch geschaffen ist, wurde selbstverständlich. ...
Grundlegend erhalten blieb die Argumentation mit Differenzen zwischen einem Zustand, für den wir geschaffen sind, und einem Zustand, in dem wir demgegenüber leben. ...


Aus: "Naturzustand"
Datum der letzten Bearbeitung: 11. August 2012, 13:14 UTC
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Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Naturzustand&oldid=106674373
Datum des Abrufs: 12. September 2012, 10:13 UTC

-.-

Quote
[.... Der Rammstein-Sänger Till Lindemann hat vor ein paar Wochen in einem Interview gesagt: "Alles Gute in meinem Kopf entsteht auf dem Land". Als ich es gelesen habe, hat mein Herz sofort einen Sprung gemacht. Nicht, weil ich Rammstein-Fan bin. Sondern weil wieder einer das Leben auf dem Land lobt. Ich sammele "Promis-sprechen-übers-Landleben"-Zitate, weil ich nicht jeden Tag gleich sicher bin, wie gut ich es hier oben auf dem Berg finde. Eine seltsame Variante der Absolutionssuche.

... Ich weiß schon auch, dass das echte Leben, und auch das in der Stadt, viel härter sein kann als unser Alltag. Meine Kinder haben zum Beispiel noch nie einen Junkie oder einen Obdachlosen gesehen.

Wir nähern uns der Härte des Lebens in kindgerechten Dosen: Alle paar Wochen haben wir Beerdigungen, von den einzelnen Teilen der Blindschleiche, die in den Rasenmäher gekommen ist, vom Rotkehlchen, das die Katze erwischt hat oder von den Meisenküken, denen die Mutter kein Fressen mehr gebracht hat. Oder wir feiern den Abschied vom Pferd, das plötzlich nicht mehr beim Nachbarn stand, weil es einen schlimmen Husten hatte, und keiner einen Arzt geholt hat.

... Es klingt ja alles immer so kitschig, so nach Klischee: Aber schon die Luft oder der spezielle Geruch dort, wo wir wohnen, der macht mich glücklich. Diese Waldluft, der Duft der Wiese.

... Ich sehe die Jahreszeiten mit ihren verschieden farbigen Wolken über das Tal heraufziehen, kein Haus versperrt den Blick. Ich finde es wunderbar, wenn eine warme Böe den Frühling ankündigt oder ein Sturm den Herbst. Mir ist der Wechsel der Jahreszeiten viel bewusster. Das merke ich auch am Essen, das es bei uns gibt. Wenn zum Beispiel bei uns im Garten alle Himbeeren geerntet sind, kaufe ich im Supermarkt keine neuen mehr. Weil ich hier gelernt habe, das alles seine Zeit hat, auch das Aufstehen zum Beispiel. Es wird hell, der Hahn kräht und ich beginne den Tag. Ich freue mich, wenn das Licht im September endlich wieder mild wird und nicht mehr so gleißend wie kurz zuvor im August. Wenn die Sonne jetzt nicht mehr in der Mitte des Sees versinkt sondern irgendwo am Ufer untergeht. Und ich weiß es, es wird nächstes Jahr wieder ganz genauso sein.

Seit ein paar Jahren gibt es ja auf den Bestsellerlisten diese "Gummistiefel statt Pumps"-Veröffentlichungen. In diesen Büchern beschreiben Menschen, wie sie ihr Glück auf dem Land gefunden haben. Ich hab noch nie so ein Buch gelesen und habe auch nicht vor, es zu tun. Die Vorstellung, dass ich mit meiner Familie in einem Trend lebe, ist mir unangenehm. Aber wahrscheinlich stimmt das mit dem Glück und dem Land schon so.

...

Quote
    Barbara Lavaud
    12.09.2012 um 11:39 Uhr

.... Sie brauchen dringend eine Rubrik "Jammern auf hohem Niveau" - denn die Kinder dieser Frau verbringen eine schöne Kindheit in behüteten und finanziell abgesicherten Verhältnissen, in einer intakten und gesunden Familie. Natürlich ist die Truman-Show auf dem Land manchmal schwer auszuhalten, aber wenn die Autorin sonst keine Probleme hat, kann ich ihr eigentlich nur gratulieren! [...]

Gekürzt. Bitte bleiben Sie trotz Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/lv



Aus: "Die Härte des Lebens in kindgerechten Dosen" Julia Decker (12.09.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/lebensart/2012-08/lust-auf-stadt-landleben-kind

« Last Edit: September 12, 2012, 12:16:54 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Wir sind nicht mehr im Biedermeier... ]
« Reply #13 on: October 04, 2012, 10:06:45 AM »
Quote
[...] Als Kurzfilm über bildgebende Verfahren in der Medizin begann 2005 ein Projekt, aus dem der Kinoessay „Low Definition Control – Malfunctions #0“ wurde, erklärt Regisseur Michael Palm: „Je länger ich recherchierte, desto klarer wurde mir, dass man das schwer isoliert behandeln kann. Der Horizont erweiterte sich vor allem um den kontrollgesellschaftlichen Aspekt.“ ...  „Low Definition Control“ ist als dokumentarischer Science-Fiction-Film ausgewiesen, aber fast ein Horrorfilm – die Kontrollgesellschaft baut ja auf Angst. Palm: „Was seit 9/11 implementiert wird, erinnert mich an Invasionsfilme der 1950er. In Don Siegels ,Invasion of the Body Snatchers‘ gibt es eine Schlüsselszene, als der Held auf den Stadtplatz schaut. Das sieht aus wie eine Überwachungskamera-Aufnahme, schräg von oben. Und er sagt: ,Look! Everything normal.‘ Alles wie jeden Tag. Aber eigentlich geht es darum, dass man auf dieses stinknormale Bild schaut und schon Indizien für Abweichungen sucht. Das trifft die antikommunistische Paranoia der Zeit, und dieser paranoide Blick ist jetzt institutionalisiert.“

Entscheidend sei laut Palm der Kontext, in dem die Bilder gemacht werden: „Man kann nicht einfach sagen: ,Wir werden alle überwacht.‘ Nein, wir überwachen uns auch gegenseitig! So entstehen neue Bruchlinien, um die ging es mir. Eine Lösung weiß ich auch nicht, aber wenn als Gegenkonzept zur Überwachung sofort Bürgerrechte und „privacy“ angeführt werden, ist das zwar grundsätzlich richtig, greift aber zu kurz. Ein Rest von Rückzugsraum im bürgerlichen Kammerl, das kann nicht mehr das Thema sein: Wir sind nicht mehr im Biedermeier.“

...


Aus: "Im Kino: „Wir überwachen uns gegenseitig!“"
26.09.2012 | 18:17 |  CHRISTOPH HUBER (Die Presse)
Quelle: http://diepresse.com/home/kultur/film/filmkritik/1294697/Im-Kino_Wir-ueberwachen-uns-gegenseitig


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[Zuckerkügelchen als möglicher Anpassungsbeschleuniger... ]
« Reply #14 on: November 27, 2012, 09:27:15 AM »
Quote
[...] Ein Bekannter Mitte 30 erzählt Ihnen, dass er jetzt ja auch vor die Stadt ins Grüne ziehen werde. Den Kindern zuliebe und weil die Frau in der Stadt ja immer Probleme mit ihrer Allergie hätte. Der Mann guckt dann so, als ob er ein Opfer brächte - nur um danach mit umso leuchtenderen Augen von dem neuen Luxuseigenheim zu berichten.  ...


...  über weite Strecken funktioniert die ARD-Produktion "Sechzehneichen" wie ein Remake von Bryan Forbes' "Die Frauen von Stepford" aus dem Jahr 1975. Die legendäre Horrorsatire (die schon einmal 2004 mit Nicole Kidman wiederverfilmt wurde) beschrieb den ersten Emanzipations-Backlash: Katherine Ross spielte damals - die wilden Sechziger hallten nur noch schwach nach - eine Fotografin und Frauenrechtsaktivistin, die in der Vorstadt auf komplett konforme Geschlechtsgenossinnen trifft.

... "Sechzehneichen"-Regisseur Hendrik Handloegten und Autor Achim von Borries haben sich nun an einem Update versucht. Eine Übersetzung in die Gegenwart, die weitgehend schlüssig ist: Wo es in den Siebzigern bei der Stadtflucht gebildeter Besserverdiener auch darum ging, nach Jahren der Hippie-Experimente bürgerliche Werte zurückzugewinnen, da sollen heute eben Gated Communitys bei jungen, liberalen und umweltbewussten Dreißigjährigen für neue Geborgenheit sorgen. Motto: Wir bauen uns ein Hochsicherheitsnest.

So schafft die "Stepford"-Neuauflage (in den Credits verzichtet man auf die Nennung von Original-Autor Ira Levin, obwohl die Story fast identisch ist) den Transfer über die fast vier Jahrzehnte. Reflektierte "Die Frauen von Stepford" damals die allgemeine hippieske Naturverbundenheit, spiegelt "Sechzehneichen" ein neues breites ökologisches Mainstream-Bewusstsein wider. Gibt es im Original Softporno-Anspielungen, sieht man im Quasi-Remake angedeutete Gangbang-Szenen.

Wild und frei will man leben, aber auch gesund und abgesichert. Handloegten und Borries versuchen diesen Widerspruch in zum Teil krassen Bildern zu illustrieren. Dem bedrohlichen Naturalismus des Originals setzen sie streckenweise einen geballten Surrealismus entgegen, der Vorstadtterror kippt aber leider gelegentlich ins Maskenhafte. Gelegentlich laufen auch die männlichen Darsteller wie Aufziehpuppen durchs Bild.

Und was könnte denn nun der Grund für die Willenlosigkeit der Frauen von "Sechzehneichen" sein? Wie werden gebildete, selbstbewusste Frauen zu unterwürfigen Öko-Robotern? Alle Bewohnerinnen schlucken Globuli, die ihnen der örtliche Heilpraktiker verschreibt. Zuckerkügelchen als möglicher Anpassungsbeschleuniger - ein perfider Gag in diesem keineswegs in homöopathischen Dosen daherkommenden Gleichschaltungshorror.

...


Aus: "Meine Frau, der Öko-Roboter" Von Christian Buß (27.11.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/tv/sechzehneichen-mit-makatsch-und-waschke-meine-frau-der-oeko-roboter-a-868585.html

-.-

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Frauen_von_Stepford

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Frauen_von_Stepford_%281975%29

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Frauen_von_Stepford_%282004%29

« Last Edit: November 27, 2012, 09:48:25 AM by Textaris(txt*bot) »