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Author Topic: [Empathie & mentales Modell... ]  (Read 14166 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Empathie & mentales Modell... ]
« on: June 01, 2010, 02:32:41 PM »

Die Genese von Empathie ist eine, wenn nicht die Kernfrage der Gattung Mensch. (Caroline Fetscher, 07.11.2015)

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Quote
[...] Auch liefern die Briefe ein schönes Beispiel für verständnisvollen Austausch über nationale Grenzen hinweg, selbst im Krieg, mit seinen Gräueln und der Pressehetze, so der Rezensent, Rolland und Zweig zeigten "Mitleid für die Wunden des anderen" und bemühten sich, ihre Affekte im Zaum zu halten. ...

Von Welt zu Welt
Briefe einer Freundschaft 1914-1918
Cover: Von Welt zu Welt
Aufbau Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783351034139
Gebunden, 480 Seiten

Aus dem Französischen von Eva Schewe, Gerhard Schewe und Christel Gersch. Mit einem Begleitwort von Peter Handke. Während ihre Landsleute im ersten modernen "Großen Krieg" gegeneinander kämpfen, werden Stefan Zweig und Romain Rolland zu intimen Brieffreunden: Von Rollands europäischer Haltung tief beeindruckt, schrieb Zweig dem französischen Schriftstellerkollegen 1910 einen Brief, der zum Anfangspunkt eines lebenslangen Zwiegesprächs werden sollte. Diese erstaunlichen Schriftstücke gewähren einen intimen Einblick in erlebte europäische (Geistes-)Geschichte und sind zugleich Belege einer großherzigen Freundschaft. ...



Aus: "Romain Rolland, Stefan Zweig - Von Welt zu Welt: Briefe einer Freundschaft 1914-1918" (2014)
Quelle: https://www.perlentaucher.de/buch/romain-rolland-stefan-zweig/von-welt-zu-welt.html

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Quote
[...] Das Substantiv Empathie bedeutet „Einfühlungsvermögen“. Es beschreibt somit die Bereitschaft und die Fähigkeit einer Person, sich in Lage, Einstellung und emotionale Befindlichkeit einer anderen Person einzufühlen.

... Seinen Weg ins Deutsche hat der Begriff über das gleichbedeutende englische empathy gefunden, welches auf das spätgriechische empátheia (Leidenschaft, mittlerweile aber auch Boshaftigkeit) zurückgeht und erstmals bei der Übersetzung der Werke deutscher Philosophen wie Siegmund Freud oder Theodor Lipps ins Englische verwendet wurde.

...


Quelle: https://neueswort.de/empathie/ (Stand 03/2028)

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Quote
[..] Empathie ermöglicht [...] gemäß Freud und Lipps, von außen unter Beachtung der Grenzen eine andere Person ganzheitlich - also auch unter Einbeziehung ihrer Emotionalität – zu erfassen, diese im eigenen Bewusstsein als „Alter Ego“ (mit begrenzter Kontingenz) zu konstruieren und mit dieser zu kommunizieren.

[...]  Lipps unterscheidet drei Stufen der Empathie:
    * Die erste Ebene beinhaltet generelle Empathie, wenn die Form eines Objekts eine Aktivität hervorruft.
    * Auf der zweiten Ebene vollzieht sich natürliche Empathie. Auf dieser ruft ein Objekt eine Aktivität hervor, die versucht, es in einen realen Kontext bzw. einen kausalen Zusammenhang einzuordnen. Auf dieser Ebene geschieht es, das Objekte "vermenschlicht" werden.
    * Auf der dritten, der höchsten Ebene der Empathie, reagieren wir auf echten menschlichen Ausdruck wie Gesten, Gesichtsausdrücke und Stimmlagen.

[...] Perspektivenübernahme  ist eine Technik bzw. Fähigkeit aus der Sozialpsychologie und dem Psychodrama, bei der man sich in die Rolle und Position eines anderen hineinversetzt und versucht, die Welt aus dessen Sicht zu sehen.

    „in den Mokassins eines anderen gehen“ - (Indianische Redensart, vollständig „Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gegangen bist“ für: sich in seine Rolle, seine Perspektive einfühlen). Außerdem wird darunter die Fähigkeit verstanden, auf andere Werthaltungen und Normen einzugehen, um sie in die Person integrieren und neue soziale Rollen annehmen zu können (vgl. Tausch (Soziologie)).

Wesentlich dabei ist, dass der eigene Affektzustand dem Gefühlszustand einer anderen Person entspricht. Dies wird dadurch ausgelöst, dass man die Perspektive der anderen Person einnimmt – „in ihre Haut schlüpft“ – und so ihre emotionalen und anderen Reaktionen begreifen kann. Dies gelingt teilweise sogar in extremen Situationen. Beispielsweise wird in Anti-Aggressivitäts-Trainings die Fähigkeit von (potenziellen) Gewalttätern gefordert, sich empathisch in ihre Opfer hineinzuversetzen.

Die gemeinsame Übernahme einer Perspektive hängt in der Geschichte oft mit demokratischen Tendenzen beziehungsweise mit der Überbrückung von Standesgrenzen zusammen. Das Theater der griechischen Antike war eng mit der Idee der athenischen Demokratie verbunden. Aristoteles prägte in diesem Zusammenhang die Begriffe Mimesis und Katharsis.

[...]

Im Jahr 2000 entdeckte Giacomo Rizzolatti die Spiegelneurone in der Großhirnrinde von Rhesusaffen. Die Neurone haben die erstaunliche Eigenschaft, immer gleich zu reagieren, egal ob der Affe eine Handlung selber ausführt oder ob er diese Handlung bei anderen beobachtet. Rizzolatti schrieb 2006 über seine Forschungen das "So Quel che fai - Il cervello che agisce e i neuroni specchi."[4] Das Buch erschien 2008 in deutscher Übersetzung. Giacomo Rizzolatti beschreibt (zusammen mit Corrado Sinigaglia) über die weitreichenden Konsequenzen seiner Entdeckung, über die vielen Bereiche unseres Denkens, Handelns und Empfindens, in denen das Spiegel-Prinzip eine Rolle spielt.[5]

Untersuchungen zu Spiegelneuronen lassen zwischen dem Nachahmungsverhalten und der Fähigkeit zur Empathie einen Zusammenhang vermuten, beispielsweise beim Gähnen und beim ansteckenden Lachen. Dieses Phänomen wird jedoch als Gefühlsansteckung bezeichnet und keinesfalls als Empathie im oben beschriebenen Sinn (gemäß Freud und Theodor Lipps). Diese Vermischung oder Verwechselung findet sich recht häufig auch in wissenschaftlichen Texten. ...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Empathie (31. Mai 2010)

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Quote
[...] Der Begriff Theory of Mind (ToM), auch native Therorie oder Mentalisierung, bezeichnet in der Psychologie und den anderen Kognitionswissenschaften die Fähigkeit, eine Annahme über Bewusstseinsvorgänge in anderen Personen vorzunehmen und diese in der eigenen Person zu erkennen, also Gefühle, Bedürfnisse, Ideen, Absichten, Erwartungen und Meinungen zu vermuten.

Peter Fonagy, ein psychoanalytischer Forscher, definiert den Begriff der Mentalisierung folgendermaßen: Mentalisierung ist die „Fähigkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren“ . Für den Begriff gibt es bisher keine einheitliche deutsche Entsprechung.

A. M. Leslie sieht die Theory of Mind als einen Mechanismus der selektiven Aufmerksamkeit. Hierbei ist das Vorhandensein mentaler Konzepte die Grundlage, die Aufmerksamkeit auf die entsprechenden mentalen Zustände von Akteuren zu legen. Dadurch können diese Eigenschaften erschlossen werden.

... Wer nicht in der Lage ist, fremde psychische Zustände im eigenen kognitiven System zu repräsentieren, ist gegenüber verdeckten Motiven seiner Mitmenschen blind. Dies kann zu einer abnorm erhöhten Fremdbeeinflussbarkeit mit der Konsequenz einer Geschäfts- und Testierunfähigkeit führen.  ...

Aus: "Theory of Mind" (19. April 2012)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Theory_of_Mind

« Last Edit: June 21, 2020, 12:35:26 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Durch das Durchleben von Mitleid und Furcht... ]
« Reply #1 on: June 01, 2010, 02:36:28 PM »

Quote
[...] Durch das Durchleben von Mitleid und Furcht (von griechisch eleos und phobos, auch Jammer und Schauder  übersetzt) erfährt der Zuschauer der Tragödie als dessen Folge eine Läuterung seiner Seele von diesen Leidenschaften.

[...] Die bis ins 18. Jahrhundert vorherrschende moralisierende Interpretation der Katharsis versteht also die psychische Veränderung vor allem als Vorbereitung für eine moralische Verbesserung. Modernere psychologisierende Deutungen geben der Veränderung eher den Sinn eines Abbaus psychischer Spannungen. Im Psychodrama  nach Jakob Levy Moreno soll moralisch wertfreier die Katharsis nach der Maxime „Jedes wahre zweite Mal ist wie das erste Mal“ zu einer Neuorientierung der Lebensgrundsätze sowohl bei Zuschauern wie auch Protagonisten  des psychodramatischen Spiels führen.

In Bezug auf die Entwicklung des deutschen Theaters polemisierte vor allem Bertolt Brecht in seiner Theatertheorie (episches Theater) gegen die Katharsis und forderte einen distanzierten Zuschauerblick. (Post-)modernes Theater ist zunehmend geprägt von fragmentarischen Katharsis-Effekten, die allerdings auf keinen dramaturgischen oder moralischen Nenner mehr zurückzuführen sind.

...


Katharsis (Literatur)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Katharsis_%28Literatur%29 (24. Mai 2010)

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[Die Ursachen nennen die Forscher nicht... ]
« Reply #2 on: June 01, 2010, 02:41:30 PM »

Quote
[...] Eine Studie der Universität Michigan kommt zu dem Schluss, dass amerikanische Studenten heute weit weniger zu Empathie fähig sind, als noch vor 30 Jahren.

"Der größte Abfall von Einfühlungsvermögen war nach dem Jahr 2000 festzustellen", sagte Co-Autorin Sara Konrath. Demnach hätten Standard-Persönlichkeitstests aus einem Zeitraum von 30 Jahren offenbart, dass Studenten  heute etwa 40 Prozent weniger einfühlsam seien als ihre Kommilitonen aus den 70er Jahren. Ein Befund, der sich vor allem darin äußert, dass Studenten heute weniger fähig seien, die Sichtweise ihrer Mitmenschen zu verstehen oder Mitgefühl mit Notleidenden zu empfinden.

Nicht zuletzt deshalb empfänden viele Menschen die heutige Studentengeneration als "Generation Ich", eine Gruppe von selbstsüchtigen, narzistischen, wetteifernden und individualistischen jungen Menschen, sagte Konrath.

Die Ursachen für die beobachtete Entwicklung nennen die Forscher nicht. Ein möglicher Auslöser könnte ihrer Meinung nach jedoch der zunehmende Einfluss der Medien sein. "Verglichen mit vor 30 Jahren werden Studenten heute mit etwa dreimal mehr  Informationen überschüttet, die nichts mit ihrem Studium oder ihrer Arbeit zu tun haben", sagt Konrath. Die Forschung lege nahe,  dass die zunehmende Darstellung von Gewalt in Medien zur emotionalen Abstumpfung der Studenten beitrage.

Eine weitere Ursache für die mangelnde Empathie-Fähigkeit von Studenten sehen die Forscher im vom ständigen Wettbewerb geprägten sozialen Umfeld. Zudem könnten soziale Netzwerke im Internet zum Verfall der zwischenmenschlichen Kommunikation beitragen. So sei es in einer Online-Konversation möglich, irgendwann einfach nicht mehr zu antworten - ein Verhalten, dass sich möglicherweise auch auf persönliche Gespräche überträgt.

Die Forscher der Universität Michigan werteten für ihre Studie die Daten von 72 Einzelstudien aus, die im Zeitraum zwischen 1979 und 2009 entstanden. Befragt wurden darin etwa 14.000 Studenten, beispielsweise zu ihrer Zustimmung zu Aussagen wie  "Ich versuche manchmal, meine Freunde besser zu verstehen, indem ich mir vorstelle, wie sie Dinge aus ihrer Perspektive wahrnehmen" oder "Ich sorge mich häufig um Menschen, denen es schlechter geht als mir."

Quote
Dadamsda schreibt Böse Medien und Internet

Ich glaube es einfach nicht. Die Medien und die sozialen Netzwerke sind schuld. Nee, ist klar. Und dann natürlich nur die Studenten. "Der größte Abfall von Einfühlungsvermögen war nach dem Jahr 2000 festzustellen" Könnte der Grund (wenn es wirklich einen Empathie-Abfall gab) 9/11 oder die Wirtschaftskrise sein? "Die Ursachen für die beobachtete Entwicklung nennen die Forscher nicht. Ein möglicher Auslöser könnte ihrer Meinung nach..." Ja was denn nun? Liebe SZ, solche Agenturmeldungen übernimmt man nicht ohne sie zu hinterfragen.


Quote
srb70 schreibt (kommentar mal wieder verschwunden..)

hartherzigkeit ist nicht nur ein phänomen unter studenten, sondern in der gesamten gesellschaft.


Quote
POTHEKE schreibt Nichts Neues

Bei den Juristen war das schon immer so.




Aus: "Studie zu Empathie-Fähigkeit Hartherzige Studenten" (01.06.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/karriere/studie-zu-empathie-faehigkeit-hartherzige-studenten-1.952684

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[Das Problem der Empathie Beurteilung ist... ]
« Reply #3 on: April 14, 2011, 02:46:15 PM »

Quote
[...]  "Ich kannte kein Mitgefühl", sagt er heute.


Aus: "Die Verwandlung des Johannes Kneifel" Von Hendrik Ternieden, Elstal (18.09.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/johannes-kneifel-vom-nazi-zum-pastor-vom-saulus-zum-paulus-a-854234.html

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Quote
[...] Am 21. November 2010 wurden in einem Waldstück des Ortes die Leichen eines 13-jährigen Jungen und eines 14-jährigen Mädchens gefunden. Ein 26-jähriger Mann aus Uslar wurde zwei Tage später festgenommen und gestand, beide getötet zu haben.


http://de.wikipedia.org/wiki/Bodenfelde (23. März 2011)

-.-

Quote
[...] Doppelmord von Bodenfelde: Keine Regung, nur Grauen
Es war eine Tortur für alle Beteiligten: Vor dem Landgericht Göttingen wurde das Geständnis von Jan O. verlesen. Schonungslos hat der 26-Jährige aufgeschrieben, wie er Nina und Tobias aus Bodenfelde tötete,*jeden Handgriff seiner teils kannibalistischen Tat dokumentiert.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,756863,00.html

Quote
fpa, 13.04.2011
Kein Mensch ist ein Robotor...

Quote
Zitat von opriema
Mich würde von den Fachleuten hier interessieren, ob solche Menschen in erster Linie "Opfer" ihrer Gene sind oder hat die Umwelt, die Eltern, sie zu solchen Taten erst befähigt? Ist er ein "natürlicher Psychopath" oder einer, der gewisse genetische Dispositionen hat und diese durch Erziehung oder eben Nichterziehung, seelische Verwahrlosung oder was auch immer, ihn zu diesem Monster haben werden lassen?

...auch ein Jan O. nicht. Die entweder-oder-Fragestellung halte ich für falsch. Natürlich ist immer beides beteiligt. Und mit dem (glaubensmäßigen) Leugnen des jeweils anderen Teils (also Veranlagung leugnen, bzw. Entwicklung leugnen) macht man eigentlich alles immer nur schlimmer, anstatt die mögliche Gefahr abzuwenden. Darüberhinaus hat diese Fragestellung einen unguten Begleiteffekt: Jede mögliche Antwort macht den Täter de facto auch zum Opfer. D.h. bei dieser Fragestellung wird bereits implizit und suggestiv davon ausgegangen, dass der Täter und seine Tat quasi von außen, durch Gene oder Erziehung "gemacht wurden", er also wenig bis gar keinen Einfluss auf die Tat habe. Für mich ist das viel zu verkürzt, da es die Eigenverantwortung des Menschen im Grunde genommen ausblendet. So ist aber der Zeitgeist. Da ist mir das altertümliche Gegenteil "mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa", das mich selbst für all meine Handlungen und auch mein Leben als ganzes als verantwotlich verpflichtet, hundert mal sympathischer ... ob mit oder ohne das Konstrukt "Gott".

Aber schauen Sie auf die Details: Aus Jan's schriftlichem Tatbericht wird klar, dass er nicht die mindeste Empathie für seine Opfer, ja vermutlich überhaupt für irgendeinen anderen Menschen empfindet. Für ihn wichtig ist ausschließlich er selbst und vermutlich sein Bild bei den anderen. Als von seinem Einnässen die Rede ist, zeigt er Regung, das ist ihm peinlich, was er aber überspielen möchte.

Das Problem der Empathie Beurteilung ist, dass jeder Mensch seine eigenen Empathie natürlich auch an- bzw. wegtrainieren kann. Das kennen wir von Rassisten oder im Krieg, oder nehmen wir etwas harmloseres, Tiere. Im meinem Zivildienst, in einem medizinischen Forschungslabor, mußte ich an und ab Versuchsratten schlachten. Am Anfang fällt das nicht leicht, es gibt einem einen richtigen Stich ins Herz (und das obwohl ich von Lande komme, und ich z.B. dem Schlachten eines Huhnes für den Sonntag durch meinen Vater stets beigewohnt hatte). Nach dem dritten vierten mal stumpft man bei den Laborratten ab, zumindest bei Ätherbetäubung. Guillotine blieb immer hart.

Aber genau diese Trainings-Analogie darf man gewiß hier nicht ziehen. Bei psychopathischen Tätern ohne Empathie findet man mit bildgebenden Verfahren heute sehr wohl physiologische Unterschiede ihrer Gehirne gegenüber normalen Menschen. Der Grund dafür kann angeboren sein, ein physisches Trauma, ein Tumor, die möglichen Gründe sind vielfältig und nicht eindeutig. http://sciencev1.orf.at/news/8368.html



Quelle: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=33530

« Last Edit: April 09, 2015, 01:15:58 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Zustände & Wirklichkeitsbereiche... ]
« Reply #4 on: June 11, 2011, 12:15:37 PM »

Quote
Jeder, der sein innres Selbst
Nicht zu regieren weiß, regierte gar zu gern
Des Nachbars Willen, eignem stolzem Sinn gemäß.

Johann Wolfgang von Goethe

(1749 - 1832), gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung

Quelle: Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 2. Akt, Pharsalische Felder, Erichtho


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[Zustände & Wirklichkeitsbereiche... ]
Grammatik des Seelischen, Innerlichkeit, Wittgenstein

… Die Wirklichkeit des Inneren wird von ihm primär anhand der Verwendungsweise der psychologischen Ausdrücke analysiert – mit der Absicht, über eine “Grammatik des Seelischen” Einsichten in die Struktur unseres Inneren und seines Verhältnisses zum Äußeren zu gewinnen. Darüber hinaus geht Wittgenstein von einer quasi ontologischen Voraussetzung aus. Nämlich davon, daß es sich bei den “Tatsachen” und “Zuständen” des Inneren und Äußeren um zwei Wirklichkeitsbereiche handelt, die im Status ihrer Realität ebenso wie in ihrer Phänomenalität und Begrifflichkeit eine eigenständige Wirklichkeit haben und in ihrer “Logik” unterschieden sind, also nicht aufeinander zurückgeführt werden können. …

Aus: “Wittgensteins interner Dualismus von Innen und Außen – “Letzte Schriften über die Philosophie der Psychologie”" Autor: Wilhelm Lütterfelds, Erschienen in: WITTGENSTEIN STUDIES, Diskette 1/1995
=> http://sammelpunkt.philo.at:8080/434/1/07-1-95.TXT

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… Wenn wir verstehen, was es heißt, daß es Kriterien für die Identität eines Zustands gibt, dann sehen wir, daß die Fähigkeit, einen bestimmten Zustand zu identifizieren, nicht von der Fähigkeit getrennt werden kann, um die Existenz dieses Zustands zu wissen. … die Fähigkeit, Wissen von den inneren Zuständen anderer Subjekte zu haben, stellt sich als die Fähigkeit heraus, eine bestimmte Haltung dem anderen gegenüber einzunehmen: die Haltung des Antwortens. … Der Skeptiker entdeckt in der Tat eine Wahrheit über unsere Urteile, eine Wahrheit indes, die der Skeptiker nicht verstehen kann. …

Aus: “Wissen im Normalfall – Wittgenstein über Kriterien für innere Zustände”
Von Andrea Kern (Datum 200?, Gesellschaft für Analytische Philosophie e.V.)
=> http://www.gap-im-netz.de/gap4Konf/Proceedings4/pdf/6%20EK06%20Kern.pdf

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… In der Geschichte der Philosophie sind es die späten Schriften Ludwig Wittgensteins, die einstehen für eine Kritik der philosophischen Innerlichkeit. »Eine der philosophisch gefährlichsten Ideen ist, merkwürdigerweise, daß wir mit dem Kopf, oder im Kopf denken.«
Zu bestreiten, wie Wittgenstein es tut, daß wir im Kopf denken, bedeutet zwar durchaus nicht, vom Gegenteil, also davon, daß unsere Gedanken außerhalb unseres Kopfes gedacht werden, überzeugt zu sein. Es heißt jedoch, eine scheinbare Selbstverständlichkeit (daß unsere Gedanken im Kopf sind) abzuweisen, um hiermit die Wege einer psychologischen Erkenntnistheorie als Irrwege zu kennzeichnen und zu verbauen. Wittgensteins Innerlichkeitskritik, die keineswegs als absurd abzutun ist, impliziert eine Kritik der psychologisch argumentierenden und theoretisierenden Philosophie. Wittgensteins Spätphilosophie steht für eine radikale Problematisierung der psychologischen Innenwelt …. Das Paradigma der Innerlichkeit gänzlich hinter sich zu lassen, widerstrebt [Heimito von Doderer >> Dämonen] nicht zuletzt aufgrund eines antikollektivistischen Affektes, der sich in einem grundsätzlichen Mißtrauen gegenüber der Öffentlichkeit ausspricht. Doderer wäre nicht der konservative Schriftsteller, als der er sich verstanden hat, würde nicht sein Auszug aus dem Innenleben des Individuums mit einem gleichzeitig emphatischen Bekenntnis zur Macht des Individuums – und gegen die gemeine Masse – gepaart. Eine Doderer hier immer wieder helfende Referenz besteht im (mehrfach zitierten) Wort Paul Valérys, »es gäbe nichts billigeres und gemeineres, als im Gespräche mit sich selbst Argumente zu gebrauchen, die man auch anderen gegenüber anwenden würde« .

Aus: “Das Werden der Vergangenheit – IV. Innerlichkeit als motivisches Restparadigma in den Dämonen”
Von Kai Luehrs-Kaiser, Datum (1999)
=> http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/diss/2003/fu-berlin/2001/238/Luehrs-2-4.pdf

-.-

… Das, was als die Seele oder das Innere eines Menschen angesprochen wird, ist erst durch [ein] Sprachspiel konstituiert worden und unabhängig davon gar nicht erfassbar [=> http://de.wikipedia.org/wiki/Sprachspiel]. Wir haben deshalb keinen unmittelbaren, naturwissenschaftlichen Zugriff auf dieses „Phänomen“, der uns der damit zusammenhängenden Ungewissheiten entledigen könnte, denn für das, was wir das „Seelenleben“ oder „Innenleben“ der Menschen nennen, ist die Ungewissheit über seinen Inhalt wesentlich. Die „Logik“ oder „Grammatik“ des Seelischen ist bestimmt von dem „Fehlen exakter Regeln der Evidenz“. Nur das gilt uns als Seele oder menschliches Innenleben, von dem wir eben gewöhnlich sagen: „Wir können uns immer irren; wir können nie sicher sein; was wir beobachten, kann immer noch Verstellung sein“. Darum kann die „Unmöglichkeit zu wissen, was im Anderen vorgeht“ auch eine „logische“ sein: wüssten wir es regelmäßig und mit Sicherheit, wir bezeichneten es nicht mehr als etwas, was „in ihm vorgeht“; gäbe es „exakte Regeln der Evidenz“, also Regeln, die einen zweifelsfreien Schluss von den Äußerungen und vom Benehmen auf die Einstellungen, Überzeugungen, Gefühle und so weiter eines Menschen ermöglichten, das ganze Sprachspiel rund um die Seele wäre wohl nie erfunden worden. Das Innere muss also auch dunkel bleiben, um nicht zerstört zu werden. … Nun dürfen aber Wittgensteins Aussagen über die physische und die logische Unmöglichkeit eines Blickes ins Innere des Menschen nicht als Beitrag zur Metaphysik der Seele missverstanden werden. Er spricht nicht von Eigenschaften der Seele, sondern von Eigenschaften des Sprachspiels über die Seele; er behauptet nicht, die Seele sei letztlich unerforschlich, sondern dass „unser Sprachspiel (…) auf unwägbarer Evidenz` beruht“. … Damit ist die Frage, was es mit diesem Innenleben, mit dem Inneren des „Ausdrucks“ nun auf sich hat, noch nicht beantwortet. Wir wissen nur, dass es weder offensichtlich noch unerkennbar ist: Was ist es aber wirklich? Oder, anders formuliert: Was ist die Seele?

Wittgenstein gibt darauf eine überraschende Antwort: Die Seele ist nur ein Bild. Sie ist ein Bild, das wir uns vom Menschen machen, weil das menschliche Benehmen nicht wie der Lauf einer Maschine vorhergesagt werden kann. Für diese Unsicherheit über das Verhalten der anderen haben wir unzählige Redeweisen, neben den schon genannten, von Wittgenstein angeführten („Wir können uns immer irren; wir können nie sicher sein; was wir beobachten, kann immer noch Verstellung sein.“), fallen mir noch ein: „Ich kann in ihn nicht hineinschauen“, „Sie macht sowieso immer, was sie will“ oder „Ich habe ihn nie verstanden“.

Aus: “FREIHEIT DES AUSDRUCKS – Zwei sprachphilosophische Annäherungen an ein Menschenrecht”
Florian Oppitz (Wien 2002)
=> http://sammelpunkt.philo.at:8080/13/2/Ausdruck.html

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Quelle: http://www.subfrequenz.net/fraktallog/?p=6702

« Last Edit: January 19, 2019, 01:01:09 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Zivilisierungsarbeit nicht durch autoritäre Führung... ]
« Reply #5 on: December 20, 2011, 09:03:54 PM »

Quote
[...] Vorstellen muss man sich Richter als einen Moderator im Runden Kreis, aber als exaktes Gegenbild zum heutigen Talkmaster. Alles setzte er dem Gespräch aus, alles war "Analyse", ständig. Er sprach mit leiser und sehr klarer Stimme, und wie er das machte, steckte immer ein Stück Anerkennung für denjenigen darin, der sich äußerte.

... Willy Brandt und insbesondere Michail Gorbatschow verkörperten für ihn jenen Politikertypus, der am klügsten, wirksamsten mit den Beschädigungen der eigenen Gesellschaften umgeht: Zivilisierungsarbeit nicht durch autoritäre Führung, sondern auf diskursive Weise, zuhörend, aber mit eigenen Maßstäben. Lafontaine respektierte er wegen des Mutes, sich an die Spitze jener zu setzen, die herauskommen wollten aus der Logik des Kalten Krieges. Helmut Schmidts "Nachrüstung" hielt er für falsch – und dennoch atmet selbst sein letztes Buch noch etwas von dem Respekt für den sechs Jahre älteren Sozialdemokraten aus.

Ein Moralist war Richter nicht, auch wenn das Klischee darauf hinauslief. Er hat auf den Männlichkeitswahn, auf die Selbstanmaßung der Finanzmärkte, auf die Unbescheidenheit an und für sich, im Privaten, in der Wissenschaft, in der Politik, sehr akribisch und kritisch, bis zuletzt wachsam und unnachgiebig geblickt.

...


Aus: "Abschied vom Seelendeuter der Republik" Von Gunter Hofmann (20.12.2011)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-12/nachruf-horst-eberhard-richter

-.-

Quote
[...] Horst-Eberhard Richter, der vorgestern im Alter von 88 Jahren in Gießen starb, war der bedeutendste Interpret des Bewusstseins seiner Zeit. Dazu nutzte er das wertvollste intellektuelle Rüstzeug, das in der Nachkriegszeit zu haben war: Psychologie, Einfühlung, auch Empathie und Kritik an dem, was er Versteinerung, Verhärtung, Verpanzerung nannte.

... Zur historischen Einordnung: Nur mit Mühe, gegen den Widerstand der Union, konnte im Jahr 2000 ein Verbot des Schlagens von Kindern gesetzlich verankert werden. Für Horst-Eberhard Richter, Jahrgang 1923, stand früh fest, dass es ein Übel war, die Männerrolle soldatisch zu definieren, die der Frau als seine Komplizin und Amme seines Nachwuchses.

...


Aus: "Der Therapeut der Republik" von Jan Feddersen (20.12.2011)
Quelle: http://www.taz.de/Nachruf-Horst-Eberhard-Richter/!84113/

-.-

http://de.wikipedia.org/wiki/Horst-Eberhard_Richter
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[Ein mentales Modell ist... ]
« Reply #6 on: June 13, 2012, 11:50:19 AM »

Quote
[...] Ein mentales Modell ist die Repräsentation eines Gegenstandes oder eines Prozesses im Bewusstsein eines Lebewesens. Da die in der Welt vorhandenen Informationen bereits von den Sinnesorganen und auch vom Gehirn massiv gefiltert und verändert werden, ist ein mentales Modell immer nur ein Ausschnitt, ein "verkleinertes" Abbild eines Teils der Wirklichkeit. Dennoch bleiben bei "guten" mentalen Modellen die relevanten Aspekte der Wirklichkeit erhalten ...

... Wittgenstein beschreibt diese Idee im Abschnitt 2.1 seines Tractatus Logico-Philosophicus (1918): „Wir machen uns Bilder der Tatsachen. Das Bild ist ein Modell der Wirklichkeit. Den Gegenständen entsprechen im Bilde die Elemente des Bildes.“ 1927 erschien das Buch Le dessin enfantin von Georges-Henri Luquet, in dem er analysiert, wie Kinder die Welt in ihren Bildern darstellen. Diese enthalten sehr häufig "Erklärungen" der Welt, wie z.B. Ursache-Wirkung-Zusammenhänge. Daraus lässt sich schließen, dass Kinder ihre Wahrnehmungen intern verknüpfen, diese in einem für sie sinnvollen internen Modell anordnen.

...


Aus: "Mentales Modell" (06/2012)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mentales_Modell

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[Diese Form der Empathie verschwindet jedoch... ]
« Reply #7 on: September 25, 2012, 01:01:08 PM »

Quote
[...] Wenn Menschen sehen oder sich vorstellen, wie eine andere Person Schmerzen erleidet, reagiert ihr Nervensystem normalerweise genauso als litten sie selbst. Diese Form der Empathie verschwindet jedoch, wenn Personen mit rassistischer Einstellung sehen, wie einem Menschen anderer Hautfarbe Schmerzen zugefügt werden. Das ist sehr überraschend, denn das Nachempfinden von Schmerzen galt bislang als instinktive Verhaltensweise, die unabhängig von der Person des Leidenden ist. Zwar vermuteten Sozialpsychologen bereits, dass Rassismus sich in einem Mangel an Einfühlungsvermögen manifestiert; Beweise für differenzierte empathische Reaktionen gegenüber dem Leid von Individuen der gleichen oder anderen Rasse lagen aber bisher nicht vor.

Für die aktuelle Studie zeigten Alessio Avenanti und seine Kollegen ihren Probanden Filme, in denen Hände zu sehen waren, die entweder mit einer Nadel verletzt oder mit einem Wattestäbchen sanft gestreichelt wurden. Dabei maßen sie die Hirnaktivitäten der Probanden und etwaige Muskelkontraktionen. Bei den Versuchsteilnehmern wurden zum einen die Hirnareale aktiv, die für Emotionen und Schmerzempfinden zuständig sind. Zum anderen wurden die gleichen Muskeln stimuliert wie bei der im Film zu sehenden Hand. Doch bei italienischen wie afrikanischen Rassisten blieb diese Reaktion bei einer Hand der „falschen“ Hautfarbe aus. Bei weiteren Versuchen mit einer violett gefärbten Hand im Film – deren tatsächliche Hautfarbe damit also nicht erkennbar war – pendelten sich die emotionalen Reaktionen der Testpersonen wieder auf normalem Niveau ein.

„Die automatische Muskelreaktion zeigt menschliche Anteilnahme am Leiden Fremder, zumindest solange sie nicht mit vorurteilsbehafteten Stereotypen belegt sind“, sagt Avenanti. „Rassistische Vorurteile führen also dazu, dass Fremde als weniger bemitleidenswerte Menschen angesehen werden.“ Nach Einschätzung der Forscher könnten umgekehrt therapeutische Methoden zur Stärkung des menschlichen Einfühlungsvermögens möglicherweise auch dazu dienen, rassistische Vorurteile abzubauen.


Alessio Avenanti (Università di Bologna) et al.: Current Biology, Bd. 20, Nr. 11, doi 10.1016/j.cub.2010.03.071


Aus: "Vorurteile besiegen den Instinkt" ddp/wissenschaft.de – Gunnar Henze (28.05.2010)
Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/311193.html

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[Kombination von Egoismus mit Wohlstand... ]
« Reply #8 on: December 26, 2012, 10:07:53 PM »

Quote
[...]
    Der blinde Rächer
    26.12.2012 um 15:15 Uhr

Egoismus und Wohlstand

In meinen Studentenzeiten habe ich in mehreren unsanierten Mietshäusern, die es damals in Berlin noch reichlich gab, gewohnt: Ofenheizung, Außentoilette, keine Bäder, alle Mieter ärmere Leute, Studenten, Ausländer. Der soziale Zusammenhalt in diesen Häusern war sehr viel größer als in jeder Middle-Class-Community. Die heutige Kombination von Egoismus mit Wohlstand ruinert die mitmenschliche Empathie. ...



http://www.zeit.de/2012/52/Maria-Josef-Neukoelln?commentstart=81#comments

Kommentar zu: http://www.zeit.de/2012/52/Maria-Josef-Neukoelln

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[Gewisse Hirnareale... ]
« Reply #9 on: April 04, 2013, 12:18:07 PM »

Quote
[...] Doch ob sie als "grenzwertige" oder "erfolgreiche" Psychopathen den Konflikt mit der Justiz vermeiden oder als Mörder oder Vergewaltiger im Gefängnis sitzen, eines ist bei allen Psychopathen gleich: Ihr Gehirn funktioniert anders als bei nicht-psychopathischen Menschen. Gewisse Hirnareale, die für die Regulierung von Emotionen zuständig sind, sind bei ihnen völlig inaktiv, tot sozusagen. Hirnforscher können Psychopathen an den sogenannten Aktivierungsmustern ihres vorderen Hirnlappens erkennen. Das Hirnareal, das unter anderem für moralische Entscheidungen und Impulskontrolle zuständig ist, scheint nicht aktiv zu sein.

....


Aus: "Skrupellos und ohne Mitgefühl - Sind Psychopathen therapierbar?" ( 22.03.2013)
Quelle: http://www.swr.de/swr2/wissen/das-muster-der-psychopathie/-/id=661224/vv=teaser-12/nid=661224/did=11167816/d027ut/index.html

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[Nur eine Marktbereinigung... ]
« Reply #10 on: July 16, 2013, 01:25:12 PM »

Die Zahl der Insolvenzen in Südeuropa nimmt drastisch zu. In Spanien gingen 2012 laut einer Studie 30 Prozent mehr Firmen pleite, in Portugal waren es sogar 40 Prozent mehr. ...
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zahl-der-firmenpleiten-in-suedeuropa-stieg-im-jahr-2012-deutlich-a-911221.html

Quote
Nur eine Marktbereinigung.
frank_w._abagnale gestern, 16:51 Uhr
Für mich ist das lediglich eine letztlich positiv wirkende Marktbereinigung. Survival of the fittest eben. Einzelschicksale dürfen da nichts zählen, auch wenn sie gut für Schlagzeilen und Tränendrüsen sind.


http://forum.spiegel.de/f22/finanzkrise-firmen-suedeuropa-gehen-massenhaft-pleite-95606.html#post13231336

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[Empathie und Privilegierte Privatheit... ]
« Reply #11 on: September 30, 2013, 01:20:24 PM »

Quote
[...] "Der überflüssige Mensch" ist ein Aufruf zu mehr Empathie. Zum genaueren Hinschauen und Nachdenken, ein Traktat gegen die Atomisierung der Gesellschaft; gegen die Akzeptanz sozialer Ungerechtigkeit und für gemeinsames Handeln - ohne Gebrauchsanweisung zu sein. Er ist notwendigerweise einseitig und soll denjenigen beunruhigen, der angesichts wachsender Not in privilegierter Privatheit verharrt.

...


"Würdelos im Spätkapitalismus" Carsten Hueck (30.09.2013)
Zu: Ilija Trojanow: "Der überflüssige Mensch", Residenz Verlag, St. Pölten-Salzburg-Wien 2013, 90 Seiten
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/2268418/

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[Empathie & mentales Modell... ]
« Reply #12 on: February 04, 2014, 10:31:39 AM »

Quote
    Goethe404
    03.02.2014 17:25 Uhr

Wir oder andere Länder

Wenn wir die Waffen nicht liefern tun es andere Länder. Warum also nicht die Arbeitsplätze erhalten?


http://www.zeit.de/politik/2014-02/illegale-waffen-heckler-und-koch?commentstart=1#cid-3344331

Quote
    mirinord
    03.02.2014 17:47 Uhr

Das wusste die Friedensbewegung schon immer:
"Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt"

Neu ist vielleicht, dass das von immer mehr Menschen schmerzfrei hingenommen wird - bzw. in dem Sinn kommentiert wird, dass man das Geld, das auf diese Weise zu verdienen ist, doch lieber selber einstreicht.

Ethische Erwägungen sind einfach so was von altmodisch....


http://www.zeit.de/politik/2014-02/illegale-waffen-heckler-und-koch?commentstart=9#cid-3344408



Kommentar zu: "Rüstungsexporte: Deutsche Waffen töten überall" Hauke Friederichs (3. Februar 2014)
Mexiko, Libyen, Georgien: Das G36-Gewehr des deutschen Herstellers Heckler & Koch kommt in Regionen zum Einsatz, in denen es gar nicht sein dürfte. Die Kontrolle versagt.
http://www.zeit.de/politik/2014-02/illegale-waffen-heckler-und-koch
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[Etwas Geteiltes... Man leidet gemeinsam... ]
« Reply #13 on: March 14, 2015, 04:01:46 PM »

Quote
[...] Ein Treffen mit der ZDF-Moderatorin Dunja Hayali. Die 40-Jährige ist vermutlich Deutschlands berühmteste Araberin, dabei stammt sie aus dem Ruhrpott, aus Datteln bei Recklinghausen. Die Frau, die sich und ihren "Migrationsvordergrund" in ungezählten Interviews erklären sollte, scheint sich alle Mühe zu geben, jede granatapfelhafte orientalistische Verklärung ihrer Person im Keim zu ersticken. Kurze, wild abstehende Haare, Motorrad, Tattoos, Leben mit einer Frau, Sympathie für den Buddhismus – all das hat nicht viel mit dem Bild einer traditionellen arabischen Frau zu tun. "Aber wenn ich in ein Taxi steige, und der Fahrer ist Syrer oder Libanese, dann ist da sofort eine Verbindung, etwas Geteiltes", sagt Hayali. Und was ist das? "Man leidet gemeinsam."

...


Aus: "Araber in Berlin: Die liebe Verwandtschaft" Mariam Lau (DIE ZEIT Nº 11/2015)
Quelle: http://www.zeit.de/2015/11/araber-berlin-nahostkonflikt
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[Das erinnerte an längst überwunden geglaubte Zeiten... ]
« Reply #14 on: March 24, 2015, 12:13:22 PM »

Quote
[...]  Mit welcher nationalchauvinistischen Herablassung und Empathielosigkeit über die Menschen in Griechenland gesprochen wurde, von denen viele derzeit aufgrund der von der EU verordneten katastrophalen Austeritätspolitik im Elend leben müssen, das erinnerte an längst überwunden geglaubte Zeiten. ...


Aus: "Schluss mit dem Griechenbashing" (23.03.2015)
Quelle: http://www.taz.de/Kommentar-deutsch-griechischer-Gipfel/!156947/
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[Etwas zurückgeben... ]
« Reply #15 on: April 09, 2015, 01:07:20 PM »

Quote
[...] Wenn der eigene, achtjährige Sohn Hunger hat, den Kühlschrank öffnet und fragt, warum nichts drin ist, bleibt einer Mutter die Sprache weg. „Ich weiß, wie es ist, von Sozialhilfe zu leben“, sagt Kathi Schweers-Reinhardt aus Wannsee und beschreibt das Gefühl: Es deprimiert, macht einsam und raubt einem das Selbstbewusstsein. Das ist jetzt fast 20 Jahre her. Damals lebte sie in Hamburg, war alleinziehend. Heute geht es der 50-Jährigen gut, privat und beruflich, alles stimmt. Deswegen möchte sie etwas tun, etwas zurückgeben, helfen. „Denn ich mag Menschen“, sagt sie, „auch körperliche Berührungen wie Hände drücken, eine Wange streicheln, umarmen. ...


Aus: "Für ein Stück Würde und Normalität" Anett Kirchner (08.04.2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/zehlendorf/friseurmeisterin-aus-wannsee-hilft-beduerftigen-fuer-ein-stueck-wuerde-und-normalitaet/11559416.html
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[Oxytozin... ]
« Reply #16 on: July 29, 2015, 11:38:53 AM »

Die Forschungsergebnisse haben dazu geführt, dass Oxytocin in der Öffentlichkeit gelegentlich als Orgasmushormon, Kuschelhormon oder Treuehormon diskutiert wird. Tatsächlich ist die Signifikanz von Oxytocin für Fühlen und Handeln in zahlreichen Studien bestätigt; allerdings ist zu beachten, dass psychische Zustände wie zum Beispiel „Liebe“ keinen einheitlichen biologischen Phänomenen entsprechen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Oxytocin

Quote
[...] dass Oxytozin soziale Interaktion fördert, indem es die Reaktion des Gehirns auf sozial relevante Signale, Geräusche und andere Stimuli verstärkt. Laut Young hilft das Hormon den Mäusen beispielsweise, den Geruch von Artgenossen wahrzunehmen; anderen Studien zufolge verbessert es auch die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen.

Doch Oxytozin schafft das nicht allein. Im Jahr 2013 zeigte der Neurowissenschaftler Robert Malenka von der Stanford University in Kalifornien zusammen mit seinem Team, dass das Hormon mit dem Neurotransmitter Serotonin zusammenarbeitet und so die Erregbarkeit der Neurone im Nucleus accumbens reduziert, einer mit Belohnung assoziierten Gehirnregion im unteren Vorderhirn. Das scheint auch zu bewirken, dass Mäuse bevorzugt in Umgebungen zurückkehren, in denen sie positiven Kontakt mit anderen Tieren hatten. "Oxytozin ist Teil eines größeren Ganzen", sagt Carter. "Es nicht das einzige wichtige Molekül, aber es scheint eine Vielzahl anderer Regelsysteme zu kontrollieren."

Die Fortschritte der Grundlagenforschung haben auch das klinische Interesse an Oxytozin geweckt. Das Hormon wird bereits seit den 1950er Jahren genutzt, um Geburten zu beschleunigen, so dass viele Forscherinnen und Forscher auch seinen Einsatz in Verhaltenexperimenten für ungefährlich halten. Vor etwa zehn Jahren zeigten die ersten Studien aus der Psychologie, wie eine Einzeldosis Oxytozin – verabreicht per Nasenspray – bei gesunden Erwachsenen das Sozialverhalten fördern kann. So waren zum Beispiel manche Teilnehmer, die vorab das Nasenspray erhalten hatten, eher bereit, ihren Mitspielern in einem Spiel um Geld etwas zu leihen. Gleichzeitig verlängerte die Gabe des Hormons auch die Zeit, die Menschen damit verbrachten, anderen in die Augen zu blicken, und verbesserte ihre Fähigkeit, Emotionen am Gesicht des Gegenübers abzulesen.

Das macht Oxytozin zu einem attraktiven Kandidaten bei der Behandlung von bestimmten psychiatrischen Erkrankungen wie etwa einer Autismus-Spektrum-Störung. Die Betroffenen haben häufig Probleme mit Kommunikation und sozialer Interaktion, womöglich, weil sie entsprechende Reize einfach anders verarbeiten. Forschende glauben daher, dass Oxytozin manche der Symptome mildern könnte. Verschiedene Studien aus den vergangenen Jahren stützen diese Theorie. So zeigte sich beispielsweise, dass schon eine Einzeldosis Oxytozin vorübergehend das Maß an Empathie und sozialer Kooperation bei Patienten mit Autismus-Spektrum-Störung steigern kann.

"Die Leute waren begeistert", erinnert sich die Ärztin und Neurowissenschaftlerin Evdokia Anagnostou, Direktorin am Autism Research Centre am Holland Bloorview Kids Rehabilitation Hospital in Toronto, Kanada. Aber sie weiß auch, dass einige Schritte einfach übersprungen wurden, damit Oxytozin möglichst schnell als Medikament getestet werden konnte. "Um es ordentlich zu machen, hätten wir ehrlich gesagt anders vorgehen müssen. Es ging alles viel zu schnell", sagt sie. So wurde vorab etwa nie überprüft, ob unterschiedliche Dosierungen des Hormons auch unterschiedliche Effekte auf die Psyche mit sich bringen.

Viele der frühen Studien, die die Wirkung von Oxytozin bei Autismus untersuchten, besitzen nur eine begrenzte Aussagekraft, weil sie oft auf Einzelgaben beruhten und nur an relativ wenigen Teilnehmern durchgeführt wurden. Späteren Studien, in denen die Probanden das Hormon dann mehrfach verabreicht bekamen, ließen viel versprechende Effekte schließlich vermissen. Der klinische Psychologe Adam Guastella von der University of Sydney untersuchte im Jahr 2010 16 männliche Heranwachsende mit Autismus-Spektrum-Störung und beobachtete, dass es den Patienten nach Gabe einer einzigen Dosis Oxytozin besser gelang, die Emotionen anderer durch Blickkontakt zu beurteilen. Wenn sie die Substanz aber zwei Monate lang zweimal täglich erhielten, zeigte sich keine signifikante Verbesserung im Sozialverhalten und der sozialen Wahrnehmung. "Laut bisheriger Studien ist Oxytozin nur sehr begrenzt dazu in der Lage, Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen langfristig zu helfen", sagt er. Laut Guastella wird es noch eine ganze Weile dauern, bis wir die neurologische Wirkung des Hormons wirklich verstanden haben. "Eine einfache Antwort gibt es da nicht."

... Oxytozin ... "Es löst keine Liebesgefühle aus und führt auch nicht zu blindem Vertrauen", sagt Guastella. "Alle suchen immer eine einfache Lösung, nach dem Motto: Bei diesen Patienten wirkt Oxytozin und bei jenen nicht; bei diesen steigert es die soziale Kompetenz und bei jenen nicht." Doch die Wissenschaft ist nur selten so einfach. "Oxytozin ist bekannt dafür, Regelkreise auf verschiedenste Weise zu beeinflussen, und wird sicherlich nicht bei jedem dieselbe Wirkung haben", sagt Guastella. "Die Biologie dahinter ist nun einmal unglaublich komplex."


Aus: "Neurowissenschaft: Oxytozin - mehr als nur ein Kuschelhormon" Helen Shen (28.07.2015)
Quelle: http://www.spektrum.de/news/oxytozin-mehr-als-nur-ein-kuschelhormon/1357235
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[Wo kommt diese unglaubliche Kälte her?... ]
« Reply #17 on: November 10, 2015, 02:50:03 PM »

Quote
[...] Zwei New Yorker Therapeuten treffen sich beim Joggen am Strand von New Jersey. Sagt der eine: „You are fine! How am I?“ Das ist schon der ganze Witz. Ein schöner Witz, er hat es in sich. „Ihnen geht es gut! Wie geht es mir?“ In sein Gegenüber kann ein guter Therapeut oder Psychoanalytiker sich besonders gut einfühlen. Das gehört zum Beruf. Von seinem Kollegen erhofft, erwartet er hier umgekehrt für sich selber Mitempfinden, Einfühlung. Das ist der Affekt, der in den abertausend Ehrenamtlichen geweckt wurde, die augenblicklich dafür sorgen, dass Geflüchtete aus zerfallenden oder zerrütteten Staaten im Mittleren Osten, in Asien, dem Maghreb oder Afrika südlich der Sahara in Deutschland willkommen geheißen werden. Jene Ehrenamtlichen und Gutwilligen also, auf die sich die regierende Koalition stützt, wo sie ihr Leitmotiv „Wir schaffen das!“ verteidigt.

Noch vor wenigen Wochen, im Juni, wurde Kanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, dass sie bei einem Bürgerdialog in Rostock der Teenagerin Reem Sahwil erklärte, ihr Aufenthaltsstatus als Asylsuchende sei nicht gesichert. Nicht alle würden bleiben dürfen, hatte die Kanzlerin bedauert. Das Mädchen brach in Tränen aus, die Öffentlichkeit war erschüttert von der Kanzlerin, sie zeige zu wenig Empathie. „Merkel muss endlich erkennen, dass Flüchtlinge ein Gewinn für Deutschland sind“, kritisierte nicht nur die „Süddeutsche Zeitung“. Inzwischen wird derselben Merkel vorgeworfen, mit ihrem Zitieren des Grundgesetzes, wonach es für Anträge auf Asyl keine Obergrenze gibt, das Gegenteil zu demonstrieren: zu viel Empathie. Merkel wurde als Mutter Teresa karikiert, Medien beschwören den angeblichen Steuerungsverlust der Politik. Vorübergehend schien geradezu ein Überschuss an Mitempfinden vorhanden. Medial und durch gezielte, rechte Propaganda auf lokaler Ebene wurde die Empathie heruntergekocht, das Ressentiment hingegen geschürt. Das Bundeskriminalamt zählte 2015 bereits 104 Gewalttaten gegen Herbergen von Asylbewerbern, 53 davon Brandstiftungen.

Dabei hat sich rein faktisch im Alltag der allermeisten wenig verändert. Der Wirtschaft verzeichnet Rekordüberschüsse, die Arbeitslosigkeit ist auf ein Rekordtief gesunken, die Renten sind gestiegen, und Flüchtlinge in Person bekommen weiterhin vor allem die Ehrenamtlichen und Behördenmitarbeiter zu Gesicht. Aber die generelle Empathiebereitschaft scheint abzunehmen.

Erbittert streiten ein paar Berliner Nachbarn am Küchentisch. Ein wohlhabender Handwerksmeister erklärt seine Unruhe darüber, dass ein „Strom an Fremden massenhaft ins Land drängt“. Horden aus den Gebieten der Armut hätten sich aufgemacht, unser Sozialsystem zu plündern. „Was wollen die hier? Uns hat auch keiner was geschenkt!“ Seine alte Mutter, einst aus Ostpreußen vertrieben, schimpft über ihre geringe Rente. „Das darf nicht wahr sein – alte, deutsche Leute leben in Armut, aber für Dahergelaufene gibt man Milliarden aus!“ Sicher, schlimm sei das da, wo diese Leute herkommen. „Aber“, greift die alte Dame zur aktuellen Formel eins der Abwehr: „Wir können nicht alle retten!“

Eine Frau, zu deren Vergangenheit Flucht und Not gehört und die Schutz gefunden hat, lehnt die Schutzsuchenden der Gegenwart ab. „Ihr habt doch selber so was erfahren!“ argumentiert ein andrer Nachbar. „Ihr seht doch die Bilder von denen, die durch kalte Flüsse waten, die in Containern hausen!“ Das humanitäre Gerede, das habe er satt, wirft der Sohn ein. „Wer zahlt denn das Ganze? Hier, ich, wir!“

Wie Pfeile schießen die Ausrufezeichen hin und her. Rentnerin und Sohn empören sich über die Naivität der anderen Ansichten. Dann müssen sie los, raus mit dem Cockerspaniel, der ihnen über alles geht. In der Fürsorge für das Tier sind sie rührend. Den anderen am Tisch bleibt es rätselhaft: Wie kann jemand, der selber Not erlitten hat, für das Leid von anderen so wenig empfinden? Der aus Dresden stammende Dichter Durs Grünbein hat angesichts von Pegida-Demonstranten gefragt: „Wo kommt diese unglaubliche Kälte her? Da sind alte Frauen dabei, die auch mal Mütter waren. Warum haben die kein Mitleid, wenigstens mit den Kindern?“

Das ist eine überaus politische Frage. Denn Empathie, die Fähigkeit, sich aus der Perspektive des anderen dessen Affekte und Lage vorstellen zu können, ist die Basis des Sozialen, eine der wichtigsten Voraussetzungen für Gesetz und Gesellschaft. Doch wie entsteht Empathie? Was ist ihre Quelle?

Bis vor Kurzem galt eine neue Entdeckung in der Hirnforschung als Schlüssel zur Erklärung: Die Spiegelneuronen. Forscher hatten beobachtet, dass im Gehirn von Affen ähnliche Neuronen feuern, wenn sie selber nach einer Frucht greifen, als wenn sie einen Artgenossen nur dabei beobachten, wie dieser nach einer Frucht greift. Ihr Hirn spiegelt sozusagen imitierend die Handlung des anderen: Sie empfinden mit. Unterdessen wurde die vermeintlich bahnbrechende These entmystifiziert. Auf Menschen sei sie so nicht anwendbar, räumte Gregory Hickok, einer der Fachleute, die die These vertreten hatten, Anfang des Jahres ein. „Der Mensch ist nicht sozial, weil er dank Spiegelneuronen imitieren kann“, sagt Hickok jetzt. „Er imitiert, weil er sozial ist.“ Warum aber ist er sozial – oder kann es sein? Und wann, warum wird er es nicht?

Die Genese von Empathie ist eine, wenn nicht die Kernfrage der Gattung Mensch. Geschaffen wird die Basis für Empathie, so die Erkenntnis der Psychologie, bereits in den frühen Jahren, in der Kinderzeit eines Menschen. Während das Potential für Empathie physiologisch in jedem Menschen angelegt ist, braucht es bestimmte Bedingungen, um sich zu entwickeln. Mit Spiegeln hat das durchaus zu tun. Erfährt das Neugeborene, das Kleinkind adäquate Antworten auf seine Bedürfnisse, wenn es Hunger, Durst, Angst hat, wenn es friert, Beruhigung braucht, Nähe oder Raum zum Erkunden der Umwelt, dann erwirbt es nach und nach die Kunst der Selbstregulierung von Affekten. Es erkennt, was guttut und was nicht. In Kommunikation und Spiel entfaltet das Kind die Fähigkeit, auf andere zu antworten. Der fürsorgliche andere wird in die Psyche aufgenommen, als sein Echo entsteht, was Psychologen „ein inneres, gutes Objekt“ nennen. Es hilft gewissermaßen, Emotionen zu „verdauen“. Analog zu seiner eigenen Erfahrung erfasst das Kind, was dem anderen guttut und was nicht: Es empfindet mit. Es „sorgt“ für die Puppe oder das Stofftier, es leidet mit einem seiner Geschwister, das sich das Knie aufgeschlagen hat: „Ich hatte Angst, und bin beruhigt worden – es tut gut, zu erleben, wenn jemand anders beruhigt wird, ich weiß, wie es sich anfühlt, ich kann mich identifizieren.“

Je nach Temperament wird im Weltvertrauen der Wunsch stärker, selber anderen Sicherheit zu geben, abzugeben, das Gute zu teilen – und es als Glück zu erkennen, dass sich das Gute dabei vermehrt. Transformiert in die soziale und politische Sphäre kann die Fähigkeit zur Empathie zum Sinn für Gerechtigkeit und Menschenrechte reifen, zum Interesse am Gestalten der Gesellschaft, am Stiften von Sinn.

Ungezählte Serien von kleinen Interaktionen und Erlebnissen, Narrativen und Dialogen, ungezählte Episoden des Aushandelns eigener und fremder Grenzen arbeiten auf diesem Lernpfad mit daran, die soziale Kompetenz des Individuums zu erweitern. Dieser Prozess ist enorm dynamisch. Zur emotionalen und kognitiven Arbeit, die ihn begleiten, gehören Brüche, Enttäuschungen, Rückschläge. Keinen Schritt auf diesem Arbeitsweg der Affekte geht ein Kind oder Jugendlicher völlig allein, jede Etappe ist reich an Erlebnissen mit intersubjektivem Charakter.

Werden aber Bedürfnisse wieder und wieder nicht angemessen beantwortet, dann klaffen große Lücken auf dem sozialen Lernpfad. „Ich hatte Angst, und keiner hat mich beruhigt. Dem anderen war ich nicht genug wert, ich wurde ignoriert. Mit Neid, Wut oder Hass sehe ich, wie andere beruhigt werden und Sicherheit bekommen.“ Bleiben Emotionen unverdaut, stauen sie sich, manchmal bis ins Unerträgliche. Das Weltvertrauen fragmentiert, und um zu überleben, schafft das Subjekt für das Unerträgliche abgespaltene Räume. Im Dunklen, Unbewussten hausen entwertete Teile des Ich, ins Bewusstsein dringen darf nur, was für das Ich erträglich ist. Viel emotionale Kapazität wird dabei absorbiert, großer seelischer Raum wird eingenommen von der Schwerarbeit, solche Spaltung zu erhalten. Zugleich schrumpft in der Architektur der Psyche der Raum, der das Potential zur Entfaltung von Empathie enthält. Früh erlernte Muster dieser Art wandern mit ins erwachsene Leben, wo sie zum verzerrten Tableau eines negativen, pessimistischen Weltentwurfs beitragen. Rationalisiert ertönt der Ausdruck dieses Entwurfs wie eingangs zitiert: „Uns hat auch keiner was geschenkt.“ Oder: „Mir haben die Schläge auch nicht geschadet.“ Oder: „Was kann ich dafür, wenn es anderen dreckig geht?“ Mit dieser Volte nimmt der andere den Platz des abgespaltenen, psychischen Materials ein: Er steht für das Entwertete im eigenen Inneren.

In den 1990er entrüstete sich ein hochrangiger Mitarbeiter des Innensenats in einem informellen Gespräch, asylsuchende Bosnierinnen, die Vergewaltigung überlebt hatten, sollten sich „nicht so anstellen“. „Deutsche Frauen wurden auch im Krieg vergewaltigt – und die sind nicht weggerannt! Als Trümmerfrauen haben sie die Städte wieder aufgebaut!“ Klar sprachen unverdaute Emotion und unbearbeitetes Trauma aus dem Mund des Politikers – transformiert ins Ressentiment.

Empathiearmut birgt, verbirgt Texte wie diese: Die anderen sind so elend, wie wir mal waren, daran will ich nicht erinnert werden. Der Elende löst die Furcht aus, ich könnte selbst ins Elend rutschen. Er bedroht mich, denn er wird mir aus Neid etwas wegnehmen. Seine Not ist mir unheimlich, durch die Konfrontation mit ihr wirkt Wohlstand nicht mehr selbstverständlich. Konfliktzonen, die weit weg lagen – im virtuellen Woanders – verschieben sich real und in Gestalt der Fremden hierher.

Im Gegenzug, in der Abwehr ihrer Abwehr, kapern die Xenophoben derzeit mitunter die großen, empathischen Themensphären der Politik. Pegida-Anhänger haben sich schon öffentlich zu Ureinwohnern Amerikas heroisiert, die in kolonialistischer Manier von Fremden überrollt würden. Doch noch hinter dem komischen Pathos solcher Vergleiche wird der Inhalt des Abgespaltenen sichtbar, das, besonders in den neuen, vom Westen „kolonialisierten“ Bundesländern, dabei unbewusst verhandelt wird.

Zur politisch intelligenten Antwort auf die Dynamik von Empathie und Empathiearmut gehört nicht nur das Investieren in exzellente frühkindliche Förderung und familiäre Gewaltprävention. Dazu gehört auch die tröstliche, wissenschaftliche Erkenntnis, dass Empathievermögen durchaus im Erwachsenenalter nachreifen kann und sich ebenso wecken lässt, wie es betäubt werden und brachliegen kann. Den Worten und Metaphern, mit denen Politik und Medien begründete Zuversicht und erkennbares Handlungsgeschick vermitteln, kommt dabei eine Hauptrolle zu. „Wir schaffen das“ ist ein guter Satz für den Beginn eines sinnvollen Vorhabens. Denn was sollte eine wie auch immer geartete, gegenteilige Aussage bewirken? Sie kann nur Hilflosigkeit signalisieren und verunsichernd wirken. Wer aus Schwarzmalerei politisches Kapital schlagen will, trägt dazu bei, den gesellschaftlichen Raum der Empathie zu schrumpfen – ein destruktiver Tatbestand.

Aber „wir schaffen das“ genügt nicht. Die seelischen Nöte auch derer aufzugreifen, die sich bedrängt vom Fremden sehen, aus ihrem Inneren wie von außen, erfordert politische Courage in der Bereitschaft, sich mit der psychischen Dynamik der Ängste auseinanderzusetzen, die existieren. Nicht nur bei den Einheimischen, die Fremdenangst haben und schüren, sondern auch in der Community der Neuankömmlinge, wo Angehörige unterschiedlicher Ethnien und Religionen einander in ihren Unterkünften drangsalieren. Notwendig ist Mediation, notwendig ist demokratisch aufklärende Sozialarbeit auf gesellschaftlicher Mikro- wie Makroebene. Transparent zu vermitteln, wie wir das schaffen, warum wir als Gesellschaft es überhaupt schaffen wollen, eine größere Gruppe an Neuankömmlingen zu integrieren, darauf kommt es jetzt an.

Quote
     von McSchreck
    09.11.2015 14:43 Uhr

zu kurz

ich habe sehr viel Empathie für Menschen in Not. Aber ich habe mehr für die, die mir nahe stehen als für die, die ich nicht kenne.
Das dürfte eine normale menschliche Regung sein. Schon Kinder lernen nach einigen Erfahrugen, dass man nicht jedem Bettler immer etwas geben kann, dass man sein liebstes Kuscheltier nicht jedem aus dem Kindergarten gibt, sondern allenfallls den besten Freunden - wenn überhaupt.
Daher greift der Artikel zu kurz, wenn er Menschen die Empathiefähigkeit abspricht, die den nahezu unbegrenzten Zustrom von Flüchtlingen kritisch sehen. In diesem Spektrum gibt es sehr viele Varianten, vom Ausländerfeind bis zu denen, die am Ende ihrer Kräfte sind beim vielen Helfen.


Quote
     von Helvetianer
    08.11.2015 08:44 Uhr

Nachdenken
Wieso fordern die Menschen, denen Fremde fremd sind, im Gegensatz zu jenen, denen Fremde vertraut sind, dass ihnen die Fremden fern bleiben?
Wieso fordern die Gutbetuchten, die vom Armsein nichts wissen, im Gegensatz zu den Dünnerbetuchten, von den Unbetuchten verschont zu werden?
Wieso fordern ehemals Unfreie und Verfolgte, deren Vorfahren einst Vertreibung erlitten, Unfreien und Verfolgten die Zuflucht zu verweigern?
Wieso fordern aufrechte Demonstranten Abgang und Tod von Politikern,die Fremde, Unbetuchte, Verfolgte wie Menschen empfangen und behandeln?


Quote
     von juemann
    09.11.2015 13:18 Uhr

erweiterung

Fähig zur Empathie zu sein heißt nicht automatisch gut, mildtätig, helfend zu sein. Fest steht nur, dass bei einem nicht oder nur schlecht ausgebildeten Präfrontalcortex Empathie nicht oder nur schwach wirken kann. Siehe die hervorragenden Untersuchungen der Mitglieder der Securitate nach dem Zerfall des Ceaucescu-Regimes.
Entscheidend ist daher, wie die Fähigkeit zur Empathie eingesetzt wird. Wer Kinder hat und diese in einer Gruppe agieren gesehen hat kommt anders als Frau Fetscher nicht zu dem Schluss, dass Kinder automatisch mit dem Schwachen mitfühlen, dem Hungernden etwas abgeben etc.
Außenseiter in Kindergruppen können durchaus durch die Hölle gehen, wenn andere Kinder empathisch genug sind zu hänseln, zu unterdrücken, den Schwachpunkt zu treffen.
Man denke auch an Folterer, Heiratsschwindler, Betrüger etc. Alle hochgradig mit Empathie gesegnet.


Quote
     von xtraa
    09.11.2015 08:51 Uhr

Des „Rätsels“ Lösung
Des Rätsels Lösung liegt doch auf der Hand:

Wie wenig Empathie muss man haben um nicht zu erkennen, dass sich viele nach 12 Jahren Agenda 2010 und Hartz4 Drangsalierung liegengelassen fühlen und nun nicht verstehen, warum sie in der BILD als Florida-Rolfs und Sozialschmarotzer betitelt werden, während wir nun flüchtende Menschen, die wir nicht kennen sofort und selbstlos mit offenen Armen und Herzen empfangen.


Quote
     von 7905
    08.11.2015 22:32 Uhr

Mitgefühl bitte nicht zerreden !
Warum hinterfragt hier jemand soziales und menschliches Verhalten,das eher selbstverständlich und eine Norm sein möchte ?Hat man die vielen Erlebnisse der Flüchtlinge im und nach dem 2.Weltkrieg vergessen ? Damals halfen alle,man redete erst später darüber.Deutschland sähe ohne die Hilfe anderer Menschen und Staaten nicht so schön aus.


Quote
     von Antigone12
    08.11.2015 13:23 Uhr

Erst kommt das Fressen...
...und dann kommt die Moral.
Oder: " Der Mensch wär gern gut, doch die Verhältnisse sind nicht so "
Beides von Bert Brecht.

Mit anderen Worten:

Wenn ich selbst ums Überleben kämpfen muss, bzw. fürchte,es bald zu müssen, bin ich mir selbst der Nächste

Empathie ist auch eine Kulturleistung, die auf dem Boden der Zivilisation gediehen ist.

Ich persönlich kann es mir leisten, empathisch zu sein, weiß aber nicht, wie ich denken und fühlen würde, wenn ich mit 50 arbeitslos geworden wäre und Hartz 4 beziehen müsste, obglich man doch 20 oder 30 Jahre In die Sozialkassen eingezahlt hätte.
Oder wie es mir ergehen würde als alleinerziehende Mutter,die , um für das Kind dazusein, halbtags arbeiten will, aber davon nicht mehr leben kann....
Wieviel Obdachlose haben wir, und wende uns von jenen ab.....

Nicht jeder, der so denkt, ist rechts

Quote
     von wp10
    08.11.2015 18:17 Uhr

Antwort auf Antigone12 vom 08.11.2015 13:23 Uhr
Wie man das „ums Überleben kämpfen“ herbeireden kann

    Nicht jeder, der so denkt, ist rechts

Wer aus der eigenen Not den Schluss zieht, sich gegen die wenden zu müssen, denen es auch schlecht oder schlechter geht, gegen die zusätzlichen Notleidenden, die vermeintlich die eigene Not erhöhen, die Ablehnung äußern, in der fälschlichen Erwartung, wenn es weniger Bedürftige gäbe, mehr für einen selbst abfiele, derjenige, „der so denkt, ist rechts“. Auch derjenige, der solche Erwartungen schürt, ist rechts, und auch derjenige, der diese Situation ausnutzt, sich zunutze macht.

Das Austreiben von Empathie, ihre Verleugnung ist eine der Grenzlinien zwischen Zivilisation und Barbarei. Die Umwertung der Werte, wie sie durch Teile der „besorgten Bürger“ vorgenommen wird, ist seit jeher Bestandteil faschistoiden Treibens. Ebenso, sich genau auf der Grenzlinie zur Strafbarkeit zu bewegen, zumal gegen Menschen, denen der Bürgerstatus fehlt, die somit über keine Möglichkeit verfügen, sich adäquat zu wehren. Vogelfreie.


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     von atzebrauner
    08.11.2015 19:54 Uhr

Antwort auf Antigone12 vom 08.11.2015 13:23 Uhr
!

    "Der Mensch wär gern gut, doch die Verhältnisse sind nicht so"

Dann hören sie auf Brecht, verändern sie die Verhältnisse, wiedersprechen sie der Konkurenzgesellschaft und versuchen sie solidarisch zu sein!
Die Verhältnisse sind der Kapitalismus!



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     von Hellfire
    08.11.2015 11:53 Uhr

Empathiefrei

"Dabei hat sich rein faktisch im Alltag der allermeisten wenig verändert. Der Wirtschaft verzeichnet Rekordüberschüsse, die Arbeitslosigkeit ist auf ein Rekordtief gesunken, die Renten sind gestiegen."

Für die 24% Niedriglöhner in diesem Land hat die Autorin offenkundig keine Empathie übrig, zudem ist die Verlautbarung rechercherbefreiter Pressemiteilungen der Regierung kein Journalismus. Jede dieser Aussagen läßt sich mit wenigen Klicks sehr kritisch hinterfragen (so ist die Zahl geleisteter Arbeitsstunden in den letzten 10 Jahren trotz des angeblichen "Jobwunders" kaum gestiegen). Der frendenfeindliche "wohlhabende Handwerksmeister" dürfte von den anstehenden Verteilungskämpfen um Jobs, Wohnungen und Bildung wohl weniger betroffen sein, die miserabel bezahlten Angestellten in seinem Betrieb allerdings schon.


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     von hadi
    08.11.2015 09:51 Uhr

Im Grunde ganz einfach und sozial. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Wenn ich mich selbst nicht liebe, kann ich auch zu anderen Menschen nicht gut sein.
Ich gebe zu, dass gehört zu den edelsten und schwierigsten Dingen überhaupt.


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     von Perleberger
    08.11.2015 09:46 Uhr

Mal so mal so
Vor gut 10 Jahren haben "die" Bundesbürger unter Führung durch Politik und Medien gut 5 Millionen Mitbürger + 2 Millionen Kinder, keine "Fremden" also, kaltherzig ins Abseits und Armut geschickt (Hartz IV). Heute ist ebenso wie damals bei Hartz IV die Bevölkerung gespalten, pro Flüchtlinge und contra, nur stellt sich diesmal Politik und Medien eindeutig auf die Seite der Flüchtlinge. Medien oder die Politik können Empathie oder Furcht nicht verordnen, sie können nur (mit) meinungsbildend sein.
Allerdings ist es überaus heuchlerisch, nach der überaus cool und kalt durchgezogenen Hartz IV-Geschichte jetzt auf einmal "Empathie" zu entdecken und einzufordern.


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     von Perry25
    08.11.2015 07:54 Uhr

Angst vor dem Fremden verhindert Empathie
Vielen Menschen machen Veränderungen Angst. Das kenne ich aus meinem Berufsleben. Die wenigsten gehen auf das Neue und Unbekannte offen zu. Weil sie es offenbar nicht können.

Bei einigen schlägt dies in Hass oder Aggression um. Aber darunter ist immer noch die gleiche Angst.Das sind oft erlernte Muster.

Wenn man schon im Kindergarten mit ganz fremdländisch aussehenden Menschen zu tun hat, dort schon andere Sprachen so nebenbei lernt, dann ist die Angstschwelle ziemlich gering. Nicht umsonst ist - nicht nur in D - die Abwehr gegen zuviel Fremdes genau dort am größten, wo es selten ist.

Dazu kommt, dass es heute so viele Veränderungen zur gleichen Zeit gibt. Das verwirrt viele ...



Aus: "Empathie und die Flüchtlinge: Die unheimliche Not der anderen" Caroline Fetscher (07.11.2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/empathie-und-die-fluechtlinge-die-unheimliche-not-der-anderen/12556362.html

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« Reply #18 on: December 01, 2015, 12:13:31 PM »

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[...] Aktuell erlebe man Täter, die "ohne jede Beziehung zu ihren Opfern sind", sagt ein Richter, der damit erklärt, weshalb sich die Ermittler schwer damit tun, den Tätern auf die Spur zu kommen. ...


Aus: "Sprunghafter Anstieg der Anschläge auf Flüchtlingsheime" Thomas Pany (30.11.2015)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46708/1.html
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« Reply #19 on: April 12, 2017, 07:40:21 PM »

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[...] Wenn ein bestimmter Hirnbereich stark ausgeprägt ist, erkennen Menschen eher, ob ein schlimmes Missgeschick unbeabsichtigt passiert ist – und verzeihen es dann bereitwilliger. ... Ganz unbekannt ist die Rolle des vorderen Sulcus temporalis superior in der Forschungsliteratur nicht: Studien haben gezeigt, dass er besonders dann aktiv wird, wenn es darum geht, warum ein anderer auf eine gewisse Art und Weise handelt. Der linke vordere Sulcus temporalis superior zeigt vermehrte Aktivität, wenn Menschen sich in Personen einfühlen, ... . Außerdem wird die Region aktiv, wenn Menschen entscheiden sollen, ob jemandem vergeben werden soll. Ein größeres Volumen an grauer Substanz führt generell dazu, dass das Gehirn effizienter "rechnet". Den Studienautoren zufolge führt das im genannten Bereich dazu, dass die Probanden sich nicht nur auf den negativen Ausgang der Geschichte konzentrieren, sondern auch die positive Intention stärker bewerten. Wie sie jedoch betonen, liegt hier ein "Henne-Ei-Problem" vor: In ihrer Studie konnten sie nicht erforschen, ob zuerst die Hirnregion so stark ausgeprägt war (beispielsweise genetisch bedingt) oder ob sich diese im Verlauf des Lebens stärker entwickelt hat, weil die Probanden dazu erzogen wurden, unabsichtlich gemachte Fehler zu verzeihen.


Aus: "Theory of Mind: Mehr graue Zellen führen zu milderen Urteilen" (12.04.2017)
Quelle: http://www.spektrum.de/news/mehr-graue-zellen-helfen-beim-verzeihen/1449197?utm_source=zon&utm_medium=teaser&utm_content=news&utm_campaign=ZON_KOOP
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« Reply #20 on: December 05, 2017, 11:14:57 AM »

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[...] Interview: Maike Zimmermann - Wir haben uns vor fünf Jahren kennengelernt, in einem Kino in Lübeck. Ich war auf Recherchereise zum 20. Jahrestag der Brandanschläge von Mölln, Ibrahim Arslan hat den Film »Nach dem Brand« vorgestellt. (ak 577) Er hat den rassistischen Anschlag in der Nacht zum 23. November 1992 als Siebenjähriger schwer verletzt überlebt. Seine Schwester Yeliz (10), seine Großmutter Bahide (51) und seine Cousine Ayse Yilmaz (14) starben.

Maike Zimmermann: Das Sprechen ist ja durchaus auch für die Betroffenen wichtig, um das Erlebte zu verarbeiten.

Ibrahim Arslan: Ja, einige Betroffene verlieren ihre Symptome, während sie über die Geschehnisse sprechen. Ich habe seit dem Anschlag einen chronischen Husten. Aber wenn ich in Schulen über die Geschehnisse spreche, huste ich gar nicht. Die Schüler wundern sich dann: In dem Film hustet er die ganze Zeit und jetzt nicht. Macht er Show? Ich sage dann: Habt ihr gemerkt? Ich hab nicht einmal gehustet. Das habe ich nicht abgeschaltet, das habt ihr abgeschaltet mit eurer Solidarität. Das ist unsere Medizin.


Aus: "Das Erinnern selbst erkämpfen" (analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 632 / 14.11.2017)
Quelle: https://www.akweb.de/ak_s/ak632/28.htm

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« Reply #21 on: December 05, 2018, 09:59:23 AM »

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[...] das Problem mit dem Mitgefühl ist ja eben nicht nur, dass es politisch gewendet oft zum Sozialkitsch avanciert, sondern vor allem, dass es stets eine wankelmütige Gabe bleibt, die jene zu spenden vermögen, die es sich – oft auch ganz buchstäblich – leisten können. Oder konkreter gesagt: Politisch gesehen bleibt dem Mitgefühl in der Regel jenes Herrschaftsverhältnis eingeschrieben, von dessen Effekten es erst hervorgerufen wurde.

...


Aus: "Der Anderen Last" Nils Markwardt (Ausgabe 44/2018)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/nils-markwardt/der-anderen-last
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