Author Topic: [Giacomo!!... (Fellinis Casanova)]  (Read 5710 times)

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[Giacomo!!... (Fellinis Casanova)]
« on: Oktober 27, 2009, 02:06:47 nachm. »
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[...] Fellinis Casanova

Nach zweijähriger Vorbereitungszeit mit den für seine Arbeit typischen Krachen und,Versöhnungen mit Produzenten, Drehbuchautoren und Schauspielern ist Federico Fellini nun doch dabei, sein neues Großprojekt Gestalt annehmen zu lassen. Mit dem Kanadier Donald Sutherland in der Hauptrolle verfilmt er „Casanova". Wie bei Fellinis Vorliebe für Studioaufnahmen zu erwarten, bei denen nichts der Natur und dem Zufall unterworfen bleibt, wird in Cinecitta das Italien des achtzehnten Jahrhunderts nachgebaut — eine Venedig-Ansicht mit der Rialto-Brücke allein kostet über eine Million Mark; werden von Fellinis Leuten auf den Straßen Komparsen aufgespürt, deren Gesichter den Vorstellungen des Meisters entsprechen; wird die Ausstattung mit verschwenderischster Pedanterie besorgt — die Kostüme für „Casanova" etwa werden mit den Pflanzenfarben des achtzehnten Jahrhunderts gefärbt. Kosten wird der Film 25 Millionen Mark. Falls sein Produzent ohne nervlichen oder finanziellen Zusammenbruch durchhält, soll „Casanova" im Herbst 1976 fertig sein.


Aus: "Fellinis Casanova"
Datum 22.8.1975 - 13:00 Uhr
DIE ZEIT, 22.08.1975 Nr. 35
Quelle: http://www.zeit.de/1975/35/Fellinis-Casanova


-.-

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[...]

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Von Ein Kunde, 4. Dezember 2005

Giacomo!! Endlich!!

Das Meer ist aus Plastikfolien und man sieht die Schnur, woran der Mond aufgehängt ist, manchmal auch die Klebestellen an Donald Sutherlands künstlichem Kinn. Trotzdem - und auch deshalb, denn es passt perfekt, Realismus ist hier niemandes Ziel – ist diese grausig-schöne Casanova-Romanze für mich einer der wunderbarsten Filme, die je gedreht wurden. Was Fellini in seinem Hass auf seinen Helden da zusammenfantasiert und in Bilder gefasst hat, muss man gesehen haben; und in all seiner Künstlichkeit, Absurdität und hocherotischen Anti-Erotik ist es für mich einer der "wahrsten" Filme über das 18. Jahrhundert überhaupt. ...


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Von Helga König, 25. November 2008

Amore, amore.....

[...] Als sexuelle Frauenfantasie kann Fellinis Casanova nicht herhalten. Von einem solchen Mann kann man nicht träumen. Das ist ganz unmöglich.




Quelle: http://www.amazon.de/Fellinis-Casanova-Donald-Sutherland/dp/B000AFEJD4

« Last Edit: Oktober 27, 2009, 03:00:49 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Casanova-Stoff... ]
« Reply #1 on: Oktober 27, 2009, 02:56:02 nachm. »
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[...] Über zwei Jahre befasste sich Fellini mit dem Casanova-Stoff. Mehrfach musste er den Produzenten wechseln, bekam Probleme mit der Gewerkschaft und fand zunächst keinen geeigneten Hauptdarsteller.


Aus: "Fellinis Casanova" (Text Stand: 2009)
Quelle: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/unterhaltung/index,page=1142554.html

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[Das treibende Movens ist... (Fellinis Casanova)]
« Reply #2 on: Oktober 27, 2009, 03:04:31 nachm. »
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[...] Das treibende Movens ist [ ] die männliche Triebbefriedigung. In diese Reihe gehören die Kunstfrauen, von Hoffmanns Olimpia über Villiers Eva und Durrells Iolanthe, über Kokoschkas Puppenfetisch, den er von Alma Mahler anfertigen ließ, nachdem diese ihn verlassen hatte, und für dessen Anfertigung er der Puppenmacherin peinlich-komische Anweisungen mit allen Details machte, bis zu den Puppen, mit denen Casanova in Fellinis Casanova-Film den Geschlechtsakt ausübt oder bis zu Beate Uhses aufblasbaren Gummipuppen. Immer fungiert die Androide als Ersatz einer nicht anwesenden, verlorenen oder vermißten geliebten Frau: aus Liebessehnsucht, als Wunschprojektion und als Lustobjekt. …


Aus: “„Elektronische Hirne“. Zur literarischen Genese des Androiden
(Ringvorlesung Duisburg Sommersemester 1997)” Von Prof. Dr. Gunter E. Grimm
Quelle: http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/epoche/grimm_hirne.pdf





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[Giacomo!!... (Fellinis Casanova)]
« Reply #4 on: Januar 20, 2020, 10:23:08 vorm. »
" ... „Venedig! Werde ich Venedig je wiedersehen?“, ruft der greise Casanova. Da, wo Casanovas Reise in dieser überbordenden Masken- und Schattenwelt begann. Dann, als Bibliothekar in Böhmen, erscheinen dem Ex-Libertin – gespielt von Donald Sutherland – die Frauen in seinem Leben, um gleich wieder auf einer weiten Eisfläche zu entschwinden. Ein Mann, der sich der Liebe, der Lust, der Sinnlichkeit, dem Sex verschrieben hat, aber in der Unmöglichkeit der Erfüllung seines Begehrens zum tragischen, auch lächerlichen Helden wird. Eine tiefe Traurigkeit verbindet sich mit diesem Bild des alten Frauenhelden da in seinem Lehnstuhl: tiefe Falten, ausgefallene Haaren. Einer, der sich der Illusion hingab, ein Frauenheld zu sein. Radikale Dekonstruktion männlicher Selbstvergötterung. ... Und dann natürlich die Meere aus gigantischen Plastikplanen, die – wenn wir nur einen Blick drauf werfen – die Realität schon transzendiert haben. ..."

Aus: "Hommage an einen Meisterregisseur" Hartwig Tegeler (18.01.2020)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/zum-100-geburtstag-von-federico-fellini-hommage-an-einen.2168.de.html?dram:article_id=468250