Author Topic: [Grundrechte (Menschenrechte)... ]  (Read 3702 times)

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Offline Textaris(txt*bot)

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[Grundrechte (Menschenrechte)... ]
« on: Juni 15, 2011, 10:35:21 vorm. »
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"Ein Volk, das seine Grundrechte aufgibt, ist ein Scheißhaufen."


FRIEDRICH KELLNER: "Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne." Tagebücher 1939-1945. Herausgegeben von S. Feuchert, R. Kellner, E. Leibfried, J. Riecke, M. Roth. Wallstein Verlag, Göttingen 2011. 2 Bände, 1200 Seiten, 59,90 Euro.

Aus: "Was die Deutschen über die Verbrechen wissen konnten" Von Helmut Lölhöffel (14.06.2011)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/ns-zeit-verbrechen-waren-bekannt-aus-den-graeben-kamen-schreie-1.1108170-2



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[...] Grundrechte sind wesentliche Rechte, die Mitgliedern der Gesellschaft gegenüber Staaten als beständig, dauerhaft und einklagbar garantiert werden. In erster Linie sind sie Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat, sie können sich jedoch auch auf das Verhältnis der Bürger untereinander auswirken („Drittwirkung“).

... Die Entwicklung der Grundrechte ist eng mit der Idee der Menschenrechte verbunden. Die Menschenrechtsidee wiederum findet ihre philosophischen Wurzeln in der Idee des Naturrechts, wonach es „Rechtsgrundsätze gibt, die stärker sind als jedes positive Recht“ (Radbruch). Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland bezieht sich auf diese Zusammenhänge, indem es das Bekenntnis des deutschen Volkes zu „unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten“ enthält (Art. 1 Abs. 2 GG), und als Konsequenz hieraus alle Staatsgewalt an die nachfolgenden Grundrechte „als unmittelbar geltendes Recht“ bindet (Art. 1 Abs. 3 GG). In ihrer heutigen Ausprägung sind die Grundrechte des Grundgesetzes also Teil des durch Rechtsetzung entstandenen Rechts (positives Recht).

Mitunter wird der Begriff der Menschenrechte abweichend von der hier gewählten Terminologie verwendet. Als Menschenrechte werden dann etwa Grundrechte bezeichnet, die nicht nur staatsbürgerschaftsbezogen sind, sondern jedermann zustehen.

...


Aus: "Grundrecht" (13. Juni 2011)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Grundrecht

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[...] Bereits die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1848 billigte am 21. Dezember 1848 einen Katalog von Grundrechten, der allerdings nicht soweit reichte wie der moderne Grundrechtskatalog des Grundgesetzes. Bereits aufgeführt wurden die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, Meinungsfreiheit, Niederlassungsfreiheit, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit sowie die Habeas-Corpus-Grundrechte. Die Verfassung mit dem Grundrechtskatalog wurde zwar im März 1849 noch verabschiedet, trat aber niemals in Kraft. ...


Aus: "Grundrechte (Deutschland)" (13. Juni 2011)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Grundrechte_%28Deutschland%29

« Last Edit: Januar 04, 2019, 01:24:54 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Gleich im ersten Satz steht da... ]
« Reply #1 on: September 16, 2014, 09:43:11 vorm. »
"Oranienplatz-Flüchtlinge - Der große Bluff"
Täuschung des Berliner Senats: Wegen eines Formfehlers ist der Vertrag mit den Flüchtlingen ungültig - die falsche Senatorin hat unterschrieben. ...
http://www.taz.de/!145116/


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[...] Meine Stadt Berlin findet seit zwei Jahren keine Lösung für die Flüchtlinge vom Oranienplatz. Grundrechte? Zusicherungen? Versprechen des Senats? Nicht so wichtig. Seit Monaten wird den Flüchtlingen klar gemacht, dass sie in Akten und Augen der Behörden Menschen zweiter Klasse sind. Wesentliche Rechte werden ihnen einfach verweigert. “Berlin kapituliert vor den Flüchtlingen”, las ich letzte Woche in einer Berliner Tageszeitung. Wie bitte? Eine 3,5-Mio.-Metropole kommt mit wenigen hundert Menschen nicht klar, die unsere Hilfe brauchen? Die nichts fordern, als das Recht, hier zu leben, hier zu arbeiten, hier Steuern zu zahlen und sich in Deutschland frei zu bewegen?

... Welche Familie in Deutschland hat keine Flucht- oder Migrationsgeschichte in den letzten 100 Jahren zu erzählen? Königsberg oder Kabul? Wo ist der Unterschied? Waren die hugenottischen Urururgroßeltern von Innenminister De Maizière, die im 17. Jahrhundert aus Frankreich nach Preußen migrierten, bessere Einwanderer als rumänische oder bulgarische Facharbeiter heute? Waren die deutschen Binnenflüchtlinge nach 1945 bessere Flüchtlinge als die syrischen Flüchtlinge aus dem Jahr 2014?

Haben wir wirklich ein so schlechtes Gedächtnis, dass wir in Deutschland die Fluchtgeschichten unserer Großeltern und Eltern schon vergessen haben? Erinnern wir uns wenigstens an unser Grundgesetz? Gleich im ersten Satz steht da etwas von der Würde des Menschen. Nicht von der Würde des deutschen Passinhabers.

...

Der Autor hat sich mit dem Lebensweg von Yehya E. und mit gesellschaftlichen Auswirkungen deutscher Migrationspolitik in seinem Film „Gangsterläufer“ auseinandergesetzt. Sein Buch “In den Gangs von Neukölln – Das Leben des Yehya E.”  ist soeben erschienen.


Aus: "Die flüchtige Menschenwürde" Christian Stahl (14.09.2014)
Quelle: http://www.carta.info/74193/die-fluechtige-menschenwuerde/


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[Grundrechte (Menschenrechte)... ]
« Reply #2 on: Januar 04, 2019, 01:35:56 nachm. »
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[...] Vor fast genau einem Monat wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 70 Jahre alt. „Alle Menschen sind frei und gleich geboren“, so beginnt dieser großartige Text, den 48 Staaten am 10. Dezember 1948 in Paris verabschiedeten und der zum ersten Mal in der Geschichte die unveräußerlichen, angeborenen Rechte aller Menschen auf der ganzen Erde in den Blick nahm, nicht nur die von Männern, von Sklavenbesitzern, von Weißen. Er war Ausdruck einer gemeinsamen Überzeugung, die die Grenzen von Religionszugehörigkeiten, Kulturen, Ethnien und Geschlechtern sprengte. Wie weltumspannend die Erklärung ist und bleibt – im deutschen Wort „allgemein“ kommt das viel weniger zum Ausdruck als im englischen oder französischen „universal“, „universelle“ –, wurde von Anfang an von interessierter Seite, den Mächtigen der Welt, infrage gestellt.

 Man redete und redet sie als rein westlich oder als liberales Programm herunter, als jedenfalls nur begrenzt begründbaren Wertekatalog. Der Vize-Chef des Deutschen Instituts für Menschenrechte hat dazu einen einfachen Lackmustest vorgeschlagen. Frauenaktivistinnen in Asien und Bauern in Afrika, so Manfred Windfuhr kürzlich im Tagesspiegel-Interview, würden die Erklärung von 1948 auch sicher „heute ohne jeden Abstrich unterschreiben“. Sie sind es schließlich, die wissen, was es heißt, als Frau nicht „frei und gleich“ wie ein Mann zu sein, oder mit Gewalt von einem Stück Land vertrieben zu werden, dessen Bestellung der eigenen Familie seit je das Überleben sicherte.

Speziell die Wirklichkeit afrikanischer Bauern können wir uns im reichen Norden der Welt leicht aus dem Gesichtsfeld halten – und müssen das auch, wenn wir uns nicht davon beschämen lassen wollen, dass Landgrabbing und Klimaflucht im Süden einiges mit dem Lebensstil und dem Rohstoffhunger unseres Nordens zu tun haben. Aber die Vorstellung, was passiert, wenn Menschenrechte verweigert werden, überzeugt womöglich wirklich besser von ihrer Notwendigkeit, als es die Erinnerung an ihre feierliche Proklamation in Paris vor 70 Jahren könnte. Im Jubiläumsjahr 2018 erschien auf deutsch der Roman der syrischen Schriftstellerin Dima Wannous, „Die Verängstigten“. Sein Thema ist genau das: die Wüste, die aus einer Gesellschaft wird, wenn die Rechte, die vor 70 Jahren in New York formuliert und in Paris verkündet wurden, fehlen oder ständig bedroht sind. Wenn alle Bürgerinnen und Bürger in unaufhörlicher Angst leben müssen, dass ein falsches Wort, die falsche Liebe einen das Leben kosten kann, oder, schlimmer noch, unmenschliche Qual zur Folge haben kann, die zwar das Leben belässt, aber die Person zerstört.

 Gegen die reine und grenzenlose Gewalt gibt es kein Mittel und keine Berufungsmöglichkeit, sie kann einen aus heiterstem Himmel treffen. Der Freund der Sprechstundenhilfe Laila wird nach einer Woche Folter wahnsinnig. Sein Verbrechen: Laila hat seinetwegen die Avancen eines anderen Mannes zurückgewiesen, der Sohn einer ranghöheren Regime-Charge ist. Der Vater der Ich-Erzählerin Sulaima, ein Arzt, geht daran zugrunde, dass er vor dem Massaker von Hama 1982 nach Damaskus floh, statt zu helfen. Seine Frau wirft ihm seinen angeblichen Verrat bis zuletzt vor, der gemeinsame Sohn „verschwindet“, und Mutter und Schwester beten für seinen Tod, weil sie wissen, dass Assads Schergen ihm Schlimmeres bereiten könnten. Sulaima ist schwer depressiv, Albträume suchen sie nachts heim, und sie braucht Medikamente gegen ihre Panikattacken. Selbst im Exil in Beirut kommt sie nicht zur Ruhe, das Gefühl, nie und nirgends sicher zu sein, ist Teil des Ichs.

Der Roman beschreibt drastisch, was Menschenrechte im Alltag jedes Menschen bedeuten, welche Ungeheuerlichkeiten folgen, wo es sie nicht gibt. Es ist nicht der erste. Die deutsche Schriftstellerin Herta Müller bekam vor zehn Jahren den Nobelpreis, weil sie dem Leben und Leiden unter der Diktatur – in ihrem Fall die rumänische Ceausescus – Sprache gab. Aber es lohnt sich, immer wieder solche Bücher zu lesen, um zu verstehen, dass Menschenrechte keine Schönwetterveranstaltung realitätsferner Utopisten sind, die man, wenn’s hart auf hart kommt, eben mal beiseiteschieben muss. Hart auf hart kommt es eben, wenn dies geschieht.

Oder wie die Mütter und Väter der Erklärung von 1948 formulierten: Wem diese Rechte vorenthalten werden, hat nur noch die Gewalt als letztes Mittel. ...


Aus: "Freiheit und Gleichheit sind kein Luxus" Andrea Dernbach (04.01.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/meinung/menschenrechte-freiheit-und-gleichheit-sind-kein-luxus/23825756.html

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[Grundrechte (Menschenrechte)... ]
« Reply #3 on: Januar 04, 2019, 01:41:41 nachm. »
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   Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.11.2004
Iris Radisch vermag nicht zu entscheiden, ob diese "Detektivgeschichte" ihrem Titel wirklich gerecht wird. Es ist die etwas komplizierte Geschichte eines südamerikanischen Folterknechts, der nach einem Regimewechsel selbst im Gefängnis sitzt und seine Gräueltaten "in Ordnung" findet. Eine moralische Parabel hat Imre Kertesz mit dieser bereits 1976 entstandenen Erzählung abgeliefert, die an die "uralte Geschichte von der Verletzlichkeit des Recht" eindringlich erinnert und die sich heute wie ein "konzentriertes Lehrstück über die Selbstverständlichkeit und Alltäglichkeit des Amoralismus" liest, schreibt die nicht gerade überschwängliche, aber respektvolle Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.11.2004
Imre Kertesz' "Detektivgeschichte", die nun erstmals auf Deutsch vorliegt, entstand 1976 innerhalb von zwei Wochen, berichtet Ina Hartwig amüsiert, da der Autor das sozialistische Plansoll erfüllen musste, damit eine andere - zu kurz geratene - Geschichte publiziert werden konnte. Was Kertesz dann aus dem Ärmel schüttelte, ist keine klassische "Detektivgeschichte", so Hartwig, sondern eine Parabel auf einen Diktaturstaat, angesiedelt in einem imaginären lateinamerikanischen Land. Das Erstaunliche hierbei sei, formuliert Hartwig ihr Erstaunen, dass Kertesz die Opferperspektive verlasse und sich auf die Täterseite begebe. "Ein philosophisches Schelmenstück" schreibt die Rezensentin, wie er sich in die Folterer einzudenken und einzufühlen wage. Literarisch meistert Kertesz die Situation, indem er ein Tagebuch eines der Folterer auftauchen lässt, das wiederum mit Tagebuchausschnitten eines seiner Opfer kontrastiert wird. Die Logik der Folterer, der man mit Hilfe dieser Technik auf die Spur zu kommen glaubt, so Hartwig, sei eine "der Rationalität entgegengesetzte Logik". Die Welt der Diktatur, wie Kertesz sie beschreibe, basiere ausschließlich auf Furcht und Schuld; Unschuld sei keine existente Kategorie, weshalb eine Diktatur alles daran setzen würde, den Unschuldigen zum Schuldigen zu machen, filtert Hartwig als Essenz aus dieser keineswegs harmlosen "Detektivgeschichte".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.12.2004
"Kein noch so hart gesottener, originärer Krimi ist schauerlicher als diese 'Detektivgeschichte'", schreibt Gerrit Bartels. Ein früherer Folterknecht eines lateinamerikanischen Regimes sitzt im Gefängnis und versucht sich zu erklären, wie er zum Täter wurde. Das Buch gibt die Antwort: Es ist die Logik des Bösen und der Macht, die den Menschen verwickelt und schuldig werden lässt. Und ist er einmal so weit, dann greift das "Verhängnis" und versperrt der Weg zurück. "Souverän, nüchtern und auf knappstem Raum erzählt Imre Kertesz", urteilt Bartels und vergisst nicht zu erwähnen, dass der kleine Text eigentlich nur auf die Schnelle entstanden ist, um die Veröffentlichung eines Buches voranzutreiben.


Zu: Imre Kertesz
Detektivgeschichte
Cover: Detektivgeschichte
Rowohlt Verlag, Reinbek 2004
ISBN 9783498035259
Gebunden, 138 Seiten

Quelle: https://www.perlentaucher.de/buch/imre-kertesz/detektivgeschichte.html