Author Topic: [Vaterkonflikt... ]  (Read 17060 times)

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[Vaterkonflikt... ]
« Reply #30 on: July 31, 2018, 04:30:20 PM »
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[...] Es ist eine Geschichte, wie die bunten Blätter sie lieben – und erst recht deren Leser. Ein Unternehmer und Patriarch, Mitglied der Hamburger High Society, überwirft sich mit seinem Sohn und Erben – und beschließt, für Ersatz zu sorgen. Per Adoption. Allein dieser Plot wäre schon aufsehenerregend. Dass aber der ungnädige Vater der Chef der deutschen Kaffeerösterdynastie Darboven ist und der ausersehene Ersatzerbe der Spross der direkten Konkurrenz Jacobs aus Bremen: Das katapultiert den Stoff in den Rang einer Affäre. Und wer die Hamburger Kaufleute kennt, ahnt bereits: Der Skandal ist nicht weit. Ausgerechnet zum Hamburger Galopp-Derby Anfang Juli, einem Muss-Rendezvous der Reichen und Schönen, wurde der Plan von Albert Darboven (82) publik. Und zwischen Hüten und Hummer hechelten die Hanseaten das Haarsträubende durch. Der Zeitpunkt war umso pikanter, als J. J. Darboven mit seiner Traditionsmarke Idee Kaffee Hauptsponsor des Pferdeevents war und der Patriarch höchstpersönlich auf der Galopprennbahn die Honneurs machte und entgegennahm [bildungssprachlich, veraltet: bei einer Veranstaltung die Gäste begrüßen]. Auf Erkundigungen in der Familiensache reagierte er ungnädig: "Kein Thema."

Dabei war Albert Darboven natürlich klar, dass die Derby-Gesellschaft selbst den mit einer Idee-Kaffee-Decke geschmückten Sieger "Weltstar" nicht halb so spannend fand wie den Bruch zwischen ihm und seinem Sohn Arthur Ernesto (54). Von dessen Mutter Inés Alicia de Sola Oppenheimer, Tochter eines Kaffeebarons aus El Salvador, ließ Darboven sich nach zwölf Jahren Ehe 1973 scheiden. Er heiratete daraufhin im selben Jahr Edda, Prinzessin von Anhalt-Dessau. Gemeinsam mit ihr bestätigte er am Nach-Derby-Montag den Klatsch – per Pressemitteilung. "Meine Frau und ich", heißt es darin, "wünschen uns, Herrn Dr. Jacobs auch ganz offiziell in unsere Familie aufzunehmen." Und weiter: "Wir wünschen uns, dass er unser Lebenswerk in allen Bereichen fortsetzt." Die öffentliche Bestätigung der Darboven-Idee hat Sohn Arthur Ernesto zumindest indirekt erzwungen – gemeinsam mit seinen Cousins Arndt und Behrendt Darboven und deren Mutter Helga. Die vier veröffentlichten am Derby-Wochenende einen offenen Brief, in dem sie vor einem "Bruch mit den Werten des Unternehmens und der Familie" warnen – und weiter schreiben: "Es ist für uns überhaupt nicht nachvollziehbar, dass Albert Darboven, unser Vater beziehungsweise Onkel, die Führung des Familienunternehmens an Dr. Andreas Jacobs übertragen will."

Die Jacobs-Familie hat ihr Unternehmen in der Hamburger Konkurrenz-Hansestadt Bremen zunächst 1982 durch eine Fusion mit der Schweizer Interfood AG erweitert. Acht Jahre später wurde das Unternehmen als Jacobs Suchard an den US-Konzern Kraft Foods verkauft. Andreas Jacobs (54) leitete danach bis 2015 die Holding der Familie, die mit einem Milliardenvermögen zu den reichsten Deutschen gezählt wird. Inzwischen nennt er sich Investor und lebt in Hamburg. Aber nicht nur räumlich sind sich Darboven senior und sein Wunschsohn Jacobs sehr nahe. Sie teilen auch ihre Leidenschaft für schnelle Pferde. Darboven besitzt das Gestüt Idee und war selbst jahrzehntelang als Polospieler aktiv.

Sohn Arthur, seine Vettern und deren Mutter, denen zusammen 42,5 Prozent des Unternehmens gehören, halten die Hippophilie für keine ausreichende Qualifikation. Den Verkauf von Jacobs-Kaffee wenden sie gegen den Konkurrenten ums Erbe. "Uns Darbovens liegt der Kaffee im Blut", schreiben sie, "was wir bei Dr. Jacobs bezweifeln müssen." Zudem hätten die Firmen Darboven und Jacobs sich schon vor Gericht treffen müssen. So weit ist es zwischen Darboven senior und junior bislang nicht gekommen. Sie trennten sich, zunächst geschäftlich, 2008, nach Streitigkeiten über die Unternehmensstrategie. Konkreter Anlass war der "Coffee Erotic", den Arthur Ernesto ins Sortiment aufnehmen wollte. Vater Albert fand das indiskutabel.

Ein spannender Aspekt am Rande ist zweifelsohne, wie Albert zum vierten Chef der Dynastie Darboven wurde: Sein kinderloser Großonkel Arthur Darboven beschied 1948 den zwölfjährigen Albert Hopusch aus Darmstadt: "Du wirst einmal mein Nachfolger." Und – adoptierte ihn.

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immer STANDFEST

Der NEG Virus
Hier wütet der NEG Virus = Neid,Eifersucht,Gier!

Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und deren Familien sieht anders aus!
Passiert übrigens auch im Kleinen, ist der Nachteil von Familienunternehmen.


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alt-heli .

So hat jeder seine Sorgen.... ;-)


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Anonüm

Aber Ernesto, du hast gar kein Vermögen?
Nein, und ich heiße auch nicht Ernesto sondern Harald!


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Meister Sepp

Liest sich wie eine ganz schlechte Seifenoper


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DieNachtkerze

Philip Morris
Jacobs hat nicht an Kraft Foods verkauft. Das Unternehmen gab es damals noch gar nicht. Jacobs hat, um seine Geschwister auszahlen zu können, damals an Philip Morris verkauft, einen Zigaretten-Konzern. Später wurde die Nahrungsmittelsparte, auch aufgrund der Tabak-Prozessdrohungen in den USA, abgespalten und Kraft Foods gegründet. Dieses Unternehmen wurde später wiederum in Kraft Foods Group und Mondelez geteilt. Kraft Foods Group kurz danach von Heinz übernommen (jetzt Kraft-Heinz).


...


Aus: "Der Kaffeekrieg der Söhne" Cornelie Barthelme (31. Juli 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000084422535/Der-Kaffeekrieg-der-Soehne

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[Vaterkonflikt... ]
« Reply #31 on: December 29, 2018, 03:05:38 PM »
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[...] Nach dem frühen Tod Ihrer Mutter sind Sie als 14-Jähriger in den Kibbuz eingetreten, um Traktorfahrer zu werden. Haben Sie sich selbst überrascht, als Sie erkannten, dass es dennoch unmöglich war, mit der bildungsbürgerlichen und intellektuellen Tradition Ihrer Familie zu brechen?

Amos Oz: Diese Frage bringt uns abermals auf die Problematik von Treue und Verrat. Als ich im Alter von vierzehn Jahren meinen Nachnamen von Klausner zu Oz änderte und gegen die Welt meines Vaters rebellierte, habe ich in voller Absicht Verrat an den Klausners geübt. Mir war damals nicht klar, dass sich unter diesem Verrat eine tiefere Art der Loyalität verbarg, und es brauchte Jahre, bevor ich mir dessen bewusst wurde. Heute lebe ich in einem Zimmer voller Bücher und schreibe selbst sogar noch weitere Bücher, tue also ganz genau das, was sich mein Vater immer von mir erhoffte hatte. ...


Aus: "„Ich bin Mitglied im Club der Verräter“" Thomas David (07.03.2015)
Quelle: https://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article138155396/Ich-bin-Mitglied-im-Club-der-Verraeter.html

Amos Oz (Amos Klausner am 4. Mai 1939 in Jerusalem; gestorben am 28. Dezember 2018 in Tel-Aviv)
https://de.wikipedia.org/wiki/Amos_Oz

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[Vaterkonflikt... ]
« Reply #32 on: February 23, 2019, 10:23:20 AM »
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[...] »Freiheit ist, was du mit dem machst, was man mit dir getan hat«, schrieb Sartre. Der Satz hängt über meiner Eingangstür. Mein Vater, der KFZ-Mechaniker, las nie Sartre. ... Autoritäre Väter reagieren auf die Autonomie ihrer Töchter mit panischer Angst vor der übertragenen »Entmannung«. Mein »Aufstand« versetzte meinen Vater in solche Aufregung, dass er nach 20 Jahren zum ersten Mal meine Mutter anrief. Sie nahm nicht ab. ...


Aus: "Die Lügen meines Vaters oder: Freiheit ist ein Inside-Job" Mira Sigel ( 4. Februar 2019)
Quelle: https://diestoerenfriedas.de/die-luegen-meines-vaters-oder-freiheit-ist-ein-inside-job/