Author Topic: [Spurensuche zur Demokratie... ]  (Read 21365 times)

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[Spurensuche zur Demokratie... ]
« Reply #75 on: November 09, 2019, 06:12:18 PM »
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[...] Demokratie braucht Demokraten, sonst stirbt sie von innen.


Aus: "Politikverdruss: Wir tragen alle Mitschuld" Juli Zeh (9. November 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-11/politikverdruss-juli-zeh-heinrich-boell-demokratie-intellektuelle/komplettansicht

https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-11/politikverdruss-juli-zeh-heinrich-boell-demokratie-intellektuelle/komplettansicht#comments

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Kaffeebauer #4

Die sogenannte Mitte ist zur Beliebigkeit verkommen. Für eine sich immer mehr spaltende Gesellschaft ist kein Platz für eine beliebige Mitte. Der point of no return dieser Spaltung wurde mit der Glorifizierung der Globalisierung eingeleitet und nimmt seinen Lauf.


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Objektivar #4.1

Jaja, die böse Globalisierung. Wahrscheinlich ist die auch Schuld, wenn Sie sich einen Fingernagel einreißen.


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LaberRhabarber2 #4.2

Die Globalisierung ist erst mal eine Tatsache. Nur wurde sie vereinnahmt von einigen wenigen. Jetzt steht sie für Öl, Dollar, Finanzkapitalismus und Großkonzerne die sich an keinerlei Gesetze halten.


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Le état ce est rien #4.5

Lassen Sie Ihm doch sein linkes kleinkariertes Denken. Man merkt, dass die Linken in Bezug auf Globalisierung genauso überfordert zu sein wie die extreme Rechte. Einfaches Feindbild... schlichtes Leben. [Nichts wird jedem nutzen, es wird immer Gewinner und Verlierer geben, alles andere ist populistisches Geschwätz.]


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Think Tank #3.4

Frau Zeh ist Teil des Problems und merkt es nicht mal, denn sie argumentiert ebenso apolitisch, wie sie es ihren Kollegen vorwirft:

"Wir tragen alle Mitschuld"

ist selbst kein politischer Standpunkt, man kann Politik aber nur mit konkreten Inhalten gestalten.

Wofür steht Frau Zeh denn?

Wie hält sie es mit Niedriglöhnen, Privatisierung und Altersarmut?

Oder dem neuen alten Militarismus der Union?

Der neoliberalen Globalisierung mit all ihren Zumutungen?

Wo sind denn die Intellektuellen,die das zum Thema machen?

Faktisch hat sich doch vor allem der öffentliche politische Diskurs entpolitisiert, aus einem demokratischen Wettbewerb, in dem unterschiedliche politische Konzepte um Mehrheiten kämpfen, ist eine trübe und alternativlose Suppe gemacht geworden (auch asymetrische Demobilisierung genannt), deren Ziel letztlich die Diskursvermeidung ist.

Und warum?

Weil wir von neoliberalen Globalisierern regiert werden, die eben NICHT die großen Probleme unserer Zeit - Kapitalismus und Militarismus - lösen wollen, sondern vielmehr an deren radikaler Umsetzung und Unumkehrbarkeit arbeiten.

Das kann jeder sehen, aber im öffentlichen Diskurs kommt der marktradikale Umbau unseres Landes und letztlich der ganzen Welt einfach nicht vor.

Er wird totgeschwiegen und weggelächelt und das vergiftet das öffentliche Klima!

Und die Medien?

Die kritisieren mittlerweile lieber das Volk, als sich mit Staat und Macht und Geld anzulegen.

Da darf man sich über ein zorniges Volk nicht wundern.


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Runkelstoss #9

Sehr geehrte Frau Zeh,
gute Rede, alles richtig beobachtet und zutreffend kritisiert. Danke dafür.
Leider gibt es ein dickes, fettes Loch.
Warum? Warum ist 'plötzlich' Politikverfachtung cool warum wenden sich Menschen ab und sind mindestens gelangweilt oder sogar genervt.

Könnte es möglicherweise doch irgendwie an dem kollektiven Verlust von Utopiefähigkeit liegen.
Wozu brauchen wir Utopiefähigkeit wenn es Wirtschaftsprognosen gibt, das muss reichen.


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nomadas #12

Die Mitte, die berühmt-berüchtigte Mitte, wo alles Politische sein sollen musste. Die Gaus`sche Glocke, aha! In dieser heiligen, politischen Mitte ging z.B. die SPD unter, geopfert, auf dem Altar der Alphatiere! Die Mitte hat am meinsten Angst, Verlustangst. Die Lunte brennt.


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Ohne Hintergedanken #13

... Und genau das fehlt in Deutschland: Begeisterung!


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London_Eye #14

Danke für den Text, ich habe ihn mit viel Gewinn gelesen - auch wenn die dargestellte Entwicklung sehr bedenklich ist. Ich habe in einem anderen Kontext die Figur des 'ich bin so lässig, ich steh da drüber, über die Politik kann man sich ruhig lustig machen' erlebt, von Leuten, die das mit einer aufklärerischen Haltung verbinden - wobei ich es mir eher unreflektiert selbstherrlich erscheint. Ich hätte aber nicht gedacht, dass dies auch im Literaturbetrieb so weit verbreitet ist.


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k.g.meister #19

Nein, die Bedrohung der Demokratie geht eben nicht von der Mitte aus. Diese 'Mitte', der ich mich noch zurechnen würde wenn nach Abzug aller Zwangsabgaben noch etwas von meinem Lohn überbleiben würde was mich für eine 'Mitte' qualifizieren würde, hat einfach nur die Schnauze voll davon, sich von einer immer linker werdenden Politik das Leben in diesem Lande ruinieren zu lassen.
Die 'Mitte' macht in diesem Land Das, was sie immer getan hat: Arbeiten und Steuern zahlen.
Nur das dadurch in den letzten Jahren zunehmend lediglich die feuchten Träume von Multikulturalisten und Klimahysterikern befriedigt werden, und bei den Leuten die versuchen sich etwas aufzubauen Nichts mehr ankommt oder hängen bleibt.
Schauen Sie sich an wie viel von meinem Geld dieser Staat für Sozialleistungen aufbringen muß für Menschen, die ich nicht mal hier haben möchte, geschweige denn denen ich ein lebenslanges leistungsfreies Einkommen finanzieren darf.
Das ist das Problem, und nicht Bürger die alle 4 Jahre nach Meinung der Linken das Kreuz bei der falschen Partei machen.


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Oakman #19.1

Tut mir leid es Ihnen sagen zu müssen, aber wer von "Klimahysterikern" und "Mulikulturalisten" phantasiert, ist leider nicht Mitte, sondern Rechter Rand. Ist nicht verboten, man sollte nur dazu stehen, dass man sich vom moralischen Fundaments Deutschlands verabschiedet hat.


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Gen X #19.2

Naja, wenn man den Klimawandel als Ende der Welt darstellt, wie ich es letzthin im Radio gehört habe, dann ist das Klimahysterie. Es werden sicherlich Verwerfungen geben und Gebiete unbewohnbar oder absaufen, aber andere Gebiete werden profitieren. Möglicherweise ist es auch einfach das Fieber der Erde um den Parasiten Mensch in seiner Anzahl zu dezimieren. Insofern Ende unserer Zivilisation möglicherweise, das Ende der Welt bringt der Klimawandel definitiv nicht.
Und wer kein Bock hat dass sich alle Herren Länder unkontrolliert in diesem Land aufhalten, ist deswegen noch kein Rechter.
Lieber Oakman, ich frage mich, ob Sie Ihre Haus-/Wohnungstür 24/7/365 offen stehen lassen und jeden tolerieren, der es auf Ihrem Sofa bequem macht und Ihren Kühlschrank leer isst. Falls nicht, dann sollten Sie sich mal fragen, ob Sie noch auf dem moralischen Fundament Deutschlands stehen.


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Oakman #19.3

So, so "Die Asylanten essen also ihren Kühlschrank leer". Ich werde dieses geistige Kräftemessen an dieser Stelle beenden, die Ritterlichkeit verbietet schließlich den Kampf gegen Unbewaffnete.


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Jürgensch #23

Ich denke eher, die Bedrohung der Demokratie geht überwiegend von den Politikern aus, die der finanzkräftigen Lobby hörig ist.  ...



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[Spurensuche zur Demokratie... ]
« Reply #76 on: December 03, 2019, 09:46:30 AM »
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[...] Für besondere Empörung sorgte im Jahr 2000, dass der hessische CDU-Funktionär Sayn-Wittgenstein behauptete, die illegalen Einnahmen stammten aus "Vermächtnissen jüdischer Emigranten". Der Versuch, das aus kriminellen Machenschaften stammende Geld ausgerechnet mit der Aura von Opfern des Nationalsozialismus zu verklären, war an moralischer Verkommenheit kaum noch zu überbieten. Er bildete den Höhepunkt der Skrupellosigkeit, die dieser Landesverband der Union gerne an den Tag legte - beispielsweise auch im Zuge der Kampagne gegen die von Rot-Grün geplante Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft während des Landtagswahlkampfs 1999 unter Roland Koch. Dessen Ankündigung einer "brutalstmöglichen Aufklärung" aller Schwarzgeld-Vorgänge, von denen er selbstverständlich keinerlei Ahnung gehabt habe, gehört seither zum ironischen Zitatenschatz der deutschen politischen Kultur. Und sie wurde selbstverständlich nie eingelöst.

... Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch von Karl-Heinz Ebert: "Die Beichte meines Vaters über die Herkunft des Bimbes. Die schwarzen Kassen der CDU", 160 Seiten, Westend Verlag. Karl-Heinz Ebert erzählt von der Beichte seines Vaters Karl-Anton Ebert, der als Buchhalter an entscheidender Stelle verwickelt war, und von den Ergebnissen seiner eigenen Recherchen. Die lassen tief in ein weit verzweigtes System schwarzer Kassen bei Deutschlands größter Volkspartei blicken und enthüllen einen atemberaubenden Coup aus der Frühphase der Bundesrepublik Ende der 1950er-Jahre.


Aus: "Geld ist Macht - die schwarzen Kassen der CDU" Karl-Heinz Ebert (02.12.2019)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Geld-ist-Macht-die-schwarzen-Kassen-der-CDU-4600185.html

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     derauserwaehlte, 02.12.2019 13:47

Läuft heutzutage über "Sponsoring"

Kein Bargeld, keine Übergabe in der Schweiz, einfach über "Sponsoring". Besonders intensiv läuft diese Masche, na bei wem wohl, richtig: CSU. Von wem wohl? Richtig Quandt/BMW und Konsorten. Und das Beste: Steuerlich voll absetzbar!

https://lobbypedia.de/wiki/Parteisponsoring

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (02.12.2019 13:50).


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     Hat se nicht alle, 02.12.2019 13:45

Soviel zur Inkompatibilität von Kapitalismus und Demokratie
Solange Geld der Götze unserer Gesellschaft ist hat die Macht des Geldes unendliche Möglichkeiten die demokratischen Prozesse zu unterwandern und zu korrumpieren.
In den USA ist man da schon einen Schritt weiter. Wer da nicht Zugriff auf hunderte von Millionen für den Wahlkampf hat, der kann am "demokratischen Prozess" gar nicht erst teilnehmen.


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