Author Topic: [Porn Studies... (affektive Involvierung)]  (Read 12950 times)

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[Porn Studies... (affektive Involvierung)]
« Reply #15 on: November 14, 2018, 01:16:37 PM »
Quote
[...] Ich gucke Pornos, seit ich elf oder zwölf Jahre alt war. Lange dachte ich – oder redete mir ein –, die starken Schuldgefühle, die ich dabei empfand, rührten vor allem daher, dass ich die Altersschranke wegklickte, obwohl ich längst nicht volljährig war. Auch die Attraktivität der Sache schob ich zumindest in Teilen darauf. Doch es hörte natürlich nicht auf, als ich 18 geworden war. Legal ist es zwar längst, dass ich mir das angucke – aber ist es auch in Ordnung?

Die erste Hausarbeit im Studium habe ich über feministische Sichtweisen auf Pornografie geschrieben. Dieser Versuch, das Schuldgefühl zu rationalisieren, wurde zwar gut benotet, meine Beschäftigung mit dem Thema nahm damit allerdings kein Ende. Alle paar Monate ändere ich meine politische Meinung zu der Angelegenheit. Entweder: Ist doch okay, wenn alles einvernehmlich ist. Oder: Es gibt keine Freiheit im Patriarchat, alles andere ist Selbstbetrug. Inzwischen tendiere ich langfristig zu letzterer Position.

Allein, meinem Konsum hat das keinen Abbruch getan. Inzwischen habe ich gelernt, was ich will: Frauenkörper, Penisform, Setting, Stellungen, Praktiken. Sogar einige Namen von Darstellerinnen, die mir besonders gefallen, weiß ich inzwischen. Ich fühle mich zwar nicht mehr ekelig und schmutzig danach, aber Zweifel bleiben. Wie sehr prägten Pornos meine Fantasien, mein Frauenbild, kurz: meine Sexualität? Dabei entsteht ein unschöner Verdacht: Ist meine Lust frauenverachtend? Anders als die Verwendung des N-Wortes kann man so etwas ja nicht einfach ablegen. Also was tun?

Im Prinzip gucken alle Männer Pornos, auch viele Frauen. Dass in einem bürgerlichen Umfeld nicht dazu angeregt wird, über den Konsum von Pornografie und somit auch über seine Fantasien zu sprechen, mag ja normal sein. Aber warum kann in einem linken Umfeld kaum jemand darüber sprechen? Man geht dann womöglich zu feministischen Pornofilmfestivals, die alles besser machen wollen. Aber Hand aufs Herz: Wer steht wirklich auf diese Filme? Ich vermute, sehr wenige.

Diese Fragen mögen offensichtlich klingen. Aber sie haben eben keine offensichtlichen Antworten. Es ist schier unmöglich, Studien zum Verhältnis von Pornografie, Lust und Sexualität durchzuführen, da keine Kontrollgruppen zusammengestellt werden können. Wäre es sinnvoll, in einer Art kollektiv-therapeutischem Induktionsvorgang zu versuchen, Antworten zu entwickeln? Bin ich der Einzige hier, der sich solche Fragen stellt?



Aus: "Keine Freiheit im Patriarchat" Leander Badura (14.11.2018)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/keine-freiheit-im-patriarchat

Quote
denkzone8

ein outing das heute so brenzlig ist
wie früher das eingeständnis der selbst-befriedigung/-befleckung.
rohe, echte geil-heit ist: nicht gesellschafts-fähig,
auch wenn sie kommerziell ausgebeutet wird.

ist ein politiker denkbar, der öffentlich macht: "ich bin ein gewohnheits-mäßiger bordell-gänger.
und das ist auch gut so." ?

warum aber ist im partiarchat/der männer-herrschaft die offen-gestellte männliche geil-heit verpönt/tabuisiert?
wie in spitzen-küchen die verwendung von brüh-würfeln?
der makel liegt in der (kampf-losen) kapitulation, dem zugeständnis der un-beantworteten bedürftigkeit.
zu signalisieren: ich bin unten, ich bin auf milde gaben angewiesen: ist nicht manns-genug im patriarchat.

oda?


...

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[Porn Studies... (affektive Involvierung)]
« Reply #16 on: December 08, 2018, 01:41:08 PM »
Quote
[...] Ob Frau oder Mann - die Pornopower hinterlässt ihnen einen gigantischen seelischen Scherbenhaufen und die hypersexualisierte Moderne nichts als nackte Leere.


Aus: "Die Pornografisierung als globale Waffe" Wolf Reiser (08. Dezember 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Die-Pornografisierung-als-globale-Waffe-4239828.html

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« Reply #17 on: January 20, 2019, 05:01:56 PM »
Quote
[...] Alle schauen Pornos. Okay, nicht alle, aber viele. Obwohl die meisten Pornos immer noch von Männern gesehen werden, gibt es gerade unter jüngeren Frauen immer mehr, die auch welche konsumieren. Laut einer Studie, die Porn Hub 2018 veröffentlichte, zählt die Seite in Deutschland mittlerweile 24 Prozent Nutzerinnen, drei Prozent mehr als noch im letzten Jahr.

Die meisten Männer, die ich kenne, finden Frauen, die über Pornos reden, irgendwie "cool". Frauen, die keine Pornos schauen beziehungsweise nicht darüber reden wollen, werden zur gleichen Zeit noch und immer wieder als verklemmte Alte abgestempelt, die insgeheim keine Lust auf Sex haben. In offener Solidaritätsbekundung zu allen Frauen, die keine Pornos schauen oder nicht darüber reden wollen, rede ich jetzt über Pornos. Weil in unserem Verhältnis zu ihnen etwas ausgetragen wird, das uns alle angeht.

Und ja, es wird jetzt explizit. Weil das die Sprache dieser Bilder ist, denen die meisten von uns sich regelmäßig aussetzen. Und ja, es wird auch pornografisch. Nicht zuletzt, weil es eine Frau ist, die spricht. Wenn Philip Roth in Portnoys Beschwerden auf 20 Seiten über sein Masturbationsfrühlingserwachen schreibt, ist das lustig oder radikal. Wenn ich es tue, mache ich mich darin zum Objekt der Fantasien des Lesers. Sich dem zu entziehen, ist unmöglich: Ins Klinisch-Distanzierte zu verfallen, wäre genauso eine Anpassung an diese Erwartung, wie in die Vollen zu gehen. Die Sprache, in der wir uns selbst neu schreiben können, muss erst noch erfunden werden. Vorerst ist es diese.

Ich sehe Pornos ungefähr seit dem Zeitpunkt, als meine Eltern mir mit zwölf einen Computer mit DSL-Anschluss ins Zimmer gestellt haben. Seitdem bewegen sich meine Präferenzen innerhalb einer relativ engen Bandbreite aus heterosexuellem Hardcore. Einer meiner Lieblingspornos ist der, in dem Rocco Siffredi eine Frau an den Haaren in eine Toilettenschüssel drückt, nachdem er sie sechs Minuten lang von hinten gevögelt hat, um anschließend in ihr mit Mascara verschmiertes Gesicht zu kommen. Ich kann nicht sagen, dass ich mich dafür schäme, dass mich diese Szenen anmachen. Vielleicht finde ich es sogar selber ein bisschen cool. Trotzdem stellt sich jedes Mal, nachdem ich gekommen bin, ein dumpf-widerliches Gefühl ein, das mich dazu bringt, sofort panisch alle Tabs zu schließen.

Vielleicht, weil es tatsächlich eine ziemlich offensichtliche Diskrepanz zu dem gibt, was ich mir abseits meiner Befriedigungsaktivitäten sonst gerne so anschaue. Jedenfalls nicht Frauen, die von orangegebrannten Stiernacken mit Schaum vorm Mund in Grund und Boden gerammelt werden. Ich frage mich also, was diese Filme, die ich mir seit 15 Jahren mindestens zweimal die Woche reinziehe, mit mir tun, warum ich mir gerade die reinziehe, ob es anderen Frauen auch so geht, und was unsere Beziehung zu diesen Bildern über das aussagt, was küchenpsychologische Editorials, Hohepriester und Gynäkologen seit 4.000 vor Christus versuchen zu begreifen: weiblichen Sex.

Ich entscheide mich für eine kleine Feldstudie – und starte mit Selbstbeobachtung. Das Setting versuche ich, möglichst originalgetreu zu reinszenieren: Vorhänge zu, aufs Bett, Kissen hinterm Rücken, Laptop neben mich, Hände frei. Die Pornos, die ich mir anschaue, gehören zu den beliebtesten klassischen Formaten weltweit. Die erwähnten Rocco-Siffredi-Sachen, Casting Couch, POV, also Point-of-View-Shot-Filme, bei denen der Mann eine GoPro auf dem Kopf hat oder selber die Kamera führt. Und die, in denen ein Mann fickt und ein anderer die Kamera hält.

Ergebnis der vorläufigen Analyse: Die Pornos, die ich sehe, haben alle etwas gemeinsam. Der männliche Blick, der in der feministischen Theorie und auch abseits davon mittlerweile berühmt-berüchtigte "Male Gaze", wird durchexerziert von vorne bis hinten. Die Kamera, das Set und der Darsteller gehen bei allen Filmen meiner Auswahl eine Komplizenschaft miteinander ein. Die Frau kommt von außen dazu, in den Casting-Couch-Sequenzen etwa als vermeintliche Amateurin, die als einzige im Raum nicht weiß, wie heftig es gleich zur Sache gehen wird, während sie noch harmlose Fragen nach ihrem Boyfriend und ihren Haustieren beantwortet. Sie ist das Ding, auf das sich die Aufmerksamkeit und die Action in der Folge richtet.

Durch die den Bildern eingeschriebene Perspektive, durch das besagte Blick- beziehungsweise Ficktriumvirat, wird man als Zuschauerin automatisch Teil dieser Komplizenschaft. Bei den POV-Filmen, die die Frau in gewisser Weise aus Ego-Shooter-Perspektive vorführen, passiert das sogar noch deutlicher.

Ich drücke auf Pause und rufe ein paar heterosexuelle Männer an. Ich will wissen, wie die das sehen, was genau sie daran anmacht, schließlich sind sie ja das Hauptzielpublikum. Ergebnis der Umfrage: Für die meisten Männer, mit denen ich gesprochen habe, ist es ziemlich eindimensional. Heruntergebrochen: Sie wollen halt die Darstellerin im Bild so ficken, wie der Mann sie da gerade fickt. Er ist ihr Stellvertreter.

Ich frage mich, was das für mich als Frau bedeutet, die die gleichen Filme sieht. Wer fickt denn hier für mich?

Die weibliche Darstellerin jedenfalls nicht. Ich stelle mir zu keinem Zeitpunkt vor, so gevögelt zu werden wie die Frau in den Bildern. Das wäre zwar der logische Folgeschluss, ist aber überhaupt nicht so. Es muss um irgendetwas anderes gehen. Doch auch der männliche Darsteller ist für mich absolut uninteressant. Wie groß sein Penis ist, ob der Mann schwabblige Oberarme oder schiefe Zähne hat, durchtrainiert, alt, jung, rasiert oder haarig ist, total egal. Er muss nur wollen, das ist irgendwie das Wichtigste, stelle ich fest. Man muss dem Kerl ansehen, dass er ganz schrecklich große Lust auf die Frau hat, so sehr, dass er gar nicht anders kann, als über sie herzufallen. Je härter er dann an ihr herumzerrt, desto sichtbarer wird das, inklusive der Übersteuerungen, wie zum Beispiel bei der Toilettenschüsselsache. 

Das passiert in meiner Wahrnehmung aber eher im Hintergrund. Ich schaue fast die ganze Zeit die Frau an. Ihren Körper, ihre Nacktheit, ihre Entblößung, ihre Scham. Der Moment, in dem etwas vermeintlich Echtes bei ihr durchbricht, macht mich viel mehr an als der Typ, seine Physiognomie oder sein Gesichtsausdruck, den man ohnehin fast nie sieht. Die Frau ist also auch für mich in jedem Fall viel mehr Objekt, sogar und gerade in den Momenten, in denen die Sichtbarkeit von Schmerz, Hingabe und Ausgeliefertsein die Performance sprengt. Sie wird für mich in dieser Konstellation, auch durch die Logik des Bildaufbaus und des Plots, auf eine verschobene Art zum Anderen, auf das ich schaue. Daran ist irgendetwas ziemlich schizophren, zumal ich im echten Leben eher nicht auf Frauen stehe.

Ich frage mich, ob mein Erleben sich mit dem anderer Frauen deckt. Ich mache also weiter mit der Masturbationstelefonie und rufe hintereinander neunzehn Frauen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und Lebenssituation an, die ich kenne und von denen ich weiß, dass sie hin und wieder oder regelmäßig Pornos sehen. Ich hänge bis nachts um vier an der Strippe, am Ende habe ich eineinhalb Schachteln Zigaretten geraucht und eine Reihe notgedrungener Herrengedecke intus. Das Ergebnis ist für mich ziemlich überwältigend: Ihr Zugriff ist in einigen Punkten komplett anders als meiner. Im Gegensatz zu den Männern, bei denen im Großen und Ganzen Übereinstimmung herrschte, hat hier jede einzelne einen radikal eigenen Modus, mit den Bildern umzugehen.

Während mir eine Frau erzählt, dass sie die echten Menschen gar nicht richtig sehen will und deshalb immer nur zu den Close-Ups der Geschlechtsteile spult, erzählt mir eine andere, dass sie das Gefühl habe, das Ganze aus einer Art auktorialen Perspektive zu sehen, "wie Gott oder so". Die nächste sagt, sie möge es vor allem, zuzusehen, wie die Darstellerin "durchhält", sie sehe sich deshalb vor allem die Gesichter der Frauen an, wie sie sich zu schwitzigen Grimassen verziehen. Eine andere machen vor allem die Momente "überraschender Nacktheit" von Frauenkörpern an, in denen sie etwas Humoristisches liest. Die meisten sagen, dass sie die Blowjobszenen überspringen. Die homosexuellen Frauen, die ich befrage, schauen zum Teil heterosexuelle Pornos, mit der Begründung, es ginge ja vor allem um die Frau als begehrtes Objekt, logisch. Die Schwänze sind da eher im Weg, die Lesbenpornos aber oft zu kuschelig.

Einige der heterosexuellen Frauen schauen Schwulenpornos, aber eher aus Neugier. Für die meisten steht die Frau oder das, was mit ihr passiert, im Vordergrund. Der Mann im Bild interessiert sie eigentlich nicht die Bohne, und wenn, dann nur als Begehren und Richtung, also mehr oder weniger Schwanz gewordener Zyklop, der die Lust gegenüber der Frau verkörpert, was sich spätestens im Cumshot manifestiert, dem Samenerguss meist ins Gesicht oder auf die Brüste der Darstellerin also. Keine der Frauen konnte angeben, sich mit ihr identifizieren beziehungsweise sich eins zu eins vorzustellen, sie würde von dem Typen da so gefickt wie die Frau in dem Bild.

Ich stelle fest, dass fast alle Frauen Schwierigkeiten damit haben, das in Worte zu fassen, was sie an den Bildern anmacht. In einigen Aspekten stimmen aber fast alle überein. Keine der Frauen, ich inklusive, schaut experimentellen oder explizit feministischen Porno, dem es vor allem darum geht, die männlich orientierte Perspektive hinter sich zu lassen so etwas wie eine weibliche Subjektivität, also einen "Female Gaze" zu etablieren. Wie ich, mögen sie das Rohe, Unpolierte, das Zulassen von Unbeholfenheit, die komplexeren Narrative und die persönliche Verbindung, die zu den Protagonistinnen aufgebaut wird. Wenn sie es als Kunst oder Kino anschauen würden, fänden sie die Bilder großartig. Nur anmachen tut es sie irgendwie nicht. Um zu masturbieren, gucken alle, mit denen ich gesprochen habe, klassischen Mainstreamporno.

Als ich fertig bin, muss ich erst einmal durchatmen. Ziemliches Kuddelmudel das alles. Klar ist allein, dass der Pornokonsum den Frauen viel mehr Imaginationskraft abverlangt als den Männern. Aber wenn uns das hier offensichtlich so viel Arbeit und perspektivische Verrenkungen abverlangt, warum funktionieren für mich und die Frauen meiner Minifeldstudie dann die anderen Filme nicht, die mit vollem Recht und aus gutem Grund versuchen, uns Frauen stärker als schauendes Subjekt anzulegen? Allein die Tatsache, dass es gar nicht so einfach ist, an diese Filme heranzukommen, dass es immer irgendwas kostet und man die Kreditkartendaten nicht da hat, wenn man schon wirklich krass horny ist und nur zehn Minuten Zeit mit dem Smartphone auf der Unitoilette hat, kann es ja nicht sein.

Es scheint, als würden wir das Instrumentarium des althergebrachten "Male Gaze" im Porno irgendwie brauchen, um unser eigenes Begehren zu aktivieren. Im Versuch, dem eine weibliche Subjektivität entgegenzusetzen, scheitert der betreffende experimentelle und feministische Porno zumindest als Gebrauchsprodukt.

Doch warum bleibt der "Female Gaze" beim Pornokonsum auf eine so völlig vertrackte Art eine Leerstelle? Eine mögliche Antwort ist ebenso einfach wie niederschmetternd: Weil er es bis heute nicht nur dort ist, sondern weit über unseren Schmuddelfilmhorizont hinaus.

Gerade weil es in Pornos um das Triggern unserer kruden Spleens und tiefsten Begierden geht, kann man sie und unseren Umgang mit ihnen nur vor dem Hintergrund unserer restlichen Lebenswelt denken und verstehen. Ob in der Literatur, der Kunst oder in jüngerer Zeit auch im Film und in der Werbung: Seit Hunderten von Jahren werden Frauen vor allem als das Andere gezeichnet, das Ding, das beglotzt, gewollt, angehimmelt, verachtet, gejagt, geliebt wird. Das im Gegensatz dazu schauende, sprechende Ich der Millionen Erzählungen, in denen die Bilder und Fantasien unserer Gesellschaften wurzeln, war vom Gilgamesch-Epos über die Odyssee bis hin zu Jean Jaques Rosseau, dem Marquis de Sade und Henry Miller in erster Linie ein männliches. Männer schauen die Welt an. Wir werden von der Welt angeschaut. Die Flut so weit zurückreichender kulturschaffender Mechanismen lässt sich nicht durch ein paar Jahrzehnte der strauchelnden, wenn auch lauten, radikalen und unvermeidbaren und natürlich begrüßenswerten Versuche der Umwertung einfach auflösen. Wir stehen immer noch am Anfang.

Blick und Begehren sind unauflösbar miteinander verstrickt. Und wie verspult die Blickbeziehungen in Bezug auf das weibliche Begehren bis heute sind, wird absurderweise gerade an den Stellen sichtbar, wo in Massenmedien weibliche Unabhängigkeit zelebriert wird. In einem Werbefilm von Chanel klammert sich Keira Knightley im Seidenlaken an einen Flakon. Danach wirft sie sich in einen hautengen beigefarbenen Anzug und rattert auf dem Motorrad zu einem Fotoset, an dem ein Drei-Tagebart-Schönling, der in dem Plot die gleiche Rolle einnimmt wie der Darsteller im Porno, ihr mit mysteriös-verzaubertem Blick die Tür öffnet. Sie schleppt ihn dann ab, bevor sie abhaut und ihm noch einen finalen Medusen-Tease-Blick zuwirft. Dann der Abspann – COCO MADEMOISELLE is here again, beautiful, independent and mischievous. Hätten weder Mister Rehauge oder irgendein anderer Typ um sie herum Interesse an Keira, ginge das ganze Konzept nicht mehr auf. Das, was hier verkauft wird, ist ein kleines Fläschchen nach Patschuli duftendes Gewolltwerden. Fast schon zynisch, dass im Hintergrund der Eröffnungsszene Joss Stones Version von It's a Man's World dudelt.

Was in diesem Fall auf die Spitze getrieben wird, passiert nicht nur in platten Werbeclips. Als Maneater schreit Nelly Furtado nicht umsonst Everybody look at me, me in den schwitzigen Club wildgewordener Glatzköpfe in Muskelshirts. In der ersten Szene von Sophia Coppolas Lost in Translation sieht man fünf Minuten lang ausschließlich Scarlett Johanssons Hintern, Bella aus Twilight will von Edward so unbedingt begehrt werden, dass sie sich von ihm sogar totbeißen lassen würde und selbst Hermine Granger erlebt ihren ersten tatsächlichen Moment to shine erst, als sie in ein Ballkleid gesteckt wird, weswegen Ron Weasley fast die Augen herausfallen. In all diesen Momenten, die uns auf der Leinwand und im echten Leben Gänsehaut über den Rücken jagen, kommen wir nicht als "Ich", sondern als das "Andere" vor. Es sind nicht nur Männer, die uns als Objekte denken; wir selbst tun es, seit Jahrhunderten.

Einen Female Gaze als einfachen Umkehrschluss zum Male Gaze kann es deshalb nicht geben. Denn in der Logik der meisten Bilder und Erzählungen die wir kennen, war er immer ein auf uns selbst gerichteter. Der Porno schreibt diese Geschichte nur auf besonders zugespitzte Weise fort. Auf YouPorn gibt es Versuche eines sogenannten Female POV, bei denen Frauen mit GoPros ausgestattet sind, wobei die Kamera jeweils so auf sie draufgeschraubt wurde, dass sie von oben gefilmt werden und man bei den Blowjobszenen Nase, Zunge und Brüste der Frau sieht. Dass Frauen wirklich so sehen, kommt natürlich einer anatomischen Unmöglichkeit gleich, es sei denn, die Frau in dem Film ist ein Brontosaurier. In einer anderen Szene sieht man zehn Minuten Cunnilingus aus der weiblichen Perspektive, bevor die Frau auf einmal doch von hinten gevögelt wird, während die Kamera geradewegs weiterhin auf den Mann gerichtet ist, was auch nicht so richtig plausibel ist, es sei denn, sie kann ihren Kopf drehen wie die Frau mit der Hexenfrisur aus Scary Movie.

Schon unmittelbar nach meiner Mitternachtstelefoniererei musste ich an einen Essay denken, den ich vor einiger Zeit gelesen habe. Koschka Linkerhand schreibt darin in Rückbezug auf Simone de Beauvoir und Barbara Sichtermann, dass Frauen Objekte setzen müssen, um sich selbst als Subjekt denken und fühlen zu können. Vielleicht lässt sich diese These, in einer etwas abdriftigen Umkehrung, auch auf die Frage nach der Pornografie übertragen: Um sich als Zuschauerin zu dem Mangel weiblicher Subjektivität im heterosexuellen Hardcoreporno verhalten zu können, muss man ein paar imaginäre Ausweichbewegungen vollführen. Entweder man eignet sich die angelegte männliche Perspektive an, was eine gewisse Paradoxie in sich trägt, oder man schafft eine Vielzahl anderer Manöver, um irgendeine Form der Subjektivität herzustellen, den Sex als Ereignis denken etwa, auf Partikelkörper zoomen oder wackelnde Fettrollen anstarren.

Ein Schluss, der sich aufdrängt, grenzt an Skurrilität: Die Aneignung des männlichen Blicks, wenn wir Hardcorepornos schauen, kann auf eine abwegige Art als Ermächtigung gedacht werden. Nie sind wir so sehr schauendes, begehrendes Subjekt wie dann, wenn wir uns reinfahren, wie andere Frauen entblößt und durchgebumst werden. Weil wir darin Objekte setzen, zu denen wir uns verorten können. Etwas daran ist ganz offensichtlich ziemlich korrupt. Die Subjektivität, die wir uns da aneignen, ist nur geliehen. Aber offensichtlich ist es die einzige, zu der wir uns wirklich verhalten können.

Mittlerweile ist es Morgen geworden. Draußen rumort ein Müllwagen, ein ganz normaler Tag bricht an. Ich klappe noch mal den Laptop auf und klicke mich durch die Tabs und meine Notizen. Den luftleeren Raum zwischen diesen Gedanken und meinem Alltag kann ich in solchen Momenten fast körperlich spüren. Gleich werde ich aufstehen, mich schminken, mir ein paar Tropfen Coco Mademoiselle aufsprühen und zum Frühstücken gehen, mir nur einen schwarzen Kaffee und einen Obstsalat bestellen, weil ich mich vor nichts mehr fürchte, als davor, ich könnte einen fetten Arsch bekommen. Weil es mich oft glücklich macht, wie es ist. Weil es sich anfühlt wie in der Werbung, wenn ich die Augen aufschlage und sehe, wie der Typ auf der anderen Seite des Café-Tischs nervös mit den Lippen zuckt. Dann fängt es an zu rauschen und zu kribbeln und ein Lied geht an in meinem Kopf. Hoffentlich nicht Nelly Furtado.

Nicht alles an dieser Rolle, die das Angeglotztwerden weiter etabliert, muss unauflösbar und schrecklich sein. Obwohl vieles daran in Wechselbeziehung zu Umständen steht, die uns leiden lassen, Beschämung, Unterdrückung und Ungleichbehandlung. Ich lebe und spiele mit ihr, so gut ich eben kann. Eines ist aber klar: Ob und wie wir angesehen werden, liegt nicht in unserer Verantwortung. Egal, ob wir mit wehender Reizwäsche die Straße herunterrennen oder uns für ausgeleierte Jogginghosen entscheiden – unser Körper steht immer zur Debatte. Trotzdem und gerade deshalb müssen wir anfangen, darüber zu sprechen, welche Rolle wir selbst in diesem Dazwischen der Blicke spielen. Worin wir aufgehen können, wo wir ausgeliefert sind, wo wir schauen, wo wir mitspielen, wo wir handeln, wo wir widerspenstig sein wollen. Für uns, nicht für die anderen. Wir müssen es laut tun, ohne Angst, ohne Scham und mit Mut zum Scheitern. Weil sich nur daraus ein Sprechen über den weiblichen Blick denken lässt. Und weil wir die Deutungshoheit darüber, ob und wie wir sehen und gesehen werden, sonst den Männern überlassen.

Und auch wenn es ultimativ verschwurbelt und an vielen Stellen aussichtslos wirkt: Alleine die Tatsache, wie kreativ Frauen in ihrer Imagination werden, wenn sie sich zu Pornografie verhalten, zeigt, welch unglaublicher Reichtum darin liegen kann. Vielleicht gibt es sogar eine Möglichkeit, diesen Raum irgendwie und irgendwann für uns produktiv zu machen, wenn wir darüber nachdenken, wie wir in Zukunft leben und lieben wollen. Aber dafür müssen wir begreifen, dass es auch unser eigenes Begehren ist, das wir als Schauplatz dieses Konflikts denken müssen.


Aus: "Pornofilme: Der weibliche Blick" Anna Gien (18. Januar 2019, 20:20 Uhr)
Quelle: https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2019-01/pornofilme-frauen-konsum-anstieg-fantasie/komplettansicht

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Terminus Est #4.1

Bei mir wechseln die "Trigger" - mal diese Art von Porno, mal die andere. Ich habe schon vor längerer Zeit etwas ähnliches wie die Autorin bei mir festgestellt, das ich bei manchen Pornos nach der Befriedigung schnell "ausmache" und mich irgendwie davon distanziere. Sie taugen nur zur Befriedigung.

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John Farson #4.5

"Ich möchte mich bei der Szene übergeben und kann nicht nachvollziehen, was daran erregend sein soll. Kann mich jemand aufklären (blödes Wortspiel, ich weiß;-)"

Leider kann ich das nicht befriedigend ( ;) ) erläutern. Manche mögen's halt schmutzig und gerade der gesellschaftliche / moralische Tabubruch, der hierbei mitschwingt gepaart der sadistischen-masochistischen Ader, also das Gefühl jemanden zu erniedrigen oder erniedrigt zu werden, ist für manche Eben der "Trigger", der das Floß zum Schwimmen bringt.


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Columba livia #4.11

Sie schrieb ja, dass sie es in der Realität absolut nicht erleben möchte.
Offenbar sind Fantasien eben doch nicht unbedingt in der Realität wünschenswert, ebenso wie man sich gerne mal in der Fantasie vorstellt, jemanden aus Wut umzubringen, aber es dann eben doch nicht nur nicht tut, sondern wirklich nicht kann.


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IME2605 #4.21

Irgendwie erstaunlich, dass auf Zeit-online sexuelle Phantasien die sich mit Gewalt gegen Frauen im Zusammenhang mit sexueller Erregung beschäftigen, geduldet werden. Bislang lief die Debatte immer so: Eine gesunde Frau lasse sich niemals freiwillig ihren Kopf in die Toilettenschüssel drücken. Dass sich hier eine Frau outet, die sich jedenfalls bis zu ihrem eigenen Spannungsabbau zur sexuellen Erregung bei derartigen Visualisierungen bekennt, ist nachgerade eine Sensation. ... Die Sexualforschung hat womöglich ein neues Thema: Welcher Zusammenhang besteht zwischen sexueller Erregung einer Frau vorher, dumpf widerliches Erleben nachher "metoo" und dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, möglichst in jüngeren Jahren, der 15 Jahre später wenn das sexuelle Erleben endlich ausgereift ist, geoutet wird ? Immerhin gibt der Beitrag einen Einblick in die letzten Abgründe der weiblichen Psyche. ...


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Holocenemammal #4.22

Was für ein plumper Versuch hier die These unterzubringen Frauen könnten gar nicht vergewaltigt / belästigt werden da sie es entweder insgeheim wollen oder aber selbst nicht beurteilen können ob sie nun einvernehmlichen oder nicht-einvernehmlichen Sex hatten.
Mal abgesehen davon dass es in der #MeToo-Debatte primär um Machtmissbrauch zur sexuellen Ausbeutung von Geschäftsverbindungen geht.
So blind wie Ihr Kommentar es erscheinen lässt kann man doch gar nicht für die patriarchalen Bedingungen sein.


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IME2605 #4.23

Ein bisschen mehr Differenzierungsvermögen und Sorgfalt beim Denken sollte man schon erwarten.

Wer sich auf eine sexuelle Handlung freiwillig einlässt, sich dabei erregt während sie stattfindet und sie erst hinterher nachdem die sexuelle Erregung befriedigt worden ist, bis hin zu widerlichen Gefühlen bereut, kann schwerlich vergewaltigt, missbraucht oder sonst wie sexuell belästigt worden sein.

Wer oder was die Erregung auslöst dürfte so ziemlich egal sein. Jede Frau wehrt sich zurecht gegen den Vorwurf, ihr Rock sei zu kurz gwesen, weswegen sie gierige Männerblicke auf sich gezogen habe.
Hat demgegenüber ein Mann eine reale Chance sich wegen sexueller Belästigung zur Wehr zu setzen, weil der Rock einer Frau provokant kurz gewesen ist ? Wohl auch zu Recht nicht. Selbstbeherrschung darf und muss man erwarten.

Im übrigen beurteilt keine Frau selbst ob, sie einvernehmlichen oder fremdbestimmten Sex hatte, wenn sie einen Mann wegen eines sexuellen Missbrauch anzeigt. Diese Beurteilung nehmen vor der Anklage Staatsanwälte und danach Gerichte vor, während die Presse die Stimmung aufheizt.

Insofern ist das Outing der Dame hier in der Tat sensationell, weil es endlich einmal eine Frau ist die öffentlich zugibt, dass die Empfindsamkeit von Frauen einer differenzierten Betrachtung zugänglich bleiben muss.


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DieLäuferin #4.24

Sie verstehen irgendwie nicht, dass sich die Autorin nicht mit den Protagonisten/Protagonistinnen identifiziert. Warum ist das so wahnsinnig schwer zu verstehen, obwohl es genau darum in dem Artikel geht? Insofern ist doch die Frage, ob ich es real erleben will, völlig hinfällig. Einem Mann der sich an besagter Szene aufgeilt unterstellt man doch auch nicht (oder stellt in Frage), dass er gern die unterjochte Frau in dem Film wäre? Warum denken Sie, "Geschlecht" ist eine so dermaßen mächtige Kategorie, dass man(n) und frau gar nicht anders können, als sich mit Darstellern/Darstellerinen, die man überhaupt nicht kennt, und die vermutlich nichts mit einem selbst gemein haben, außer dieser einen Kategorie, zu identifizieren und sich in diese Rolle hineinzuversetzen? ...


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turntabledream #4.25

Wie oft soll man es noch sagen – es geht hier weder ums reale Unterwerfen, noch um ein imaginiertes Unterwerfen. Letzteres würde bedingen, dass sich die Zuschauerin mit der im Film gedemütigten Frau identifiziert; davon aber distanziert sich die Autorin ziemlich klar.


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IME2605 #4.29

... Die Bandbreite des sog. hardcore, von mir aus auch S/M, wie das in den Kommentaren hier auch bezeichnet wurde, umfasst auch das Spiel mit Dominanz und Unterwerfung in allen nur vorstellbaren und nicht vorstellbaren Varianten. Es ist mir völlig schnuppe worum es in dem Artikel sonst noch geht und mit was sich die Autorin nun persönlich identifiziert oder nicht. Relevant ist allein ihr geoutetes Innenleben, also wovon sie sich vorher und sei es auch nur in Form des "sensation-seeking" , bis hin zur sexuellen Befriedigung erregen lässt und es hinterher, weil sich "dumpf widerliche Gefühle" einstellen, bereut. Allein erheblich ist, dass es eine Frau ist, die zugibt, dass sie als Frau so empfindet. Wenn es eine Frau gibt die so empfinden kann, kann es auch Hunderttausende andere geben, die so empfinden.
Viele Forscher sagen, die Meisten die solche dunklen Phantasien haben, leben sie nicht wirklich in der Realität aus, dennoch gibt es auch diejenigen die das tun. Wer sich Kinderpornos ansieht (glücklicherweise ist das verboten) und sich dabei sexuell erregt, hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine pädophile Neigung. ...


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Frida9876 #6.3

Das genau ist ja das Problem, das die Autorin hat und von dem sie sich fragt, woher es kommt. Dass Frauen in der Gesellschaft immer nur als sexuell begehrenswertes Objekt gesehen werden und zwar so sehr, dass sie sich selbst kaum mehr anders sehen können.und ihre Befriedigung nur im begehrt werden finden können. Im benutzt werden, im Objekt sein.

Fest steht wohl, das unter den Geschlechtern weitaus mehr Frauen als Männer submissiv veranlagt sind. Da stellt sich mir mir die alte Frage, Anlage oder Prägung. Die Autorin entscheidet sich für Prägung in einer jahrhundertelangen männerdominierten Welt. Und obwohl sie gerne sexuell handelndes Subjekt wäre, zumindest kognitiv, gelingt es ihr nicht, aus dieser Objektschiene heraus zu kommen. Anscheinend will sie es auch gar nicht, weil ausschließlich das sie erregt.

Dies zu wissen ist schwierig mit dem feministischen Selbstbild in Einklang zu bringen. Frau kann diesen Teil von sich selbst ablehnen, sich dafür schämen, nach der Befriedigung schnell den Laptop zuklappen und über jahrhundertelange Männerdominanz philosophieren oder sie kann offensiv zu dieser "Veranlagung" stehen. Dies zu tun schafft ihr unter FeministInnen allerdings nicht nur Freunde .


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ohdochnein #12

Interessanter Artikel. Dass Frauen auch gerne Mainstreampornos schauen war mir bewusst, dass der feministische Porno derart durchfällt, nicht.
 


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M.Aurelius #15

Man mag zu Pornofilmen stehen wie man will, aber angesichts der allgegenwärtigen Gewalt in den Medien, empfinde ich die Welle der Aufregung und Entrüstung die Pornos immer noch entgegenschlägt, als eine beispiellose Bigotterie und Ausdruck einer schon fast perversen Prüderie.


Quote
In.der.Tat #25

“Einer meiner Lieblingspornos ist der, in dem Rocco Siffredi eine Frau an den Haaren in eine Toilettenschüssel drückt, nachdem er sie sechs Minuten lang von hinten gevögelt hat, um anschließend in ihr mit Mascara verschmiertes Gesicht zu kommen. Ich kann nicht sagen, dass ich mich dafür schäme, dass mich diese Szenen anmachen. Vielleicht finde ich es sogar selber ein bisschen cool. Trotzdem stellt sich jedes Mal, nachdem ich gekommen bin, ein dumpf-widerliches Gefühl ein, das mich dazu bringt, sofort panisch alle Tabs zu schließen.“

Das kommt mir als Mann auch sehr bekannt vor.


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brunoharmless #32

good honest writing.


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kommentator24de #35

Mehr solcher Versuche zur Identitätsfindung (von Männern und Frauen) könnten zum besseren Verständnis der Geschlechterrollen beitragen. Ich habe Stellen in dem Artikel gefunden, die mir die weibliche Sichtweise näher gebracht haben - Danke dafür! - Generell ist der Umgang mit der Sexualität natürlich ein rein menschliches Problem. Die Spiegelneuronen scheinen bei Männern und Frauen aber tatsächlich unterschiedlich getriggert zu werden. Ob diese Phänomene nun kulturell historisch oder biologisch impliziert sind - wäre ja auch eine spannende Frage. Ob wir damit neue und tragfähige Beziehungen und Definitionen von Geschlechterrollen näher kommen ... Das Thema bleibt spannend, die Evolution ist noch nicht zu Ende und sie hat zu allen Zeiten auch von Irrtümern gelebt.


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Rosenklotz #65

Die Scham nach dem Anschauen von Pornos ist auch bei Männern verbreitet und hat es längst zum Meme geschafft. Ich habe Mal in die Pornhub Kategorie "bei Frauen beliebt" geschaut und habe Vanilla/Blümchen/Softcore erwartet. Ich war sehr überrascht was da wirklich beliebt ist...


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EinTollerName #37

Ein sehr interessanter und klug geschriebener Text, der die Ambivalenz des „male gaze“ weder simplifiziert noch mit Schaum vorm Mund erklärt.


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sympathischer Senfdazugeber #67

"Männer schauen die Welt an. Wir werden von der Welt angeschaut".

Ein treffsicherer Satz. Im Grunde bezeichnet er, wie sich der Blick des Mannes auf den Blick der Frau überträgt. Gleiches gilt auch für das Begehren.
Schon der hellsichtige Nietzsche lässt seinen "Zarathustra" die unwillkommenen Worte sagen: "Das Glück des Mannes heißt: ich will. as Glück des Weibes heißt: er will".
Es gibt unterirdische Höhlen, in die der Feminismus (so wichtig er für die gesellschaftliche Entwicklung ist, oder besser gesagt, war) nicht hinabdringt, weil es in unserem beim Sex aktiven Reptilienhirn gewisse Tiefenmuster zu geben scheint, die sich nicht so ohne Weiteres in den Bann der Moral schlagen lassen. Mit anderen Worten: Sex und ist entweder gut oder politisch korrekt.


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Klaus Klammer #67.1

"Schon der hellsichtige Nietzsche lässt seinen "Zarathustra" die unwillkommenen Worte sagen: "Das Glück des Mannes heißt: ich will. Das Glück des Weibes heißt: er will". "
Und trotzdem hat er sich ausgerechnet in die Salomé verguckt, die ganz anders wollte.


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tart #72

Anna
Danke!
Ich freu mich das es deinen artikel gibt
Das sowas möglich ist
Das ist für mich reale emanzipation


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AH-JA #75

„Sex ist das Tor zum Leben.“
F. Harris (1856 - 1931),
US-amerikanischer Schriftsteller.

Eine sehr lebendige und offene Darstellung der Fantasien von einem Teil der Frauen, ohne moralischer Belehrung oder Bekehrung. Das tut gut.


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Heisenberg MCMVI #86

Ich habe glaube ich noch nie kommentiert und den Artikel eigentlich erst einmal nur aus reiner Neugier gelesen.
Er ist aber so unfassbar gut geschrieben und so ehrlich und irgendwie auf ziemlich geniale Weise lehrreich, dass ich einfach mal ein bescheidenes - „Wahnsinn, bitte mehr von der Autorin“ da lassen muss!
Das ist doch mal ein geistreicher Beitrag für eine offenere Gesellschaft.


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EvaK42 #80

Ich fand nicht so interessant, was die Autorin schreibt, das hat mich nicht sehr überrascht. Interessant fand ich, daß sie das mal so offen schreibt -- und vor allem einigen Herren der Unterkiefer runter klappt. Zumachen bitte nicht vergessen.


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Neapolitanische Nächte #83

Mir geht's nicht nur bei Pornos, sondern auch bei Hitchcock so. Dort werden auffallend häufig das Patriarchat verletzende Frauen vergewaltigt und erdrosselt (Frenzy), bestialisch unter der Dusche abgeschlachtet (Psycho), getötet und zerstückelt (Rear Window), langsam vergiftet (Notorious), erschlagen (Murder!), erstochen (Die 39 Stufen), erwürgt (Der Fremde im Zug), missbraucht (Marnie), von Vögeln angegriffen und zerhackt (The Birds), beinahe aus dem Fenster gestoßen (Rebecca), von Mordanschlägen bedroht (Im Schatten des Zweifels, The Lady Vanishes) und unschuldig zum Tode verurteilt (Bei Anruf Mord).

Wie bei Pornos gibt es für Frauen nur vier Gründe, jene Filme durch die Augen des rundlichen Herren mit den aufgeblasenen Backen zu sehen:

1. Der masochistische Blick (Lust an der Erniedrigung)
2. Der transvestitisch-fetischisierte Blick
3. Der machtvolle Blick (promiske Frauen stehen kulturhistorisch für die Erregung maskuliner Kastrationsängste)
4. Der archaische Blick

In bestimmten Situationen können die archaischen Hirnteile, die unsere Instinkte und Triebe steuern, den rationalen Teil, der sich hinter der Stirn befindet und die Vernunft regelt, völlig überstimmen. Argumente, dass Pornos negative Rollenbilder vermitteln, dringen dann gar nicht erst bis in die primitiven Bezirke vor. Sie belohnen vielmehr deren Konsum und verschaffen Befriedigung. Deshalb fühlen sich zB manche Frauen auch absurderweise von Serienkillern und brutalen Schlägern angezogen.


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Fast_Opossum #97

Wow, vielen Dank für diesen Artikel - erfrischend geschrieben, kurzweilig zu lesen und setzt sich trotzdem nicht platt aus feministischer Perspektive mit dem Thema auseinander - vor allem die Frage des „male gaze“, den wir Frauen einnehmen und warum es keinen female gaze geben kann, finde ich super spannend.

Vor allem mag ich den kämpferischen Twist, der dahinter steht - Frauen, lasst euch nicht länger nur ankucken, kuckt selber an!


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