Author Topic: [Sie flohen in ästhetische Gegenwelten... (E.A.Poe, etc)]  (Read 3667 times)

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[Sie flohen in ästhetische Gegenwelten... (E.A.Poe, etc)]
« on: December 21, 2009, 05:02:14 PM »
Quote
[...] Diese Krise des positivistischen Weltbilds und der herkömmlichen Religion und Moral sowie die Auffassung der Welt als etwas unzulänglich Erfasstes führte zusammen mit der Aufbruchstimmung der Fin-de-Siècle-Kultur zu der Suche nach neuen Entfaltungsmöglichkeiten.

[...] Zu viel Alltägliches wie im Naturalismus missfiel manchen Dichtern, weswegen es zu einer Gegenbewegung kam. Diese Dichter wollten lediglich Dichter sein, nicht etwa Weltveränderer. Sie versuchten, das Schöne mithilfe der Sprache wiederzufinden. Außerdem sollte die Literatur nicht die Natur nachahmen, wie es im Naturalismus der Fall war, sondern reine Wortkunst sein. Die Kunst galt als Welt mit eigenen Gesetzen. Ein berühmtes Zitat, welches diese Einstellung unterstreicht, ist "L'art pour l'art" ("Die Kunst für die Kunst" oder "Die Kunst nur der Kunst wegen").

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Aus: "Symbolismus (Literatur)"
# Datum der letzten Bearbeitung: 15. November 2009, 11:11 UTC
# Versions-ID der Seite: 66840239
# Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Symbolismus_(Literatur)&oldid=66840239
# Datum des Abrufs: 21. Dezember 2009, 15:24 UTC

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[...] Das Fin de siècle (frz. für Ende des Jahrhunderts), auch Dekadentismus genannt, bezeichnet die Zeit von etwa 1890 bis 1914 mit der Konnotation der Dekadenz.

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Historisches Umfeld:
Der Positivismus in den Naturwissenschaften und der Naturalismus in der Literatur hatten die Ideologie der Objektivität und eine Stimmung des Fortschritts begünstigt, und die Ingenieurwissenschaften waren auf dem Vormarsch. Sigmund Freud erforschte die Hysterie. Dagegen war die Weltordnung des Ancien Régime mit der Vorherrschaft des Adels im Kern noch mittelalterlich, und das Mittelalter wurde ständig zu deren Rechtfertigung aufgeboten. Die Industrialisierung und die Gewerbefreiheit hatten alte Sozialstrukturen aber stark verändert, die Kirche hatte an Einfluss verloren und ein allgegenwärtiger Nationalismus führte zu Konflikten.

Diese Zeit ist geprägt von einem Schwanken zwischen Aufbruchsstimmung, Zukunftseuphorie, diffuser Zukunftsangst und Regression, Endzeitstimmung, Lebensüberdruss, Weltschmerz, Faszination von Tod und Vergänglichkeit, Leichtlebigkeit, Frivolität und Dekadenz. Eine allgemeine Krise ergriff die maßgebenden Gesellschaftsschichten, weil Grundwerte des sozialen Lebens gefährdet schienen. Als Überreaktion der europäischen Führungsschichten auf die Krisenerscheinungen und in einer „großen Angst, die unter den Herrschenden umging“ vollzog sich eine kontinuierliche militärische Aufrüstung: „Die Militarisierung nahm einen jeden geschichtlichen Vergleich sprengende Dimension an.“[1]

Für Intellektuelle, Künstler und Literaten wurde ein Gefühl von Ohnmacht charakteristisch, weil sie sich angesichts einer einerseits vom Marktgesetz und anonymen Massen beherrschten Großstadtgesellschaft und andererseits von einer zunehmend von Naturwissenschaften und Technik gezeichneten Welt angezogen und abgestoßen fühlten.[2] Sie flohen in ästhetische Gegenwelten. Eine Subkultur oder Gegenkultur zum bürgerlichen Leben entstand mit den Kultfiguren Bohemien, Dandy, Snob, Femme fatale. Sie verachteten die „Philister“, Spießer und Kleinbürger.[3]

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Aus: "Fin de siècle"
# Datum der letzten Bearbeitung: 8. August 2009, 21:27 UTC
# Versions-ID der Seite: 63126511
# Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Fin_de_si%C3%A8cle&oldid=63126511
# Datum des Abrufs: 21. Dezember 2009, 15:29 UTC

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Quote
[...] L’art pour l’art [](frz. wörtlich: Die Kunst für die Kunst, sinngemäß: Die Kunst um der Kunst willen, manchmal auch lat. Ars gratia artis) ist eine Redewendung.

Sie hat die Bedeutung: etwas um der Sache selbst willen tun, ohne Hintergedanken an Anwendung, Geschäft, Nutzen. Die Wendung wird auch abwertend gebraucht für: etwas Nutzloses tun, verspielt sein. Sie stellt somit die extreme Gegenposition zu jeglicher Kunstauffassung mit zweckbestimmter, politisch-agitatorischer Zielrichtung wie bspw. Tendenzliteratur oder Agitprop dar.

Die Wendung war Slogan einer frz. Kunsttheorie des 19. Jahrhunderts. Es ist unklar, wer die Wendung als erster geprägt hat; genannt werden Théophile Gautier und Victor Cousin. Die Wendung meinte v. a. die Priorität der künstlerischen Form und der ästhetischen Gestaltung, wie das u. a. in Frankreich von Gustave Flaubert und Charles Baudelaire, in England von Oscar Wilde und in Deutschland von Stefan George vertreten wurde. In ihr findet auch die Ansicht Ausdruck, dass Kunst sich selbst genügt, keines Zweckes bedarf.

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Aus: "L’art pour l’art"
# Datum der letzten Bearbeitung: 24. September 2009, 07:27 UTC
# Versions-ID der Seite: 64856046
# Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=L%E2%80%99art_pour_l%E2%80%99art&oldid=64856046
# Datum des Abrufs: 21. Dezember 2009, 15:32 UTC

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Quote
[...] O-TON 8 Frank T. Zumbach:
Das Doppelgängermotiv ist eine ganz interessante psychologische Sache, die das
ganze neunzehnte Jahrhundert durchzieht. Das kehrt dann wieder im Dr. Jekyll und Mr.
Hyde, Stevenson war ganz offensichtlich von Poe beeinflusst, das geht in den Dorian
Gray von Oscar Wilde, also man könnte sagen, dass das Doppelgängermotiv dann
fünfzig Jahre nach Poe ausgelebt wurde von Mr. Jack the Ripper, den man ja als den
Geburtshelfer des Zwanzigsten Jahrhunderts betrachtet - also der Würger im Bürger
sozusagen, dass das Ich sich vom Über-Ich abspaltet, das ehrsame, gentlemaneske
wird tagsüber zur Schau getragen, hinter der Maske des Bürgers aber schlummert die
Bestie.

[...]

Erzählerin:
[...] Die dämonische Kehrseite der Vernunft, die Unterwelt der Psyche, der Künstler
als anti-bürgerlicher Rebell - alle diese Themen hat Poe auf prägende Weise
weiterentwickelt und zugespitzt. Wissenschaft, Aufklärung und Rationalismus waren
ihm vertraut, zugleich aber wusste er, wieviel Unbekanntes und Unheimliches hinter
allem Berechenbaren rumort. Wir denken ja gerne, dass Vernunft die Schrecken des
Daseins aufklären könne. Poe dagegen verquickte beide auf beunruhigende Weise. [Er
besaß die gesteigerte Sensibilität, die hellsichtige Nervosität, die kennzeichnend war für
die Künstler und Dichter der anbrechenden Moderne. Damit wurde er zu einer
exemplarischen Gestalt für diese Epoche: zu einem Kultautor für viele und ganz
besonders für andere Künstler.

O-TON 14 Frank T. Zumbach
Er hat den Künstlern aus der Seele gesprochen. Der Künstler, gerade der romantische
Künstler, der fühlt sich verdammt in einer Welt aus Krämerseelen, aus Schacherern,
aus Spießbürgern, aus Bürokraten, aus Dummköpfen, und Dünnbrettbohrern zu leben.

...

Erzählerin:
Am Schluss, mit seinem plötzlichen, frühen Tod am 7. Oktober 1849 in Baltimore, fiel
Edgar Allan Poe noch einmal besonders tief. Er wurde buchstäblich in der Gosse
gefunden, vielleicht misshandelt, womöglich verletzt, jedenfalls in einer Situation, die
dem Tatort eines Verbrechens glich.

O-TON 15 Frank T. Zumbach
Bis heute hat man ja nicht genau aufklären können, was passiert ist in dieser ominösen
Wahlnacht des Jahres 1849, als er plötzlich inmitten des Wahlkampffiebers in fremden
Kleidern, ohne sein Geld, ohne seinen Koffer aufgefunden wurde vor einem Wahllokal
und drei Tage später im Delirium starb.

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Aus: "Horror, Schönheit, Poesie - Der Schriftsteller Edgar Allan Poe"
Autor: Eberhard Falcke, Redaktion: Anja Brockert, Regie: Tobias Krebs
Sendung: Donnerstag, 15. Januar 2009, 8.30 Uhr, SWR 2
Quelle: http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=4267014/property=download/nid=660374/yy3619/swr2-wissen-20090115.pdf


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Quote
[...] Immer auf dem schmalen Grad zwischen Selbstzerstörung und Genie, Geldnot und Trunksucht, Schriftstellerei und Auftragsarbeiten, verlief sein Leben in eben so einem Verwirrspiel wie in seinen besten Geschichten.

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Aus: "Buchkritik - Frank T. Zumbach  --  E. A. Poe" (Datum ?)
Zu  E. A. Poe: Eine Biographie (Broschiert) von Frank T. Zumbach (Autor)
Quelle: http://www.inkultura-online.de/eapoe.htm