Author Topic: [Informationsfreiheit... ]  (Read 44977 times)

0 Members and 1 Guest are viewing this topic.

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 9564
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Mit dem im Mai angekündigten Schritt... ]
« Reply #60 on: February 12, 2015, 09:42:06 AM »
Quote
[...] Die Bundesregierung möchte die Nutzung von Behördeninformationen im Sinne von Open Data vereinfachen. Sie hat dazu am Mittwoch einen Entwurf auf den Weg gebracht, mit dem das Informationsweiterverwendungsgesetz (IWG) von 2006 geändert werden soll. Die Bundesregierung will damit Daten öffentlicher Stellen künftig zur Weiterverwendung ohne spezielle Genehmigung freigeben. Der Bundestag muss dem Vorstoß noch zustimmen.

Mit dem im Mai angekündigten Schritt will das Bundeskabinett die 2013 überarbeitete EU-Richtlinie über die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors umsetzen. Öffentliche Stellen sollen geeignete Daten demnach künftig in "maschinenlesbaren, offenen Formaten" bereitstellen, nicht mehr auf Papier oder in schwer auswertbaren PDFs. Im Einklang mit den Vorgaben aus Brüssel will auch die Bundesregierung den Anwendungsbereich des IWG auf staatliche Bibliotheken, Museen und Archive ausweiten. Ausgenommen bleiben sollen aber etwa Werke, die von Urheberrechten oder gewerblichen Schutzrechten Dritter erfasst werden.

Die Open-Data-Grundsätze der EU besagen nicht, dass Behördeninformationen in jedem Fall kostenlos bereitgestellt werden müssen, auch wenn die EU-Kommission für viele Bereiche einschlägige Empfehlungen herausgegeben hat. Ämter können in der Regel ihre Ausgaben fürs Vervielfältigen, Anbieten oder Verbreiten von Daten in Rechnung stellen. In Ausnahmefällen sollen Bezieher auch für alle entstehenden Unkosten aufkommen müssen. Verwaltungen sind aber verpflichtet, ihre potenziellen Gebührensätze und die Kreise der davon Betroffenen von vornherein transparenter zu machen.

In diesem Sinne will auch das Bundeskabinett die Grundsätze für das Bemessen von Entgelten für Daten "präzisieren". Gebühren sollen Kosten für Reproduktion und Bereitstellung nicht überschreiten. Davon kann unter bestimmten Umständen abgewichen werden, das soll dann aber transparent dargelegt werden. Alle Anwender müssten gleich behandelt werden, heißt es in dem Entwurf.

Mit dem Vorhaben möchte die Bundesregierung auch das Open-Data-Portal GovData ausbauen. Die Plattform soll Nutzern dabei helfen, staatliche Informationen leichter aufzufinden. Soweit öffentliche Stellen über Metadaten für entsprechende Dokumente verfügen, sollen sie diese künftig auch an GovData möglichst in Form "anerkannter, offener Standards" übermitteln. (Stefan Krempl) / (vbr)


Aus: "Open Data: Berlin will Zugang zu Daten der öffentlichen Hand erleichtern" (11.02.2015)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Open-Data-Berlin-will-Zugang-zu-Daten-der-oeffentlichen-Hand-erleichtern-2547869.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 9564
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[China und die Informationsfreiheit... (Notizen)]
« Reply #61 on: November 28, 2016, 01:02:42 PM »
Quote
[...] Schon jetzt ist es für westliche Internetfirmen nicht ganz einfach, auf dem chinesischen Markt aktiv zu sein. Wer Dienste für die dortige Öffentlichkeit anbietet, muss sich dem Zensur- und Sicherheitsregiment unterwerfen, das in dem Land herrscht. ... Die Regeln, die Anfang November beschlossen wurden, geben den chinesischen Zentralbehörden mehr Macht, Datenflüsse und Hardware zu überwachen. So sollen auch ausländische Firmen gegenüber der Regierung offener agieren und kriminaltechnische Untersuchungen direkter unterstützen. Internetunternehmen müssen sich an polizeilichen Ermittlungen beteiligen und vollen Zugriff auf die Daten geben, sollten Beamte Gesetzesübertretungen vermuten. Die neuen Regeln verlangen außerdem, dass Firmen belegen, dass ihre Systeme gegenüber Hackerangriffen sicher sind – wie genau das gehen soll, ist noch offen.

Die verschärfte Politik, die vom ständigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses bereits genehmigt wurden, soll im Juni 2017 in Kraft treten. Die Regierung betont, sie reagiere damit nur auf die gestiegene Hackinggefahr sowie Terrorbedrohungen aus dem Ausland. China behauptet, in den vergangenen Jahren häufig angegriffen worden zu sein – und die Anzahl der Hacks steige weiter. Laut "Reuters" sagte Yang Heqing, Mitglied des ständigen Ausschusses, China sei eines der Länder mit den größten Internetsicherheitsrisiken. "China muss dringend Rechtssysteme für die Netzwerksicherheit einführen und perfektionieren." Große US-Unternehmen sind derzeit zum Teil gar nicht in China aktiv: So hat Google bereits 2010 seine Server aus dem Land zurückgezogen und Facebook wird seit Jahren geblockt. (Jamie Condliffe)

Quote
     ListigerLurch, 25.11.2016 10:20

Klingt nicht anders als bei uns. Also bis auf die vorherige Sperre der Dienste. Erstaunlich ist die Motivation der Leute, trotz dem sie von sowas wissen, bei diesen Diensten noch mitzumachen. Quasi zur Schlachtbank joggen. Hüben wie drüben.



Aus: "Chinas neue IT-Sicherheitsregeln machen westlichen Firmen Angst" Ben Schwan (25.11.2016)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Chinas-neue-IT-Sicherheitsregeln-machen-westlichen-Firmen-Angst-3464676.html


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 9564
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[China und die Informationsfreiheit... (Notizen)]
« Reply #62 on: April 10, 2019, 11:36:25 AM »
Quote
[...] Eine Mauer als Abschottung funktioniert dann am besten, wenn kaum einer versucht, sie zu überwinden. Mit der digitalen Mauer, der sogenannten "Great Firewall", kontrolliert die Kommunistische Partei den Zugriff auf das Internet in China. Dai Wei ist 29 Jahre alt und arbeitet als Friseur in Peking. Er ist jung, er wirkt hipp, aufgeschlossen und neugierig. Aber die digitale Mauer in China stört ihn nicht wirklich.

    "Wir Chinesen vermeiden es eher, darüber zu reden. Die meisten fühlen sich in dieser Internet-Umgebung wohl. Ihnen ist es egal, ob es nun die Great Firewall gibt oder nicht. Normalerweise vermeiden wir auch, VPN-Tunnel zu nutzen. Eigentlich stört das unser Leben nicht besonders." Dai Wei, Friseur in Peking

Die VPN-Tunnel sind kleine Programme, mit denen die Sperren im Internet überwunden werden können. Aber auch sie werden von den Zensoren hart bekämpft, funktionieren schlecht oder gar nicht. China hat das Internet im Griff, sagt Wu’er Kai Xi, ein Dissident, der in Taiwan lebt. Er ist ehemaliges Vorstandsmitglied der Organisation Reporter Ohne Grenzen.

Die chinesische Regierung kontrolliere den Informationsfluss, sagt Wu’er Kai Xi. Sie habe riesige Ressourcen und gebe sehr viel Geld dafür aus: "Und weil sie den Informationsfluss so effektiv kontrolliert, schafft sie ein soziales Umfeld, in dem die Menschen aufhören, kritisch zu denken, Dinge in Frage zu stellen, zu streiten oder nach dem Warum zu fragen."

Eine Studie der Stanford Universität in Kalifornien aus dem vergangenen Jahr bestätigt genau das. Die Forscher Yuyu Chen und David Yang haben rund zwei Jahre lang die Internetgewohnheiten von 1.800 Pekinger Studenten untersucht. Die Teilnehmer bekamen dabei auch die Möglichkeit, gesperrte Internet-Seiten zu lesen, haben das aber häufig gar nicht genutzt. Nicht einmal jeder Vierzigste hatte das Bedürfnis nach Informationen außerhalb des üblichen chinesischen Propaganda-Rasters.

Der 29-jährige Friseur Dai Wei bestätigt diese Haltung, auch für ihn sind ausländische, gesperrte Internetseiten uninteressant.

"Das liegt auch in unserer traditionellen, chinesischen Kultur begründet und ist nicht wie im Ausland. In China wünscht man sich Harmonie und Stabilität, deshalb möchten wir eigentlich die Nachrichten der anderen Art gar nicht lesen. Ich habe das früher getan, jetzt nicht mehr." Dai Wei, Friseur

Das Fazit der Stanford-Autoren: die Zensur in China schaffe einen Zustand, in der die Bürger gar nicht mehr auf die Idee kommen, nach anderen Informationen zu verlangen. Es sei denn, sie werden aktiv darauf hingewiesen, dann steige das Interesse rapide. Darauf setzt auch Wu’er Kai Xi. Als einer der prominentesten Studentenführer von 1989 kommt sein Name im chinesischen Internet nicht vor, er existiert quasi nicht.

Nach Ansicht von Wu’er Kai Xi ist die Kampagne der Regierung, den Zugang zu Informationen zu kontrollieren, zu diesem Zeitpunkt ein Erfolg. Aber: "Wenn da ein Leck sein sollte, dass größer wird, dann kann der Damm ganz schnell brechen. Die derzeit erfolgreiche Internet-Zensur könnte eines Tages dazu führen, dass das Regime herausgefordert wird."

Aber so lange bleibt es dabei: China blockiert die Freiheit im Internet und schafft eine Parallel-Welt. Ob Facebook, Twitter, Youtube oder Google: China hat für alles eigene Anbieter. Die Chinesen sind verrückt nach sozialen Netzwerken. Aber die Zensoren haben die Kontrolle und Zugriff auf jeden Server. Für China bleibt das ein schwieriger Spagat: Kontrolle und Zensur auf der einen Seite und Innovation und Entwicklung auf der anderen Seite. Noch aber erfüllt die digitale Mauer stabil ihren Dienst.


Aus: "Blocken und Löschen: Internet-Freiheit in China" (17.03.2019)
Quelle: https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/blocken-und-loeschen-internet-freiheit-in-china,RKoRU1n

-

Quote
[...] Es war bei einem Treffen mit zwei Studentinnen in einem Pekinger Café, als mir bewusst wurde, wie die Internetzensur das Denken junger Menschen verändert. Das Gespräch drehte sich um lohnende Reiseziele in China und die Frage, welcher Ort sich eher für einen zweiwöchigen Urlaub im Sommer eigne: die Tropeninsel Hainan mit ihren Sandstränden oder die Westprovinz Xinjiang, wo man lange Wanderungen entlang tiefblauer Bergseen unternehmen kann? Irgendwann warf ich ein, dass in Xinjiang Hunderttausende Uiguren in Umerziehungshaft sitzen, weil sie als Islamisten verdächtigt werden. Ob sie schon einmal davon gehört hätten? Ungläubig fragte eine der beiden zurück: "Woher weißt du solche Dinge, aus dem Außennetz?" Ihre Freundin wies sie zurecht: "Natürlich, das ist ein sensibles Thema. Darum erfahren wir solche Nachrichten nicht."
© Stephan Dybus

Den Begriff "Außennetz" – auf Chinesisch waiwang – hörte ich 2018 zum ersten Mal. Bis vor wenigen Jahren war auch in China das Internet einfach das Internet: Die Great Firewall, die Große Zensurmauer, war durchlässig genug, um nicht zwischen Innen und Außen unterscheiden zu müssen. Seit Xi Jinping die Zensur allerdings Jahr für Jahr verschärft und immer mehr ausländische Websites sperren lässt, gleicht das Internet in China zunehmend einem hermetisch abgeriegelten Intranet. ...

... Die chinesischen Digital Natives wachsen in einer Netzwelt auf, die die chinesische Geschichte ähnlich lückenhaft erzählt wie die Schulbücher, die sie auswendig lernen müssen: In dieser Welt gab es weder die von Mao verursachte Große Hungersnot noch die darauf folgende Kulturrevolution; die Studentenproteste von 1989 haben sich nie ereignet, Taiwan ist offiziell die 33. Provinz der Volksrepublik. Taucht ein Begriff auf, der eine Debatte auslösen könnte, wird er gesperrt: Hashtags wie #MeToo gefährden laut staatlicher Propaganda die soziale Harmonie und verschwinden wieder. Der Abschiedsbrief eines reichen Unternehmers, der sein Vertrauen in das chinesische System verloren hat und nun nach Europa ausgewandert ist – hunderttausendfach geteilt, binnen Stunden gelöscht. Der Wutausbruch einer Mutter über verunreinigte Grippe-Impfstoffe – sucht man danach, erhält man die Fehlermeldung "Inhalt nicht auffindbar".

... Das Erstaunliche: Ich treffe immer wieder Chinesen, die die neuen Zensurgesetze für gerechtfertigt halten. Die staatliche Propaganda beutet geschickt die Debatte im Westen um Fake-News aus: Seht her, was für ein Chaos entsteht, wenn Regierungen die Kontrolle über das Netz entgleitet!

Die Great Firewall zu umgehen wird unterdessen immer schwieriger. Seit Anfang 2017 sind sogenannte VPN-Programme, mit denen man die Zensurmauer untertunneln kann, offiziell verboten: Apple hat an die 700 Anonymisierungsprogramme aus seinem chinesischen App Store entfernt, der Verkauf und Privatgebrauch von VPNs steht nun erstmals unter Strafe. Im Sommer 2018 verurteilte ein Gericht in Shanghai einen Mann zu drei Jahren Haft auf Bewährung, weil er VPNs vertrieben hatte. Ein Nutzer im südchinesischen Guangzhou musste im Januar 2019 eine Geldstrafe zahlen, weil er sich laut Anklage unerlaubt Zugang zum "internationalen Internet" verschafft hatte.

...


Aus: "Zensur in China Winnie Puuh, der gefährliche Bär" Xifan Yang (ZEITmagazin Nr. 11/2019)
Quelle: https://www.zeit.de/zeit-magazin/2019/11/zensur-china-internet-soziale-medien-xi-jinping

Quote
Dhoughal #4

Ein solches Szenario wäre meines Erachtens auch in Deutschland gut vorstellbar. Traurige Realität ist, dass eine Menge Leute lediglich das wahrnehmen, was sie innerhalb ihres durch Algorithmen geregelten Facebook-Newsfeeds serviert bekommen. Das kombiniert man mit einem Netzwerkdurchsetzungsgesetz und schon hat man ein System, welches dem chinesischen nicht allzu fern ist. Kann mir nicht vorstellen, dass viele FB-User aufmucken würden.


Quote
kanaka #4.2

Wer, der sich kompetent informieren will, nutzt dazu Facebook?


Quote
SimonAT #13

Zensur ist immer totaler Mist und ist nur ein Zeichen von Schwäche und Angst, es könnte jemand draufkommen das der "herrschende" seine Versprechen nicht halten kann und daher um seine Macht fürchtet.
Doch, sieht es in Europa wirklich besser aus? Fragen wir in Europa welche Medien der Konsument zur Informationsgewinning zur Rate zieht? Es werden nur wenige Webseiten sein.
Die Vielfalt der Nullerjahre ist lange vorbei.
Jeder kann einmal sich selbst überprüfen wie viele Seiten man besucht.
Meist wird es so sein:
Nachrichten, abhängig von Prägung, entweter Boulevard oder 3-4Nachrichtenseiten mit Anspruch. Vielleicht noch eine Nationale Seite der man sich verbunden fühlt mit Mediathek.
dann:
Youtube
Facebook
Amazon, Zalando
Pornxxx ;-) Tumblr, Pinterst
Selbst Ebay ist irgendwie eine Nischensache geworden
In meinem recht großen Bekannten und Freundeskreis twittert niemand.
Instagram ist weit verbreitet. Aber ein reines Spaßdingelchen
das restliche Internet wird nur zur Rate gezogen wenn man etwas superspezielles wissen möchte und ist abhängig von persönlichen Interessen.
fertig
ach ja, und Jetzt könnte ich nochein Diskussion zum LEISTUNGSSCHUTZRECHT lostreten, und das die EU TOR verbieten möchte.
Und ja natürlich die Netzneutralität ist auch ein reibpunkt
sicher, aaaalles nicht so pöhse wie in China, aber Salamitaktik ist auch in Europa verbreitet und die Beeinflussing und Steuerung der Massen ....


Quote
Dhoughal #13.1

"Die Vielfalt der Nullerjahre ist lange vorbei."

Ich würde eher das Gegenteil behaupten. Die Vielfalt im Internet ist riesig. Nur sind die meisten Leute zu faul, diese Vielfalt in Anspruch zu nehmen. Denn es ist eben aufwändig, sich vielfältig umzutun.


Quote
Nayu #13.2

Was Sie sagen, ist völlig richtig. Aber deshalb ist das noch nicht Zensur, sondern eher die Filterblase, die wir uns selber überstülpen. Dagegen ist fast kein Kraut gewachsen. Gegen eine stataatliche Zensur aber schon. Die halte ich für brandgefährlich. Wie alles, was eine offene Gesellschaft erschwert, behindert und verunmöglicht.


...