Author Topic: [Information und verdeckte Manipulation... ]  (Read 21759 times)

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[Information und verdeckte Manipulation... ]
« Reply #35 on: November 02, 2017, 10:12:37 vorm. »
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[....] Dirty Campaigning ist nichts Neues. Lyndon B. Johnson hat es schon seinerzeit mit gutem Erfolg praktiziert. Und 2016 hat die enorme Menge von Fake News mit Verleumdungen übelster Art zum Sieg Donald Trumps nicht wenig beigetragen. Neues Produkt dieser Technik ist nicht zuletzt die Idee, per Website scheinbar für einen Kandidaten zu werben, ihm dabei aber allmählich immer brutalere Ideen zu unterschieben, Rassismus, Faschismus und was sich noch alles in diversen Schmutzkübeln finden lässt, um als scheinbarer Freund das Opfer als richtigen Widerling zu zeigen. Spezialisten jeder Partei analysieren die Meinungen und Sorgen der einzelnen Schichten der Bevölkerung und auch ihre Ängste und Hoffnungen, um darauf die je eigenen Wahlprogramme und Wahlkampagnen abzustimmen. Aber das können künstliche Intelligenzen (KIs), die mit einem künstlichen neuronalen Netz, einem lernfähigen Algorithmus, ausgestattet sind, allmählich besser. Sie können weit größere Datenmengen verarbeiten, so die Interessen- und Motivationslage potenzieller Kunden genauer erforschen und daraus maßgeschneiderte Vorschläge für die richtige Strategie erarbeiten. KIs sind auch weit besser in der Lage, das Internet systematisch nach den unterschiedlichsten Informationen zu durchsuchen, auf ihre Relevanz zu prüfen und gegebenenfalls zu verwerten.

Bereits mehrere Firmen bieten das sogenannte Emotional Decoding an, wie etwa Affectiva, Pyramics oder Realeyes. Dabei geht es um die genaue Analyse von Gesichtsausdrücken, sei es beim Beobachten von Werbespots, um ihre Effizienz zu testen, sei es während politischer Propagandareden oder – auch das gibt es ja schon – bei der Beobachtung von Fernsehzusehern durch ihren eigenen Fernsehapparat. Schon hat ein neuronaler Algorithmus bei Vorlage von jeweils fünf Bildern beliebiger Männer in 83 Prozent der Fälle richtig erkannt, ob der Betreffende heterosexuell oder homosexuell ist. Auch falsches Lächeln kann man bereits von echtem unterscheiden. "Ich denke, wir haben da eine ziemlich mächtige Technologie", hat Realeyes-Chef Jed Hellstrom gesagt. Die Verfeinerung der Analyse von Emotionen ermöglicht eine wesentliche Verbesserung der Ansprache durch Social Bots. Auch sind Beeinflussungsversuche über Social Media immer dann besonders wirksam, wenn sie durch echte oder vermeintliche Bekannte und Freunde erfolgen. Bei einem Experiment von Alex Pentland während der amerikanischen Kongresswahlen 2010 erhielten Millionen Facebook-Nutzer eine freundliche Einladung, zur Wahl zu gehen. Eine Hälfte erhielt eine unpersönliche Bitte, die zweite die gleiche Nachricht, aber personalisiert mit den Gesichtern von Freunden. Selbst bei bloßen Internetbekanntschaften war die anschließende Wahlbeteiligung deutlich höher. Über Twitter und andere Social Media werden schon heute viele falsche Freunde gezeigt, die in Wahrheit künstliche Intelligenzen sind. Sie können sympathische Wesen und Freundschaft vortäuschen, Anteilnahme zeigen, Ratschläge geben und am Ende sich geradezu unentbehrlich machen. Die schlimmsten neuen Gegner jeder Wahrheit werden das Gesicht von guten Freunden haben.

Social Bots können übrigens durch Umprogrammierung noch gefährlicher werden. Microsoft-Chatbot Tay sollte mit Twitter-Nutzern kommunizieren und ihnen neue Techniken beibringen. Hacker haben dem Programm rassistische Tiraden beigebracht, es musste eilig vom Netz genommen werden. Und wenn die Hacker etwas schlauer und vorsichtiger vorgegangen wären? 2010 hat in Großbritannien David Cameron das "Behavioral Insights Team" eingerichtet, im dortigen Polit-Slang Nudge-Team genannt. Den Begriff Nudge hat übrigens der heurige Preisträger für Wirtschaftswissenschaften Richard H. Thaler populär gemacht. In den USA und auch in Deutschland gibt es bereits ähnliche Stabsstellen. Und was machen die? Im Rahmen der Snowden-Affäre ist eine "sozialwissenschaftliche Operationseinheit" bekannt geworden, die darauf spezialisiert ist, den Ruf Einzelner möglichst gründlich zu ruinieren. Die Grundsätze werden in fünf großen D festgehalten: Deny, Deceive, Disrupt, Degrade und Destroy: Verleugnen, Täuschen, Unterbrechen, Abwerten und Zerstören. Die mit dieser Aufgabe betrauten Agenten (zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens 150 Personen) arbeiten ständig an der Vervollkommnung dieser Strategie. Wenn herzeigbare politische Persönlichkeiten durch eine sorgfältig gewählte Strategie unterstützt werden, in der KIs jede Menge künstlicher guter Freunde mit einem schlauen Nudging-Programm einsetzen, wer kann dann überhaupt noch unabhängig vernünftige Entscheidungen treffen? Der Komiker Groucho Marx hat es auf den Punkt gebracht: "Sincerity is the key to success. If you can fake this, you got it." Man kann den kommenden politischen Strategien der KIs genau das durchaus zutrauen.


Aus: "Politik-Algorithmen statt Überzeugungsarbeit" Manfred Drennig (Jg. 1940) war Manager im Bank- und Baugeschäft sowie ÖVP-Politiker  (2.11.2017)
Quelle: https://derstandard.at/2000067004767/Politik-Algorithmen-statt-Ueberzeugungsarbeit


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[Information und verdeckte Manipulation... ]
« Reply #36 on: November 02, 2017, 04:50:54 nachm. »
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[...] 126 Millionen Facebook-Nutzer haben im Zeitraum zwischen Juni 2015 und August 2017 auf der Plattform Werbeanzeigen gesehen, die von mutmaßlich russischen Akteuren erstellt und bezahlt wurden. Das sagte ein Vertreter des Unternehmens in dieser Woche in einer Anhörung vor dem US-Kongress, zu der auch Twitter und Google geladen wurden. Damit bestätigte sich: Die Einflussnahme auf den Präsidentschaftswahlkampf war größer als zunächst angenommen und von Facebook behauptet.

Bereits im September händigte Facebook dem Untersuchungsausschuss des Kongresses 3.000 der verdächtigen Anzeigen aus. Am Mittwoch veröffentlichte dieser Ausschuss eine kleine Auswahl. Sie zeigt, wie unter anderem die in St. Petersburg ansässige Internet Research Agency, die im Internet Meinungen im Sinne des Kreml manipuliert, auf Facebook aktiv war. Mit teils nur wenigen hundert Euro konnte das Unternehmen Anzeigen schalten, die gezielt auf einzelne Nutzergruppen, Regionen in den USA und aktuelle Ereignisse zugeschnitten waren.

Möglich machte das Facebooks Geschäftsmodell für personalisierte Werbung. Die Daten aller Nutzer, ihr Standort, ihre Likes, die von ihnen besuchten Websites – all das wird gesammelt und zu Werbezwecken analysiert. Werbetreibende können das nutzen, um Menschen mit bestimmten Hobbys oder Vorlieben anzusprechen. Und weil dieser Prozess zu großen Teilen automatisiert und zudem wenig transparent ist (etwas, das Facebook zumindest im Bereich politischer Anzeigen ändern möchte), kann er ausgenutzt werden. 

Erstmals wird nun deutlich, wie die Propagandainhalte aussahen und welche Absicht ihre Schöpfer hatten. Sie zielten dabei vor allem auf die Gegensätze in der amerikanischen Gesellschaft ab, spielten Meinungsunterschiede, Kandidaten und Ressentiments gegeneinander aus und versuchten somit, die Gesellschaft weiter zu spalten ...


"Down with Hillary": Anders als zunächst vermutet, ging es in den Anzeigen weniger darum, einen einzelnen Kandidaten zu unterstützen, also etwa zur Wahl von Donald Trump aufzurufen. Einige zielten dennoch auf die Kandidaten ab. Facebook-Nutzer, die sowohl Trump-Inhalte favorisierten und in New York ansässig waren, bekamen etwa eine Einladung zu einer Anti-Clinton-Demo. Sie wurde laut Facebook von 15.255 Nutzern gesehen und kostete 250 US-Dollar.

"Not my President": Im Gegenzug lud eine Organisation, die sich der Black-Lives-Matter-Bewegung und deren Unterstützern bediente, ebenfalls zu einer Veranstaltung in New York ein, wenn auch mit weniger Erfolg: Nur 188 Menschen erreichte die Anzeige, die allerdings auch nicht mal zwei US-Dollar kostete.

Immer wieder wurde versucht, aktuelle Ereignisse aufzugreifen. Der Mord an zwei Polizisten in Boston im Oktober 2016 wurde in einer Anzeige als "grausame Attacke eines Black-Lives-Matter-Aktivisten" dargestellt – obwohl der Täter wohl gar keine Beziehungen zu dieser Bewegung hatte. Inmitten der anhaltenden Diskussion um die Polizeigewalt in den USA versuchten die Ersteller der Anzeigen einerseits, die Seite der (weißen) Polizisten einzunehmen und schwarze Aktivisten zu schmähen.

Anderseits gab es Anzeigen von Gruppen namens Woke Black und Black Matters, die sich vermeintlich für Rechte von Schwarzen stark machten. Eine Anzeige von Black Matters wurde Nutzern ausgespielt, die Websites wie blacknews.com besuchten und an Orten wie Atlanta oder Ferguson lebten. Für einen Preis von rund 1.000 US-Dollar konnten die Auftraggeber in diesem Fall fast 360.000 Nutzer erreichen.

Eine andere Anzeige warb mit einem muskulösen Bernie Sanders für das Malbuch einer frei erfundenen LGBT-Organisation. Hier wurden gezielt Facebook-Nutzer angesprochen, zu deren Interessen unter anderem die Rechte von Homosexuellen zählen. In einer anderen Anzeige wurden sie dazu aufgerufen, an einer Demonstration gegen die Westboro Baptist Church teilzunehmen, die in den USA als Hassgruppe gilt.

Auf der anderen Seite sprachen die Manipulatoren christliche Fundamentalisten an. Hillary Clinton wurde als Partnerin des Teufels bezeichnet, die gegen Jesus kämpft. Als Interessensgebiete der Nutzer wurden hier neben Schlagwörtern wie "Bibel" und "Christentum" auch konservative Politiker und Moderatoren wie Ron Paul und Laura Ingraham definiert, die Anzeige richtete sich also auch an Zuschauer und Leser von Sendern wie Fox und Breitbart.

Gleich mehrere Anzeigen warben für die Gruppe Stop All Invaders. Sie forderten das Verbot von Burkas und warnten vor Einwanderern und der Scharia in den USA. Man dürfe die nationale Sicherheit nicht den Forderungen von Minderheiten opfern, hieß es in einer Anzeige. Nutzer aus Staaten wie Texas und Arizona bekamen zudem Inhalte angezeigt, in denen mit Schlagworten wie "Unabhängigkeit" und "Patriotismus" für stärkere Grenzkontrollen geworben wurde.

Demgegenüber standen Anzeigen von mutmaßlich promuslimischen Verbänden. Die amerikanische Flagge wurde hier über Bilder einer offensichtlich arabischen Stadt gelegt. "USA muslims united" und "I'm muslim and I'm proud" steht in dieser Werbung und die Macher dürften genau gewusst haben, wie kontrovers die Nachrichten auf die Nutzer des sozialen Netzwerks gewirkt haben dürfte.

Bislang hat das Untersuchungskomitee des US-Kongresses nur einen kleinen Teil der von Facebook bereitgestellten Inhalte veröffentlicht. Doch sie zeigen exemplarisch, wie die Akteure vorgingen. Mit vergleichsweise wenig Geld – insgesamt sollen nach Angaben Facebooks zwischen 100.000 und 150.000 US-Dollar aus russischen Quellen stammen  – gelang es bekannten und weniger bekannten Trollfabriken, Millionen von Nutzer in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook zu erreichen.

Dabei versuchten sie, gezielt einzelne Nutzerschichten anzusprechen und deren Ängste zu schüren. Auch wenn der Großteil der Anzeigen sich an das rechte politische Spektrum richtete, ging es nicht darum, plumpe Propaganda für Donald Trump zu machen. Ziel war es vielmehr, mit Desinformation und im Sog aktueller Ereignisse möglichst viel Chaos zu verbreiten und die Nutzerschaft in den sozialen Netzwerken zu spalten. Es ging um die "Verzerrung von Social Media", wie es der Autor Stephen Marche in einem Artikel für den New Yorker nennt.

Welchen Einfluss die Kampagne auf den Ausgang der Wahl hatte, ist weiterhin unklar. Doch zumindest in einem Fall scheint es, als sei es den Propagandisten gelungen, den Sprung aus dem Internet zu schaffen. Wie vor dem Kongress in dieser Woche herauskam, gelang es ihnen, mit manipulierten Werbeanzeigen zwei gegensätzliche Gruppen zur gleichen Zeit auf Demos in Houston zu schicken, wo es dann auch zu Auseinandersetzungen kam. Die Teilnehmer glaubten, sie folgten Gleichgesinnten. Tatsächlich wurden sie offenbar von einem russischen Unternehmen Tausende Kilometer entfernt angestachelt.


Aus: "US-Wahlkampf: Je mehr Chaos, desto besser"  Eike Kühl (2. November 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/digital/internet/2017-11/us-wahlkampf-facebook-russland-propaganda-werbeanzeigen/komplettansicht

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« Reply #37 on: November 29, 2017, 09:59:15 vorm. »
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[...]  In zunehmenden Maße nutzen Bundesbehörden verdeckte Accounts zur Ermittlung im Internet. Entsprechende Zahlen hat das Bundesinnenministerium jetzt in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Martina Renner veröffentlicht. Demnach hat die Bundespolizei im Jahr 2017 284 sogenannte pseudonyme Accounts verwendet, im Jahr zuvor waren es noch 174.

Für das Bundeskriminalamt und den Verfassungsschutz werden keine Angaben gemacht, auch in einer früheren Anfrage hat sich das Ministerium hierzu nicht öffentlich geäußert. Zum Bundesamt für Verfassungsschutz hieß es damals lediglich, dass dieser keine Statistiken zur Nutzung von "Fake-Accounts" in Chats, Foren oder Messenger-Diensten führt. Eine Quantifizierung der Maßnahme sei deshalb nicht möglich. Das Gleiche gilt für den Zoll und dessen angeschlossene Zollkriminalämter. Die Behörde des Finanzministeriums nutzt pseudonyme Accounts "teilweise nur einmalig". Gemeint sind womöglich Chatgruppen, in denen für jede Sitzung ein neuer Alias-Name eingegeben werden kann.

... Für die Bundespolizei gibt das Bundesinnenministerium die Zahl von "Dritten" eingerichteter Accounts für 2016 mit 15 an, in diesem Jahr sind es bereits 21. Es ist unklar, ob dies ebenfalls in Amtshilfe für die Generalstaatsanwaltschaft geschah. Durchgeführt wurde die Maßnahme vermutlich vom Informations- und Kommunikationstechnikzentrum (IKTZ) der Bundespolizei mit Hauptsitz in Potsdam.

... Anders als beim BKA handelte es sich bei den Maßnahmen der Bundespolizei in nur einem Fall um den Account eines Beschuldigten. Das könnte bedeuten, dass sich die Bundespolizei unbemerkt in die Kommunikation einschleust und dafür Zugänge von Personen nutzt, die hiervon nichts bemerken können. Möglich ist auch, dass Accounts genutzt werden, die wegen Verstößen gegen Geschäftsbedingungen oder aus anderen Gründen nicht mehr im Besitz der "Dritten" sind. Bezüglich der Bundespolizei werden diese in der Antwort als die "vorherigen Inhaber" bezeichnet. Sie haben sich offenbar nicht strafbar gemacht, jedenfalls wurden in keinem Fall Ermittlungen gegen sie eingeleitet.

Nicht immer waren die heimlichen Ermittlungen erfolgreich. So konnte die Bundespolizei im Jahr 2016 nur in zehn und im Jahr 2017 nur in neun Fällen Beweismittel sichern. Im Bundeskriminalamt wurden in drei der vier Fälle Beweismittel erlangt.


Aus: "Heimliche Ermittlungen im Internet: Behörden übernehmen Accounts" (29. November 2017)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Heimliche-Ermittlungen-im-Internet-Behoerden-uebernehmen-Accounts-3903704.html

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« Reply #38 on: Dezember 17, 2017, 01:38:20 nachm. »
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[...] Auch die Berliner Polizei geriet vor einigen Tagen in die Kritik, als Recherchen von ZEIT ONLINE zeigten, dass schwere Fahndungsfehler direkt nach Amris Attentat wahrscheinlich hätten verhindert werden können. Außerdem wurde die Akte Amris nach dessen Anschlag manipuliert, um Versäumnisse des Berliner Landeskriminalamts zu vertuschen. ...


Aus: "Anis Amri wurde bereits seit 2015 überwacht" (17. Dezember 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-12/anis-amri-terroranschlag-ueberwachung

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« Reply #39 on: Januar 26, 2018, 11:30:24 vorm. »
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[...] Mit einem Faceswap-Tool lassen sich Filmszenen aller Art manipulieren und die Gesichter der Schauspieler austauschen.  ... Wir werden uns wohl an eine Welt gewöhnen müssen, in der solche Video-Fakes immer besser und damit auch schwerer zu erkennen werden. Inklusive der dazugehörigen Konflikte mit den Persönlichkeitsrechten der betroffenen Personen. In Zukunft könnten solche Fälschungen als Grundlage von Propaganda oder absichtlich irreführender Nachrichten benutzt werden.

Das Ziel des Entwicklers von FakeApp ist es, dass bald jeder Nutzer ohne Vorwissen ähnliche Videos erzeugen kann: In Zukunft brauche man nur ein beliebiges Video und ein bereits auf ein berühmtes Gesicht trainiertes neuronales Netz, das man herunterladen kann. Die Software soll dann die Gesichter auf Knopfdruck austauschen.

Quote
     Vatikankiller, 25.01.2018 19:16

Was dann sicher boomen wird ...

... "wiederaufgetauchtes" historisches Material, das die Geschichte neu/anders schreibt (oder festigt, je nach Interessenslage).


Quote
     Eric Mueller, 25.01.2018 18:30

Ab welchem Punkt macht das Überwachungvideos wertlos?

Da diese Methode ja nicht nur bei Prominenten und Pornos greift:
Wenn ein Video so gut gefälscht werden kann, dass man den Unterschied nicht mehr sieht, müsste die Beweiskraft stark zurückgehen.

Alternativ wird das DIE Methode, jemandem etwas anzuhängen.


Quote
     Dankeauch, 25.01.2018 16:48

Jetzt wirds ernst

Bei Fake Porn hört der Spass auf!

Revolution!!111



Aus: "Deepfakes: Neuronale Netzwerke erschaffen Fake-Porn und Hitler-Parodien" Fabian A. Scherschel (25.01.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Deepfakes-Neuronale-Netzwerke-erschaffen-Fake-Porn-und-Hitler-Parodien-3951035.html

"AI-Assisted Fake Porn Is Here and We’re All Fucked" Samantha Cole (Dec 11 2017, 8:18pm)
Someone used an algorithm to paste the face of 'Wonder Woman' star Gal Gadot onto a porn video, and the implications are terrifying.
https://motherboard.vice.com/en_us/article/gydydm/gal-gadot-fake-ai-porn

https://motherboard.vice.com/de/article/gydydm/diese-ki-kann-wirklich-jeden-zum-unfreiwilligen-pornostar-machen-und-das-ist-ein-problem

https://motherboard.vice.com/de/article/bjye8a/es-ist-soweit-menschen-montieren-massenweise-fremde-menschen-in-pornos

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« Reply #40 on: Mai 14, 2018, 12:05:36 nachm. »
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[...] Man stelle sich zwei Videos vor: In einem singen hochrangige Regierungsmitglieder ein Nazi-Lied. Ihre Gesichter, ihre Stimmen wirken komplett authentisch. In dem anderen Video, das offenbar heimlich aufgenommen wurde, scherzt ein sozialdemokratischer Parteichef herablassend über arme Mitbürger. Auch da: Mimik, Gestik und Stimme wirken real. Beide Videos hätten das Potenzial, die heimische Innenpolitik auf den Kopf zu stellen – und in naher Zukunft soll die Fälschung derartiger Clips mühelos möglich sein.

Das illustriert ein aktuelles Video, in dem der ehemalige US-Präsident Barack Obama etwa sagt: "Präsident Trump ist ein totaler, kompletter Vollidiot." Der "Deepfake", ein täuschend echt aussehendes, mithilfe von künstlicher Intelligenz gefälschtes Video, wurde von "Buzzfeed" und dem Schauspieler Jordan Peele geschaffen, um die Problematik darzustellen. "Das ist eine gefährliche Zeit. Künftig müssen wir bei den Dingen aus dem Internet, denen wir vertrauen, wachsam sein", sagt er in einer ähnlichen Stimme wie jene des US-Demokraten, während ein Fake-Obama seine Lippenbewegungen imitiert.

"Wir sind hoffnungslos aufgeschmissen, und je weiter man in die Zukunft blickt, desto schlimmer wird es", warnte der Technologieforscher Aviv Ovadya vor kurzem. Er war einer der Ersten, die Mitte 2016 vor einer Welle an Fake-News warnten. Doch die gefälschten Zeitungsartikel und angeblich unterdrückten Bilder waren nur der Anfang, sagt Ovadya zu "Buzzfeed". Aus den Fake-News werden in Kürze Deepfake-News, die zu einer "Informationsapokalypse" führen werden.

Forscher der University of Washington zeigten bereits im vergangenen Jahr anhand eines gefälschten Obama-Videos, wie leicht Computerprogramme Zielpersonen Wörter in den Mund legen können. Die Informatiker verwendet dafür anfangs frühere Interviewausschnitte Obamas, dann griffen sie auf einen Stimmenimitator zurück. Die Resultate wirkten verblüffend echt – und inspirierten auch das "Buzzfeed"-Video, das von Peele moderiert wird.

Relativ bald gelangten auch Internetnutzer an eine Software, die es erlaubt, Deepfakes mithilfe von künstlicher Intelligenz zu schaffen, und nutzten diese, um Fake-Pornos von Prominenten zu erstellen. Große Plattformen wie Reddit und Pornhub mussten entsprechende Videos sperren.

Möglich waren die Deepfake-Pornos und das Obama-Video von "Buzzfeed" wegen der sogenannten Fake App, die mit Googles Open-Source-Programmbibliothek für künstliche Intelligenz, Tensor Flow, operiert und Adobe After Effects. Beides sind Tools, auf die die breite Masse Zugriff hat. Nur beim Ton musste Peele noch mit seiner Obama-Nachahmung nachhelfen.

Das alles ist nur der Beginn. Denn bald könnten unterschiedliche technologische Neuerungen ineinanderfließen, um den perfekten Fake zu produzieren. Adobe arbeitet etwa an "Voco", einem "Photoshop für Audio". Dieser könnte genutzt werden, um die passende Tonspur zu einem gefälschten Video zu produzieren. Gefälschte Clips vermeintlicher Reden von US-Präsident Donald Trump oder dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un sind in Kürze kein Problem mehr. Man stelle sich vor, was passiert, wenn diese Videos im Netz landen und sich dort in Windeseile verbreiten. Sicherheitsforscher haben für derartige Vorfälle schon einen Namen: "diplomacy manipulation". Dabei will ein "negativer Akteur" geopolitische Ereignisse fälschen, um bestimmte Ziele zu erreichen.

Durch den aktuellen Hype um digitale Sprachassistenten entwickeln sich künstliche Stimmen immer rasanter weiter, um einen natürlicheren Umgang zwischen Mensch und Maschine zu ermöglichen. Adobe versprach bei einer Vorstellung von Voco, dass das Unternehmen auch daran forsche, wie man unechte Aufnahmen erkennt.

Ein anderes Szenario sind "sachpolitische Simulationen". Denn nicht nur Fälschungstools für Audio und Video werden besser, sondern auch sogenannte Bots, also automatisch agierende Fake-Profile in sozialen Medien. [...] Sie können den Eindruck erwecken, dass bestimmte Stimmungen im Land vorherrschen, woraufhin Politiker ihre Positionen adaptieren. Bislang sind Bots aber mit etwas Mühe identifizierbar, etwa durch ihre Sprache oder ihren unglaubwürdigen Themenmix. Mit Fortschritten im Bereich der künstlichen Intelligenz könnten echte Wählerschaft und Fake-Profile jedoch kaum mehr unterscheidbar sein. Grassroot-Kampagnen – etwa für Volksbegehren – könnten so ihren Wert verlieren, da Manipulationen nicht mehr erkennbar sind.

Im Sicherheitsbereich bereitet Laser Phishing Forschern Kopfzerbrechen. So bezeichnet man mittels künstlicher Intelligenz maßgeschneiderte "Lock"-E-Mails, die Nutzer zum Verraten ihrer Passwörter oder anderer wichtiger Daten verführen sollen. Computerprogramme könnten bald in der Lage sein, soziale Medien automatisiert nach Informationen über Personen abzugrasen, um diesen dann eine zielgenau entworfene Fake-Nachricht zukommen zu lassen. Das könnte auch genutzt werden, um rasch Gerüchte zu verbreiten.

Langfristig könnten derartige Propagandawerkzeuge dazu führen, dass Menschen gar keinen Nachrichten mehr vertrauen, befürchtet Ovadya. Denn auch "echte" Videos und Tonspuren könnten mit Verweis auf die Omnipräsenz von Fakes vom Tisch gewischt werden. So behauptete Donald Trump vor einigen Monaten, der berüchtigte "Access Hollywood"-Videoclip, in dem er sich sexistisch äußert, sei digital manipuliert worden. Ovayda ruft Technologiekonzerne dazu auf, möglichst rasch funktionierende Tools zu entwickeln, um Fälschungen zu identifizieren. Möglichkeiten, um den echten Ursprung eines Bildes zu beweisen, wären etwa kryptografische Anwendungen wie die Blockchain. Außerdem könnten Lokalmedien, die vor Ort berichten, an Bedeutung gewinnen. (fsc, muz, 13.5.2018)

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ahoihoi

Kriege haben auch schon verpixelte Satellitenaufnahmen, die Massenvernichtungswaffen "zeigen" ausgelöst, dafür brauchts kein Deepfake.


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J. Wissarionowitsch Heizschwammerl

Interessante Situation für die Menschheit.

Aber auch nicht unlösbar.
Wir haben gelernt, dass etwas nicht automatisch wahr ist, nur weil es der Dorf-Schamane sagt, wenn es in einer Urkunde steht, in einem Buch gedruckt ist, jemand im Radio sagt und es im TV gesendet wird. Wir lernen gerade (langsam), dass ein Text in einer Newsgroup oder eine Aussage in einem Youtube-Video nicht automatisch die Wahrheit ist, und wir werden auch lernen, dass auch ein offenbar authentisches Video falsch sein kann.

Der Mensch ist bei so einfachen, binären Fragen nicht sooo hilflos. Schwer tut er sich bei Grauschattierungen, Halbwahrheiten, Zusammenhängen, Aus-dem-Zusammenhang-Gerissenem usw.


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Rj01

Wenn Deepfakes Kriege auslösen, ist das nur ein Indiz dafür, dass es sowieso bald passiert wäre!
Jeder der nach 1980 gebohren wurde, sollte mitlerweile begriffen haben, dass keinem Video oder Fotobeweiß mehr geglaubt werden darf. Man kann alles faken, dass ging schon vor Deepfakes einfach. Frei nach Chruchill glaube keine Statistik oder Beweise die du nicht selbst Gefälscht hast! Deepfakes sind keine Gefahr sonder eine Chance für Idividuales Entertainment!


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Matthi99

die sogenannten etablierten Medien haben da auch ihren Beitrag dazu geleistet. Immerhin haben sie mit dem Aufkommen von Social Media, Twitter&Co. angefangen lächerliche, vereinzelte Tweets von irgendwelchen Witzfiguren in den breite Öffentlichkeit zu heben, als "Volksmeinung" hinzustellen.
Unvergessen diverse Sendungen und Polittalkshows wo diese Tweets ständig eingeblendet und zum Diskussionsgegenstand gemacht wurden. Das wäre in etwa so als hätte man früher die Krone-Leserbriefe für bare Münze genommen.


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Jene Grüne Straßenkatze

"Das ist eine gefährliche Zeit. Künftig müssen wir bei den Dingen aus dem Internet, denen wir vertrauen, wachsam sein"

Mussten wir schon immer, und nicht nur bei den Dingen im Internet. Und auch wenn Videos rein oberflächlich überzeugender wirken als Texte: Die subtile Boshaftigkeit eines Textes, in dem die Worte einer Person subtil aus dem Zusammenhang gerissen werden, geht genauso ins Gehirn. Und das gehört zum Handwerkszeug allzuvieler JournalistInnen.


...


Aus: "Deepfake-News täuschen alle Sinne – und könnten Kriege auslösen" Fabian Schmid, Muzayen Al-Youssef (13. Mai 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000074430944/Deepfake-News-taeuschen-alle-Sinne-und-koennten-Kriege-ausloesen

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« Reply #41 on: Juni 26, 2018, 02:05:54 nachm. »
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[...] Viele Farblaserdrucker hinterlassen auf fast jedem Ausdruck vereinzelte gelbe Punkte, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind und in kodierter Form Informationen preisgeben, etwa Datum und Uhrzeit des Ausdrucks oder die Seriennummer des Druckers. Nun ist es zwei Forschern der TU Dresden gelungen, die Kodierung der gelben Punkte automatisch zu dechiffrieren und unschädlich zu machen.

Timo Richter und Stephan Escher von der Professur Datenschutz und Datensicherheit haben in einem Experiment 1.286 Ausdrucke von 141 Druckern 18 verschiedener Hersteller untersucht, die solche Tracking-Punkte aufwiesen. Darunter befinden sich Modelle von Epson, Brother, Dell, HP, Xerox, IBM, Canon, Kyocera, Konica Minolta, Lexmark, Ricoh und Samsung.

Neben den bereits bekannten Kodierungsmustern fanden die Forscher diverse weitere, die zwischen 48 und 98 Bits umfassen. Einige Druckerhersteller verwenden mehrere Muster, Epson beispielsweise vier Stück. Außerdem gelang es Richter und Escher, die Muster ohne den bislang erforderlichen manuellen Bildabgleich mit Algorithmen automatisch digital aufzuspüren und größtenteils zu entschlüsseln, welche Informationen im Ausdruck enthalten sind.

In einem Artikel legen die Autoren detailliert dar, wie sie die unterschiedlichen Trackingmuster entschlüsselt und welche Methoden zum Anonymisieren von Dokumenten sie untersucht haben: Die Tracking-Punkte lassen sich einerseits entfernen, andererseits lassen sich auch sämtliche möglichen Stellen der Matrix mit Punkten füllen. Ein dritter – und bei einer späteren Analyse womöglich unverdächtiger – Ansatz ist jedoch, einige Punkte hinzuzufügen und so die Information in der Matrix zu maskieren und unbrauchbar zu machen.

Die Forscher setzen ihre Erkenntnisse auch praktisch um und stellen zum Untersuchen und Verschleiern eigener Dokumente ihr Toolkit DEDA auf GitHub zur Verfügung – eine Sammlung von Python-Skripten, die unter der GPL-v3-Lizenz stehen. Damit lassen sich die Tracking-Punkte auf eingescannten Ausdrucken extrahieren, analysieren und anonymisieren.

US-Medien hatten erstmals 2004 über diese auch als Machine Identification Code bekannte Markierung berichtet. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hatte 2005 dazu aufgerufen, ihr solche Ausdrucke zu schicken und beim Dokumentieren zu helfen. Kurz darauf teilte die EFF mit, ein Code-Muster entschlüsselt zu haben. Angeblich soll der amerikanische Secret Service einige Druckerhersteller zur Implementierung der gelben Farbpunktmarkierung verpflichtet haben – mutmaßlich als Mittel gegen das Verbreiten von Falschgeld und anderen Fälschungen.

Eine individuelle Druckerkodierung war womöglich 2017 einer Whistleblowerin zum Verhängnis geworden: Sie hatte vertrauliche Dokumente der NSA zu einer möglichen russischen Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahl an ein Magazin weitergegeben, das diese wiederum zur Verifikation der NSA vorlegte. Kurz nach der Veröffentlichung wurde die Informatin (die Mitarbeiterin eines NSA-Dienstleisters war) verhaftet und legte ein Geständnis ab. (tiw)

Quote
     jetzt nicht - Schatz, 25.06.2018 17:02

Wenn das die STASI noch erleben dürfte. Die haben noch mühsam Schreibmaschinen und -typenproben gesammelt, um den Staatsfeinden auf die Schliche zu kommen - jetzt geht es per Treiberupdate.


...


Aus: "Dresdner Forscher überlisten Tracking-Punkte bei Laserdruckern" Tilman Wittenhorst (25.06.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Dresdner-Forscher-ueberlisten-Tracking-Punkte-bei-Laserdruckern-4090876.html

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« Reply #42 on: September 08, 2018, 08:18:37 nachm. »
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[...] Der erste Amtstag begann mit einer Lüge: Angeblich sollen die Medien die Zahl der Zuschauer bei Donald Trumps Amtseinführung gefälscht haben. Wie es wirklich war, offenbart nun ein Untersuchungsbericht.

"Das war das größte Publikum, das je einer Amtseinführung beigewohnt hat. Punkt", verkündete Sean Spicer am Tag nach der Amtseinführung Donald Trumps im Januar 2017. Veröffentlichte Fotos, die anderes zeigen, seien von den Medien gefälscht.

Die Behauptung des damaligen Sprechers des Weißen Hauses war nur eine von einer Reihe nachweislicher Falschaussagen. Und sie folgte auf einen Morgen voller Hektik, ausgelöst von einem fassungslosen, frisch vereidigten US-Präsidenten, der sich auf Twitter mit einem Bildervergleich seiner Inauguration und der von Obama Barack acht Jahre zuvor konfrontiert sah - zu seinen Ungunsten.

Was dann passierte, darüber geben jetzt bekannt gewordene Details einer Untersuchung des Generalinspektors der US-Innenbehörde von 2017 Aufschluss. Die Dokumente lagen zuerst der britischen Zeitung "Guardian" vor.

Trump inauguration crowd photos were edited after he intervened
Exclusive: documents released to Guardian reveal government photographer cropped space ‘where crowd ended’
https://www.theguardian.com/world/2018/sep/06/donald-trump-inauguration-crowd-size-photos-edited

Am Ende saß ein Fotograf der Regierung vor seinem Computer und bearbeitete die Bilder, damit die Menschenmenge auf der National Mall größer als tatsächlich erschien: Er schnitt sie neu zu und entfernte den Himmel und die leeren Abschnitte auf dem Feld. Der Untersuchungsbericht klärt nicht darüber auf, welche Fotos bearbeitet wurden und ob sie veröffentlicht wurden.

Um 9.30 Uhr seines ersten Tages im Amt hat der konsternierte Trump mit dem Direktor des National Park Service (NPS), Michael Reynolds, telefoniert. Der NPS hatte die Veranstaltung auf der National Mall kontrolliert, Fotos freigegeben, und auch auf seinem offiziellen Twitteraccount war der ungünstige Bildervergleich zu sehen.

Eine NPS-Kommunikationsmitarbeiterin, deren Name wie die anderer Angestellter im Bericht geschwärzt worden war, berichtete den Ermittlern laut "Guardian": Reynolds habe sie nach seinem Gespräch mit Trump angerufen und gesagt, dass der Präsident Fotos von der Amtseinführung haben wolle.

Sie sagte, "sie habe den Eindruck gehabt, dass Präsident Trump Bilder sehen wollte, die mehr Zuschauer in der Menge zeigen sollten", und dass die Fotos, die bisher freigegeben worden waren, "eine Menge leerer Abschnitte" darstellten. Sie nahm an, dass die angeforderten Bilder in diesem Sinne neu zugeschnitten werden sollten, allerdings habe Reynolds das so explizit nicht gesagt. Daraufhin kontaktierte sie den zuständigen NPS-Fotografen.

Eine weitere NPS-Anstellte berichtete den Ermittlern, dass Spencer sie nach Fotos gefragt hätte, die "genau die Größe der Menschenmenge bei der Amtseinführung" zeigen sollten. Sein Wunsch lief ihrer Meinung nach darauf hinaus, dass die Zuschauer den Hauptteil des Bildes ausfüllen sollten. Auch sie fragte den NPS-Fotografen an. Dieser sagte, dass er gebeten wurde, zurück in sein Büro zu gehen und einige neue Bilder für eine zweite Aussendung fertig zu machen. Er nahm an, dass das gezielte Zuschneiden gewünscht sei, wenn auch nicht spezifisch angefragt.

Die Untersuchung im vergangenen Jahr wurde eingeleitet, nachdem es Beschwerden gab, wonach der NPS Trumps Autorität untergraben wolle und das Gespräch mit Reynolds an die "Washington Post" geleakt habe. Der Generalinspektor fand dafür keine Bestätigung.

Laut der nun veröffentlichten Dokumente war Sean Spicer eng in den Ablauf der Fotobearbeitung eingebunden. Zweimal telefonierte er an jenem Tag mit NPS-Direktor Reynolds. Am Abend um 17.40 Uhr eröffnete er die inzwischen berüchtigte Pressekonferenz.



Aus: "Amtseinführung von Donald Trump: US-Behörde hat Fotos nachträglich bearbeitet " (Samstag, 08.09.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/amtseinfuehrung-von-donald-trump-fotos-wurden-von-behoerden-bearbeitet-a-1227163.html

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KingTut

2. Fake President
Der maligne Narzissmus von Trump schreckt nicht einmal vor Geschichtsfälschung zurück. Nichts anderes stellt diese nachträgliche Bildbearbeitung dar. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie heftig er die unabhängigen Medien als "Fake News" beschimpft, wenn ihm deren Nachrichten nicht gefallen ...


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ich_sach_ja_nur

6. Cropping = Zuschneiden
Ich hab ja nichts gegen englischsprachige Begriffe, wenn sie etwas mit einem Wort einfacher beschreiben, als es in deutsch möglich wäre. Aber warum muss hier von “croppen“ geredet werden, wo doch der deutsche Begriff “zuschneiden“ oder auch “beschneiden“ genauso gut wenn nicht noch besser beschreibt, was hier mit den Aufnahmen gemacht wurde? Das Beschneiden eines Fotos auf einen passenden Ausschnitt (sic!) ist nicht nur legitim und gang und gäbe, sondern auch wichtig und richtig für Bildkomposition, Bildaussage und -wirkung. Das wird in jedem VHS-Kurs gelehrt, warum sollen sich die Profis un Washington nicht auch dieser Technik bedienen?


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h.kuebler

8. Na und
Er hat von dem Foto die Leerstellen wegschneiden lassen. Hab ich bei Fotos auch schon gemacht. Wo soll das Problem sein? Jeder, der will und der die beiden Bilder der beiden Präsidenten-Einführungen vergleicht, sieht doch, dass viel mehr Leute bei Obama waren. Ich kann da keine Geschichtsfälschung erkennen. Auf jedem Foto sieht man doch nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit, zumal dann, wenn Menschenmengen fotografiert werden. Trump macht wirklich viel Stuss, aber das hier ist keine Schlagzeile wert.


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interstitial

10. Hmm
Das wirft auch kein gutes Licht auf den betreffenden Mitarbeiterstab. Schließlich halte ich Donald Drumpf für kaum in der Lage, im Alleingang den ganzen Unfug zu veranstalten, der in den USA derzeit passiert. Aber was hier geschildert wird, riecht ja eher nach einer Art von vorrauseilendem Kadavergehorsam, Mit dem viel Übles möglich ist, und nacher war keiner Schuld. Sehr unangenehm. Steiles Machtgefälle ist immer unangenehm, aber ein steiles Machgefälle, das im Weißen Haus von einem randalierenden Narzissten auf rückgratlose Duckmäuser ausgeht ist halt leider für die ganze Welt gefährlich.

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Leinad 07

12. @msgeorg / sehr richtig
Egal wie man es auch nennt: jedes Foto an sich ist ein Ausschnitt. Ob ich nun bei oder nach der Aufnahme den Ausschnitt wähle, ist im Grunde egal. Sicher ist es legitim ein Event möglichst vorteilhaft wider zu geben. Nicht legitim ist es, Zahlen zu fälschen oder bewusst (beschnittene) Fotos zur Untermauerung falscher Tatsachen einzusetzen.


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periplus heute, 13:36 Uhr
14. @msgeorg
Bildbeschnitt ist nicht legitim, wenn dabei Bildteile entfernt werden, welche die Aussage des Bildes verändern. Geschieht dies absichtlich, kann man vielleicht nicht von einer Fälschung aber sehr wohl von Manipulation sprechen. Und hier wurden die manipulierten Bilder sehr wohl genutzt, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Wer so arbeitet betreibt Propaganda, und keinen Journalismus. Beispiel: https://toinformistoinfluence.com/2012/06/15/images-a-matter-of-perspective/ - oder in einem weniger ernsthaften Zusammenhang: https://www.elitereaders.com/wp-content/uploads/2015/09/funny-cropped-photos-9.jpg


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« Last Edit: September 08, 2018, 08:21:30 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #43 on: Oktober 15, 2018, 05:21:02 nachm. »
Quote
[...] Facebook hat im Vorfeld der Kongresswahlen in den USA am 6. November mehr als 800 Benutzeraccounts gesperrt. Damit will das Unternehmen gegen die Verbreitung von Falschmeldungen vorgehen. Insgesamt habe man 559 Seiten und 251 Nutzerkonten entfernt, die stetig die Regeln gegen Spam und koordinierte Aktivitäten unauthentischer Seiten verstoßen hätten, teilte das Unternehmen in einem Blogeintrag mit.

"Menschen müssen den Verbindungen vertrauen können, die sie auf Facebook eingehen", schrieben Nathaniel Gleicher, Facebook-Chef für Cybersicherheit, und der Produktverantwortliche Oscar Rodriguez. Daher gehe Facebook gegen Netzwerke von Accounts vor, die die Nutzer über ihre Identität und ihre Absichten täuschten.

Dabei gehe es um Benutzerkonten, Seiten und Gruppen, die versuchten, politische Auseinandersetzungen in den USA, dem Nahen Osten, Russland oder Großbritannien anzuheizen. Ein Großteil werde aber nicht mit einer politischen Absicht betrieben, sondern schlicht, um Geld zu verdienen. Die Betreiber verbreiteten massenhaft Inhalte über ein Netzwerk von Seiten und Gruppen, um Nutzer auf legitim scheinende Internetseiten zu locken. In Wirklichkeit handele es sich aber um "Werbefarmen".

"Diese Netzwerke benutzen heute vermehrt sensationalistische politische Inhalte – unabhängig von einer politischen Ausrichtung – um ein Publikum aufzubauen und Nutzerströme auf ihre Seiten zu locken", schrieben Gleicher und Rodriguez. Oft erweckten sie den Eindruck, beliebter zu sein, als eigentlich der Fall ist, da die Seiten sich massenhaft gegenseitig Likes geben und ihre Beiträge teilen.

Laut einem Bericht der Washington Post hatte eine der gesperrten Seiten mehr als 3,4 Millionen Likes und mehr als 3 Millionen Abonnenten. Sie habe für sich in Anspruch genommen, als erste Onlinepublikation Donald Trump unterstützt zu haben. Es seien aber auch Seiten darunter, die in ihren Beiträgen Trump und die Republikaner angegriffen hätten.

Das soziale Netzwerk sieht sich vor allem seit dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 dem Vorwurf ausgesetzt, nicht genug gegen gefälschte Accounts vorzugehen. Solche Seiten sollen massenhaft Falschmeldungen verbreitet und so den Wahlkampf beeinflusst haben. Bereits im August hatte Facebook 652 miteinander verknüpfte Konten, Seiten und Gruppen gesperrt. Diese sollen aus dem Iran und Russland gesteuert worden sein.


Aus: "Facebook sperrt Hunderte Spamkonten" (12. Oktober 2018,)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/internet/2018-10/us-midterm-wahlen-facebook-falschinformation-propaganda

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Galgenstein #4

Die Auffälligkeiten vollziehen sich nicht nur auf Facebook, sondern oft auch in den Kommentarbereichen, bei denen man oft den Eindruck gewinnt, dass eine Minderheit überproportional stark vertreten ist. In den Wahlergebnissen spiegelt sich das nicht wieder. Ähnlich die Klickkamarilla bei der FAZ. Je extremer eine Meinung formuliert wird, desto mehr Likes erhält sie und dies oftmals mit erstaunlicher Geschwindigkeit.


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Brustring #4.2

Die FAZ ist noch harmlos. Bei Focus oder der Welt zieht es mir jedes mal die Schuhe aus.


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Something_is_rotten #4.3

... Nachvollziehen kann ich Ihre Verschwörungsvermutung nicht, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass Klicks auf Kommentare wirklich so wichtig sein sollen. ...


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Uncritical_Threshold #4.7

"Nachvollziehen kann ich Ihre Verschwörungsvermutung nicht"
Naja wenn bei fast jeder Onlinezeitung beispielsweise Pro-AfD Kommentare mehr oder zumindest genausoviele Empfehlungen kriegen, wie Kommentare die kritisch zur AfD stehen, obwohl die Partei laut Umfragen zwischen 14 und 19 % steht, dann fragt man sich schon woher diese Unverhältnismäßigkeit kommt. Mit "Verschwörungsvermutung" hat das nichts zu tun, es ist ja eindeutig unproportional. Und es gibt ja eigentlich nur zwei Erklärungen dafür, entweder verbringt ein wesentlich größerer Anteil der AfD-Wähler Zeit in Kommentarspalten, oder ein Teil dieser Likes kommt von Bots.


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contradore #4.9

"Und es gibt ja eigentlich nur zwei Erklärungen dafür, entweder verbringt ein wesentlich größerer Anteil der AfD-Wähler Zeit in Kommentarspalten, oder ein Teil dieser Likes kommt von Bots."

exakt.

hier im forum vergleiche ich als simple faustregel die anzahl der maximal-empfehlungen mit der anzahl der gesamtkommentare.

es gibt lediglich zwei themenbereiche, bei denen man (zumindest zwischenzeitlich) mehr maximal-empfehlungen als kommentare beobachten kann: wenn es um die afd oder um russland geht.


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Nette Haferflocken #4.10

Ein Forist beschrieb, daß die Russlanddeutschen besser vernetzt seien und vieleicht deshalb mehr klicks zustande kommen.
Bei der afd vermute ich auch manchmal einen Ortsverband nebst Freunden bei socialmedia-event.Ich glaube aber nicht an eine Mehrheit.
Die Mehrheit verabredet sich nicht zum liken.
Interessant ist aber auch, manchen Artikel mit im weitesten Sinne Russland zum Thema, bekommt die Gegenseite der "Putin-Fan-Boys" und "Kreml-Trolle", mehr Sterne.
Bizar waren manche aufpoppende Kommentare beim Artikel über die Pipeline Nordstream2


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Bberliner #4.11

Das Problrm ist, daß die "move fast break things"-Leute nie wirklich versucht haben zwischenmenschliche Kommunikation nach Offline-Vorbild nachzubauen (individuell und nach Tagesform unterschiedliche Kommunikationsformen und Inhalte, getragen von Respekt, Rücksicht, Interesse, Toleranz, Neugier - nur in Krisenmomentem von Gebrüll und Provokation) Nach Marketinglogik erzeugen Entertainment, Provokation und Kontroverse aber eben am meisten Interaktion und Reichweite. Alles andere hat Mark und Jack erst angefangen zu interessieren, als es längst zu spät war, die Demokratie ist durch die kaputten Algorithmen sozialer Netzwerke längst arg gebeutelt. ...


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contradore #4.12

"Ein Forist beschrieb, daß die Russlanddeutschen besser vernetzt seien und vieleicht deshalb mehr klicks zustande kommen."

ich rede nicht von mehr klicks als bei einem anderen kommentar sondern von mehr klicks, als es überhaupt kommentare gib.

soetwas finden sie sonst nicht einmal ansatzweise, bei welchem themenbereich auch immer - selbst bei einem nachruf auf mutter teresa, mahatma gandhi und albert schweitzer in personalunion.


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SPON-Flüchtling #17

Ist Bellingcat schon mit der Analyse der gesperrten Konten beschäftigt?


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Offene Augen #21

"Mir ist aufgefallen, dass Arschlöcher mehr zu sagen haben auf der Welt, seit Social Media so erfolgreich ist. Auf Bummer-Plattformen ist ein Pendeln zwischen zwei Extremen zu beobachten: Entweder gerät man in einen von Arschlöchern ausgelösten Shitstorm, oder alle sind supervorsichtig und aufgesetzt nett. Die größten Arschlöcher ziehen die meiste Aufmerksamkeit auf sich, und daher bestimmen sie letztlich häufig die Atmosphäre einer Plattform."

Jaron Lanier


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« Reply #44 on: Oktober 19, 2018, 03:43:38 nachm. »
Quote
[...] Die New Yorker Staatsanwaltschaft geht Hinweisen auf bis zu 9,5 Millionen Identitätsanmaßungen nach. Lobbyisten sollen im Verfahren zur Abschaffung der Netzneutralität Millionen Stellungnahmen eingereicht haben, wofür sie fremde Namen und Adressen missbraucht haben. Diese Woche hat die Staatsanwaltschaft Subpoena gegen mehr als ein Dutzend Lobbyfirmen und -gruppen erwirkt, wie die New York Times berichtet.

Eine Subpoena verpflichtet den Adressaten unter US-Recht, bestimmte Informationen, Unterlagen oder Gegenstände herauszugeben, die dann in einem Gerichtsverfahren als Beweise verwendet werden können. In diesem Fall geht es wohl vor allem um Auskünfte und Unterlagen.

Ein wichtiger Teil des Netzneutralitätsverfahrens bei der US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) im Vorjahr war eine öffentliche Konsultation. Jedermann konnte sich einbringen und inhaltliche Gründe sowie rechtliche Argumente vorbringen. Jede Eingabe wurde Teil des offiziellen Akts und kann zur Begründung der Entscheidung herangezogen werden sowie bei einer eventuellen späteren gerichtlichen Überprüfung eine Rolle spielen.

Meistens beteiligen sich vor allem Insider, doch die (damals geplante) Abschaffung der Netzneutralität hat nicht weniger als 22 Millionen Eingaben hervorgerufen. Im Dezember war die New Yorker Staatsanwaltschaft noch von einer Million Eingaben unter fremdem Namen ausgegangen. Diese Zahl soll inzwischen auf bis zu 9,5 Millionen gestiegen sein. Dabei wurden auch Namen Verstorbener verwendet. Zudem kam eine erstaunliche Menge an Beiträgen (angeblich) von Russen.

Überhaupt waren von den 22 Millionen Stellungnahmen nur etwa 800.000 einzeln abgefasst, wie Forscher der Stanford Universität festgestellt haben. Der Rest bestand aus vielfach wiederholten gleichlautenden Schreiben oder einer Melange aus recycelten Phrasen. Die Forscher haben auch eine Stichprobe von 1000 einzigartigen Stellungnahmen begutachtet. Dabei zeigte sich, dass nur drei Eingaben für die Abschaffung der Netzneutralität waren, 997 dagegen.

Die Staatsanwaltschaft möchte nun herausfinden, wie die nie dagewesene Lawine an Textbausteinen zustande gekommen ist. Irreführende Nutzung sowie Missbrauch fremder Identitäten ist in den USA strafbar. Die Subpoena richten sich gegen Lobbyisten auf beiden Seiten der Auseinandersetzung. Manche Lobbyisten halten bisher sogar ihre Auftraggeber geheim.

Die republikanische Mehrheit in der FCC selbst hat offenbar wenig Interesse an Aufklärung. Die New York Times hat inzwischen die FCC verklagt, weil diese Auskünfte nach dem Informationsfreiheitsgesetz verweigere. Jessica Rosenworcel, eine der beiden Demokratinnen in der FCC, begrüßte hingegen das Vorgehen der New Yorker Staatsanwälte. (ds)


Aus: "Millionen fremder Namen zur Abschaffung der Netzneutralität missbraucht" Daniel AJ Sokolov (19.10.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Millionen-fremder-Namen-zur-Abschaffung-der-Netzneutralitaet-missbraucht-4196015.html


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« Reply #45 on: Juli 28, 2019, 12:01:06 vorm. »
Quote
[...] Eigentlich müsste Mirjam Hornetz in der Fitnesswelt zu den deutschlandweit bekanntesten Figuren gehören. Immerhin folgen der studierten Gesundheitsmanagerin mehr als eine Million Nutzer auf dem sozialen Netzwerk Instagram. Wenige der sogenannten Fitness-Influencerinnen haben mehr Fans. Doch in kaum einem Jugendzimmer dürfte ein Foto von ihr hängen. Auf Branchenveranstaltungen werde sie kaum erkannt, heißt es. Für Beobachter ergibt sich da ein Verdacht: Hornetz könnte sich die Gefolgschaft im Netz für ein paar Euro erkauft haben. Das hieße dann: Statt echter Fans folgen ihr überwiegend automatisierte Fake-Nutzer.

Ob nun gekaufter Ruhm oder doch nur Zufall: Zweifelhafte Tricks beim Geschäft auf Instagram sind keine Seltenheit mehr. Jeder zehnte deutsche Influencer kauft sich mittlerweile eindeutig oder sehr wahrscheinlich Fake-Follower oder Likes dazu. Das geht aus einer Berechnung der Berliner Marketingagentur Media-Part hervor, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt. Im Umkehrschluss konnte nur bei weniger als der Hälfte zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass die Profile der Internetstars auf natürlichem Wege gewachsen sind. Die Agentur hat für ihre Analyse insgesamt fast 22.800 Kanäle untersucht. Ihr Analyseprogramm „Influlyzer“ kann auf 1,8 Milliarden Beiträge zurückgreifen.

Für die Schummeleien hat sich in der Branche bereits ein eigener Begriff etabliert: Influencer-Fraud, der im Deutschen so viel bedeutet wie Influencer-Betrug. Für die Branche geht es um ein großes Geschäft. Konzerne reißen sich um die Internetstars als Werbepartner, denn sie genießen bei ihren Fans ein hohes Maß an Vertrauen. Schon im kommenden Jahr wird der deutsche Influencer-Markt voraussichtlich die Milliardenmarke überschreiten. Noch 2017 beliefen sich die Einnahmen der deutschen Influencer auf gut 500 Millionen Euro. Mittlerweile bekommen vier von fünf Influencer neben kostenlosen Produkten auch Geld, wenn sie Artikel prominent in die Kamera halten. Das will die Softwarefirma Facelift gemeinsam mit der Agentur „Jung von Matt“ in einer Umfrage ermittelt haben. Mehr als ein Viertel der Influencer kassiert demnach mehr als 500 Dollar pro Kampagne, teils geht es hoch bis zu 25.000 Dollar.

Fitness-Influencerin Mirjam Hornetz bestreitet, jemals Follower gekauft zu haben. Sie habe keine Agentur beauftragt, und auch keinen Manager. Und dass sie neue Fans zuletzt vor allem nachts generiert hat, führt sie auf Hackerversuche zurück. Doch die Verlockung scheint groß zu sein. Denn während Werbeaufträge meist hochdotiert sind, gibt es gekaufte Follower mitunter zum Schnäppchenpreis. Beim Internetanbieter „Social-Media-Market“ kosten 1000 neue Follower nur knapp 20 Euro. Die Betreiber versprechen authentische Nutzer, die sich kaum von echten Abonnenten unterscheiden würden. Die „Lieferung“ laufe außerdem schnell und diskret. „Wir betreuen bereits viele große und bekannte Kunden, bei denen Diskretion von höchster Priorität ist“, heißt es auf der Website des Unternehmens. Doch auch sogenannte Bots, also automatisierte Fake-Profile, lassen sich im Netz schnell kaufen. Verwendet ein Influencer einen bestimmten Hashtag in seinem Beitrag, klickt der Bot automatisch auf den „Gefällt-mir“-Button oder kommentiert mit vorprogrammierten Sätzen.

Wer seinen Erfolg auf Instagram künstlich ankurbelt, dem könnten allerdings rechtliche Konsequenzen drohen. Weil sie gewerblich handeln, müssten sich auch Influencer an die Spielregeln eines fairen Wettbewerbs halten, erklärt der Berliner Medienrechtler Tim Hoesmann. Kaufen sich die Internetstars nun Fake-Follower hinzu, könnten sie potenziellen Werbepartnern eine größere Bekanntheit vortäuschen als sie in Wirklichkeit haben. Das Wettbewerbsrecht verbietet irreführende geschäftliche Handlungen, die einen anderen Marktteilnehmer zu einer Entscheidung bewegen, die er andernfalls nicht getroffen hätte. In der Regel bleibe es bei Abmahnungen und Unterlassungsaufforderungen. „Falls dann aber noch einmal gegen die Unterlassungserklärung verstoßen wird, können mehrere Tausend Euro Strafe drohen“, erklärt der Rechtsanwalt. Darüber hinaus wäre auch denkbar, dass Werbepartner bereits gezahlte Honorare wieder zurückverlangen können.

Wie groß der Schaden für die Auftraggeber ist, lässt sich nur grob schätzen. Einer aktuellen Studie der US-amerikanischen IT-Firma Cheq zufolge könnten sich die weltweiten Verluste durch vorgetäuschte Reichweiten im Jahr 2019 auf 1,3 Milliarden Dollar belaufen. Das wären immerhin 15 Prozent des gesamten Umsatzes der Branche. Dass Follower nicht gleich Kunden sind, zeigte sich zuletzt an einem prominenten Beispiel. Die Influencerin Arii soll daran gescheitert sein, schlappe 252 eigens designte Kleidungsstücke an ihre 2,6 Millionen Fans zu verkaufen. Diese Voraussetzung hatte offenbar eine Modefirma gestellt, um ihre Kollektion zu vertreiben. Zwar erklärte Arii später auf Instagram, dass sie niemals Follower gekauft habe – anders konnten sich Branchenbeobachter die desaströsen Verkaufszahlen der zumindest zahlentechnisch beliebten Influencerin allerdings nicht erklären.

Während sogenannter Influencer-Fraud hierzulande erst aufkommt, scheint der Betrug mit vorgetäuschten Reichweiten in anderen Ländern schon verbreitet zu sein. In den USA und Großbritannien gehen Studien davon aus, dass mittlerweile zwischen 20 und 25 Prozent der Influencer in ihren Heimatmärkten für Fake-Abonnenten und künstliche Gefällt-mir-Klicks bezahlen. „Deutsche Influencer ticken noch anders“, sagt Media-Part-Geschäftsführer André Mörker. „Da besteht noch eher die Sorge, dass etwas herauskommt.“ Aber: Mit einem wachsenden Markt könnte auch das Geschäft mit den Fake-Followern lukrativer werden. „Es ist wahrscheinlich, dass Influencer-Fraud auch hierzulande weiter zunimmt“, sagt Mörker. Allein im letzten Quartal habe seine Agentur einen Anstieg von 20 Prozent beobachten können.

Die Influencer selbst scheinen die Tricks mancher Kollegen jedoch kaum zu belasten. „Ich sehe da keine Gefahr für die Glaubwürdigkeit der Branche“, sagt Stefan Doktorowski, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Influencer Marketing (BVIM). Mittlerweile gebe es genügend Möglichkeiten, um herauszufinden, wo es organisches oder eben technisch unterstütztes Wachstum etwa durch Fake-Accounts gibt. Wenngleich auch Doktorowski einräumt, dass es sicherlich immer noch eine Grauzone gebe. Zur Wahrheit gehört auch: Nicht jeder, der Geld für seinen Instagram-Kanal in die Hand nimmt, will vorsätzlich täuschen. Teils schließen sich Fake-Follower auch Influencern an, die selbst nie einen Bot-Anbieter beauftragt haben. Außerdem lässt sich auch mit bezahlten Anzeigen die eigene Followerzahl in die Höhe treiben. Die Internetstars bewerben ihre Beiträge, Instagram spielt diese in seiner App aus – und der normale Nutzer stößt so auf das Profil des Influencers. Der Unterschied: Bei bezahlten Anzeigen entscheiden reale Nutzer selbst, ob sie jenem Influencer folgen wollen. Und das tun sie im Zweifel nur, wenn sie sich für die Themen auch interessieren. Das Wachstum ist – trotz Bezahlung – also echt.

Blickt man auf aktuelle Pläne von Instagram, könnte sich bald ohnehin einiges in der Influencer-Szene ändern. Vor drei Monaten hat das Netzwerk in Kanada ein Experiment gestartet. Für ausgewählte Nutzer sind die Gefällt-mir-Klicks von Beiträgen anderer seitdem ausgeblendet. Follower sollen sich auf die geteilten Fotos und Videos konzentrieren und nicht darauf, wie viele Likes sie bekommen, erklärte Instagram zum Start. Nun will das Unternehmen die Funktion offenbar in sechs weiteren Ländern ausrollen, darunter in Irland und Italien. Ob die versteckten Likes auch nach Deutschland kommen, dürfte von den Ergebnissen der laufenden Testphase abhängen.

Das ausgerufene Ziel des Unternehmens scheint jedenfalls ehrenhaft: weniger Konkurrenz ums schönste Bild, weniger Neid auf andere. Marketingexperten wie André Mörker sehen im Test eher einen Versuch, das eigene Geschäft voranzubringen. Sind Daten wie Gefällt-mir-Klicks nicht mehr öffentlich einsehbar, werde eine Reichweitenanalyse für externe Agenturen immer schwieriger. „Es sieht so aus, als wollen Facebook, Instagram und Co. die Gewinne aus dem Marketing selbst einstreichen“, sagt der Media-Part-Geschäftsführer. Sei es durch eigene Angebote oder den Verkauf der Daten an Dritte. Bislang verdienen die Netzwerke vor allem durch Werbeeinnahmen und die bezahlten Anzeigen ihrer Nutzer.


Aus: "Jeder zehnte deutsche Influencer kauft sich Follower" Laurin Meyer (27.07.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/bezahlter-ruhm-auf-instagram-jeder-zehnte-deutsche-influencer-kauft-sich-follower/24844910.html

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« Reply #46 on: August 20, 2019, 08:53:51 vorm. »
Quote
[...] Twitter und Facebook haben China vorgeworfen, über die Online-Plattformen gezielt Stimmung gegen die Demokratiebewegung in Hongkong zu machen. Twitter teilte am Montag mit, eine "staatlich unterstützte" Informationskampagne gegen die Protestbewegung aufgedeckt zu haben. Zahlreiche Nutzerkonten hätten "koordiniert" agiert, um Botschaften über die Proteste in Hongkong zu verbreiten. Deswegen seien 936 Konten gesperrt worden, über die koordiniert "politischer Streit in Hongkong gesät werden sollte". Zusätzlich sei ein Netzwerk aus rund 200.000 Accounts gesperrt worden, bevor es nennenswerte Aktivität entwickeln konnte,

Twitter ist in Festlandchina blockiert. Laut dem Kurzbotschaftendienst wurden aber virtuelle private Netzwerke genutzt, um den tatsächlichen Standort des Nutzers zu verschleiern.

Facebook erklärte, nach einem Hinweis von Twitter mehrere Seiten, Gruppen und Nutzerkonten mit Verbindungen nach China gesperrt zu haben. Mit "Täuschungstaktiken" wie falschen Nutzerkonten seien Botschaften zu Hongkong verbreitet worden, erklärte Facebook-Onlinesicherheitschef Nathaniel Gleicher. Nachforschungen hätten ergeben, dass es Verbindungen zwischen den Urhebern und der chinesischen Regierung gebe.

In Hongkong gibt es seit Wochen Massendemonstrationen für mehr Demokratie und gegen eine wachsende Einflussnahme Pekings. Die chinesische Regierung hat den Demonstranten in der Sonderverwaltungszone zuletzt immer unverhohlener gedroht und sie diffamiert. So brachte sie die Demonstranten mit "Terrorismus" in Verbindung und schickte Truppen an die Grenze. Inzwischen wächst die Sorge vor einem chinesischen Militäreinsatz. (AFP, dpa)


Aus: "Twitter und Facebook sperren Konten mit chinesischer Propaganda" (20.08.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/protestbewegung-in-hongkong-twitter-und-facebook-sperren-konten-mit-chinesischer-propaganda/24921364.html

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« Reply #47 on: Dezember 10, 2019, 05:02:30 nachm. »
Quote
[...] US-Regierungen – sowohl die aktuelle als auch die beiden vorherigen – haben die Öffentlichkeit über den Krieg in Afghanistan  systematisch getäuscht. Dies geht aus mehr als 400 internen Interviews mit US-Militärs hervor, die die Washington Post erhalten und ausgewertet hat.

Wie die Zeitung unter Berufung auf die sogenannten Afghanistan Papers berichtet, wurden in den vergangenen 18 Jahren Erfolge vermeldet, die es gar nicht gegeben hat. Die Regierungen hätten sich hinter "rosigen Ankündigungen" versteckt und negative Informationen gezielt geheim gehalten. Alle Daten seien so verändert worden, um das bestmögliche Bild zu präsentieren, wird etwa Oberst Bob Crowley zitiert, der US-Kommandeuren in den Jahren 2013 und 2014 als Berater diente.

Douglas Lute, ein mit drei Sternen dekorierter Armeegeneral, der während der Regierungen unter George W. Bush und Barack Obama für den Afghanistan-Krieg verantwortlich war, zeigte sich in einem weiteren Interview mit internen Gutachtern ebenfalls selbstkritisch. "Uns fehlte es an einem fundamentalen Verständnis von Afghanistan – wir wussten nicht, was wir tun", räumte er dem Bericht zufolge im Jahr 2015 ein.

Der Bericht zitiert auch einen früheren US-Botschafter in Kabul, Ryan Crocker, mit der Aussage, dass es den USA vor allem gelungen sei, "massive Korruption" in Afghanistan zu entwickeln, wenn auch unabsichtlich. "Wenn es einmal ein solches Niveau erreicht, wie das, was ich gesehen habe, als ich dort war, dann ist das irgendwo zwischen unglaublich schwierig und völlig unmöglich, es noch zu richten", wurde Crocker zitiert.

Die Interviews wurden im Rahmen des Projekts "Gelernte Lektionen" vom Sondergeneralinspektor für den Wiederaufbau in Afghanistan (Sigar) geführt. Diese Institution wurde 2008 vom US-Kongress ins Leben gerufen, um den seit 2001 andauernden Krieg und seine Folgen zu evaluieren. Die erhobenen Daten waren jedoch zunächst nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Die Zeitung hatte die Herausgabe der Dokumente mit den Aussagen der rund 400 ranghohen Beamten, Botschaftern und Militärangehörigen vor Gericht erstritten. In einer Reaktion auf die Enthüllung teilte das Pentagon mit, es gebe "keine Absicht", den Kongress oder die Öffentlichkeit zu täuschen.

Für Kritikerinnen und Kritiker des US-Einsatzes in Afghanistan sind die nun veröffentlichten Sigar-Interviews wenig überraschend. Die offizielle Linie der Regierungen seit 2001 sei ein Mantra "zunehmender Fortschritte", schreibt die Washington Post. Diese werde nun infrage gestellt. "Ganz egal, wie sich der Krieg entwickelte – und vor allem, wenn es schlechter lief – betonten sie, dass Fortschritte gemacht werden", so die Zeitung.


Aus: "US-Regierungen beschönigten Berichte über Lage in Afghanistan" (10. Dezember 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-12/afghanistan-krieg-us-regierung-taeuschung

Quote
deep_franz #1

Eine Bekanntschaft beim Hundegassi hat einen recht dicken kleinen Hund.
Jedes mal, wenn wir uns begegnen, also ca. 1 mal die Woche, erzählt sie mir, daß der Hund ganz schön abgenommen hat.
Der Hund nimmt nun schon seit 5 Jahren ab.
Jeder kann und konnte sehen, daß der genauso fett wie vorher ist.
Keiner sagt was, aus Höflichkeit.
Welche Ausrede hat die Presse?


Quote
Monacco #1.4

Die Presse hat ihnen diese Erkenntnis überhaupt erst ermöglicht. Aber Hauptsache irgendwas polemisches rausgehauen.


Quote
Burattino #1.5

Nur die USA sprachen von Fortschritten?

Das Ergebnis einer kurzen, oberflächlichen Google Recherche:

Regierung lobt Fortschritte in Afghanistan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung/Antwort - 14.03.2019
https://www.bundestag.de/presse/hib/628780-628780

Kramp-Karrenbauer will Afghanistan-Einsatz verlängern (2019)
https://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/politik/2657222-kramp-karrenbauer-will-afghanistan-einsatz-verlaengern

Afghanistan: Chancen für Frieden nutzen (2019)
Beim Besuch seines afghanischen Amtskollegen sagt Außenminister Maas Unterstützung beim innerafghanischen Dialog zu, Errungenschaften wie Frauen- und Minderheitenrechten müssten dabei bewahrt bleiben.
https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/afghanistan-node/maas-afghanistan/2230338

Berichte über einen möglichen Teilabzug der US-Truppen aus Afghanistan sorgen in Deutschland und bei anderen Verbündeten für Irritationen. Trotzdem hat der Bundestag das Mandat für den Einsatz deutscher Soldaten im Rahmen der "Resolute Support" Mission vergangene Woche um ein weiteres Jahr verlängert. ...
https://www.das-parlament.de/2019/13_14/europa_und_die_welt/631192-631192

....

Insbesondere die Regierungsparteien sehen für gewöhnlich dann “Fortschritte”, wenn es um die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes geht.
Kritik oder wenigstens kritische Nachfragen in der deutschen Standard-Medienlandschaft - Fehlanzeige.


Quote
Harmlos01 #1.6

Es ist nicht die Frage, welche Ausrede die Presse hat. Welche Ausrede haben wir Bürger, dass wir geschönte Berichte glauben? ...


Quote
deep_franz #1.9

Wir sind dort schon fast 19 Jahre im krieg, ich habe die kompletten 19 Jahre auch als erwachsener Mensch erlebt und auch vor 30 Jahren schon Zeitung gelesen.
Es ist leider nicht so, daß der Journalismus in Deutschland frei von Propaganda wäre. Er ist nicht glücklicherweise nicht vollständig geprägt von Propaganda, wie man das anderswo erleben darf.
Wenn man 18 Jahre braucht um festzustellen, was im Grunde jeder weiß, nämlich daß dieser Einsatz gescheitert ist, dann glaube ich nicht, daß dies aus Absichtslosigkeit geschehen ist.
Die "Interventionsfreudigkeit", die man nach dem Kosovokrieg an den Tag legte, wurde und wird von großen Teilen der Presse sogar sehr stark gefordert. Sie brauchen nur Artikel von Herrn Joffe und Herrn Kohler (beide auch Herausgeber) oder auch einfach mal Presseclub von vor 19 Jahren anzuschauen. Man hatte nicht den Eindruck, daß es auch nur einen Journalisten gab, der dezidiert gegen die Einsätze ist.
Real gabs und gibts die natürlich, ich kenne sogar welche. Um sowas zu veröffentlichen muss man fast eine eigene Zeitung/Blog/Podcast etc. eröffnen, bei ZEIT/FAZ/Spiegel etc. oder gar im ÖR kommt man da nicht unter. ... [ Die Marginalisierung der Friedensbewegung, vornehmlich durch den Wegfall der Grünen als unterstützende Partei, war ein schwerer Schlag.
Damit einher ging die Tatsache, daß sich dezidiert gegen die "out-of-area"-Einsätze nur Parteien vom ganz linken und ganz rechten Rand positionieren.
Der Krieg wurde leider zum Bestandteil der Mitte erklärt. ]


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  Tikal69 #1.23

Da haben sie völlig recht. Allein auf ZON gabe es unzählige Artikel, wo Journalisten mehr Verantwortung der Deutschen in der Welt forderten und jeden diffamierten, der ein Ende des Afghanistan Einsatzes auch nur verwähnte. Stattdessen immer wieder Artikel für das 2% Ziel und für die Nato und unsere Freundschaft mit den USA und gegen Russland.


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Ritzer der Kukusnuß #1.31

„ Welche Ausrede hat die Presse?“

Die „Presse“ klärt Sie gerade darüber auf, Sie Held.

Ist ja auch eine unheimliche Heldentat, wenn es schon die Spatzen von den Dächern pfeifen.


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skipporiginal #4

Überrascht das wirklich irgendwen?


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R.Eress #4.1

Das ist ein Deja vu. Ich kann mich noch an die Berichte über Vietnam erinnern. Da würde auch alles besser, bis zum bitteren Ende.


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d.radler #10

Aus Vietnam nichts gelernt.


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deep_franz #10.1

Doch, ausgesuchte Journalisten auf Panzern mitfahren lassen und alle anderen fernhalten.


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Harzzach #11

Letztlich eine ausführliche Doku über den Vietnamkrieg gesehen (The Vietnam War von Ken Burns).

Schon damals wurden die Beweggründe des Vietcong, die Geschichte des Landes und die Mentalität der Menschen massiv miss- oder gar nicht verstanden. Man stützte korrupte Generäle und diktatorische Präsidenten. Die unkontrollierten Hilfszahlungen und die Masse an geliefertem Material an Südvietnam schufen ein vorher nicht gekanntes Ausmaß an Korruption und Schwarzen Marktes.

Die US-Army berichtete auf Drängen des damaligen Verteidigungsministers McNamara einen Headcount an getöteten Vietcong, weil das die einzige Messgröße war, die man erfassen konnte und somit waren die Anstrengungen der US-Army im Kampf gegen den Vietcong umso erfolgreich, je mehr tote Gegner nach Washington gemeldet wurden. Also wurden Schätzungen über gegnerische Verlustzahlen drastisch nach oben geschraubt. Und in Washington ging man jahrelang davon aus, dass der Krieg gewonnen wird, obwohl gleichzeitig die Armeeführung immer mehr Soldaten, immer mehr Ressourcen anforderte. Natürlich um NOCH MEHR Gegner zu töten, um NOCH MEHR zu gewinnen.

Bis dann so deutlich wurde, dass man sich selbst belogen hatte, weil der Vietcong weiterhin nicht besiegt war, Nordvietnam weiterhin nicht besiegt war und der zunehmende Bedarf an Soldaten die USA dazu bewog wieder die Wehrpflicht einzuführen. Obwohl man doch seit Jahren am Gewinnen war.

Die Parallelen zu Heute sind so offensichtlich ...



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rumbati #12

Die systematische Täuschung über die Lage am Hindukusch wurde von den Bundesregierungen nicht minder betrieben. Mit den Brunnenbohrern und "wir verteidigen unsere Freiheit am Hindukusch" gings los.


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Dieter Lasser #14

"beschönigen" und "täuschen". Warum benennt man es nicht, was es ist: Die Verantwortlichen haben die Bevölkerung wieder einmal angelogen. Um Krieg zu führen. Wem es nutzt, ist klar. Nur das dadurch etliche Menschen umgekommen sind: Seit 2001 waren mehr als 775.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert, viele mehrmals. Davon starben dort 2.300 und 20.589 wurden im Einsatz verwundet.

Mit anderen Worten, und so müsste es auch im Artikel stehen:

Dafür, dass Krieg ($) geführt wird, Afghanistan 80% des weltweiten Opiums auf dem Schwarzmarkt verantwortlich ist und erst seit dem Einmarsch der US Truppen in der Lage ist, Heroin herzustellen, mussten 2.300 US Amerikaner ihr Leben lassen und wurden mehr als 20.000 verwundet.

"...es gebe "keine Absicht", den Kongress oder die Öffentlichkeit zu täuschen."

Wichser.


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Brody Marcus #23

Auch zur bundesdeutschen Tätigkeit gibt es interessante Zahlen:

In der Tat spitzt sich die Lage dort beinahe 18 Jahre nach dem Beginn des Bundeswehreinsatzes immer weiter zu. Die Zahl ziviler Opfer bei Kampfhandlungen hat nach Angaben der UNO im dritten Quartal 2019 den höchsten Stand seit Beginn der UN-Aufzeichnungen im Jahr 2009 erreicht. Die Zahl der Ziviltoten bei Luftangriffen, die zu drei Vierteln auf Bombardements internationaler Truppen - der Sache nach US-Kampfjets - zurückgeht, ist mit 579 von Januar bis September 2019 ebenfalls auf den höchsten Stand seit 2009 gestiegen. Nur gut die Hälfte des Landes wird von der Regierung kontrolliert. Die soziale Lage ist desolat; zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren sind akut unterernährt.
Deutschlands Interventionsbilanz (III) - Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr: mehr zivile Opfer denn je (06 Dez 2019)
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8128/


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DrkdD #23.1

Das sind schlimme Zahlen und sicherlich nicht zu verarmlosen. Ich frage mich nur, ob Sie diese Zahlen auch bei ihren täglichen Pro-Russland-Kommentaren über Syrien und Ost-Ukraine schreiben würden. Oder ist das ein guter und wichtiger Krieg, weil Herrchen Putin diesen führt?


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Ritzer der Kukusnuß #24

US-Regierungen beschönigten Berichte über Lage in Afghanistan///

Hört jetzt auf mit der antiamerikanischen Propaganda.
Amerikaner lügen nicht, das machen nur die Russen.


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Закон Шмальгаузена #25.2

Das ist kein Krieg, in dem nebenbei Milliarden verballert werden, sondern: um Milliarden von der öffentlichen Hand auf Privatkonten zu schaufeln, wird der Krieg geführt.


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he44 #37

Das hätte ich jetzt nicht gedacht! - Die US-Regierungen haben doch nie etwas beschönigt, außer vielleicht in Vietnam, oder beim Drogenkrieg, oder in Nicaragua, oder Kuba, oder Irak oder, oder...
Aber Afghanistan, das überrascht mich jetzt doch ...


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derenor #36

Und jetzt alle: Nein!Doch!Ooohh!

Es wird tatsächlich Propaganda gegen das eigene Volk gerichtet?

Verrückt!


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Bärenfellbewohner #45

Mir heftet noch ein Artikel des FOCUS von Ende 2015 im Gehirn, da ich den so unglaublich schäbig fand. Kabul war nach harten Gefechten zurück an die Taliban gefallen. Da schrieb der FOCUS:
"55 deutsche Soldaten dürfen nicht umsonst gefallen sein" 2015 waren es 55 getötete Soldaten aus Deutschland. Kriegsbefürworter anfangs besonders Schröder (SPD), Fischer (GRÜNE), Verteidigungsminister Struck (SPD). Seit 14 Jahren im Kanzleramt Angela Merkel (CDU), nach Struck nur noch "christliche" Verteidigungsminister und keiner stellte diesen Krieg in Frage. Auch AKK sieht nach ihrem Besuch in Afghanistan "gute Fortschritte, die nach vorne verteidigt werden müssen"...


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Troll-Jäger #57

Dieser Bericht gehört Merkel und ihrer Kriegsministerin AKK um die Ohren gehauen und all denen die ständig davor schwärmen mehr "Verantwortung" weltweit zu übernehmen. ...


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Bluebeardy #59

 ... Tja, diese westlichen Werte...


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Bobby Tables #60

Nur in den USA? - Ein befreundeter Journalist war im vergangenen Jahrzehnt mehrmals in Afghanistan. Hat dort auch schon mit Leute wie Karzai und auf Ministerebene gesprochen. Er sagt, was dort passiert interessiert niemanden und es hat nur wenig mit dem zu tun, was hier berichtet wird. Seine Artikel bekommt er heute nicht mehr verkauft. Drei Fotos an den STERN war die gesamte Ausbeute seiner letzen Reise ... die dank einer Autobombe fast seine letzte war.


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Kunigunde53 #61

Die SPD hat auch immer getönt, dass "unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt" werde. Wenn man außenpolitisch so dumme Entscheidungen trifft und innenpolitisch auch alle sozialdemokratischen Tugenden ablegt, sollte man sich nicht wundern, wenn man zu einer Kleinstpartei verkommt.
Derzeit sind mehr Auslandseinsätze und Aufrüstungsphantasien wieder besonders im Kommen - man kann nur den Kopf schütteln über den Verlust an Vernunft seit den Tagen von Willy Brandt.
Wirklich ekelhaft aber wird es, wenn gebührenfinanzierte Sender ins Kriegshorn blasen. Dass das nicht in unserem Interesse sein kann, ist selbst den RTL-Sozialisierten latent klar.  ...


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barzussek #71

Was gab es für ein Gedöns als Frau Kässmann gesagt hat "nichts ist gut in Afghanistan " hier hätte man hellhörig werden müssen ...


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Bruder Tomas #74

"Pentagon bestreitet Täuschungsabsicht" Aber das macht doch nur der Russe!

Wer sich auf die "Wertemedien" verläßt,ist verlassen. ... Aber es wird genauso weitergehen wie bisher, die Bothas und Joffes oder Backhaus werden schon für die"richtige Stimmung" sorgen.


...


Offline Textaris(txt*bot)

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[Information und verdeckte Manipulation... ]
« Reply #48 on: Januar 07, 2020, 01:21:31 nachm. »
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[...] Dating-Apps, Zyklus-Tracker oder harmlos scheinende Tastatur-Apps: Norwegische Datenschützer:innen haben sich zehn beliebte Smartphone-Apps näher angesehen, darunter Tinder, My Days oder Wave Keyboard. Alle der untersuchten Apps gaben personenbezogene und in aller Regel intime Daten an Werbenetzwerke oder ähnliche Dritt-Anbieter weiter, die daraus individualisierte Profile der Nutzer:innen erstellen – eine Praxis, die in Europa in dieser Form illegal ist.

„Diese Praktiken sind außer Kontrolle geraten und verstoßen gegen die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)“, sagt Finn Myrstad, der sich im norwegischen Verbraucherrat Forbrukerrådet um Digitalpolitik kümmert. Das Ausmaß dieses Trackings mache es für Nutzer:innen unmöglich, bewusst und frei zu entscheiden, wie persönliche Daten gesammelt, geteilt und eingesetzt werden, so Myrstad.

„Out of Control“ – Außer Kontrolle – lautet passend der Titel der heute veröffentlichten Untersuchung von Forbrukerrådet. Unterstützung erhielten die Norweger:innen von der Sicherheitsfirma Mnemonic, dem Tracking-Experten Wolfie Christl von Cracked Labs und dem Datenschützer Max Schrems und seiner NGO noyb. Gemeinsam konnten sie nachweisen, dass die Online-Werbeindustrie in großem Umfang personenbezogene Daten illegal sammelt und damit systematisch gegen das europäische Datenschutzrecht verstößt. Dadurch werden Verbraucher:innen besonders anfällig für Manipulation und Ausbeutung, warnen die Forscher:innen.

Bei der Perioden-App MyDays bemängelt der Bericht beispielsweise, dass die mit GPS ermittelten Ortsangaben der Nutzerinnen mit einer ganzen Reihe an Drittparteien geteilt werden, die mit verhaltensbasierter Werbung und Profiling ihr Geld verdienen. Die Dating-App OkCupid wiederum teilt hochpersönliche Daten über Sexualität, Drogenkonsum, politische Ansichten und mehr mit dem Analytikunternehmen Braze.

Viele Akteure in der Online-Werbebranche sammeln Informationen von einer Vielzahl an Quellen, unter anderem beim Surfen im Netz, von angeschlossenen Geräten und genutzten sozialen Medien. Wenn diese Daten kombiniert werden, können daraus viele Informationen über die Nutzenden abgeleitet werden. Allein daraus kann teilweise auf die sexuelle Neigung von Individuen geschlossen werden oder welche politische Meinung sie vertreten, wie bereits 2015 in einer Studie gezeigt wurde.

Diese massive kommerzielle Überwachung steht im Widerspruch zu Grundrechten und kann für eine Vielzahl schädlicher Anwendungen genutzt werden. Ebenfalls hat die weit verbreitete Überwachung das Potenzial, das Vertrauen der Verbraucher:innen in digitale Dienste nachhaltig zu beeinträchtigen, warnt Finn Myrstad.

Eine vergangenes Jahr veröffentlichte Studie von Amnesty International kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Die NGO warnte damals, dass datengesteuerte Geschäftsmodelle eine ernsthafte Bedrohung für Menschenrechte wie Meinungs- und Redefreiheit, Gedankenfreiheit sowie das Recht auf Gleichheit und Nichtdiskriminierung darstellen.

Der Norwegische Verbraucherrat hat nun angekündigt, juristisch gegen die Datensammelwut der Industrie vorzugehen. Er will formelle Beschwerden unter anderem gegen Grindr, eine Dating-App für schwule, bi, trans und queere Menschen sowie Unternehmen, die über die App persönliche Daten erhalten haben, bei der norwegische Datenschutzbehörde wegen Verstößen gegen die DSGVO einreichen. Zu diesen Unternehmen zählen etwa Twitters MoPub, AT&Ts AppNexus, OpenX, AdColony und Smaato.

Die norwegischen Verbraucherschützer:innen fordern Unternehmen auf, Alternativen zum derzeit dominierenden Online-Werbesystem zu entwickeln. Sie schlagen dafür unter anderem Technologien vor, die nicht auf die Erhebung und Weiterverarbeitung personenbezogener Daten angewiesen sind.

Des Weiteren wenden sie sich an die Politik, da die Konsument:innen ihrer Ansicht nach nur sehr limitierte Möglichkeiten haben, um sich gegen die zügellose Nutzung ihrer Daten zu wehren. Es liege an den Behörden, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die Verbraucher:innen vor der illegalen Nutzung personenbezogener Daten zu schützen.


Aus: "Neue Studie zeigt, wie populäre Apps systematisch intime Nutzerdaten weitergeben" Felix Richter (14.01.2020)
Quelle: https://netzpolitik.org/2020/neue-studie-zeigt-wie-populaere-apps-systematisch-persoenliche-daten-weitergeben/


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[...] Der Skandal um die Wahlbeeinflussung mithilfe der nunmehr berüchtigt gewordenen amerikanischen Analysefirma Cambridge Analytica, Tochter der mittlerweile insolventen britischen SLC Group, hat neue Dimensionen angenommen. Seit dem 2. Januar veröffentlicht der Twitter-Account @HindsightFiles („Hindsight“ lässt sich mit „späte Einsicht“ übersetzen) Dokumente, die Gesprächsprotokolle, E-Mails, Projektdokumentationen und Studien beinhalten und zeigen sollen, dass die Firma in gezielte Wahlmanipulationen in 68 Ländern verstrickt gewesen sein soll. Es soll sich um mehr als 100 000 Dateien handeln.

Unter dem Hashtag #Hindsightis2020 lautet der erste Tweet: „Die Datenanalysefirma SCL Group hat ihren Betrieb inmitten eines Skandals eingestellt, nachdem die umfangreiche Datenmanipulation ihrer Tochtergesellschaft Cambridge Analytica im Schatten weltweiter Wahlen infrage gestellte wurde. Um zu verhindern, dass Dokumente beschlagnahmt werden können, ging das Unternehmen bankrott. Es ist Zeit, die Dokumente zu veröffentlichen.“

Bislang wurden Dossiers zu Brasilien, Kenia, Malaysia, Iran und dem ehemaligen nationalen Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, John Bolton, veröffentlicht. Die britischen Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass die Unterlagen von Brittany Kaiser stammten, einer ehemaligen Mitarbeiterin von Cambridge Analytica. Kaiser habe sich entschieden an die Öffentlichkeit zu gehen, nachdem Boris Johnson die Wahl zum Premierminister für sich entschieden hatte. Kaiser sagt, die Dokumente gingen weit über das hinaus, „was die Leute über den Cambridge-Analytica-Scandal zu wissen glauben“.


Aus: "Cambridge Analytica : Manipulierte Wähler weltweit" Axel Weidemann (06.01.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/cambridge-analytica-manipulierte-waehler-weltweit-16568193.html

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[...] Die berüchtigte britische Firma Datenfirma Cambridge Analytica sorgt erneut für Schlagzeilen. Seit Neujahr tauchen auf dem Twitter-Account HindsightFiles Links zu Dokumenten über die Wahlen in Malaysia, Kenia, Brasilien und dem Iran auf. Diese Papiere erlauben einen Einblick, wie das Unternehmen versucht, Wähler und Wahlen weltweit zu manipulieren. Laut dem "Guardian" zeigen über 100.000 Dokumente die Tätigkeit von Cambridge Analytica in 68 Ländern. In den Unterlagen finden sich auch Hinweise, wie das Unternehmen auch in Österreich tätig war. So findet sich in den Unterlagen zu Brasilien etwa eine Powerpoint-Präsentation, die dies zeigt.

Auch hatte Philipp Maderthaner, der unter anderen für Sebastian Kurz tätig ist, Kontakt zu Cambridge Analytica. Aus dem Unternehmen heißt es dazu, dass es "keine geschäftliche Zusammenarbeit gab". Ein Twitter-Nutzer hat das entsprechende Dokument veröffentlicht und eine Stellungnahme von Herrn Maderthaner dokumentiert.

Zudem sollen sie die Schwarzgeldmaschinerie zeigen, mit deren Hilfe der die Herkunft von Großspenden an Donald Trump während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 verschleiert wurde.

Laut Pressemeldungen sollen die Leaks von der Ex-Cambridge-Analytica-Mitarbeiterin Brittany Kaiser stammen. Das neue Material gehe "weit über das hinaus, was die Leute über den Cambridge-Analytica-Skandal zu wissen glauben", erklärt sie laut "Turi 2".

Cambridge Analytica wurde "berühmt", weil die Firma sie sich während des US-Wahlkampfs 2016 Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Nutzern verschafft hatte und diese unerlaubt für Trumps Kampagne genutzt wurden. Insgesamt konnte das Unternehmen Daten von rund 87 Millionen Nutzern einkassieren. Im Zuge der Affäre wurde eine Rekordstrafe von fünf Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) gegen Facebook verhängt. (red, 6.1.2019)


Aus: "Cambridge-Analytica-Leak dokumentiert weltweite Manipulationen" (7. Jänner 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000112969988/cambridge-analytica-leak-dokumentiert-weltweite-manipulationen

https://twitter.com/hindsightfiles

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Marquis de Sade - La maison royale de Charenton

Das sollte man entsprechend aufarbeiten und vor allem auch näher hinsehen WAS getan wurde um entsprechende Stimmen zu bekommen. Wenn das nachweislich koordinierte Falschinformationen sind, sollte man entsprechende Konsequenzen ziehen. Das ist dann irgendwas zwischen Wählertäuschung und Wahlbetrug.

Ich habe etwas dagegen, wenn mit der Demokratie herumgespielt wird.


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LaVitaèBella

Also ich finde es nicht schlimm wenn unentschlossene Wähler mit "Material" versorgt werden. Nur muss das dann auch richtig sein, also keine Unwahrheiten. ...


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roewoe

jaja, wenn Sie sagen, dass Sie das gerne hätten und nicht, dass aufgrund von Analysen der Daten herauskommt, dass man Sie als Person mit gezielten thematischen Infos manipulieren kann. Da geht es nicht um Versorgung mit Material sondern um Manipulation. Lesen bildet: Shoshana Zuboff; Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus.


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Eifelgeist

Paar von den Leaks angesehen ... Toll ... einfach nur toll wie das Volk manipuliert und verarscht wird. Und ist auch noch stolz darauf.


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[...] Seit Jahresanfang werden via Twitter Dokumente der ehemaligen Analysefirma Cambridge Analytica veröffentlicht, die von einer ehemaligen Mitarbeiterin des Unternehmens stammen sollen. Cambridge Analytica hatte im Zuge eines Skandals um Datenschutz und Wählermanipulation im Mai 2018 Konkurs angemeldet; verwandte Firmen mit personellen Überschneidungen zu Cambridge Analytica bestehen aber weiterhin. Die jetzt publizierten Dokumente, die bislang unveröffentlichte E-Mails, Projektpläne, Studien, Verhandlungsdokumentation und mehr beinhalten sollen, werden gruppiert nach geographischen Regionen und betroffenen Persönlichkeiten publik gemacht.

Insgesamt sollen die Dokumente mindestens 65 Länder betreffen. Bislang verfügbar sind Dossiers zu Brasilien, Kenya, Malaysia, dem Iran und John Bolton, dem ehemaligen nationalen Sicherheitsberater Trumps.

Dem veröffentlichenden Twitter Account "Hindsight is 2020" bzw. @HindsightFiles zufolge stammen die Dokumente von Brittany Kaiser, einer zur Whistleblowerin gewordenen, ehemaligen Mitarbeiterin von Cambridge Analytica. Es sei Zeit, die Dokumente zu veröffentlichen, so @HindsightFiles, nachdem SCL, die Mutterfirma von Cambridge Analytica, in Konkurs gegangen sei, um eine Konfiszierung der Dokumente zu verhindern.

Dem britischen Guardian zufolge hat sich Brittany Kaiser im Nachgang der Wahl in Großbritannien im vergangenen Monat dazu entschlossen, die Dokumente zu veröffentlichen. Die Zeitung zitiert sie mit den Worten: "Es ist derartig offensichtlich, dass unsere Wahlsysteme sehr leicht missbraucht werden können. Ich habe große Befürchtungen davor, was bei der US-Wahl später in diesem Jahr passieren wird und ich glaube, einer der wenigen Wege, uns zu schützen, ist, so viele Informationen wie möglich verfügbar zu machen."

Die Dokumente stammen dem Guardian zufolge von den E-Mail-Accounts und Festplatten Kaisers. Teile des Materials habe sie bereits im April 2018 dem britischen Parlament übergeben, aber es gebe tausende und tausende weitere Seiten. Die darin dokumentierte Arbeit Cambridge Analyticas würde weit über das hinausgehen, was die Leute gemeinhin zu wissen glaubten. Der Skandal um die Daten von Facebook sei Teil einer weit größeren, globalen Operation zur Manipulation und Beeinflussung der Bevölkerung. Die Beteiligung von Regierungen, Geheimdiensten, Unternehmen und politischen Kampagnen habe riesige Auswirkungen auf die nationale Sicherheit.

Zum Beispiel befänden sich unter den Dokumenten E-Mails von größeren Spendern für Trump, in denen sie besprächen, wie sie die Quelle ihrer Spenden verschleiern könnten. Die Dokumente "legen die gesamte Schwarzgeld-Maschinerie hinter der amerikanischen Politik offen", zitiert der Guardian Kaiser. Diese Maschinerie sei auch in anderen Ländern – einschließlich Großbritanniens – zum Einsatz gekommen.

Emma Briant zufolge sei das bisher Bekannte nur die Spitze des Eisberges. Die vom Guardian befragte Spezialistin für Propaganda hatte Zugriff auf einen Teil der Dokumente, die ihr zufolge weit besser als bisher bekannt erklären, was bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 passiert sei. Das habe große Auswirkungen auf die Wahl 2020, weil die gleichen Leute weiter an den gleichen Techniken arbeiteten, so Briant. Es gäbe "Beweise für sehr verstörende Experimente an amerikanischen Wählern mit auf Angst aufbauenden Nachrichten", die scheinbar immer noch andauern. "Dies ist eine globale, außer Kontrolle geratene Industrie", sagte Briant gegenüber dem Guardian. (syt)


Aus: "Weit größere, globale Operation: Neue Dokumente im Cambridge-Analytica-Skandal" Sylvester Tremmel (05.01.2020)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Weit-groessere-globale-Operation-Neue-Dokumente-im-Cambridge-Analytica-Skandal-4628196.html

https://www.theguardian.com/uk-news/2020/jan/04/cambridge-analytica-data-leak-global-election-manipulation

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     sx2008, 05.01.2020 16:51

Man muss an das Schlechte glauben um manche Menschen zu verstehen.


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     Knights of Middlefrithm, 07.01.2020 11:07

Erkläre das mal jemand den Followern der Neualten Rechten, dass sie der psychologisch informierten Propagandamaschinerie westlicher Oligarchen aufsitzen, während sie allen anderen vorwerfen, „die Wahrheit“ nicht zu erkennen. National, rassistisch, ökologiefeindlich und zuweilen militant im Dienste von Milliardären unterwegs zu sein, scheint befriedigender, als einsehen zu müssen, von Großkopferten als politische Manövriermasse benutzt zu werden.

Schon die verschleierten Spenden für die AfD sprechen hier Bände, die Recherchen um CA erzählen, wie man dieses “Establishment“ mit Anti-Establishment-Propaganda in die Lage versetzt, jeden politischen Gedanken, der die gegenwärtige obszöne Profitabschöpfung gefährden könnte, durch Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu desavouieren (Derivatehandel, Schattenbanken, fossile Energieträger, Arbeitnehmerrechte, Sozialleistungen, Privatisierung, Allgemeinbildung, Kriegsprofite usw.).

Die AfD hat für die Bundestagswahl 2016 dieselbe Werbeagentur angeheuert, die für Trumps Wahlkampf arbeitete, auch mit den Daten und daraus generierten Profilen und Strategien von CA, s. https://www.spiegel.de/spiegel/eine-trump-nahe-agentur-aus-den-usa-managt-den-wahlkampf-der-afd-a-1164613.html (Wie konnte sie sich das damals überhaupt leisten?)

Aber von Oligarchen verängstigte Wutbürger trauen ja lieber keiner Nachricht oder Statistik, die nicht von rechtsextremen Irren gefälscht wurde, als sich beispielsweise diesen Leaks zu stellen und die Mechanismen begreifen zu wollen, mithilfe derer man sie nach belieben nudgen kann, indem man ihre persönlichen, tief sitzenden Ängste analysiert und sie daraufhin punktgenau bei den Eiern packt, um dann die Lösung nachzureichen, sie auf Sündenböcke zu hetzen, damit der Schmerz in den Klöten nachlässt (was nicht geschieht).

Die Sündenböcke sind praktischerweise die, die mit der Ausbeutung Aller und Allem zugunsten der Wenigen nicht einverstanden sind und die, die man als „Fremde“ sowieso erstmal instinktiv beäugt.

Wie praktisch, so eine in rechts und links, Freund und Feind, entweder/oder eingeteilte Welt. Sie findet nur außerhalb dieses Denkstils in der Realität nur selten eine Entsprechung, es sei denn, man erzwingt sie mit Gewalt.


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     KarstenS, 06.01.2020 00:35

Das Geschäft mit der Angst ...


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     KRobert, 05.01.2020 15:48

Der Tausendsassa Putin

hat es also sogar geschafft, US-Firmen so zu infiltrieren und die mit ihren eigenen Methoden zu schlagen. B-)

Hut ab....


« Last Edit: Januar 14, 2020, 04:05:48 nachm. by Textaris(txt*bot) »