Author Topic: [Vernichtung von Daten (löschen)... ]  (Read 19601 times)

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[Vernichtung von Daten (löschen)... ]
« on: December 06, 2007, 04:53:03 PM »
Löschung (mittelhochdeutsch leschen, althochdeutsch lesken: „ausmachen, ersticken; stillen; tilgen, beseitigen“)

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Quote
[...] Gelöschte Daten, die gar nicht gelöscht sind? Immerhin nutzen mehr als 90 Prozent aller Computerbesitzer weltweit das Betriebssystem von Microsoft. Dort versteht man das Wort "löschen" auf eine ganz eigene Weise. Thomas Baumgärtner, Microsoft Deutschland:

"Diese Daten sind nicht physikalisch gelöscht aber für das Betriebssystem ist dieser Datenspeicherplatz wieder voll zugänglich. Er kann ihn neu belegen. Die Daten (Anm. d. Red.) sind eben nicht analog, physikalisch gelöscht, aber für das Betriebssystem sind die gelöscht. Und zwar völlig eindeutig."


Aus: "Sensible Daten - Warum Löschen nicht gleich Löschen ist" - Autor: Julian Prahl (MDR, Dienstag, 29. Mai 2007)
Quelle: http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,9b9jw5mza9vro1v2~cm.asp

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Quote
[...] Mit der Affäre um den Verlust geheimer Daten bei der Bundeswehr wird sich am kommenden Mittwoch der Verteidigungsausschuss des Bundestags befassen. Das Verteidigungsministerium habe für die Sitzung einen umfassenden Bericht angekündigt, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, der CDU-Politiker Karl Lamers, im Deutschlandfunk.


Aus: "Datenlöschung bei der Bundeswehr: Datenverlust beschäftigt Bundestag" (27.06.2007)
Quelle: http://www.tagesschau.de/inland/meldung18532.html


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[...] In Teilbereichen der Untersuchungen zur organisierten Kriminalität (OK) habe es „erhebliche Unregelmäßigkeiten gegeben“, sagte der neue Verfassungsschutzpräsident Reinhard Boos. Er hatte Mitte Juni das Amt übernommen und musste nach Berichten über Aktenvernichtungen im Verfassungsschutz für Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) einen Prüfbericht abliefern.


Aus: " Korruption in Sachsen: Illegale Quelle und vergiftete Akten" (3. Juli 2007)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article994785/Illegale_Quelle_und_vergiftete_Akten_.html?page=2

« Last Edit: May 17, 2018, 12:09:52 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Bundeslöschtage... (Notizen, BRD)]
« Reply #1 on: December 06, 2007, 05:10:38 PM »
Quote
[...] Der Begriff Bundeslöschtage bezeichnet die vermutete Vernichtung von Akten des Kanzleramts am Ende der Regierungszeit von Helmut Kohl im Oktober/September 1998, die zum Gegenstand eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages wurde. Inzwischen ist rechtsverbindlich festgestellt, dass der "Vorwurf der rechtswidrigen zentralen Datenlöschung .. unbegründet" ist. Warum bestimmte Akten verschwunden sind, ist dagegen bis heute nicht geklärt.


Im Bericht des Untersuchungsausschusses, der unter der Leitung von Dr. Burkhard Hirsch (FDP) arbeitete, wurde behauptet, dass Akten zu folgenden Themen unvollständig seien bzw. geheime Akten möglicherweise vollständig vernichtet worden seien:

    * Akten zum Verkauf des Spürpanzers Fuchs an Saudi-Arabien 1991
    * Akten zur Privatisierung von LEUNA und MINOL
    * Akten zu Airbuslieferungen
    * Akten zu MBB-Hubschraubern an Kanada in den 1980er Jahren
    * Akten zur Privatisierung der Eisenbahnwohnungsgesellschaften
    * Akten zum Wirtschaftsgipfel Halifax
    * Akten zum Schriftwechsel des Bundeskanzleramtes mit dem Kaufmann Karlheinz Schreiber

Der ehemalige Chef des Bundeskanzleramts, Friedrich Bohl, gab vor dem Ausschuss an, keine Weisung an Mitarbeiter zur Löschung und Vernichtung von Daten ausgegeben zu haben.

Der durch Hirsch maßgeblich geprägte Bericht konnte die behauptete Aktenvernichtung nicht nachweisen - dass Akten verschwunden waren, stand allerdings außer Frage. Im Zuge der Ermittlungen wurde betroffenen ehemaligen Angehörigen des Bundeskanzleramtes wiederholt die Einsicht in ihre Personalakten seitens der Kanzleramtsleitung verwehrt. Trotz politischer Gegenwehr der damaligen Bundesregierung wurden die verbundenen Ermittlungsverfahren schließlich wegen mangeldem Straftatbestand eingestellt. Gegen Hirsch wurden schwere Vorwürfe der einseitigen, politisch motivierten Ermittlungsführung erhoben.

Am 1. Dezember 2006 stellte das zuständige Bundeskanzleramt fest, dass ein seinerzeit zuständiger Abteilungsleiter „voll rehabilitiert“ sei: „Alle Vorwürfe waren und sind unbegründet“. Das Bundeskanzleramt übernahm die dem Beamten entstandenen Anwaltskosten (Frankfurter Allgemeine Zeitung 29. Dezember 2006).

Verschwunden blieben auch sechs original Aktenbände aus dem Komplex der Ölraffinerie Leuna. Ebenfalls unauffindbar waren einzelne Dokumente über Rüstungs- und Flugzeuggeschäfte und den Verkauf von bundeseigenen Eisenbahnerwohnungen. Die Ermittlungsergebnisse ergaben jedoch keinen ausreichenden Tatverdacht, um Hauptverfahren gegen einzelne Personen zu erheben, weshalb die Ermittlungen schließlich eingestellt wurden.

Laut Aussage des ermittelnden Staatsanwalts Georg Linden[1] ergaben die Ermittlungen, dass im Zuge des Regierungswechsels 1998 tatsächlich Datenbestände gelöscht worden waren.

Dass es sich um zentral angeordnete umfangreiche Löschung handelt, konnte jedoch widerlegt werden. Die Fraunhofer Gesellschaft erklärte gegenüber der Staatsanwaltschaft in ihrem Gutachten vom 29. Juli, für Daten-Löschungen im Zeitraum September/Oktober 1998 gäbe es keine direkten Anhaltspunkte aus den Festplatten des zentralen Servers im Bundeskanzleramt[2].

Unerörtert blieb bei dem gesamten Vorgang, ob die Löschung von Daten zwar strafrechtlich irrelevant ist, jedoch gegen die Bestimmungen des Bundesarchivgesetzes verstieß, gemäß dem allen Behörden und Stellen des Bundes die Anbietung aller ihrer Unterlagen an das Bundesarchiv zur gesetzlichen Pflicht gemacht wird. Nach diesem Gesetz darf allein das Bundesarchiv darüber entscheiden, ob Daten/Unterlagen gelöscht oder aber dauerhaft aufbewahrt werden.[3]

Inzwischen hat das Bundeskanzleramt die diesbezüglich Beschuldigten voll rehabilitiert und in einer Entschuldigung auf die Nichtigkeit der Vorwürfe hingewiesen.




Aus: "Bundeslöschtage" (12/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesl%C3%B6schtage

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Quote
[...] Obschon in unserer Zeit das Wort Skandal überstrapaziert wird, muß festgehalten werden, daß es sich hier um nichts anderes als um eine schmutzige Kampagne gegen Kohl und seine Mitarbeiter gehandelt hat.


Aus: "Kommentar: Blamage" von rab (Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2004, Nr. 38 / Seite 1)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~EC990C91193B14EC39C609C7CCDC797D7~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Quote
[...] DIE ZEIT: Herr Generalstaatsanwalt, Sie haben nach eigener Prüfung soeben entschieden, dass das Verfahren wegen Datenlöschung und Aktenklau im ehemaligen Kanzleramt von Helmut Kohl ein für allemal eingestellt bleibt. Sie kommen damit zum gleichen Ergebnis wie die Bonner Staatsanwälte, die dieses Verfahren schon vor drei Jahren schließen wollten. War also der Verdacht, in der Regierungszentrale von Helmut Kohl sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen, an den Haaren herbeigezogen?

Georg Linden: Nein, so kann man das nicht sagen. Die Bonner Staatsanwaltschaft, deren Ergebnisse ich überprüft habe, hat zu Recht festgestellt: In Sachen Datenlöschung gibt es keinen hinreichenden Tatverdacht. Das heißt, der Anfangsverdacht hat sich nicht erhärtet. In Sachen Aktenvernichtung besteht weitgehend kein Anfangsverdacht.

Dennoch: Der Vorwurf, der Verdacht gegen das Kanzleramt sei an den Haaren herbeigezogen, ist in dieser Form nicht gerechtfertigt.

ZEIT: Aber haben die Bonner Staatsanwälte nicht Recht behalten? Sie wollten bereits 2001 einstellen und mussten nur auf heftigen öffentlichen Protest hin weiter ermitteln. Hätte man sich diese Kosten und Mühen nicht ersparen können?


Linden: Diesen Schluss kann man nur ziehen, wenn man allein auf das Ergebnis schaut, denn es bleibt bei der Einstellung des Verfahrens. Gleichwohl war es völlig richtig, dass die Bonner Staatsanwaltschaft nach dem Aufruf des Freiburger Politologen Wilhelm Hennis in Ihrer Zeitung und den Protestschreiben von etwa 12000 Bürgern die Ermittlungen fortgeführt hat. Man hätte die Akten nicht so schnell schließen sollen.

ZEIT: Warum nicht?

Linden: Weil der Eindruck entstanden war, es sei lückenhaft recherchiert worden. Dieser Eindruck durfte nicht bestehen bleiben. Die weiteren Ermittlungen haben der Sache gedient und größere Klarheit geschaffen.

ZEIT: Der öffentliche Aufschrei gegen die damalige Einstellung war also nicht grundlos?

Linden: Es wäre unehrlich, wollte man dies ernsthaft behaupten.

ZEIT: Trotz alledem schließen die Staatsanwälte jetzt die Akten. Das Kanzleramt Kohl war also kein Bermuda-Dreieck? Nichts fehlt?

Linden: Nein, am Ende mussten auch die Ermittler feststellen, dass im Herbst 1998 Datenbestände gelöscht wurden. Verschwunden bleiben auch sechs original Aktenbände aus dem Komplex der Ölraffinerie Leuna. Ebenfalls unauffindbar sind einzelne Dokumente etwa über Rüstungs- und Flugzeuggeschäfte und den Verkauf von bundeseigenen Eisenbahnerwohnungen.

ZEIT: Ist dies nicht ein seltsamer Zufall? Schließlich kam der Verdacht auf, als Dank für diese Deals seien Schmiergelder oder Parteispenden an die CDU geflossen.

Linden: Die eingehende und sorgfältige Prüfung der Staatsanwaltschaft hat, ich wiederhole mich, aber keinen Verdacht auf eine Straftat ergeben. Es kann nicht Aufgabe der Strafverfolgungsbehörde sein, bestimmte historisch oder politisch interessante Vorgänge aufzuklären, wenn hier keine Straftat festzustellen ist.

ZEIT: Können Sie verstehen, dass angesichts des zweifelsfrei feststehenden Daten- und Aktenschwundes bei manchen politischen Beobachtern ein flaues Gefühl zurückbleibt?

Linden: Nein, nicht unter strafrechtlichen Aspekten. Dass bei manchen in der Politik und auch in Teilen der Öffentlichkeit ein flaues Gefühl zurückbleibt, mag sein. Aber wir müssen hier die Ebenen genau trennen. Wenn wir als Staatsanwälte keinen hinreichenden Tatverdacht für eine Straftat sehen, heißt das nicht, dass ein Vorgang politisch in Ordnung ist. Aber darüber hat die Staatsanwaltschaft nicht zu befinden. Das gilt übrigens nicht nur für dieses, sondern auch für andere Verfahren, die politischen Bezug haben.


Aus: "Daten gelöscht, Verfahren eingestellt" - Wurden im Kanzleramt von Helmut Kohl Akten vernichtet? Der Kölner Generalstaatsanwalt Georg Linden über das Ende der Ermittlungen (DIE ZEIT 19.02.2004 Nr.9)
Quelle: http://www.zeit.de/2004/09/Kohl-Akten

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Quote
[...] Als der gegenwärtige Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Frank-Walter Steinmeier, im Februar dieses Jahres eine Art von "Sonderermittler" einsetzte, also einen für deutsche Verhältnisse sehr ungewöhnlichen Weg zur Vermessung des ererbten Bermudadreiecks wählte, ahnte er wohl bereits, vor welchem "Abgrund an Aktenverrat" er stand. Indem Steinmeier mit Burkhard Hirsch eine höchst reputierliche Person aus dem vormaligen Regierungslager mit den Vorermittlungen beauftragte, beugte er auf kluge Weise dem Verdacht vor, es gehe um parteipolitische Aufrechnungskunststücke. Was Burkhard Hirsch in vier Monaten Arbeit und nach der Anhörung von 79 Zeugen zutage gebracht hat, ist atemberaubend und ohne Beispiel in der deutschen Staats- und Regierungspraxis - es sei denn, man scheute sich nicht, die hektische Aktenzerstörung der Stasi-Funktionäre nach dem Fall der Mauer zum Vergleich heranzuziehen.

Nichts als Zufall? Dagegen spricht alles! Zunächst einmal macht Aktenbeseitigung im großen Stil Arbeit - Arbeit, die in Bürokratien nie freiwillig und ohne Anordnung verrichtet wird. Vielleicht Schlamperei? Wo sie herrscht, verschwindet von allem etwas und von nichts alles. Vor allem aber unterscheiden Zufall und Schlamperei nicht zwischen brisanten und langweiligen Akten.

Wer immer in dieser Sache absichtsvoll handelte (oder anordnete), konnte über die Unzulässigkeit seines Handelns nicht den geringsten Zweifel haben. Quod non est in actis, non est in mundo - was nicht in den Akten steht, existiert nicht auf dieser Welt: Dieser Grundsatz ironisiert die blinde Aktengläubigkeit.

[...] Und die Verantwortung? "Wie der Herr, so das Gescherr", sagt der Volksmund. Hier gilt eindeutig: Wie das Gescherr, so der Herr. Die Verantwortung liegt bei niemand anderem als beim Kanzler und seinem Stallmeister. Friedrich Bohl, so lesen wir nun, ist empört darüber, dass Hirschs Ermittlungsfunde der Öffentlichkeit bekannt wurden. Wir haben verstanden: Zu dumm, dass Bohl diesen Bericht nicht auch noch vernichten lassen konnte.


Aus: "Ein Abgrund an Aktenverrat - Der Hirsch-Bericht belegt die beispiellose Unterlagenvernichtung der Regierung Kohl"  Von Robert Leicht (DIE ZEIT 2000)
Quelle: http://www.zeit.de/2000/27/200027.hirsch-text_.xml?page=1


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[Computer soll Stasi-Puzzle lösen... ]
« Reply #2 on: December 06, 2007, 05:19:26 PM »
Quote
[...] Augenzeugen berichten, LKWs gesehen zu haben, auf denen im ganzen Land tonnenweise Aktenmaterial aus den Stasi-Objekten herausgeschafft worden sei, um die Unterlagen unbemerkt zu entsorgen. Tatsächlich ordnet Stasi-Chef Erich Mielke bereits am 6. November die gezielte Vernichtung von Akten an, um Spuren zu verwischen. Die Regierungserklärung Hans Modrows vom 17. November, in der er unter anderem den Umbau der Stasi zum "Amt für Nationale Sicherheit" ankündigt, wird von der Bevölkerung schnell als Täuschungsmanöver erkannt. Das mittlerweile einsetzende, weitgehend unkontrollierte Vernichten von Unterlagen sorgt für großen Unmut. Zu Recht befürchten viele, dass es den Stasi-Leuten auf diese Weise gelingt, sich der Verantwortung für die Zustände im SED-Regime zu entziehen.


Aus: "Besetzung der Stasi-Objekte" (Jugendopposition in der DDR, Datum ?, Autor ?)
Quelle: http://www.jugendopposition.de/index.php?id=216

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Quote
[...] Der Plan des DDR-Geheimdienstes im Wendeherbst 1989 ging trotz akribischer Aktenvernichtung nicht auf: Rund 16.000 Säcke mit zerrissenen Stasi-Unterlagen wurden sichergestellt. Knapp 17 Jahre nach der Wiedervereinigung beginnt nun die groß angelegte Computer-Rekonstruktion von zerkleinerten und verknüllten Papieren, die das Ministerium für Staatssicherheit nicht mehr beiseite schaffen konnte. Am Mittwoch startete am Berliner Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik das nach eigenen Angaben weltweit einmalige Pilotprojekt.


Aus: "Computer soll Stasi-Puzzle lösen" (09. Mai 2007)
Quelle: http://www.n24.de/politik/article.php?articleId=118023


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Quote
[...] Allerdings kennen Archivare aller Epochen auch viele Beispiele bewusster und gezielter Vernichtung von Akten: von Dokumenten, deren Bedeutung und Nutzen man kannte. So hat man zum Beispiel in Kriegen versucht, den Gegner durch die Vernichtung seiner Urkunden und Akten, also seiner Besitztitel, zu schwächen. In Jugoslawien wurden Archive zerstört, um die Identität von Volksgruppen zu verwischen. Und bisweilen werden Dokumente auch aus einem sehr eigennützigen Grund vernichtet: Denn man schätzt sie nicht nur als Arbeits- und Informationsmittel, sondern fürchtet sie ebenso als Beweis für eigenes Fehlverhalten. So zog man es eher vor, die Akten zu zerstören, als sie dem Feind in die Hände fallen zu lassen. Auch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs brannte so manche Registratur, die keineswegs von feindlichen Bomben getroffen wurde. Die Stasi setzte 1989 den Reißwolf ein, um ihr Erbe vor den neuen politischen Kräften zu verbergen.


Aus: "Kohl und der Aktenschwund" Hartmut Weber (Die Zeit, 2001)
Quelle: http://www.zeit.de/2001/46/200146_essay-archiv.xml

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Quote
[...] BERLIN - In Berlin startet heute die elektronische Rekonstruktion von zerrissenen Stasi-Unterlagen. Damit können die Schnipsel einer Stasi-Aktenvernichtung aus rund 400 Säcken zusammengesetzt werden. Es sind die Überreste aus der Wendezeit.

dpa


Aus: "Elektronisch - Stasi-Akten rekonstruiert" (9. Mai 2007)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/05/09/737352.html

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[Postfächer säubern... (Notiz, CREW, USA)]
« Reply #3 on: December 06, 2007, 05:21:13 PM »
Quote
[...] Die Citizens for Responsibility and Ethics in Washington (CREW), US-amerikanische Bürgerrechtler, die ihrer Regierung auf die Finger schauen, sehen ein größeres Ausmaß an gelöschten E-Mails, als bisher aus dem Regierungssitz bekannt geworden ist. Es seien wesentlich mehr als 5 Millionen, sondern sogar mehr als 10 Millionen elektronische Mitteilungen im Weißen Haus verschwunden, sagte CREW-Anwälting Anne Weismann laut einer Mitteilung.

Im April war bekannt geworden, dass hauptsächlich "politische Mitarbeiter" der Regierung über Jahre hinweg ihre Postfächer gesäubert und damit Korrespondenz der Archivierung und Überprüfung entzogen hätten. Im November setzte CREW zusammen mit dem National Security Archive bei Gericht eine einstweilige Verfügung durch, nach der das Executive Office des Weißen Hauses mit eventuell noch vorhandenen Backups dafür zu sorgen hat, dass möglichst viele der gelöschten E-Mails wiederhergestellt werden.

Meredith Fuchs, Anwältin des National Security Archive, sagte im November, es sei nicht bekannt, ob die Backups noch existieren. "Stellen Sie sich vor, wenn sämtliche elektronische Mitteilungen aus den Jahren 2003 bis 2005 endgültig verschwunden wären. Wir würden die Entscheidungen der Regierung zur Invasion im Irak, zu den Maßnahmen nach dem Hurrikan Katrina oder nach dem Skandal von Abu Ghraib nie vollständig verstehen", erläuterte Fuchs die Beweggründe ihrer Organisation zur Wiederherstellung der Korrespondenz. (anw/c't)


Aus: "US-Bürgerrechtler: Regierungsmitarbeiter löschten mehr als 10 Millionen E-Mails" (05.12.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/100060


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[Die Zerstörung der Bänder... (Notiz, CIA, ACLU)]
« Reply #4 on: December 08, 2007, 11:10:00 PM »
Quote
[...] Die Bürgerrechtsvereinigung ACLU warf der CIA vor, mutwillig Beweismaterial zerstört zu haben, "um Einzelne vor strafrechtlicher Verfolgung wegen Folter und Missbrauchs zu schützen". Dies sei Teil eines "weit reichenden Schemas", mit dem die Regierung in der Terrorabwehr ihre exekutiven Vollmachten missbrauche.

US-Präsident George W. Bush ließ am Abend über seine Sprecherin Dana Perino erklären, er habe keine Erinnerung daran, ob er über die Zerstörung der Bänder schon früher informiert worden sei. "Er erinnerte sich nicht daran, ob er sich bereits früher als gestern der Bänder bewusst war." Vollkommen ausschließen wollte Perino eine Beteiligung Bushs jedoch nicht.

Der Präsident habe "vollstes Vertrauen" in den CIA-Direktor Michael Hayden, der ihn am Donnerstag über die Zerstörung der Bänder im Jahr 2005 in Kenntnis gesetzt habe, sagte Perino. Der Präsident habe den juristischen Berater des Weißen Hauses beauftragt, Hayden bei einer internen Untersuchung zu unterstützen.

In einem internen Memo an Mitarbeiter bestätigte CIA-Chef Michael Hayden mehrere Zeitungsberichte über die Zerstörung der Aufnahmen.

Das Vorgehen habe dem Schutz von Ermittlern gedient, die auf den Bildern bei der Vernehmung mutmaßlicher Qaida-Mitglieder zu identifizieren gewesen seien, heißt es in dem Schreiben. Den Zeitungsberichten zufolge zeigten die Videos besonders harsche Verhörmethoden.


Aus: "ZERSTÖRTE CIA-VIDEOS - US-Demokraten verlangen Aufklärung - Bush mit Erinnerungslücken" (07.12.2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,522108,00.html



-.-

Quote
[...] Der US-Geheimdienst CIA hat offenbar weitaus mehr Videobänder mit Aufnahmen umstrittener Verhörmethoden zerstört als bisher eingestanden. CIA-Chef Michael Hayden hatte im Dezember lediglich erklärt, der Geheimdienst habe 2005 einige Videobänder aus dem Jahr 2002 vernichtet. In einem Schreiben des Anwalts der US-Regierung, Lev Dassin, ist jetzt von 92 zerstörten Videos die Rede.
Der Anwalt der Bürgerrechtsbewegung American Civil Liberties Union (ACLU), Anrit Singh, sieht in der hohen Zahl der zerstörten Videos einen Beweis, dass der Geheimdienst "systematisch" Beweismaterial für seine "illegalen Verhöre" vernichtet.

...


Aus: "Videos mit umstrittenen Verhörmethoden vernichtet" (02. März 2009)
Quelle: http://nachrichten.t-online.de/c/17/89/43/08/17894308.html


« Last Edit: March 03, 2009, 10:31:39 AM by Textaris(txt*bot) »

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[In einem laufenden Ermittlungsverfahren... (Schweiz, CIA)]
« Reply #5 on: May 26, 2008, 10:06:46 AM »
Quote
[...] Mitten in einem laufenden Ermittlungsverfahren hat die eidgenössische Regierung im November um die 30.000 Aktenstücke und Computerdateien vernichten lassen.

[...] Innenminister Pascal Couchepin, der turnusgemäß als Präsident der Regierung amtiert, bestätigte jetzt die Aktenvernichtung. Es geht dabei um einen der spektakulärsten Fälle der illegalen Weitergabe von Atomtechnologie. Auch Deutschland war in den Fall verwickelt. Die Aufklärung der Machenschaften und die Verwicklung der CIA darin dürfte damit jetzt unmöglich sein.

Couchepin verließ wortlos den Raum, nachdem er am Freitag eine kurze Erklärung abgegeben hatte. Darin heißt es, die Regierung habe am 14. November 2007 beschlossen, "den umfangreichen Bestand der bei Familie T. beschlagnahmten Datenträger und Dokumente durch die Bundeskriminalpolizei unter Aufsicht der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) vernichten zu lassen."

Die "hochbrisanten" Dokumente, so Couchepin, hätten "insbesondere detaillierte Baupläne für Nuklearwaffen, für Gas-Ultrazentrifugen zur Anreicherung von waffenfähigem Uran sowie für Lenkwaffen" enthalten. Sie stammten aus dem Umfeld von Abdul Quader Khan, der in seiner Heimat als "Vater der pakistanischen Atombombe" verehrt wird.

Bei der Schweizer "Familie T." handelt es sich um den Ingenieur Friedrich Tinner und seine beiden Söhne Urs und Marco aus der Gegend von St. Gallen. Die Söhne sitzen seit mehr als drei Jahren in Untersuchungshaft, ohne dass Anklage erhoben wurde.

Der Vater wurde aus der Haft entlassen. Eine Anklage dürfte nun kaum mehr möglich sein, weil die Tinners jetzt argumentieren können, dass auch entlastendes Material in den Schredder gesteckt worden sei.

Die drei Ingenieure werden verdächtigt, bei Khans Netzwerk mitgemacht und für viel Geld nicht nur Pakistan beim Bau von Atomanreicherungsanlagen geholfen zu haben, sondern auch Libyen und Iran.

Der amerikanische Geheimdienst hatte von dem Technologieschmuggel erfahren und soll die Tinners im Jahr 2002 mit dem Versprechen auf Straffreiheit dazu gebracht haben, parallel auch für die CIA zu arbeiten. Dies, so die Neue Zürcher Zeitung, sei durch Medienberichte, Bücher und Bundesgerichtsurteile "gut dokumentiert".

[...] Der Fall, so richtete Berns Botschafter laut NZZ am Sonntag in Washington aus, möge doch "so behandelt werden, wie es der sehr guten Rechtstradition zwischen den USA und der Schweiz entspricht."


Aus: "Schweiz: Schreddern für die CIA" (25.05.2008)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/980/176447/2/




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Quote
[...] Der 38-jährige Mann trat im Jahr 2004 eine Administratorstelle beim Council of Community Clinics in San Diego an. Das Unternehmen liefert IT-Dienste an 17 staatlichen Kliniken in der Region, darunter auch die elektronische Verarbeitung von PatientInnendaten. Nach einem Jahr wurde der Mann entlassen - an seiner Arbeit hatte die Firma nichts auszusetzen, sprach aber von "persönlichen Probleme" des Mitarbeiters.

Der Ex-Admnistrator loggte sich daraufhin in die Rechnersysteme ein und schaltete zunächst eine Backup-Funktion ab, die Daten von zahlreichen PatientInnen sichern sollte. Wenige Tage später verschaffte sich der Mann erneut Zugang zum System und begann, so die Untersuchungen des FBI systematisch PatientInnentermine, Krankenakten und andere Daten zu löschen.

Das FBI kam zwar schnell auf die Spur des Mannes konnte diesem aber zunächst nichts vorwerfen, da er alle belastenden Beweise rechtzeitig löschte und vernichtete. Allerdings konnten die ErmittlerInnen die Namen der Rechner und die Bezeichnungen der angeschlossenen Drucker in der Wohnung des Verdächtigen und bei seiner neuen Arbeitsstelle mit den Logfiles in Verbindung bringen und so seine Zugriffe belegen. Der Mann wurde zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und muss außerdem 409.000 Dollar Schadensersatz zahlen. (red)


Aus: "Die Rache des Admin: Datenverlust und fünf Jahre Gefängnis" (17. Juni 2008)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=3379468


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[Die Lücken in der Akte von Dellwo... ]
« Reply #7 on: November 29, 2008, 01:54:34 PM »
Quote
[...] Nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums fehlen in den 20 Aktenbänden jeweils mehrere Dutzend Seiten.

Die Staatsanwaltschaft ermittele, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag in Hannover. Die Aktenbände seien auf einem Verwahrboden archiviert gewesen, zudem nur Anstaltsbedienstete Zugang hätten.

Zeitweilig verschwunden war in dem Gefängnis auch die Akte des Schauspielers Burkhard Driest, der bis 1968 in Celle eine mehrjährige Haftstrafe wegen eines Sparkassenüberfalls verbüßte.

Nach Angaben des Ministeriumssprechers wies ein Gefangener darauf hin, dass ein Mithäftling Driests Akte in Besitz habe. Das Gefängnis erstattete daraufhin Strafanzeige. Die Gefangenenakte des Schauspielers sei mittlerweile wieder aufgefunden, sagte Sprecher Philipp Haarmann. Im Zuge der Ermittlungen sei man auf die Lücken in der Akte von Dellwo gestoßen.

Der RAF-Terrorist Dellwo wurde 1975 nach einer Geiselnahme in der deutschen Botschaft in Stockholm festgenommen und verbüßte bis 1995 im Hochsicherheitstrakt des Celler Gefängnisses eine lebenslange Haftstrafe. Dort beteiligte er sich an mehreren Hungerstreiks. Die Gefangenenakte ist die Akte der Gefängnisleitung über die Haft.


Aus: "RAF - Akten des RAF-Terroristen Dellwo verschwunden" (28.11.08)
Quelle: http://www.focus.de/panorama/welt/raf-akten-des-raf-terroristen-dellwo-verschwunden-_aid_352004.html


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[Löschangriff auf Fannie-Mae-Server... ]
« Reply #8 on: February 03, 2009, 11:13:11 AM »
Quote
[...] Ein ehemaliger Arbeitnehmer der US-Hypothekenbank Fannie Mae soll mit einem selbst geschriebenen Skript versucht haben, alle Kreditdaten auf den rund 4.000 Servern der Bank per 31. Jänner zu löschen.

Das Skript von Unix-Programmierer Rajendrasinh Makwana, der im Auftrag einer IT-Firma drei Jahre für Fannie Mae gearbeitet hatte, wurde laut Gerichtsunterlagen am 29. Oktober 2008 durch Zufall am Ende eines ganz normalen Skripts entdeckt, berichten US-Medien.

Makwana war am 24. Oktober kurz nach Mittag wegen eines anderen Skripts, das irrtümlich und ohne Genehmigung die Einstellungen der Unix-Server veränderte, gekündigt worden, hatte aber laut Gerichtsunterlagen offenbar noch bis zum Abend desselben Tages Zeit und Zugang zu den Systemen, um dort den Code zu platzieren.

Laut Angaben sollte das Skript per 31. Jänner zuerst den Rechner für die Serverüberwachung unzugänglich machen, dann alle Zugangsdaten für die rund 4.000 Server löschen und im Anschluss alle Daten samt Backup-Software überschreiben.

Im nächsten Schritt hätten die Server abgeschalten und so nicht mehr zugänglich gemacht werden sollen. Bei einem versuchten Login sollte dann die Meldung "Serverfriedhof" erscheinen.

Den Gerichtsunterlagen zufolge wäre dadurch zumindest ein Schaden in Millionenhöhe entstanden und hätte den Betrieb für rund eine Woche eingeschränkt oder überhaupt lahmgelegt. Sowohl der Rechner, von dem der Code eingespielt wurde, als auch die Login-Daten sollen laut FBI auf Makwana als Täter verweisen.

Makwana wurde am 7. Jänner verhaftet und gegen eine Kaution von 100.000 Dollar vorerst freigelassen, musste aber seinen Reisepass abgeben und darf bis auf weiteres den Computer nur für seine Arbeit und die Kommunikation mit seiner indischen Familie benützen. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Bei einer Anhörung am Freitag vor einem Bezirksgericht in Baltimore erklärte er sich für nicht schuldig.

Fannie Mae ist der größte US-Hypothekenfinanzierer, der durch das Platzen der Immobilienblase gefährlich in Schieflage geriet. Gemeinsam mit dem zweiten Hypothekengiganten Freddie Mac zeichnet Fannie Mae für die Hälfte aller Immobilienkredite in den USA verantwortlich. Um einen völligen Kollaps des Hypothekenmarkts zu verhindern, waren die Institute im September unter staatliche Kontrolle gestellt worden.

Auch wenn die Datensätze, wie in den Gerichtsunterlagen angeführt, wiederhergestellt worden wären: Die Löschung aller Kreditdaten aus dem System hätte nicht nur das Unternehmen selbst in noch schwerere Turbulenzen gestürzt, sondern vermutlich auf dem gesamten Finanzmarkt neue Schockwellen ausgelöst.

Quote
#

futurama, vor 16 Stunden, 12 Minuten

Na zum Glück hat er seinen eigenen Login und seinen eigenen Computer verwendet. Nicht auszudenken, wenn er den Computer und das Login eines anderen verwendet hätte! Dann säße jetzt ein unschuldiger vor Gericht.

Entweder ist der extrem dumm oder er wollte unbedingt in den Knast. Noch dazu musste er wissen, dass sein Skript natürlich geprüft wird, bevor es ausgeführt wird. Gibt es eigentlich ein Motiv?


Quote
#
amateur ...

avengingangel, vor 2 Tagen, 21 Stunden, 14 Minuten

wohl nie fightclub gesehen




Aus: "Löschangriff auf Fannie-Mae-Server" (futurezone/AP, 30. 1. 2009)
Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1502158/


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[Akten, die mit diesen Vorgängen zu tun haben... (DB AG, BRD)]
« Reply #9 on: February 11, 2009, 11:57:06 AM »
Quote
[...] Der Vorstand schloss am Dienstag erstmals Verstöße gegen das Strafrecht nicht mehr aus und hält auch die Vernichtung oder Manipulation von Akten für möglich. Die Bahn beteuert in ihrem Bericht an den Bundestag aber erneut, Bahnchef Hartmut Mehdorn habe davon nichts gewusst. Der Leiter der verantwortlichen Konzernrevision, Josef Bähr, wurde beurlaubt. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee reagierte unzufrieden auf den Report: "Er wirft mehr Fragen auf als er beantwortet." Die Opposition nannte die Unternehmensangaben völlig unglaubwürdig.

Mittlerweile könne man nicht mehr ausschließen, "dass im Rahmen der Bekämpfung von Korruption und Wirtschafskriminalität auch Verstöße gegen straf- und datenschutzrechtliche Bestimmungen stattgefunden haben", heißt es in dem Bahn-Bericht, der Reuters vorlag. "Von diesen Vorgängen war dem Vorstand der DB AG nichts bekannt", heißt es in dem gut 40-seitigen Schreiben allerdings weiter. Bislang hatte das Unternehmen Strafrechtsverstöße seiner Mitarbeiter in Abrede gestellt. Auch könne seit Ende vergangener Woche nicht ausgeschlossen werden, "dass Akten, die mit diesen Vorgängen zu tun haben, bereinigt oder vernichtet worden sind".

...


Aus: "Bahn hält Strafrechtsverstoß für möglich - Akten fehlen" (10. Februar 2009)
Quelle: http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE5190F620090210?pageNumber=1&virtualBrandChannel=0

-.-

Quote
[...] "In der Revision sind Akten verschwunden", glaubt der grüne Verkehrsexperte Anton Hofreiter. Dies gehe aus anonymen Schreiben und mündlichen Hinweisen von Informanten hervor. Danach wurden kurz vor der Veröffentlichung des Zwischenberichts zur Datenaffäre die Dokumentenschredder angeworfen.

Auch der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Dirk Fischer, hegt diesen Verdacht. "Wir haben Hinweise", sagt er und fordert daher eine weitere Einvernahme des Vorstands im April.

...


Aus: "Spitzelaffäre der Bahn - Mehdorn stellt sich dumm" VON WOLFGANG MULKE (04.03.2009)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/mehdorn-stellt-sich-dumm/

« Last Edit: March 05, 2009, 09:41:48 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Sowohl in der Regierungskanzlei als auch beim Militär... ]
« Reply #10 on: April 29, 2009, 08:55:14 AM »
Quote
[...] Die Militärführung bestätigte den Vorfall im Prinzip. Nur habe er sich möglicherweise nicht 2005, sondern 2006 zugetragen. Und es sei keine getarnte Operation gewesen, sondern das Militärpersonal habe ganz offiziell das Flugzeug kontrolliert. Das sei bei CIA-Gefangenentransporten, die schwedische Flughäfen für Zwischenlandungen benutzt hätten, üblich gewesen.

Zurzeit wird untersucht, ob es noch mehr solcher Transporte gab. Seltsamerweise scheinen nämlich alle Akten darüber verschwunden zu sein - sowohl in der Regierungskanzlei als auch beim Militär.

...


Aus: "Kein Dementi - Stockholm erlaubte CIA-Flüge" (27.04.2009)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/stockholm-erlaubte-cia-fluege/


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[Verschwundene E-Mails... ]
« Reply #11 on: May 21, 2009, 02:01:34 PM »
Quote
[...]  Das Verwaltungsamt im Weißen Haus (Office of Administration, OA) muss den Bürgerrechtlern der Citizens for Responsibility and Ethics (CREW) keine Aufzeichnungen über verschwundene E-Mails aushändigen. Ein US-amerikanisches Berufungsgericht hat nun einen entsprechenden Beschluss eines Bundesbezirksgerichts bestätigt, teilt CREW mit. Das OA sei keine Behörde, die unter die Bestimmungen des Freedom of Information Act (FOIA) fällt. Laut diesem Gesetz hat jeder US-Bürger das Recht, Zugang zu Dokumenten der US-Regierung zu verlangen.


Während der ersten Amtszeit des vorigen US-Präsidenten George W. Bush waren von 2003 bis 2005 Millionen von E-Mails gelöscht worden. Die CREW hatten Ende 2007 zusammen mit dem US-Nationalarchiv durchgesetzt, nach der das Weiße Hauses mit eventuell noch vorhandenen Backups dafür zu sorgen hat, dass möglichst viele der gelöschten E-Mails wiederhergestellt werden. Das Nationalarchiv befürchtet, dass viele Entscheidungen der Regierung in der Zeit, beispielsweise zur Invasion im Irak, zu den Maßnahmen nach dem Hurrikan Katrina oder nach dem Skandal von Abu Ghraib, nie vollständig verstanden werden können.

Die Bürgerrechtler der CREW verweisen darauf, dass die OA in der Vergangenheit auf dem FOIA basierende Anfragen beantwortet hat. Die OA-Website enthalte sogar Erläuterungen für solche Anfragen. Nachdem aber CREW das OA um Informationen über die verschwundenen E-Mails gebeten hatte, habe es die Herausgabe verweigert. Daraufhin hatten die Bürgerrechtler versucht, ihr Recht einzuklagen.

Das Berufungsgericht meinte nun wie die Vorinstanz, das OA sei keine eigenständige Behörde, sondern erledige nur Dienstleistungen für die Regierung. CREW sowie 36 weitere Organisationen appellieren nun an die Obama-Regierung, den Zugang zu Dokumenten der OA zu gewähren. Jede Regierung bis auf diejenige von George W. Bush sei dem bisher nachgekommen. (anw/c't)

Quote
20. Mai 2009 11:12
Richtig so.
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

Transparenz ist nur wichtig, wenn es um Bürger geht, und da muss man
die Vorschriften nicht so genau einhalten, schnell und unbürokratisch
sollte jeder Fuzzie aus Regierung, Polizei und Behörden jede
gewünschte Information ohne Angabe von Gründen erhalten.

Außerdem: Der Inhalt der E-Mails würde bloss die Bevölkerung mit
Abscheu, Entsetzen und Empörung erfüllen, also sollte man dem Volk
einfach mal ein wenig Ruhe gönnen.


Quote
20. Mai 2009 12:56
Ist wohl auch besser so!
Überwachungsterror (214 Beiträge seit 14.11.08)

Wer nichts zu verbergen hat... (frei nach SSchäuble)





Aus: "Weißes Haus muss Aufzeichnungen über verschwundene E-Mails nicht aushändigen" (20.05.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Weisses-Haus-muss-Aufzeichnungen-ueber-verschwundene-E-Mails-nicht-aushaendigen--/meldung/138174

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[Am 26. September 1980... ]
« Reply #12 on: May 26, 2009, 10:36:25 AM »
Quote
[...] Das Asservat (von lateinisch asservare – [amtlich] bewachen; amtlich: Verwahrstücke) bezeichnet einen nach Polizeirecht und nach der Strafprozessordnung sichergestellten oder beschlagnahmten Gegenstand.

Die asservierte Sache kann im Straf- oder im Bußgeldverfahren als Beweismittel (z. B. Spurenträger – Knochen mit Projektil, exzisierte Haut mit Stichwunde) oder der Gefahrenabwehr (Polizeirecht) dienen.

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Asservat (26. Dezember 2008)

-.-

Quote
[...] Am 26. September 1980 explodierte auf dem Münchner Oktoberfest eine Bombe, durch die 13 Menschen ums Leben kamen und Hunderte teilweise schwer verletzt wurden. Obwohl unter anderem Zeugenaussagen auf mehrere Täter hindeuteten, wurden die Ermittlungen damals mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass der Geologiestudent Gundolf Köhler den Anschlag, bei dem er selbst ums Leben kam, im Alleingang verübte.

Die Recherchen des Historikers Daniele Ganser und des Journalisten Tobias von Heymann warfen in den letzten Jahren zahlreiche neue Fragen zu diesem Ereignis auf, von denen die Bundestagsfraktion der Grünen nun einige der Regierung vorlegte. Gleichzeitig will der Münchener Rechtsanwalt Werner Dietrich, der ein direktes und mehrere indirekte Opfer des Attentats vertritt, bei der Bundesanwaltschaft erreichen, dass die Ermittlungen mit "neuen kriminaltechnischen Erkenntnismöglichkeiten" wiederaufgenommen werden.

Letzteres dürfte sich allerdings insofern als schwierig erweisen, als nach Angaben des bayerischen Justizministeriums "keinerlei Asservate mehr vorhanden" sind, an denen Materialherkunfts- oder DNA-Tests vorgenommen werden könnten. Alle Gegenstände seien nämlich "entweder vernichtet oder zurückgegeben" worden. Bemerkenswert ist diese Auskunft nicht nur deshalb, weil man damals beträchtliche 1.500 Beweisstücke sicherstellte, sondern auch, weil eigentlich gerade die Asservaten aus einem so spektakulären Fall die Kriterien für Archivwürdigkeit erfüllen müssten. Man wird sehen, ob die Anfrage einer Bundestagsfraktion hier andere Antworten zu Tage bringt, als sie das bayerische Justizministerium der Presse gibt.

...


Aus: "Wehrsportgruppe Hoffmann und Gladio" Peter Mühlbauer (26.05.2009)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30390/1.html

-.-

Quote
[...] Wie das bayerische Justizministerium mitteilte, werden Asservate normalerweise nach dem rechtskräftigen Abschluss eines Verfahrens vernichtet. Das Verfahren gegen eine Reihe verdächtiger Rechtsradikaler wurde 1982 eingestellt. Unklar ist, ob es heute überhaupt noch Asservate vom Oktoberfest-Attentat aus dem Jahr 1980 gibt. Nur besonders "archivwürdige" Stücke würden im Staatsarchiv aufbewahrt.

...


Aus: "Oktoberfest-Attentat soll neu untersucht werden" (12.05.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/726/468292/text/


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[Löschwahn als Krankheit... ]
« Reply #13 on: November 03, 2009, 01:10:25 PM »
Quote
[...]  "Der Löschwahn ist eine sehr milde Form der Manie. Die Krankheit grassiert besonders unter deutschen Wikipedianern."


Aus: "Wikipedia - Welches Wissen ist relevant?" (03.11.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/multimedia/aktuell/2057060_Wikipedia-Welches-Wissen-ist-relevant.html



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[Analyse zum massenhaften Verschwinden von E-Mails... ]
« Reply #14 on: August 31, 2010, 08:32:23 AM »
Quote
[...] Die US-Bürgerrechtsorganisation "Citizens for Responsibility and Ethics" (CREW) und das National Security Archive der George Washington University haben Details einer Analyse zum Verschwinden  mehrerer Millionen E-Mails aus der Korrespondenz des Weißen Hauses zwischen 2003 und 2005 publik gemacht. Die Probleme mit dem Archivierungsprogramm, das die Clinton-Regierung für den Regierungssitz in Washington einführte, begannen demnach mit der Umstellung von Lotus Notes auf Microsoft Exchange als Software für die Abwicklung elektronischer Post durch das Team von George W. Bush, berichtet die Washington Post  unter Verweis auf eine Untersuchung des Vorfalls durch die beiden Einrichtungen. Warnungen des Verwaltungsamts im Weißen Haus vor der Fehlfunktion seien von den Verantwortlichen in den Wind geschlagen worden.

Das Weiße Haus habe die Migration nicht ausgesetzt und die Archivierungsfunktion wieder zum Laufen gebracht, moniert ein CREW-Rechtsexperte. Vielmehr habe man quasi sehenden Auges einfach mit der Softwareumrüstung weitergemacht. Die damalige Justiziarin des Weißen Hauses, Harriet Miers, habe auch einen Vorschlag des Verwaltungsamts zur vollständigen Wiederherstellung aller im Jahr 2005 verlorengegangenen E-Mails abgelehnt. Letztlich sei für mindestens 10 Millionen US-Dollar ein neues Aufzeichnungsprogramm angeschafft worden, das aber bei seinem Start rückwirkend nur noch auf die E-Post der vergangenen 48 Tage zurückgegriffen habe. CREW-Justiziarin Anne Weismann beklagt, Dokumente, die Einblicke in die Entscheidungsfindung der Regierung an mehreren Brennpunkten hätten geben können, seien wohl für immer abhanden gekommen.

Die Bürgerrechtler hatten Ende vergangenen Jahres einen Kompromiss mit der Regierung Barack Obamas ausgehandelt, wonach der E-Mail-Verkehr für 94 ausgewählte Tage zwischen Juni 2003 und Oktober 2005 so weit wie möglich rekonstruiert und archiviert wurde. Die Autoren der Untersuchung bedauern, dass Historiker dennoch viele Schlüsselangaben in der Korrespondenz bei der Aufarbeitung der Geschichte der Bush-Präsidentschaft vermissen dürften. Vertreter des National Security Archive befürchteten zu der Zeit, als das Abhandenkommens der Mails bekannt wurde, dass viele Bestimmungen der Bush-Regierung etwa zur Invasion im Irak, zu den Maßnahmen nach dem Hurrikan Katrina oder nach dem Folterskandal im Gefängnis von Abu Ghraib nie vollständig von Geschichtswissenschaftlern verstanden werden könnten. (Stefan Krempl) / (anw)

Quote
30. August 2010 14:46
Der Böse ist gefunden
Kaufzwang (mehr als 1000 Beiträge seit 05.04.05)

/dev/null wurde verhaftet, schweigt aber bisher zu den Vorwürfen.


Quote
30. August 2010 14:54
Die böse Technik ist schuld
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

Die Technik, die uns durch Auswertung von PNRs, SWIFT-Daten,
automatisierter Gesprächsbelauschung, Kennzeichenscans, ePerso, eGk,
Nacktscans und wasweissich noch vor allem möglichen schützen soll,
schafft es nicht mal, Textdateien zu archivieren.
Ja ne, is klar soweit.

Natürlich ist das Verschwinden dieser Mails recht praktisch für die
damalige Regierung, aber dann hätten sie eine bessere Ausrede finden
sollen, Gottes Wille, Talibanangriffe, unzüchtiges Verhalten oder
etwas derartiges.


Quote
30. August 2010 15:06
"...nie vollständig von Geschichtswissenschaftlern verstanden werden könnten."
RC (mehr als 1000 Beiträge seit 25.02.00)

Genau DAS war die Absicht. Es hat perfekt funktioniert. Oder gibt es
jemanden der ernsthaft glaubt, dass dieses Vorgehen keine Absicht
war??

Ich gehöre nicht dazu.

Alex



Aus: "Analyse zum massenhaften Verschwinden von E-Mails im Weißen Haus veröffentlicht" (30.08.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Analyse-zum-massenhaften-Verschwinden-von-E-Mails-im-Weissen-Haus-veroeffentlicht-1069257.html