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Author Topic: [Zur emotional instabilen Persönlichkeitsstörung... ]  (Read 3450 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Zur emotional instabilen Persönlichkeitsstörung... ]
« on: November 29, 2007, 04:25:53 PM »

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[...] Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (abgekürzt BPS), auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung genannt, ist die im psychologischen und psychiatrischen Umfeld am häufigsten diagnostizierte Persönlichkeitsstörung.

Die Bereiche der Gefühle, des Denkens und des Handelns sind beeinträchtigt, was sich durch negatives und teilweise paradox wirkendes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie im gestörten Verhältnis zu sich selbst äußert. Die BPS wird immer von weiteren Belastungen begleitet, darunter Dissoziative Störungen, Endogene Depressionen und verschiedene Formen von Selbstverletzendem Verhalten (SVV). Darüber hinaus bestehen hohe Komorbiditäten mit anderen Persönlichkeitsstörungen, dabei am häufigsten die Ängstliche Persönlichkeitsstörung und die Narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

Der Name der Störung, „Borderline“, bedeutet auf deutsch „Grenzlinie“, was sich darauf bezieht, dass die Störung früher in den Grenzbereich zwischen den Neurotischen Störungen und den Psychotischen Störungen eingeordnet wurde, da Symptome aus beiden Bereichen beobachtet wurden.


Aus: "Borderline-Persönlichkeitsstörung" (11/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Borderline-Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung


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Textaris(txt*bot)

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[Ich blute, also bin ich... (Notiz, BPS)]
« Reply #1 on: November 29, 2007, 05:14:13 PM »

Quote
[...] „Außerdem hat Selbstverletzung bei Borderline-Patienten auch eine identitätsstiftende Funktion im Sinne von: Ich blute, also bin ich“, so Resch.

[...] Nach eigenen Angaben fühlen die Patienten während der Selbstverletzung wenig oder überhaupt keinen Schmerz. Neurophysiologische Untersuchungen bestätigen das. Die Forschergruppe um Christian Schmahl vom Mannheimer Zentralinstitut zeigte mit Hilfe von bildgebenden Verfahren, dass jene Areale im Gehirn, die für die emotionale Bewertung von wahrgenommenen Reizen verantwortlich sind, während eines schmerzhaften Reizes weniger aktiviert sind als bei Menschen ohne Borderline-Syndrom. Je intensiver, desto besser, scheint die Devise. Sie balancieren auf Brücken und Hochhäusern, sie setzen sich auf Eisenbahngleise und warten auf den Zug, fahren mit dem Fahrrad auf der Autobahn. „Hochrisikoverhalten“ nennen es die Experten. Auch Impulsivität ist ein Merkmal der Störung, die sich etwa in Form von Drogen- und Alkoholmissbrauch, Fressanfällen oder sexueller Promiskuität niederschlägt. Bohus präsentierte die Ergebnisse einer bisher unveröffentlichten Studie von Marsha Linehan von der Universität Seattle in Washington. Darin hätten 85 Prozent der Frauen mit BPS angegeben, im vergangenen Monat ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem unbekannten Sexualpartner gehabt zu haben. Zum Vergleich: Unter homosexuellen Männern sei dies nur zu 35 Prozent der Fall. „Die Population der Borderline-Persönlichkeitsstörungen ist damit eine Hochrisikogruppe für HIV“, folgerte Bohus. Auf Ursachen der Störung will sich die Fachwelt bislang nicht festlegen. Allerdings sei bekannt, dass etwa siebzig Prozent der Betroffenen Opfer sexuellen Missbrauchs seien, etwa sechzig Prozent körperliche Gewalt - oft innerhalb der Familie - erfahren hätten und rund vierzig Prozent emotional vernachlässigt worden seien. In jedem Falle scheint es bei den Betroffenen Gründe zu geben, welche die Entwicklung eines stabilen Selbstbildes und der Fähigkeit, tragfähige Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen, beeinträchtigten. Borderline sei deshalb als eine chronische Entwicklungsstörung zu verstehen, sagte Peter Fiedler vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg.


Trotzdem sind Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung nur selten alleine. Sie tun alles dafür, das zu verhindern. So suchen sie ständig extreme Nähe zu anderen Menschen, fühlen sich, dort angelangt, aber verachtenswert und unzumutbar für den anderen. So zeigte sich in einer Studie, die Corinna Scheel vom Universitätsklinikum Freiburg vorstellte, dass BPS-Patientinnen im Vergleich zu gesunden und depressiven Frauen eine erhöhte Scham empfinden - ganz unabhängig davon, ob die Situation Anlass zum Schämen gibt oder nicht. „Offenbar haben die Patientinnen allgemein das Gefühl, mit einem Makel behaftet zu sein“, sagte Scheel. Sie fühlen sich also schnell kritisiert und angegriffen, verhalten sich dann gleichzeitig anklammernd und zurückweisend. Das Ergebnis sind instabile, chaotische und dennoch intensive Beziehungen.

Menschen mit einer BPS haben offenbar auch Schwierigkeiten, die Emotionen am Gesichtsausdruck anderer korrekt abzulesen. So ergab eine Studie von Gregor Domes von der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Rostock, dass Borderline-Patienten einen uneindeutigen Gesichtsausdruck tendenziell als ärgerlich interpretieren. Die Erklärung der Forscher: Borderline-Patienten erwarten von vornherein, in sozialen Situationen zurückgewiesen zu werden. Angela Merkl von der Psychiatrischen Klinik der Charité Universitätsmedizin Berlin stellte fest, dass Borderline-Patienten insgesamt mehr Fehler bei der Einschätzung emotionaler Gesichtsausdrücke machen: „Bezüglich Angst allerdings scheinen sie sensitiver zu sein, denn ängstliche Gesichter schätzen sie akkurater ein als gesunde Personen.“

[...] Eine Auswertung der Effekte von Psychopharmaka, die von der Forschungsgruppe um Klaus Lieb von der Psychiatrischen Klinik der Universität Mainz zusammen mit Kollegen der Universität Freiburg und dem Deutschen Cochrane-Zentrum vorgenommen wurde, ergab, dass kein Medikament die Störung in all ihren Dimensionen verbessern könne. „Eine Tablette, die der Komplexität der Erkrankung gerecht würde, gibt es nicht. Psychopharmaka richten sich immer nur gegen einzelne Symptome“, sagte Resch.

Quote
Persönlichkeitsstörung
Carl-F. Beisswenger, 28. November 2007

Es gibt mit Sicherheit in der Geschichte eine Vielzahl
von außergewöhnlichen Lebensläufen, die heutzutage
mit "Borderline" zu bezeichnen wären.

...



Aus: "Borderline-Störung: Vom richtigen Umgang mit seelischen Grenzgängern" Von Inka Wahl (faz.net, 29.November 2007)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921E7FF/Doc~EAD8E6546D2F946B4B97816079DCD2056~ATpl~Ekom~SKom~Ak~E.html

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