Author Topic: [Data Mining und Abweichungsanalyse... ]  (Read 134412 times)

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[Data Mining und Abweichungsanalyse... ]
« Reply #210 on: Dezember 13, 2017, 09:14:09 vorm. »
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[...] Für Ling Yun war Privatsphäre bislang kein Thema. Im Gegenteil: Wurde er im Supermarkt in seiner Nachbarschaft darum gebeten, für ein kleines Werbegeschenk seine Kontaktdaten preiszugeben, stellte er bereitwillig den Barcode seines Wechat-Kontos zur Verfügung, den die Werber dann einscannen konnten. Wechat ist der in China am meisten genutzte Kurznachrichtendienst.

Ling fand es bisher auch nicht weiter schlimm, dass sich Alibaba mit seinen diversen Einkaufswebseiten offenbar genau merkt, welche Produkte er sich schon einmal irgendwo im Netz angeschaut hat. Ansonsten würden sich nicht ständig Werbefenster mit erkennbar auf seine Vorlieben ausgerichteten Waren öffnen, sobald er seinen Rechner hochfährt oder mit seinem Smartphone online ist. "Das fand ich sogar gut", sagt der 27-Jährige. Denn damit blieb ihm ja überflüssige Werbung erspart. So dachte er bis vor kurzem.

Inzwischen wird ihm mulmig. Denn er hat von dem Vorhaben der chinesischen Regierung erfahren, das seit einigen Jahren in rund einem Dutzend Regionen des Landes getestet wird: Von einem Social Credit System ist die Rede, einer Art Schufa für so gut wie alle Belange des gesellschaftlichen Lebens, einer Bürgerbewertung. "Meine Regierung plant ja den komplett gläsernen Bürger", sagt Ling.

So wie Alibaba und Amazon wissen, wofür sich ihre Nutzer interessieren und was sie als Nächstes kaufen könnten, will der chinesische Staat aus den Datenspuren seiner Bürger ableiten, wie sie sich in der Vergangenheit verhalten haben und in der Zukunft verhalten könnten und sie nach einem Punktesystem entsprechend bewerten. Wer zum Beispiel über das Internet gesunde Babynahrung bestellt, soll Pluspunkte erhalten. Wer sich hingegen Pornos ansieht oder zu viel Zeit mit Computerspielen verbringt, muss mit Abzügen rechnen. Vorausgesetzt, der Staat bekommt das mit. Die technischen Möglichkeiten dazu hat er jedenfalls.

Vorgesehen ist, dass Nutzer mit mindestens 1.300 Punkten die höchste Bewertung AAA erhalten. Wie bei einer Rating-Agentur. Können sie diesen Stand einige Zeit lang halten, sollen sie zur Belohnung vergünstigte Kredite erhalten oder eine bessere Krankenversicherung. Auch bei der Vergabe von Studienplätzen an die eigenen Kinder könnte sich eine hohe Punktzahl positiv auswirken. Wer hingegen unter einen Wert von 600 fällt, landet in der schlechtesten Kategorie D. Betroffene müssen sogar befürchten, ihre Jobs zu verlieren.

Über eine Smartphone-App kann sich jeder über den eigenen Punktestand informieren. Aber neben Behörden sollen auch Banken und Arbeitgeber, Vermieter, Einkaufsplattformen, Reiseveranstalter und Fluggesellschaften Einsicht in die Bewertung erhalten.

Als Datenquellen kommen Kranken- und Gerichtsakten, Onlineshopping oder Beiträge in sozialen Netzwerken in Betracht; ebenso Internet-Suchanfragen, Reisepläne oder Einkäufe mit Kreditkarte oder den Bezahl-Apps, die in China weit verbreitet sind. Diese Daten analysiert und gewichtet das System, um daraus die Punktzahl abzuleiten. Noch wird die Bürgerbewertung lediglich ausprobiert. Doch bereits 2020 könnte es den derzeitigen Plänen zufolge für jeden chinesischen Staatsbürger zur Pflicht werden, sich mit seiner Sozialausweisnummer dafür registrieren zu lassen.

Für die meisten chinesischen Bürger ist es jetzt schon nicht mehr ungewöhnlich, dass ihr Nutzerverhalten im Internet bewertet wird. Chinas große Internetfirmen wie Alibaba oder Tencent haben da fleißig Vorarbeit geleistet und nehmen aus Sicht der chinesischen Führung geradezu eine Vorreiterrolle ein, auch wenn es ihnen nur um Kommerz geht, nicht um Erziehung. Mit seinen beiden Handelsplattformen Taobao und Tmall etwa hat Alibaba bereits die Daten von fast 800 Millionen Nutzern gesammelt, um in erster Linie ihr genaues Einkaufsverhalten zu ermitteln.

Zum Wohlwollen der chinesischen Führung betreibt Alibaba mit seinem Dienst Sesame Credit seit einiger Zeit jedoch auch ein umfassendes Bewertungssystem, zu dessen Teilnahme aber niemand verpflichtet ist. "Wer zehn Stunden am Tag vor dem Rechner sitzt und Videospiele spielt, dürfte nicht gerade sehr agil sein", sagt Li Yingyun, Mitarbeiterin bei Sesame Credit. Wer hingegen häufig Biogemüse online bestelle, zeige Verantwortung und Gesundheitsbewusstsein. Zur Belohnung winken verbilligte Flugreisen und andere Vergünstigungen.

Wie Sesame Credit den Punktestand ansonsten berechnet, gibt sie nicht preis. Bekannt ist nur, dass der Einkauf bestimmter Produkte besser bewertet wird als der anderer Waren und dass es sich lohnt, Freunde mit hoher Punktezahl zu haben. Nach eigenen Angaben stellt das Unternehmen die Daten bereits Behörden und Banken zur Verfügung. Und auch Tencent, der Betreiber des erfolgreichen chinesischen Kurznachrichtendienstes WeChat, arbeitet an einem ähnlichen System. Alibaba ist zudem Betreiber von Alipay, einer reinen Bezahl-App. Bei Tencents WeChat gibt es ein Chatprogramm mit integrierter Zahlmöglichkeit. Der Geldtransfer ist damit auch erfasst.

Doch bei der Bürgerbewertung will sich die Regierung mit dem Verhalten ihrer Bürger im Internet nicht zufrieden geben. In Kombination mit der Gesichtserkennungstechnik moderner Videokameras, die schon bald flächendeckend in den chinesischen Großstädten installiert werden sollen, lässt sich künftig auch das Verhalten der Bürger in der Öffentlichkeit erfassen und in die Bewertung aufnehmen. Dazu gehören dann nicht nur Verstöße im Straßenverkehr, sondern auch das Benehmen etwa beim Anstehen vor der Kasse im Supermarkt. Natürlich muss die Technik dann zuverlässig sein, aber nicht nur in China wird hart daran gearbeitet. Und Gesichtsdatenbanken zum Abgleich hat der Staat längst, denn jeder chinesische Bürger hat einen Personalausweis mit einem biometrischen Foto.

Ob mit der Bürgerbewertung künftig auch die Linientreue überprüft wird? Möglich sei das, befürchtet der Pekinger Netzaktivist Wang Bo, der mit wahrem Namen nicht genannt werden möchte. Er berichtet von der Versuchsstadt Rongcheng in der ostchinesischen Provinz Shandong. Wer sich dort regelmäßig die Website der parteinahen Volkszeitung anschaut, bekomme Bonuspunkte. Es dürfte nicht lange dauern, bis jemand ein kleines Programm schreibt, das jeden Tag für ihn die Zeitungswebsite öffnet und den wissbegierigen Bürger simuliert.

Wer es hingegen wagt, in den sozialen Medien ständig über die Missstände im Land zu schimpfen, bekommt Punkte abgezogen. Wang spricht vom "kommunistischen Musterbürger", den die chinesische Führung auf diese Weise schaffen wolle. Zugleich bedeute das "die totale Kontrolle".

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Autor: Patman 11.12.17 - 01:32

Da es bei uns noch kein solches Social Credit System gibt, möchte ich hier schonmal anmerken dass ich Katzenliebhaber bin.



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Autor: Der Held vom Erdbeerfeld 11.12.17 - 08:44

Patman schrieb:

> Da es bei uns noch kein solches Social Credit System
> gibt, möchte ich hier schonmal anmerken dass ich
> Katzenliebhaber bin.

"Subjekt Patman äußert Sympathien für Haustiere mit stark antiautoritären Wesenszügen. Weitere Beobachtung wird empfohlen." (Az. 08/15-13-007, Ministerium für Inneren Frieden und Bürgeroptimierung)

;-)





Aus: "China: Die AAA-Bürger" Felix Lee (5.12.2017)
Quelle: https://www.golem.de/news/china-die-aaa-buerger-1712-131477.html


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[Data Mining und Abweichungsanalyse... ]
« Reply #211 on: Januar 09, 2018, 10:46:56 vorm. »
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[...] Die Vereinten Nationen wollen im Kampf gegen den Terrorismus die Überwachung von Reisenden deutlich ausbauen. Alle Mitgliedstaaten sollen Systeme entwickeln und einsetzen, mit denen sie Flugpassagierdaten in Form von Passenger Name Records (PNR) sowie die weniger detailreichen Advance Passenger Information (API) verarbeiten und analysieren können, fordert der UN-Sicherheitsrat in einer Resolution. Die 193 beteiligten Nationen werden zudem angehalten, biometrische Daten wie Fingerabdrücke oder Gesichtsbilder zu sammeln und etwa mit Verfahren zur automatischen Gesichtserkennung auszuwerten.

Ziel soll es sein, "verantwortungsvoll und ordnungsgemäß entsprechend nationaler Gesetze und internationaler Menschenrechtsvorgaben" Terroristen einschließlich ausländischer Kämpfer zu identifizieren.

Die Entschließung hat der Sicherheitsrat bereits am 21. Dezember gefasst, was kurz vor Weihnachten aber größtenteils unterging. Die britische Bürgerrechtsorganisation hat am Montag nun auf den Beschluss aufmerksam gemacht. Sie warnt dabei vor einer weltweiten Massenüberwachung vor allem von Flugreisenden durch die für alle Mitgliedsländer bindende Resolution. Damit werde die Tür geöffnet für ein Instrumentarium, mit dem im großen Stil vorsorglich Profile über Flugpassagiere erstellt werden könnten. Künftig dürften etwa auch der Schiffs- oder der Zugverkehr eingeschlossen werden; EU-Staaten wie Belgien, Großbritannien, Frankreich oder die Niederlande arbeiteten schon an geeigneten Systemen.

Die UN-Staaten sollen laut dem Sicherheitsrat auch Beobachtungslisten für "bekannte und verdächtige" Terroristen oder Datenbanken aufsetzen. Mit Hilfe der Technik müssten Strafverfolger, Grenzschützer, der Zoll, das Militär und Geheimdienste Reisende kontrollieren sowie Risikoeinschätzungen und Untersuchungen durchführen können, heißt es weiter. An die Mitgliedsstaaten geht zugleich der Appell, gewonnene Informationen bi- oder multilateral untereinander auszutauschen.

Es soll ihnen dabei auch möglich sein, Material der Nachrichtendienste für offizielle Bedrohungsanalysen herabzustufen, also von der Geheimhaltungspflicht zweckbezogen auszunehmen. Statewatch erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass derlei Informationen nicht immer den rechtlichen Standards entsprechen, denen etwa Polizeibehörden folgen müssen.

In der EU gibt es schon eine Richtlinie zum Sammeln und Auswerten von PNR, zu denen zu denen neben Name, E-Mail-Adresse, Telefon-, Konten- und Kreditkartennummern auch Essenswünsche gehören. Der Bundestag hat im April auch bereits ein Gesetz verabschiedet, wonach der Staat hierzulande Flugpassagierdaten fünf Jahre lang speichern und etwa automatisiert mit Sicherheitsdateien abgleichen kann. Die EU-Vorgaben sind aber heftig umstritten. So stoppte der Europäische Gerichtshof im Juli das transatlantische Fluggastdaten-Abkommen mit Kanada. Datenschützer, Bürgerrechtler, Linke, Grüne und Liberale sehen damit auch die PNR-Richtlinie vor dem Aus.

Der EU-Rat hat im November zudem grünes Licht für das geplante biometrische Ein- und Ausreisesystem gegeben. Es soll von 2020 an Fingerabdrücke und Gesichtsbilder von Angehörigen von Drittstaaten aufnehmen. Kritiker wittern auch darin einen Verstoß gegen die EU-Grundrechte. Parallel will die EU-Kommission eine virtuelle "Biometrie-Superdatenbank" mit übergreifenden Suchmöglichkeiten erstellen. (Stefan Krempl) / (anw)

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     Olsen, 09.01.2018 01:35

Ich bin raus

Glauben die wirklich das bringt irgendwas. Ich kann es mir nicht vorstellen. Aber egal, ich bin raus, ich fliege nicht mehr. Das ist die einzige Sprache die sie verstehen. Wenn die Flughäfen leer sind, findet sich sicher eine Lobby, die diesen Unsinn beseitigt.


...


Aus: "UN-Sicherheitsrat verlangt weltweit Abgleich von Fluggastdaten und Fingerabdrücken" Stefan Krempl (08.01.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/UN-Sicherheitsrat-verlangt-weltweit-Abgleich-von-Fluggastdaten-und-Fingerabdruecken-3936354.html


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« Reply #212 on: Februar 13, 2018, 09:55:17 vorm. »
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[...] Laut dem Verfassungsschutz werden derzeit nur offen zugängliche Inhalte in sozialen Medien durchsucht. Personenprofile oder geschlossene Gruppen und Foren seien nicht Gegenstand der „analytischen Methoden“. Das dabei genutzte Verfahren wird als „Open Source Intelligence“ (OSINT) oder „Social Media Intelligence“ (SOCMINT) bezeichnet.

Der Inlandsgeheimdienst nennt die Technik ein „Frühwarnsystem“ zum Aufspüren neuer extremistischer Gruppen. Die gefundenen Beiträge dienten außerdem als Beweismaterial. Dies würde bedeuten, dass auch die Polizei über Ergebnisse der Absuche informiert wird.

Die Bremer Software sucht hierzu nicht nur nach bestimmten Zeichenfolgen, sondern berücksichtigt auch die Häufigkeit bestimmter Wörter. Extremistische Gruppen würden beispielsweise oft Begriffe wie „Islamist“ verwenden, während bei nicht-extremistischen Gruppen eher das Wort „Dialog“ zu finden sei.

Nach Auskunft des obersten Bremer Verfassungsschützers geraten NutzerInnen auch durch Interaktionen in den Fokus des Dienstes. Ein Bericht zitiert den LfV-Chef mit den Worten, „wenn jemand 100mal Hassbotschaften liked, und das jeden Tag, dann haben wir auch den im Blick“. Laut Schittkowski machen sich NutzerInnen durch das Liken, Teilen oder Retweeten bestimmter Beiträge „bewusst oder leichtfertig zum Gehilfen“. Die Betroffenen müssten deshalb damit rechnen, das Interesse der Sicherheitsbehörden auf sich zu ziehen.

Eine Informationsfreiheitsanfrage an den Senator für Inneres in Bremen, in der nach Richtlinien und Verwaltungsvorschriften für Polizei und Verfassungsschutzamt zur offenen Internetbeobachtung gefragt wird, bleibt übrigens seit vier Monaten unbeantwortet. Dabei ging es auch um die Software zur Verarbeitung der gefundenen Massendaten.


Aus: "Nach Like in den Fokus: Bremer Verfassungsschutz durchforstet Internet mit eigener Software" Matthias Monroy (13.02.2018)
Quelle: https://netzpolitik.org/2018/nach-like-in-den-fokus-bremer-verfassungsschutz-durchforstet-internet-mit-eigener-software/

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« Reply #213 on: M?RZ 20, 2018, 09:07:57 vorm. »
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[...] Die New York Times und der britische Observerhatten berichtet, dass Cambridge Analytica die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern ohne deren Einverständnis abgegriffen habe. Auf diese Weise soll das Unternehmen der Trump-Kampagne entscheidend dabei geholfen haben, durch als Werbung geschaltete Botschaften bei Facebook, seine Anhänger zu mobilisieren und zugleich potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abzubringen.

Facebook hatte in einem Schreiben erklärt, man habe 2015 erfahren, dass ein Professor der Universität Cambridge den Konzern belogen habe. Demnach nutzte er eine Psychologietest-Software, um Daten an Cambridge Analytica weiterzuleiten.

Das soziale Netzwerk widersprach jedoch der Behauptung, die Daten seien gestohlen worden. Vielmehr hätten die Nutzer die von Cambridge Analytica verwendeten Daten freiwillig zur Verfügung gestellt. Facebook habe eine IT-Forensik-Firma beauftragt um den Umgang mit den Daten zu prüfen. Cambridge Analytica habe den Zugang zu seinen Systemen und Servern zugesagt.

Nach Daten der Bundeswahlkommission hatte Cambridge Analytica von Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampagne 5,9 Millionen Dollar (4,8 Millionen Euro) erhalten.  Ted Cruz' erfolglose Präsidentschaftswahlkampagne hat der Firma demnach 5,8 Millionen Dollar gezahlt. Insgesamt erhielt das Unternehmen von 2014 bis 2016 mehr als 16 Millionen Dollar von Kandidaten und Komitees der Republikaner.

Zu den wichtigsten Geldgebern von Cambridge Analytica gehört der US-Hedgefonds-Milliardär Robert Mercer, ein ausgewiesener Unterstützer der republikanischen Partei. Laut der britischen Zeitung The Observer war der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon 2016 Chef der Firma.

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kemal_acaröz #15

Wie scheinheilig. Alle schwärmen von Big Data. Wenn die "Falschen" das Potenzial für politische Zwecke nutzen, ist der Aufschrei groß.
Dabei ist das, was Cambridge Analytics macht für die Werbeindustrie Alltag, auch ganz ohne Facebook. Supercookies & Co begleiten die User rund um die Uhr, ohne Wissen der User.


...


Aus: "Cambridge Analytica: Facebook in Erklärungsnot" ZEIT ONLINE, AP, AFP, dpa, Reuters, mib (20. März 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2018-03/cambridge-analytica-facebook-affaere-donald-trump-wahlkampf

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« Reply #214 on: M?RZ 29, 2018, 09:42:16 vorm. »
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[...] Als hätte Facebook mit dem Datenskandal rund um Cambridge Analytica derzeit nicht bereits genügend Ungemach, sieht sich das Unternehmen nun im Zentrum einer weiteren Privacy-Debatte. Zahlreiche Nutzer mussten beim Download ihrer von Facebook gespeicherten Daten feststellen, dass sich darin auch Informationen befanden, mit denen sie so gar nicht gerechnet hatten: Facebook hatte über Jahre hinweg Daten seiner Android-User zu jedem Anruf und jeder verschickten SMS gesammelt und fein säuberlich mitprotokolliert.

Nun meldet sich Facebook in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen zu Wort, und zugespitzt lautet die Quintessenz daraus: "Selbst schuld." Und das nicht ganz zu Unrecht. All die erwähnten Daten wurden nämlich erst nach expliziter Genehmigung der User gesammelt. Als Beweis dafür veröffentlicht das Unternehmen einen Screenshot aus einer seiner Apps, in dem Facebook die Nutzer nach dem Upload ihrer Kontaktinformationen, aber auch der Telefonie- sowie SMS-Historie fragt. Entgegen ersten Berichten sei dieses Verhalten auch nie in der Haupt-Facebook-App implementiert worden, sondern "nur" bei Facebook Lite sowie im Facebook Messenger unter Android. Mit den Daten hätte man seit dem Jahr 2015 versucht, den Nutzern bessere Kontaktvorschläge zu liefern, erklärt Facebook die eigenen Absichten. Zudem streicht das Unternehmen heraus, dass dieses Feature jederzeit über die Einstellungen deaktivierbar sei und ganz generell der Upload von Kontaktinformationen gerade bei Messengern gebräuchlich sei.

Bei all dem hat Facebook zwar recht, und doch macht es sich das Unternehmen in dieser Hinsicht etwas einfach: Der Upload des Adressbuchs ist zwar tatsächlich durchaus gebräuchlich – dass man dabei in einem Aufwasch auch gleich SMS- und Telefonie-Historie erfasst, ist es allerdings nicht. Diese Kombination wurde dadurch möglich, dass Android in früheren Versionen den Zugriff auf Call Logs mit der Kontaktberechtigung bündelte. Entgegen früheren Berichten gab es übrigens keinerlei Änderung in aktuellen Android-Versionen, die ein solches Vorgehen generell unterbindet. Wer Zugriff auf die Anrufinformationen haben will, muss dafür nun nur eine andere Berechtigung einholen – jene für Telefonie. Google hatte diese Umorganisation mit Android 6.0 vorgenommen. Für den vorliegenden Fall ist all dies aber ohnehin irrelevant, da die erwähnten Facebook-Apps sich auch den Zugriff auf die Telefonieberechtigung holen – insofern auch durchaus weiterhin die erwähnten Daten abgreifen könnten. Und wenn man die Stellungnahme von Facebook liest, dann ist auch davon auszugehen, dass dies noch immer passiert: Sind all diese Beschreibungen doch in der Gegenwartsform verfasst.

Dass nur Android-Nutzer betroffen sind, ist ebenfalls rasch erklärt: Apples iOS gibt generell keinen Zugriff auf den Anrufverlauf. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt darin, dass Android es auch erlaubt, komplett eigenständige Telefonie-Apps zu entwickeln, die solche Informationen benötigen, was Apple nicht genehmigt. Zudem nährt der Vorfall aber auch frische Kritik daran, wie Google mehrere unterschiedliche Möglichkeiten in einer Berechtigung zusammenfasst. In der Vergangenheit hatte der Android-Hersteller damit argumentiert, dass zu fein aufgeteilte Berechtigungen dazu führen würden, dass die Nutzer beim ersten Start einer App mit zahllosen Berechtigungsanfragen überhäuft würden – was erst recht dazu führe, dass blind alles akzeptiert wird. Insofern sei eine solche Bündelung die sinnvollere Lösung, so die Argumentation.

Nicht zuletzt ist das Ganze aber auch ein Reminder für die Nutzer, nicht einfach unbedarft potenziell problematischen Berechtigungen zuzustimmen, nur weil eine App einen solchen Schritt vorschlägt. Immerhin ist das erwähnte Verhalten tatsächlich kein Spezifikum einzelner Facebook Apps, auch andere Anbieter fordern von ihren Usern zum Teil alle möglichen Berechtigungen ein – im Tausch gegen zweifelhaften Nutzen. Insofern wäre dies auch ein guter Zeitpunkt, die bereits erteilten Berechtigungen an einzelne Apps durchzugehen; sowohl unter iOS als auch in halbwegs aktuellen Android-Versionen (ab Android 6.0) kann der Zugriff auf solch sensible Informationen auch im Nachhinein wieder entzogen werden.

(Andreas Proschofsky, 26.3.2018)


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citizen73

Facebook = Stasi auf freiwilliger Basis. Das ist kein Neuigkeit, sondern ein alter Hut.


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Vladimir Oligarchowitsch

das Hauptproblem von Facebook dürfte aber werden, dass Sie aufgrund Ihrer Ignoranz tonnenweise Fake News in die Welt rausposaunten und immer noch glauben Sie hätten nichts damit zu tun. Was Facebook gewusst haben muss, müssen jetzt Untersuchungen ans Licht bringen.
Die Resultate dieser Gier sind Trump und der Brexit.


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Plus Lucis

Es wird eben nicht nur überwacht, wer bei Facebook ist, sondern auch Gesprächspartner von Personen bei Facebook, Leute auf Bildern von Personen bei Facebook, usw.


...


Aus: ""Selbst schuld": Facebook bestätigt jahrelange Sammlung von Anrufdaten seiner User" (26. März 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000076804404/Selbst-schuld-Facebook-bestaetigt-jahrelange-Sammlung-von-Anrufdaten


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« Reply #215 on: April 02, 2018, 10:56:36 vorm. »
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[....] Die Deutsche Post hat Kritik an der geschäftsmäßigen Weitergabe von Kundendaten an CDU und FDP im Bundestagswahlkampf zurückgewiesen. Die Tochterfirma Deutsche Post Direkt GmbH speichere und verarbeite personenbezogene Daten bei strikter Einhaltung des Bundesdatenschutzgesetzes, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. Es unterliege der Aufsicht des Bundesbeauftragten für Datenschutz und sei "über die Jahre regelmäßig überprüft worden".

CDU und FDP teilten mit, sie hätten im Einklang mit dem Datenschutzrecht gehandelt und nur anonymisierte Daten genutzt; ein Personenbezug sei nicht herstellbar gewesen.

Zuvor hatte die Bild am Sonntag berichtet, dass CDU und FDP im Bundestagswahlkampf 2017 jeweils einen fünfstelligen Betrag für straßengenaue Analysen an die Post-Tochterfirma gezahlt haben. Demnach hatte die CDU ihren Haustürwahlkampf auf diesen Daten aufgebaut, die FDP auf dieser Basis Wahlwerbung an bestimmte Zielgruppen verschickt. Beide Parteien hätten entsprechende Verträge mit der Post-Tochter bestätigt, schreibt die Zeitung. SPD, Grüne, Linke und AfD haben demnach nach eigener Aussage nicht mit der Post zusammengearbeitet.

Laut der CDU-Zentrale hatten die Christdemokraten im Wahlkampf eine Massenpostsendung bei der Post in Auftrag gegeben. Dabei seien keine Daten an die CDU übermittelt oder über Einzelhaushalte gekauft worden. Die Post habe für den Haustürwahlkampf eine statistische "CDU-Wahlwahrscheinlichkeit" für Straßenabschnitte geliefert. Dazu habe man Zugriff auf eine Kartenansicht erhalten, der Zugang zur Datenbank sei nach der Wahl beendet worden.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, schrieb auf Facebook, die von der Post erworbenen Daten seien vollständig anonymisiert gewesen und im Einklang mit dem Datenschutzrecht bearbeitet worden. Als Datenschutzpartei habe man darauf geachtet, dass keine personenbezogenen Daten verwendet worden seien. Die Daten hätten zudem ausschließlich einen Wahrscheinlichkeitswert geliefert, "einen möglichen FDP-affinen Wähler anzutreffen".

Die Netzpolitikerin Anke Domscheit-Berg (Die Linke) sagte der Bild am Sonntag: "Eine Weitergabe dieser privaten Daten muss ohne ausdrückliche Zustimmung verboten sein." Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar verlangte nach den Vorgängen um Facebook in den USA eine Neubewertung des Microtargeting, mit dem über statistische Verfahren gezielt Wählergruppen angesprochen werden können. Intransparente Verfahren dürften nicht helfen, den Wählerwillen zu manipulieren.

Die Bild am Sonntag hatte aus einer internen Broschüre der Post zitiert, in der von "mehr als einer Milliarde Einzelinformationen" die Rede sei. Für etwa 20 Millionen Häuser mit rund 34 Millionen Haushalten in Deutschland könnten Kaufkraft, Bankverhalten, Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnsituation, Familienstruktur, Wohnumfeld und Pkw-Besitz aufgeschlüsselt werden. Nach eigenen Angaben kaufe die Post außerdem statistische Daten von Behörden wie dem Kraftfahrt-Bundesamt und dem Katasteramt.

Der Handel mit Daten und Adressen ist ein eigener lukrativer Geschäftszweig. Unternehmen und Parteien nutzen solche Daten seit Langem, um zielgenauer werben zu können. Facebook steht derzeit unter Druck, weil die britische Firma Cambridge Analytica Daten von 50 Millionen Nutzerinnen und Nutzern auf wohl unlautere Art einsetzen konnte, um den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump zu unterstützen.

Nach Angaben des Post-Sprechers beziehen sich die von Post Direkt erhobenen Daten nicht auf einzelne Haushalte, sondern auf eine sogenannte Mikrozelle aus im Schnitt 6,6 Haushalten. Dabei würden keine personenbezogenen Daten, sondern statistische Wahrscheinlichkeitswerte dargestellt. Die Daten würden vermietet und nicht verkauft – eine direkte Übermittlung von Adressdaten an Werbung treibende Kunden sei ausgeschlossen. Datenschutzrechtliche Bestimmungen würden dabei umgesetzt, bei der Datenübermittlung werde Verschlüsselungstechnik eingesetzt.

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Cornflakes #2

Das wäre doch noch eine tolle Idee für Facebook und Cambridge Analytica. Die könnten doch auch behaupten, die Daten wären nur vermietet gewesen und alles ist gut ...
Ich werte das jetzt einfach mal als Versuch, ob mit dem deutschen Michel so geht, ich befürchte das Schlimmste: JA.


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Toto2.0 #2.5

Es ist ja nicht nur der deutsche Michel. Der Widerstand bei den öffentlichen wie privaten Medien scheint grösstenteils ebenfalls gebrochen zu sein, anders kann ich mir den folgenlosen NSA Skandal nicht erklären.


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oh.stv #11

Nur in Deutschland gibt es im Jahr 2018 einen Skandal über offline Datenmissbrauch. Das muss man uns mal nachmachen.


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Hubert Günzensen #37

Die meisten Leute die durch ihr tägliches Leben gehen sind im Glauben, dass Überwachungsmechanismen nicht auf sie gerichtet sind, sondern auf "Schurken und Übeltäter“ und dass die vorherrschende Meinung ist, dass Überwachungsmechanismen auf andere gerichtet sind obwohl es Nachweise gibt, dass das Überwachen des individuellen Verhaltens tagtägliche Routine geworden ist. Das große Problem besteht aber darin, dass es nicht als Bedrohung angesehen wird, sondern allenfalls als Belästigung.


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Chetemti-biti #56

Ich bin empört. Ich habe keine Wahlwerbung von der FDP bekommen. Was habe ich falsch gemacht?


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Unzeit-Geist #61

Die "Deutsche Post-Direkt GmbH" ist der einzige Werber, der sich über mein "Einwurf jeglicher Werbung verboten" am Briefkasten konsequent hinwegsetzt - Beschwerden werden damit abgebügelt, dass "Info-Post keine Werbung, sondern eine Postsendung" sei.
Dass sich diese Firma nicht an Gesetze hält, merken die Müllwerker hier regelmässig am Gewicht meiner Papiertonne.


...


Aus: "Deutsche Post weist Kritik an Datenweitergabe zurück" (1. April 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2018-04/datenschutz-deutsche-post-wahlkampf-kritik-daten-weitergabe

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« Reply #216 on: April 07, 2018, 11:32:57 vorm. »
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[...] Palantir Gotham (früher bekannt als Palantir Government) integriert strukturierte und unstrukturierte Daten und stellt sowohl Such- und Ermittlungsfunktionen als auch Wissensmanagement und sichere Zusammenarbeit unter verschiedenen Parteien zur Verfügung. ....


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Palantir_Technologies (6. April 2018)

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[...] Hessens Polizei hat eine umstrittene Software der US-Firma Palantir Technologies gekauft, die gegen islamistischen Terrorismus und organisierte Kriminalität eingesetzt werden soll. Das berichtet der Spiegel und beruft sich dabei auf das hessische Innenministerium. Palantir steht im Verdacht, Kontakte zur Firma Cambridge Analytica unterhalten zu haben, die mit illegal erlangten Facebook-Daten die US-Präsidentschaftswahl manipuliert haben soll.

Palantir-Mitarbeiter würden bereits hessische Polizeibeamte an der neuen Software ausbilden. ...


Aus: "Palantir: Hessische Polizei kauft umstrittene US-Software" (6. April 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/digital/2018-04/palantir-software-hessen-kriminalitaet-islamismus-cambridge-analytica

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[...] Palantir wurde 2004 unter anderem vom Facebook-Investor Peter Thiel auch mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA gegründet. Das Unternehmen soll im Zuge des Facebook-Datenskandals über Cambridge Analytica auch Zugang zu Facebook-Nutzerdaten gehabt haben. 2011 wurde durch Anonymous aufgedeckt, dass Palantir von der US-Regierung mit einer Analyse beauftragt wurde, wie mit der Veröffentlichung diplomatischer Depeschen durch Wikileaks umzugehen sei. Von 2013 bis 2018 soll Palantir sich Zugang zu polizeilichen Datenbanken in New Orleans verschafft haben, um ein neues System zum Vorhersagen von Straftaten zu testen.  ...


Aus: "Hessen will mit Palantir-Software islamistischen Terrorismus und organisierte Kriminalität bekämpfen" Detlef Borchers (06.04.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Hessen-will-mit-Palantir-Software-islamistischen-Terrorismus-und-organisierte-Kriminalitaet-4012382.html


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« Reply #217 on: April 14, 2018, 08:08:31 nachm. »
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[...] Facebook hat sich offenbar von dem Film "Minority Report" inspirieren lassen und verwendet seinen reichhaltigen Datenschatz über die Aktivitäten der Mitglieder seiner Plattform, um mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) vorherzusagen, wie sich Nutzer künftig verhalten werden, welche Produkte sie kaufen und welche Einstellungen sie entwickeln.

Die Ergebnisse der Analysen, für die der Betreiber des sozialen Netzwerks die eigene KI-Technik "FBLearner Flow" einsetzt, werden "anonymisiert" auch an Werbekunden verkauft, damit diese noch zielgerichteter für einzelne Gruppen von Nutzern Anzeigen schalten können. Dies geht aus vertraulichen Dokumenten hervor, über die das Online-Magazin "The Intercept" berichtet. https://theintercept.com/2018/04/13/facebook-advertising-data-artificial-intelligence-ai/

Das System funktioniert demnach ähnlich wie "Predictive Policing", also die umstrittene vorausschauende Polizeiarbeit. Bei "Predictive Advertising" à la Facebook können die Werbepartner Verbraucher nicht nur auf Basis demografischer Daten oder persönlicher Präferenzen passgenau ansprechen, sondern auch auf der Grundlage der automatisierten Voraussage künftigen Verhaltens. Dazu fließen laut dem Bericht Facebook direkt zur Verfügung stehende Informationen über den Nutzer ein wie sein Aufenthaltsort, das verwendete Gerät, Details über eine mögliche WLAN-Verbindung, angeschaute Videos, Vorlieben sowie Details zur Freundesliste einschließlich der Ähnlichkeit miteinander verknüpfter Profile.

Der Plattformbetreiber hat FBLearner Flow offiziell schon im Mai 2016 vorgestellt und eingeführt als ein Werkzeug, um durch KI und Maschinenlernen "jede[m] die am meisten relevanten Inhalte zu liefern". Von Werbung war dabei aber nicht die Rede, nur allgemein von einem verbesserten "Nutzererlebnis". Das System sei imstande, Algorithmen in verschiedenen Produkten einzusetzen und gleichzeitig tausende angepasste "Experimente" laufen zu lassen und einfach zu handhaben.

Die Technik werde schon von über 25 Prozent des Entwicklungsteams von Facebook verwendet, hieß es damals. Es seien bereits über eine Million einschlägige Modelle trainiert worden, sodass das System mehr als sechs Millionen Vorhersagen pro Sekunde ausspucken könne und sich damit viel Handarbeit erübrige. Auch später machte die Firma nur vage Andeutungen dazu, dass "Maschinenlernen auch für Anzeigen" verwendet werde.

Auf einer der jetzt ins Spiel gekommenen Folien erläutert Facebook dem Magazin zufolge, wie es seine gesamte Nutzerbasis von über zwei Milliarden Individuen durchgehen und Millionen von Mitgliedern herauspicken könne, die gerade kurz davor seien, "von einer Marke zu einem Wettbewerber zu wechseln". Diese könnten dann massiv mit Anzeigen bearbeitet werden, um ihre drohende Entscheidung in letzter Minute zu ändern. Facebook spreche hier von einer "verbesserten Marketingeffizienz" dank einer "Loyalitätsvorhersage".

Es gehe also nicht mehr nur darum, einem Nutzer eine "Golf"-Reklame zu zeigen, weil er längere Zeit Informationen über Volkswagen konsumiert habe. Vielmehr nutze der Betreiber Anhaltspunkte aus der persönlichen Lebensumwelt um herauszufinden, ob ein Anwender die Nase von seinem derzeit gefahrenen Auto voll habe.

Prinzipiell funktioniert Facebooks KI-Werbung so ähnlich wie die Profilerstellung auf Basis der Psychometrik, die ein Markenzeichen der Big-Data-Firma Cambridge Analytica ist. Diese steht im Mittelpunkt des aktuellen Datenskandals rund um die beiden Unternehmen. Ziel dieses Teilgebiets der Psychologie ist es, die menschliche Persönlichkeit mithilfe mathematischer Verfahren und KI anhand bestimmter Merkmale wie Offenheit, Gewissenhaftigkeit oder Extraversion auszumessen.

Während Cambridge Analytica und vergleichbare Big-Data-Häuser aber auf die Nutzerdaten angewiesen sind, die sie über die öffentlichen Schnittstellen der Plattform absaugen können, sitzt Facebook auf dem vollständigen Informationsbestand mit unbegrenztem Zugang zu umfangreichen Datenbanken über das Verhalten und die Präferenzen der Mitglieder. Der Betreiber unterscheidet dabei zwischen rund 29.000 verschiedenen Kriterien über jeden einzelnen Nutzer.

Facebook selbst betont immer wieder, keine Nutzerdaten an Dritte zu verscherbeln. Konzernchef Mark Zuckerberg unterstrich dies gerade wieder bei den Anhörungen im US-Kongress zur jüngsten Datenaffäre. Was die Plattform verkauft, ist aber viel wertvoller, nämlich die bereits ausgewerteten Erkenntnisse über das Nutzerverhalten. Im Geheimdienstjargon spricht man hier von "Finished Intelligence", also den Endprodukten der Überwachung und Aufklärung in einfach verständlichen Informationen und Hinweisen an die Leitungsebene, im Gegensatz zu den schier unzähligen Roh- und Metadaten.

Experten zufolge kann Facebook so weite Teile des Lebens aktiver Nutzer simulieren, was zahlreiche ethische Fragen aufwerfe. So sei der Konzern eigentlich verpflichtet, den Nutzern zu offenbaren, dass er mit KI ihre elektronischen Spuren in bare Münze umwandle. Besonders "unheimlich" sei es, dass die Firma dank der Methode eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung anstoßen und diese nicht nur für klassische Produktwerbung, sondern etwa auch für Anzeigen in einem Wahlkampf einsetzen könne.

Die neuen Facetten über das Datengebaren des Konzern dürften so den Druck auf die Politik erhöhen, Facebook und andere Internetgrößen stärker zu regulieren. Gegenüber "The Intercept" wollten die Kalifornier sich nicht dazu äußern, welche Nutzerdaten sie konkret für die Verhaltensvorhersagen heranziehen. (Stefan Krempl) / (tiw)

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     der-andere, 14.04.2018 18:55

Erschreckender als die Auswertung ist das Desinteresse der Nutzer - Nach intensiver Diskussion in der Familie mit dem Nachwuchs: "Mein Gottt, dann wissen die halt alles, ich habe nichts zu verbergen. Ich entscheide eh selbst, was ich kaufe oder mache!"

Überhaupt keine Angst, manipuliert zu werden. Kein Gespür dafür, dass diese unterschwellige Manipulation tatsächlich wirken kann und jemanden in eine Richtung führt, die er/sie ohne diesen Einfluss nicht eingeschlagen hätte.

Keine Angst davor, dass die Information über die geschlechtliche Ausrichtung (homo oder hetero) einmal gegen einen verwendet werden kann.

Mein Hinweis auf einen ct-Artikel vor einigen Jahren im Bezug auf das Vorgehen der Nazis in den besetzten Niederlanden (mal eben das gut geführte Personenregister auswerten und nach Religion filtern) wird nur achselzuckend quittiert mit "Das war damals, das passiert nicht mehr, wir leben heute in einer viel freieren Welt."

Wie sagte doch ein Sänger auf einem Konzert: "Die Freiheit wird gehen unter dem donnernden Applaus des jubelnden Volkes."

Solange sich an dieser Einstellung nichts ändert, werden Facebook, Google und Co weitermachen dürfen wie bisher. Einziger Unterschied: die Politik wird eine Schnittstelle zu den Daten fordern, deren Nutzung natürlich nicht überwacht werden darf....


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     Broeselmeier, 14.04.2018 19:08

Re: Erschreckender als die Auswertung ist das Desinteresse der Nutzer

der-andere schrieb am 14.04.2018 18:55:

    die Politik wird eine Schnittstelle zu den Daten fordern, deren Nutzung natürlich nicht überwacht werden darf....

Nach allem, was man von FB zu fragwürdigen Kooperationen mit diktatorischen Regimes unter dem Vorwand "wir halten uns an die lokalen Gesetze" hört, ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass deutsche Staatsorgane diese Schnittstelle längst haben. So wie sie eben jeder andere auch hat, der ein wenig Geld und Grips investiert.


...


Aus: "Künstliche Intelligenz: Facebook sagt Nutzerverhalten voraus und verkauft damit Anzeigen"  Stefan Krempl (14.04.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kuenstliche-Intelligenz-Facebook-sagt-Nutzerverhalten-voraus-und-verkauft-damit-Anzeigen-4024377.html

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« Reply #218 on: April 18, 2018, 10:18:43 vorm. »
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[...] Die EU-Kommission hat am Dienstag in Straßburg ein umfangreiches neues Anti-Terror-Paket vorgestellt. Laut einem darin enthaltenen Gesetzentwurf sollen Strafverfolger und Justizbehörden "elektronische Beweismittel" bei Providern einfacher und länger sicherstellen können. Die Rede ist von Bestandsdaten wie Name und Anschrift oder möglicherweise Zugangskennungen und Passwörtern sowie E-Mails, SMS und Chatnachrichten, aber letztlich geht es allgemein um den Zugriff auch auf Inhaltsdaten einschließlich Fotos oder Videos in der Cloud. Eine Echtzeitüberwachung von Telekommunikation ist damit nicht abgedeckt.

Kern des Vorschlags ist eine "europäische Vorlageanordung". Justizbehörden aus einem Mitgliedstaat soll es damit ermöglicht werden, E-Beweismittel unabhängig vom Standort der jeweiligen Daten unmittelbar bei Diensteanbietern anzufordern, die in der EU tätig sind beziehungsweise ihren Sitz oder eine Niederlassung in einem Mitgliedsstaat haben. Betroffene Provider müssten dann innerhalb von zehn Tagen auf den Antrag antworten. In Notfällen soll die Frist auf nur sechs Stunden verkürzt werden können.

EU- Justizkommissarin Věra Jourová betonte, dass damit die Zugriffszeiten auf Daten deutlich beschleunigt würden. Die Tschechin sprach von einer "echten Revolution" bei der justiziellen Zusammenarbeit. Derzeit betrage die Frist bei einer europäischen Ermittlungsanordnung 120 Tage und bei einem internationalen Rechtshilfeverfahren zehn Monate. Strafverfolger hätten damit fast täglich Probleme, da sie solche Beweismittel in 85 Prozent der Ermittlungen benötigten.

Justizstellen sollen einen Diensteanbieter in der EU zudem verpflichten können, bestimmte Daten aufzubewahren, damit die Behörden diese Informationen zu einem späteren Zeitpunkt im Wege der Rechtshilfe, einer Ermittlungsanordnung oder einer Vorlageanordnung anfordern können. Beide Instrumente sind nur für Strafverfahren vorgesehen.

Die Maßnahmen seien verhältnismäßig, meinte Jourová. So richteten sie sich vor allem gegen schwere Verbrechen wie Terrorismus, Kinderpornografie oder Cybercrime. Die Grundrechte würden gewahrt. So müsse etwa ein Richter "besonders sensible Daten" freigeben. Provider sollen die Möglichkeit erhalten, Anordnungen gerichtlich überprüfen zu lassen, etwa wenn ein "offensichtlicher Verstoß" gegen die Grundrechtecharta vorliegt oder sie in Konflikt mit nationalen Bestimmungen geraten könnten.

Um Anbieter einzubeziehen, die ihren Sitz in einem Drittland haben, ihre Dienste aber auch in der EU zur Verfügung stellen, müssen diese laut dem Vorhaben einen gesetzlichen Vertreter in der Gemeinschaft benennen. Dieser soll "für die Einhaltung und Vollstreckung von Beschlüssen und Anordnungen der zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten verantwortlich" sein.

Zuvor hatte der US-Kongress einen "Cloud Act" verabschiedet und damit seinerseits neue Regeln dafür aufgestellt, wie die Kooperation zwischen US-Strafverfolgungsbehörden und ausländischen Partnern und damit der Zugriff auf Daten ablaufen soll, die sich auf Servern außerhalb des eigenen Territoriums befinden. Demnach können etwa bilaterale Abkommen getroffen werden, die die jeweiligen Ermittler ermächtigen, ihre Anfragen direkt an die Cloud-Anbieter zu stellen.

Links liegen lässt die Kommission eine Initiative des UN-Sonderbeauftragten für Datenschutz, Joseph Cannataci. Dieser hatte einen "kosteneffektiven und privatsphärenfreundlichen Mechanismus" ins Spiel gebracht, über den Staaten zur Verfolgung schwerer Straftaten einschließlich Terrorismus Zugang zu persönlichen Daten in fremden Territorien erlangen könnten. Der Rechtsprofessor will damit eine "Internationale Datenzugriffsbehörde" etablieren, die über grenzüberschreitende Anfragen von Sicherheitsbehörden aus den beteiligten Staaten entscheiden soll.

Über einen anderen Richtlinienentwurf will die EU-Kommission Ermittlern und "Vermögensabschöpfungsstellen" einen raschen Zugang zu Finanzinformationen ermöglichen, wenn dies zur Bekämpfung schwerer Straftaten nötig ist. Über die direkte Einsicht in nationale zentrale Register sollen sie etwa feststellen können, bei welchen Banken ein Verdächtiger über Konten verfügt. Geplant ist auch ein besserer Informationsaustauch mit zentralen Meldestellen für Geldwäsche-Verdachtsanzeigen.

Teil des Pakets ist zudem ein Gesetzentwurf, wonach die Mitgliedsstaaten künftig Fingerabdrücke und weitere biometrische Daten in offizielle Dokumente wie Personalausweise aufnehmen müssten. Damit soll die Fälschungssicherheit der Papiere erhöht werden. Nicht konforme Ausweise will die Kommission "relativ rasch" auslaufen lassen und zwar "entweder mit Ablauf ihrer Gültigkeit oder spätestens innerhalb von fünf Jahren".

In Deutschland besteht bislang nur die Pflicht, das Gesichtsbild des Inhabers auf dem elektronischen Personalausweis digital zu speichern. Die Abgabe von zwei Fingerabdrücken auf dem RFID-Chip des Dokuments ist bislang freiwillig. Im Reisepass müssen dagegen auch diese biometrischen Merkmale bereits seit 2007 verpflichtend gespeichert werden. Der gesamte Korb geht nun ins EU-Parlament und den EU-Rat, die noch zustimmen müssen. (Stefan Krempl) / (axk)

Quote
     JosefJ, 18.04.2018 08:21


Wieviele Terroranschläge konnten bisher nicht verhindert werden, weil den Behörden diese weitreichenden Recht bisher gefehlt haben?



Aus: "Elektronische Beweise: EU-Kommission will Zugriff auf Daten in der Cloud deutlich erleichtern" (17.04.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Elektronische-Beweise-EU-Kommission-will-Zugriff-auf-Daten-in-der-Cloud-deutlich-erleichtern-4026245.html

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« Reply #219 on: Mai 23, 2018, 09:42:14 vorm. »
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[...] Hinterlässt ein Verdächtiger sein Erbgut am Tatort, durften Ermittler daraus bislang nur sein charakteristisches DNA-Muster, eine Art Fingerabdruck, herauslesen. Die Analyse von Genabschnitten, die Auskunft über die Farbe der Augen, der Haare, der Haut oder die Herkunft geben, untersagt die bundesweit gültige Strafprozessordnung hingegen ausdrücklich. In Bayern soll dieses Tabu nun fallen, zumindest bei „Gefahr im Verzug“. In der Novelle des Polizeiaufgabengesetzes (PAG) geht der Freistaat nicht nur in der Videoüberwachung neue Wege, sondern ermöglicht auch erstmals das Erstellen eines genbasierten Phantombildes.

Bislang galt die Analyse von merkmalsrelevanten Genen als unerlaubter Eingriff in die „informationelle Selbstbestimmung“ eines Menschen. Zu deren Schutz ist die Bundesrepublik spätestens seit dem „Volkszählungsurteil“ des Bundesverfassungsgerichts von 1983 verpflichtet. Infolgedessen dürfen laut Strafprozessordnung „andere Feststellungen als diejenigen, die zur Ermittlung des DNA-Identifizierungsmusters sowie des Geschlechts erforderlich sind, nicht getroffen werden“ (§81g). Setzt sich Bayern mit der PAG-Novelle über dieses Bundesgesetz nun hinweg? „Das wird wohl erst das Landes- oder Bundesverfassungsgericht entscheiden können“, sagt Carsten Momsen, Rechtswissenschaftler an der Freien Universität Berlin. Die Novelle regele lediglich den Einsatz der erweiterten DNA-Analyse in der Gefahrenabwehr – also Ermittlungen mit dem Ziel, eine Straftat zu verhindern. Diese Gefahrenabwehr liegt in der Hand der Länder. Bayern dürfe sie selbst gestalten. Erst wenn strafrechtliche Belange betroffen sind, habe der Bund die Rechtshoheit. „Allerdings ist die Grenzlinie extrem schmal, weil in dem Gesetz die ‚drohende Gefahr’ nicht genauer spezifiziert wird, die nun mit Hilfe von erweiterter DNA-Analyse abgewendet werden soll“, sagt Momsen.

 Werde etwa am Flughafen Sprengstoff und DNA-Spuren daran gefunden, dann liege es nahe, dass eine Straftat geplant ist. Im Zuge „vorbeugender Verbrechensbekämpfung“ würden die bayerischen Ermittler zunächst das DNA-Identifikationsmuster feststellen und überprüfen, ob es zu einem zuvor bei anderen Straftaten gespeicherten DNA-Profil in der Datenbank passt. Auch das geht schon über die bundesweit erlaubte Praxis hinaus, denn bislang wird die DNA-basierte Identifizierung nur in der Strafverfolgung eingesetzt, nicht präventiv. Lässt sich der vermutliche Attentäter so nicht identifizieren, sollen bayerische Ermittler aber zukünftig auch noch Informationen über das wahrscheinliche Aussehen des künftigen Täters über die DNA-Spur ermitteln dürfen.

Dem neuen Passus zufolge darf „die Datenerhebung durch die molekulargenetische Untersuchung aufgefundenen Spurenmaterials unbekannter Herkunft zum Zwecke der Feststellung des DNA-Identifizierungsmusters, des Geschlechts, der Augen-, Haar- und Hautfarbe, des biologischen Alters und der biogeographischen Herkunft des Spurenverursachers erfolgen, wenn die Abwehr der Gefahr auf andere Weise aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre“. Der Zusatz „Bei der Untersuchung dürfen andere Feststellungen als die (...) genannten nicht getroffen werden“ verhindert immerhin, dass etwa Erbanlagen für Krankheiten untersucht werden und Ermittlungsbehörde in Versuchung geraten, bei den Krankenkassen nach passenden Individuen zu fahnden.

 „Aber was passiert dann mit dieser Information“, fragt Momsen. „Soll man folglich alle Leute mit der ermittelten Haar- und Hautfarbe, Herkunft, Alter und Geschlecht daraufhin untersuchen, ob sie eventuell eine solche Straftat begehen wollen? Wohin soll das führen?“ Der Gesetzentwurf lasse eben das offen, weshalb der Jurist vermutet, dass es sich um einen „Testballon“ Bayerns handelt, „ob das Verfassungsgericht das überhaupt passieren lässt“. Verfassungsbeschwerden seien bereits in Vorbereitung. Sollte die PAG-Novelle durchkommen, dann werden Bayern und Baden-Württemberg im Bundesrat wohl einen neuen Anlauf nehmen, die Strafprozessordnung zugunsten der erweiterten DNA-Analyse zu ändern. Im vergangenen Jahr waren die beiden Länder damit noch gescheitert.

Sollte das Gesetz Eingang in Landes- oder gar Bundesrecht finden, dann müsse es um wichtige Kriterien ergänzt werden, meint Momsen. „Das bayerische Gesetz ist noch viel zu offen formuliert.“ Zum einen müsse festgelegt werden, dass die Analysen in unabhängigen Labors durchzuführen sind. Zum anderen sei eine Ethikstelle abseits der Polizei nötig, die jedes Mal kläre, ob ein Einsatz gerechtfertigt ist – die Methode also nur bei einer sehr schweren Straftat oder deren Vermeidung angewendet wird. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass die Ermittlungsbeamten im Umgang mit der Methode geschult sind. Denn während das gängige DNA-Profil eine nahezu hundertprozentige Identifizierung ermöglicht, sind die Resultate erweiterter DNA-Analysen lediglich Wahrscheinlichkeitsaussagen und schwer zu interpretieren.

 Besonders kritisch sieht Momsen, dass das PAG auch die Suche nach der „biogeographischen Herkunft“ zulässt, also von welchem Kontinent ein Mensch stammt. „Das Ergebnis ist nur dann ermittlungsrelevant, wenn die Analyse auf Menschen deutet, die ihrer Herkunft nach eine Minderheit in Deutschland sind.“ Werde das „unsensibel kommuniziert, dann werden Vorurteile bedient“. Außerdem werden diese Minderheiten dann statistisch häufiger mit Ermittlungsverfahren überzogen als andere Bevölkerungsgruppen. „Das allein ist schon ein erheblicher Grundrechtseingriff, selbst wenn die Leute am Ende freigesprochen werden.“ Momsen hält es daher durchaus für möglich, dass die Verfassungsrichter zumindest die Ermittlung der biogeographischen Herkunft per DNA-Analyse ausschließen. Damit werde zu sehr in Gleichbehandlungsrechte eingegriffen.

Trotz der juristischen Unwägbarkeiten: In einem zukünftigen Strafprozess könnte das Ermittlungsergebnis einer erweiterten DNA-Analyse, die das neue PAG ermöglicht, wahrscheinlich verwendet werden, sagt Momsen, „wenn es als Gefahrenabwehrmaßnahme formal legitim erhoben worden ist.“


Aus: "Bayerns Polizeigesetz erlaubt das genetische Phantombild" Sascha Karberg (22.05.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/genspur-zum-taeter-bayerns-polizeigesetz-erlaubt-das-genetische-phantombild/22590824.html

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« Reply #220 on: Mai 23, 2018, 03:31:39 nachm. »
Quote
[...] Amazons Dienst Rekognition bietet Gesichtserkennung in Echtzeit, sowohl mit Fotos als auch mit Videostreams. Selbst in großen Menschenansammlungen soll die Amazon-Cloud hundert Personen auf einmal erkennen können. Als Vorzeigekunde dient die Stadt Orlando. "Orlando ist eine Smart City. Es gibt Kameras überall in der Stadt", freut sich Ranju Das, der bei Amazon die Rekognition-Sparte leitet, "Die autorisierten Kameras streamen [an Amazon]. Wir analysieren die Daten in Echtzeit."

Dabei geht es keineswegs nur um die Jagd nach Verbrechern: "Wir gleichen mit der Bildersammlung ab, die [Orlando] hat. Das könnte der Bürgermeister sein, oder [andere] Personen von Interesse, die sie verfolgen wollen." Amazon bewirbt Rekognition insbesondere für staatliche Überwachung, wo es eine "verbreitete Anwendung" werden soll. Die Erkennungsfähigkeiten sollen dank Maschinellem Lernen mit der Zeit immer besser werden.

Der US-Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union) stößt insbesondere auf, dass auch eine Polizeibehörde im Bundesstaat Oregon Rekognition einsetzt. Im dortigen County Washington hat der Sheriff 300.000 Fotos von Festnahmen, sogenannte Mugshots, Amazon zum Abgleich zur Verfügung gestellt. Damit können die Beamten sofort erfahren, wo welche Personen vor eine Kamera laufen, die einmal festgenommen worden waren. Zudem können Sheriff-Beamte über ihre Smartphones beliebige Fotos beisteuern.

Die ACLU beschreibt Rekognition als "mächtig und gefährlich", weil es Behörden ermöglicht, Bürgerrechte und -freiheiten im Handumdrehen zu verletzen. Die Organisation sammelt seit Dienstag Unterschriften, um Amazon zu zeigen, dass die Bürger nicht möchten, dass Rekognition den Überwachungsstaat unterstützt. Der Konzern hält unterdessen an seinem Dienst fest und verweist darauf, dass neue Technik nicht verboten werden soll, weil sie missbraucht werden kann.

Wie die Behörden Rekognition konkret einsetzen, wird weitgehend geheimgehalten. Als Argument dient eine gegenüber Amazon eingegangene Schweigeverpflichtung (NDA). Ursprünglich hat Amazon auch empfohlen, die Bilder von Körperkameras der Polizei einzubinden. Diese Empfehlung ist von der öffentlich einsehbaren Rekognition-Website verschwunden, nachdem die ACLU ihre Bedenken geäußert hatte. Zu den ersten öffentlichen Rekognition-Kunden gehört übrigens auch Motorola Solutions, ein Anbieter von Körperkameras.

Selbst wenn Amazon auf das Überwachungsgeschäft mit Behörden verzichtete, müsste es Rekognition nicht einstellen. Nach Angaben von The Verge nutzte jüngst ein TV-Sender Rekognition, um die Gäste einer live übertragenen Hochzeitsfeier zu identifizieren. Und Amazon will als Kunden auch private Arbeitgeber gewinnen, die alle Mitarbeiter am Werksgelände in Echtzeit überwachen wollen. Rekognition ist eine Entwicklung der Firma Orbeus, die seit 2016 Amazon gehört. (ds)


Aus: "Amazon ermöglicht Live-Gesichtserkennung für ganze Städte" Daniel AJ Sokolov (23.05.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-ermoeglicht-Live-Gesichtserkennung-fuer-ganze-Staedte-4055143.html

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« Reply #221 on: Juni 05, 2018, 01:06:36 nachm. »
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[...] Die zunehmende gezielte Werbeansprache von Nutzern mit auf sie zugeschnittenen Inhalten, die auf einer genauen Analyse der persönlichen Daten der Betroffenen beruht, kam bei einer Expertenbefragung im EU-Parlament zur Affäre rund um Facebook und Cambridge Analytica nicht gut weg. Die Demokratie müsse vor der dahinterstehenden Datenjagd geschützt werden, proklamierte David Carroll, Professor an der Parsons School of Design in New York, bei der zweieinhalbstündigen Anhörung. Das entsprechende Mikrotargeting entfalte inzwischen "Makro-Effekte", indem es zu "massenhaften Menschenrechtsverletzungen" führe.

Mit dem umstrittenen Kampagneninstrument haben die Werbe- und die Social-Media-Industrie zusammen mit Militärausrüstern laut Carroll eine neue Form "psychologischer Waffen" geschaffen. Sie betrieben damit eine informationelle Kriegsführung, die etwa auf die gezielte Produktion von Falschnachrichten ausgerichtet sei. Dazu komme eine "Datenwäsche", da personenbezogene Nutzerinformationen widerrechtlich weitergereicht und teils mit weiteren Beständen vermischt würden, um die Ausgangssets "zu reinigen". Es handle sich dabei um schwere Datenverbrechen, die sich möglicherweise in Fällen wie der Trump-Wahlkampagne oder der möglichen Verstrickung im Brexit-Referendum auch gegen die Demokratie richteten.

Cambridge Analytica hatte 2016 behauptet, die Persönlichkeit aller 190 Millionen US-Wähler "psychometrisch" erfasst, einschlägige Profile erstellt und Donald Trump im Online-Wahlkampf damit maßgeblich unterstützt zu haben. Sollte es dem Big-Data-Haus wirklich gelungen sein, auf diese Weise auch nur kleine Wählergruppen beeinflusst zu haben, müssten diese schmutzigen Verfahren rasch beendet werden. Carroll habe daher Cambridge Analytica und den Mutterkonzern SCL Group verklagt, das offenbar auch über ihn angelegte Wählerdossier herauszugeben. Die Frist dafür sei gerade abgelaufen, ohne dass das britische Unternehmen dem nachgekommen sei. Damit drohe SCL nun auch ein Strafverfahren.

Die britische Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham, die den Skandal und andere Profiling-Maßnahmen im Rahmen politischer Kampagnen gerade auch im Auftrag ihrer EU-Kollegen untersucht, plädierte fürs Erste für eine "ethische Pause" bei der Ausspähung von Nutzerinteressen und folgender verhaltensbasierter Werbung. In dieser Zeit müssten Mikrotargeting-Prozesse genauer unter die Lupe genommen werden und die damit verknüpften zahlreichen "Graubereiche" ausgeleuchtet werden. Die dahinterstehende Technik sei offenbar weitgehend außer Kontrolle geraten und habe die Privatsphäre und Transparenzprinzipien hinter sich gelassen.

Ein Mitarbeiter Denhams erläuterte, dass an der aktuellen Untersuchung allein 40 Experten aus der Behörde sowie einige externe Sachverständige beteiligt seien. Bei Cambridge Analytica und anderen Akteuren im Bereich der sozialen Medien hätten die Kontrolleure "Hunderte Terabyte an Daten" beschlagnahmt. Einen ersten Bericht zu den bereits durchgeführten Analysen wolle die Aufsichtsbehörde noch im Juni veröffentlichen. Der Insider betonte, dass dabei "alle Sanktionsmöglichkeiten" auch nach der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auf dem Tisch lägen.

Die Bürger sollten erkennen, dass die Regulierer bei Missbrauch angemessen einschreiten, ergänzte Denham im Blick auf die breite Palette an Strafformen in dem Fall. "Wir werden Empfehlungen abgegeben, die über Großbritannien hinausgehen", kündigte sie an. Diese schlössen den Forschungsbereich ein, in dem der Datenabgriff bei Facebook seinen Ausgang nahm. Grundsätzlich verglich die Kontrolleurin Datenverbrechen mit "echten Straftaten", die die Behörden mit der DSGVO nun auch im Internet mit mehr Befugnissen und Ressourcen verfolgen könnten. Parallel sei es aber auch nötig, dass Millionen Nutzer von ihren gestärkten Rechten etwa auf Auskunft und gegebenenfalls Löschung oder Korrektur der über sie erhobenen Daten Gebrauch machten.

Sandy Parakalis, der 2011 und 2012 als Betriebsmanager bei Facebook tätig war, empfahl den Gesetzgebern, bei politischen Anzeigen Mikrotargeting zu untersagen. Dies würde den Betreibern sozialer Netzwerke und anderen Online-Firmen sehr viel Arbeit bereiten, da sie derzeit in der Regel zwischen Politmarketing und klassischer Unternehmenswerbung gar nicht unterscheiden könnten. Wichtig sei es auch, Zugangsbestimmungen zu Nutzerdaten rigoros durchzusetzen. Sonst sollten Anreize geschaffen werden, um die Risiken rund um Big-Data-Analysen etwa über einen Rahmen für Cyberversicherungen zu senken. Sicherheitsgurts in Autos hätten sich ebenfalls zunächst getrieben von Versicherungsfirmen verbreitet.

In der Cambridge-Analytica-Affäre beklagte der Praktiker, dass Facebook es auch nach der internen Aufdeckung der britischen Firma über zwei Jahre lang nicht untersagt habe, weiter auf der Plattform zu werben. Inzwischen hätten die Kalifornier zwar mehr Kontrolloptionen für den Datenschutz der Nutzer geschaffen, die aber teils "nicht so funktionieren, wie es dargestellt wird". So hätten Gerätehersteller etwa über spezielle Partnerschaften jahrelang einen gesonderten Zugriff auf Informationen über die Mitglieder erhalten, auch wenn letztere einen solchen ausdrücklich nicht wollten. Dies verstoße auch gegen die Unternehmensangaben und regulatorische Auflagen.

Nach Ansicht des Ex-Mitarbeiters hat Facebook in gewissen Kommunikationsbereichen eine Monopolstellung inne. Er riet den Abgeordneten daher, einzelne Produktlinien wie das Kernnetzwerk, Messenger, WhatsApp oder Instagram in separate Firmen aufzuteilen oder in Untereinheiten, die untereinander keine Nutzerdaten austauschen dürften.

Die Regulierer sollten zudem schon jetzt nachdenken über neue technische Entwicklungen wie "Deep Fakes", also komplett fabrizierte Videos oder Tonaufnahmen, oder Voraussagen zu Nutzerverhalten mithilfe von Künstlicher Intelligenz.

Systematische Tricks und Wahlbetrug im großen Stil warf mit Christopher Wylie der Whistleblower seinem früheren Arbeitgeber Cambridge Analytica vor, der den Skandal mit ans Licht gebracht hatte. Das Unternehmen habe mit Wissen des Mutterhauses SCL psychologisch trainierte Algorithmen nicht nur in Wahlkämpfen eingesetzt, sondern auch, um allgemein Desinformation, Gerüchte, kompromittierende Details und Propaganda zu verbreiten. Beim Brexit-Referendum sei dies mit Wissen von Beratern britischer Ministerien erfolgt. Das Recht auf freie Wahl sei damit unterlaufen worden. Als Gegenmittel brachte Wylie unter anderem den Einbau von Transparenz direkt in die Technik ins Spiel nach dem Vorbild von "Privacy by Design".

SCL habe zunächst für das britische Verteidigungsministerium gearbeitet und im Geheimen Propaganda betrieben, berichtete auch Carole Cadwalladr vom "Guardian". Im Brexit-Fall seien die dabei entwickelten Waffen dann "gegen die eigene Bevölkerung gerichtet" worden. Dabei hätten die Beteiligten über eine Reihe undurchsichtiger Technologiefirmen wie AggregateIQ in Kanada auch die gesetzlichen Bestimmungen für Spendengelder ausgehebelt. Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der im Mai sein obligatorisches "Sorry" in einer Runde mit Volksvertretern zum Ausdruck gebracht hatte, wolle nun allenfalls den Eindruck vermitteln, bei den parlamentarischen Untersuchungen zu kooperieren. (Stefan Krempl) / (olb)

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     Broeselmeier, 05.06.2018 10:35

Menschenrechtsverletzung als Geschäftsmodell

Viele schlucken, wenn man die Beeinflussung von Menschen auf Basis der Daten, die sie heutzutage zwangsläufig hinterlassen, auf die Ebene der Menschenrechtsverletzung hebt.

Aber genau darauf läuft es hinaus. So wie ich meinen Körper brauche, um am Leben teilzunehmen, brauche ich meine Daten, um ungehindert am öffentlichen Leben teilnehmen zu können.

Wenn jetzt irgendwer all diese Daten sammelt, mich damit analysiert und vermarktet (das verbirgt sich hinter "Microtargeting"), dann kann man das als eine Form von Menschenhandel betrachten und ist damit auf der Ebene der Menschenrechte.

Wenn sich dies nicht nur auf einige wenige Betroffene beschränkt, muss man sich auch nicht wundern, wenn damit zunehmend grundlegende Mechanismen demokratischer Staaten ausgehebelt werden.

Die Lösung kann eigentlich nur so aussehen, dass genau so wie wir unsere Körper dem Rechtsverkehr entzogen haben, wir das auch mit unserem digitalen Abbild tun müssen. D.h. unsere persönlichen Daten dürfen ausschließlich so weit erfasst und verwendet werden, wie das für die Dinge erforderlich ist die wir tun wollen. Sie dürfen also immer nur Mittel für unsere Zwecke aber niemals Gegenstand eines Geschäfts werden.

Es freut mich sehr, wenn solche grundlegenden Betrachtungen prominent im EU-Parlament vorgetragen werden.

Alle bisherigen Verordnungen zum Datenschutz kranken daran, dass es kein tragfähiges Fundament der Bedeutung persönlicher Daten gibt, auf dem die ausgestaltenden Gesetze und Verordnungen aufbauen können.


Quote
     Killer-Plautze, 05.06.2018 09:01


"Die Demokratie müsse vor der dahinterstehenden Datenjagd geschützt werden"

Irgendwie haben die Parlamentarier ebenso wie die meisten Betroffenen (=Bürger) es immer noch nicht begriffen: Das Ziel darf tatsächlich nicht nur sein, irgendwelche Monopolstellungen zu vermeiden, Datenaustausch zu untersagen, Mikrotargeting zu verbieten oder eine "Ethische Pause" einzulegen. Das Problem ist das Datenaufkommen an sich. Wenn der Datenberg erst mal da ist, wird er auch genutzt werden. Zielgerichtete Werbung ist eine Sache, Cambridge Analytica eine andere, und in den USA sind 20-30.000 Mitarbeiter der Geheimdienste mit einem 2-stelligen Milliardenbetrag als Budget mit freundlicher Unterstützung von SAP & Co. als Software-Lieferant dabei, die Späh-Daten Big-Data-mäßig zu kategorisieren, und Facebook & Co. sind da nur einige Datenlieferanten unter vielen. Zwei Drittel der US-Bevölkerung sollen mittlerweile über automatisierte Gesichtserkennungsverfahren identifizierbar sein, und wie seit Jahren bekannt ist, ist die NSA nicht nur in der Lage, sondern längst dabei, nahezu die komplette elektronische Kommunikation und den Zahlungsverkehr (u.a. SWIFT) abzusaugen und bis zum St. Nimmerleinstag abzuspeichern. Wenn in absehbarer Zeit über nahezu jeden Bürger und jede Organisation ein "Profil" nebst Verknüpfungen erstellt sein wird, sind die Folgen unabsehbar - '1984' und 'Staatsfeind Nr. 1' könnten ein Schiss dagegen sein. Während man in Europa noch über Mikrotargeting diskutiert, schaffen die Geheimdienste längst Fakten, und das ist die eigentliche Bedrohung. Facebook & Co. sind da nur private Vorstufen für ein potentielles Überwachungssystem, das zwangsläufig zum Selbstzweck mutieren könnte.


...


Aus: " EU-Facebook-Anhörung: Mikrotargeting gerät ins Kreuzfeuer der Kritik" Stefan Krempl (05.06.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Facebook-Anhoerung-Mikrotargeting-geraet-ins-Kreuzfeuer-der-Kritik-4068243.html


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« Reply #222 on: Juni 12, 2018, 07:22:15 vorm. »
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[...] Die offizelle App der spanischen Fußballliga nutzt die Mikrofone und Daten ihrer Nutzer auf der Suche nach unlizensierten Fernsehübertragungen. Das hat die Organisation in einer Mitteilung eingeräumt. Laut der Zeitung El País ging dem eine Anfrage nach der DSGVO voraus.

La Liga bestätigte, dass die App, die etwa zehn Millionen Menschen installiert haben, auf das Mikrofon der Smartphonenutzer zugreifen kann. Zudem würden Ortsdaten übermittelt. Registriert die App Fußballgeräusche, kann sie mithilfe des Standorts herausfinden, ob der Nutzer sich in einer Gaststätte befindet, die eine Lizenz für Fußballübertragungen hat.

Pro Jahr enstünden etwa 150 Millionen Euro Schaden durch Pay-TV-Betrüger, verteidigt der Verband sein Vorgehen. Der Nutzung der Userdaten könne jederzeit widersprochen werden. Zudem würden die Aufnahmen nicht mit den Klarnamen der Nutzer in Verbindung gebracht und ausschließlich während der Spiele kurz mitgeschnitten. Außerdem würde nicht eine Tonaufnahme an die App übertragen, sondern nur ein binärer Code, der auf Basis der Aufnahme erstellt werde.

Dass Apps auf das Mikrofon zugreifen können, ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Wenn eine Nutzerin eine Anwendung herunterlädt, kann diese beim ersten Öffnen standardmäßig nach einer Berechtigung für das Mikrofon fragen. Manche Programme wie zum Beispiel eine Telefon-App benötigen diese Erlaubnis, weil sie sonst schlicht nicht funktionieren. Allerdings ist nicht immer ersichtlich, wofür eine Anwendung eine Mikrofonberechtigung braucht. Verbraucherschützer raten, sich genau zu überlegen, welcher Anwendung man wirklich einen Zugriff gewähren will. Wozu eine Taschenrechner-App auch akustische Signale benötigt, das sollte man zumindest hinterfragen.

Nur weil eine App eine Berechtigung für das Mikrofon hat, hört sie aber noch lange nicht wie im Fall von La Liga mit. Es hält sich beispielsweise hartnäckig die Behauptung, dass Facebook Nutzer abhört, etwa weil sie nach einem Telefonat Werbung angezeigt bekommen, die zu den Gesprächsinhalten passt. Zwar lässt sich das Netzwerk standardmäßig eine Berechtigung für das Mikrofon einräumen. Bisher konnte die Behauptung des Abhörens jedoch nicht belegt werden. Experten halten es für wahrscheinlicher, dass Facebook schon so viel über die Nutzerinnen weiß, dass die Werbeprofile einfach passgenau sind.



Aus: "Offizielle Liga-App aktiviert Handy-Mikrofone" (11. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2018-06/la-liga-app-spanien-fussball-dsgvo-pay-tv-lizenz-betrug

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« Reply #223 on: August 06, 2018, 07:29:07 vorm. »
Quote
[...] Der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio hat in diesem Sommer bereits rund 800.000 Menschen angeschrieben, um zu klären, ob sie beitragspflichtig sind. Das teilte die Einrichtung in Köln am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Bei den Angeschriebenen kann es sich um Personen handeln, die vergessen haben, ihre Wohnung zum Rundfunkbeitrag anzumelden, bei einer Meldebehörde mit einer nicht mehr existierenden Wohnung gemeldet sind oder die es versäumt haben, dem Beitragsservice ihre aktuelle Anschrift mitzuteilen.

Derzeit gleicht der Beitragsservice seinen Datenbestand mit dem der Einwohnermeldeämter ab, um Hinweise darauf zu finden, wer beitragspflichtig ist, aber keinen Beitrag zahlt. Die Meldebehörden haben ihre Daten mit Stand vom 6. Mai dieses Jahres inzwischen fast komplett an den Beitragsservice geschickt. Drei Monate nach dem Start der Datenübermittlung stehe nur noch eine Rückmeldung aus. Der Abgleich der Daten könne aber noch einige Monate dauern, so der Sprecher des Beitragsservice, Christian Greuel. Die übrigen der voraussichtlich rund 3,5 Millionen Klärungsschreiben will der Beitragsservice bis Anfang 2019 verschicken.

Angaben dazu, in wie vielen Fällen bereits geklärt wurde, ob die Adressaten Beitrag zahlen müssen, macht der Beitragsservice noch nicht. Eine erste Prognose zum Erfolg des Meldedatenabgleichs ist für Frühjahr 2019 angekündigt. Mit den abschließenden Ergebnissen des Meldedatenabgleichs rechnet der Beitragsservice erst für 2022.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Mitte Juli hat auf den aktuellen Meldedatenabgleich keine Auswirkungen. Die Klärungsschreiben sollen wie zuvor geplant verschickt werden. Das Gericht hatte entschieden, dass Menschen mit zwei oder mehr Wohnungen beim Rundfunkbeitrag nur einmal zur Kasse gebeten werden dürfen (Az. 1 BvR 1675/16 u.a.). Als eine Folge davon müssen bis zu einer Neuregelung durch den Gesetzgeber und ab dem 18. Juli diejenigen auf Antrag keinen Rundfunkbeitrag für ihre Zweitwohnung zahlen, die bereits für ihre Erstwohnung zahlen.

Der Beitragsservice arbeitet nach eigenen Angaben derzeit daran, einen Antrag zur Freistellung von Zweitwohnungen zur Verfügung zu stellen. Unabhängig vom Zeitpunkt des Antrags werde eine Freistellung rückwirkend zum 18. Juli erfolgen, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt seien. Für die Zeit davor sei eine Freistellung außerdem für die Besitzer von Zweitwohnungen möglich, die in dieser Sache Widerspruch oder Klage eingereicht haben, die noch nicht rechtskräftig entschieden sind. (Andreas Heimann, dpa) / (axk)


Aus: "Rundfunkgebühren: Hunderttausende bekommen Post vom Beitragsservice" Andreas Heimann, dpa  (03.08.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Rundfunkbeitrag-Schon-800-000-Menschen-haben-Post-vom-Beitragsservice-bekommen-4129110.html

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« Reply #224 on: August 14, 2018, 08:04:42 nachm. »
Quote
[...] Laut einer Testreihe der Nachrichtenagentur AP sammelt Google auch Geodaten von Kunden, die sich in ihren Einstellungen explizit dagegen entschieden haben. Betroffen sind demnach weltweit mehr als zwei Milliarden Handys mit Android-Betriebssystem sowie mehrere Hundert Millionen iPhone-Nutzer.

Wie Wissenschaftler der Princeton University in New Jersey bestätigten, reicht es nicht aus, in der App Google Maps die Aufzeichnung der Reisedaten abzustellen. Auch automatische Updates in der Wetter-App und Eingaben im Browser von Google Chrome werden genutzt, um Geodaten zu sammeln.

Auf der Google-Supportseite ist zu lesen: "Sie können die Aufzeichnung Ihrer Ortungsdienste jederzeit abstellen. Ihre Aufenthaltsorte werden dann nicht mehr gespeichert." Laut AP ist das eben nicht der Fall. Manche Google-Apps zeichnen weiterhin Geodaten auf. Selbst nicht ortsgebundene Websuchen wie etwa nach "Schokoladenkeksen" sollen schon zur Aktivierung des Trackings führen können. 

Die sogenannten "Location Marker", also das regelmäßige Sammeln einzelner Ortungspunkte, werden in den USA auch von der Polizei genutzt, um den Standort von Verdächtigen festzustellen – und beschäftigte zuletzt immer wieder Gerichte. Mutmaßliche Straftäter hatten geklagt, dass mit dem Sammeln ihrer Daten ihre Persönlichkeitsrechte verletzt werden.

Eine detaillierte Anleitung, wie Nutzer dennoch das Aufzeichnen ihrer Daten unterbinden können, hat das Fachblatt Wired zusammengestellt.


Aus: "Google speichert Geodaten von Kunden auch gegen deren Willen" (14. August 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2018-08/datenschutz-google-geo-daten-iphone-android-mobiltelefon

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« Reply #225 on: August 20, 2018, 12:48:45 nachm. »
Quote
[...] Der ägyptische Präsident as-Sisi hat ein Gesetz unterzeichnet, das es Behörden erlaubt, Webseiten blockieren zu lassen, wenn sie deren Inhalte als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit des Landes betrachten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Associated Press.

... Ägyptische Behörden gehen bereits seit Mai 2017 verstärkt gegen Webseiten vor und erlassen Sperren, darunter fallen auch Nachrichtenseiten und VPN-Dienste. Aus dem Nutzerverhalten auf bestimmten Webseiten sowie aus Dating-Apps gewonnene Daten wurden außerdem für die Verhaftung von Homosexuellen und Sympathisanten der LGBTQ-Bewegung verwendet. (tiw)

...


Aus: "Ägypten: Gesetz stellt "bedrohliche" Webseiten und ihren Besuch unter Strafe" (19.08.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Aegypten-Gesetz-stellt-bedrohliche-Webseiten-und-ihren-Besuch-unter-Strafe-4141306.html

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« Reply #226 on: August 21, 2018, 10:44:43 vorm. »
Quote
[...] Würde ich jemals einem Psychologen klarmachen wollen, wie es um mich bestellt ist, vielleicht würde ich ihm das Nutzungsprofil meines Netflix-Accounts schicken. Denn der Streamingdienst kennt mich wirklich gut. Er weiß, dass ich bei der zweiten Staffel von Tote Mädchen lügen nicht pro Folge bis zu 14-mal die Handlung vorgespult habe. Dass ich die romantische letzte Episode von The Killing gleich mehrfach angesehen habe. Dass ich am 21. November 2017 auf die Werbemail zu Stranger Things 2 angesprungen bin.

Diese Daten hat mir Netflix auf Anfrage zugesandt. Jeder Nutzerin und jedem Nutzer steht laut Datenschutz-Grundverordnung die Auskunft zu, welche Informationen eine Firma über sie oder ihn aufbewahrt. Für die Recherche zu meinem Buch Die Daten, die ich rief habe ich meine Daten bei zahlreichen Unternehmen angefordert.

Seit ich weiß, welche Daten der Streamingdienst über mein Sehverhalten speichert, bin ich nachdenklich geworden. Nicht die schiere Masse meines Medienkonsums bereitet mir Unwohlsein. Als bekennender Filmliebhaber schäme ich mich höchstens für die ein oder andere seichte Serie. Vielmehr frage ich mich, was Dritte aus einem derartigen Datensatz über meine Person ableiten könnten. Und für was sie diese Informationen dann verwenden.

Das sind Fragen, die nicht nur mich betreffen. 221 Minuten verbringt der Durchschnittsdeutsche pro Tag vor dem Fernseher. Für immer mehr Menschen bedeutet Fernsehen: Netflix. Schätzungen zufolge sollen hierzulande rund vier Millionen Menschen den US-Dienst nutzen. Weltweit sind es mehr als 100 Millionen. Streaming ist längst Mainstream. Stars wie Will Smith und Winona Ryder stehen bei Netflix unter Vertrag. Und seit Neuestem sogar Barack und Michelle Obama.

Die Popularität des Dienstes begründet sich in dem schnellen, einfachen Zugang zu Tausenden von Filmen und Serien. Auf Netflix ist zu jeder Uhrzeit Primetime. Selbst wer sich nur für eine Nische interessiert, bekommt immer passende Filme angezeigt. Der Algorithmus bedient die Sehnsucht nach kitschigen Telenovelas genauso wie die Gelüste von Krimi- und Anime-Fans.

Das neue Fernsehen prägt auch unseren Alltag. Manchmal ganz harmlos wie die Netflix-Serie Haus des Geldes – dank ihr avancierte der Techno-Remix des alten Partisanenlieds Bella ciao zum Sommerhit 2018. Manchmal ist der Einfluss aber auch dramatisch: Nach der Erstausstrahlung der Serie Tote Mädchen lügen nicht meldete eine Studie einen deutlichen Anstieg von Google-Suchen zum Thema Suizid. Um den sogenannten Werther-Effekt in Zukunft zu vermeiden, wurde in der zweiten Staffel jeder Folge eine Warnung vorgeschaltet.

... Für Streamingdienste ist es hoch attraktiv, möglichst viel über ihre Nutzer in Erfahrung zu bringen, damit sie ein möglichst passendes Angebot produzieren können.

Diese ständige Analyse unterscheidet Streaming vom normalen Fernsehen. Beim klassischen Fernsehen wurde nicht protokolliert, welche Dokumentationen uns fesseln oder wann wir uns von Trash-TV berieseln lassen. Netflix hingegen fragt schon bei der Anmeldung, welche Filme uns interessieren. Meine Startpunkte der Personalisierung waren laut Datenauskunft House of Cards, Stranger Things und Narcos. Auf Grundlage dieser Informationen hat mir Netflix zahlreiche Vorschläge unterbreitet. Und ich konnte sie nicht ablehnen.

Im Laufe der ersten zwei Monate habe ich 191-mal auf Play gedrückt. Natürlich habe ich nicht alles komplett angesehen, oft nur kurz reingeschaut. Laut Datensatz bin ich allerdings ein Serienjunkie. Wenn die Autoplay-Funktion automatisch die nächste Folge nachschiebt, werde ich meist schwach. Sage und schreibe 20 Serienstaffeln habe ich innerhalb eines halben Jahres ganz oder zum Teil gesehen. Meine längste Session dauerte mehr als zwölf Stunden. Statistisch betrachtet sehe ich pro Monat manchmal mehrere Tage Netflix.

Von außen beobachtet mag mein Nutzungsprofil ganz schön traurig aussehen. Schließlich sollte man mit 31 am Samstagabend Besseres vorhaben, als im Jogginganzug mit einer Tüte Chips stundenlang auf einen Bildschirm zu starren. Und doch weiß ich mich in guter Gesellschaft. Laut Netflix haben 2017 acht Millionen Nutzerinnen und Nutzer zumindest einmal Binge Racing betrieben und sich in den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung einer neuen Staffel alle Folgen am Stück reingezogen.

Was das über uns aussagen könnte, verdeutlicht eine Studie der University of Texas in Austin (International Communication Association: Yoon Hi Sung et al., 2015). Demnach können Serienmarathons Ausdruck mangelnder Selbstbeherrschung sein. Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen Binge Watching und dem Wunsch nach Realitätsflucht. Menschen, die sich eine Folge nach der anderen ansehen, sitzen meist allein vor dem Bildschirm und leiden häufiger an Depressionen. Ich sehe bei mir keine Anzeichen für psychische Probleme, aber bewerten das andere auch so? Der Blick auf die Statistik meiner Sehgewohnheiten lässt mich zumindest ungesunde Muster erkennen. Ich habe Netflix besonders häufig abends bis spät in die Nacht genutzt, wenn ich tagsüber im Job viel um die Ohren hatte. Ob mich dieser Ausgleich wirklich entspannt hat, wage ich rückblickend zu bezweifeln.

... Bei Facebook oder Google wird oft argumentiert, dass Nutzer kostenlose Dienste eben mit der totalen Vermessung ihres Verhaltens bezahlen würden. Bei Netflix bin ich zahlende Kundin. ...




Aus: "Streamingdienst: Netflix weiß, was ich letzten Sommer geguckt habe" Katharina Nocun (21. August 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2018-08/streaming-dienst-netflix-datenschutz-nocun/komplettansicht

Quote
Ginger_Collins #3

Netflix weis was Kunden wünschen.
Funktioniert doch gut, Ihre Konsumwünsche werden erkannt und umgehend bedient.
Gerade durch die Aufzeichnungen der wiederholten Szenen werden doch Ihre Vorlieben herausgearbeitet und bedient.
So werden die Wünsche der Zuschauer in der nächsten Serie weiter in den Vordergrund gestellt.
Alles Super. ...


Quote
links-rechts-Drehwurm #3.1

Wer kein Gefühl hat, wie falsch die lückenlose Erfassung ist, dem ist nicht zu helfen.


Quote
Alternder #4

Den Artikel sollte man den "Ich hab nichts zu verbergen" Sagenden als Lektüre vorschlagen.


Quote
Franz Xy #4.2

Warum? Ich teile all diese Informationen liebend gern, weil ich davon letztlich profitiere.


Quote
Lalopre #17

Wie gut, dass ich mir den Account mit Freundin, Exfreundin und bestem Freund über ein VPN (alle haben aus Sicht von Netflix den gleichen Standort) teile. So ist sichergestellt, dass Netflix maximal verwirrt ist angesichts der sehr unterschiedlichen Sehgewohnheiten.


Quote
Hamburgerin2.0 #17.1

Das allerdings ist ziemlich gut. Das habe ich auch schon von mehreren WGs gehört.


Quote
oberstingg #21

naja es ist auch möglich das ein bisschen auszuzutricksen sprich sissy filme wählen, loop und ab in den ausgang,
laut meinem (zugegeben ziemlich verwaisten) Facebook wohne ich in tripoli habe nudeln essen in keimbridsch studiert e.t.c. etwas phantasie wäre angesagt, google search ,anmelden, nach lappländer gemischtwaren suchen um dann raketentriebwerke aus zweiter hand zu kaufen.meine werbung ist seit dem witziger geworden.


Quote
Fool of a Took #21.1

Klasse Anregung, leicht subversiv. Wunderbar.


Quote
Timm_Buktu #23

Sehr geehrte Frau Nocun,

ihre (Selbst)reflexion mischt zwei Ängste miteinander:
Einerseits finden sie die Art ihres Medienkonsums und was es über ihr Leben aussagen könnte, bedenklich, andererseits haben sie ein beklommenes Gefühl, dass Netflix dies alles aufzeichnet und auswertet.
Aber über ihre innere Lebensqualität weiß Netflix natürlich nichts.. Über diesen Teil wissen nur sie Beischeid und Netflilx interessiert sich auch nicht dafür; es will sie nur bei der Stange halten.

Um es überspitzt zusammenzufassen:
Netflix hält ihnen einen Spiegel vor die Nase, dass ihr Leben vielleicht nicht so läuft, wie sie es sich wünschen, aber diese Tatsache sie bisher verdrängten oder ignorieren wollen.

Ein Überbringer unangenehmer Botschaften wird selten geliebt, aber er könnte auch eine Chance sein, sein Leben bewußter zu gestalten.

Nichtsdestotrotz ist die Datensammelwut an sich beängstigend, vor allen Dingen wenn sie zentralisiert und in ein System mündet wie das Social-Credit-System in China.
Dieses System ist der wahre Big Brother und vor diesem sollten wir uns hüten. ...

[...  Und dann fällt mir gerade noch eine widersprüchliche Botschaft in ihrem Artikel auf. Sie bekommen einerseits Bedenken über die Datensammelwut von Netflix, andererseits scheuen sie sich nicht davor, ihre privaten Medienkonsumgewohnheiten mit der ganzen Welt zu teilen. Wenn ich daran zurückdenke, welchen Aufstand in den achtziger Jahren wegen einer Volkzählung gemacht wude, läßt mich dieser veränderte Zeitgeist doch manchmal etwas fassungslos zurück.
Ich persönlich hätte niemals soviel privates preisgegeben und meine Person aus dem Artikel rausgehalten. Aber es sieht so aus, dass nicht nur Kontrollwut und Repression in den Überwachungsstaat führen kann, sondern Verführung und Pampern. ]
 

Quote
ScharldeGohl #26

Für mich persönlich ist es einerseits höchst interessant, andererseits hat es jedoch auch definitiv ein Geschmäckle wenn sich jemand über die Vorgehensweise einer Plattform beschwert, die man aus freien Stücken nutzt.

Netflix verheimlicht weder etwas, noch machen sie es unnötig schwer sich als Kunde einen Überblick über die Daten verschaffen zu können.

Ganz im Gegenteil, bereits vor Vertragsabschluss weißt Netflix daraufhin, dass Informationen gespeichert werden und zur Verbesserung des Angebots verarbeitet werden können.

Wenn mir das nicht zusagt, zwingt mich letztendlich niemand das Angebot von Netflix zu nutzen.

Gleiches gilt auch seit längerem für Facebook, wo sich immer wieder Leute gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen auflehnen, obwohl sie sie mit der Nutzung der Plattform akzeptieren.

Da hilft letzten Endes auch nur, die Nutzung von Facebook zu unterlassen. Aber das wollen diese Personen dann auch nicht.


Quote
Thrym #29

Meine Ex-Freundin wollte ständig Kinderfilme gucken. Kriege den Quatsch noch Jahre später vorgeschlagen ;-)


Quote
aadam #34

Na und? Amazon weiß, was ich vor 18 Jahren gekauft hab.


...

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« Reply #227 on: August 21, 2018, 05:00:14 nachm. »
Quote
[...] Die meisten Missbrauchsfälle beim Kindergeld würden durch den automatischen Datenabgleich mit Behörden, etwa Einwohnermeldeämtern, aufgedeckt, sagt Wolling. Bei Ungereimtheiten im Datensatz der elektronischen Akte erscheint ein entsprechendes Warnsignal.

2017 wurde auch durch ein Gesetz der Datenabgleich zwischen deutschen Behörden verbessert. Behördenübergreifende Prüfungen, die es in Nordrhein-Westfalen bereits gibt, sollen auf Berlin ausgeweitet werden. Es gibt auch Datenabgleiche mit ausländischen Behörden, die in ihrem jeweiligen Land Kindergeld auszahlen. Zu viel bezahltes Kindergeld wird zurückgefordert. Gilt ein Adressat als „unbekannt verzogen“, wird im Bedarfsfall nach ihm gefahndet. Seit 2018 darf man Kindergeld rückwirkend für maximal sechs Monate beantragen. Zuvor waren es bis zu 60 Monate.

Die Familienkasse, teilt Wolling mit, hätte gern auch noch einen tagesaktuellen Meldedatenabgleich zwischen Melde- und Sozialleistungsbehörden sowie Finanzämtern. Dies würde es weiter erleichtern, Missbrauchsfälle zu ermitteln.


Aus: "EU-Ausländer: Wie Berlin gegen Kindergeld-Missbrauch vorgeht" Frank Bachner (21.08.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/eu-auslaender-wie-berlin-gegen-kindergeld-missbrauch-vorgeht/22933462.html

Quote
Sciaridae 16:19 Uhr
Das Thema angeblichen oder promilleartig erscheinenden Sozialleistungsmißbrauchs sorgt immer für Schlagzeilen und Stimmung.

Da ist sich der Bürger einig, da muss hart und möglichst umfassend durchgegriffen werden, besonders bei "den Ausländern".



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« Reply #228 on: August 22, 2018, 09:56:16 vorm. »
Quote
[...] Hannover - Seit einiger Zeit versuchen Online-Kriminelle, mit E-Mails zu schockieren, die ein ehemals oder aktuell genutztes Passwort des Empfängers enthalten. Nun ist eine neue Masche hinzugekommen, bei der in den Nachrichten Teile der aktuellen oder einer ehemaligen Handynummer des jeweiligen Empfängers zu lesen sind, berichtet „Heise online“. In beiden Fällen behaupten die Täter, ihr Opfer gehackt und beim Besuch einer Pornoseite gefilmt zu haben - im einen Fall über den Rechner, im anderen übers Smartphone.

Sie verlangen Schweigegeld und drohen bei Nichtzahlung mit dem Senden eines Videos an Nutzer-Kontakte. Mit Nennung der Daten in der Mail wollen die Erpresser ihre Glaubwürdigkeit erhöhen. Tatsächlich handelt es sich dem Bericht zufolge aber nur um leere Drohungen: Die Täter hätten weder Videoaufzeichnungen noch Kontakte. Mail-Empfänger sollten also keinesfalls zahlen.

Die Kriminellen seien nur in Besitz von Handynummern oder Zugangsdaten, die Angeschriebene einmal genutzt haben oder vielleicht noch nutzen. Die Daten stammten etwa aus erfolgreichen Angriffen auf bekannte Internet-Dienste, die bereits länger zurückliegen und auf einschlägigen Untergrund-Plattformen verhältnismäßig günstig gehandelt werden - oder aus anderen zweifelhaften Quellen. (dpa)


Aus: "Betrugsmasche: Kriminelle verschicken Erpresser-Mails mit privaten Daten der Nutzer" (16.08.18)
Quelle: https://www.rundschau-online.de/ratgeber/digital/betrugsmasche-kriminelle-verschicken-erpresser-mails-mit-privaten-daten-der-nutzer-31111942

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« Reply #229 on: September 02, 2018, 03:25:01 nachm. »
Quote
[...] Im vergangenen Jahr konnten Werbekunden von Google prüfen, ob sich der Klick auf eine Online-Anzeige mit einem Offline-Kauf per Kreditkarte in einem US-Einzelhandelsgeschäft verknüpfen ließ. Dazu haben Google und Mastercard eine bislang geheim gehaltene Vereinbarung getroffen: Google kauft massenhaft Kreditkarten-Transaktionsdaten von Mastercard und korreliert sie mit den Klicks seiner Benutzer auf Online-Werbung. Darüber berichtet die Nachrichtenseite Bloomberg.

Dieses Tracking soll ohne Kenntnis der Karteninhaber stattgefunden haben, weil beide Unternehmen der Meldung zufolge ihre jeweiligen Kunden nie darüber informierten. Google und Mastercard sollen vier Jahre lang über den Deal verhandelt haben. Bloomberg beruft sich bei seinen Informationen auf vier anonyme Quellen, die mit der Angelegenheit vertraut sind; drei von ihnen sollen daran direkt mitgearbeitet haben.

Google habe mit der Vereinbarung sein Werbegeschäft gegen Konkurrenten wie Amazon stärken wollen und dafür mehrere Mllionen Dollar bezahlt. Werbekunden seien zunehmend daran interessiert, nicht nur die Verbindung von Online-Werbung zu Klicks auf Webseiten und Online-Shopping zu erkunden, sondern auch zum Offline-Kaufverhalten.

Es soll zwischen den beiden Unternehmen sogar diskutiert worden sein, die Werbeeinnahmen zu teilen. Google teilte auf Anfrage aber mit, es gebe keine Vereinbarung über geteilte Werbeeinnahmen. Zu einer Vereinbarung mit Mastercard wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Jedoch sei ein neues Werbetool mit der Bezeichnung "Store Sales Measurement" im Mai 2017 als Betatest gestartet worden. Es verknüpfe anonymisiert den Klick auf eine Online-Werbung mit einem Kauf per Kreditkarte in einem Laden – Letzteres in einem Zeitraum von bis 30 Tagen nach dem Klick. In diesem Programm seien alle Daten, die Benutzer persönlich identifizieren könnten, per Verschlüsselung vor Google und seinen Werbepartnern verborgen worden. Google bewarb das Werbetool damals damit, man habe Zugriff auf etwa 70 Prozent aller US-amerikanischen Kredit- und Debitkarteninhaber, ohne dies jedoch weiter auszuführen.

Weiter teilte Google Bloomberg auf Anfrage mit, dass Benutzer das Kreditkarten-Tracking über eine "Web and App Activity"-Konsole ausschalten könnten. Das Tracking greife ohnehin nur bei Benutzern, die bei einem Google-Dienst angemeldet seien. Laut Bloomberg seien sogar innerhalb von Google mehrfach Einwände dagegen vorgebracht worden, dass Benutzern das Opt-out nicht deutlicher angeboten werde.

Auch Mastercard wollte gegenüber Bloomberg zu der Vereinbarung nichts sagen. Man teile jedoch "Transaktions-Trends" mit Händlern und ihren Service Providern, damit die Wirkung von Werbekampagnen überprüft werden könne. Für die Übermittlung solcher Daten sei die Zustimmung der Händler nötig, und es würden keine individuellen Transaktionen und persönlichen Daten übermittelt.

Google steht wegen großzügig ausgelegter Handhabe beim Sammeln oder Löschen von Daten zu eigenen Gunsten immer wieder in der Kritik – zuletzt wegen gespeicherter Standortdaten. Ihre Werbeplattform hat die Firma jüngst umstrukturiert: Höchste Priorität habe das Bedürfnis der Werbetreibenden, ihre Kunden zu verstehen.

In der EU unterliegt das Ausspielen von Google-Werbung seit Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 zumindest formal strengeren Regeln, sodass Benutzer dem Verwerten ihrer Daten zu Werbezwecken per Opt-in explizit zustimmen müssen. Angeblich arbeitet mittlerweile auch die US-Regierung an einer ähnlichen landesweiten Regulierung des Datenschutzes. (tiw)


Aus: "Google übermittelt Mastercard-Transaktionsdaten an seine Online-Werbekunden" Tilman Wittenhorst (01.09.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-uebermittelt-Mastercard-Transaktionsdaten-an-seine-Online-Werbekunden-4153015.html

Quote
     Postblaster, 02.09.2018 07:55
 

Bestätigt wird hier warum Deutsche noch immer Bargeldzahlungen bevorzugen.
Haben sie erst deine Daten brechen sämtliche Schleusen.

Du und deine Daten werden zu dem Handelsobjekt mit dem man dich nachfolgend zugleich zweckdienlich dressiert.


Quote
     Doppelagent, 01.09.2018 17:03

Mastercard verkauft Kundendaten

Das wäre die richtige Überschrift.



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« Reply #230 on: September 26, 2018, 09:45:32 vorm. »
Quote
[...] Die Analysten im Datencenter in Kalifornien können ermitteln, welcher Song in welcher Stadt zu einer bestimmten Uhrzeit nachgefragt wird; sie können in Echtzeit feststellen, ob ein Stück das Potenzial hat, ein Hit zu werden. Das Problem, das die Musikindustrie jahrzehntelang nicht lösen konnte, scheint Shazam überwunden zu haben: mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit vorauszusagen, welches Stück ein Hit wird.

... In einem Konferenzzimmer des US-Hauptbüros von Shazam in Midtown Manhattan sitzt der Chef Rich Riley, 41. Offenes Hemd, Jeans, ein Lächeln wie in der Werbung. An den Wänden goldene Schallplatten: „Most Shazamed Artist 2011 – Rihanna“. Solche Auszeichnungen sind inzwischen fast so begehrt wie richtige Goldene Schallplatten. „Fast 600 Millionen Menschen haben unsere App auf ihre Telefone geladen, und mehr als hundert Millionen benutzen sie monatlich. Das ist ein riesiges Kapital“, sagt Riley. Zwei Charakteristika machten die Daten so wertvoll: „Es sind fast ausschließlich positive Rückmeldungen, denn wer einen Song shazamt, der mag dieses Stück. Und sie sind hyperlocal. Das heißt, ich kann sie geografisch bis auf ein Stadtviertel runterbrechen.“

Musiker und Labels, Konzertveranstalter und Werber sind verrückt nach diesen Informationen.

... Im Februar 2014 kündigte die Firma eine strategische Allianz mit Warner Music an, denn in Zukunft will Riley auch selber Musik produzieren. „So können wir unser Datenkapital effektiver nutzen.“ Man hat aus dem Fall der Neuseeländerin Lorde gelernt: Bevor sie 2013 einen Vertrag bei Republic Records unterschrieb, wusste bei Shazam jeder, dass sie Erfolg haben würde. So extrem waren die Suchanfragen nach ihren Songs in Auckland und Wellington und kurz darauf in Melbourne und Sydney in die Höhe geschossen.

Der „Shazam-Effekt“, wie der Einsatz von Big Data in der Musikindustrie genannt wird, verändert diese rasant und radikal. Noch 2011 spielten Daten in der Branche eine untergeordnete Rolle, heute fällt keine Entscheidung mehr ohne sie. Besonders das Berufsbild des Talentsuchers beziehungsweise Artist & Repertoire (A&R) Managers hat sich gewandelt. Früher verbrachten die Leute, die dafür zuständig sind, neue Künstler zu entdecken, die meiste Zeit in Clubs. Im Jahr 2015 sitzen sie vor Monitoren.

... Sam Pucci trägt den Titel Intelligence Architect, ist seit den Anfängen dabei und sagt: „Die Daten zu sammeln ist nicht schwer. Aber es gibt zwei Probleme: den Wust zu ordnen, zugänglich zu machen und herauszufiltern, welche Daten wirklich Aufschlüsse liefern. Ein Erfahrungswert ist zum Beispiel, dass Likes auf Facebook sehr viel weniger aussagekräftig sind als Anfragen bei Wikipedia oder Shazam.“ Die Arbeit hier unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der bei der NSA, nur scheint NBS deutlich intelligentere Systeme zu entwickeln, um die entscheidenden Daten von den wertlosen zu trennen.

Noch vor ein paar Jahren benutzten Musiklabels zur Datenanalyse eine Methode aus dem vorigen Jahrhundert. Praktikanten filzten Websites und notierten die Zahlen für die jeweiligen Künstler. „Inzwischen arbeiten fast alle großen Player von Sony bis Instagram mit uns zusammen oder entwickeln ihre eigenen Big-Data-Abteilungen“, sagt Pucci. „Es ist ein gigantischer Informationsaustausch. Wir stellen unsere Daten gegen eine Gebühr zur Verfügung, und unsere Kunden wiederum haben ein Interesse daran, dass wir ihre Daten bekommen, damit wir ihnen ein komplettes Bild liefern können.“

... Mit dem Musikmagazin »Billboard« veröffentlicht Next Big Sound eine Social-50-Liste mit Musikern, die in sozialen Netzen am gefragtesten sind (seit Monaten fast immer auf Platz eins: Taylor Swift); in den Next-Big-Sound-Charts tauchen die Künstler auf, die laut den Algorithmen der Firma die größten Chancen auf kommerziellen Erfolg haben. Anfang Mai lag der Bluegrass-Sänger Chris Stapleton vorn.

... Bevor die digitale Revolution die Branche in eine Existenzkrise stürzte, war die Musikindustrie für zweierlei bekannt: rauschende Partys und ahnungslose Manager. Wie soll man wissen, bei welchem Künstler sich teures Marketing lohnt, wenn alle Entscheidungen auf dem Bauchgefühl einiger reicher Männer in Los Angeles und New York beruhen? Also manipulierten die Labels oft ihr wichtigstes Marketing-Instrument, die Billboard Hot 100.

Bis 1991 basierten die Charts auf offenbar frisierten Händlerbefragungen. Nachdem ab 1991 die tatsächlichen Verkäufe in die Charts einflossen, tauchten plötzlich Richtungen auf, die zuvor kaum vertreten waren, zum Beispiel Hip-Hop oder Country.

... Die Musikindustrie kannte also offenbar ihre Kundschaft nicht und kaschierte die Ahnungslosigkeit durch Manipulationen. Als das Internet die wirtschaftliche Basis der Branche zerstörte, rächte sich die Ignoranz. „Ich erinnere mich an eine Sitzung Mitte der Neunzigerjahre in Detroit“, sagt Marc Geiger. „Wir sollten den Chefs der größten Labels das Internet erklären. Meine Kollegen und ich sagten immer: ‚So werdet ihr in einem Jahr eure Musik verkaufen.‘ Wir waren vielleicht ein wenig zu optimistisch, aber im Grunde hatten wir recht. Die Plattenbosse guckten auf ihre Macintosh-Bildschirme und winkten ab.“

... Shazam veröffentlicht offiziell keine Geschäftszahlen. Der Umsatz soll 2013 laut Medienberichten bei etwa 50 Millionen Dollar gelegen haben und im Schnitt jährlich um 40 Prozent wachsen. Im Januar sammelte das Unternehmen von einer Investorengruppe 30 Millionen Dollar ein für fast drei Prozent der Anteile – Shazam wäre demnach mehr als eine Milliarde Dollar wert. „Unser Plan ist, nicht von einem Giganten geschluckt zu werden, sondern selber einer zu werden“, sagt Riley, der von Yahoo kam, um diesen Plan umzusetzen. Er will das Shazam-Prinzip auf Filme, Bilder, Texte und Produkte ausweiten. „Stellen Sie sich vor, was wir mit all diesen Daten anfangen könnten.“

...


Aus: "Talentsuche per App" Lars Jensen (2015)
Quelle: https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2015/talent/talentsuche-per-app?utm_source=zeit&utm_medium=parkett

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« Reply #231 on: Oktober 09, 2018, 03:37:43 nachm. »
Quote
[...] Eine Datenhandelsfirma mit Profilen von mehr als 200 Millionen Menschen musste in der vergangenen Woche ein großes Datenleck eingestehen. Medienberichten zufolge war die Datenbank des US-Vertriebsdienstleisters Apollo offenbar wochenlang frei im Internet zugänglich. Zu den vermutlich abgegriffenen Daten gehören mehr als 125 Millionen E-Mailadressen.

Der Nachrichtenseite Techcrunch zufolge bestand die Sicherheitslücke seit Juli. Entdeckt wurde das Datenleck von dem IT-Sicherheitsunternehmer Vinny Troia im August. Gegenüber seinen Geschäftskunden hat Apollo inzwischen eingestanden, dass es mindestens einen unbefugten Zugriff auf die Daten gab. Das geht es aus einem Schreiben des Gründers Tim Zheng hervor, aus dem Wired zitiert.

Apollos Geschäftsmodell basiert darauf, Unternehmen zur Optimierung von Marketing und Vertrieb Kontaktdaten und Analysen über potenzielle Kunden zur Verfügung zu stellen.
Dem Brief zufolge sammelt die Firma für dieses Microtargeting personenbezogene Daten aus öffentlichen und nicht-öffentlichen Quellen. Unter anderem werden mit Webcrawlern Daten aus dem offenen Netz in Profilen zusammengeführt. Dazu gehören Informationen wie Namen und E-Mailadressen und Daten aus Twitter-Profilen. Doch auch LinkedIn-Profile, die nicht offen zugänglich sind, wurden von der Firma im großen Stil ausgelesen. „Ermöglichen Sie Ihrem Team, die richtigen Kontakte zur richtigen Zeit zu erreichen, mit der perfekten Botschaft, die intelligent, schnell und reichweitenstark umgesetzt wurde“, wirbt die Firma auf ihrer Webseite. Je mehr Daten Apollo hat, desto genauer kann die Ansprache zugeschnitten werden.

Neben den Daten von Endverbrauchern sind jedoch auch hunderte Firmen betroffen, die eigene Vertriebsdaten über potenzielle Kunden in das System von Apollo gespeist haben.

Für Betroffene ergibt sich aus dem Malheur unter anderem das Risiko, dass sie Opfer gut gemachter Betrugsversuche werden. Kriminelle könnten die erbeuteten Informationen für ihr eigenes Microtargeting in Form von Scam- und Phishing-Mails nutzen, bei denen Menschen beispielsweise auf Fake-Versionen bekannter Webseiten gelockt werden, um dort ihre Kontodaten oder Passwörter abzugreifen. Mit der Kombination aus Name, E-Mailadresse, Arbeitgeber und weiteren Daten kann die Zielgenauigkeit solcher Angriffe erhöht werden.

Nach einer Einschätzung zu dem Vorfall gefragt, verweist der Wiener Privacy-Forscher Wolfie Christl auf die lange Geschichte von Datenlecks bei Big-Data-Firmen:

    Dass hier durch eine Sicherheitslücke digitale Profile von über 100 Millionen Menschen frei zugänglich waren, ist natürlich ein Desaster. Aber das war nicht die erste derartige Datenpanne und wird wohl auch nicht die letzte sein. Wo Fahrlässigkeit im Spiel ist, muss es hohe Strafen geben, anders wird sich hier nichts ändern. Datensammelfirmen handeln oft völlig verantwortungslos. Die Nutzung von Daten, die durch Sicherheitsprobleme für andere zugänglich geworden sind, muss klar als illegal betrachtet werden.

Die Kunden von Apollo sitzen überwiegend in den USA. Dass auch Menschen in Europa betroffen sind, ist angesichts der Größe des Datenlecks und der weiten Verbreitung von LinkedIn in Europa jedoch wahrscheinlich. Wer prüfen möchte, ob sich auch die eigene Mailadresse in dem Apollo-Datensatz befindet, kann dies bei HaveIBeenPwned checken. Der Dienst gleicht eingegebene E-Mailadressen mit dutzenden Datenlecks wie jenen von Yahoo, Adobe, Dropbox, Adult Friend Finder oder Kickstarter ab. Über den aktuellen Fall sagt HIBP-Betreiber Troy Huntt zu Wired, es handele sich um einen der größten in der Geschichte: „Es ist eine geradezu atemberaubende Menge an Daten. Insgesamt geht es um 125.929.660 eindeutige E-Mail-Adressen. Das werden wahrscheinlich die meisten E-Mail-Benachrichtigungen sein, die HaveIBeenPwned je für einen Verstoß gesendet hat.“

Der Fall wirft ein erneutes Schlaglicht auf die Schattenindustrie, die mit Daten über Menschen auf der ganzen Welt Milliarden verdient. Apollo betont, dass durch das Datenleck keine Informationen über die finanzielle Situation von Menschen oder ihre Sozialversicherungsnummern kompromittiert wurden. Andere Firmen aus der Branche sammeln auch solche Informationen, wie ein Bericht der US-Federal Trade Commission über das Databroker-Business [PDF] 2014 feststellte. Sie können aus den Daten Rückschlüsse über deren Vorlieben, Interessen und Lebenssituation ziehen und verkaufen diese Analysen ebenso wie die Originaldaten. E-Mail-Adressen sind dabei besonders begehrt, weil sie als Identifier dienen, mit denen Daten aus unterschiedlichen Quellen in individuellen Profilen zusammengeführt werden können. Gegenüber netzpolitik.org problematisiert Wolfie Christl die Undurchsichtigkeit dieser Branche:

    Sicherheitspannen sind das eine. Viel problematischer allerdings die Tatsache, dass es überhaupt derartige Firmen gibt, von denen noch kaum jemand gehört hat, die aber hunderte Millionen von Datensätzen sammeln und kommerziell verwerten. Die umfangreichen Verbraucherdatenbanken von sogenannten Drittparteien, die keine direkten Beziehungen mit Kundinnen und Kunden haben, müssen dringend systematisch rechtlich unter die Lupe genommen werden.


Aus: "Datenleck bei Big-Data-Firma: Mehr als 100 Millionen Profile offen im Netz" Ingo Dachwitz (08.10.2018)
Quelle: https://netzpolitik.org/2018/datenleck-bei-big-data-firma-mehr-als-100-millionen-profile-offen-im-netz/

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« Reply #232 on: Dezember 05, 2018, 09:26:01 vorm. »
Quote
[...] Wie jetzt bekannt wurde, hat Cambridge Analytica, das Unternehmen hinter dem Facebook-Datenskandal, bei den US-Präsidentschaftswahlen Fashion Profiling eingesetzt. Dabei wird anhand des Modegeschmacks festgestellt, welche User besonders empfänglich für Wahlwerbung sind, berichtet die New York Times.

Im Fall der US-Präsidentschaftswahlen hat Cambridge Analytica so User für Steve Bannon identifiziert, der damit ua. die Alt-Right-Bewegung vergrößerte. Bannon war Berater von Donald Trump während den Wahlen, kurzzeitig Chefstratege des Präsidenten und Leiter der rechten US-Website Breitbart.

Um Herauszufinden welche User empfänglich für die rechten-Werbekampagnen sind, hat Cambridge Analytica KI-Modelle zum Modegeschmack erstellt. Modemarken und der Musikgeschmack seien die Top-Indikatoren für die politische Neigung, so der Whistle-Blower Christopher Wylie, der die Machenschaften von Cambridge Analytica publik machte.

Als Beispiel für Marken, die Cambridge Analytica mit rechtsgeneigten Usern in Verbindung brachte, nennt er Wrangler und L.L. Bean. Generell seien es auch Modemarken, die mit dem Mythos des Wilden Westens spielen. Kenzo sei hingegen ein Label, das in den USA bei Liberalen sehr gut ankommt.


Aus: "Rechtsgeneigte Facebook-User lassen sich am Modegeschmack erkennen" (30.11.2018)
Quelle: https://futurezone.at/netzpolitik/rechtsgeneigte-facebook-user-lassen-sich-am-modegeschmack-erkennen/400340539

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« Reply #233 on: M?RZ 05, 2019, 01:01:56 nachm. »
Quote
[...] Mit Übernahme der hoheitlichen Grenzsicherung setzt der Freistaat auch neue Technik ein. Die Auswertung von Telefonen soll beim Aufspüren von Schleusernetzwerken helfen. Eine andere Anwendung dient der „berührungslosen Identitätsprüfung“. Die Projekte perfektionieren den Ausbau der biometrischen EU-Datenbanken.

Vor zwei Jahren hat der Bundestag das „Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht“ verabschiedet. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) darf jetzt zur Bearbeitung von Asylanträgen Mobiltelefone und andere Datenträger von Geflüchteten durchsuchen. Die Informationen sollen bei der Bestimmung der Herkunft der Betroffenen helfen. Die Behörden werten beispielsweise die Ländercodes angerufener Telefonnummern und Kontakte und die Domainendungen aufgerufener Websites aus. Auch Geodaten und die in Textnachrichten verwendete Sprache werden analysiert.

Diese Praxis könnte nun auf Grenzkontrollen ausgeweitet werden. Im deutsch-österreichischen Projekt „SmartIdentifikation“ forscht die Bundespolizei zur schnellen Auswertung der Mobiltelefone von Geflüchteten. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit fast einer Million Euro gefördert und läuft bis März nächsten Jahres. Es gehört zum Forschungsbereich „Zivile Sicherheit – Fragen der Migration“.

Nach Ende der Forschungen wird die Plattform von den Grenzbehörden getestet. Offenbar steht dabei die Grenze zwischen Deutschland und Österreich im Mittelpunkt: Neben der Bundespolizei sind das Bundesministerium für Inneres in Wien sowie Universitäten beider Länder an „SmartIdentifikation“ beteiligt. Ebenfalls an Bord sind Firmen, die auf digitale Forensik spezialisiert sind. Eine von ihnen ist die Münchner T3K-Forensics, die auch beim BAMF Schulungen zur Forensik von Mobiltelefonen durchführt.

Die in „SmartIdentifikation“ entwickelte Anwendung nutzt die privaten Fotos zur Bestimmung des Alters. Das System dient außerdem zur Identitätsprüfung, die Projektbeschreibung bleibt hierzu aber unkonkret. So sollen auf dem Telefon gefundene „Daten“ zur Überprüfung der gemachten Angaben dienen. Denkbar wäre, dass hierzu Gesichtsbilder oder persönliche Angaben im Adressbuch verwendet werden. Informationen aus gefundenen Dokumenten könnten mit Einträgen in Datenbanken abgeglichen werden.

Das Projekt verspricht außerdem eine „Smartphone-basierte Analyse von Migrationstrends“. Mit den Informationen wollen die Behörden „Schleuserrouten“ identifizieren. Auch zu diesen Datenquellen äußert sich die Projektbeschreibung nicht konkret. Wahrscheinlich ist, dass die Adressbücher oder Messenger-Apps der Telefone durchsucht werden. Dort gefundene Kontakte könnten mit einer Datei von bereits bekannten oder verdächtigen Personen abgeglichen werden. Die Behörden wollen sich beim Auslesen der Telefone auch Zugriff auf nicht näher definierte „alternative Kommunikationsplattformen“ verschaffen. Ihre Daten sollen Rückschlüsse „zur Entdeckung der Schleuser“ ermöglichen.

Mit den Informationen werden außerdem Migrationsrouten ermittelt und visualisiert. Hierfür müsste die in „SmartIdentifikation“ entwickelte Anwendung aber Geodaten verarbeiten. Möglich wäre dies mit Bewegungsprofilen, beispielsweise aus Fitness-Apps, die immer öfter in polizeilichen Ermittlungen genutzt werden. So könnte festgestellt werden, wann eine Person mit Verkehrsmitteln gereist ist oder gerastet hat. Hieraus ließe sich der Fluchtweg rekonstruieren.

Die bayerische Polizei will darüber hinaus die Grenzkontrollen vereinfachen. Betroffene Personen werden zur Überprüfung ihrer Angaben und Dokumente oft zu Polizeidienststellen gebracht. Diese Prozedur benötigt Zeit und soll deshalb mobil an der grünen Grenze erfolgen. Laut dem BMBF stehen hierfür „aktuell keine technischen Unterstützungsmittel zur Verfügung“.

Seit vielen Jahren werden von der Bundespolizei Dokumentenlese- und prüfgeräte genutzt, seit 2015 sind diese auch mobil einsetzbar. Die Plattformen können beliebig erweitert werden, etwa mit Fingerabdruckscannern. Mit der umstrittenen Übernahme von Grenzkontrollen durch die bayerische Polizei fehlen dort angeblich entsprechende Geräte. Deshalb forscht das Landeskriminalamt Bayern zusammen mit der Partnerbehörde aus Berlin zur „berührungslosen Identitätsprüfung im Anwendungsfeld Migration“ (MEDIAN).

Von den Dokumentenlese- und prüfgeräten wird der mitgeführte Ausweis zuerst auf seine Echtheit überprüft und die Personenangaben werden optisch gescannt. Handelt es sich um ein Dokument mit biometrischen Daten, werden diese ausgelesen.“MEDIAN“ soll außerdem die sofortige Erfassung von Fingerabdrücken und Gesichtsbildern ermöglichen. Anschließend erfolgt der automatische Abgleich mit der deutschen INPOL-Datei, mehreren europäischen Datenbanken und der Interpol-Datenbank für verlorene oder gestohlene Dokumente. „MEDIAN“ stellt hierfür einen sicheren Übertragungskanal für die beteiligten Grenzbehörden bereit.

Mit dabei sind die Bundesdruckerei und die französische Firma Idemia, deren biometriebasierte Technik auch in Deutschland weit verbreitet ist. In vielen afrikanischen Ländern werden die Ausweisdokumente hingegen von der Bundesdruckerei gedruckt. In „MEDIAN“ arbeiten die beiden Firmen deshalb an einer gemeinsamen Vermarktung ihrer Produkte. Das Forschungsprojekt läuft noch zwei Jahre und wird vom BMBF mit 2,7 Millionen Euro gefördert. Auch diese Anwendung wird in einem „Feldtest“, vermutlich ebenfalls an der Grenze zu Österreich, ausprobiert.

Die BMBF-Projekte zu „Fragen der Migration“ dienen der Finanzierung neuer Kontrolltechnologien an der deutschen Binnengrenze und sind damit eine Beruhigungspille für Bayerns Staatsminister des Innern. Die Forschungen perfektionieren aber auch die Abfrage der neuen europäischen Datentöpfe. Im Projekt „Interoperabilität“ werden derzeit alle in EU-Datenbanken vorhandenen Gesichtsbilder und Fingerabdrücke in einem „Gemeinsamen Identitätsspeicher“ zusammengeführt. Dieser soll komplett durchsuchbar sein. Bislang ist die Suche nach Gesichtsbildern nur in der Fingerabdruckdatei EURODAC möglich.

Über den Autor/ die Autorin - Matthias Monroy: Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP. In Teilzeit Mitarbeiter des MdB Andrej Hunko. Publiziert in linken Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien, bei Telepolis, Netzpolitik und in Freien Radios. Alle Texte und Interviews unter digit.so36.net, auf englisch digit.site36.net, auf Twitter @matthimon. Viel zu selten auf der Straße (dafür im Internet) gegen Faschismus, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus. Kein Anhänger von Verschwörungstheorien jeglicher Couleur. Freut sich nicht über Kommentare von AnhängerInnen der genannten Phänomene. Benutzt das (altmodische) Binnen-I trotz Gepolter nervtötender Maskulisten.   



Aus: "Grenzkontrollen in Bayern: Polizei will Mobiltelefone auslesen" Matthias Monroy (05.03.2019)
Quelle: https://netzpolitik.org/2019/grenzkontrollen-in-bayern-polizei-will-mobiltelefone-auslesen/

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« Reply #234 on: April 12, 2019, 12:13:59 nachm. »
Quote
[...] Amazon lässt die Mitschnitte seiner Sprachsoftware Alexa transkribieren und auswerten. Die Nutzer werden darüber nicht informiert. Aber sie können dem widersprechen.

... Alexa antwortet seinen Nutzerinnen und Nutzern nicht nur, die Assistenzsoftware hört auch mit – und mit ihr Amazon. Denn Beschäftigte des Konzerns hören die aufgezeichnete Befehle an und transkribieren diese. Das berichtet der Finanzdienst Bloomberg. Ziel sei es, die Spracherkennung zu verbessern.

Der Konzern bestätigte, dass Mitarbeiter die Software auswerteten und weiterentwickelten, betonte aber, dass nur eine geringe Zahl der Alexa-Sprachaufnahmen analysiert würden. Die Teams würden untersuchen, wie gut die Software arbeite und wie zutreffend die Spracherkennung sei, auch würden sie die ausgewerteten Befehle der Nutzerinnen und Nutzer an die Software verschlagworten, um Alexa zu trainieren. Zudem seien die Beschäftigten beauftragt, bei sensiblen Daten die Auswertung zu stoppen. Grundsätzlich hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Möglichkeit, die Kundinnen und Kunden zu identifizieren. Daher werde auch mit Verschlüsselung gearbeitet.

Die mit der Analyse betreuten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Bloomberg zufolge in den USA in Boston, in Costa Rica, Indien und Rumänien arbeiten. Sie seien im Schnitt während einer neunstündigen Schicht mit der Analyse beschäftigt und könnten in dieser Zeit gut tausend Mitschnitte bearbeiten.

Ein Verweis in den Nutzungsbedingungen darauf, dass eine solche Analyse stattfindet, fehlt allerdings. Jedoch gibt es die Möglichkeit, in den Einstellungen von Alexa einer Weitergabe der Daten an den Konzern zur Verbesserung des Dienstes zu widersprechen. Voreingestellt ist diese aber nicht. Klar ist daher, dass der Konzern die Daten aus dem Dienst zumindest automatisch auswertet und für interne Zwecke verwendet.

Laut einem nicht weiter namentlich genannten früheren Amazon-Mitarbeiter würden auch Aufnahmen ausgewertet, die unabsichtlich aufgenommen wurden. Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass die Sprachsoftware versehentlich aktiviert wird, weil gesprochene Worte im Raum dem Aktivierungswort ähnlich klingen. Dem Bloomberg-Bericht zufolge soll das in etwa zehn Prozent der Fälle vorkommen, sagen anonyme Beschäftigte.

Einen Datenschutzverstoß will der Konzern dem Bericht zufolge aber nicht erkennen können. Eine weitere Stellungnahme gab es von Amazon zunächst nicht. Auch die Konkurrenten Apple und Google äußerten sich zunächst nicht zur Anfrage, ob sie auf eine ähnliche Vorgehensweise bei ihren Assistenten Siri und Google Assistant zurückgreifen.



Aus: "Amazon: Alexa-Aufnahmen werden ausgewertet" (11. April 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2019-04/amazon-alexa-privatgespraeche-aufzeichnungen-mitschnitte-spracherkennung

Quote
Teddy58 #4.5

Also ich gehe mal davon aus, das man " diese Dienste" auch fernaktivieren kann, zumindest die Geheimdienste können das.


Quote
Unterlinner #4

Ich hoffe, dass ich noch lange auf IM „Alexa“ verzichten kann.


Quote
Werner Mueller #4.1

Haben Sie ein Smartphone? Mit IOS oder Android? Die können das genau so, muss man auch ausschalten. Vorteil: Man kann auch sehen, wo Sie waren, wo Sie sind und wann Sie voraussichtlich wo sein werden...


...

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« Reply #235 on: April 14, 2019, 10:17:09 nachm. »
Quote
[...] Eigentlich sollte es mittlerweile allen bewusst sein: Wer ein Smartphone nutzt, der hinterlässt damit auch umfassende Datenspuren. Das gilt im Besonderen für Android-Smartphones, wo Google ein recht exaktes Bild der Bewegungen seiner Nutzer erhält – vor allem wenn sich diese dazu bewegen lassen, optionale Features wie den "Standortverlauf" zu aktivieren. Dabei entsteht ein Datenschatz – Google-intern "Sensorvault" genannt -, den zunehmend auch Strafverfolger für sich nutzen wollen.

US-Behörden fordern in Ermittlungen zu Kriminalfällen immer öfter die Herausgabe von Standortdaten durch Google, berichtet die New York Times. Diese Methode der Ermittlung erfreue sich bei der Polizei derzeit rasch wachsender Beliebtheit, zuletzt soll es bereits bis zu 180 solcher Anfragen an Google gegeben haben – und zwar pro Woche. Doch nicht nur die Zahl der Anfragen steigt, auch fallen diese immer weitreichender aus. Geht es dabei doch längst nicht mehr um einzelne Personen. Eine typische Anordnung sieht so aus, dass die Strafverfolger Zeitraum und Ort definieren, für die sie dann sämtliche Smartphone-Bewegungen erhalten wollen. Für den Zugriff auf all diese Daten ist eine richterliche Anordnung vonnöten, dies scheint aber angesichts des aktuellen Volumens der Anfragen kein sonderliches Hindernis darzustellen.

Google hat mittlerweile ein eigenes Protokoll etabliert, um die Kommunikation mit den Behörden abzuzwickeln, und die Datenweitergabe zu minimieren. So werden zunächst lediglich anonymisierte Daten geliefert, mithilfe derer die Strafverfolger dann eingrenzen können, welche Geräte potentiell für ihre Ermittlung von Interesse sind. Dann erhalten sie – noch immer anonym – weitere Bewegungsdaten zu den jeweiligen Geräten. Erst danach können sie dann Details wie E-Mail-Adresse oder Name zu den zugehörigen Google-Accounts abfragen.

So gern die Strafverfolger dieses neue Tool in ihren Ermittlungen einsetzen, so umstritten ist es auch. Rechtsexperten sehen in solch einer Form der Schleppnetzfahndung einen Verstoß gegen die US-Verfassung. Zudem bestehe die Gefahr, dass durch diese Daten erst recht Unschuldige ins Visier der Ermittlungen kommen. Die New York Times berichtet etwa von einem Mordfall, in dem ein Verdächtiger nicht zuletzt aufgrund dieser Standortdaten verhaftet wurde – und zu unrecht eine Woche im Gefängnis verbringen musste. Aber auch bei Google selbst ist man mit der Nutzung von "Sensorvault" als Strafermittlungstools alles andere als glücklich. Zwar sei es unumstritten, dass man gezielten Anfragen der Behörden nachgeben müsse, viele Richter würde aber äußerst große Bereiche in Durchsuchungsbefehlen zulassen. Zudem verweisen Mitarbeiter des Unternehmens noch auf ein anderes Problem: "Sensorvault" sei nie für solche Aufgaben konzipiert worden, die Daten seien entsprechend auch gar nicht genau genug, um wirklich zuverlässige Zuordnungen zu erlauben.

Grundlage dieses für die Behörden so interessanten Datenschatzes, ist der sogenannte "Standortverlauf". Dabei handelt es sich um ein optionales Features eines Google-Accounts, das nicht von Haus aus aktiviert ist. Da es aber für zahlreiche Google-Dienste genutzt wird, drängen Android-Smartphones öfters einmal auf dessen Aktivierung. Insofern dürfte diese Funktion auch bei vielen Nutzern aktiviert sein. Die damit gesammelten Daten werden etwa genutzt, um in Echtzeit Informationen zur Verkehrslage zu sammeln, die dann in Google Maps als Service angeboten werden. Zudem können sich die User dieser "Location History" selbst auf einer Karte anzeigen lassen, wo sie seit der Aktivierung dieses Features unterwegs waren. Über die Account-Einstellungen bei Google kann sowohl die weitere Erfassung solcher Daten deaktiviert als auch bereits gesammelte Informationen gelöscht werden.

Ganz generell sei angemerkt, dass der Standortverlauf nicht die einzige Funktion ist, über die Google Ortsdaten seiner Nutzer erfasst. So werden etwa bei Suchanfragen oder auch bei der Nutzung gewisser Apps von Haus aus solche Informationen gesammelt. Diese ergeben meist aber nur ein vergleichsweise ungenaues Bild. Zudem gibt es für die Behörden auch jenseits von Google Wege an Standortdaten einzelner Mobiltelefonnutzer zu kommen. Zentraler Anlaufpunkt waren dabei bisher immer die Mobilfunker, die ebenfalls ein recht gutes Bild über die Bewegung jedes einzelnen Nutzers haben. Diese Quelle scheint man aber eben nun mit Googles "Sensorvault" zu ergänzen, da dieser oft präzisere Daten liefert.

Der Bericht ist natürlich Wasser auf den Mühlen von Privatsphärenverfechtern. Seit Jahren verweisen diese auf ein simples Prinzip, das sich "wenn man es baut, werden sie kommen" nennt. Auf den konkreten Fall umgelegt, heißt das also: Wer massiv Daten sammelt, wird früher oder später zum Ziel von Überwachungsbehörden – ob man es will oder nicht. Insofern sei es also besser solche Sammlungen erst gar nicht entstehen zu lassen.


Aus: "Google weiß immer wo wir sind – und die US-Polizei damit auch" (apo, 14.4.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000101383737/Google-weiss-immer-wo-sie-sind-und-die-Polizei-damit

Quote
Grimmewald

Eins steht fest, sollte ich jemals eine Leiche zu entsorgen haben, dann bleibt das Handy Zuhause.


Quote
TomTom34

Auf der anderen Seite kann man damit unter Umständen aber auch seine Unschuld beweisen indem man beweisen kann dass zumindest das Handy sich an einem anderen Ort befunden hat.


Quote
Der weise Uhu

In einem Rechtsstaat

Muss man nie seine Unschuld beweisen.


Quote
\caliban/

Tjaja, den Standortverlauf deaktivieren bzw. löschen. Ersteres mach ich natürlich auch immer schon, aber alter Zyniker, der ich bin, gehe ich davon aus, dass das anders funktioniert. Da wird nichts deaktiviert oder gelöscht, sondern ein Hakerl gesetzt: "Dem User nicht anzeigen."


...
« Last Edit: April 14, 2019, 10:19:21 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #236 on: Mai 19, 2019, 11:46:33 vorm. »
Quote
[...] Google soll laut einem Medienbericht über Jahre hinweg Einkäufe seiner Benutzer mitverfolgen und diese speichern, sofern dabei das Gmail-Konto genutzt wurde. Davon sind auch Einkäufe betroffen, die nicht über Google selbst liefen, sondern für die lediglich die Gmail-Adresse benutzt wurde – etwa bei Amazon, schreibt CNBC.

Der Journalist Todd Haselton berichtet bei CNBC, dass er in seinem Google-Konto unter "Purchases" (Einkäufe) eine Liste seiner zurückliegenden Käufe entdeckte. Die Käufe reichten bis ins Jahr 2012 zurück, liefen aber nicht direkt über Google. Stattdessen hatte Haselton die Käufe online oder per App etwa bei Amazon oder Macy's getätigt. Da die Rechnungen an seine Gmail-Adresse geschickt wurden, bediente sich Google offenbar beim Text der E-Mails und erstellte die Einkaufsliste automatisch. Bei dieser Erfassung 'entdeckte' Google auch andere Transaktionen wie einen Restaurantbesuch, das Aufladen einer Starbucks-Kundenkarte sowie einen Filmkauf bei iTunes.

Auf Nachfrage sagte ein Google-Sprecher gegenüber dem Sender, man wolle den Kunden damit helfen, ihre Käufe, Buchungen und Abonnements an einer Stelle zu sammeln und leicht einzusehen. Die Liste der privaten "Käufe" sei nur dem jeweiligen Benutzer zugänglich und die Einträge könnten jederzeit gelöscht werden. Das Unternehmen verwende die bei Gmail gesammelten Daten generell nicht für Werbezwecke, das gelte auch für Rechnungen und Bestätigungen, die auf der "Käufe"-Seite auftauchten.

Allerdings ist das Löschen nicht so einfach wie behauptet. Haselton versuchte die Einträge zu löschen, wurde dabei jedoch schlicht auf seine E-Mails zurückverwiesen: Um den Eintrag in der Einkaufsliste zu entfernen, möge er die zugehörige E-Mail löschen. Auch bei der Google-Aktivitätsverfolgung fand er keine Möglichkeit, die Einkäufe auf der Liste zu tilgen.

Wegen des Sammelns von Daten und der zurückhaltenden Offenlegung seiner Praktiken stand das Unternehmen immer wieder in der Kritik. Beispielsweise stellte sich Googles Datenschutzrichtlinie von 2012 als rechtswidrig und nicht DSGVO-konform heraus. Frankreich hatte eine hohe Strafe gegen Google verhängt, weil der Konzern seine Nutzer nicht transparent genug über das Sammeln und Verwenden von Daten informieren würde, wogegen Google Berufung einlegte.

Allerdings bemüht sich der Konzern zugleich, diesem Ruf entgegenzutreten und eröffnete etwa jüngst in München ein Datenschutzzentrum, in dem Privacy-Tools entwickelt werden sollen. Google-Chef Sundar Pichai schrieb kürzlich in der New York Times, Privatsphäre solle "kein Luxusgut" sein und gab zu bedenken, sein Unternehmen nutze Daten dafür, "Produkte nützlicher für alle" zu machen. (tiw)


Aus: "Medienbericht: Google zeichnet per Gmail Einkäufe der Benutzer auf"  Tilman Wittenhorst (18.05.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Medienbericht-Google-zeichnet-per-Gmail-Einkaeufe-der-Benutzer-auf-4425314.html

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« Reply #237 on: Juni 04, 2019, 10:25:49 vorm. »
Quote
[...] Russische Behörden fordern von der Dating-App Tinder die Herausgabe von Nutzerdaten. Die Betreiber von Tinder seien verpflichtet, die Informationen mindestens ein halbes Jahr zu speichern und den Behörden auf Anfrage bereitzustellen, teilte die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor am Montag in Moskau mit. Unter anderem könnten neben der Polizei auch der russische Inlandsgeheimdienst FSB sowie das Innenministerium die Daten verlangen.

Seit 2016 dürfen die Behörden auf Daten per Gesetz zugreifen, wenn sie kriminelle Machenschaften vermuten oder einem Terrorverdacht nachgehen. Kritiker sehen dies jedoch als Möglichkeit, das Internet stärker zu überwachen und zum Beispiel gegen die Opposition vorzugehen.

Im vergangenem Jahr hatte der Fall um den international beliebten Chatdienst Telegram für Aufsehen gesorgt, der die Herausgabe der Daten-Verschlüsselung verweigerte. Der Dienst wurde in Russland zeitweise blockiert und das Unternehmen zu einer Geldstrafe verurteilt. (dpa)


Aus: "Dating-App Russische Behörden wollen Daten von Tinder-Nutzern" (03.06.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/dating-app-russische-behoerden-wollen-daten-von-tinder-nutzern/24415322.html


https://www.datenschutz-notizen.de/speicherung-von-daten-russischer-buerger-nur-noch-auf-servern-in-russland-erlaubt-5411363/

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« Reply #238 on: Juni 06, 2019, 09:20:53 vorm. »
Quote
[...] Digitale Spuren aus dem Smart Home sollen künftig als Beweismittel vor Gericht verwendet werden dürfen. Für diesen Zugriff auf Alexa & Co. wollen die Innenminister von Bund und Ländern auf ihrer Frühjahrskonferenz kommende Woche den Auftrag zur Erarbeitung einer Handlungsempfehlung geben. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf die diesbezügliche Beschlussvorlage. Digitalen Spuren komme "eine immer größere Bedeutung" bei der Aufklärung von Kapitalverbrechen und terroristischen Bedrohungslagen zu, werde das Vorhaben darin begründet.

Sprachassistenten wie Alexa oder Google Home, aber auch Fernseher und Kühlschränke, die mit dem Internet verbunden sind, sammeln permanent Daten, die nach Auffassung der Innenminister für Sicherheitsbehörden wertvoll sein könnten, heißt es in dem Bericht weiter. Damit die künftig bei Ermittlungen verwendet werden können, sollten nun verfassungsrechtliche Bedenken ausgeräumt werden. Künftig soll eine richterliche Zustimmung dafür ausreichen. Die Innenpolitiker erwarten demnach aber Widerstand der Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern. Der Plan gehe auf einen Antrag aus Schleswig-Holstein zurück, dem die Innenstaatssekretäre von Union und SPD bereits zugestimmt haben.

Der Datenschutz bei den digitalen Assistenten Alexa & Co. steht immer wieder im Fokus der Aufmerksamkeit, bislang ging es dabei aber vor allem darum, welche Daten bei den Anbietern landen und wie gut die vor unzulässigen Zugriffen geschützt sind. So hatte c't im Dezember einen Fall öffentlich gemacht, in dem höchst private Sprachaufzeichnungen von Amazons Echo-Geräten an fremde Personen gegangen waren. Im April war dann bekannt geworden, dass Amazon Mitarbeiter aufgezeichnete Befehle von Nutzern an die Assistenzsoftware Alexa anhören und abtippen lässt, um die Spracherkennung zu verbessern. Verbraucherschützer hatten ein Ende dieser Praxis gefordert.

Dass die Regierungen in Bund und Ländern nun Zugriff auf diese Daten haben wollen, ist nur einer von gleich mehreren geplanten Eingriffen in den Datenschutz, die derzeit für Aufsehen sorgen. So will das Bundesinnenministerium von Horst Seehofer die Anbieter von Messengern einem Bericht zufolge dazu zwingen, verschlüsselte Kommunikation lesbar zu machen. Die Justizminister wollen derweil die Sicherheit des geplanten Mobilfunkstandards 5G schwächen, um Ermittlern weiterhin Zugriffe zu ermöglichen. Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland wollen die Innenminister nun außerdem über den Umgang mit jenen Daten beraten, die in privaten Fahrzeugen anfallen.


Aus: "Smart Home: Innenminister planen Zugriff auf Daten von Alexa & Co." Martin Holland  (05.06.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Smart-Home-Innenminister-planen-Zugriff-auf-Daten-von-Alexa-Co-4439526.html

Quote
     Erexopia, 05.06.2019 20:08

Sehr verquer

Dashcams werden als Beweis vor Gericht abgelehnt, aber heimlich mitgeschnittene Privatgespräche werden zugelassen. Die spinnen schon ziemlich...


Quote
     Der IT-Verunsicherer, 05.06.2019 17:58

und demnächst: Innenminister fordern in jedem Haushalt Alexa und Co

von was für Idioten wird man denn regiert ?


Quote
     Autumn70, 05.06.2019 12:14

Es ist interessant was z.B. Amazon alles sammelt ....

... und was wir an Informationen preisgeben.

Wo man sich aufhält, Produkte die man sich nur angesehen hat (nicht gekauft), wohin man liefern lässt, wann man dort aktiv war, ob der Tab im Vordergrund oder Hintergrund war, woher man auf die Amazon Seite kommt (Referrer)......

35C3 - Archäologische Studien im Datenmüll
https://www.youtube.com/watch?v=lbN6R6MubSI

Schon ohne die Datenweitergabe ist es gruselig!

Was kann man daraus schließen?

Ab Minute 27:00.....


Quote

    Moody, 05.06.2019 11:26

Byebye Kernbereich privater Lebensgestaltung

Die Ueberwachung macht vor gar nichts mehr halt - es wird alles gesammelt, Daten digitaler Dienstleister (Google, Amazon, Facebook, etc.) und nun auch alle digitalen Daten die zum Kernbereich privater Lebensgestaltung gehoeren.
Fuer diesen Bereich der intimen Privatsphaere und der Wohnung bestand bisher durch die Ausschlussdefinition des "Kernbereichs privater Lebensgestaltung" eine ausdrueckliche Ausnahme von der Ueberwachung, weil man eben nicht *alles* ausschnueffeln wollte, der Buerger hatte auch Rechte, die historischen Verfehlungen waren noch im Gedaechtnis. Diese Schamgrenze faellt nun.

Wenn das wegfaellt gibt es keinerlei Beschranekungen mehr, der richterliche Vorbehalt ist ein Witz, die Richter stoppen von tausenden Antraegen keinen einzigen. Da wird nichts geprueft, da wird nur in Sekunden abgenickt und unterschrieben - Konsequenzen hat das fuer die Richter keine, selbst wenn sich hinterher herausstellt, dass eine Ueberwachung absehbar voellig ueberzogen und grundlos war. Ein Schutz fuer die Buerger besteht damit nicht, das ist nur ein juristisch-buerokratisches Plazebo.

Was unterscheidet diese Art der nun moeglichen Ueberwachung von der der Stasi? Gar nichts mehr.

Es ist schon irre - auf der einen Seite verlangen wir keine Dokumente bei der Einreise mit angegeben Fluchtgrund und verhindern nicht wirksam multiple Antraege auf Asyl mit mehreren Identitaeten, was von Terroristen gerne genutzt wird, auf der anderen Seite ueberwachen wir die Staatsbuerger nun hinein bis ins privateste. Denn den eigenen Buergern - denen ist offensichtlich im Besonderen nicht zu trauen.

Das einzig Gute daran ist: Nun weiss jeder, der sich eine dedizierte Sprach-Assi Wanze in die Wohnung stellt, dass er so doof ist sich selbst potenziell zu belasten.

Das tatsaechliche Problem besteht aber langfristig: Heute kann ich auf solche Geraete verzichten, aber irgendwann wird es kaum noch "intelligente" (oder irgendwelche) Hauselektronik geben, die solche "Sprachassistenz", Datensammelei oder gar Videoueberwachung nicht per default mitbringt. In 20 Jahren muss ich also digitaler Eremit sein und mich aus dem dann ueblichen sozialen Leben verabschieden, wenn ich nicht staendig von jedem Gadget ueberwacht werden will. Mein Konsumverhalten ist dann sowieso glaesern - und die Auswertung allen zugaenglich ausser mir selbst.

Und wir regen uns ueber China auf und klopfen uns auf die Schulter, was unsere Menschen- und Buergerrechte angeht, waehrend unsere Politiker und Beamte dabei sind das in aller Gruendlichkeit still und heimlich abzuschaffen.

Mir graust, wenn diese Moeglichkeiten wirklich mal einer Regierung in die Hand faellt, die die Demokratie abschaffen will. Seit Trump, Salvini, Orban, Kaczyński und der staerker werdenden AfD sollte man sich ueberlegen ob die staatliche Schaffung und Auswertung solcher Datensammlungen nicht erheblich mehr Nebenwirkungen hat als Nutzen.

F*ck die Ueberwacher - mehr Sicherheit ergibt sich daraus ohnehin nicht. Die Justiz entlaesst ohnehin die meisten Straftater mit einem Klaps auf die Finger, die organisierte Kriminalitaet die bei uns taetig ist lacht sich einen Ast. Desorganisation, Ueberlastung und laissez faire in der Justiz trifft auf absolut extreme Ueberwachungswuensche fuer Polizei und Dienste - hier passt einfach nichts mehr zusammen.

Diese Ueberwachungsoffensive passt wie die Faust aufs Auge der Selbstbeweihraeucherung zu "70 Jahre Grundgesetz"... Schein und Sein. ...

Gruss
M.


Quote
     J.Reuther, 05.06.2019 10:47

Hand aufs Herz: Wer von euch hat eine Alexa im Schlafzimmer? ... Um eine richterliche Genehmigung zu bekommen reicht ein Verdacht.


Quote
     duke3d.exe, 05.06.2019 10:09

Die Frage ist: Ob sich die Besitzer der Geräte jetzt daran stören werden?

Oder, ob dieses typische "Ich hab doch nichts zu verbergen" wieder ausgegraben wird. ...


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     Cabriofahrer, 05.06.2019 10:37

Wenn das die Stasi noch erlebt hätte ...


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« Reply #239 on: Juli 23, 2019, 12:28:34 nachm. »
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[...] Der Zeitpunkt für die Dokumentation „The Great Hack – Cambridge Analyticas großer Hack“ könnte aus US-amerikanischer Sicht nicht besser gewählt sein. Das britische Datenanalyse-Unternehmen hatte sich 2016 die Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern verschafft, um zugunsten der Trump-Kampagne Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahl zu nehmen. Nach dem Skandal ist vor der Wahl, derzeit bereiten sich die USA auf die Präsidentschaftswahl 2020 vor, bei der Donald Trump für eine zweite Amtszeit antritt. Cambridge Analytica (CA) hat nach dem Skandal über die Wahlmanipulationen zwar 2018 Insolvenz angemeldet. Die Techniken zur datenbasierten Stimmungsmache existieren jedoch fort und könnten jederzeit erneut angewendet werden.

Im Zentrum der zweistündigen Dokumentation von Netflix stehen vier Menschen, die sich gegen die neuen Gefahren der digitalen Meinungsmanipulation gewendet haben. Zwei von ihnen, die Whistleblower Christopher Wylie und Brittany Kaiser, hatten selbst für Cambridge Analytica gearbeitet, bevor sie sich entschieden, die illegalen und unmoralischen Praktiken des Datenanalyse-Unternehmens öffentlich zu machen. Bei den anderen beiden handelt es sich um den US-Wissenschaftler David Carroll, der Cambridge Analytica auf die Herausgabe seiner persönlichen Daten verklagte, um so zu zeigen, wie das Unternehmen arbeitete, und die „Guardian“-Journalistin Carole Cadwalladr.

 Die Dokumentation stammt vom ägyptischen Filmproduzenten Karim Amer, dessen Film „Rafea: Solar Mama“ über die Proteste auf dem Tahrir-Platz in Kairo 2011 für den Oscar nominiert war. Bei „The Great Hack“ war er als Autor, Regisseur und Produzent beteiligt. In der ersten Hälfe wird mit teils sehr verspielten Visualisierungen aufgezeigt, wie aus einzelnen Nutzerprofilen Stimmungsbilder extrahiert werden können, die dann nicht nur für moderne politische Kampagnen – wie bei der Wahl von Barack Obama – genutzt werden können, sondern ebenso für geheime Umsturzaktionen, wie man sie sonst am ehesten der CIA zutrauen würde.

Zur Erinnerung: Cambridge Analytica prahlte damit, mittels 5000 Datenpunkten die Persönlichkeitsstruktur jedes US-Wählers in einem Modell erfassen zu können, das dann für Vorhersagen über Wahlentscheidungen – und im zweiten Schritt zu deren Manipulation – eingesetzt werden kann. „Solche Technologie kann den entscheidenden Unterschied machen. Das wird noch viele Jahre so bleiben“, versprach Alexander Nix, der Ex-Chef von Cambridge Analytica.

Der Trick bei der Trump-Kampagne von 2016 mit dem Projektnamen Alamo bestand darin, die sogenannten Überzeugbaren in den Swing States so mit Blogs, Webseiten, Artikeln, Videos und Anzeigen auf allen verfügbaren Plattformen und zuvorderst auf Facebook zu bombardieren, dass sie bei der Wahl die gewünschte Reaktion zeigten. Am Ende entschieden 70:000 Wähler in drei Staaten den Ausgang der US-Wahl von 2016. Wie so etwas funktioniert, hatte die CA-Mutter SCL zuvor mit Info-Kriegen in Thailand, Trinidad, Indien, Südafrika, aber auch in der Ukraine und Italien gezeigt, heißt es in der Doku.

Wie konnte der Traum von der weltweiten Vernetzung von Menschen so radikal in sein Gegenteil verkehrt werden, dass über die gleichen Netzwerke die Menschen nun gezielt entzweit und gegeneinander aufgehetzt werden? Facebook-Chef Zuckerberg, der bei seinen Aussagen vor dem US-Kongress vor allem durch große Wissenslücken über die Vorgänge in seinem Unternehmen auffiel, gestand immerhin ein, die Gefahren unterschätzt zu haben.

Welche Möglichkeiten globale Netzwerke wie Facebook überhaupt haben, einen solchen Missbrauch von persönlichen Daten zu verhindern, steht auf einem anderen Blatt. Der beste Schutz dürfte wohl in mündigen Nutzern bestehen, die sich nicht allein in ihrer Filterblase aufhalten. Umso wünschenswerter wäre es, dass die Netflix-Doku möglichst bald auch außerhalb des Streamingdienstes einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich wäre.


Aus: "Cambridge Analytica und die Folgen 70:000 fehlgeleitete Stimmen" Kurt Sagatz (22.07.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/cambridge-analytica-und-die-folgen-70-000-fehlgeleitete-stimmen/24687618.html


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« Reply #240 on: August 09, 2019, 11:45:56 vorm. »
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[...] Das soziale Netzwerk Instagram hat der US-Werbeagentur Hyp3r den Zugriff auf seine Plattform gesperrt. Hyp3r wird schwerwiegender Missbrauch von Nutzerdaten vorgeworfen. Man habe den Praktiken von Hyp3r nicht zugestimmt, erklärte Instagram. Zudem habe die Marketingfirma "gegen unsere Regeln verstoßen", fügte das zum Facebook-Konzern gehörende Unternehmen hinzu.

Das Nachrichtenportal Business Insider hatte zuvor berichtet, dass Hyp3r öffentlich gepostete Daten von Millionen Instagram-Nutzerinnen und -Nutzern abgegriffen und gespeichert habe. Damit sei es dem in San Francisco ansässigen Start-up möglich gewesen, für Werbetreibende detaillierte Beschreibungen der Nutzer anzufertigen, die bestimmte Orte wie Flughäfen, Hotels, Kasinos, Clubs oder auch Sportveranstaltungen besuchten.

Wer Instagram nutzt, kann entscheiden, ob seine Beiträge bei der Fotoplattform für alle oder nur für bestimmte User sichtbar sind. Die öffentlich zugänglichen Bilder, Videos und Informationen können dann nicht nur über die App, sondern auch über die Web-Version von Instagram abgerufen werden. Die Firma Hyp3r entwickelte Methoden, diese Dateien automatisiert einzusammeln und zu speichern. Dazu hätten auch Beiträge aus der sogenannten Stories-Funktion gehört, die nur einen Tag sichtbar sind, berichtete Business Insider.

Besonders interessant für Hyp3r waren laut dem Bericht von Business Insider Instagram-Beiträge, die den Aufenthaltsort der Nutzer enthielten. Auch die Ortsdaten seien ausgelesen und gespeichert worden. Ein Service von Hyp3r für Kunden wie Hotels ist es, gesammelte Instagram-Beiträge von deren Standorten zu präsentieren. So könne man zum Beispiel einen Hotelgast mit einem Geschenk überraschen, wenn man via Instagram mitbekomme, dass er Geburtstag hat, nennt die Firma auf ihrer Website ein Beispiel. Zugleich können die Hyp3r-Kunden auf Basis der Daten aber auch mit ihren Werbeanzeigen gezielt Nutzer ansprechen, die sich bei der Konkurrenz aufhalten. Hyp3r baute eine Datenbank mit Tausenden Standorten von Hotels, Fitnessclubs oder Einkaufsläden auf.

Aus Sicht von Instagram verletzt die automatisierte Datensammlung die Nutzungsbedingungen. Hyp3r erklärte Business Insider dagegen, man sehe darin keinen Regelverstoß. Der Fall ist zugleich ein Beispiel dafür, wie auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen ausführliche Nutzerprofile aufgebaut und von der Werbeindustrie genutzt werden können. Dem Bericht zufolge nutzt Hyp3r auch automatische Bilderkennung bei den eingesammelten Fotos, um zum Beispiel auszuwerten, welche Gegenstände auf den Bildern zu sehen sind.

Instagram hatte den Zugang zu Ortsdaten über die offizielle Schnittstelle für Entwickler bereits im vergangenen Jahr gekappt. Aber Hyp3r habe einen Weg gefunden, trotzdem an die Informationen zu kommen, schrieb Business Insider. Unklar blieb, wieso Hyp3rs großflächige Datensammlung nicht von den Instagram-Systemen entdeckt worden war. Der Datenabgriff sei zugleich durch einen Fehler von Instagram begünstigt worden: Es sei zu einfach gewesen, ein Javascript-Verfahren auszulösen, mit dem Daten gebündelt abgerufen werden können. Business Insider beschrieb die Methode auf Ersuchen von Instagram nicht ausführlich, damit der Dienst Zeit hat, den Zugangsweg zu schließen.


Aus: "Marketingfirma: Instagram blockiert Marketingfirma wegen Datenmissbrauch" (8. August 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/internet/2019-08/hyp3r-instagram-marketingfirma-datenmissbrauch-regelverstoss

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diametral3.0 #1

Wenn das jetzt noch jemanden ernsthaft im Ansatz wundert, dem kann man nicht mehr helfen.


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jcrm2k #6

Crawling eben. Völlig normal. Wen das empört, der sollte sich erstmal informieren. Völlig normal für viele Websites. Amazon-Preistracker funktionieren genauso. Für Immobilienportale ebenfalls völlig normal. Es gibt viele Firmen, die damit ihr Geld verdienen. Hab sowas auch schon programmieren müssen, allerdings im B2B-Bereich. Bei den privaten Sachen da hätte ich mich als Entwickler verweigert.


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« Reply #241 on: August 14, 2019, 09:28:33 vorm. »
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[...] Nach Google, Apple und Amazon hat einem Medienbericht zufolge nun auch das weltweit größte soziale Netzwerk Facebook eingeräumt, dass Sprachaufnahmen einiger Nutzer von Menschen abgehört und abgetippt wurden. Betroffen seien Anwender des Messenger-Dienstes, die die Transkriptionsfunktion für Sprachunterhaltungen eingeschaltet hätten, wie das Unternehmen in einer Stellungnahme der Finanznachrichtenagentur Bloomberg mitteilte. Facebook beauftragte demnach Hunderte Unternehmen, um die Abschriften zu machen. Deren Mitarbeiter sollten prüfen, ob die Software die Sätze richtig verstanden hat.

Facebook zufolge habe das soziale Netzwerk die Erlaubnis der Nutzer gehabt. Die Nachrichten seien anonymisiert worden und die Praxis inzwischen eingestellt: "Genauso wie Apple oder Google haben wir die Praxis, Tonaufnahmen von Menschen abhören zu lassen, vergangene Woche pausiert", zitierte Bloomberg aus der Mitteilung.

Dem Bericht zufolge zeigten sich Mitarbeiter der beauftragten Firmen irritiert von den privaten Gesprächen mit teils vulgären Äußerungen. Sie hätten weder Informationen über den Ursprung der Aufzeichnungen erhalten, noch erfuhren sie, wofür Facebook die Transkriptionen nutzte.

Wegen der Auswertung von Aufzeichnungen durch Menschen gerieten in den vergangenen Wochen auch Amazon, Apple und Google unter Druck. Apple und Google versicherten, die Praxis mittlerweile beendet zu haben.

Facebook, dem die US-Verbraucherschutzbehörde Ende Juli wegen Datenschutzverstößen eine Rekordstrafe von fünf Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) auferlegt hatte, leugnete lange Zeit das Abhören aufgezeichneter Gespräche von Nutzern. Facebook-Chef Mark Zuckerberg tat Warnungen vor einer solchen Geschäftspraxis im April 2018 bei einer Anhörung im US-Kongress als "Verschwörungstheorie" ab. "Wir machen das nicht", versicherte er damals.

Später stellte Facebook klar, dass das Unternehmen nur auf das Mikrofon eines Nutzers zugreife, wenn dieser zugestimmt habe. Laut Bloomberg legte der Konzern aber nicht offen, was er mit solchen Aufnahmen machte.


Aus: "Facebook ließ Sprachaufnahmen von Nutzern abhören und abtippen" (14. August 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2019-08/datenschutz-facebook-sprachaufnahmen-abhoeren-abtippen

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Strawberry Sundae #2.1

"Mensch, wer konnte so etwas ahnen...."

Ich war auch total ueberrascht... ;-)


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« Reply #242 on: August 28, 2019, 06:19:13 nachm. »
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[...] Eine Umfrageseite des Bayerischen Roten Kreuzes hatte den Trackingservice Facebook Pixel eingebunden - und dabei nicht bedacht, wie invasiv dieser Service ist. Jeder Klick auf einen Button wird aufgezeichnet. Facebook konnte so erfahren, ob ein Nutzer HIV hat oder Drogen konsumiert.

Eine Webseite, auf der blutspendewillige Personen prüfen können, ob sie für eine Spende infrage kommen, hat alle eingegebenen Daten an Facebook übertragen. Herausgefunden hat das die Süddeutsche Zeitung. Der Service, der vom Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes betrieben wird, nutzte Facebook Pixel, ein kostenloses Trackingwerkzeug des sozialen Netzwerks.

Der sogenannte Spende-Check fragt dabei sehr persönliche Daten ab. So wird der Nutzer etwa nach Krebserkrankungen, Diabetes oder HIV-Infektionen gefragt. Auch wird gefragt, ob man Drogen konsumiere. Dass derartige Daten mit höchster Vorsicht behandelt werden sollten, ist eigentlich selbstverständlich.

Die Webseite ist dabei so implementiert, dass alle Fragen auf einer einzigen Seite dargestellt werden. Der Nutzer klickt jeweils auf Ja oder Nein, implementiert sind diese als HTML-Buttons, die von einem Javascript-Code ausgewertet werden.

Wäre das Facebook-Tracking nicht, könnte man sogar argumentieren, dass dieses Design besonders datenschutzfreundlich ist. Denn die Umfrage wird komplett im Browser ausgewertet. Das Ergebnis wird dem Nutzer direkt mitgeteilt, es werden keine Daten an die Webseite des Blutspendedienstes übertragen.

Bei Facebook Pixel könnte man anhand des Namens denken, dass hier ein Bild als Tracking-Pixel eingebunden wird. Doch der Service macht deutlich mehr. Um diese Funktion zu nutzen, muss ein Webseitenbetreiber Javascript-Code einfügen.

Der Code von Facebook Pixel sorgt dafür, dass jeder Klick auf einen der beiden Buttons an Facebook übertragen wurde. Verantwortlich dafür ist ein Feature, das Facebook Automatic Configuration nennt. Diese Funktion ist seit 2017 verfügbar und standardmäßig aktiviert. Durch eine entsprechende Option im Javascript-Code kann dies abgeschaltet werden.

Wenn die Automatic Configuration aktiviert ist, werden alle Klicks auf Buttons getrackt, jeder Klick löst eine Datenübertragung an Facebook aus. Dort wird auch mitübertragen, welche Beschreibung der Button trägt. Im Fall des Blutspendedienstes kann Facebook also theoretisch sehen, wer Ja oder Nein geklickt hat. Zumindest bei Nutzern, die selbst Facebook nutzen und gerade eingeloggt sind, könnte der Konzern die Daten auch problemlos mit dem jeweiligen Profil des Nutzers in Verbindung bringen.

Ob Facebook diese Daten wirklich auswertet, ist zweifelhaft. Die Pixel-Funktion ist auf Millionen von Webseiten eingebunden; um tatsächlich herauszufinden, welche Buttons ein Nutzer klickt, müsste Facebook die Reihenfolge der Klicks auswerten. Es ist kaum anzunehmen, dass Facebook seine Datenauswertung hier auf eine einzelne, wenig bedeutende Webseite anpasst. Trotzdem ist die Datenübertragung natürlich extrem problematisch und dürfte auch gegen Datenschutzgesetze verstoßen.

Inzwischen hat der Blutspendedienst den Facebook-Code von der Webseite entfernt. Nach wie vor ist in der Webseite externer Javascript-Code von einem Adobe-Fontservice und von einem Service namens Addsearch eingebunden. Diese übertragen aber keine Daten, die der Nutzer eingibt.

Das Problem dürfte sich nicht auf diese einzelne Webseite beschränken. Es ist anzunehmen, dass viele Webseiten Facebook Pixel einbinden, ohne sich über das Ausmaß der Datenaufzeichnung im Klaren zu sein.

Der Blutspendedienst hat inzwischen eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin bestreitet der Blutspendedienst das Problem nicht, bezeichnet es aber als "rein theoretisch" und weist darauf hin, dass eine Datennutzung durch Facebook rechtswidrig wäre.

Auch Facebook meldete sich mit einer Stellungnahme bei uns. Demnach verbietet Facebook explizit die Nutzung von Pixeln in dieser Form: "Für die Verwendung des Pixels haben wir klare Regeln für Werbetreibende: Es dürfen keine sensiblen Nutzerdaten wie Informationen zu Gesundheit oder Finanzen an uns geschickt werden."


Aus: "Blutspendedienst übermittelt private Daten an Facebook" Hanno Böck (27. August 2019)
Quelle: https://www.golem.de/news/tracking-blutspendedienst-uebermittelt-private-daten-an-facebook-1908-143457.html

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« Reply #243 on: September 05, 2019, 09:13:39 vorm. »
Quote
[...] Google und seine Videoplattform YouTube müssen 170 Millionen Dollar Strafe zahlen, weil sie widerrechtlich persönliche Informationen von Kindern gesammelt haben. Das teilte die US-Kartellbehörde FTC mit. Die Zahlung ist demnach Teil eines Vergleichs zwischen den Firmen einerseits sowie der FTC und der New Yorker Generalstaatsanwaltschaft andererseits. Den beiden Internetfirmen wird vorgeworfen, mithilfe sogenannter Cookies Informationen über Nutzer von YouTube-Kinderkanälen gesammelt zu haben, ohne zuvor die Erlaubnis der Eltern eingeholt zu haben. Ziel war demnach, auf Basis der Daten gezielte Werbeanzeigen verbreiten zu können und damit Geld zu verdienen.

Die FTC sprach von einer Rekordstrafe. Google verbuchte allein im vergangenen Quartal einen Gewinn von knapp 9,95 Milliarden Dollar.

Mit der Praxis verstießen Google und YouTube nach Ansicht der Behörden gegen ein Gesetz aus dem Jahr 1998. Dieses verbietet es, Daten von Kindern unter 13 Jahren zu sammeln. 2013 wurde das Gesetz um den Zusatz ergänzt, dass diese Regelung auch für Cookies gilt. Mit diesen können Internetseiten zurückverfolgen, wofür sich ihre Nutzer interessieren. Die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James warf Google und YouTube Machtmissbrauch vor.

Die Ermittler nahmen speziell YouTube-Kanäle von Spielzeugherstellern wie Mattel und Hasbro ins Visier. Dort sei personalisierte Werbung geschaltet worden. Die Plattform habe wissentlich in Kauf genommen, dass dafür auch Daten über die YouTube-Nutzung durch Kinder erhoben worden seien, lautet der Vorwurf. Der Vergleich ist – wie in den USA oft üblich – nicht mit einem Schuldeingeständnis verbunden.

Die beiden FTC-Mitglieder aus der Demokratischen Partei stimmten gegen den Vergleich, weil er ihnen nicht weit genug ging. Die Republikaner halten jedoch einen Sitz mehr in der Behörde.


Aus: "YouTube zahlt Millionenstrafe, weil es Kinderdaten sammelte" (4. September 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2019-09/google-tochter-youtube-kinderdaten-rekordstrafe-datenschutz

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« Reply #244 on: September 18, 2019, 10:15:40 vorm. »
Quote
[...] Wahrscheinlich könnten die amerikanischen Geheimdienste problemlos herausfinden, dass Sie gerade diesen Text lesen. Und auch, wann Sie zuletzt eine E-Mail verschickt oder mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin telefoniert haben. Oder dass Sie sich gerade vor Ihrem Bildschirm am Kinn kratzen.

Noch vor wenigen Jahren hätten diese Sätze wie Paranoia geklungen – oder zumindest selbstbezogen. Es schien abseits von Science-Fiction- und Hollywoodfantasien nicht vorstellbar, dass die amerikanischen Geheimdienste jegliche Kommunikation aller Menschen weltweit speichern könnten. Dass sie jeden von uns ins Visier nehmen würden und diese Daten dann auch noch durchsuchen würden. Im Hintergrund, ohne das Wissen der Öffentlichkeit geschehen.

Seit dem 6. Juni 2013 ist klar, dass dies der Realität ziemlich nahe kommt. Damals erschien ein Bericht im britischen Guardian mit dem nüchternen Titel "NSA collecting phone records of millions of Verizon customers daily": Die amerikanische National Security Agency (NSA) speichere täglich die Anruflisten aller Kundinnen und Kunden des Telekommunikationsdienstleisters Verizon. Der Bericht war der Anfang einer ganzen Kaskade von Artikeln, die einen unfassbaren Skandal aufdeckten: Die amerikanischen Geheimdienste überwachten Menschen weltweit – ohne dass die davon wussten. Unter Aufsicht einer demokratischen Regierung spionierten sie den Globus aus.

Die Quelle für diese Berichte waren Dokumente, die direkt aus der NSA kamen; von einer Person, die selbst einmal an diesem System mitgearbeitet, es durch ihre fachlichen Kenntnisse mitermöglicht hatte: Edward Snowden. Heute ist sein Name mit der NSA-Affäre, seine persönliche Geschichte mit den Veröffentlichungen verwoben. Es ist die Geschichte eines Mannes, der ursprünglich nur seinem Land dienen wollte – und schließlich einige seiner größten Geheimnisse enthüllte.

Der Weg von Edward Snowden wurde schon etliche Male in verschiedenen Varianten nachgezeichnet; in Zeitungsartikeln seine beruflichen Stationen, in der Dokumentation Citizenfour seine Enthüllungen in einem Hongkonger Hotelzimmer und in dem Hollywoodfilm Snowden mit Joseph Gordon-Levitt in der Hauptrolle sein restliches Leben. Einige Details gab Snowden auch selbst preis. Seine Autobiografie Permanent Record, die nun erschienen ist, könnte daher eine langweilige Nacherzählung dessen sein, was man sowieso schon irgendwie wissen konnte; ein mit Anekdoten gespickter Lebenslauf.

Aber Snowden schafft es, dem mehr hinzuzufügen. Er erzählt die Geschichte des Internets mit dem er groß wurde, von ersten anarchischen Strukturen in den Achtzigern bis zum Web heute, das längst von großen Unternehmen kontrolliert wird. Snowden zeichnet die jüngere Geschichte Amerikas, wie der 11. September die USA auf ihren Weg zum Sicherheitsstaat lenkte. Und seine individuellen Entscheidungen macht er verständlich, indem er die Überwachungssysteme und das Rechtssystem erklärt. Snowdens Autobiografie liest sich wie ein Plädoyer für die Privatsphäre. Und auch wie eine Bitte um Verständnis für seine Entscheidungen.

Man muss sich das bewusst machen: Die NSA entwickelte zahlreiche Tools, um den Internetverkehr zu überwachen. Ein digitales Werkzeug, das dabei besonders stark in die Privatsphäre von Nutzerinnen und Nutzern eindrang, hieß Turbulence. Damit konnte die Behörde jede URL weltweit prüfen. Tippte jemand etwa google.com in den Browser ein, durchlief diese Anfrage auch Server in Telekommunikationsfirmen und Botschaften. Ein weiteres Werkzeug namens Turmoil sammelte diese Daten – abgesehen von der URL etwa das Land, aus dem die Anfrage gestellt wurde. Schien irgendetwas verdächtig, wurde die Anfrage weiter an das Werkzeug Turbine geleitet, das sie auf die Server der NSA verwies. Automatisiert wurden dann Exploits, also Schadprogramme, mit der URL an den Nutzer geschickt. Während der also dachte, er würde schlicht Google abrufen, konnte die NSA von nun an alle seine Daten überwachen. So beschreibt es Snowden. Massenüberwachung per Mausklick.

Nur warum schien das außer Snowden niemand bei der NSA fragwürdig zu finden? Wie konnte es sein, dass niemand früher an die Öffentlichkeit ging? Zwar skizziert der Whistleblower in seinem Buch durchaus einzelne Verstöße, die Mitarbeiter begingen oder von denen sie wussten. Erzählte er seinen Kollegen von seinen Bedenken, erntete er oft nur ein Schulterzucken: "Was will man machen?"

Vielleicht war ihnen das Ausmaß der Überwachung gar nicht bewusst. Kein einzelner Agent habe jemals einfach zufällig während seiner Tätigkeit von allen Aktionen etwas mitbekommen können, schreibt Snowden. Auch weil die auf vielfältige technische Art und Weise begangen wurden. "Um auch nur die Spur einer strafbaren Handlung zu entdecken, musste man danach suchen. Und um danach suchen zu können, musste man wissen, dass es sie gab."

Es ist wahrscheinlich relativ leicht zu beantworten, warum Edward Snowden zum Whistleblower wurde: Ihn plagten sein Wissen und sein Gewissen. Schwieriger ist zu beantworten, wie seine Zweifel entstanden. Permanent Record zeigt: Es gab nicht die eine Situation, die besondere Grenzüberschreitung, die pikante Information, die Snowden zu seinem Schritt inspirierten.

Es begann banal: Er sollte auf einer Konferenz einen Vortrag über Chinas Fähigkeiten halten, amerikanische Agenten elektronisch zu verfolgen. Bei der Vorbereitung stieß er auf ein System totalitärer Kontrolle. Er las über Mechanismen und Geräte, mit denen Chinas Regierung täglich Anrufe und Internetverbindungen ihrer Bürgerinnen und Bürger sammelte, speicherte und auswertete. "Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass die USA so viele Informationen über das Treiben der Chinesen besaßen, ohne genau die gleichen Dinge zumindest ansatzweise auch selbst getan zu haben", schreibt Snowden. Es war nicht mehr als ein Verdacht. Einer, der ihn nicht mehr loslassen sollte.

Wie jemand, der Betrug in einer langjährigen Beziehung wittert, dämmerte es auch Snowden: Die ersten Zweifel kann man noch verdrängen, es gibt schließlich immer eine Erklärung. Aber irgendwann plagt einen das Unwissen, man will mehr herausfinden, fängt an zu recherchieren – auch wenn man vielleicht noch nicht weiß, wonach man sucht. Zumindest unterbewusst hat man da schon entschieden, dass man den tatsächlichen oder vermeintlichen Vertrauensbruch nicht länger hinnehmen will. 

Snowdens eigentliche Recherchephase begann auf Hawaii, an einem Ort, der The Tunnel genannt wird. Sein Büro lag unterhalb eines Ananasfeldes und hinein gelangte man über einen Tunnel. Seine aktive Suche nach Übergriffen der NSA habe nicht damit begonnen, dass er Dokumente kopiert, sondern dass er sie gelesen habe, schreibt Snowden. Er baute ein eigenes System, mit dem er Informationen aus allen möglichen Netzwerken zusammentrug. Seinen Chefs verkaufte er es als Forum für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter: Sie würden alle die Dokumente sehen, die für sie relevant waren.

Die Ironie: Fast alle Dokumente, die Snowden später Journalistinnen und Journalisten übergeben würde, stammten aus diesem System, heißt es in dem Buch. Der damalige Geheimdienstmitarbeiter schmuggelte sie in SD-Karten auf Zauberwürfeln, im Mund oder einfach in der Hosentasche aus dem Gebäude. Unbemerkt.

Doch so sehr die von ihm gesammelten Erkenntnisse auch einschlugen: Blickt man zurück, scheint sich wenig verändert zu haben. Gesetze wie die europäische Datenschutzgrundverordnung vermitteln zumindest europäischen Bürgerinnen mehr digitale Rechte. Die NSA sammelt offenbar nicht mehr die Anruflisten aller Amerikanerinnen und Amerikaner. Und der Webverkehr ist mittlerweile oft verschlüsselt (selbst Messenger wie WhatsApp).

Und doch bleibt da das Gefühl, dass vielleicht irgendwo jemand permanent mithört, mitaufzeichnet, mitliest. Denn wenn irgendwas nach den Snowden-Enthüllungen klar ist, dann das: Der geheimdienstliche Durst nach Informationen wird niemals gestillt sein. Das zeigt sich auch in Deutschland, wo das Bundesinnenministerium gerne Hintertüren in verschlüsselte Kommunikation einbauen will. Obwohl das Ziel von Verschlüsselung das Gegenteil meint.

Machtlos sind Bürgerinnen und Bürger aber nicht. Verschlüsselung sei der einzig wirkliche Schutz gegen Überwachung, schreibt Snowden in seinem Buch. Jede Nation habe ihren Rechtskodex, doch der Computercode sei für alle gleich. Es sei einfacher, ein Smartphone zu verschlüsseln, als ein Gesetz zu verändern. Nun hat natürlich nicht jeder die IT-Kenntnisse von Snowden, das ist klar. Allerdings gibt es relativ einfache Wege, zumindest schon mal die eigenen E-Mails vor Mitleserinnen und Mitlesern zu schützen.

Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft von Edward Snowden: Jeder kann sich wehren. Den Veröffentlichungstermins seines Buches wählte der Whistleblower aus seinem Asyl in Moskau nicht zufällig. In einem Video auf Twitter weist er darauf hin, dass der 17. September auch der Constitution Day in den USA ist: Vor genau 232 Jahren wurde an diesem Tag die amerikanische Verfassung unterzeichnet.

Im vierten Zusatz der US-Verfassung heißt es: "Das Recht des Volkes auf Sicherheit der Person und der Wohnung, der Urkunden und des Eigentums, vor willkürlicher Durchsuchung, Verhaftung und Beschlagnahmung darf nicht verletzt werden, und Haussuchungs- und Haftbefehle dürfen nur bei Vorliegen eines eidlich oder eidesstattlich erhärteten Rechtsgrundes ausgestellt werden und müssen die zu durchsuchende Örtlichkeit und die in Gewahrsam zu nehmenden Personen oder Gegenstände genau bezeichnen." Kurz: Ohne Verdacht darf es keine Durchsuchung geben.

Versteht man das Internet als digitalen Raum, müsste dieser Zusatz auch dort gelten.

Edward Snowden:  Permanent Record – Meine Geschichte
S. Fischer Verlag, 2019; 432 Seiten



Aus: ""Permanent Record": Weil die wissen, was Sie tun" Eine Rezension von Lisa Hegemann (17. September 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2019-09/permanent-record-edward-snowden-whistleblower-cia-nsa-autobiografie-rezension/komplettansicht

Quote
Minilieb #2.1

Letztendlich bestätigt er, dass unser Werte- und Demokratiekonstrukt solange trägt, wie niemand richtig hinsieht. Diese Erkenntnis ist bedrückend. Ja, wir leben in einer Demokratie, haben ein Grundgesetz, benehmen uns zivilisiert.

Letztendlich ist das behördliche Misstrauen und der Datenmissbrauch aber kaum geringer als das totalitärer Staaten. Chinas Massenüberwachung und -kontrolle erscheint uns schauderlich. Aber wie lange würde es dauern auch bei uns ein ähnliches System scharf zu schalten und ähnlich zu nutzen. Wir arbeiten daran. Wir digitalisieren alles und jedes, bauen Kameras überall auf um uns sicherer zu fühlen, freuen uns über digitale Bezahlmöglichkeiten, stellen uns Wanzen ins Zimmer und erkennen nicht, dass wir uns selbst wegsperren.

Die freie Bewegungsfreiheit ohne das Wissen anderer wird in nicht allzulanger Zeit nicht mehr gegeben sein. Unsere Freiheit werden unsere Kinder nicht mehr haben. Im besten Fall werden sie sie nicht vermissen...


Quote
Robert Nozick #2.5

Edward Snowden ist den USA wohl eher ein Straftäter, der Landesverrat begangen hat und damit im Zweifel Menschen in Gefahr gebracht hat.
Und ich schließe mich dieser Einschätzung ausdrücklich an.


Quote
Minilieb #2.6

"Edward Snowden ist den USA wohl eher ein Straftäter, der Landesverrat begangen hat und damit im Zweifel Menschen in Gefahr gebracht hat."

Exakt das trifft auf jeden zu, der im Dritten Reich Widerstand geleistet hat. Gesetzesbrecher, die im Zweifel Menschen in Gefahr gebracht haben. Ob den Führer, die SS, die Gestapo, die Wehrmacht oder aufgrund Spionageaktivitäten den Endsieg gefährdeten. Sie alle haben "Landesverrat" begangen und Menschen gefährdet...


Quote
Robert Nozick #2.7

Nun, wenn sie die USA und das "Dritte Reich" gleichsetzen haben Sie selbstverständlich Recht. Allerdings disqualifiziert sich damit ihre Aussage von selbst.


Quote
Minilieb #2.8

Ich setzte nicht die USA mit den Nazis gleich sondern prüfe die Tragfähigkeit Ihrer Argumentation und stelle fest, dass es so einfach wohl nicht ist...


Quote
Hugo von Bahnhof #2.13

"Edward Snowden ist ein moderner Held..."

Da bin ich völlig eiverstanden. Nur habe ich in ZON viele verschiedene Aufrufe zu vielen verschiedenen Aktionen gelesen. Nur der Aufruf dazu, dass Snowden Asyl in Deutschland bekommt, habe ich wahrscheinlich übersehen. ...


Quote
deDude #10

Snowden hat auf die Frage was er am meisten fürchtet bzgl. seiner Enthüllungen mal gesagt "Das die Leute es zur Kenntnis nehmen, aber keinerlei Konsequenzen daraus gezogen werden" ...


Quote
Nr.27 mit extra Käse #15

Kann mich noch gut erinnern, wir hatten in der Firma eine zeitlang einen selbstständigen konstrukteur der sich geweigert hat sein Rechner ans Netz zu hängen. Der hat ständig gesagt" ihr glaubt gar nicht was da alles überwacht wird" der hatte Angst um seine Daten.
Damals hat man den nicht für voll genommen, Aluhut und so weiter.
Zwei Jahre später hat dann Snowden ausgepackt.


...