Author Topic: ["Freiheit statt Angst"... ]  (Read 2098 times)

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Offline Thomasio

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["Freiheit statt Angst"... ]
« on: November 08, 2007, 05:35:39 PM »
„Überwachung? – Oh…, es geht wieder los, was?“



  Schließlich stehen zwei – bis dreihundert Leute auf dem dunklen Rathausplatz. Ein kalter Wind fegt uns um die Ohren. Etwas abseits steht ein Polizeiwagen, darin zwei gelangweilte Polizisten, die auf ihren Feierabend warten. In Berlin mussten sie noch Überstunden leisten.
  Es gibt die sich wiederholenden Reden, die die geplanten Gesetze noch einmal zusammenfassen und in ihrer weitreichenden Fülle den kalten Wind noch kälter erscheinen lassen. Für die, die sich eingefunden haben, ist es nichts Neues. Diejenigen, die nicht kommen, werden es nicht erfahren. Zum Schluss lesen wir gemeinsam das Grundgesetz und einige müssen dabei anfangen zu lachen. Immer wieder ertönt zwischendurch die Kindertröte von Sterni, der das `Verfassung – Happening` musikalisch begleitet. Die fünfminütige Schweigeminute wird auf eine Minute herunter gehandelt, weil es zu kalt ist. 
  Am Abend erzählt mir Kerstin, dass in Bremen auch nicht mehr als dreihundert Demonstranten waren. Eine Freundin von ihr wollte nicht mitkommen, da sie sich nicht für Politik interessiert. Doch auf der Demo sieht Kerstin den jungen charmanten Mitstudenten, auf den ihre Freundin ein Auge geworfen hat. Sie ruft sie sogleich von ihrem Handy an und innerhalb von zwanzig Minuten findet sie sich auf der Demo ein, doch er ist vor einigen Minuten schon gegangen, da es unaufhörlich regnet. Da sie schon mal da ist, hört sie sich auch die Reden an, und findet Politik plötzlich doch interessant… 
« Last Edit: January 29, 2008, 07:59:34 PM by Thomasio »

Offline Thomasio

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Neulich beim Arzt...
« Reply #1 on: January 29, 2008, 08:29:10 PM »
...da fühlte ich mich irgendwie beobachtet. Wir vereinbarten gerade die nächsten Termine, als ein leises Surren meine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Direkt über dem Empfangstresen und etwas über Kopfhöhe an der Wand angebracht, starrte mich eine kleine, schwarze Überwachungskamera an. Etwa ein Mal pro Minute tasteste sie surrend den Raum von rechts nach links ab und blieb dann wieder in der Mittelstellung stehen. 
  "Irgendwie passt sie hier nicht hinein..." sagte ich zur Arzthelferin, die sich gerade mit leeren Kugelschreibern abmühte, und erwähnte den halblauten Satz eher als ästhetische Frage, da die Praxis in einem warmen, anthroposophisch angehauchten Stil eingerichtet war.   
  "Was meinen Sie?" fragte sie, ohne den Kopf zu heben.
  "Die Kamera."
  "Ach so..." der dritte Kugelschreiber schien endlich zu funktionieren. "Ja, sie ist ein bißchen klein geraten, finden Sie auch?!"