Author Topic: [Anonymität... (Notizen)]  (Read 17017 times)

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[Anonymität... (Notizen)]
« on: September 17, 2007, 12:12:33 PM »
"Schnell wird der Einzelne Opfer des Mobs; die Gefahr von Wiki-Lynchjustiz halte ich für sehr real. In der Wikipedia-Welt bestimmen jene die Wahrheit, die am stärksten besessen sind. Dahinter steckt der Narzissmus all dieser kleinen Jungs, die der Welt ihren Stempel aufdrücken wollen, ihre Initialen an die Mauer sprayen, aber gleichzeitig zu feige sind, ihr Gesicht zu zeigen." - Jaron Lanier, DER SPIEGEL Nr. 46/2006, S. 182f


-.-

Quote
[...] Anonymität (von griechisch ανόνυμος = namenlos) ist die Geheimhaltung der Identität einer Person, einer Gruppe, einer Institution oder einer agierenden Struktur. Auch können sich zum Beispiel Computersysteme anonym oder offen erkennbar an einem anderen System anmelden beziehungsweise einloggen.

Verwandt damit ist das Pseudonym (=Kunstnamen) von Politikern, Künstlern, Schriftstellern oder Journalisten, da auch diese dazu dienen können, die Privatsphäre zu schützen.

Das lateinische inkognito bezeichnet das unerkannte Auftreten "in die Masse tauchen" einer prominenten Persönlichkeit [ ] in der Öffentlichkeit.


Aus: "Anonymität" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Anonymit%C3%A4t

-.-

Quote
[...] Bei Aktivitäten im Internet fühlen sich viele Benutzer anonym. Diese Anonymität ist jedoch trügerisch. Ohne Schutzmaßnahmen erfährt die Gegenseite bei der Kommunikation die IP-Adresse des Benutzers. Doch auch Cookies, Browserinformationen oder zuletzt besuchte Seiten können ohne Wissen des Anwenders weitergegeben werden.

Mit der IP-Adresse eines Benutzers kann der Anbieter von Internetdiensten die tatsächliche Identität des Benutzers in der Regel nicht ermitteln, er kann jedoch Hinweise wie den Provider und oft auch noch Land und Region herausfinden, wenn der Benutzer sich nicht schützt. Die Identität eines Internetbenutzers kann jedoch häufig durch eine Anfrage der Strafverfolgungsbehörden beim jeweiligen Provider festgestellt werden: Die meisten Provider speichern mehrere Tage oder Wochen lang, wer wann welche IP-Adresse hatte, obwohl ihnen genau diese Speicherung vom Gesetz verboten wird (§ 96 TKG).

[...] Für viele Probleme hinsichtlich Anonymität gibt es technische Lösungsmöglichkeiten. Die größte Gefahr stellt jedoch der unbedarfte Umgang mit den eigenen Daten dar. So geben immer mehr Kunden ihre Daten freigiebig für Bonussysteme wie Kundenkarten oder für Preisausschreiben heraus, ohne zu wissen, was mit diesen geschieht.

[...] Strafverfolgungsbehörden haben Schwierigkeiten mit der Aufklärung, wenn bei über das Internet verübten Verbrechen solche Verschleierungsmechanismen genutzt werden. Daher wird von ihrer Seite eine Einschränkung oder sogar eine Illegalisierung solcher Dienste gefordert. Andererseits wird von Verfechtern der Anonymität argumentiert, dass gerade durch Anonymität die Sicherheit des Einzelnen, aber auch der Gesellschaft als Ganzes erhöht werden kann, da anders ein Missbrauch von legal oder illegal gesammelten Daten in der Praxis nicht zu verhindern ist. So ist es etwa jedem Provider von Internetdiensten, aber auch dem Arbeitgeber am Internetarbeitsplatz oder auch nur einem technisch versierten Bastler mit Zugang zur Telefonverteileranlage in einem privaten Wohnhaus ein leichtes, Verbindungs- und Kommunikationsdaten auszuspähen. Damit könnte ein sehr detailliertes Persönlichkeitsprofil des jeweiligen Internetnutzers erstellt werden. Trotz Datenschutzgesetzen ist solch ein Missbrauch in der Praxis, z. B. auch durch einzelne kriminelle Angestellte eines Providers mit Zugang zur Infrastruktur, praktisch nicht immer zu verhindern.


Aus: "Anonymität im Internet" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Anonymit%C3%A4t_im_Internet

« Last Edit: June 08, 2016, 04:55:31 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Selbstdatenschutz... (Notizen)]
« Reply #1 on: September 17, 2007, 12:19:22 PM »
Quote
[...] Selbstdatenschutz bedeutet, die Gefahren hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit kennenzulernen und selbst aktiv Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Insbesondere durch die weltweite Vernetzung gibt es in Bezug auf personenbezogene Daten neue Bedrohungen in bis dahin nie gekanntem Ausmaß. Problematisch ist an der Internettechnologie vor allem, dass sie bereits einen sehr hohen Komplexitätsgrad erreicht hat. Selbst einzelne Fachleute sind heute nicht mehr in der Lage, die gesamte Technik zu überblicken. Durch weitere Neuentwicklungen dieser Technik steigert sich die Komplexität von Tag zu Tag.

Beispiele aus der Praxis:

    * Ein Jugendlicher wendet sich mit einem Problem an eine Onlineberatungsstelle per herkömmlicher E-Mail. Es geht um Probleme mit der eigenen Familie (der Vater ist gewalttätig). Der Jugendliche hat ein eigenes Mailkonto des Zugangsproviders. Der Vater besitzt jedoch das Masterpasswort und lässt sich alle Mails in Kopie zusenden.

    * Beim Surfen gelangt ein Trojanisches Pferd auf den privaten PC eines Internetnutzers. Dieser hat weder Antivirensoftware installiert, noch wird der PC regelmäßig mit einem anderen Programm untersucht, das Spyware erkennen kann. Dieser PC kann nun aus der Ferne komplett überwacht und sogar ferngesteuert werden. Es gibt im Netz sogar Tools, die automatisch nach solchen mit trojanischen Pferden infizierten PCs (sogenannten Zombies) suchen.

    * Eine Frau kommuniziert per E-Mail mit ihrem Scheidungsanwalt. Ihr Ex-Mann hat sich Zugriff auf die Zugangsdaten des Mailkontos verschafft. Dieser kennt nun im Voraus jeden geplanten Schritt der Ehefrau und weiß um die möglichen Konsequenzen seines Verhaltens. Weder die Ehefrau noch deren Anwältin ahnen, dass der Prozessgegner genau informiert ist.

    * Ein Mitarbeiter hat Probleme mit seinem Vorgesetzten. Über den Dienstaccount wendet er sich an eine Beratungseinrichtung zum Thema Mobbing. Der Vorgesetzte lässt sich die E-Mails über den Administrator der Firma zusenden.

    * Ein junger Mann bewirbt sich um eine Anstellung bei einem international tätigen Unternehmen. Dieses Unternehmen arbeitet mit einer illegal tätigen Auskunftei zusammen. Durch gezieltes Phishing, Pharming und Spoofing werden alle webbasierten Accountdaten der Zielperson verdichtet und ausgewertet. Dabei stellt sich heraus, dass die Zielperson bei einem Kontaktportal ein schwules Profil unterhält, aufgrund psychischer Probleme mehrere Anfragen an webbasierte Onlineberatungen gerichtet hat und es zu regelmäßigen Kontoüberziehungen kommt. Bei einem Internet-Auktionshaus tritt die Zielperson durch regelmäßiges Aufkaufen von Münzen und Second-Hand-Jeans in Erscheinung. Die verdichteten Profildaten reichen der zuständigen Personalabteilung aus, um die eingereichte Bewerbung negativ zu bescheiden.

    * Die Passwörter zur Abfrage von Mailservern werden i. d. R. ohne Verschlüsselung im Netz transferiert. So ist es möglich, weltweit auf die Mailbox eines Ratsuchenden zuzugreifen. Bei sensiblen Themen wird der E-Mailnutzer somit erpressbar.


Die meisten Verbraucher kennen die Gefahren nicht, die damit verbunden sind, persönliche Daten herauszugeben. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Internetnutzer der fälschlichen Meinung sind, das Internet wäre anonym. Sie sind sich der Bedrohungen eines in Wirklichkeit „offenen Netzes“ nicht bewusst.

Kryptografie findet in der Internetkommunikation noch wenig Anwendung. Dies liegt vor allem daran, dass den Anwendern die Gefahren oft nicht bewusst sind und dass sie den Umgang mit Verschlüsselungstechnik nicht gelernt haben. Dies ist vor allem bei E-Mails problematisch.

In einer Informationsgesellschaft bedarf es daher der Aufklärung und entsprechender Bildungskonzepte, die Bürgern und Verbrauchern helfen, sich auch beim Surfen im WWW und erst Recht bei finanziellen Transaktionen im Internet zu schützen. Für einen angemessenen Selbstdatenschutz ist also notwendig, dass sowohl verlässliche Informationen bereitgestellt als auch Technologien zum Schutz der persönlichen Daten entwickelt werden. Nur wenn das Wissen der Nutzer und die technischen Lösungen der Komplexität der Technik gerecht werden, können die Risiken wirksam minimiert werden.


Aus: "Selbstdatenschutz" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstdatenschutz

-.-

"Informationelle Selbstbestimmung im Internet mit Firefox, NoScript, JAP/JonDo, Tor, GPG/PGP und Mixminion" (Jens Lechtenbörger, 2007)
Quelle: http://www.informationelle-selbstbestimmung-im-internet.de/

« Last Edit: September 17, 2007, 12:20:56 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Das nennt man das Lebensrisiko... (Notizen)]
« Reply #2 on: September 17, 2007, 12:31:11 PM »
Quote
[...] Kurz nach 0 Uhr an einem Sonntagmorgen Ende Juli soll die Polizei an die Wohnungstür des Düsseldorfer Betreibers eines Tor-Exit-Nodes, einem Server für das Anonymisierungsnetzwerk The Onion Router (Tor), geklopft haben. In einem Blog-Eintrag schreibt der Betroffene, dass die Polizei aufgrund eines Foren-Beitrags auf dem privaten Polizei-Forum CopZone seine Wohnung durchsucht und alle Rechner beschlagnahmt habe – den Server, der offenbar bei einem Hosting-Anbieter stand, hat die Polizei jedoch nicht angerührt. Der inkriminierte Forenbeitrag soll Bomben- und Morddrohungen gegen Mitarbeiter eines Arbeitsamtes enthalten haben und ist inzwischen nicht mehr abrufbar.

Da die IP-Adresse zum Forum-Beitrag durch das Anonymisierungsnetzwerk verschleiert wurde und auf den Tor-Exit-Node verwies, gingen die Ermittler offenbar davon aus, dass der Serverbetreiber den Beitrag verfasst hat. Dieser Irrtum konnte Stunden später geklärt werden. Unklar bleibt, warum zwar die Rechner des Düsseldorfers beschlagnahmt wurden, der Server jedoch nicht. Die Aktion habe den Serverbetreiber und seine Frau zu Tode erschreckt, er sei am Ende seiner Zivilcourage, schreibt er in seinem Blog-Eintrag. Daher schalte er den Server "wormhole.ynfonatic.de" ab.

Quote
17. September 2007 11:06
Bitte nicht einschüchtern lassen!
DerRico (449 Beiträge seit 27.11.00)

Diese Durchsuchung ist nach den vorliegenden Tatsachenbeschreibungen
völlig unzweck- und unrechtmäßig gewesen.
Falls die Unterschrift geleistet wurde, bei der man der Durchsuchung
zustimmt, ist diese ungültig.
Alle beschlagnahmten Gegenstände müssen zurückgegeben werden und
können für keinen Beweis verwendet werden.

So weit das Recht.

Dann: So siehts aus, Freunde. Es reicht ein vermuteter Absender eines
Forenbeitrages, um sämtliche Hardware wegzuschleppen. Es wird zwar
nix gefunden, aber derjenige ist erst mal sämtliche Daten und sein
Deck los, das man problemlos im Polizeiarchiv verschwinden lassen
kann.
Genau gegen so was gehts am Samstag auf die Straße. Damit wir uns
zeigen, damit wir Kontakte knüpfen, damit so was nicht ungenannt
bleibt.

An den Durchsuchten: Jetzt bitte nicht aufgeben, an Dir wurde Unrecht
verübt. Moralische Unterstützung findest Du hier im Forum. Einfach
nach Beiträgen Ausschau halten, die:
- grün bewertet wurden
- von Leuten geschrieben wurden, die Fakten aufzählen und wichtige
Links kennen
- NICHT mit "selbst Schuld" beginnen
- Betriebssysteme keine Wertung zukommen lassen

Finanzielle Unterstützung: Schwierig. Ist auch für mich Neuland.
Mal Twister fragen.

Kauft euch Kämme, es kommen lausige Zeiten....

R.


Quote
17. September 2007 10:08
Tor-Admins: Jetzt gaaanz ruhig bleiben!
Kozzah, Kozzah@tekworld.de (674 Beiträge seit 23.02.05)

Wenn ihr auch einen Tor-Server betreibt, lasst ihn weiter laufen,
keine Panik!

Wenn ihr dem deutschen Polizeistaat nicht in die Hände fallen wollt,
einfach in die letzte Zeile der Konfigurationsdatei

reject *:*

schreiben, dann arbeitet euer Tor-Server nicht mehr als Exit-Node und
taucht bei fraglichen Ermittlungen nicht auf, der Anonymität im Netz
helft ihr trotzdem weiter!

Deren Ziel war es nicht, einen Typen hops zu nehmen, der in nem Forum
mit was-auch-immer droht, deren Ziel war es, euch Angst zu machen!

Wenn wir unsere Server jetzt abschaltet, haben sie gewonnen!

Quote
17. September 2007 10:16
Richtig gemacht @Polizei
blindcoder (16 Beiträge seit 18.02.05)

So, mal fuer alle zum Mitschreiben.

Ich finde, die Behoerden haben groesstenteils richtig reagiert.
Ausser, dass sie den Server selbst nicht angefasst haben zumindest,
haben sie in meinen Augen richtig gehandelt.

Nur, weil es sich um einen Tor-Server handelt, heisst das noch lange
nicht, dass der Betreiber nicht auch der Autor der Dorhung ist.
Was hindert mich daran, einen Tor-Server zu betreiben (was ich ne
Weile gemacht habe), dann auf dem Server nen Firefox zu starten, per
X-Forwarding oder VNC lokal bediene, damit ne Bombendrohung absetze
(was ich NICHT gemacht habe) und dann behaupte, es waere aus dem Tor
Netzwerk gekommen?

Nein, ich bin kein Verfechter des "Wer nichts zu verbergen hat"
Pseudoarguments. Aber: Wer einen Tor-Server betreibt, muss sich der
moeglichen Konsequenzen bewusst sein. Dieser Vorfall ist eine davon.

Freundliche Gruesse,
blindcoder

Quote
17. September 2007 10:43
Re: Richtig gemacht @Polizei
blindcoder (21 Beiträge seit 18.02.05)

AlMiD schrieb am 17. September 2007 10:41

> blindcoder schrieb am 17. September 2007 10:16
>
> ...
> > Pseudoarguments. Aber: Wer einen Tor-Server betreibt, muss sich der
> > moeglichen Konsequenzen bewusst sein. Dieser Vorfall ist eine davon.
> ...
>
> Exakt das ist es! Auch bei Dir hat die Einschüchterungstaktik voll
> gegriffen: Berteibe einen Tor-Server und warte auf die Polizei.

HUUU! "Einschuechterungstaktik". Schoenes Wort haste da gefunden.
Was soll also deiner Meinung nach passieren? Bombendrohungen ab
sofort voellig ignorieren?

> "Es mejor morir de pie que vivir de rodillas"
Bleib doch bitte bei der deutschen Sprache, dann versteht man dich
vielleicht auch.

Quote
17. September 2007 11:03
Re: Richtig gemacht @Polizei
Tirofijo (mehr als 1000 Beiträge seit 24.06.03)

blindcoder schrieb am 17. September 2007 10:43

[...]

>
> > "Es mejor morir de pie que vivir de rodillas"
> Bleib doch bitte bei der deutschen Sprache, dann versteht man dich
> vielleicht auch.

Auch wenn man es dir übersetzt, wirst du es nicht verstehen.
Leute mit vorauseilendem Gehorsam können das nicht.

Quote
17. September 2007 11:08
Re: Richtig gemacht @Polizei
blindcoder (25 Beiträge seit 18.02.05)

Tirofijo schrieb am 17. September 2007 11:03

> blindcoder schrieb am 17. September 2007 10:43
>
> [...]
>
> >
> > > "Es mejor morir de pie que vivir de rodillas"
> > Bleib doch bitte bei der deutschen Sprache, dann versteht man dich
> > vielleicht auch.
>
> Auch wenn man es dir übersetzt, wirst du es nicht verstehen.
> Leute mit vorauseilendem Gehorsam können das nicht.

Ah, verstehe. Weil ich einen Tor-Server betrieben habe, mir angesehen
habe, was da drueber lief, und entschlossen habe, dass ich das nicht
unterstuetzen moechte, betreibe ich jetzt vorauseilenden Gehorsam.
Verstehe.
Was war nochmal der Name deines Tor-Exit-Nodes?




Quote
17. September 2007 11:45
Re: Richtig gemacht @Polizei
Tom Stein, Tom Stein (mehr als 1000 Beiträge seit 23.03.04)

blindcoder schrieb am 17. September 2007 10:16

> Ich finde, die Behoerden haben groesstenteils richtig reagiert.
> Ausser, dass sie den Server selbst nicht angefasst haben zumindest,
> haben sie in meinen Augen richtig gehandelt.

Zum Zeitpunkt der Durchsuchung wußte die Polizei vermutlich noch
nicht, dass es ein Tor-Server ist. Und da man nicht mal eben alles
glauben sollte, war es sicher richtig, dass trotzdem die Rechner vor
Ort erst einmal sichergestellt wurden.

Aber: Warum versucht die Polizei nicht vorher den Standort des
Servers zu ermitteln (z.B. über ein einfaches "traceroute" erfährt
man schon viel)? Ist die Polizei so unerfahren, dass sie jeden Server
am Standort des Besitzers wähnt und die Existenz von 1&1, Strato,
Server4You und wie sie alle heißen völlig ignoriert?

Insofern hat die Polizei vieles, aber definitiv nicht alles richtig
gemacht. Und ob eine Razzia in einem Privathaus unbedingt um 0 Uhr
statt wie sonst üblich um 6 Uhr stattfinden muss, sei auch zur
Diskussion gestellt.

> Nur, weil es sich um einen Tor-Server handelt, heisst das noch lange
> nicht, dass der Betreiber nicht auch der Autor der Dorhung ist.

Absolut richtig.

> Nein, ich bin kein Verfechter des "Wer nichts zu verbergen hat"
> Pseudoarguments. Aber: Wer einen Tor-Server betreibt, muss sich der
> moeglichen Konsequenzen bewusst sein. Dieser Vorfall ist eine davon.

Ja, wer handelt oder nicht handelt setzt sich damit Risiken aus und
muss neben den Konsequenzen des Handelns auch die aus dem Risiko von
Mißverständnissen entstehenden Konsequenzen tragen. Das nennt man das
(in unserer Vollkasko-Gesellschaft gerne ignorierte) Lebensrisiko.

Ich betreibe einen WLAN-Router und bin mir bewusst, dass dies kein
Freibrief für eigene Tätigkeiten sein kann - und umgekehrt fremde
Tätigkeiten zunächst einmal mir zugerechnet werden. Der Witz: Je
besser der Router abgeschirmt ist, umso schwieriger ist es im Falle
eines Hacks für mich, dem Richter klar zu machen, dass das Ding
gehackt werden konnte und daher ich nicht unbedingt verantwortlich
bin.

Tom




Aus: "Tor-Server-Betreiber stellt nach Razzia Anonymisierungsserver ab" (17.09.2007)
Quelle: http://www.heise.de/security/news/meldung/96070


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[Anonymität mit Schäuble-Masken... (Notizen)]
« Reply #3 on: September 24, 2007, 03:48:57 PM »
Quote
[...] Auch das Tragen von Schäuble-Masken, das vorher als Kunstaktion bei der Polizei angekündigt worden war, führte wegen angeblichen Verstößen gegen das Vermummungsverbot zu Polizeieingriffen.


Aus: "Schäuble mobilisierte mit" Peter Nowak (TP, 23.09.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26257/1.html


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[Das Ende der anonymen Surfer... (Notiz, Eugene Kaspersky)]
« Reply #4 on: December 17, 2007, 12:57:44 PM »
Quote
[...] "Früher oder später wird es keine anonymen Nutzer im Netz mehr geben“, sagte der russische Antiviren-Experte Eugene Kaspersky. Schon heute existiere eine Privatsphäre im Netz eigentlich nicht mehr. „Wenn die Polizei es wirklich will, erfährt sie auch, wer hinter einer Aktion steckt.“ Bei der rasant wachsenden Internetkriminalität komme es bei der Bekämpfung aber auch immer mehr auf eine internationale Zusammenarbeit an. Erforderlich wäre dafür eine Art „Internet-Interpol“, so der Chef der Antiviren-Software-Firma Kaspersky Lab.

Alle Netzwerke eines Landes wie Straßen, Strom- oder Kommunikationsleitungen gelten als sensible Infrastruktur und würden reguliert. „Nur das Internet ist noch anarchisch“, so Kapersky. Dass die Sicherheit des Datenverkehrs in der Verantwortung der jeweiligen Regierungen liege, zeige der jüngste Trend zu politisch motivierten Angriffen.

So sei zuletzt mit massiven Attacken auf Internetseiten aus Estland der dortige Datenverkehr lahmgelegt worden. Und mit gezielten Angriffen über Tauschbörsen sei ein Kollaps des lokalen Internets in zwei russischen Städten verursacht worden.

Für eine erfolgreiche Bekämpfung der immer gerisseneren Internetangriffe ist nach Meinung von Kaspersky auch ein Internetführerschein nötig. „Stellen Sie sich vor, ein Auto fährt auf den Straßen mit abgedunkelten Scheiben, ohne zugelassene Reifen und ohne jegliches Kennzeichen.“ Im Straßenverkehr sei so etwas undenkbar, im Internet aber nach wie vor Realität. Netznutzer bräuchten deshalb eine Art eindeutiger Identifikation, die sie bei allen Aktionen im Netz ausweise.
claf/dpa

Quote
M.Schulze (10.12.2007 17:42)
Die Normalbürger sind die Dummen
Jeden Hans und Franz der Abends ne runde im Internet surft wird man kontrollieren, aber die Terroristen die mit geklauten Handykarten mobil surfen wird man nie kriegen.

Quote
Loki (10.12.2007 13:30)
So ein Unfug!
Wer will der bleibt im Netz anonym! Heute, wie auch in Zukunft, das sollte K. eigentlich klar sein. Neue Reglementierungen treffen doch nur wieder Otto-Normalsurfer. Absolut sinnfrei. Und der Vergleich mit dem Straßenverkehr ist nur eines: lachhaft. Im Strassenverkehr werden Menschen körperlich verletzt, wenn was schief läuft. Im Netz nicht.

Quote
MatthiasP | 1 Kommentar (10.12.2007 00:47)
Gläsern ist die Gesellschaft ohnehin
Bestellen Sie doch einmal in einem Internetshop oder im Versandhaus und nutzen Sie dazu eine Kundenkarte oder ein Login für einen Onlineshop. 3% Rabatt oder mehr wird Ihnen gewährt, der Unternehmen möchte etwas über Sie wissen, genauer die Abteilungen Vertrieb / Marketing / Werbung. Schneller und einfacher als im Internet geht die Sammlung von Daten nicht.

Quote
MasterP (10.12.2007 00:40)
Für und wieder
Eine eindeutige Identifizierung von Usern ist ohnehin schon möglich, sobald man einen Computer beim Provider anmeldet. Durch die Userkennung lässt sich dies fast immer zurückverfolgen. Der Provider vergibt eine IP und einen Zeitstempel. IP Zeitstempel Zugangsdaten Der Inhaber des Internetzugangs. Andere Lösungswege wären wünschenswert, auch hinsichtlich der Privatsphäre.

Quote
puschelhenne | 11 Kommentare (09.12.2007 12:31)
Heute e-mail morgen mein Briefkasten. Das Internet muss unter das Gesetz des Briefgeheimnisses fallen.


Quote
tricom | 154 Kommentare (09.12.2007 10:20)
Mal wieder ne Behörde
Klar doch, ein Internetführerschein muss her, mit Tausenden von Beamten bei der zuständigen Behörde, mit Gebühren für die Erteilung, selbstverständlich braucht man dann auch noch Bußgelder. Und wer zu schnell surft, der bekommt den Schein dann entzogen. Da wiehert doch der Amtsschimmel schon wieder ganz laut.

Quote
JoGi (09.12.2007 05:24)
Er weiß, doch dass es nicht geht.
Der Herr Kapersky weiß doch ganz genau, dass sich das nicht flächendeckend (weltweit) durchsetzen lässt. Wer schlechtes im Sinn hat, dessen Möglichkeiten werden kaum begrenzt. Otto normal wird immer weiter ausspioniert. Eine Scheinsicherheit wird da vermittelt, und Kapersky verdient bestimmt gut daran. Der leichtgläubige Schäuble wird's ihm abnehmen. Auf dass alle CDU wählen, oder wehe....


Quote
Ben (09.12.2007 03:40)
Nicht mehr nutzen...
Nach einem solchen Statement werde ich garantiert nicht mehr irgendeine Software aus dieser Schmiede nutzen...


Quote
sxmgirl (09.12.2007 01:23)
Internet Privatsphäre
In 50 Jahren hat wahrscheinlich schon jeder einen Mikrochip implantiert. Die Veränderungen in Richtung Überwachung kommen schleichend durch die Hintertür.


Quote
sabine (08.12.2007 16:08)
Ohne Privatsphäre gibt es keine Freiheit
Wenn wir uns nicht mehr unbeobachtet informieren können, gibt es faktisch keine geheimen Wahlen mehr, denn welche Webseiten wir ansehen und was wir in Emails schreiben, läßt Schlüsse zu was wir wählen. Gasleitungen und der Straßenverkehr können Menschen töten. Das Internet nicht. Und daß dort JEDER seine Meinung äußern kann, ggf auch anonym, ist höchst wertvoll für die Demokratie.





Aus: "Internet - Das Ende der anonymen Surfer" (07.12.07)
Quelle: http://www.focus.de/digital/internet/internet_aid_228687.html


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[Hackerfreiräume und Anonymisierungsdienste... (Notiz, BRD)]
« Reply #5 on: December 29, 2007, 12:18:18 PM »
Quote
[...] Der Chaos Computer Club (CCC) hat keine Anzeichen für gezielte staatliche Repressionsmaßnahmen gegen die Betreiber von Servern für das Anonymisierungsnetzwerk Tor (The Onion Router) hierzulande. "Wir haben grundsätzlich positive Erfahrungen mit den Strafverfolgern gemacht", erklärte Julius Mittenzwei am gestrigen Donnerstag auf dem 24. Chaos Communication Congress (24C3) in Berlin. Der Rechtsanwalt betreut die Missbrauchsabteilung für die Anonymisierungsdienste, welche die Hackervereinigung in Form eines Tor-Servers und der Unterstützung des Projekts Java Anonymising Proxy (JAP) derzeit betreibt. Mit den Ermittlern könne man immer reden. Selbst die Beschlagnahme von Tor-Servern im September 2006 durch die Staatsanwaltschaft Konstanz sei "Beifang" größerer Ermittlungen wegen Kinderpornografie und damit aus Perspektive der damaligen Fahndungsarbeit "wohl rechtmäßig" gewesen.

Im vergangenen Jahr hatte Roger Dingledine, der Programmierer der freien Software für das Tor-Netzwerk, die deutschen Behörden noch als Vorhut im Kampf gegen datenschutzfördernde Techniken im Internet ausgemacht. Inzwischen scheinen Hacker und Strafverfolger dazugelernt zu haben. "Erdgeist" vom CCC führte "Strafverfolger mit Morgenbesuchen" zwar nach wie vor in seiner Liste der "natürlichen Feinde von Anonymisierungsdiensten" neben gestressten Providern oder "komplexen Setups" bei der Konfiguration des Tor-Clients.

Die meisten Ermittler würden derzeit vor allem aber eine schriftliche Bestätigung erhalten wollen, dass sie auch bei einer genauen Durchsuchung von Tor-Servern "nichts finden würden", erläuterte Mittenzwei. Es gehe ihnen darum, eine Akte damit möglichst rasch schließen zu können. Er müsse den Fahndern aber zuvor immer wieder genau erklären, warum ihnen in Fällen unter Einbezug von Anonymisierungsnetzen aufgrund ausbleibender Datenspeicherung "nicht viel weiter geholfen werden könne". Hilfreich seien auch Hinweise auf die Haftungsprivilegien für Provider im Telemediengesetz oder bei hartnäckigen Fällen auf die ursprüngliche Finanzierung von Tor durch die US Navy.

In den rund zwei Jahren, in denen der CCC bereits Anonymisierungsdienste anbietet, sind den Datenreisenden nach Angaben Mittenzweis 15 Anfragen von Staatsanwaltschaften, zwei Anordnungen zur Telekommunikationsüberwachung, zirka 25 Anfragen der Polizei sowie zwei Vorladungen ins Haus geflattert. Auch der Konstanzer Beschlagnahmungsaktion, die inzwischen laut dem Anwalt in Einstellungen der Verfahren ohne Tatverdacht endete, entging der Tor-Server des Clubs nicht. Bezeichnend ist, dass sich ausländische Ermittler überhaupt nicht wegen der Anonymisierungsangebote an den CCC wandten.

Keinesfalls beantwortet werden konnten laut dem Juristen Anfragen zur Herausgabe von Verbindungsdaten. Bei JAP hätten generell in die Zukunft gerichtete Abhörmaßnahmen aufgrund der dort vorgesehenen Überwachungsschnittstelle eingerichtet werden können. Bei einer Ermittlung aufgrund eines Wurms, der volksverhetzende E-Mails verschickt habe, sei diese aber wegen der Angabe einer falschen URL in der Anordnung ins Leere gelaufen. In einem Erpressungsfall habe eine IP-Adresse in den Log-Dateien ferner lediglich auf eine Karibikinsel verwiesen und die Spur sei so im Sand verlaufen. "Wer wirklich was zu verbergen hat, baut zwei, drei weitere Sicherheitsnetze ein", ist sich Mittenzwei daher sicher. "Die bösen Jungs wird man so eh nicht fangen." Diese würden im Zweifelsfall dann auch über gekaperte Internetrechner gehen.

Angesichts der drohenden Verpflichtungen zur Vorratsspeicherung von Verbindungs- und Standortdaten riet Mittenzwei zum Abwarten und Teetrinken. Ein Tor-Server-Betreiber der German Privacy Foundation (GPF) hatte jüngst davor gewarnt, dass privat unterhaltene Rechner für das Anonymisierungsnetzwerk aufgrund der strengen strafprozessoralen Anforderungen aus dem heftig umstrittenen Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung kaum noch aufrecht erhalten werden könnten. Dabei sind sich Experten einig, dass über DSL betriebene, auch nur zeitweilig für Tor geöffnete Ausgangsknoten (Exit Nodes) wichtig sind für das gesamte Anonymisierungsnetz. Hintergrund ist, dass sie keine statische IP-Adresse haben und somit weniger leicht auf eine Filterliste von Zensoren wandern können.

Trotzdem gab Mittenzwei das Motto "keine Panik" aus. Zum einen würden alle Bestimmungen aus der Gesetzesnovelle erst 2009 mit Bußgeldern durchgesetzt. "Wir können sie bis dahin komplett ignorieren." Bis zum Stichtag könne dann die ein oder andere Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung greifen. Zum anderen stünde die technische Richtlinie zur Umsetzung der Auflagen zur Massendatenlagerung noch aus. Es sei damit unklar, ob Anonymisierungsserver tatsächlich betroffen seien. Davon ist in der Begründung des Gesetzes bislang ausdrücklich die Rede.

Der CCC-Anwalt bezweifelt dagegen, dass private DSL-Nutzer, die ihre Kapazitäten hin und wieder für Tor freischalten, überhaupt zu den gesetzlich erfassten "Betreibern von Telekommunikationsdiensten" gehören. Generell sei umstritten, ob ein Anonymisierungsserver nicht eher zu den Telemediendiensten zu zählen sei und damit in einen anderen gesetzlichen Anwendungsbereich falle. Selbst mit den bei der Vorratsdatenspeicherung aufzubewahrenden Informationen könnten die Strafverfolger ferner letztlich nicht viel anfangen. (Stefan Krempl)


Quote
28. Dezember 2007 11:31
Die privaten Serverbetreiber werden schon noch aufgeben!
ed (mehr als 1000 Beiträge seit 09.09.02)

Ein paar Hausdurchsuchungen um Mitternacht (Gefahr im Verzug!)
und nur noch die hartgesottenen werden den Server am Netz
lassen. Dann noch ein bischen FUD (muss der Serverbetreiber
Verbindungsdaten speichern oder nicht?) durch die Gerichte
und die Anonymisierungsserver sind eliminiert.

Quote
28. Dezember 2007 12:12
Chaos = Zustand vollständiger Unordnung oder Verwirrung
the west is the best (31 Beiträge seit 08.11.07)

Sicher nicht erstrebenswert.
Chaos != Recht und Ordnung

Freiheit != Narrenfreiheit
Hackerfreiräume = Narrenfreiräume = rechtsfreie Räume
Rechtsstaat != rechtsfreie Räume
Rechtsfreie Räume => Verbrechen

Quote
28. Dezember 2007 12:39
Re: Chaos = Zustand vollständiger Unordnung oder Verwirrung
187^nemesis (503 Beiträge seit 17.05.02)

the west is the best schrieb am 28. Dezember 2007 12:12

> Sicher nicht erstrebenswert.
> Chaos != Recht und Ordnung
>
> Freiheit != Narrenfreiheit
> Hackerfreiräume = Narrenfreiräume = rechtsfreie Räume
> Rechtsstaat != rechtsfreie Räume
> Rechtsfreie Räume => Verbrechen

Dann wäre Totalüberwachung von allem und jedem, an jedem Ort und Rund
um die Uhr, die einzige mögliche logische Konsequenz aus Deiner
Aussage. Denn wie sollte man nach dieser Logik einem Opfer erklären
können, dass man gerade diese Stelle, diesen Raum nicht überwacht
hat.

Wenn Du soviel Furcht vor anderen Menschen hast, dass Dir das
erstrebenswert erscheint, hast Du soviel Chaos im Kopf, dass Du den
Zustand der Verwirrung ganz locker erreicht hast.


Quote
28. Dezember 2007 12:50
Re: Chaos = Zustand vollständiger Unordnung oder Verwirrung
A D P (279 Beiträge seit 14.11.06)

Recht auf freie Entfaltung != Recht auf staatlich kontrollierte,
überwachte und genehmigte Entfaltung


Quote
28. Dezember 2007 13:15
Nicht drauf anspringen, Leute
JonnyBoy (292 Beiträge seit 31.12.03)

Der Typ will Euch mit seinem Posting doch nur provozieren (genau wie
weiter unten dieser trollblog.de) - und Ihr springt prompt darauf an.
Dem geht es doch gar nicht um einen konstruktiven Beitrag in der
Diskussion, sondern der will bloß Unruhe stifen.
Zeigt Größe und ignoriert ihn einfach. So entzieht man ihm auch seine
Spielwiese.


Quote
28. Dezember 2007 15:00
Ernstgemeinte Frage
Volker Putt (32 Beiträge seit 26.04.07)

Was ist denn, wenn man sich die Software so kompiliert, dass in den
Logdateien
nur Adressen aus Schäubles Behörde stehen ? Oder welche aus dem
127er-Netz.
Oder welche mit 246.xxx ...
Würde man damit nicht die ganze Sache ad absurdum führen ?
Für den Einsatz fehlerhafter Software kann man ja wohl nicht
verknackt werden.

Quote
28. Dezember 2007 15:30
Re: Ernstgemeinte Frage
themis1 (92 Beiträge seit 08.06.07)

Volker Putt schrieb am 28. Dezember 2007 15:00

> Was ist denn, wenn man sich die Software so kompiliert, dass in den
> Logdateien
> nur Adressen aus Schäubles Behörde stehen ? Oder welche aus dem
> 127er-Netz.
> Oder welche mit 246.xxx ...
> Würde man damit nicht die ganze Sache ad absurdum führen ?
> Für den Einsatz fehlerhafter Software kann man ja wohl nicht
> verknackt werden.

Nein, aber für Strafvereitelung.
http://bundesrecht.juris.de/stgb/__258.html

Quote
28. Dezember 2007 23:09
Re: Ernstgemeinte Frage
Der nordische Schalk (175 Beiträge seit 03.11.07)

themis1 schrieb am 28. Dezember 2007 15:30

> Volker Putt schrieb am 28. Dezember 2007 15:00
>
> > Was ist denn, wenn man … kann man ja wohl nicht
> > verknackt werden.
>
> Nein, aber für Strafvereitelung.
> http://bundesrecht.juris.de/stgb/__258.html

Hm – speichern muß man(cher) ja – vorerst – wohl. Und an den Daten
herumspielen … gut. Aber wie sieht es mit Daten im Log aus, die
„zusätzlich anfallen“?

Trickster

PS: Nein, das interessiert mich nicht persönlich. Wenn, dann aus
„intellektuellen Gründen“.



Quote
28. Dezember 2007 22:03
Re: Ernstgemeinte Frage
PurplePill (599 Beiträge seit 04.08.07)

Volker Putt schrieb am 28. Dezember 2007 15:00

> Für den Einsatz fehlerhafter Software kann man ja wohl nicht
> verknackt werden.

Nicht wenn Du Microsoft oder Apple heißt. :p

Nee Jux bei der Seite, nicht wenn dir ein Anwalt
eine schöne EULA schreibt.

Und natürlich auch nur dann wenn
Dir keiner eine Absicht nachweisen kann.




Quote
28. Dezember 2007 19:17
Panik überall
themis1 (93 Beiträge seit 08.06.07)

Gegen die offenbar beginnende Massenhysterie wirkt das Statement
erstaunlich sachlich.

Es gibt eben doch einen Unterschied zwischen der "Staatsgewalt" und
Amoklaufenden "furchtbaren Juristen" der Medienkonzerne.

Sorgen mache ich mir weniger wegen der VDS als vielmehr wegen der
schon anlaufenden Lobbyarbeit, wer alles darauf zugreifen will. Gegen
Aufklärung schwerer Straftaten kann kaum jemand ernsthaft etwas
haben, aber dass schon zur Durchsetzung privater Forderungen
Lobbyisten Zugriff auf die Daten haben wollen ...




Aus: "24C3: Hackerfreiräume und Anonymisierungsdienste" (28.12.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/101095


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[Anonyme Kommentare verboten... ]
« Reply #6 on: September 08, 2009, 11:51:16 AM »
Quote
[...] Kommentare auf chinesischen Nachrichtenseiten dürfen künftig nicht mehr anonym sein. Wie die New York Times am Wochenende meldete, existieren seit kurzem entsprechende geheime Regierungsvorgaben, die einen Registrierungszwang vorsehen. Große chinesische Portale wie Netease, Sina, Sohu und viele weitere hätten Anfang August damit begonnen, die anonyme Kommentarmöglichkeit abzuschalten.

Zuvor konnten Nutzer in vielen Fällen direkt und ohne Anmeldung ihre Meinung abgeben; wollte man den Verfasser in Erfahrung bringen, mussten Behörden den Provider einschalten, um die Internet-Protokoll-Adresse zurückzuverfolgen. So viel Mühe müssen sie sich künftig nicht mehr machen: Neben dem Klarnamen wird bei den Portalen inzwischen sogar die persönliche Identifikationsnummer vor dem ersten Posting verlangt.

 Die neuen Vorgaben sind laut dem Bericht vor allem deshalb geräuschlos eingeführt worden, weil Peking breite Nutzerproteste vermeiden wollte. Die hatten im Sommer dazu geführt, dass ein auf jedem neu gekauften Rechner zwangsweise vorgesehener Jugendschutzfilter ("Grüner Damm") dann doch nur zur freiwilligen Vorgabe wurde.

Die neue Zwangsregistrierung vor dem Kommentieren ist allerdings keineswegs umgehungssicher. Wie die "New York Times" weiter meldet, lassen sich auch gefälschte Namen, Handy- und ID-Nummern zur Anmeldung nutzen, ein zentraler Abgleich mit staatlichen Datenbanken scheint nicht stattzufinden. Offensichtlich setzen die chinesischen Internet-Kontrolleure auf das Wohlverhalten der User und deren Angst, sich nicht an die Vorgaben der Nachrichtenseiten zu halten.

Beobachtern zufolge ist die Abschaffung anonymer Kommentare nur ein weiterer Schritt hin zu einer verschärften Netzkontrolle in China. Schon jetzt sorgt dort  ein ausgeklügelter Zensurfilter dafür, dass kritische Angebote nicht eingesehen werden können. Kritische Blogger und andere Netzdissidenten werden regelmäßig verhaftet.

Ziel der Initiativen sei es eine "größere soziale Verantwortung" und mehr "Höflichkeit" im Netz herzustellen, so die Regierung. Das bedeutet vor allem, dass der schon jetzt nur sehr kleine Freiheitsraum Internet in China weitere eingeschränkt werden dürfte.


Quote
08.09.2009 08:59 Uhr:
Von Rod:

In Deutschland sind wir doch auch nicht besser dran: Vorratsdatenspeicherung, Abschaffung des Briefgeheimnis, Abschaffung des Bankgeheimnis, Sperrung von Internetseiten mittels geheimer Sperrliste, Impressumpflicht von Webseitenbetreibern, Abmahnwahn usw.

Die chinesische Regierung bekennt sich wenigstens offen zur Zensur und Überwachung, wogegen die deutsche Regierung Überwachung und Zenzur das KO-Argument der Kinderpronographie vorschiebt, der Endeffekt ist aber derselbe.


Quote

08.09.2009 08:54 Uhr:
Von orwell:

Ist auf den deutschen Nachrichtenseiten doch auch nicht anders, da wird zensiert, teilweise sogar die geposteten Kommentare noch verändert bevor sie freigeschaltet werden.


Quote

07.09.2009 15:37 Uhr:
Von GonZoo:

Da kann ich nur müde lächeln - Zensoren der Online-Kommentare bei "Focus online" hauen gnadenlos alles weg, was nicht ins eigene Weltbild paßt. Und ohne sich zu registrieren geht da ohnehin nichts. Kritische Kommentare über das Merkel, Atomkraft etc. sucht man dort meist vergebens.


Quote
07.09.2009 14:28 Uhr:
Von kleiner Spinner:

Wir haben übrigens auch eine Impressumpflicht für Webseiten.





Aus: "Chinesische Nachrichtenseiten - Anonyme Kommentare verboten" VON BEN SCHWAN (07.09.2009)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/anonyme-kommentare-verboten/


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[China blockiert Anonymisierungdienst Tor... ]
« Reply #7 on: September 29, 2009, 10:16:57 AM »
Quote
[...] Die chinesischen Behörden haben begonnen, Relay-Knoten und Verzeichnisserver des Anonymisierungsdienstes Tor anhand ihrer Adressen zu blockieren. Laut einem Eintrag im Blog des Tor-Projekts unterbricht die "Große Firewall" (GFW) bislang die Kommunkation zu etwa 80 Prozent der gelisteten Tor-Knoten. Auch heißt es dort, man habe diesen Tag erwartet.

Schon Mitte vergangenen Jahres hatte China die Website des Tor-Projekts gesperrt. In der Folge hatten Betreiber und Entwickler wohl versucht, durch Kontrolle von neuen Servern im Tor-Netzwerk zu verhindern, dass sich chinesische Behörden einschmuggeln und so an die Liste der öffentlichen Knoten kommen – offenbar ohne Erfolg.

Zwar ist der Aufbau einer anonymen Verbindung auch mit nur 20 Prozent der Tor-Knoten noch machbar, doch dauert das dann unangenehm lange. Der Autor des Blog-Eintrags rät Nutzern, nicht-öffentliche Tor-Relays (Bridges) aufzusetzen, wenn sie chinesischen Tor-Nutzern helfen wollen. Tor-Bridges tauchen nicht in den öffentlichen Verzeichnislisten auf und lassen sich daher nur schwer finden und blockieren. (bb/c't)



Quote
28. September 2009 19:58
Überraschung?
Columba (19 Beiträge seit 29.03.09)

Überrascht das jetzt ernsthaft jemanden?

Mich hätte es eher gewundert, wenn das nicht der Fall gewesen wäre.

China zensiert alles, was nicht ins Konzept passt, da ist TOR echt ne
kleinigkeit!


Quote
28. September 2009 18:22
Vorratsdatenspeicherung
Kleingedruckte (450 Beiträge seit 13.03.09)

Vorratsdatenspeicherung ist in Europa der erste Schritt in die selbe
Richtung.


Quote
29. September 2009 06:46
Ihr habt alle leicht reden!
aietes (16 Beiträge seit 13.02.07)

Ich sitze hier in China und hab nun seid 2 Tagen keinen TOR Zugang
mehr. Das Vidalia Kontrollpanel bleibt mit der Fehlermeldung
"Verbinde zu einem Relay-Verzeichnis fehlgeschlagen (kein Pfad zum
Rechner)" stehen.

Was das heisst? Keine (K-) Pornos mehr ansehen? Keine kritischen
Berichte mehr ueber die KP in China lesen? Keine Berichte mehr ueber
Tibet?

Pah: Alles viel profaner und VIEL VIEL weitreichender:

-Seid September 2008 kein Youtube mehr (Davor nur von April bis
einschliesslich August 2008) Viele meiner chinesischen Freunde und
Kollegen gucken Hollywoodfilme TV etc online. Aber alle von
chinesischen Websites. Youtube kennen einige gar nicht!

-cczwei ist nicht erreichbar. Ist anscheinend auch eine Gefahr fuer
die KP!

-Tagesschaufilme angucken geht nicht (Flash!). Download der Filme
immerhin moeglich. Fuer die "100 Sekunden"-filmchen brauch ich schon
mal 2 Stunden, manchmal aber auch nur 10 Minuten

Skype kann man hier in China nur in einer zensierten Version
herunterladen vom Server tom.com. Man erkennt es nach dem
Installieren sofort daran, dass einem staendig chinesische Werbung
rechts unten im Rechner eingeblendet wird. Spaetestens beim Chatten
und Nutzen verdaechtiger Woerter wird einem dann die zweite
geaenderte Funktion bewusst...

-Die hier allgegenwaertige Chat Software QQ erlaubt einfach alles,
was die Kommunikation zwischen 2 Rechnern im Internet bzw Netz
erleichtert. Eigentlich eine tolle Sache. Manche Firmen benutzen es
sogar, um Daten hin- und her zuschicken. Das Teile dieser Software
von auslaendischen Virenprogrammen als Trojaner erkannt werden und
die Software saemtliche Kommunikation filtert ist widerum meinen
Freunden nicht bekannt, oder sie nehmen es hin, da die Software ja so
einfach handzuhaben ist.

-Die deutsche Bildersuche in Google kann oft nicht benutzt werden
(Manchmal geht es, wieso, weiss ich nicht). Die meissten
nichtchinesischen Google-Server sind gesperrt. Das heisst, dass man
beim Stichwort "Blume" oder "Tulpe" einfach nichts zu sehen bekommt!
(Ach ja: Schon mal Flickr besucht und nur weisse Bilder mit kleinem
roten Kreuz gesehen?)

-Was ist Twitter? Willkommen zurueck im Web 1.0!

Und viele meiner chinesischen Freunde wissen das alles nicht. Die
besuchen ja auch nie eine auslaendische Website. Oft mit dem
Argument: Die laden so langsam!

Und immer diese Scheiss-Diskussion mit den Chinesen hier, dass die
Regierung das machen muss, sonst zerfaellt China und DAS WUERDE
WIRKLICH SCHLIMM WERDEN. Ein Totschlagargument fuer die Chinesen:
DAS will doch keiner haben. Da muss ich doch auch zustimmen. Und dann
ist es doch garnicht mehr so schlimm, das ich ein "paar" Websites
nicht mehr sehen kann. Das waere doch dann wirklich zu selbstsuechtig
von mir!

Und am Schluss der Diskussionen bin ich als Paranoiker abgestempelt.
Typisch Auslaender, der die Chinesen immer so kritisieren muss.
(Dabei stimmt das in jedem anderen Themenbereich ueberhaupt nicht.
Aber wehe, man vertritt mal eine andere Meinung mit Verve! Dann ist
der Abend versaut!)

Passt blos auf mit Eurer v.d. Leyen: Wehret den Anfaengen! Hier wird
die Zensur mit schoener Regelmaesssigkeit perfekter und allgemeiner.

Und mein Vater beklagt sich, dass sein DSL nur 6 Mbit hat: Mann, ich
hab hier manchmal nicht mal 6 bit!

Ich geh jetzt wieder in mein offline-Kaemmerchen, alleine
weiterheulen...
:(







Aus: "China blockiert Anonymisierungdienst Tor" (28.09.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/China-blockiert-Anonymisierungdienst-Tor--/meldung/146007

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Re: [Anonymität und Internet... (Notizen)]
« Reply #8 on: November 20, 2009, 10:16:44 AM »
Quote
[...] Der Jurist Patrick Breyer moniert, dass das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg seine im vergangenen Jahr eingeleitete Rechtsprechung zur Mitstörerhaftung von Online-Diensteanbietern entgegen vieler Einwände fortschreibe. Mit einem Urteil von Ende September (Az.: 5 U 111/08) gegen RapidShare verfolge die Justizbehörde weiter das Ziel, das "Unwesen von Raubkopierern" durch ein "Generalverbot" anonymer Veröffentlichungsdienste im Netz zu unterbinden, schreibt der im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung aktive Experte in einem heise online vorliegenden Fachbeitrag.

RapidShare leistet laut der noch wenig beachteten Hamburger Entscheidung "der massenhaften Begehung" von Urheberrechtsverletzungen Vorschub. Die Rechteinhaber seien dagegen trotz der gesetzlichen Pflicht der Provider zur Löschung rechtswidriger Inhalte "vollständig schutzlos". Konkret stellt das Urteil im Streit um urheberrechtlich geschützte Nacktfotos den Leitsatz auf, dass ein Geschäftsmodell eines Hosting-Dienstes nicht schutzwürdig sei, wenn es vielfältige Rechtsverletzungen im Internet unter dem Deckmantel völliger Anonymität ermögliche. Davon sei bereits auszugehen, wenn fünf bis sechs Prozent der hochgeladenen Dateien illegal seien und sich daraus eine besonders hohe absolute Zahl an Rechtsverstößen ergebe. Dem Plattformbetreiber seien in diesem Fall auch Maßnahmen zumutbar, die in letzter Konsequenz zur Einstellung des Dienstes führen würden. Erforderlich sei bei bereits auffällig gewordenen Nutzern zumindest eine Überprüfung von — auch komprimierten — Dateien vor Veröffentlichung.

Für Breyer ist dieser Ansatz unhaltbar. Er beklagt, dass der zuständige Senat des OLG auf die "grundlegende und unverändert zutreffende Kritik" an dieser Rechtsprechung "im Lichte der Grundrechte" nicht ausdrücklich eingehe. Einige seiner früheren Forderungen zur Vorbeugung von Rechtsverletzungen wie die Einführung einer Anmeldepflicht für Nutzer würden nun zwar "differenzierter" dargestellt. Zudem hätten die Richter nun zumindest dem Namen nach einen "Grundsatz der Anonymität" genauso anerkannt wie die Unzulässigkeit einer generellen, personenbeziehbaren Nutzerprotokollierung ins Blaue hinein. Trotzdem halte der Senat im Kern daran fest, dass "protokollierungsfreie" Internet-Veröffentlichungsdienste ohne Vorabprüfung zur Verfügung gestellter Dateien illegal seien.

Die Auswirkungen, die ein solches Verbot hätte, sind laut Breyer kaum zu überschätzen. Neben Sharehostern oder anderen Webhostern wären auch Dienste wie viele Wikis oder Online-Foren betroffen, weil auch diese zur massenhaften Veröffentlichung etwa urheberrechtlich geschützter Liedtexte genutzt werden könnten. Eine Privilegierung von Plattformen, die der Meinungsfreiheit dienten, sei nicht möglich, weil inhaltsneutrale Dienste "immer sowohl zum grundrechtlich geschützten Meinungsaustausch als auch für Rechtsverletzungen genutzt werden können". Darüber hinaus wären auch die Anbieter anonymer Internetzugänge wie kostenlose Hotspots, öffentliche Internet-Terminals oder Internetcafés erfasst. Gleiches gälte letztlich für jegliche Tauschgelegenheit auch außerhalb des virtuellen Raums wie Computerclubs, Schulhöfe oder Flohmärkte und für jedes Vervielfältigungsgerät von Fotokopiergeräte bis zu CD-Brennern.

Wie in den Zeiten der Einführung privater Tonbandgeräte sieht der Jurist daher den Bundesgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht als Revisionsinstanzen vor der Aufgabe, den "Hamburger Forderungen" eine Absage zu erteilen. Sie müssten Rechteinhaber auf Vergütungsansprüche gegen diejenigen verweisen, "die gewerblich von dem rechteeingreifenden Informationsaustausch profitieren". Nur so sei ein angemessener Ausgleich zwischen dem Freiheits- und Datenschutzinteresse der überwältigenden Mehrheit rechtstreuer Internetnutzer, der Berufsfreiheit der technischen Dienstleister und dem Eigentumsinteresse der Rechteinhaber herzustellen. Der Gesetzgeber müsse dabei "Schützenhilfe" leisten, indem er die von der Justiz den Anbietern auferlegten "exzessiven Überwachungspflichten" im Rahmen einer Novellierung des Telemedien-Gesetzes "normenklar ausschließe".

(Stefan Krempl) / (vbr/c't)

Quote
20. November 2009 00:44
Anlass für diesen Artikel ...
RA-Berlin (46 Beiträge seit 13.03.09)

Heise sollte sehen, dass die Artikel das notwendige Niveau behalten.
Entweder man berichtet darüber, dass Menschen die Rechtsprechung
nicht verstehen, sich vielleicht darüber ärgern oder aber man setzt
sich wirklich damit auseinander. Hier wird ein Jurist angeführt, der
sich irgendwo kritisch über die Rechtsprechung des OLG Hamburg
geäußert hat. Soll der jetzt irgendwie promotet oder bekanntgemacht
werden?

Die mitgeteilten Fragmente werden nicht einmal im Ansatz der
Rechtsprechung zum Störerbegriff bei Unterlassungsansprüchen in der
Rechtsprechung der Obergerichte und des BGH gerecht. Es gibt genug
Veröffentlichungen und Urteilsbesprechungen zu der sehr
ausdifferenzierten Rechtsprechung in einschlägigen juristischen
Fachzeitschriften zu dem Thema. Da gibt es auch immer Pro und Contra.

Hier wird jetzt so getan, als wenn hier eine Fundamentalkritik an der
Rechtsprechung eines OLG angezeigt wäre. So ist das nunmal in einem
Rechtsstaat. Wenn einem eine Gerichtsentscheidung nicht gefällt, muss
man den Rechtsweg ausschöpfen. Es wirkt schon etwas albern, wenn da
geschrieben wird, das OLG Hamburg habe nicht auf Kritik an seiner
Rechtsprechung reagiert. Es bleibe sozusagen stur. Ganze Bibliotheken
sind mit Kritik an der Rechtsprechung der deutschen Gerichte gefüllt
worden. Kritik ist ein normaler und wichtiger Vorgang in der
Rechtswissenschaft, gibt aber keinesfalls einen Anspruch darauf, auch
gehört zu werden. 

Es ist zudem auch nicht so, dass der BGH nun in Sachen
Störereigenschaft die ganz große Liberalität an den Tag legen würde.
Dies zeigt die recht resolute Rechtsprechung des BGH zur
Störereigenschaft von ebay zu Markenrechtsverletzungen (zu Rolex). Da
wurde nämlich die im Gesetz aufgenommene Haftungsprivilegierung
gerade für Unterlassungsansprüche außer Kraft gesetzt bzw. nicht
angewendet. Es kann also keine Rede davon sein, dass das OLG Hamburg
jenseits der Rechtsprechung des BGH agiere und sich gar in
Widerspruch dazu setze. Auch in der weiteren Rechtsprechung des BGH
und der Obergerichte zu Blogeinträgen und Kommentarfunktionen finden
sich ähnliche Wertungen.

Der Heise-Artikel weist auch eine Ungenauigkeit auf, die wohl kaum
von dem in Bezug genommenen Juristen stammen kann. Schon im ersten
Semester lernt nämlich jeder Jurastudent, dass das BVerfG keine
"Superrevisionsinstanz" ist. Das bedeutet, es prüft nur die
Rechtmäßigkeit von Staatsakten in Bezug auf Grundrechte und
Verfassungsrecht, nicht aber die Anwendung einfachen Rechts.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Autor des Heisebeitrages
weiß, dass solche Kritik bei der Leserschaft gut ankommt. Daher
werden hier vermeintliche Rosinen aus einem Statement herausgepickt
und präsentiert.

Schade, dass kennt man anders von Heise. Natürlich können und sollen
Entscheidungen von Gerichten seziert und diskutiert werden, dann aber
auch in einem entsprechenden Kontext. Objektivität heißt dann auch
keine überzogenen Tendenzen.

Unterlassungsansprüche können sich nur gegen den Störer richten.
Zentral dabei ist die für die Störereigenschaft erforderliche
Verletzung von Prüfpflichten. So jedenfalls die ständige
Rechtsprechung des BGH. Dabei stellt sich immer wieder die Frage der
Zumutbarkeit und Reichweite entsprechender Prüfpflichten. Das gilt
eben auch bei RapidShare. Das muss dann auch bei neuerer technischer
Entwicklung stets neu geprüft werden. Heute mag eine Filterung und
Überwachung von Postings z.B. ins Usenet noch unzumutbar sein, morgen
kann es aber vielleicht technisch machbar werden. Die Wertungen sind
also nie in Stein gemeisselt.

Wenn man schon differenzierter berichten will, sollte zumindest eine
Fundstelle oder Link angegeben werden, wo der angebliche Experte
seine Meinung veröffentlicht hat (was sonst hier auch passiert). So
kann nicht mal eine Auseinandersetzung mit den fragmentarischen
Thesen erfolgen.

Was ich nur sagen will, ist, eine solche Meinung darf nicht
überbewertet werden. Wer nun den Schluss daraus zieht, die Gerichte
in Deutschland würden ihre Urteile so schlecht begründen, dass man
oder eben ein "Experte" sie so einfach als falsch oder
rechtsfehlerhaft entlarven könnte, ist auf dem Holzweg. Das liest man
aber ein bisschen zwischen den Zeilen.

Wer nun die Stirn runzelt und sich fragt, woher meint der zu glauben,
hier seinerseits Kritik äußern zu können, soll einfach nach "BGH",
"Störer", "Prüfpflicht" und "Unterlasssungsanspruch" suchen und wird
sich schnell ein Bild davon machen können, dass das alles etwas
komplexer ist, als uns dieser Artikel das weiss machen möchte.

Quote
20. November 2009 01:29
Der Rechtsanwalt ist hochverehrlich ...
nossiwenzinger (mehr als 1000 Beiträge seit 05.11.05)

... obwohl die Kosten oft beschwerlich.
Wilhelm Busch

Moin,

schöner Vortrag von Niveau, so dass der durchschnittliche
heise-Forenleser sich verwundert die Augen reibt.

Leider aber fast für die Katz. Der Autor des Artikels ist kein
Unbekannter, sondern ein Journalist mit Agenda. Wie man die
wohlmeinende aber unbedarfte Leserschaft für seine Ziele einnimmt hat
der Mann studiert, sogar darüber promoviert. Er macht das geschickt,
spielt in höherer Liga. Mit dem profunden journalistischen Grundsatz
sich eine Sache nicht zu eigen zu machen, sei sie auch noch so edel,
hat er allerdings nicht viel am Hut.

Ich beschwere mich nicht. Ohne ihn wäre auch ziemlich langweilig
hier. Immerhin hat er es geschafft, dass ein Berliner RA sich -
kostenlos für uns Leser - kompetent zur Sache äußert. Dankeschön! :)

Gruß
Nossi




Aus: "Kritik an Hamburger Urteil zu Mitstörerhaftung von Sharehoster" (19.11.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kritik-an-Hamburger-Urteil-zu-Mitstoererhaftung-von-Sharehoster-864516.html

-.-

Verkehrssicherungspflichten von Internetdiensten im Lichte der Grundrechte
11. November 2009 um 15.21 Uhr · Abgelegt unter Juristisches, Surfprotokollierung
Schlagworte: ip-retention, Telemediengesetz, Telemedienrecht
http://www.daten-speicherung.de/index.php/verkehrssicherungspflichten-von-internetdiensten-im-lichte-der-grundrechte/


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[CDU-Politiker für Vermummungsverbot im Internet... (D, 2010)]
« Reply #9 on: November 15, 2010, 10:33:40 AM »
Quote
[...] Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel E. Fischer kritisiert die gängige Praxis, sich in Internet-Diskussionsforen mit einem Fantasienamen zu Wort zu melden. Ein "Vermummungsverbot im Internet" müsse her, forderte der Vorsitzende der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags. Es könne nicht sein, dass sich Bürger hinter selbstgewählten Pseudonymen versteckten und sich so der Verantwortung entzögen, sagte der Karlsruher Abgeordnete den Badischen Neuesten Nachrichten.
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Für den demokratischen Entscheidungsprozess sei es wesentlich, "dass man mit offenem Visier kämpft, also seinen Klarnamen nennt", sagte Fischer. Dabei sei der neue Personalausweis eine "ideale Möglichkeit, sich im Internet zu identifizieren". Fischer sprach sich auch für einen "Radiergummi" aus, um Inhalte im Internet nach einer gewissen Zeit wieder zu löschen. Netzexperten halten diese Idee eines Verfallsdatums für Inhalte im Web allerdings aus technischen Gründen für nicht realisierbar. (dpa) / (cp)

Quote
14. November 2010 13:46
Wenn die CDU-Politiker so weitermachen
Horas13

können die Kabarettisten einpacken, gegen diese Konkurrenz sind sie
machtlos.


Quote
14. November 2010 13:35
ich fordere ein Verdummungsverbot in der Politik
Peter Jakobs

man möge bitte aufhören, die Öffentlichkeit mit völlig verblödeten
Thesen von den wirklichen Problemen abzulenken!

pj


Quote
14. November 2010 13:36
Ich fordere Hirngebot in der politischen Diskussion
dazk

Meine Güte...

Alle Welt redet von Datenschutz und informationeller Selbstbestimmung
in Social Networks. Da und bei Google Streetview ist Datensammelei
böse. Pseudonymisierung ist ein Weg, wie man zumindest teilweise
verhindern kann, dass immer gleich alle, zum Identitätsdiebstahl
nötigen Informationen preisgegeben werden müssen. Und dieser
Vollpfosten fordert nun Klarnamen. Wie hohl muss man sein?


Quote
14. November 2010 13:39
Aber die Polizisten dürfen ohne Erkennung rumlaufen...
Lonewolff (14 Beiträge seit 03.01.07)

Wobei, das ist ja auch nicht das Internet. Da muss man sich wohl auch
nicht seiner Verantwortung stellen. ;)

...


Quote
14. November 2010 13:39
"Es könne nicht sein, dass sich Bürger hinter Pseudonymen verstecken" ???
Wolfgang Nohl

"Es könne nicht sein, dass sich Bürger hinter selbstgewählten
Pseudonymen versteckten und sich so der Verantwortung entzögen, ..."

Das fordert ausgerechnet ein "Volksvertreter".

Wo sich die Politiker seit Jahzehnten dadurch auszeichnen, dass sie
sich bei all ihren Entscheidungen von annonymen Lobbyisten steuern
lassen.

mfg Wolfgang Nohl


Quote
14. November 2010 13:44
Meint der jetzt CDU Transparenz wie ... (Editiert von einem Foren-Administrator am 14.11.10 um 13:54)
DrD (mehr als 1000 Beiträge seit 25.12.05)

... die Verhandlungen über die weitere Abschaffung des
Gesundheitssystems?
... die Verhandlung über die Verlängerung der Laufzeiten?
... die Verträge der Provider zu Netzsperren?
... die jüdischen Vermächtnisse?
... das EU Rettungspaket?
... der Sachsensumpf?

Vielleicht meint der auch nur so viel Transparenz wie in der
Fußgängerzone. Da lauf ich nämlich auch mit nem Riesennamensschild
rum ...


Quote
14. November 2010 13:56
Namens- oder Nummernschilder fuer Passanten - jetzt!
grf (mehr als 1000 Beiträge seit 07.03.00)

Kann ja wohl nicht sein, dass man auf der Straße einfach anonym
laufen und vielleicht gar noch anonym seine Meinung äußern darf!
Daher fordere ich, dass sich jeder auf der Straße mit einem großen
Schild ausweist!

Bei solchen Politikervorschlägen frage ich mich, ob die Typen eine
Wette verloren haben und sich nun für ihre Kumpels lächerlich machen
müssen. Oder kann man wirklich so sein?

Michael.


Quote
14. November 2010 13:56
dass man mit offenem Visier kämpft
x-beliebig

das sagt einer, der einer Regierung angehört, die Geheimverträge für
Projekte macht, die im Namen des Volkes gestartet werden.


Quote
14. November 2010 14:14
Jede Wette, der hat kurz vor seinem Geistesblitz...
light_of_truth

die Forenbeiträge zu aktuellen politischen Themen hier gelesen.
Und nachdem er dann bei einer Suche nach den Pseudonymen bei Klicktel
keine befriedigenden Ergebnisse erzielte kam ihm diese wahnsinnig
geniale Idee.

Hut ab Herr Fischer, soviel Scharfsinn ist selten. 


Quote
14. November 2010 17:14
Verbot anonymer Abstimmungen in Parlamenten, Identifizierungspflicht bei Wahlen
fr.osch

Es wird ein Verbot anonymer Abstimmungen in Parlamenten gerfordert.
Es kann doch nicht sein, dass die Parlamentarier sich in einer
anonymen Masse verstecken, wenn sie Entscheidungen gegen das Volk
fällen. Für den demokratischen Entscheidungsprozess ist es
wesentlich, "dass man mit offenem Visier kämpft, also seinen
Klarnamen nennt". Dabei ist der neue Personalausweis eine "ideale
Möglichkeit, sich im Parlament zu identifizieren".

Eine Anwesenheitspflicht im Parlament garantiert zudem, dass die
Abstimmenden auch ausreichend am Diskussionprozess beteiligt sind und
nicht Gesetze abnicken, deren Inhalt sie nicht kennen.

Ausserdem ist sicherzustellen, dass nur Parlamentarier über Gesetze
abstimmen, die sich nachweislich mit der behandelten Materie
auskennen. Dafür müssen entsprechende Kurse besucht, Leistungsscheine
vorgewiesen und Prüfungen absolviert werden. Damit lässt sich die
Qualität im parlamentarischen Entscheidungsfindungsprozess nachhaltig
erhöhen.

Bei Gesetzen müssen aus Gründen des Urheberrechts in Zukunft die
Namen der Gesetzesschreiber genannte werden. Damit können sich diese
nicht mehr der Verantwortung entziehen, und es wird zudem klar, dass
Gesetze heute von bezahlten Lobbyisten in den Ministerien verfasst
werden. Es kann doch nicht sein, dass sich Lobbyisten hinter anonymen
Gesetzestexten verstecken, wenn sie ihren Auftraggebern durch
manipulierte Gesetze satte Gewinne zuschanzen. Dabei ist der neue
Personalausweis eine ideale Möglichkeit, Gesetzestexte zu signieren.

Dank der neuen Identifizierungspflicht im Internet konnten etliche
bezahlte "Astroturfing"-Kampagnen der regierenden Parteien aufgedeckt
werden. Somit hat sich die Zahl der Befürworter von Stuttgart 21 im
Internet drastisch reduziert, es waren nur einige wenige
PR-Agenturen, die ihre Praktikanten dafür bezahlt haben, in möglichst
vielen Diskussionsforen positive Beiträge zum neuen Bahnhof zu
verfassen - bis zu mehreren tausend am Tag. Damit sollte wohl der
Eindruck erweckt werden, eine nennenswerte Zahl von Bürgern wäre für
das völlig überteuerte Bahnhofsprojekt. Einzelne Parteien bezahlen
jetzt ihre Mitglieder für Beiträge in ihrem Sinne im Internet, diese
Möglichkeit des Zuverdienstes wird vor allem von Rentnern und
Hartz-IV-Empfängern begeistert angenommen.

In Zukunft wird es ebenfalls eine Identifizierungspflicht bei Wahlen
geben. Es kann nicht sein, dass sich Bürger hinter anonymen
Wahlzetteln verstecken, es ist eine Selbstverständlichkeit im
demokratorischen Wahlverfahren, dass man zu seiner abgegebenen Stimme
steht und dann auch die Verantwortung für die gewählten Politiker
übernimmt. Befürchtungen der FDP, ihr Stimmenanteil würde ins
Bodenlose sinken, wenn sich ihr Wähler outen müssten, werden von
Vertretern der großen Parteien nur belächelt. Vereinzelt wurde
gehofft, dass diese Befürchtungen eintreffen würden.

    fr.osch


Quote
14. November 2010 20:18
CDU-Politiker für "Vermummungsverbot bei Wahlen"
stardrifter

Es könne nicht sein, dass Bürger ihren Stimmzettel nichtöffentlich in
einer geheimen Wahl ausfüllen und sich so der Verantwortung entzögen.

Das kommt bestimmt auch wieder...


...


Aus: "CDU-Politiker für "Vermummungsverbot im Internet"" (14.11.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/CDU-Politiker-fuer-Vermummungsverbot-im-Internet-1136033.html


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[Klarnamen fürs Internet... ]
« Reply #10 on: November 16, 2010, 12:29:05 PM »
Quote
[...] Die Regierung in Peking plant, die Nutzung von Internet und Mobilfunk künftig an Klarnamen zu koppeln. So soll jeder kritische Kommentar leicht zurückverfolgt werden können.

BERLIN taz | Schon jetzt ist das Internet in China alles andere als frei: Ein riesiger Zensurapparat, die "große Firewall" genannt, blockiert alles, was den Regierenden nicht passt: Demokratiebemühungen, "freier" Journalismus, Glücksspiele, Online-Nackedeis etc. Was bislang allerdings noch erlaubt war, war eine gewisse Form von Anonymität - so konnte man ohne Angabe seines Namens auf Portalen kommentieren oder auch ein anonymes Blog führen, wenn sich dafür ein passender, nicht gesperrter Anbieter fand.

Diese Lücke will Peking nun schließen. Wang Chen, Direktor des Informationsbüros des Staatsrats, forderte im April vor dem gesetzgebenden Organ des Landes, die "schändliche Anonymität" im Netz gänzlich abzuschaffen. Laut einem Redetext, welcher der amerikanischen Menschenrechtsorganisation "Human Rights in China" (HRIC) vorliegt, ist ein ganzes Maßnahmenbündel geplant. Demnach soll künftig weder das Online-Gehen noch die Nutzung von Mobiltelefonen ohne Angabe des Klarnamens möglich sein.
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China hat mittlerweile 400 Millionen Nutzern. Künftig soll jeder von ihnen für alles, was er oder sie im Netz sagt, haftbar gemacht werden können. Große technische Anstrengungen wie die sonst notwendige Rückverfolgung der Internet-Adresse sollen dann nicht mehr nötig sein.

Peking will sich zu dem Plan nicht offiziell äußern, das Manuskript von Chens Rede verschwand schnell von der offiziellen Website. "Wir werden das neue Internet-Realnamen-System so schnell wie möglich realisieren, ein landesweites Handy-Realnamen-System einführen und das Namensregistrierungssystem Schritt für Schritt interaktiven Online-Prozessen hinzufügen", heißt es gestelzt. Demnach sollen künftig Kommentare auf Websites und in Foren nur noch mit Klarnamen erlaubt sein, alles andere soll gelöscht werden.

Das Internet ist in China trotz der ständigen Zensur zum wichtigsten Medium der Meinungsäußerung geworden. Die anonyme Nutzung erlaubt es bislang, sich zumindest teilweise mit wahren Worten an seine Mitbürger zu wenden. Allerdings war Peking auch schon früher gegen Unbekannte im Netz vorgegangen und hatte sich dann die Nutzerdaten der Portalbetreiber besorgt. Auch westliche Online-Konzerne machten hier bereits mit, was Politiker etwa in den USA scharf verurteilten.


Aus: "Zensur in China - Klarnamen fürs Internet" VON BEN SCHWAN (14.07.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/klarnamen-fuer-das-internet/


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[HRLF verklagt Cisco... (Notizen)]
« Reply #11 on: May 23, 2011, 11:57:55 AM »
Quote
[...] Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Law Foundation (HRLF) hat den US-amerikanischen Netzwerkausrüster Cisco verklagt. Sie wirft dem Unternehmen vor, der chinesischen Regierung bei der Verfolgung von missliebigen Personen geholfen zu haben. Die HRLF vertritt drei namentlich genannte Falun-Gong-Mitglieder, von denen einer drei Jahre lang in China festgehalten worden sei, sowie acht weitere, nicht namentlich genannte Mitglieder. Diese seien in China gefoltert worden, getötet oder würden vermisst.

Cisco habe sich mit der Kommunistischen Partei China und den Sicherheitsbehörden verschworen und beim Aufbau einer Infrastruktur namens "Golden Shield" – hierzulande besser bekannt als "Great Firewall" – geholfen, mit der das Internet zensiert und Dissidenten ausfindig gemacht werden könnten, heißt in der Klage, die der HRLF bei einem US-Bundesgericht in Nordkalifornien eingebracht hat. Die Menschenrechtsorganisation verlangt Schadenersatz in nicht genannter Höhe sowie eine Anordnung, die Cisco an weiteren ungesetzlichen Aktionen hindern soll.

Cisco hatte sich zwar 2008, als ein internes Dokument für den chinesischen Markt publik wurde, davon distanziert, die chinesische Regierung aktiv bei Zensur und Unterdrückung zu unterstützen. Die HRLF beruft sich aber auf weiteres Marketing-Material, in dem der Netzwerkausrüster aktiv damit geworben habe, mit Hilfe seiner Technik gegen "Gegner" der Volksrepublik vorgehen zu können. Die HLRF hat angekündigt, während des Gerichtsverfahrens Dokumente zu präsentieren, die Ciscos Verwicklungen belegen sollen.

Die HRLF beruft sich unter anderem auf den US-amerikanischen Alien Tort Claims Act von 1789 und den Torture Victims Protection Act von 1992. Diese Gesetze sollen es ermöglichen, aus Menschenrechtsverstößen im Ausland zivilrechtliche Ansprüche geltend zu machen. Auf diese Gesetze berief sich im Jahr 2007 auch der chinesische Dissident Wang Xiaoning in seiner Klage gegen den Internetdienstleister Yahoo. Dieser Rechtsstreit endete im selben Jahr mit einem Vergleich. (anw)


Aus: "Menschenrechtler verklagen Cisco" (23.05.2011)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Menschenrechtler-verklagen-Cisco-1247433.html


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[LSKN sperrt die Nutzer von Services wie Tor aus... (D, 2011) ]
« Reply #12 on: June 21, 2011, 09:35:49 AM »
Quote
[...] Wer unentdeckt auf Webseiten des Landes Niedersachsens surfen oder mit niedersächsischen Behörden anonym kommunizieren will, hat Pech. Der technische Dienstleister für die Internetangebote der Region zwischen Harz und Nordsee, der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsens (LSKN), sperrt die Nutzer von Services wie Tor aus. [Update: Java Anon Proxy alias JonDo scheint nach Angaben der Betreiber derzeit nicht betroffen zu sein.] "Wir setzen eine Sperrliste für bestimmte Anonymisierungsdienste ein", erklärte eine LSKN-Sprecherin gegenüber heise online. Es gehe dabei im Interesse der IT-Sicherheit um den Schutz vor Angriffen aus dem Cyberspace. Nach Angaben der Behördenvertreterin empfehlen auch die Hersteller von Netzwerktechnik den Einsatz zentraler Filterlisten.

Die Administratoren des LSKN sind sich zwar bewusst, dass Diensteanbieter laut Telemediengesetz (TMG) verpflichtet sind, die Nutzung von Online-Medien "anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen". Einzige gesetzliche Einschränkung ist, dass "dies technisch möglich und zumutbar ist". Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren, heißt es im TMG weiter. Laut der LSKN-Sprecherin hat das Land aber "das Recht, sich zu schützen". Für die Bürger gebe es keinen absoluten Anspruch auf Zugriff auf die landeseigenen Internetangebote.

Patrick Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung sieht die Sache anders. Niedersachsen schließe rechtschaffene Bürger von den Informationen und Dienstleistungen des Landes aus, die über öffentliche Portale angeboten werden, erklärte der Jurist gegenüber heise online. Dazu gehöre etwa auch die Webseite des niedersächsischen Landtags. Da alle Bürger einen Anspruch auf gleichen Zugang zu öffentlichen Telemedien hätten, hält Breyer die Sperrung für rechtswidrig. Betroffen seien einer Umfrage (PDF-Datei) des Forschungsinstituts infas zufolge 12,8 Prozent der Bundesbürger, die sich mehr oder weniger regelmäßig gleichsam mit Tarnkappe durchs Netz bewegten.

Anonymisierungsdienste zu nutzen ist nach Breyers Ansicht legitim. Wer etwa einen offenen WLAN-Hotspot nutze, könne nur mit Hilfe einer verschlüsselten Verbindung über ein Virtual Private Network verhindern, dass sein Datenverkehr mitgelesen und dabei Unbefugten persönliche Sachverhalte wie Passwörter bekannt werden. Auf Anonymizer angewiesen seien auch deutsche Journalisten und Menschenrechtsgruppen, die in autoritären Staaten arbeiteten. Kein anderes Bundesland, auch nicht das Bundeskriminalamt (BKA) oder das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), hielten solche Sperrungen für erforderlich, sagte Breyer. (Stefan Krempl) / (anw)

Quote
20. Juni 2011 14:29
Achja, der Zusammenhang zwischen Anonymität und Gefährdungspotenzial
FrogmasterL

Immer wieder eindrucksvoll demonstriert durch gepanzerte und
vermummte Schlägertrupps, die bspw. gegen Kastanienwerfer vorgehen.


Quote
20. Juni 2011 14:34
"Für die Bürger gebe es keinen absoluten Anspruch...
Irgendjemand

...auf Zugriff auf die landeseigenen Internetangebote."

Ach, wer finanziert denn wohl durch seine Steuern diese
Internetangebote? Doch wohl der gemeine Bürger, der sich immer öfter
sagen lassen muß, daß es so viele Internetangebote gibt, bei denen
viel zu viele Daten über ihn gesammelt werden. Zudem gibt es doch
Entscheidungen, daß z.B. Internet-Adressen nicht gespeichert werden
dürfen, wenn diese zur Erbringung der Leistung nicht nötig sind.
Damit ist es doch nur normal, daß manche Bürger aus Besorgnis um
zuviele Datenspuren Anonymisierungsdienste nutzen. Dies sollte man
sogar noch fördern statt mit einer doch sehr fadenscheinigen
Begründung diese Bürger auszuschließen.

Wird Zeit, daß mal einige Bürger in Niedersachsen diese Idioten, die
die Entscheidung zum Ausschluß getroffen haben, verklagen. Der
Ausschluß von Seiten wie jenen des Landtags dürfte nicht nur
rechtswidrig, sondern sogar verfassungswidrig sein. Die Kontrolle des
Staates ist eine Aufgabe, auf die die Bürger einen Anspruch haben.


Quote
20. Juni 2011 14:55
Bitte auch in der Offline-Welt implementieren
Advocadus Diaboli (mehr als 1000 Beiträge seit 10.01.00)

Sprich: Jeder der ab heute in Niedersachsen irgend ein Amt betreten
will wird am Eingang aufgefordert, sich durch einen gültigen Ausweis
(der dann eingescannt und abgespeichert wird) zu identifizieren. Kann
ja nicht sein, dass ich da einfach anonym ins Bürgerbüro gehe um dort
aus dem Formularständer ein paar Formulare zu holen.

Dann merkt vielleicht auch der Offline-Bürger wie weit wir
mittlerweile gekommen sind...

Zitat, weiß aber nicht mehr von wem: "If privacy is outlawed, only
outlaws have privacy."

SCNR


Quote
20. Juni 2011 15:12
Was geht den hier ab ?
Cadyrn (57 Beiträge seit 09.03.07)

Erst liest man, das die Polizei in Dresden bei einer Demo tausende
Handys komplett überwacht hat (natürlich illegal) und dann liest man
hier, das man nur noch an Landesinfos der Webpräsenz kommt, wenn man
"nachverfolgbar" ist ??
Früher habe ich über Paranoiker gelächelt, heute bin ich mir fast
sicher, sie hatten Recht !
Was kommt als nächstes ? Und was soll man machen, wenn selbst die
Polizei sich nicht an geltendes Recht hält ...
Gruß


Quote
20. Juni 2011 15:52
+++++ niedersachsen sperrt anonyme wähler aus +++++
Homo erectus (mehr als 1000 Beiträge seit 20.04.01)

die wahlleiter des sind sich zwar bewusst, dass die städte und
gemeinden laut grundgesetz verpflichtet sind, geheime wahlen
anzubiten.
einzige gesetzliche einschränkung ist, dass "dies technisch möglich
und zumutbar ist".
laut der sprecherin hat das land aber "das recht, sich zu schützen".
für die bürger gebe es keinen absoluten anspruch auf geheime wahlen.





Aus: "Niedersachsen sperrt Anonymisierungsdienste aus" (20.06.2011)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Niedersachsen-sperrt-Anonymisierungsdienste-aus-1263719.html

-.-

Quote
[...] Der Zugriff auf die Webseiten des Bundeslandes Niedersachsen über den Anonymisierungsdienst Tor ist wieder möglich. Der technische Dienstleister, der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsens (LSKN), war in die Kritik geraten, weil er Nutzer von Services wie Tor per Blacklist für den Zugriff auf Seiten unter niedersachsen.de blockierte. Es gehe dabei im Interesse der IT-Sicherheit um den Schutz vor Angriffen aus dem Cyberspace, hatte eine LSKN-Sprecherin gegenüber heise online noch am gestrigen Montag erklärt.

Offensichtlich hat man auf Grund der Berichterstattung diese Praxis nun überdacht: "Nach betriebstechnischer Prüfung hat der Chief Information Security Officer (CISO) der Landerverwaltung, Michael Schätzke, heute festgelegt, die Sperrung der Anonymisierungsdienste aufzuheben", teilte das LSKN mit. Es habe "in den letzten Monaten keine nachweislichen über einen Anonymisierungsdienst gelaufenen Angriffe auf das CMS des Landes Niedersachsen gegeben", begründet der Mitteilung zufolge Schätzke die Entscheidung. Dennoch sei das Aussperren von Anonymisierungsdiensten rechtlich zulässig. Daher behalte sich das LSKN vor, "die Anonymisierungsdienste wieder in die Sperrlisten aufzunehmen, sollten über diese Dienste Angriffe von Hackern auf das Landes-CMS durchgeführt werden".

Laut LSKN bestand die Sperre bereits seit 2008, sie sei bisher aber niemandem aufgefallen. Damals sei bei einem Upgrade des Gateways die vom Hersteller empfohlene Sperrliste übernommen worden. Abgewiesene Nutzer haben einen automatisch generierten Fehlercode erhalten, mit dem sie sich beim Service Desk über den Grund der Ablehnung informieren konnten. Unter anderem Patrick Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hatte die Aussperrung kritisiert, da Niedersachsen rechtschaffene Bürger von den Informationen und Dienstleistungen des Landes ausgeschlossen habe, die über öffentliche Portale angeboten werden. (hob)

Quote
21. Juni 2011 18:58
Widerstand ist NICHT zwecklos (kwT)
cooregan

gruß
cooregan



Aus: "Niedersachsen hebt Sperre für Anonymisierungsdienste wieder auf" (21.06.2011)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Niedersachsen-hebt-Sperre-fuer-Anonymisierungsdienste-wieder-auf-1264768.html

« Last Edit: June 22, 2011, 09:02:15 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Anti-Zensur-System namens Telex...]
« Reply #13 on: August 05, 2011, 01:19:59 PM »
Quote
[....] Um staatliche Zensur im Internet auszuhebeln, können Nutzer mit Werkzeugen wie Tor auf gesperrte Seiten zugreifen. Die Zensoren fahnden allerdings unablässig nach solchen Proxy-Servern, um auch sie zu blockieren. US-Forscher um den Informatiker Alex Halderman haben nun ein neues Anti-Zensur-System namens "Telex" entwickelt, das sich durch solche Maßnahmen nicht aushebeln lässt, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Telex setzt eine ähnliche Art der Analyse von Datenpaketen ein, mit denen einige Länder das Web kontrollieren: Deep Packet Inspection. Das Verfahren besteht aus zwei Hauptkomponenten: der Telex-Anwendung, die auf dem Rechner eines Nutzers läuft, und den Telex-"Stationen" bei Internet-Providern, die den Datenverkehr in einem zensierten Land mit dem Rest des Netzes verbinden.

Um das Ziel einer Datenanfrage zu verschleiern, arbeitet Telex mit einem Steganographie-Verfahren. Hierbei werden die eigentlichen Botschaften mittels spezieller Algorithmen in eine offen lesbaren Nachricht eingebaut, die nichts über den geheimen Inhalt verrät.

In der Praxis funktioniert das so, dass die Telex-Anwendung zunächst eine nichtzensierte Webseite aufruft. Der Aufruf erfolgt mittels SSL-Verschlüsselung. Die Adresse der zensierten Seite, die der Nutzer in Wirklichkeit sehen will, ist als Zeichenkette in dieser verschlüsselten Abfrage enthalten.

Eine Telex-Station bei einem Provider in einem anderen Land entschlüsselt nun zunächst den SSL-kodierten Datenstrom und zieht mit Hilfe eines zusätzlichen kryptografischen Schlüssels die geheime Zeichenkette aus der Nachricht. Dann leitet die Station die Datenverbindung zu der gewünschten, im Land des Nutzers blockierten Webadresse weiter. Auf dem Rückweg wird der Datenverkehr dann so manipuliert, dass es von außen danach aussieht, als werde nur die harmlose Seite ausgeliefert, die aktuell nicht gesperrt ist. Telex soll auf dem Usenix Security Symposium näher vorgestellt werden, das am 8. August in San Francisco startet.




Aus: "Deep Packet Inspection als Anti-Zensur-Maßnahme" (03.08.2011)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Deep-Packet-Inspection-als-Anti-Zensur-Massnahme-1317344.html

http://www.cypherpunks.ca/~iang/pubs/telex-usenix.pdf

Steganographie gegen Internetzensur
03.08.11 – Brian Krebs
http://www.heise.de/tr/artikel/Steganographie-gegen-Internetzensur-1317291.html



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[Internet-Gerüchte vergiften unsere Herzen... ]
« Reply #14 on: December 17, 2011, 12:37:55 PM »
Quote
[...] Es ist ein Schlag gegen die lebhafte Kommunikationskultur, die derzeit in Teilen des chinesischen Webs herrscht: Chinesische Microblogger müssen ab sofort ihre Identität offenlegen.

Die Website ichinastock.com berichtet, dass bereits angemeldete Nutzer sich innerhalb von drei Monaten mit ihrer staatlichen Identifikationsnummer ausweisen sollen - sonst werden sie gesperrt. Neue Accounts können nur noch mit den zusätzlichen Angaben eröffnet werden.

Beschlossen hat die Regel die Pekinger Stadtverwaltung. Das Gesetz gilt deshalb zunächst nur für das in Peking ansässige Netzwerk Sina Weibo. Es handelt sich dabei um den populärsten der in China "Weibo" genannten Microblogs - rund 200 Millionen User nutzen Sina Weibo.

Weitere Netzwerke könnten demnächst dazu kommen, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters - Shanghai und Guangzhou planten demnach ähnliche Regeln.

Weibos erlauben das Austauschen von Nachrichten mit einer Länge bis zu 140 Zeichen, ähneln also sehr dem in Europa, den USA und Japan beliebten Twitter. In diesen Netzwerken kann ein User mit nur einem Mausklick die Kurznachricht eines anderen wiederveröffentlichen, was eine sehr schnelle Verbreitung von Informationen in Echtzeit ermöglicht.

Deshalb liegt es auf der Hand, dass die Regierung in Peking ein äußerst wachsames Auge auf die Microblgos hat - bei Sina Weibo sollen laut der Internet-Aktivistin Rebecca Mackinnon 1.000 Mitarbeiter nur für die Zensur der veröffentlichten Kurzmeldungen zuständig sein.

Nutzer können diese Kontrolle allerdings umgehen, indem sie systemkritische Aussagen als Bild speichern und an die Nachricht anhängen. Auch Paraphrasierungen werden genutzt, um es den Internet-Kontrolleuren schwerer zu machen.

Im August dieses Jahres deutete sich eine "Microblog-Revolution" an, als zigtausende Weibo-Nutzer offen die Regierung kritisierten. Vorausgegangen war ein Zugunglück, bei dem 40 Menschen ums Leben gekommen waren. Kritiker warfen dem Eisenbahnministerium und anderen Staatsbehörden Vertuschung und Korruption beim Bau der Strecke vor.

Die Regierung versucht seitdem zunehmend, der Meinungsäußerungen Herr zu werden, immer wieder kam es zu Verhaftungen. Mitte Dezember berichtete der Guardian über zwei Chinesen, die verhaftet worden waren, weil sie ein Polizeiaufgebot gefilmt und das Video ins Web gestellt hatten.

Wie es auf der Seite digicha.comheißt, forderten in den vergangenen Wochen zahlreiche chinesische Regierungsmedien eine stärkere Kontrolle der Kurznachrichtendienste. Mit Überschriften wie "Internet-Gerüchte sind Drogen" oder "Internet-Gerüchte vergiften unsere Herzen" machten die Zeitungen massiv Stimmung gegen die neue Kommunikationskultur im Netz.

Sollten die Weibo-Nutzung künftig härter sanktioniert werden, bleiben den chinesischen Nutzern kaum noch Alternativen. Ausländische Netzwerke wie Facebook und Twitter sind in China nicht erlaubt und werden blockiert.


Aus: "Anonymität im Netz: China will kritische Microblogger enttarnen" (16.12.2011)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/digital/anonymitaet-im-netz-china-will-kritische-microblogger-enttarnen-1.1236348