Author Topic: [Weiblichkeitskonstruktionen... ]  (Read 24657 times)

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[Sie wisse gar nicht woher sie das habe... ]
« Reply #30 on: September 16, 2014, 12:08:21 PM »
Quote
[...] Sie ist jung und hübsch, er ist alt und hat Geld: Das Phänomen Sugardaddy feiert ein ungeahntes Comeback. Nicht nur im Internet ...

... Die Motive für eine Sugardaddy-Beziehung erscheinen so offensichtlich: Das ist, ganz klar, der Rückzug in uralte Geschlechterrollen! Mysugardaddy.eu macht es den Kritikern einfach. Die Seite zeigt Bilder vom klischeehaften Inbegriff männlicher Potenz: Ein ergrauter Charismatiker umarmt eine Frau, die seine Tochter sein könnte. Neben ihnen steht eine Flasche Champagner, im Hintergrund erahnt man eine (seine?) Jacht. Reichtum, der so offen ausgestellt wird, hat für viele schon grundsätzlich etwas Anstößiges, die Filmkritikerin Linda Williams bezeichnete Geld einmal als die „ultimative Obszönität“.

... Ohne Zweifel verstoßen die weiblichen Sugarbabes gegen das Prinzip der Gleichstellung der Geschlechter, für die Generationen vor ihnen gekämpft haben. In der Babe- und Daddy-Welt herrscht die Heteronormativität in Reinform: Sein Geldbeutel bestimmt, wo es langgeht, sie wird aufs Dekorative reduziert – selbst wenn sie immerhin das Restaurant und die Schuhe aussuchen darf. Die umgekehrte Besetzung – wohlhabende Sugarmamas, die konsumfreudige junge Männer aushalten – ist auf mysugardaddy.eu nicht vertreten. Geschäftsführer Thorsten Engelmann sagt, das gebe „der Markt“ nicht her. Gleiches gilt wohl für nichtheterosexuelle Menschen.

Auffällig ist auch die Verteilungsfrage. Ein Sugardaddy kann unter vielen, sehr vielen Frauen wählen. Laut Engelmann seien von den 90.000 Nutzern aus Österreich, der Schweiz und Deutschland rund 80 Prozent weiblichen Geschlechts. „Ich bin froh, dass ich überhaupt einen abbekommen habe“, sagt Kerstin Wagner. Gleich beim zweiten Datingversuch traf sie Ralf*, der ihr seitdem 500 Euro im Monat überweist und dafür verlangt, dass sie zur Verfügung steht, wenn er für einen Geschäftstermin mal wieder nach Berlin kommt. Eine andere Frau, die sich auf dem Portal Jazz_88 nennt, sieht die Sache ebenfalls pragmatisch: „So viele Millionäre gibt es einfach nicht.“ Die meisten Männer auf der Seite seien verheiratet und keineswegs superreich, manche würden gar ihr letztes Geld für eine Geliebte ausgeben.

... Dass die Frauen, die sich anmelden, selbst ein üppiges Einkommen haben, sieht die Webseite eindeutig nicht vor: Wer als weibliches Mitglied ein Profil erstellt, hat bei der Angabe zum Beruf im Dropdown-Menü lediglich bescheiden bis prekär bezahlte Berufe zur Auswahl: Rechtsanwaltsgehilfin, Krankenschwester, Erzieherin. Generell ist der Anteil an Studentinnen recht hoch, und nicht wenige kommen aus gut betuchtem Hause. Auch Kerstin Wagners Freundin ist mit viel Geld aufgewachsen und sucht unter den Sugardaddys nun einen Partner, der ihr Luxus auch in Zukunft ermöglicht. So mancher Mann, bei dem in dieser Hinsicht Zweifel bestehen, wird von ihr einfach aussortiert. Dazu bietet die Webseite einen „Gehalts-Check“ an.

Die Menschen, die auf diesem Weg einen Partner suchen, allesamt als reaktionär oder gierig abzustempeln, wäre vermutlich zu einfach. Eine Frau nur „fürs Bett“ zu finden, das könne man auf jeden Fall günstiger haben, sagen jedenfalls der Webseitenbetreiber und auch Kerstin Wagner. Worum geht es dann aber? Um den psychologischen Reiz der Unterwürfigkeit? Und: Wäre diese Ergebenheit authentisch oder doch nur gespielt?

Wagner zumindest passt nur bedingt in das Bild von der jugendlichen Konsumdiva. Sie ist 35 Jahre alt und trägt gern geblümte Kleider, „aber nicht von Chanel, ich bin ja eher ein Hippie“. Sie arbeitet in Berlin als Erzieherin, deshalb möchte sie auch nicht, dass andere ihren richtigen Namen in der Zeitung lesen. Männer, die Geld für gutes Essen und schöne Hotels haben, fand sie „leider immer schon attraktiv“ – sie wisse gar nicht, woher sie das habe. Es klingt amüsiert, wie sie das sagt, so, als verstünde sie sich selbst nicht richtig.

...


Aus: "Komm zu Papa" Sarah Schaschek (02.09.2014)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/komm-zu-papa

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Quote
Rupert Rauch 03.09.2014 | 17:05
@Daniela Waldmann
"Plattformen wie Sugardaddys machen Frauen wieder einmal mehr zur Ware."
Fehlwahrnehmung: die Frauen machen sich selbst zu Ware. Gezwungen sind sie dazu kaum. ... Es geht um Luxus, den sie sich sonst nicht leisten können (und den sich eine Mehrheit der Männer auch nicht leisten kann).

...


Quote
Daniela Waldmann 04.09.2014 | 06:06
Lieber Rupert Rauch, anscheinend ist für Sie die Regelung von Beziehungen in der Gesellschaft (Arbeit, Beruf usw.) durch Geld so normal, dass Sie sich überhaupt nichts anderes vorstellen können und das mit Freiheit gleichsetzen.

...


Quote
Marlen Hobrack 04.09.2014 | 11:08
@Daniela Waldmann

Entschuldigung, aber ich glaube, es gibt gar keine patriarchale Kultur mehr. Und die "armen Mädels" müssten ja nicht hungern. Sie könnten, anstatt ihre Sexualität zu handeln, sich ihres eigenen Verstandes bedienen, arbeiten, Geld verdienen, den Luxus, den sie wünschen, erarbeiten. Tun sie aber nicht. Das den Männern/ Kapitalismus/ Patriarchat anzulasten, ist zu einfach. Da müssten wir schon nach dem "Entitlement" der Frauen fragen. Warum glauben Frauen, es stehe ihnen zu, ausgehalten und versorgt zu werden? Ist das Ergebnis der patriarchalen Kultur, oder vielmehr Ergebnis von Bequemlichkeit (die Hausfrauenehe ist ja letztlich nichts anderes als das Sugar Daddy-Prinzip)? Die Frauen oben sind keine Opfer einer männlichen / patriarchalen Kultur, sondern Nutznießer überholter Denkmuster.


Quote
THX1138 02.09.2014 | 12:27
... Die Realität fliegt dem Geschlechterdiskurs schon lange um die Ohren - nur merken dass die mehrheitlich weissen, gut bis sehr gut gebildeten und verdienenden Frauen aus dem gehobenen Mittelstand, die diesen abgehobenen Diskurs dominieren, gar nicht mehr - vor allem wenn sie ein gewisses Alter überschritten haben. Dass in Österreich jede zweite junge Frau gerne Hausfrau wäre, wenn der Mann genug verdient, erstaunt in diesem Zusammenhang eigentlich wenig: http://derstandard.at/1304552595944/Jugendstudie-Jede-zweite-junge-Frau-waere-gerne-Hausfrau-wenn-der-Mann-genug-verdient


Quote
Rupert Rauch 03.09.2014 | 16:32
"Geschlechterverhältnis noch irgendwie diskutiert wird, wenn die Realität jeglichem Diskurs davonläuft."
Weil es anderen Menschen offenbar ein Bedürfnis ist. Die mediale "Realität" bildet ja immer nur Ausschnitte der wirklichen Realität ab. Ich wette die Mehrheit der Frauen fände einen finanziell potenten Mann überdurchschnittlich anziehend, aber die wenigsten würden das sich oder anderen eingestehen und noch weniger würden derart billig nach einem suchen. Und neben alldem gäbe es wohl auch welche, die solche Männer eher meiden.


Quote
Daniela Waldmann 05.09.2014 | 09:44

Liebe Marlen Hobrack,
lieben Dank für Ihren Kommentar.

Zitat - Ihre Worte: „Entschuldigung, aber ich glaube, es gibt gar keine patriarchale Kultur mehr. Und die "armen Mädels" müssten ja nicht hungern. Sie könnten, anstatt ihre Sexualität zu handeln, sich ihres eigenen Verstandes bedienen, arbeiten, Geld verdienen, den Luxus, den sie wünschen, erarbeiten. Tun sie aber nicht. Das den Männern/ Kapitalismus/ Patriarchat anzulasten, ist zu einfach. Da müssten wir schon nach dem "Entitlement" der Frauen fragen. Warum glauben Frauen, es stehe ihnen zu, ausgehalten und versorgt zu werden? Ist das Ergebnis der patriarchalen Kultur, oder vielmehr Ergebnis von Bequemlichkeit (die Hausfrauenehe ist ja letztlich nichts anderes als das Sugar Daddy-Prinzip)? Die Frauen oben sind keine Opfer einer männlichen/ patriarchalen Kultur, sondern Nutznießer überholter Denkmuster.“ Marlen Hobrack


So dichtgedrängt so viel Chauvinismus und Vorurteile - und das von einer Frau. ... Sie haben weder verstanden, was ich mit meinen Kommentaren oben aussagen wollte, noch anscheinend Ihren Verstand über Luxusfragen und kapitalistische Verwertungsinteressen hinaus bemüht – um ihren Blick zu weiten, wozu Verstand noch gut sein könnte.

... Werfen Sie mal einen Blick in die Welt und einen Blick in sozialwissenschaftliche Fachliteratur. Gehen Sie mal von Latte-Macchiato-Shopping-Center-Café in die Melting Pots und zu Mädchen - und Frauenberatungsstellen. Dann wissen Sie, dass es nicht um ein bisschen Luxusfragen geht, und das Patriarchat voll wirksam ist.

... Befassen Sie sich mit der Geschichte bis hin zur Gegenwart, mit Josephine Butler, der Abolitionistenbewegung, mit Gillaume-Schack und mit all den Frauen die damals und all den Frauen die heute verzweifelt für die Durchsetzung von Frauen-, Menschen- und Bürgerinnenrechte der Prostituierten kämpfen. Befassen Sie sich mit den offenen und verdeckten Formen der Benachteiligung und Diskriminierung und Gewalt. Mit dem Thema Macht und Erniedrigung (Kate Millet).

Befassen Sie sich mit der feministischen „Hurenbewgung“ (der Name wurde von den Prosituierten selbst für die Bewegung gewählt) und selbst innerhalb der Frauenbewegung konnten und können Prostituierte nicht selbstverständlich mit Rückhalt rechnen.

Bürgerliche Frauen tragen darüber hinaus oft ganz allgemein bei zur Diskriminierung anderer Frauen. Aus dem Grund trennte sich die bürgerliche und sozialistische Frauenbewegung. Weil die Bürgerlichen zu einem großen Teil nur auf ihre Privilegien bedacht waren, und teilweise selbst zur Unterdrückung anderer Frauen beitrugen und beitragen, indem sie andere Frauen unterbezahlt putzen ließen und lassen, als Kindermädchen für ein besseres Taschengeld oder billige Pflegekräfte anstellten und anstellen.

Es ist geradezu zynisch wenn manche bürgerliche Patriarchen/innen ihre Kirchplatzsprüche loslassen, dass die Frauen, die sie tagsüber mit ausbeuten und für sich arbeiten lassen, wer packt denn die hübschen Luxusartikelchen in den Versandkarton, wer näht die Kleider, bindet die Blumensträuße (wissen Sie wie viel Floristen/innen verdienen, wie viel manche Altenpflegerinnen, Hebammen, Friseurinnen?) ...

... Statt diesen oberflächlichen Boulevard-Müll zu verfassen, sollte sich Freitag hinter die feministische Prostituiertenbewegung stellen! Sich für die Rechte der Prostituierten einsetzen, für gute Arbeitsbedingungen, für gesellschaftliche Anerkennung von Prostituieren und ihrer Arbeit schreiben. ...



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[Männliche Mädchen (Weiblichkeitskonstruktionen)... ]
« Reply #31 on: September 16, 2014, 12:17:58 PM »
Quote
[...] Leanders Nachkriegskarriere hat ein besonderes jüngeres Publikum angelockt. Von der Presse als "kaum glaubliche Scharen junge Männer," oder "ganze Gruppen schöner Männer in schwarzen Samtanzügen" beschrieben (Seiler 1985, 173, 176), sind die "Junggesellen" um Leander nicht nur ein deutliches, öffentliches Phänomen in ihrem empirischen Publikum, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil ihres zerfallenden Starimages der 60er und 70er Jahre  ...

... In Richard Dyers (1986) Beschreibung der schwulen Fans von Judy Garland wird eine Reihe von Faktoren aufgezählt die den Star für die anglo-amerikanische schwule Fankultur so attraktiv machen: Androgynie, "camp" [https://de.wikipedia.org/wiki/Camp_%28Kunst%29] und Gewöhnlichkeit ["ordinariness"]. Versucht man analog bei Leander die entsprechenden Aspekte ihres Images herauszupräparieren, so sind die folgenden drei Faktoren für ihre "queere" Anziehungskraft entscheidend: das transvestitenhaft Künstliche, Mutterschaft, und eine extravagante Sexualität. Diese Formen sind, wie Dyer auch beim Garland-Kult feststellt, bestimmt nicht beliebig; ob sie als Erklärung für die schwule Verehrung der Leander hinreichen, bleibt allerdings fraglich.

... Das Monumentale an Zarah wirkt irgendwie peinlich; Zarah anzuhören, ihre Filme aus der Nazizeit anzuschauen, und das Ableben ihrer Nachkriegskarriere zu verfolgen: all dies erzeugt einen Affekt, der einzigartig scheint. Sie ist anderen deutschen Stars der Nazizeit - z.B. dem Image Heinz Rühmanns und seiner vermuteten Harmlosigkeit, oder Hans Albers' "Widerstand" – unähnlich, weil ihr Starruhm nicht in irgendeine Art weißgewaschene nationale Nostalgie reintegriert werden kann. ...


Aus: "Brian Currid: "Es war so Wunderbar!" - Zarah Leander, ihre schwulen Fans, und die Gegenöffentlichkeit der Erinnerung" (1998)
Quelle: http://www.montage-av.de/pdf/071_1998/07_1_Brian_Currid_Zarah_Leander.pdf

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Quote
[...] Wahrscheinlich gibt es keine homophoberen Institutionen als Armeen. „Männlichkeit“ in möglichst martialischer Form ist dort das Ideal, und weil Homosexuelle als „unmännlich“ gelten, versuchen die Befehlshaber, sie von den Kasernen fernzuhalten. Was natürlich nicht gelingt. Gleichzeitig waren und sind die Streitkräfte bis heute eine Hochburg der Travestie. Allerdings eher unfreiwillig, aus der Not geboren. Im Schwulen Museum steht eine deutsche Soldatenuniform mit Pickelhaube aus dem Ersten Weltkrieg neben einer Vitrine mit dem Strafgesetzbuch von 1898, in dem die Seite mit dem Paragraphen 175 aufgeschlagen ist, und etwas weiter ist das prachtvoll gerüschte Kleid eines Damendarstellers zu sehen. Bereits dieses Ensemble im Eingang der Ausstellung „Mein Kamerad – die Diva“, verdeutlicht die Widersprüche ...

Es handelte sich um ein Theater der Träume, bei dem, schrieb ein Hauptmann Flatz, „die Illusion proportional zur Intensität des Dekolletés schwindet, wenn männliche Mädchen allzu sehr enthüllt werden“. Männliche Mädchen gehören bis heute zu jedem Krieg. Die Ausstellung endet mit Fotos eines Andrea-Berg-Imitators beim KFOR-Einsatz im Kosovo.

...


Aus: "Die große Illusion" Christian Schröder (15.09.2014)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/ausstellung-im-schwulen-museum-die-grosse-illusion/10704992.html

« Last Edit: September 30, 2014, 09:34:27 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Die Paare sind gefangen in jahrhundertealten Vorstellungen... ]
« Reply #32 on: October 02, 2014, 11:31:13 AM »
Quote
[...] Warum fallen Männer und Frauen in alte Rollen zurück, wenn das erste Kind geboren ist? Ein Gespräch mit dem Soziologen Michael Meuser Interview: Katrin Hörnlein

ZEIT: ... Ist Gleichberechtigung in der Partnerschaft heute selbstverständlich?

Meuser: Viele Paare streben danach, aber beim ersten Kind fallen sie in ganz traditionelle Rollen zurück: Die Mutter erzieht die Kinder, der Vater verdient das Geld. Die Paare sind gefangen in jahrhundertealten Vorstellungen, was Weiblichkeit und was Männlichkeit ausmacht. Und sie spüren diese Erwartungen in ihrer Umwelt. Deshalb können sie relativ reibungslos in alte Muster zurückkehren, auch wenn sie früher ein anderes Ideal angestrebt haben.

ZEIT: Aber sie müssen doch bemerken, dass ihr Anspruch und ihr Verhalten plötzlich auseinanderfallen?

Meuser: Häufig finden Paare Erklärungen, die ihre eigenen Ansprüche auf Gleichberechtigung nicht verraten. Wir nennen das Konsensfiktion. Zum Beispiel erklären sie die Kinderbetreuung durch die Mutter damit, dass der Vater mehr verdient. Gleichzeitig betonen sie, dass der Mann selbstverständlich kein Problem gehabt hätte, seine Arbeitszeit zu reduzieren, wenn die Frau mehr verdienen würde. Interessant ist, dass solche Erklärungen in hohem Maße von den Frauen formuliert werden. Sie entlasten also den Mann, der sich nicht dafür rechtfertigen muss, dass er seine Karriere fortführt.

ZEIT: Warum tun Frauen das?

Meuser: Im traditionellen, bürgerlichen Familienmodell besitzt die Frau die Definitionsmacht in der Familie. Noch immer wird ihr die größere Kompetenz in der Kinderbetreuung zugeschrieben. Sie lobt den Mann für getane Hausarbeit, urteilt aber auch darüber, ob er seine Aufgabe gut macht.

...

Quote
   GTI
    13. Juni 2014 20:28 Uhr

Männer haben keine Chance auf Gleichberechtigung, da die Frauen gleich erstmal Elternzeit haben wollen, mindestens 1 Jahr. Dann hat sich alles schon eingespielt.

Quote
   Superlutz
    12. Juli 2014 15:07 Uhr

... Wenn einem die Schwangerschaft der Frau nicht gerade "angehängt" wurde, hat mann durchaus die Möglichkeit eine Partnerin zu suchen, die da eher an Gleichberechtigung interessiert ist.

So eine Partnerin übereilt auch Männer nicht wie ein Schicksalsschlag. Meist haben auch die Männer da ein Wort mitzureden, mit wem sie eine Familie gründen wollen.

Auch hier gilt die alte Binsenweisheit: Meist gehören zwei dazu. Und die "Tatsache", das 'Männer keine Chance auf Gleichberechtigung haben, einzig und alleine dem weiblichen Wunsch nach Erziehungsurlaub zuzuschreiben ist ähnliches Heulsusen gehabe, wie die Klage über den gender-Pay-Gap, wenn dabei geflissentlich übersehen wird, dass diese Lücke größtenteils daraus resultiert, das Frauen sich leider tendenziell in schlechter Bezahlten Branchen wohlfühlen und es leider wenige Menschen gibt, die einer Kindergärtnerin das gleiche Gehalt wie einem Ingenieur zahlen wollen.



Quote
   Silius
    13. Juni 2014 20:34 Uhr

Eigenartig

Man stellt fest, dass die Rollenmuster außerordentlich stabil sind, dann stellt man fest, dass sie von beiden Geschlechtern bestätigt werden und gewollt sind, und dennoch sind sich Journalistin und Soziologe begründungslos darin einig, dass man dies ändern müsse.

Quote
   White_Chocobo
    13. Juni 2014 21:49 Uhr

Das gilt lange nicht für alle!

Sie verallgemeinern hier in einer völlig unzulässigen Art und Weise. Lange nicht alle Paare sind mit dieser tradierten Rollenteilung einverstanden bzw. wollen diese leben, sehen sich aber häufig aus den verschiedensten Gründen dazu genötigt.

Des Weiteren implizieren Sie, dass man an den genannten Befunden sehen könne, dass eben doch "natürliche" oder "sinnvolle" Unterschiede zwischen Männern und Frauen gäbe und dass aufgrund dessen sich die Verhältnisse nicht ändern. Damit suggerieren Sie, dass die Situation in der Paare sind bzw. sich begeben (müssen) immer die gleichen Beweggründe haben und ignorieren die Vielschichtigkeit der Gründe, die dazu führen kann, dass sich Paare für ein bestimmtes Arrangement entscheiden (ob sie damit nun glücklich sind oder nicht).

Schließlich ignoriert ihre naturalisierende/biologisierende Position, dass es heute auch viele Männer gibt, die sich entsprechend stark innerhalb der Familie engagieren wollen, dies aber häufig aufgrund entsprechender Tradierungen im Hinblick auf Geschlecht, Erwerbsarbeit, dem sozialen Umfeld etc. nicht können! Wo greift denn hier die "klassische Rollenlogik"?
Alternativ würde dann bei gut 30% aller Männer etwas "falsch" laufen...

Der Punkt ist einfach folgender: bestehende Strukturen und Institutionalisierungen ändern sich nicht so schnell, auch wenn einzelne Personen sich das vielleicht wünschen und darunter leiden und nicht, weil die Biologie oder Gott eingerichtet haben, dass es diese Sphärentrennung gibt.




Aus: "Gleichberechtigung: "Es entstehen neue Konflikte"" (13. Juni 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/2014/23/gleichberechtigung-kindererziehung-rollenverteilung?commentstart=49#cid-3725037


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[Wofür... ]
« Reply #33 on: October 02, 2014, 05:16:10 PM »
Quote
[...] Wofür wird hier wohl geworben? Eine Frau sitzt in einem Laden und probiert Schuhe an. Bunte Highheels hinter ihr, daneben warten ihre zwei Töchter mit Kuscheltier. Oder: Eine Frau steht in eng anliegender Bluse vor einem Kleiderschrank. So, als überlegte sie, was sie anziehen soll. Oder: Eine Frau, stark geschminkt, sitzt in figurbetontem Sportoutfit in einer Umkleidekabine. Mitarbeiterin bei "Zalando"? Mitgliedschaft in einem Frauenfitnessstudio? Falsch: Auftraggeber ist die Bundeswehr.  ... Die Kampagne suggeriert zwei Dinge: Frauen werden nicht wegen ihrer Fähigkeiten gesucht, sondern weil sie gut aussehen. Zweitens: Frauen interessieren sich nur für Schuhe, Kleider und ihr Aussehen. Sie sind immer auch als Mutter im Einsatz. Und: Frauen sind nicht im normalen Arbeitsalltag, in der Normalität mit Männern und anderen Frauen abgebildet. Hinzu kommt: Dass auch um einen Dienst an der Waffe geworben wird, dass Frauen auch Panzer fahren oder Kampfjets fliegen, davon findet sich in der Kampagne nichts. ... Eine Kampagne, die beinahe schon satirisch wirkt, so daneben liegt sie. Man fragt sich: Wie konnte das durchgehen, in einer Zeit, in der die Chefin der Streitkräfte eine Frau ist? ...

Quote
Das nennt sich ...
campdavid heute, 13:54 Uhr
... schlicht und ergreifend Marktwirtschaft, und auf die Zielgruppe zugeschnittene Werbung. Wenn statistisch betrachtet ein Großteil der Frauen betont dass ihnen Sachen wie Kleidung, Sport & Familie wichtig sind dann wird man die Werbung eben genau darauf ausrichten. Ich kann ein Stück weit verstehen dass sich manche Frauen dadurch überhaupt nicht angesprochen fühlen, aber vielleicht sind diese Frauen auch gar nicht die Zielgruppe die man erreichen möchte. Werbung ist perfide und spielt mit Stereotypen, hat sie eigentlich schon immer gemacht.
http://www.spiegel.de/forum/politik/werbung-fuer-die-streitkraefte-bundeswehr-blamiert-sich-mit-frauen-kampagne-thread-162030-1.html#postbit_18632370

Quote
insomnium heute, 14:08 Uhr
Selten doofe Kampagne, für die aber vermutlich noch eine Menge Geld bezahlt wurde. Dass Bundeswehr-Werbung in etwa alles zeigt, nur nicht die Realität, gilt aber nicht nur für "Frauen-Werbung". Ich erinnere mich noch an einen Werbespot, da stellte sich die Bundeswehr als Abenteuerspielplatz für große Jungs dar.
http://www.spiegel.de/forum/politik/werbung-fuer-die-streitkraefte-bundeswehr-blamiert-sich-mit-frauen-kampagne-thread-162030-4.html#postbit_18633126

Quote
dämlich
trazom2011 heute, 14:49 Uhr
Die Werbekampagne soll eine bestimmte Zielgruppe ansprechen und nicht Feministen begeistern. ...
http://www.spiegel.de/forum/politik/werbung-fuer-die-streitkraefte-bundeswehr-blamiert-sich-mit-frauen-kampagne-thread-162030-9.html#postbit_18635975

...


Aus: "Werbung für die Streitkräfte: Bundeswehr blamiert sich mit Frauen-Kampagne" Anna Reimann (02.10.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-werbekampagne-fuer-frauen-blamiert-von-der-leyen-a-994997.html


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[Ich wollte mehr... ]
« Reply #34 on: February 26, 2015, 10:41:08 AM »
Quote
[...] Die Geschichtsschreibung zum Holocaust hat die Verbrechen von Frauen lange ausgeblendet. Dabei gingen sie zu Hunderttausenden in die besetzten Gebiete in Osteuropa - als integraler Bestandteil der Vernichtungsmaschinerie.  ... Zu den Mythen der Nachkriegszeit gehört der von der unpolitischen Frau. Nach dem Krieg sagten viele Frauen vor Gericht aus – oder erklärten in oral histories – , dass sie nur Büroangelegenheiten erledigt oder sich um die sozialen Aspekte des Alltagslebens gekümmert hätten. Sprich: um die Pflege oder um die Pflichten anderer, im Osten stationierter Deutscher.
Fast schien es, als hätten Frauen im NS-Männerstaat keine aktive Rolle gespielt – so wie das 1936 von Adolf Hitler vorgegebene Frauenbild sie an Heim und Herd verbannte. Abgesehen von einigen Ausnahmen wie Irma Grese, der „SS-Megäre“ aus Bergen-Belsen und „Hyäne von Auschwitz“, oder von Hermine Braunsteiner, der „Stute“ von Majdanek.
Diese auch in der Forschung verbreiteten Porträts aber waren Karikaturen, oftmals pornografisch verzerrt. Die starke Fokussierung auf die schlimmsten KZ-Aufseherinnen hat lange eine nuancierte Diskussion über die Beteiligung und das schuldhafte Verhalten von Frauen an den Verbrechen der NS-Zeit verhindert. ... Die „Frauenfrage“ wurde in der NS-Zeit nicht beiseitegeschoben, sondern neu gestellt. Das Private wurde politisch. Der Zugriff der Bewegung reichte bis ins traute Heim: Frauen und Mädchen holte man zu öffentlichen Versammlungen und Paraden auf die Straße, sie wurden zu Arbeitseinsätzen aufs Land geschickt, sie wurden zu Marschierübungen, Hauswirtschaftskursen und medizinischen Untersuchungen und Fahnenappellen versammelt. In ihren Memoiren und in Gesprächen erzählten viele von ihren Ambitionen: „Ich wollte etwas werden“, „ich wollte mehr“ – Aussagen, die sich so oder so ähnlich immer wieder finden. ...

Die Autorin ist Professorin für Geschichte am Claremont McKenna College, Kalifornien. Von ihr ist das Buch „Hitlers Helferinnen“ (Hanser Verlag, München 2014) erschienen.


Aus: "Verbrechen von Frauen im Holocaust Hitlers willige Helferinnen" Wendy Lower (02/2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wissen/verbrechen-von-frauen-im-holocaust-hitlers-willige-helferinnen/11424378.html

« Last Edit: September 10, 2015, 02:52:42 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Ein Spagat zwischen zwei Welten... ]
« Reply #35 on: September 10, 2015, 02:49:38 PM »
Quote
[...] Die Emanzipation, der Zeitgeist der 68er Jahre, war für mich nicht relevant. Nach dem Vorbild meiner Mutter war ich einerseits zufriedene Hausfrau, Mutter einer Tochter und Ehefrau. Als Architektin war ich kämpferisch, um die bestmögliche technische und ästhetische Lösung zu finden. Dies war oftmals ein Spagat zwischen zwei Welten. Um allem gerecht zu werden, versuchte ich weitgehend diese Bereiche auseinander zu halten, und doch kam es immer wieder vor, das auf Küchenzetteln oftmals die besten Entwürfe entstanden. ...


Aus: "STRUKTURFORMEN DER MODERNEN ARCHITEKTUR DER 50er JAHRE IN DEUTSCHLAND - Zum Einfluss der Wechselwirkung der Trag- Konstruktion auf die ästhetische Gestaltung vorbildlicher Bauten aus Düsseldorf und Kassel im Vergleich." Grit Kluthe (2009)
Quelle: https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/bitstream/urn:nbn:de:hebis:34-2009111130977/1/DissertationGritKluthe.pdf

« Last Edit: September 10, 2015, 02:53:27 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Kleine Typologie der... ]
« Reply #36 on: March 17, 2016, 12:39:53 PM »
Quote
[...] Die esoterische Frau - Sie glaubt fest daran, dass ein Mann nur dann ins Leben kommt, wenn ein kleiner Kristall im Fenster hängt. Wenn sie Kreislaufprobleme hat, legt sie sich einen Rosenquarz auf's Sonnengeflecht. Sie hat immer Bachblüten und Schüssler Salze im Haus. Ihre Lieblingsfarbe ist ocker. Sie scheut sich nicht, zu Kuschelparties oder Kamasutra-Workshops zu gehen. Der wichtigste Ort ist ihre eigene Mitte.

...

Naaa. Während die "Typologie der Männer" http://annikahansen7.blogspot.de/2016/03/kleine-typologie-der-manner.html durchaus auch wertend und kritisch war, ist hier davon nichts von zu lesen. Nur Witzchen. Tzetze. Ich hol das mal nach und betone, dass ich Frauen dennoch mag ;-)


Aus: "Kleine Typologie der Frauen (Gastbeiträge von Frau S. und Epikur)" (Sonntag, 13. März 2016)
Quelle: http://annikahansen7.blogspot.de/2016/03/kleine-typologie-der-frauen-gastbeitrag.html


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[...kaum erwähnt. ]
« Reply #37 on: April 11, 2016, 11:32:05 AM »
Quote
... Die wohl progressivste aller schwangeren Filmfiguren ist freilich die, die ihren Zustand kaum erwähnt. „Ich finde, Frances - McDormand in Fargo ist die größte Schwangere der Filmgeschichte“, sagt Alice Lowe.


Aus: "Geringe Erwartungen" Anna Smith (Ausgabe 1216 | 06.04.2016)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/geringe-erwartungen

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[Weiblichkeitskonstruktionen... ]
« Reply #38 on: April 29, 2016, 09:59:26 AM »
Quote
[...] Hegel erklärte in den Grundlinien der Philosophie des Rechts, Frauen und Politik passten schlecht zusammen: "Stehen Frauen an der Spitze der Regierung, so ist der Staat in Gefahr, denn sie handeln nicht nach den Anforderungen der Allgemeinheit, sondern nach zufälliger Neigung und Meinung." Als Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht kämpfen, befürchtete man, sie würden sich nicht mehr um den Haushalt kümmern, ihre Kinder verelenden lassen und ihre Männer knechten. Als Frauen in den Siebzigerjahren für das Recht auf Abtreibung kämpften, warf man ihnen unter anderem vor, sie wollen nur "durch die Betten hüpfen". Und als es vor Kurzem in Deutschland darum ging, ob die Pille danach als Notfallverhütung rezeptfrei erhältlich sein sollte, wie in vielen anderen Ländern auch, da wurde der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Jens Spahn, nicht müde zu erklären, dass solche Pillen "nun mal keine Smarties" seien, ganz so als würden Frauen anfangen, sich davon zu ernähren, sobald sie frei in der Apotheke verfügbar wären.

Die Frau, das irrationale Wesen, das Freiheit nicht verträgt und sogar vor sich selbst beschützt werden muss - so weit, so traditionell und frauenfeindlich.

Aber es ist eben nicht nur das. Die Idee, es könnte nach einer Erweiterung des Sexualstrafrechts massenhaft zu Falschbeschuldigungen kommen, zeigt, wie sehr wir daran gewöhnt sind, zuerst an Männer zu denken.

Und das, obwohl die Lage so klar ist. Jede siebte Frau in Deutschland erlebt schwere sexualisierte Gewalt. Die allermeisten Frauen, die vergewaltigt werden, zeigen die Tat nicht an (je nach Studie 85 bis 95 Prozent), und in den meisten Fällen, in denen eine Tat angezeigt wird, kommt es nicht zu einer Verurteilung. Es gibt also offenbar erstens das Problem, dass sexualisierte Gewalt sehr verbreitet ist und zweitens das Problem, dass Frauen, die solche Gewalt erleben, sehr häufig erleben müssen, dass sie rechtlich nicht hinreichend geschützt sind. Als Falschbeschuldigungen werden in Deutschland laut einer Studie der London Metropolitan University aus dem Jahr 2009 gerade einmal drei Prozent der Anzeigen eingeschätzt.

Und trotzdem ist der erste - und letzte - Gedanke vieler, die von einer Verschärfung des Sexualstrafrechts hören: Ja, aber ist das nicht blöd für die Männer?

Im Ernst? Ich weiß, es ist schwer. Uns allen hat das Patriarchat tief ins Hirn geschissen, dass Männer mehr wert sind als Frauen, und es ist unglaublich schwer, sich das alles wieder aus dem Kopf zu kratzen. ...



Aus: "Sexualstrafrecht: Wäre die Vagina doch ein Auto" Aus einer Kolumne von Margarete Stokowski (28.04.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sexualstrafrecht-waere-die-vagina-doch-ein-auto-kolumne-a-1089732.html

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CobCom gestern, 21:13 Uhr
[Zitat von Balschoiw]Es ist schon weltfremd, den Frauen jetzt auch noch eine körperliche Verteidigungspflicht mit auf den Weg zu geben, um nach einer Vergewaltigung überhaupt von einer Vergewaltigung sprechen zu dürfen. Das ist schlicht krank. Sobald sexuelle Handlungen nicht einvernehmlich stattfinden müssen sie geahndet werden und der Opferschutz solte hierbei an oberster Stelle stehen. Ich stimme ihrem Kommentar ausdrücklich zu Frau Stokowski. Das was hier an "Neuerungen" implementiert werden soll ist weltfremd und hirnverbrannt und zutiefst frauenfeindlich.
Diese Strafbarkeit entspricht bereits der aktuellen Rechtslage und der Rechtstheorie. Das Problem ist die Rechtspraxis, genauer, die Beweisführung. Ist es so schwer, zu kapieren, dass ein Gericht Probleme bekommt, wenn zwei durch eine Tür in ein Zimmer gehen, unstreitigerweise und ohne merkwürdige Spuren zu hinterlassen miteinander schlafen, wieder herauskommen und dann zwei komplett unterschiedliche Geschichten erzählen? Da gibt es einfach die Schwierigkeit, dass das Gericht ganz überwiegend von Schuld, Vorsatz und objektiver Erfüllung des Tatbestands überzeugt sein muss, um zu verurteilen. ...



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vera gehlkiel gestern, 21:05 Uhr
[Zitat von Klaus Klammer]sage ich zu meiner Frau, es ist genug. Nein, ich will keinen Nachschlag auf den Teller. Es hilft nichts. Sie legt weiter drauf. Ich fühle mich gemästet, leide unter Adipositas und finde kein Gegenmittel. Sicher, ich könnte den Teller auch an die Wand schmeissen oder ihn einfach ganz entschieden wegschieben aber ein NEIN muss doch ausreichen. Wenn ein blosses NEIN nicht reicht, dann bin ich Opfer brutaler Gewalt.
Ihnen würde ich einfach mal gönnen, dass sie drei muskelbepackte angesoffene Typen in irgend einer schmierigen Ecke abpassen. Es soll für sie nicht zum "Äussersten" kommen müssen (auch Männer werden ja gelegentlich Opfer von sexualisierter Gewalt), aber zehn Minuten richtig Schiss vor dem, was gleich passieren könnte, sollten sie schon haben. Die Hände von denen an sich, ihre hässlichen Fratzen in unmittelbarer Nähe ihres eigenen Gesichtes erleben. Vielleicht, dass man sie einfach mal nacheinander küsst, und ihnen jeder von denen einmal in Ruhe die Hand in den Schritt legen darf; was sie still aushalten, damit die ihnen ihr Gesicht nicht zu Brei zerschlagen. Und dann könnten sie ganz lieb und nett bitte bitte, lasst mich doch gehen, sagen; und diese Jungens gucken sich an und sagen: komm lass diese dämliche Schlampe doch, dahinten kommt sowieso jemand. Puh, sagen sie dann bestimmt zu ihrer Frau, mit ist heute was Lustiges passiert. Und sie sind, ei der Daus, noch nicht mal vergewaltigt worden, geschweige denn, sie hätten deutlich "Nein" gesagt. Diese Typen können jeden Tag an ihrem Haus vorbeigehen, was die mit ihnen gemacht haben, ist nur ein nettes Gespräch.


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denis_werner gestern, 20:39 Uhr
Letztlich geht es doch darum, Gewalt gegen Frauen zu vermeiden, oder? Wenn dem so ist, dann wird vermutlich kein Gesetz der Welt helfen, die Gewalt tatsächlich zu reduzieren, wenn nicht grundlegendere Diskussionen geführt werden. Dass ein "Nein" alleine schon ausreichen muss, um dann dennoch erzwungenen Sex strafbar zu machen, ist selbstverständlich, da es ein unrechtmäßiger Eingriff in die schutzbedürftige Intimsphäre eines anderen Menschen ist. Aber mit Gesetzen alleine lassen sich keine Ursachen beseitigen. Diese sind meines Empfindens nach tiefer verwurzelt, z.B. in gesellschaftlichen Strukturen.



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Die Zahl der falschen Beschuldigungen ist viel höher
agt69 gestern, 18:38 Uhr
Als Vater zweier Töchter wünsche ich mir für Sexualstraftäter, die der Tat überführt wurden, die härtest mögliche Strafe. Ich wehre mich gegen jede Form der Verharlosung sexuellen Mißbrauchs und Aussagen wie "sie hat es doch auch gewollt" oder "dann hätte sie sich anders anziehen müssen" sind für mich das allerletzte. Ich unterstütze jede Verschärfung des Sexualstrafrechts! Ich finde es aber nicht in Ordnung, wie in diesem Artikel über die Möglichkeit einer Falschbezichtigung hinweggewischt wird, als sei das alles ein Hirngespinnst des Patriarchats. Die Aussage, die Quote falscher Beschuldigungen läge bei 3%, ist einfach nicht haltbar. Ich zitiere hier aus einem Artikel der ZEIT: " Der Kieler Psychologieprofessor Günter Köhnken, einer der gefragtesten Glaubwürdigkeitssachverständigen Deutschlands, schätzt die Quote der Falschbeschuldiger unter den von ihm Untersuchten auf 30 bis 40 Prozent. Klaus Püschel, Direktor des Rechtsmedizinischen Instituts Hamburg, das die größte deutsche Opferambulanz betreibt, konstatiert, im Jahr 2009 hätten sich 27 Prozent der angeblich Vergewaltigten bei der ärztlichen Untersuchung als Scheinopfer erwiesen, die sich ihre Verletzungen selbst zugefügt hatten. Nur in 33 Prozent der Fälle habe es sich erwiesenermaßen um echte Opfer gehandelt, bei den restlichen 40 Prozent sei die Rechtsmedizin zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. Die Tendenz zum Fake hat laut Püschel erst in den vergangenen Jahren eingesetzt. Bis dahin habe die Falschbeschuldigungsrate über Jahrzehnte konstant bei fünf bis zehn Prozent gelegen." Nachzulesen hier: http://www.zeit.de/2011/28/DOS-Justiz/komplettansicht Falschbeschuldigung wird im Sexualstrafrecht zu einem zunehmenden Thema, grade wenn die Beziehung in die Brüche geht und Sorgerechts- und Unterhaltsstreitigkeiten anstehen. Daher ist es auch sinnvoll, wenn der Gesetzgeber dies berücksichtigt und Polizei und Gerichte entsprechend sensibilisiert werden. Ich würde mir von einer bekennenden Feministin wie Ihnen, Frau Stokowski, einmal einen Artikel wünschen, die mit all jenen Ihrer Geschlechtsgenossinnen hart ins Gericht geht, die den Vorwurf der Vergewaltigung für ihre persönliche Rache, oder einfach nur zum finanziellen Vorteil nutzen und damit den wirklichen Opfern schwersten Schaden zufügen.



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SchlechteReformSchlechterKommentar
Barillapestoistliebe gestern, 18:32 Uhr
Grundsätzlich haben Sie ja Recht. Der neue Entwurf ist nicht gerade ein Glanzstück. Ihr Kommentar liest sich aber ein bisschen arg einseitig. Zum Beispiel wenn Sie darauf hinweisen, dass nur ein Bruchteil der tatsächlichen Vergewaltigungen angezeigt wird. Hier muss man durch bessere Aufklärung oder möglicherweise einer geeigneten Anlaufstelle für Frauen in so einer Situation Abhilfe leisten. Ein schärferes Gesetz hilft da erstmal auch nicht. Das "Nein heißt Nein" sollte trotzdem rein. Es ist nachvollziehbar dass es Frauen gibt, die aus Panik/Schock/Angst die Sache einfach nur hinnehmen weil sie sich nicht mehr trauen sich zu wehren. Trotzdem glaube ich dass das vor Gericht einfach schwierig wird wenn es sonst keine Beweise gibt. Letztlich heißt es im Strafrecht grundsätzlich "im Zweifel für den Angeklagten". Wo wir wieder bei dem Punkt wären, dass das grundsätzliche Problem der geringen Verurteilungen und Anzeigen dadurch auch nicht verbessert wird. Der Vorwurf dass die bösen Männer hier Schuld sind, an die immer zuerst gedacht wird finde ich aber daneben. Und zu Ihrer Statistik, wie viele Männer Opfer falscher Beschuldigungen werden: Das ist im Übrigen umstritten. Fakt ist, auch wenn das Verfahren eingestellt wird, ist danach das Leben für den betroffenen Mann gelaufen. Zumindest wenn es ein Mann ist der irgendwie richtig im Leben steht und soziale Bindungen sowie einen ordentlichen Beruf hat. ... In diese Richtung muss also auch gedacht werden. Verstehe nicht, wieso man da nicht normal diskutieren kann was das Beste ist, sondern so einen merkwürdigen Geschlechterkampf daraus machen muss.


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Problem mit dem Inhalt der Kolumne
Racer77 gestern, 18:30 Uhr
Ich habe ein ganz klares Problem mit dem Inhalt dieser Kolumne. Es wird mir einmal wieder zu pauschal davon ausgegangen, dass Frauen immer nur Opfer und Männer immer nur Täter bei Vergewaltigungen sind. Wenn im Text steht, dass 85-95% aller Frauen eine Vergewaltigung nicht anzeigen, so vermute ich mal, dass mindestens 99% der Männer eine Vergewaltigung nicht anzeigen werden. Sei diese Vergewaltigung von einer Frau oder einem Mann durchgeführt worden. Ja, auch Frauen können Männer vergewaltigen, also zum Sex zwingen. Kommt insbsondere bei Vergewaltigungen im Rahmen einer Beziehung vor. Aber sowohl in diesen Fällen als im auch im Fall häuslicher Gewamt wird leider immer noch vom männlichen Täter und weiblichem Opfer ausgegangen. Vielleicht muss man das auch einmal aus den Hirnen der Feministinnen auskratzen, wie ja die liebe Frau Stokowski es mit dem Patriarchat bei den Männern tun möchte...



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Ich als Mann
bouncyhunter gestern, 19:24 Uhr
möchte erobert werden!Kommt her ihr Frauen!Nach den ersten Körperkontakten eurerseits entscheide ich selbst ob ich das stimulierend finde,oder einen Grund für eine Anzeige suche(vielleicht abhängig von eurem Aussehen oder Geldbörse).Auch ein von mir dahingehauchtes "Nein" könntet ihr als kokette,laszive Anweisung deuten,es weiter zu versuchen.Viel Spass mit mir!!!



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Wenn es nicht...
arlteagan gestern, 20:33 Uhr
...so traurig wäre, könnte man sich fast darüber amüsieren, wie diese Debatte geführt wird. Worum geht es denn hier? Es sollen Menschen geschützt werden vor kriminellen Übergriffen in die Selbstbestimmung. Absolut richtig! Aber während einige der Beteiligten Vergleiche ziehen, drehen andere die Worte von rechts nach links - und insgesamt wird das Thema (mal wieder) eher zerstückelt als gelöst. Warum ist es denn so wichtig, genaue "Abläufe" festzuschreiben? Ist es tatsächlich nötig, dass ein "Nein" geäußert werden muss? Gilt das dann nur für die deutsche Sprache - oder ist ein "Non" auch okay? Fällt "Bitte nicht" oder "Lass mich in Ruhe" auch darunter? ... Es geht doch darum, dass Menschen sich gegen (sexuelle) Gewalt wehren können bzw. davor geschützt werden. Und wer bei anderen diese Selbstbestimmung missachtet, soll bestraft werden. Wie wäre es, wenn auch der gesunde Menschenverstand mal wieder zählen darf? Auch die Gerichte machen sich ja ein Bild von der Tat - und alle möglichen Konstellationen sind in Worten von Paragraphen gar nicht abzubilden. Reicht es denn nicht, den Strafrahmen für Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung festzulegen? Und warum wird überall Gerechtigkeit betont - und selbst von mutmaßlich sehr gebildeten und informierten Menschen ständig von Frauen als Opfern gesprochen? Sind Männer per definitionem immun gegen sexuelle Gewalt? Ich finde es unfassbar schade, dass ein so wichtiges Thema nicht so vernünftig behandelt wird, wie es möglich wäre. Daten gibt es genug - und intelligente Menschen gibt es auch genug. Aber das scheint auch in Kombination nicht zu reichen. Frustrierend.



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Vergewaltigungsparagraf
Mimeu gestern, 18:27 Uhr
Also nur zur Erinnerung: Schon jetzt ist es strafbar, gegen den Willen des anderen jemand zum Sex zu zwingen. Das muss auch nicht mit Gewalt sein. Es geht auch mit Drohungen, Ausnutzen von Machtstellungen, und mehr. Es stimmt einfach nicht, dass Sex gegen den Willen des anderen nicht bestraft werden kann. Also gilt heute schon, dass Nein Nein heißt. Die Probleme, etwas zu beweisen, wenn zwei Leute miteinander allein waren, werden dieselben bleiben, auch wenn man die Strafen verschärft.



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Furiosus gestern, 18:22 Uhr
Warum ist es denn für die Autorin und andere Laien so schwer zu verstehen, dass es sich um ein Beweisproblem und nicht um ein materielles Rechtsproblem handelt, was dazu führt, dass keine Reform daran etwas ändern könnte. Ein nein reicht auch heute, entgegen falscher anderslautender Behauptun, absolut für eine Vergewaltigungsstrafbarkeit aus. Das Problem ist, dass in einem Fall, in dem Aussage gegen Aussage steht und sonst keine Beweismittel (etwa Kampfspuren, daher dieser Mythos, dass verlangt würde, dass das Opfer sich wehrt ) in einem Rechtsstaat in dubio pro reo freigesprochen wird. Was ist die Lösung der Autorin? Unschuldsvermutung abschaffen? Das ist das einzige, was "helfen" würde. Damit würden wir uns vom Rechtsstaat verabschieden. Ansonsten muss die Autorin und alle anderen akzeptieren, dass es sich um ein rechtstaatliches Dilemma handelt, das schlichtweg nicht lösbar ist.



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So, jetzt nochmal was...
DDM_Reaper20 gestern, 19:25 Uhr
...als Mann kann ich nur folgende Verhaltensregeln empfehlen, sollte ein Mann den Drang verspüren, mit einer Frau zu schlafen: 1. Sei absolut EHRLICH. Sage, was du willst, mit klaren Worten. --> "Willste ficken" ist "Wollen wir nicht schick was essen gehen und 'ne Runde tanzen" ganz klar den Vorzug zu geben, da mit ersterem ganz eindeutig geklärt ist, was der Abend bringen soll. Keine falsche Erwartungen wecken! 2. NIEMALS eine Frau mitnehmen (oder sich mitnehmen lassen), wenn Frau nicht den Eindruck erweckt, 100%ig Herrin ihrer Sinne zu sein. Das leiseste Anzeichen eines drohenden Kontrollverlustes von Seiten der Dame muss mit höflichem Rückzug beantwortet werden. 3. Es muss alles beweisbar sein. Die Bereitschaft zum Koitus muss von beiden Seiten lückenlos nachweisbar sein. Sprich: (Notariell) aufgesetzter Vertrag über den Beischlaf, von beiden Seiten zu unterzeichnen, im günstigsten Falle im Beisein zweier Zeugen (die sich, natürlich, per Personalausweis auszuweisen haben; Freunde des Mannes sind NICHT zugelassen). Natürlich muss ebenfalls genau Klarheit darüber geschaffen werden, was geht und was nicht geht. Die Benutzung von Kondomen bzw. deren Unterlassung ist festzuhalten (siehe Fall Assange!). Sollte die Frau sich bereitfinden, darauf zu verzichten, ist sie anzuhalten, dies leserlich (!) handschriftlich zu bekunden, versehen mit Ort, Datum, Uhrzeit, Unterschrift. Des Weiteren muss der eigentliche Akt natürlich aufgezeichnet werden, am besten mit mindestens vier Kameras (UHD-Auflösung dringend empfohlen, um Unklarheiten zu vermeiden). Alle 15 Sekunden sind dabei vom Mann sämtliche Aktivitäten einzustellen; dieser hat sich durch Nachfragen zu vergewissern, dass die Frau weiterhin seine sexuelle Aufmerksamkeit wünscht. Dies ist schriftlich festzuhalten! 4. Nach erfolgtem Verkehr haben beide Seiten schriftlich zu versichern, dass der Verkehr der Frau nicht aufgezwungen wurde; auch dies ist schriftlich zu fixieren. Kopien von der Videoaufnahme gehen an beide. 5. Am sichersten ist es, wenn beide Parteien nach erfolgtem GV unverzüglich eine Sexual-Ombudsperson aufsuchen, die beide Partner nochmals befragt, ggf. mittels Alkoholtester auf (Geschlechts)verkehrstauglichkeit überprüft und Kopien vom Video anfertigt, um nachträgliche Manipulationen ausschließen zu können. So, wem das jetzt arg zynisch rüberkommt: Wäre ich nicht verheiratet, und zwar mit einer Frau, die mir stets genau sagt, was sie will (und nicht will), würde ich mich ganz sicherlich an Punkt 1 halten (aber, sehr viel wahrscheinlicher, würde ich es ganz einfach bleiben lassen).



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hinschauen gestern, 19:45 Uhr
Und der umgekehrte Fall: Frau fasst Mann zwischen die Beine? Habe ich selbst erlebt und oft genug bei anderen gesehen, wenn Frauen stark alkoholisiert waren. Ich sagte "Nein", mehrfach - was nichts half. Selbst Wegdrücken half nichts. Und wenn ich dann darüber nachdenke, wegzuschubsen oder gar zu schlagen, bin ich ganz schnell in der Situation, dass ICH der Gewalttäter bin. Denn Beobachter, die sehen, dass ein Mann eine Frau schubst oder schlägt, fragen in der Regel nicht nach Umständen oder Gründen, sondern helfen sofort der Frau. Was lernen wir daraus: Die Realität, Frau Stokowski, und Ihre Vorstellungen passen oft schwer zusammen.



http://www.spiegel.de/forum/kultur/sexualstrafrecht-waere-die-vagina-doch-ein-auto-thread-451774-1.html
« Last Edit: April 29, 2016, 10:04:19 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Oft hat Franziskus von seiner Großmutter Rosa erzählt... ]
« Reply #39 on: May 09, 2016, 10:04:19 AM »
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[...] Franziskus mag Frauen. Frauen sind für ihn einflussreich und lebendig, zärtlich und klug. Er weiß: Sie sind insgeheim das stärkere Geschlecht. Familie ohne Frau geht nicht, Kirche ohne Frau – so betont der Pontifex immer wieder – auch nicht. Denn wo eine Frau ist, ist Zukunft. Auch die Zukunft des Vatikans hängt von den Damen ab. Sie sind es, die den Glauben in die Familie und in die Welt weitertragen. Und weil der Papst, anders als seine Vorgänger, das erkannt hat, folgt er einer cleveren Strategie: Er umgarnt die Katholikinnen mit seinem lateinamerikanischen Charme. Er macht ihnen Komplimente: "Die Frau ist in der Kirche wichtiger als die Bischöfe und die Priester." Er lobt die Mütter: "Danke für das, was ihr in der Familie seid." Er zeigt Verständnis für solche, die auf die schiefe Bahn geraten sind, Prostitution. Und auch für diejenigen, die in keinem katholischen Familienidyll leben: "Ich denke an den Blick einer Mutter, die sich abmüht, um dem drogenabhängigen Sohn etwas zu essen zu geben." Kurzum: Franziskus mag sie einfach alle. Für ihn ist die Frau per se gut. Und wenn sie nicht gut ist, kann sie es ja noch werden. Er versteht die Heiligen wie die Huren. Für beide hat er etwas übrig. Das nennt sich Barmherzigkeit.

... Wenn Franziskus also an dem klassischen Familienbild festhält – Mama macht die Hausfrau, Papa geht arbeiten –, dann nicht, weil er die Frau weniger wertschätzt. Die Familie ist in der katholischen Kirche das höchste Gut, die Frau ihre Wächterin. Franziskus formuliert das, wenn er über die unersetzbare Rolle der Frau innerhalb der Familie spricht, wie folgt: "Die Gaben des Taktgefühls, einer stark ausgeprägten Sensibilität und Zärtlichkeit, an denen die Seele der Frau reich ist, stellen nicht nur eine authentische Stärke für das Familienleben dar, für die Ausstrahlung einer frohen und harmonischen Atmosphäre, sondern sie sind auch eine Wirklichkeit, ohne die die Berufung des Menschen niemals verwirklicht werden könnte." Etwas kürzer gesagt: Ohne Frauen läuft es nicht. Und selbst wenn wir Katholikinnen dem franziskanischen Ideal nicht entsprechen, nimmt der Papst uns das nicht krumm. Das wäre nur gut katholisch.

Franziskus’ Frauenbild wurde in Argentinien geprägt. Dabei haben viele Frauen das Leben von Jorge Mario Bergoglio beeinflusst. Oft hat Franziskus von seiner Großmutter Rosa erzählt, einer vollblütigen, gebildeten Italienerin, die ihn zum Glauben brachte.

...

Quote
Paul von Arnheim #13

Abartig

"Frauen sind für ihn einflussreich und lebendig, zärtlich und klug." Im Gegensatz zu Männern, oder was will diese Absonderung besagen?

"Dass die Frau das Priesteramt nicht ausüben kann, heißt nicht, dass sie weniger wert wäre als der Mann." Dass Schwarze im Bus hinten sitzen sollen, heißt nicht, dass sie weniger wert wären als Weiße.

"Die Jungfrau Maria ist wichtiger als jeder Bischof und jeder Apostel." Maria ist gebenedeit unter den Frauen. Zu Deutsch: Die gemeine Frau ist nicht gebenedeit. Maria auf ein Podest zu heben macht alle anderen Frauen klein. Geschickter Kunstgriff, Doppelplusgutdemagogie.

"So darf die Frau arbeiten gehen, wenn sie die Mutterschaft nicht vernachlässigt." Wie gnädig. Einmal ganz davon abgesehen, dass Erziehungs- und Hausarbeit ebenfalls harte Areit ist, erinnert mich dieser Satz an den BGB-Paragraphen 1354 von 1900: „Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu“. In Streitfällen entschied der Mann. Arbeitsverträge seiner Frau konnte er gegen ihren Willen kündigen. Letzteres galt bis 1976 und war verfassungsfeindlich bezüglich des Artikels 3.

"Die Kirche ist Frau". "Gott" muss ja dann Mann sein, mit "Kirche" als Gehilfin.

Ich begreife nicht, wie man so offensichtlichen Sexismus ungestraft hochloben darf. Sexismus und sein eineiiger Zwilling Rassismus beleidigen die Intelligenz und gehören nicht in eine zivilisierte Gesellschaft.

Quote
max-italia #13.1

Das mit Franziskus ist eine ganz seltsame Nummer. Ich empfinde ihn häufig als "gut", "lieb", nett", "fortschrittlich". Aber Ihre Analyse, Herr von Arnheim, ist vollkommen zutreffend. Mich "täuschen" also meine Empfindungen. Und damit, denke ich, bin ich nicht alleine.


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Paul von Arnheim #13.2

"Franz versteht Frauen"

Der Papst als Frauenflüsterer. Wie ekelhaft die Überschrift "Franz versteht Frauen" ist, hat sich mir beim ersten Lesen gar nicht richtig erschlossen. Ich brauchte eine Weile, um zu begreifen, was genau mich daran so sehr abstößt. In dem Moment, als ich das Objekt geändert habe, wurde mir alles klar: "Franz versteht Schwarze" ist ganz offensichtlich inakzeptabel, denn jeder intelligente Mensch weiß, dass es völlig idiotisch ist, menschliche Charaktereigenschaften der Hautfarbe zuzuordnen. Oder der Anzahl der Wimpern.


Quote
SethusC. #13.3

Das ist eine absurde Argumentation.

Was ist verkehrt daran, dem Geschlecht bestimmte Charaktereigenschaften zuzuordnen? Das machen z.B. auch Feministinnen besonders gerne, wenn sie auf die Vorzüge von weiblichen Chefs (sorry, Chefinnen) hinweisen.
Ich kenne außerhalb der Gender-Wissenschaften eigentlich niemanden, der abstreitet, dass Frauen und Männer verschieden sind.


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atech #13.4

"Ich kenne außerhalb der Gender-Wissenschaften eigentlich niemanden, der abstreitet, dass Frauen und Männer verschieden sind."

ich selbst habe mit Gender-Wissenschaften nichts am Hut, habe mir daher mal von einer Dame, die das studiert hat, erklären lassen.

Zusammengefasst geht es bei den Gender Studies nicht darum, dass das biologische Geschlecht in Abrede gestellt wird.

Es geht darum, dass in verschiedenen Gesellschaften, zu verschiedenen Zeiten und Kultur- und Religions-abhängig Männern oder Frauen bestimmte, als "unveränderlich" angesehene Rollen zugeordnet wurden.

Die "Gender Studies" sollen diese "Rollenzuweisungen" aufdecken und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Frauen nicht nur "Ehefrau & Mutter", sondern auch [beliebigen Beruf einsetzen] sein können.

Wenn also Papst Franziskus gegen das "dämonische Gender-Mainstreaming" wettert, dann will er damit die Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern verhindern, weil die Frauen eben nicht ihre von den Kirchen verordnete Rolle als "Ehefrau & Mutter" verlassen sollen...


Quote
Paul von Arnheim #13.6

Was ist verkehrt daran, der Hautfarbe oder der Volkszugehörigkeit bestimmte Charaktereigenschaften zuzuordnen? Was könnte das nur sein? Ach ja, es gibt sogar ein Wort dafür: "Rassismus".

Wer die Frage stellt, was verkehrt daran ist, dem Geschlecht bestimmte Charaktereigenschaften zuzuordnen -das nennt man übrigens "Sexismus"-, muss noch sehr viel lernen über die menschliche Natur und die Zivilisation. Ich weiß, dass das nicht leicht ist in einer Welt, in der "du Mädchen" ein Schimpfwort ist und es 200 Euro kostet, dieses Wort zu einem Polizisten zu sagen.(Amtsgericht Düsseldorf, Juni 2015)

Sich daran zu gewöhnen dass Frauen und Männer, Homo-, Bi- und Heterosexuelle, Schwarze und Weiße, Gläubige und Ungläubige gleich viel wert sind, wird nicht durch die Tatsache vereinfacht, dass Sexhaben unterschiedlich bewertet wird: Männer, die viel Sex haben, sind tolle Hechte, dito Frauen Schlampen. Symbolisches Penetrieren gilt nicht nur bei vielen Tieren als Ausdruck von Überlegenheit, sich penetrieren zu lassen als Unterwerfungsgeste. Der § 175 galt nur für Schwule, weil diese die Vorstellung des überlegenen weil penetrierenden Mannes infrage stellen.

Der latente Sexismus hilft nicht bei der Erkenntnis, dass Gleichberechtigung eine Frage der Intelligenz ist. Versuchen Sie es trotzdem. Wenn Sie ehrlich sind und die Realität ohne ideologische Scheuklappen betrachten, werden Sie feststellen, dass die Charakterunterschiede innerhalb der Geschlechter größer sind als die dazwischen.


...


Aus: "Vatikan: Franz versteht Frauen" (8. Mai 2016)
Quele: http://www.zeit.de/2016/20/vatikan-frauenmagazin-gruendung


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« Reply #40 on: July 04, 2016, 02:09:27 PM »
Quote
[...] "Frauen suchen sich oft andere Stoffe als Männer", sagt Maren Ade, "psychologischere." ...
Aus: "Deutsches Kino: Warum will keiner tolle Filme sehen?" (4. Juli 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/kultur/film/2016-07/deutsches-kino-toni-erdmann-maren-ade-frauen-foerderung

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« Reply #41 on: March 04, 2018, 08:51:50 PM »
Quote
[...] Jessica Chastain: ... Wonach bewerten wir Frauen? Unsere Gesellschaft benutzt offenkundig weiterhin die sexuelle Anziehungskraft einer Frau als wichtigste Maßeinheit.  ... so ist die Gesellschaft verfasst, in der wir leben. Frauen werden nicht dafür gefeiert, was sie sagen oder tun. Sondern dafür, wie sie aussehen.  ... Sie bleibt in Wahrheit das Objekt männlicher Begierden ...


Aus: "Jessica Chastain: "Frauen werden nicht dafür gefeiert, was sie sagen oder tun"" Dirk Peitz (4. März 2018)
Qulle: http://www.zeit.de/kultur/film/2018-02/jessica-chastain-mollys-game-metoo-interview/komplettansicht

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« Reply #42 on: May 02, 2018, 11:15:06 AM »
Quote
[...] Der 30. April und somit der Vorabend des Maifeiertages ist häufig ein Grund zum Feiern: Der "Tanz in den Mai" ist eine kommerzielle Veranstaltung geworden, die vielerorts zelebriert wird. Diese Festivität steht in einer direkten Verbindung mit der religiösen Feier der Walpurgisnacht: vielfach beschrieben allen voran im Walpurgisnachtstraum in Goethes "Faust" oder bei H.P. Lovecraft, aber auch im Bilderzyklus von Ernst Barlach wird dieser Festtag behandelt. Der Name Walpurgisnacht geht vermutlich auf die, zumeist von Nonnen verehrte, Heilige Walburga zurück, die vermutlich am 1. Mai 870 heiliggesprochen wurde.

Die Vorstellungen der zelebrierten Festivitäten gehen jedoch nicht mit Heiligenverehrung einher, sondern beruhen auf einem Hexenglauben, konkret auf der Vorstellung des Hexensabbats.

"Der Hexensabbat ist […] eine orgiastische Feier, an der Männern, Frauen und Dämonen teilnehmen. Sie tanzen in einem Rundtanz um den als Ziegenbock dargestellten Teufel. Dämonische Pfeifer und Hornbläser laden zum Tanz. Fliegende Hexen eilen herbei und zahlreiche Tabuverletzungen verhindern, dass die Fantasie zu stark durch die erotische Konnotation besetzt wird."(1)

Diese sehr prototypische Darstellung eines Hexensabbats fasst jedoch alle grundlegenden Elemente zusammen. In der Vorstellungswelt Außenstehender fanden derartige Zusammenkünfte meist auf Bergen statt: besonders bekannte Orte sind hier unter anderem der Blocksberg – ein anderer Name für den Brocken – im Harz in Deutschland, aber auch der Meeresfelsen Blåkulla – was ebenfalls Blocksberg bedeutet – in Schweden. Der recht ungewöhnliche Name Hexensabbat erinnert meist direkt an das Judentum und den Ruhetag Sabbat/Schabbat. Dies lässt sich durch den Umstand erklären, dass Menschen jüdischen Glaubens, auch schon zur Hochzeit des Hexenglaubens in der Frühen Neuzeit, starken Diskriminierungen ausgesetzt wurden. Diese Verknüpfung spricht für eine Fusionierung ähnlicher Vorurteile und Vorwürfe gegen Menschen, die ihren Glauben anders auslebten, als es innerhalb der orthodoxen Kirche vorgesehen war.

Die Hexenverfolgung findet ihre Anfänge in den Verfolgungen von "Ketzern"² im Mittelalter. Da es im Mittelalter zu einem überregionalen Auftreten von religiösen Bewegungen kam, die unter anderem der orthodoxen Kirchen konträr gegenüberstanden, erzwangen diese eine Reaktion, die sich in Form der Inquisition niederschlug. Trotz der negativen Entwicklung der Inquisition und der Opfer, für die sie verantwortlich ist, muss sie im Vergleich zu den zuvor geltenden Praktiken – wie zum Beispiel Gottesurteil durch Wasserprobe – als juristischer Fortschritt angesehen werden und war mit der kontrollierten Tatsachen-Erhebung bald auch ein Vorbild für das öffentliche Rechtssystem. (3)


In der Inquisition manifestierte sich so das Instrument, welches einen Universalitätsanspruch auf Glaubenspraktiken von Seiten der Kirche legitimeren konnte. Gegner der Kirche konnten so aus der Gemeinde ausgeschlossen, Bußleistungen aufgetragen oder im schlimmsten Fall getötet werden. Die Folter gehörte zudem seit 1252 durch die Bulle "Ad extirpanda" von Papst Innozenz IV. zu den inquisitorischen Verfahren. Die Hexenverfolgung schloss sich erst in der Frühen Neuzeit an und forderte circa 50.000 bis 60.000 Opfer. Obwohl im deutschsprachigen Mitteleuropa nur etwa 20 Prozent der damaligen Weltbevölkerung lebten, wurde circa die Hälfte aller europäischen Hexenprozesse mit etwa 20.000 Opfern in diesem Raum abgehalten. Der Umstand, dass etwa 75 bis 80 Prozent der Getöteten weiblich waren, folgt aus dem geschlechtsbezogenen Hexenglauben. (4)

Das Thema Hexen(glaube) ist unumstößlich mit dem juristisch-theologischen Werk des Hexenhammers (lateinisch Malleus Maleficarum) verbunden. Dieser liefert mittels intellektuellem Kalkül, weniger durch emotionale Hetzrede, Argumentationsmuster, sowie Legitimationsstrukturen zur Hexenverfolgung. Verfasst wurde er von dem Inquisitor Heinrich Kramer, sowie möglicherweise auch von Jakob Sprenger, ebenfalls Inquisitor. Sprengers Partizipation am Hexenhammer wird jedoch mittlerweile in der Geschichtsforschung stark in Frage gestellt. Das Werk widmet sich in 57 Fragen und in drei Teilen der Natur der Hexe und stellt dabei unter anderem den Teufelspakt, den meist auf Sexualität ausgerichteten Schadenszauber (maleficum), sowie den juristisch korrekten Umgang mit Hexen innerhalb eines Prozesses heraus. Der Hexenhammer ist zudem ein Paradebeispiel für Frauenfeindlichkeit, da er ebenfalls feststellt, dass Frauen durch den Teufel und Dämonen leichter verführbar und zudem in ihrem Glauben nicht so stark verankert seien.

Das historische Bild der Hexe weicht stark von den neuzeitlichen, medial verbreiteten Darstellungen von rothaarigen, zauberkundigen Frauen ab. Vielmehr fließen hier stereotype Diskriminierungen zusammen: Ketzern wurde im Mittelalter beispielsweise eine Verehrung des Teufels zugeschrieben, sowie sexuelle Ausschweifung, Schadenszauber und der Missbrauch von Messwein und Hostien. Hier greift plakativ das sogenannte Umkehrprinzip, in dessen Logik Ketzer Messen in umgekehrter Form vom orthodoxen Ideal praktizierten: statt Gott, wurde der Teufel verehrt, die Hostie wurde während des Abendmahls nicht geehrt, sondern zertreten, es ministrierten Frauen anstatt Männern und die Messe wurde rückwärts vorgetragen. Diese Vorwürfe entwickelten sich im Laufe der Verfolgungsgeschichte zu einem stereotypen Verdacht gegen Bevölkerungsschichten, die als anders galten: Fremde, Andersgläubige, Kranke, körperlich und geistig Beeinträchtige und Frauen. Hexen wurde ein abweichendes Sozial- und Sexualverhalten vorgeworfen, das sich unter anderem an einer Affinität zur Nacht, dem Kontakt zu Geistern und Dämonen, an Untaten wie Kindsmord und Kannibalismus, aber auch magischen Handlungen, wie dem Hexenflug und der Zukunftsvorhersage zeigte.

Als standardisierte Kennzeichen – maßgeblich auch durch den Hexenhammer bedingt – sind der Pakt mit dem Teufel, der durch eine Blutsunterschrift und/oder dem Geschlechtsverkehr besiegelt wurde, die Teilnahme am Hexensabbat, der Hexenflug und die Möglichkeit, Schadenszauber zu wirken, anzuführen. Das gemeinsame Wesen unterschiedlicher Hexentypen – wie Wahrsagerinnen, Wetterhexen und Giftmischerinnen – lag in ihrer Bosheit begründet, die ihnen unterstellt wurde.

Somit war ein weiteres Feld – die Sexualität – zu den bestehenden Anschuldigungen hinzugekommen. Das Hexenbild prägte sich durch typisch weibliche Berufe, wie die der Köchin, Heilerin oder Hebamme. War die Sexualität im Allgemeinen Sache der Frau und der Mann aus dem Geschehen vor, während und nach der Geburt ausgeschlossen, so lag der Verdacht, beim Eintreten des Kindstodes oder bei Behinderungen auf der Hebamme. Durch die regelrechte Entzogenheit der Sexualität aus der männlichen Welt wurde das Hexenwesen verstärkt mit dem Thema Reproduktion in Verbindung gebracht: So konnte der Schadenszauber beispielsweise eine Totgeburt, Impotenz oder Unfruchtbarkeit verursachen. Die äußerliche Erscheinung einer Hexe war in der frühneuzeitlichen Vorstellungswelt eher variabel gehalten, um das Stereotyp auf möglichst jede Frau anwenden zu können. Dennoch ist anzumerken, dass gerade älteren Frauen häufig Hexerei vorgeworfen wurde. Die australische Historikern Lyndal Roper hat die Vorstellung von Mutterschaft und Hexerei miteinander in Beziehung gesetzt und dabei herausgefunden, dass die Vorstellung von Vertrocknung, die unter anderem mit der Menopause verbunden ist, gleich dem Vampirismusmotiv, mit der Vorstellung der Lebenssäfte einhergeht, die sich die Hexe, beispielsweise durch das Töten und Aussaugen von Kindern, beschaffen kann.⁵ In der historischen Betrachtung lässt sich dieser Aspekt zudem derart ergänzen, dass ältere Frauen mitunter Kinder hüteten.

In einer sozialgeschichtlichen Betrachtung fällt sodann ins Auge, dass Frauen in der Frühen Neuzeit explizite Rollen zugewiesen wurden, die sie vom öffentlichen Leben ausschlossen. Frauen wurden zudem als minderwertig wahrgenommen: juristisch, da sie unter Vormundschaft ihrer Männer standen und auch theologisch, da sie in der Tradition Evas als leichter zu verführen und naiv galten. Die Rolle der Frau erstreckete sich so auf den häuslichen Bereich und tangierte hier die Felder der Sexualität und das Zubereiten von Speisen. Köchinnen sowie Brauerinnen wurden häufig der Giftmischerei verdächtigt. Sichtbar wird der Aspekt des Kochens in dem ikonologischen Symbol des Kessels, der bis heute ein zentrales Charakteristikum der Hexe ist. Der Ausdruck "Da braut sich was zusammen" wird zudem für den Bereich des Wetters genutzt und rekurriert auf die Vorstellung, dass Wetterhexen mit ihrem Kessel Wolken, Gewitter und Regen erzeugen konnten und so Missernten verursachten.

Die Verbundenheit von Frauen zur Natur ist etwas, was sich schon in antiken Hexenvorstellungen findet. In der römischen Antike war beispielsweise die Vorstellung präsent, dass sich zauberkundige Frauen in Eulen verwandeln konnten.⁶ Hexen lebten seit diesen antiken Vorstellungswelten nicht mehr in der Stadt, sondern zumeist im Wald oder an dessen Grenze. Die Wildnis ist hier ein zentraler Bestandteil des Hexenbildes. Sie fungiert als Chiffre des Bösen, des Chaos und des Ungezähmten, was sich dann in Form der Hexe mit der Weiblichkeit verband. Zentral ist diese Beziehung zur Wildnis auch für die Vorstellungen von Formwandlungen oder tierischen Begleitern – wie schwarzen Katzen oder Kröten – die sich so zum Beispiel bis heute in Märchen finden. Zahlreiche historische Hexenvorstellungen können so überdauern und sind unter anderem in Filmen, Serien und Literatur medial aufgearbeitet: stereotype Zuschreibungen – wie rothaarige Hexen, die in der Geschichte eigentlich nicht überliefert sind – bestehen in der heutigen Zeit und werden so Teil des kulturellen Gedächtnisses. (Kristina Göthling, 30.4.2018)

Fußnoten:
(1) Marco Fenschkowski, Die Hexen. Eine kulturgeschichtliche Analyse, Wiesbaden 2012, S.100.
(2) Der Begriff Ketzerei vermischte sich im Laufe der Geschichte mit dem Wort "Häresie" und wird zumeist synonym verwendet. Bedeutet "Häresie" in der Anwendung im allgemeinen Irrlehre, als Gegenpart zur Orthodoxie, so ist "Ketzerei" etwas präziser, zumindest, wenn man die Wortherkunft entsprechend hinterfragt. Die Bezeichnung "Ketzer" taucht erst im 13. Jahrhundert im deutschen Sprachraum auf und ist wohl eine Ableitung des Namens "Katharer", eine der größten religiösen Bewegungen im Mittelalter, die auch als Erzketzer angesehen werden. Der Begriff wurde entsprechend abstrahiert und so zu einem Sammelbegriff für Anhänger der angeblichen Irrlehre, ganz gleich ob sie in Verbindung zum katharischen Gedankengut standen oder nicht. (3) Vgl. Arnold Angenendt, Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert, Münster 2007, S. 253, 264. (4) Vgl. Wolfgang Behringer, Hexen. Glauben. Verfolgung. Vermarktung, München 2008, S.67, 75. (5) Vgl. Lyndal Roper, Hexenwahn. Geschichte einer Verfolgung, München 2007, S.225-227. (6) Vgl. Fenschkowski, Die Hexen (wie Anm. 1), S.44f.

Literaturhinweise:
Angenendt, Arnold, Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert, Münster 2007. Auffahrth, Christoph "Das Ende des Pluralismus. Ketzer erfinden um sie zu vernichten", in: Ders. (Hrsg.): Religiöser Pluralismus im Mittelalter? Besichtigung einer Epoche der Europäischen Religionsgeschichte, Münster 2007, S. 103-142. Auffahrth, Christoph, Die Ketzer. Katharer, Waldenser und andere religiöse Bewegungen, München 2005. Auffarth, Christoph "Mittelalterliche Modelle der Eingrenzung und Ausgrenzung religiöser Verschiedenheit" in: Hans G. Kippenberg (u.a. Hrsg.): Europäische Religionsgeschichte. Ein mehrfacher Pluralismus, Bd. 1, Göttingen 2009, S. 193-218. Behringer, Wolfgang, Hexen. Glaube. Verfolgung. Vermarktung, München 2008. Dieterich, Susanne, Weise Frau. Hebamme, Hexe und Doktorin. Zur Kulturgeschichte der weiblichen Heilkunst, Leinfelden-Echterdingen 2001. Dinzelbacher, Peter, Heilige oder Hexen? Schicksale auffälliger Frauen in Mittelalter und Frühneuzeit, Hamburg 1997. Girard, René Ausstoßung und Verfolgung. Eine historische Theorie des Sündenbocks, Frankfurt am Main, 1992. Göthling, Kristina "Hexe und Gender: Eine Transformationsgeschichte der Diskriminierungsfigur des Ketzers" Interview mit Christoph Wagenseil von REMID (Religionswissenschaftlicher Medien-und Informationsdienst), 26.09.2015. Matthews Grieco, Sara F., "Körper, äußere Erscheinung und Sexualität", in: Georges Duby und Michelle Perrot (Hrsg.): Geschichte der Frauen. Frühe Neuzeit, Frankfurt am Main 1994, S. 61-102. Oberste, Jörg, Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, Darmstadt 2012. Quensel, Stephan, Hexen, Satan, Inquisition. Die Erfindung des Hexen-Problems, Wiesbaden 2017. Roper, Lyndal, Hexenwahn. Geschichte einer Verfolgung, München 2007. Roper, Lyndal, Ödipus und der Teufel. Körper und Psyche in der Frühen Neuzeit, Frankfurt am Main 1995.

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orest 1 (31.04.2018)

Die Urangst vieler Männer vor der Frau an sich trieb die feigsten unter ihnen dazu, in "Männerbünden" wie kirchlichen Institutionen, Burschenschaften oder sonstigen "starken" Vereinigungen unterzukriechen, um dortselbst in Sicherheit die Frauen in zwei Gruppen zu kategorisieren: Einerseits die heilige Mutter, vor der man durch Anbetung sicher war, andererseits die gefährliche Männer mordende Hure, gegen die vor allem verbale Entwertung und direkte Verfolgung Sicherheit versprach.


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Helmut
Sie machen exakt dieselbe Kategorisierung in zwei Gruppen: "die Frau" und "der Mann". Und wie so oft wird das Geschlecht als Erklaerung fuer Dinge gegeben, die vielleicht mit dem Geschlecht sehr wenig zu tun haben. Es wird oben auch kaum etwas darueber gesagt, wer diese Frauen, die als Hexen bezeichnet wurden, wirklich waren. Meines Wissens waren es einfach Frauen, die sich nicht an gesellschaftliche Normen angepasst haben, zB nicht geheiratet haben, was der Kirche nicht passte. Und genau deshalb wurden auch Maenner von der Inquisition verfolgt. ...


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tagessuppe

Die moderne Hexe ist 48 wohnt in einem Neubaueigentum im 4 Stock und legt ihnen unter einer Mehrwertnummer die Tarotkarten, hat eine Annonce im Heftl Bewusst Sein geschaltet wo sie unter Fachesoterischem komplizierten Namen simple Lebensberatung anbietet und gibt auf der VHS 2x im Jahr Kräuterseminare, des weiteren hat sie einen Rostigen 3er Golf wo sie jedes Jahr ums Pickerl zittert und mit den Reperaturkosten hadert.
So simpel ist die HexenWelt 2018


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DieZenZn

Was ebenfalls nicht erwähnt wird:
Die Opfer waren sehr oft - vermögende Frauen (ohne familiären Anhang, der sie geschützt hätte). Nicht so sehr die kleinen armen Kräuterweiberl aus dem Wald, bei denen gab es ja nicht viel zu holen. Bei Witwen mit Haus- und Grundbesitz aber schon.
Die Hexenverfolgung war immer auch ein ziemlich ungustiöses Geschäft mit der Gier. Und die liebsten Denunzianten waren neidische Nachbarn, Anwohner, etc. Ein sehr verstörendes Kapitel in der Geschichte.


...


Aus: "Orgien, Teufelsanbetung, Giftmischerinnen: Über moderne Hexenvorstellungen" Kristina Göthling (30. April 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000078351369-5441/Orgien-Teufelsanbetung-Giftmischerinnen-Ueber-moderne-Hexenvorstellungen

Offline Textaris(txt*bot)

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[Weiblichkeitskonstruktionen... ]
« Reply #43 on: May 26, 2018, 11:42:11 PM »
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[...] Die Geschichte der O ist ein Liebesfilm des französischen Filmregisseurs und Modefotografen Just Jaeckin aus dem Jahr 1975. Der Film basiert auf dem sadomasochistischen Roman von Dominique Aury, Geschichte der O, und schildert die Geschichte einer freiwilligen weiblichen Unterwerfung. 

... [Maledom ist die Abkürzung für male domination („männliche Dominanz“) und bezeichnet die heterosexuelle Variante im BDSM, in der der Mann die dominante Rolle einnimmt. ... Maledom-Szenarios sind in der sadomasochistischen Literatur weit verbreitet, bekannte Beispiele sind die Geschichte der O und die Werke von John Norman, Cosette und Sira Rabe. Anne Rice verarbeitet sowohl Maledom als auch Femdom in hetero- und bisexueller Ausrichtung unter ihren Pseudonymen Anne Rampling mit Exit to Eden und A. N. Roquelaure mit der Dornröschen-Trilogie. Beispiele für die Verwendung von Maledom-Motiven im Film sind 9½ Wochen mit Kim Basinger und Mickey Rourke oder Secretary mit Maggie Gyllenhaal und James Spader.  Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Maledom]...

„Nach heutigen Maßstäben wohnt der sexuellen Tour de force der Fotografin O (Corinne Clery) indes nur noch wenig Schockierendes inne. Nur über das vermittelte Frauenbild lässt sich zu Recht triftig streiten.“ Quelle: TV SPIELFILM

„Neben erniedrigenden Sexualakten, die O über sich ergehen lässt, werden die Frauen meistens nackt oder nur dürftig bekleidet vorgeführt, während alle Männer vollständig angezogen bleiben. Dieser Film sorgte wegen seiner unkritischen Frauen verachtenden Darstellung (Frauen wollen Männern gehören und ihnen absoluten Gehorsam schwören) bei seiner Aufführung 1975 für Protestaktionen in mehreren deutschen Städten.“ Quelle: lesbengeschichte.de

...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Geschichte_der_O (6. Mai 2018)

Offline Textaris(txt*bot)

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[Weiblichkeitskonstruktionen... ]
« Reply #44 on: June 28, 2018, 09:56:57 AM »
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[...] Die Berichterstattung über Melania Trump macht etwas ratlos. Egal müsste es einer eigentlich sein, alles, was da über Melania Trump geschrieben, getwittert, gelästert wird. Ihre "First Lady"-Fehltritte sind im Vergleich zu den politischen Fehlern ihres Mannes mit all ihren ethischen Grenzüberschreitungen so etwas von egal. Melania ist auch keine feministische Schutzbefohlene, die vor der Häme der Öffentlichkeit bewahrt werden muss, dafür hätte sie eigentlich ziemlich viele Leute, die das erledigen sollten. Und sie muss nicht dahingehend interpretiert werden, was sie wie mit was eventuell aussagen will. Der einzige mögliche Erkenntnisgewinn, den das Gerede über Melania Trump bringen könnte, ist der, dass es uns den Status quo hinsichtlich Gleichberechtigung vor Augen hält. Denn im Grunde ist es schon erbärmlich: Wir reden tatsächlich darüber, was eine gute Ehefrau ausmacht. Sicher, Melania Trump ist nicht irgendeine Ehefrau, sie ist durch die Präsidentschaft ihres Angetrauten eine öffentliche Person. Aber sie ist eine öffentliche Person, die offenbar eine einzige Kompetenz aufweisen muss: eine gute Ehefrau zu sein. Und diese Attribute sind keine speziellen Präsidentengattinnen-Attribute, sondern sie sind eng mit den noch immer existierenden Vorstellungen einer "guten Frau" verwoben. Wenn sich eine öffentliche Debatte daran entzünden kann, dass es einer Frau an diesen Eigenschaften mangelt, dann läuft gendermäßig irgendetwas noch immer verdammt schief.

Charmant sein, dem Ehemann durch ihr Handeln den Rücken stärken und so vollste Unterstützung für alles, was dieser tut, signalisieren, liebevolle Blicke und Gesten ihm gegenüber, ihn bloß nicht blamieren (auch wenn er das beinahe tagtäglich bravourös schon selbst hinbekommt: https://derstandard.at/2000082269279/US-Praesident-Trump-prahlt-mit-seiner-Haarpracht ) oder ihm dorthin folgen, wohin er auch gehen mag: Melania hat nichts davon drauf.

Sie spricht wenig, schlägt seine Hand weg, wenn sie sie ihm nicht geben will (auch auf einem roten Teppich), kupfert eine Rede ihrer Vorgängerin Michelle Obama derart plump ab, dass es niemand überhören kann, zog nicht stante pede mit Donald Trump ins Weiße Haus, sondern verharrte noch in New York, und mit ihrem letzten "Patzer" – so könnte man interpretieren – vereinte sie jegliches Kompetenzversagen als liebe Gattin in einem gewählten Kleidungsstück. Sie wissen schon, die Jacke mit der Aufschrift "I really don't care. Do U?" für den Besuch bei Kindern, die an der Grenze von ihren Eltern getrennt wurden. Eine menschenverachtende Lage, die freilich US-Präsident Trump und nicht diese Jacke geschaffen hat, über die aber wahrscheinlich fast ebenso viele Berichte erschienen. Es ist eigentlich eine interessante Wendung, dass die in sämtlichen gesellschaftspolitischen Fragen fortschrittliche, feministische Michelle Obama die perfekte Ehefrau gab, während die stockkonservativen Trumps die gutbürgerliche Idee des perfekten Ehepaars ziemlich ad absurdum führen. Allerdings tat es auch bei Michelle Obama weh, wie sehr diese kluge Frau zwar abgefeiert, aber in Wahrheit ständig mit der Messlatte "Ehefrau" beurteilt wurde. Dies sollte 2018 schlichtweg keine Kategorie mehr sein. Auch nicht für Melania Trump. (Beate Hausbichler, 27.6.2018)

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Just N. Opinion

Drei Mal in diesem kurzen Text wird die First Lady der Vereinigten Staaten schlicht "Melania" genannt. Ist es vorstellbar, dass im Standard die Frau des österreichischen Bundespräsidenten schlicht "Doris" genannt wird oder die junge Dame, die mitunter an der Seite Sebastian Kurz' zu sehen ist, einfach "Susanne"? Doch eher nicht, oder?


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new jersey

Kein Mensch redet darüber was für eine Ehefrau sie ist. Ausser die kleinen Männchen im Kopf von Frau Hausbichler


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ebola0

Da heißt es immer "das Patriarchat" unterdrückt Frauen, dabei sieht man ihr sehr schön, der größte Feind einer Frau, ist eine andere Frau. Gut gemacht!


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Luna Oberfott


Melanie wird ausschliesslich an dem bewertet was sie tut:
- Brav an der Seite des Ehemanns verbleiben, der mit Pornosternchen und Playboyhaeschen umtut, während sie auf das gemeinsame kleine Kind aufpasst

- Brav die Verschwörungstheorien a la Birthermovement mitträgt, die ihr Gatte verbreitet

- Brav das Bullying ihre Gatten verteidigt, wahrend ihre persönlich Agenda eine Genen Cyberbullying ist

- Brav zu ihrem konstant lügendem Gatten steht, wahrend sie 'Be Best' in die Welt ruft.

Ja ganz klar, ein verkanntes Symbol des Feminismus.


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El Chó


Ich stimme nicht zu, dass Michelle Obama primär oder gar ausschließlich in der Kategorie "Ehefrau" beurteilt wurde.
Michelle Obama hat die ihr zugefallene Aufmerksamkeit professionell genutzt, um sich als politische Persönlichkeit zu äußern. Sie hat damit Themen getrieben, Diskussionen vom Zaun gebrochen und bewusst die öffentliche Debatte gelenkt.

Das tun auch Künstler und andere Prominente. Ein Unterschied ist vielleicht, dass Michelle Obama´s Ruhm selbst einen politischen Rollenkontext hat.

Aber sie wurde als politische Person beurteilt, nicht als Ehefrau. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals einen breiten Diskurs um ihre Beziehung zu ihrem Mann, um Haushaltsführung oder ähnliches gegeben hätte.


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rea35

Seltsamer Artikel. Sie ist ja tatsächlich seine Ehefrau. Das sie dann auch (unter anderem) in Hinblick auf ihr "Ehefrau sein" kommentiert wird, ist anzunehmen.
Bill Clinton wurde übrigens ziemlich in Hinblick auf sein "Ehemann sein" bewertet.
Mit Feminismus hat das nichts zu tun.


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domanz

Ich finde da muss man unterscheiden, ich weiß, es ist nicht en vogue... aber während es mir komplett egal ist, wie sie als Ehefrau ist und ob sie dem armen Donald das gibt was er braucht, ist es mir nicht egal, was für Signale sie als Person der Öffentlichkeit von sich gibt. Das sind zwei unterschiedliche Dinge, das eine geht mich nichts an und ist privat, das andere geht mich was an. Ich bin nämlich ein Teil der Menge an Empfängern ihrer Botschaften.


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Mr.JohnDoe

... Alles, was laut Artikel angeblich von Melanie erwartet wird, erwartet doch jeder normale Ehepartner. Wenn dann das weltweit medial präsenteste Paar sich völlig anders verhält, ist das sehr wohl interessant.


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Tremorius

Plötzlich im medialen Rampenlicht zu stehen, ist nicht normal. Der Mann von Merkel zum Beispiel, ist quasi gar nicht medial präsent. Also es geht auch anders.


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hydra99

Erstens einmal sind das nicht "wir" sondern die Bürger der USA. Wer ein bischen was von den Staaten versteht, weiß, das Gleichberechtigung dort noch viel weniger in der Gesellschaft angekommen ist als bei uns. Also läuft in dieser speziellen Begebenheit in den USA etwas schief.
Zweitens hat der Ehecharakter der Trumps - sagen wir es einmal diplomatisch - jener einer Zweckehe - was aber bei seinen Anhängern gerne energisch negiert wird.
Drittens ist Trump der Held der erzkonservativen Evangelikalen mit ihren vor-vorgestrigen Ehe- und Frauenbild. Da bietet es sich ja an einmal seine Ehe und seine Ehefrau auf diese Werte hin zu überprüfen. Vorallem da diese Gruppe bei Michelle Obama ja die lächerlichsten Begebenheiten kritisiert hat.


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cleo

naja - sie ist halt ein (wie er es vermutlich geplant hatte) Trophy-Wife, das er irgendwie schon länger nicht mehr ganz unter Kontrolle hat (weil er für sie vermutlich den deal als Sugar-Daddy nicht erfüllt hat - von Präsidentengatting war wohl nicht die Rede.. ;).


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Jomoped

Wir reden tatsächlich darüber, was eine gute Ehefrau ausmacht.
Hä? Wer redet darüber, ob sie eine gute Ehefrau ist? Das scheint mir eine völlig erfundene Diskussion zu sein, nur um hier wieder über veraltete Rollenklischees klagen zu können. Das worüber wirklich geredet und geschrieben wird, sind ihre angeblichen modischen Aussetzer, und das macht der Standard genauso wie alle anderen.
Und ja, von Zeit zu Zeit ist auch ihre offenbar eher kühle Beziehung zu ihrem Ehemann ein Thema, aber auch da hätte ich noch nie gehört, dass ihr jemand vorwirft, deshalb keine gute Ehefrau zu sein. Sowas wird eher mit Häme und Schadenfreude in Richtung Trump kommentiert, in der Art von "Nichtmal seine eigene Frau kann ihn leiden."


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Chanel3

Mir fällt nur auf, dass Donald Trump der denkbar grauenhafteste Ehemann ist.


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Tremorius

Ich glaube, Sie hatten noch keinen Einblick in wirklich grauenhafte Ehen.


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el grande burrito

Wen juckt im Endeffekt die First Lady? Wenn ich einen Wasserrohrbruch im Haus hab, ruf ich auch einen Installateur und nicht dessen Frau...


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cle

wobei trump eher der wasserrohrbruch als der installateur ist.


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peter schmidt

Melania ist die Sphinx ohne Geheimnis.


...


Aus: "Melania ist eine verdammt schlechte Ehefrau. Na und?" Beate Hausbichler (27. Juni 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000082349586/Melania-ist-eine-verdammt-schlechte-Ehefrau-Na-und