Author Topic: [Weiblichkeitskonstruktionen... ]  (Read 26953 times)

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[Weiblichkeitskonstruktionen... ]
« Reply #45 on: September 04, 2018, 08:04:21 AM »
"Autorin über Mütter und Sex: „Die MILF ist ein Markt“" Interview: Mareice Kaiser (20. 5. 2018)
Katja Grach über ihr Buch „Die MILF-Mädchenrechnung“ und die Frage, wie aus der „Mom I’d like to fuck“ ein Subjekt werden kann. ...
Die Mutter galt sehr lange als asexuelles Wesen. Heilige und Hure standen sich gegenüber, die Mutter war die Heilige. Medial hat sich das in den vergangenen zwanzig Jahren geändert. Die Zuschreibungen für Frauen in Bezug auf ihre Attraktivität hat es schon immer gegeben. Aber es ist auffällig, dass diese mittlerweile sehr viel stärker in Bezug auf Mütter verhandelt werden. Die MILF vereint die Assoziationen von Heiliger und Hure. ...
http://www.taz.de/!5502889/

Mom I’d Like to Fuck (englisch wörtlich übersetzt: „Mama, die ich gerne ficken würde“), in Kurzform MILF (/mɪlf/), auch Mother I’d Like to Fuck, ist ein umgangssprachlicher, durch den Film American Pie bekannt gewordener und später durch das Porno-Metier noch weiter popularisierter Ausdruck für attraktive Frauen mittleren Alters, im 4. und 5. Lebensjahrzehnt, die aus der Sicht junger, aber auch älterer Männer und Frauen eine attraktive Sexualpartnerin darstellen. Das männliche Äquivalent ist der DILF (Dad I’d like to fuck). ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Mom_I%E2%80%99d_Like_to_Fuck
« Last Edit: September 04, 2018, 08:06:21 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Weiblichkeitskonstruktionen... ]
« Reply #46 on: November 20, 2018, 04:23:21 PM »
Quote
[...] Vor 100 Jahren bekamen Frauen das Wahlrecht eingeräumt. Begleitet wurde diese neue Handlungsfähigkeit der Frau in der Öffentlichkeit vom Schock einer Gesellschaft, die den Menschen nun mal als Mann definiert hatte. Die Frauen verkörpern seither die neue Ambivalenz einer modernen Gesellschaft – der Abwehrreflex ist entsprechend bis heute weit verbreitet. Viele der gängigen Wunschfantasien von der Frau und der Gemeinschaft, die sie verkörpert, sind hier verwurzelt: Heilige und Hure, Opfer und Verführerin, Mutter und Kindsmörderin.

Und im Zweifel muss das Bild der, nein, unserer Frau für den Zustand der Nation herhalten. Dass unsere Frauen geschützt werden müssen, vor Männerhorden, Messerstechern und Vergewaltigern. Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit, denn die Fantasie von der Frau als Spiegelbild einer bedrohten (deutschen) Nation hat eine Kehrseite: bedroht wird sie eben auch von innen. Es ist grotesk, aber selbst die Umvolkung, sie funktioniert nur über die Frau. Das ist das Problem mit den Frauen. Sie ist potenziell schon immer im Bündnis mit dem Feind.


Aus: "Kolumne German Angst: Nationalismus hat ein Geschlecht" Sonja Vogel (20. 11. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/Kolumne-German-Angst/!5548682/

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[Weiblichkeitskonstruktionen... ]
« Reply #47 on: January 29, 2019, 09:37:16 AM »
Quote
[...] Auf Instagram sind insbesondere die Frauen erfolgreich, die einem normierten Schönheitsideal entsprechen. Das zeigen die Studienergebnisse des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk. Das IZI untersuchte unter anderem 300 Posts von erfolgreichen Influencerinnen auf wiederkehrende Muster hin. "Sie sind dünn, langhaarig und beschäftigen sich hauptsächlich mit den Themen Mode, Ernährung und Beauty", heißt es. Weibliche Selbstinszenierung finde nur in einem sehr begrenzten Korridor statt.

Diese stereotypen Darstellungen sind den Studien nach nicht allein persönlichen Interessen geschuldet. Die befragten YouTuberinnen hätten von Hürden gesprochen, die es erschwerten, aus dem Thema Schönheit auszubrechen und sich neue Genres wie Comedy oder Politik zu erschließen. "Eine starke eigene Meinung schmälert deinen finanziellen Wert, weil sich dann bestimmte Firmen nicht mehr mit dir zeigen wollen", sagt eine YouTuberin.

Junge Frauen berichteten den Studien nach auch von engen Zuschauererwartungen und damit verbunden kritischen, mitunter bösartigen Kommentaren, sobald sie den normierten Erwartungen widersprächen.

 Die Ergebnisse hätten übergreifend gezeigt, dass Jugendliche Influencerinnen und Influencer als Vorbilder betrachten und deren Posen und Aussehen nachahmen. Auf YouTube legen die Nutzerinnen und Nutzer demnach großen Wert auf Authentizität, bei Instagram soll das Bild "natürlich und spontan" wirken – auch wenn die geposteten Fotos aufwendig und zeitintensiv inszeniert wurden.

"Man braucht ein perfektes Bild, und dafür braucht man manchmal 20 Anläufe", wird eine Instagram-Nutzerin zitiert. Das sei nervig. "Weil es einfach nicht schön ist, wenn man dann so lange geschminkt sein muss, weil man einfach nur mal 20 Bilder machen möchte."

Insbesondere Mädchen, die Influencerinnen folgen, bearbeiteten ihre eigenen Bilder stärker als jene, die keinen Influencerinnen folgen, heißt es. Sie empfänden ihr natürliches Aussehen zunehmend als unzureichend.

"Die Studienergebnisse haben uns vor eine Reihe von Fragen gestellt, auf die wir als Feministinnen zunächst keine Antwort haben", sagte Elisabeth Furtwängler. "Warum sind die erfolgreichen Akteurinnen und Akteure in den neuen sozialen Medien ausgerechnet die mit den rückwärtsgewandt erscheinenden Geschlechterrollen ....


Aus: "Geschlechterdarstellung in sozialen Medien: Nähen, Kochen, Schminken" Sarah Lena Grahn (28. Januar 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-01/geschlechterdarstellung-soziale-medien-frauen-studie

Quote
LastExitForTheLost #1.14

"Vielleicht kochen, schminken und nähen Frauen gern..."

Die Feministinnen die ich so kenne würden jetzt sagen das diese Frauen zu solch erbärmlichem Verhalten "erzogen" werden und man ihnen dadurch den Zugang zu Glück und Zufriedenheit verwehrt. Ich persönlich glaube diese Zeiten sind lange vorbei, Frau/Mädchen kann heutzutage machen sie will. Und die meisten wollen Klamotten, Schminken etc.. Ich finde das in höchstem Maße amüsant.


Quote
parasolguy #2

"Eine starke eigene Meinung schmälert deinen finanziellen Wert, weil sich dann bestimmte Firmen nicht mehr mit dir zeigen wollen"

Das ist doch so ziemlich auch das Credo der Gesamtgesellschaft. Unter jungen Leuten gilt "bloß keine eigene Meinung, es könnte der Chef / Abteilungsleiter / ein anderer potenzieller Arbeitgeber herausbekommen und dann habe ich Nachteile".

Lieber sagt man dann immer wieder, man stehe in der politischen Mitte und haut Nullphrasen und Worthülsen raus wie unsere Königin Angela. Die stärkste politische äusserung, die ich von anderen bei uns in der Firma mal erlebte war "uns geht es doch gut in Deutschland" oder "Niemand muss hier arm sein".

Mitte-Extremismus eben.


Quote
CheekyCornflakes #2.4

Ja, die Gesamtaussage und -Darstellung der Studie/ des Artikels ist total falsch und zeugt von einem tiefen Unverständnis über Erfolg in sozialen Medien und deren Funktion und Funktionsweise generell. Nicht die sogenannten Influencer/innen (ich finde den Begriff diffamierend) wählen aus, was erfolgreich ist, die Nutzer selbst gestalten gnadenlos das "Programm". Mein Instagram-Profil hat zumindest so viele Follower, das ich gelegentlich auch mal etwas kostenlos bekomme oder gar zu Events eingeladen werde, am Ende bleibt aber niemals so viel über, das davon irgendwer leben könnte. Darauf veröffentliche ich hauptsächlich OOTDs [Die Bedeutung der einzelnen Buchstaben ist dabei „offer of the day“ oder „outfit of the day“, was übersetzt in etwa „Angebot des Tages“ oder eben „Outfit des Tages“ bedeutet. Ins Deutsche übertragen könnten wir OOTD auch einfach als „Tagesangebot“ oder „Tagesoutfit“ übersetzen.] und OOTNs [Outfit Of The Night] - das bekommt Likes. Meine am wenigsten kommentierten und gelikten Fotos sind die zur Bundestagswahl 2017. Dabei hätte ich damals in den Kommentaren auch gern über Politik gesprochen. Weil ich auf die paar Euro von Instagram nicht mal im Ansatz angewiesen bin, hätte ich mich mit "starken Meinungen" (Zitat Artikel) nicht zurückgehalten. Der Punkt ist, es interessiert niemanden von meinen Followerinnen. Der Missstand ist also wenn schon der, das geliefert wird, was nachgefragt wird. Nebenbei: Ob irgendwer, irgendetwas kauft, weil ich es "getestet" habe, bezweifle ich sehr stark. Es ist viel mehr meine Beobachtung, das sich in den sozialen Medien eine Bestätigungskultur etabliert und die eigene Blase selbst gebaut und befeuert wird. Das kann man wunderbar an sich selbst beobachten, welche Outfits man sucht und welche man kauft.


Quote
AllesKeinProblem #14

Ganze Generationen gehen an diesen bullshit mit den influencern verloren. Man merkt an sowas immer wieder wie unfassbar gewöhnlich und wenig ehrgeizig die große Maße der Menschen ist. Selbst unter sogenannten Akademikern findet man ständig Menschen die null Interesse an Kultur haben und mit RTL und co. ausreichend versorgt sind und mit großer Lust sexuelle Stereotype reproduzieren als wäre das Leben eine Show von Mario Barth in Dauerschleife.

Warum sollte dann irgendwas anderes herauskommen als junge Frauen die sich mit Beauty beschäftigen als Lebensinhalt? Jeglicher Versuch dort dagegen zu halten, ist jenseits der privaten Umgebung prinzipiell zum Scheitern verurteilt weil unsere Gesellschaft sich selbst rund um die Uhr zudröhnt mit der Forderung nach schlanken, freundlich lächelnden und vorzugsweise möglichst nackten Frauen.

Das ist ein Kreislauf der sich ständig selbst reproduziert. Dieses uralte Konzept wird sich nicht auflösen nur weil wir rein vernunftgeleitet merken, dass das nicht gut und nicht fair ist. Da gehen noch ein paar hundert Jahre ins Land und selbst dann wird das nur was wenn es ausreichend Leute gibt die ihre weiblichen Kinder ernst nehmen.


Quote
Cicada3310 #15


Lasst doch jeden so leben wie er oder sie es möchte, die einen Konservativ und die anderen beben Progressiv. Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden, wenn wir nach diesem Motto handeln würden, hätten wir viel weniger Probleme in unserer Gesellschaft!


Quote
CarlLeonhardGeuler #20

"Sie habe das Gefühl, dass hier das Frauenbild der Fünfzigerjahre gefördert werde. "

Bei youtube wird gerade garkein Bild gefördert und trotzdem setzt sich das alte "Bilde" durch. Vielleicht haben Männer und Frauen ja doch "Geschlechter spezifische Neigungen"


Quote
Waggeldaggel #20.5

Wenn Michael Buble oder Helene Fischer eigentlich lieber Metal machen würden, interessierte die Plattenfirma dies einen Schnurz, weil dies Schlagersänger sind, die Schlagerfanbedürfnisse erfüllen sollen. Mehr nicht. Das wird bei Influencerinnen kaum anders sein. Steht auch im Text: Die Zuschauererwartungen sind sehr eng.


Quote
Junger liberal-konservativer Katholik #21

Viele Frauen leben nach "veralteten" Rollenbildern, weil es ihnen so gefällt. Was ist daran schlimm? Ich (liberal) verstehe das nicht. [Wenn Frauen sich in ihrer Lebensweise freiwillig von den 50ern inspirieren lassen, dann ist das in Ordnung. So ist das eben in einer offenen Gesellschaft.]


Quote
W.Schaefer #21.1

Das geht den Feministinnen gegen die Dogmatik.


Quote
James H. #28

Es ist auf YouTube alles noch schlimmer als hier beschrieben. Die Hunde bellen und die Katzen miauen dort und zwar ohne Ausnahme genauso wie in den 1950 er Jahren.


Quote
Dohlenmann #32


Ich finde diese Ergebnisse nicht überraschend. Sie treiben Feministinnen schon seit einiger Zeit um, denn auch ältere akademische Arbeiten haben das so ermittelt.

Die Begründung? Nun, orientiert man sich am Durchschnitt, dann sind diese Stereotype eben beliebt in der Breite. Natürlich wird das auch auf YouTube oder andernorts widergespiegelt. Solche "klassischen" Rollenbilder sind beliebt - auch bei Männern bzw. für Männer! Und natürlich spielt hier auch das wirtschaftliche Werbeinteresse eine Rolle, das, getreu dem Matthäus-Effekt, die bereits beliebten belohnt. ...


Quote
Parviflorum #36


"Junge Frauen berichteten den Studien nach auch von engen Zuschauererwartungen und damit verbunden kritischen, mitunter bösartigen Kommentaren, sobald sie den normierten Erwartungen widersprächen."

Der Artikel erweckt den Eindruck als wären manipulierende Interessen am Werk, die junge Frauen davon abhalten würden, sie selbst zu sein. Als wäre da eine geheime Macht, welche die Emanzipation von Frauen bekämpfen würde.


Quote
maxpolymer #50

Anscheinend verhelfen den jungen Damen gerade diese Posen zu besonders vielen Likes und Dates. Das ist schlicht geschäftstüchtig, nicht mehr und nicht weniger.


Quote
sonstwer #64

Meine Güte, der übliche Shitstorm der "konservativen" Männlichkeit mal wieder hier. Ich würde allerdings die ideologische Erziehung der Produkt- und Konsumlemminge durch Influencer, Youtube, Instagram etc. nicht alleine auf Frauen beschränken. Es gibt auch genügend apolitische, männliche Jugendliche die sich nur noch darüber definieren, welchen Schrott sie konsumieren. Behagliche Unmündigkeit in der schönen neuen Welt des angeblichen Individualismus.


Quote
Küstenvogel #73

Die Strudie wirft die Frage auf, ob Feminismus ein Minderheitenkonzept unter Frauen ist. Wenn dem so wäre, wie ist das dann aber in Einklang zu bringen mit der anhaltenden Forderung nach der Gleichstellung in allen möglichen Dingen, Berufen und Positionen. Ist auch das nur eine Forderung einer Minderheit? Das ist hier keine Stellungnahme gegen Feminismus und Gleichstellung, ganz im Gegenteil. Es wäre gut, wenn mehr Frauen starke Positionen besetzten und Anspruch auf Gleichstellung erheben würden. Aber nach so einer Studie lässt sich schon die Frage stellen, wer stellt die Mehrheit? Die feministische Seite oder ein Frauenbild in den Köpfen junger Frauen, das im Grunde genommen bis in den Biedermeier zurück reicht? Die Wertfrage der komerziellen Vermarktung mag als Verstärker für die einseitige Entwicklung der Kanäle in den Sozialen Netzwerken dienen, aber sie stand nicht am Anfang des Influencertums. Dort zeigten junge Frauen und Männer das, was ihnen wichtig war. - Leider sehr rückwärtsgewandt.


Quote
Rabe374 #78

Es scheint für manche unerträglich zu sein, dass Frauen offenbar doch einer gewissen klassischen Themenwahl zugeneigt sind, wenn sie sich selber dafür entscheiden können.
Und natürlich ist es die böse Unterdrückung durch die männlich dominierte Welt, die das auslöst. Frau könnte ja unproblematisch selbstbewusste, emanzipierte Themen verfolgen. Tun sie aber nicht.
Warum gibt es denn diese Massen an Frauenzeitschriften mit den üblichen, seit Jahrzehnten unveränderten Themen? Weil sich die Frauen bei der eigenen Freizeitgestaltung immer noch dem die wahre Natur der Frau unterdrückenden Geschlechterdiktat beugen? ....


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[Weiblichkeitskonstruktionen... ]
« Reply #48 on: February 02, 2019, 12:39:41 PM »
Quote
[...] Die Deutsche Leonora war 15 Jahre alt, als sie nach Syrien reiste, um sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Wenige Tage nach ihrer Ankunft heiratete sie den Dschihadisten Martin Lemke. Mit ihm und seiner zweiten Ehefrau wurde sie nun nahe der letzten IS-Bastion an der irakischen Grenze festgenommen. "Ich war ein wenig naiv. Ich war gerade erst zwei Monate zum Islam konvertiert", sagt sie heute über ihre Entscheidung, sich der Extremistengruppe anzuschließen.

In einen schwarzen Nikab gehüllt, einen zwei Wochen alten Säugling auf dem Arm, berichtet die blasse junge Frau von ihrem Leben unter der IS-Miliz. "Ich blieb im Haus, um zu kochen und zu putzen", erzählt die 19-jährige Mutter zweier Kinder in gebrochenem Englisch. ...

"Am Anfang, als sie die großen Städte kontrollierten und viel Geld hatten, war alles gut", berichtet Leonora inmitten einer staubigen Ebene nahe dem Dorf Baghus, in dem die Dschihadisten noch immer erbitterten Widerstand leisten. ...


Aus: "Deutsche Dschihadistin sieht sich von IS-Propaganda getäuscht" Rouba El Husseini (02.02.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/syrien-deutsche-dschihadistin-sieht-sich-von-is-propaganda-getaeuscht/23941070.html

Quote
margin_call 11:34 Uhr


    "Am Anfang, als sie die großen Städte kontrollierten und viel Geld hatten, war alles gut", Außer für die örtliche Bevölkerung welche ausgebraubt, gefoltert, öffentlich geschändet und ermodert wurde.
    Leonora und Sabina versichern, dass ihr Ehemann Lemke für die IS-Miliz nur als Techniker tätig gewesen sei und Computer und Handys repariert habe

Also war er nur für die Logistik der marodierenden Terrorbande zuständig ?
Das erinnert mich irgendwie an die Nürnberger Prozesse. Ich habe "nur " die Dokumente abgestempelt, ich habe " nur " die Panzer gebaut ...


Quote
Kaypakkaya 09:55 Uhr
Was diese junge Dame erzählt, könnte auch 1945 so von einer NS-Anhängerin berichtet worden sein...

"Am Anfang, als sie die großen Städte kontrollierten und viel Geld hatten, war alles gut"
"Sie haben die Frauen ganz alleine gelassen, ohne Essen. Wir waren ihnen egal"

Worte des Bedauerns über die Gräueltaten des IS dagegen finden sich offenbar nicht und auch keine Antwort auf die Frage, warum der IS für Sie Attraktivität besaß, obwohl er doch in der Öffentlichkeit mit brutalsten Videos bekannt wurde.


Quote
CloudySkies 10:27 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Kaypakkaya 09:55 Uhr

    ... und auch keine Antwort auf die Frage, warum der IS für Sie Attraktivität besaß, obwohl er doch in der Öffentlichkeit mit brutalsten Videos bekannt wurde.

Fragen Sie mal, warum Mao für die "Achtundsechziger" solche enorme Attraktivität besaß. Gewalttätigkeit macht attraktiv, jedenfalls für sehr viele Leute, insbesondere auch für Frauen. Der Gewalttätige hat eine Aura der Stärke, die ihnen imponiert. In Deutschland hatte man gedacht, nach den 1933ff Erfahrungen wüsste man es besser. Aber jede Generation braucht ihre neuen Erfahrungen, Berichte bringen da nicht viel. Es steckt in den Genen.


Quote
Kaypakkaya 10:38 Uhr
Antwort auf den Beitrag von CloudySkies 10:27 Uhr

Dazu sollte man sich damit befassen, wie Mao um 1968 herum bekannt wurde - es werden dabei deutliche Unterschiede zur brutalen Propaganda des IS deutlich werden.

Ihr Vergleich der 1968er mit den Nazis ist wenig überzeugend.


Quote
CloudySkies 11:36 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Kaypakkaya 10:38 Uhr

    Dazu sollte man sich damit befassen, wie Mao um 1968 herum bekannt wurde

Wollen Sie damit sagen, Maos deutsche Anhänger 1968ff hätten von nichts gewusst?


Quote
Kaypakkaya 11:46 Uhr
Antwort auf den Beitrag von CloudySkies 11:36 Uhr

Definitiv war die mediale Darstellung deutlich anders.
Lesen Sie doch einfach mal etwa beim 'Spiegel' nach.


Quote
CloudySkies 12:09 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Kaypakkaya 11:46 Uhr

    Definitiv war die mediale Darstellung deutlich anders.

Nun ja, es gab kein Internet, und Mao hat keine Kopfabschneider-Videos veröffentlicht. Das heißt aber nicht, dass seine Gewalttätigkeit nicht bekannt und berüchtigt war oder von den Medien nicht thematisiert wurde. Es war auch bekannt, dass Mao ein glühender Stalin-Verehrer war. Und es war auch völlig bekannt, dass in China ein völlig irrer, sehr ekelerregender Personenkult um diesen Herrn stattfand. Dass man so einen Personenkult nur mit den Mitteln des Massenterrors durchziehen kann, war mir schon als Zwölfjähriger klar. Die "Achtundsechziger" fanden den Personenkult aber toll - ganz wie ihre Väter, gegen die sie auf die Straße gingen.


Quote
Kaypakkaya 12:16 Uhr
Antwort auf den Beitrag von CloudySkies 12:09 Uhr

Es gibt da allerdings doch ganz gravierende Unterschiede zwischen den 1968ern und den Nazis - wir diskutieren allerdings mittlerweile deutlich weit ab vom Thema des Artikels.


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« Reply #49 on: March 05, 2019, 10:27:09 AM »
Quote
[...] Lisz Hirn - Die 1984 geborene Autorin studierte Philosophie und Gesang in Graz, Paris, Wien und Kathmandu. Sie arbeitet in der Jugend- und Erwachsenenbildung, etwa am Lehrgang "Philosophische Praxis" der Universität Wien, und ist Obfrau des Vereins für praxisnahe Philosophie.

... Die Idee der "guten Mutti" hat hierzulande eine lange und ambivalente Geschichte. Sie beginnt mit einem Konzept, das seit Anfang des 19. Jahrhunderts alle Beziehungen zwischen Individuen prägte: die romantische Liebe. Seit die Familie als Keimzelle der Gesellschaft entdeckt und die Liebe zwischen Mutter und Kind "heilig" ist, hat sich die Rolle der Frau als Mutter wesentlich verändert. Das Muttersein wurde von der simplen biologischen Funktion zu einer normativen Idee, die alle anderen Rollen der Frau überlagerte.

Als Adolf Hitler in den 1930er-Jahren das "Mutterkreuz" für den verdienten "Dienst am Deutschen Volk" einführte, säte er auf bereits ideologisch fruchtbarem Boden. Das nationalsozialistische Frauenbild orientierte sich an der Ideologie der deutschnationalen oder alldeutschen Biedermänner, die über den "Emanzipationskoller der entarteten Weiber" schimpften und die "Entmutterung der Frauen" anprangerten. Diese "Berufung zur Mutter" als prägendes Frauenbild hat in Deutschland und Österreich bis heute überdauert. Auch die neuen deutschnationalen Biedermänner sprechen heute wieder von "geburtenorientierter Politik".

2013 schrieben sie in einem vom jetzigen FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer herausgegebenen Buch von einem "natürlichen Brutpflegetrieb" des weiblichen Geschlechts: "Der vom Thron des Familienoberhaupts gestoßene Mann sehnt sich unverändert nach einer Partnerin, die, trotz hipper Den-Mädels-gehört-die-Welt-Journale, in häuslichen Kategorien zu denken imstande ist, deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen überragt." Im Klartext bedeutet das: Eine Frau, die Mutter ist, soll sich weitgehend in den häuslichen Bereich zurückziehen, eigene Ambitionen aufgeben und sich vorrangig auf ihre Mutterpflichten konzentrieren. Doch nicht jede Frau macht das mit.

Dass sich Geschlechterrollen nicht so entwickeln müssen, zeigen vergleichende Recherchen mit anderen Ländern, wie beispielsweise Frankreich. Elisabeth Badinter argumentiert mit akribischer Schärfe in Die Mutterliebe, dass die Rolle der "Vollzeitmutter" nicht in der Natur der Sache liegt, sondern eine historisch gewachsene Institution ist, an der in Ländern wie Österreich und Deutschland unter zwei Prämissen auffällig stark festgehalten wird: Erstens geht das Wohl des Kindes über alles und zweitens kann dieses Kindeswohl nur durch eine 24-Stunden-Mutter-Kind-Beziehung garantiert werden. Während eine französische Maman ihre Rolle als Frau pflegen darf, wird ihr deutsch-österreichisches Pendant auf ihre Rolle als Mutter reduziert, die die Aufgabe des unabhängigen, selbstbestimmten Lebens der Mutter zum Wohl des Kindes einfordert. Die folkloristische Behauptung, dass die Mutter unersetzlich für das Kind und deshalb unabkömmlich sei, schlägt sich, wie im vorigen Kapitel ausgeführt, nicht nur in der fehlenden externen Kinderbetreuung und dem fehlenden partnerschaftlichen Ethos nieder. Tatsächlich macht kaum ein junges Elternpaar halbe-halbe. Es gibt den Versuch auf, bevor er überhaupt begonnen wurde.

Badinter hat gut belegt, dass Mutterschaft die Ungleichheit in der Paarbeziehung enorm verschärft. Egal ob mit oder ohne Trauschein lastet der Großteil der Hausarbeit auf den Schultern der Frauen. Die ungleiche Verteilung häuslicher Pflichten hat sich seit den 1950er-Jahren kaum verändert – vor allem nicht in den Köpfen der Menschen. Zwar hat "die Revolution der Sitten die Männer und Frauen mit der besten Ausbildung einander angenähert, während sie gleichzeitig diese Frauen von ihren weniger gut ausgebildeten Schwestern entfernt hat." Die sehr gut ausgebildeten Frauen verzichten eher für ihre Karriere auf Kinder, während den anderen mangels adäquater Angebote wenig überbleibt, als sich im Haushalt zu engagieren. Wer aufgrund schlechterer Qualifikationen oder Ausgangsbedingungen keinen Job findet, der finanziell genug abwirft, bleibt eher zu Hause. Das ist durch Zahlen gut belegbar. So ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau hierzulande nicht vom Migrationshintergrund, sondern in besonderem Maß vom Bildungsniveau abhängig. In Österreich bekommen in der Landwirtschaft tätige Frauen durchschnittlich 2,5 Kinder und türkisch-stämmige Frauen durchschnittlich 2,4 Kinder. Es wäre allerdings falsch, daraus zu schließen, dass wir das "langsame Aussterben der Österreicher" dadurch verhindern könnten, wenn wir mehr Städterinnen von den Vorteilen des Landlebens überzeugen, da sie dann liebend gerne Kinder bekommen würden.

 Spätestens nach dem medial breit rezipierten Aufschrei unter dem Hashtag #RegrettingMotherhood sickert diese Botschaft auch in das Bewusstsein der Konservativen. Diese reagieren mit Abwehr: Jede Frau, die sich nicht in das "Natürlichste auf der Welt" fügt, ist keine "richtige" Frau. Eine "richtige" Frau ist für ihre Kinder immer verfügbar, übernimmt das Gros der Erziehungs- und Hausarbeit und stellt die Bedürfnisse der Familie über die eigenen. Nebenbei verdient sie ein Taschengeld dazu, ist gut ausgebildet, schlank und sexuell attraktiv. Wie stark dieses Ideal als Bringschuld gegenüber einer Gesellschaft gesehen wird, deren Leistungsanspruch an die heutigen Frauen kaum Grenzen kennt, konnte man an den abwertenden Kommentaren gegenüber Politikerinnen wie Elisabeth Köstinger sehen, die ob ihrer Figur beschimpft wurde. Selbst die Biederfrauen sind von diesem Leistungsdruck nicht ausgenommen, sie schlagen mit noch mehr Funktionalität zurück und dem Image der glücklichen und erfüllten Mutter.

Lisz Hirn: Geht’s noch! Warum die konservative Wende für Frauen gefährlich ist. Molden Verlag, Wien/Graz 2019; 144 S.


Aus: "Rückkehr der Biederfrauen" Lisz Hirn (4. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/2019/10/feminismus-gleichstellung-konservatismus-tradition-biederfrauen

Quote
Ulrike Metz #8

Frauen werden wie eine wirtschaftliche Ressource behandelt, die je nach Bedarf mal in Kriegszeiten Männer in Fabriken ersetzen, nach dem Krieg Trümmer abtragen und körperlich und seelisch verwundete Männer versorgen und zwischen Kriegen für Haushalt, Kinder und die Pflege der älteren Generation zuständig sein sollen. Was, wenn Frauen anderen Gesetzen folgen und intuitiv wissen, dass die Welt nicht unter zu wenig Kindern leidet, sondern eine neue Ideologie für die digitale Zukunft braucht?


Quote
Maria_29 #21

Ich verstehe irgendwie nicht wieso es immer nur um „die Männer“ oder „die Frauen“ geht...
Meiner Meinung nach gibt es halt auf beiden Seiten solche und solche Typen.

Es gibt die Frauen, die gerne arbeiten, selbständig sind und einfach keine Kinder möchten. Denen merkt man es auch an, und ich glaub ihnen aufs Wort wenn Sie sagen: sie möchten keine Kinder, sondern lieber frei sein und einfach alles ihre Entscheidungen frei treffen können.

Auf der anderen Seite gibt es auch die Frauen, die schon immer den Wunsch nach Kindern hatten und dann in ihrer Arbeit der Kindererziehung auch voll aufgehen...
Die mehr oder weniger gern Ihren Haushalt erledigen...zumindest für eine Zeit, bis die Kinder wieder aus dem Haus sind.

Genauso gibt es Männer, die schauen ihre eigenen Kinder genervt an, sind unfähig sich längere Zeig vernünftig mit Ihnen zu beschäftigen, geschweige denn mal einen oder mehrere Tage den Haushalt zu schmeissen ohne komplett im Chaos zu versinken.

Und dann gibts auch solche, die einen wunderbaren Draht zu ihren Kindern haben, gerne auch Arbeiten im Haushalt übernehmen, Ihre Frau unterstützen und verstehen...

Ich verstehe dieses Schubladendenken in Geschlechter einfach nicht.
Meiner Meinung nach sind alles Charaktere und man tut am Besten daran, sich das ergänzende Gegenstück zu suchen, wie es am Besten zu seiner eigenen Vorstellung von Leben passt.
Man kann doch nicht jeden in eine Rolle zwingen, wie man meint dass „Mann“ oder „Frau“ sein muss...


Quote
the one #42

Warum müssen sich konservative Lebensmodelle, die das Bild der Frau als Mutter ins Zentrum rücken und andere Lebensmodelle, nach denen Frauen die Rolle einer Mutter und die der arbeitenden dem Mann gleichgestellte Person vereint oder sogar die Mutterrolle zurücktritt, ausschließen?

Ein jeder mag so leben, wie es ihm beliebt. Wenn die Mehrheit moderner Frauen gerne Beruf und Karriere für das Hausfrauen-Dasein zurückstellt, dies aber anders als Frauen in den 1950er Jahren (und davor) aus freier Selbstüberzeugung macht, dann ist das ebenso emanzipiert wie andere Lebensformen. Ich empfehle den in dieser Hinsicht sehr sehenswerten Film "Mona Lisas Lächeln", der exakt diese Problematik aufgreift.


Quote
Gerne_unterwegs #43

Im Artikel wird deutlich, dass es historische Entwicklungen gibt z. B. die Erläuterungen zur romantischen Liebe, die Propaganda der Nazizeit und natürlich auch die Frauenbewegungen. Der "Zeitgeist" hat also nicht nur Einfluss auf die Länge der Röcke.

Seltsamerweise wird heutzutage sehr häufig davon ausgegangen, dass alle Individuen frei, unabhängig und emanzipiert ihre Entscheidungen treffen. Die These dazu lautet: Es gibt keinen Zeitgeist mehr, keine historischen und kulturellen Einflüsse.

Wer glaubt so etwas wirklich?


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« Reply #50 on: March 07, 2019, 11:03:03 AM »
Quote
[...] Die DDR träumte immer von der Weltspitze, in einer Disziplin hat sie es geschafft: Bei den Ehescheidungen belegte sie unangefochten Platz 1. 70 Prozent der Anträge wurden von Frauen gestellt. Sie heirateten nicht, um versorgt zu werden, sondern aus Liebe. Und wenn sich dieses Motiv als unhaltbar herausstellte, gingen sie wieder.


Aus: "Wo Emanzipation von emanzipiert kommt" Kerstin Decker (06.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/tv-dokumentation-ueber-ostfrauen-wo-emanzipation-von-emanzipiert-kommt/24073496.html