Author Topic: [Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]  (Read 178167 times)

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[Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]
« Reply #360 on: February 25, 2019, 05:02:01 PM »
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[...] Karin Krichmayr: Österreich ist auf Zuwanderung angewiesen. Dennoch ist ein großer Teil der österreichischen Bevölkerung Migrantinnen und Migranten gegenüber kritisch eingestellt. Sei es die berüchtigte "Ausländerkriminalität", sexuelle Gewalt, die besonders von Migranten ausgehe, oder die Angst, dass Muslime das christliche Abendland überrollen: In der öffentlichen Debatte haben sich eine Menge Botschaften ausgebreitet, die von Stereotypen geprägt sind und sich mitunter als schlicht falsch herausstellen, sobald sie auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft werden. Der Kulturanthropologe Klaus Schönberger ist überzeugt: Allein auf Fakten zu beharren ist nicht genug, der Mythos braucht einen Gegenmythos. Warum glauben so viele Menschen an Mythen, die sich bei genauerer Betrachtung als unrichtig herausstellen?

Schönberger: Diese Erzählungen und Narrationen, manche nennen sie Mythen, fallen nicht einfach vom Himmel, sondern haben oft eine lange Geschichte. Waren es in der Vergangenheit antisemitische Ressentiments, ist jetzt auch noch der Islam in das Fadenkreuz des Rassismus geraten. Menschen greifen diese Erzählungen nicht auf, weil sie dumm oder ungebildet sind. Sie wissen zum Teil sehr genau, dass diese Behauptungen ins Reich der Fabeln gehören und keinem Faktencheck standhalten können. Oft handelt es sich um eine Verschiebung von Problemen, über die nicht gesprochen werden soll. Insofern haben diese Erzählungen durchaus eine Funktion, einen rationalen Kern.

STANDARD: Was meinen Sie damit?

Schönberger: Menschen haben unterschiedliche Gründe, warum sie an solche Erzählungen glauben möchten. Einer ist, dass sie Teil einer Maschinerie sind, in der sie sich ohnmächtig fühlen. Die Vorstellung, dass da jemand ist, den ich ausgrenzen kann, dem ich sagen kann, er muss sich integrieren, suggeriert mir Handlungsfähigkeit. Das ist ein ganz rationales Interesse, um mich wieder handlungsfähig zu fühlen, indem ich nach unten trete und mich in der sozialen Hierarchie über andere erhebe.

STANDARD: Es geht also in Wahrheit um andere Probleme?

Schönberger: In einer komplexen Welt mit vielen Unsicherheiten, die ja real sind, treffen diese Erzählungen auf einen fruchtbaren Boden. Wer möchte sich schon grundsätzlich damit auseinandersetzen, warum seine Pension unsicher ist, warum private Aktiengesellschaften darüber bestimmen, ob man morgen noch seinen Job hat? In Kombination mit einer gewissen Medienpräsenz dieser Mythen kann man alle Probleme der Welt auf einen bestimmten Bereich fokussieren, in dem Fall auf Zuwanderer. Es ist mehr als die Suche nach einem Sündenbock, sondern eine Verschiebung der eigenen Probleme. Wir müssen allerdings aufhören, von den "berechtigten Ängsten" derjenigen, die andere drangsalieren, zu schwadronieren. Sie haben keine Angst vor Migranten, sie möchten sie herumkommandieren und sie verachten sie.

STANDARD: Üblicherweise erscheint die Migrationsdebatte eher von Ängsten getrieben. Wie lässt sich das erklären?

Schönberger: Es ist aberwitzig, welcher Aufwand betrieben wird, um die Burka zu verhindern, obwohl es nur eine Handvoll Fälle in ganz Österreich gibt. Wenn man aber eine kulturelle Ordnung und Unterordnung haben möchte, dann ist es rational, sich so zu echauffieren. Die Instrumentalisierung der Migrations- und Flüchtlingsfrage ist nichts anders als der Versuch, die gegenwärtige Demokratiekrise und gewisse Verarmungstendenzen zu dethematisieren.

STANDARD: Die Migrationsmythen sind also Teil der politischen Strategie?

Schönberger: Österreich braucht Einwanderung, das ist bekannt. Die Behauptung, dass Migranten Arbeitsplätze wegnehmen und den Sozialstaat gefährden, passt gut zu dem, was die Regierung vorhat, also einen ökonomischen Umbau und den Abbau von sozialen Sicherungssystemen. Diese Instrumentalisierung ist aus Sicht der ÖVP nachvollziehbar. Aus universitärer Perspektive verstehen viele aber nicht, warum der gerade in Migrationsfragen anerkannte Bildungsminister Heinz Faßmann entgegen der wissenschaftlichen Faktenlage Maßnahmen vertritt, die von Hasspredigern zur Regierungslinie erhoben wurden.

STANDARD: Warum ist es so leicht, sich auf Migration zu stürzen?

Schönberger: Es gibt Traditionen dieser Erzählungen, etwa die von der angeblich besonders hohen Kriminalität der "Ausländer". Oder das Beispiel sexuelle Gewalt. Man könnte das als Problem von toxischer Männlichkeit verhandeln. Die meiste Gefahr für Frauen geht von den Männern in den eigenen vier Wänden aus. Das ist also kein Problem der Migration, sondern eines der Männlichkeit. Dazu kommt, dass die Debatte um "Genderismus", die auch von der FPÖ geführt wird, eine Ermutigung ist für Männer, die eine Legitimation für ihren Besitzanspruch über Frauen suchen. Die komplexen sozialen Beziehungen und Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern können nicht von heute auf morgen aufgelöst werden, müssen aber jenseits der Migration angegangen werden, wenn es wirklich ein Interesse gibt an einer demokratischeren und gewaltfreieren Gesellschaft.

STANDARD: Wie kann man gegensteuern? Mit Gegenaufklärung und Fakten?

Schönberger: Man muss auf verschiedenen Ebenen agieren. Bei direkten Auseinandersetzungen muss man mit rationalen Fakten widersprechen. Die nächste Strategie ist die Dethematisierung, also die realen Probleme anzusprechen, die mittels Mythen weggeschoben werden. Und das Dritte ist: Der Mythos braucht einen Gegenmythos. Die Leute werden nicht überzeugt, weil sie die richtigen Fakten haben, sondern es muss ihnen etwas angeboten werden, wo sie ihre Hoffnungen hinprojizieren können.

STANDARD: Was könnte so ein Gegenmythos sein?

Schönberger: Es muss eine attraktivere soziale Praxis sein, von der niemand ausgeschlossen ist. Es geht um einen emanzipatorischen Mythos, in dem Herkunft keine Rolle spielt. Ich denke, man muss beim Klimawandel ansetzen, um die Jungen einzubeziehen. Die Forderung nach einem besseren Leben, besseren Partys und ökologisches Bewusstsein müssen sich nicht ausschließen. Es geht nicht darum, die alten Mythen von Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus wieder aufzuwärmen, das ist gegessen. Nicht gegessen sind die damit verbundenen Versprechen von einer gerechteren und freieren Gesellschaft für alle. Die müssen wir anders artikulieren und neu formulieren.

(Karin Krichmayr, 24.2.2019)

Klaus Schönberger ist Professor für Kulturanthropologie am Institut für Kulturanalyse der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Er betreibt im STANDARD den Blog "Kulturanalyse des Alltags".


Aus: "Kulturanthropologe: "Es ist rational, nach unten zu treten" InterviewKarin Krichmayr" (24. Februar 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000098441426/Kulturanthropologie-Schoenberger-Es-ist-rational-nach-unten-zu-treten

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Freigeist78

Auch wer Antifaschismus ernst nimmt muss mit gängigen Auslegungen des Islam ein Problem bekommen. Ich kann an diesen kulturrelativistisch verwirrten Ansätzen auch nichts Linkes erkennen.


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Hibiskus

Wieder einer, der glaubt, seine Mitmenschen wüssten nicht, was sie tun, können nicht denken und eine eigene Meinung bilden, strampeln nur (nach unten) und glauben an "Mythen".


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Querschädl

haha
schon wieder so ein "Studierter". Brauchen wir nicht, diese reflektierten Menschen, die statt billigem Populismus wissenschaftlich fundierte Ursachenforschung betreiben.
Wie heißt es so schön im heutigen Einserkastl: "Basti, der Schutzpatron der Unstudierten" wirds schon richten!


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Paul Stanley

Was Mythos ist und was nicht, wird hier ganz schlicht nach Weltanschauung sortiert, Fakten kommen in dem ganzen Gespräch nicht vor.


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Norm MacDonald

Ich möchte Herrn Schönberger gern für das Brett vorm Kopf des Jahres nominieren.


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Lupus C. Cornu

Sie beleidigen Herrn Schönberger! UNFASSBAR - wie kommen Sie dazu???


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k.u.k hofquerflötendepotverwalter

Entspann dich mal a bissi ... Versuch es mit cordhosenbügeln auf dem fliesentisch.


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Little Green Man

recht hat er - er bleibt aber ein rufer in der wüste, wie man hier im forum sehen kann. leute, die nicht bereit sind, sich die situation aus einer anderen perspektive ansehen zu wollen. der beissreflex hier im forum beweist genau die thesen des arktikels.


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Barbarus hic ergo sum ....

der beissreflex hier im forum beweist genau die thesen des arktikels.
GENAU! der beißreflex gegen die katholische kirche beweist, dass sie recht hat!

gell?


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Canonista66

"Nicht gegessen sind die damit verbundenen Versprechen von einer gerechteren und freieren Gesellschaft für alle."

Das ist doch auch wieder nur eine Plattitüde. Was für einen politischen Plan kann man daraus destillieren?
Wenn es um materielle Gerechtigkeit geht, dann wird es immer noch zu akzeptieren sein, dass nicht alle für ihre Arbeit gleich viel bezahlt bekommen. Wenn es um Freiheit geht weiß ich nicht, wo die Unfreiheiten sind.

Zuwanderung ist ein Faktum, meine Großeltern sind aus der Böhmei zugewandert, aber müssen es unbedingt völlig un(aus)gebildete Problembären aus vollkommen fremden Kulturkreisen vom anderen Ende der Welt sein?


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Gigantopithecus Rex

das radfahrer-verhalten:
nach oben buckeln, nach unten treten.

wenn "der Mythos einen Gegenmythos braucht", wie wär es mit diesem:
wenn du nach unten trittst, dann darfst du dich auch nicht beschweren, wenn du von einem 'höheren' getreten wirst!

dieser gegenmythos sollte jedem bekannt sein. JEDE mutter/vater bringt dem kind bei "was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!"
vielleicht ist es zeit, verstärkt daran zu erinnern, durch die realität.


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Herr und Frau Österreicher

Was hier fehlt, ist die Rolle der Propaganda und Negativberichterstattung. Liest man Klatschblätter, tummelt man sich in den einschlägigen Bubbles (die ja mittlerweile im Mainstream angekommen sind) und hört man der Regierung zu, glaubt man ja wirklich, hinter jeder Ecke lauert ein 'Auslända", der einem nach dem Leben trachtet.


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GWS

"Es ist aberwitzig, welcher Aufwand betrieben wird, um die Burka zu verhindern, obwohl es nur eine Handvoll Fälle in ganz Österreich gibt."

Gilt dieser Satz äquivalent auch, wenn es um die Einführung von Toiletten für Menschen mit "alternativem" Geschlecht geht?

Es gibt übrigens in Ö so +/- 50 Morde im Jahr (heuer womöglich ein bisserl mehr). Bei über 8 Mio. Einwohnern eigentlich vernachlässigbar. Sollen wir deshalb - mit obigem Argument - Mord aus dem StGB streichen und die Mordkommissionen auflösen?


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Korinthenkacker

Ich gebe ihm Recht in dem Punkt, dass die Regierung versucht davon abzulenken, dass sie den Sozialstaat abbaut.


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Achsel-des-Boesen

Wissen Sie, ich habe als Trainerin in einer AMS-Maßnahme für junge Erwachsene ohne Bildungsabschluss gearbeitet
In Wien bedeutet das: Über 80% Muslime.
Einmal habe ich es gewagt, weil in einen Text der Begriff "fossile Brennstoffe" vorkam,den Leuten erklären zu wollen, was eine "Fossilie" ist. Worauf mir ein Teilnehmer sagt: "Das ist eine politische Frage" Ich,völlig konsterniert:"Nein, eine wissenschaftliche". Ein anderer Teilnehmer erklärt mir nun, es stehe nicht im Koran, dass der Mensch vom Affen abstammt, deswegen glaube er das nicht. Und ein anderer meint, alle Wissenschaftler würden lügen und ließen sich dafür gut bezahlen. Die ganze Gruppe hat zugestimmt mit einer Ausnahme.Die Ausnahme war ein junger Afghane, dessen Vater Astronom war.
Das war nur eine von vielen Geschichten, bei denen mir ganz anders wurde.


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gnadevorrecht
 ... Wer hierzulande als Frau leben muss, weiß auch von den allgegenwärtigen - oft subtilen - sexuellen Angriffen, denen frau ausgesetzt ist. "Zufällige" Blicke von Inländern(!), von denen frau in den Öffis "gestreift" wird, sind zum Beispiel an der Tagesordnung, die jedoch von den Opfern berechtigterweise als stare rape empfunden werden, welcher in Österreich dank einer untätigen Regierung (noch) nicht strafbar ist. Und jetzt sind es - typisch für uns - wieder die Ausländer, die als Sündenböcke herhalten müssen, dabei wird hier - wie oben treffend beschrieben - nur durch xenophobe Kräfte projiziert.


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Pinackel

Sie Schlingelin!
Fast wäre ich Ihnen auf den Leim gegangen.
Knochentrockener Humor, Kompliment!


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Mills

Ist das Satire oder fordern Sie hier ernsthaft dass flüchtige Blicke strafbar sein sollen?


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Dr. Lefotrak

Spätestens wo "Linksliberale" solchen Leuten wie Abdel-Samad, Necla Kelek, Hirsi Ali oder Seyran Ates in den Rücken gefallen sind, um sich bei erzkonservativen Religionsvereinen anzubiedern, habe ich diese politische Ecke für immer wegen akutem Realitätsverlust abgeschrieben. Das war für mich der entgültige mentale Zusammenbruch der linksliberalen Bewegung, und diese ideologischen Sonntagsreden werden mich nicht zurückholen.


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moustérien

Wenn man nur ein bisschen über diese ganzen echauffierten "Rationalitäten" der rechten Trollarmee im Forum drüberliest [1388 Postings/Kommentare, Stand 25.02.201817:00], leuchtet am Ende dieses luziden Interviews auch noch ein dickes fettes Q.E.D auf ...

([Die Wendung quod erat demonstrandum (lat. für „was zu beweisen war“) bindet das Ergebnis einer logischen oder mathematischen Beweisführung an den vorangestellten Zweck zurück und schließt damit die Beweisführung ab])


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[Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]
« Reply #361 on: March 07, 2019, 09:29:37 AM »
Quote
[...] In einer Hamburger Kita sind sogenannte Indianer- und Scheichkostüme an Karneval unerwünscht. Nun empören sich viele über eine Verbotskultur, dabei bräuchte es viel mehr Kitas wie diese. Ein Kommentar

Aktuell herrscht Empörung über eine Entscheidung einer Kitas in Hamburg. Sie wünschte sich von den Kindern, nicht im „Indianer- oder Scheichkostum“ zu erscheinen. Der Grund: Sie würden Stereotype und Vorurteile bedienen. „Wir achten im Kitaalltag sehr auf eine kultursensible, diskriminierungsfreie und vorurteilsbewusste Erziehung“, schrieb eine Kita vor dem Faschingsfest an die Eltern. Eine Kita möchte Kinder für verschiedene Kulturen sensibilisieren? Ist eigentlich erstrebenswert.

Das finden nicht alle. Viele Medien berichten über ein Verbot oder fragen: „Muss man denn auf alles Rücksicht nehmen?“ Dabei hat es gar kein Verbot gegeben. Die Kita-Leitung hatte lediglich einen Wunsch geäußert, keine verpflichtende Vorgabe gemacht. In den sozialen Netzwerken halten sich Postende die Waage zischen teils harter Kritik und Lob für die Entscheidung. Selbst Politiker*innen haben nun etwas zu sagen. Die CDU Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel würde etwa ihre Kinder aus der Kita nehmen, weil ihr die Vorstöße der Erzieher*innen zu weit gegangen seien. Grigorios Aggelidis, familienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, befindet den Wunsch der Kita als weltfremd und absurd.

Wer so denkt, sollte sich zuerst mit dem eigenen privilegierten Weltbild auseinandersetzen. Was ist falsch daran, inklusiv zu sein und nicht durch Stereotype Menschen verletzen zu wollen? Denn Kostüme sind nicht nur harmlose Kostüme, egal warum man sich als Pocahontas, Inuit oder sogenannter Ureinwohner verkleidet. Derartige Kostüme ethnifizieren.

Kostüme anderer Kulturen basieren auf Stereotypen, auf pauschalisierenden Vereinfachungen, und ignorieren damit eine vielleicht problematische Geschichte, die oft mit Enteignung, Kolonialisierung, Versklavung oder sogar Ausrottung einhergeht. Nur weil manche Kulturen zum Glück davon verschont blieben, heißt das noch lange nicht, dass naives Verkleiden angebracht ist. Menschen können sich dadurch gekränkt und reduziert fühlen. Auch wenn man mit einer derartigen Verkleidung nicht unbedingt selbst zu einem rassistischen Menschen wird, sind es trotzdem rassistische Verkleidungen.

Die Empörung um die Entscheidung der Kita teilen übrigens die wirklich Betroffenen nicht, nämlich die Eltern der Kinder. Im Gegenteil: „Es haben sich bei der Leitung nur Eltern gemeldet, die das total gut fanden. Die haben sich gefreut, dass dafür eine Sensibilität geschaffen wurde“, sagt die pädagogische Geschäftsführerin Franziska Larrá der Deutschen Presse-Agentur. Das ist richtig. Schließlich kann man nicht früh genug damit beginnen, Menschen für andere Kulturen und deren Historie zu sensibilisieren. Die Empörer*innen wurden es offensichtlich nicht.

Selten werden so viele rassistische Klischees bedient wie im Fasching. Der harmlose Wunsch der Hamburger Kita ist daher ein Schritt in die richtige Richtung und hat hoffentlich Vorbildwirkung für andere Kitas und Eltern. Denn wer Bescheid weiß, ist klüger. Fasching macht nämlich noch mehr Spaß, wenn man ihn nicht auf Kosten anderer Kulturen begeht.



Aus: "Warum es richtig ist, schon in der Kita auf Cultural Appropriation aufmerksam zu machen" Philipp Kienzl (06. März 2019)
Quelle: https://ze.tt/warum-es-richtig-ist-schon-in-der-kita-auf-cultural-appropriation-aufmerksam-zu-machen/

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Eberhard Schorr
Als Kind habe ich mich am liebsten als Indianer verkleidet. Ich fand es super, wie sich Indianer lautlos anschleichen konnten, mit Pfeil und Bogen zielgenau schießen konnten und überhaupt ihr Haltung hat mich begeistert. Geliebt habe ich die Lederstrumpf Geschichten, Held war Chingachgook. Und ich war wütend auf die Weißen Siedler und Soldaten, die den Indianern ihr Land wegnahmen.
Aus Solidarität und weil ich sie und ihre Lebensweise so cool fand habe ich mich wie einer angezogen - nicht nur zum Fasching.


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Thomas Melber
Wie sieht es dann aus mit Verkleidungen als Cowboy oder Wikinger? Oder Ninja? Hexe geht dann wohl auch nicht ^^


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Petr Meyer
Als notorischer Diskriminierungsallergiker weise darauf hin, dass reale Dikriminierung zu bekämpfen schwerer ist als Hineininterpretierte und bei aller Berechtigung der Argumentation, den Teilsatz des Textes ´naives Verkleiden angebracht´, reiße ich aus dem Kontext und mache ihn mir genauso zu Eigen, wie kindliches Verkleiden hier aus seinem eigenen Kontext herausgerissen wurde: Um Kinder nicht zu diskriminieren, muss man ihnen dass Recht zubilligen, sich naiv zu verkleiden. Es wird ja nicht verkleidet, um fröhliches Diskrimineren zu spielen. Es ist das Privileg der Kindheit naiv und ungebildet, unaufgeklärt und unvoreingenommen zu sein. Und ja, Kinder sollen ihre Vorstellungen von Identitätswechselmöglichkeiten ausleben, diese Illusionen werden ihnen ohnehin sehr bald ausgetrieben und sie werden auf ihr reales gesellschaftliches Ich reduziert. Was soll das Geschwätz von ´du kannst alles werden´ wenn sogar zu Karnevall sofort gesellschaftrelevante Einschränkungen hinterher geworfen werden? Kleine Kinder haben meist ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, Schaden nimmt es nicht durch Kostüme, sondern durchs Leben.


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Uwe Wuschick
Vielleicht bin ich ja zu doof dafür, aber ich hab immer noch nicht gecheckt, was am Indianer- oder Scheich-Kostüm diskriminierend sein soll. Es mag ja "ethnisierend" sein, na und ? Sollen am besten alle in den selben Kostümen kommen, damit nur ja keine eventuelle Sensibilität verletzt wird? Werden jetzt die Bayern diskriminiert, wenn das Kind in Lederhosen zum Fasching kommt?


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Jürg Wanda
Ich kann nicht einmal sagen das es eine kranke entscheidung ist, Kostümierungen für Kinder zu verbieten! Es ist schrecklich was wir in kurzer Zeit an Kultur alles vernichten! Man lässt Zombis und Blutrünstige maskierungen bei Kinder zu, aber Indianer werden verboten! Ich bin so froh das ich als Kind eine ruhigere und natürlichere Kindheit erleben durfte! Was wird aus uns mit all diesen Verboten und wo soll das enden!


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Kingston Spirit
Hintergrundwissen ist mir wichtig, ich studiere die Geschichte und möchte wissen, wie es zu einem bestehenden politischen oder gesellschaftlichen Konflikt gekommen ist.
Aber die Kostüm-Diskussion geht selbst mir zu weit. Klitsches und kulturelle Missverständnisse werden sich in den nächsten Jahrhunderten nicht ausräumen lassen.
Sollen sich die Bayern jetzt beispielsweise diskriminiert fühlen, wenn Australier oder Asiaten in klischeehaften und authentizitätsfremden Trachten beim Oktoberfest erscheinen?
Da finde ich den schießwütigen, Marlboro rauchenden Cowboy verwerflicher als den stolzen Indianer. In jede Verkleidung kann etwas Anstößiges interpretiert werden.


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Beri Kristina
Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb es respektlos oder gar rassistisch sein soll, sich als Indianer oder Inuit zu verkleiden. Kinder wollen doch in die Rolle eines Wesens schlüpfem, das sie bewundern. Im Fasching haben sie die Möglichkeit dazu. Es findet eine hohe Identifiaktion statt, auch im Herzen. Problematischer würde ich es finden, wenn sich plötzlich kein Kind mehr als Indianer verkleiden wollte. Und als Scheich? Why not? Gäste der arabischen Emirate bekommen oft selbst eine halbe Scheich-Ausstattung für ein Foto. Natürlich zielt eine Verkleidung auf das Exotische, Fremdländische und ganz sicher auch in Stereotypen, die zumeist durch die klimatischen Bedingungen in den jeweiligen Ländern begründet sind. Ist doch schön, wenn Fasching alles multikulti ist. Außerdem: was sich liebt, das neckt sich. Ich habe weder als Kind noch als Erwachsene Kinderkostüme als abwertend empfunden. Und genau@Uwe Wuschick: würde sich anderswo auf der Welt jemand als Bayer verkleiden - wir wären geschmeichelt! Ein schönes Kompliment.


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Angelina Kitsche Dembek
Geboren Ende 1972.
Zu Karneval als Kind war ich
Indianer(männlich, nicht Pocahontas),
Cowboy(männlich),
Ungarin(die Veruschka, die Veruschka aus Buda-, Budapest).
Niemals hat sich ein amerikanischer Ureinwohner, Nachkomme eines Auswanderers oder Ungar bei meinen Eltern beschwert.
Wie auch?
Ein Kindergarten-Karneval im Norden von Dortmund ist einfach nicht deren Problem(zone).

Das Gleiche bei meinen Jungs.
Wikinger, Dracula, Pirat ...
Kein Nordmann, Siebenbürgener, Freibeuter hat interveniert.
Warum auch?

Statt den Kindern ihre Kostüme madig zu machen, könnten Eltern und Erzieher* doch einfach die Gelegenheit nutzen, altersentsprechend Geschichten über die jeweilige Kultur zu erzählen.
Haben meine Eltern so gemacht, hab ich gemacht.

*-innen und Xe sind mitgemeint.


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Mariella Wilcke
Als ich als 10-Jährige mal als inuit ging, waren im Dorf meines Onkels in nordkanada, in dem 95% der bewohner inuit sind, alle, denen er das erzählt oder die Bilder gezeigt hat, stolz darauf und haben sich gefreut, dass sich im fernen fernen Deutschland ein Kind in ihrer traditionellen Tracht verkleidet.
Genau wie viele Bayern sich freuen, wenn menschen auf anderen kontinenten sich mit Lederhose verkleiden.
(Und nein, mein Onkel ist kein böser Kolonialist, sondern Krankenpfleger und selbst Immigrant (mit 20 als einer der so gefürchteten alleinstehenden jungen männlichen immigranten nach kanada eingewandert), der durch ein jobangebot in dem Dorf gelandet ist, und mittlerweile seit über 40 Jahren dort lebt.)
Ja, die Geschichte der inuit beinhaltet viele der im Artikel angesprochenen dunklen Kapitel... vieles davon wird durch Engagement von Menschen, Organisationen, Behörden gemildert und gebessert. Vieles wird noch ewig als Trauma bleiben. Helfen tut z.b. mein Onkel, der -inzwischen in rente- eine traumaklinik aufbaut. Nicht helfen tun kostümverbote.


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Hänning Fischä
Ich könnte Gefühlte verletzen, ich glaube ich bleibe heute lieber im Bett.


...

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[....] Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer kann die Empörung über ihren vermeintlichen Fastnachtwitz nicht nachvollziehen. "Manchmal muss man genau hinschauen, bevor man sich künstlich aufregt", sagte Kramp-Karrenbauer auf dem politischen Aschermittwoch ihrer Partei im mecklenburgischen Demmin. Wer sich ihre Rede vor dem Stockacher Narrengericht in voller Länge angehört habe, verstehe, dass sie keinen Witz auf Kosten von Intersexuellen gemacht habe. Sie habe vielmehr versucht, sich gegen den Vorwurf zu verteidigen, eine "Emanze" zu sein. "Es ging um die Klage von Machos, um das Verhältnis von Mann und Frau."

Grünenchef Robert Habeck hatte die Saarländerin auf dem politischen Aschermittwoch seiner Partei in Biberach zuvor aufgefordert, sich für ihre umstrittene Äußerung über die Einführung von Toiletten für das dritte Geschlecht zu entschuldigen. Es sei immer billig, auf Minderheiten herumzureiten, sagte Habeck. Für ihren Witz hatte Kramp-Karrenbauer auch von anderen Seiten viel Kritik einstecken müssen.

In Stockach am Bodensee hatte die CDU-Politikerin gesagt: "Wer war denn von euch vor Kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen." Wer nicht wisse, ob er beim Pinkeln noch stehen dürfe oder schon sitzen müsse, für den gebe es nun eben eine weitere Option.

Dass in Deutschland über "so einen Blödsinn" diskutiert werde, zeige, "dass wir keine anderen Probleme haben", sagte Kramp-Karrenbauer in Demmin. Die Deutschen könnten heute nicht mehr glücklich sein. Im Gegenteil: "Wir sind das verkrampfteste Volk, das auf der ganzen Welt herumläuft." Die Parteichefin warnte: "Wenn wir so weitermachen, laufen wir Gefahr, die Tradition von Karneval und Fastnacht kaputtzumachen."

...


Aus: "Annegret Kramp-Karrenbauer: "Wir sind das verkrampfteste Volk, das auf der ganzen Welt herumläuft"" (6. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-03/annegret-kramp-karrenbauer-fastnachtswitz-politischer-aschermittwoch

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Andreas71 #1

Ein bisschen hat sie ja Recht.


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Nö zur Komfortzone #10


... Sehe ich mit meinen vielen Auslandaufenthalten genauso: Entspannt euch mal, keiner braucht Moralaposteln. Wir brauchen selbstständig denkende, ethisch gebildete Menschen. Und zur Ethik, meine ich, gehört auch das Wissen, zu unterscheiden, was Lachen auf Kosten anderer ist - und was Fasching und Karneval im weiten Kontext nun mal bedeutet. ...


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So ist das eben #23


"Wir sind das verkrampfteste Volk, das auf der ganzen Welt herumläuft"

Sagt jene Frau, für die die Schwulenehe ein absolutes No-Go ist und § 219a der schützens- und verteidungswürdigste Paragraf des StGB darstellt.
Verkrampft sind also jene, die sich sich für Minderheiten- und Frauenrechte einsetzen. Ist schon klar, Frau AKK...


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Scholae Palatinae #23.1

"Verkrampft sind also jene, die sich sich für Minderheiten- und Frauenrechte einsetzen. Ist schon klar, Frau AKK..."

Sie missverstehen. Verkrampft sind diejenigen, die sich als professionelle Minderheitenaktivisten betätigen und keinen Humor zulassen.


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Grundgesetz-Gutmensch #25

Ich glaube mittlerweile, dass das Absicht war:
Sie provoziert mit einem bewusst sensiblen Thema als harmlosen Klamauk, um Empörung zu ernten und sich anschließend als Anti-Empörungsbeauftragte zu inszenieren und so im konservativen Lager zu punkten.

Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, die CDU-Bundesvorsitzende geht ohne sorgfältige Public Relations-Beratung zum Witze-Reißen auf eine Karnevals-Bühne?

Natürlich war und ist die Empörung übertrieben; unzählige Komiker machen ständig Witze aufkosten von Minderheiten und mithilfe von Klischees - so funktioniert Humor halt oft. Und keiner unterstellt Ressentiments.
Hier aber macht es eine künftige Kanzlerkandidatin, die genau weiß, für welche geschlechterpolitischen Ansichten sie bekannt ist und dass es Empörung geben wird. Die wird provoziert und sie kann sich grundsätzlich und vordergründig zu Recht als Gegnerin einer übertriebenen Empörungskultur inszenieren.

Alles peinlich: das Kalkül, der Witz, die Reaktionen.


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« Reply #362 on: March 07, 2019, 01:58:27 PM »
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Berlin (dpo) - ES IST DER WOHL SKANDALÖSESTE SKANDAL DER DEUTSCHEN NACHKRIEGSZEIT! Soeben wurde der muslimische Bundeskanzler Tufan Bilgin-Lehmann (CDU) auf einer Berliner Toilette für Intersexuelle von einer Horde kostümierter Indianer überfallen und beinahe skalpiert. In Deutschlands Zeitungs-Redaktionen geht es seitdem drunter und drüber.
"Ich war gerade dabei, mein drittes Geschlecht auszupacken, da kamen diese Wilden hereingestürmt", so der Bundeskanzler, der immer noch sichtlich unter Schock stand. "Ich danke Allah, dass ich mit dem Leben davongekommen bin." Zum Glück habe es sich bei den Indianern wohl nur um rassistische Kinder in Verkleidung gehandelt. "Entsprechend stumpf waren auch ihre Waffen", so der CDU-Politiker, der sich inzwischen an einem sicheren Ort befindet.
Woher die kostümierten Indianer kamen, ist unklar. Es wird allerdings vermutet, dass sie aus einer Hamburger Kita geflohen sind und nun Jagd auf Menschen mit Doppelnamen machen. Die Sprachpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Medienexperten sind sich einig, dass dieser denkwürdige Vorfall derart skandalträchtig ist, dass er die Schlagzeilen der nächsten 200 Jahre dominieren dürfte – es sei denn, morgen passiert irgendwo irgendetwas anderes, worüber man streiten kann.


Aus: "SKANDAL! Muslimischer CDU-Kanzler auf Intersex-Toilette von kostümierten Indianern überfallen" (Mittwoch, 6. März 2019)
Quelle: https://www.der-postillon.com/2019/03/skandal.html

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Hubert

Schon wieder der pure Seximus hier! Bitte ändern Sie im Artikel "Indianer" in "Indianerinnen und Indianer".
Danke.


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Swen Ekaf

echt ein Skandal! Schon wieder eine Nichtfrau als CDU–Bundeskanzlerin.... Typisch 50er Jahre Machopartei!


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Red Hirsching

Das rassistische Hetzblatt hier musste natürlich gleich die Ethnie der Täter nennen. Ekelhaft.


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Anke

Indianer? INDIANER?!?? Das heißt Indigene Völker Nordamerikas! Ich bin empört !!


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Swen Ekaf

ich dachte die Grünen hätten die Indigene schon lange verboten?


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ERR_USER_NOT_FOUND

Zum Glück lese ich nur Qualitätsmedien, die solche Vorfälle nicht unüberlegt skandalisieren. Ich bin doch hier bei der Apothekenrundschau, oder?


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Zwölf Olf

Der Bürgermeister von Stuttgart hätte diese Rotzlöffel wegen Majestätsbeleidigung verklagt.


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idiotanumerouno

Ich würde lieber etwas über Welpen lesen...


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Boris Bogunovic

Der soll froh sein, dass er hier auf ein anständiges Klo kann. In der Türkei müsste er im Stehen pinkeln.



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[Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]
« Reply #363 on: March 16, 2019, 06:37:14 PM »
Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland) sind am 15. März 2019 mindestens 49 Menschen getötet und weitere 40 Menschen verletzt worden. Die Tat ist nach Zahl der Todesopfer das schwerste Verbrechen in der Geschichte Neuseelands. ... (Stand: 16.03.2019)
https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_zwei_Moscheen_in_Christchurch

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[...] In seinem 87-seitigen Manifest spottet der möglicherweise gleiche Täter: Spyro, ein kleiner violetter Videospieldrache, habe ihn zum Ethnonationalismus konvertiert. Er bedroht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Tod. Sie sei "die Mutter aller anti-weißen und anti-germanischen Dinge, ganz oben auf der Liste". Wenige hätten so viel getan, um Europa zu schädigen. Die Passage endet mit den Worten: "KILL ANGELA MERKEL, KILL ERDOGAN, KILL SADIQ KHAN."

Mit Ironie und bewusster Provokation will er offenbar emotionale Reaktionen beim Publikum auslösen. So wird es fast unmöglich, sein Weltbild aus seinem Pamphlet zu rekonstruieren. Darüber hinaus will sich T. keiner bestimmten rechtsextremen Gruppe zuordnen. Lediglich gegenüber anderen Attentätern, darunter Dylann Roof und Anders Breivik, empfindet er eine Art ideologische Verbundenheit. Das Manifest des norwegischen Massenschützen sei seine "wahre Inspiration" gewesen.


Aus: "Rechtsextremismus: Was trieb den Attentäter von Christchurch an?" Patricia Zhubi (15. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-03/rechtsextremismus-terrorattentat-christchurch-pewdiepie-youtuber

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spiegelwechsler #4

Was trieb ihn an?
Der Attentäter ist nicht richtig im Kopf.
Für sowas gibt es keine Rechtfertigungen.


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ah-jun #4.1

"Der Attentäter ist nicht richtig im Kopf"

Also straffrei ab in die Klappse?


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Best Friend Tabitha #4.5

Ach die Rechten sind ja nie richtig im Kopf, wenn sie Leute umbringen. Alle anderen natürlich schon. ...


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Der freundliche Waran #4.16

Weil vom Standpunkt eines normalen Menschen aus "schlicht und einfach irre" zu sein keine geeignete Kategorisierung ist, um schwerste Verbrechen richtig einordnen zu können. Gut ein Drittel der Bevölkerung erkrankt irgendwann im Laufe des Lebens psychisch, kaum jemand begeht deswegen dann Straftaten. Umgekehrt gibts kaum Mordfälle, in denen eine psychische Erkrankung juristisch relevant ist - das ist sie nur dann, wenn jemand durch die Erkrankung die Fähigkeit verliert, seine Taten steuern zu können. Das passiert nur durch schwerste Wahnvorstellungen, "die Stimmen haben es befohlen" usw.
Bei den meisten Mördern ist das nicht der Fall und auch hier gingen die Täter wohl zu planvoll und systematisch vor, um davon auszugehen, dass es zutreffen könnte.

Was machen wir dann mit der Mehrheit der Mörder, die zwar irgendwie nicht mehr ganz sauber ticken, deren Taten sich aber nicht durch einen Verlust ihrer Steuerungsfähigkeit erklären lassen? Nun, wir sehen uns an, was sie sonst noch für Motive haben. Denn nur so finden wir heraus, warum sie nicht z.B. wie andere narzisstisch Gestörte ein unauffälliges Leben führen, in dem sie nur gelegentlich mal rumbrüllen, wenn man sie kränkt.

Nur außerhalb des pathologischen Teils ihrer Persönlichkeit finden wir den wahren Grund, warum sie Täter geworden sind. Am Ende steht bei einem steuerungsfähigen Menschen immer die Entscheidung, Täter zu werden. Die Frage ist, was zu dieser Entscheidung führt.

In diesem Fall ist es übrigens Faschismus.


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mineyanoor #4.24

Der ist genau so wenig verrückt wie alle anderen Fanatiker. ...


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vincentvision #9

Menschen wurden bewusst getötet und verletzt, nur weil sie eine andere Religion leben - damit unterscheiden sich solche Taten nicht im Mindesten von denen islamistischer Attentäter, die angeblich Ungläubige töten wollen.

Und damit geht einmal mehr die Saat derjenigen auf, die täglich gegen Menschen hetzen und sie ausgrenzen.

Und deren Hetze man größtenteils unwidersprochen lässt.

Dass es dann zu solchen Taten führt, ist keine Überraschung.

Denn seit den alltäglichen Salonrassisten ist aber genau diese Hetze unter bürgerlich-braunem Mäntelchen normal und intelligente Differenzierung bei gewissen Mitbürgern nicht mehr en vogue. ...


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AH-JA #19

Dummheit, abgrundtiefer Hass, politische Verblendung, Selbstüberschätzung und Gewaltbereitschaft werden zusammengerührt und führen zu diesen terroristischen Mordexzessen. Ein unheilvolles Gebräu von Menschenverachtung.


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GrosMorse #24

Habe das Manifest gelesen. Das ist so ein Haufen Mist, da weiß man gar nicht wo man anfangen soll. Der Mann feiert darin andere Massenmörder wie den Quebec Mosque Shooter oder den Killer von Charleston. Er schreibt außerdem, dass er Europa mit der Tat einen Gefallen getan hat und tut dies im Namen von Millionen Europäern. Er ist überzeugt, er sollte außerdem für den Friedensnobelpreis nominiert werden.
Im Manifest sind außerdem Bilder von Blonden Frauen und Kindern enthalten, die völlig verquert mit Bildern von martialischen Soldaten gemischt sind. Nordische Mythologie ist natürlich auch mit dabei.

Er nutzt die gleiche Rhetorik die die Identitäre Bewegung, Front National, Britain First und andere Rechte Bewegungen in Europa nutzen. Außerdem redet er von einem Völkermord in Europa an der weissen Bevölkerung durch die niedrigen Geburtenraten. Daher ruft er zum Mord an allen Nicht-Europäern in Australien, Europa, Argentinien, Nordamerika und Neuseeland auf. Das sind ihm zu Folge nach Bruderländer.
Die Kapitalisten sollen außerdem Millionen billig Arbeitskräfte importieren um die Kultur zu zerstören und Gewinn zu machen.
Außerdem müssen wir die Umwelt schützen um unseren ethnisch reinen Staat zu bewahren und die Kultur, die mit der Natur verbunden ist, mehr schätzen.

Das ganze Manifest ist so unfassbar rassistisch, menschenverachtend und lehnt alle Werte und Normen der westlichen Zivilisation ab.


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HelloDarknessMyOldFriend #30

Hat sich der Autor mit dem "Manifest" eigentlich überhaupt beschäftigt? Es ist wirklich eckelhaft das so vor diesen Hintergrund zu schreiben, aber das meiste davon ist ein Witz. Was aber daraus klar wird sind die Intentionen des Mörderers. Er will den "Culture War" beschleunigen. ...


...

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[Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]
« Reply #364 on: May 02, 2019, 02:33:13 PM »
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[...] Vor dem S-Bahnhof Berlin-Grunewald herrscht beinahe Partystimmung. Technobässe wummern über den Platz, auf dem mehrere Tausend Menschen in der Sonne stehen.

Bands spielen, Väter tragen ihre Kinder auf den Schultern. Plakate mit Sprüchen wie „Deine Geldanlage ist unser Zuhause“ oder „Heuschrecken grillen“ verraten jedoch, dass es um mehr als ums Feiern geht.

Auf einer Bühne steht ein Mann, auf seinem T-Shirt „Deserteur“. Er stellt sich als Breatt vor und erklärt, worum es hier geht: Berlins Nobelviertel Grunewald sei ein „Problembezirk“.

Man habe sich heute versammelt, um den reichen Villenbesitzern am Gartenzaun beizubringen, welche gesellschaftlichen Verwerfungen sie auslösen: Vielen sei ja offenbar gar nicht klar, wie sie mit ihrem „stetig wachsenden Immobilienportfolio und Renditeerwartungen Leute in ärmeren Bezirken aus ihrem Zuhause rausschmeißen“.

Es ist das zweite Jahr in Folge, dass das linke Bündnis Hedonistische Internationale am 1. Mai zum „Kiezspaziergang“ durch den Grunewald eingeladen hat. 2018 kamen rund 3000 Teilnehmer, in diesem Jahr dürften es noch mehr gewesen sein. Die Veranstalter sprechen von mehr als einer Verdoppelung. Eine offizielle Zahl gibt es zunächst aber nicht.

In der deutschen Hauptstadt, einst arm, sexy und billig, gibt es kaum ein Thema, das so viele Menschen bewegt wie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Wohl auch deswegen diskutiert Berlin ernsthaft darüber, ob die Stadt Wohnungsbaugesellschaften wie die Deutsche Wohnen SE enteignen sollte.

Weil die Sache so wichtig sei, sei es auch wichtig, friedlich zu bleiben, sagt Organisator Breatt. Im vergangenen Jahr hatte es hier rund 100 Strafanzeigen gegeben, die meisten wegen Sachbeschädigung, weil die Demonstranten Fassaden besprüht oder Sticker auf Autos geklebt hatten. An diesem 1. Mai verlief die Demonstration bis zum späten Nachmittag gewaltfrei.

Lustig machen über die „Bonzen“ wollte man sich natürlich trotzdem. Zum Beispiel über den CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Dieter Gröhler: Der habe in einem Schreiben den Anwohnern empfohlen, „hochpreisige Fahrzeuge in Sicherheit zu bringen und ihre Toranlagen geschlossen zu halten“. Im Publikum höhnisches Gelächter. „Toranlage! Jeder Bezirk hat eben seine eigenen Probleme“, sagt Breatt.

Doch auch unter den vermeintlichen Bonzen gibt es Sympathisanten. Eine davon ist Birgit Huber, eine Dame um die 50, die mit ihrer teuer wirkenden Kleidung in der Masse auffällt.

Sie lebe in Charlottenburg, verdiene als Geschäftsführerin eines Krankenhauses sehr gut und zähle sich selbst zu den oberen Zehntausend. „Vor anderthalb Jahren habe ich beschlossen, wieder demonstrieren zu gehen“, sagt sie. Weil sie das Gefühl habe, in der Gesellschaft sei etwas ins Rutschen geraten.

„Die Ungleichheit in unserer Gesellschaft gefährdet die Demokratie.“ Sie sei heute hier, um die Eliten daran zu erinnern, dass mit Geld auch eine besondere gesamtgesellschaftliche Verantwortung komme.

„Ich habe das Gefühl, viele reiche Menschen in Deutschland haben die Bodenhaftung verloren.“ Insofern ergebe es Sinn, im Grunewald und nicht, wie früher, in Kreuzberg zu demonstrieren.

Weniger optimistisch, dass die Demonstration die Menschen hinter ihren Villenzäunen wachrütteln kann, ist dagegen der Kneipenbesitzer Christian, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte.

Er hält ein großes Plakat in die Höhe: „Syndikat bleibt“, steht darauf geschrieben. Die Eckkneipe „Syndikat“ ist eine Institution in Berlin-Neukölln.

Vor einigen Monaten wurde Christian und den anderen Kneipenbetreibern nach 33 Jahren der Pachtvertrag gekündigt. „Ohne jede Begründung“, sagt er.

Der Eigentümer sei eine Briefkastenfirma, und hinter der steckten Investoren, die irgendwo in Grunewald wohnten. „Die verschanzen sich hier in ihrem Villenviertel und zerstören unsere Existenz.“

Verdrängung, Zwangsräumung, Wohnungsnot und hohe Mieten sorgen in Berlin sehr viele Menschen. Weniger als ein Prozent der Wohnungen steht in der deutschen Hauptstadt leer.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Mietpreise verdoppelt – nirgendwo sonst im Land steigen sie so rasant.

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft dürfte sich die Lage in den kommenden Jahren sogar noch verschärfen, denn Berlins Bevölkerung wächst schneller als die jeder anderen Stadt im Land.

Die Berliner Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen sammelt derzeit Unterschriften, um ein Volksbegehren zu beantragen. Sie verlangt, Unternehmen, denen mehr als 3000 Wohnungen gehören, gegen Entschädigung zu „vergesellschaften“.

Eine der Organisatoren ist Susanna Raab, eine kleine blonde Frau, die mit einem Unterschriftenzettel in der Menge steht. Die Soziologin setzt sich seit Jahren in verschiedenen Projekten für mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt ein. Berlin steuere geradewegs auf eine Katastrophe zu, wenn die Stadt jetzt nicht schnell handele.

Ihre Forderung nach Enteignungen sei schon radikal, sagt sie selbst. Die Stadt sei aber an einem Punkt, an dem nur noch radikale Lösungen helfen könnten.

In Berlin würde zwar neuer Wohnraum gebaut, aber viel zu teuer und damit völlig am Bedarf vorbei. „Zwei Drittel aller Berliner verdienen so wenig, dass sie Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein haben“, sagt Raab.

Die Stadt müsse ihren Bestand an bezahlbaren Mietwohnungen daher deutlich erhöhen – das ginge kurzfristig am besten über Enteignung: „Wir sind überzeugt, dass das eine mietpreisbremsende Wirkung auf die gesamte Stadt hätte.“

Offenbar gibt es eine ganze Menge Menschen in Berlin, die ihrer Meinung sind. Der Unterschriftenblock von Susanna Raab füllt sich schnell. Um ein Volksbegehren zu beantragen, braucht die Initiative 20.000 Unterstützer. Raab sagt, die nötigen Unterzeichner hätten sie schon locker zusammen.


Aus: "Enteignungsdemo im Villenviertel" Tina Kaiser (02.05.2019)
Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article192790071/1-Mai-in-Berlin-Enteignungsdemo-im-Villenviertel.html

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jobst v.

 Ich würde es mal mit Arbeit probieren. Arm und sexy war Euer Motto, jetzt kommen die Konsequenzen.


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Graf Krollock

 Bei Demonstrationen schau ich immer gerne in die Gesichter der Demonstranten. Kann ich mich mit den Teilnehmer identifizieren?
Schau ich mir die Gesichter dieser Leute an, ganz sicher nicht: Alle Wohlstandskinder ohne jegliche Leistungsbereitschaft.


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Günter F.

 Wird es Zeit dieses Land zu verlassen ? Klima Greta, Enteignungs- Fetischisten und die Antifa, die auch bei dieser Demo fleissig mitläuft, sorgen bei mir für ein flaues Gefühl.  Ich bin wahrlich kein Freund von Turbokapitalismus, aber ohne klare Differenzierung geht es auch nicht. Ich als normaler Arbeiter und Steuerzahler sage es einmal so, es gibt auch und das ist die klare Mehrheit, auch anständige Geldsäcke !

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Fingerinderwunde F.

 Die leute die enteignen wollen, haben selber nichts auf die reihe bekommen.
Wollen aber das haben was den anderen gehört.
Kommt mir bekannt vor.


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Marcus W.

 Und wenn man den Bestand an bezahlbarem Wohnraum dann erhöht hat, kommen wieder doppelt so viele neue Hipster nach Berlin, wie es Wohnungen gibt ....


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Carl T.

 Allein schon die Debatte um Enteignungen wird Deutschland weiter runterziehen und ärmer machen.
Investitionen werden zurückgestellt, nicht nur bei Immobilien, dank SPD Kühnert auch in der Industrie.
Vermögende machen sich aus dem Staub und der Kuchen wird noch kleiner werden. ...


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Betty B.

 Aus diesen Demonstranten und ihren Forderungen spricht der pure Neid.
Sie haben es zu nichts gebracht und machen andere dafür verantwortlich.


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Susanne S.

 Ich bin wirklich geschockt ueber diese meiner Ansicht nach dumme Kurzsichtigkeit dieser sogenannten
Demonstranten. Denken diese wirklich das den Eigentuemern dieser Grundstuecke  nichts dafuer getan
haben um diese zu besitzen? Also muessen diese enteignet werden um ihnen einen besseren Lebensstandard zu bescheren?
Zusaetzlich bin ich geschockt ueber den Stil der Berichterstattung von Welt!


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Uwe T.

 Stimmt, der Inhaber von KIK bezahlt Mindestlohn an seine Mitarbeiter und wohnt selbst in einer Villa.


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Monika S.

 Ich wohne am Stadtrand von München und war kürzlich in Berlin....für was protestieren die eigentlich? Noch billiger als dort gehts ja schon fast nicht mehr....


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Arne D.

 Naja, aus Sicht der sozialistischen Träumer in Berlin ist es eine Zumutung, überhaupt für etwas zahlen zu müssen, das ja schon da ist.


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Heiko T.

 Sind diejenigen, die die Wohnungsknappheit beklagen, nicht dieselben, die für  offene Grenzen sind und am liebsten ganz Afrika nach Deutschland holen wollen ?
Über 2 Millionen illegale Migranten in den letzten Jahren, dazu jährlich noch 2,3 Großstädte zusätzlich - die wandern nicht nur in unsere Sozialsysteme ein, die benötigen auch hunderttausende Wohnungen !


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Udo G.

 Die einfachen kausalen Zusammenhänge zu erkennen ist halt nicht die Stärke der linksorientierten Gesellschaft in Berlin.


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Carlos T.

 Wenn ich mir ansehe wer da so mitläuft, wird mir ganz anders. Menschen die ihre Kinder instrumentalisieren. Oder welche die überhaupt keine Lust haben für ihr Geld zu arbeiten. Bzw. sich den gesellschaftlichen Normen nicht anpassen wollen. ...


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Pina L.

 Ja haben wir denn wieder Sozialismus?


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A. W.

 Wahrscheinlich sind die Mieten noch nicht hoch genug, da es Leute immer mehr nach Berlin, Hamburg oder München zieht. Warum soll ich die Miete nach den Wünschen der Mieter anpassen.  ...


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luka p.

 Die Sonnenbrille für 400 Euro, aber dem russischen Kindermädchen 1,50 Euro zahlen, das sind diese Dauerdemonstranten, man hat wichtigeres zutun als auf seine Kinder aufzupassen. Und was mich persönlich aufregt, es ist immer Berlin, man hat es ja. Man sollte diese Stadt den 4 Siegermächten zurückgeben.


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John L.

 Das lustige, oder traurige - je nachdem wie man es sehen will - an der Sache ist das es wahrscheinlich gerade die Wähler von SPD und Grüne sind die auf die Straße gehen und nach Enteignung schreien und dabei vergessen haben das es genau diese Parteien waren die vor 15 Jahren dafür verantwortlich waren das über 50000 Wohnungen zu einem Spottpreis verscherbelt worden sind. An wen? An genau jene die man jetzt enteignen will...


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Mark B.

 vielleicht sollten wir denen allen mal eine Woche Venezuela / Cuba Urlaub schenken, dann können sie sich ja selber ein Bild davon machen, wie gut Sozialismus und Enteignungen funktionieren. Und zum Thema "günstiger" Wohnraum, sollen sie mal mit ihrer Wunschpartei den Grünen sprechen, die durch ihre Auflagen größtenteils dafür verantwortlich sind, dass man unter €3.000 / qm nicht mehr bauen kann und die vor allem in Berlin kaum noch Flächen freigeben..


Quote
Primus V.

 Die Neidgesellschafft geht auf die Strasse.
Schon bedrückend, dass die Menschen die Konsequenzen ihrer Wahlentscheidungen nicht verstehen.
Selbst wenn sie von der Realität eingeholt werden und soviel Leidensdruck verspüren, dass sie auf die Strasse gehen, können sie Ursachen und Wirkung nicht einschätzen.


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Uwe H.

 Wie sehen eigentlich die Antworten der AFD zu diesem Thema aus oder ist das noch wichtig?


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Christan M.

 Bitte uns hängen deren Plakate: keine Enteignung!

Soweit eindeutig..


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Christiane B.

 Nicht alle Wohlhabenden sind Mietspekulanten oder Lottogewinner. Viele arbeiten jahrzehntelang 60 bis 70 Stunden die Woche. Danach sehen die meisten Demonstranten nicht aus. ...


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Stefan U.

 Warum demonstrieren die eigentlich nicht vorm Abgeordnetenhaus oder der EZB? Da sitzen die eigentlichen Verursacher der Misere...aber billiges Ressentiment gegen Bonzen ist halt einfacher. Und endet, wie Kollege Don schon richtig festgestellt hat, bei aller Konsequenz im Gulag.


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Alexander G.

 Bei "Enteignung" denken jetzt viele, dass tatsächlich die"Grossen" dran wären. Wobei fast Niemand etwas mit Namen wie BlackRock, Norges, Lansdowne Partners, Massachusetts Financial Services anfangen kann. Diese Gesellschaften haben ihren Sitz gar nicht in Deutschland. Ob ein paar Naivlinge im Grunewald runtorkeln ist denen egal. Diese Unternehmen sind rechtlich nicht erreichbar. Was die Leute nicht verstehen ist, dass die "Grossen" die Politik machen. ...


Quote
Paul O.

 Soso, die Bösen wohnen also im Grunewald. ...


Quote
Frank P.

 Solche Enteignungs-Phantsien schrecken alle ab, die bereit sind in Deutschland zu investieren. Man sollte sich darüber klar werden, welch ein Bild hier nach außen getragen wird. ...


Quote
Wolfgang E.

 Hässliche Bilder mitten aus Deutschlands sog. Mitte der Gesellschaft.


Quote
Thomas H.

 Wie lange schauen wir uns schon die linksgrüne Versuchsanstalt „Berlin“ an, pumpen Jahr für Jahr Milliarden Hart verdienter Steuergelder dorthin, damit sie dort ihren marxistischen Fasching feiern können?? ... Vermutlich versorgen wir die Leistungsverweigerer inzwischen zu gut. Verbunden mit zuviel Freizeit steigt das einigen wohl zu Kopf.

Und Kevin, Du der das Berufsleben nur aus der Theorie kennst, willst hier den grossen intellektuellen Zampano spielen und den Leistungsträgern erklären die Welt funktionieren sollte. Das war Anfangs ganz amüsant. Doch Du solltest Dir langsam mal einen richtigen Job besorgen.


Quote
Kalle

 Natürlich, sie Neiddebatte wird weiter gepflegt. Ich wohne auch zur Miete, bin abhängig Beschäftigter. Wenigstens gehe ich einer Tätigkeit nach, das lässt sich bei den "Aktivist$€¥¢×#*... Innen" vom "Syndikat" nicht so einfach vermuten.
Und ich habe den Mut zu zugeben, dass ich nicht mein Geld einem unternehmerischen Risiko aussetze, um zu investieren. So bin ich nicht der Verwirklicher von Geschäftsideen, sondern eher meiner egoistischen Konsumwünsche.
Daher kann ich auch nicht Eigentum schaffen, dass andere beneiden und ohne eigene Leistung begehren.
Vor meiner Toreinfahrt im Wohnhaus hat übrigens keiner demonstriert.


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Benis Johnson

 Das ist ehrenhaft, schön den Gratismut zur Schau zu stellen!


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Rantamplan

 Die Mieten in Berlin sind weder im nationalen, noch im internationalen Vergleich hoch. Sie bewegen sich lediglich ausgehend von sehr niedrigem Anfangsniveau Richtung Normalität. ...


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Andres A.

 Wir werden erleben, dass die Leute sich einzäunen werden. Dann fährt nur noch der rein, der darf. Die anderen beissen die Hunde, später dann (so in 10-15 Jahren, wenn wir nochmal 3 Mio Kulturfremde mehr hier haben) wird scharf geschossen.


Quote
Nordlicht

 Vor 30 Jharen gingen die Bürger der DDR auf die Straße um das System des real existierenden Sozialismus abzuschaffen. Heute wird für die Wiedereinführung der DDR demonstriert. ...


Quote
Conrad L.

 Vor einigen Jahren habe ich nah einer Wohnung in Berlin zur Geldanlage gesucht - ich bin ja selbstständig und muss mich für die Rentenzeit irgendwie aufstellen und absichern.
Der Invest fand dann aber in Rostock statt.
Den Mietern der vermieteten Wohnung, die ich kaufte, sagte ich mit dem Kauf (sozusagen zur Beruhigung) zu, die Miete 5 Jahre nicht erhöhem zu wollen - obwohl diese zum Kaufzeitpunkt eher niedrig war.
Warum ich in Berlin nicht investierte: Misstrauen gegen die linke Regierung und gegen Teile der Stimmung in der Stadt.
Ich glaube, die Rostocker hats gefreut.


Quote
Lothar R.

 Das ist doch Prima, was die Geschäftsführerin des Krankenhauses sagt, ich hoffe doch, dass sie ein Wohnhaus baut und es deutlich unter Marktwert an die mit Demonstranten vermietet. 


Quote
Birgit D.

 Die Enteignugsfantasien linker und grüner Politiker sind verfassungswidrig und gefährden den sozialen Frieden in Deutschland ...


Quote
MaKiLu

 Wurden auf der Demo auch "Refugees Welcome" Banner herumgetragen?

Das hätte die Schizophrenie und das völlige Fehlen von wirtschaftlichem Basisverständnis besonders schön gezeigt. "Links" in Deutschland ist nur noch ein "Lifestyle" - unreflektiert, einseitig und ohne den Anspruch, noch irgendetwas mit der Realität zu tun zu haben.


Quote
Dr. M.

 Als "Irgendwas-mit-sozial"-Student wird man sich nie ein Haus in Grunewald leisten können. Da hilft auch kein Trommeln am Tag der Arbeit.


Quote
Nadja S.

 Es geht auch nicht drum, sich ein Haus in Grunewald leisten zu können. Das Schlimme ist ja, dass man sich als Normalverdiener auch eine normale Wohnung in Kreuzberg nicht mehr leisten, wenn die Mieten ständig steigen und man aus seinem Zuhause vertrieben wird. ...


Quote
Gerhard B.

 Wenn das so weitergeht werden „die Reichen“ Berlin und Deutschland verlassen und ihr Geld und Vermögen z.B. in der Schweiz anlegen, dort ist es sicher vor Enteignung und linksgrüner Verleumdung.
Das tut sich auf Dauer niemand an. ...


Quote
Daniel D.

 Alle reden von der braunen Suppe, rechter Rand, Nazis, Populisten...
Aber was ist mit der Linken und Grünen Gefahr für Deutschland? ...


Quote
Hans K.

 Naja auch wenn ich die Meinung der Demonstranten nicht teile, sind Soziologinnen und Kneippenbesitzer weniger beängstigend als eine Horde Glatzen.


Quote
albin h.

 Es geht hier nicht um Arm und Reich.  Es geht hier darum wer fuer die billigen Mieten zahlen soll.  Der Mieter, der Vermieter, Steuerzahler oder der liebe Gott? 


Quote
Moritz L.

 Berlin muss aufpassen mit allem. Wäre ich Investor, ich würde nicht in Berlin sondern woanders investieren. Diese Demos will kein Investor hören oder sehen.


Quote
Dominik R.

... Arbeit muss sich lohnen das bedeutet nicht dass jeder 100.000€ verdienen muss denn das wäre nur weitere Geldentwertung. Andersherum wird ein Schuh daraus, wer nicht arbeitet der muss nicht alles haben können. ...


Quote
Claudia M

 Berlin, das Mekka der Leistungsempfänger, möchte noch mehr Multi und Kulti, noch mehr Menschen und wundert sich über Probleme. ...


Quote
Peter R.

 Unser Land verkommt total. Gibt es nur noch Irre? ...


Quote
christian h.

... Weniger Sozialismus wagen!


Quote
Homunkulus

 Sozialismus funktioniert nicht. Mehr ist dazu nicht zu sagen.


Quote
Christopher Marlowe

 Spielen die '68?


Quote
Renate S.

 Mir riechen diese "Spaziergänge" nach beginnendem Progrom. ...


Quote
Piepengrün

... Verwelkte, Verkrampfte, Verhetzte.
Geisterstunde in Deutschland.


Quote
Morpheus

 Diese Leute tun nichts für die Allgemeinheit. Denen geht's nur ums eigene Süppchen. Sie wollten vor allem sich selber schützen.
Gentrifizierer der ersten Stunde sind das, die jetzt durchdrehen.


Quote
Niko L.

 Dann lasst uns die enteignen, die das fordern: Grüne, Linke und Teile der SPD, sowie ihre Wähler. Damit wäre ich vollkommen einverstanden. ...


Quote
Uwe M.

 Einfach nur peinlich.
Was ist aus der Leistungsgesellschaft geworden?
Was haben wir da groß gezogen?


Quote
Teetrinker

 "die mit ihrer teuer wirkenden Kleidung in der Masse auffällt."

Ein. Brüller!


Quote
Köln GD

 Kommunisten, Spinner und Individuen, die weder eigene noch gesellschaftliche Werte geschafft bzw. schaffen werden.

Über Generationen staatlich versorgter 68er Bildungsplebs.


Quote
Michael Z.

 Die Leute auf den Abbildungen sehen nicht so aus, als hätten diese jemals einen Stein bewegt. Das überlässt man gerne anderen.


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Feli citas

 Mein Papa (Diplom-Mathematiker) ist sein Leben lang 1.5h mit der Bahn nach München hin und 1.5h wieder zurück gependelt. Eine Wohnung hätten wir uns dort auch noch leisten können. Stattdessen hat er seiner Familie ein Kleinstadtleben ermöglicht und ich erbe 3 Häuser. Seine Kindheit verbrachte er übrigens mit Ochsenpflug auf dem Feld! Von nichts kommt nichts, liebe Linken.


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DerDreisatz

 Richtig, nichts wertvolles fällt einem einfach so zu. Wer erfolgreich sein oder reich werden will, hat zwangsläufig eine Zeit der Entbehrungen. Das kann sogar über Jahrzente gehen, ohne Garantie auf Erfolg.

Und wer Kinder hat, wird ohnehin versuchen, dass es ihnen besser geht und wenn es auch nur drei Häuser auf dem Land sind.


usw.

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« Reply #365 on: May 07, 2019, 02:30:53 PM »
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[...] Sama Maani Sama Maani, Schriftsteller und Psychoanalytiker. Publikationen (u.a.): "Ungläubig" (Roman), "Der Heiligenscheinorgasmus und andere Erzählungen". 2018 erscheint der Roman "Teheran Wunderland" bei Drava.


 Bis in die 1990er-Jahre behauptete der Diskurs der Rassisten und "Ausländerfeinde" in Österreich und in Deutschland, die Türken würden "uns" deshalb Probleme bereiten, weil sie Türken seien. Seit dem Erstarken des sogenannten politischen Islam, vor allem seit den Anschlägen von 9/11, behauptet der neue rassistische Diskurs, die Türken (die Araber, die Nordafrikaner, die Iraner ...) würden "uns" Probleme bereiten, weil sie Muslime seien. Seither gilt der Islam als eine – mit Marx zu sprechen – den Türken (den Arabern, den Nordafrikanern ...) "an und für sich selbst zukommende Eigenschaft". Die Kategorie "Islam" funktioniert hier als Fetisch im Marx'schen Sinn: Eine gesellschaftlich (sprich durch das Sich-Bekennen gläubiger Muslime oder durch die Fremdzuschreibung an die Adresse tatsächlicher oder vermeintlicher Muslime) hergestellte Verknüpfung zwischen einzelnen Subjekten und dem Islam erscheint als eine naturgegebene. Der Zusammenhang zwischen dem Islam und den Türken (den Arabern, den Iranern ...) wird als ein unauflöslicher, quasi genetischer aufgefasst. -

Diese "volle Identifizierung" von real existierenden Individuen mit der imaginären Kategorie Islam (imaginär, weil es sich hier um Glaubensvorstellungen handelt) ist unabdingbare Voraussetzung des neuen Rassismus. Voraussetzung für die Kritik dieses Rassismus wäre daher die Kritik dieser Voraussetzung. Der sich selbst als "antirassistisch" missverstehende Diskurs des linken und liberalen Mainstreams kann diese Kritik aber schon deshalb nicht leisten, weil er mit den Hetzern von FPÖ, AfD und Co die Grundvoraussetzung ihres Diskurses teilt – ebenjene Ideologie der "vollen Identität" (Isolde Charim)¹ zwischen Individuen aus bestimmten Ländern und dem Islam, was sich deutlich an Kampfbegriffen wie "Islamophobie" ablesen lässt: Wer nicht müde wird, die Angst vor dem Islam beziehungsweise die Feindschaft gegen den Islam als "rassistisch" zu bezeichnen, für den existiert ein unauflöslicher Zusammenhang zwischen der imaginären Kategorie "Rasse" und – einem Glaubensbekenntnis. "Rassistisch" wäre "Islamophobie" dann (und nur dann), wenn wir den Islam zur unauflöslichen, "rassischen" Eigenschaft von Türken, Arabern oder Iranern erklärten – eine ihrerseits zutiefst rassistische Position. Denn: Rassistisch ist selbstverständlich nicht die Angst vor einem – oder die Ablehnung eines – Glaubensbekenntnis(ses), sondern einzig die falsche – und fixe – Verknüpfung von Herkunft und Religion.

Für "Antirassisten" des linken und liberalen Mainstreams hat – genauso wie für die Rassisten von FPÖ, AfD und Co – die Beziehung vermeintlicher oder tatsächlicher Muslime zum Islam einen buchstäblich existenziellen Charakter. Menschen, die aus Gesellschaften mit islamischer Bevölkerungsmehrheit stammen oder einen entsprechenden "Migrationshintergrund" haben, kommt aus dieser Perspektive außerhalb der Sphäre des Islam kein Existenzrecht zu. Der vermeintliche oder tatsächliche Muslim ist aus dieser Sicht durch und durch Muslim, scheint mit dem Islam nicht bloß identifiziert, sondern identisch zu sein. Was hier (meist unbemerkt) auf der symbolischen Ebene des Diskurses passiert, hat im Umgang vieler islamischer Gesellschaften mit dem Phänomen der Apostasie (des Abfalls vom Islam) eine unheimliche reale Entsprechung: In Saudi-Arabien, dem Sudan, dem Jemen, dem Iran, Katar, Pakistan, Afghanistan, Somalia und Mauretanien kann der Abfall vom Islam mit dem Tod bestraft werden.

Was würde es aber bedeuten, diese weitverbreitete Ideologie der "vollen Identität" zu brechen, jene falsche fixe Verknüpfung zwischen dem Islam und Individuen aus Ländern mit islamischer Bevölkerungsmehrheit aufzulösen? Es würde zum einen dem trivialen Umstand Rechnung tragen, dass Gesellschaften mit islamischer Bevölkerungsmehrheit selbstverständlich nicht nur aus bekennenden Muslimen bestehen, sondern auch aus Christen, Juden, Atheisten, Agnostikern et cetera, und dass das natürlich auch für aus diesen Ländern stammende Migranten gilt: jene vermeintlichen – aus Sicht der FPÖ und der Pegida-Rassisten "optischen" – Muslime, denen häufig dieselben Ressentiments entgegengebracht werden wie ihren muslimischen Landsleuten. Entscheidender ist aber, dass ein erstaunlich großer Teil der in Deutschland lebenden Migranten oder der Menschen mit "Migrationshintergrund", die aus Ländern mit islamischer Bevölkerungsmehrheit (und auch tatsächlich aus muslimischen Familien) stammen, in Umfragen angibt, nicht Muslim zu sein – so etwa 50 Prozent der aus dem Iran, 63 Prozent der aus Südosteuropa und 36 Prozent der aus dem "Nahen Osten" stammenden Befragten. Für die deutsche Bundesregierung hingegen zählen all jene Migranten, die aus einem "mehrheitlich muslimischen Land" stammen, sowie alle deutschen Staatsbürger mit einem entsprechenden "Migrationshintergrund" als Muslime – cuius regio, eius religio (wes der Fürst, des der Glaub').


Aus: "Warum wir Linken über den Islam nicht reden können" Sama Maani (10. Jänner 2017)
Quelle: https://derstandard.at/2000050315751/Warum-wir-Linke-ueber-den-Islam-nicht-reden-koennen-1

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Larporello, 15. Jänner 2017, 19:14:15

"Warum wir Linken über den Islam nicht reden können"
Der Grund ist eigentlich ganz einfach, da muss man gar nicht viele Wort verlieren: Der Islam steht aus westlicher Perspektive für das Andere und das Fremde. Außerdem wird er als Religion von unterprivilegierten 'People of Color' wahrgenommen (auch wenn er das in der Praxis häufig nicht ist).
Deshalb triggert Kritik am Islam bei vielen Linken die gleichen psychologischen und moralischen Reflexe wie wenn jemand schlecht über Schwarze redet oder über Homosexuelle herzieht.


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standardposting 24. Jänner 2017, 21:37:34

Da werden "Linke" genauso rassistisch-ideologisch diskriminiert, wie das im Artikel der Fall für Angehörige aus mehrheitlich islamischen Ländern der Fall ist! Natürlich dürfen Linke genauso über den Islam reden und ihn kritisieren, wie alle anderen! Genauso wie über alle anderen Religionen. Die Diskussion über eine Religion per se als rassistisch unterbinden zu wollen, ist abstrus.


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Strellnikow, 15. Jänner 2017, 15:38:28

die Linke?
fühle mich als Linker hier nicht angesprochen und rede offen und kritisch über den Islam sowie über alle anderen Religionen, auch über Linke die aus falsch verstandener Toleranz Intoleranz akzeptieren wollen...


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Nörgler, 14. Jänner 2017, 07:51:41

Einfluss der Sozialisierung
Schön und gut, aber Menschen, die in einem islamischen Staat sozialisiert wurden, ticken einfach anders als Menschen, die nach dem WK2 in unseren Breiten sozialisiert wurden. Diesen Aspekt vermisse ich in dem Artikal, und Marx ist schon lange tot.


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lesmuts

13. Jänner 2017, 15:02:50

Der Islam ist heute mehrheitlich eine Proletarierbewegung, die sich sowohl in vielen muslimischen Ländern (siehe z.B. Muslimbrüder oder AKP) wie in den europäischen Einwanderungsländern mit postkolonialem Pathos und Leberwurstbeleidigtheit gegen den "bösen Westen" und die "verderbten Eliten" wendet - dramaturgisch ganz ähnlich dem europäischen Faschismus des 20 Jhdt.
In der Türkei funktioniert dieser Schmäh heute so gut, dass dort ein pseudoislamischer Diktator unter tosendem Beifall der schadenfrohen Massen die Macht an sich reißt und der Opposition zu Leibe rückt, im Iran dasselbe 40 Jahre früher.
Hierzulande schaut es eher noch schlimmer aus unter den Migraten, v.a. den Türken, der Autor möge aber gerne jene selber zum Islam befragen.


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gelöschter User
12. Jänner 2017, 21:26:29

Die Sorgen der Linken erschöpfen sich meist in
endlos langen Diskussionen über Herkunft, Rasse, Ethnie oder Religion von meist armen Menschen - und wie kann man als Linker, aus dieser eigentlich unlösbaren Gemengelage, moralisch erhaben, seinen Nimbus als P.C. Charakter bewahren.
Solche unlösbaren Problemfelder wird es solange geben, solange es Religionen und verschiedene Kulturen auf diesem Planeten gibt.
Lieber sollten sich Linke, mit der gleichen Energie, den wirklichen Gefahren für Staaten und Gesellschaften zuwenden - und die kommen aus der Wall Street, der City of London oder Hongkong - dort fragt keiner nach der Herkunft, der Rasse oder der Religion der Akteure;
und der Götze, dem sie sich alle unterworfen haben, könnte irgendwann einmal alle Religionen dieser Welt ersetzen...


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Ausgeflippter Lodenfreak

12. Jänner 2017, 17:03:31

In Wirklichkeit ist ja "Islam" bei uns in der Zuwanderungsdiskussion nicht einfach die Religion sondern ein Code für Fremdheit. Religion und Herkunft werden nicht miteinander verknüpft, sondern sind Codes für eine besonders große Fremdheit die bei uns Probleme verursacht.
Ab einem gewissen Ausmaß an Fremdheit wird diese von vielen als Problem empfunden, weil sie einen Gegensatz und keine Ähnlichkeit darstellt und die größte Gemeinsamkeit vieler großer und sehr großer Gruppen welche diese Schwelle der Fremdheit überschreiten, ist nun einmal in der Österreichischen und Europäischen Realität der Islam.


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Bankert

12. Jänner 2017, 08:55:26

aufs Simpelste ausgedrückt: Die Linken haben Angst als Rassisten zu gelten, obwohl Religion keine Ethnie ist. Dabei waren die alten Linken religionskritisch.


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früherhättsdesnetgeben

11. Jänner 2017, 16:54:23

Ein langer Artikel für einen einfachen Zusammenhang: Religionskritik hat nichts mit Rassismus zu tun.

Was wir bei unserer eigenen Religion täglich leben, die Sozis allen voran, sollten wir endlich einmal auch auf andere Religionen anwenden. Kritik am Papst ist ja auch keine Kritik an den (mehrheitlich katholischen) Österreichern, also warum sollte das beim Islam anders sein? Wenn der Papst Frauen das Priestertum verwehrt gibt es einen Aufschrei, beim Islam kräht kein Hahn danach.


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cba

11. Jänner 2017, 17:27:36

> Religionskritik hat nichts mit Rassismus zu tun

zeitgenössischer rassimus tarnt sich häufig als 'religionskritik'


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Hans Müller1

11. Jänner 2017, 16:39:21

naja, ist schwierig zu trennen, denn im Islam gibt's keine Glaubens- und Gewissensfreiheit. Man braucht nur mit einem Türken mal drüber reden warum er nicht x oder y macht (gegen den Willen der Familie) - die Antwort ist meistens einfach nur: "Du hast keine Ahnung wie das bei uns ist".  ...


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[Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]
« Reply #366 on: May 16, 2019, 09:03:26 AM »
Quote
[...] In den USA scheint derzeit ein Wettstreit abzulaufen, wer das schärfste Abtreibungsrecht verabschieden kann. Genauer gesagt sind es die republikanischen Hochburgen, die sich hier zu überbieten versuchen. Jüngstes Beispiel ist Alabama, jener Bundesstaat im amerikanischen Süden, in dem die Zustimmung zu US-Präsident Donald Trump regelmäßig einen landesweiten Spitzenwert einnimmt.

Mit einer Mehrheit von 25 zu sechs Stimmen verabschiedete der Senat von Alabama am späten Dienstagabend (Ortszeit) das wohl schärfste Abtreibungsgesetz des Landes. Wohlgemerkt: mit 25 Stimmen ausschließlich weißer Männer. Es gibt dort überhaupt nur vier Senatorinnen, und diese gehören alle der Demokratischen Partei an.

Das Gesetz, so es denn wie erwartet von der republikanischen Gouverneurin Kay Ivey unterzeichnet wird, würde fast alle Schwangerschaftsabbrüche untersagen. Ausnahmen gäbe es nur noch, wenn das Leben der Mutter in Gefahr oder das Kind nicht lebensfähig wäre. Nach einer Vergewaltigung oder in einem Fall von Inzest müsste eine Frau dagegen das Kind zur Welt bringen. Ärzten, die Frauen in einer solchen Notlage helfen wollen, drohen zwischen zehn und 99 Jahren Haft.

Der Aufschrei ist riesig – und prallt doch an der republikanischen Mehrheit ab. Der Oppositionschef Bobby Singleton warf den Unterstützern des neuen Gesetzes vor, sie hätten „den Staat Alabama gerade selbst vergewaltigt“. Planned Parenthood, eine auf Familienplanung spezialisierte Organisation, sprach von einem „dunklen Tag für Frauen in Alabama und dem ganzen Land“. Die Politiker des Bundesstaates würden wegen ihrer Entscheidung „für immer in Schande leben“. Für die Nationale Frauen-Organisation ist das Gesetz schlicht „verfassungswidrig“.

Welches Leid entsprechende Gesetze mit sich bringen können, zeigt ein aktueller Vorfall in einem anderen Bundesstaat. In Ohio wurde ein elfjähriges Mädchen entführt und vergewaltigt. Sie ist schwanger – und muss das Baby behalten, obwohl sie selbst eigentlich noch zu jung zum Kinderkriegen ist. Dabei ist die Begründung für die Gesetzesverschärfung eigentlich, dass damit die Rechte derjenigen geschützt werden sollen, die „am meisten verwundbar“ seien.

Solche Extremsituationen drohen nicht nur in Ohio. Auch in Mississippi, Georgia und Kentucky sollen nach dem Willen der Gesetzgeber Frauen nicht mehr abtreiben dürfen, wenn der Herzschlag des Embryos zu hören ist, darum heißen diese Gesetze „Heartbeat Bill“. Das kann bereits ab der sechsten Woche der Schwangerschaft der Fall sein, zu einem Zeitpunkt, an dem vielen Frauen noch gar nicht klar ist, was sich in ihrem Körper entwickelt. Georgia geht sogar so weit, dass einer werdenden Mutter bei einer Fehlgeburt Ermittlungen und eine Anklage drohen. Hier immerhin sind Vergewaltigung und Inzest Ausnahmen.

Nun ist es so, dass Frauen in den USA seit 1973 grundsätzlich das Recht haben abzutreiben. Diese Entscheidung fällte der Supreme Court in dem Präzedenzfall „Roe versus Wade“. Alle diese harten Gesetze, die derzeit verabschiedet werden, können daher zunächst auch gar nicht in Kraft treten.

Ihren Befürwortern geht es aber ohnehin um Größeres. Das hat die Republikanerin Terri Collins, die das Gesetz in Alabama eingebracht hat, im Vorfeld deutlich gemacht: „Wir wollen ,Roe versus Wade’ kippen und den Staaten erlauben vorzugehen, wie sie wollen.“ Wenn nun Frauen- und Bürgerrechtsgruppen gegen die neuen Gesetze klagen, so das Kalkül, dann steht die Grundsatzentscheidung auf einmal wieder zur Debatte. Und diese Debatte könnte im Supreme Court anders ausgehen als noch vor 46 Jahren.

Dafür hat Trump gesorgt. Gleich zwei konservative Oberste Richter konnte der Präsident in seiner bisherigen Amtszeit bereits nach Washington schicken: Neil Gorsuch und Brett Kavanaugh. Personalentscheidungen, die gerade seine erzkonservativen Anhänger bejubelten – und die Liberalen erbittert bekämpften; sie ahnten, was diese Richterbesetzungen für Folgen haben könnten. Denn auf einmal haben die Anhänger der „Pro Life“-Bewegung Grund zur Hoffnung, dass „Roe versus Wade“ in naher Zukunft doch noch gekippt werden könnte.

Der Präsident weiß, wie wichtig die Evangelikalen für seine Wiederwahl sind. Gerade erst hat er ihnen am „Nationalen Gebetstag“ Anfang Mai versprochen, er werde eine „Kultur des Lebens“ aufbauen. Dabei kündigte er an, die Rechte von Ärzten und anderen Gesundheitsmitarbeitern zu stärken, die aus Glaubensgründen keine Abtreibungen oder andere medizinische Eingriffe wie Sterilisation und Sterbehilfe durchführen wollen. Schon jetzt haben Frauen in manchen Staaten Schwierigkeiten, überhaupt noch einen Arzt zu finden, der Abtreibungen durchführt.


Aus: "Abtreibungsgegner machen mobil" (15.05.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/kulturkampf-in-den-usa-abtreibungsgegner-machen-mobil/24345630.html

Quote
wilhelm 15.05.2019, 17:31 Uhr
Kulturkampf?

[Politiker beugen sich sich den Evangelikalen, die sich an einem Buch aus vorwissenschaftlicher Zeit festgebissen haben, die dieses Buch wörtlich auslegen bis hin zum Kreationismus. Diese Leute glauben, allein durch Berufung auf ihren Gott anderen Menschen Vorschriften machen zu dürfen. Diesen Leuten muss einmal klipp und klar gesagt werden, dass die Zeit, und mit ihr Wissenschaft und Philosophie, nicht bei Abraham und nicht bei Jesus stehen geblieben sind, dass sie zwar glauben können was immer sie wollen, aber mit ihrem Gott und ihrem Glauben keine anderen Menschen zu behelligen haben.]

Ein Kampf archaischer Postulate und Dogmen gegen Wissenschaft und Vernunft. Wären diese Leute nicht in den USA sondern in den Hindu-Regionen Indiens geboren, würden sie mit dem gleichen Eifer und mit der gleichen Inbrunst und mit der gleichen Überzeugen die dort geltende Götter, Dogmen und Rituale verfechten.

Zufall von Zeit und Ort der Geburt als Fundament des Götterglaubens: Dagegen ist selbst Treibsand weit tragfähiger.


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[Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]
« Reply #367 on: June 03, 2019, 12:06:02 PM »
Quote
[...] Die Ibiza-Affäre, auch Strache-Affäre oder Ibizagate genannt, ist ein politischer Skandal in Österreich, der im Mai 2019 zum Bruch der Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ führte. ... Strache und Gudenus unterhalten sich in den bisher bekannten Videoausschnitten mit den beiden anderen Personen über mögliche Großinvestitionen der vermeintlichen Russin in Österreich, mögliche Spenden an die Freiheitliche Partei sowie über eventuelle Gegengeschäfte für solche Investitionen und Spenden. Sie selbst gibt an, mehrere hundert Millionen Euro ihres Vermögens für solche Investitionen bereitstellen zu können.

Strache spricht im Video von einer möglichen Übernahme der Kronen Zeitung, der größten Tageszeitung Österreichs, durch die „Russin“. In diesem Fall müsse man „ganz offen reden“. Strache deutet indirekte Beeinflussung der Berichterstattung dadurch an, „drei, vier Leute […] pushen“ und „drei, vier Leute […] abservieren“ sowie „gleich nochmal fünf neue aufbauen“ zu wollen. Weiter gibt Strache an, würde die Kronen Zeitung „zwei, drei Wochen vor der Wahl“ plötzlich die Freiheitliche Partei „pushen“, wäre bei der Nationalratswahl ein Stimmenanteil von 34 Prozent möglich. Er schlägt auch vor, die Frau könne zur Unterstützung der Freiheitlichen Partei an einen gemeinnützigen Verein spenden, da auf diesem Weg auch bei größeren Geldbeträgen eine Meldung an den Rechnungshof sowie die Gesetze zur Parteienfinanzierung umgangen werden könnten ...

... Der Eurodance-Hit We’re Going to Ibiza aus dem Jahr 1999 von der niederländischen Musikgruppe Vengaboys etablierte sich als Protestlied der Affäre und stieg in der Woche, nachdem das Video mit Strache veröffentlicht worden war, in Österreich auf die obersten Chart-Plätze der Streamingdienste. Den Anstoß gab Jan Böhmermann, der das Musikvideo am Tag der Veröffentlichung des Skandalvideos kommentarlos auf Twitter veröffentlicht hat. ...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ibiza-Aff%C3%A4re (Ibiza-Affäre, Stand:  3. Juni 2019)

Quote
[...] Als Hannes Androsch 1981, auf dem Höhepunkt des Consultatio-Skandals, ein Praterlokal betrat, gaben ihm die Gäste, größtenteils Arbeiter, stehende Ovationen. Seine Unschuld war damals noch nicht bewiesen, andernfalls sie wohl nicht applaudiert hätten. Plebejer, die sich keine andere Welt als die verkehrte vorstellen können, mögen den Gauner oder Lottogewinner lieber als den Idealisten, der den Kuchen gerecht verteilen will. Erstere könnte man ja selber sein, und wie sie würde man nichts abgeben davon.

Wer meint, Ibiza-Gate diskreditiere Strache und Spießgesellen, hat bereits bei den EU-Wahlen letzten Sonntag den Beginn einer Kette blauer Wunder erleben können. Wer so denkt, liegt einem größeren Selbstbetrug auf als die FPÖ-Wähler, die nach linker Lesart noch immer verirrte Schäfchen seien, welche in der Verzweiflung darüber, von der Sozialdemokratie rechts liegengelassen worden zu sein, den Rechten in die Arme gelaufen seien.

Alsbald würden sie einsehen, dass die FPÖler keine Sozialisten für unsere Leut' sind, sondern Steigbügelhalter westlichen und östlichen Kapitals. So sieht ein linker Selbstbetrug aus, der liberale aber im Glauben, die rechtsstaatlichen Institutionen seien heilige Tempel, vor denen das Volk erschaudert.

Dem politisch verwaisten FPÖ-Fan haben sich auf Ibiza Ocean Eleven-hafte, coole Jungs dargeboten, die wild und gefährlich leben, auf Augenhöhe mit verhängnisvoll schönen russischen Oligarchinnen pokern und sich stellvertretend für ihn den Anteil am Kuchen, von dem man ihn fernhält, nehmen.

Und zwar mit den Methoden des Gangsterfilms, mit dem man sozialisiert wurde und der weitaus spannender ist als das Streberspiel namens parlamentarische Demokratie. Zum Leidwesen poststrukturalistischer Politologen hat das Ibiza-Video zudem enthüllt, wie primitiv und simpel die Spiele der Macht ablaufen, bei denen es dann doch zugeht wie bei Bertolt Brecht oder im Mobster-Movie: Zack, zack, zack, wer zahlt, schafft an, Glock, Glock, Glock, Kohle her, Redaktionen stürmen, Staat übernehmen, liberaler Konkurrenzunternehmer, missliebiger Journalist – ihr seid so was von tot.

Der Ethnologe und Psychoanalytiker Mario Erdheim hat die Funktionabilität von Soldaten in der institutionellen Verlängerung ihrer Adoleszenz erkannt, im Stoppen ihres Reifungsprozesses, ihrer Individuation.

Dieser Corpsgeist der ihren Offizieren oder "Leibfüchsen" ergebenen großen Jungs überträgt sich – mit allen homoerotischen Implikationen – auf die rechte Bewegung, als Sammelbecken für Männer, die nicht mehr erwachsen werden können.

Rechtes Ressentiment war zunächst der Reaktionsmodus des unteren Mittelstands, der sich schon von politischer Reflexion abgehängt hatte, bevor er sich einbildete, auch sozial abgehängt zu werden. Es übertrug sich wie ein schleichendes Gift auf das Gros der werktätigen Massen.

Diese Menschen, denen man mit einem mannigfaltigen Unterhaltungs- und Freizeitangebot die Fähigkeit ausgetrieben hatte, ihre politischen Rechte wahrzunehmen, zu erkämpfen oder zu verteidigen, nahmen die politische Welt nur noch so wahr wie ihre Vorabendserien, Talkshows und Computerspiele: individualisierend, psychologisierend und durch die Emotionen, welche die sogenannten Kandidaten bei ihnen auslösten.

Diese wiederum designten das politische Spiel den Konsumentenwünschen entgegen. Und inszenierten den rebellischen Bruch mit einer völlig richtig als falsch empfundenen, aber falsch gedeuteten Welt.

Wenn die Rechtswähler etwas verstehen, dann, dass sie von der alten liberalen Ordnung nichts mehr zu erwarten haben – sie spüren den postdemokratischen Schein der riesigen Umverteilungsmaschinerie, richten ihre Aggression aber nicht auf die Lüge der Vernünftigkeit dieser Ordnung, sondern auf die Vernunft selbst: die richtige Grammatik, die Menschenrechte, den Rechtsstaat, die Humanität.

Rechte Agitation ist der ständig in den Startlöchern scharrende Zivilisationsbruch, der die kollektive Enthemmung, kollektiven Sadismus mit der Erzählung von Law and Order und alten emotionalen und territorialen Rechten legitimieren soll.

Die Rechtschreibfehler auf FPÖ-Plakaten, eine beliebte Lachnummer fürs Bildungsbürgertum, waren dessen bewusst gesetzte Provokation, sie sagten nichts als: Diese Sprache gehört uns, und wir werden mit ihr machen, was wir wollen, und so wie der Orthografie wird es euch und euren ausländischen Freunden auch ergehen.

Rechte Bewegungen waren stets nicht nur Magnete und Sammelbecken für Kriminelle, Kriminalität ist ihr Bodensatz und Teil ihres Wesens. Sie sind für alle, die sich halb fühlen in der Welt, das Angebot, über die Halbwelt gesellschaftliche Ohnmacht in Macht weißzuwaschen. Wenn das falsche Ganze schon nicht begriffen wird, muss es in Trümmer geschlagen werden, damit die Halbwelt dessen Platz einnehmen kann.

Der Polizist mit einem Bein im Dealer- und Rotlichtmilieu, Schieber, Psychopathen, Fremdenlegionäre, Provinzspekulanten, Heimatschützer ... die rechte Bewegung ist die Bewegungszone, wo schwere Jungs sich in angesehene Bürger und langweilige bürgerliche Leichtgewichte sich in schwere Jungs verwandeln dürfen.

Die Dreieinigkeit von Warlord, Plünderer und Raubtierunternehmer, der als nationalpopulistischer Commandante oder Cavaliere ins Parlament einzieht, um dieses zu unterwandern, ist das permanente Ideal der vaterlosen Buberlpartien. Daher die Begeisterung für den serbischen Nationalismus.

All das vereint die Ikonografie auf dem Cover von Straches Propagandabiografie mit dem bezeichnenden Titel Vom Rebell zum Staatsmann, worauf er posiert als – Staatsmann, Rapper und Soldat, der eindeutig Assoziationen mit der Fremdenlegion und Fallschirmeinsätzen wecken will.

Dieser Wandel will sich als Bruch verkaufen, vom faschistischen Rabauken zum würdigen Patrioten. Doch Volksnähe und Nation, Ehre und Anstand sind bloß die Etiketten, an denen das Rudel untereinander sich als tiefverwurzelte Dazugehörige erkennt, wenn es in der permanenten Bartholomäusnacht darum gehen wird, Flachwurzler und fremdes Kraut zu jäten.

"Wien darf nicht Chicago werden", dekretierte einst jene Partei, die wie keine andere dafür steht, das zivilisatorische Niveau jenes demokratisch abgesicherten, subtileren Gangstertums, das die Enteignung der Massen zugunsten von Konzernen und Banken managt, auf das von Chicago 1927 und vielmehr Moskau 1993 zu senken.

Wie östliche Oligarchen nach ihren Gangsterkriegen um die postsowjetische Verschubmasse als Feudalherren, Nationalfaschisten und richtige Kerle und "richtig schoafe Weiber" posieren, fungiert als das große romantisierte Vorbild der kleinen Jungs, die mit ihren Glocks und ersehnten Mehrheiten an einflussreichen Zeitungen spielen.

Richtige FPÖ-Wähler schrecken Kriminalität und Peinlichkeit nicht ab. Darum haben sie die Partei ja gewählt. Sie wählten ihre eigene Peinlichkeit an die Macht, eine Peinlichkeit, mit der sie sich identifizieren können, um den Preis, sich das letzte Hemd ausziehen zu lassen, und den Deal, dass wenigstens Migranten sich nicht einmal ihrer Haut sicher sein dürfen.

Und wenn sie sich von ihren chronisch adoleszenten Über-Ichs vorübergehend abwenden, dann nicht aus staatsbürgerlicher Einsicht, sondern weil andere Über-Ichs, z. B. Kronen Zeitung und Kurz, sich in dieser Universum-Folge einstweilen durchgesetzt haben.

Kein Grund, sich ihnen überlegen zu fühlen. Denn die kognitive Verzerrung in der politischen Wahrnehmung geht durch alle Bevölkerungs- und Bildungsschichten. Das merkt man vor allem am Wunschdenken, die liberalen Besitzstandwahrer des Kapitals gäben ein zivilisatorisches Bollwerk gegen die rechten Horden ab. Sie sind es, welche die sozialen Flurschäden verantworten, die nun von der braunen Suppe geflutet werden.



Aus: "Die Freiheitlichen: Kleinspurganoven und ihr großes Ding" Essay Richard Schuberth (1.6.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000104117573/Kleinspurganoven-und-ihr-grosses-Ding

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submarino

Gute Analyse. Leider.


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plainberg

wie hat es einmal geheissen, die fpö ist die partei der anständigen und tüchtigen


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Wolfxxi

Dieser Artikel bedient die Vorstellungen der Menschen, meist Maturanten und Akademiker, welche weit weg von den Problemen der breiten Masse ihr Leben genießen dürfen.
Mit den wahren Gefühlen und Überlegungen der angesprochenen Wähler hat dies kaum zu tun.
Quasi gutmenschliche Kundenbindungsstrategie damit der Teil der Wählerschaft welcher auf den "einfachen" FPÖ Wähler herabsieht bestätigt wird.
Für mich eine Art intellektuelle Variante eines Rattengedichtes.


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Cicero22

"Der Ethnologe und Psychoanalytiker Mario Erdheim hat die Funktionabilität von Soldaten in der institutionellen Verlängerung ihrer Adoleszenz erkannt, im Stoppen ihres Reifungsprozesses, ihrer Individuation. Dieser Corpsgeist der ihren Offizieren oder "Leibfüchsen" ergebenen großen Jungs überträgt sich – mit allen homoerotischen Implikationen – auf die rechte Bewegung, als Sammelbecken für Männer, die nicht mehr erwachsen werden können."

Interessant. Ich habe mir auch schon überlegt, weshalb der 43-jährige Gudenus oder der 50-jährige Strache sich in dem Video kaum von meinem 13 jährigen Sohn unterscheiden. Das Ganze wirkt wirklich stark pubertär und die Protagonisten als extrem unreif. Wie halbstarke Jungs mit Entwicklungsverzögerung.


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Joseph Yossarian

Rechtspopulistische Parteien wie die FPÖ wurden immer als merkwürdige Allianz von Täuschern und Getäuschten gesehen. Der Essay nimmt diese These auseinander und zeigt auf, dass der Getäuschte eigentlich davon träumt zu den Täuschern zu gehören. Ibiza als Wichsvorlage. Macht Sinn.


Quote
Aruanda

Apropos kriminelle Energie: Wie stehts mit der Aufklärung der strafrechtswidrigen Auspioniererei und Veröffentlichung? In anderen Ländern weiss man offenbar schon einiges ("Russische Oligarchenichte" ist bosnische Studentin). In Österreich wird offen
bar nicht sonderlicher Wert auf die Aufklärung gelegt, man ist mehr dabei, die Ausspionierten medial zu erledigen. ...


Quote
mir wird schlecht

den vorfall als spionage zu bezeichnen, bestätigt nur die obige zusammenfassung!


Quote
Hey Hey, My My

Selbst Sonderschüler verstehen, dass sich die beiden "Helden" selbst erledigt haben. Die Nichte ist ziemlich irrelvant.

Aber anderer Frage: Habe gerade einen interessanten Essay gelesen und möchte die Probe aufs Exempel machen: Schlägt dein kleinkriminelles Herz nicht höher, wenn zwei du..e Kleinkriminelle von anderen Kleinkriminellen übers Ohr gehauen werden?


Quote
Gerichtlich beeideter Deutschprofessor

Das ist eben die Infantilisierung der Politik.
Findet schon seit Jahrzehnten statt. Haider war einer der ersten, die erkannt haben, dass es sinnlos ist, die Wähler als Erwachsene anzusprechen und zu behandeln. Wer das erwartet, findet heute in Österreich praktisch keine Partei und keinen Politiker mehr, die ihm wählbar erscheinen.


Quote
mowox

Berlusconi - Syndrom
ich will auch so ein Gauner sein der die Puppen tanzen lässt .....


Quote
hotzenplotz1

Schon als Berlusconi Anfang 1990-er zum ersten Mal kandidierte, lobten ihn viele Italiener nicht trotz - sondern wegen - seiner Mafia-Kontakte.


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madeingermany

Die FPÖ macht mit ihren Wählern das, was Zuhälter mit Prostituierten machen: das Angstmachen-Beschützer-Spielchen. ...


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« Last Edit: June 03, 2019, 12:15:46 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]
« Reply #368 on: June 11, 2019, 10:02:30 AM »
Quote
[...] Eine Soziologie-Professorin und Islam-Expertin kündigte kürzlich eine Podiumsdiskussion über "Das islamische Kopftuch - Symbol der Würde oder der Unterdrückung?" an. Dazu lud sie streitbare Kontrahentinnen ein, die von einer Befürworterin des Kopftuchs als "Schleier der Freiheit" bis zu dezidierten Islam-Kritikerinnen reichten, darunter auch die stets polarisierende Krawallschachtel Alice Schwarzer.

Eine studentische "Initiative gegen anti-muslimischen Rassismus" warf der Professorin daraufhin sogleich Rassismus vor, forderte ein Verbot der Veranstaltung und - ihre Entlassung. Der Asta der Universität nannte dies eine "Hetzkampagne" und stellte sich hinter die Veranstaltung; eine solche Diskussion müsse möglich sein. Die Universitätsleitung unterstützte die Professorin ebenfalls und wies die vorgetragenen Ansinnen zurück.

Die Veranstaltung fand schließlich statt; dabei wurden die bekannten Standpunkte ausgetauscht, die von der Charakterisierung des Kopftuchs "als Flagge des politischen Islam" (Alice Schwarzer) bis zur von der Theologin Dina El Omari vorgetragenen Position reichten, es als "Zeichen einer selbstbestimmten Spiritualität" zu interpretieren. Vor dem Veranstaltungssaal hatten sich parallel die Kritiker*innen lautstark versammelt. Andere Podiumsteilnehmer*innen stellten das Kopftuch als Zwang dar, von dem die Frauen befreit werden müssten (Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi) oder bezeichneten es als Symbol der "sexuellen Apartheid", wie die Publizistin Nekla Kelec.

Was ist von der Kritik an der Veranstaltung als Forum, Ausdruck eines anti-muslimischen Rassismus zu halten? Wie immer muss man genau hinschauen und differenzieren:

1. Anti-muslimischen Rassismus gibt es bekanntermaßen auf Seiten insbesondere der völkischen Rechten durchaus: Der Islam gerät hier zum Sinn- und Zerrbild "fremdartiger" religiöser und kultureller Praktiken, die nicht zur Kultur und modernen Sichtweise des "abendländischen" Christentums passen würden - wie wenn in dessen Rahmen nicht fast zwei Jahrtausende lang ähnlicher Unsinn verzapft und nicht weniger vernunftfreie Ge- und Verbote praktiziert worden wären; erst die "Aufklärung" und der moderne Staat haben das religiöse Regelwerk ein Stück weit ins Privatleben zurückgestutzt; und auch dies (gerade in Deutschland) nur unvollständig. Mit Frauen hat der Katholizismus bekanntlich auch heute noch ein Problem und Kopftücher wurden von diesen bis in die 50er Jahre hinein gerade in den katholischen Landgemeinden ganz selbstverständlich getragen - wie heute noch in Polen und im christlich-orthodoxen Russland.

2. Die Religion dient hier als Sinnbild für das identitär Fremde, das nicht Integrierbare, was in praktischer Perspektive unsinnig ist: Können sich Zuwanderer ins alltägliche Leben integrieren, passen sie erfahrungsgemäß auch ihre religiösen Praktiken an diesen Integrationserfolg an. Gelingt die Integration nicht bzw. wird sie verweigert, kann eine mögliche Reaktion darin bestehen, dass nun trotzig die eigene "Identität" hochgehalten wird - mehr hat man ja nicht mehr vorzuweisen ....

3. Aber: Rechtfertigt dies die Zurückweisung jeglicher kritischen Diskussion über (zumindest von Teilen der Flüchtlinge praktizierten) den Islam, dessen Frauenbild und seine Geboten? Besteht die Akzeptanz islamischer Personen darin, dass man ihre Auffassungen für sakrosankt erklärt und sich nicht mehr kritisch damit auseinandersetzt?

Das kann nicht sein und führt zu einem "umgekehrten" Rassismus: Der religiöse Glaube oder bestimmte kulturell-soziale Praktiken werden zu qua regionaler Herkunft oder kultureller Zugehörigkeit untrennbar mit bestimmten Individuen verbundenen Wesensmerkmalen erklärt, so dass die Kritik daran gleich als unzulässige Infragestellung der Person, ihrer ominösen "Identität" erscheint. Eine derartige Identitätsbestimmung naturalisiert veränderliche Ideen, Glaubensvorstellungen, Positionen und Handlungsweisen und stellt insofern eine Elementarform eines modernisierten, kulturellen Rassismus dar.

4. Boris Palmer hat in einer SPIEGEL-Diskussion mit Hasnain Kazim eine rationelle Unterscheidung dazu getroffen - und dies gilt unabhängig davon, wie man Palmers Äußerungen zu manchen anderen Themen beurteilen mag!

Wer z.B. als Jude antisemitisch angegriffen wird, kann sich als Jude betroffen fühlen (und selbst das ist nicht selbstverständlich - vielleicht sieht er sich trotz Herkunft gar nicht mehr als Jude, sondern ist religionsfrei in Alltagspraxis und Denkweise!). Aber sich als Jude betroffen zu fühlen, wenn z.B. die Politik Netanjahus oder der israelische Umgang mit den Palästinensern kritisiert wird, stellt eine krasse Themaverfehlung dar: Israelische Politik, eine zionistische Staatsauffassung oder politische Konzepte bezüglich des Umgangs mit den arabischen Nachbarn sind kein natürlicher Bestandteil einer wie auch immer modellierten "jüdischen Identität", sondern der allgemeinen Diskussion und Beurteilung zugängliche politische Positionen, die objektiviert, als frei flottierende Standpunkte existieren und von vielen geteilt oder verworfen werden können, ohne dass diese dadurch ihre "Persönlichkeit" aufgeben müssen.

Eine "Opferidentität" für sich zu reklamieren, heißt, eine Eigenschaft wie die Religionszugehörigkeit und das Festhalten am damit verbundenen Regelwerk als Freibrief für eine Generalabsolution zu missbrauchen: Die reklamierte "Identität" begründet eine schützenswerte Sonderrolle als diskursfreien Raum, in dem die Auffassungen und Handlungsweisen des "identitären" Opfers keiner kritischen Analyse und begründeten Zurückweisung mehr unterzogen werden dürfen.

Derartige Zurückweisungen können in aufgeklärten Diskussionszusammenhängen natürlich nur in Gegenargumenten, also argumentativen Denkangeboten, bestehen, die bei Annahme eine neue Sicht auf das eigene Leben, Denken und Meinen ermöglichen. Damit muss keineswegs schon feststehen, dass man zufällig in eine muslimische oder katholische Familie hineingeboren wurde. Die Identität macht aus diesem Zufall eine Notwendigkeit, die sich auf liebgewonnene Denk- und Verhaltensgewohnheiten beruft, die qua schierer Existenz der kritischen Betrachtung entzogen sind, da sich das jeweilige Individuum als damit untrennbar verwachsen ansieht - eine zutiefst diskursfeindliche, strukturkonservative Grundhaltung.


Aus: "Zur Kritik der Identitätspolitik" Rainer Schreiber (10. Juni 2019)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Zur-Kritik-der-Identitaetspolitik-4437188.html

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     medienskeptiker, 10.06.2019 16:25

Ein Kopftuch zu tragen,ist eine veraltete Tradition.So wie Männer mit Krawatten

Oder noch bizarrer Juden mit Hut und Haargeflechten. Eine Gesellschaft die auf Menschen in veralteten Kleidungsstilen losgeht ist halt ebenso verknöchert und verschlossen.
Die Behauptung jede Frau die ein Kopftuch trägt-oder Muslima-Nonne oder bäuerliche Frau in Osteuropa wäre an sich schon unterdrückt - ist möglih aber als generelle Beschuldigung natürlich völlig unsinnig und abzulehnen.
Die Intensität und Emotionalität die dieser Frage zugeordnet wird - ist ein klares Zeichen wie hinterwäldlerisch unsere Gesellschaft in Wirklichkeit tatsächlich noch sind.


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    zimmet, 10.06.2019 16:32

Identitätspolitik in 50 Sekunden

"Life of Brian", "Ihr seid alle völlig verschieden!"

https://www.youtube.com/watch?v=rhJCQCk3sO0


Quote
     cybergorf, 10.06.2019 18:33

leider ist die deutsche Übersetzung hier Mist

Es kommt der Satz: "think for yourselves!"

Was dann aber falsch mit "ihr müsst nur an euch selbst denken!" übersetzt wird.

Gemeint ist aber "fangt an selbst zu denken!"


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     Schlafender Drache, 10.06.2019 19:20

Und was ist mit Bärten?

Damit kann man mittlerweile auch als BIO-Deutscher schon mal aus dem Kirmeszelt fliegen. ...


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« Reply #369 on: June 26, 2019, 09:34:17 AM »
Quote
[...] Der Innenausschuss des Bundestages hat eine Gesetzesvorlage beschlossen, die strengere Regeln für die Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft vorsieht. Das gab die Pressestelle des Bundestages bekannt. Mit den Stimmen von Union und SPD sprach sich eine Mehrheit des Ausschusses für die Änderungen aus. In dem Entwurf heißt es unter anderem, die Einbürgerung werde von der "Einordnung in die deutschen Lebensverhältnisse" abhängig gemacht.

Nach eigener Aussage zielt die große Koalition mit dieser Klausel auf Vielehen ab: Wer mehr als einen Ehepartner habe, soll von der Einbürgerung ausgeschlossen sein. In einer Stellungnahme der Bundesregierung heißt es dazu: "Der über die Einbürgerung bewirkte Zugang zum Staatsvolk stellt bestimmte Anforderungen an die Identifikation mit dem bestehenden Gemeinwesen auf, die nicht erfüllt sind, wenn der Einbürgerungsbewerber mit einem weiteren oder mehreren Ehegatten verheiratet ist. Der Grundsatz der Einehe ist in der Bundesrepublik Deutschland verfassungs- und strafrechtlich verankert." Das gelte auch dann, wenn die Doppelehe nach ausländischem Recht wirksam geschlossen worden sei und nicht gegen deutsches Strafrecht verstoße.

Im Prozess der Einbürgerung könne es von einem Einbürgerungskandidaten allerdings nicht verlangt werden, mit Dokumenten zu bezeugen, dass er nicht in mehr als einer Ehe lebe. Die Forderung derartiger Nachweise würde "mit praktischen und regelmäßig unzumutbaren Schwierigkeiten einhergehen", heißt es in dem Papier.

Die Opposition kritisierte die Formulierung zur "Einordnung in die deutschen Lebensverhältnisse": Die Grünen-Abgeordnete Filiz Polat nannte den Passus ein "schwammiges Kriterium", das in der Praxis weitreichende Auswirkungen auf das Leben aller Migrantinnen und Migranten in Deutschland haben werde. "Mit diesem Gesetz versucht die Union ohne Not, das Leitkulturprinzip im Staatsangehörigkeitsrecht zu verankern", sagte Polat.

Zustimmend äußerte sich hingegen die FDP: Es sei richtig, "klarzustellen, dass eine Einordnung in die deutschen Lebensverhältnisse die Voraussetzung für eine Einbürgerung ist – und das insbesondere eine Mehrehe ausschließt", sagte die Generalsekretärin der Liberalen, Linda Teuteberg. Der Gesetzesentwurf leiste einen wichtigen Beitrag, "um die Werte unserer offenen, liberalen Gesellschaft konkret zu verteidigen".

Der Gesetzesentwurf, der dem Bundestag am Donnerstag vorgelegt werden soll, führt noch weitere Regeln zum Umgang mit der deutschen Staatsbürgerschaft an: So soll es etwa möglich sein, Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft den deutschen Pass zu entziehen, wenn sie einer Terrorgruppe – etwa dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS) – angehörten.

Die Änderungen des Staatsangehörigkeitsrechts sollen demnach veranlassen, dass Deutsche, "die sich ins Ausland begeben und dort an Kampfhandlungen für eine Terrormiliz konkret beteiligt haben und dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie sich von Deutschland und seinen grundlegenden Werten ab- und einer anderen ausländischen Macht in Gestalt einer Terrormiliz zugewandt haben", die deutsche Staatsangehörigkeit kraft Gesetzes verlieren, wenn sie noch eine andere Staatsangehörigkeit besitzen. Nicht möglich sei es auch in Zukunft, einem Mitglied einer ausländischen Terrorgruppe die deutsche Staatsangehörigkeit zu entziehen, wenn der Betroffene dadurch staatenlos werden würde.

Diese Regelung dürfe jedoch nicht rückwirkend angewendet werden. Menschen mit deutschem Pass, die sich dem IS angeschlossen hätten, aber bereits zurückgekehrt seien, seien nicht betroffen. Für Fälle von Kämpfern der Terrormiliz, die die deutsche und eine weitere Staatsangehörigkeit hätten und sich weiterhin in den verbleibenden Rückzugsgebieten der IS-Miliz aufhielten, könne die Neuregelung aber angewendet werden.

Des Weiteren sei es mit dem neuen Gesetz möglich, Menschen, die sich die Einbürgerung durch falsche Angaben erschlichen hätten, auch noch zehn Jahre nach Verleihung der Staatsbürgerschaft den deutschen Pass zu entziehen. Bislang konnte die deutsche Staatsbürgerschaft in solchen Fällen höchstens fünf Jahre nach der Einbürgerung wieder aberkannt werden.


Aus: "Deutsche Staatsangehörigkeit: Menschen in Vielehe soll Staatsbürgerschaft verwehrt werden" (25. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-06/deutsche-staatsangehoerigkeit-staatsbuergerschaft-gesetzesentwurf-grosse-koalition

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übermüdete Stationsärztin #4

"Der Grundsatz der Einehe ist in der Bundesrepublik Deutschland verfassungs- und strafrechtlich verankert."

In anderen Kulturen ist das anders. ...


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ke1ner #4.12

Die Einehe ist vor allem eine christliche Tradition, und sehr leicht identifizierbar ist, dass sich hier auch ganz ohne Einfluss von außen etwas ändert.

Bis vor kurzem nämlich war der höchste Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland der protestantische Pfarrer Joachim Gauck, 'mehr Toleranz für Rechte'.

Gauck ist seit Jahrzehnten verheiratet, an seiner Seite allerdings hat ihn z.B. bei seinen Reisen ins Ausland seine faktische 'Zweitfrau', die Journalistin Daniela Schadt - >>Sie war, wie vor ihr die Ehefrauen aller vorheriger Bundespräsidenten, Schirmherrin von UNICEF [6] und des Müttergenesungswerkes. [7]<< (Wikipedia) - begleitet, die auch sonst repräsentative und karitative Aufgaben an seiner Seite wahrgenommen hat.

Gauck war Kandidat der GroKo, durchgesetzt seinerzeit von Sigmar Gabriel - wie war's denn um Gaucks "Einordnung in deutsche Lebensverhältnisse" bestellt?

Doppelmoral und Kleingeistigkeit, heuchlerisches Fischen am rechten Rand - viel mehr fällt mir zu sowas nicht mehr ein


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Kiretep #4.51

Ihr Kommentar träfe ins schwarze, wenn Gauck darauf bestünde seine "Zweitfrau" rechtlich zusätzlich zur "Erstfrau"privilegieren zu lassen. Was bei der unterkomplexen Argumentation; "Viele andere haben auch Frau und Freundin" offenbar absichtlich ausgeblendet wird, ist die einfach Tatsache das die Freundin im Gegensatz zur Ehefrau/Mann/o.Ä. keinerlei rechtliche Privilegien genießt.
Also in einfach: Jeder, egal ob Moslem,Bundespräsident, oder Busfahrer kann sich beliebige Anzahl an Partnern suchen, ehelichen, und damit rechtlich privilegieren lassen aber nur einen von ihnen. Warum sollte hier für Migranten eine Ausnahme gemacht werden?


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Tanja Gönner #4.14

Art. 6 Absatz 1 GG garantiert den rechtlichen Bestand der Ehe und spricht ihr und der Familie einen besonderen Schutz zu.
Die legal in anderen Ländern geschlossene Ehe hier willkürlich auflösen zu wollen dürfte Art. 6 widersprechen.
Wo lesen sie im GG ab, dass nur Homo- und Hetero Einehen mit dem GG vereinbar wären?


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Und_die Sintflut gab es doch #4.24

Man fragt sich, was der nächste Schritt sein wird.
Auch verblüfft die Vehemenz, mit der hier viele gegen Kultur und Werte sowie gegen womögliche Pflichten von ungebetenen Gästen agitieren.
Wird bald auch die körperliche Züchtigung von Frauen diskutiert werden?
Das Problem von Zwangsehen gerade auch minderjähriger Wirtschaftsmigrantinnen ist an Berliner Schulen jetzt schon virulent.
https://www.morgenpost.de/berlin/article226179953/Sommerferien-Risiko-fuer-Teenager-Zwangsehen.html
Wo ist nur das Problem, das bviele mit Kultur haben?
Das "Hausrecht" ist doch sonst so heilig.


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EddaSchwarz #4.27

Kultur entwickelt sich fast mit jeder neuen Generation ein bisschen weiter. Warum wohl musste meine Mutter um ihre erste Jeanshose kämpfen, während ich selbstverständlich als Mädchen mehr Hosen wie Röcke getragen habe? Warum durfte meine Mutter früher nur auf eine Party wenn ihr Zwillingsbruder auch dort war, mir aber lediglich Geld fürs Taxi in die Hand gedrückt wurde? Das Handbuch für Ehefrauen gibt es heute auch nicht mehr.


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Philosoph77 #4.52

Die Kommune und Vielweiberei sind bei uns auch bekannt, nur eben in wilder Ehe und nicht im Rahmen einer offiziellen Familie. Ich Waage zu behaupten, das in Deutschland mehr nichtreligiöse Polyamoristen leben, welche in einer Gemeinschaft zusammen leben, als irgendwelche religiösen mit 2 oder mehr Frauen.


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Tobilerone #4.53

in manch anderen Kulturen heiratet man auch oft Blutsverwandte, wollen wir das dann auch?


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spiegelwechsler #5

Deutsche Verhältnisse.
Also Frau und Geliebte statt 2 Frauen.


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OestlichsterDeutscher #7

Hab mal gehört einige Menschen in Deutschland haben neben ihren Ehepartner, noch jemand anderen für Intimitäten. Es soll ja sogar in diesem digitalen Neuland ganze Portale geben, wo verheiratete Menschen, jemand anderen kennenlernen können.


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Snake Plissken #7.1

Daraus leiten sich aber keine Pflichten für die Gesellschaft, sprich den Steuerzahler ab. Daher ist mir das egal.


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OestlichsterDeutscher #7.2

Ob das so einfach ist? Wer zahlt z.B. für uneheliche Babys, die in der Babyklappe landen? Oder für Partnerinnen, die sich aufgrund eines aufgedeckten Seitensprunges trennen und auf finanzielle Hilfe angewiesen sind? [Die Aussage, dass die Konsequenz eines Seitensprunges, keine gesellschaftlichen Pflichten mit sich ziehen ist eindeutig falsch.]


Quote
Black Rose #7.6

Aussereheliche Geliebte haben aber keinen Anspruch auf Familienversicherung, Steuervergünstigungen, Ehegattensplitting etc. [In Ländern, in denen die Vielehe erlaubt ist, gibt es in der Regel keine Sozialhilfe - das ist ein Grund, warum ein Mann mehrere Frauen heiraten darf.]


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Binane #18

Die Grünen haben hier recht, dieser schwammige Begriff "Einordnung in deutsche Lebensverhältnisse" kann durchaus zu Missbrauch führen. Was sind deutsche Lebensverhältnisse und in wie weit darf man abweichen? Zur Vielehe, das wäre doch einfach anders zu regeln. Wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat und mit mehreren Frauen oder Männern verheiratet ist macht sich strafbar. Die Annullierung nach deutschem Recht sollte doch dann problemlos möglich sein. Somit findet dann auch kein Sozialmissbrauch, Nachzug etc. mehr statt.


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123Valentino #20

Ich halte die Polygamie noch unerträglicher als die Monogamie, das bringt mich zur Frage was machen wir mit mehrfach Geschiedenen?
Ich denke da an Herrn Schroeder und an Herrn Matthäus.


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fritzmario #20.1

Zustimmung. Ich habe schon Probleme damit, mir nur einen Hochzeitstag zu merken.


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[Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]
« Reply #370 on: July 24, 2019, 12:37:19 PM »
Quote
[...] Ein Vierteljahrhundert nach dem Erscheinen von Samuel P. Huntingtons "Kampf der Kulturen" (im Original unter dem weniger reißerischen Titel "Clash of Cultures") ist dieser vermeintliche Kampf in aller Munde. Und auf den ersten oberflächlichen Blick kann es tatsächlich scheinen, als habe Huntington Recht behalten: Dass globale Konflikte entlang kultureller "Bruchlinien" entstehen, dass die großen politischen Machtkämpfe zwischen den Blöcken der westlichen Welt, China und dem islamischen Kulturraum ausgetragen werden.

Doch das war schon Mitte der Neunziger falsch und vor allem grob vereinfachend. Kulturelle und nationalstaatliche Grenzen waren für Huntington mehr oder weniger absolut. Eine auch durch das Internet globalisierte Welt, in der kulturelle Übergänge fließend sind, war für ihn allenfalls in Ansätzen vorstellbar - und das wurde auch damals schon kenntnisreich kritisiert, von den logischen Brüchen und anderen Unzulänglichkeiten seines Theoriegebildes ganz zu schweigen.

In einem anderen Punkt kam er der Wahrheit deutlich näher: Dem Niedergang der westlichen Vorherrschaft in der Welt, die nie auf den moralischen Ansprüchen von Werten sowie der theoretischen Überlegenheit des demokratisch-parlamentarischen Systems bestand, sondern auf militärischer und ökonomischer Gewalt sowie einem hegemonialen kulturellen Anspruch.

Bahman Nirumand sprach von "Menschenrechten als Alibi": Der Westen wird im Osten vor allem deshalb nicht ernstgenommen und anerkannt, weil das Gerede von Menschenrechten und Demokratie regelmäßig mit Ausbeutung, Bomben und der Unterstützung von Autokraten konterkariert wird.

Dass Kultur eine bestenfalls geringe Rolle im globalpolitischen Theater spielt, sobald es um Geld, Macht, Einfluss und geostrategische Interessen geht, zeigt das Verhältnis zu zwei Ländern im Nahen Osten. Das saudische Regime, das eines der repressivsten der Welt ist, wird von den USA und Europa hofiert.

Zugleich steht Iran immer wieder in der Schusslinie, wird mit Sanktionen überzogen und mit Krieg bedroht - was nicht zuletzt daran liegt, dass die iranischen den saudischen Interessen zuwiderlaufen. Dass Iran einst auf einem ziemlich guten Weg hin zu einer parlamentarischen Demokratie war und dass diese vom Westen zugunsten eines Militärregimes im Jahr 1953 weggeputscht wurde, hat man dort keineswegs vergessen.

Es ist eher so, dass Huntingtons Theorien zur selbsterfüllenden Prophezeiung wurden, was die weltpolitischen Konfliktlinien betrifft - weil sie so praktisch waren und sich nach dem Ende des Kalten Krieges eine ganze Menge westlicher Politiker und Thinktanks daran orientierten. Das führte dazu, dass heute, im Jahr 2019, nicht nur denkfaule Journalisten, sondern auch zahllose Menschen in aller Welt - und keineswegs nur die Rechtsradikalen mit ihrem identitären Gewäsch - den Kampf der Kulturen im Munde führen schon auf der simplen Ebene des Privaten.

Wenn es zum Beispiel um die hanebüchene Erkenntnis gehen soll, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen nicht miteinander können (in der Regel sind der "westliche" und der "islamische" gemeint, womit schon vom Ansatz her zwei Dinge in einen Topf geworfen werden, die darin nichts zu suchen haben - eine geografische Verortung und eine religiöse).

Bevor man auf so einen Zug aufspringt, sollte man die Frage stellen, was eigentlich kulturelle Unterschiede ausmacht, und weshalb diese nicht genauso viel Gemeinsames wie Trennendes haben könnten. Man muss dafür nicht Philosophie und Kulturwissenschaft bemühen. Es genügt schon, den Blick auf den Alltag zu werfen.

Es gibt Erfahrungen, die wohl jeder kennt, der längere Zeit im Ausland gelebt hat. Mal fällt es schwer, sich einzuleben, mal kommt man sofort an und fühlt sich wohl. So ging es mir mit der Türkei. Istanbul wurde für mich rasch zu einer Stadt, in der ich mich ebensosehr heimisch fühlte wie in Köln.

Der Übergang war nahtlos, schon beim ersten Besuch vor vielen Jahren. Kulturelle Unterschiede, die Probleme bereitet hätten? Nicht vorhanden. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ja, natürlich läuft das Leben in der Türkei anders als in Deutschland. Aber das bedeutet nicht, dass es (für mich) nennenswert schwieriger war, mich zurechtzufinden und gut zu leben. Das vermeintlich kulturell Trennende hat nie eine nennenswerte Rolle gespielt.

Wer nun einwendet, dass Istanbul nicht die Türkei ist und es beträchtliche Unterschiede zum anatolischen Kernland gibt, der hat durchaus Recht. Allerdings werden diese Unterschiede kleiner. Zwar gibt es in Istanbul die sehr offenen, multikulturell geprägten Stadtviertel, in denen sich vielfach auf den ersten Blick auch das findet, was vereinfachend als "westliche Einflüsse" gelabelt wird.

Es gibt aber neben Taksim, Cihangir oder Kadiköy auch noch Üsküdar oder Fatih oder Eyüp - die konservativen, islamisch und anatolisch geprägten Ecken, in denen Alltag und Atmosphäre anders sind. Und auch die Kommunikation. Ich habe Istanbuler aus den ersten Vierteln erlebt, die sich geweigert haben, in letztere einen Fuß zu setzen. Aufgrund vermeintlich kultureller Differenzen.

Bei genauerem Nachfragen waren es dann doch oft eher Wahlzettel-Differenzen, die sich inzwischen auch wieder nivellieren - so hat Üsküdar, das eigentlich traditionelles AKP-Gebiet ist, der AKP zuletzt im Wahllokal die Unterstützung versagt. Die Kulturbruchlinien existieren mehr in den Köpfen als in der Realität.

Mitunter erscheinen mir die kulturellen und Mentalitätsunterschiede zwischen innerdeutschen Städten und Bundesländern größer als zwischen Rhein und Goldenem Horn. Die Rheinländer ticken anders als die Hamburger, die Kölner anders als die Düsseldorfer, die Frankfurter anders als die Berliner. Wer aus Köln daran gewohnt ist, dass auch Fremde einen mitunter verkumpelten, direkt duzenden Umgang pflegen, wird in Hamburg erstmal vor eine Wand rennen.

Aber beide Mentalitäten haben ihren ganz eigenen Charme. Natürlich kann der auch mal zu viel werden. Der Kölner Karneval, dieses enthemmte Saufgelage der Biedermeier, gilt ja gemeinhin auch als Kultur. Trotzdem fühle ich mich darin fremder als in der anatolischsten Ecke Istanbuls - und flüchte daher jedes Jahr vor dem Frohsinn in den Norden und genieße dort die Zurückhaltung und höfliche Reserviertheit.

Am Ende scheint mir die Bruchlinie zwischen den sozialen- und Bildungsschichten deutlich größer und auch relevanter als die zwischen westlicher und östlicher, christlicher und islamischer Kultur. Der amerikanische Schriftsteller Dan Simmons sagte einmal: "Being a reader or non-reader, I've long thought, is a far greater (but less visible) divide than being black or white, Christian or atheist or Jewish, or man or woman."

Und ich glaube, er hat da nicht ganz Unrecht. Der kulturelle Unterschied zwischen jenen, die abends ein Buch lesen und jenen, die vor dem Fernseher sitzen, scheint mir mitunter um Längen größer als all die beschworenen Kulturkonflikte über Länder- und Kontinentalgrenzen.

Das zeigt sich auch an einem anderen Beispiel: Wohlhabenden Grünen-Wählern wird regelmäßig vorgeworfen, dass sie zwar für Zuwanderung und Aufnahme von Geflüchteten sind, zugleich aber Petitionen unterschreiben, wenn in dem Nobelviertel, in dem sie Wohnen, eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden soll.

Ähnliche Fälle gibt es bei Plänen für Sozialwohnungen. Und dabei sind das in der Regel Menschen, deren Communities interkulturell sind, deren Kollegen und Freunde aus unterschiedlichsten Ländern stammen. Was sich hier zeigt, ist eine Art von sozialem Rassismus. Es geht ihnen nicht um Herkunft, Hautfarbe oder Religion der potentiellen neuen Nachbarn. Sondern um die Unterschiede der sozialen Schicht.

In Deutschland scheint das Phänomen, dass soziale und Bildungsschichten unter sich bleiben und sich nach unten wie oben abgrenzen, stärker etabliert zu sein als in anderen Ländern. Es handelt sich dabei nicht zuletzt um eine Status-Selbstvergewisserung, die möglicherweise an die Angst vor sozialem Abstieg gekoppelt ist (was keineswegs verallgemeinernd sein soll - selbstredend gibt es auch innerhalb sozialer Gruppen Ausnahmen und Abweichungen, und Menschen, die versuchen, eben diese Fronten aufzubrechen).

Letztlich ist es eine nicht nur im Ausland, sondern im eigenen privaten Umfeld täglich zu erlebende Tatsache, dass Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen problemlos in der Lage sind, gut miteinander auszukommen und einander zu ergänzen, voneinander zu lernen, wenn sie nur dafür offen, wenn sie interessiert sind und ihre Grundhaltung ist, den Anderen zu akzeptieren wie er ist, anstatt ihn anhand willkürlicher Merkmale abzulehnen. Eine Erkenntnis, die so banal ist, dass man sich wundert, sie im Jahr 2019 überhaupt noch darlegen zu müssen.

Hinter den aus rechten bis rechtsradikalen Kreisen in die Mitte der Gesellschaft dringenden Kulturvorbehalten verbirgt sich in aller Regel nichts weiter als dumpfer Rassismus. Das zeigt sich wiederholt auch daran, dass die Ablehnung von Menschen aus anderen Kulturkreisen dort am höchsten ist, wo kaum Menschen mit ausländischen Wurzeln leben.

Die Rechten haben hierfür in den letzten Jahren eine neue Rechtfertigung gefunden: Man wolle ja eben verhindern, dass es in Deutsch-Hintertupfingen irgendwann so "schlimm" wird wie in Berlin, Köln oder Frankfurt. Ein "Argument", das allenfalls bei jenen verfängt, die noch nie in diesen Städten gelebt und erlebt haben, dass Diversität und Multikulturalität dort in der Regel weitgehend problemlos funktionieren.

Die ständige Forderung an Zuwanderer, sich zu "integrieren" ist vor diesem Hintergrund einigermaßen dreist - weil auch hier oft genug Rassismus mitschwingt: Eine Ablehnung von anderen Lebensweisen. Dabei gibt es in Deutschland nur eine einzige notwendige Integrationsgrundlage, und die ist das Grundgesetz.

Darüber hinaus kann und soll jeder so leben, wie er oder sie es möchte, solange die Freiheiten anderer nicht beeinträchtigt werden. Genau dieser Grundkonsens ist es, der dieses Land heute ausmacht. Und in diesem Aspekt sind es die rechtsradikalen fünfzehn Prozent, die am integrationsresistentesten sind und sich (man kann es nicht oft genug feststellen) mit der radikalislamistischen Minderheit die Pranke reichen dürfen.

Wenn aber die kulturellen Differenzen bloß ideologisch und vorgeschoben sind und die wesentlicheren Probleme in den Differenzen zwischen den sozialen Schichten liegen, offenbart sich das Problem, dass die eigentlichen Debatten sich viel stärker um die Verwerfungen drehen müssten, die Radikalkapitalismus und Neoliberalismus in der Welt anrichten.

Denn sie sind es, die zu den Verwerfungen und Spaltungen führen, die aufzulösen die vielleicht größte globale Aufgabe der kommenden Jahrzehnte ist. Neben dem Kampf gegen Klimawandel - der denselben Ursprung hat.



Aus: "Kampf der Kulturen: Echt jetzt?" Gerrit Wustmann (24. Juli 2019)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Kampf-der-Kulturen-Echt-jetzt-4476769.html

Quote

    Verdummnix, 24.07.2019 08:41

Istanbul

    Kulturelle Unterschiede, die Probleme bereitet hätten? Nicht vorhanden.

Und dann aber doch:

    Es gibt aber neben Taksim, Cihangir oder Kadiköy auch noch Üsküdar oder Fatih oder Eyüp - die konservativen, islamisch und anatolisch geprägten Ecken, in denen Alltag und Atmosphäre anders sind. Und auch die Kommunikation. Ich habe Istanbuler aus den ersten Vierteln erlebt, die sich geweigert haben, in letztere einen Fuß zu setzen. Aufgrund vermeintlich kultureller Differenzen.

Es gibt einen interessanten Artikel dazu in der ZEIT:
https://www.zeit.de/politik/2015-11/neue-anschrift-bosporus-buch-reisebericht-istanbul-susanne-landwehr-michael-thumann/komplettansicht

Da heißt das dann so: Ein Hindernis, uns in Istanbul zu Hause zu fühlen, wuchs mit der Zeit. Es waren die polarisierten Debatten in der Gesellschaft, die zunehmende Feindschaft der Türken untereinander. Erst ging sie von den Säkularen und Kemalisten aus. Säkulare Eliten fürchteten die Konkurrenz der aufsteigenden gläubigen Mittelklasse, sie verabscheuten den Anblick von Kopftüchern in den ehemals kopftuchfreien schicken Vierteln der Stadt.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (24.07.2019 08:42).


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[Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]
« Reply #371 on: July 25, 2019, 09:54:49 AM »
Quote
[...] In Leipzig hatte die Leitung zweier Kindertagesstätten entschieden, künftig auf Schweinefleisch und Gelatine zu verzichten, mit Rücksicht auf die muslimischen Kinder in der Einrichtung. Das Schreiben, mit dem der Leiter die Eltern der rund 300 Kinder darüber informierte, geriet in die Hände der „Bild“-Zeitung, die sich offenbar dachte: „Geil, das klickt“ und damit wucherte, in der Zeitung sogar auf der ersten Seite. Focus Online zog nach.

Am Dienstagnachmittag trendete das Schlagwort #Schweinefleisch auf Twitter.

Die AfD stieg ein. Beatrix von Storch sprach von „kultureller Unterwerfung“. Der Landesgeneralsekretär der CDU Sachsen, Alexander Dierks, sagte, ein „Verbot“ sei nicht der richtige Weg. Die Bundestagsfraktion der CSU twitterte: „Einmal mehr überdrehen die Vertreter linker Political Correctness!“ Die Katholische Nachrichtenagentur rief bei Heinz-Peter Meidinger an, dem Chef des deutschen Lehrerverbandes, der sagte, viele Schulen verzichteten mittlerweile auf Schweinefleisch, was er für problematisch halte, wenn „sich dann die nichtmuslimische Minderheit dieser Vorgabe komplett unterwerfen muss“.

Auf der Facebook-Seite von Focus Online ergingen sich die Kulturkämpfer derweil in Subversionsfantasien: Katrin K. schrieb, wäre ihr Enkel betroffen, bekäme er zu Hause jeden Tag Schweinebraten, „schon aus Prinzip“. Am Mittwoch dann verbreitete eine Nachrichtenagentur die Meldung, die Leipziger Polizei habe Streifenwagen vor den Kitas postiert. Das dementierte ein Polizeisprecher später am Telefon genervt.

Man habe die Bildzeitungsnachricht gesehen und sei daraufhin am Dienstag zwei Mal zur Kita gefahren, um zu fragen, ob man wegen des erhöhten Medieninteresses Hilfe brauche – der Leiter sei nämlich nicht ans Telefon gegangen. Das tut er auch am Mittwochnachmittag nicht, verständlicherweise. In einem Schreiben an die Eltern hatte er schon am Dienstagabend auf den Verzicht vorerst wieder verzichtet.

...



Aus: "Deutschland, du bist crazy!" Anna Sauerbrey (25.07.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/debatte-um-schweinefleisch-in-kitas-deutschland-du-bist-crazy/24696364.html

Quote
einliberaler 08:56 Uhr
Liebe Frau Sauerbrey, wie viele vor Ihnen wollen Sie offenbar das Grundproblem nicht verstehen: Hier wird ausdrücklich mit der religiösen Befindlichkeit von 2 (!) muslimischen Kindern (oder genauer: deren Eltern) begründet, dass die übrigen 298 (!) Kinder kein Schweinefleisch mehr essen sollen. Es geht eben nicht darum, ob Sie oder irgendwer Schweinefleisch gesund oder ethisch vertretbar findet! Vor diesem Hintergrund ist es sehr wohl nachvollziehbar, dass daraus eine Grundsatzdiskussion erwächst.



Quote
klausbork 07:24 Uhr
ich denke, die kinder in den kitas sehen das nicht so dramatisch. ...


Quote
CeHaDe 09:31 Uhr

Man muss das nur zuende denken: Die Eltern von 298 Kindern lehnen aus Tierschutzgründen geschächtetes Fleisch ab. damit haben wir eine vegetarische Kita.
2 Kinder haben eine Nussallergie, eines ist gegen Hülsenfrüchte allergisch, also sind diese Nahrungsmittel auch für alle Kinder zu verbannen.
80 Bestehen auf Bio-Qualität, 40 lehen Bio aus Kostengründen ab.
Einzige mögliche Lösung: Alle bringen ihr essen selber mit und das Mitagessen findet nicht in der Gruppe statt, sondern es gibt einen schweinefleischfreien Raum, einen vegetarischen Raum usw.


Quote
Firebird 09:22 Uhr
Crazy ist eigentlich nur die Art der Berichterstattung zu diesem Thema. Während n-tv, absolut belegfrei, von "Polizeischutz" schrieb, die Berliner Morgenpost, ebenfalls belegfrei von einem "ausuferndem Streit" fabulierte, der Merkur eine "Gefahrenabwehr" erkannt haben will (was der SPIEGEL dann, na klar - belegfrei - übernahm) und die SZ, wie inzwischen anscheinend üblich, belegfrei,  twitterte, der Kita-Leiter hätte aufgrund der Polizeipräsenz seine Entscheidung revidiert, fragt man sich, wer hier eigentlich noch Journalismus betreibt oder eher politische Stimmungen anheizen will.
Die Entscheidung des Kita-Leiters, aufgrund "einer sich verändernden Welt" allen Kindern der Einrichtung Schweinefleisch zu verbieten, halte ich persönlich für falsch, heuchlerisch, unterwürfig und auch dumm. Nach Elternprotesten ist diese Entscheidung revidiert. Vielleicht auch eine Lehre für den SPD-Bürgermeister dieser Stadt.
Daß die Medien daraus lernen, glaube ich eher nicht.


Quote
Al.Dente 08:52 Uhr
Ich habe in den 70er Jahren mangels Alternative regelmäßig in einer Kantine gegessen. Dort wurde "typisch deutsches Essen" angeboten. Häufig auch Schweinefleisch. Nach meiner Erinnerung haben alle Mitarbeiter das Essen akzeptiert. Auch die muslimischen aus der Türkei und vom Balkan. Ein Türke sagte einmal zu einem Kollegen, auf die Frage ob er denn das Schweinefleisch überhaupt essen dürfe: "Allah ist weit weg. Den habe ich in der Türkei gelassen"


Quote
torsten379 08:50 Uhr
Hysterie ist fehl am Platz. Allerdings würde ich das Streichen von Schweinefleisch und Gummibärchen auch nicht als Belanglosigkeit abtun. Den muslimischen Kindern sollte natürlich ein den Vorschriften ihrer Religion entsprechendes Essen angeboten werden. Deshalb den anderen ein gelegentliches Schnitzel oder Bouletten und Bratwürste  zu verwehren, ist unverhältnismäßig und intolerant. Mich ärgert die ignorante Haltung des Kita - Leiters, der mit seiner überzogenen Maßnahme unnötigerweise Ressentiments schürt. Zum Glück waren in der Öffentlichkeit schon Reaktionen von Muslimen zu lesen, die sich von seinem nur scheinbar liberalen Aktionismus distanzierten.


Quote
Magerquark 08:42 Uhr
Es geht darum, dass Deutschland sich verändert durch falsch verstandene Rücksichtnahem auf religiösen Aberglauben. ...


Quote
KM70 08:14 Uhr
ZItat: "Schweinefleisch gilt nicht als besonders gesundes Lebensmittel. Trotzdem darf es natürlich jeder weiter essen."

Toll!

...


Quote
santacruz 07:36 Uhr
Nun, meine Nachbarin arbeitet seit Jahrzehnten in Kitas in und rund um Kreuzberg. Sie meinte bereits vor einiger Zeit, dass viele muslimische Eltern auf den Verzicht von Schweinefleisch in der Kita bestehen und dies auch unbedingt durchsetzen wollen. So geht's natürlich auch nicht. Ich kann mir aber auch vorstellen dass deutsche Helikoptereltern diesbez. auch nicht toleranter sind und auf makriobiotisch -erodynamisches , veganes Essen bestehen.Ganz ehrlich: ich würde als Kitaleitung schauen , dass das Essensangebot frisch und gesund ist und anonsten: es wird gegessen was auf den Tisch kommt. Wenn jeder versucht seine individuellen Befindlichkeiten in einer Gemeinschaft durchzusetzen, dann wird das nichts.


Quote
Brotkrume 09:04 Uhr
Antwort auf den Beitrag von santacruz 07:36 Uhr
Da ich in meinem Umfeld gleich mehrere Personen habe, die in den Kochprozess an Schulen / Kitas eingebunden sind (sei es als Koch an einer Schule oder im Catering), kann ich das teilweise bestätigen. Allerdings sind das nicht viele muslimische Eltern, sondern einige. Genauso wie es einige deutsche Eltern sind, die darauf bestehen, dass das Essen vegetarisch sein soll.  ...


Quote
gunnarqr 07:11 Uhr

Aufgebauschter Mist! Was soll das ganze Getöse? Schwein in welcher Form auch immer vom Speiseplan zu nehmen ist echt übertrieben, aber es könnten ja Alternativen geboten werden! Geht's auch mal pragmatisch ohne Kultur/Religionskampf?


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« Reply #372 on: August 08, 2019, 12:32:53 PM »
Quote
[...] In aktuellen Debatten wird oft einem öffentlichen Streitgegenstand – etwa einer Karikatur, einem Film, einer Äußerung oder auch einer Geste – ein persönliches Empfinden, zum Beispiel religiöser Art, oder ein persönliches Gefühl, etwa verletzter Intimität, gegenübergestellt. Aber das ist eine irreführende Gegenüberstellung. Sie reduziert religiöse Menschen, Frauen oder Angehörige von Minderheiten lediglich auf deren Empfindung. Damit macht man sie zu bloßen Empfindungsmaschinen, die zu keinem reflektierten Urteil fähig sind. Doch jeder und jede, egal, woher sie kommen und was sie glauben, können mehr als nur empfinden. Sie können auch ihre Empfindungen kritisch reflektieren, sie unter Umständen auch revidieren – denn Empfindungen sind bekanntlich das Trügerischste – und zu einem Urteil gelangen. ... Es ist unzureichend, zu sagen: »Ich fühle mich verletzt«; man kann aber sehr wohl sagen: »Ich beurteile das als verletzend.« Dabei kann man sich dann allerdings auch irren und den Irrtum nachgewiesen bekommen. Diese Urteilsfähigkeit ist das Allgemeine an uns, und das Einzige, was Anerkennung ermöglicht und verdient. Diese Fähigkeit darf man von jedem und jeder verlangen. Diskriminierung hingegen beginnt genau damit, dass man – meist in wohlmeinender Absicht – bestimmten Leuten diese Fähigkeit abspricht und aufhört, sie ihnen abzuverlangen.

...

ROBERT PFALLER ist Philosophieprofessor. Lehrt an der Kunstuniversität Linz. Geboren 1962 in Wien. Radikaler Gegner von Rauchverboten, obwohl er wegen Nebenhöhlenproblemen kaum raucht. Seine Aphorismen sind legendär, etwa: »Wir sollten nicht den Tod fürchten, sondern das schlechte Leben« oder »Statt zu fragen, wofür wir leben, fragen wir uns nur noch, wie wir möglichst lange leben«. Lebt in Wien.

Das Werk (u. a.)
Wofür es sich zu leben lohnt. Elemente materialistischer Philosophie. S. Fischer 2011
Kurze Sätze über gutes Leben. S. Fischer 2015
Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur. S. Fischer 2017




Aus: "Robert Pfaller im Interview: Was sind für Sie Pseudolinke?" Stefanie Mooshammer, Peter Unfried (2019)
Quelle: https://taz.de/Robert-Pfaller-im-Interview/!169159/

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« Reply #373 on: August 13, 2019, 09:38:57 AM »
Quote
[...] Seyran Ates ist gläubige Muslimin, Rechtsanwältin und Mitbegründerin der liberalen Ibn-Rushd- Goethe-Moschee in Moabit, in der auch Frauen die Predigt halten dürfen. Mit ihr sprach Frank Bachner.

Frank Bachner: Frau Ates, Tausende Muslime sind am Sonntag zum „Gebet im Freien“ auf das Tempelhofer Feld gekommen. Eingeladen hat der Verein „Neuköllner Begegnungsstätte“, dem Verbindungen zur militanten Muslimbruderschaft vorgehalten wird. Wie groß waren Ihre Bauchschmerzen bei diesem Gebet?

Seyran Ates: Relativ groß, weil dort die Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum zelebriert wurde. Die Verantwortlichen, die das Gebet genehmigt haben, müssen sich die Frage stellen lassen, ob sie rechten Identitären auch so viel Raum gegeben hätten. Für mich handelt es sich bei Muslimen, die Geschlechtertrennung so massiv betreiben, um muslimische Identitäre. Mit diesem Thema sollte die offene demokratische Gesellschaft doch bitte kritischer umgehen, auch wenn die Thematik aus der muslimischen Community kommt, die von deutschen Rechten rassistisch und islamfeindlich verfolgt wird.

Welchen Unterschied macht es, dass diese Geschlechtertrennung beim Gebet nicht in einer Moschee, sondern in der Öffentlichkeit stattgefunden hat?

Die Tatsache, dass in den vergangenen 20 Jahren immer mehr patriarchalisch-archaische Praktiken zunehmend aus den privaten in öffentliche Räume gebracht wurde, führt dazu, dass sich eine Gesellschaft mit diesem Bild – in Anführungszeichen – immer mehr anfreundet und solche Praktiken als selbstverständlich betrachtet.
Diese Idee der Geschlechtertrennung wird immer massiver in den öffentlichen Alltag getragen. Der Rest der Bevölkerung soll sich daran gewöhnen, dass Geschlechtertrennung Identität dieser Menschen sei und dass sie als wichtig empfänden, so zu leben. Das ist absurd, da wir ja auch der anderen Seite für mehr Geschlechter-Gerechtigkeit kämpfen.

Betrachten Sie dieses Gebet im Freien als Pilotprojekt, als Versuch, zu schauen, was allgemein akzeptiert wird, um dann diese Form der religiösen Demonstration auszuweiten?

Ja, für mich ist es ein Pilotprojekt und Anreiz für andere, sich ihm anzuschließen. Nehmen wir doch als Beispiel das Kopftuch. Vor 20 Jahren trugen es noch vereinzelt erwachsene Frauen. Dann immer jüngere Frauen, und heute ist es für viele Menschen nichts Besonderes mehr, wenn sogar kleine Kinder ein Kopftuch tragen.
Schritt für Schritt wird etwas visualisiert, an das sich die Menschen gewöhnen sollen. Es gibt aus diesen Kreisen – die Muslimbrüder oder die Verbände, die aus der Türkei oder aus Katar gelenkt werden – immer wieder Stimmen, die sagen: Ihr müsst mutiger werden, ihr müsst mehr einfordern, ihr müsst Euch mehr Rechte nehmen.
Man bekämpft sehr berechtigt den wachsenden Rassismus und die Islamfeindlichkeit der Identitären. Aber man übersieht leicht, dass es sich bei diesen Menschen, die solche Sonderrechte einfordern, um muslimische Identitäre handelt. Diese Leute sehe ich sogar noch rechts neben der AfD.

Die Verantwortlichen, die dieses Gebet erlaubt haben, sitzen beim Landesunternehmen Grün Berlin. Was werfen Sie ihnen vor, was hätten sie Ihrer Meinung nach besser machen sollen?

Die Verantwortlichen bei Grün Berlin müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie kritisch genug waren, als sie das Feld dem Neuköllner Verein überlassen haben. Und ob sie die gleiche Offenheit gezeigt hätten, wenn eine rechte deutsche Gruppierung eine ähnliche Veranstaltung beantragt hätte.

Es gibt das Argument Religionsfreiheit.

Aber Religionsfreiheit bedeutet nicht, dass wir über die Grenzen der Grundrechte gehen und andere Grundrechte wie die Gleichberechtigung der Geschlechter übersehen. Grün Berlin muss sich auch die Frage stellen lassen, ob es einer christlichen Gruppierung ein Teil des Feld überließe, wenn die dort eine massive Geschlechtertrennung praktizieren und dies als Ideal für die gesamte Gesellschaft postulieren würde.

Eine Kita in Leipzig wollte vor kurzem für die ganze Einrichtung Schweinefleisch und Gummibärchen abschaffen, mit dem Hinweise, man wolle religiöse Gefühle von zwei muslimischen Kindern nicht verletzen. Sehen Sie Parallelen zur Problematik beim Gebet auf der Tempelhofer Feld.

Ja natürlich. Die Aufforderung zur Sensibilität gilt ja nicht bloß für Grün Berlin, sondern für alle Verantwortlichen, die meinen, man könne und müsse alles unter das Dach der Religionsfreiheit packen. In Leipzig können dann plötzlich zwei Kinder, drei Jahre alt, die von Erwachsenen instrumentalisiert werden, darüber bestimmen, was 298 andere Kinder essen beziehungsweise nicht mehr essen dürfen. Hier gibt es eine Schräglage im Hinblick auf das friedliche Zusammenleben. Es kann nicht sein, dass die Dominanz einer Minderheit mit all ihren archaischen und patriarchalischen Strukturen gefeiert wird.


Aus: "Seyran Ates zum Gebet auf dem Tempelhofer Feld: „Das sind muslimische Identitäre“" (12.08.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/seyran-ates-zum-gebet-auf-dem-tempelhofer-feld-das-sind-muslimische-identitaere/24895706.html

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[Das Muster vom Kampf der Kulturen... ]
« Reply #374 on: August 13, 2019, 03:18:51 PM »
Quote
[...] Es sind nicht mehr viele Tage bis zur ersten Gay-Pride-Parade in Sarajevo. Was eigentlich ein Grund zum Feiern wäre, noch nie hat die Parade in der bosnischen Hauptstadt stattgefunden. Das Motto am 8. September wird "Ima izać'!" ("Kommt heraus!") heißen. Und als Anfang April von LGBTIQ-Aktivistinnen in Sarajevo das Datum und das Motto angekündigt wurde, gab es viele Reaktionen aus allen Lagern und Ideologien, unterstützende und homophobe gleichermaßen.

Doch die medienwirksamste Gelegenheit bat sich ein paar Tage später beim großen Fußballderby zwischen FK Želježničar Sarajevo und FK Sarajevo. Diese Chance ließen sich die organisierten Fans des FK Želježničar, die "Manijaci" (die "Wahnsinnigen"), nicht entgehen. Als Reaktion auf die Gay Pride wurde vor ihrer Kurve ein homophobes Banner angebracht. Dort stand deutlich geschrieben "Ima zabranit'!" ("Es soll verboten werden!"). Die wohl kalkulierte Grenzüberschreitung ging auf, das Bild wurde durch soziale Medien und die folgende Berichterstattung tausendfach geteilt.

Während das noch vielleicht als erlaubte Meinungsäußerung zählte, so war die Flagge des Königreichs Brunei neben dem Banner weitaus weniger missverständlich. In Brunei wurde kurz zuvor unter weltweitem Protest ein neues Gesetz verabschiedet, durch das homosexueller Geschlechtsverkehr und Ehebruch mit dem Tod durch Steinigung strafbar gemacht wurden.

Der Vorfall beim Stadtderby von Sarajevo wurde in der postjugoslawischen Region kaum als solcher wahrgenommen oder kritisch diskutiert. Dabei steht er symptomatisch für das Problem mit Homophobie im balkanischen Fußball. Es ist weitverbreitet und bleibt fast immer unwidersprochen. Alltagshomophobie ist auf dem Balkan gesellschaftlich akzeptiert.

Zum Beispiel stellte eine 2017 von der Equal Rights Association (ERA) und der Weltbank durchgeführte Studie für den Westbalkan fest, dass ein Drittel der LGBTIQ-Community aufgrund ihrer sexuellen Orientierung schon mindestens einmal physische Gewalt erfahren hatte. "Schwuler" wird in der Alltagssprache fast ausschließlich abwertend gebraucht, im Fußball natürlich noch inflationärer als ohnehin schon.

Der Vorfall in Sarajevo in diesem Frühjahr war auch nicht der erste, bei dem ein Stadion in Bosnien und Herzegowina von Fangruppierungen benutzt wurde, um Hass zu streuen. Die "Horde Zla" (die "Horden des Bösen"), eine Fangruppierung des FK Sarajevo, nahm 2015 am Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie ein Banner ins Stadion, auf dem stand: "Der 17. Mai ist euer Feiertag und wir wünschen, dass ihr uns deshalb die Schwänze lutscht."

Vorfälle wie diesen gibt es zuhauf. In Kroatien werden der Fußballverband und seine Vertreter von organisierten Fangruppen oft zu "Schwulen" degradiert, die "den Fußball gef*ckt haben". Die Regenbogenfahne ist dabei ein Symbol, um zu beleidigen. Fans von Roter Stern Belgrad, die "Delije" (die "Helden"), sind gegen die offizielle serbische Kosovopolitik. Zum Ausdruck bringen sie das mit einem weit über Fankreise hinaus populären "Kampfschrei". Der serbische Präsident Aleksandar Vučić wird mit "Vučić, Schwuler!", bedacht, oftmals gefolgt von einem "Du hast Serbien verraten".

Und ganz besonders haben sie sich auf die amtierende serbische Premierministerin Ana Brnabić eingeschossen. Sie ist offen lesbisch und hat vor Kurzem mit ihrer Partnerin einen Jungen adoptiert. Seither und vor allem, weil sie es gewagt hatte, Nationalismus und Xenophobie bei den Delije zu kritisieren, wird sie regelmäßig besungen: "Werde schwanger, Ana Brnaba" und "Es ist nicht deines, Brnaba, vielleicht ist es unseres, Brnaba" sind nur zwei Beispiele. Der Höhepunkt der homophoben Gesänge war der Vers: "Es sollen Babys geboren werden, das ist die Nachricht der Nordkurve, denn wir wollen nicht, dass Serbien ein Land von Schwulen wird." Mittlerweile existiert eine abgeschwächte Variante ohne den homophoben Part.

Dennoch: Von Fußballfunktionären hört man dazu wenig bis gar nichts. Ab und zu ringt man sich eine halbherzig gemeinte Stellungnahme ab, in der jeglicher Diskriminierung im Fußball abgeschworen wird, darüber hinaus passiert sehr wenig. Der mittlerweile verstorbene langjährige Präsident des kroatischen Fußballverbandes, Vlatko Marković, hatte seinerzeit sogar von der Uefa eine Geldstrafe wegen homophober Äußerungen bekommen. Für ihn sollten keine schwulen Spieler in einem Nationalteam spielen, aber das würde ja ohnehin kein großes Problem darstellen, da "glücklicherweise nur normale Menschen Fußball spielen".

Ein anderer kroatischer Fußballtrainer, Otto Barić, behauptete, bloß auszusprechen, "was viele denken", nämlich dass er "niemals einen Homosexuellen erlauben würde, in seiner Mannschaft zu spielen".

Auch die meisten Spieler schweigen dazu. Nur von Josip Brekalo, dem kroatischen Nationalspieler vom VfL Wolfsburg, hat man gehört, dass er aufgrund seiner christlichen Überzeugung nicht hinter einer Kapitänsbinde in Regenbogenfarben stehen könne, mit der der VfL seit einem Jahr aufläuft. Ivan Rakitić vom FC Barcelona sagte in einem Interview, das schon sieben Jahre zurückliegt, aber dessen Zitate in diesem Frühjahr wiederaufkamen, dass er Homosexuelle zwar respektiere, sie aber nicht in der Kabine haben wollen würde. Er wollte sich in diesem Jahr dazu nicht weiter äußern.

So wie auch beim bislang letzten Vorfall in Sarajevo: Sowohl der Verein als auch der bosnische Fußballverband blieben nach den Bannern gegen die Gay Pride stumm. Bosnien und Herzegowina ist das einzige Land der postjugoslawischen Region, in dem bisher noch keine Pride-Parade stattgefunden hat, sie soll das bislang unsichtbare Leben der LGBTIQ-Community sichtbar machen. Dementsprechend geht die gesellschaftliche Debatte weit über das Fußballfeld hinaus.

Die Parlamentsabgeordnete des Kantons Sarajevo Samra Ćosović-Hajdarević von der islamisch-nationalistischen SDA veröffentlichte auf Facebook einen Kommentar, der mittlerweile wieder gelöscht wurde. Dort attestierte sie der Parade und ihren Teilnehmern, dass sie "Volk und Land zersetzen" würden. Schüler der Polizeiakademie Bosnien und Herzegowina veröffentlichten eine Umfrage, in der sie fragten, ob die Gay-Pride-Parade beschützt werden sollte oder ob man die Teilnehmerinnen und Teilnehmer "inhaftieren" sollte.

In den Post eingebaut war auch eine Petition, die zu einem Verbot der Parade aufruft. Die Gefahr von physischer Gewalt ist also sehr real. Denn es bleibt nicht nur bei Gewaltfantasien und Aufrufen. Schon zweimal wurden andere LGBTIQ-Veranstaltungen in Sarajevo wegen gewaltsamer Übergriffe abgebrochen. Und es ist nicht lange her, als die Pride-Paraden in Belgrad und in Split von gewaltbereiten Fußballhooligans attackiert wurden. Homophobie ist also kein fußballspezifisches Problem auf dem Balkan, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Nur hat der Hass im Fußball keine Konsequenzen.


Aus: "Sarajevo: Wo Homophobie der Alltag ist" Dario Brentin (13. August 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/sport/2019-08/sarajevo-gay-pride-fussball-homophobie-balkan/komplettansicht

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hermannheilner #12

“Postjugoslawisch” in Tirana... Albanien war nicht Teil Jugoslawiens


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Nista77 #18

"Ima izać" bedeutet nicht "Kommt heraus" sondern eher "Es gibt einen Ausgang/Ausweg"

Izlazite ist die Aufforderung herauszukommen


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violettagetyourgun #20

Beim Lesen kamen mir die Tränen.
Immer neue Horrormeldungen aus dem Osten.
Auch in Polen und Russland ist Homophobie weit verbreitet.
Warum dieser furchtbare Hass auf die Liebe ?


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Nachbohrer #21

Toleranz gegenüber der LGBTIQ-Community scheint immer dann ein Problem zu sein, wenn Gesellschaften zu stark von orthodoxen religiösen Einstellungen beeinflußt werden...


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Ölsparer #22

Soo krass, wie rückständig und intolerant derartige viele Menschen in Europa noch immer sind. Nein, das ist nicht Arabien, nicht Nordafrika. Es sind mehrheitlich selbsternannte Christen...
Würde mich interessieren, wieviel da der eiserne Vorhang seinen Anteil daran hat...
Ich vermute, in Polen und Ungarn sieht es nicht viel anders aus...
Nein, Europa hat diese Teilung noch längst nicht überwunden - wohlwissend, dass auch im "freien Westen" noch viel von diesem Gedankengut herumschwirrt...


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xelaq #23

Ich frage mich woher diese Homophobie im Kern stammt. Viele der Balkanländer bzw. osteuropäischen Ländern waren ja Teil des Ostblocks - evtl. stammt das noch aus der Zeit?

Andererseits ist die Kirche in diesen Ländern noch stärker vertreten als bei uns. Ich habe leider selber in Rumänien miterleben müssen, wie der Pfarrer während der Predigt gegen Minderheiten gehetzt hat. O-Ton: "Wenn wir alle mit anpacken, können wir diesen Makel ausrotten." Er bezog sich in diesem Fall zwar auf Sinti & Roma, ich habe aber keinen Zweifel dass es solche Ansprachen auch gegen Homosexuelle gab.


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SidesshowBob3526 #26

Was für ängstliche Kleingeister müssen sich eigentlich hinter diesen homophoben Hools verstecken, da scheint die eigene männliche Identität ja sehr fragil zu sein wenn sie nur in Abgrenzung (nicht schwul) funktioniert. ...


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Theraphosis #27

Die Gefahr ist sehr real, allerdings.

Ich war vor Jahren in der Nähe von Belgrad, als dort eine der Paraden stattfand.
Es ist unglaublich, mit welcher Verachtung quer durch alle Bevölkerungsschichten über Homosexuelle gesprochen wird.

Man muss dabei berücksichtigen, dass die Mentalität einer Toleranz sehr entgegensteht. Das geschlechtspezifische Rollendenken ist sehr viel stärker ausgeprägt als hier, Männer und Frauen definieren sich sehr stark über das Geschlecht.

Gerade deswegen ist jede Abweichung suspekt, eine Diskussion so gut wie unmöglich.
Vorurteile und Fehlinformationen bestärken das noch.
Ein Schwuler wird "peder" genannt, was meines Wissens von "Päderast" kommt.
Homosexualität wird in de Köpfen der Menschen mit Kindesmissbrauch gleichgesetzt.


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