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Author Topic: [Kiel Gaarden... (Notizen, Fraktales Logbuch)]  (Read 21652 times)

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lemonhorse

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[Komm, wir schleichen zusammen ... ]
« Reply #15 on: December 28, 2008, 03:17:12 PM »

Karlstal - Elisabethstraße: Es ist dunkel geworden, kalter Nebel hängt in der Luft. Die Ampel steht auf rot. Kein Auto weit und breit. Eigentlich müsste ich über Rot gehen, doch unentschlossen bleibe ich stehen und werde unfreiwillig Zeuge einer Unterhaltung neben mir: "Du kannst schneller Vater werden als du denkst - ich spreche zwar nicht aus eigener Erfahrung aber..." ein kurzes nach unten verzogenes Lächeln flackert über ihr Gesicht. Sie dreht ihren Kopf kurz zu mir herüber, nimmt das Handy beiseite und sagt: "ich habe schon gedrückt" (sie meint den Knopf an der Ampel) - Mir entfährt: "Gut, ich werde nicht über die Strasse schleichen." - Sie überlegt 1 1/2 Sekunden und sagt dann: "Komm, wir schleichen zusammen". Ich muss an Lennardo denken, der immer völlig fassungslos vor der Tatsache kapituliert, dass ich nicht immer über Rot gehe wenn kein Auto fährt. Womöglich denkt er, ich hätte die eigene Robotterschaft akzeptiert.

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Textaris(txt*bot)

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[Unterwegs in Gaardener Eckkneipen, Abschlussbericht (2008/2009) ]
« Reply #16 on: January 14, 2009, 08:22:06 PM »

weihnachten unterm tresen //
sieben stunden unterwegs in gaardener eckkneipen //
vier bier ein foto und ne zeichnung //

Vorläufiger Abschlussbericht zu Gaardener Eckkneipen (2008/2009)
Aus dem galaktischen Ministerium für Stadtteilerkundungen (Hessen Kassel, ROLLE UND LADYWEISSWURST)

http://www.subfrequenz.net/gaardistan/?p=278
« Last Edit: September 13, 2009, 02:46:51 AM by Textaris(txt*bot) »
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Thomasio

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[Kamikaze am Nachmittag]
« Reply #17 on: March 04, 2009, 09:23:34 PM »

  Seit einiger Zeit ist am Karlstal folgendes Phänomen zu beobachten; Männer mittleren Alters überqueren am helllichten Tage die Straße. Und das, obwohl sich ganz in der Nähe eine Ampel befindet, die in regelmäßigen Abständen per leuchtender Grünphase die Fußgänger sicher auf die andere Straßenseite bringt. Selbst bei jenen rücksichtsvollen Rotphasengängern, die entweder aus terminlichen Gründen keine Verkehrsgeduld aufbringen oder sich in ihrem träumerischen Gemütszustand keine Verzögerung ihrer Gehgeschwindigkeit erlauben können, um den Faden ihrer musischen Gedankengänge nicht zu verlieren, wird hin und wieder ein gelbes Auge zugedrückt. 
In der Gaardener Bevölkerung stießen jene kleinen Gesetzüberschreitungen bisher auf Toleranz (vorrausgesetzt, es befinden sich keine Kinder in der Nähe) und heimlichen Neidgefühlen, die aber meistens mit einem selbstironischen Kommentar kompensiert wurden und überdies zur Erheiterung der allgemeinen Straßenstimmung beigetragen hat. Was aber momentan beobachtet wird, ist eine radikale Veränderung der Selbstwahrnehmung. Manche gehen so weit und sprechen gar von einem Totalverlust der Verantwortung. Wurde doch zunehmend beobachtet, wie jene Männer mittleren Alters schnurstracks die Straße überquerten, ohne auch nur ein Mal nach links oder nach rechts zu schauen. Wenigstens ein kurzer Seitenblick in eine Richtung wäre schon mit Wohlwollen begrüßt worden, so ein Anwohner, der die brenzligen Situationen mehrmals mit Nervosität miterleben musste. Zeugen haben überdies mit Nachdruck ausgesagt, dass jene Männer mittleren Alters höchstwahrscheinlich alkoholisiert waren. Manche sprachen auch von einem `Zustand des Vollrausches`, den sie daran zu erkennen glaubten, dass die Männer in augenfälligen Schwankungen auf sich aufmerksam machten. Ein älterer Passant will einmal miterlebt haben, wie jemand geradezu im rechten Winkel vom Gehweg abbog und selbstredend in den fließenden Verkehr eintrat. Wie durch ein Wunder wurden jene Lücken gefunden, die ein mäßiger Autostrom ergibt, wenn die Fahrer auf den Mindestabstand und auf das vorgeschriebene Tempolimit achten, so dass niemand dabei zu Schaden kam. Seit einigen Wochen häufen sich nicht nur die Vorfälle, sondern auch die Anzahl derjenigen, die zusammen die todesmutige Überquerung zum ersehnten Sky - Markt vollführen. Selbst Vollbremsungen, Hupkonzerte und Beschimpfungen der Autofahrer scheinen keine wirkliche Abschreckung dazustellen. Wenn überhaupt, so gibt es als Reaktion höchstens das Zeigen des Mittelfingers, der einen schwungvollen Halbkreis beschreibt und sich anscheinend mehr aufs Weltenganze bezieht als auf eine einzelne Person, so dass sich niemand persönlich verletzt fühlen muss. Erst Gestern wurde eine dreiköpfige Gruppe Männer mittleren Alters gesehen, die sich den Arm um die Schultern legten und blindlings auf die andere Seite stürmten, zu spontan, um als Außenstehender noch zu reagieren, zu entschlossen, um sie davon abzuhalten, und sie taten es frei nach dem Motto; nach uns die Bremsspuren. 
« Last Edit: March 04, 2009, 09:32:54 PM by Thomasio »
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lemonhorse

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[Von Strassen und Supermaerkten... ]
« Reply #18 on: August 03, 2009, 01:39:22 PM »

Posted by Lemonhorse in Kiel.Gaarden, Kiel.Refugium, Realitaets.Tunnel on August 3rd, 2009

Im Industriegebiet nahe der Schnellstraße höre ich manchmal die Schweine aus den fahrenden Anhängern quicken bevor sie ein Stück weiter das Gelände der Massenschlachtungseinrichtung erreichen.
Kann es sein, daß die Befindlichkeiten wieder stärker auf die Straße getragen werden? - Da prügeln sich die Leute vermehrt auf dem Bürgersteig. Jedenfalls letzten Freitag auf dem Kieler Ostufer. Die Köper werden schmerzlich bearbeitet und sind doch schon halb betäubt. Die Bewegungen wirken verlangsamt - und die Leute stehen halb lachend halb beschämt mit einer Flasche Bier in Händen 2m daneben - ist nun mal Freitag Nacht, es ist eben der Alkohol, lass sie mal machen, es muss ja mal raus (so ähnlich steht es zumindest den umstehenden Leuten ins Gesicht geschrieben, als wir mit dem kleinen französischen Unfallauto in Schritttempo vorbeifahren) und fragen ob alles ok sei - jaja, is’ alles ok, Polizei kommt gleich.
Dann war dann auch noch der junge Skater mit halb runtergelassenen Hose der sich nachmittags an einer offenen Bushaltestelle von einer jungen Dame einen runterholen lässt (angrenzend an an die Schrebergärten und dem alten Bahnübergang), während ein Autofahrer auf der gegenüberliegenden Straßenseite neugierig in die Bremsen geht - um sich alsdann schmunzelnd und ein wenig aus der Fassung die Szenerie genauer anzusehen. Ich weiß nicht, ob es dadurch noch zu einem Auffahrunfall gekommen ist - denn wir 3 aus der Garage mussten mit dem kleinen französischen Unfallauto noch rasch zum Supermarkt, wo sich die Belegschaft zur Freude und (so wurde es vertrauensvoll aus interner Stelle an mich herangetragen) als belustigenden Zeitvertreib die Kundschaft auf den Überwachungsvideobändern ansieht.
« Last Edit: July 01, 2015, 12:25:27 PM by Textaris(txt*bot) »
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lemonhorse

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[Zufall und Montage (Schlendern)... ]
« Reply #19 on: September 28, 2010, 09:07:20 PM »

Category: Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kiel.Gaarden, Wortbrocken.Cafe
Tag: Fensterscheibenkino, John Wayne, Linie41, Weltgrenzen (V1.0, 09/2010)


Mein Fieber macht mich Froh.
Die Bäume, der Himmel, die Wolken fluchten.
Fensterscheibenkino in der Linie 41.
Warum das spontane in-der-Welt-zu-sein-Glück mich
kurzzeitig fast erschlägt - an anderen Tagen sich aber
erst nach einem kräftigem Espresso Stück für Stück entfacht
(wenn überhaupt) - bleibt mir ein Rätsel aus Hirntiefen.

Nebensächliche Beobachtungen sind kaum zu bremsen:
eine wasserstoffblonde Frau mit der irregulären Anziehungskraft
einer Außerirdischen zieht sich den Pullover aus
und versprüht, ohne einen wahrnehmbaren Funken von
Zweifel, ihr Deo unter ihren Achseln und nebenbei im Linienbus.
Eine Sache von Sekunden. Aber dennoch lautmalerisch.
Ffffft (rechts), ffffftt (links).

Da wäre das Schlendern durch Kiel Gaarden.
Man läuft hier und da noch auf Kopfsteinpflaster.
Naturstein mit Ritzen. Dort sammelt sich Unrat
und wildes Kraut neben dem Straßenablauf.
Unwirsche Zustände liegen hier immerhin offen.
Das ist mir manchmal lieber als die gepflegte Verschlagenheit der Aufgeräumten.
Schnell ist es dunkel geworden. Herbst 2010.

Der Werftpark ist fast Menschenleer.
Vor Ismails Einzelhandelladen sehe ich durch das Schaufenster
und entdecke einen großen Gartenzwerg vor der Kassenwage.
Daneben einem hochgewachsenen Kaktus.
Die Verkaufslichter sind bereits aus.
Ein Stück weiter trinken ein paar Herren ihren Tee.
Auf einem Schild über den Eingang leuchtet neon-matt Arkadas.
Das heißt womöglich Freund (oder Freundschaft?), erinnert mich an das Wort Arkadien.
Beim Vorrübergehen höre ich gedämpft Stimmengewirr, Musik und Lachen.
Für einen Bruchteil einer Sekunde erblicke ich dort durch die Tür
John Wayne auf einer Bilderkollage an der Wand.

Ich frage mich für einen Moment, ob sich dieses Bild von
John Wayne (welches ich eben erst wie beschrieben im türkischen
Pub Arkadas erblickte) in gleicher weise interpretieren könnte, wie ein scheinbar lieblos
gebasteltes DIN A4 schwarzweiß Plakat für eine tönende Abendveranstaltung.
Das Plakat klebte übrigens an einer Häuserwand in der Elisabethstrasse.
Auf der Plakatkollage warb Sylvester Stallone in seiner Rolle als Rambo,
für eine lokale Punkband. Er war wie John Wayne kurzerhand zu einem
Masup Element geworden (http://de.wikipedia.org/wiki/Mashup) .
Der Gartenzwerg, John Wayne und Rambo als Elemente der Aufeinanderschichtung von Weltbezügen.
Als ironische Klischee-Kollagen. Aus Zufall und Montage.

« Last Edit: July 01, 2015, 12:27:17 PM by Textaris(txt*bot) »
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lemonhorse

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[Nacht und Fenster auf Kipp.. ]
« Reply #20 on: September 28, 2010, 09:21:15 PM »

Medusastraße: die Abstände von Nächten in denen sich ein Paar anschreit - oder in denen die Faust oder womöglich andere Körperteile gegen Autoblech knallen haben sich in den letzten Monaten verkürzt.


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lemonhorse

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[Neurologische Mikrosprengungen... ]
« Reply #21 on: April 01, 2011, 09:23:43 AM »

Category: Gedanken.Memo, Kiel.Gaarden, Wortbrocken.Cafe / Tag: Karlstal, Urbanes Träumen

Zeit von oben. Die Kieler Förde aus der Luft aus betrachtet.
Über der Stadt wirkt die Zeitlichkeit etwas deutlicher im Bild.
Der Wind weht milde über das Baltisches Meer.
Der Himmel leuchtet hell grau – so das ich besser die Augen etwas zukneifen sollte.
Wenn ich von hier aus etwas im Blickfeld wahllos heranzoome sehe ich vielleicht wie
der Rost abbröckelt. Schon rostet uns Menschen das Lebensgefühl wie ein Vorhängeschloss einer Dachluke.

Dieses ungelenke Fliegen über den Häusern von Kiel Gaarden ist abwegig.
Schnell hinan und hinab. Meine Wünsche landen bereits auf dem Gehweg.
Neben mir laufen ein paar Menschen unbeirrt ihren Weg, denen es völlig einerlei zu sein scheint,
ob da etwas aus der Luft auf ihren Gehweg stolpert.

An der Ampel steht neben mir eine vielleicht 55 jährige Frau. Sie hat eine stark getönte Sonnenbrille auf, so das ich ihre Augen nicht sehen kann. Sie sagt: “Man könnte doch über die rote Ampel gehen, es kommt ja kein Auto”. Sie geht bei Rot über die Straße und wartet dann auf der anderen Seite. Die Ampel springt auf grün – und ich gehe über die Straße. Auf der anderen Seite nimmt mich die Frau in Empfang und sagt: “Sie sind so einer der die Regeln befolgt, stimmt’s?” – Mir rutscht ein “Ja, manchmal” heraus. Unsere Wege trennen sich. Irgendwo in einem bestimmten Rahmen hat ein Jeder seine Weltvorstellung versteckt. Ich fühle mich ertappt.

Zerbrochen wird die Selbstwahrnehmung schon beim ersten Becher Kaffee. In der Schwarzen Kaffe-Oberfläche siehst du dein verzerrtes Spiegelbild unter den Neoröhren am Bäckertresen. Wer soll das sein, den ich da sehe?

Draußen ist kein Entkommen vor zerbröckelter Sprache und augenblicklichen Gesten. Es geht zur Arbeit, noch dem Schlummer nah. Im Treppenhaus ein paar Straßen weiter ist die Luft mit Duschgel und Alkoholikerschweiß beträufelt. Vor dem Supermarkt am Karlstal hingegen steht leise und unabweisbar die kleine Urinwolke 30cm über dem Pflastersteinen, da müssen wir durch – denn wer Kiel Gaarden einfühlsam erforschen will, sollte in diesem Supermarkt am Karlstal einkaufen gehen. Ich stehe gerade an der Kasse. Freundlich werde ich gefragt, ob ich den Kassenbon behalten möchte. Hier unter den Überwachungsbildschirmen neben den Safttüten offenbart sich ein Stück seinsvergessene Wirkmacht des urbanen Träumers.

Es ist nicht einfach die Signale einzuordnen. Ruft der Moment: Was ist dein Begehr? – Und verblüfft staune ich: wovon zeugen dort die Tätowierungen am Hals? Oder die zarten Stoffturnschuhe? Und die Mobiltelefone werden in manchen Händen zu Abschottungswaffen. Wir Menschen werden angegriffen mit umfunktionierten handlichen Banalitätsmaschinen ausgestattet mit Variationen von Klingeltönen. Da redet wer mit irgendwem immer das Gleiche – nicht aber das Selbe. Doch manche Mobiltelefone brennen sich mit schleichendem Schmerz und als Einsamkeit in die innere Welt. Der tote Winkel der Selbstwahrnehmung. Jedes Telefonat birgt kleine neurologische Mikrosprengungen. Telefone legen mit jedem Wort Wunden in den Verbindungen frei.

« Last Edit: July 01, 2015, 12:30:07 PM by Textaris(txt*bot) »
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Textaris(txt*bot)

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[In sei­ner Woh­nung im Kir­chen­weg...]
« Reply #22 on: April 12, 2011, 11:46:06 AM »

Quote
[...] Am Sams­tag­vor­mit­tag zeigte ein 51‐​Geschädigter aus dem Stadt­teil Gaarden‐​Ost eine Raub­tat an, die im Laufe der Nacht von Frei­tag auf Sams­tag in sei­ner Woh­nung im Kir­chen­weg pas­siert sein soll. Dort habe er mit eini­gen Bekann­ten Alko­hol zu sich genom­men als es zu einem Streit kam. Plötz­lich bedroh­ten ihn drei Per­so­nen aus dem Stadt­teil Gaarden‐​Ost mit einem Mes­ser und einer Gas­pis­tole und ver­lang­ten Bar­geld sowie Wert­ge­gen­stände. Unter dem Ein­druck der Bedro­hung gab der Geschä­digte 100 Euro Bar­geld her­aus und die Täter ent­wen­de­ten noch ein Handy. Umfang­rei­che Ermitt­lun­gen und poli­zei­li­chen Maß­nah­men des Kri­mi­nal­dau­er­diens­tes und des 4. Poli­zei­re­viers führ­ten zur Fest­nahme der drei Beschul­dig­ten im Alter von 15 bis 19 Jahren.

...


Aus: "16 Festnahmen nach 5 verschiedenen Raubtaten im Stadtgebiet" Ruediger Kohls (Montag, 04. April 2011)
Quelle: http://foerdefluesterer.de/Artikel/News/16-Festnahmen-nach-5-verschiedenen-Raubtaten-im-Stadtgebiet.3330.html

-.-

Quote
[...·] Dass der Kieler Szeneclub STAR PALAST nicht in Vergessenheit gerät, dafür sorgt Klaus Bunsen alljährlich mit seinen STAR PALAST REVIVAL Parties. Betritt man die Halle400 zu einem der Revivals, kommt es einem vor, als sei es erst gestern gewesen, dass Jimi Hendrix, The Cream oder Bill Haley live in Kiel auf der Bühne gestanden hätten.

...


http://www.starpalast-kiel.de/

-.-

Quote
[...] Kiel - Die meisten der neun Moscheen im Kieler Stadtgebiet sind aufgrund der Schlichtheit ihrer Fassaden kaum wahrnehmbar. Das soll sich jetzt teilweise ändern. Gleich zwei Vereine haben bei der Stadt den Bau von Minaretten beantragt.

Der Verein Diyanet übernahm vor fünf Jahren das ehemals von Elektronik Thales genutzte Firmengelände in der Elisabethstraße 6 dicht an den Werkstoren von HDW. „An ein Minarett dachten wir schon damals, aber es fehlte am Geld“, sagt Bekir Yalim vom Vorstand des Moscheevereins. Jetzt sei die finanzielle Lage besser, und außerdem werde man von Besuchern immer wieder darauf angesprochen, dass die Moschee gar zu unauffällig sei.

Ein 24 Meter hohes Minarett, das zur Werftstraße hin ausgerichtet ist und über einen Durchmesser von 1,50 Meter verfügt, soll künftig zum Wahrzeichen des Gebäudes werden, sagt Vereinsvorsitzender Mustafa Bayraktar. Dezent will man sich in Sachen Gebetsruf verhalten. Nach der reinen Lehre müsste der Muezzin seinen Frömmigkeitsappell fünfmal am Tag erschallen lassen, die Gaardener wollen sich aber mit täglich einem Ruf zur Mittagszeit begnügen. Und auch das nur in einer Lautstärke, die im Prinzip lediglich auf dem Hof der Moschee zu vernehmen ist, kündigt Bayraktar an.

Ähnlich stellt sich der Fall im ehemaligen „Starpalast“ dar. Dort hat die Türkische Gemeinschaft eine Moschee eingerichtet, die äußerlich ebenfalls in aller Schlichtheit daherkommt. Auch dieses Haus soll künftig ein Minarett erhalten, um besser wahrnehmbar zu sein.


Aus: "Moscheen in Gaarden sollen Minarette bekommen" Martin Geist (kn, 08.04.2011)
Quelle: http://www.kn-online.de/lokales/kiel/226585-Moscheen-in-Gaarden-sollen-Minarette-bekommen.html



-.-

Quote
[...] Die Kieler Roma nutzen zur Zeit die Angebote wie das "Medibüro", die eigentlich eingerichtet wurde, um papierlosen Migranten Ärzte zu vermitteln. Eine Roma-Frau brachte Zwillings-Frühchen zur Welt. Auf den Kosten für die Geburt blieb das Städtische Krankenhaus zunächst sitzen. Sozialamtsleiter Bornhalm muss einen Weg finden, die Kosten auszugleichen, irgendwie. Über soziale Netzwerke sollen Roma Kleider- und Essensspenden nutzen dürfen. Doch die Stadt müsse abwägen - sie dürfe, laut Stadtrat Adolf-Martin Möller, "keinen Anreiz für die weitere Zuwanderung von Menschen in ähnlicher Lebenssituation bieten." Auch Bornhalm spricht vom "Fluch der guten Tat".

"Wer sich hier niederlässt, muss meist unter menschenfeindlichen Bedingungen arbeiten", sagt der Kieler SPD-Landtagsabgeordnete Bernd Heinemann. Ein Großteil der Roma leben in seinem Wahlkreis, im Kieler Stadtteil Gaarden. Hier hat sich, laut der Kieler Kriminalpolizei, mittlerweile auch Gaststättenprostitution etabliert - in Hinterräumen und Toiletten arbeiteten meist Bulgarinnen.

Heinemann hat das Problem der zugezogenen Roma an den Europaausschuss des Kieler Landtags weitergeleitet. Denn lösen kann es auf regionaler Ebene niemand.

...


Aus: "Roma in deutschen Städten - "An den Grenzen des Sozialstaats""
Von Kristiana Ludwig für tagesschau.de (08.04.2011)
Quelle: http://www.tagesschau.de/inland/roma186.html

-.-

Quote
[...] Um 21 Uhr sprachen sie den 20-Jährigen in der Medusastraße an und fragten nach einer Zigarette. Sie bedrängten ihr Opfer und hielten ihm ein Messer vor. Anschließend drängten sie ihn in einen Hausflur in der Medusastraße 25, schlugen ihm mehrmals ins Gesicht und sprühten ihm dort Pfefferspray in die Augen.

Nachdem der Mann wehrlos war, durchsuchten ihn die Täter und  fanden einen 50 Euroschein. Anschließend flüchteten sie auf die Straße und entfernten sich in unbekannte Richtung. Der 20-Jährige erlitt durch die Schläge Prellungen im Gesicht.

Der eine Unbekannte ist etwa 25 Jahre alt, 185 cm groß, von kräftiger Statur und und hat kurze braune Haare. Der Zweite ist bedeutend jünger, etwa 18 Jahre alt, schmächtiger und kleiner, etwa 168 cm. Er hatte schwarze kurze Haare und sprach Deutsch mit Akzent.

Bereits am Freitagabend haben Unbekannte einen Pizzaboten in Gaarden-Ost mit einer Schusswaffe bedroht. Anschließend entrissen sie dem 22-Jährigen das Portemonnaie.

Um 22 Uhr wollte der Pizzabote eine Bestellung in der Blitzstraße ausliefern. Als er die Ware aus dem Kofferraum nahm, bedrohten ihn zwei maskierte Personen mit einer Schusswaffe und drängten ihn in einen Durchgangsweg, der zu den Schrebergärten führt. Dort kamen ihm drei bis vier weitere maskierte Täter entgegen und umringten ihn.


Einer der Unbekannten entriss dem Mitarbeiter des Pizzadienstes das Portemonnaie mit 50 Euro Bargeld. Die dunkel gekleideten Täter flüchteten in eine unbekannte Richtung.

...


Aus: "Schwere Raubüberfälle in Gaarden" (28.03.2011)
Quelle: http://www.kn-online.de/lokales/kiel/224755-Schwerer-Raubueberfall-auf-Pizzaboten.html

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lemonhorse

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[Weltverschlitterung am Karlstal... ]
« Reply #23 on: August 30, 2011, 02:55:35 PM »

Category: Kiel.Gaarden, Realitaets.Tunnel, Wortbrocken.Cafe
Tag: Glück im Elend

Synonyme für: schlittern - gleiten, rutschen, abgleiten, glitschen, schleifen, schusseln, schliddern, ausrutschen, rutschen, hinfallen, schliddern, gleiten, schleifen, schusseln, hinabrutschen, absacken, niedergehen, hinabgleiten, abwärts gehen, absteigen, sich entfernen, abgleiten, hinunterrutschen, schweifen, abweichen, versacken, gleiten, ausgleiten, den Halt verlieren, ausrutschen, fallen, glitschen, schwebend fliegen


Ich habe das Fenster auf Kipp. Irgendetwas wie eine alte Hupe ertönt draußen: “Andreas ich liebe dich!” ruft eine Frauenstimme die Hausmauern empor. “Ach komm’!” ertönt es aus einem Fenster. Die Hupe wird noch drei mal betätigt, die Frau lacht heiser und fährt davon.

Vorgestern sprühte ein junger Mann (an genau der Stelle wo sich eben die Frau davon gemacht hat) einem anderen jungen Mann Reizgas ins Auge. Der reibt sich weinerlich das Gesicht und sagt: “Was soll denn der Scheiß, ich habe damit doch gar nichts zu tun!…” Sie trotten wie alte Freunde weiter die Straße entlang, bis der eine dem anderen etwas leise zu zischelt und dann wieder versucht den anderen ins Gesicht zu sprühen, bei dem Versuch sich aber auch selbst etwas davon ins Gesicht sprüht. Ich stehe mit eingefrorenem Fragezeichen im Gesicht auf der anderen Straßenseite. Sehe den beiden noch ein mal nach, um dann wider an die Croissants zu denken, die ich besorgen wollte.

Am Vinetaplatz Ecke Karlstal ist die Alk – und Junky Schaubühne nicht nur eröffnet und in Hochform, sondern auch gut besucht. Um die 50 Menschen tummeln sich auf – und zwischen den Sommersonnenpflecken, die sich auf dem Bürgersteig ausbreiten. Ich komme zu spät und platze mitten in den zweiten Akt. Mitten im Geschehen einer mir noch unbekannten Tragikomödie: dürre Frau(1) schreit 5m weit zu einer opulenten Frau(2): “Ich bring dich um, du bist tot!” – an der Ecke Elisabethstraße steht eine Frau(3) mit Kinderwagen und sagt zu ihrer Freundin mit den blond gefärbten Locken: “Das ist doch alles nur Show.” – 5m zur linken sitzt auf der Bushaltestellen Bank ein Mann und gestikuliert wild mit seinen Armen. Der Krankenwagen kommt. Hunde bellen. “Sei endlich ruhig!” werden sie prompt angeherrscht.

Gibt es eine göttliche Ordnung des weltlichen Taumels? Gibt es die Geschichte vom Glück im Elend? – Sollte es sie geben, so muss am Karlstal etwas vom Kometenstaub dieser Geschichte der Weltverschlitterung in den klebrigen Dreck neben dem Gulli gefallen sein.

« Last Edit: July 01, 2015, 12:39:15 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Gegen 23:45 Uhr im Ostring... (Notizen, Fraktales Logbuch)]
« Reply #24 on: August 31, 2011, 11:40:07 AM »

Quote
[...] Kiel (ots) - Betrunken, ohne gültige Fahrerlaubnis und mit gestohlenen Kennzeichen am nicht zugelassenen Fahrzeug trafen Beamte des Polizeibezirksreviers in der Nacht von Donnerstag auf Freitag einen 22-Jährigen in Gaarden an. Zu allem Überfluss versuchte sich der Mann der Kontrolle durch Flucht zu Fuß zu entziehen, konnte aber kurze Zeit später festgenommen werden. Insgesamt kommen nun acht Anzeigen auf den Mann zu.

Den speziell auf Drogen- und Alkoholdelikte im Straßenverkehr ausgebildeten Polizisten fiel der Opel Astra während einer zivilen Streifenfahrt gegen 23:45 Uhr im Ostring auf. Der Versuch, den Wagen zwecks einer Kontrolle zu stoppen, schlug zunächst fehl, da der Fahrer die Anhaltezeichen missachtete und flüchtete. Im Rahmen der Fahndung konnte das Fahrzeug kurze Zeit später im Kirchenweg festgestellt werden, Fahrer und Beifahrer sprangen aus dem Wagen und flüchteten zu Fuß. Während die Flucht des Beifahrers bereits wenige Meter später beendet war, konnte der Fahrer kurze Zeit später an seiner Wohnanschrift in der Julius-Brecht-Straße festgenommen werden. Hier gab der Mann zunächst an, dass er nicht gefahren sei. Sein Auto sei ihm vielmehr kurz zuvor gestohlen worden. Die Beamten konnten ihn als Fahrer aber zweifelsfrei identifizieren.

Im weiteren Verlauf stellte sich heraus, dass der Mann nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis ist, die Kennzeichen des Wagens gestohlen waren und der Wagen nicht zugelassen war. Darüber hinaus erbrachte ein freiwilliger Atemalkoholtest einen Wert von knapp 1,5 Promille, ein durchgeführter Drogenschnelltest ergab ebenfalls einen positiven Wert. Entsprechende Blutproben wurden entnommen.

Die Beamten fertigten anschließend acht Anzeigen wegen Trunkenheit im Verkehr, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl, Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz, Verstoß gegen das Kraftfahrzeugsteuergesetz, Kennzeichenmissbrauch, des Vortäuschens einer Straftat sowie wegen des Widersetzens gegen Zeichen und Weisungen von Polizeibeamten.

...


Aus: "POL-KI: 110808.3 Kiel: Acht Anzeigen auf einen Streich" Von Matthias Arends (08.08.2011)
Quelle: http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/14626/2091861/pol-ki-110808-3-kiel-acht-anzeigen-auf-einen-streich

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[Die Elisabethstraße... ]
« Reply #25 on: March 24, 2014, 04:58:47 PM »

Quote
[...] Bei einem Feuerwehreinsatz in Kiel-Gaarden haben Polizisten eine Hanfplantage entdeckt. Die Einsatzkräfte waren weger starker Rauchentwicklung zu einer Wohnung in die Elisabethstraße gerufen worden. Auf dem Herd war Essen angebrannt.

Wie die Polizei am Montag mitteilte, umfasste die Hanfplantage 26 Pflanzenkübel. Auch entsprechende technische Ausstattung fanden die Polizisten in der Wohnung des 43-Jährigen vor. Die Pflanzen und die Ausrüstung wurden sichergestellt. Der Mann, der polizeilich bislang noch nicht aufgefallen war, muss nun mit einem Strafverfahren rechnen.


Aus: "Essen angebrannt, Hanfplantage entdeckt" (24.03.2014)
Quelle: http://www.kn-online.de/Lokales/Polizei/Bei-Feuerwehreinsatz-in-Kiel-Gaarden-endtecken-Polizisten-Hanfplantage
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[Bericht aus dem Hinterhof (06.06.2015)… ]
« Reply #26 on: July 01, 2015, 12:23:56 PM »

lemonhorse / 15 June 2015 / Gedanken.Memo, Kiel.Gaarden, Kiel.Refugium, Realitaets.Tunnel, Wortbrocken.Cafe

Kiel. Im Niemannsweg rauschen die Bäume ehrwürdig ruhig im Wind, die Borderline-Patienten sind ja auf offener Straße nicht zu sehen. Jeder Stadtteil hat seine Selbstverständlichkeit. Düsternbrook hält sich daran. Das Fahrrad klappert. Die abschüssige Kurve noch, dann zieht es mich wieder auf das Ostufer.
Auch auf dieser Seite der Kieler Förde ergeht man sich im Erfüllen von vorhersehbarem: von der Eckkneipe gegenüber brüllt ein Mann (wie alt mag er sein?) um die fünfzig mit versoffenem Ton einer Frau hinterher. Er bewirft alsdann die Dame mit einer vollen Flasche Bier, die Dame (schlau genug) ist aber schon um die Häuserecke verschwunden und entwichen. Der Flaschenwurf war um zwei Sekunden alkoholverzögert und auch nich zielgenau. Die noch mit dem silbernen Kronkorken verzierte braune Flasche prallt in leicht gebogener Bahn auf die Kühlerhaube von einen VW-Polo. Akustisch ein kurzes Znack-(Pause)-Zrotz-Klock-Klock-Geräusch. Eine kleine Delle im Lack. Eigentlich ist gar nichts passiert. Schon ist wieder Ruhe in der Medusastraße.
Das alte Rad klappert nun gesteigert beim überfahren des Kantsteins – und trägt mich weiter zu einer kleinen Pizzeria. Runter vom Rad. Bin in der Gutenbergstraße – gar nicht weit weg vom Schrevenpark.
Direkt neben mir geht ein hölzernes Garagentor auf. Ich sitze bereits auf einem Gartenstuhl in einem Hinterhof. Vom Holz und der Machart her betrachtet, könnte das knarrende Tor vielleicht in den 30iger Jahren zusammengebaut worden sein. Ein kleiner aber beleibter Bestattungsunternehmer mit stark augenvergrößernder Brille und schwarzer Anzugshose betritt das hinterhöfische Als-ob-Theater. Ein paar tapsige Schritte von kleinen breiten Füßen. Der Gang hat etwas marionettenhaftes. Doch die Füße, in Kunstleder und Gummisohle gebettet, haben keine Fäden und Ösen. Mit einer etwas zu engen und zugeknöpften Weste schiebt der Herr Bestatter den schwarz-rot-gold verzierten Kaffeebecher vor sich langsam über die mit etwas Unkraut umzingelten Kopfsteinpflaster. Er nimmt einen kleinen Schluck aus seinem nur noch mäßig dampfenden Deutschland-Becher. Der Herr in Schwarz sagt recht laut “ja, ja, ja…”. Ich frage mich dabei, ob er seine Worte an sich selbst, an niemanden, oder an mich adressiert hat. Möglicherweise weiß er es selber nicht genau. Wir sehen uns an. Er wagt sich noch zwei weitere Schritte zum Als-ob-Bühnenzentrum vor. Hinter ihm das geöffnete Garagentor. Dahinter nur noch dunkler Schatten. Noch ein mal entkommt seinem Mund ein “Ja, ja, ja.”
Die Sonne brennt auf den weißen Campingtisch. Ich fühle die Hitze auf dem Gesicht. Der Sommer 2015 hat begonnen. Es ist so hell, dass ich die Augen ein wenig zukneifen muss. Selbstvergessen und etwas verlegen nicke ich dem Mann samt seinem patriotischen Becher zu, schweige und esse das nächste Stück Pizza mit der Hand. Ich schließe die Augen ganz. Noch vor ein paar Minuten fuhr ich an einem Kiosk vorbei. Ein in der Sonne glänzender BMW liegt auf der linken Seitentür vor einem Zebrastreifen. Ein Polizist spricht in sein Funkgerät: “…ja zwei junge Männer, sie sind weggelaufen, ich brauche noch einen Wagen hier…” – das Blaulicht des Notarztwagens geht fast unter, denn der Himmel ist ja schon so voller Blaulicht.
Schon will mir jemand freundlich auf dem Gehweg eine alte Kleinbildkamera verkaufen, die aussieht als wäre sie samt Schutzhülle und Bedienungsanleitung aus dem Nord-Ostseekanal gefischt worden. Die Kamera sieht mich halb erblindet an und ich höre das kurze Stöhnen einer verlotterten Weltseele.

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[Fernab von... ]
« Reply #27 on: October 12, 2015, 05:54:26 PM »

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[...]  Hohe Arbeitslosigkeit, wenig Perspektive, Junkies und ein kriminelles Milieu – die Negativbilder über den Stadtteil Gaarden halten sich hartnäckig. Und trotzdem leben viele Menschen hier ausgesprochen gerne. Warum? Ein Streifzug.

Kiel. „Ich wohne zwar in Gaarden, aber so schlimm ist das gar nicht – diesen Satz hört man oft“, sagt Anne Neugebauer, City- und Regionalmanagerin vom Büro Soziale Stadt Gaarden.

Zugegeben: Als wir am Morgen an der Haltestelle Karlstal aus dem Bus steigen, sehen wir Bierflaschen und ihre Besitzer. Es ist ein lautes Durcheinander. Trotzdem hat Gaarden auch eine andere Seite, die insbesondere jüngere Menschen anzieht. „Wenn man einige Studenten fragt, erinnert sie das kreative und ein bisschen chaotische Treiben an Stadtteile in Berlin“, sagt Neugebauer.

 Für die 20-jährige Uni-Studentin Jule Küchenmeister ist das nur ein Argument, um auf dem Ostufer zu wohnen. „Die Mieten sind in Gaarden wirklich bezahlbar. Gleichzeitig darf man hier einfach sein, wer man ist, und wohnt sehr zentral.“ Auch der Geschichts- und Philosophiestudent Tim Henning ist vom Viertel überzeugt. „Für mich ist Gaarden wesentlich entspannter als sein Ruf.“ Der 24-Jährige wohnt erst seit wenigen Wochen auf dem Ostufer. Er stöbert durch das Sortiment bei Thilo Pfennig im „Biogaarden“. Dessen Standort macht das funktionierende Nebeneinander deutlich. Zentral an der Medusastraße gelegen, findet er sich direkt gegenüber des Trinkraums Hempels – eine Anlaufstelle für belastete Erwachsene mit Alkohol- oder Drogenproblemen. Ein paar Türen weiter ist die Künstlergalerie des Vereins K34, und an der Ecke ein türkischer Imbiss.

 Thilo Pfennig weiß diese Vielfalt zu schätzen. „Für mich ist Gaarden einfach ein Zuhause. Immer, wenn ich durch die Straßen laufe, treffe ich nahezu alle 50 Meter jemanden, den ich persönlich kenne“, sagt der 43-Jährige. Den mitgliedergeführten Bioladen hat er gemeinsam mit einem Bekannten im Jahr 2013 eröffnet. Alle, die eine Alternative zum konventionellen Supermarkt suchen, sollen hier auf ihre Kosten kommen. Die Entscheidung fürs Ostufer sei ganz bewusst gefallen.

Neben dem Bioangebot trifft auch das vegane Kneipenkollektiv Subrosa an der Elisabethstraße den Nerv der heutigen Zeit.

Die beiden Altenpfleger Sarah Volmerg (23) und André Behrens (26) sind vor einem Jahr aus Eckernförde nach Gaarden gezogen. Beide sitzen vor einer Schnellbäckerei und genießen ihre Mittagspause. „In Gaarden kann man leben, wie man möchte“, sagt Sarah Volmerg. In der Tat: Kunst und Subkultur haben in Gaarden einen festen Platz. So gibt es in einem leerstehenden „Schlecker“-Laden direkt am Vinetaplatz regelmäßig Ausstellungen, und auch der Hochbunker an der Kreuzung Iltisstraße/Preetzer Straße soll in naher Zukunft für Veranstaltungen genutzt werden. Der Künstlerverein K34 ist bereits seit 1996 in Gaarden aktiv. Dazu kommen die Internetprojekte „Radio Gaarden“ und der „Blogbeirat“, der Audiomitschnitte vom Gaardener Ortsbeirat zur Verfügung stellt. Künstler betreiben an der Medusastraße eine Galerie. „Man merkt in Gaarden, dass viele Kreativ-Keimlinge hochkommen“, sagt Anne Neugebauer. „Durch Kooperationen mit der Muthesius-Kunsthochschule entstehen immer wieder neue Ideen.“

 Um die Attraktivität des Stadtteils zu steigern, investiert die Stadt auch in die Grünanlagen: Vier Millionen Euro flossen in den Sport- und Begegnungspark an der Stoschstraße. Nun bietet die barrierefreie Anlage Sportlern viel Raum zum Trainieren – und allen Übrigen einen Ort der Begegnung. „Mit diesem Park können wir der ganzen Stadt etwas bieten – Gaarden macht Kiel zu einer Großstadt“, ist Park-Koordinatorin Tina Kliemann überzeugt. Um Sport, Integration und ein aktives Miteinander geht es auch Georges Papaspyratos, Integrationsbeauftragter beim Tus Gaarden. „Mir gefällt hier das multikulturelle Leben“, sagt der 71-Jährige, der seit 35 Jahren das Leben im Viertel aktiv mitgestaltet. „Als Ringtrainer versuche ich den Jungs immer die deutschen Werte zu vermitteln. Wir pflegen dabei den Kontakt zu Familien, zur Kirche und zu Moscheen und versuchen, ein positives Netzwerk zu schaffen.“

Das multikulturelle Miteinander zeigt sich auch in der Fußgängerzone: Vom türkischen Friseur über den arabischen Supermarkt bis zum fünfsprachigen Apotheker reicht das Angebot. Direkt am Vinetaplatz liegt der Obst- und Gemüseladen von Turan Ecevit, der seit 2001 hier lebt. „Für mich ist Gaarden ein Stück Zuhause. Das Einzige, was mich stört, ist die Unordnung auf den Straßen“, sagt der 35-Jährige. Das sieht auch Mehdi Katanchian so, der nur einige Meter weiter seine Apotheke betreibt. „Ich arbeite gerne hier, weil es viele nette und herzliche Menschen gibt“, sagt der 53-Jährige.

 Und doch: Noch gibt es viel zu tun, verdeutlichen die Zahlen der Stadt. 17,9 Prozent der 15- bis 65-Jährigen sind arbeitslos, und rund 40 Prozent der 20000 Einwohner erhalten ihr Geld vom Jobcenter. „Wir müssen weiter dran bleiben und dürfen nichts zurückfahren“, sagt Christoph Adloff, Referent für Lokale Ökonomie und Quartiersentwicklung der Stadt Kiel.

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Dnizl, 21.09.2015, 10:21 # 4

Zitat von brunswik: Die schlimmen Ecknen fallen auf und prägen im Kopf das ganze Bild.

..das, wie man an den beschriebenen vielfältigen Aktivitiäten eben sieht, nicht ganz, sondern durchaus unvollkommen ist. Gaarden ist lebendiger als die meisten anderen Stadtteile, im guten wie im schlechten. Nur das eine oder das andere zu sehen, ist eben nur ein Teilbild.


...


Aus: "I love Gaarden: Fernab von den Klischees" Kathrin Mansfeld (18.09.2015)
Quelle: http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Nachrichten-Kiel/Nachrichten-aus-Kiel/I-love-Gaarden-Fernab-von-den-Klischees

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[Kiel Gaarden... (Notizen, Fraktales Logbuch)]
« Reply #28 on: August 17, 2017, 05:15:13 PM »

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[...] Zu viele Beschwerden von Kunden, die von Menschen belästigt wurden, die Drogen konsumieren: Die Förde Sparkasse dampft die Öffnungszeiten der Selbstbedienungsfiliale am Vinetaplatz ein. Die Räumlichkeit in der Elisabethstraße 68b soll ab Montag nur noch wochentags von 10 bis 16 Uhr offen stehen.
Das teilte das Unternehmen mit. "Wir können es nicht verantworten, dass beispielsweise Familien mit kleinen Kindern in unserer Filiale belästigt werden", sagte Vertriebsdirektor Jörg Willms. Bisher konnten Kunden 24 Stunden täglich in der geräumigen Filiale an mehreren Automaten und Terminals ihre Bankgeschäfte tätigen. Jetzt überblickt den Betrieb ein Sicherheitsbediensteter der Firma Stolzenburg. Die Sparkasse habe das Kundenverhalten analysiert, zwischen zehn und 16 Uhr werde die Filiale am stärksten frequentiert. So kamen die neuen Öffnungszeiten zustande. Die Verkürzung sei mit den kommunalen, sozialen Einrichtungen der Stadt Kiel wie dem Ortsbeirat und dem Büro Soziale Stadt abgestimmt. Auch das örtliche Polizeirevier sei informiert.
Gegen die Einschränkung der Öffnungszeiten hatte auch Bruno Levtzow, Vorsitzender des Gaardener Ortsbeirates, nichts einzuwenden: „Wir sind informiert – und haben im Grunde nichts dagegen“, sagte der SPD-Politiker. Seine Beschreibung ist allerdings etwas drastischer: Die Entscheidung der Förde Sparkasse sei verständlich, „wenn da auch tagsüber gedealt wird“. Das Problem bestehe aber nicht nur in Gaarden, sondern „überall, wo so ein Raum ist“.


Aus: "Förde Sparkasse reduziert SB-Zeiten" Niklas Wieczorek (22.07.2017)
Quelle: http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Vinetaplatz-in-Kiel-Gaarden-Foerde-Sparkasse-reduziert-SB-Zeiten
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