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Author Topic: [Fanatismus + Verblendungszusammenhang... ]  (Read 3623 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Fanatismus + Verblendungszusammenhang... ]
« on: March 06, 2007, 04:05:01 PM »

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[...] Als Fanatismus (von fr: fanatique oder lat. fanaticus; göttlich inspiriert) bezeichnet man

    * im engeren Sinn das Besessensein von einer Idee, Vorstellung oder Überzeugung („ein fanatischer Anhänger der xy-Ideologie oder -Gruppierung“),

    * im weiteren Sinn eine besonders hohe emotionale Wertschätzung bestimmter Tätigkeiten, Interessengebiete (fanatischer „Motorrad-Freak“ oder „Fußball-Fan“) oder Objekte wie z.B. Sammelobjekte.

Fanatismus im engeren Sinn ist durch das unbedingte Fürwahrhalten der betreffenden Vorstellung und meistens durch Intoleranz gegenüber jeder abweichenden Meinung gekennzeichnet. Der Fanatiker will häufig andere von seinen Ansichten überzeugen („missionarischer Eifer“), lässt jedoch seinerseits keinerlei Zweifel an der Richtigkeit und dem besonderen Wert seiner Überzeugungen zu. Vielmehr verteidigt er sie vehement gegen jede Infragestellung und ist dabei einer vernünftigen, rationalen Argumentation nicht zugänglich. Die betreffende Vorstellung ist seinem kritischen Denken bzw. Reflexionsvermögen entzogen. Damit verbundene negative Konsequenzen für sich selbst oder andere werden als solche nicht erkannt bzw. anerkannt.

Erscheinungsformen von Überzeugungen, die häufig in fanatischer Weise vertreten werden, sind u.a. extremistische Ideologien (Extremismus), Rassismus, Fundamentalismus und religiöser Fanatismus.

Vom Begriff „Fanatiker“ leitet sich der Begriff „Fan“ ab, der aber wesentlich weniger abwertend und oft auch im Sinne von „Enthusiast“ verwandt wird. Fan-Kultur und Fanatismus treten in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen auf, wie zum Beispiel im Sport (vor allem im Fußball, s. Hooligans), in der Pop-Kultur, der Politik oder der Religion. Oft werden sie dort zu einer massenhaften Erscheinung.

[...] Aus psychologischer Perspektive gehört Fanatismus zu den Phänomenen, bei denen - auf der Basis bestimmter Konstellationen von Persönlichkeitseigenschaften - Teilaspekte des Lebens idealisiert, d.h. emotional übermäßig hoch bewertet werden (s. z.B. auch Idol, Fetischismus oder Verhaltenssucht), was meistens zu Lasten einer ausgewogenen, realistischen Selbstregulation geht.

[...] Fanatismus steht oft mit weiteren Persönlichkeitseigenschaften in Zusammenhang (s. z.B. autoritärer Charakter). Die Intoleranz im Zusammenhang mit dem Objekt des Fanatismus führt u.a. häufig auch zu Humorlosigkeit und fehlender Selbstironie.


Bruchstücke aus: "Fanatismus" (03/2007)
http://de.wikipedia.org/wiki/Fanatismus

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[...] Der Fanatismus ist älter als der Islam oder das Christentum, älter als irgendein Staat, eine Regierung, ein politisches System, eine Ideologie, ein Glaube. Der Fanatismus ist ein unglückseligerweise ständig vorhandener Teil der menschlichen Natur. Jene Menschen, die in Amerika Abtreibungskliniken in die Luft sprengen oder in Deutschland Moscheen und Synagogen anstecken, unterscheiden sich von Bin-Laden nur dem Ausmaß, nicht dem Wesen ihrer Verbrechen nach.

[...] Konformität und Uniformität (der Wunsch, dazuzugehören, und der Drang, dafür zu sorgen, daß auch alle anderen dazugehören) könnten sehr wohl die am weitesten verbreiteten, wenn auch nicht gefährlichsten Formen des Fanatismus sein. Erinnern Sie sich an Monty Pythons Das Leben des Brian? Brian sagt zur Menge der herandrängenden Jünger: "Ihr seid alle Individuen!" Sie schreien zurück: "Wir sind alle Individuen!" Brian sagt beschwörend: "Ihr seid alle verschieden!" Die Menge brüllt einstimmig: "Wir sind alle verschieden!" Bis auf einen, der verlegen sagt: "Ich nicht" - aber alle zischen ihn wütend an, damit er still ist. Nachdem ich nun darauf hingewiesen habe, daß Konformität und Uniformität schwache, aber verbreitete Formen des Fanatismus sind, muß ich hinzufügen, daß oft der Persönlichkeitskult, die Idealisierung politischer und religiöser Führer, die Verehrung glamouröser Individuen eine andere verbreitete Form des Fanatismus sein kann. Das zwanzigste Jahrhundert scheint sich in beiden Formen hervorgetan zu haben: einerseits in totalitären Regimes, tödlichen Ideologien, aggressivem Chauvinismus, gewalttätigen Formen des religiösen Fundamentalismus - und andererseits der planetaren Verehrung von Madonna und Maradonna, die den schlimmsten Aspekt der Globalisierung zeigt: die Infantilisierung der Menschheit, den globalen Kindergarten, voller Spielzeug und kleiner technischer Spielereien.

[...] Ich glaube, das Wesen des Fanatismus liegt in dem Bedürfnis, andere Menschen dazu zu zwingen, sich zu ändern - in der sehr weit verbreiteten Neigung, den Nachbarn zu bessern oder den Ehegatten von seinen Eigenarten zu kurieren, das Kind auf ein höheres Niveau zu bringen und den Bruder gründlich über sich aufzuklären, anstatt ihn einfach zu lassen, wie er ist. Der Fanatiker ist kein Egoist - niemand denkt so altruistisch wie der Fanatiker. Oft ist der Fanatiker in stärkerem Maße an Ihnen interessiert als an sich selbst. Er will Ihre Seele retten, er will Sie entsühnen, er will Sie von der Sünde befreien, von Ihren Irrtümern, vom Nikotin, von Ihrem Glauben oder Unglauben, er will Ihre Ernährungsgewohnheiten verbessern oder Sie heilen von dem Schlimmen, das Sie trinken oder wählen. Dem Fanatiker ist viel an Ihnen gelegen - er fällt dir ständig um den Hals, weil er Sie wahrhaft liebt, oder er will Ihnen jenen Hals umdrehen, weil Sie sich als unbelehrbar herausgestellt haben. So oder so sind Sie dem Fanatiker wichtiger als er sich selbst ist - aus dem einfachen Grund, daß der Fanatiker nur ein sehr schwach ausgebildetes Selbst besitzt, oder gar keines.

[...] Vor vielen Jahren, als ich ein kleiner Junge war, hat meine Großmutter mir den Unterschied zwischen Juden und Christen mit einfachen Worten erklärt. "Siehst du", sagte sie, "die Christen glauben, daß der Messias schon einmal hier war und eines Tages wiederkommen wird. Die Juden glauben, daß der Messias noch kommen muß. Deswegen", sagte meine Großmutter, "hat es viel Zorn, Verfolgung und Blutvergießen gegeben. Warum?" fragte sie. "Warum können nicht alle einfach abwarten? Wenn der Messias schließlich kommt und sagt: Hallo, schön, euch wiederzusehen, dann müßten die Juden einräumen, daß sie sich geirrt haben. Wenn aber der Messias sagt: Hallo, schön, euch kennenzulernen - dann müßte sich die ganze Christenheit bei den Juden entschuldigen. Bis dahin: leben und leben lassen." Sagte meine Großmutter.


Bruchstücke aus: "Wie man Fanatiker kuriert"
Von Amos Oz (Ein Vortrag für die Evangelische Akademie Tutzing zum Jahresempfang am 16. Januar 2002; Übersetzt von Joachim Kalka)
http://www.ev-akademie-tutzing.de/doku/aktuell/upload/OZ.htm

Quelle #2: http://de.wikipedia.org/wiki/Amos_Oz

Quelle #3: http://de.wikipedia.org/wiki/Peace_Now


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[...] Das Konzept der Autoritären Persönlichkeit bezeichnet eine Menge von Persönlichkeitseigenschaften, die nach der Theorie der Autoritären Persönlichkeit ein Potential für antidemokratische und faschistische Einstellungen und Verhaltensweisen darstellen. Diese Eigenschaften bilden ein zusammenhängendes System (Persönlichkeitsstruktur oder Charakterstruktur). Wie alle Charakter- oder Persönlichkeitsstrukturen entwickelt es sich in der Regel durch spezifische psychische Verarbeitungsmuster wesentlicher emotionaler Erfahrungen während der Kindheit und Jugend (Pubertät und Adoleszenz - s. Persönlichkeitsentwicklung).

[...] Trotz einiger methodischer Unzulänglichkeiten hat die Theorie der Autoritären Persönlichkeit großen Einfluss auf nachfolgende Forschungsarbeiten gehabt. Kritisiert wurde, dass die Theorie der Berkeley-Gruppe nahe lege, "Autoritarismus" gäbe es nur im "rechten" politischen Spektrum. Studien von Eysenck, Rokeach und vielen anderen sind dieser Frage nachgegangen.

Neben dieser Problematik eines evtl. zu weit gefassten Geltungsbereiches der Theorie wurde weiter kritisiert, dass die Autoren Variablen, die den sozioökonomischen Status von Personen widerspiegeln (z.B. Bildungsgrad, Schichtzugehörigkeit), nicht mit einbezogen. Es wurde argumentiert, dass diese unter Umständen einfachere Erklärungen für die gefundenen Zusammenhänge bieten und die praktische Relevanz der Studie erhöhen würden.

Im Kontext der deutschen Studentenbewegung von 1968 sind die Parallelen der protestierenden APO zu eben jenen autoritären Strukturen, die sie zu bekämpfen vorgaben, von Theodor W. Adorno erkannt worden; er schrieb an seinen Freund Herbert Marcuse in einem Brief:

"Die Gefahr des Umschlags der Studentenbewegung in Faschismus nehme ich viel schwerer als Du... Du müßtest nur einmal in die manisch erstarrten Augen derjenigen sehen, die womöglich unter Berufung auf uns selbst, ihre Wut gegen uns kehren."


Aus: "Autoritäre Persönlichkeit" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4re_Pers%C3%B6nlichkeit


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[...] Erich Fromm beschrieb den autoritären Charakter als sadomasochistischen Charakter, der in der aktiven Variante überwiegend mit sadistischen Tendenzen (Freude an Beherrschung eines Schwächeren, Befriedigung durch Machtausübung) und in der passiven Variante überwiegend mit masochistischen Tendenzen (Freude an Unterwerfung unter einen Stärkeren, Befriedigung durch Gehorsam) in Erscheinung tritt. (Das hierbei zum Ausdruck kommende Verständnis von Sadismus/Masochismus ist nicht auf sexuelle Praktiken bezogen.) In gesellschaftliche Hierarchien fügt sich der autoritäre Charakter fraglos ein, weil er sich in der Identifikation mit Machtträgern nicht länger mit seiner Nichtigkeit und Ohnmacht konfrontiert sieht, sondern diese Gefühle kompensieren kann. Die autoritäre Gesellschaftsstruktur produziert Bedürfnisse nach Gehorsam, Unterwerfung und Machtausübung etc. und bindet das Individuum an Autoritäten und hierarchische Strukturen, die diese Bedürfnisse befriedigen.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der autoritäre Charakter als Sozialcharakter weit verbreitet; aber auch heute ist er - z.T. in modifizierter Form - häufig vorzufinden.

Literarische Beispiele sind Heinrich Manns Der Untertan, in dem dieser Charakterzug vor allem den Protagonisten Diederich Heßling kennzeichnet, sowie die Erzählung "Der Vater eines Mörders" von Alfred Andersch.


Aus: "Autoritärer Charakter" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter

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[...] Der Begriff Ideologie (griechisch ιδεολογία - die Ideenlehre) bezeichnet eine Weltanschauung, ein Ideal oder ein System von Wertvorstellungen.

Trotz unterschiedlicher Forschungsschwerpunkte in den Wissenschaften wie Philosophie, Politikwissenschaft (Politische Ideologie), Soziologie und Neue Politische Ökonomie wird der Begriff dort wertneutral und rein beschreibend verwendet.

Entsprechend der in der Aufklärung verwendeten Bedeutung als Vorurteile, mit denen die Vernunft behaftet ist, wird der Begriff alltagsspachlich meist pejorativ (abwertend) genutzt um eine nicht geteilte Weltanschauung als nicht "objektiv" zu kritisieren. Eine Ideologie ist demnach ein fixiertes Weltbild, das auf fixierten Grundannahmen beruht, welche ein Ideologe für axiomatisch hält bzw. darauf basierend einen Wahrheitsanspruch postuliert.

[...] Folgende Systeme von Ideen, Überzeugungen und Begriffen gelten als ideologisch, wenn sie zum Zwecke der Durchsetzung bzw. des Erhaltens und der Organisation von Macht in der Gesellschaft Teile der sozialen Realität verzerrt repräsentieren:

    * Im Absolutismus wurde das Gottesgnadentum zur Rechtfertigung von Monarchen verwendet
    * Der Antisemitismus, die Rassentheorien, der sozialdarwinistische sowie Nationalismus dienen zur Legitimation von Herrschaft (Herrenrasse), Krieg, Rassentrennung und vielfältigen Formen der Diskriminierung und Ausgrenzung
    * Der Faschismus und Nationalsozialismus entwickelten genozide Ideen, die zum Holocaust führten
    * Im Kapitalismus wird Profit als handlungsleitendes Prinzip absolut gesetzt - Ansichten und Werte des Menschen werden im Sinne eines Homo oeconomicus verstanden und sein Handeln daran ausgerichtet, teils sogar im gesellschaftlichen und ethischen Bereich
    * Im Klassischen Liberalismus sind die Freiheit des Individuums, Rechtsstaat, Privateigentum und der freie Markt grundlegend
    * Der Marxismus erstrebt den Kommunismus, in dem alle Klassengegensätze aufgehoben sind
    * Der Neoliberalismus hat wie der klassische Liberalismus Freiheit des Individuums, Rechtsstaat, Privateigentum als Ziel. Nach Auffassung des Neoliberalismus muss der Staat jedoch darüber hinaus den Wettbewerb sichern (durch Maßnahmen wie Monopolkontrolle, Internalisierung externer Effekte usw.).

Weitere Beispiele:
Anarchismus, Anarchokapitalismus, Demokratismus, Etatismus, Evangelikalismus, Faschismus, Feminismus, Imperialismus, Islamismus, Kemalismus, Kommunitarismus, Konservatismus, Maoismus, Minarchismus, Nationalismus, Neokonservatismus, Libertarismus, Objektivismus, Panarabismus, Panturkismus, Pazifismus, Rassismus, Sozialismus, Zionismus.

[...] Ideologien wirken orientierend, lenken die Wahrnehmung – zudem steuern sie Handlungsprogramme, z.B. in der Forschung oder Politik. Innere Widerspruchsfreiheit wird teils erst durch Ausblendung entgegenstehender Auffassungen, Sichtweisen und Erfahrungen erreicht. Sie beanspruchen zumeist einen Wahrheitsanspruch für ihre Grundannahmen, es werden also bestimmte Thesen, Dogmen oder Grundideen für axiomatisch gehalten. Die Abänderung dieser Grundannahmen wird meist abgelehnt.


Aus: "Ideologie" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ideologie

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[...] Unter Intoleranz (lateinisch) versteht man das Nicht-Dulden von Menschen, die (gemessen am allgemeinen Durchschnitt) anders sind, besonders bezüglich ihrer Nationalität, Religion, Sexualität, Sprache, Meinung, Erscheinung (Aussehen); als Gegenteil von Toleranz ist nicht eine mangelnde Akzeptanz gemeint, sondern das Einschreiten einer Partei gegen eine andere Partei, etwa Verfolgung einer Gruppe durch eine andere.


Aus: "Intoleranz" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Intoleranz

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[...] Allmächtig ist somit jenes Wesen, das alle erdenklichen Situationen meistert, den Gesetzen von Werden und Vergehen nicht unterworfen ist und phantastische Fähigkeiten besitzt - so z.B. allein mit den Mitteln des Willens zu bewirken, was dem Rest der Welt verwehrt bleibt. Erwähnenswert sind auch Allmachtsphantasien, in denen der Mensch als Reaktionsbildung der tiefen Kränkung begegnet, zumindest seine eigene Herkunft nicht beeinflussen zu können.


Aus: "Allmacht" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Allmacht

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[...] Narzissmus ist eine Charaktereigenschaft, die sich durch ein geringes Selbstwertgefühl bei gleichzeitig übertriebener Einschätzung der eigenen Wichtigkeit und dem großen Wunsch nach Bewunderung auszeichnet. Zu dem namensgebenden Mythos siehe unter Narziss.


Aus: "Narzissmus" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Narzissmus

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[...] Als Trauma (Plural: Traumata oder Traumen) oder Psychotrauma bezeichnet man in der Klinischen Psychologie eine von außen einwirkende Läsion der seelisch-psychischen Integrität.

Der Begriff bezeichnet also nicht - wie häufig unterstellt - das gefährliche, bedrohliche Ereignis, welches die psychischen Verarbeitungskapazitäten fast jedes Menschen übersteigt und intensive Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen auslöst. Sondern er beschreibt die von solchen Ereignissen schwer verletzte Seele (Psyche).

Beispiele sind: Flucht, Krieg, Folter, Unfälle, Katastrophen, Kindesmisshandlung, Vernachlässigung, sexueller Missbrauch, Mobbing, Verschüttungen bei Bergarbeitern, Miterleben der genannten, bisweilen mehrerer usw. Häufig wirken auch der Verlust oder Verlassenwerden vom geliebten Menschen, hierdurch manchmal als Folge die Unfähigkeit sich wieder einer neuen Liebe zu öffnen. Das gilt zumal auch für Retraumatisierungen nach Traumatisierung in der Kleinkindphase. Maßgeblich für die Folgewirkungen des Traumas ist nicht die äußere Intensität des erlebten Ereignisses, sondern die subjektive der eigenen, zwangsläufig verdrängten schweren Kränkung.


Aus: "Trauma (Psychologie)" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Trauma_%28Psychologie%29

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[...] Im soziologischen Sinn ist Gewalt, wenn nicht von Regierungsgewalt gesprochen wird, eine Quelle der Macht. Im engeren Sinn wird darunter häufig eine illegitime Ausübung von Zwang verstanden: Der Wille dessen, über den Gewalt ausgeübt wird, wird missachtet oder gebrochen (englisch force, lateinisch vis oder violentia). Hier geht es um psychische und körperliche Schädigung eines Anderen oder die Androhung einer solchen. Gewalt gilt hier als symbiotisches Korrelat zur Macht und wird als letzte Deckungsgarantie für machtbezogene Kommunikationen verstanden.


Aus: "Gewalt (Soziologie)" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gewalt#Soziologie

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[...] Formen der Aggression sind:

   1. offene, physische Form (gegenüber Lebewesen): Schlagen, Töten, körperliches Bedrohen
   2. offene, physische Form (gegenüber unbelebten Objekten): bewußte Verunreinigung, bewußte nachlässige Behandlung von Gegenständen, Sachbeschädigung (u.a. Vandalismus) und Zerstörung von Gegenständen,
   3. offene, verbale oder nonverbale Form: Beleidigen, Spotten, Gesten und mimische Ausdrucksweisen, Schreien, rohe und bewußt vulgäre Sprachstile und Umgangsformen
   4. verdeckte Form: Phantasien
   5. indirekte Form: Sachbeschädigung (von Gegenständen der Person(en), gegen die sich die Aggression richtet), üble Nachrede, Mobbing, Schikanen, Barrieren errichten
   6. emotionale Form: Stress, Ärger, Wut, Groll, Hass

Weiter definiert bezeichnet Aggression ein Arbeiten, ein Wetteifern oder ein selbstbewusstes Auftreten, als eine wesentliche Form des "In-Angriff-Nehmens". Diese Handlungsweisen haben im Vergleich mit der engeren Definition nichts mit einer Schädigung oder Verletzung zu tun.

    "Mit Aggression ist jedes Verhalten gemeint, das im wesentlichen das Gegenteil von Passivität und Zurückhaltung darstellt" (Bach & Goldberg 1974, S.14, zit. nach Nolting 2000, S.24).

    "Als Aggression gilt alles, was durch Aktivität, zunächst durch Muskelkraft, eine innere Spannung aufzulösen sucht" (Mitscherlich 1969 a, S.12, zit. nach Nolting 2000, S.24).

    "Wir definieren Aggression als jene dem Menschen innewohnende Disposition und Energie, die sich ursprünglich und später in den verschiedensten individuellen und kollektiven, sozial gelernten und sozial vermittelten Formen von Selbstbehauptung bis zur Grausamkeit ausdrückt" (Heinelt, 1982).


Aus: "Aggression" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Aggression

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[...] Der moderne Verblendungsbegriff bezieht sich auf Realitätsverleugnung. Sowohl Adorno als auch Martin Heidegger("Seinsvergessenheit") kommen unter Rückgriff auf den Verblendungsbegriff der griechischen Tragödie zu einer Zeitdiagnose. Bei Heidegger heißt es seinsgeschichtlich, es bestehe eine 'Verblendung gegen die äußerste Not des Seins in der Gestalt der herrschenden Notlosigkeit inmitten aller Bedrängnis des Seienden'. (Nietzsche Bd. 2, 1961, S.393). Adorno fragt ideologiekritisch nach dem Wahn und der Verblendung, die in jeder Gesellschaft das kollektive Bewusstsein konstituieren. Schon die "Dialektik der Aufklärung" hatte den Rückfall der historischen Aufklärungsprozesse in Mythologie thematisiert. Er fragt dann danach, inwieweit die Kunst in der Lage sei, den Verblendungszusammenhang zu 'durchschlagen'. Adorno versteht seine negative Dialektik als 'Abdruck des universalen Verblendungszusammenhang und dessen Kritik.

Weniger aporetisch als Adorno versucht Jürgen Habermas, den Verblendungszusammenhang als 'Zwangszusammenhang' eines noch nicht mit Willen und Bewusstsein vollzogenen historischen Prozess zu begreifen. Der Zwangszusammenhang könne mit Hilfe der emanzipatorischen Kraft der Kommunikation aufgelöst werden.


Aus: "Verblendungszusammenhang" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Verblendungszusammenhang

« Last Edit: July 10, 2008, 03:32:41 PM by Textaris(txt*bot) »
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Textaris(txt*bot)

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« Reply #1 on: March 23, 2015, 01:42:57 PM »

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[...] Kretschmann: Ich bete das Glaubensbekenntnis tapfer mit. Ich lasse da keine Sätze heimlich aus. Ich bin meiner Kirche und ihrer Lehre gegenüber loyal. Aber ich bin eben auch Biologe. Allein schon deswegen bin ich ein zweifelnder Glaubender. An die Jungfrauengeburt zum Beispiel kann ich nicht glauben. ...

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   Grinzold_und_Löwenzahn, 23.03.2015
Nicht jeder 68er war ein RAF-Mitglied oder auch nur - Sympathisant und nicht bei jeder Diskussion flogen direkt Steine.


Aus: "Winfried Kretschmann"Ich habe zu eng geglaubt""  Patrik Schwarz (23. März 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/2015/12/winfried-kretschmann-die-gruenen-glaube-christentum/seite-3

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[...]  Die Szene, gleich die erste, ist nur eine Simulation, aber sie entspricht der Realität: Das Zielradar einer Drohne erfasst ein Objekt im Gazastreifen, ein dunkles Fahrzeug. Siegessicher folgt es dem Todeskandidaten, lässt ihm gnädig noch etwas Bewegungsraum. Dann ein Zucken, die Rakete schlägt ein. Alle Insassen wären tot. "Gezielte Tötung" nennt der Schin Bet die Exekutionen aus der Luft ... Und die Moral, fragt Moreh. "Moral? Wenn es um Terror geht, gibt es keine Moral. Wo ist die Moral bei einem Terroristen?" ...

Aus: "Dokumentarfilm "Töte zuerst" - "Unsere Armee ist brutal""  Thomas Assheuer (05.03.2013)
Quelle: http://www.zeit.de/2013/10/Dokumentarfilm-Gatekeepers-Toete-zuerst-Israel-Geheimdienst

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[...] „Anders ist von frühester Kindheit an mit zwei weiblichen Erziehungspersonen und ohne Vater aufgewachsen“, berichtete Neraal, der darauf verwies, dass der spätere Terrorist bereits im Alter von vier Jahren erhebliche Spannungen mit seiner Mutter gehabt habe. ...


Aus: "Die Inkarnation des Bösen? - Terje Neraal analysiert Taten des norwegischen Terroristen Anders Behring Breivik" (07.06.2014)
Quelle: http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/die-inkarnation-des-boesen_14207704.htm

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[...] Theweleit: ... Der entscheidende Punkt ist, dass sie in ihrer Wahrnehmung nicht allein als Einzeltäter morden, sondern immer in Berufung auf eine übermächtige Figur. Welche Großmacht das ist, das ist austauschbar. Wenn sich der norwegische Killer Breivik auf die Tempelritter beruft, ist das strukturell der gleiche Bezug wie das "Allahu Akbar" der Dschihadisten. ... Psychoanalytisch gesprochen kann eine solche Zusammenschaltung mit einer als "allmächtig" gesetzten Überinstanz fehlende Vaterbegrenzungen ersetzen. ...  Ich habe das mal die erlaubte Übertretung ins Göttlich-Kriminelle genannt, was auf fast alle diese Killer zutrifft, die sich auf eine größere Macht berufen. Es ist nicht einfach ein Spleen von Breivik, dass er Tempelritter ist. Ohne das wäre er ein für sich selbst verantwortlicher Mensch, für den dann auch die bürgerlichen Gerichte zuständig wären. Da er aber in Auftrag der Tempelritter handelt, ist kein weltliches Gericht für ihn zuständig. ...


Aus: "Warum junge Männer zu Mördern werden" (17. Januar 2015)
Quelle: http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/warum-junge-maenner-zu-moerdern-werden--99057789.html

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[...] Gott und Glaube brechen mit Gewalt ein in meine Welt. Die Sektierer morden und brennen, sie stapeln die Häupter der Geschundenen zu Haufen. Sie schänden Mädchen oder übergeben sie zur Schändung an andere Mordbuben. Sie hämmern auf Standbilder, auf Tontafeln, auf steinerne Fabelwesen. Die große Säuberung der enthemmten Knechte. Herz verhärtet, Schädel leer, Blut an den Händen. Schwarz vermummtes Pack. Gott der Moslems, der Herr von uns Moslems ist der schöne Herrscher, es ist der schöne Gott meiner Huldigung.

Was zählt mein Bekenntnis in den Augen der Freunde und Bekannten? Sie sagen: Wir sind nicht dumm. Wir sehen diese Henker, wir hören ihr Triumphgeschrei. Und du erzählst uns was vom gnadenvollen Gott? Daran glaubt ihr? Was ist dann mit den Muselmanen los, die den Propheten rächen? Die Kopfabschneider, sind das Hindus? Willst du uns milde stimmen, wo doch deine Glaubensbrüder kleine heilige Kriege führen?... Sie haben recht. Ich kämpfe um mein Seelenheil.

Ist der mörderische Haufen aus dunklen Aposteln die erste von vielen Plagen? Ihr blutgedüngtes Diesseits kann nicht gottgewirkt sein. Ein Atheist, ein Gnostiker, ein Wellness-Esoteriker, sie können die Schergen als die benennen, die sie sind: Verbrecher. Das reicht mir nicht, ich bin Moslem, Aufruhr und Entsetzen, ich finde keine Ruhe. Ich erinnere mich an die beglaubigte Überlieferung: Der Prophet, Künder der Offenbarung, traf sich mit einigen wenigen Gläubigen im Freien. Sie saßen auf dem heißen Wüstensand. Eine Katze lief vorbei, rollte sich auf dem Überwurf des Propheten ein. Die Männer standen nach dem Gespräch auf. Der Prophet aber schnitt das Stück Stoff ab, auf dem die Katze lag, er wollte die Katze nicht wecken. Dies ist die Tat des Vorbilds. Für die Bluttäufer ist das nur eine kleine Anekdote.

Wie sind sie verkommen. Sehen sie denn nicht: Frauen, Fremde, Sklaven gehörten zum ersten Anhang des Künders. Sehen sie denn nicht: Jesus, der Gesalbte, an den jeder Moslem glaubt, dieser Joschua Menschensohn war ein Tagelöhner, er konnte nicht lesen und schreiben. Ein Mann ohne Macht. Mohammad, der Gesalbte, konnte nicht lesen und schreiben, er gehörte zu den Macht- und Besitzlosen. Alle Paläste zerfallen, mit Gold und Geld kann man den Herrn nicht bestechen, der Oberste wird zuunterst gekehrt, jede böse Tat wird vergolten. Sehen sie denn nicht: Gnade ist das Zahlungsmittel in allen Welten. Die Propheten, es sind Gottes Gesandte, sie wurden geschickt, um wider die Starrsinnigen, die Lobhudler der Herren, die Schinder der Armen und Beladenen zu streiten. Sie priesen den einen und einzigen Gott, der kein blutsaufender Götze ist.

Sehen die Bluttäufer nicht, dass sie Todsünden begehen. Die Pharisäer und Philister, die Islam-Sektierer, die Pfaffen: Sie leben Gottesfurcht ohne Menschenliebe. Wer die Hand erhebt gegen einen Wehrlosen, wer ihn knechtet, wer ihn foltert und verbrennt, ist des Teufels. Kann Gott wollen, dass man einen wehrlosen Mann mit Benzin übergießt und verbrennt? Was sind das für verschweinte Kerle, die beim Anblick des Gemarterten johlen?

Ich finde keine Ruhe, ich träume schlecht, das Herz klopft mir in der Kehle, ich kann nicht atmen, reiße das Fenster auf. Wie könnt ihr das tun, was ihr tut, und wie könnt ihr euch auf Gottes Ratschluss beziehen? Die Freunde sprechen von den Verbrechen der Christen. Das lindert nicht meine Schmerzen, das entschuldigt nicht die Barbarei der Horde. Allmächtiger, tilge sie vom Antlitz der Erde. Die Verdrehten und Verkehrten, sie nennen uns Moslems im Westen laue Lümmel, Kollaborateure, Feindes fünfte Kolonne. Der Westen gedeiht, die islamischen Länder liegen brach. Wer ist schuld? Die Moslems. Despotie, Korruption, Frauenhass, Aberglaube, Folter, Mord und Totschlag, Rückstand in allen Bereichen. Sehen sie denn nicht: Es zählt allein die Gnade. Ich werde verrückt. Kein Gott außer dem schönen Gott.


Aus: "Die große Säuberung der enthemmten Knechte" von Feridun Zaimoglu (23. März 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/freitext/2015/03/23/zaimoglu-islamismus/

« Last Edit: March 23, 2015, 02:44:31 PM by Textaris(txt*bot) »
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