Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 257981 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #885 on: March 12, 2019, 11:54:57 AM »
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[...] Am Sterbebett hielt er ihn an der Hand. Ihn, der vor lauter Schläuchen und Verbänden und Kanülen nicht mehr reden konnte. Also waren die Tränen ihre Sprache. Tränen der Trauer, Tränen der Reue, Tränen der Wut – und Tränen der Erleichterung. Denn in diesem intimen Moment auf der Intensivstation des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern erhielt ein Vater von seinem Sohn das Wertvollste, das ein Vater von seinem Sohn erhalten kann: einen Freispruch in allen Anklagepunkten.

Er sprach den Vater frei von der Schuld an der Armut, in der die Familie leben musste. Er sprach den Vater frei von der Schuld an den seelischen Wunden, die ihm die Gewalt zugefügt hatte. Und er sprach den Vater frei von der Schuld am Krebs, an dem acht Jahre zuvor die Mutter im Alter von 32 Jahren gestorben war. Ohne ein einziges Wort, nur mit einem Händedruck und ein paar Tränen, sagte der Sohn dem Vater: „Ich verstehe dich. Ich verzeihe dir. Ich hab dich lieb.“

Ich hab dich lieb. Das ist so ein Satz, der dem Vater niemals über die Lippen gekommen wäre. Niemals. Mir aber auch nicht. Zumindest nicht ihm gegenüber. Für meinen Vater war das ein Frauensatz. Also war es das auch für mich. Wenn ihn die Zuneigung zu seinen Söhnen übermannte, dann nannte er mich und meinen Bruder „Meine Gutsten“. Den sprachlichen Fehler und den daraus sich ergebenden Witz erkannten wir schon als Achtjährige, und ohne es bewusst zu begreifen, fühlten wir uns mit diesem ironisch gebrochenen Bekenntnis wohler, als wenn er uns „in Frauensprache“ bezärtelt hätte.

Édouard Louis, der in ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen ist wie ich, spricht in seinem Buch Wer hat meinen Vater umgebracht seinen noch lebenden alten Mann direkt an: „Ich habe oft das Gefühl, dass ich dich liebe.“ Das ist ein Satz, der auch mein Empfinden mehr als 15 Jahre nach dem Tod des Vaters ziemlich genau kennzeichnet. An anderer Stelle schreibt Louis: „Meine ganze Kindheit über hoffte ich, du würdest verschwinden.“ Das wiederum ist in meinem Fall genau umgekehrt. Bei mir müsste es heißen: „Meine ganze Kindheit über hoffte ich, du würdest bleiben.“

Mochte er mich auch einmal schwungvoll gegen die Wand geschleudert, mochte er auch manchmal unser letztes Geld in der letzten Spelunke versoffen, mochte er auch mehrmals meine Mutter blutig geprügelt haben, ich wollte immer, dass er bleibt. Aber anders. Anders als an jenem Samstagabend, da meine Mutter wieder mal seine Klamotten rausgestellt und die Tür verriegelt hatte.

Als er zurückkam, da ahnte sie, was geschehen würde. Mein Bruder war nicht da, meine beiden kleinen Schwestern befanden sich im Tiefschlaf. Also weckte meine Mutter mich und schnappte sich im stockfinsteren Wohnzimmer ihre Lieblingsdecke. Da schlug der Mann des Hauses schon minutenlang von außen auf die Tür ein.

Mitten in der Nacht wickelte meine Mutter sich und mich auf dem Sofa in der Decke ein, und dann drückte sie mich zitternd an sich. Sie drückte mich so fest an sich, dass ich kaum Luft bekam, aber das war mir egal, denn ich spürte die ganze Wärme, die ganze Furcht und die ganze Liebe meiner Mutter. Mittlerweile trampelte der Vater mit den Füßen gegen die Tür, und ich weiß noch heute, was mir in diesem Augenblick sinngemäß durch den Kindskopf ging: Wenn der uns so sieht, wird er mich als Mädchen beschimpfen, als Weichei und als Schwuchtel, und dann wird er wieder in seinen Hiebestaumel verfallen.

Irgendwann hatte er die Tür aufgebrochen. Er würdigte uns keines Blickes und torkelte ins Bett. Meine Schwestern schrien nach ihrer Mutter. Mein Vater blieb. Aber nicht anders. Monatelang schloss die Tür nicht, und jahrelang schloss meine Mutter nicht mit ihrem Mann ab. Sie tat es erst, als es für sie längst zu spät war. In der Gewissheit des nahenden eigenen Todes fand meine Mutter doch noch die Kraft, meinen Vater rauszuschmeißen. Endgültig.

In seinem Brief an den Vater schreibt Franz Kafka: „Es war, als hättest Du keine Ahnung von Deiner Macht.“ Eines Nachts, meine Mutter musste längst schwer krank gewesen sein, da beobachtete ich meinen Vater. Mittlerweile hatten mein Bruder und ich ein Etagenbett. Alle paar Monate tauschten wir die Plätze. Gerade lag ich oben. Von da konnte ich direkt ins Wohnzimmer blicken. Dort fuhrwerkte der Vater am Fernseher herum, er klopfte das staubige Sofa ab, er rülpste sein Gute-Laune-Rülpsen, und dann stand er plötzlich winkend im Türrahmen unseres Kinderzimmers. Damit war klar: Am nächsten Tag würden wir nicht zur Schule gehen. Wir würden ausschlafen. Eine traumschöne Aussicht vor einer traumschönen Nacht.

Bis zum Morgengrauen spielten wir zu dritt Nintendo. Super Mario. Konsole und Spiel hatte unser Vater noch am selben Tag klargemacht. Als Möbelpacker schleppte er für viele in der Pfalz stationierte US-Soldaten die Umzugskisten. Nicht immer, aber immer öfter fand er darin Dinge, die wir uns auch in hundert Jahren nicht hätten leisten können – und ließ sie „mitgehen“, wie er es formulierte. Das sei nicht recht, sagte er, aber es sei gerecht. Als moderner Robin Hood schenkte er uns eine unbeschwerte „Männernacht“ inmitten der lähmenden Angst um unsere Mutter. Ich glaube nicht, dass mein Vater wirklich um die Bedeutung jener Nacht wusste. Es war, als hätte er keine Ahnung von seiner Macht.

Für andere waren wir „die Unterschicht“, „die Asozialen“, „die Dummschüler“. Niemand in unserer Familie war je über den Hauptschulabschluss hinausgekommen. Außer meinem Großvater mütterlicherseits hatte keiner eine Berufsausbildung abgeschlossen. Während die Mitschüler mit ihren Eltern in den Urlaub flogen, einander vor dem Zubettgehen aus Büchern vorlasen und häufig in Restaurants tafelten, gingen wir zur Tafel, hingen den ganzen Sommer im Wohnblock ab, kannten die besten Kinderbücher nur als Filme, und wir aßen Pommes. Noch heute riecht Frittenfett für mich nach Heimat.

Unsere Wohnung war ein Skandal. Ein versiffter Teppich überdeckte den grauen Betonboden, die Fenster waren nur einfach verglast, es gab keine Heizung, an den Wänden gediehen Feuchtigkeitsflecken, die in jedem Raum jenen Schimmel sprießen ließen, der meiner Lunge schweres Asthma bescherte.

Es fiel mir viele Jahre lang schwer, jemand oder etwas anderes für diese Zustände verantwortlich zu machen als meinen Vater. Jeden Morgen stand er um Punkt sechs Uhr unten an der Straße, stieg in den Lkw ein und fuhr zur Arbeit. Er fuhr zur Arbeit, so wie die Väter meiner Schulfreunde auch jeden Morgen zur Arbeit fuhren. Warum konnten wir uns dann aber oft nicht genug Lebensmittel kaufen, weshalb durften wir so selten ins Kino gehen, und wieso waren wir nie, nie, nie verreist? Es ging mir einfach nicht in den Kopf.

Im Gegensatz zu meiner Mutter trug mein Vater das Stigma der Armut mit einem Trotz, den man beinahe mit Würde hätte verwechseln können. Unbewusst bewunderte ich ihn dafür zeit seines Lebens. Ich verehrte seine starken Hände und wollte später einmal mit einer „Männerarbeit“ meinen Lebensunterhalt verdienen. Ich mochte seine Hautkunst und trug Klebetattoos mit Piratenflaggen und Schmetterlingen auf meinen Oberärmchen.

Ich bestaunte seinen Bizeps und stolzierte wie er mit freiem Oberkörper durch die Gegend. Ich zündete Salzstangen an und zog mit unbeholfenem Schlafzimmerblick daran, als würde ich auf besonders männliche Art eine Zigarette rauchen. Ich trank Milch aus dem Schoppenglas und bezeichnete sie in gespielter Beschwipstheit als „Weißbier“. Ich sah die Filme von Jean-Claude Van Damme und spielte mit meinem Bruder die Kampfszenen nach.

Auf keinen Fall jedoch wollte ich mich prügeln, sosehr der Vater uns auch einschärfte, ein Mann müsse sich dann und wann mit anderen Männern kloppen, das gehöre zum Mannsein dazu. Den fehlenden Drang nach Raufereien begriff ich als Makel. Vor allem, seit ich ein Faible dafür entwickelt hatte, mich als Frau zu verkleiden. Ich erinnere mich, dass mein Vater mich von einer Faschingsparty in der Grundschule abholte. Eigentlich sollte meine Mutter kommen. Wahrscheinlich war wieder was mit dem verdammten Krebs.

Als ich meinen Vater auf dem Schulhof sah, mit meinem Kleidchen und meinem Hütchen und meinem Täschchen, da dachte ich, mein letztes Stündlein habe geschlagen. Hätte ich Heidenkind gewusst, wie man sich bekreuzigt, ich hätte es auf der Stelle getan. Stattdessen grinste mein Vater und fragte: „Verzeihen Sie, schöne junge Dame. Haben Sie zufällig meinen Sohnemann gesehen? Einen kleinen Blonden, der müsste hier irgendwo rumrennen.“ Ich trieb meine Stimme in die Höhe und fragte, ob er diesen kleinen Frechdachs meine, der mir eben unter den Rock gucken wollte. Dann lachten wir uns kaputt. Er nahm meine schweißnasse Hand und spazierte mit mir nach Hause.

An einem besonderen Tag im Mai 1997, meine Mutter war seit zwei Jahren tot, trafen wir uns nach einiger Zeit wieder – beim Amtsgericht, das über das Sorgerecht urteilen musste. Wir Kinder waren bei einer Tante untergekommen, von der wir nicht wieder wegwollten. Aber meinen Vater wollte ich trotzdem wiederhaben. Nur eben, noch immer, anders.

Da tauchte er auf, händchenhaltend mit seiner neuen Freundin. Eifersucht stieg in mir auf, auch Unverständnis, Missgunst, Zorn, Hass. Er nickte seinen Kindern zu, erkundigte sich nach dem Befinden, wie es in der Schule laufe, ob wir auch brav seien zur Tante. Die Richterin entschied binnen weniger Minuten zu ihren Gunsten, mein Vater ging komplett leer aus. Nach der Verhandlung verabschiedete er sich und verschwand. Ich blieb mit einem Stich im Herzen zurück, der noch heute schmerzt. Er hatte es vergessen. Er hatte mir nicht gratuliert. Er hatte es tatsächlich vergessen. Es war mein zwölfter Geburtstag.

Jahrelang wiederholten sich solche Szenen. Der Kontakt blieb brüchig. Einmal kündigte er an, bei einem meiner Fußballspiele vorbeizuschauen. Die Väter fast aller meiner Teamkameraden unterstützten ihren Nachwuchs jedes Wochenende von der Seitenlinie aus, und an diesem Wochenende sollte endlich auch mein Vater da sein, um mich anzufeuern.

Alle sollten sehen, dass auch ich einen alten Herrn habe, der Großes von mir erwartet, der mich schon im Trikot des FCK durchs Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg wirbeln sieht, der mich für den nächsten Andi Brehme hält. Es wurde das schlechteste Spiel meines Sportlerlebens. Ständig stierte ich nach draußen, immer auf der Suche nach dem Vater, der schon wieder nicht gekommen war. Das muss der Moment gewesen sein, in dem ich beschloss, ihn aus meinem Leben zu löschen.

Der Sohn am Sterbebett war nicht ich, sondern mein Bruder. Wenige Tage zuvor hatten wir erfahren, dass es mit dem Vater zu Ende gehen würde. Multiorganversagen. Mit 43 Jahren. Ich stand mitten in den Abiturprüfungen. Als Erster in der Familie. Diesen letzten Stolz auf seinen Sohn wollte ich ihm nicht gönnen. Heute weiß ich, dass mein Bruder richtig gehandelt hat. Wofür ich den Marxismus kennenlernen musste, das spürte er von ganz allein: Unser Vater war ein Mann seiner Klasse. Ein Mann, der kaum eine Wahl hatte, weil er wegen seiner Gewaltherkunft und wegen einer ihn nicht auffangenden Gesellschaft zu dem werden musste, der er nun einmal war.

Das entschuldigt nichts, aber es erklärt alles. Und es gilt ebenso für mich. Mein Fortbleiben vom Sterbebett gründete in der Weigerung zum Verzeihen und in der Unfähigkeit zu trauern. Beides steht für eine Männlichkeit, von der ich einzig darum loskommen konnte, weil ich zufällig nicht frühzeitig aus dem Bildungssystem eliminiert wurde, so wie es für Menschen wie mich, meinen Bruder und meinen Vater eigentlich vorgesehen ist. Heute, da ich ehrlich zu mir selber sein kann, gestehe ich ein, was schon damals galt und was bis heute gilt: Ich hab ihn lieb.


Aus: "Ein Mann seiner Klasse" Christian Baron (Ausgabe 10/2019 )
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/cbaron/ein-mann-seiner-klasse

http://www.christian-baron.com/


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« Reply #886 on: March 13, 2019, 10:31:11 AM »
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[...]  In den USA sollen Dutzende Reiche und TV-Stars Angestellte renommierter US-Hochschulen bestochen haben, um einen Studienplatz für ihre Kinder zu ergattern. Die Staatsanwaltschaft in Boston erhob Anklage gegen 50 Beschuldigte, darunter die Schauspielerinnen Felicity Huffman ("Desperate Housewives") und Lori Loughlin ("Full House"). Huffman wurde festgenommen.

Über einen Mittelsmann flossen demnach in den Jahren von 2011 bis zum Februar dieses Jahres 25 Millionen Dollar an Sporttrainer und Verwaltungsangestellte von renommierten Unis wie Stanford, der Wake Forest University, Georgetown und der University of Southern California.

 Die US-Behörden sprachen vom größten Betrugsskandal dieser Art, der jemals vom Justizministerium zur Anklage gebracht wurde. Unter anderem seien die Kinder reicher Eltern auf eine Liste guter Sportler gesetzt worden, obwohl sie das gar nicht waren. Das sollte garantieren, dass sie unabhängig von ihren Noten aufgenommen werden. "Für jeden Studenten, der durch Betrug aufgenommen wurde, ist ein ehrlicher und wirklich talentierter Student abgelehnt worden", sagte Staatsanwalt Andrew Lelling.

Aufgedeckt wurde der Bestechungsskandal durch einen ehemaligen Fußballtrainer an der Universität Yale, der sich selbst schuldig bekannte. Das Geld floss demnach über eine Firma aus Kalifornien, die Beratungen für die Aufnahme an US-Unis anbot. Die Ermittlungen dauern an, nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft sind noch mehr Eltern in den Skandal involviert. Die betroffenen Kinder selbst wurden nicht angeklagt. Viele von ihnen wussten laut den Ermittlern gar nichts von dem Betrug.


Aus: "Millionen für Studienplatz Stars sollen US-Elite-Unis bestochen haben" (12.03.2019)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/bestechung-us-unis-101.html


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« Reply #887 on: March 18, 2019, 09:53:59 PM »
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[...] Unser Bezirk ist Berlins Hochburg der Bildungselite. Das geht aus den neuen Einschulungsdaten 2017 der Senatsgesundheitsverwaltung hervor. Darin steht der „ESU-Sozialstatusindex“ – der wertet die Bildung der Erstklässler-Eltern und ihren beruflichen Status aus (nicht aber das genaue Einkommen). Nach dem ESU-Index kommen 57,7 Prozent der etwa 4000 Pankower Erstklässler aus der „oberen Statusgruppe“, 37,8 Prozent aus der „mittleren“ und nur 4,5 Prozent aus der „unteren“. Platz zwei belegt hier Steglitz-Zehlendorf (53,7 obere / 39,6 mittlere / 6,8 untere Statusgruppe). Der Berlin-Schnitt ist 37,4 obere, 46,0 mittlere und 16,5 untere Statusgruppe.

Dass Pankower Schüler zur großen Mehrheit aus solchen gut situierten Bildungsfamilien kommen, ist übrigens kein einmaliger Ausrutscher, sondern ein seit Jahren anhaltender Trend. 2014 kamen 52,4 Prozent der Pankower Erstklässler aus der oberen Statusgruppe, 2015 waren es 56,4 Prozent, 2016 sogar 67,9 Prozent – alles jeweils Berliner Spitzenwerte.


Aus: "Pankow hat die meisten Oberschichten-Erstklässler" Christian Hönicke (14.03.2019)
Quelle: https://leute.tagesspiegel.de/pankow/macher/2019/03/14/74770/pankow-hat-die-meisten-oberschichten-erstklaessler/

https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Pankow

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« Reply #888 on: March 21, 2019, 09:11:28 AM »
Quote
[...] Für ehemalige Bundeskanzler und Bundespräsidenten sollen bald neue finanzielle Regeln gelten. Das berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf einen Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages. Demnach sollen zusätzliche Einkünfte der Ex-Präsidenten auf den Ehrensold von 236.000 Euro im Jahr angerechnet werden – derzeit betrifft dies besonders Ex-Präsident Christian Wulff (CDU) mit seiner Hamburger Anwaltskanzlei. Zudem dürfe der Bundestag die Büros der ehemaligen Regierungschefs und Präsidenten aussuchen, um extrem hohe Mietkosten zu vermeiden. Festgelegt wurde auch die personelle Ausstattung der Büros. Zukünftig soll den Altkanzlern und Altbundespräsidenten eine Büroleitung, zwei Referentinnen, eine Schreibkraft und ein Fahrer zur Verfügung stehen.

Hintergrund der neuen Regelungen ist eine Kritik des Bundesrechnungshofs vom September vergangenen Jahres. Autoren eines Prüfberichtes monierten damals, dass sich bei ehemaligen Bundespräsidenten ein Automatismus "lebenslanger Vollausstattung" entwickelt habe und sich die Ausstattung nicht "an den Grundsätzen von Ordnungsmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit" orientiere. Demnach variierten die Kosten für Einrichtung und Unterhaltung der Büros innerhalb von fünf Jahren zwischen 0,9 und 2,3 Millionen Euro, obwohl die Bundespräsidenten auch direkt nach Ausscheiden "nur durchschnittlich 2,6 Tage pro Monat im Büro" anwesend seien und dort häufig ausschließlich private Tätigkeiten verrichten würden. So sei das Büro eines Altbundespräsidenten, dessen Name in dem Bericht nicht genannt wurde, 268 Quadratmeter groß und koste 89.000 Euro Miete im Jahr.

... Wann die Neuregelung in Kraft treten soll, ist noch nicht klar. Bisher leben noch die Altbundespräsidenten Horst Köhler, Christian Wulff und Joachim Gauck, sowie Ex-Kanzler Gerhard Schröder.


Aus: "Kosten von Altkanzler und Altbundespräsidenten sollen reduziert werden" (21. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-03/haushaltsausschuss-ehemalige-bundespraesidenten-bundeskanzler-ausgaben-regelungen-bundesrechnungshof

Quote
Karl Josef Schleidweiler #32

Wenn politische Ruheständler angemessen alimentiert werden, warum funktioniert das beim großen Rest des Souveräns nicht so souverän?


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« Reply #889 on: March 21, 2019, 12:29:13 PM »
Quote
[...] Sheldon Adelson, dem die Hälfte der Las-Vegas-Sands-Gruppe gehört und der damit der größte Kasinobetreiber der USA ist, hat im jüngsten US-Wahlkampf mit seinen Spenden alle anderen Unternehmerbosse überboten. 113 Millionen US-Dollar hat er für republikanische Kandidaten bei den Wahlen zum Kongress 2018 ausgegeben. Adelson hatte schon in der Vergangenheit ein glückliches Händchen mit seinen Entscheidungen bewiesen. Der Kasinoboss hat 2016 die Rangliste der Trump-Geldgeber bei den Präsidentschaftswahlen angeführt.

In keiner anderen westlichen Demokratie wird so viel Geld im Rahmen von Wahlkampagnen ausgegeben wie in den USA. Weil ohne millionenschwere und oft milliardenschwere Unterstützer nichts geht, sagen Kritiker oft, die US-Demokratie werde in Wahrheit von Unternehmen, von Corporate America, dominiert. Ein Gruppe von Wissenschaftern, darunter Alma Cohen von der Harvard University und Moshe Hazan von der Wirtschaftsuniversität Tel Aviv, wollte es etwas genauer wissen. Sie sind im Rahmen einer soeben vorgestellten Studie der Frage nachgegangen, wo genau die mächtigsten US-Firmenbosse politisch stehen, welchen Kandidaten sie also Geld geben und wie viel. Die Forscher haben dafür analysiert, an wen die Firmenchefs der 1500 wichtigsten börsennotierten Gesellschaften in den USA seit dem Jahr 2000 gespendet haben.

Das Gesamtergebnis ist zwar wenig überraschend: Die Firmenchefs spenden öfter und mehr für Republikaner, die als besonders unternehmernah gelten. Erstaunlich ist aber, wie groß die Kluft ist. 75 Prozent der Spendengelder der Firmenbosse gehen an republikanische Kandidaten. Nahezu 60 Prozent der CEOs unterstützen überwiegend oder einzig die Konservativen. Gerade 18 Prozent geben Geld für die Demokraten, der Rest spendete an Kandidaten von kleineren und unbedeutenden Parteien. In manchen Branchen ist die Kluft besonders gewaltig. Im Energiesektor etwa, zu dem die großen Erdölkonzerne Exxon Mobil oder Chevron zählen, unterstützen 90 Prozent der Unternehmensbosse republikanische Bewerber. In der Warenproduktion und in der chemischen Industrie gibt es ebenso kaum Geld für Demokraten.

Die Republikaner haben in nahezu allen untersuchten Branchen eine dominante Stellung, also in Finanzindustrie ebenso wie in der Pharmabranche. Einzig im Telekomsektor liegen die beiden wichtigsten Parteien bei Spenden gleichauf. IT-Unternehmen wie Facebook und Google zählen in der Bewertung der Studienautoren zum Telekomsektor. Die Zahlen für ihre Analyse haben die Wissenschafter einer Datenbank der Federal Election Commission entnommen. Dort muss jede politische Spende über 200 Dollar bei Bundeswahlen registriert werden. Dementsprechend wurden nur Gelder zugunsten von Kandidaten ausgewertet, die für ein Bundesamt kandidiert haben. Insgesamt haben die Unternehmer im untersuchten Zeitraum 420 Millionen US-Dollar an Republikaner und Demokraten gespendet. Die Analyse bewertet die Vorgänge nicht, sondern will, so schreiben es die Autoren, einen Beitrag dazu leisten, die Rolle von großen US-Unternehmen in der Politik besser zu verstehen. Dabei sind viele Zusammenhänge offensichtlich.

Zu den ersten Amtshandlungen von Präsident Trump zählte etwa, grünes Licht für die Verlängerung der strittigen Ölpipeline Keystone XL zu geben. Trumps Vorgänger, der Demokrat Barack Obama, hatte das Projekt zuvor jahrelang blockiert. Umweltschützer kritisieren die Pipeline, weil mit Keystone Erdöl aus der westkanadischen Provinz Alberta zu Raffinerien in die USA transportiert werden soll. In Kanada wird das Öl aus sandigen Teerböden gewonnen, was als besonders umweltschädlich gilt, weil eine hohe Menge an chemischen Stoffen eingesetzt werden muss.

Trump befürwortet aber auch Fracking, bei dem Erdöl und Erdgas ebenfalls unter massivem chemischem Einsatz aus Schiefergestein gewonnen werden. Zu Trumps ersten handelspolitischen Maßnahmen gehörte, Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen. Während die wichtigen Autobauer in den USA wie General Motors mit diesem Schritt nicht einverstanden sind, wurden die Zölle von den Metallerzeugern lautstark gefordert.

Die Studie hat noch einige interessante Ergebnisse ans Licht gebracht. So sind Unternehmen in den USA nicht verpflichtet offen zulegen, welchen politischen Kandidaten und Parteien sie Geld geben. Manche Konzerne tun es dennoch. Laut Harvard-Wissenschafterin Cohen gibt es dabei einen klaren Zusammenhang. Wenn ein Unternehmen von einem Firmenboss geleitet wird, der eher die Republikaner unterstützt, dann veröffentlichen diese Konzerne tendenziell keine Informationen über ihre Spendenaktivitäten. Schließlich sind auch die Daten zum Spendenverhalten der weiblichen Unternehmer spannend. Zunächst waren nur 2,2 Prozent der CEOs Frauen. Unter weiblichen Chefs ist das Verhältnis aber nahezu ausgeglichen, etwa ebenso viele spenden an Republikaner wie an Demokraten. (Andras Szigetvari, 21.3.2019)


Aus: "Hunderte Millionen von US-Konzernbossen an Republikaner" András Szigetvari (21. März 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099900951/420-Millionen-fuer-unternehmerfreundliche-US-Politik

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captain morgan

Niemand beißt die Hand die in Füttert!!


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betterknower

In Russland werden die Machtverhältnisse von Oligarchen bestimmt. In den USA sagt man halt anders dazu.


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pro noblem

man achte auf die Sprache: "420 Millionen für unternehmerfreundliche US-Politik", vor Kurzem noch hat man dazu "Lobbyisten Geld" gesagt, und vor etwas längerem sagte man geradeaus KORRUPTION dazu. Das passiert, wenn die Konzerne nicht nur die Politik, sondern auch die Sprachkultur übernehmen. Sobald Korruption salonfähig geworden ist, darf sie nicht mehr so heissen, ab nun "Geld für unternehmerfreundliche Politik". So kippt unsere Welt in ein bipolares Rechtssystem, durch die Verdrehung und den Missbrauch der Sprache.


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warp.faktor

Wo die Wirtschaft Freiheit genießt, liegt die Demokratie in Ketten!
Leider wird es nicht untersucht, aber in der EU ist das Verhältnis sicher ähnlich.
Die Zusammensetzung der EU-Institutionen und die ~30.000 hochbezahlten Lobbyisten (Bestecher) in Brüssel weisen ebenso deutlich darauf hin, wie die ständig sinkende Steuerleistung der Konzerne.


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Zeus (himself)

Wieso wird hier immer nur die EU-ebene erwähnt? Glaubst, dass es auf nationalstaatlicher Ebene anders ist?


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« Reply #890 on: March 23, 2019, 11:16:43 AM »
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[...] Der Ausspruch ist fast schon legendär:. "Wir reden hier eigentlich von Peanuts." Das Zitat stammt vom damaligen Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper. Als der Immobilienunternehmer Jürgen Schneider pleite ging, gab es offene Handwerkerrechnungen in Höhe von 50 Millionen Mark , die die Deutsche Bank bezahlten wolle. Die Summe sei kein Problem für seine Bank. Im Prinzip richtig, für seine Bank waren es Peanuts im Vergleich zu den fünf Milliarden, die seine Bank durch den Betrug verloren hatte. Doch nicht nur für die Handwerker, die wegen solcher „Kleinigkeiten“ ihren Betrieb schließen mussten, war das daneben.
Für das Ansehen der Bank keine Glanzleistung. „Peanuts“ wurde 1994 zum „Unwort des Jahres gewählt."

... Während die Vorstandssprecher der Deutschen Bank durch verbale Fehltritte auffallen, gibt es auf den unteren Ebenen handfeste Missetaten. Jahrelang haben Händler mehrerer Großbanken Zinssätze manipuliert. Darunter auch Mitarbeiter der Deutschen Bank. Sie sollen über Jahre getrickst haben bei Libor und Euribor - das sind wichtige Referenzzinsen für Geldgeschäfte der Banken untereinander. Die Banken mussten hohe Strafen zahlen, die Deutsche Bank gleich mehrfach. Eine EU-Strafe von 725 Millionen Euro, Mit den Behörden in den USA und Großbritannien verglich sich die Bank, es wurden 2,5 Milliarden Dollar fällig.

... Natürlich gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien zu Goldpreis-Manipulationen im großen Stil. Aber diese hier war keine, diese Manipulation war real: Händler von Deutsche Bank, UBS und HSBC manipulierten die Kurse im Handel mit Gold- und Silber-Futures in den Jahren 2008 bis 2014. Als die Sache endlich aufflog, kannte die US-Börsenaufsicht kein Pardon. Es gab eine saftige Strafe für die kiminellen Handlungen. 46,6 Millionen Dollar mussten die drei Banken zahlen, die Deutsche Bank bekam mit 30 Millionen Dollar die höchste Strafe - na ja, nur Peanuts für eine Bank wie diese.

... Mitarbeiter der Deutschen Bank haben über CO2-Zertifikate Steuern hinterzogen. Dafür wurden sie zu Gefängnisstrafen verurteilt. Sie hatten ein raffiniertes Umsatzsteuerkarussell mit diesen Zertifikaten aufgebaut.

... Die Deutsche Bank hat an fragwürdigen Cum-Ex-Geschäften mitverdient. Sie zog mit Zeitverzögerungen Konsequenzen aus den umstrittenen Aktiengeschäften. Das Institut zog Steuerbescheingungen zurück, mit denen sich Frimen zu Unrecht beim Finanzamt Kaptialerstragssteuern erstatten ließen. Die Deutsche Bank beteuert aber, nie Teil eines "Cum-Ex"-Marktes gewesen zu sein. Allerdings sei man in Geschäfte einiger Kunden involviert gewesen.

Bei "Cum-Ex"-Geschäften ließen sich Anleger die einmal gezahlte Kapitalertragsteuer mit Hilfe ihrer Bank mindestens zweimal zurückerstatten. Steuerexperten sprachen lange von einem legalen Steuertrick. Doch mittlerweile geht man von Steuerhinterziehung aus. Der deutsche Fiskus wurde um Millardenbeträge geschröpft. Die Aufarbeitung läuft.

Auch für die so genannten Cum-Cum-Geschäfte, wobei Steuerzahlungen im Rahmen von Dividendenausschüttungen vermieden werden sollen. Dabei reichten ausländische Anleger ihre Aktien kurz vor dem Dividendenstichtag an deutsche Banken oder Fonds weiter. Sie können anders als die ausländischen Institute die Kapitalertragsteuer auf die Dividende mit Kosten und Verlusten aus anderen Wertpapiergeschäften verrechnen. Cum-Cum galt nicht per se als illegal, aber als moralisch fragwürdig allemal. Doch inzwischen wurde dieses Steuerschlupfloch geschlossen. Deutsche Institute rechnen wegen der vielen alten Fälle mit Straf- und Steuerzahlungen von insgesamt einer halben Milliarde Euro.

... Ist der Ruf erst ruiniert, fallen offenbar die Hemmungen: Die Deutsche Bank spielte auch im russischen Geldwäsche-Skandal eine unrühmliche Rolle. Ihre Kunden sollen über die Finanzplätze Moskau, New York und London rund zehn Milliarden Dollar an Rubel-Schwarzgeld aus Russland gewaschen haben. Und das Geldhaus soll da nicht so genau hingeschaut haben. Die Deutsche Bank habe unzureichende Vorkehrungen dagegen unternommen, befand die US-Notenbank Fed. Sie brummte der Bank ein Bußgeld von 41 Millionen Dollar auf. 2017 musste Deutschlands größte Bank 700 Millionen an Strafe zahlen, weil sie russischen Kunden half, Geld außer Landes zu schaffen. Weil das mit der Geldwäsche-Kontrolle offenbar immer noch nicht recht klappt, hat die BaFin der Deutschen Bank einen Aufpasser an die Seite gestellt. Doppelte Kontrolle hält besser.

... Die Deutsche Bank ist auch in den milliardenschweren Geldwäsche-Skandal der Danske-Bank verwickelt. Sie wickelte bis 2014/15 Zahlungen für die Dänen in Estland ab, wie ein Banksprecher bestätigte. Man habe die Geschäftsbeziehung zu der estnischen Filiale der Danske aber beendet, als die Aktivitäten verdächtig erschienen. Die Deutsche Bank sieht auch keine Mitverantwortung: Als sogenannte Korrespondenzbank habe sie keine konkrete Kenntnis der Kunden des dänischen Instituts gehabt und auch nicht haben müssen.

Ein Ex-Mitarbeiter der dänischen Großbank hatte vor einem Ausschuss des Parlaments in Kopenhagen ausgesagt, dass seine Bank Warnungen ignoriert habe, dass Geld über die estnische Danske-Tochter gewaschen werde. Und er hatte gesagt, dass eine ausländische Bank über mehrere Jahre hinweg Milliarden-Beträge aus Russland und angrenzenden ehemaligen Sowjetrepubliken weitergeleitet habe.

... Getrickst hat die Deutsche Bank auch auf dem amerikanischen Immobilienmarkt, was sie sieben Milliarden Dollar Strafe in den USA kostete. Im Zusammenhang mit der Ausgabe hypothekengedeckter Wertpapiere soll sie zum Kollaps des US-Immobilienmarktes 2008 beigetragen zu haben, weil sie teils wertlose Papiere verkauft hatte.

... Die Deutsche Bank ist auch eines von zehn Instituten, denen Investoren gemeinsame Marktmanipulation zur eigenen Bereicherung vorwarfen. Die Geldhäuser hätten sich von 2005 bis 2015 über verschiedene Kommunikationskanäle mit sensiblen Preisdaten versorgt und so eine "dreiste Verschwörung" betrieben, behaupten die Kläger. Die Deutsche Bank handelte einen Vergleich aus. Kostenpunkt: 48,5 Millionen Dollar.

...


Quelle: https://boerse.ard.de/aktien/die-skandale-der-deutschen-bank102.html (Stans: 23.03.2019)

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[...] Der ehemalige Chef der Deutschen Bank, John Cryan, hat für den unfreiwilligen Führungswechsel eine Abfindung in Millionenhöhe erhalten. Laut Geschäftsbericht der Bank beläuft sich die Abfindung auf knapp 8,7 Millionen Euro. Cryan war von Mitte 2015 bis zum 8. April 2018 an der Spitze der Deutschen Bank tätig.

Sein Nachfolger Christian Sewing hat laut Geschäftsbericht für seine Arbeit im vergangenen Jahr insgesamt 7 Millionen Euro erhalten. Er verzichtete dieses Mal wegen des erreichten Gewinns nicht auf seinen Bonus. Die Vorstände bekommen zusammen 55,7 Millionen Euro von ihrem Arbeitgeber überwiesen, nachdem das oberste Führungsgremium drei Jahre lang keinen Bonus erhalten hatte. Topverdiener im aktiven Vorstand der Bank war 2018 Garth Ritchie, der die Investmentbank leitet und zugleich einer der beiden Stellvertreter Sewings ist. Der Südafrikaner bekam fast neun Millionen Euro, wenn man Aufwendungen für seine Altersvorsorge herausrechnet. Das lag vor allem daran, dass er zusätzliches Geld als oberster Brexit-Beauftragter der Bank bekam.

An ihre rund 90.000 Mitarbeiter zahlt die Bank für das zurückliegende Geschäftsjahr insgesamt 1,9 Milliarden Euro an Boni aus. Für 2017 hatte die Belegschaft, die damals allerdings noch um einiges größer war, 2,3 Milliarden Euro bekommen.

Neben der Abfindung bekam Cryan für die letzten Monate im Amt außerdem noch eine Vergütung in Höhe von knapp 1,9 Millionen Euro. Damit Cryan in einem bestimmten Zeitraum nicht zu einem Wettbewerber wechselt, hat er darüber hinaus eine vertraglich festgelegte Entschädigung in Höhe von 2,2 Millionen Euro bekommen.

Damit summiert sich Cryans Bezahlung aus dem vergangenen Jahr, die zum Teil aber erst in den kommenden Jahren ausgeschüttet wird, auf insgesamt 12,8 Millionen Euro. Für die Jahre 2015 bis 2017 hatte er eine Vergütung von insgesamt etwas mehr als neun Millionen Euro erhalten. Damit kommt er auf eine Gesamtvergütung von knapp 22 Millionen Euro oder umgerechnet etwa 21.600 Euro pro Tag im Amt.

Cryan war bei der Deutschen Bank im April 2018 zunehmend unter Druck geraten: Zahlreiche internationale Rechtsstreitigkeiten hatten das Unternehmen belastet, die zu Milliardenzahlungen für Strafen und Kompensationen führten.


Aus: "Ehemaliger Deutsche-Bank-Chef erhält Millionenabfindung" (22. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2019-03/john-cryan-ex-deutsche-bank-chef-abfindung

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runner_64 #19

Hihi, amüsant das zu lesen, da können sich jetzt wieder die Neider aus allen Teilen der Republik ereifern, aber bitte auf den Blutdruck aufpassen, sonst braucht es noch den Notarzt.  ...


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Dr. Econ #1.1

Leistung muss sich wieder lohnen.


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baumisms #28

Es ist doch ganz logisch: Wenn es dem Unternehmen gut geht, dann bekommen die "Manager" natürlich fette Boni. Denn sie haben das ja erreicht.
Wenn es dem Unternehmen schlecht geht, dann bekommen die "Manager" natürlich fette Boni. Denn jetzt müssen sie sich enorm anstrengen, um das Unternehmen wieder in Schuss zu bringen. Wenn die "Manager" das Unternehmen wegen Erfolglosigkeit vorzeitig verlassen, bekommen sie natürlich fette Boni. Denn sie machen den Weg frei für die erfolgreiche Sanierung.
Alles klar?


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Atkins #2

Wo bleibt das Verhältnis zum normalen Arbeitnehmer ? Wie kann man solche Auswuchse stoppen? Es ist für mich nicht mehr nachvollziehbar, dass ein "Angestellter" an einen Tag so viel verdient, wie Viele in einem Jahr.


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Der Humpink #2.2

Sie müssen es so sehen: Normale Angestellte brauchen nun mal einfach nicht so viel Geld, derzeit geht unsere Politik sogar davon aus, dass sie nicht mal eine echte Rente benötigen. Auch das errechnete Existenzminimum ist für normale Menschen vollkommen übertrieben. Nun gibt es allerdings Menschen, besonders in Bankvorständen und Aufsichtsräten, die sind irgendwie einfach feinstofflicher. Und eben auch viel kostbarer als der gemeine Duschnittsmensch. Diesen Herrschaften wäre es schlicht nicht zuzumuten, ihren Kaviar nicht von goldenen Löffelchen zu essen, keine Yacht zu besitzen oder ihr Automobil selbst bedienen zu müssen. Deshalb brauchen diese ebenso erhabenen wie empfindlichen Wesen eben etwas mehr, immerhin sind die ja auch gezwungen, ihrem zarten Nachwuchs diverse Millionen zu vererben, damit sich dieser einst bei der Initiation in die gehobene Klasse nicht am harten Brot ernsthafter Arbeit die feinen Kauleisten abnutzt.

So, jetzt denken Sie bitte noch einmal über Ihre Frage nach, bevor man Ihnen unterstellt, dass Sie hier nur eine abscheuliche Neiddebatte starten wollen.


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Kawin #2.5

Ich sach nur: "Schlecker-Frauen"................


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Uxmal #3

Bitte keinen Neid! Laut Christian Lindner und seinen Freunden kann das jeder schaffen, auch die Putzfrau und die Pflegekraft. Sie müssen nur mehr anstrengen.


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BeachWalker #4.10

Trump's Hausbank ...


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Erkos #6

Solange solche Monströsitäten vorkommen wird es kein normales Miteinander in Gesellschaften geben können!


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GlobalPlayer5001 #6.1

Wieso Monströsitäten? Es handelt sich um freiwillig von beiden Seiten vertraglich geschlossene Vereinbarungen, die auch noch transparent in jedem Geschäftsbericht (schauen Sie in den Teil "Vergütungsbericht") nachgelesen werden können.

Wo ist das Problem, wenn nicht im Bereich Neid und Missgunst? Man muss eben auch gönnen können!


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Erkos #6.2

Das mit dem Neid können Sie nun wirklich stecken lassen! Ist das "Schlagtot"-Argument aller Kapitalismusbefürworter. Wir durch häufige Wiederholung aber auch nicht wahrer. Alles, was Banken "verdienen", haben vorher Menschen erarbeitet. ...


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chefwn #31

Im Aktiengeschäft heißt das Gewinnmitnahme, glaub ich.


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KlausMa #31.1

Die Herrschaften nehmen auch noch "Gewinne" mit wenn die Bude Miese macht.


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Bluegene #42

Ackermann hat damals das Grundstein fuer das Grab gelegt.
Die Deutsche Bank hat seit 2010 insgesamt drei Kapitalerhöhungen durchgeführt.
Sonst waere die DB pleite. Also dreimal das Kapital ihrer Kapitalgeber immer wieder vernichtet.
Ich kann nicht verstehen wer da noch investiert.
Fons welche dieser Kapitalvernichter Bank mit seinen Boni Checkern Geld gegeben hatten sollten auch boykottiert werden.
Das Ding fasse ich nicht einmal mit einer Pinzette an. ...


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Dorothee von Brentano #44

Einfach nur pervers. Nichts gegen gute Gehälter da wo sie durch Leistung gerechtfertigt sind ...


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« Last Edit: March 23, 2019, 11:42:24 AM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #891 on: March 23, 2019, 08:21:16 PM »
Quote
[...] Wien – Asylwerber verdienen zu viel, wenn sie Hilfstätigkeiten während ihrer Grundversorgung erbringen. Diese Meinung vertritt Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) und hat nun einen – der APA vorliegenden – Entwurf ausgeschickt, der den Stundenlohn mit 1,50 Euro beschränkt. Der Hintergrund: Zu den insgesamt eher bescheidenen Möglichkeiten für Asylwerber, einer Beschäftigung nach zu gehen, zählen Hilfstätigkeiten im Auftrag von Bund, Ländern, Gemeinden, Gemeindeverbänden beziehungsweise zu den Kommunen gehörenden Einrichtungen. Das betrifft etwa Garten- und Hausarbeiten oder Transportdienste. Den Stundenlohn legte bisher die beauftragende Körperschaft fest. Maximal konnten monatlich 110 Euro plus 80 Euro für jedes weitere Familienmitglied verdient werden, ohne Einbußen bei der Grundversorgung befürchten zu müssen.

Den Innenminister stört jedoch, dass manche Körperschaften aus seiner Sicht zu viel, nämlich mehr als für Zivil- und Grundwehrdiener, auszahlen – und zwar teils über fünf Euro pro Stunde. Daher sollen Asylwerber für die sogenannten Remunerantentätigkeiten nun 1,50 Euro pro Stunde erhalten, "keinesfalls mehr – und das österreichweit einheitlich", schreibt Kickl in der Begründung der von ihm vorgelegten Verordnungsermächtigung, die am Montag für vier Wochen in Begutachtung geht. Die Remunerantentätigkeiten haben für Flüchtlinge den Vorteil, dass sie sofort nach Asyl-Antragsstellung möglich sind. Ansonsten muss man drei Monate warten, bis man eine Tätigkeit in einem Mangelberuf annehmen darf, das heißt etwa als Saisonnier im Tourismus oder als Erntehelfer. Gleiches gilt für Tätigkeiten als Haushaltshilfe mit Dienstleistungsscheck oder als Selbstständiger.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat Samstagmittag versichert, dass er den Entwurf für einen neuen Stundenlohn für Asylwerber unterstützt. "Der Innenminister geht hier abgestimmt mit uns vor. Ähnliches habe ich schon 2016 gefordert, mit der SPÖ war dies aber nicht zu machen", hieß es in einer Stellungnahme. Der Entwurf gehe am Montag in Begutachtung, bekräftigte er. Kurz hatte noch in seiner Funktion als Außen- und Integrationsminister im August 2016 verpflichtende gemeinnützige Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge gefordert. (APA, red, 23.3.2019)



Aus: "Kickl will Stundenlohn für Asylwerber auf 1,50 Euro senken" (23. März 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000100081223/Kickl-will-Stundenlohn-fuer-Fluechtlinge-auf-1-50-Euro

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Ingenieur77

Gut.


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Nummer6

Du nicht gut.


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Ingenieur77

I don’t care


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ktm or bust

Hab mir nicht helfen können und mir bei der Krone die Kommentare zu dem Thema angesehen - Ich sag das normalerweise nicht aber das ist ein Sinnbild der österreichischen Seele. Mißgunst und Neid bis zum geht nicht mehr, nach unten treten und nach oben buckeln.

Normalerweise läßt mich dieser braune sumpf relativ kalt aber das was da im moment abgeht ist einfach nur noch ekelhaft. Auch wenn ich selbst massiv gegen diese Zuwanderung ins Sozialsystem bin muß ich gestehen ich bin das erste mal an den Punkt angekommen wo ich jemandem etwas schlechte wünsche.
All jene die jetzt freudejauchzend "die machen wenigstens politik für uns"(was für eine dumme ansage...würden die politik für euch machen würdens die zivi gehälter anheben) denen wünsche ich das jemand mit ihnen gleich verfährt ...


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Ku

Also quasi Sklaven will die Regierung
billigst und möglichst ohne Rechte - weit sind wir gekommen.


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homo ökonomicus

Armschleife würde ich nicht vergessen!
Zwecks Kennzeichnung "Asylwerber"!


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sommeralex

1.5 ist unwürdig - aber man muss auch folgendes bedenken: jeder will nach Österreich. So traurig es klingt, man darf keine "Anreize" schaffen.


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rainer haselberger

Sklaverei statt Integration! Nur Dumme freuen sich über dieses Lohndumping. ...


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eswirdschongleichdunkel

Herr Bundespräsident!
Könnten sie bitte diese Wahnsinnigen zur Ordnung rufen!


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Tischkalender

warum sollte dieser das tun?

wenn man den umfragen glauben schenkt, unterstützt eine doch satte mehrheit (ca. 60%) der bevölkerung den regierungskurs.
das mag einer recht lauten minderheit nicht gefallen ändert aber nix an den spielregeln.
bei der nächsten wahl gibts die nächste chance. ...


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Bioberni31

1,3 mio österreicher haben diese partei gewählt.


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untawex

Warum 1.50 und nicht einfach nur 1.20? Oder gleich gar nix?


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Pacis

Mir ist es egal wieviel Asylbewerber verdienen. Man sollte vielleicht beachten, Asylbewerber haben eine Unterkunft, Essen, Betreuung, ärztliche Betreuung usw. Sehe jeden Asylbewerber mit einem Smartphone, wer es finanziert entzieht sich meiner Kenntnis und interessiert mich nicht. Freuen würde mich, die Regierungen, rot/schwarz, jetzt schwarz/blau würden die Mindestrente erhöhen und sich mehr um deren Anliegen kümmern.
Aber wen interessiert schon meine Meinung!


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derStandardUser

Ja, aber das Handy!

*facepalm*


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KrankeSchwester

Der Steuerzahler finanziert den asylwerber und die Wirtschaft bekommt 1,50 Euro Arbeiter


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Manfred MacGyver

Jetzt hätte man natürlich auch den Lohn für Zivis und Grundwehrdiener anheben können...aber nein, wo kämen wir denn da hin?!


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Thyrion Lannister (Hand von Daenerys aus dem Hause Targaryen, die Erste ihres Namens Königin der Drachenbucht Königin der Andalen, der Ersten Menschen und der Rhoynar Regentin der sieben Königslande Beschützerin des Reiches Mutter der Drachen Sprengerin der Ketten )

Wenn ein Politiker keine Ausbildung hat, dann sollte sein Maximalgehalt die Lehrlingsentschädigung sein.


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Goggolplex

"Unterstützung für Kickl von Kanzler Kurz"
Unglaublich. Das sind Sklavenlöhne. Sogar die Stundenlöhne im Gefängnis sind um 10 Cent höher.


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Funkzelle Staatsoper

Mit einem Wort: die kleinen Steuerzahler zahlen die Mindestsicherung für die Asylwerber, und der Spargelgroßbauer zahlt 1,50 für den Erntehelfer.

Somit zahlt die Büroangestellte, der KFZ-Mechaniker, usw. quasi den Großteil des Erntehelfergehalts. Die 1,50 sind dann halt das Trinkgeld des EU-subventionierten Großbauern an den Asylwerber.
Wird sich das beim Spargelpreis auswirken? ...


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Johnny Longo

Arbeit ist normal zu bezahlen. Diese Sklavenhaltermentalität nimmt diesen Menschen den Rest an Würde, den sie vielleicht noch hatten. Zum K*tzen.


...

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« Reply #892 on: March 26, 2019, 09:28:56 AM »
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[...] 23,45 Millionen Euro – diesen Rekordverdienst hat 2018 der Chef des Konsumgüterherstellers Beiersdorf in seinem letzten Jahr an der Spitze des Unternehmens erhalten. Das geht aus einer Studie der Beratungsfirma hkp hervor. Damit habe Stefan Heidenreich einen neuen Rekord als Chef eines der 30 im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne verbucht. Hauptgrund ist ein Bonus von rund 21 Millionen Euro Heidenreichs siebenjährige Amtszeit. Das Grundgehalt des Ex-Beiersdorf-Chefs belief sich 2018 auf nur 1,25 Millionen Euro.

„Das ist die absolute Ausnahme. Eine solch hohe Vergütung hat es im Dax noch nie gegeben“, sagt Michael H. Kramarsch, Chef der auf Vergütungsfragen spezialisierten Beratungsfirma hkp. Er legte am Montag in Frankfurt die Auswertung über die Vergütung der Dax-Chefs im vergangenen Jahr vor. 2017 noch war SAP-Chef Bill McDermott mit 21,1 Millionen Euro der Spitzenverdiener. Er musste sich 2018 mit 9,97 Millionen Euro begnügen. Im Schnitt erhielten die Vorstandschefs 7,5 Millionen Euro und damit 3,6 Prozent mehr als 2017.

Die Analyse von hkp zieht all das in Betracht, was den Vorstandschefs (eine Frau ist nicht darunter) im vergangenen Jahr tatsächlich gezahlt worden ist. Im Schnitt war das ein Fixgehalt von 1,5 Millionen Euro, ein Ein-Jahres-Bonus von 1,4 Millionen, ein Langfrist-Bonus für mehrere Jahre von 3,7 Millionen Euro, 824.000 Euro für die Altersvorsorge und 99.000 Euro an weiteren Nebenleistungen.

Hinter Heidenreich rangiert 2018 unter den 23 das gesamte Jahr über tätigen Top-Managern Allianz-Vorstandsvorsitzender Oliver Bäte mit 10,33 Millionen Euro vor SAP-Chef McDermott (9,97) Siemens-Chef Joe Kaeser (9,59) und Bernhard Scheifele von Heidelberg Cement mit 9,43 Millionen. Am Ende der Skala stehen Fresenius-Chef Stephan Sturm (4,49), Reinhard Ploss von Infineon (3,59) und Rolf Martin Schmitz von RWE (3,10 Millionen Euro).

Im Schnitt hält Kramarsch die Vergütung für angemessen. Vor allem auch weil der einjährige Bonus wegen der 2018 gesunkenen Ergebnisse der Konzerne deutlich um 13,4 Prozent gesunken ist. Dagegen sind die Mehrjahres-Boni um fast 15 Prozent gestiegen. Insgesamt erhalten die Vorstandschefs damit 3,6 Prozent mehr obwohl der Gewinn der Konzerne im Schnitt stagnierte. Damit ist der Anstieg auch höher als bei den Bruttolöhnen und -gehältern, die nur 2018 nur um 2,6 Prozent zugelegt haben.

International müssen sich die deutschen Top-Manager nach wie vor mit deutlich weniger zufrieden geben als Kollegen in der Schweiz und Großbritannien, wo im Schnitt das 1,2-Fache gezahlt wird. In den USA ist es sogar mehr als drei Mal so viel. Das Bedauern über diese Lücke hält sich bei Kramarsch allerdings in Grenzen. Deshalb seien deutsche Top-Manager jedenfalls nicht in die USA gewechselt.

Im übrigen verwundert es den Vergütungs-Experten, dass die 30 Dax-Chefs nach wie vor nicht nur nicht selbst für ihre Altersvorsorge aufkommen müssen, sondern dafür im Schnitt immer mehr erhalten. Waren es 2013 noch rund 590.000 Euro ist der Betrag 2018 auf 824.000 Euro gestiegen. Für Daimler-Chef Dieter Zetsche summieren sich die zugesagten Altersbezüge nach Angaben von Kramarsch auf mehr als 40 Millionen Euro, andere Chefs kämen auf mehr als 20 Millionen. „Eine Altersvorsorge brauchen Menschen in diesen Vergütungsniveaus nicht zusätzlich“, sagt der hkp-Chef. „Dass sie das selbst übernehmen, darf man ihnen durchaus zumuten.“

Während Deutschland aktuell im Blick auf die Transparenz der Vorstandsvergütung international nach Ansicht von Kramarsch eine Vorbildrolle einnimmt, will die EU dem mit neuen Regelungen einen Riegel vorschieben. Entsprechende Vorschläge aus Brüssel bezeichnet Kramarsch als „Schrott“. Damit drohe in Deutschland der Rückschritt in die „Transparenz-Steinzeit“. Dann sei nicht mehr erkennbar, wie viel die Top-Manager tatsächlich erhalten hätten. Mehrjahres-Boni und der Beitrag zur Altersversorge seien nicht mehr nachvollziehbar. Darauf entfallen derzeit rund 60 Prozent der Bezüge der Dax-Chefs.


Aus: "Rekordverdienst für Spitzenmanager: So viel Geld bekommen Dax-Vorstände" Rolf Obertreis (25.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/rekordverdienst-fuer-spitzenmanager-so-viel-geld-bekommen-dax-vorstaende/24143672.html

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« Reply #893 on: March 26, 2019, 09:32:43 AM »
Quote
[...] nicht nur die Grenzkontrolle ist die Aufgabe des Zolls. Mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung (FKS) ermittelt der Zoll auch gegen illegale Beschäftigung und Sozialleistungsbetrug. So wurden in den vergangenen beiden Jahren Schäden durch Schwarzarbeit in Höhe von rund 1,8 Milliarden Euro festgestellt. Zudem nahm die Zahl der entdeckten Verstöße gegen das Mindestlohngesetz von 1316 im Jahr 2015 auf 6220 im vergangenen Jahr zu. Davon sei in 2744 Fällen der Mindestlohn unterschritten worden. Das bedeute allerdings nicht, dass die Kriminalität derart gestiegen sei, so Scholz. Man habe früher einfach weniger aufgedeckt. „Erst durch die Arbeit des Zolls finden wir heraus, was dort geschieht“, sagte er. ... Im Fokus der Kontrollen stehen das Baugewerbe, Gaststätten und die Paketbranche. Gerade hier sieht Scholz bei Subunternehmern Handlungsbedarf. Er zeigte sich auch offen für härtere Maßnahmen, etwa für die Forderung der Gewerkschaften, Unternehmen bei Mindestlohn-Verstößen von öffentlichen Aufträgen auszuschließen. „Da sehen Sie mich durchaus aufgeschlossen“, so Scholz.

...


Aus: "Verstöße gegen Mindestlohn nehmen zu: Zoll nimmt gut fünf Milliarden Euro ein" Thorsten Mumme (25.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/verstoesse-gegen-mindestlohn-nehmen-zu-zoll-nimmt-gut-fuenf-milliarden-euro-ein/24143128.html

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« Reply #894 on: April 01, 2019, 10:43:10 AM »
Quote
[...] Die Mieter, die sich in der Küche von Familie M. versammelt haben, sind keine Geringverdiener, sondern Akademiker mit guten Jobs. "Aber nicht einmal wir können es uns noch leisten in Giesing", sagt eine von ihnen. ...

... Eine andere vierköpfige Familie, der ebenfalls gekündigt wurde, hat den Kampf aufgegeben, es sei psychisch zu belastend geworden, sagen sie. "Als wir erfuhren, dass ein Ehepaar das Haus gekauft hat, haben wir uns erst sicher gefühlt", sagt Maya J. "Wir hätten nicht gedacht, dass man uns so schnell kündigen kann." Richtig desillusioniert wurden sie dann während der Suche nach einer Vier-Zimmer-Wohnung - kaum ein Angebot unter 2000 Euro kalt habe es gegeben. Wenn sie nicht beruflich hier verwurzelt wären, sagt Maya J., würden sie aufs Land ziehen. "München wird einem gerade verdorben." ...


Aus: "Wohnungsmarkt: "München wird einem gerade verdorben"" Anna Hoben (25. März 2019)
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/erhaltungssatzung-kuendigung-mieterhoehung-1.4382430


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« Reply #895 on: April 10, 2019, 10:28:57 AM »
Quote
[...] Kurz vor dem 70. Geburtstag des Grundgesetzes ist die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland laut einer Umfrage mit der deutschen Verfassung zufrieden. 88 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich das Grundgesetz in den vergangenen Jahren "sehr gut" oder "gut" bewährt hat. Das geht aus einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap unter Wahlberechtigten hervor. Deutschland feiert am 23. Mai 70 Jahre Grundgesetz.

Weniger zuversichtlich sind die Menschen in Deutschland laut der Erhebung allerdings mit Blick auf die Demokratie: Fast zwei Drittel (65 Prozent) gaben zwar an, zufrieden damit zu sein, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert. Rund jeder dritte Befragte (34 Prozent) äußerte sich darüber allerdings unzufrieden. Überdurchschnittlich hoch ist die Unzufriedenheit in den östlichen Bundesländern (45 Prozent). Deutlich geringer ist sie in den westlichen Bundesländern (32 Prozent).

Überdurchschnittlich hoch ist die Unzufriedenheit außerdem in Haushalten mit niedrigem Einkommen (47 Prozent). In Haushalten mit hohem Einkommen lag sie dagegen bei nur 29 Prozent. Als Haushalte mit niedrigem Einkommen galten jene, die ein Haushaltsnettoeinkommen unter 1.500 Euro im Monat haben, als hoch alle mit über 3.000 Euro im Monat. Für die Studie wurden 1.000 Wahlberechtigte befragt.

Am 23. Mai 1949 hatte der Parlamentarische Rat nach Zustimmung der westlichen Militärgouverneure und der Landtage – mit Ausnahme Bayerns – das Grundgesetz verkündet.


Aus: "Deutsche sind zufrieden mit dem Grundgesetz" (10. April 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-04/umfrage-infratest-dimap-grundgesetz-hohe-zufriedenheit

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alice_42 #5

>> Überdurchschnittlich hoch ist die Unzufriedenheit außerdem in Haushalten mit niedrigem Einkommen (47 Prozent). <<

Ja nun. Das sind ja auch die, deren Interessen nicht vertreten werden, was die Bundesregierung auch weiß, aber nicht veröffentlichen wollte: „So fehlt zum Beispiel jetzt der Satz: "Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn diese Politikveränderung von einer großen Anzahl von Menschen mit höherem Einkommen unterstützt wird."„


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Lias Bledt #5.3

Hat vielleicht irgendeiner der Unzufriedenen auch mal daran gedacht, selbst die Zustände zu verbessern? Selbst dafür zu sorgen, dass die Interessen der sich bislang benachteiligt fühlenden vertreten werden?
Ich finde, irgendwann ist es mal mit dem Jammern genug - Demokratie lebt nicht davon, alle 4 - 5 Jahre mal ein Kreuz zu machen und ansonsten auf "die Politiker" zu schimpfen, sondern sich ebenfalls einzubringen.

Man könnte Ihren Satz also auch so formulieren: "Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn mehr Menschen mit niedrigerem Einkommen in die Politik gingen und dort für ihre Interessen einträten."


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alice_42  #5.6

>> "Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn mehr Menschen mit niedrigerem Einkommen in die Politik gingen und dort für ihre Interessen einträten." <<

Zunächst zur Klärung: das ist nicht mein Satz, sondern eine Passage, die in der Abstimmung mit dem Kanzleramt und unionsgeführten Ministerien aus dem Armutsbericht 2016 gestrichen worden war.

Sie haben natürlich teilweise recht, wenn sie auf einen Mangel an Partizipation durch Arme und Geringverdiener hinweisen. Das trifft sowohl auf das aktive als auch auf das passive Wahlrecht zu. Arme stellen sich nicht zur Wahl und wählen in geringerem Umfang. Nur: zur Wahl stellen sich auch die Reichen nicht, deren Interessen werden aber dennoch besser vertreten. Huch.

Die weggekürzten Erkenntnisse stammen aus einer Studie, die Nahles als Arbeitsministerin in Auftrag gegeben hat. Zweifel an der Studie gab es nicht, die Inhalte sagten der Union nicht zu. Aber ehrlich gesagt braucht man für die Erkenntnis auch keine Studie, sondern offene Augen. Das meinte der Autor: „Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass politische Entscheidungen mit höherer Wahrscheinlichkeit mit den Einstellungen höherer Einkommensgruppen übereinstimmen. Bei einkommensarmen Gruppen ist entweder keine systematische Übereinstimmung festzustellen oder sogar ein negativer Zusammenhang erkennbar.“

Die regierende Politik ist aber der gesamten Gesellschaft verpflichtet, nicht nur ihren Zielgruppen und Sponsoren.


Quote
alice_42 #5.7


>> Ich finde, irgendwann ist es mal mit dem Jammern genug ... <<

Wer jammert denn? Diese Leute finden Demokratie nicht gut. Und es wurden über die Jahre immer mehr, die das so sehen. Denken Sie sich Ihren Teil.

Übrigens bestand in meiner Wahrnehmung eine der in den Medien am lautesten jammernden Gruppen zuletzt aus Vertretern der Automobilindustrie. Möglicherweise haben die einfach die besseren Chancen auf Sendeplätze :-)


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Quendolin475 #6


Irgendwie irritiert mich die Aussage des Artikels. Das Grundgesetz ist in meinen Augen eine der besten Verfassungen, die es gibt, das bestätigt ja auch die Umfrage.
Dass aber ein Drittel der Befragten unzufrieden mit der Demokratie sind, halte ich für wenig glaubhaft. Ich gehe davon aus, dass sich diese Unzufriedenheit auf die konkrete Form der parlamentarischen Demokratie bezieht. Das finde ich sogar nachvollziehbar. Ich glaube es war Churchill, der mal sinngemäß folgendes gesagt hat: Die parlamentarische Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - mit Ausnahme aller anderen, die bisher probiert wurden. Die Unzufriedenheit mit dem Parlamentarismus ist nachvollziehbar (jedensfalls meiner Meinung nach). Ich gehe zur Wahl, weil eine Partei mich mit ihrem Programm überzeugt. Nach der Wahl aber wirft diese Partei dieses Programm, für das ich sie gewählt habe, über Bord und macht eine völlig andere Politik (konkret sei hier die SPD genannt). Als Bürger bekomme ich das Gefühl, für die Partei bin ich nur solange interessant, wie ich als Wähler in Frage komme (deshalb wirbt sie vor der Wahl um meine Stimme), danach zählen andere Interessen. Diese werden dann als staatspolitische Verantwortung verkauft. Ich als Bürger (Volk) habe nicht mehr das Gefühl, dass die Parlamentarier mich als Souverän (also den eigentlichen Machthaber, dessen Interessen sie zu vertreten haben) wahrnehmen, sondern als Stimmvieh.

Mir geht es hierbei nicht darum, dass die von mir gewählte Partei ihr Programm zu hundert Prozent umsetzen soll. Die Demokratie lebt von Kompromissen, und das ist gut so. Mir würde es schon reichen, wenn im Parlament über den politischen Diskurs der beste Weg gefunden wird. Solch Quatsch wie Fraktionszwang und Kabinettsdisziplin müsste abgeschafft werden. Über die Diskussion im Parlament müsste der Weg herausgefunden werden, der die größte Zustimmung findet. In der Realität aber findet dort eine Scheindebatte statt, deren Ausgang durch die Mehrheitsverhältnisse schon vorgegeben ist. Egal was von der Opposition kommt, es wird abgelehnt. Die Regierungsmehrheit sorgt über den Fraktionszwang dafür, dass nicht der beste Kompromiss umgesetzt wird, sondern der Kompromiss der Koalitionspartner. Und so kommt es, dass die Bürger immer mehr das Gefühl haben, die Parlamentarier hätten den Bezug zur Realität verloren. Da entscheiden z.B. Politiker über den Mindestlohn und wissen selbst gar nicht, was es bedeutet, für so wenig Geld zu arbeiten. Die Unzufriedenheit bezieht sich also meines Erachtens nicht auf die Demokratie, sondern auf ihre konkrete Ausgestaltung.

Ich weiß nicht, wieviele User hier schon mal eine Parlamentsdebatte verfolgt haben, ich habe das öfter getan. Da sitzen 50 Hansels verstreut in dem riesigen Saal. Ein Redner tritt ans Pult, und bei jedem zweiten Satz bekommt er Applaus von seiner Fraktion, zwischendurch gibt es Buh-Rufe aus den anderen Fraktionen. Irgendwann kommt es zur Abstimmung über das vorgelegte Gesetz, plötzlich füllt sich der Saal, und die Regierungsfraktionen stimmen geschlossen für bzw. gegen den Gestzesentwurf (je nachdem, wer ihn eingebracht hat) und die Opposition entsprechend entgegengesetzt. Was soll das? Warum werden Parlamentarier (unsere Interessensvertreter) nicht verpflichtet, an den Debatten teilzunehmen? Wir bezahlen sie schließlich dafür. Warum dürfen Parlamentarier über Gesetze abstimmen, wenn sie die Debatte darüber gar nicht verfolgt haben? Warum gibt es bei diesen Abstimmungen meistens einen Fraktionszwang, so dass das Ergebnis vorher schon feststeht? Warum also wird überhaupt im Parlament debattiert? Wäre die Parlamentsdebatte tatsächlich ein Meinungsaustausch, an dessen Ende jeder Abgeordnete nach seinem Gewissen für den seiner Meinung nach besten Vorschlag stimmen würde, so dass der beste Kompromiss zu Stande käme, hätte der Parlamentarismus auch mehr Zustimmung.

... Ich bin in der DDR aufgewachsen, mit der Diktatur groß geworden. Das damalige Dasein war für mich Normalität, ich hatte kein Problem damit. Dann kam die Wende, die Vereinigung. Und ich lernte den Wert der Demokratie kennen. Ich konnte plötzlich frei heraus meine Meinung sagen, ohne mich vor Parteiinstanzen rechtfertigen zu müssen (allerdings musste ich auch lernen, dass man zum Erhalt des Arbeitsplatzes auch mal die Klappe halten muss). Die Reisefreiheit hat mir nichts gebracht, während ich zu DDR-Zeiten in nahezu jedes sozialistisches Land gereist bin, in den Westen aber nicht durfte, darf ich nun zwar fast überall hin, kann es mir nur nicht mehr leisten.
Demokratie muss man auch lernen. Vielleicht haben deshalb auch ältere Menschen im Osten Probleme damit. Aber Demokratie muss auch funktionieren, und zwar ihrem Wesen nach. Im Kleinen klappt das meist, z.B. im Kommunalbereich. Im Großen aber schwächelt sie enorm. Demokratie heißt, alle Macht geht vom Volk aus. Im Parlamentarismus wählt das Volk also seine Vertreter, die im Parlament seine Interessen vertritt. 80 Mio Menschen mit unterschiedlichsten Interessen vertrauen die politischen Entscheidungen (den Interessenausgleich) diesen Abgeordneten an. Und dann müssen sie zusehen, wie im Parlament plötzlich Parteien-Hickhack und Eigeninteressen Vorrang haben. Während bei Diäten-Erhöhungen nahezu alle Abgeordneten sich einig sind ...


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Kunigunde53 #46

Dass die Abgehängten und in den Niedriglohnsektor Gedrängten keine Sympathien für die "marktkonforme" Demokratie haben, ist keine neue Erkenntnis - die Wahl von Trump, der Brexit und der Hype hierzulande für die Verehrer des 1000-jährigen Reiches sprechen eine zu deutliche Sprache, die allerdings von der Medienmacht, die offenbar am Ist-Zustand so lange festhalten möchte wie es irgend geht, gerne verniedlichend relativiert wird.
Das Argument der "Weiter-So"-Fraktion, dass beispielsweise halt nicht jeder in Innenstädten wohnen könne, erinnert stark an "let them eat cake" - und war schon damals ein Vorbote des Anfangs vom Ende.


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Dhoughal #46.1

Und nun erläutern Sie uns bitte noch, was das alles mit der Demokratie zu hat.


...

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« Reply #896 on: April 11, 2019, 01:39:34 PM »
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wurde 1961 als Nachfolgeorganisation der OEEC und des Marshallplans zum Wiederaufbau Europas gegründet. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_f%C3%BCr_wirtschaftliche_Zusammenarbeit_und_Entwicklung


"Under Pressure: The Squeezed Middle Class" (Available from April 10, 2019 21:00)
Middle-class households feel left behind and have questioned the benefits of economic globalisation. In many OECD countries, middle incomes have grown less than the average and in some they have not grown at all. Technology has automated several middle-skilled jobs that used to be carried out by middle-class workers a few decades ago. The costs of some goods and services such as housing, which are essential for a middle-class lifestyle, have risen faster than earnings and overall inflation. Faced with this, middle classes have reduced their ability to save and in some cases have fallen into debt. This report sheds light on the multiple pressures on the middle class. It analyses the trends of middle-income households through dimensions such as labour occupation, consumption, wealth and debt, as well as perceptions and social attitudes. It also discusses policy initiatives to address the concerns raised by the middle class, by protecting middle-class living standards and financial security in the face of economic challenges. ...
http://www.oecd.org/publications/under-pressure-the-squeezed-middle-class-689afed1-en.htm

Quote
[...] Die Industriestaatenorganisation OECD hat sich in einem am Mittwochabend publizierten Bericht erstmals umfassend der Frage gewidmet, wie es der Mittelschicht in den vergleichsweise wohlhabenden Ländern geht. Unter dem Titel "Under Pressure: The Squeezed Middle Class" analysieren und vergleichen OECD-Ökonomen den Zustand der Mittelschicht in den 36 OECD-Ländern.

Eine der zentralen Erkenntnisse lautet: Ja, die Mittelschicht ist geschrumpft, aber über alle Industrieländer hinweg betrachtet war die Entwicklung zumindest nicht so dramatisch wie angenommen. So gehörten in den 1980er-Jahren 64 Prozent der Bevölkerung über alle OECD-Länder hinweg zur Mittelschicht. Heute sind es aber immerhin noch 61 Prozent. Für die Studienautoren zählen all jene Haushalte zur Mittelschicht, deren verfügbares Nettoeinkommen (Lohn, Pensionen, Sozialtransfers inklusive) zwischen 70 und 200 Prozent des Medianeinkommens in einem Land liegt. Median bedeutet, die Hälfte verdient mehr, die Hälfte weniger. Die Bandbreite ist also groß.

Allerdings gibt es für die OECD-Ökonomen auch eine ganze Reihe besorgniserregender Befunde. Zunächst altert die Mittelschicht. Für jüngere Generationen wird es seit Jahren immer und immer schwieriger, zur gesellschaftlichen Mitte aufzuschließen. Eines von vielen Beispielen dafür: 70 Prozent der Baby-Boomer-Generation gehörten als 20-Jährige der Mittelklasse an. Unter den Millennials waren es nur noch 20 Prozent. Zur Baby-Boomer-Generation gehören Menschen, die zwischen 1943 und 1964 geboren wurden. Zu den Millennials zählen die Jahrgänge 1983 bis 2002. Die Gründe dafür sind vielfältig. So treten die jungen Menschen zunehmend später in den Arbeitsmarkt ein, sagt Sebastian Königs, einer der Autoren der Studie. Dafür kann also auch eine längere Ausbildung mitverantwortlich sein, was also positiv wäre. Dazu kommt laut Königs aber, dass junge Menschen immer öfter bloß "in Beschäftigungsverhältnisse mit geringerer Qualität" kommen. Die Jobs sind schlechter bezahlt und oft befristet. Und: Junge Erwachsene hat die Wirtschaftskrise auch stärker getroffen als Ältere. Hinzu kommt als weiteres problematisches Phänomen, dass der Wohlstand der Mittelschicht stagniert und in vielen Ländern sogar rückläufig ist. Über die vergangenen zehn Jahre stagnierte das Medianeinkommen in 21 von 36 OECD-Ländern oder ging sogar zurück. Im Schnitt lag das Wachstum der Einkommen inflationsbereinigt bei nur 0,3 Prozent pro Jahr seit 2008. Besonders drastisch gefallen sind die mittleren Einkommen in den Euroländern Spanien, Italien, Griechenland und Slowenien, aber auch in Japan und Mexiko waren sie sehr rückläufig.

Im Vergleich dazu sind die heimischen Zahlen laut OECD ganz gut: In Österreich gehören 67 Prozent der Bevölkerung zur Mittelschicht, im OECD-Schnitt sind es rund 60 Prozent. In den USA, Chile und Mexiko dagegen zählt gerade einmal jeder zweite Haushalt zur Mittelschicht. Ein relativ geringer Anteil der Haushalte in der österreichischen Mittelschicht hat Probleme, mit dem Einkommen über die Runden zu kommen.

Global betrachtet macht die OECD auf noch ein Phänomen aufmerksam: Die Mittelschicht verliert an politischer Bedeutung. Die Ökonomen der OECD machen das an einer Kennzahl fest: In den 1980er-Jahren entfiel auf die Mittelschicht ein Gesamteinkommen, das viermal so hoch war wie das Einkommen in der Gruppe der Topverdiener. Heute dagegen ist das Einkommen der Mittelschicht im OECD-Schnitt nur noch 2,8-mal höher. Ein deutlich größerer Anteil entfällt auf die Reichen. In den USA hat sich der Anteil der Einkommen von dem reichsten Prozent der Bevölkerung seit den 1980er-Jahren nahezu verdoppelt, von elf auf etwa 20 Prozent.

Um gegenzusteuern und auch jungen Menschen den Aufstieg zu erleichtern, empfiehlt die OECD, die Steuern auf Arbeit zu senken und dafür Vermögen, Kapitaleinkommen und Erbschaften stärker zu belasten. Geraten wird auch zur Abschaffung der kalten Progression, also der schleichenden Steuererhöhungen. Diese trifft die Mittelschicht besonders hart, so die OECD. Und: Die Spitzensteuersätze für Topverdiener sollten steigen. Dagegen sollten Investitionen in den Wohnbau forciert werden, um Wohnraum billiger zu machen.


Aus: "Für Junge platzt der Traum von der Mittelschicht immer öfter" András Szigetvari (11.4.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000101188488/Fuer-Junge-platzt-der-Traum-von-der-Mittelschicht-immer-oefter

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Incorruptus 11. April 2019, 09:12:25

Für mich kein Wunder - Im Vergleich zu den 80er/90er muss heute viel mehr vom monatlichen Einkommen für Wohnen ausgegeben werden wie damals. Bei Berufseinsteigern ist an die 50% nicht so selten. Wie soll da noch groß was angespart werden? Ich musste Ende 80er nur ca. 25% bis 30% von meinem Einstiegsgehalt für Wohnen aufwenden. Nebenbei wird der Konsumwahn der heutigen Zeit auch noch seinen Teil beitragen.


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ETRO 11. April 2019, 00:22:28

Steuern auf Vermögen und Spitzenverdiener

"Um gegenzusteuern und auch jungen Menschen den Aufstieg zu erleichtern, empfiehlt die OECD, die Steuern auf Arbeit zu senken und dafür Vermögen, Kapitaleinkommen und Erbschaften stärker zu belasten."

Solche Aussagen werden von ÖVP und FPÖ regelmässig als Sozialismus und linkslinker Unsinn betitelt. Ich wusste gar nicht dass die OECD Sozis sind.


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Ihre Rechtschreibung

Ganz intuitiv spüren ganz viele Leute die Fehlentwicklungen, die auch mit Statistiken leicht zu belegen sind
Es gibt eine extrem reiche Oberschicht (oberste 1-10%), die gestärkt durch die Finanzindustrie immer reicher und wohlhabender wird. ...


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Betriebsdirektor

Es gibt eine extrem reiche Oberschicht (oberste 1-10%)
Wenn Sie von "extrem reich" reden, dann reden Sie von den 0,1-1%. Nicht von den 1-10%. ...


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bestchoice

Die Mittelschicht um Bürger zu beruhigen, jeder will dazu gehören, verarmte als auch Leute mit 1 Mio Jahreseinkommen.


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Grimmewald

Bin mit 24 und meinem BSc mit 3k Brutto eingestiegen, nach 2 Jahren & Jobwechsel jetzt bei 3,8k. In 2 Jahren werdens so 4,5k sein. Zähle mich zur oberen Mittelschicht, wenn ich das Gehalt mit dem von gleichaltrigen Freunde vergleiche.

Dabei bin ich mit meinem Studium eigl. ein Quereinsteiger, das was ich im Job brauche hab ich mir halt in rund 500h mittels youtube Tutorials beigebracht (in meiner Freizeit)

Es geht also durchaus, man muss halt anpacken und in einer nachgefragten Tätigkeit gut sein


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Szenen einer Ehe

Glückwunsch, aber das geht am Thema vorbei.


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Ihre Rechtschreibung

Man sollte meinen, als Konsequenz werden linke Parteien gewählt, die für massive Umverteilung und AN Rechte eintreten. Tatsächlich passiert genau das Gegenteil. Es werden Rechtspopulisten gewählt, die die extrem reiche Oberschicht "einfach sein lassen" und stattdessen versuchen, aus der sowieso schon ärmlichen Unterschicht noch mehr herauszupressen.


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Nach_Denken

Volk

Das Volk war noch nie wirklich intelligent. ... die Österreicher sind auch schon immer Obrigkeitshörig. Genau wie die D.


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Mag. Kli Doris

Ohne Erbe müsste ich heute arbeiten gehen...


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roma.nski

ja, Glück gehabt.


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lilawald

Die empfohlenen maßnahmen sind seit langem bekannt; allerdings bevorzugt es eine mehrheit der wahlberechtigten, parteien zu wählen, die diese vorschläge brüsk ablehnen und dafür mit der bekannten parole, dass "die anderen" schuld wären, operieren. insofern ist den leuten halt schwer zu helfen. mir könnte es als zugehöriger der oberen mittelschicht ziemlich egal sein, aber da ich nicht so egoistisch und eindimensional bin, finde ich es vor allem absurd.

Es ist [ ] politischer und ökonomischer irrsinn, arbeiten zu bestrafen und leistungsloses einkommen zu belohnen - ich zahl auf manche gehaltsbestandteile meines lohns über 50% steuern; auf erträge durch veranlagung nur etwa die hälfte; und auf ein vermutlich erkleckliches erbe dann kaum.

wie gesagt: ich persönlich werde am ende von dem wahnsinn profitieren, aber ich halte es für grundfalsch. die leute sollten sich mit arbeit ein vermögen erwirtschaften können und nicht nur durch die geburt in der richtigen familie oder lotto spielen.

und was deine ausnahmen betrifft: wenn ich aufgrund geringer steuern auf arbeit jedes jahr 10.000 euro mehr verdiene, dann fällt eine erbschaftssteuer auf normale beträge ned amal ins gewicht.


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fugu288

wenn die Leute mit ihrem angestelltenjob nicht auskommen, dann müssen sie eben ihr eigenes Unternehmen aufbauen. aber da das durchaus mit Arbeit verbunden ist kommt es für 99% nicht ihn Frage. man arbeitet stattdessen 9 to 5, lässt pünklich alles fallen u raunzt warum man so wenig hat. Wohlstand ist harte Arbeit und jeder ist für sich selbst verantwortlich


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proud to declare

Sie sind also der Meinung angestellt zu sein ist nicht mit Arbeit verbunden? All die Polizisten, Feuerwehrmänner, Kindergärtner, Lehrer, Bauarbeiter, Programmierer, Rettungssanitäter, Chirurgen, Zugfahrer uvm. (natürlich auch alle -Innen) arbeiten nicht hart, sind alle faul und verdienen es nicht besser? Ihr Posting ist dermaßen abgehoben und überheblich, dass ich es beim Lesen fast nicht glauben konnte.


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Nebelparder

Guter Tipp! Erinnert mich ein wenig an den Ratschlag eines Verlegers an einen Schriftsteller: "Wissen Sie was Sie einmal machen sollten? Einen Bestseller schreiben."


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KEWA

"Die politischen Umwälzungen der vergangenen Jahre "
müssen immer dann herhalten, wenn Statistikwerte irgendwelche negative Zustände aufzeigen die eigentlich jedem ein wenig Mitdenkendem klar sein müssten. Falsch verstandene Globalisierung, mangelnde Weitsicht und gezielte Verantwortungslosigkeit führten zu diversen Entwicklungen. Nicht unlogisch! Die derzeitigen politischen Konstellationen sind daran keinesfalls schuld. (Sie machen es nur nicht besser) Jahrzehnte waren entweder die Rechte oder die Linke oder beide bereits an der Macht. Hätten Entwicklungen vorhersehen, entsprechende Maßnahmen setzen können. Die waren nicht dumm, hatten aber andere Interessen. Machterwerb bzw. Machterhalt. war die Intention und man entfremdete sich von der jeweiligen Basis. Nun wurde rigoros umgewählt.


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Se123

Information die fehlt: Es steht zwar, dass die Mittelschicht kleiner wurde, aber die interessante Info fehlt. Ist die Oberschicht oder dir Unterschicht gewachsen!


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post2jet

Beides. Die Oberschicht in Vermögen und Einkommen, die Unterschicht in der Zahl.


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Christian der Gütige

Die Schichtzugehörigkeit nur am Verdienst zu messen ist falsch. Ich habe als Arbeiter ein sehr hohes Einkommen, gehöre aber trotzdem zur Unterschicht, ich habe auch keinen Umgang mit der Oberschicht. Eine arbeitslose Akademiekerin wird immer zur Oberschicht gehören.


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humanökologische Pyramide

Wenn es Ihnen ein Trost ist, dann lassen Sie sich sagen, dass es in den Sozialwissenschaften über die "Vermessung" der Gesellschaft immer wieder zu Unstimmigkeiten kam und noch immer kommt. Denn die meisten Einteilungen sind reine Willkür (Einteilung der Schichten mittels Einkommen, nur um ein Beispiel zu nennen). Aber wenn Sie sich wirklich an der Verdienstgrenze orientieren wollen, dann sind Sie nicht der Unterschicht zuzuordnen.
Und diejenigen die wirklich ganz, ganz oben stehen - die Elite - das sind diejenigen die wirklich Einfluss nehmen können auf die Gesellschaft - die Meinungsbildungsprozesse beeinflussen und lenken können. Das müssen nicht unbedingt die Reichsten Milliardäre sein und auch nicht Akademiker.


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Noch ein Einwohner

Ich bin gelernter Maler und Anstreicher und habe einen Dr. In Chemie. Wohin also mit mir ? ;-)


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ich kapituliere

Warum sollten Sie als Arbeiter zur Unterschicht gehören? Eine arbeitslose Akademikerin wird von der Oberschicht maximal ausgelacht, wenn sie sich als zugehörig betrachten sollte. Übrigens, auch wenn ich zu den Besserverdienern zähle und einen etwas gehobeneren Bürojob habe, gehöre ich noch lange nicht zur Oberschicht. Sollte ich das von mir behaupten, lachen die mich auch aus.


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Se123

Immer das gleiche: Die Rechten reden uns ein, dass die Ausländer schuld sind, dass es und so schlecht geht
Und die Linken reden und ein, dass die Reichen schuld sind!
In Summe geht es uns eigentlich ziemlich gut. Sowohl historisch betrachtet als auch im internationalen Vergleich! ...


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KarlausTirol

Es ist in Wahrheit viel schlimmer. Wenn man die Preise für Wohnungseigentum ansieht ist es doch so dass sich ein klassischer Mittelständer nie eine Leisten wird können. Also für alle die nicht Erben wird es also nichts mit der Eigentumswohnung. So vor 15Jahren könnte man sich mit zwei normalen Gehältern noch eine Wohnung finanzieren. ...


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Der Engel mitm dreckigen Gsicht

"Baby-Boomer" also bis 1964, "Millenials" ab '83. Und wie nennt man die Generation dazwischen? Egal.
Nachdem ich damals eine Lehre gemacht und mir dadurch zahlreiche Fertigkeiten angeeignet habe, mache ich mir auch ohne Matura um meinen erreichten Mittelklasse-Lebensstandard keine Sorgen.


Quote
ich kapituliere

OK, dann gehören wir beide zur Generation "Egal". ;-)


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com.spam

Wer oder was ist denn nun die Mittelschicht?
Denn ich mit meinen 52.000€ Jahresbrutto sehe mich eigentlich am untersten Ende.


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Franz Woyzecks liebste Erbse

Ihre Armut kotzt mich an.


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colesay

... Komm Mal raus aus deiner Blase! Am untersten Ende... Das ist Verhöhnung! ...


Quote
SirOtonin

... In der usa - die ja nicht für hohe Lohnsteuern bekannt sind - schrumpft die Mittelschicht weg. Evtl. Liegt das Problem wo anders ;)


Quote
kapitel3

... Nur besitzen manche halt 10 Wohnungen während 9 andere keine Wohnung besitzen. Und die 9 zahlen halt dann Miete an dem einen, der sich damit noch mehr Wohnungen kaufen kann. So läuft das Spiel leider.


Quote
breites Specktrum

Die Löhne und Gehälter steigen kaum, das Wohnen wird immer teurer...
Die Politik unterstützt das Auseinanderdriften der Klassen....


Quote
sociovation

Genauer gesagt: Der Wähler. Und zwar ganz bewusst NICHT gegendert.


Quote
Sneed L. Woods

Ja aber die Ausländer ...


Quote
Kyle Broflovski

Ich glaube die Mittelschicht ist einfach zu ungeduldig und Hängematte mag sie auch ...


Quote
captain morgan

Sind nur Reiche fleißig?


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otacud

Erbschaftssteuer?

Solche marxistischen Ideen haben in Österreich nichts verloren! ;)


Quote
Holgi

Ja, die Unterschicht träumt von der Mittelschicht. Die Mittelschicht von der Oberschicht. Und die Oberschicht von der Unterschicht. Letzteres sind Angstträume.


...
« Last Edit: April 11, 2019, 01:41:25 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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« Reply #897 on: April 11, 2019, 01:48:51 PM »
Quote
[...] Sie sind weiß und schlank und von jugendlicher Schönheit. Das Heer an namenlosen Frauen, mit denen Bilddatenbanken für Werbung und Magazine befüllt sind, ist riesig. Nur an der Vielfalt mangelt es, irgendwie sehen hier alle gleich aus: Die Fotos, die Bildagenturen wie Getty oder iStock im Angebot haben, entsprechen den Idealbildern einer weißen, westlichen Mittelschicht.

...  Längst hat die Lifestyle-Industrie erkannt: "Authentizität" ist Gold wert, die Konsumentinnen haben genug von Photoshop-Inszenierungen (sonst wären auf Instagram Hashtags wie #nofilter nicht so erfolgreich). Sie wollen sich selbst wiederfinden in Werbekampagnen. Es gibt kaum eine Werbung, die derzeit auf Bilder von "authentischen" (meist gleichzusetzen mit "nicht wie weiße dünne Models aussehenden) Frauen verzichten kann. Das weiß kaum ein Unternehmen besser als der einstige Seifenhersteller Dove. Dank ausgeklügelter Kampagnen ist das Unternehmen, das zu dem niederländisch-britischen Konzern Unilever gehört, heute milliardenschwer.

Das dürfte auch erklären, warum sich die Plattform #ShowUs bislang auf Frauen konzentriert. Mit Bildern von alten, dicken, nichtweißen Männern lässt sich längst nicht so gut Geld verdienen.

...


Aus: "Schönheitsideale: Wieso Frauen jetzt "authentisch" aussehen sollen" Anne Feldkamp (11.4.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000101030886/Schoenheitsideale-Wieso-Frauen-jetzt-authentisch-aussehen-sollen

Offline Textaris(txt*bot)

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« Reply #898 on: April 11, 2019, 03:09:37 PM »
Quote
[...] Die Vertreter des Sturm und Drang kamen vorwiegend aus dem Mittel- und Kleinbürgertum; ihre literarischen Betätigungen suchten sie materiell durch Hauslehrer- oder Pfarrstellen abzusichern, denn von der Literatur konnten sie nicht leben. Es fehlte ihnen nämlich die soziale Resonanz, ihre Bewegung blieb auf die Bekannten beschränkt, mit denen man sich zu Männerbünden zusammenschloss (z. B. Göttinger Hain). ... Hauptorte des Sturm und Drang waren Straßburg, Göttingen, Frankfurt am Main. Für viele Dichter, v. a. Goethe und Schiller, war der Sturm und Drang nur eine Phase ihres Lebens und Schaffens. Viele Autoren und Werke waren nur zu ihrer Zeit bekannt und sind heute weitgehend vergessen. ...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnislyrik (28. Dezember 2018)
« Last Edit: April 11, 2019, 03:12:07 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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« Reply #899 on: April 16, 2019, 10:43:43 AM »
Quote
[...] Film [Der Funktionär Andreas Goldstein Deutschland 2018, 72 Minuten] - Andreas Goldstein spürt seinem lange verstorbenen Vater nach, dem einstigen DDR-Kulturminister Klaus Gysi

... Goldstein spricht an einer Stelle davon, dass er in der DDR-Schule keine Angst gehabt hätte, zu sagen, was er dachte. Erst später habe er begriffen, dass das ein Privileg war, das er nur als Sohn eines hohen Funktionärs genoss. ...


Aus: "Beschränkt funktional" Michael Suckow (Ausgabe 15/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/msuckow/beschraenkt-funktional