Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 235154 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #840 on: November 28, 2018, 02:39:27 PM »
Quote
[...] „27 vernommene Zeugen, 50.000 Aktenseiten und 800.000 Euro Kosten: Der Kieler Untersuchungsausschuss zur HSH Nordbank hat […] nach knapp zwei Jahren seinen Abschlussbericht vorgelegt. Darin fordern die Parlamentarier keine personellen Konsequenzen aus der Krise der Landesbank, sondern sprechen sich für einen größeren Einfluss der staatlichen HSH-Anteilseigner im Aufsichtsrat, eine stärkere Risikobeteiligung der Manager sowie einen Verkauf der Landesanteile an der Bank aus. Für die Milliardenverluste der Bank, die von Hamburg und Schleswig-Holstein mit drei Milliarden Euro vor dem Konkurs gerettet wurde, gebe es nicht einen einzelnen Schuldigen, sagte SPD-Obmann Jürgen Weber. Keiner sei ‚frei von Verantwortung‘, so Weber bei der Vorstellung des 439-seitigen Berichts. Die Parlamentarier sehen eine Mitschuld bei den Bankmanagern, dem Aufsichtsrat, Ratingagenturen, der Bankenaufsicht sowie bei der Landespolitik.“

... Am 9. Dezember 2015 bewilligte die Hamburgische Bürgerschaft zur Rettung der angeschlagenen HSH Nordbank Kredite über 16,2 Milliarden Euro. Als Folge dieser Staatshilfe musste die Bank nach einer Vorgabe der EU bis März 2018 verkauft oder abgewickelt werden.

...


https://de.wikipedia.org/wiki/HSH_Nordbank (26. November 2018, 22:47)

-

Quote
[...] Im Sommer 2013 war die HSH Nordbank aus einer Fusion der Landesbanken in Hamburg und Kiel entstanden. Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein hatten die HSH Nordbank auf Druck der EU-Kommission im Februar für rund eine Milliarde Euro an eine Gruppe von US-Finanzinvestoren veräußert. Das unter einem Berg problematischer Schiffskredite ächzende Institut war zuvor mit Steuermilliarden vor der Pleite bewahrt worden.


Aus: "Verkauf der HSH Nordbank abgeschlossen" Ulrich Metschies (28.11.2018)
Quelle: http://www.kn-online.de/Nachrichten/Wirtschaft/Closing-Die-HSH-Nordbank-ist-jetzt-die-Hamburg-Commercial-Bank

Quote
  #0 [courage], 13:14 Uhr 28.11.2018


... Schiffskredite, vom HSH-Partner Hamburg großzügig und offenbar bis zuletzt reihenweise den Reedern des Stadtstaates gewährt (u.a. die, die eine 20.000-Euro-Jacht als „sozialen Abstieg“ eingestuft wissen wollen, erinnert an den Millionär, der zur CDU-Spitze strebt, der sich zum Mittelstand zählt). ...


...

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #841 on: December 03, 2018, 12:42:08 PM »
Quote
[...] Genau das war es, was den CDU-Vorsitzkandidaten Friedrich Merz von Anfang an begleitet hat: das Unbehagen an seinem Aufsichtsratsposten in der Welt der Hochfinanz, den er bis zu seiner möglichen Wahl behält – und die Frage, als wie frei er wahrgenommen würde, wenn er ein Thema anpackt, das in diesen Dunstkreis gehört. Nicht sehr frei, wie sich nun herausstellt. ...


Aus: "Was zu erwarten war" Ariane Bemmer (02.12.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/friedrich-merz-was-zu-erwarten-war/23708566.html

Quote
BRCI 02.12.2018, 19:36 Uhr

Humor hat er ja, Steuererleichterung für Altersversorgung in Aktien. Welche Zielgruppe  hat er da wohl im Auge. Doch kaum die
Mindestlöhner oder Leiharbeiter. ...


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« Reply #842 on: December 03, 2018, 07:06:06 PM »
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[...] Panoramablick über den Hamburger Hafen, hochwertige Inneneinrichtung und eine Lobby mit Concierge-Service: Die Luxuswohnungen in der Elbphilharmonie haben einiges zu bieten. Nun ist auch die letzte von ihnen verkauft worden; sie war mit einem Preis von 38.588 Euro je Quadratmeter zugleich die teuerste Wohnung Hamburgs. Damit hat die Wohnung nach Angaben des Maklerunternehmens Dahler & Company 10.000 Euro je Quadratmeter mehr gekostet als das teuerste Objekt Hamburgs im vergangenen Jahr.

Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, erstreckt sich die Wohnung in der Westspitze der Elbphilharmonie über 287 Quadratmeter und wurde offenbar für 11,07 Millionen Euro verkauft.

Dahler & Company zufolge ist der Preis für das Objekt in der Elbphilharmonie ein Ausreißer: Im Durchschnitt ging der Preis für Eigentumswohnungen im Hamburger Premiumsegment von 6759 auf 6583 Euro je Quadratmeter zurück. Das waren im ersten Halbjahr mehr als tausend Eigentumswohnungen mit einem Mindestpreis von 5000 Euro je Quadratmeter.

Laut der Webseite der Elbphilharmonie befinden sich 45 Wohnungen in dem Gebäude. Sie liegen in der Westspitze des Hauses auf den Etagen 11 bis 26.


Aus: "Für 38.600 Euro je Quadratmeter Letzte Luxuswohnung in Hamburger Elbphilharmonie verkauft" (03.12.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/elbphilharmonie-teuerste-wohnung-fuer-38-600-euro-je-quadratmeter-verkauft-a-1241703.html

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« Reply #843 on: December 03, 2018, 07:07:29 PM »
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[...] Weine der Domaine de la Romanée-Conti erzielen derzeit Rekordpreise. Bei der Versteigerung einer privaten Weinsammlung im schweizerischen Genf sind am Sonntag rund 1300 Flaschen Wein des weltberühmten französischen Guts für 10,2 Millionen Euro versteigert worden. Die wertvollen Flaschen stammten aus nur einer einzigen Sammlung aus Europa, deren Besitzer aber anonym bleiben wollte.

Unter den Hammer kamen 1363 Normalflaschen, 158 Magnumflaschen (1,5 Liter) und drei der Größe Jeroboam (5 Liter). Das Glanzstück der Auktion, ein Satz aus zwölf Flaschen der Jahrgänge zwischen 1937 und 1991, war zuvor auf 100.000 bis 166.000 Euro geschätzt worden. Für stattliche 486.600 Euro wechselte er schließlich den Besitzer. Auch weitere Flaschensätze übertrafen bei der Versteigerung mit dem Titel "The secret cellar of an European collector" die Erwartungen um das Doppelte.


Aus: "Romanée-Conti-Auktion Spitzenweine zu Spitzenpreisen" (03.12.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/stil/romanee-conti-auktion-in-genf-spitzenweine-zu-spitzenpreise-a-1241696.html

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« Reply #844 on: December 04, 2018, 07:35:30 AM »
Quote
[...] Woran es der Mittelklasse grundsätzlich fehle, ist ein stimmiges Verhältnis zu sich selbst. Ihr fehle das richtige Klassenbewusstsein, während oben und unten wüssten, wo sie stehen. In der Mittelklasse, schreibt Quintane, herrsche daher eine "strikte Trennung zwischen dem, was wir leben, und dem, was wir behaupten". Im schlechtesten Fall habe die Moral, die man vor sich hertrage, mit der wirklichen Lebenspraxis dann kaum noch was zu tun.

... Wie stehen diejenigen, die sich in der Normalität verorten, wenn "die Armen unnormal" sind und "die Reichen" sich "außerhalb der Normen" befinden, zur Politik? Die Mittelklasse habe jedenfalls die soziale Frage abgestreift, heißt es im Buch. In ihrer Regungslosigkeit sei sie die Feindin der Demokratie, verstehe sich aber als deren Freundin. Persönliche Belange (32-Stunden-Woche! Veganes Bioessen in der Schulkantine!) trägt die Mittelschicht nicht einfach nur an die Regierung. Sie macht ihre Bewertung von Demokratie als Ganzem von diesen selbstbezüglichen Kriterien abhängig. Wie man es besser machen könnte? Quintane schlägt vor, ein neues Klassenbewusstsein zu erwecken, das kollektiv denken und handeln soll. Konkreter wird sie nicht. 

...

Nathalie Quintane: Wohin mit den Mittelklassen? Essay; aus dem Französischen von Claudia Hamm; Matthes & Seitz, Berlin 2018; 116 S.


Aus: ""Wohin mit den Mittelklassen?": Im Fahrstuhl immer nach oben" Eine Rezension von Juli Katz (3. Dezember 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2018-11/wohin-mittelklassen-nathalie-quintane-buchveroeffentlichung-soziales-milieu/komplettansicht

Quote
DeS_DeS #15

"........streckten die Kinder der Mittelklasse auf der Schulbank eifrig ihre Zeigefinger in die Höhe. Für Menschen aus den unteren und den oberen Schichten gelte dieses Versprechen nicht. Den einen sichere nicht der Schulerfolg das Überleben, sondern die Fabrik und der Discounter. Und die anderen müssten sich nicht so sehr sorgen, da sie wissen, dass sie den Studienplatz in einer Elite-Uni notfalls mit Vaters Geld kaufen können...."

Das ist nicht falsch. Kinder werden am Ende der vierten Klasse bereits den drei bestehenden Schulformen zugeteilt. Diese sind für den späteren Werdegang entscheidend. In diversen Beiträgen wurde immer wieder drauf hingewiesen, dass es gerade der Mittelstand ist, der an diesem System festhalten möchte.


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« Reply #845 on: December 04, 2018, 09:04:09 AM »
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[...] Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) fühlt sich nach eigenen Angaben in Berlin schwer verunsichert. ... Seiner Ansicht nach klappt einfach gar nichts in dieser Stadt. „Ich komme mit dieser Mischung aus Kriminalität, Drogenhandel und bitterer Armut auf der Straße als spießbürgerliche baden-württembergische Grünen-Pflanze schlicht nicht klar. Ich will diese Verhältnisse in Tübingen nicht.“ ...


Aus: ""Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands!"" (04.12.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-schelte-des-tuebinger-oberbuergermeisters-vorsicht-sie-verlassen-den-funktionierenden-teil-deutschlands/23713572.html

Quote
DaW 07:51 Uhr
Palmer braucht sich doch gar nicht zu grämen. Mit der M10 ist er vom Hbf innerhalb von 20 min in Neuschwaben. Nur dass das für den Rest der Welt inzwischen so fad ist, dass niemand sonst mehr hin möchte.


Quote
Urbi_et_Orbi 08:49 Uhr
Antwort auf den Beitrag von DaW 07:51 Uhr

   ... dass niemand sonst mehr hin möchte

Da sprechen die Mietpreise aber eine etwas andere Sprache.


Quote
prokrastes 07:06 Uhr

Es gibt ja in der Tat so einiges, was man an Berlin kritisieren kann. Aber nicht so, nicht auf diese Art. Tja, Herr Palmer, nun hamse hier verschissen. ....


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« Reply #846 on: December 04, 2018, 09:34:50 AM »
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[...] Frau Narlikar, in den USA ist die Arbeitslosenquote auf einem historischen Tief, die Wirtschaft wächst kräftig. Was denken Sie als Expertin für Handel: Hat Donald Trump alles richtig gemacht? ...

Wirtschaftsexpertin Amrita Narlikar: ... Mindestens eins hat er richtig gemacht: Er hat eine tiefe Unzufriedenheit identifiziert. Es gibt in den USA Leute, die durch die Globalisierung zu Verlierern geworden sind. Liberale wie ich haben es versäumt, ihnen zu signalisieren: Wir verstehen, was ihr durchmacht, und werden uns für bessere Umverteilung einsetzen. Man dachte, die Vorteile der Globalisierung seien offensichtlich und vertraute darauf, dass die Gewinne in alle Bereiche der Gesellschaft durchsickern – was nicht der Fall ist.

... Im Vorfeld des G-20-Treffens in Hamburg im vergangenen Jahr arbeiteten Sie an einem Vorbereitungspapier für die Kanzlerin mit. Haben Sie sich auch angehört, was die Gipfelgegner zu sagen hatten?

Wirtschaftsexpertin Amrita Narlikar: Mit den Autonomen habe ich nicht geredet, abgesehen davon hatten wir viele Gespräche mit der Zivilgesellschaft. ...


Aus: "Interview mit Wirtschaftsexpertin Amrita Narlikar „Jemand wie ich darf wie ein Hippie klingen“"  Julia Prosinger und Björn Rosen  (30.11.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/interview-mit-wirtschaftsexpertin-amrita-narlikar-jemand-wie-ich-darf-wie-ein-hippie-klingen/23700010-all.html

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« Reply #847 on: December 04, 2018, 09:37:15 AM »
Quote
[...] Boris Becker hat den Widerstand gegen die Zwangsversteigerung seiner Tennis-Trophäen aufgegeben: In dem in England gegen ihn laufenden Insolvenzverfahren kündigte der frühere Tennisstar nach Angaben vom Montag an, nicht länger einen Diplomatenstatus geltend zu machen. Damit kann der Verkauf seiner Trophäen und anderer Erinnerungsstücke wie ursprünglich geplant vonstatten gehen. Sie werden auf einen Wert von insgesamt 224.000 Euro geschätzt.

Becker war 2017 von einem Konkursgericht in London wegen unbeglichener Schulden für zahlungsunfähig erklärt worden. Der dreifache Wimbledon-Sieger erklärt daraufhin zur allgemeinen Überraschung, er sei zum Sport-Attaché der Vertretung der Zentralafrikanischen Republik bei der EU in Brüssel berufen worden und genieße diplomatische Immunität. ... Beckers angeblicher Diplomatenpass hatte im Juni für Schlagzeilen gesorgt. Den Vorwurf des zentralafrikanischen Außenministers, der Pass sei eine Fälschung, hatte Becker damals in der "Bild am Sonntag" entschieden zurückgewiesen. Er bestritt auch einen Zusammenhang zwischen seiner Angabe zur diplomatischen Immunität und dem Insolvenzverfahren.



Aus: "Boris Becker macht keinen Diplomatenstatus mehr geltend" (03.12.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/insolvenzverfahren-boris-becker-macht-keinen-diplomatenstatus-mehr-geltend/23713316.html

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« Reply #848 on: December 05, 2018, 09:01:41 AM »
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[...] Es gibt eine Forderung, die den Unterschied zwischen der Regierung und der Protestbewegung verdeutlicht. Es ist die Forderung nach Wiedereinführung der Vermögenssteuer in der früheren Form. Das würde Geld in die Staatskasten spülen und ein Zeichen dafür setzen, dass Macron die Verteilungsgerechtigkeit als politisches Ziel erkennt.

Auf der Regierungsseite, die unbedingt an der für Reiche sehr viel vorteilhafteren neuen Regelungen festhalten will, gibt es dazu Erklärungen, wonach die Erleichterungen bei der Vermögenssteuer dazu führen sollen, dass die Wohlhabenden das freigeworden Geld investieren und so als Schwungmasse für die Wirtschaft verwenden - eine Variation der alten Trickle-Down-Idee, deren Annahmen von der Wirklichkeit nicht bestätigt werden.

Ganz elementar zeigt sich: Sämtliche Aspekte, die mit einer anderen, grundsätzlich verschiedenen Auffassung vom Umgang mit der Ungleichheit oder der Verteilungsgerechtigkeit zu tun haben, werden von der Regierung ignoriert. Sie fehlen völlig in der Reaktion der französischen Regierung. Sie sind ausgeblendet. Entsprechend zeigen sich die Antworten, die von Teilnehmern der gilets-jaunes-Protesten übermittelt werden, enttäuscht.

Das seien "nicht die Aktionen, die auf unsere Erwartungen an das Leben heute antworten", zitiert Le Monde aus dem Schreiben einer Gruppe, die zu den gelben Westen in der Region um Bordeaux gehört. "Das sind keine Verbesserungsvorschläge, sondern nur die Aufhebung von Maßnahmen, die alles noch verschlimmern."

...


Aus: "Frankreich: Versuch der Befriedung einer unbekannten Protestbewegung" Thomas Pany (04. Dezember 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Frankreich-Versuch-der-Befriedung-einer-unbekannten-Protestbewegung-4241006.html

Quote
Hat se nicht alle, 04.12.2018 19:57

... Es scheint so, als ob ein gewisser Prozentsatz derer, die all die Jahrzehnte unbeachtet ausgesaugt wurden nun einfach darauf keinen Bock mehr haben. Es ist eben NICHT auf Leistung begründet, wenn sich ein kleiner Teil das 20-100 fache eines Durchschnittsgehalts gönnt und steuerlich recht unbelastet ihr Geld vermehrt. ...


Quote
     Nickellodeon, 04.12.2018 22:27

Bei Phönix ist das alles nur ein Kommunikationsproblem


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« Reply #849 on: December 06, 2018, 09:01:30 AM »
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[...] Die Max-Planck-Gesellschaft - Sie ist eine der renommiertesten Forschungsorganisationen der Welt. Viele junge Wissenschaftler bewerben sich um eine Stelle an einem der mehr als 80 Institute und Forschungseinrichtungen, gelten sie doch als Sprungbrett für die Karriere. Die Einrichtungen entstehen um weltweit führende Spitzenforscher herum, die ihre Themen selbst bestimmen, beste Arbeitsbedingungen erhalten und Mitarbeiter frei auswählen können, wie es auf der Website der Max-Planck-Gesellschaft heißt. Finanziert wird die Max-Planck-Gesellschaft je zur Hälfte von Bund und Ländern. Im Jahr 2017 lag die Grundfinanzierung bei etwa 1,8 Milliarden Euro. Hinzu kommen Drittmittel von öffentlichen und privaten Geldgebern sowie der Europäischen Union.

... an zahlreichen Hochschulen gibt es immer wieder Fälle von Machtmissbrauch an Unis. Elitehochschulen wie die ETH Zürich sind davon nicht ausgenommen.

Schuld daran ist ein System, in dem Professoren über viel Macht verfügen. Sie bestimmen über Verträge und Arbeitszeiten, haben das letzte Wort bei Publikationen. Sie bewerten die Abschlussarbeiten und verfassen Empfehlungsschreiben. Kurzum: Sie halten die Zukunft ihrer Doktoranden und Postdocs in den Händen.

Unangenehme Chefs gibt es zwar auch in anderen Branchen, aber der Unterschied zur Forschung ist groß: Ob Professoren ihre Macht missbrauchen, wird bislang noch viel zu wenig kontrolliert. Es gibt zwar auch Beschwerdestellen, aber Doktoranden oder Postdocs haben Angst, dass sie sich den Weg nach oben verbauen könnten, wenn sie Kritik üben - zumal sich viele Wissenschaftler untereinander kennen und sich schnell herumsprechen könnte, wer einem Professor unangenehm wurde.

...


Aus: "Max-Planck-Direktorin muss Posten räumen" Kristin Haug (05.12.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/max-planck-institut-leipzig-direktorin-tania-singer-muss-gehen-a-1242019.html

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hedgehog66, 11:18 Uhr

Eine Professorin, die (lt. Wikipedia) auf dem Gebiet 'menschliches Sozialverhalten sowie soziale und moralische Emotionen (z. B. Empathie, Mitgefühl, Neid, Rache, und Fairness) forscht, wird wegen jahrelangen systematischen Mobbings entlassen. Offensichtlich hat die Dame wenig Ahnung von ihrem Fachgebiet und/oder kann sich schlichtweg nicht selbst reflektieren!? Andererseits ... in der heutigen Zeit erscheint es sogar oftmals so, dass eine gewisse Empathie-Losigkeit eine notwendige Voraussetzung zu sein scheint, um gewisse Positionen erst bekleiden zu können.


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hansulrich47 heute, 11:22 Uhr

Professoren sind Halbgötter

Gegenüber Diplomanden oder Doktoranden sind sie in einer sagenhaften Position der Allmacht. Denn ob die Daten gut oder schlecht sind, ob eine Arbeit beendet werden darf oder nicht, entscheidet ausschliesslich der Professor/die Professorin. Das ist für die Betroffenen kein Zuckerschlecken. War leider schon immer so. Und keiner weiss so genau, wie das zu ändern wäre. ...


Quote
Lykanthrop_ heute, 12:25 Uhr

Diesen Missbrauch von Macht gibt es überall da, wo Menschen über andere Menschen bestimmen, besonders auch in der freien Wirtschaft. Dass dies nun gerade eine Sozialwissenschaftlerin betrifft wirkt skurril ...


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cherrypicker gestern, 13:00 Uhr

Unter den Talaren ...

Das deutsche Hochschulwesen begünstigt nun mal autokratische Strukturen, daran hat sich seit Zeiten Max Webers' nichts geändert, der darüber schon 1904 ätzte. Auch die Bildungsreform in den 1970ern hat die alten Zöpfe nur geglättet, aber nicht abgeschnitten. Zwar tragen die Dignitäre der Unis heute kaum noch Talare (unter denen die 68er bekanntlich den Muff tausender Jahre ausmachten), aber ihr Allmachtsanspruch ist unangefochten. Es wäre leicht möglich, dass System einer stärkeren demokratischen Kontrolle zu unterwerfen. Das müssten aber ausgerechnet diejenigen unterstützen, die selber durch die entwürdigende Karrieremühle mussten und jetzt endlich an den Fleischtrögen bzw. auf den Lehrstühlen sitzen. Sie werden ihre Macht niemals freiwillig teilen. Bologna hat leider den universitären Mittelbau total geschleift und damit jedwedem zarten Pflänzchen eines Machtausgleichs zwischen Ordiniarien und Fußvolk den Garaus gemacht. Wer als deutscher Wissenschaftler etwas kann, geht meist ins Ausland und überlasst das berufsmäßige Speichellecken denjenigen, die an dieser Art der Selbstherabwürdigung Spaß zu haben scheinen.


...

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« Reply #850 on: December 09, 2018, 06:19:47 PM »
Quote
[...] Mit der Hoffnung auf schnelles Geld stehen vorwiegend Osteuropäer jeden Morgen in Gaarden an der Straße. Sie werden abgeholt, um Arbeiten zu verrichten - ohne Rechte, ohne Versicherung. Für Experten ist der sogenannte Arbeiterstrich keine Seltenheit.

Kiel - Dienstagmorgen, es ist kurz nach 6 Uhr. Drei Männer stehen im Stadtteil Gaarden an der Kreuzung zwischen Iltisstraße und Kirchenweg. Es ist dunkel und kalt, sie stehen zusammen, einer zündet sich eine Zigarette an. Um 6.15 Uhr hält plötzlich ein kleiner Lkw mit Plöner Kennzeichen direkt neben ihnen. Alle drei steigen ein, und das Fahrzeug braust davon. Selber Ort, selbe Zeit einen Tag danach: Wieder kommt der Transporter, diesmal wartet er eine Weile: Einer der Männer holt sich noch einen Kaffee vom Kiosk gegenüber. Er trägt Arbeitskleidung und einen Werkzeuggürtel. Dann fährt der Wagen in Richtung Preetzer Straße los.

Was auf den ersten Blick wie eine gut funktionierende Fahrgemeinschaft wirkt, nennt Adrian Stoica von der Kieler Beratungsstelle Arbeitnehmerfreizügigkeit „Arbeiterstrich“. Stoica arbeitet seit fünf Monaten als Projektleiter in der Einrichtung. Vom Arbeiterstrich erfuhr er durch Berichte eines Klienten, dessen Beschreibungen sich auch mit dem beobachteten Szenario am Dienstagmorgen decken. Nach Stoicas Darstellung funktioniert der Arbeiterstrich so: Frühmorgens gegen 6 Uhr stellen sich Menschen, vorwiegend Männer aus osteuropäischen Ländern, an die Straße und warten darauf, dass jemand sie mitnimmt und sie für einen Tag oder zwei beschäftigt. Das Geld gebe es am Ende des Tages bar auf die Hand, sagt Stoica. Zu wem sie einsteigen und was sie den Tag über arbeiten, wissen die Männer im Voraus meistens nicht. Im Prinzip seien sie Tagelöhner – ohne Rechte und ohne Versicherung. „Sie arbeiten schwarz. 90 Prozent der Männer, die sich hier auf den Arbeiterstrich stellen, sind Bulgaren“, sagt Stoica.

Ein Mann, der vor dem Kiosk in Gaarden steht, bestätigt den Ablauf: „Das machen die hier schon seit Monaten so. Meistens holen Baufirmen die Männer ab.“ Manchmal seien es sechs, manchmal nur drei, die an der Kreuzung stehen und darauf warten, abgeholt zu werden. „Naivität und Geldnot sind für die meisten die Beweggründe, um nach Deutschland zu kommen und sich hier mit Schwarzarbeit ihr Geld zu verdienen“, sagt Stoica. Auch in Neumünster soll es einen Arbeiterstrich geben, in Großstädten wie Hamburg, München und Köln wurde ebenfalls über das Phänomen berichtet. Dagegen sei der Arbeiterstrich in Kiel vergleichsweise klein, sagt Stoica.

... In Gaarden gibt es inzwischen viele bulgarische Cafés. Eins davon ist laut Stocia der Ort, an dem sich Männer treffen, die auch auf dem Arbeiterstrich ihr Geld verdienen. Wer sie vor Ort anspricht, stößt auf eine Mauer des Schweigens. „Davon wissen wir nichts“, sagt ein älterer Mann. Das Geschäft mit dem Arbeiterstrich bliebt im Kiel im Verborgenen.


Aus: "Ein Job für einen Tag" Franziska Martin (11.10.2018)
Quelle: http://www.kn-online.de/Kiel/Arbeiterstrich-Gaarden-Ein-Job-fuer-einen-Tag


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« Reply #851 on: December 09, 2018, 07:18:32 PM »
Quote
[...] In Deutschland arbeiten deutlich mehr Migrantinnen und Migranten im Niedriglohnsektor als im internationalen Vergleich. Im Durchschnitt werden in der Europäischen Union und den Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein Viertel dieser Jobs von Migranten ausgeübt. In Deutschland sind es 40 Prozent. Das zeigt eine anlässlich des UN-Migrationsgipfels im Marrakesch vorgelegte Integrationsstudie von EU und OECD.

Ähnliche Werte wie Deutschland haben demnach Österreich, Schweden und Norwegen. In der Schweiz und in Luxemburg werden sogar 60 Prozent der in der Regel niedrig entlohnten Jobs von Zuwanderern übernommen. "Es bleibt viel zu tun, wenn es um die Erschließung des bisher ungenutzten Potenzials von Migranten für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den Aufnahmeländern geht", sagte OECD-Generalsekretär Angel Guerría.

Wie aus der Studie hervorgeht, erhöhte sich im Verlauf der vergangenen zehn Jahre die Differenz bei der Arbeitslosenquote von Migranten und Einheimischen. In allen Staaten der EU und der OECD sei die Arbeitslosenquote von Migranten höher als die von Nicht-Migranten. Am ausgeprägtesten sei die Differenz aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Südeuropa.

Die Studie zeigt auch, dass viele gut ausgebildete Migranten in Berufen arbeiten müssen, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. So gebe es 33,2 Millionen Migranten in der OECD und elf Millionen in der EU, die als hochgebildet gelten. Von diesen arbeiten demnach 8,1 Millionen in der OECD respektive 2,9 Millionen in der EU in Jobs, für die sie überqualifiziert sind. Weitere sieben Millionen (OECD) und 2,4 Millionen (EU) aus dieser Gruppe seien sogar arbeitslos. Damit hätten 20,4 der 33,2 Millionen hochgebildeten Migrantinnen und Migranten keine ihrer Ausbildung angemessene Beschäftigung.


Aus: "Überdurchschnittliche viele Migranten im Niedriglohnsektor beschäftigt" (9. Dezember 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-12/niedriglohnsektor-oecd-studie-migranten-deutschland-europa

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« Reply #852 on: December 10, 2018, 12:53:42 PM »
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[...] Das Jahr 2016 war eine Warnung. Der Brexit, die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA: Was sich über lange Zeit zusammengebraut hatte, brach sich in diesem Jahr Bahn. Doch das politische, kulturelle und wirtschaftliche Establishment setzte weiter auf Ignoranz. In Frankreich sieht man die Folgen.

Seit Wochen dasselbe Bild: Menschen in Frankreich gehen auf die Straße, immer wieder kommt es zu Ausschreitungen. Was als Protest gegen Benzinpreiserhöhungen begann entwickelte sich schnell zu einer breiten Bewegung. Da geht es gegen die zunehmende Belastung durch Steuern und Mieten, zu niedrigen Löhnen, miserablen Nahverkehr und wohl auch immer wieder gegen Unsichtbarkeit großer Teile der Bevölkerung. Das Establishments, in Frankreich, wie in anderen westlichen Ländern, besteht aus einer mehr oder weniger informelle Koalition aus Ökologen, Identitätspolitikern und Neoliberalen, der eine gewisse Verachtung der Arbeiterklasse und der unteren Mittelschicht gemein ist. Sie passen weder Wirtschaftlich noch von ihrer Lebensart zu der gesellschaftlichen Vision einer ebenso weitgehend deindustrialisierten wie deregulierten Gesellschaft, die sich der Diversität und der Ökologie verpflichtet fühlt, aber gegenüber sozialen Fragen eher desinteressiert ist.

Hillary Clinton nannte im Präsidentschaftswahlkampf große Teile der potentiellen Wähler Trumps einen „Sack der Erbärmlichen“ – und ähnlich dürfte es auch das Establishment in Großbritannien, Frankreich und Deutschland sehen, auch wenn die Politik es nicht so deutlich ausdrückt. Da sind Menschen, die stören, die in den Zukunftsvisionen des Establishments keinen Platz haben. Vor wenigen Wochen fragte sich Adam Soboczynski, Feuilletonchef der Zeit in einem Artikel , warum die „Elite“ so unbeliebt sei und von allen Seiten kritisiert und verlacht werden, um wenige Zeilen später in einer mit nahezu dankenswerter Offenheit verfassten Beschreibung der Arbeiterklasse und der traditionellen Mittelschicht die Begründung für die seiner Schicht entgegenschlagenden Verachtung, ja Wut, zu liefern: „Es gibt sie natürlich nach wie vor, aber sie sind unsichtbar. Keine satisfaktionsfähige Serie zeigt ihren Alltag (eher kommt eine Krasse 4-Blocks-Unterschicht ins Bild). kein Werbespot würde sie zum Handlungsträger machen, niemand in meiner Akademikerschicht sind sie noch ein über die Dienstleitung hinausgehender Bezugspunkt oder gar ein Vorbild, nach dem man sein Leben ausrichtet. Sie sind nicht arm, sie sind nur unbedeutend und out.“

Dummerweise stellen sie nach wie vor einen großen Teil, wenn nicht die Mehrheit der Bevölkerung und seit 2016 ist klar, dass diese Menschen nicht der Ansicht sind, dass ihr Leben, ihre Jobs und ihre Probleme unbedeutend sind.

Darauf hätte das Establishment reagieren können, doch diese Reaktion blieb bislang aus.

Dass die Reaktionen dieser Klassen in Großbritannien, den USA und Frankreich bislang wesentlich heftiger als in Deutschland waren, hat viele Gründe. In Deutschland gibt es, im Gegensatz zu Großbritannien, den USA und Frankreich keine klassische Elite, auch wenn manche sich einreden, zu einer solchen zu gehören. Die wirtschaftliche und politische Führung ist hier heterogener. Es gibt in Deutschland weder Oxford noch Cambridge. Es gibt keine Ivy-League-Universitäten und keine Grande Écoles, auf denen die traditionellen Eliten dieser drei Länder ausgebildet werden. Und Berlin ist zwar eine Insel im Nichts, schon geografisch weit entfernt von den anderen Zentren des Landes, aber es ist nicht Paris oder London. Wirtschaftlich ist die Hauptstadt näher an Gelsenkirchen als an München oder Frankfurt.

Zudem ist die wirtschaftliche Lage hierzulande deutlich besser, die Arbeitslosigkeit geringer und die föderalen Strukturen erweisen sich ein weiteres Mal als Glücksfall.

Doch auch wenn der Begriff der Elite auf das Establishment hierzulande kaum anzuwenden ist, gibt es doch eine große Distanz zwischen ihm und großen Teilen der Bevölkerung.

Die steigenden Mieten fressen die mageren Lohnsteigerungen weg. Für den US-Ökonomen Richard Florida sind sie einer der Hauptgründe für die wirtschaftlichen Probleme vieler Menschen. Die sich abzeichnenden Dieselfahrverbote sind für Pendler eine existenzielle Bedrohung, von der faktischen Enteignung von Diesel-PKW einmal ganz abgesehen. Die Angst vor Altersarmut, der zum Teil miserable Zustand nicht nur der digitalen Infrastruktur, die steigenden Energiepreise, ausbleibende Investitionen in den Nah- und Fernverkehr, der Umgang mit Zuwanderung und ihren Folgen. Eigentlich sollte eine große Koalition in der Lage sein, die großen Probleme zu lösen, doch die politische Klasse kreist um sich selbst. Die Union ist gespalten, die SPD blickt in den Abgrund: Zwei angeschlagene Parteien  regieren das Land längst ohne dafür noch eine Mehrheit zu haben und dass die meisten Alternativen wohl noch schlimmer wären, beruhigt angesichts einer sich abzeichnenden Rezession nicht.

Zwei Jahre hatte das Establishment in Frankreich Zeit, aus Trump und Brexit Lehren zu ziehen, dass die Menschen nicht bereit sind, immer mehr Druck zu ertragen, ohne für sich eine Perspektive zu sehen.

Auch die Politik in Deutschland, ja das ganze Establishment, zu dem auch große Teile der Medien und der Wirtschaft gehören, hat das nicht getan.

Klug ist das nicht und viel Zeit bleibt nicht mehr. Die angeblich „Unbedeutenden“ sind nicht bereit, sich in ihr Schicksal zu fügen. Der Donner des Gewitters in Frankreich ist deutlich, wenn auch noch leise, zu hören.





"Tage des Zorns" (Montag, 03. Dezember 2018)
Den französischen „Gelbwesten" ist der Kragen geplatzt.

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Arnold Voss
9. Dezember 2018 um 12:57

Gesellschaften lernen immer zu spät. Aber sie lernen.  ... Auf jeden Fall bricht sich die alte Klassengesellschaft in neuer Form wieder bahn, wie es sich die Berliebigkeitsapostel der Postmoderne nicht (mehr) vorstellen konnten. Ausbeutung und Gerechtigkeit werden wieder zu großen Themen während zugleich offenbar wird, dass die Menscheit mitnichten in der Lage ist, dem Klimawandel zu entkommen. Ein Jahrundert gnadenloser Auslese ist angebrochen, der sich die Oberschicht mit allen Mitteln zu entziehen sucht, während der Rest aufeinandergehetzt wird, bzw. sich aufeinander hetzen lässt.


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Die Forderungen der „Gelbwesten“ gehen nun offiziell über die bloße Frage der Treibstoffpreise hinaus. In einem langen, der Presse und den Abgeordneten übermittelten Kommuniqué, das in den französischen Medien breite Beachtung fand und das Rubikon hier abdruckt, listen sie eine Reihe von Forderungen auf, die sie erfüllt haben möchten. ...
https://www.rubikon.news/artikel/tage-des-zorns

"Der Aufstand" (Samstag, 08. Dezember 2018)
Als Echo auf die Erklärungen des Präsidenten verurteilen Minister und Medien „die Gewalt“, die sich vor dem Hintergrund der Massenmobilisierung der Gelbwesten ausbreitet, und schieben die Verantwortung auf „gewalttätige Demonstranten“, die versuchen, Chaos auf den Straßen unserer Städte anzurichten. Jean Lévy, vier Jahrzehnte lang engagiert für die französische Gewerkschaft CGT, rückt dieses schiefe Bild zurecht. ...
https://www.rubikon.news/artikel/der-aufstand

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« Reply #853 on: December 11, 2018, 10:20:12 AM »
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[...] Emmanuel Macron hat die Gelbwesten endlich als das erkannt, was sie sind: die größte Gefahr für seine Präsidentschaft. In einer Fernsehansprache an die Nation hat der französische Präsident versucht, seine wütenden Landsleute zu befrieden. "Wir sind in einer sozialen Ausnahmesituation", sagte Macron, der erst seit eineinhalb Jahren im Amt ist. "Ich vergesse nicht, dass es hier eine große Wut gibt. Eine Wut auf die Autosteuer, die Wut der Arbeitenden, die früh aufstehen und spät wiederkommen und trotzdem Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen", sagte Macron in seiner Ansprache, die auf mehreren Fernsehsendern gleichzeitig lief.

Er kündigte an, den Mindestlohn um 100 Euro pro Monat anzuheben und die kürzlich erhöhte Steuer für Menschen mit einer Rente von weniger als 2.000 Euro zurückzunehmen. Doch wird das reichen, um die Gelbwesten zu befrieden?

Am vergangenen Wochenende waren wieder mehr als 100.000 Menschen in Frankreich auf die Straße gegangen, und nach wie vor halten laut Umfragen drei von vier Franzosen den Protest für legitim. Eine rekordverdächtige Zahl: Protesten beispielsweise der kampferprobten Eisenbahner oder auch von Lehrerinnen und Lehrern stimmte meist nur weniger als jeder zweite Franzose zu. Die Gelbwesten sind also besonders beliebt, daran ändern auch die gewaltsamen Ausschreitungen Hunderter Anhängerinnen und Anhänger bislang nichts.

Macron ist daher gezwungen zu reagieren. Die höhere Benzinsteuer hatte er schon vergangene Woche zunächst ausgesetzt. Und nun also weitere Zugeständnisse.

Aber Macron wäre nicht Macron, wenn die Ankündigungen vom Montagabend im Grunde nicht seinen Ideen entsprächen: Der nun erhöhte Mindestlohn wird nicht direkt über die Arbeitgeber bezahlt, sondern über die prime d'activité – eine staatliche Bezuschussung von Familien mit besonders niedrigem Einkommen. Denn, so die Überzeugung des wirtschaftsliberalen Macron: Ein generell hoher Mindestlohn kostet Jobs, und die Wirtschaft darf nicht zu sehr belastet werden.

Macron weicht den eigentlichen Problemen aus. Er weiß, dass die Gelbwesten vor allem die Vermögenssteuer ISF zurückfordern, die er als eine erste Amtshandlung von den Millionären Frankreichs nahm. Aber dieses symbolische Einknicken möchte er sich nicht erlauben. Also forderte er in seiner rund 15-minütigen Rede diejenigen Arbeitgeber, die es sich leisten können, auf, ihren Angestellten eine Prämie auszuzahlen, die nicht versteuert werden muss.

Außerdem möchte er die "Wohlhabenden des Landes" einladen, um über ihren Beitrag für den sozialen Frieden zu sprechen. Eine so wachsweiche Formulierung wird die Gelbwesten nicht befrieden: Ihr am lautesten und häufigsten skandierter Slogan lautet nach wie vor, die Vermögenssteuer wieder einzuführen. Ein staatliches Kaffeekränzchen mit den Millionären des Landes wird sie nicht begeistern.

"Da geht noch was", schrieben die Gelbwesten am Abend nach der Rede auf Facebook. Die Krankenschwester, der Rentner, der Unzufriedene, sie alle wollen wissen: Tut sich da noch was?

Macron hatte noch am Montagmorgen versucht, möglichst viele Interessengruppen einzubinden. Er sprach mit den Fraktionschefs der Parteien, mit Gewerkschaftsbossen, mit dem Sozial- und Wirtschaftsausschuss, den Arbeitgeberverbänden. Das Problem dabei ist allerdings: Diese üblichen Ansprechpartner der Regierung haben mit den Gelbwesten nichts zu tun. Sie sehen wie Macron dem Treiben mit vor Staunen geöffneten Augen zu. Auch sie werden auf den Marktplätzen ausgepfiffen, weil die Gelbwesten sich von niemandem vereinnahmen lassen wollen.

Die Fernsehansprache war nach einer Woche des Schweigens die Chance des Präsidenten, die Menschen zu erreichen. Das letzte Mal, als sich Macron in die Öffentlichkeit wagte, besichtigte er eine von den Gelbwesten demolierte Präfektur im zentralfranzösischen Puy-en-Velay – und wurde von Passanten ausgebuht.

Der Präsident kann im Moment nichts richtig machen, weil die Gelbwesten seiner Politik komplett entgegenstehen: Sie wollen die Steuern radikal umverteilen, ja, sie fordern einen Systemwechel, bei dem die Reichen viel abgeben und die Armen fast alles behalten dürfen.

Macrons Überzeugung aber ist es, die obere Schicht zu schützen, damit sie die Armen mitziehen kann. Ändert er seine Politik allerdings so, wie es die Gelbwesten fordern, würde er seine zentrale wirtschaftsliberale Politik verraten: Er müsste die Vermögenssteuer wieder einführen, den Mindestlohn und die Rente um Hunderte Euro pro Monat erhöhen. Hält er an seiner Politik fest, so werden die Gelbwesten wohl weiter protestieren. Macron sitzt in der Falle.

Seit mehr als fünf Wochen blockieren die Gelbwesten Straßenkreuzungen und Finanzämter, an vier Samstagen haben sie Paris lahmgelegt und es auf die Titelseiten internationaler Zeitungen geschafft. Vor allem deswegen, weil sich unter sie sogenannte casseurs, Zerstörer, gemischt haben, die Schaufenster einschlugen, Mülleimer in Brand setzten und Steine schmissen. Laut der französischen Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dieser gewaltbereiten Teilgruppe um Menschen aus dem links- und rechtsextremen Milieu – und um Gelbwesten, die sich keiner politischen Linie zuordnen lassen, die aber voller Wut zuschlagen.

Dass die Gelbwesten so wenig greifbar sind, ist das größte Problem für die Pariser Regierung. Die Protestierenden haben viele verschiedene Forderungen, sie wollen keine Hierarchien. Über die sozialen Medien verabreden sie sich zu Blockaden an Kreisverkehren oder für die samstäglichen Demonstrationen. An den grellen Sicherheitswesten erkennen sie sich. Die gelben Westen geben ihnen das Gefühl, dazuzugehören und etwas bewegen zu können.

Nun wird auch diese Woche voraussichtlich wieder so ablaufen, als hätte Macron gar nicht gesprochen. Viele Gelbwesten sagen in Interviews, diese Proteste seien ihre einmalige Chance, sich Gehör zu verschaffen. Und Wirkung zu haben. Für Samstag sind erneut Proteste in ganz Frankreich angekündigt.


Aus: "Gelbwesten in Frankreich: Emmanuel Macron in der Falle der Wütenden" Eine Analyse von Annika Joeres, Nizza (11. Dezember 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-12/gelbwesten-frankreich-emmanuel-macron-rede-zugestaendnisse-proteste/komplettansicht

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Bluto Blutarski #1.8

"Glauben Sie, dass Wut Dinge lösen kann?"

Sie hilft. Genauso wie der Schmerz hilft dem Gehirn zu signalisieren, dass es die Hand von der heißen Herdplatte nehmen soll.
Alle 4 oder 5 Jahre zwischen Pest und Cholera sein Kreuzchen machen zu dürfen genügt bestenfalls dem Mann'schen Untertan.


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Farcebrause #2

"Können seine Zugeständnisse die Proteste im Land stoppen?"
"Macron weicht den eigentlichen Problemen aus."

Der Artikel beantwortet die in der Überschrift gestellte Frage selber. Er hat doch gar keine Zugeständnisse gemacht, sondern bietet ein vergiftetes Geschenk an. Krümel vom Tisch der oberen 10.000 gegen Ruhe im Land. Er versucht sich ohne eine grundlegende Änderung seiner Politik aus der Situation herauszuwinden. ...


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links-rechts-Drehwurm #2.1

Ich befürchte dass die Etablierten diese Kehrtwende nicht können. Entweder aus ideologischer Verblendung (wir sind die erwachsenen Leistungsträger) oder es bewusst verhindern um der etablierten Klasse weiter zum "Sieg" zu verhelfen.


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alliance1979 #2.3

@ links-rechts-Drehwurm

"Macrons Überzeugung aber ist es, die obere Schicht zu schützen, damit sie die Armen mitziehen kann."

Der Mann glaubt an die sog. Trickle-down-Theorie.Was die reichen bekommen, regnet irgendwann auf die armen hernieder. Das mag etwas zynisch von mir formuliert sein, entspricht aber dem Glaubensgrundsatz dieses Präsidenten.
Das dies nicht funktioniert, ist empirisch betrachtet eigentlich bestens belegt. Aber da sind wir dann bei der Ideologie. ...


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Farcebrause #2.6

"Mehr als Krümel kann sich der französische Saat doch gar nicht mehr leisten."

Naja ... immerhin konnte er sich die Abschaffung der Vermögenssteuer leisten. Danach zu argumentieren, dass kein Geld da sei, ist schon unverschämt.


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NIKYTOELE #2.30

... Der trickle down effect ist nicht zynisch sondern war offizielle Politik unter Reagan ,dies hat noch nie funktioniert, aber ist quasi religioese Rechtfertigung fuer die Umverteilung von unten nach oben


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Jay87 #2.36

... Es geht hier darum, dass jede Gesellschaftsschicht, einschließlich der Finanzelite einen angemessenen Beitrag zur Gesellschaft leistet und dass trickle-down Effekte nunmal nachgewiesenermaßen nicht funktionieren. Genauso wenig funktioniert eine pauschale Enteignung aller Bürger steht nirgends zur Diskussion und ist ein genauso wenig gangbarer Weg.

Aber wenn die breite Bevölkerung immer mehr und produktiver arbeiten muss, aber weniger finanzielle Mittel real monatlich zur Verfügung hat und gleichzeitig eine Vermögenssteuer abgeschafft wird, dann führt das in einem Land wie Frankreich zu solchen Protesten. Davon könnten sich die deutschen Arbeitnehmer durchaus eine Scheibe abschneiden, hier ist die Situation ja noch pervertierter, wenn sich Spitzenpolitiker, die gleichzeitig vermeintlich self-made-millionairs für die Mittelschicht halten. ... in Deutschland wird ein Großteil des Vermögens vererbt und nicht erarbeitet. Deutschland hat kaum Einkommensmillionäre, der Löwenanteil zehrt vom erarbeiteten Erbe. Das nicht als Reichtumgsproblem im Sinne von Verteilungsgerechtigkeit zu sehen und stattdessen dem Vollzeit-Mindestlohn-Jobber zu erzählen, er sei halt nicht fleißig genug, halte ich für sehr gewagt. ...


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Dummkopfx10 #3

Hhm, die Gelbwesten wollen also keine Almosengesellschaft, im neoliberalen Umgangssprachgebrauch auch "Trickle-Down-Economics", sondern eine sozial nicht-diffamierende Teilhabe an der Gesellschaft für alle, kurzum: "Reichtum begrenzen, um Armut abzuschaffen". Das sieht die neoliberale Elite um Macron natürlcih anders und versucht durch billige Maßnahmen auf Kosten der Steuerzahler "sein" Volk zu besänftigen. Macron wurde nicht für seien Reformagenda gewählt, sondern um Le Pen zu verhindern, war also quasi alternativlos - sehr praktisch...


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rumbati #5

"Das Paradox des Macronismus"

Schon bevor die Gilets Jaunes öffentlich in Erscheinung traten, hatte im Sommer d.J. der  Parteienforscher Luc Rouban in seinem Buch "Das Paradox des Macronismus" den Protest angekündigt.

Der "Macronismus"sei eine Schimäre, ein Trugbild. Macron habe keinen Rückhalt in der Bevölkerung. Macrons Wählerbasis aus jenen, die seine Werte wirklich teilten, liege bei nur sechs Prozent. Rouban hatte monatelang zur Zusammensetzung der Nationalversammlung geforscht und festgestellt, dass die große Mehrheit der neuen Abgeordneten nun zwar jünger und weiblicher war – aber auch, dass im französischen Parlament wahrscheinlich noch nie so viele Menschen mit ähnlichem Profil saßen. Sie sind überdurchschnittlich gebildet und wohlhabend. Und repräsentieren damit nur einen winzigen Teil Frankreichs.


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Carolus Fridericus #10.4

Und genau deswegen, weil die meisten Deutschen nicht verstehen, dass eine funktionierende Wirtschaft auf dem Prinzip beruhen muss, dass sich steigende Produktivität verteilungsneutral auf alle Wirtschaftsteilnehmer, welche diese Produktivität erreicht haben, erstrecken muss, genau deswegen konnten der Genosse der Bosse und seine Gesinnungsgenossen hier zu Lande ohne Probleme durchsetzen, dass die Reallohnentwicklung über Jahrzehnte nahezu stagnierte. Und weil das für Deutschland zur Folge hatte, dass man sich auch gegenüber Frankreich, die mit ihrer Politik recht genau auf dem vorher vereinbarten Inflationsziel lagen, einen unbeschreiblichen Wettbewerbsvorteil erschlichen hat. Völlig besoffen wurde doch hier die Exportweltmeisterschaft zelebriert, so als wenn ein permanenter Leistungsbilanzüberschuss und die Abhängigkeit der eigenen Wirtschaft allein von den anderen Ländern der Welt was Gutes wäre.

Und jetzt denkt der Deutsche, Frankreich soll es wie Deutschland machen. Ohne natürlich an die Konsequenzen zu denken. Denn was für Deutschland funktioniert, muss für den Rest der Welt auch funktionieren. ...


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DieMenschheitIstGut #11

Der Kommentar stellt gute Fragen, findet aber nicht die richtigen Antworten. Franzosen sind mental völlig anders als Deutsche. Ich kenne Frankreich familiär ziemlich gut, selbst im "deutschen" Osten tickt man völlig anders. Da schert sich niemand um makroökonomische Grundsatzdebatten um den Mindestlohn, es zählt allein, dass das Geld zum Leben reicht. Und das tut es nicht. Zwar ist vieles in Frankreich sozialer geregelt, aber insgesamt ist das Leben dort viel teuer als in Deutschland, selbst auf dem Land. Von den Metropolen mal ganz zu schweigen. Wen wundert es da noch, wenn eine bestversorgte politische Kaste als "Feind" angesehen wird und das Land tiefstgespalten ist?


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Andy F. #11.1

Ich wage sogar zu behaupten, dass mittlerweile ganz Europa tief gespalten ist und dass sich dies nicht auf Frankreich beschränkt.


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ichwillebessagendazu #22

"Ein staatliches Kaffeekränzchen mit den Millionären des Landes wird sie nicht begeistern." und "Macrons Überzeugung aber ist es, die obere Schicht zu schützen, damit sie die Armen mitziehen kann."...

Es frägt sich, warum die Armen so arm geworden sind und warum die Reichen sie jetzt mitziehen sollen. Ist im Globalisierungsrausch plötzlich so etwas wie Gemeinschaftssinn entstanden? Wohl kaum. En marche, ihr Gelbwesten!


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zappp #32

Auch Emmanuel Maccron ist letztlich Abkömmling einer recht geschlossenen, finanziell sorgenfreien französischen Elite, die sich in die Befindlichkeiten der Normalos nicht so recht hineinversetzen vermag.

Leider kann das die Front National um so bessen.


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Werner Kampmann #32.1

Der Front National ist ein korrupter Haufen von Ewiggestrigen, übrigens ebenfalls finanziert vom oberen Prozent. Die Franzosen haben also die Wahl zwischen neoliberaler Pest und faschistischer Cholera.Vielleicht sind sie ja deshalb so sauer?


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Für-den-Erhalt-des-echten-Asylrechts #35

Macron ist - wie andere demokratische Staatenlenker auch - nicht der gestrenge Vater, der seine Kinderchen zu erziehen und ihnen deshalb ihre Wünsche abzuschlagen hat, sondern der Verwalter ihrer Interessen.

Ich kann mich immer nur wundern über die paternalistische Einstellung vieler Journalisten.

Man "gibt nicht nach" als Politiker, man richtet sich nach dem Wählerwillen. So sollte es zumindest sein. Macron hat vergessen, dass er nicht gewählt wurde, weil er so toll ist, sondern, weil die Wähler Le Pen verhindern wollten. Das kann man übrigens ändern.

Die demokratischen Länder sind Eigentum ihrer Bürger. Wäre wirklich schön, wenn sich Politiker und Medien mal daran erinnern würden!


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DerKrieger #47

"Der Präsident kann im Moment nichts richtig machen, weil die Gelbwesten seiner Politik komplett entgegenstehen: Sie wollen die Steuern radikal umverteilen, ja, sie fordern einen Systemwechel, bei dem die Reichen viel abgeben und die Armen fast alles behalten dürfen. Macrons Überzeugung aber ist es, die obere Schicht zu schützen, damit sie die Armen mitziehen kann."

Ich bin immer wieder fassungslos, dass es Menschen gibt, die so einen Dünnsinn glauben. Aber dazu sind 'Elite'-Schule vermutlich da.


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« Reply #854 on: December 12, 2018, 02:08:24 PM »
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[...] Post- und Paketzusteller sind deutlich häufiger krankgeschrieben als der Durchschnitt - und verdienen zugleich sehr viel weniger Geld.  ... Mehr als 490 000 Menschen arbeiten mittlerweile bei Post- und Zustelldiensten in Deutschland, wie die Bundesagentur für Arbeit ausgewertet hat. Nur 30 Prozent haben jedoch eine Ausbildung abgeschlossen, etwa zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienste. 70 Prozent sind Hilfskräfte und arbeiten zum Großteil in Teilzeit oder als Minijobber. Das zeigt die Antwort der Arbeitsagentur auf eine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Pascal Meiser, worüber die Süddeutsche Zeitung berichtet hat. Danach verdienen Vollzeitaushilfen im Mittel 2044 Euro brutto im Monat. Mehr als die Hälfte von ihnen bleibe unterhalb der Niedriglohnschwelle. Dazu kommt: Die Statistik erfasse nicht die vielen selbständigen oder gar scheinselbständigen Fahrer - und auch nicht die wachsende Zahl von ausländischen Subunternehmern bei den Paketdienstleistern mit noch schlechterem Gehalt.


Aus: "Krankmachende Arbeit für wenig Geld" (12.12.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/post-und-paketzusteller-im-stress-krankmachende-arbeit-fuer-wenig-geld/23750710.html