Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 227913 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #780 on: September 09, 2018, 01:10:05 PM »
"Weniger Moral, mehr Politik!" Bernd Ulrich (5. September 2018, 17:00 Uhr Editiert am 9. September 2018, 11:49 Uhr DIE ZEIT Nr. 37/2018)
Die einen regen sich über undankbare Flüchtlinge auf, die anderen über SUV-Fahrer. Empörung von allen Seiten. Aber es gibt einen Ausweg aus dieser Übermoral.
Kommentar zu: https://www.zeit.de/2018/37/moral-hypermoral-ideologiekritik-arnold-gehlen

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Christian W. #11

Herrje Zeit-Online, kommt mal aus eurer akademischen Filterblase!
Die meisten Menschen da draußen interessiert es einen Scheiß, was sich irgendwelche Dozenten mit zu viel Tagesfreizeit an der Uni ausgedacht haben.
Meine Erfahrung ist, dass es genau andersherum ist, die Menschen werden immer unmoralischer, sie werden immer egoistischer, wollen alles haben, aber das darf nichts kosten, immer rücksichtsloser und der Grundrespekt ist auch weg.
Aber ich hänge ja auch privat nur mit normalen Arbeitern und Angestellten aus der unteren Mittelschicht rum und verkaufe Lebensmittel, vielleicht kommt ich daher auch zu anderen Ergebnissen.



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Zivilisationswächter #11.1

Meine Erfahrung ist, dass es genau andersherum ist, die Menschen werden immer unmoralischer, sie werden immer egoistischer, wollen alles haben, aber das darf nichts kosten, immer rücksichtsloser und der Grundrespekt ist auch weg.

Sie meinen also, die grundlegende Arschlochisierung der Gesellschaft ist bereits weit fortgeschritten? Dem würde ich aus meiner Erfahrung heraus zustimmen.
Aber gerade das sollte doch die Notwendigkeit eines moralischen Handelns klar verdeutliochen, oder nicht?


Quote
Stehaufmann #11.2

Die Menschen sind nicht mehr "Arschloch", sondern es gibt immer weniger Gemeinsamkeit. Wenn es aber keine allgemeinverbindlichen Regeln mehr gibt, dann steigt die Anzahl der Interaktionen, die als "feindlich" wahrgenommen werden.

Eines der Gründe, warum ich immer wieder und wieder gegen "Neuaushandeln" von Zusammenleben eindringlichst warne ! Das ist nämlich nichts als Code für (heißen oder kalten) Bürgerkrieg .... verstehen die Meisten aber nicht !


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Arnd-Matthias Langner #12

Früher war weniger Moral. Nicht in dem Sinne, dass die Menschen zu anderen Zeiten unmoralischer gehandelt hätten, gemeint ist etwas anderes: Der Geltungsbereich des Moralischen, ...scheint sich zuletzt rasant ausgedehnt zu haben."

Richtig. Und "früher" hat man vielleicht auch etwas trennschärfer unterschieden zwischen Moral einerseits und Phärisäertum bzw. Heuchelei andererseits.

Moral ist meine sehr individuelle Konsequenz aus meinen ethischen Prinzipien. Es ist meine genuine Entscheidung und ich(!) trage die kosten und Folgen meiner Überzeugung, statt sie anderen aufzuerlegen.

Heuchelei und an der ist der Zeitgeist überreich, ist das billige(!) Erheben moralischer Ansprüche an Andere. Andere sollen das tun was ich will - und was mir deswegen nicht weh tun würde wenn es gesetzlich geboten würde, und das lassen was mir ohnehin keinen Spaß macht und worauf ich deswegen auch nicht verzichten müsste, wenn ich VERBOT (für alle) schreie.

Ich will meinen Empathiekick und die Rechnung dafür möchte ich eigentlich gern vergesellschaften. Ich möchte in einem hömogenen Bullerbü leben und deswegen sollen gefälligst alle nach meiner Facon selig werden.

Gerade die Christen, die gern mit christlicher Moral argumentieren sind selten in der Rolle des armen Witwe, die ohne viel Aufhebens ihre Scherflein ihrer Überzeugung opfert, sie sind oft genug in der Rolle des Pharisäers mit dem erigierten moralischen Zeigefinger, der auf die Person (und in den Geldbeutel) des Nächsten zielt.


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Tordenskjold #21

Ein gut formulierter Artikel, der am Ende aber lediglich nur den Begriff der Moral abwertet.

Quasi die akademische Variante des rechten Lamentos über die "Gutmenschen". Ja, die Moral der bösen "Teddybärschwenker" und "Veggie Day"-Befürworter ist oft widersprüchlich, anstrengend, intolerant.

Aber das Gegenteil ist der komplett moralbefreite völkisch/nationale Rassismus, der seine inhumanen Ansichten inzwischen komplett hemmungslos hinausposaunt.

Aber wo keine Moral mehr ist, da kann man sie natürlich auch nicht kritisieren.


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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #781 on: September 10, 2018, 09:41:02 AM »
Quote
[...] Die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland ist im Zeitraum von 2007 bis 2017 um 43 Prozent gestiegen. Das geht nach Angaben des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Ende vergangenen Jahres waren demnach mehr als eine Million Menschen in Zeitarbeit tätig und damit so viele wie nie. Zehn Jahre zuvor waren es noch rund 720.000 Menschen gewesen.

Der Anteil der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter an der Gesamtbeschäftigung lag damit im vergangenen Jahr bei 2,8 Prozent. In der Metallbearbeitung und im Lager- und Postbereich ist er mit 14,9 beziehungsweise 12 Prozent deutlich höher gewesen.

Leiharbeit soll Betrieben die Flexibilität ermöglichen, kurzfristig Personal aufzustocken. Sie soll vor allem Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten die Chance bieten, in den Arbeitsmarkt zu kommen. Leiharbeiter erhalten einen deutlichen geringeren Lohn als andere Arbeitnehmer. 2017 betrug der mittlere Bruttolohn von Vollzeit-Leitarbeitern den Angaben zufolge 1.868 Euro monatlich, der von allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 3.209 Euro.

Aus der Antwort geht dem Bericht zufolge auch hervor, dass Leiharbeit nur bedingt reguläre Beschäftigung ermöglicht. Demnach hatten rund 40 Prozent von den Menschen, die im zweiten Halbjahr 2017 ein Beschäftigungsverhältnis in Leiharbeit beendeten, 90 Tage danach noch keinen neuen Job. Rund 60 Prozent hätten in diesem Zeitraum eine neue Beschäftigung gefunden – etwa 40 Prozent von ihnen jedoch ein weiteres Mal in Leiharbeit.


Aus: "Anteil der Leiharbeiter auf Rekordhoch" (10. September 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-09/zeitarbeit-leiharbeit-bundesarbeitsministerium-beschaeftigung-zahlen

Quote
Saures für Mary #1

Nun bin ich verwirrt! Wird uns nicht immer erzählt, dass es uns Deutschen so gut geht?


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Friedrich Nietzsche #1.1

Sind Sie Leiharbeiter?


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Nennwert #1.4

Deutschland geht es fantastisch was die äußere Statistik betrifft ...


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Justin Teim #1.5

Sie verstehen das falsch. Nicht uns Deutschen, sondern den Deutschen Unternehmen geht es gut.


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  Mitch Ross #4

"In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Menschen in Zeitarbeit um gut 40 Prozent erhöht. Ein Übergang in einen regulären Job gelingt eher selten."

Und damit das auch so bleibt, ruft man seitens interessierter Kreise nach Fachkräften aus dem Ausland. Kann man die Nierdriglöhner so so prima gegeneinander ausspielen.


Quote
August S #4.1

Leider überlassen die Linken dieses Thema lieber Nazi-Parteien, verschreckt von einer von schwerreichen Milliardären finanzierten Presse, die natürlich beim Blick auf ihr Aktien-Depot auch keinerlei Sinn darin sehen, dieses Thema aus der Schmuddelecke herauszuführen.


Quote
IchSagJaNurMalSo #8

Die moderne Sklaverei nimmt immer weiter zu, wen wundert dies auch?
Daß eine ganze Branche Milliardengewinne mit dem "verleihen" von Arbeitnehmern erwirtschaftet finde ich eine sehr traurige Tatsache.
Die Politik schaut weiterhin tatenlos zu, denen kann es ja egal sein wie es den Menschen ergeht, welche mit Ihrer Arbeit zu niedrigsten Löhnen und Gehältern malochen gehen müssen um andere zu bereichern, welche diese "vermittelt" haben.
Hauptsache die Leute sind aus den Arbeitslosen-Statistiken raus.


Quote
parrot0815 #9

Leiharbeit soll Betrieben die Flexibilität ermöglichen, kurzfristig Personal aufzustocken. Sie soll vor allem Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten die Chance bieten, in den Arbeitsmarkt zu kommen.

Soll soll soll... tatsächlich ist die Beschäftigung von Leiharbeitern eine langfristige Methode, um die Lohnkosten deutlich zu senken. ...


Quote
UniKrebsforscher #11

Die soziale Marktwirtschaft wird seit Jahren immer weiter ausgehöhlt, Gewerkschaften geschwächt. Ungebremster Kapitalismus ist nun mal menschenverachtend. Also nicht sonderlich überraschend.


Quote
Runkelstoss #17

Die Zahl der Menschen in befristeter Beschäftigung, die sachgrundlos entlassen werden können, hat in den Jahren 2016-2017 um 10% (!) zugenommen (Quelle DlF).

Ich gehe davon aus, das befristete Beschäftigung und Leiharbeit das Arbeitsverhältnis der Zukunft ist.
Das hat natürlich gravierende Konsequenzen für die ganze Gesellschaft, Altersarmut nur als ein Beispiel. Ich glaube dass die Eigentümer des Landes sich eine extrem abhängige und prekär beschäftigte Schicht von Arbeitern wünscht, die bereit ist, zu jeder Bedingung zu arbeiten.


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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #782 on: September 10, 2018, 04:50:33 PM »
Kommentare zu: „Finanzkrise: Ein Oligopol der Großbanken“ – In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen. Die Folgen sind gravierend: Wenn es ernst wird, müssen erneut alle einstehen. Ein Essay von Adam Tooze, New York | https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-09/finanzkrise-lehman-brothers-crashed-adam-tooze (10. September 2018)


Quote
Gumbalaya #8

“In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen.”

Falsch! - WIR haben millionenfach diese und andere Fragen gestellt aber die Entscheidungsträger und Volksrepräsentanten haben sich dafür entschieden UNS zu ignorieren!


Quote
resto #8.2

Mit "wir'' kann der Schreiber meiner Meinung nach nur die Medien und die Regierenden meinen.


Quote
Erkos #13

Nein, WIR haben nicht verpasst, die Systemfrage zu stellen. ...


Quote
Des Teufels Anwalt #8.3

Das sind ja auch die relevanten.
Oder haben Sie echt geglaubt, SIE gehörten dazu?


Quote
wolf_niese #10

Die Bankenkrise 2008 wäre verhindert gewesen in den 90 Jahren zu Zeiten der postneoliberen Hypes der Bankenderegulierungen weltweit bis zum Lehmann-Crash mit einer Tobinsteuer (https://de.wikipedia.org/wiki/Tobin-Steuer) - die heute sprachlich verunglimpft als Finanztransaktionssteuer daher kommt und die Staaten es immer noch nicht auf die Reihe gekriegt haben...


Quote
tiefstapler #13.1

Wir leben in einer Finanzoligarchie mit demokratischen Applikationen.


Quote
AgeofAquarius #15

Der Artikel ist eine einzige Verharmlosung. Angeblich war mal wieder alles alternativlos.
In Wahrheit hat die politische Linke die Frage der Verteilungsgerechtigkeit für 30 Silberlinge in Form von multikulti-liberalen Freiräumen für privilegierte Bürgerzöglinge verscherbelt und sich mit den Großbanken verbündet.
Die Systemfrage überlässt man den Rechten. Die hofft man durch reine Verunglimpfung zum Schweigen zu bringen.
Damit erspart man sich das lästige Argumentieren.


Quote
JuliusU995 #17

1. Gewinne werden privatisiert
2. Verluste sozialisiert

Zack, da liegt das Problem. Das liegt am System ergo Bankenaufsicht. Daccord !
Aber auf Merkel rum zuhacken weil Sie meinte die Bankenrettung sei Alternativlos....
Möchte nicht wissen was passiert wäre in Deutschland hätte man die Banken und damit die Spareinlagen von Millionen von Bürgern einfach den Bach runter gehen lassen.
Schauen Sie nach Chemnitz, was passieren kann und stellen sie sich vor was passiert wäre hätte man die deutsche Bank z.b. implodieren lassen.


Quote
MowKow #18

"In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen. "

"WIR" ? Wen meint denn der Autor mit "wir" ?

Die Occupy Bewegung wurde mit Hilfe der Polizei geräumt und die Bankenrettung auf Kosten der Bürger von der Politik als "alternativlos" durchgedrückt. Kritische Stimmen wurden von der Presse/Politik ignoriert oder gar denunziert Während man Kollateralschäden wie Griechenland/Portugal/Irland unter Aufsicht stellt, können die für die Krise verantwortlichen Banken weiterhin schalten und walten wie es ihnen gefällt die Systemfrage wurde von der Poltitik nie gestellt ...


Quote
BlauPeterBlau #18.1

---Die Occupy Bewegung wurde mit Hilfe der Polizei geräumt und die Bankenrettung auf Kosten der Bürger von der Politik als "alternativlos" durchgedrückt----

Den Bürger in Deutschland hat das kaum was gekostet. Er hat von den Milliarden, die vorher verteilt wurden und von denen auch der Fiskus gefüttert wurde massiv vorab profitiert.
Das wird nie berücksichtigt. Man muß sich privat auf die nächste Krise halt etwas besser vorbereiten. Gelder auf Konten unter 100.000 halten, Also besser auf mehrere Konten verteilen.
Häuser so früh wie möglich abbezahlen, am besten mit Sondertilgungen. Dann klappt das auch. Alles nur Panikmache.


Quote
Alex Vanderbilt #22

"In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen."

Oh nein! Damit kommt ihr nicht davon! Die Systemfrage wurde gestellt. Mehrfach. Island hat sie beispielsweise auch beantworte, wie sie hätte überall beantwortet werden sollen. In D und dem Rest Europas und der Welt wurde sie vielmehr abgetan und ignoriert, weil das Weiter So bequemer und profitabler war. Die Frage wurde gestellt. Was nicht getan wurde, war, sie auch umfassend und für die Bürger zufriedenstellend zu beantworten. Das ist ein gewaltiger Unterschied, der auch die Schuld dorthin schiebt, wo sie hingehört: Zu den Banken, der Wirtschaft und der Politik. Nicht, wie hier versucht wird, zu den Bürgern. [ ... "Wenn es ernst wird, müssen alle einstehen." Müssen wir? Warum? Wo steht die Pflicht gesetzlich festgeschrieben, dass die Gesellschaft für die Zockerei von Banken und anderen Unternehmen einstehen muss? Vielmehr sollte man nicht dafür einstehen, diese Unternehmen und vor allem die leitenden Personen auf gigantischen Schadenersatz verklagen und diese der geschädigten Bevölkerung zu Gute kommen lassen. Der Markt regelt alles, heißt es immer so schön. Der Markt braucht den Staat nicht, heißt es immer. Ganz richtig! Und gerade bei Fällen von fahrlässiger Zockerei sollte man den Markt walten lassen, wie es sich gehört.
Alternativ können wir auch weiterhin einstehen. Allerdings das nächste Mal zu den Konditionen, die die Bevölkerung den Unternehmen aufzwingt, nicht zu den Konditionen der Unternehmen. ...]


Quote
Die Macht der Banken ist nicht nur demokratiegefährdend, sondern antidemokratisch.(siehe Goldman Sachs SENSATION beim ZDF !!! Erwin Pelzig über Goldman Sachs, ihre Abteilungen und Personal https://youtu.be/XXLlrd5dKQc // [ Nihilistic Nietzsche
Nihilistic Nietzsche 2016, Die Kommentare kann man sich echt nicht antun. Die Juden regieren die Welt? Wer recherchiert kriegt schnell mit, dass z.B. J.P. Morgan nicht jüdisch ist, genauso wenig wie Rockefeller, auch wenn beides permanent behauptet wird. Sind die Chefs der deutschen Bank Juden? Wladimir Putin ist auch kein Jude und verfügt über ein Vermögen von 40 Milliarden US-Dollar (umgerechnet). KEINER regiert die Welt, sie ist zu komplex, um noch verstanden zu werden. ...])

Mehr Regulierungen und eine höhere Eigenkapitalquote sind schön, aber viel zu wenig. Banken dürfen immer noch sowohl als Geschäftbank wie auch als Investmentbank tätig sein. Und in dem Artikel klingt an, dass entgegen der Aussagen von PolitikerInnen Verluste auch künftig sozialisiert werden.
Es braucht keine Reformen, es braucht gar eine Revolution, in der Banken demokratisiert werden, heißt vergesellschaftet werden.


Quote
Dekadenzverachter #26

>>>In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen.<<<

??? ... Wer ist "wir" ?


Quote
Artbagua #29

Ich sehe das so:

Es ist ernst, und wir müssen alle büßen - für das menschliche Versagen der Ökonomen.
Ich denke, dass Bandenbetrug längst zum System selbst geworden ist. Spontan fallen mir Begriffe und Namen wie Cum Ex, Wells Fargo, Deutsche Bank, Commerzbank und Samsung ein(die Liste ließe sich natürlich lange fortsetzen!). Ehrlich überleben kann in diesem System kaum noch jemand.
Die Folgen sind schon lange da, beispielsweise hat sich in Deutschland die Anzahl der Obdachlosen mehr als verdoppelt.
Mehr authentischer Kapitalismus statt Kartell - Politik könnte durchaus helfen, aber wer will das in Zeiten der sozialen Netzwerke noch ernsthaft?
Das Scheitern wäre sprichwörtlich vorprogrammiert.


Quote
yagi #30

Wie kann so etwas passieren?
Zitat aus dem Text:
„Aber der Reihe nach: Die Politiker und Zentralbanker, die 2008 einem möglichen Zusammenbruch des globalen Finanzsystems gegenüberstanden, waren keine Radikalen.“
NEIN, viel schlimmer, es waren und es sind heute noch PLUTOKRATEN!.
Wir mögen noch in Demokratien leben, aber sie werden immer mehr von einer Herrschaft der Reichen, anders gesagt: einer Plutokratie überschattet.


Quote
47Ronin #31

Die Systemfrage wurde durchaus gestellt.

Es haben nur diejenigen Politiker gewonnen, die sich ganz dreist und offen auf die Seite der "systemrelvanten Banken" schlugen. Das hat die Wähler offenbar überzeugt. Ihr Pech.


Quote
Dr.Schaarschmidt #34

Es gibt in der Ökonomie immer zwei Seiten: Die Erste sagt,im Krisenfall müssen wir helfen und die Zweite, nein, auf keinen Fall, das ist eine notwendige Marktbereinigung.
Man kann immer beiden zugeneigt sein, je nach politischer Ausrichtung.


Quote
SchartinMulz #37

Als sich Politiker kurz nach der Überwindung der Finanzkrise öffentlich empörten, dass die gerade mit unserem Geld geretteten Banken schon wieder Boni an ihre Mangaer auszahlten, war mir klar, dass sich nichts ändern würde.
Denn die Banken tun nur, was die Politik ihnen erlaubt. Und offensichtlich waren an die Zahlungen keine Bedingungen geknüpft.


Quote
deep_franz #39

"Leider scheint derzeit niemand in politischer Verantwortung, weder in Europa noch in den Vereinigten Staaten, dazu bereit, diese Fragen zu beantworten, geschweige denn in politische Entscheidungen umzusetzen."
Der gesamte Artikel ist nach meinem laienhaften Dafürhalte sehr gelehrt und enthält viele Wahrheiten. Herr Tooze kennt sich m.E. sehr gut aus, was Kapital und Banken angeht.
Um so naiver erscheint mir, daß er tatsächlich zu glauben scheint, die Politik könne in diesen Dingen weitreichende Entscheidungen treffen.
Es ist die Naivität der demokratisch Gesinnten, sei sie wahrhaftig oder gespielt, die die Demokratie in größte Schwierigkeiten bringt.


Quote
Rollender Stein #41

Zitat: "In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen."

Nein, das stimmt so nicht. Ich stelle sie immer und immer wieder seit 10 Jahren und werde regelmäßig dafür übergangen, ausgelacht, nicht ernst genommen, als Spinner usw. bezeichnet. Das geht übrigens allen so, die diese Frage stellen.



Quote
AloisZwackelmann #48

"..In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen. Die Folgen sind gravierend: Wenn es ernst wird, müssen erneut alle einstehen...."

Natürlich müssen wir wieder zahlen. Kein Politiker traut sich, die Wirtschaft zu regulieren. Noch nicht einmal die Finanztransaktionssteuer hat man hinbekommen (wollen).

...
« Last Edit: September 26, 2018, 02:39:40 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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« Reply #783 on: September 11, 2018, 02:21:19 PM »
Quote
[...] Auch kann man die staatliche Sprachverwahrlosung nicht mehr ertragen. Ich mag nur ein Beispiel anführen, nämlich die inflationäre wie beiläufige Erwähnung von den "Menschen, die sich abgehängt fühlen". Das bezieht sich offenbar auf die kleinen Trottel von der Straße, die da draußen hinter der Mattscheibe im Land herumstreunen und deren Einzelschicksale zwischen Jobcenter, Krankschreibung, Eckkneipe, Pflegeloch, Discounthallen und Teilzeitirrsinn verziffert werden.

Naht irgendeine Wahl überbieten sich die urplötzlich so volksnahen Empört-und-betroffen-zugleich-Groko-Charmeure darin, jetzt endlich diese verlorenen Seelen "abzuholen" und "einzufangen" und sie "zurück ins Boot" zu holen. Es ist auch die besorgte Rede von der "Augenhöhe" und davon, dass man die Mühseligen und Beladenen "wieder ernst nehmen" wird - also diese RTL-II-Gimpel, halb White Trash, halb dunkeldeutsches Pack.

Der Zynismus der christlich-liberalen Biomoralisten besteht darin, Millionen von Mitbürgern bis tief in den Mittelstand hinein das Recht abzusprechen, abgehängt zu SEIN. Mit perfider Arroganz werden die Abgehängten auf sich selbst zurückgeworfen. Anschluss verpasst? Euer Problem.

Mehr leisten, mehr Ego-Shooting, mehr Anpassung an unsere schöne neue Wertewelt, einfach mal ein bisschen durch die Institutionen marschieren wie Joschka auf seinem langen Weg in den Schoß seiner Ziehmutter Madeleine Albright, die 1996 meinte: "Ja, ich glaube, die halbe Million Kinder, die wegen der US-Irak-Sanktionen starben, waren den Preis wert." Ihr rundlicher Ziehsohn, einst Vietnamkriegsgegner, dann balkanischer Kriegstreiber und heute ein stirnrunzelnd halluzinierendes Nato-Strichmännchen residiert in einer abgedunkelten Villa im Berliner Nobelviertel Dahlem und bezieht Entgelte von bis zu 30.000 Euro für trostloses Geschwätz.

Fischer wie Schröder oder das Elend namens Scharping sind gloriale Beispiele dafür, wie sich die parlamentarische Betriebsamkeit in eine jämmerliche Simulation von Demokratie verwandelt hat. Gerade die rotgrünen Anteile unseres Wahrheitsregimes tun sich hervor dabei, inzwischen jedes freie frische Denken zu konfiszieren und real-bestehende Interessengegensätze und Widersprüche zu kaschieren.

... Ach ja, der Journalismus: Diese hypnotisierten Top-Schreiber bei Zeit, FAZ, Welt, Spiegel, SZ und wer sich im Wendekreis des Talentschuppens des moralisch verwahrlosten Irrsinns sonst noch nährt, hätten es zu Willy Brandts Zeiten mit einiger Mühe gerade noch in die Rubrik "Vermischtes" geschafft.

...


Aus: "Two Riders were approaching: Der Anfang vom Ende der deutschen Medien" Wolf Reiser (11. September 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Two-Riders-were-approaching-Der-Anfang-vom-Ende-der-deutschen-Medien-4158735.html?seite=all


Wolf Reiser (* 30. Dezember 1955 in Munderkingen, Baden-Württemberg) ist ein deutscher Schriftsteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_Reiser

...

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« Reply #784 on: September 17, 2018, 05:37:03 PM »
Quote
[...] Sie dreht sich weiter, immer weiter. Die Drehscheibe auf der Bühne. Mit den Sitzbänken, die für manche Betten sind. Genau wie der Kreislauf des Lebens, der die von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffenen Menschen, die Tafelgänger, gefangen hält. Sie sind Gefangene einer Endlosschleife der Armutsökonomie – in einem der wohlhabendsten Länder der Welt.

„Auf der Straße“ ist das erste Stück der US-amerikanischen Theaterregisseurin Karen Breece am Berliner Ensemble, das sie zusammen mit Berliner wohnungs- und obdachlosen Menschen inszeniert hat. Mit den Worten des athenischen Reformers Solon und dessen Aufruf zu mehr Eunomia, Wohlgesetzlichkeit, gelingt dem Stück ein imposanter Einstieg. Breece, die aus dem Bereich des politisch-dokumentarischen Theaters kommt, hat mehrere Monate lang mit Obdachlosen, mit auf staatliche Unterstützung angewiesenen Menschen und Menschen, die sich genau um diesen Teil der Bevölkerung kümmern, zahlreiche Gespräche geführt. So kommt es, dass der Obdachlose René Wallner, der in Wirklichkeit anders heißt und der in einem Kircheneingang in Berlin-Mitte wohnt, der ehemalige Obdachlose Psy Chris und die robuste, liebenswürdige Alexandra Zipperer, die so herzlich lachen kann, obwohl ihr nur 70 Euro im Monat zum Leben bleiben, zusammen mit Bettina Hoppe und Nico Holonics, Schauspielern des Berliner Ensembles, auf der Bühne stehen. Zwei Mal werden sie dabei von dem integrativen Chor „Different Voices of Berlin“ begleitet und immer wieder durchbricht laute, schrille Technomusik die fortwährende Alltagsmonotonie. Hier soll das aufregende Berliner Partyleben mit dem Leben auf der Straße kontrastiert werden.

Anschaulich, ergreifend und ohne Beschönigung schleudern sie dem Publikum Alltagsszenen und knallharte Fakten aus dem täglichen Überlebenskampf der sozialen Unterschicht ins Gesicht. Wie Mitarbeiter des Hygienecenters am Bahnhof Zoo über drei Stunden lang den festgewachsenen Kot vom Körper eines Mannes kratzen. Wie der 'weiße, reiche, alte Mann' der minderjährigen Obdachlosen auflauert und wie die alleinerziehende Mutter versucht, ihrer kleinen Tochter ab und zu Mal ein Stück Obst oder ein Eis zu kaufen. Bettina Hoppe und Nico Holonics unterstützen die drei Laiendarsteller, indem sie versuchen ihre Wut, ihre Verzweiflung oder ihre völlige Resignation zu verstehen, nachzuempfinden und nachzuspielen. Aber als Psy Kindheitserinnerungen voller Gewalt und Alkohol aus seinem Tagebuch vorliest, bricht Bettina Hoppe ab. Das könne sie nicht darstellen, das sei für sie unvorstellbar, erklärt sie. „Denk einfach an einen schrecklichen Autounfall“, entgegnet Psy.

Mehrmals wird so dezidiert auf die Inszenierung, auf das Spielen selbst verwiesen. Mehrmals wird die vierte Wand durchbrochen und das Publikum, die intellektuelle, theateraffine Mittel- und Oberschicht, direkt angesprochen. Und vorgeführt. Wie es sich um das Verpassen des Yogatermins oder die Öffnungszeiten des Biosupermarktes ärgert, während andere in ständiger Sorge darum leben, wo sie am nächsten Tag schlafen können und ob sie wenigstens eine warme Mahlzeit kriegen. Auch Sozialämter, Krankenversicherungen und Politiker, die sich „ja nicht um alles kümmern können“ und deren Aufgabe es ist, die Gesellschaft vor den Obdachlosen, die „nur Couchsurfing“ betreiben, zu schützen, werden immer wieder angegriffen. Es ist fast komisch, wenn es nicht so tragisch wäre und eigentlich bleibt einem das Lachen auch im Halse stecken.

Am Ende geht man nach Hause und schämt sich fast, dass man sich nun auf die gemütliche Couch legt und nicht neben René auf die harte Parkbank. Man kauft sogar den Karuna Compass, die neue Berliner Obdachlosenzeitung, und nimmt sich vor, das bald wieder zu tun. Viel Neues zeigt „Auf der Straße“ trotzdem nicht. Das zutiefst erschütternde Leid der Obdachlosen und die unfassbare Ignoranz des Staates sind schon lange ein offenes Geheimnis. Aber viel geändert hat sich daran auch nichts. Und so dreht es sich weiter, das Rad der Mittellosen. Für sie gilt – mit Alexandras Worten – weiterhin: „Wo ein Wille ist, ist oft (k)ein Weg“.


Aus: "„Wo ein Wille ist, ist oft (k)ein Weg“" Alina Sabransky (14.09.2018)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/alinas/wo-ein-wille-ist-ist-oft-k-ein-weg

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« Reply #785 on: September 18, 2018, 11:25:01 AM »
Quote
[...] Ist die BVG kaltherzig, wenn sie Obdachlosen in eisigen Winternächten keinen Platz mehr in ihren U-Bahnhöfen gewährt? Das meint jedenfalls die Caritas. Sie reagierte auf eine entsprechende Ankündigung der BVG mit der Forderung nach einem „Zeichen der Solidarität“. Die BVG wiederum fühlt sich der stark veränderten Situation nicht gewachsen. Statt wie früher vier bis sieben Personen pro Nacht hätten im vergangenen Winter regelmäßig mehrere Dutzend in den U-Bahnhöfen Südstern und Lichtenberg übernachtet, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner. Die Zahlen hätten sich zum Teil verzehnfacht.

„Auf der seitlichen Stromschiene sind 750 Volt Starkstrom, sie ist rund um die Uhr an“, so Falkner. Auch nachts würden wegen Bauarbeiten und zum Rangieren Züge fahren. „Bei nicht selten mehreren Dutzend Menschen im Bahnhof, die oft unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen, ist das buchstäblich lebensgefährlich“, hatte BVG-Chefin Sigrid Nikutta gegenüber der „Morgenpost“ den Vorstoß begründet. Laut Falkner verrichteten Menschen teilweise ihre Notdurft im Gleisbett; es gibt keine Toiletten in den U-Bahnhöfen, auch keine Schlafplätze – die BVG ist ein Verkehrsunternehmen, das aus dem Gefühl sozialer Verantwortung Menschen vor dem Erfrieren habe schützen wollen, genau wie Caritas, Diakonie und Rotes Kreuz, die gemeinsam die Kältehilfe bilden.

Doch jetzt sind Obdachlose in den U-Bahnhöfen zu zahlreich, sie sind oft stark alkoholisiert oder stehen unter anderen Drogen und das Sicherheitspersonal kann sich mit vielen gar nicht verständigen, da sie kein Deutsch sprechen. Das Unternehmen habe auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den BVG-Mitarbeitern, sagte Nikutta.



    Als Kundin ist mir die Sicherheit der Obdachlosen vor dem Erfrieren wichtiger als die Sauberkeit eines Bahnhofs.

…schreibt NutzerIn ElsbethM



In die Kälte schicken wolle die BVG aber niemanden, sagte die BVG-Chefin. Man sei sich der sozialen Verantwortung bewusst, brauche aber Unterstützung. Beispielsweise könnten die BVG-Sicherheitsmitarbeiter telefonisch einen Wagen der Kältehilfe anfordern, um die Menschen unterzubringen.

Außerdem sei die Zahl der Schlafplätze verdoppelt worden, es gebe also genug richtige Betten für Berlins Obdachlose. Das stimmt – und hilft doch nichts. „Zu sagen: Jetzt haben wir genug Betten, jetzt müssen sie nicht mehr in die U-Bahnhöfe, das funktioniert nicht“, sagt Caritas-Sprecher Thomas Gleißner. Die Sozialverwaltung bestätigt das. Es gebe Obdachlose, die nicht in die Kältehilfe wollten, sagt eine Sprecherin, denn auch dort gälten Regeln. Manche kämen keine Nacht ohne Alkohol aus, andere wollten sich nicht von ihren Hunden trennen. Eine zunehmende Zahl von Menschen lasse sich überhaupt nicht mehr in Systeme integrieren. In dieser Woche will sich Breitenbach mit der BVG zusammensetzen, um auszuloten, was machbar ist – und wenn man Dixi-Klos in den Bahnhöfen aufstellt.

Die Kältehilfe wird in diesem Jahr verlängert. Sie beginnt mit geringeren Kapazitäten schon am 1. Oktober statt am 1. November, und sie endet erst mit dem April statt dem März. Die Standorte sind noch unklar, etwa ob auf dem Tempelhofer Feld wieder Schlafplätze eingerichtet werden. Im vergangenen Winter hatte es die Rekordzahl von 1100 Schlafplätzen gegeben, davon 100 in einem Hangar des Flughafens Tempelhof. Die Zahl der Wohnungslosen hat sich in Berlin in den vergangenen Jahren vervielfacht. Die meisten von ihnen sind Ausländer, 29 Prozent haben einen deutschen Pass. Obdachlosigkeit betrifft zudem immer mehr Frauen und Familien.


Aus: "BVG will U-Bahnhöfe im Winter nicht mehr für Obdachlose öffnen" Fatina Keilani (17.09.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/nahverkehr-in-berlin-bvg-will-u-bahnhoefe-im-winter-nicht-mehr-fuer-obdachlose-oeffnen/23075894.html

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schoenfeldp 10:05 Uhr
ich war am Anfang auch dafür, die Bahnhöfe als Nachtlager anzubieten, aber wie so oft, gut gemeint hat nicht immer ein gutes Ergebnis. Allein am Bahnhof Neukölln sind inzwischen auch tagsüber immer mehrere Obdachlose, die dort quasi leben. In den Durchgängen, die sich sich mit bettelnden Roma-Frauen teilen, fällt man fast über sie. In den Abendstunden teilen sie sich zum schlafen die Bänke mit den Jungs, die irgendwelche Chemie konsumieren. Diese Obdachlosen riechen nicht nur aufgrund mangelnder Waschmöglichkeiten streng, sie haben auch offene und eiternde Wunden oder haben die, mit allen Körperausscheidungen durchtränken, Hosen bis zu den Knien heruntergezogen oder zeigen ein unberechenbares, verwirrtes Verhalten. So zu vegetieren ist absolut würdelos und für die Fahrgäste eine Belastung, die nicht im Fahrpreis enthalten sein sollte - denn nicht jeder Fahrgast ist erwachsen, Krankenpfleger, Rettungssantitäter oder sonstwie geschult, mit solche Situationen umzugehen.


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seidi 08:16 Uhr
Ergänzung zu meinem Kommentar von 08.02 Uhr

wieso werden nicht Schulturnhallen und Sporthallen für Obdachlose geöffnet?
bei Flüchtlingen ging das doch auch problemlos

oder man stellt den Obdachlosen Contrainer zur verfügung
das wäre alle mal besser als in U Bahnhöfen zu übernachten

wieso wird das nicht gemacht oder zumindest in Erwägung gezogen?


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molsart 10:58 Uhr
Antwort auf den Beitrag von seidi 08:16 Uhr
In dem Text steht ja, dass manche nicht in Unterkünfte ziehen möchte, weil da Regeln gelten...


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Klappleiterin 17.09.2018, 20:41 Uhr
Warum öffnet man nicht die Shoppingmalls nachts für Obdachlose? Die sind für den Aufenthalt von Menschen wesentlich besser geeignet, sie sind räumlich abgeschlossen, ohne Zugluft und beheizt, außerdem gibt es sanitäre Anlagen. Inzwischen stehen in vielen Shoppingmalls sowieso größere Flächen ungenutzt leer und die Betriebspause ist auch länger als bei der U-Bahn - die letzte U-Bahn fährt meist kurz nach eins, die erste schon wieder um 4 Uhr morgens, die Shoppingcenter dagegen schließen um 22 Uhr und öffnen erst wieder morgens um acht.

Die BVG hat sich mehrere Jahre lang freiwillig darum gekümmert, Obdachlosen nachts eine Unterkunft zu bieten, da kann man doch mit gutem Recht sagen, jetzt sind mal andere dran? Vielleicht Unternehmen, die mehr Geld einnehmen als die BVG?


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Vercingetorix 10:09 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Klappleiterin 17.09.2018, 20:41 Uhr
Sehr guter Vorschlag. Leider fehlt den Großunternehmen, die die Malls betreiben und deren Managern die nötige Empathie, um etwas so anständiges freiwillig zu tun. Ob sie von der Politik schon durch die geltende Gesetzeslage dazu gezwungen werden könnten, weiss ich nicht; eventuell müssten Behörden dafür eine Art Notlage ausrufen.


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froggy08 17.09.2018, 18:39 Uhr


Da weht die eiskalte Wind der Unmenschlichkeit durch die zugigen U-Bahnhöfe und Tunnel. Obdachlose und noch besoffen passen halt nicht in unsere schicke Welt, wo nur noch der Wert des Geldes zählt. Und da wird dann mit Sicherheitsbedenken argumentiert, obwohl man eigentlich nur die Kosten, die dieses Personengruppe verursacht, auf andere Einrichtungen in der Stadt abwälzen mochte. Ich weiss auch nicht, wie viel Obdachlose sich in kalten Winternacht durch Berühren der Stromschiene haben aufwärmen wollen und dabei zu Tode gekommen sind. In den Medien gar davon eigentlich nie etwas zu lesen. Im übrigen könnte man ja auch die Bahnsteige absperren und nur die Zwischengeschosse nutzen, zumindest dort wo diese verfügbar sind. Wo soll diese  asoziale Unmenschlichkeit noch hinführen?


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hana13 08:02 Uhr
Hier kommt die Diskussion schon wieder sehr polarisierend "rüber". Wer seinen Weg nicht durch ausufernde Obdachlosenlager in die Bahn suchen will und es hasst, buchstäblich durch Kotze, Pisse und Fäkalien waten zu müssen und sich obendrein auch aggressiv anbetteln oder anpöbeln zu lassen, will diese Leute sofort erfrieren lassen. Gibt ja wohl noch etwas dazwischen.

Die Leute, die mit der Situation in Berliner U-Bahnhöfen und Bahnen (und das sind ja nicht nur die "offiziell nachts freigegebenen") kein Problem haben, fahren vermutlich eher selten und nicht zu Randzeiten. Als Vielfahrer hatte ich nun schon so viele sehr unangenehme Situationen...

Irgendwie fehlt mir auch immer noch die Begründung, weshalb sich die Berliner BVG für polnische und russische Obdachlose zuständig fühlen muss. Das waren übrigens die Sprachen der letzten Pöbler - es gibt bestimmt noch weitere Länder, die uns ihre Obdachlosen zur Überwinterung schicken...

Das scheinen auch wenige zu verstehen: Angebot schafft Nachfrage. Und solange alle Grenzen offen sind, suchen sich auch Obdachlose den für sie (relativ) angenehmsten Platz. Und da machen sich doch viele umliegende Länder auf deutsche Kosten einen schlanken Fuß.


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Henrik1970 17.09.2018, 17:19 Uhr

Obdachlosen, ganz egal woher sie kommen, muss die Möglichkeit gegeben werden, einigermaßen warm und erfrierungssicher zu übernachten.
Dies muss nicht in den U-Bahnhöfen sein, aber der Senat muss dafür Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Das hat etwas mit Menschlichkeit zu tun. ...


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« Reply #786 on: September 18, 2018, 11:36:31 AM »
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[...] Der Eisbär, wie ihn alle nennen und er sich selbst, nimmt eine gespielt staatstragende Haltung an, ruckelt noch kurz das Hörgerät hinterm rechten Ohr zurecht, macht eine übertrieben schwungvolle und doch sehr elegante Bewegung mit dem linken Arm, dann rezitiert er aus einem seiner zahlreichen Gedichte: „Zum Weiterleben muss es einen geben, der unsere Innenwelt zusammenhält …“

Dann lacht der Eisbär laut auf, öffnet dabei seinen zahnlosen Mund und wird sofort wieder still. Der Tod, sagt er, trete erst ein, wenn niemand mehr über einen rede. Deshalb, fährt er fort, wolle er, dass auf seiner Beerdigung unbedingt „der Helmut“, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter und guter Freund, die Rede hält. Er würde sich freuen, wenn „ganz viele Menschen kommen“, seine Freunde, sie sollen um ein Lagerfeuer sitzen, Gitarre spielen und singen.

 Sein bürgerlicher Name, Siegfried Hausberg, ist ihm egal, Hauptsache, auf dem Grabstein steht „Eisbär“.

Wieder Gekicher. Er kann nicht anders, als mitten im Erzählen und Rezitieren noch schnell die neuesten, ihm ständig ins Hirn schießenden Wortwitze mitzuteilen: „Ohne Zähne mach mir keine Szene! Sagt der Zahnarzt!“ Der Eisbär kann auch über sich selbst Witze machen.

Siegfried Hausberg ist ein ziemlich schlanker, schlauer Mann, dessen lange, sonnenverwöhnte Arme und Beine lustig herumschlackern, wenn er sich bewegt. Seine wenigen Haare liegen wie dünne Watte auf seinem Kopf. Aber der Kopf ist voller Einfälle, Ideen und Wissen. An einem Spätsommertag steht er im vierten Stock des Wohnheims der evangelischen Kirche für alkoholkranke Männer in der Kreuzberger Nostitzstraße, Zimmer 401, hinter ihm kann man aus zwei Panoramafenstern des Eckzimmers auf den Berufsverkehr am Mehringdamm schauen. Draußen tobt das Leben, hier drinnen hat der Eisbär sein eigenes fein säuberlich an die Wand geklebt. Mit Tesafilm und möglichst kleinem Abstand zum nächsten Bild. Auf Hunderten von Blättern im DIN-A4-Format, meist mit Kugelschreiber gezeichnet, hat er sein Leben verewigt – vom Treppenhaus im dritten Stock aufwärts zum vierten, hinein in sein Zimmer und bis unter die Decken.

 Das Heim, in dem 46 Männer wohnen und in dem er mit seinen 78 Jahren der Älteste ist und einer der sehr wenigen, die nach der Alkoholabhängigkeit wieder trocken wurden, ist für ihn, wie er sagt, „kein Abstellgleis, sondern meine Heimat. Und das Beste, was mir passieren konnte“.

In diesem Haus, das in gewisser Weise auch ein Hospiz ist, weil die meisten hierbleiben, bis sie sterben, und dabei begleitet werden, werden die Biografien der Männer in Ehren gehalten. Wenn sie sterben, kommen sie, auch wenn sie keine Mittel oder Angehörige haben, in das „Grab mit Namen“, das die Heilig Kreuz-Passion der evangelischen Kirche im Jahr 2001 initiiert hat. Auf dem Friedhof „Vor dem Halleschen Tor/Jerusalemfriedhof“ gibt es einen Erinnerungsstein, der Pfarrer spricht, eine Trauerfeier wird abgehalten und meistens trifft man sich danach auch zum Leichenschmaus. Denn bei dem wird schließlich über den Verstorbenen geredet und sich erinnert. Manchmal kommen viele Menschen, manchmal nur ein paar aus dem Wohnheim. 59 mittellos Verstorbene, die ansonsten per ordnungsbehördlicher Bestattung begraben worden wären, sind mittlerweile auf dem Friedhof beigesetzt. Jede Namensgravur kostet 275 Euro, die meist über Spenden bezahlt werden.

 Doch ein solches Begräbnis für obdachlose oder mittellose Menschen, die keine Angehörigen mehr haben oder bei denen die Angehörigen nicht mehr zu finden sind und sich auch nicht kümmern wollen, ist in Berlin eine Ausnahme. Normalerweise landen diese Menschen nun auf einem Friedhof in Mitte nahe dem Humboldthain, der sich seit rund zwei Jahren still und leise und von einer breiten Öffentlichkeit völlig unbemerkt zu dem Armenfriedhof der Stadt entwickelt hat – weil er der kostengünstigste im Geschäft mit ordnungsbehördlichen Bestattungen ist. Mehr als 2000 Menschen werden hier jährlich auf Urnenreihengrabstätten beerdigt, 40 Zentimeter Abstand liegen zwischen den Urnen. Der Eisbär möchte nicht dort enden.

An einem sonnigen Tag im September ist dieser Alte Dom Friedhof St. Hedwig der katholischen Kirche in der Liesenstraße nahe dem Humboldthain gegen elf Uhr vormittags fast menschenleer, von Weitem sehen einige Grabstellen so aus, als würden unzählige kleine, vollkommen hellgrüne Blumen auf dem Grab stehen. Diese futuristischen „Blumen“ stehen im Kontrast zu den oft alten, aber sehr großen und schweren denkmalgeschützten Grabsteinen. Kommt man näher an die Gräber heran, erkennt man Dutzende von Plastikschildern in hellgrüner Farbe. Sie sind immer dort eingesteckt, wo besonders alte Grabsteine stehen, die von ihren ursprünglichen Pächtern nicht mehr genutzt werden. Auf den Plastikschildern, den sogenannten Merkpfählen, sind die Namen der Toten, Geburtstag und Todestag vermerkt sowie eine Registraturnummer.

Ein paar Meter weiter hat ein Mann im schwarzen Anzug eine Urne zur Andacht in die kleine Kapelle gebracht. Drei große Kerzen brennen neben dem Altar aus Marmor, weiße Blumen stehen vor dem Tisch für die Urne. Es ist niemand gekommen, um zu trauern. Trotzdem bleibt die Urne 15 Minuten stehen. Dann trägt der Mann, ein Bestatter einer Firma, die vom Friedhof für solche Begräbnisse beauftragt wird, die Urne zum Grab, spricht ein Gebet und verbuddelt sie – neben den vielen anderen Urnen, die bereits in der Erde sind. Dies entspricht den behördlichen Anforderungen dieser sogenannten ordnungsbehördlichen Bestattungen, wie die korrekte amtsdeutsche Bezeichnung für diese Art von Beerdigungen lautet. Die Mitarbeiter der jeweiligen Gesundheitsämter der Bezirke haben sieben Tage Zeit, um Angehörige zu ermitteln. Ermitteln heißt, beim Melderegister und beim Standesamt nachzufragen. Sind Angehörige im Ausland oder werden nicht gefunden, haben sie Pech. Die Rechnung bekommen sie dann nach dem Begräbnis – so ist die Gesetzeslage. Freunde oder Bekannte darf das Amt nicht benachrichtigen.

Vor der kleinen Kapelle auf dem katholischen Friedhof Alter Dom steht nun auch Galina Kalugina, die Friedhofsverwalterin der katholischen Kirche. Andere Friedhöfe haben ihr Preisdumping vorgeworfen. Sie sagt: „Was wir hier machen, ist nichts anderes, als unsere soziale Aufgabe zu erfüllen.“ Auf dem Spaziergang über den Friedhof erläutert Galina Kalugina ihr Konzept. Sie hat die großen, alten und sehr teuren Gräber, deren Nutzungsrechte ausgelaufen sind oder die von den jeweiligen Pächtern nicht mehr verlängert werden, die aber aus Denkmalschutzgründen trotzdem vom Friedhof gepflegt werden müssen, quasi umgewidmet. In der Friedhofsgebührenordnung fielen früher 96 Euro für eine „gärtnerische Erstanlage einer Urnenwahlgrabstätte“ an. Jetzt werden die ordnungsbehördlichen Bestattungen auf vorhandenen Gräbern vollzogen, sodass der Friedhof die 96 Euro einspart. Damit konnte Kalugina den vormaligen Preis von 461 Euro auf 365 Euro drücken. Berlinweit ist sie damit am günstigsten.

Bisher hat es in Berlin Friedhöfe gegeben, wie etwa den Parkfriedhof in Neukölln, die einmal im Monat ordnungsbehördliche Beerdigungen im Minutentakt durchgeführt haben. Mit anonymen Gräbern. Das gibt es auf dem Friedhof in der Liesenstraße nicht. Die Urnen werden auch nicht wie in Neukölln per Schubkarre zur Grabstelle transportiert, sondern getragen. „Ein Gebet wird auch gesprochen“, sagt Kalugina und findet: „Arm und Reich haben hier bei uns zusammengefunden.“ Allerdings mit dem für manche womöglich irritierenden Charme, dass die Toten, von denen sich die meisten zu Lebzeiten eine Grabplatte niemals hätten leisten können, nun unter teuren Marmormonumenten begraben liegen, die unter Denkmalschutz stehen.

...


Aus: "Sammelgräber in Berlin "Ich bin doch etwas Besonderes"" Armin Lehmann (17.09.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/sammelgraeber-in-berlin-ich-bin-doch-etwas-besonderes/23066034.html

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« Reply #787 on: September 19, 2018, 09:52:19 AM »
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[...] Es ist fast schwierig, nach diesem Film sich eines Anflugs von Paranoia zu erwehren. Denn was Autorin Jennifer Deschamps schildert, ist nichts weniger als die kriminelle Struktur im Finanzgewerbe. Dafür steht eine Bank, die vor genau zehn Jahren pleite ging. Pleite gehen musste, weil die US-Regierung nicht noch eine kriminelle Vereinigung mit Geld des Steuerzahlers stützen wollte. Denn diese Bank hatte wie andere auch mit faulen Krediten gehandelt, hatte Kunden Kredite für Hauskäufe aufgedrängt, die sie nicht zurückzahlen konnten. Aber Lehman Brothers, bis dato die viertgrößte Bank der USA, war besonders rücksichtslos vorgegangen. Ihr Konkurs aber blieb bekanntlich nicht ohne Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Jetzt erinnern auch im Fernsehen verschiedene Beiträge an die Finanzkrise und ihre Verursacher. Und warnen, dass es wieder so kommen könnte.

Autorin Deschamps zeichnet die Betrügereien minutiös nach, indem sie die Geschichte des Skandals von Menschen erzählen lässt, die damals bei Lehman arbeiteten – und die das Desaster vorhersahen. Deshalb verließen sie die Firma oder wurden entlassen. Aber nicht nur das. Sie wurden belästigt, verfolgt und bedroht, mussten ihre gutbürgerliche Existenz aufgeben. Matthew Lee, zum Beispiel, ehemals Vizepräsident der Finanzabteilung bei Lehman, hat sein Haus verkauft, sich ein Motorrad angeschafft und fährt seither um die Welt – um Verfolgern zu entgehen.

Sylvia Vega-Sutfin geht nur noch mit umgeschnalltem Revolver zum Joggen, nachdem sie in Mafia-Manier bedroht worden war: „Ich weiß, wo du lebst, wo deine Töchter zur Schule gehen. Du gehörst mir,“ habe ihr ein Mann gesagt. Sie hatte, wie ihre Kolleginnen auch, das schmutzige Geschäft nicht länger mitmachen wollen. Die Frauen mussten einen hohen Preis für ihre moralische Integrität zahlen: Verlust von Eigentum, Angst, Depressionen.

Obwohl Deschamps mit den Whistleblowern als Zeugen  der Verbrechen immer wieder „talking heads“, also Personen und deren Berichte abfilmen muss, gelingt ihr, die Geschichte in abwechslungsreiches Bildmaterial zu kleiden, etwa wenn sie Matthew Lee auf seiner Maschine durch einsame Landschaften düsen lässt. So spielt  sie einen Werbespot ein mit einem Quartett von üppigen Blondinen, die für „COW“  werben – ein passender Name, wenn man Kunden melken will. Denn die gierigen Banker hatten es auf Leute mit geringem Einkommen, also tendenziell eher weniger Gebildete und Leichtgläubige abgesehen. Die Folge: Millionen von Amerikanern verloren ihr Eigenheim. In Orten wie Stockton in Kalifornien sprach man von den „Toter-Rasen-Versteigerungen“.

Die Banken blieben auf den nicht zurückzahlbaren Krediten sitzen. Der Staat griff ein, um sie zu retten – außer Lehman Brothers.  Die Insolvenz-Summe betrug am Ende  700 Milliarden US-Dollar. Matthew Lee weist darauf hin, dass seit 2008 keiner der Verantwortlichen für schuldig befunden wurde. Richard Fuld etwa, den sie „Gorilla“ nannten. Er war in Blitzgeschwindigkeit zum Chef von Lehman aufgestiegen und hatte sich mit Millionen-Boni füttern lassen, nachdem er seine Mitarbeiterinnen zu immer höheren Abschlüssen getrieben hatte. Selbst war er kaum sichtbar, residierte im 31. Stock. Und heute lebt er als steinreicher Kunstliebhaber unbehelligt – statt im Gefängnis zu sitzen. ...


Aus: "„Inside Lehman Brothers“, Arte: Der Gorilla im 31. Stock" Daland Segler (18.09.2018)
Quelle: http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/tv-kritik/inside-lehman-brothers-arte-der-gorilla-im-31-stock-a-1585423

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« Reply #788 on: September 20, 2018, 09:38:38 AM »
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[...] Die „Generation Mitte“ fürchtet nicht um ihre Arbeit oder ihren sozialen Status. Was die meisten bekümmert, ist stattdessen der schwindende Zusammenhalt zwischen den Menschen. Materialistischer, egoistischer, intoleranter – so nehmen die Leistungsträger die deutsche Gesellschaft wahr. Das geht zumindest aus einer Umfrage des Allensbach-Instituts hervor. Auftraggeber ist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Einer Mehrheit der 30- bis 59-Jährigen geht es demnach besser als vor fünf Jahren. Nur noch 27 Prozent haben jedoch Vertrauen in die politische Stabilität des Landes. 2015 behauptete dies noch knapp jeder Zweite. Woran das liegt, lässt sich aus der Umfrage nicht ablesen. Ursachen wurden nicht erfragt; 2017 und 2016 fehlte die Frage. „Die Stimmung ist trotz der brummenden Wirtschaft nicht gut“, sagte Verbandspräsident Wolfgang Weiler. Damit sei eine Jahrzehnte alte Regel außer Kraft gesetzt.

Die mittlere Generation hat laut der Umfrage ein anderes Verhältnis zu Geld als ihre Eltern. „Sparsam leben ist kein Lebensziel mehr“, sagte Köcher. Obwohl sich die meisten wünschten, finanziell unabhängig und abgesichert zu sein, halte nur jeder Siebte Sparsamkeit für wichtig – aus Sicht der Versicherer ein „alarmierendes“ Ergebnis, denn sie leben von der privaten Vorsorge. Nur ein Drittel der Befragten sei zudem überzeugt, in einer glücklichen Zeit zu leben. 42 Prozent hielten die Zeiten für ausgesprochen schwierig.

Im Kontrast dazu steht die Einschätzung der „Generation Mitte“ bezüglich ihrer ganz persönlichen Situation: 42 Prozent der Befragten empfinden sich über die vergangenen Jahre hinweg betrachtet als Wohlstandsgewinner, nur 18 Prozent beklagen eine Verschlechterung. Sie gehören zumeist zu den unteren sozialen Schichten. Nur elf Prozent sehen die Gefahr eines sozialen Abstiegs (2016: 15 Prozent). So wenige wie nie fürchten um ihren Job. Wobei unter den Einkommensschwachen 25 Prozent darum bangen.

Im Vergleich mit ihren Eltern im gleichen Alter sehen die 30- bis 59-Jährigen für sich die größeren finanziellen Möglichkeiten und persönlichen Entfaltungsspielräume. Sie können sich mehr leisten, leichter in den Urlaub fahren, freier entscheiden, wo sie leben wollen. Allerdings empfinden sie ihr Leben auch als fordernder und anstrengender als das ihrer Mütter und Väter. So finden 61 Prozent, dass ihre Eltern weniger Stress und Hektik hatten, 45 Prozent, dass es damals mehr Planungssicherheit gab.

Im Ranking der wichtigen Dinge im Leben stehen mit 90 Prozent Gesundheit, eine stabile Partnerschaft und finanzielle Unabhängigkeit (83 und 82 Prozent) ganz oben. Auf den letzten Plätzen stehen Religion (16 Prozent) – und Sparsamkeit (14 Prozent). 60 Prozent finden, dass sie als Eltern heute mehr gefordert sind als ihre Mütter und Väter; 42 Prozent, dass die Erziehung der Kinder durch das Internet heute schwieriger geworden ist. 57 Prozent glauben zudem, dass das Internet die Kinder und Jugendlichen heutzutage am meisten beeinflusst, nur neun Prozent glauben noch an eine Prägung durch Lehrer. Bis vor wenigen Jahren sei in diesem Ranking auch nach dem Einfluss der Kirchen gefragt worden, sagte Köcher. Das lohne sich aber nicht mehr und sei deshalb herausgenommen worden.

Für die Umfrage „#GenerationMitte“ waren im Auftrag der deutschen Versicherer mehr als tausend Männer und Frauen interviewt worden. Die Studie wird seit 2013 jährlich durchführt. Die Befragten stehen für 35 Millionen Menschen, die wiederum 70 Prozent der Erwerbstätigen ausmachen.


Aus: "Die "Generation Mitte" verliert das Vertrauen in die Politik" Marie Rövekamp (19.09.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/umfrage-der-deutschen-versicherer-die-generation-mitte-verliert-das-vertrauen-in-die-politik/23086618.html

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kurzundknapp 08:24 Uhr

    Im Ranking der wichtigen Dinge im Leben stehen mit 90 Prozent Gesundheit

da wundert es doch, dass die pflanzenspritzgifte immer noch erlaubt sind. es ist aber auch ein zeichen, dass die Politiker über ihre wähler hinwegregieren.
noch mehr wundert es aber, dass die wähler die "hinwegregierer" immer wieder wählen.


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riegel 19.09.2018, 20:19 Uhr

    Was die meisten bekümmert, ist stattdessen der schwindende Zusammenhalt zwischen den Menschen. Materialistischer, egoistischer, intoleranter –
    so nehmen die Leistungsträger die deutsche Gesellschaft wahr.


Wer ist denn die deutsche Gesellschaft?
Eine anonyme Masse oder auch die Befragten selber?
Zuammengefasst: Wir leben heute und jetzt. Wir sind mobil! Die Gesellschaft ist egoistisch!
Irgendwann wird der Staat sich schon um uns kümmern -sparen brauchen wir nicht. Einfach konsequent Wahrnehmungen umgesetzt. Ein tieferer ZUammenhalt der Gemeinscahft oder Menschheit - Fehlanzeige ergo : ein wir auch immer "religiöser" Kontext ist nicht notwendig - weder atheistisch noch theistisch -
Glaubenssatz: Die Gesellschaft ist:. Materialistischer, egoistischer, intoleranter – also eine Projektion des eignen Lebensstiles?


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« Reply #789 on: September 20, 2018, 09:45:05 AM »
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[...] Die Behörden wollen das übergroße Wandbild für den vor eineinhalb Wochen am Tempelhofer Feld erschossenen Nidal R. überstreichen lassen. Doch wann dies geschieht, ist noch nicht klar. Das bestätigte die Senatsverkehrsverwaltung am Mittwoch. Nidal R., Intensivtäter, Spross eines deutsch-arabischen Clans und Dauergast im Strafvollzug, war am Sonntagabend vor eineinhalb Wochen am Ostrand des Tempelhofer Feldes niedergeschossen worden. Am Donnerstag vergangener Woche wurde er beigesetzt – 2000 Gäste kamen, darunter die Oberhäupter einschlägiger Clans.

Am Sonntagabend brachten laut Augenzeugen professionelle Sprayer nach Bildvorlage ein Wandbild an die Rückseite eines Imbiss-Gebäudes an – abgeschirmt von mehreren bulligen Männern. Nun prangt dort ein Porträt von Nidal R. mit Palästinenser-Schal – wie ein Heldenbild für getötete islamistische Kämpfer in Nahost. Rund um Tatort und Wandbild sitzen seit Tagen Grüppchen von jungen Männern. Viele in Jogginghosen, sie feixen und lachen. Immer wieder schauen sie sich aber auch nervös um – fast so, als bewachten sie den Tatort. Der aufgesprühte Spruch „Bitte nicht übermalen“ ist inzwischen wieder entfernt.

... die Polizei aber [hat]  damit zu tun, die Täter zu finden, die Nidal R. an einem Eisstand vor den Augen von Kindern und Familien niedergeschossen haben. Es gibt mehrere Spuren, der Fluchtwagen wurde gefunden. Zudem kursieren Namen von Mitgliedern eines Clans. Es könnte sich bei der Tat, so heißt es, auch um einen Racheakt aus verletztem Ehrgefühl handeln.


Aus: "Wandbild von Nidal R. wird entfernt"  Alexander Fröhlich, Judith Langowski, Hannes Soltau (20.09.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-mord-am-tempelhofer-feld-wandbild-von-nidal-r-wird-entfernt/23087714.html

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NeuBolle 19.09.2018, 20:42 Uhr
Warum denn entfernen? Für viele Mitbürger war Nidal R. offenbar ein Rollenvorbild, jemand, mit dem sich nicht wenige junge Berliner augenscheinlich identifizieren können.



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« Reply #790 on: September 20, 2018, 12:23:50 PM »
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altautonomer, 17. September 2018 — 18:10

[...] 3.500 behelmte Bürger in Uniform verdienen gegenwärtig ihr Geld für sich und ihre Familien damit, im Interesse des Energiegiganten RWE den Klimawandel zu beschleunigen.

Und es gibt auch Veranwortliche mit Namen und Gesichtern. Im Aufsichtsrat der RWE sitzen überwiegend Betriebsratsvorsitzende, außerdem Frank Bsirske, Grüner verdi-Chef und Ulrich Sierau (SPD), OB von Dortmund. Aufsichtsratsvorsitzender ist Dr. Werner Brandt von der ProSieben/Sat1 Medea SE.

https://www.group.rwe/der-konzern/organisationsstruktur/rwe-ag/aufsichtsrat

Es gibt daneben auch einen Beirat der RWE. Beirat
Über den Beirat werden Kommunalpolitiker in die Geschäftspolitik der RWE eingebunden. Die offizielle Aufgabe ist die Beratung der RWE in Fragen der Unternehmens- und Energiepolitik mit regionalem Bezug. Der aus vier Regionalbeiräten bestehende Beirat hat 110 Mitglieder. Über die Beiratsvergütung werden folgende Angaben gemacht: Grundvergütung 3.000 Euro pro Jahr, Sitzungsgeld 1.000 Euro pro Sitzung, Auslagenersatzpauschale 100 Euro pro Sitzung. Pro Jahr finden insgesamt vier Sitzungen statt. Die Bürgermeisterin meiner Stadt ist dort auch Mitglied.

Hier die aktuelle (̶v̶̶e̶̶r̶̶b̶̶r̶̶e̶̶c̶̶h̶̶e̶̶r̶-)Mitgliederliste:
https://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/3279458/data/431194/5/rwe/ueber-rwe/kommunen/beirat-des-rwe-konzerns/struktur-und-funktion/Mitgliederliste.pdf

Es waren neben der Politik seinerzeit hauptsächlich auch Betriebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre, die den Ausstieg aus der Atomstromproduktion behinderten und verzögerten.

Für mich sind das alles tumbe Totengräber der Zukunft.

Emotionale und berührende Rede einer Aktivistin:
https://www.youtube.com/watch?v=1R7XAl3wasw


Ein Kommentar zu: "„Verwaldung und Entwaldung“" (2018)
Quelle: https://klausbaum.wordpress.com/2018/09/16/verwaldung-und-entwaldung/


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« Reply #791 on: September 24, 2018, 11:27:19 AM »
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... Es liegt was in der Luft: Junge Frauen suchen nach Sinn und flüchten in die Natur. Chakrenbalance, Kristalltherapie und Korbflechten sind .... hip. ... Chloe gehört einer Bewegung junger Frauen an, die mitten im Leben stehen, aber nach mehr suchen. Sie treffen sich regelmäßig in den Wäldern rund um London. Die Zusammenkünfte der sogenannten Sisterhood werden durch schamanische Praktiken, vedische Meditation, Tanz und Gesang begleitet. Dabei werden Lebensmittel fermentiert, Körbe geflochten, Stoffe gefärbt, Kräutermedizin hergestellt, Gedichte geschrieben, Yoga praktiziert, gemeinsam gekocht und vieles mehr. "Wir können nicht länger in einer zusammenhanglosen Welt existieren. Unser Überleben hängt davon ab, sich zu erinnern, wer wir sind und woher wir kommen", erklärt Charlotte Hall. Charlotte ist im gleichen Alter wie Chloe, lebt ebenfalls in London und arbeitet als PR-Beraterin in der Modeindustrie. Sie kam schon als Kind mit alternativen Lebensformen in Kontakt, besuchte regelmäßig New-Age-Gemeinschaften auf dem Land, die temporär zusammen lebten, Hütten nach altertümlichen Methoden bauten und ihr Essen am offenen Feuer zubereiteten. Als Teenager wandte sie sich von diesem Lebensstil ab, um wie die anderen zu sein. Erst mit der Schwangerschaft und Geburt ihrer Tochter öffnete sie sich wieder für ein anderes Leben und nimmt seither regelmäßig an Women's Gatherings teil.  ...
Aus: "Schamanismus: Finde die Weisheit der Gebärmutter" Lilli Heinemann (2. August 2017)
https://www.zeit.de/kultur/2017-07/schamanismus-spiritualitaet-rituale-grossstadtleben-10nach8/komplettansicht

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Mag is back #1

Nur meine persönliche Meinung. Die oben genannten Rituale und Praktiken sehen für mich stark nach Wohlstandsdekadenz aus.



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commandantina #13

Endlich mal ein angenehm nüchterner, nicht von vornherein ablehnender, aber doch kritisch hinterfragender Artikel zum Esoterik-Trend unserer Zeit, danke! Ich persönlich kann dieses Gewäsch "Verbinde dich mit deinen Körperteilen und heilige sie!" nicht ausstehen - dazu kenne ich (beruflich bedingt) viel zu viele Frauen im besten Alter, die erst aufgeblüht sind, als sie ihre Gebärmutter los waren. Auch die Behauptung, "göttliche Weiblichkeit" sei gleichbedeutend mit einem unbedingt zu akzeptierenden Empfangsprinzip (Zitat: "Bei der zelebrierten göttlichen Weiblichkeit ginge es hingegen um das Empfangen, darum, es den Dingen zu erlauben, zu einem zu kommen.") halte ich psychologisch für gefährlichen Unsinn: Es sind die Fesseln der Verzweiflung, die eine Frau der anderen anzulegen versucht, damit sie die Einsamkeit echter Erkenntnis nicht alleine ertragen muss.


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JuliusU995 #16

"Chloe erklärt, dass die weibliche Kraft und Weisheit in der Gebärmutter "

Ok ZON ich versuche es sachlich. Gibt es nicht auch den Brauch das Mütter nach der Entbindung ein Teil der Plazenta zubreiten und essen ?
Es tut mir leid, ich kann mir nicht helfen. Aber ich weiß nicht wie man auf sowas reagieren soll ?
Humor ? Wut ? Gleichgültigkeit ? Schreiend zur Tür hinaus laufen? Und kommt es mir nur so vor oder geht es bei den ganzen Eso-Kram eigentlich nur um Sex ? Ich mein wenn ein paar Verpeielte gerne Geld ausgeben, bitte schön. Nur bei diesen ganzen EsoZeugs gibt es eine Menge Menschen die ernsthafte Probleme haben und verzweifelt sind. Kommt mir zu kurz in dem Artikel.


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twigalo #16.1  —  3. August 2017, 11:50 Uhr 3

Lesen Sie weiter unten den Kommentar, der auf den Zusammenhang mit vorher erlebtem sexuellen Mißbrauch hinweist, und auf die konkret erlebte und nachhaltige Verbesserung und Entkrampfung im Beckenbereich durch praktisch geübte Entspannung. Das ist plausibel. Vielleicht müssen Sie dann nicht mehr schreien. Auch wenn das Ganze in etwas zu mystische Terminologie gepackt ist - wenn es hilft, hilft' s.


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Something_is_rotten #17  —  2. August 2017, 22:29 Uhr 5

Chakrenbalance statt Klassenkampf...vorübergehend...


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Kybernetik #18  —  2. August 2017, 22:54 Uhr 7

"Im Zentrum dieser Spiritualität steht auch der Holismus, der besagt, dass ein System als Ganzes funktioniert und nicht aus Einzelteilen zusammengesetzt ist – es geht um die Verbundenheit von allem mit allem."

Eigentlich ist es sogar wissenschaftlicher Konsens, das ein System anders funktioniert, als seine Einzelteile. Das es Systemgesetzte gibt, Regelkreise etc. Schaut man sich die Biosphäre an, so ist tatsächlich alles miteinander vernetzt und bilden verschiedene Organisationsformen aus, die wiederum mit anderen in Verbindung stehen.

Manche Menschen, die eine Psychose durchlebt haben, haben öfters auch spirituelle Erfahrungen gemacht. In diesen berichten sie immer wieder von dem wunderbaren Gefühl des Einseins mit der Natur und das alles mit allem verbunden ist.

Der Mensch wird wohl erst dann verstehen, dass er nicht außerhalb der Natur steht sondern mitten drin, wenn er es endlich geschafft hat sich selbst den Ast abzusägen, auf dem er sitzt.

Ich denke auch, das Spritualität durchaus etwas ist, wozu ein Mensch fähig ist und das dies auch einen Sinn erfüllt, gerade, wenn der Sinn nicht mehr im größer, schneller, mehr, gesehen wird, sondern in der Entschleunigung, der Rückbesinnung, der Erdung und letztlich wieder in einer zugewandten Gemeinschaft.


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Googlefix #19  —  2. August 2017, 23:21 Uhr 5

Früher ging es eben etwas prosaischer zu. Bekannt wurden in den 70er Jahren die Selbstuntersuchungsgruppen, in denen sich Frauen gegenseitig mit gynäkologischem Besteck selbst untersuchten, alternative Verhütungsmittel erprobten und versuchten, sich Wissen und Kompetenz um und über den eigenen Körper anzueignen. Die sprirituellen Aspekte waren damals Thema in den Hexenseminaren.

Ziel war damals das Kennenlernen und Wertschätzen des eigenen Geschlechts, das ja heute vielfach noch als minderwertig begriffen wird. Analog dazu gibt es eben für die Männer die Schwitzhüttenrituale, denen auch Putin und Schröder frönten.


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Laubfall #21  —  2. August 2017, 23:30 Uhr 5

Die Damen leben oder lebten in der City in ihrem Kokon aus Materialismus, Äußerlichkeiten, Beliebigkeit und mehr.

Würden Sie auf dem Land leben, mit eigenem Garten, Natur, im Einklang mit den Jahreszeiten, geerdet und weit weg von jedem Jet-Set, so hätten sie alles gehabt, was sie jetzt verzweifelt suchen.


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Frau. Huber #21.1  —  3. August 2017, 7:27 Uhr

Ich glaube nicht, dass man das pauschal so sagen kann. Ich kenne z. B. eine Frau, die einen eigenen Garten hat, ein Kind hat, wenig Geld hat und alles andere als ein Jet Set Typ ist. Aber sie ist von so schamanischem Klimbim ziemlich angetan, was evtl auch damit zu tun hat, dass sie als Teenager vergewaltigt wurde und darüber nie wirklich hinweg gekommen ist und Probleme mit ihrem Körper und ihrer Weiblichkeit hat.


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twigalo #21.2  —  3. August 2017, 11:03 Uhr 2

Ich glaube nicht, dass sie etwas ' verzweifelt' suchen. Vielleicht ein paar wenige, aber die meisten scheinen schon ganz zufrieden zu sein mit ihren Aktivitäten, haben Spaß dabei, und stören tun sie damit ja niemanden. Und wer weiss, was dann in ein paar Jahren sein wird. Der Weg ist das Ziel. Bis dahin viel Zeit in der Natur verbracht zu haben, ist jedenfalls für Körper und Geist schon mal nicht verkehrt. Komisch wird es dann, wenn sie teure Seminare machen.


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Teilzeitberliner #23  —  2. August 2017, 23:45 Uhr 3

Die dürfen alle wählen gehen!

Das macht mir Angst.


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X #23.2  —  3. August 2017, 2:26 Uhr 4

Angst und so ist normal für einen Städter, der in entfremdeter Umgebung einer entfremdeten Arbeit nachgeht.
Machen Sie mal was Anderes, bevor Sie sich dann im September selbst in der Wahlkabine einfinden.



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Merowinger II #23.3  —  3. August 2017, 5:33 Uhr 6

Wer Menschen, die die Spiritualität für sich entdecken, für eine grosse Gefahr hält, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen. Als ob es nicht genug echte Probleme gäbe, vor denen man Angst haben sollte.


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twigalo #23.4  —  3. August 2017, 11:08 Uhr 1

Genauso wie die aggressiven Automachos, Deutsche Islamisten, Nazis, egoistische bullies usw. Und die sind übrigens keinen Deut rationaler.


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Yvolat #27  —  3. August 2017, 1:18 Uhr 5

Anscheinend macht die Autorin dieses Artikels sich lieber über etwas lustig, das ihr suspekt ist, als dass sie sich auch nur bemüht, es zu verstehen. Den Ton des Artikels finde ich unerträglich, die Verachtung für Frauen, die einen anderen, tieferen Sinn im Leben suchen, ist in jeder Zeile spürbar.
Zur "Weisheit der Gebärmutter" - als jemand, die als Kind sexuell missbraucht wurde, weiß ich, wie sehr diese Erfahrung sich im Becken als Störfaktor festsetzt, und das betrifft die Geschlechtsorgane (u.a. Gebärmutter), aber auch das Tan Tien, ein "Reservoir" unserer Lebensenergie. Blockaden der Lebensenergie im Beckenbereich haben sehr viele Frauen, nicht nur aufgrund persönlicher sexueller Mb-Erfahrungen (die natürlich nicht jede hat oder in der gleichen Weise hat), sondern auch aufgrund von religiös/kulturell verankerter Beschmutzung der weiblichen Sexualität, und der Tatsache, dass man als Frau immer wieder aufs Sexuelle reduziert/bezogen wird und es sehr schwer hat, einfach nur als Mensch wahrgenommen zu werden (nicht alle Frauen profitieren davon oder genießen es, sich sexuell/erotisch in Szene zu setzen) - all das hinterlässt Narben, und diese Narben haben im Sinne der Lebensenergie einen Ort, das Becken.
Ich bin übrigens ganz und gar keine Anhängerin von Esoterik, die für mich deutliche Gefahren hat, aber die spirituelle Sehnsucht der Frauen kann ich gut verstehen und teile sie. Schade, dass die Autorin den beschriebenen Trend nur benutzt, um sich einen abzulachen.


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ikonist #33  —  3. August 2017, 5:09 Uhr

es wird mit Hexenverbrennungen enden


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twigalo #33.1  —  3. August 2017, 11:21 Uhr 1

Hä?


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ikonist #33.2  —  3. August 2017, 13:58 Uhr

der >(schwarze)humorlevel< ist nicht sehr hoch!?


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Gerhard Mall #34  —  3. August 2017, 5:14 Uhr 1

Mich erinnern die beschriebenen Praktiken an Rituale der NS-Zeit, die auf die Wandervogelbewegung und die Reformbewegung zurückgingen. Die Suche nach "Sinn" ist ungebrochen. Sehr interessanter Artikel!


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Kabeljau #38  —  3. August 2017, 9:23 Uhr 3

Als ich die Überschrift las musste ich spontan lachen. Es erinnerte mich sofort an meine Zeit als Student. Damals gab es an der Uni eine Menstruationsgruppe, die sich bei Mondschein treffen und gemeinsam menstruieren wollte.

Kommt irgendwie alles wieder.


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biermännchen #42  —  3. August 2017, 11:44 Uhr 2

"Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, dann glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche. Das ist die Chance der Propheten – und sie kommen in Scharen." G.K. Chesterton


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Farmhouse #43  —  3. August 2017, 11:44 Uhr 1

So lange die Zunft der Seelenquacksalber jeden Morgen einen Dummen und eine Dumme findet, der für ihr Auskommen sorgt, werden Lichtwesen, Auren und Energiezentren die Regale der Buchläden und die Konten der Feen und Schamanen füllen.


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Pyntanell #45  —  3. August 2017, 13:14 Uhr 3

Ich finde es immer wieder interessant, dass Schamanismus mit der üblichen Esogeldmacherei verbunden wird. Dabei ist gerade Schamanismus eine Erfahrung, für die man eigentlich keinen Tinnef braucht. Keine Ritualgegenstände, keine Kristalle,keine Altäre. Man braucht nur die Welt um sich herum und die Bereitschaft, ihr zuzuhöhren.


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derneuekarl #53  —  3. August 2017, 19:19 Uhr 2

Ein typisches Weiberding und einer der ersten Problempunkte, die ein Mann abchecken sollte. Vor allem eine potenzielle Geldvernichtungsmaschine im Haushalt, denn wer wird wohl in erster Linie von Astro-TV/Questico abgezockt? Für den Preis eines Fläschchens Schwingungswasser vom professionellen Channel-Medium kann der männliche Spinner viel Freie Energie aus einem alten Plattenspielermotor schöpfen...

Also Vorsicht, Männer, denn es fängt in jungen Jahren ganz harmlos mit Horoskopelesen, Homöopathie und Feng Shui an, und kann sich bei nicht beständigem Contra zu einem veritablen Schamanismus auswachsen. ...


Quote
Merowinger II #53.1  —  3. August 2017, 20:00 Uhr 2

Das erste, was man "abchecken" sollte, ist solche Arroganz und Ignoranz wie in Ihrem Beitrag. Nein, Spiritualität ist kein "typisches Weiberding". Und es gibt viele Männer, die sich eine spirituelle Parterin wünschen. Hören Sie also bitte auf, von sich aus auf andere zu schließen.


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Farmhouse #54  —  4. August 2017, 22:39 Uhr

Für zahlreiche dieser Sinnsuche-Angebote gilt:

Skrupellose Scharlatane bringen Menschen in schwierigen Lebenssituationen (seien diese psychisch, physisch, materiell,....), von denen manch eine und einer profesioneller wie auch immer geartete Hilfe oder Unterstützung bedarf, um ihr Geld und manchmal um ihre ganze Existenz.


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ichweissdassichnichtsweiss2 #56  —  vor 21 Stunden

Dieser Quatsch ist doch inzwischen schon schon bei Trainings für Führungskräfte eingezogen. Solange man ein Haufen Geld damit verdienen kann ist alles recht. Willkommen im post-faktischen Zeitalter.


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califex #61

Die einen fangen dann philosophische Grundsatzdebatten an, die zweiten verteidigen die katholische und evangelische Kirche, dritte bekunden Sympathie gegenüber Spiritualität, distanzieren sich aber von Abzocke; vierte berichten dann von persönlichen Missbrauchserfahrungen (ja, das ist schon schlecht) – das führt doch alles zu nichts! ...


...

---

Quote
[...] Der Rapper Kollegah will mit seinen "10 Boss-Geboten" Männer wieder zu Männern machen und steht damit oben auf der Bestsellerliste. ... wer heult, ist ein Lauch, ein Fridolin oder eine Muschi – wobei der genretypische Sexismus, der von Feministinnen sogar gelegentlich als "identitäre Strategie" verteidigt wird, sich hier überraschenderweise auf ein Mindestmaß beschränkt. Kollegah schreibt sogar, dass Frauen bereits wüssten, was er seinen Lesern noch predigen muss: dass Probleme bloß Herausforderungen seien und im Scheitern eine Chance läge. ... Ohnehin sind die Instruktionen aus dem schwer gelebten Leben von mit Askese überbackener Banalität: Übe dich in Geduld, arbeite an deinem Händedruck, sei selbstständig, sei nicht perfekt, sei kreativ, mach Fehler, zieh dir was Ordentliches an, lern kochen, probier's mal mit Yoga, lies ein Buch, red keinen Scheiß, benimm dich, achte aufs Karma, meditiere und lass die Hände über der Bettdecke. In der Summe ist das so furchterregend wie Scarface am Altglascontainer. Dies wäre die abschließend überaus beruhigende Nachricht an alle, die sich wieder Sorgen machen, was die 13-jährigen Söhne gerade lesen. So gesehen: Alles wird gut, ihr Fridoline.


Aus: "Spann mal an, Fridolin" Eine Rezension von David Hugendick (25. September 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2018-09/alpha-kollegah-rapper-buch-veroeffentlichung

Quote
Morrisson #4

Lieber Lauch als Rapper!


Quote
babasikander #4.9

Morrisson fickt den Rap, Digga!


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Elefant Terrible #5

Der Mann hat noch eine große Karriere als Autor für Abreißkalender, Glückskekszettel und Horoskope vor sich.


Quote
Frau. Huber #18

Abgelehnt an Trevor Noah möchte ich gerne anmerken, dass jeder, der jemals einer Geburt beigewohnt hat bezeugen kann, dass eine Muschi ein ausgesprochen strapazierfähiges und starkes Organ ist. Ein kompletter Mensch wird durch eine Muschi gepresst und danach funktioniert sie einwandfrei.

Man probiere Ähnliches mit einem Penis...

Insofern ist der Versuch, einen Mann abzuwerten, indem man ihn "Muschi" nennt eigentlich wirklich witzig. Angemessener wäre "Du Penis", "Du Hoden" oder "Du Auge", wenn man unbedingt ein empfindliches Organ braucht, um Verletzlichkeit zu illustrieren.


Quote
Rothemdsärmel #18.1

Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/ee


...
« Last Edit: September 25, 2018, 02:44:19 PM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #792 on: September 24, 2018, 08:44:36 PM »
Quote
[...] Jeder achte Deutsche lebt dauerhaft unter prekären Umständen. Das ergab eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin, die die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung gefördert hat. Demnach arbeiten rund vier Millionen Menschen und damit 12,3 Prozent der Erwerbstätigen über mehrere Jahre hinweg in perspektivlosen Jobs mit geringem Einkommen und mangelnder sozialer Absicherung. Besonders häufig betroffen sind demnach Frauen im Haupterwerbsalter, die oft Kinder haben. Die zweitgrößte Gruppe sind Väter, die drittgrößte junge Männer.

Das Forscherteam um Jutta Allmendinger und Markus Promberger von der Universität Erlangen-Nürnberg macht die unsichere Situation der Menschen nicht nur am Arbeitsverhältnis fest, sondern auch an den Lebensverhältnissen allgemein. Es fragte auch nach Armut, Überschuldung oder Wohnverhältnissen. Die Datengrundlage stammt aus den Jahren 1993 bis 2012.

Eine Datensammlung zur "Qualität der Arbeit", die das Statistische Bundesamt vorgestellt hat, zeigt zudem, dass immer mehr Beschäftigte auch am Wochenende arbeiten und vor allem Führungskräfte überlange Arbeitszeiten haben. Zudem zeigt die Statistik, dass viele Menschen im Niedriglohnsektor arbeiten.

Als Niedriglöhner gilt, wer weniger als zehn Euro in der Stunde verdient und damit auch weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns. Dem Statistischen Bundesamt zufolge betrifft das mehr als jeden fünften Beschäftigten. Frauen mussten sich deutlich häufiger (Quote: 27,2 Prozent) mit niedrigen Löhnen zufrieden geben als Männer (15,8 Prozent). Die weiblichen Beschäftigten arbeiten zudem wesentlich häufiger in gering bezahlten (Dienstleistungs-)Berufen und sind in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt.

Etwa jeder zehnte Vollzeiterwerbstätige in Deutschland arbeitet regelmäßig mehr als 48 Stunden in der Woche. Bei Männern ist das den Berechnungen zufolge mit 13 Prozent etwa doppelt so häufig der Fall wie bei Frauen (6,3 Prozent). Generell gilt: je älter, desto länger die Arbeitszeiten. Das hänge auch damit zusammen, dass Führungskräfte eher in höheren Altersgruppen zu finden seien, schreibt das Bundesamt.

Es gibt aber auch positive Nachrichten am deutschen Arbeitsmarkt: 2017 waren nahezu alle Beschäftigten krankenversichert, knapp 89 Prozent hätten bei Arbeitslosigkeit Anspruch auf Arbeitslosengeld I und 83 Prozent der Erwerbspersonen waren in der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Schnitt nahm 2017 jeder Arbeitnehmer die Rekordzahl von 31,4 Urlaubstagen. Die Fehlzeiten wegen Krankheit nahmen wieder ab auf 10,6 Arbeitstage pro Beschäftigtem.


Aus: "Lebensverhältnisse in Deutschland: Millionen Deutsche müssen mit Niedriglöhnen auskommen" (24. September 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-09/lebensverhaeltnisse-deutschland-erwerbstaetige-prekaere-umstaende

Quote
Nemo99 #3

Das müssen fake news sein, denn Deutschland ist reich und uns geht's gut.


Quote
del Cerro #2.4

Schröders Worte damals:

In Deutschland wurde mit der Umsetzung des Hartz-Konzeptes die Entstehung des Niedriglohnsektors gefördert. Auf dem World Economic Forum in Davos am 28. Januar 2005, äußerte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder:

    „Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt. Ich rate allen, die sich damit beschäftigen, sich mit den Gegebenheiten auseinander zu setzen, und nicht nur mit den Berichten über die Gegebenheiten. Deutschland neigt dazu, sein Licht unter den Scheffel zu stellen, obwohl es das Falscheste ist, was man eigentlich tun kann. Wir haben einen funktionierenden Niedriglohnsektor aufgebaut, und wir haben bei der Unterstützungszahlung Anreize dafür, Arbeit aufzunehmen, sehr stark in den Vordergrund gestellt.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Niedriglohn

Nein - haben 'wir' nicht!
Wir haben eine kapputte SPD,
eine wachsende AfD,
eine gespaltene Gesellschaft,
Spannungen en masse,
selbstzufriedene Privilegiengenießer,
und malochende Niedriglöhner,
Armutsrentner, Flaschensammler,
Ungleichheit und Unzufriedenheit

wie es sie noch nie gab - hier in diesem Land!


Quote
Mettigelfan #3.5

Ich ergänze auch gern: SPD und Grüne haben den Schwachsinn verbrochen, aber der CDU/CSU/FDP ging das eigentlich noch nicht weit genug. ...


Quote
Miasto #4

Ich kann in den Zahlen keinen Grund zum Jammern erkennen. Insgesamt geht es den Menschen in Deutschland ökonomisch gesehen besser als jemals zuvor. So empfinden das ja auch die meisten Menschen. Auich wenn der DGB mit seinen "wissenschaftlichen" Studien das Gegenteil suggerieren will.

Frage an den DGB: wann war es denn einmal "besser" in Deutschland als jetzt?


Quote
anyweb #4.4

Es geht darum, dass es aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre keinen Grund gibt, warum wir den größten Niedriglohnaektor Europas haben. Und nein, diesen Menschen geht es nicht besser als jemals zuvor. In der Gesamtheit betrachtet haben die Menschen in Deutschland mehr Geld zur Vergühung. Das betrifft vor allem die Milliardenzugewinne der oberen 1 %, sagt aber rein nichts über die Verteilungsgerechtigkeit in diesem Land aus. Die hat nämlich stetig abgenommen.


Quote
macforce #4.51

Das Wort „Eigenverantwortung“ ist hier ein Fremdwort.

Kein Fremdwort - dazu hört man es zu häufig von naturtrüben neoliberalen Ideologen, Faulenzern von Beruf Sohn oder Tochter und Beziehern hoher leistungsloser Einkommen.


Quote
Commomsense2006 #4.61

Aber lieber 10% der Leute zu niedrigen Löhnen beschäftigt haben als 10% arbeitslos, wie's in der spitze unter H. Kohl war.

Klar, würde ich mir auch wünschen, dass alle Menschen mindestens 15 € pro Stunde kriegen würden, aber wir können uns die Welt ja nicht stricken, wie sie uns gefällt.


Quote
del Cerro #4.62

Sprechen SIE aus Erfahrung? ...


Quote
califex #4.63

Ist doch nicht schlimm, sind eh die Hälfte der Bevölkerung=)


Quote
Meatball #4.64

Tja, im Schnitt ist der Dorfteich nur 85 cm tief. Trotzdem ist die Kuh darin ertrunken.


Quote
chantecler #8

Aber die Arbeitslosigkeit ist ja soooooo niedrig.


Quote
W1986 #10

Diese Studien existieren seit Jahren mit relativ ähnlichen Zahlen. Niedriglohn ist auch häufig nicht irgendwie aktivierend für den Aufstieg, sondern eher frustrierend und persönlich stagnierend und die betriebswirtschaftliche Rationalität unserer Wirtschaftsweise mit den darin handelnden Akteuren hat sich mit der Existenz dieses Sektors arrangiert bzw. mittlerweile "als gegeben" in die Gesamtrechnung fest einberechnet. D.h. ohne harte Eingriffe wird er sich nicht abbauen, oder man nimmt es eben so hin mit den gesamtgesellschaftlichen Folgekosten. Dann ist das eben so mit in unsere Lebensverhältnisse eingepreist.


Quote
Ihr Schreiben ist in unserem Papierkorb eingegangen #13.1

hier hat die SPD trotz Mindestlohn versagt.

Richtig. So entlarvt sich der mickrige Mindestlohn allzu häufig selbst als Feigenblatt für eine unsoziale Arbeitsmarkt-, Sozial- und Wirtschaftspolitik, die Niedriglöhne und prekäre Beschäftigung durchgesetzt hat. Dass ein Mindestlöhner derzeit mehr als 60 Jahre (!) arbeiten müsste, um später eine Netto-Rente auf Grundsicherungsniveau (also etwa 700 Euro) zu bekommen, ist schon zur Randnotiz verkommen. ...


Quote
Madame Fu #19

Diese Verhältnisse sind schon lange bekannt - Zeit/Leiharbeit als moderne Sklaverei. Oder die Minijobs auf 450 Euro-Basis, die ohne Renten- und Sozialversicherung möglich sind. Für wen eignen die sich, wie soll da einer überleben? ...


Quote
Ihr Schreiben ist in unserem Papierkorb eingegangen #19.1

Diese Verhältnisse sind schon lange bekannt - Zeit/Leiharbeit als moderne Sklaverei.

Und auch wenn es schon oft erwähnt wurde: Die Zeit- und Leiharbeit in Deutschland ist anders als in allen anderen EU-Staaten völlig unreguliert, wodurch sie quasi schon zu einem Synonym oder Sinnbild für prekäre Beschäftigung wurde.

Anders als in allen anderen EU-Staaten (außer dem UK) haben Leiharbeiter in Deutschland keinen Anspruch auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit ab dem ersten Tag, weil für sie in D separate Tarifverträge abgeschlossen werden können. Diese sehen dann praktisch immer viel niedrigere Löhne als für Festangestellte vor. So liegen die Tariflöhne (!) für Fachkräfte in der Zeitarbeit bei unter 12 Euro brutto pro Stunde.

Hinzu kommen die weiteren Nachteile wie hohe Jobunsicherheit, ständige Arbeitgeberwechsel, hohes Risiko von Arbeitslosigkeit und der Verzicht auf (finanzielle) Vorteile, die ihre festangestellten Kollegen (oft) haben: angefangen von Sonderzahlungen bis hin zu günstigem Kantinenessen, von dem Leiharbeiter als "Externe" nicht selten ausgeschlossen sind oder für das sie als "Externe" mehr bezahlen müssen als ihre (besser verdienenden) festangestellten Kollegen.


Quote
Einfacher Bürger #20

Die SPD sucht Aufgaben? Da habt ihr welche.


Quote
ohdochnein #28

Bitte mal eine ganze Serie zu diesem Prekariat bringen. Porträts, Schicksale, Hintergründe, rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Wohn- und Wohnumfeldbedingungen, Aufstiegschancen, (Renten-)Aussichten etc. Oder klappt das nur gegen Rechts, Sexismus oder Rassismus? - Wäre interessant und sicher für viele Zeitleser ein Blick in eine Lebensrealität die weit weg von der eigenen Lebenswirklichkeit ist.


Quote
E_Dantes #28.1

Gute Idee.Ich bin dafür, dass mal ein paar Klischees zurechtgerückt werden und es nicht ständig heißt: Im Niedriglohnsektor arbeiten nur Ungebildete.


Quote
Zwischentöne #30

Deutschland geht es gut.

Und wer's nicht glaubt ist ein Rechter, ein Linker oder Betroffener, der selbst dran schuld ist.

Bis heute hat es die SPD nicht kapiert, was durch die AGENDA2010 ausgelöst wurde und die GRÜNEN hat dies nie bekümmert.

Bezeichnend die gestrige Aussage von Ex-Finanzminister Steinbrück bei einem Bericht über die Lehman-Pleite, dass um die Jahrtausendwende ALLE dem Fetisch der Deregulierung und Neoliberalisierung hinterhergelaufen wären und von der Finanzkrise vollkommen überrascht wurden.

Dabei hat er natürlich vergessen zu erwähnen, dass es genügend Warner gab, die man aber als Störenfriede betrachtete, u.a. einer seiner Vorgänger (O. Lafontaine), der frühzeitig denn Irrweg kritisierte und deshalb kalt gestellt wurde.

Dieser Verdrängungsprozess dauert immer noch an und hat mittlerweile die nächste Krise hervorgerufen, das Erstarken der AfD.
Wird das Prekariat nicht ernst genommen und die Probleme verdrängt, sucht es sich eben "Alternativen".


Quote
GlobalPlayer5001 #30.2

>>Dieser Verdrängungsprozess dauert immer noch an und hat mittlerweile die nächste Krise hervorgerufen, das Erstarken der AfD.<<

Auf die Agenda2010 einzuschlagen ist ja schon immer der Umverteiler liebstes Hobby gewesen. Dass die Aganda aber jetzt auch noch am Erstarken der AfD Schuld sein soll, die es 2010 so noch gar nicht gab, da muss man erst einmal drauf kommen ;-)

Und dezidiert NEIN, die damaligen Reformen sind so ziemlich das einzig ansatzweise marktwirtschaftliche, das die SPD jemals hervorgebracht hat. Die muss definitiv nicht rückabgewickelt werden!


Quote
Ihr Schreiben ist in unserem Papierkorb eingegangen #30.3

Auf die Agenda2010 einzuschlagen ist ja schon immer der Umverteiler liebstes Hobby gewesen. Dass die Aganda aber jetzt auch noch am Erstarken der AfD Schuld sein soll, die es 2010 so noch gar nicht gab, da muss man erst einmal drauf kommen ;-)

Die Agenda 2010 wurde nicht zuletzt mit "leeren Kassen" begründet, die ein "Engerschnallen der Gürtel" notwendig machen würden, weil alles als "nicht finanzierbar" galt. Die Politik des Sparens, Kürzens usw. wurden dann immer weiter fortgeführt.

Als im Zuge der Flüchtlingskrise plötzlich (scheinbar problemlos) 50 Mrd. Euro pro Jahr mobilisiert werden konnten, waren viele Wähler "verunsichert", zumal behauptet wurde, dass niemandem etwas weggenommen würde.

Auch das hat die AfD stark gemacht, obwohl diese eigentlich eine wenig soziale Partei ist.


Quote
eagle58 #31

Ein Skandal sind die ganzen Billiglohn- und Zeitarbeitjobs. Die ganzen Aufstockungsbeträge, damit die Menschen damit überhaupt leben können, werden sozialisiert. Jetzt aktuell wieder: Kaufhof/Karstadt Fusion. Die schmeissen Verkäuferinnen raus, die mit 1400 EURO brutto ohnehin nicht auf Rosen gebettet waren und bieten ihnen neue Jobs für etwas über 900 an. Soll sich doch der Staat, bzw. die Allgemeinheit darum kümmern, dass die nicht verhungern....


Quote
Ihr Schreiben ist in unserem Papierkorb eingegangen #31.1

Jetzt aktuell wieder: Kaufhof/Karstadt Fusion. Die schmeissen Verkäuferinnen raus, die mit 1400 EURO brutto ohnehin nicht auf Rosen gebettet waren und bieten ihnen neue Jobs für etwas über 900 an.

Ein schönes Beispiel.

Bezogen auf die Gesamtwirtschaft kommen hinzu: Auslagerung von Unternehmensteilen durch "Outsourcing", damit schlechtere Tarife Anwendung finden oder die Jobs im Ausland abgewickelt werden. Einsatz von Leiharbeitern und Werkvertraglern etc.

Auch wird häufiger darüber berichtet, dass die Tarifbindung immer weiter absinkt.


Quote
Kunigunde53 #33

"Es gibt aber auch positive Nachrichten am deutschen Arbeitsmarkt: 2017 waren nahezu alle Beschäftigten krankenversichert,..."

Sollte das nicht selbstverständlich sein? Die Tatsache, dass Kinderarmut und prekären Beschäftigungsverhältnisse im "Westen" stark zunehmen und gleichzeitig einige Wenige unanständig viel reicher werden (man könnte den Kuchen auch gerechter teilen), führt zu Verwerfungen wie Trump, Brexit und faschistoiden Tendenzen, denn eher wenig Gebildete sitzen gerne denen mit den einfachen Antworten auf. Der Tenor des Artikels passt gut zur die "Philosophie" von ZON: kaum Empathie für die sozial Benachteiligten, stattdessen wenig überzeugende Relativierungen, wie der letzte Absatz zeigt.



...
« Last Edit: September 24, 2018, 10:12:54 PM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #793 on: September 25, 2018, 11:13:05 AM »
Quote
[...] Kevin Kühnert ist auf Bayerntour. Vor der Landtagswahl trifft er SPD-Politiker*innen und macht Wahlkampf. Kühnert ist als Juso-Chef mittlerweile ein einflussreicher Sprecher der Linken in der SPD. Die von ihm angezettelte Kampagne gegen die Große Koalition hat er zwar verloren, bekannt gemacht hat sie ihn aber. Auch im Fall Maaßen übte er scharfe Kritik an den „Kompromissen“ der SPD-Parteichefin. So funktioniere die viel beschworene Erneuerung der SPD nicht.

Seit ein paar Tagen wird Kühnert von Politikern wie Journalisten (ja, soweit alles Männer) kritisiert. Der Vorwurf: Sein Alter und sein Bildungsgrad. Der ehemalige FAZ-Herausgeber Hugo Müller-Vogg twitterte: „Wenn ein 29jähriger (sic!) ohne Studienabschluss und ohne richtigen Job die @spdde nach seiner Pfeife tanzen lassen kann, sagt das viel über das machtpolitische Talent von @KuehniKev [Kevin Kühnert] – und noch mehr über den schlimmen Zustand der SPD.“ Journalisten wie Jan Fleischhauer sprechen dem „ewigen Politikstudenten“ ebenfalls das Urteilsrecht ab. Weil er sein Studium nicht abgeschlossen hat. Und nur knapp 30 Jahre zählt.

Das Bildungsbürgertum urteilt also, ein abgeschlossenes Studium sei Voraussetzung für die Politik. Die Elite soll unter sich bleiben, Privilegien will schließlich keiner teilen. Und die Älteren erklären den Jüngeren die Welt. Wo inhaltliche Argumente fehlen, wird nach vermeintlichen persönlichen Schwächen gesucht. Dabei wird implizit einem großen Teil der Bevölkerung pauschal das Urteilsrecht abgesprochen: Junge Menschen hätten kein Einschätzungsvermögen. Genauso wenig, wer nicht mindestens einen Master hat.

Wer so denkt, hat die repräsentative Demokratie nicht verstanden. In der „Arbeiterpartei“ kann ein hoher Bildungsabschluss kein Kriterium sein. Genauso braucht die Erneuerung der Partei gerade junge Engagierte. ARD-Journalist Ulrich Deppendorf warf Kühnert vor, dass er mit seinen kritischen Äußerungen die SPD spalte und die AfD stark mache. Diese abgehobenen Elitären über 50 sollten sich fragen, ob es nicht viel destruktiver ist, pauschal die Menschen zu entmündigen. Das fördert Politikverdrossenheit – und Schlimmeres.


Aus: "Hat der überhaupt studiert?!" Sarah Kohler (24. 9. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/Absurde-Twitterkritik-an-Kevin-Kuehnert/!5534818/

Quote
Jim Hawkins

Hat der Kerl überhaupt gedient?


Quote
Andi S

Die Kritik am Alter halte ich für überflüssig, aber mal zu hinterfragen ob Berufspolitiktum das richtige ist, wäre mal angebracht. Einfach mal 5 Jahre in einem technischen oder sozialen Beruf arbeiten vor dem Mandant wäre zu begrüßen. ...


Quote
Frau Kirschgrün

@Andi S So wie Herr Spahn?^^


Quote
kartoffelskeptiker

@Frau Kirschgrün danke. der war gut.


Quote
achterhoeker

Herrlich, diese Argumentation kenne ich doch! Das ist 50 Jahre her. Da tobten die Oberstudienräte über die Studenten, die alle vom Osten gesteuert waren. Uns beschieden diese "Eliten", die in Wirklichkeit vor verbeamteter Feigheit strotzten:"Machen Sie erst 'mal Abitur."

Wir haben diese Baskenmützenträger, teils noch in Knickerbockern nicht ernst genommen und herrlich abgelästert. Wir hätten niemals gedacht, dass solch' ein reaktionäres Gedankengut wieder einmal staatstragend würde.

Ich denke, dass Kevin Kühnert sich darauf ein Ei pellt. ...


Quote
Spider J.

Wir leben in einer Gerontokratie erster Güte. Die Probleme die wir heute haben drehen sich um diejenigen, die die letzten 20-30 Jahre Zeit gehabt hätten, sie zu vermeiden. Ich sag nur Pflege, Rente, Altersarmut, Mieten, Klimawandel etc.

Und jetzt kommt da so ein Emporkömmling der nichts "Richtiges" gelernt hat und stänkert rum. ...


Quote
Frau Kirschgrün

Kevin Kühnert scheint alles richtig zu machen.
Sie gehen völlig respektlos und inhaltsleer auf ihn los. ...


...

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« Reply #794 on: September 26, 2018, 02:34:51 PM »
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[...] Klaus Theweleit (18.09.2018): " ... Selbstverständlich verbreiten alle die, denen es irgendwie „besser“ geht, denen es auskömmlich geht oder zu gehen scheint, die ihr Dasein als Lust empfinden, Lügen zur Lage derer, denen es nicht so geht; die die Welt um sich herum als bedrohlich empfinden, aber keine Chance auf Veränderungen sehen; jedenfalls nicht auf zivilen Wegen. Ein Grundfehler der liberalen „bürgerlichen“ Presse war (und ist) es meiner Meinung nach, den Vorwurf der „Lügenpresse“ nicht wirklich ernst zu nehmen, ihn nicht ernsthaft zu bedenken. Statt zu sagen – was der Wahrheit entspräche – wir sind parteiisch; wir vertreten bestimmte Interessen; und wir können das begründen: zum Beispiel das Interesse an der sogenannten Marktwirtschaft in hochtechnifizierten demokratischen Gesellschaften. Wir können begründen, warum dazu das Interesse an bestimmten Formen der politischen Auseinandersetzung gehört: im Bundestag, in den Landtagen, in den Kommunen, in Kindergärten, Schulen, in Betrieben und Vereinen. Wir können begründen, warum dazu die Akzeptanz des Gewaltmonopols des Staats gehört; die Akzeptanz der sogenannten „Gewaltenteilung“, Unabhängigkeit der Justiz. Aber auch das Recht auf Bürgerinitiativen, auf zivilen Widerstand etc. - aber nicht das Recht auf lokale „Bürgerwehren“, zumal bewaffnete, um nur dies eine Beispiel zu nennen.
Zuzugeben wäre also: „Wir sind eine interessenzentrierte bürgerliche Presse mit ganz bestimmten Werten; und sind damit in den Augen derer, die diese Werte ablehnen und bekämpfen ganz selbstverständlich Lügenpresse. Danke für das Kompliment“! – so etwa hätte eine angemessene Antwort zu lauten; und nicht: die offen Kriminellen von AfD und ähnlich einzuladen in sogenannte Talkshows, um ihnen dort zu beweisen, dass man doch nicht Lügenpresse sei, sondern objektiver Journalismus; diese Zentrallüge der „bürgerlichen Presse“ also weiter und nochmals zu verbreiten. Man hätte sich zu bekennen zur eigenen Parteilichkeit. Nämlich: „Ja, wir sind so; und wir sind gegen euch. Und wir sagen das laut, auch ohne euch dabei haben zu müssen im Diskutierstuhl“. Weil: „Ihr seid erklärte Feinde jenes demokratischen Systems, dessen Formate wir hier diskutativ repräsentieren. Und da gehört ihr nicht rein“.
Stattdessen die Mär vom „objektiven Journalismus“. Ich (wie Millionen andere) müssten Schmerzensgeld verlangen dürfen für die Leiden des Fremdschämens, die uns die ModerateurInnen Maischberger, Will, Illner, Jauch, Plasberg auferlegt haben in ihren devoten „Gesprächsversuchen“ mit den offen kriminellen Typen, männlich wie weiblich, aus der sogenannten Alternative fD.
Dies gilt nicht nur fürs Fernsehen, die WELT, die ZEIT usw., sondern genauso für die taz und andere Organe, die sich für die „linkeren“ halten. Ganzseitige Interviews mit der offenen Faschistin A. Weidel, ein paar Tage vor einer Wahl! Frau Bettina Gaus als Statthalterin objektiver Ausgewogenheit. Für wie blöd hält man die Leute denn? So blöd sind grad die Gaulands und Weidels nicht. (In den Knast mit ihnen! Wegen erwiesener Morddrohungen und Volksverhetzung). Diskutieren mit denen? Nein! Und nochmal nein. Aber nicht aus der Verlogenheit heraus: „Wir sind die Objektiven“.
Und auch noch denken, man wäre denen damit überlegen; könne sie, diskutierend, widerlegen! Der Gipfel! Gegen Leute, die (voll bewusst) aus dem Kontrafaktischen reden (ob Weidel, Gauland oder Trump) kann jeder „diskutierende“ Mensch nur verlieren; weil dieser Typus sich mit jedem vorgebrachten „Argument“ nur den Hintern wischt und eine Behauptung dagegensetzt, die darauf pfeift, „wahr“ oder auch nur „begründbar“ zu sein. Mit solchen Leuten diskutiert man nicht als halbwegs vernünftiger Mensch. ..."


Aus einem Interview mit Klaus Theweleit: "Diese Körper sind von Angst erfüllt"
Georgios Chatzoudis (Gerda Henkel Stiftung, 18.09.2018)
Quelle: https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/maennergewalt_theweleit