Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 206866 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #735 on: June 05, 2018, 10:06:36 AM »
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[...] Frankfurt - Es gab schon seit Jahren für Michael Hellbeck keinen Deutschlandurlaub mehr, ohne diese Frage seiner Tochter: „Papa, warum können wir hier nicht einfach bleiben – für immer?“ Der Standard-Charterted-Banker reagierte stets mit demselben Satz: Es gebe hier schlicht keinen Job für ihn.

Doch im Sommer 2017 bekam seine 14-jährige Tochter die Antwort, die sie hören wollte: Ja, man werde nach Frankfurt ziehen – schon bald. „Ich hatte zufällig einen Tag vorher über die Deutschlandpläne der Bank gelesen. Deshalb erkundigte ich mich, welche Stellen es da geben würde“, erzählt Hellbeck fast ein Jahr später, „innerhalb weniger Minuten erfuhr ich, dass ich mit meinem Profil genau auf eine der Positionen passen würde.“

Fast drei Jahrzehnte hat Hellbeck in Asien gearbeitet, erst für die Deutsche Bank, später für Standard Chartered, darunter in Singapur, Manila und Seoul. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung bekam er die Chance, ins Ausland zu gehen, und ist geblieben.

Jetzt ist es wieder die Politik, die ihm die Rückkehr beschert hat: Wegen des britischen EU-Austritts vergrößert Standard Chartered das Geschäft in Frankfurt, und Hellbeck baut die Abteilung auf, die sich um das Risikomanagement der wachsenden Einheit kümmern wird.Er ist Teil der Brexit-Vorhut, die knapp zwei Jahre nach dem Referendum der Briten jetzt nach und nach am Main ankommt. Wie bei einer ganzen Reihe von Geldhäusern besteht diese in erster Linie aus Deutschen, die lange für ihre Bank im Ausland gearbeitet haben und jetzt den Schritt nach Frankfurt machen.

Dieser ist in der Regel mit einer besseren Position verbunden, teilweise kommen – wie bei Hellbeck – private Gründe hinzu. Die Pioniere treiben die Brexit-Pläne voran und ebnen den Weg für die nächste Zuzugswelle, die voraussichtlich im zweiten Halbjahr folgen wird.

Weil die Finanzhäuser ihr Geschäft mit EU-Kunden nicht mehr so wie bisher aus London betreiben können, verlegen sie Teile davon auf den Kontinent. Tausende von Bankern dürften Experten zufolge in die Mainmetropole kommen.

Wie viele es wirklich werden, wird wesentlich von einem Faktor abhängen: von den Buchungsmodellen für die Tochtergesellschaften der Banken hier in Deutschland. Diese Modelle bestimmen, welche Produkte und Märkte von welcher rechtlichen Einheit aus bedient werden und wie viele Mitarbeiter dafür notwendig sind.

Finanzkreisen zufolge stehen die Buchungsmodelle derzeit im Zentrum der Gespräche, die vor allem US-Institute mit den Aufsichtsbehörden führen – ebenso wie die weiteren regulatorischen Voraussetzungen, um die Ableger am Main auf den Brexit vorzubereiten. Die neue Ära beginnt wohl 2021, wenn Großbritannien und alle EU-Mitgliedsländer die Übergangsfrist absegnen, die beide Seiten im Deal über den britischen EU-Austritt verankern wollen.

Noch hat sich Jürgen Feil eher provisorisch in Frankfurt eingerichtet. Es sei schwieriger als gedacht gewesen, eine passende Unterkunft zu finden, erzählt der 41-jährige Deutschbanker. Daher seien seine Frau und Tochter noch bei Verwandten in Süddeutschland, bis in ein paar Monaten die Wohnung frei werde, in die man gemeinsam einziehen werde.

Zehn Jahre mit Unterbrechungen hat er für Deutschlands größtes Geldhaus in London gearbeitet. „Als ich das Angebot bekam, wieder nach Deutschland zurückzugehen, hat die Familie nicht lange überlegen müssen“, erzählt Feil. Die Lebensqualität habe den Ausschlag gegeben. „Dazu gehören Dinge wie die ärztliche Versorgung. Im Notfall kann ich hier schnell und unkompliziert mit meiner Tochter zum Arzt, während wir in London erst einmal längere Fragebögen am Telefon beantworten mussten, bevor wir einen Termin in der Notaufnahme bekamen.“

Feil arbeitet in der Handelsabteilung der Deutschen Bank und ist dort für Zinsprodukte verantwortlich. Als Teil des Brexit-Spähtrupps arbeitet er aber auch an den Vorbereitungen, um Teile des Zinshandels von der Themse an den Main zu bringen. „Bei der Migration geht es unter anderem um die Sicherheiten, mit denen Derivate unterlegt sind“, erzählt Feil in seinem neuen, bisher eher noch spartanisch eingerichteten Büro, in dem zwei Tassen mit der britischen Flagge etwas Farbe hineinbringen. Das Geschenk eines Kunden, so der Banker.

Noch ist nicht klar, wann und wie viele seiner etwa zehn bis zwölf Mitarbeiter in London ihm nach Frankfurt folgen werden. Fest steht aber eines: Die Deutsche Bank verlegt ihr Buchungszentrum von London nach Frankfurt und hat bereits im Januar damit angefangen, ihre etwa 20.000 institutionellen Kunden im Wertpapierhandel, die bislang auf der Insel betreut wurden, zu ihren Computersystemen in Frankfurt zu dirigieren.

Andere Banken haben zunächst die rechtlichen Voraussetzungen für die Umsetzung ihrer Brexit-Pläne geschaffen. So hat die Citigroup Finanzkreisen zufolge ihre Einheit in Deutschland in Absprache mit den Regulierern so umorganisiert, dass sie das gesamte EU-Handelsgeschäft von Frankfurt aus steuern kann.

Wenn Jens Hofmann über seine neue alte Heimat spricht und wie sich Deutschland in den vergangenen Jahren verändert hat, dann ist es vor allem eines, das ihm auffällt: „Dass es der Wirtschaft hier gutgeht. Das ist ein ziemlicher Kontrast zu der durch den Brexit verursachten Unsicherheit in Großbritannien“, sagt der Goldman-Sachs-Banker.

13 Jahre hat er für die US-Investmentbank in London gearbeitet, seit Anfang April ist er am Main und baut hier ein Team von acht bis zehn Leuten auf, die sich um Finanzierungsprodukte für Unternehmen kümmern sollen – eine Folge der Regionalisierungsstrategie, die man sich verordnet habe. Die Bank bringe diese Teams näher an die Kunden und versuche gleichzeitig, neue Kunden anzusprechen, so erklärt Hoffmann seinen Umzug.

Das Wort Brexit nimmt er dabei nicht in den Mund. Doch Vorstandschef Lloyd Blankfein macht keinen Hehl daraus, dass Großbritanniens Scheidung von der EU diese Strategie verstärkt: „Der Brexit wird es nötig machen, dass wir eine stärkere Aufteilung an mehr Orten vornehmen werden, als wir es sonst täten“, sagte er in einem Interview.

Jens Hofmanns Team, das sich um Unternehmensfinanzierung kümmert, wird zunächst aus Deutschen bestehen, die diesen Job bisher aus London heraus gemacht haben. „Wir haben aber auch eine ganze Reihe von Anfragen von Nicht-Deutschen, die Interesse an einem Tapetenwechsel haben“, erzählt der Goldman-Sachs-Banker. Die kämen möglicherweise in einem zweiten Schritt.

Bei Michael Hellbeck von Standard Chartered ist schon klar, dass seine Abteilung von Anfang an international sein wird: Die „United Nations of Risk“ nennt er seine Truppe, zu der bereits ein Schotte, ein Chinese, eine Koreanerin und eine Serbin gehören – ebenso wie zwei Deutsche.

Um Kollegen von einem Umzug nach Frankfurt zu begeistern, hat Hellbeck sich etwas einfallen lassen: Er fährt mit Bewerbern ins Rheingau zum malerisch gelegenen Schloss Johannisberg – ein Essen und ein Riesling in der Schlossschänke sind bei diesem Ausflug eingeschlossen.

Die Charmeoffensive habe zwar durchaus Wirkung. Die meisten Mitarbeiter seines Teams, die aus London kämmen, seien aber ganz freiwillig da und hätten dafür vor allem einen Grund: „Sie haben Lust“, so Hellbeck, „am Aufbau von etwas Neuem beteiligt zu sein.“


Aus: "Deutsche Banker kehren aus dem Ausland zurück und bereiten anderen den Weg" Katharina Slodczyk (04.06.2018)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/finanzstandort-frankfurt-deutsche-banker-kehren-aus-dem-ausland-zurueck-und-bereiten-anderen-den-weg/22639922.html


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« Reply #736 on: June 07, 2018, 11:56:52 AM »
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[...] Los Angeles – Paris Hiltons jüngerer Bruder Conrad (24), Urenkel des Hotelgründers Conrad Hilton, kommt um eine Haftstrafe herum. Er habe sich schuldig bekannt, im May 2017 ein Auto entwendet und gegen ein gerichtlich verfügtes Kontaktverbot verstoßen zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft in Los Angeles am Mittwoch mit. Im Gegenzug für Hiltons Schuldeingeständnis sah der Richter von einer Haftstrafe ab. Er muss sich aber drei Jahre lang an Bewährungsauflagen halten und bei Kursen für Süchtige und psychisch Kranke mitmachen. Zudem muss er von seiner Ex-Freundin und deren Eltern Abstand halten. Hilton war im Mai 2017 in den Hollywood Hills festgenommen worden. Nach Polizeiangaben soll er dort auf dem Grundstück des Elternhauses seiner Ex-Freundin ein Auto entwendet haben. Nach früheren Vorwürfen von häuslicher Gewalt darf sich der Hotelerbe der jungen Frau nicht nähern. Ihm drohte eine Höchststrafe von knapp vier Jahren, nachdem er zuvor schon gegen Bewährungsauflagen verstoßen hatte. (APA, dpa, 7.6.2018)

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Schimäre

Was gibt es wichtigeres als über wohlstandsgeschädigte junge Menschen zu lesen?



Aus: "Autodiebstahl: Conrad Hilton kommt um Haftstrafe herum" (7. Juni 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000081124420/Autodiebstahl-Conrad-Hilton-kommt-um-Haftstrafe-herum

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« Reply #737 on: June 09, 2018, 01:14:41 AM »
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[...] Ganz in der Nähe der gläsernen Hochhäuser stehen kleine, selbst gezimmerte Hütten aus Holzbrettern. Abgedichtet sind sie mit alten Matratzen. Davor: Einkaufswagen gefüllt mit leeren Flaschen, kaputte Fahrräder, Metallschrott. Sanitäre Einrichtungen oder eine Wasserversorgung gibt es nicht. Auch das ist Frankfurt, die Bankenmetropole am Main. Was aussieht wie ein Stück brasilianische Favela, ist ein Hüttenlager auf einer Industriebrache unweit des Hauptbahnhofs von Frankfurt am Main.

Hier im Stadtteil Gutleut haben monatelang etwa 30 Menschen gewohnt, bis die Polizei das Lager räumte. Fast alle ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner sind Roma. In den letzten Jahren haben sie im Schatten der Frankfurter Skyline immer wieder kleine Slums gebaut. Viele kamen nur zum Schlafen, früh am Morgen brachen sie auf, sammelten Pfandflaschen, gingen betteln oder versuchten, sonst irgendwie ein bisschen Geld zu verdienen. So wie andere Obdachlose in anderen deutschen Städten.

In Düsseldorf schliefen etwa zehn Menschen bis Ende März in selbst gebauten Hütten neben Bahngleisen, in Hamburg bestand ihr Lager nur aus Matratzen unter einer Brücke. In Berlin lebten Dutzende Obdachlose vor einigen Jahren in verlassenen Gartenlauben und im Herbst machte ein Zeltdorf im Berliner Tiergarten Schlagzeilen. Lauter kleine Elendsviertel im reichen Deutschland.

Seit Jahren nimmt die Zahl der Wohnungslosen in der Bundesrepublik zu. Im vergangenen Herbst schätzte die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW), dass neben den rund 440.000 wohnungslosen Flüchtlingen etwa 420.000 weitere Menschen über keinen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügten. Die meisten leben in Notunterkünften, Wohnheimen oder bei Freunden. Geschätzte 52.000 schlafen auf der Straße. Vor zehn Jahren lag diese Zahl noch bei 20.000. Die wesentlichen Gründe für den Anstieg sind laut BAGW zunehmende Armut und Wohnungsnot.

Doch auch Zuwanderung spiele eine Rolle. Vor allem Migranten aus Osteuropa leben auf der Straße, in Großstädten liegt ihr Anteil laut BAGW inzwischen bei rund 50 Prozent. Das liegt daran, dass sie in vielen Fällen kein Recht auf Sozialleistungen haben. Noch Ende 2015 entschied das Bundessozialgericht, dass arbeitslose Europäerinnen spätestens nach einem Aufenthalt von sechs Monaten in Deutschland Anspruch auf Sozialhilfe haben. Seit Ende 2016 sind die Auflagen strenger. Die damalige Arbeitsministerin und heutige SPD-Chefin Andrea Nahles entschied, dass sie nur noch Hilfe bekommen, wenn sie fünf Jahre hier gelebt oder ein Jahr hier gearbeitet haben.

Gekoppelt an die Sozialleistungen ist auch der Anspruch auf eine längerfristige Unterbringung im Falle der Obdachlosigkeit. Wer sich aufgrund der EU-Freizügigkeit zwar legal hier aufhält, aber keine offizielle Arbeit findet, landet also schnell auf der Straße. Und so werden die informellen Hüttendörfer und Matratzenlager meist von obdachlos gewordenen Osteuropäern bewohnt, besonders häufig von Roma. Amtliche Zahlen gibt es zwar weder bei der BAGW noch bei der Bundesregierung, doch die öffentlich gewordenen Fälle deuten darauf hin. 

Laut einer Studie der Europäischen Grundrechteagentur sind Roma eine der am stärksten diskriminierten Minderheiten Europas. 80 Prozent der befragten Roma sind armutsgefährdet, jeder dritte lebt in einer Unterkunft ohne Leitungswasser. Vor allem in Osteuropa häufen sich zudem Berichte über gewaltsame Übergriffe. Chancen auf Asyl in Deutschland haben sie dennoch nicht, weil sie aus EU-Ländern oder vom Westbalkan kommen, also aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten.

"Roma erfahren Rassismus und Gewalt", sagt Joachim Brenner. Er leitet den Förderverein Roma, der in Frankfurt eine Beratungsstelle betreibt und Bildungsangebote zur Verfügung stellt. Die Geschichte des Antiziganismus, des Rassismus gegen Roma, ist lang, und reicht von Vertreibungen im Mittelalter über den nationalsozialistischen Genozid bis in die Gegenwart. "Wir erhalten oft Nachrichten mit üblen Beschimpfungen gegen Roma", sagt Brenner. Der Förderverein war auch im Gutleut präsent, um die Bewohnerinnen und Bewohner der Bretterverschläge zu unterstützen. 

Rund zehn bis zwölf Millionen Roma leben heute in Europa, die meisten im Osten und Südosten des Kontinents. Die Vorfahren der größten ethnischen Minderheit Europas kamen vor Hunderten Jahren aus Indien und Pakistan. Als Reaktion auf die jahrhundertelange Unterdrückung hätten sie einen größeren Zusammenhalt entwickelt und gelernt, sich selbst zu organisieren, sagt Brenner. 

Das Frankfurter Camp wurde letztlich wie all die anderen informellen Lager in deutschen Großstädten aufgelöst. Ende Mai rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an, nachdem der Eigentümer des Geländes, der Chemiekonzern Ferro, Anzeige erstattet hatte. Brenner kritisiert die Räumungen: "Flucht aus Armut, Pogrome und jegliche historische Verantwortung sind vollständig ausgeblendet." Diese Strategie stehe im Widerspruch zum Grundgesetz und zeige, dass die Anwesenheit von besonders armen Menschen "im öffentlichen Raum verhindert werden soll".

Nach der Räumung hat die Stadt den vertriebenen Roma vorübergehend Plätze in einer Obdachlosenunterkunft angeboten. Pro Nacht nutzten zwischen 16 und 19 Personen diese Schlafplätze, sagt eine Sprecherin des Sozialdezernats. 17 der ehemaligen Hüttenbewohner hätten bei der Stadt einen Antrag auf Prüfung ihrer Sozialleistungsansprüche gestellt. In neun Fällen wurde dieser jedoch bereits abgelehnt, bei acht weiteren werde er noch geprüft.

"Wer keinen Sozialleistungsanspruch hat, wird von uns auch nicht weiter untergebracht", sagt die Sprecherin. Weil man aber keine Familien auseinanderreißen wolle, dürften die Menschen in der Notunterkunft bleiben, bis alle Fälle geprüft seien. Den Roma sei zudem eine Fahrkarte in ihr Herkunftsland angeboten worden. Zwölf Personen hätten dies angenommen.

Ob sie wirklich gehen, ist allerdings fraglich. Elf der Menschen, die jetzt in der Notunterkunft schlafen, wurden bereits im vergangenen Jahr von einer anderen Frankfurter Brache verwiesen. Und alle, die keinen Antrag auf Prüfung der Sozialleistungen gestellt haben, lebten ohnehin schon wieder auf der Straße, sagt Joachim Brenner vom Förderverein. Er hält den Kontakt zu ihnen. Mit der Presse wolle derzeit keiner sprechen, sagt er. "Sie haben Angst vor neuen Repressionen."

Seit Langem fordert der Förderverein ein Haus für Roma. Einen Ort, der dauerhaft Zuflucht und Schutz bieten würde. Doch die Stadt lehnt das ab. "Wir sehen es mit Blick auf den Gleichbehandlungsgrundsatz kritisch, für eine Personengruppe besondere Angebote zu schaffen", sagt die Sprecherin des Sozialdezernats.   

Die regierende Frankfurter CDU sagt es deutlicher: Sie nennt ein solches Angebot eine städtisch finanzierte "Unterkunft für Armutsmigranten". Man wolle keinesfalls zusätzliche Anreize schaffen, nach Frankfurt zu kommen, schrieb die Partei in einer Stellungnahme. Brenner hält dies für einen Vorwand. "Das wurde schon vor 30 Jahren behauptet, als es noch gar keine Freizügigkeit gab." Seiner Ansicht nach stecken hinter der Haltung der CDU doch eher Vorurteile und die Weigerung, helfen zu wollen.

 Viele Städte fürchten, auch wenn sie das nicht alle so offen zugeben würden wie Frankfurt, einen Zuwanderungssog, falls sie ihre Angebote ausweiteten. Die Folge ist eine Art Unterbietungswettbewerb, in dem EU-Bürgern immer häufiger sogar die Nothilfe verweigert wird. Dabei sei die Notunterbringung Obdachloser, egal woher sie kommen, rechtlich geboten, sagt Werena Rosenke, Geschäftsführerin der BAGW. Doch in der Praxis gilt: Wer keine Ansprüche auf Sozialleistungen hat, muss in den wärmeren Monaten draußen schlafen. In Städten wie Frankfurt auch im Winter.

Zudem versuchten einige Städte, die Obdachlosen zurück in ihre Herkunftsländer zu schicken, sagt Rosenke. Das heißt, ihnen soll die Freizügigkeit entzogen werden. In Hamburg etwa gehen die Behörden seit gut einem Jahr gezielt gegen osteuropäische Obdachlose vor. Seither wurden nach offiziellen Angaben 757 Personen zur Vorsprache bei der Ausländerbehörde aufgefordert, vereinzelt kam es zu Abschiebungen. 189 Menschen wurde die Freizügigkeit aberkannt.

Bundesweit gab es davon im Jahr 2017 2.594 Fälle, das sind 25 Prozent mehr als im Jahr 2015. Viele Menschen bleiben trotzdem. "So werden immer mehr versteckt in Armut leben und verelenden", sagt ein Sprecher der Hamburger Diakonie. 

Einen anderen Weg versucht die Stadt Köln zu gehen. Dort kam es wiederholt zu Beschwerden über betrunkene Obdachlose. Köln kontrolliert seitdem nicht nur stärker, sondern hat auch das Hilfsangebot ausgeweitet – auch für EU-Bürger ohne Sozialleistungsansprüche. Sie sollen nun ganzjährig in einem Notquartier untergebracht werden. Ziel des neuen Angebotes sei es, "die festgestellte Bedürftigkeit von Zuwanderern aus Bulgarien und Rumänien zu mindern sowie dieser entgegenzuwirken".

In Frankfurt hingegen dürfte es auch diesmal nicht allzu lange dauern, bis an anderer Stelle das nächste Camp aus Brettern entsteht. Abgedichtet mit alten Matratzen. Ein weiterer Slum auf Zeit, bis die Bagger wieder kommen.


Aus: "Bis die Bagger wieder kommen" Timo Reuter (8. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-06/roma-frankfurt-main-raeumung-gutleutviertel-leben-deutschland/komplettansicht

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« Reply #738 on: June 10, 2018, 11:51:09 AM »
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[...] Ende Juni tritt Ex-Präsident Barack Obama in Los Angeles als Star-Gast bei einem Spendendinner auf, um Geld für den Wahlkampf seiner Partei im Herbst zu sammeln. Kehrt also Obama zurück ins politische Rampenlicht? Und wird ihm das nutzen oder schaden?

Bei diesem Dinner werden allerdings nur sehr wenige Menschen Obama zu Gesicht bekommen. Denn schon die billigsten Plätze kosten 2.700 Dollar. Wer in der unmittelbaren Nähe des Ex-Präsidenten Platz nehmen möchte, muss 100.000 Dollar zahlen. Solche Spendendinner sind in den USA zwar üblich. Dass Barack Obama dabei mitmacht, jedoch nicht. ...


Aus: "Die Hoffnung kehrt zurück" Julian Heißler, Washington, D.C. (9. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-06/barack-obama-demokraten-wahlkampf/komplettansicht

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« Reply #739 on: June 13, 2018, 09:21:15 AM »
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[...] Sie schütteln Hände, gehen spazieren, bewundern Blumen: Donald Trump und Kim Jong Un inszenieren ihr Treffen als etwas Großes und sonnen sich in ihrem eigenen Glanz. US-Präsident Donald Trump interessierte sich plötzlich für die Blumenstauden im Garten des luxuriösen Capella Hotels auf der kleinen Insel Sentosa von Singapur. Kim Yong Un, der aus der Eigenisolierung in Nordkorea ausgebrochene Diktator, macht das Spiel mit und gerierte sich folgsam als Blumenfreund. ...


Aus: "Die Two-Men-Show von Trump und Kim" Willi Germund (13.06.2018)
Quelle: http://www.fr.de/politik/nordkorea-gipfel-die-two-men-show-von-trump-und-kim-a-1523538


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« Reply #740 on: June 13, 2018, 12:19:01 PM »
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[...] Nach der rabiaten Kritik von Amazon und anderer Firmen hat die US-Metropole Seattle die umstrittene neue Job-Steuer zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit schnell wieder abgeschafft. Nach der Entscheidung von Mitte Mai sollten größere Unternehmen eigentlich jedes Jahr 275 US-Dollar pro Mitarbeiter zahlen. Nun kippte der Stadtrat das Vorhaben am späten Dienstag mit einer Mehrheit von sieben zu zwei Stimmen nach einer leidenschaftlichen Debatte.

Die Steuer sollte für Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz über 20 Millionen US-Dollar gelten. Bezahlt werden sollen auf jeden Beschäftigten, der mindestens 1920 Stunden pro Jahr arbeitet. Nach Schätzungen des Stadtrats wären rund 585 Arbeitgeber davon betroffen sein – rund drei Prozent aller Unternehmen in Seattle.

Die Steuer sollte ab 2019 rund 47 Millionen US-Dollar jährlich für Wohnungsbau bringen und war zunächst auf fünf Jahre angesetzt. In der Stadt war die Zahl der Obdachlosen zuletzt stetig gewachsen, als ein Grund dafür wird der Anstieg der Mietpreise gesehen, weil Seattle zunehmend zum Standort für Technik-Unternehmen wird.

Neben großen Arbeitgebern wie Amazon und Starbucks hatten mehrere Dutzend andere Unternehmen die Steuer verurteilt und vor negativen Folgen für den Wirtschaftsstandort Seattle. "Wir haben Sie gehört", erklärten Bürgermeisterin Jenny Durkan und sieben Mitglieder des Stadtrats in einer gemeinsamen Erklärung am Montag, die die Kehrtwende einleitete. Die sozialistische Stadträtin Kshama Sawant, eine treibende Kraft hinter der neuen Steuer, sprach auf Twitter von einem "Verrat im Hinterzimmer". Die Rücknahme des Vorhabens sei am Wochenende hinter ihrem Rücken eingefädelt worden.

Der ursprünglich beschlossene Betrag von 275 US-Dollar war bereits ein von Bürgermeisterin Durkan ausgehandelter Kompromissvorschlag statt der ursprünglich angepeilten 500 US-Dollar pro Mitarbeiter. Amazon wäre mit seinen rund 40.000 Mitarbeitern in der Stadt auf einen Betrag von elf Millionen US-Dollar pro Jahr gekommen. Der weltgrößte Online-Händler hatte wegen der Steuer die Ausbaupläne in seiner Heimatstadt in Frage gestellt. (mho)

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     botsucher, 13.06.2018 11:16

    57 Permalink Melden

So funktioniert Erpressung -  as fuer ein Kackladen. Keine Steuern zahlen, dann Gentrifizierung vorantreiben und hinterher auch nicht finden, an den Folgen beteiligt zu werden. Stattdessen setzen sie als ausgestreckten Mittelfinger noch nen kuenstlichen Regenwald vor ihre Zentrale. ...



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     Märchenprinz aus der Provinz, 13.06.2018 11:12

Die Wirtschaft regiert und die Gewählten gehorchen, Demokratie 2018

Ein Hoch auf die modernen Zeiten!


...


Aus: "Nach Kritik von Amazon: Seattle schafft Obdachlosen-Steuer wieder ab" Martin Holland (13.06.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Nach-Kritik-von-Amazon-Seattle-schafft-Obdachlosen-Steuer-wieder-ab-4077358.html


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[...] Schulen und Kindergärten, ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz, moderne Spitäler und eine gut ausgerüstete Polizei: Damit Staaten ihre vielfältigen Aufgaben wahrnehmen können, brauchen sie von ihren Bürgern und Unternehmen Steuergeld. Eine Reihe spektakulärer Enthüllungen in den vergangenen Monaten – etwa Panama Papers oder Lux Leaks – hat gezeigt, wie multinationale Konzerne und wohlhabende Privatleute mit aggressivsten Methoden darum kämpfen, Steuern zu sparen. Doch wie viel entgeht Gesellschaften weltweit durch solche Optimierungsstrategien? Der Ökonom Gabriel Zucman hat gemeinsam mit zwei Doktoranden von der Universität Kopenhagen einen neuen Anlauf unternommen, um das herauszufinden. Die drei haben dabei einige neue Erkenntnisse und imposantes Zahlenmaterial zutage gefördert.

Im Jahr 2015, auf das sich die Untersuchung bezieht, haben Multis wie Google, Amazon, Nike und Co insgesamt 620 Milliarden US-Dollar an Gewinnen in Steueroasen verlagert (570 Milliarden Euro). Das entspricht 40 Prozent der gesamten Gewinne, die multinationale Unternehmen weltweit in diesem Jahr erwirtschaftet haben. Durch diesen Vorgang entgehen Industrieländern, insbesondere in der EU, aber auch Schwellen- und Entwicklungsländern, Einnahmen im großen Stil.

In ihrem Paper "The Missing Profits of Nations" greifen die Autoren auf einen neuen Ansatz zurück. Bisherige Untersuchungen bauen auf Daten zu Einzelunternehmen auf. Forscher bedienen sich dabei privater Datenbanken wie Orbis, wo Unternehmensumsätze und Gewinne ausgewiesen werden. Auf Basis dieser Zahlen versuchen sie auszurechnen, wie viel Geld in Steueroasen verschoben wird. Die Unternehmensdatenbanken sind aber lückenhaft, viele Konzerne werden nur schlecht erfasst. Zucman, der in Berkley forscht und weltweit als Experte für Steuerfragen gilt, und seine Kollegen analysieren deshalb erstmals offizielle Statistiken. Sie greifen auf volkswirtschaftliche Daten des Internationalen Währungsfonds und der Industriestaatenorganisation OECD zurück, die erst seit kurzer Zeit verfügbar sind. Aus diesen Datensätzen wird für jedes Land ersichtlich, wie viel Gewinn Unternehmen dort erwirtschaften und wie viel Lohn sie bezahlen.

Dabei offenbarte sich den Ökonomen eine geteilte Welt: In Ländern wie Österreich, Deutschland, den USA oder Italien gilt, dass für jeden Cent an ausbezahlten Löhnen 30 bis 40 Cent an Vorsteuergewinn bei einem Konzern anfällt. Ob es sich dabei um einen in- oder ausländischen Konzern handelt, macht fast keinen Unterschied. In Steueroasen ist das völlig anders. Hier beschäftigen ausländische Unternehmen kaum Mitarbeiter, sie zahlen also fast keine Löhne. Bei multinationalen Unternehmen in Steueroasen entfallen auf jeden Cent an ausbezahltem Lohn mehrere Hundert Cent an Gewinn.

Ein klassisches Beispiel dafür ist Google. Den Löwenanteil seiner Gewinne erwirtschaftet der IT-Gigant in den USA und in Europa, aber ein großer Teil des Geldes, zuletzt fast 20 Milliarden US-Dollar, wird aus Steuergründen auf die Bermudas verschoben. Als Steueroasen werten Zucman und seine Kollegen nicht nur die Bermudas oder die Cayman Islands. Übereinstimmend mit früheren Arbeiten zum Thema gelten für die Studienautoren auch die Schweiz, die Niederlande, Singapur, Irland und Hongkong als Steueroasen. Rechnet man nun den exorbitanten Gewinnanteil der multinationalen Konzerne in den Oasen zusammen, ergibt das die erwähnten 620 Milliarden Dollar. Eine realwirtschaftliche Erklärung dafür, weshalb so viel Geld von ausländischen Konzernen in Steueroasen "verdient" wird, gibt es nicht. Unternehmen transferieren nicht im großen Stil Maschinen auf die Caymans oder investieren dort. Sie verschieben buchhalterisch ihre Gewinne, weil in den Oasen die Steuersätze deutlich niedriger oder gar bei null sind.

Multinationale Konzerne können sich verschiedener Strategien bedienen, um Gewinne aus einem Hochsteuerland wegzuschaffen. Beliebt ist etwa, mit hohen Lizenzgebühren zu arbeiten. Eine Konzerntochter zahlt Gebühren für die Nutzung von geistigem Eigentum an eine Schwestergesellschaft, die in einer Steueroase sitzt. Ist diese Gebühr entsprechend hoch, lässt sich damit ein guter Teil der Gewinne wegschaffen. Google hat zum Beispiel Patentrechte auf den Bermudas registriert, Google-Töchter weltweit zahlen also für die Nutzung ebendieser Rechte. Was ein angemessener Preis dafür ist, lässt sich objektiv kaum ermitteln. Auch der konzerninterne Verkauf von Produkten dient zur Verschiebung von Gewinnen. Dabei verkauft eine Gesellschaft in einer Steueroase anderen Konzerngesellschaften in Hochsteuerländern Produkte zu überhöhten Preisen. Damit bleibt der Spielraum für die Unternehmen bei der Bewertung groß.

Die Studienautoren ermittelten auch, aus welchen Ländern Konzerne wie viel Geld in Steueroasen verschieben. Im Falle Österreichs sind es 3,6 Milliarden Euro. Dem Staat entgehen demnach bis zu 900 Millionen Euro an Steuereinnahmen im Jahr, wenn man einen Körperschaftssteuersatz von 25 Prozent zugrunde legt. Die Steueroasen hinterlassen aber in vielen Industrieländern bleibende Spuren: Im Schnitt verlieren Länder ein Zehntel ihrer Einnahmen aus der Besteuerung von Unternehmensgewinnen. In der EU steigt dieser Wert sogar auf fast 20 Prozent. Auch die USA und Entwicklungsländer zählen zu den großen Verlierern. Die Studie ist, wie Co-Autor Ludvig Wier dem STANDARD sagt, bloß eine Annäherung an das Thema, er spricht von der "derzeit bestmöglichen Schätzung", weil selbst die verfügbaren öffentlichen Statistiken oft noch lückenhaft sind.

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Boarding

Da kriechen die Neider wieder hervor. ...


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moejoe187

Aber die Flüchtlinge und Sozialschmarotzer nehmen uns das Geld weg.


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Scheibenwelt

Der Gesetzgeber hat wirklich sehr gut darauf geachtet, dass die Angestellten und Arbeiter ja nicht schummeln können, dafür dürfen die Konzerne sich umso leichter davor drücken.
Natürlich spielen da alle Regierungen mit. Scheinbar profitieren sie ja davon (spätestens nachdem sie in die Privatwirtschaft wechseln). Anders ist diese schon lange bekannte Ungerechtigkeit nicht zu erklären.


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Makro 24/7

Steuerosasen, das ist halt so kompliziert! - Über Flüchtlinge, Mindestsicherungsbezieher und zunehmend auch Arbeitssuchende kann man viel leichter herziehen! ... Und vor allem, man kann dann schöner mit der Legende "Wenn du fleißig bist und den Mund hälst, dann wirst du vielleicht auch mal reich." die Leute bei der Stange halten.


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ReductioAdAbsurdum

... Irland erhält ein Hilfspaket von 85 Milliarden € und dankt es der EU durch die Errichtung einer Steueroase. Gleichzeitig ist der Steuerdruck auf die eigene Bevölkerung exorbitant. Interessiert die EU anscheinend nicht.


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c00kiem00nster

Dafür haben wir Registrierkassen bei Eisverkäufern!


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Der fidele Castro

Wann schließt die Regierung endlich die Panamaroute gegen all die Steuerflüchtlinge?!


...


Aus: "Konzerngewinne landen zu 40 Prozent in Steueroasen" András Szigetvari (13.6.2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000081453728/Konzerngewinne-landen-zu-40-Prozent-in-Steueroasen

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« Reply #741 on: June 13, 2018, 03:21:46 PM »
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[...] Einer muss ein Ahorn gewesen sein, der andere eine Eiche. Nun ragen nur ihre Stümpfe aus dem Boden, die mächtigen Stämme sind gefallen und abtransportiert worden. Vor einem Jahr beschatteten ihre Kronen noch den Festplatz. Alles ist verschwunden, Fränkys Gasthaus und 152 Kleingärten. Stattdessen spärliche Gräser und eine 45 000-Quadratmeter-Brache gleich neben dem, was von der Kleingartenkolonie Oeynhausen heute noch übrig ist.

„Ich habe Leute weinen sehen“, sagt Wolfgang Mahnke und meint: Am Tag, als die Bagger kamen. Es muss viel Wut im Spiel gewesen sein. „Fuck SPD + Grüne“ hat einer mit gelber Farbe auf den Weg gemalt, der zum abgebaggerten Areal führt. Der Slogan passt so gar nicht zu den meist älteren Herrschaften, die man hier an einem Wochentag hinter Zäunen ihre Gärten pflegen sieht.

Aber da wurden nicht einfach nur 152 Hütten mit ein bisschen Grün eingeebnet. Das waren Orte, in denen Mahnkes Nachbarn ihre Äpfel reifen sahen und ihre Kinder aufwachsen, wo die laufen lernten, hinfielen und getröstet wurden, wo Familien tanzten, wenn der Berliner Boogie-Altmeister Manne Chicago auf der kleinen Zementfläche vor dem Vereinshaus sein Klavier aufbaute oder irgendeine Blaskapelle loslegte.

Mit seinem Jackett und dem weißen Hemd sieht der 72-Jährige gar nicht aus wie ein Gärtner. Dabei zählt er zu denen, die die Kolonie am längsten kennen. Er hat mehr Glück gehabt als die drüben hinter dem Zaun. Vorerst wenigstens.

 Die Öde, kaum 20 Meter von Mahnkes Gartentor entfernt, ist ein Zeichen des Fortschritts. Stumm steht ein gelber Bagger auf dem weiten Feld. Wenn alles kommt wie es soll, dann wird er loslegen, wird Gruben ausheben für die Fundamente der Häuser, die hier 700 Wohnungen aufnehmen sollen. Noch ist nicht absolut sicher, ob die Bagger wirklich vor Mahnkes Parzelle haltmachen werden. Denn es geht um die Zukunft der Stadt. Eine Stadt, die wächst, um 40 000 Neubürger im Jahr. Menschen, die untergebracht werden müssen, deren Kinder Schulen brauchen, die irgendwie zur Arbeit fahren müssen, Platz benötigen.

Es geht aber auch darum, wie diese Stadt aussehen wird – und ob man in ihr leben mag. Ob Traditionen noch zu Recht bestehen. Und um Geld geht es auch, um sehr viel sogar.

Der Mann mit dem grau gewellten Haar ist Jurist, sein Berufsleben hat er in einer Senatsverwaltung verbracht. Er müsste also wissen, wie die Dinge in dieser Stadt laufen. Als die Existenz seiner Kolonie auf der Kippe stand, ging Wolfgang Mahnke nicht vor Gericht, sondern auf die Barrikaden.

Er und seine Nachbarn verteilten Flugblätter und sammelten Unterschriften. Nicht nur hier in der Nachbarschaft, wo sich sowieso alle kennen. Auf dem Mierendorffplatz drüben in Charlottenburg stand er mit seinen Listen. Am Ende waren mehr als 70 000 Bürger der Meinung, Oeynhausen müsse gerettet werden.

Die Parzelle hier hat schon Mahnkes Oma gehört. Da war er vielleicht zehn oder zwölf. Ein hübsches Haus, mit spitzem Dach und hoher Decke, aus dicken Bohlen gefertigt. Vom Giebel herunter hängt ein mehrarmiger Kerzenleuchter. Strom hat Mahnke keinen, ein Wasserklosett auch nicht. Braucht er nicht. Der Blick von der Terrasse ist derselbe wie damals, als Wolfgang, der Stadtjunge, noch kurze Hosen trug: Knorrige Apfelbäume fügen sich zu einer kleinen Allee. Ein Geschenk jener Bauern, die vor über hundert Jahren dieses Feld am Rande der ausufernden Stadt abgaben.

 Auch die 70 000 Unterschriften konnten nicht verhindern, dass rund ein Drittel der Kolonie eingestampft wurde. Dass den Oeynhausern mit dem Vereinshaus ihre Mitte abhanden kam, ihr Mittelpunkt. Das Vereinshaus war mit der Gaststätte der Platz, wo alle zusammenkommen konnten. Wo sie ihre Feste feierten, wo der Vorstand tagte, wo sie sich berieten, wie man sich gegen die Bedrohung wehren könne.

Dabei bestand die Kolonie doch schon so lange. Gegründet wurde sie 1904, die Mehrheit des Geländes erwarb die Reichspost für irgendeinen Zweck, der sich nie einstellte. Eine Investition in die Zukunft gewissermaßen. Ähnlich hielten es andernorts die Kirche, die Bahn, auch die Stadt. Bauerwartungsland nannte man solche Flächen. So lange nichts zu erwarten war, überließ man sie den Kleingärtnern.

Es gab diese Grundstücke überall in der Stadt, im Westen und im Osten, an den Rändern und in der Mitte. Das ist das Besondere an Berlin: Andere Städte haben auch Gemeinschaftsgärten, aber sie wurden an die Ränder verbannt.

Und nirgends sind es so viele wie hier. Mehr als 70 000 Parzellen werden in der Stadt bewirtschaftet, rund doppelt so viele wie in Leipzig und Hamburg, die auf den Plätzen zwei und drei folgen. Kleingärten sind so berlinisch wie Currywurst, soll Eberhard Diepgen einmal gesagt haben.  ...

Bedroht waren die Kleingärten eigentlich immer. Viele hatten nur Glück, dass nicht alle großen Pläne realisiert wurden. Hitlers Rüstungsminister Albert Speer plante riesige Schneisen, die auch hunderte Kleingärten eingeebnet hätten. Eine seiner versuchsweise planierten, gigantischen Achsen endet als kurzer Stummel in Lichterfelde vor der Kleingartenkolonie Schweizerland.

... In der Mauerstadt gehörten die Gärten zur Grundversorgungsreserve. Im Ostteil reichten Kleingärtner ihre Kaninchen, ihr Obst und ihr Gemüse an die Einkäufer der Konsumgenossenschaften weiter. Das war so wichtig, dass 1977 der Ministerrat entschied, es dürfe keine Massenräumungen mehr geben, sogar neue Kleingärten müssten errichtet werden.

Dabei wuchs die Stadt schon an der Wende zum 20. Jahrhundert gewaltig – allein zwischen 1890 bis 1913 um ein Viertel. Familien mit bis zu zehn Mitgliedern waren gezwungen, sich ein Zimmer zu teilen. Und weil das alles nicht reichte, entstanden wilde Hüttenkolonien, auch am Kottbusser Tor. Kleingärtner beackerten ihre Parzelle aus materieller Not heraus. Wahrscheinlich wäre Deutschland im Ersten Weltkrieg viel früher kollabiert, wenn es in den Städten keine Kleingärten gegeben hätte. Dann kam noch revolutionärer Elan dazu. Die Novemberrevolution 1918 fegte nicht nur die Monarchie hinweg, auch die Kolonisten erhoben sich in rebellischer Absicht. Am Ende stand 1919 ein erstes Kleingärtnergesetz.

Die grünen Parzellen sind Refugien einer Privatheit, ließen ein Fürsichsein zu, wie es in den kleinen, überfüllten Wohnungen gar nicht möglich war. Und weil das nach dem Zweiten Weltkrieg wieder so wurde, ist es kein Wunder, dass in den Erinnerungen älterer Kleingärtner seltener von Riesenkürbissen die Rede ist, als vielmehr von Familienfesten, von Tante Frieda und Onkel Paul.

...


Aus: "Wachstumsprobleme: Was wird aus den Schrebergärten?" Andreas Austilat (30.04.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/wohnungsnot-in-berlin-wachstumsprobleme-was-wird-aus-den-schrebergaerten/20004536.html

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[...] Wieso haben Kleingärten trotzdem so ein schlechtes Image?

Das negative Image resultiert aus der Vergangenheit. In Zeiten der Armen- und Rot-Kreuz-Gärten waren Laubenkolonien noch etwas für Arme und Kranke, heute werden Kleingärten oft als Hort des piefigen, spießigen, privatistischen Kleinbürgers abgetan. ...

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joth 10:49 Uhr

Die Überschrift [Wohnungsbau in Berlin: "Viele Kleingärtner leben im Vorgestern"] ist doch aus dem Kontext des Zitats gerissen und passt gar nicht zu den inhaltlichen Aussagen von Klaus Neumann. Der hat sich doch positiv für den Verbleib der Kleingartenkolonien ausgesprochen. Das wird durch die getroffene Überschrift des Artikels überhaupt nicht vermittelt. Irgendwie merkwürdige Tsp-Aufbereitung. Die Überschrift müsste doch eher lauten:Kleingärten Öko--Soziale-Lebensfelder in der Großstadt.


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Aus: "Wohnungsbau in Berlin: "Viele Kleingärtner leben im Vorgestern"" Constanze Nauhaus (13.06.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/wohnungsbau-in-berlin-viele-kleingaertner-leben-im-vorgestern/22667100.html
« Last Edit: June 13, 2018, 03:29:26 PM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #742 on: Today at 10:22:16 AM »
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[...] Eine neue Ausgabe des „Straßenfegers“ bekommt Cristinel Serban am Montag nicht mehr, obwohl sie eigentlich für diesen Tag angekündigt war. Der Verkäufer der Obdachlosenzeitung, die sich auf dem Titel „strassenfeger“ schreibt, ist wie so oft zur Abholstelle an der Storkower Straße in Prenzlauer Berg gekommen und greift nun einfach wieder bei der Nummer acht zu, die inzwischen drei Wochen alt ist. Und auch die letzte Ausgabe bleibt: Am Montagabend entschied eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Trägervereins über die Zukunft des Projekts. Laut der B.Z. stand um 22 Uhr das Ergebnis fest: 16 Mitglieder stimmten aus wirtschaftlichen Gründe für die Schließung des Magazins, neun Personen dagegen.

„Ich nehme 40 Zeitungen“, sagt Serban, der aus Rumänien stammt, am Montagmittag. „Der Straßenfeger ist bei den Leuten sehr beliebt. Eine andere Zeitung möchte ich gar nicht verkaufen.“ Seine Kunden zahlen 1,50 Euro pro Exemplar. Sein Gewinn beträgt 90 Cent pro Heft. Serban bestreitet so seit vielen Jahren einen Teil seines Lebensunterhalts, sagt er. „Mein Stammplatz ist vor einem Supermarkt in der Kastanienallee. Da läuft es gut.“ Dass der Straßenfeger nach 24 Jahren vor dem Aus steht, sei ihm noch nicht zu Ohren gekommen. Obwohl auch er es merkwürdig findet, dass es keine neue Ausgabe gibt. Die zweite Ausgabestelle am Ostbahnhof bleibt an diesem Tag sogar komplett geschlossen. Jemand habe die Schlösser manipuliert, heißt es von Ehrenamtlichen. Waren es wütende Zeitungsverkäufer, denen die Gerüchte zu Ohren gekommen sind? Schulterzucken.

 Dass der Straßenfeger, aktuell mit einer Auflage von etwa 12.000 Exemplaren, tatsächlich eingestellt werden könnte, wollte vor der Sitzung noch niemand bestätigen. Der Vorstand war nicht erreichbar, Ehrenamtliche des Vereins verweisen auf die Mitgliederversammlung am Abend. Dann sollen „die Zahlen auf den Tisch kommen und entschieden werden“, heißt es aus dem Umfeld. Dem Vernehmen nach soll die Zeitung sich nur durch die erzielten Verkaufserlöse finanzieren. Zitieren lassen möchte sich vorab niemand. Aber: Es soll noch mehr auf dem Spiel stehen. Laut der B.Z. soll auch das „Kaffee Bankrott“ an der Storkower Straße schließen. Dort erhalten Bedürftige eine warme Mahlzeit für 2 bis 2,50 Euro. Die Verkäufer der Obdachlosenzeitungen verschnaufen und versorgen sich wie Cristinel Serban mit Zeitungsnachschub. Außerdem gibt es Computer, an denen die Gäste kostenlos im Internet surfen. Der ebenfalls an der Storkower Straße ansässige Trödelpoint mit Ware aus zweiter Hand ist bereits seit März geschlossen.

Dagegen nicht zur Disposition stehen soll die Notübernachtung, ebenfalls auf dem Areal an der Storkower Straße. Wie es auf der Webseite des Vereins heißt, können pro Nacht bis zu 31 Personen aufgenommen werden. Für obdachlose Familien und Frauen mit Kindern gibt es ein separates Familienzimmer. Ziel sei es, Betroffene in den Wintermonaten nicht nur vor dem Kältetod zu bewahren, sondern ganzjährig mittel- bis langfristig Hilfe bei der Rückkehr in ein geregeltes Leben zu ermöglichen.

Beim Berliner Straßenmagazin „motz“, das ebenfalls von Obdachlosen verkauft wird und soziale Projekte unterstützt, möchte man auf die Gerüchte um den Mitstreiter nicht eingehen. Die „motz“ hat eine Auflage von rund 20.000 Exemplaren und erscheint ebenfalls alle drei Wochen, nur zur Fußball-WM gab es eine weitere Sonderausgabe. „Wir haben uns nie als Konkurrenten gesehen“, sagt Stefan Peter, „motz“-Vorstandsmitglied. „ Es ist gut, dass die Arbeit für Obdachlose auf mehrere Schultern verteilt ist. Völlig klar ist, dass eine Straßenzeitung sowieso keinen Gewinn abwerfen kann.“



Aus: "Berlin Obdachlosenzeitung "Straßenfeger" wird eingestellt" (18.06.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-obdachlosenzeitung-strassenfeger-wird-eingestellt/22706036.html

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« Reply #743 on: Today at 12:29:15 PM »
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[...] Das Gesamtvermögen der Dollarmillionäre ist weltweit im vergangenen Jahr um 10,6% und zum ersten Mal auf mehr als 70 000 Mrd. $ gestiegen. Das stärkste Wachstum kam einmal mehr aus der Region Asien-Pazifik. Global gesehen legte die Zahl der Millionäre auf 18,1 Mio. zu, sie verfügen über 70 200 Mrd. $. Dies teilte die Unternehmensberatungsgesellschaft Capgemini in ihrem jährlich veröffentlichten World Wealth Report mit. Für diesen wurden 2600 Dollarmillionäre in 19 grossen Wealth-Management-Märkten befragt. Als solche Anleger, im Fachjargon als «high-net-worth individuals» (HNWI) bezeichnet, gelten Privatinvestoren mit einem frei verfügbaren Vermögen von mehr als 1 Mio. $.

Die Vermögen sind damit zum sechsten Mal in Folge gestiegen. Darin spiegeln sich die gute Wirtschaftslage und die starke Entwicklung an den Börsen. Die Millionäre profitieren weiterhin von der Inflation der Vermögenspreise, hervorgerufen durch die laxe Geldpolitik der Zentralbanken. Die ultraniedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten haben in den vergangenen Jahren die Aktienkurse und Immobilienpreise nach oben getrieben, was sich auch am Zuwachs bei den Millionären zeigt. Im Jahr 2010 gab es weltweit noch 10,9 Mio. solcher wohlhabender Privatpersonen, die damals 42 700 Mrd. $ ihr Eigen nannten.

Besonders stark stieg die Zahl der Millionäre 2017 mit rund 12% in der Region Asien-Pazifik. Dort gab es im vergangenen Jahr 6,2 Mio. solcher wohlhabender Privatpersonen, diese nannten ein Vermögen von 21 600 Mrd. $ ihr Eigen. Starkes Wachstum war auch in Nordamerika zu beobachten. Dort legte die Zahl der Millionäre um knapp 10% auf 5,7 Mio. zu, ihre Vermögen wuchsen in einem ähnlichen Tempo auf 19 800 Mrd. $. In Europa war das Wachstum etwas geringer, aber ebenfalls gut. Die Zahl der Millionäre auf dem alten Kontinent legte im vergangenen Jahr um rund 7% auf 4,8 Mio. zu, ihre Vermögen stiegen um knapp 8% auf 15 900 Mrd. $.

Eine im Vergleich mit anderen Ländern sehr hohe «Millionärsdichte» hat die Schweiz. Hierzulande legte die Zahl der vermögenden Privatanleger im vergangenen Jahr um 7% auf 389 200 zu. Damit liegt die Schweiz auf Platz 7 der Länder mit den meisten Millionären, umgeben von lauter Staaten mit sehr viel höheren Einwohnerzahlen. Laut Capgemini stieg das Vermögen der hiesigen Millionäre im vergangenen Jahr von 1 116 Mrd. $ auf 1 204 Mrd. $, was einem Anstieg von knapp 8% entspricht.

Mit knapp 90% gehören die meisten Wohlhabenden weltweit zur Kategorie «Millionär von nebenan»; sie verfügen über Vermögen im Volumen zwischen 1 Mio. $ und 5 Mio. $. Rund 9% der Millionäre nennen Gelder zwischen 5 Mio. $ und 30 Mio. $ ihr Eigen, und nur 1% von ihnen haben mehr als 30 Mio. $. Diese letzte Kategorie von Privatpersonen wird auch als «ultra high-net-worth individuals» (UHNWI) bezeichnet. Die Zahl der UHNWI ist 2017 um 11%, ihre Vermögen sind um 12% gewachsen.

Wie Capgemini mitteilte, stellten die USA, Japan, Deutschland und China zusammen 61% der weltweiten Millionäre. Die mit Abstand meisten Millionäre leben in den Vereinigten Staaten, ihre Zahl beträgt 5,29 Mio. In Japan wohnen 3,16 Mio., in Deutschland sind es 1,37 Mio. und in China 1,26 Mio. Gemäss einer jüngst veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) verfügten die Bewohner Nordamerikas über mehr als zwei Fünftel der privaten Vermögen weltweit, vor den Einwohnern Westeuropas (22%). Das stärkste Wachstum im vergangenen Jahr sei mit 19% indessen in Asien zu beobachten gewesen.

Die Vermögen der wohlhabenden Privatanleger waren gemäss der Capgemini-Studie im ersten Quartal dieses Jahres zu knapp 31% in Aktien investiert, danach folgten Bargeld und bargeldähnliche Anlagen (27%). In Immobilien steckten knapp 17% der Vermögen, hier war 2017 ein Zuwachs bei der Allokation von knapp 3 Prozentpunkten zu beobachten.

Die Aufteilung scheint eine recht gute Diversifizierung der Gelder zu belegen. Laut der Studie hat das Interesse der Wohlhabenden an Investitionen in Kryptowährungen zugenommen. 29% der Befragten gaben an, grosses Interesse am Kauf solcher Anlagen zu haben, unter ihnen seien viele jüngere Millionäre gewesen. Die Vermögensverwalter der HNWI hätten sich indes zurückhaltend gegenüber solchen Investitionen gezeigt, nicht zuletzt wegen regulatorischer Unsicherheiten.



Aus: "389 200 Millionäre in der Schweiz" Michael Ferber (19.6.2018)
Quelle: https://www.nzz.ch/finanzen/389-200-millionaere-in-der-schweiz-ld.1396000