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Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 157716 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #675 on: November 28, 2017, 05:19:45 PM »

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[...] Bosch: ... andere Dinge sind mir wichtiger als Geld.

ZEIT ONLINE: Stehen Sie damit stellvertretend für die Reichen in Deutschland?

Bosch: Durch die Stiftung Pecunia, einem Netzwerk für Erbinnen, habe ich mittlerweile einen großen Bekanntenkreis aufgebaut. Darunter sind auch Vermögende, die Wert darauf legen, ihren Reichtum zu zeigen. Es gibt aber auch viele, die in ähnlichen Umständen leben wie ich.

ZEIT ONLINE: Woher kommt das falsche Bild in der Öffentlichkeit?

Bosch: Reichtum ist mit vielen Klischees verbunden, der Manager mit S-Klasse und so. Aber sind wir wirklich so kurzsichtig zu glauben, dass alle so leben?

ZEIT ONLINE: Sprechen Sie deswegen so offen über Geld, um die Vorurteile abzubauen?

Bosch: Ja. Angefangen hat das 2006. Damals fand das ZDF für eine Reportage über Armut in Deutschland keinen Reichen, der sich zu dem Thema äußern wollte. Das fand ich falsch.

ZEIT ONLINE: Warum?

Bosch: Die Armen müssen überall die Hose runterlassen, vor dem Amt zum Beispiel. Die Reichen behalten im Normalfall die Hosen fein oben. Dem wollte ich etwas entgegensetzen.

ZEIT ONLINE: Vielleicht sind Sie eben doch die Ausnahme von der Regel.

Bosch: Das glaube ich nicht. Es gibt viele reiche Menschen, die mit ihrem Geld viel Gutes tun, die sprechen vielleicht weniger öffentlich darüber. Eigentlich ist das auch nichts Außergewöhnliches. In unserer Verfassung steht: Eigentum verpflichtet – auch mich.

ZEIT ONLINE: Aus Ihrer Familie sind Sie die einzige, die so offen spricht.

Bosch: Da haben Sie recht.

ZEIT ONLINE: Wieso äußern sich die Reichen nicht, die nicht den gängigen Klischees entsprechen?

Bosch: Häufig haben sie Angst, missverstanden zu werden oder persönlich Ärger zu bekommen – von Eltern, Kindern, Geschwistern. Sie haben Angst, mit Bittbriefen überschüttet zu werden. Und ich weiß aus Erfahrung, dass Bittbriefe kommen, allerdings viel weniger, als ich erwartet hätte.

ZEIT ONLINE: Sie selbst setzen sich für sexuelle Minoritäten ein. Was hätte Ihr Großvater Robert Bosch dazu gesagt?

Bosch: Er war ja Menschenrechtler. Im Dritten Reich hat er dafür Gefahren auf sich genommen, von denen ich heute weit entfernt bin. Seitdem haben sich die Themen vielleicht verlagert, und ich nehme mir die Freiheit, zu sagen, er hätte weiter Minderheiten verteidigt. Auch mein Einsatz gegen Rassismus wäre mit Sicherheit auf seiner Linie. Mein Urgroßvater war 1848er, ein Ur-Demokrat, und das waren auch seine Kinder. Die waren von Rassismus oder Antisemitismus nie angefochten.

... ZEIT ONLINE: Sie haben einmal gesagt, Deutschland sei noch immer eine Klassengesellschaft. Woran machen Sie das fest?

Bosch: An der Undurchlässigkeit der sozialen Schichten – bezogen auf Einkommen, Hautfarbe und Migrationshintergrund.

ZEIT ONLINE: Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Bosch: Viele meiner Bekannten und Freundinnen müssen allein aufgrund ihrer anderen Hautfarbe viel länger nach einer Wohnung suchen. Oder nehmen Sie das Thema Heiraten: Die Menschen kommen immer häufiger aus der gleichen sozialen Schicht, dem gleichen sozialen Umfeld. Arzt heiratet Ärztin. Dabei ist Heirat eines der besten Mittel, Schichtengrenzen zu überwinden. Ich halte das auch für die beste Antwort auf den grassierenden Rassismus: eine echte Durchmischung.

... ZEIT ONLINE: Wir brauchen also eine schwarze Frau an der Spitze der SPD?

Bosch: Wir brauchen grundsätzlich mehr Menschen mit Migrationshintergrund in der Politik, weil sie zu den großen Themen etwas zu sagen haben. Das gilt auch für Journalisten, die vor allem über, aber nicht aus der migrantischen Sicht schreiben.

ZEIT ONLINE: Und jetzt sitzen Ihnen hier wieder zwei weiße Männer gegenüber.

Bosch: Es liegt ja nicht am Persönlichen, mein Respekt vor den weißen Männern. Aber es müssen jetzt auch mal andere sprechen.

ZEIT ONLINE: In Ostdeutschland ist die Skepsis gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund besonders groß. Bemerken Sie das in Ihrer Arbeit?

Bosch: Mein Mann kommt aus Ostdeutschland. Wir sprechen deshalb oft darüber. Ich glaube, dass es im Osten Deutschlands eine alte, strukturelle Diskriminierung gibt. Ich war Ende der neunziger Jahre mit meiner damaligen Freundin in Brandenburg unterwegs und habe gemerkt, wie unwohl ich mich dort fühlte, weil wir zwei lesbische Frauen waren und sie auch noch jüdisch aussah. Die Angst vor Fremden war schon damals da.

ZEIT ONLINE: Seit 2015 scheint sich das deutlich verschlimmert zu haben.

Bosch: In den vergangenen zwei Jahren hat sich viel Protest Bahn gebrochen – ausgelöst durch die Flüchtlinge. Nach der Revolution 1989 gab es für kurze Zeit die Hoffnung, dass etwas zusammenwächst, dass es für alle vorangeht. Vieles hat sich davon aber nicht erfüllt. Diese Enttäuschung wurde von der Politik nie wirklich adressiert. Die Folgen sehen wir jetzt. ... Wir haben viele Probleme jahrelang nicht ernst genommen: Rassismus, soziale Spaltung, Gender-Fragen, Lohnungerechtigkeit, bezahlbarer Wohnraum. Die Herausforderungen sind viel größer, als es die Politik wahrhaben will. Und jetzt wird es eben mal aufgetischt, es weht ein rauerer Wind.

... ZEIT ONLINE: Zahlen Reiche in Deutschland zu wenige Steuern?

Bosch: Es gibt auf jeden Fall zu viele Möglichkeiten, Steuern zu vermeiden. Das gesamte Steuerberatungssystem ist darauf ausgerichtet, weniger Geld zu zahlen und sich nicht mehr zu engagieren. [Es wird immer eine Riesenmaschinerie im Hintergrund geben, deren Geschäftsmodell ist, dafür zu sorgen, dass die Abgaben möglichst gering bleiben. Wohlhabende bekommen diese Angebote. Man muss regelrecht gegen den Strom schwimmen, wenn man die Ansicht hat, ich zahle meine Steuern und bin deswegen noch lange nicht blöd.]

ZEIT ONLINE: Das widerspricht Ihrer These, dass viele Reiche die soziale Ungleichheit auch nicht gutheißen.

Bosch: Beides findet statt. Manche Reiche sind sich sehr wohl ihrer Verantwortung bewusst, aber hängen das nicht an die große Glocke. Andere tun eben sehr wenig und kümmern sich vor allem um Steuervermeidung und nutzen Lücken im Steuergesetz radikal aus.

...

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ulra
#6

Man ist ja schon dankbar, dass eine vermögende Person hier mal auf die Missstände in Deutschland hinweist. Dann ist aber auch schon mal gut, wir wollen ja nichts übertreiben oder - Gott bewahre - Dinge ändern.



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Fumakilla
#7

Mann oh Mann/Frau - ist dieser Wellnessjournalismus/dieses Interview wirklich die journalistische Qualität, die ZEIT Leser mit Wohnsitz in gentrifizierten Citylagen der deutschen Großstädte ganz, ganz toll finden?

Wenn das Kernthema dieses Interviews die soziale Undurchlässigkeit ist, warum werden dann keine Lösungen aufgezeigt? Achja, die Erbschaftssteuer soll´s richten ...
... Wie ist das denn so, mit dem Bildungssystem, indem die Akademiker unter sich bleiben und die deutschen Unterschichten kein Abitur machen?
Wie ist das denn so mit den bildungsfernen migrantischen Unterschichten?
Wie ist das denn so mit der Integrationsunwilligkeiten bestimmter Migrantenkreise, die insbesondere links-grüne Politiker noch durch Familiennachzug verstärkt ins Land holen wollen? Egal ... genug heute morgen aufgeregt ... Gernot ... ich brauche meine Herztropfen!



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Boesor
#7.3

Wenn das kernthema Ihres Beitrages ist sich aufzzuregen, warum zeigen Sie keine Lösungen auf? Oder muss diese Lösungen nur Frau Bosch wissen und wenn ja, warum eigentlich?


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Doc Zoidberg
#7.4

Sie sollte die Herztropfen weglassen, dafür aber Interviews und Texte mit neutraler Einstellung lesen. Die von Ihnen angemerkten Punkte werden von der Interviewten alle angesprochen und kritisiert. Vielleicht nicht in aller Ausführlichkeit und gerne abstrahiert, aber sie ist halt auch nur eine Interviewpartnerin und keine Politikerin, welche die Zustände zu verantworten hat.
Die Aufgabe eines Interviews ist es nicht Lösungen für komplexe Probleme zu liefern, sondern die sozial konstruierte Realität (lesen Sie dazu z.B. Berger und Luckmann "Die soziale Konstruktion der Wirklichkeit) bestimmter Personen bzw. -gruppen wiederzugeben.
Aber die letzte Frage zeigt ja sowieso ganz deutlich Ihre persönliche Perspektive. Anstatt sich mit der Komplexität von solchen Problemen auseinander setzen zu wollen, ist es natürlich viel entspannter polemisch und verallgemeinernd auf Themen einzudreschen. Also wenn Sie sich die Herztropfen sparen, kaufen Sie mit dem Geld Bücher über Postkoloniale Theorien. Da können Sie eine Menge lernen. ...


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chrisbo18
#13

Ich komme in meinem Beruf mit so manchem Wohlhabenden zusammen. Meiner Erfahrung nach sind die, die sich alles selbst erarbeitet haben oft sozialer und großzügiger als die, die alles in den Schoß gelegt bekamen. Rein subjektive Erfahrung!
Frau Bosch hingegen bestätigt mit ihrer Haltung die Regel.

Jedoch erfahre ich auch den Trend, dass sich die Klassen mehr und mehr gegenseitig aufwiegeln und sich imaginäre Wunden zuteilen, die sie sich dann gegenseitig lecken können. Wie gesagt, dies findet in "beiden" Klassen statt. (die Mittelklasse ist hier fast nicht vertreten)

Die Reichen bauen sich immer größere Festungen und der Mob wird immer wilder und brutaler. Siehe auch Altena. ["Hollstein wurde am Abend des 27. November 2017 gegen 20 Uhr in einem Dönerimbiss in Altena mit einem Messer angegriffen. Der 56-jährige Täter führte ein etwa 30 Zentimeter langes Messer gegen den Hals Hollsteins und verletzte diesen am Hals. Der Besitzer des Ladens und andere Passanten überwältigten den Täter. Der alkoholisierte Angreifer hatte sich lautstark abfällig über Hollsteins liberale Flüchtlingspolitik geäußert. Andreas Hollstein wurde mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, konnte aber bald darauf wieder entlassen werden. „Ich habe zupackende Menschen an meiner Seite gehabt und bin froh, dass ich noch lebe“, sagte Hollstein am gleichen Tag der Nachrichtenseite „Lokalstimme“." Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Andreas_Hollstein&oldid=171475821 (28. November 2017)]
Wenn wir so weitermachen, werden wir noch in einem offen ausgetragenen Klassenkampf enden und wenn man bedenkt, wer aus solchen Lagen heraus bisher immer profitierte, sollten wir uns schleunigst an eine offene Diskussion wagen!

Mauern, auf beiden Seiten, haben noch nie etwas sinnvolles hervorgebracht!


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kowaltschik
#17

"Ich halte das auch für die beste Antwort auf den grassierenden Rassismus: eine echte Durchmischung. "

Zwei Sätze weiter: "Und vielleicht war auch ein weißer Mann die falsche Figur dafür."

Was ist das nur für eine elende Doppelmoral. Immer das gleiche Spiel: Auf der einen Seite Antirassismus, Toleranz, Integration usw.
Auf der anderen Seite die weißen Männer.

Ich kann nich verstehen wie manche Leute solche abgrundtief sexistischen wie rassisitschen Aussagen tätigen können. Klärt mich mal jemand auf.


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Le Blanc
#17.1

Gibt es so etwas wie Autorassismus?

Ich frage mich, wie man es unter einen Hut bringt einerseits alte, weiße Männer zu verteufeln, andererseits das Leben das man hat "Bosch-Erbin" zu sehr großem Teil von eben genau so einem weißen, alten Mann finanziert bekommen zu haben.
Fraglich ist es auf jeden Fall ob man ein Studium in den USA und das Leben als freischaffende Künstlerin ebenfalls genießen kann, wenn man sich keines bequemen finanziellen Polsters sicher sein kann.


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diogenes70
#17.2

Ich kann nicht viel mit der Problematisierung des "alten, weißen Mannes" anfangen (ich halte diese meist für ein Totschlagargument). Jedoch hat Frau Bosch dieses Stereotyp nicht auf rassistische Art und Weise verwendet. Ihr ging es ja nicht darum, die Minderwertigkeit oder die Faulheit, Niederträchtigkeit etc. der weißen Männer herauszustellen. Stattdessen hat sie gesagt, dass ein weißer Mann (vielleicht) nicht das perfekte Maskottchen ist für eine pluralistische, weltoffene, diverse und bunte Agenda.


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Marybeth
#19

Reichtum wird oft als die Freiheit verstanden, sich all das anzuschaffen, was man gerne haben möchte. Tritt dies ein, erkennen viele, dass die erfüllten Träume viel schlimmer sind, als die unerfüllten und leben ein selbsgewähltes Leben in voller Bescheidenheit und Freiheit.


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m.schmidt67
#20 

Das mag alles Nobel sein und Chapeau für ihr Engagement, aber die Realität sieht doch anders aus. Der Großteil der Bevölkerung sagen wir mal der verbliebene Mittelstand zahlt, wenn man den Arbeitgeberanteil mitrechnet mehr als 50% seines Einkommens als Abgaben und Steuern in die Solidaritätsgesellschaft. Die Reichen und Superreichen beschäftigen Anwälte, die eine Zahlungsvermeidungspolitik betreiben, gefolgt von den Lobbyisten um genau ihre Wünsche wahrzunehmen und die Politiker sind ihre Erfüllungsgehilfen und erhalten dann Spenden, welche sie nicht angeben müssen oder erst ab einer gewissen höhen. Das ist das Bild das vorherrscht. Dass die dann mit dem ersparten Geld die schöneren Autos fahren und viele Häuser auf der Welt besitzen ist ja das Resultat davon.
Viele reiche Familien haben ihr Vermögen schon über Generationen aufgebaut und wie sie an diese Vermögen rangekommen sind wird kaum gesehen.
Wenn Menschen reich werden, geht das nur, wenn auf der anderen Seite Menschen und Ressourcen sind die man ausbeuten kann und an denen man sich bereichern kann.
Eine sinnvolle und gerechte Verteilung gibt es nicht. Wer hat den in den letzten 10 Jahren kaum Lohnerhöhungen erhalten? Wie ist das Niveau der Löhne in Deutschland und wer hat davon profitiert?

So schöne Weihnachten noch!


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weissk
#21

Es ist immer noch die Ansicht verbreitet, dass Politiker mit höheren Steuereinnahmen die soziale Sicherheit erhöhen.
In den letzten 12 Jahren sind die inflationsbereinigten Steuerzahlungen um 200 Milliarden € auf 730 Milliarden € jährlich gestiegen.
Dies hat die soziale Sicherheit nicht etwa gestärkt, sondern sogar vermindert. ...


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Verbal
#26 

Wenn ein Mensch, wie diese sympathische Dame, mit seinem Geld Gutes tut, finde ich das gut. Wenn reiche Menschen ihr Geld nutzen, ihre persönliche Weltanschauungen mit Hilfe ihres Vermögens "mehrheitsfähig" zu machen, finde ich das bezogen auf das demokratische System "systemisch" schlecht. Ein reicher Mensch hat durch sein Vermögen deutlich mehr Gestaltungsmacht und in welche Richtung er diese Gestaltungsmacht nutzt ist nicht demokratisch legitimiert. ...


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think-different
#26.2

@ #26.1 / NochNeMeinung

zitat: «Dieses Vermögen verdankt die Dame der Arbeitskraft hunderttausender Lohnarbeiter.»

die eben ihre arbeitskraft gegen lohn getauscht haben. so ist nunmal der deal.  ihr vermögen verdankt die dame dem erfindergeist und genie ihrer vorfahren, die ihre ideen zur marktreife gebracht haben und durch lohnarbeit in serie haben produzieren lassen - und im fall bosch vermutlich recht gut mit den lohnarbeitern umgegangen sind, im vergleich zu anderen industriellen.


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NochNeMeinung
#26.3

Die Ausbeutung besteht in der Differenz zwischen bezahlter Arbeit und dem Wert der Arbeitsleistung. Das ist das Wesen des Kapitalismus. Aber das werden Leute nicht verstehen, die dem Irrglauben anhängen, ihr Geld könne für sie arbeiten.


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think-different
#26.4

@ #26.3 / NochNeMeinung

zitat: «Die Ausbeutung besteht in der Differenz zwischen bezahlter Arbeit und dem Wert der Arbeitsleistung»

das ist keine ausbeutung, sondern die abgeltung von kapitaldienst, risiko und aufbau von rücklagen für investitionen oder wirtschaftlich schlechte zeiten.

oder um es vereinfacht auszudrücken: der arbeiter, der bei bmw kotflügel montiert wird mit seinem gehalt entlohnt (lebenszeit gegen geld). er trägt zwar mit dem montieren der kotflügel dazu bei, dass ein fertiges automobil entseht, trägt aber selbst weder risiko noch entwicklungsleistung, die beide dazu führen, dass er überhaupt kotflügel montieren kann/darf. der wert dieser arbeitsleistung ist also gering, da austauschbar. die arbeitsleistung anderer mitarbeiter (z.b. im bereich F+E) ist deutlich höher, weswegen hier auch andere gehalts- und bonistrukturen die entlohnung bestimmen.

aber das werden leute nicht verstehen, die dem irrglauben anhängen, dass ohne ideen, risiko, visonen und kapital arbeiter arbeit hätten.


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NochNeMeinung
#26.5 

Die "abgeltung von kapitaldienst" ist nichts anderes als Zinsen, deren Wesen nunmal darin besteht, dass man sie ohne Arbeitsleistung verdient, weil Geld selbst keine Werte schaffen kann. Könnte Geld heimlich arbeiten, würden wir alle im Bett bleiben und von dieser Arbeitskraft unter dem Kopfkissen leben.

Ein "risiko" in Form von Nägelkauen und Zähneklappern wegen der bösen Konkurrenz usw. schafft auch keinerlei Wirtschaftsgut, das sich nutzen ließe.

Die "entwicklungsleistung" ist selbstverständlich Arbeit, wird jedoch im Regelfall von keinem Kapitalisten erbracht, sondern von ebenfalls mit Lohn abgespeisten Ingenieuren, denen man damit auch noch ihr geistiges Eigentum wegnimmt.

Würden morgen sämtliche Aktionäre ihre Aktien verbrennen, wäre das für die Produktion völlig unerheblich; denn Tatsache ist, dass Aktionäre in der Wertschöpfungskette genau gar nichts leisten.


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cedebe
#52

Die Aussage zu der Heirat als Mittel des sozialen Aufstiegs empfand ich als sehr irritierend.

Dass heute mehrheitlich der Arzt die Ärztin heiratet, liegt doch daran, dass wir die strukturelle Diskriminierung der Frau in diesem Bereich überwunden haben, und der Partner heute nach Sympathie und Weltbild gewählt wird, und nicht nach Geldbörse und Kochkunst. ...




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M.Aurelius
#54

Steckt nicht hinter der Maßlosigkeit vieler Menschen, die im finanziellen Überfluss leben und dem Anspruchsdenken vieler Minderbemittelter eine sehr ähnliche Haltung? Das hinter Beidem stehende Problem scheint mir sehr viel mit der Zweckorientierung und Sinnentleerung dieser Gesellschaft zu un zu haben. Die einen kennen von allem nur den Preis, aber von nichts den Wert und die anderen müssen von allem den Preis kennen, um zu überleben. „Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.“ (Lucius Annaeus Seneca) Überall regiert ein tumbes "mehr desselben" und "weiter so". Aber diese Durchhalteparolen ersetzen eine Strategie genauso wenig wie Hoffnung. Das Desaster der Politik unserer Tage hat wenig mit politischen Fehlern und ihren mannigfaltigen Manifestationen zu tun, sondern viel mehr mit der Tatsache, dass von denen, die sich zu den Eliten, der politischen und gesellschaftlichen Führungsschicht rechnen, nicht einmal der Versuch unternommen wird, eine Vorstellung davon zu entwickeln, was diese Gesellschaft außer Wohlstand und einer Fortschreibung der existierenden Zustände will . Die Krone des Desasters ist das geistlose wie moralinsaure Geschwurbel zum Thema Leitkultur. "Moralisten sind Leute, die sich jedes Vergnügen versagen, außer jenem, sich in das Vergnügen anderer Leute einzumischen." (Bertrand Russell)




...




Aus: "Reiche Deutsche: "Der Kapitalismus schmeißt Geld nach ganz oben"" Interview: Marcus Gatzke und Lukas Koschnitzke (28. November 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-11/ise-bosch-reichtum-spd-ungleichheit/komplettansicht
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Textaris(txt*bot)

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« Reply #676 on: November 30, 2017, 08:06:58 AM »

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[...] Der Beamtenbund lehnt die von der SPD wieder ins Gespräch gebrachte Bürgerversicherung ab. "Wir werden jedem Versuch entgegentreten, Versorgung und Rente, Beihilfe, PKV und gesetzliche Krankenversicherung in einen Topf zu werfen", sagte Beamtenbundchef Ulrich Silberbach. "Wer das bewährte eigenständige und verfassungsrechtlich verankerte Sicherungssystem der Beamten nachhaltig verschlechtern oder gar gänzlich auflösen will, überschreitet eine rote Linie."

... Die meisten Beamten sind privat versichert. Doch die hohen Beiträge der PKV zahlen sie nicht. Von ihren Dienstherren bekommen sie eine Beihilfe zwischen 50 und 80 Prozent für die Krankheitskosten.

Silberbach sagte: "Wir können die Funktionsfähigkeit unseres Staatswesens, deren Rückgrat nun einmal die Beamten mit ihrem besonderen und entsprechend alimentierten Pflicht- und Treueverhältnis sind, nicht auf dem Altar einer vermeintlichen sozialen Gerechtigkeit opfern."


Aus: "SPD-Vorschlag: Bürgerversicherung für Beamtenbund "eine rote Linie"" (30. November 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-11/beamtenbund-lehnt-spd-buergerversicherung-ab
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Textaris(txt*bot)

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« Reply #677 on: December 07, 2017, 07:21:54 AM »

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[...] Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wechselt gut ein halbes Jahr nach seiner Wahlniederlage in die Wirtschaft. Er werde als Unternehmensrepräsentant für die DHL-Gruppe in Brüssel arbeiten, sagte er. Im Januar werde er seine neue Stelle antreten. Albig führte von 2012 bis 2017 in Schleswig-Holstein eine Koalition aus SPD, Grünen und der Partei der dänischen Minderheit SSW. Die Landtagswahl im Mai 2017 verlor die SPD jedoch.  ... Bereits zu seiner aktiven Zeit als Politiker hatte der gebürtige Bremer einen späteren Berufswechsel nicht ausgeschlossen. "Es wäre kein dramatischer Bruch in meinem Leben, wenn nach der Frankfurter, der Berliner und der Kieler Zeit noch eine Tätigkeit in London, Chicago oder Buenos Aires stehen würde", sagte der SPD-Politiker Ende 2014.

...

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DailyWeb #17

Ein "sozialer" Politiker von der SPD als Lobbyist in der Logistikbranche, die ja gerade für ihre fairen Arbeitsbedingungen und guten Löhne bekannt ist. Das nenne ich mal eine feste politische Überzeugung.


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  Ad0rn0 #4

Ist das jetzt eigentlich neuer Standard, dass Politiker als Lobbyisten abgeworben werden?


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Tordenskjold #5

Albig hat seinen Rückzug aus der Politik erklärt. Jetzt arbeitet er. Er hätte auch sein Landtagsmandat wahrnehmen können. Hat er aber drauf verzichtet. Wo ist jetzt das Problem?
Wenn Beamte aus der Politik ausscheiden kehren sie oft zurück ins alte Beamtendasein. Darüber regt sich auch keiner auf.


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Blues Man #7

'Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wechselt gut ein halbes Jahr nach seiner Wahlniederlage in die Wirtschaft. Er werde als Unternehmensrepräsentant für die DHL-Gruppe in Brüssel arbeiten, sagte er.'

Das kann nur ein schlechter Scherz sein!

Sucht die SPD nicht gerade ihr Profil?
Und dann wechselt ein Ex-Ministerpräsident in die Wirtschaft?


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Gisbert Beaumarais #7.1

Herr Albig arbeitet doch für die DHL. Und die SPD ist eine Arbeiterpartei. Passt also alles...*

*Das ist ironisch gemeint


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TDU #8

Nichts dagegen. Aber bitte jetzt keine politischen SPD Parolen mehr, sondern die ausdrückliche Zustimmung zu Lohndrückerei und Stress durch knapp gehaltenes Personal. Lobbyist heisst ja, die Interessen der Branche bzw. deren Firmen zu vertreten.

Im Bereich hatten wir schon Birgit Fischer (Grüne) als Lobbyistin im Gesundheitswesen und Clement als Motor der Zeitarbeit. Von denen hat man dann nichts mehr gehört, sonst wärs auch peinlich gewesen.

Das ist das eigentlich Ärgerliche. Die Arbeit da, wo man als Politiker angeblich gegen war und damit auch dem Mittelstand geschadet hat. Aber wie sagt man beruhigend: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.


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Rantanplan 0 #8.1

Da fällt mir auch noch Marianne Tritz ( Grüne ), als jetzige Tabaklobbyistin, ein, oder Gazprom Gerd.


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siar1 #8.2

Koch, der in die Bauindustrie ging, die gerne öffentliche Aufträge annimmt.
Kohl, der für Kirch als Berater arbeitete, dem er das Privatfernsehen ermöglicht hatte.
Schmidt, der über seine Verlagsbeteiligung noch politischen Einfluss ausübte.

usw. usf.


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Tychus F1ndlay #9

Frau Kraft wird Aufsichtsrat bei RAG...


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bauer_schachmatt #10

"Torsten Albig wird DHL-Lobbyist."

die frage ist und bleibt, sind politiker bereits während ihres politikerdaseins so neutral in der bewertung und beurteilung wirtschaftlicher unternehmen, wie sie als - vom volke gewählte - sein müssten?
mittlerweile ist es ja gang und gebe, dass volksvertreter - nach ihrer amtszeit - in die privatwirtschaft abwandern.
es stinkt nach faulem fisch; und zwar ganz arg.
aber warum sollte man sich darüber aufregen?
sobald ein politiker abgewählt wurde, ist es ihm eh schnuppe, wie das volk über ihn denkt.


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prefec2 #10.3

Na dann treten sie doch in eine Partei ein und werden ein ehrbarer Politiker.


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Roberto Geissini #11

Unsere Spitzenpolitiker, so lieben wir sie!

Nach Ausscheiden aus der Politik sich noch schnell die Versilberung des Lebensabends sichern, bevor man bedeutungslos wird, da die "Connections" zu den Entscheidungsträgern nicht mehr aktuell sind.

Da reiht er sich in die Riege anderer "Größen" ein: Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Matthias Wissmann, Philipp Rösler, Roland Koch ...


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siar1 #11.2

Der Beste ist aber Niebel, der von der Entwicklungshilfe in die Rüstung wechselte.


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deDude #14

Das staatliche Versorungssystem kümmert sich auch nach der Politik noch um seine Leute. Wer keine Staatskanzlei haben kann, der soll wenigstens ein warmes Büro beim Staatskonzern bekommen ;-)


...


Aus: "Torsten Albig wird DHL-Lobbyist" (6. Dezember 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2017-12/dhl-torsten-albig-spd-wechsel-unternehmensrepraesentant
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