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Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 150617 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #660 on: October 10, 2017, 02:53:43 PM »

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[...] Düsseldorf - Die Immobiliengesellschaft Signa Prime des österreichischen Investors und Karstadt-Eigners Rene Benko hat sich frisches Kapital beschafft. Signa Prime habe Anfang Oktober eine Erhöhung des Aktionärskapitals um eine Milliarde Euro vorgenommen, teilte Signa am Montag mit. Das gesamte Eigenkapital summiere sich damit auf über vier Milliarden Euro. „Dieser Schritt ermöglicht, die Marktposition von Signa Prime unter den führenden europäischen Immobilienunternehmen auszubauen“, erklärte Signa-Prime-Chef Christoph Stadlhuber.
Insider hatten Reuters im September gesagt, Signa erwäge eine neue Offerte für Kaufhof. Die Warenhauskette gehört dem nordamerikanischen Handelsriesen Hudson's Bay. Dieser hatte indes immer wieder betont, sich nicht von Kaufhof trennen zu wollen.

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Aus: "Signa Prime: Kaufhof-Interessent erhöht Eigenkapital" (09.10.2017)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/signa-prime-kaufhof-interessent-erhoeht-eigenkapital-/v_detail_tab_comments/20431302.html

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[...] Weil das Unternehmen auch dieses Jahr nicht mit einem Gewinn rechnet, sollen die Mitarbeiter deutliche Einschnitte akzeptieren. ... Der Warenhauskonzern Galeria Kaufhof will die eigenen Mitarbeiter an der Sanierung des Unternehmens finanziell beteiligen. Angesichts anhaltender Verluste hat Kaufhof-Chef Wolfgang Link die Gewerkschaft Verdi aufgefordert, über den Abschluss eines Sanierungstarifvertrags zu verhandeln. Die Mitarbeiter müssten dabei deutliche Einschnitte akzeptieren. ...

„Wir brauchen eine wirtschaftliche Atempause“, begründet Link im Interview mit dem Handelsblatt den Vorstoß. „Uns ist klar, dass ein neuer Tarifvertrag für die Mitarbeiter Einschnitte bringt. Aber wir haben keine andere Wahl“, ergänzt er. Wie der Kaufhof-Chef dem Handelsblatt bestätigte, ist die Lage des Unternehmens prekär. Schon im vergangenen Jahr habe Kaufhof einen „deutlichen Verlust“ gemacht. „Und wir erwarten auch für 2017 ähnliche Ergebnisse.“ Auch der Umsatz liege in diesem Jahr erneut unter dem des Vorjahres.

... Im Gegensatz zu Karstadt und vielen anderen Konkurrenten zahlt Kaufhof bisher noch nach dem Flächentarifvertrag. Dies bedeutet deutlich höhere Personalkosten. Link bezifferte diesen Kostennachteil auf über zehn Prozent. „Das hat über die Jahre zu einer deutlichen Wettbewerbsverzerrung geführt“, so Link.

Während Kaufhof nicht ganz aus der Tarifpartnerschaft aussteigen, sondern nur einen eigenen Tarifvertrag aushandeln will, hatte Karstadt bereits 2013 komplett die Tarifbindung beendet und jahrelang so gut wie keine Gehaltserhöhungen mehr gezahlt. Erst im März dieses Jahres hatte sich Karstadt mit Verdi nach zähen Verhandlungen auf eine schrittweise Rückkehr in den Flächentarif bis zum Jahr 2021 geeinigt. Nach Berechnungen der Gewerkschaft sind die Gehälter dadurch schon um fast zehn Prozent unter den Branchentarif des Einzelhandels gesunken.


Aus: "Ausstieg aus Flächentarif: Kaufhof-Mitarbeiter sollen für Sanierung zahlen" Florian Kolf (10.10.2017)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/ausstieg-aus-flaechentarif-kaufhof-mitarbeiter-sollen-fuer-sanierung-zahlen/20435506.html

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[...] Ausschlaggebend für die finanziellen Schwierigkeiten Kaufhofs sind Insidern zufolge nicht nur die schwierigen Marktbedingungen, sondern auch Mieterhöhungen, die HBC Kaufhof unmittelbar vor Vertragsabschluss aufbürdete. Dadurch steigerte HBC den Wert der Immobilien und erhielt von den Banken einen höheren Kredit für ihren Kauf. Der Mehrerlös zugunsten von HBC beläuft sich auf etwa 40 Millionen Euro jährlich. Da der Mietvertrag über 20 Jahre läuft, bedeutet dies für Galeria Kaufhof hochgerechnet eine Mehrbelastung von 800 Millionen Euro. ...

Zudem haftet HBC zwar gemäß Ergebnisabführungsvertrag für die jährlich auftretenden Verluste von Kaufhof, ist bisher aber nicht dafür aufgekommen. Rechnet man zusätzlich die Aufwendungen für kurzfristige Darlehen hinzu, die Kaufhof HBC gewährt hat, belaufen sich die ausstehenden Forderungen Kaufhofs an den Mutterkonzern auf mehr als 300 Millionen Euro.

Das kanadische Einzelhandelsunternehmen mit weltweit insgesamt 480 Geschäften und 66 000 Mitarbeitern steckt selbst in finanziellen Schwierigkeiten. Die Schulden sind hoch, der Aktienkurs ist stark gefallen, und auch die Kaufhäuser in Nordamerika stecken in der Krise. Von HBC ist Insidern zufolge kein Geld zu erwarten. Vielmehr ist es so, dass HBC Kaufhof Geld entzieht und von den Kaufhof-Mitarbeitern Opfer verlangt, die die Gewerkschaft Verdi ihnen mit ihrem Votum für die Kanadier von zwei Jahren eigentlich ersparen wollte.


Aus: "Sanierungstarifvertrag: Kaufhof will Mitarbeitern das Gehalt kürzen" (10. Oktober 2017)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sanierungstarifvertrag-kaufhof-will-mitarbeitern-das-gehalt-kuerzen-1.3701982

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[...]  Insgesamt hat der Flächentarifvertrag seit geraumer Zeit an Bindekraft verloren. Etliche Unternehmen haben dem Flächentarif schon den Rücken gekehrt, darunter Unternehmen wie Real oder Globus. Einer früheren Studie des Ifo-Instituts zufolge dürfte rund ein Drittel der Betriebe im Einzelhandel tarifgebunden sein. Als ein wesentlicher Grund werden immer wieder die veralteten Lohnstrukturen im Tarifvertrag genannt. ...


Aus: "Sanierung : Kaufhof-Mitarbeiter sollen auf Gehalt verzichten" Brigitte Koch, Düsseldorf (10.10.2017)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sanierungstarifvertrag-kaufhof-will-mitarbeitern-das-gehalt-kuerzen-1.3701982

« Last Edit: October 18, 2017, 04:51:12 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #661 on: October 12, 2017, 10:43:41 AM »

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[...] Seit dem Triumph Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen und dem Pro-Brexit-Votum der Briten interessieren sich die internationalen Wirtschaftsinstitutionen plötzlich immens für Globalisierungsverlierer. Um Protektionismus und Nationalismus zu bremsen, müssen die abgehängten Mitglieder der Gesellschaft wieder Anschluss finden, fordert der Internationale Währungsfonds (IWF) regelmäßig. Das Problem ist, dass es bisher wenig konkrete Vorschläge dazu gab, wie das geschehen soll. Der Erforschung sozialpolitischer Fragen widmete die Organisation lange Zeit wenig Aufmerksamkeit. Doch das ändert sich. Am Mittwoch hat der IWF im Zuge seiner Jahrestagung in Washington eine umfangreiche Studie zu Ungleichheit vorgestellt. Der Tenor des Papiers ist aus Sicht der Fonds ungewöhnlich: Denn die Experten deuten an, dass der internationale Steuerwettbewerb zwischen Ländern zu weit gegangen sein könnte. Wenn Staaten die wachsende soziale Kluft bekämpfen wollen, sollten sie an Steuerschrauben drehen.

In ihrer Analyse ("Tackling Inequality") ziehen die Ökonomen des Währungsfonds eine gemischte Bilanz. Die Ungleichheit bei den Einkommen zwischen einzelnen Ländern ist in den vergangenen 30 Jahren stark zurückgegangen. Das liege daran, dass in aufstrebenden Volkswirtschaften wie China und Indien die Mittelschicht rasant gewachsen ist. Zugleich ist die Einkommensungleichheit weltweit innerhalb jedes zweiten Landes aber gestiegen. Ein Grund dürfte sein, dass besser ausgebildete und spezialisierte Arbeitnehmer heute begehrter sind. Sie profitieren von Lohnsteigerungen stärker als ungelernte Arbeitskräfte. Laut Währungsfonds haben staatliche Transferleistungen zwischen 1985 und 1995 den größten Teil der wachsenden Kluft bei den Markteinkommen ausgeglichen. Doch später war das nicht mehr der Fall, weshalb die verfügbaren Einkommen auseinanderdriften.

Um die Entwicklung zu stoppen, wären höhere Spitzensteuersätze bei Personeneinkommen eine sinnvolle Option, so der Fonds. Damit ließe sich die Kluft reduzieren, weil oben etwas weniger ankommen würde, während unten etwas mehr verteilt werden kann. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Spitzensteuersätze bei den Personeneinkommen in Industrieländern zurückgegangen, im Schnitt von 62 Prozent auf heute 35 Prozent. Als Richtwert wären 44 Prozent zu empfehlen, so der Währungsfonds. Für Österreich ergibt sich daraus kein Handlungsbedarf. Hier liegen die Spitzensteuersätze ziemlich genau bei der genannten Höhe, wenn man die Begünstigung für das 13. und 14. Monatsgehalt berücksichtigt. Aber sind höhere Steuern nicht schädlich für das Wachstum, weil sie Menschen davon abhalten mehr zu arbeiten? Nein, sagt der Währungsfonds. Er hat bei einer Auswahl von Industrieländern untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen stärkerer Progressivität im Steuersystem und Wachstum gibt. Die Ergebnisse legen nahe, dass es keinen nennenswerten Konnex gibt, heißt es.

"Inklusives Wachstum zu schaffen sollte eines der obersten Anliegen der Politik sein", sagte der Ökonom Vítor Gaspar, der die Arbeit an der Studie leitete. "Wir wollten zeigen, dass es dafür einige Optionen gibt." Die IWF-Leute analysieren weitere Ideen, wobei sie bei der Bewertung dieser Maßnahmen vorsichtiger sind. Wenn Länder die Ungleichheit bei Vermögen senken wollen, wäre es ratsamer, nicht Vermögen, sondern nur die Vermögensübertragung zu besteuern, heißt es im Report. Eine Möglichkeit dafür wäre, Erbschaftssteuer mit Freibeträgen einzuführen oder die Übertragung von Immobilien zu versteuern. Der IWF widmet sich sogar der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Das Konzept sieht vor, dass jeder Bürger nur mehr eine einzige staatliche Unterstützung erhält – aber unabhängig davon, ob jemand arbeitet oder nicht. Ein Grundeinkommen könnte in den USA und Großbritannien die Ungleichheit reduzieren, die Maßnahme wäre aber immens teuer.


Aus: "Währungsfonds ruft zu höheren Steuern für Topverdiener auf" András Szigetvari aus Washington (12.10.2017)
Quelle: https://derstandard.at/2000065833914/IWF-ruft-zu-hoeheren-Steuern-fuer-Topverdiener-auf

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« Reply #662 on: October 18, 2017, 11:09:59 AM »

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[...] Seit Jahren kämpfen Schulen und soziale Einrichtungen an Orten wie Wismar gegen die hohe Schulabbrecherquote. In Wismar ist man heute schon froh, dass es nicht mehr so schlimm ist wie noch im letzten Jahrzehnt: 2009 gingen 21,1 Prozent der Schüler ohne Hauptschulabschluss ab, mehr als jeder fünfte. Die Quote sank danach zwar auf 14,3 Prozent im Jahr 2011, dem letzten Jahr, in dem diese Zahlen für die Stadt gesondert ermittelt wurden. Doch in Nordwest-Mecklenburg, dem Landkreis, dem Wismar seither angehört, ist die Quote mit neun Prozent noch immer die höchste in Mecklenburg-Vorpommern.

... Stine Stefan, 34, und Bernd Schindler, 50, nennen die Menschen, die sie betreuen, "Klienten". Das klingt erwachsener, geschäftsmäßiger, als diese Beziehungen tatsächlich sind. Stefan und Schindler sind Sozialpädagogen. Sie betreuen in einer Plattenbausiedlung in Wismar-Friedenshof Jugendliche, die den Schulbesuch abgebrochen haben. Für diesen Morgen hatte Stefan zwei Termine vereinbart. Beide Klienten sind nicht gekommen. Sie kennt das schon. Wenn es gut läuft, erzählt sie, sagen die Jugendlichen wenigstens noch per Whatsapp ab. "Bei unseren Leuten braucht man eine Woche vorher überhaupt keinen Termin abmachen. Es kommt manchmal vor, dass ich vier Termine am Tag habe, und keiner von denen kommt."

Die Familien, aus denen diese jungen Menschen stammen, sehen häufig so aus: alleinerziehende Elternteile, die mit ihrem Leben überfordert sind, Arbeitslosigkeit, häufig kommen Alkohol, Drogen oder psychische Krankheiten dazu. "Es sind Eltern, die nicht die Kraft aufbringen, sich mit ihren Kindern auseinanderzusetzen", sagt Stefan. "Die schaffen es nicht, ihre Kinder morgens zu wecken, sie dazu zu bewegen, aufzustehen, die Tasche zu packen und auch wirklich in die Schule zu gehen. Das ist für manche zu viel." Viele Kids ziehen schon mit 17 oder 18 aus, "weil sie es zu Hause nicht mehr aushalten", sagt Schindler.

... Die sozialen Probleme, das ist die eine Seite. Doch es gibt noch eine zweite Ursache für die nach wie vor überdurchschnittlich hohe Quote der Abbrecher. Sie liegt im ostdeutschen Schulsystem begründet.

Bis heute wird in den neuen Bundesländern sehr viel rigoroser zwischen guten und schlechten Schülern unterschieden. Der Leistungsgedanke ist stark ausgeprägt, was sich in den guten Pisa-Ergebnissen widerspiegelt, die Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern erzielen. Die Kehrseite: Wer die Ansprüche nicht erfüllt, fällt leichter hinten runter. Der ehemalige Bildungsminister Mecklenburg-Vorpommerns, Mathias Brodkorb von der SPD, gab 2015 damit an, dass man die Schulabbrecherquote "problemlos auf das westdeutsche Niveau absenken" könne, "wenn wir einfach die Leistungsanforderungen an die Schülerinnen und Schüler verringern würden". Aber, so Brodkorb, "das wäre Betrug an der Öffentlichkeit und jenen Schülerinnen und Schülern, die sich anstrengen und den Abschluss durch eigene Leistung schaffen."

Ein Ausdruck dieser Haltung ist die hohe Zahl der Förderschüler, die wiederum mehr als die Hälfte der Schulabbrecher stellen. In Ostdeutschland wurden und werden deutlich mehr Kinder auf Förderschulen geschickt als im Westen. Nirgendwo ist ihr Anteil so hoch wie in Mecklenburg-Vorpommern. 2009 waren es mehr als neun Prozent, 2015 immer noch knapp sieben Prozent aller Schüler. Der Bundesschnitt liegt bei 4,6 Prozent.

Clemens Hillenbrand, Bildungswissenschaftler von der Universität Oldenburg, sieht dies auch als Folge der Wiedervereinigung: "Nach der Wende ging die Zahl der Förderschüler enorm in die Höhe. Das hat auch mit einer großen Verunsicherung zu tun. Es wurde viel Wert auf Leistung gelegt." Diejenigen, die nicht mitkamen, landeten schneller auf Sonderschulen. "Inzwischen wird das wieder reduziert, aber die Diskrepanzen sind immer noch da."

Bei den gefährdeten Schülern, sagt Hillenbrand, entstehe "durch Cliquen oft ein richtiger Sog, der sie aus der Schule zieht". Das passiere besonders an Schulen mit großem Leistungsdruck, die zu wenig Personal haben, um sich um ihre Schüler einzeln zu kümmern.

Was hilft, ist altbekannt, aber zugleich in der Praxis schwer umzusetzen: Aufmerksamkeit, viel Zeit und Anstrengung von Lehrern und Pädagogen. "Es bringt erstaunlich viel, wenn Lehrer und Sozialpädagogen individuell auf diese Schüler eingehen, sich Zeit mit ihnen nehmen", sagt Hillenbrand. "Bei fast allen Menschen, die aus einem sehr schwierigen Umfeld kommen und trotzdem eine gute Entwicklung durchlaufen, gibt es irgendwann eine Lehrerin oder einen Lehrer, der an sie geglaubt hat, der sich mit ihnen auseinandergesetzt hat. Oft bekommen die Lehrer das selber gar nicht mehr mit, was für einen Effekt sie gehabt haben."

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Aus: "Schule: "Einfach keine Lust"" Johannes Böhme (17. Oktober 2017)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-einfach-keine-lust-1.3708607

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« Reply #663 on: October 18, 2017, 04:50:55 PM »

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[...] Während Tausende Mitarbeiter um Ihre berufliche Zukunft bangen und rund 200.000 Kunden wegen der Pleite wertlose Tickets besitzen, ist der Air-Berlin-Chef mittels einer Gehaltsgarantie abgesichert.

Aus: "Thomas Winkelmann - Der Millionen-Deal des Air-Berlin-Chefs"  Dietmar Neuerer (18.10.2017)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/thomas-winkelmann-der-millionen-deal-des-air-berlin-chefs/20471630.html

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[...] Nach der Zerschlagung von Air Berlin liegen die Nerven blank: Tausende Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft verlieren ihren Job. Air-Berlin-Chef Winkelmann ließ sein eigenes Gehalt jedoch rechtzeitig absichern ...

Bei seinem Antritt als Chef der hoch verschuldeten Fluggesellschaft im Februar hatte er sich seine Bezüge unter anderem auch durch eine Bankgarantie absichern lassen. Wie aus dem im Mai vorgestellten Geschäftsbericht der Airline hervorgeht, behält Winkelmann selbst im Fall einer ordentlichen Kündigung seinen Anspruch auf das vertraglich vereinbarte Grundgehalt. Es liegt diesen Angaben zufolge bei 950.000 Euro im Jahr. Für das erste Jahr wurde zudem ein Mindestbonus von 400.000 Euro festgesetzt, der im Januar 2018 fällig wird. Winkelmanns Vertrag sollte eigentlich mindestens bis Ende Januar 2021 laufen. Abgedeckt durch eine Bankgarantie sind Gehalts- und Bonuszahlungen bis zu einer Gesamthöhe von 4,5 Millionen Euro.

Durch die Garantie der Bank ist sichergestellt, dass Winkelmann das Geld auch im Fall einer Insolvenz erhält. Air Berlin hatte sich damals - entgegen der eigenen Vergütungsrichtlinie - zu dieser Vereinbarung bereit erklärt, um den früheren Lufthansa-Manager zum Wechsel auf den schwierigen Chefposten bei der angeschlagenen Fluggesellschaft bewegen zu können.

Wenige Monate nach seinem Amtsantritt führte Winkelmann Air Berlin in die Insolvenz, die schließlich in einen Teilverkauf an seinen früheren Arbeitgeber, die Lufthansa, mündete. Auf Unverständnis stößt dieses Vorgehen auch in den Reihen der Gewerkschaften. "Wenn der Air-Berlin-Chef trotz Pleite sein Gehalt bis 2021 garantiert bekommt, ist das eine schreiende Ungerechtigkeit und trägt dazu bei, dass Menschen das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem verlieren", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, der "Bild am Sonntag".


Aus: "Millionenvorsorge für Winkelmann: Politiker kritisieren Air-Berlin-Chef" (18. Oktober 2017)
Quelle: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Politiker-kritisieren-Air-Berlin-Chef-article20089201.html
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