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Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 157895 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #660 on: October 10, 2017, 02:53:43 PM »

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[...] Düsseldorf - Die Immobiliengesellschaft Signa Prime des österreichischen Investors und Karstadt-Eigners Rene Benko hat sich frisches Kapital beschafft. Signa Prime habe Anfang Oktober eine Erhöhung des Aktionärskapitals um eine Milliarde Euro vorgenommen, teilte Signa am Montag mit. Das gesamte Eigenkapital summiere sich damit auf über vier Milliarden Euro. „Dieser Schritt ermöglicht, die Marktposition von Signa Prime unter den führenden europäischen Immobilienunternehmen auszubauen“, erklärte Signa-Prime-Chef Christoph Stadlhuber.
Insider hatten Reuters im September gesagt, Signa erwäge eine neue Offerte für Kaufhof. Die Warenhauskette gehört dem nordamerikanischen Handelsriesen Hudson's Bay. Dieser hatte indes immer wieder betont, sich nicht von Kaufhof trennen zu wollen.

...


Aus: "Signa Prime: Kaufhof-Interessent erhöht Eigenkapital" (09.10.2017)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/signa-prime-kaufhof-interessent-erhoeht-eigenkapital-/v_detail_tab_comments/20431302.html

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[...] Weil das Unternehmen auch dieses Jahr nicht mit einem Gewinn rechnet, sollen die Mitarbeiter deutliche Einschnitte akzeptieren. ... Der Warenhauskonzern Galeria Kaufhof will die eigenen Mitarbeiter an der Sanierung des Unternehmens finanziell beteiligen. Angesichts anhaltender Verluste hat Kaufhof-Chef Wolfgang Link die Gewerkschaft Verdi aufgefordert, über den Abschluss eines Sanierungstarifvertrags zu verhandeln. Die Mitarbeiter müssten dabei deutliche Einschnitte akzeptieren. ...

„Wir brauchen eine wirtschaftliche Atempause“, begründet Link im Interview mit dem Handelsblatt den Vorstoß. „Uns ist klar, dass ein neuer Tarifvertrag für die Mitarbeiter Einschnitte bringt. Aber wir haben keine andere Wahl“, ergänzt er. Wie der Kaufhof-Chef dem Handelsblatt bestätigte, ist die Lage des Unternehmens prekär. Schon im vergangenen Jahr habe Kaufhof einen „deutlichen Verlust“ gemacht. „Und wir erwarten auch für 2017 ähnliche Ergebnisse.“ Auch der Umsatz liege in diesem Jahr erneut unter dem des Vorjahres.

... Im Gegensatz zu Karstadt und vielen anderen Konkurrenten zahlt Kaufhof bisher noch nach dem Flächentarifvertrag. Dies bedeutet deutlich höhere Personalkosten. Link bezifferte diesen Kostennachteil auf über zehn Prozent. „Das hat über die Jahre zu einer deutlichen Wettbewerbsverzerrung geführt“, so Link.

Während Kaufhof nicht ganz aus der Tarifpartnerschaft aussteigen, sondern nur einen eigenen Tarifvertrag aushandeln will, hatte Karstadt bereits 2013 komplett die Tarifbindung beendet und jahrelang so gut wie keine Gehaltserhöhungen mehr gezahlt. Erst im März dieses Jahres hatte sich Karstadt mit Verdi nach zähen Verhandlungen auf eine schrittweise Rückkehr in den Flächentarif bis zum Jahr 2021 geeinigt. Nach Berechnungen der Gewerkschaft sind die Gehälter dadurch schon um fast zehn Prozent unter den Branchentarif des Einzelhandels gesunken.


Aus: "Ausstieg aus Flächentarif: Kaufhof-Mitarbeiter sollen für Sanierung zahlen" Florian Kolf (10.10.2017)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/ausstieg-aus-flaechentarif-kaufhof-mitarbeiter-sollen-fuer-sanierung-zahlen/20435506.html

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[...] Ausschlaggebend für die finanziellen Schwierigkeiten Kaufhofs sind Insidern zufolge nicht nur die schwierigen Marktbedingungen, sondern auch Mieterhöhungen, die HBC Kaufhof unmittelbar vor Vertragsabschluss aufbürdete. Dadurch steigerte HBC den Wert der Immobilien und erhielt von den Banken einen höheren Kredit für ihren Kauf. Der Mehrerlös zugunsten von HBC beläuft sich auf etwa 40 Millionen Euro jährlich. Da der Mietvertrag über 20 Jahre läuft, bedeutet dies für Galeria Kaufhof hochgerechnet eine Mehrbelastung von 800 Millionen Euro. ...

Zudem haftet HBC zwar gemäß Ergebnisabführungsvertrag für die jährlich auftretenden Verluste von Kaufhof, ist bisher aber nicht dafür aufgekommen. Rechnet man zusätzlich die Aufwendungen für kurzfristige Darlehen hinzu, die Kaufhof HBC gewährt hat, belaufen sich die ausstehenden Forderungen Kaufhofs an den Mutterkonzern auf mehr als 300 Millionen Euro.

Das kanadische Einzelhandelsunternehmen mit weltweit insgesamt 480 Geschäften und 66 000 Mitarbeitern steckt selbst in finanziellen Schwierigkeiten. Die Schulden sind hoch, der Aktienkurs ist stark gefallen, und auch die Kaufhäuser in Nordamerika stecken in der Krise. Von HBC ist Insidern zufolge kein Geld zu erwarten. Vielmehr ist es so, dass HBC Kaufhof Geld entzieht und von den Kaufhof-Mitarbeitern Opfer verlangt, die die Gewerkschaft Verdi ihnen mit ihrem Votum für die Kanadier von zwei Jahren eigentlich ersparen wollte.


Aus: "Sanierungstarifvertrag: Kaufhof will Mitarbeitern das Gehalt kürzen" (10. Oktober 2017)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sanierungstarifvertrag-kaufhof-will-mitarbeitern-das-gehalt-kuerzen-1.3701982

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[...]  Insgesamt hat der Flächentarifvertrag seit geraumer Zeit an Bindekraft verloren. Etliche Unternehmen haben dem Flächentarif schon den Rücken gekehrt, darunter Unternehmen wie Real oder Globus. Einer früheren Studie des Ifo-Instituts zufolge dürfte rund ein Drittel der Betriebe im Einzelhandel tarifgebunden sein. Als ein wesentlicher Grund werden immer wieder die veralteten Lohnstrukturen im Tarifvertrag genannt. ...


Aus: "Sanierung : Kaufhof-Mitarbeiter sollen auf Gehalt verzichten" Brigitte Koch, Düsseldorf (10.10.2017)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sanierungstarifvertrag-kaufhof-will-mitarbeitern-das-gehalt-kuerzen-1.3701982

« Last Edit: October 18, 2017, 04:51:12 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #661 on: October 12, 2017, 10:43:41 AM »

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[...] Seit dem Triumph Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen und dem Pro-Brexit-Votum der Briten interessieren sich die internationalen Wirtschaftsinstitutionen plötzlich immens für Globalisierungsverlierer. Um Protektionismus und Nationalismus zu bremsen, müssen die abgehängten Mitglieder der Gesellschaft wieder Anschluss finden, fordert der Internationale Währungsfonds (IWF) regelmäßig. Das Problem ist, dass es bisher wenig konkrete Vorschläge dazu gab, wie das geschehen soll. Der Erforschung sozialpolitischer Fragen widmete die Organisation lange Zeit wenig Aufmerksamkeit. Doch das ändert sich. Am Mittwoch hat der IWF im Zuge seiner Jahrestagung in Washington eine umfangreiche Studie zu Ungleichheit vorgestellt. Der Tenor des Papiers ist aus Sicht der Fonds ungewöhnlich: Denn die Experten deuten an, dass der internationale Steuerwettbewerb zwischen Ländern zu weit gegangen sein könnte. Wenn Staaten die wachsende soziale Kluft bekämpfen wollen, sollten sie an Steuerschrauben drehen.

In ihrer Analyse ("Tackling Inequality") ziehen die Ökonomen des Währungsfonds eine gemischte Bilanz. Die Ungleichheit bei den Einkommen zwischen einzelnen Ländern ist in den vergangenen 30 Jahren stark zurückgegangen. Das liege daran, dass in aufstrebenden Volkswirtschaften wie China und Indien die Mittelschicht rasant gewachsen ist. Zugleich ist die Einkommensungleichheit weltweit innerhalb jedes zweiten Landes aber gestiegen. Ein Grund dürfte sein, dass besser ausgebildete und spezialisierte Arbeitnehmer heute begehrter sind. Sie profitieren von Lohnsteigerungen stärker als ungelernte Arbeitskräfte. Laut Währungsfonds haben staatliche Transferleistungen zwischen 1985 und 1995 den größten Teil der wachsenden Kluft bei den Markteinkommen ausgeglichen. Doch später war das nicht mehr der Fall, weshalb die verfügbaren Einkommen auseinanderdriften.

Um die Entwicklung zu stoppen, wären höhere Spitzensteuersätze bei Personeneinkommen eine sinnvolle Option, so der Fonds. Damit ließe sich die Kluft reduzieren, weil oben etwas weniger ankommen würde, während unten etwas mehr verteilt werden kann. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Spitzensteuersätze bei den Personeneinkommen in Industrieländern zurückgegangen, im Schnitt von 62 Prozent auf heute 35 Prozent. Als Richtwert wären 44 Prozent zu empfehlen, so der Währungsfonds. Für Österreich ergibt sich daraus kein Handlungsbedarf. Hier liegen die Spitzensteuersätze ziemlich genau bei der genannten Höhe, wenn man die Begünstigung für das 13. und 14. Monatsgehalt berücksichtigt. Aber sind höhere Steuern nicht schädlich für das Wachstum, weil sie Menschen davon abhalten mehr zu arbeiten? Nein, sagt der Währungsfonds. Er hat bei einer Auswahl von Industrieländern untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen stärkerer Progressivität im Steuersystem und Wachstum gibt. Die Ergebnisse legen nahe, dass es keinen nennenswerten Konnex gibt, heißt es.

"Inklusives Wachstum zu schaffen sollte eines der obersten Anliegen der Politik sein", sagte der Ökonom Vítor Gaspar, der die Arbeit an der Studie leitete. "Wir wollten zeigen, dass es dafür einige Optionen gibt." Die IWF-Leute analysieren weitere Ideen, wobei sie bei der Bewertung dieser Maßnahmen vorsichtiger sind. Wenn Länder die Ungleichheit bei Vermögen senken wollen, wäre es ratsamer, nicht Vermögen, sondern nur die Vermögensübertragung zu besteuern, heißt es im Report. Eine Möglichkeit dafür wäre, Erbschaftssteuer mit Freibeträgen einzuführen oder die Übertragung von Immobilien zu versteuern. Der IWF widmet sich sogar der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Das Konzept sieht vor, dass jeder Bürger nur mehr eine einzige staatliche Unterstützung erhält – aber unabhängig davon, ob jemand arbeitet oder nicht. Ein Grundeinkommen könnte in den USA und Großbritannien die Ungleichheit reduzieren, die Maßnahme wäre aber immens teuer.


Aus: "Währungsfonds ruft zu höheren Steuern für Topverdiener auf" András Szigetvari aus Washington (12.10.2017)
Quelle: https://derstandard.at/2000065833914/IWF-ruft-zu-hoeheren-Steuern-fuer-Topverdiener-auf

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« Reply #662 on: October 18, 2017, 11:09:59 AM »

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[...] Seit Jahren kämpfen Schulen und soziale Einrichtungen an Orten wie Wismar gegen die hohe Schulabbrecherquote. In Wismar ist man heute schon froh, dass es nicht mehr so schlimm ist wie noch im letzten Jahrzehnt: 2009 gingen 21,1 Prozent der Schüler ohne Hauptschulabschluss ab, mehr als jeder fünfte. Die Quote sank danach zwar auf 14,3 Prozent im Jahr 2011, dem letzten Jahr, in dem diese Zahlen für die Stadt gesondert ermittelt wurden. Doch in Nordwest-Mecklenburg, dem Landkreis, dem Wismar seither angehört, ist die Quote mit neun Prozent noch immer die höchste in Mecklenburg-Vorpommern.

... Stine Stefan, 34, und Bernd Schindler, 50, nennen die Menschen, die sie betreuen, "Klienten". Das klingt erwachsener, geschäftsmäßiger, als diese Beziehungen tatsächlich sind. Stefan und Schindler sind Sozialpädagogen. Sie betreuen in einer Plattenbausiedlung in Wismar-Friedenshof Jugendliche, die den Schulbesuch abgebrochen haben. Für diesen Morgen hatte Stefan zwei Termine vereinbart. Beide Klienten sind nicht gekommen. Sie kennt das schon. Wenn es gut läuft, erzählt sie, sagen die Jugendlichen wenigstens noch per Whatsapp ab. "Bei unseren Leuten braucht man eine Woche vorher überhaupt keinen Termin abmachen. Es kommt manchmal vor, dass ich vier Termine am Tag habe, und keiner von denen kommt."

Die Familien, aus denen diese jungen Menschen stammen, sehen häufig so aus: alleinerziehende Elternteile, die mit ihrem Leben überfordert sind, Arbeitslosigkeit, häufig kommen Alkohol, Drogen oder psychische Krankheiten dazu. "Es sind Eltern, die nicht die Kraft aufbringen, sich mit ihren Kindern auseinanderzusetzen", sagt Stefan. "Die schaffen es nicht, ihre Kinder morgens zu wecken, sie dazu zu bewegen, aufzustehen, die Tasche zu packen und auch wirklich in die Schule zu gehen. Das ist für manche zu viel." Viele Kids ziehen schon mit 17 oder 18 aus, "weil sie es zu Hause nicht mehr aushalten", sagt Schindler.

... Die sozialen Probleme, das ist die eine Seite. Doch es gibt noch eine zweite Ursache für die nach wie vor überdurchschnittlich hohe Quote der Abbrecher. Sie liegt im ostdeutschen Schulsystem begründet.

Bis heute wird in den neuen Bundesländern sehr viel rigoroser zwischen guten und schlechten Schülern unterschieden. Der Leistungsgedanke ist stark ausgeprägt, was sich in den guten Pisa-Ergebnissen widerspiegelt, die Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern erzielen. Die Kehrseite: Wer die Ansprüche nicht erfüllt, fällt leichter hinten runter. Der ehemalige Bildungsminister Mecklenburg-Vorpommerns, Mathias Brodkorb von der SPD, gab 2015 damit an, dass man die Schulabbrecherquote "problemlos auf das westdeutsche Niveau absenken" könne, "wenn wir einfach die Leistungsanforderungen an die Schülerinnen und Schüler verringern würden". Aber, so Brodkorb, "das wäre Betrug an der Öffentlichkeit und jenen Schülerinnen und Schülern, die sich anstrengen und den Abschluss durch eigene Leistung schaffen."

Ein Ausdruck dieser Haltung ist die hohe Zahl der Förderschüler, die wiederum mehr als die Hälfte der Schulabbrecher stellen. In Ostdeutschland wurden und werden deutlich mehr Kinder auf Förderschulen geschickt als im Westen. Nirgendwo ist ihr Anteil so hoch wie in Mecklenburg-Vorpommern. 2009 waren es mehr als neun Prozent, 2015 immer noch knapp sieben Prozent aller Schüler. Der Bundesschnitt liegt bei 4,6 Prozent.

Clemens Hillenbrand, Bildungswissenschaftler von der Universität Oldenburg, sieht dies auch als Folge der Wiedervereinigung: "Nach der Wende ging die Zahl der Förderschüler enorm in die Höhe. Das hat auch mit einer großen Verunsicherung zu tun. Es wurde viel Wert auf Leistung gelegt." Diejenigen, die nicht mitkamen, landeten schneller auf Sonderschulen. "Inzwischen wird das wieder reduziert, aber die Diskrepanzen sind immer noch da."

Bei den gefährdeten Schülern, sagt Hillenbrand, entstehe "durch Cliquen oft ein richtiger Sog, der sie aus der Schule zieht". Das passiere besonders an Schulen mit großem Leistungsdruck, die zu wenig Personal haben, um sich um ihre Schüler einzeln zu kümmern.

Was hilft, ist altbekannt, aber zugleich in der Praxis schwer umzusetzen: Aufmerksamkeit, viel Zeit und Anstrengung von Lehrern und Pädagogen. "Es bringt erstaunlich viel, wenn Lehrer und Sozialpädagogen individuell auf diese Schüler eingehen, sich Zeit mit ihnen nehmen", sagt Hillenbrand. "Bei fast allen Menschen, die aus einem sehr schwierigen Umfeld kommen und trotzdem eine gute Entwicklung durchlaufen, gibt es irgendwann eine Lehrerin oder einen Lehrer, der an sie geglaubt hat, der sich mit ihnen auseinandergesetzt hat. Oft bekommen die Lehrer das selber gar nicht mehr mit, was für einen Effekt sie gehabt haben."

...



Aus: "Schule: "Einfach keine Lust"" Johannes Böhme (17. Oktober 2017)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-einfach-keine-lust-1.3708607

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« Reply #663 on: October 18, 2017, 04:50:55 PM »

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[...] Während Tausende Mitarbeiter um Ihre berufliche Zukunft bangen und rund 200.000 Kunden wegen der Pleite wertlose Tickets besitzen, ist der Air-Berlin-Chef mittels einer Gehaltsgarantie abgesichert.

Aus: "Thomas Winkelmann - Der Millionen-Deal des Air-Berlin-Chefs"  Dietmar Neuerer (18.10.2017)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/thomas-winkelmann-der-millionen-deal-des-air-berlin-chefs/20471630.html

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[...] Nach der Zerschlagung von Air Berlin liegen die Nerven blank: Tausende Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft verlieren ihren Job. Air-Berlin-Chef Winkelmann ließ sein eigenes Gehalt jedoch rechtzeitig absichern ...

Bei seinem Antritt als Chef der hoch verschuldeten Fluggesellschaft im Februar hatte er sich seine Bezüge unter anderem auch durch eine Bankgarantie absichern lassen. Wie aus dem im Mai vorgestellten Geschäftsbericht der Airline hervorgeht, behält Winkelmann selbst im Fall einer ordentlichen Kündigung seinen Anspruch auf das vertraglich vereinbarte Grundgehalt. Es liegt diesen Angaben zufolge bei 950.000 Euro im Jahr. Für das erste Jahr wurde zudem ein Mindestbonus von 400.000 Euro festgesetzt, der im Januar 2018 fällig wird. Winkelmanns Vertrag sollte eigentlich mindestens bis Ende Januar 2021 laufen. Abgedeckt durch eine Bankgarantie sind Gehalts- und Bonuszahlungen bis zu einer Gesamthöhe von 4,5 Millionen Euro.

Durch die Garantie der Bank ist sichergestellt, dass Winkelmann das Geld auch im Fall einer Insolvenz erhält. Air Berlin hatte sich damals - entgegen der eigenen Vergütungsrichtlinie - zu dieser Vereinbarung bereit erklärt, um den früheren Lufthansa-Manager zum Wechsel auf den schwierigen Chefposten bei der angeschlagenen Fluggesellschaft bewegen zu können.

Wenige Monate nach seinem Amtsantritt führte Winkelmann Air Berlin in die Insolvenz, die schließlich in einen Teilverkauf an seinen früheren Arbeitgeber, die Lufthansa, mündete. Auf Unverständnis stößt dieses Vorgehen auch in den Reihen der Gewerkschaften. "Wenn der Air-Berlin-Chef trotz Pleite sein Gehalt bis 2021 garantiert bekommt, ist das eine schreiende Ungerechtigkeit und trägt dazu bei, dass Menschen das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem verlieren", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, der "Bild am Sonntag".


Aus: "Millionenvorsorge für Winkelmann: Politiker kritisieren Air-Berlin-Chef" (18. Oktober 2017)
Quelle: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Politiker-kritisieren-Air-Berlin-Chef-article20089201.html
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« Reply #664 on: October 24, 2017, 09:25:16 AM »

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[...] Das Frankfurter Amtsgericht hat eine Einstellung der Ermittlungen gegen den Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, abgelehnt. Das Unternehmen hatte beantragt, das Verfahren wegen möglichen Insiderhandels gegen eine Geldzahlung von einer halben Million Euro einzustellen. Dieser Forderung stimmte das Gericht nicht zu und übergab das Verfahren wieder an die Frankfurter Staatsanwaltschaft, wie die Deutsche Börse mitteilte.

Dem Gericht erscheine die Fortführung der Ermittlungen "angesichts der Bedeutung des Verfahrens derzeit opportun", hieß es von der Deutschen Börse. Die weitergehenden Ermittlungen könnten von einer Einstellung des Verfahrens mangels hinreichenden Tatverdachts bis hin zur Anklageerhebung führen.

Kengeter hatte im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro 60.000 Aktien der Deutschen Börse gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Der Konzern legte in dem speziell auf ihn zugeschnittenen Vergütungsprogramm 69.000 weitere Anteilsscheine hinzu. Gut zwei Monate nach dem Aktiendeal machten Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) ihren Fusionsplan öffentlich, was die Kurse in die Höhe trieb. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft leitete deshalb Ermittlungen wegen des Verdachts des Insiderhandels ein.


Aus: "Deutsche Börse: Gericht lehnt Einstellung der Ermittlungen gegen Börsenchef ab" (24. Oktober 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/boerse/2017-10/deutsche-boerse-gericht-ablehnung-carsten-kengeter-ermittlungen

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Quote
[...] Die Welt: Würden Sie denn auf den Eröffnungstermin für den Flughafen im Herbst 2017 wetten?

Mehdorn: Sofort. Wenn Sie wollen, eine Kiste Dom Pérignon, Jahrgang 1978.

Die Welt: Ein guter Jahrgang?

Mehdorn: Sehr gut. Und teuer.

...


Aus: "Wirtschaft - Hartmut Mehdorn „Ich wette eine Kiste Dom Pérignon, Jahrgang 1978“" Stefan Aust, Beat Balzli, Nikolaus Doll (26.01.2015)
Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/article136791669/Ich-wette-eine-Kiste-Dom-Perignon-Jahrgang-1978.html

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Champagne Moet et Chandon - 1978 Champagner Dom Perignon 0,75 l 416,50 € (555,33 €/l)
https://www.ungerweine.de/de/1978-champagner-dom-perignon.html (Stand 10/2017)


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Der Flugbetrieb hätte im Oktober 2011 starten sollen. Der Termin wurde jedoch mehrfach verschoben. Am 21. Januar 2017 wurde offiziell mitgeteilt, dass eine Eröffnung des Flughafens im Jahr 2018 stattfinden könne. Die Flughafengesellschaft geht in einem internen Arbeitsentwurf für einen neuen Inbetriebnahmefahrplan vom Mai 2017 jedoch eher von einer Eröffnung in den Jahren 2019 oder 2020 aus. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Berlin_Brandenburg (22. Oktober 2017 um 23:19 Uhr)
« Last Edit: October 24, 2017, 04:35:55 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #665 on: October 26, 2017, 01:22:46 PM »

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[...] Die Zahl der Milliardäre weltweit ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Auch ihr Reichtum vergrößerte sich, wie aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und der Schweizer Großbank UBS hervorgeht. Angetrieben unter anderem von steigenden Rohstoff- und Immobilienpreisen wuchs das Vermögen der reichsten Menschen der Welt insgesamt um 17 Prozent auf den Rekordwert von sechs Billionen Dollar.

Um zehn Prozent auf 1.542 erhöhte sich die Anzahl der Milliardäre. Besonders kräftig war der Zuwachs in China. Zum ersten Mal in der dokumentierten Geschichte gab es den Angaben zufolge in Asien mehr Milliardäre (637) als in den USA (563).

"Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte Asien innerhalb der kommenden vier Jahre auch beim Gesamtvermögen an den USA vorbeiziehen", sagte Markus Hammer, Partner bei PwC Deutschland.

In Europa hingegen stagnierte die Zahl der Superreichen mit 342 Mitgliedern nahezu. Listenführer ist Deutschland, wo im Jahr 2016 insgesamt 117 Milliardäre lebten. Auf Platz zwei folgte Großbritannien (55) mit deutlichem Abstand. Dritter auf der Rangliste war Italien (42), gefolgt von Frankreich (39) und der Schweiz (35).

Der Studie zufolge wächst der Anteil der Self-made-Milliardäre stark. So hatten im Jahr 1995 nur 45 Prozent der Milliardäre ihren Reichtum aus eigener Kraft erwirtschaftet. Heute liegt ihr Anteil bei 70 Prozent, wie die Untersuchung darlegt.

Die Dollar-Milliardäre besitzen Firmen oder sind an ihnen beteiligt. Diese Unternehmen beschäftigen weltweit mindestens 27,7 Millionen Menschen. Berücksichtigt wurden den Angaben zufolge das Gesamtvermögen einschließlich der Immobilien und Kunstobjekte.

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r.schewietzek #4  —  vor 7 Stunden 28

'Der Studie zufolge wächst der Anteil der Self-Made-Milliardäre stark. So hatten im Jahr 1995 nur 45 Prozent der Milliardäre ihren Reichtum aus eigener Kraft erwirtschaftet. Heute liegt ihr Anteil bei 70 Prozent, wie die Untersuchung darlegt.'

Niemand erwirtschaftet Milliarden aus eigener Kraft. Dazu gehören etliche fleissige Hände, die zu den Milliarden beitragen. ...


Quote
Lionardo di ser Piero #4.4

Ich verstehe das „aus eigener Kraft erwirtschaftet” als Hinweis darauf, dass sie nicht durch Erbe zu dem Reichtum gekommen sind. (Was nicht ausschließt, dass sie als Millionär geboren wurden und danach zum Milliardär wurden.)

Weiter verstehe ich „aus eigener Kraft” nicht als mit „eigenen” Händen. Erwirtschaften kann man Geld bspw. auch mit Aktien. Und nachdem Aktien immer noch zulegen – gerade auch in diesem Jahr – gehe ich tatsächlich davon aus, dass viele mit deren Hilfe die 999.9999.999-Dollar-Grenze überschritten haben.

Nur damit das verständlich ist: Ich finde solchen Reichtum krank. Sehe aber keinen Sinn darin, mit Fingern auf Menschen zu zeigen. Viel lieber würde ich verstehen, was da genau passiert und warum das passiert. Würde gerne auch mehr darüber wissen, was sich hinter dem Reichtum versteckt. Aktien? Immobilien? Firmen? Patente? Yachten? Fußballclubs? Damit es auch Hinweise gibt, an welcher Stelle hier was schief läuft.



Quote
Zeitloch #4.5

..."Hinter jedem großen Vermögen steht ein Verbrechen." erkannte schon Honoré de Balzac anfang des 19. Jahrhunderts...



Quote
Lionardo di ser Piero #4.7

Tja. Da muss ich wohl damit leben, dass ich anderer Meinung als der Herr de Balzac (1799 bis 1850) bin.
Und sei es nur, weil mir in den heutigen Zeiten einige Menschen einfallen, die vielen kleinen Verbrechen zu einem großen Vermögen gekommen sind…


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BastiLang #6

Wenn ein Mensch Reich wurde, indem er selbst etwas geschaffen hat, gut bezahlte Arbeitsplätze anbietet oder geerbtes Vermögen so einsetzt, daß es vielen zu Gute kommt, wenn er dann noch Umwelt und Soziales im Blick hat kann er von mir aus Fantastilliarden besitzen.

Milliardär zu sein, sagt erst einmal nichts über den Menschen selbst aus.
Wie er dieses Geld verwaltet und was er daraus macht schon eher.


Quote
cave felem #6.2

Seltsamerweise scheint das aber nicht für Menschen am anderen Ende des Einkommensspektrums zu gelten - über die Bezieher von Alg2 und andere Arme werden hemmungslos die übelsten Vorurteile verbreitet.



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Freezer #6.1

Es sagt vielleicht noch nicht viel den Menschen aus, aber viel über das Steuersystem des Landes in dem er lebt und/oder versteuert. In einem gerechten Steuersystem kann es solche Reichtümer gar nicht geben. Es sei denn die Währung ist so im Keller dass das ein übliches Arbeitergehalt ist...


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ReverendSpeaks #6.9

Das ist die Weltsicht von Feudalherren. Wenn ich Gutes tue, ist alles gerechtfertigt. Aber er tut es eben nach gutdünken, nicht demokratisch legitimiert. Und nochmal: "Fantastilliarden" entstehen nur durch asymmetrische Machtverhältnisse. ...


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J-J-Rousseau #8

"Vermögen der Reichen erreicht neuen Rekordwert"?

Selbst die Zahlenkategorie musste sich dieser Entwicklung anpassen:
Früher sagte man noch "Millionäre", heute muss man "Milliardäre" sagen, um das Gleiche auszudrücken ...


Quote
tystie #9

"Milliardäre ihren Reichtum aus eigener Kraft erwirtschaftet"

Atemberaubend komisch! Die ZEIT bringt mitunter die lustigsten Beiträge zum Unterhalt der neoliberalen Wirtschaftsreligion ...


Quote
Wanderer der Zeit #12

Hier zeigt sich wieder einmal deutlich, wie gut und hilfreich es doch ist, wenn "Leistungsträger unserer Gesellschaft" steuerlich entlastet werden. Weiter so!


Quote
doof #24

Niemand (!) erwirtschaftet Milliarden aus eigener Kraft.

Die Meldung zeigt, dass damit auch das Ungleichgewicht zwischen Reichen und Armen nochmals gestiegen ist.



Quote
merman2 #28

Ist davon etwa jemand überrascht? Warren Buffett hat es doch deutlich ausgesprochen:
„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen".




Aus: "Studie: Vermögen der Reichen erreicht neuen Rekordwert" (26. Oktober 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-10/studie-vermoegen-der-reichen-erreicht-neuen-rekordwert
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« Reply #666 on: October 26, 2017, 01:27:26 PM »

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[...] Heute [2014] kämpfen die Beschäftigten von Amazon und Zalando für elementare Rechte am Arbeitsplatz, für das Recht auf gewerkschaftliche Organisation, tarifvertraglich gesicherte Entlohnung, menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Die Streiks bei Amazon werden begleitet von einer breiten medialen Berichterstattung über die repressive Unternehmenskultur in dem Online-Multi.

Dies gibt den Aktionen der Beschäftigten außerbetrieblichen Rückenwind und verbessert die Bedingungen für den Aufbau innerbetrieblicher Gegenmacht.

Die doppelgleisige gewerkschaftliche Strategie aus offensiver medialer Skandalisierung und innerbetrieblicher Organisierung hat sich in den letzten Jahren vor allem in den Schattenbereichen der Wirtschaft durchgesetzt. Wo es einen hohen Anteil prekärer, ungesicherter Beschäftigung gibt, wo die Löhne unterirdisch sind und die innerbetriebliche Machtstellung des Managements sich unangefochten austoben kann – gerade in diesen Bereichen ist die Ohnmacht der Beschäftigten eklatant und der gewerkschaftliche Organisationsgrad niedrig bis nicht existent. Ohne den Druck der Öffentlichkeit läuft dort in aller Regel gar nichts.

Vor zehn Jahren, am 10. Dezember 2004, dem „Tag der Menschenrechte“, hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di eine breit angelegte Kampagne in einem Unternehmen gestartet, das – ähnlich wie Amazon – allgemein bekannt ist und dessen Geschäftsmodell durch den Slogan „Billig auf Kosten der Beschäftigten“ zutreffend beschrieben wurde.

Auf einer gut besuchten Pressekonferenz stellte Verdi das „Schwarzbuch Lidl“ vor: Ein medialer Paukenschlag. Nahezu die gesamte Tagespresse berichtete an prominenter Stelle über die skandalösen Arbeitsbedingungen, über systematische Schikanen, aufgezwungene unbezahlte Mehrarbeit sowie Druck und Drohungen gegen Beschäftigte, die ihr Recht auf die Wahl eines Betriebsrats wahrnehmen wollten.

Rund zwei Jahre später legte der Journalist Andreas Hamann, der zusammen mit anderen das Schwarzbuch recherchiert und verfasst hatte, mit dem „Schwarzbuch Lidl Europa“ nach: Sogar in den Billiglohnländern Süd- und Osteuropas profilierte sich der „Schwarz-Konzern“ (nach dem Lidl- und Kaufland-Eigentümer Dieter Schwarz) als Lohndrücker und Billigkonkurrenz für einheimische Einzelhändler.

Seit den Industriereportagen von Günter Wallraff Anfang der siebziger Jahre hatte es kein erfolgreicheres Buch aus dem Arbeitsleben „ganz unten“ gegeben. Nach rund zwei Jahrzehnten neoliberaler Dominanz in den Leitmedien der Bundesrepublik, in denen der wirtschaftliche Erfolg und nicht seine Kehrseiten im Mittelpunkt medialer Aufmerksamkeit stand, wurde offengelegt, was heute – nach einem halben Dutzend Krisenjahren – offensichtlich ist: Auch in Deutschland gibt es Unternehmen, in denen Menschen- und Arbeitsrechte systematisch verletzt werden. Auch hier regiert in vielen Bereichen der Wirtschaft ungezügelte soziale Macht und produziert ihr Gegenteil: millionenfache soziale Ohnmacht.

Die Lidl-Kampagne wurde im öffentlichen Bewusstsein eine der großen Erfolgsstories von Verdi. Außergewerkschaftliche Gruppen wie attac schlossen sich der Kampagne an und organisierten deutschlandweit Filialbesuche, übernahmen Filialpartnerschaften und ermutigten die Beschäftigten, ihre Rechte wahrzunehmen und Betriebsräte zu wählen.

Dennoch war der organisationspolitische Erfolg von Verdi sehr begrenzt. Es ist nicht gelungen, eine nennenswerte Anzahl von Betriebsräten zu installieren, die als gewerkschaftliche Organisationskerne hätten fungieren können. Es gab zwar im Verlauf der Kampagne einen deutlichen Mitgliederzuwachs unter den Lidl-Beschäftigten, aber eine effektive gewerkschaftliche Gegenmacht innerhalb des Unternehmens konnte nicht aufgebaut werden.

Die damalige Organisatorin der Lidl-Kampagne in der ver.di-Zentrale, Agnes Schreieder, kommentierte in der Rückschau gegenüber dem gewerkschaftlichen Magazin Mitbestimmung: „Ohne den Druck auf den Konzern, der nur durch die Medien und die soziale Bewegung möglich war, hätten wir es nie geschafft, eine spürbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei Lidl zu erreichen.“

Der für den Einzelhandel zuständige Verdi-Sekretär Ulrich Dalibor hebt dagegen hervor, viele Beschäftigte hätten sich durch die skandalisierende Kampagne in ihrer beruflichen Identität angegriffen gefühlt. Hinzu kam die berechtigte Angst der Beschäftigten angesichts der repressiven Unternehmenskultur bei Lidl. Es ist ihnen nicht entgangen, dass der Konzern in Calw eine ganze Filiale dichtgemacht hat, als die Belegschaft sich anschickte, einen Betriebsrat zu wählen.

Aber es gab auch Probleme bei Verdi, eine organisationspolitische Ungeduld, Enttäuschung über das Ausbleiben schneller Erfolge trotz der überwältigenden Medienresonanz. Als der Konzern dann im Jahr 2010 unter dem Druck spürbarer Umsatzverluste ankündigte, er wolle seinen Beschäftigten in Zukunft einen Stundenlohn von mindestens zehn Euro (inzwischen 11 Euro) zahlen und die innerbetrieblichen Umgangsformen nachhaltig verbessern, hat ver.di dies nicht als späten Erfolg der Kampagne öffentlich kommentiert.

Der Grund: Es gab in der Berliner Verdi-Zentrale keine zentrale Steuerung des Lidl-Projekts mehr. Die Finanzierung der Lidl-Projektgruppe war Ende 2007 eingestellt worden.

So bleibt vom Erfolg der Lidl-Kampagne nach 10 Jahren vor allem eines: Sie hat im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wesentlich dazu beigetragen, den Raum für kritische Medienberichterstattung aus der Arbeitswelt zu erweitern. Es ist gelungen, den anwachsenden Sektor prekärer, entrechteter Arbeit – nicht nur bei Lidl, nicht nur in Deutschland – zu einem öffentlich wahrgenommenen Thema zu machen.

Damit verbunden ist ein schwer messbarer, durch die Wirtschaftskrise ab 2008 verstärkter Legitimitätsgewinn für gewerkschaftliche Aktivität – zum Beispiel bei Amazon & Co.



Aus: "Zehn Jahre „Schwarzbuch Lidl“: Die Ohnmacht der Beschäftigten" Martin Kempe (30. 12. 2014)
Quelle: https://www.taz.de/!5026027/
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« Reply #667 on: November 06, 2017, 09:29:11 AM »

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[...] Erst die "Panama Papers", nun die "Paradise Papers": Zahlreiche Medien haben am Sonntagabend ein neues Datenleck publik gemacht, das Steueroasen von Politikern, Konzernen und Superreichen aufdeckt. Unter anderem die "Süddeutsche Zeitung", die dem Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) angehört, berichtete darüber.

Die Veröffentlichungen basieren laut der "SZ" auf 1,4 Terabyte interner Daten zweier Finanzdienstleister sowie den Unternehmensregistern von 19 Steueroasen. Der wichtigste Teil des Leaks stammt demnach von der Kanzlei Appleby, einem der führenden Anbieter sogenannter Offshore-Firmen. Ausgewertet wurden aber auch Daten des Treuhand-Unternehmens Asiaciti Trust mit Sitz in Singapur sowie Unternehmensregister aus 19 der intransparentesten Steueroasen, darunter Isle of Man, Malta und die Bermudas.

Das Ausnutzen von Steuerschlupflöchern ist nicht per se kriminell - es gibt aber weltweit Kritik an Steuervermeidungsstrategien. Dadurch entfallen Milliarden-Zahlungen, die sonst dem Gemeinwohl zugute kommen würden - zudem wird die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft.

Die auf den Bermudas ansässige Kanzlei Appleby hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, dass möglicherweise illegal Datenmaterial dem ICIJ zugespielt worden sei; man habe entsprechende Medienanfragen bekommen. Die Firma betonte, auf legale Offshore-Praktiken zu setzen und im Einklang mit den Gesetzen zu handeln. Man nehme alle Vorwürfe "extrem ernst". Nach sorgsamer und intensiver Prüfung sei man aber zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinerlei Belege für Fehlverhalten seitens der Firma oder ihrer Klienten gebe. Appleby sprach nicht von einem Datenleck, sondern von einem illegalen "Cyber-Angriff".

Wie die Journalisten des ICIJ an die Daten, die auch Firmenregister von 19 Steueroasen enthalten sollen, kamen, wurde nicht preisgegeben. In den Daten sollen über ein Dutzend Berater, ein Kabinettsmitglied und Großspender von US-Präsident Donald Trump auftauchen. Dabei gehe es auch um Geschäftskontakte nach Russland.

Insgesamt gehe es um 13,4 Millionen Dokumente aus Steuerparadiesen weltweit, es würden die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auftauchen, dazu Unternehmer sowie Sportler. Auch zu Geschäftspraktiken einiger Weltkonzerne gebe es Informationen.

... Besonders in den Fokus wird von der "SZ" und den anderen beteiligten internationalen Medien US-Handelsminister Wilbur Ross gerückt. Er profitiere als Privatmann von Geschäften mit einer Firma, die dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehöre.

... In den Daten sollen insgesamt ein Dutzend Berater und Großspender von US-Präsident Donald Trump auftauchen. Auch Vermögenswerte der britischen Queen Elizabeth II. sollen den Berichten zufolge eine Rolle spielen - Geld soll in einer Kaufhauskette angelegt worden sein, die bei Ratenzahlungen Wucherzinsen verlangt habe. Zudem taucht eine Verbindung zum argentinischen Finanzminister Luis Caputo auf.

... Die "Panama Papers"-Enthüllungen führten 2016 weltweit zu Ermittlungen. Unterlagen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die von ICIJ-Journalisten weltweit ausgewertet wurden, zeigten, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen hielten - was nicht unbedingt strafbar ist. Die 11,5 Millionen Dateien umfassten E-Mails, Urkunden und Kontoauszüge zu 214.000 Gesellschaften vor allem in der Karibik.

Dabei tauchen die Namen von 140 Politikern oder Politikervertrauten auf, darunter die Staatschefs Argentiniens und der Ukraine, Mauricio Macri und Petro Poroschenko. In Island führte die Veröffentlichung zum Rücktritt des Ministerpräsidenten Sigmundur Gunnlaugsson und zum Verzicht des Staatschefs Ólafur Ragnar Grímsson auf eine Wiederwahl. In Pakistan wurde Ministerpräsident Nawaz Sharif des Amtes enthoben.

...

Quote
Babsack 08:07 Uhr
Bei diesen Menschen,die den Staaten in aller Welt die Steuern vorenthalten, handelt es sich um die schlimmsten Kriminellen und asozialsten Menschen des Planeten.
Immer noch wird Steuerbetrug in einer bestimmten Klasse als regelrechter Sport angesehen und betrieben.


Quote
bescheidwisser 08:26 Uhr
"nicht per se kriminell"
"nicht unbedingt strafbar"

weil Konzern und Milliardäre rechtzeitig dafür gesorgt haben, dass die Gesetze, die einschlägig bekannte Anwaltskanzleien geschrieben haben, entsprechend "angepasst" sind.


...


Aus: "Brisante "Paradise Papers" enthüllen Steueroasen" (05.11.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/neues-datenleck-zu-offshore-geschaeften-brisante-paradise-papers-enthuellen-steueroasen/20544142.html
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« Reply #668 on: November 09, 2017, 05:42:35 PM »

Quote
[...] Ein Drittel der Arbeiter*innen erhält nicht den gesetzlichen Mindestlohn. Um ihn zu erreichen, müssen sie zahlreiche Überstunden dranhängen. Dabei beträgt der Mindestlohn nur 89 Euro pro Monat. So sehen die Zustände in Bekleidungs- und Schuhfabriken der Ukraine aus – dargestellt in der neuen Studie „Europas Sweatshops“ der Kampagne für Saubere Kleidung.

Schlechte Arbeitsbedingungen in Textilfabriken vermutet man in Asien, Südamerika und Nordafrika. Aber auch in Europa kommen sie mittlerweile vor. Markenunternehmen, die ihre Produkte in Deutschland verkaufen, beziehen große Mengen aus Zulieferfabriken in den ehemaligen sozialistischen Ländern. Die Produktion wurde aus Asien teilweise dorthin verlagert.

Die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign, CCC) befragte für die Studie Arbeiter*innen in Ungarn, Serbien und der Ukraine. In diesem Staat sind etwa 220.000 Arbeitnehmer*innen in der Bekleidungs- und Schuhindustrie beschäftigt. 37 Prozent der hergestellten Waren werden nach Deutschland exportiert.

Der gesetzliche Mindestlohn beträgt in der Ukraine umgerechnet 89 Euro. Damit eine dreiköpfige Familie ein erträgliches Auskommen hat, braucht sie aber deutlich mehr. Als Existenzlohn nennt die Kampagne für Saubere Kleidung mindestens 477 Euro monatlich.

Eine der befragten Arbeiterinnen berichtet beispielsweise, sie erziele nur einen Monatslohn von rund 50 Euro, obwohl sie bis zu zehn Überstunden pro Woche zusätzlich zur Normalarbeitszeit leiste. Eine andere schildert die Auswirkungen für das praktische Leben so: „In meiner Familie gibt es praktisch kein Fleisch zu essen. Wir müssen Gebühren für Elektrizität und Wasser zahlen, 69 Euro im Monat. Meine Familie lebt von zwei Mindestlöhnen, meiner Invaliditätsrente und unserem Feld.“

Markenfirmen aus reichen Staaten lassen mittlerweile gerne in der Ukrai­ne produzieren. Die Infrastruktur ist akzeptabel und die Beschäftigten sind relativ gut ausgebildet. In der niedrigen Bezahlung spiegeln sich die Auswirkungen des Krieges in der Ost­ukraine, die hohe Arbeitslosigkeit und die weitgehende Abwesenheit von Gewerkschaften. Zahlreiche namhafte Firmen lassen in der Ukraine produzieren.

Dazu zählen den Angaben der Kampagne für Saubere Kleidung zufolge Adidas, Benetton, C&A, Hugo Boss, Inditex/Zara, Peek & Cloppenburg, Triumph und Tommy Hilfiger. Die angefragten Unternehmen meldeten sich allerdings bis Redaktionsschluss nicht.

In Ungarn sieht es teilweise etwas besser aus. Dort beträgt der gesetzliche Mindestlohn 243 Euro. Zudem liegen die durchschnittlichen Nettolöhne in den untersuchten Fabriken laut CCC zwischen 200 und 400 Euro. Allerdings erreichen die Beschäftigten selbst mit einem zweiten Einkommen auch dort oft nicht den Existenzlohn von 1.100 Euro für eine dreiköpfige Familie.

Die Lage ist dramatisch und wird sich ohne tiefgreifende Maßnahmen für die Beschäftigten nicht ändern. Es sind vor allem die Firmen, die aktiv werden sollen. Von den Markenhändlern in Westeuropa fordert die Kampagne, dass sie eine existenzsichernde Bezahlung bei ihren Lieferanten durchsetzen sollen. Die Unternehmen wiegeln oft ab und verweisen auf die Verantwortung der nationalen Regierungen sowie die gesetzlichen Mindestlöhne in den fraglichen Länder. Auch das deutsche Textilbündnis, in dem die Bundesregierung, Unternehmen, Gewerkschaften, Verbände und Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten, hat sich existenzsichernde Löhne zum Ziel gesetzt und will daran arbeiten. Allerdings ohne Zeitplan.


Aus: "Fleisch ist für Beschäftigte zu teuer" Hannes Koch (9. 11. 2017)
Quelle:  http://www.taz.de/Loehne-in-der-Bekleidungsindustrie/!5461517/
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« Reply #669 on: November 12, 2017, 02:01:35 PM »

Quote
[...] Nach den Panama Papers vom vergangenen Jahr jetzt die Paradise Papers. Wie schon die vergangenen Enthüllungen enthalten die neuesten Papiere keineswegs überwiegend kriminelle Handlungen, sondern legale Steuertricks vor allem der Reichen und Ultrareichen.

Doch das macht sie zugleich erst wirklich brisant. Sie dokumentieren gewissermaßen die legale Basis von illegalen Geschäften, denn sie zeigen letztlich auch, wie breit Steuer- und damit soziale Verantwortungsvermeidung inzwischen akzeptiert sind. ...

In letzter Zeit scheint es doch so, dass immer mehr Menschen wütend sind, auf die Politik, auf die Eliten. Sie sind es aber weniger, weil das oberste Prozent ihnen seit Jahrzehnten gigantische Summen wegnimmt, sondern eher aus Angst, dass ihnen die  – zuwandernden – untersten Prozente in Zukunft etwas wegnehmen könnten. Dabei haben die sprichwörtlichen 99 Prozent hier einen gemeinsamen Gegner. Laut Berechnungen des Ökonomen Gabriel Zucman entgehen dem deutschen Staat jährlich 17 Milliarden Euro Unternehmenssteuern, weil Gewinne in Offshore-Oasen verschoben werden. Das sei ein Drittel des Gesamtaufkommens aus der Körperschaftssteuer. Davon könnte man etwa die Ausgaben für die Grundsicherung um 50 Prozent erhöhen oder fast ein Jahr lang die Kosten für nach Deutschland gekommene Flüchtlinge ausgleichen.

Trotz solcher Zahlen hat sich nach Enthüllungen der Panama Papers keine Protestbewegung formiert, die sämtliche Parteien zu sofortigen Maßnahmen bewegt hätte. Auch die Linkspartei konnte ihr Wahlergebnis nicht um zehn oder 20 Prozentpunkte steigern, die AfD profitierte dagegen von der Flüchtlingsthematik. ...

Unsere Gesellschaft ist immer noch von einer Ideologie durchdrungen, für die der Staat ein rotes Tuch ist. Demnach sind nicht Steuervermeidung oder -hinterziehung das Problem, sondern dass der Staat überhaupt finanzielle Beiträge einfordert. Steuerpflicht kommt hier einem Raub gleich. Und vor dem Hintergrund einer vermeintlichen Leistungsethik werden Ultrareiche eher mit Ehrfurcht oder Neid, nicht aber mit Wut bedacht.

Diese Ideologie, auch bekannt unter dem inzwischen zum Unwort gewordenen Namen Neoliberalismus, entstand auch als Reaktion auf die keynesianisch geprägte westliche Nachkriegsordnung. Diese nutzte die gigantische Reichtumsvernichtung zweier Weltkriege, um den im Wirtschaftswunder neu entstehenden Wohlstand etwas gleichmäßiger zu verteilen, als das zuvor der Fall war. Seit dem weltweiten Aufstieg der neoliberalen Globalisierung in den 1970er Jahren hat sich diese Entwicklung aber wieder umgekehrt. Das passierte zunächst langsam, nach dem Zusammenbruch der Ideologiealternative des Sozialismus ging es rasant. Als Bilanz dieser Epoche ist die weltweite Vermögenskonzentration inzwischen wieder so hoch wie zuletzt vor dem Ersten Weltkrieg, so rechnete es der Ökonom Thomas Piketty 2013 vor.

... Für echte soziale Kämpfe geht es den meisten von uns aber vielleicht einfach noch zu gut. Der Rest ist entsolidarisiert – was sich eindrücklich zeigt, wenn einer der ohnehin sehr selten gewordenen Streiks ansteht.

... Zwar hat die wirtschaftliche Globalisierung weltweit den Wohlstand gehoben. Doch sie hat dadurch die globalen Ungleichheiten nicht beseitigt. Zwar haben viele Menschen eine Arbeit. Doch der kongolesische Coltanbergwerker, die vietnamesische Näherin und der chinesische Fabrikarbeiter fertigen unter unwürdigsten Bedingungen für große Konzerne Produkte für eine globale Mittelschicht, deren Angehörige zu etwas besseren Bedingungen denselben Konzernen zu den Profiten verhelfen. Und diese verstecken ihre Gewinne vor den eigentlich Anspruchsberechtigten in Offshore-Finanzzentren. 

Es herrscht hier ein globales Primat der Wirtschaft vor der Politik. Egoismus vor Solidarität. Das Kapital ist in der Globalisierung immer das erste und Schnellste, alles andere hinkt hinterher. Doch einen wirksamen Kampf gegen die schreienden globalen Ungerechtigkeiten kann es nur durch eine Gegenglobalisierung auch sozialer Politik geben, durch weltweite politische Zusammenarbeit. Die wiederum gibt es allerdings nur, wenn nicht mehr nur alle Staaten untereinander um ökonomische und fiskalische Standortfaktoren konkurrieren.

Quote
fragfix #2

Ich glaube nicht, dass es bei den meisten "Ehrfrucht vor dem Reichtum" gibt, es gibt eher das Gefühl "Nichts ändern zu können". Also Frustration, keine Wut.


Quote
Gumbalaya #2.1

Schlimmer noch als Frustration: Resignation.


Quote
Datenträger #2.2

Meiner Meinung nach übersteigt die Dimension schlicht das Denkbare für die meisten.

Meiner Überzeugung nach ist es so:
"Damit es keiner denken kann,
häng einfach ein paar Nuller dran"

Große Zahlen erzeugen ... Schulterzucken.Nur, wenn man es nachvollziehen kann erzeugen sie Wut.


Quote
Franzbrötchen #2.24

Allein schon der Untertitel "Kaum jemand empört sich über die vielen Steuerschlupflöcher, die Reiche nutzen können." ist eine Farce. Was soll denn bitte schön eine Empörung bewirken? Hier sind politische und evtl. juristische Konsequenzen gefragt und keine Gedfühlsduselei.


Quote
Osho-Leser #26

Ich bin mir momentan einfach nicht sicher, ob ich es gut finden würde, wenn dieser Staat mehr Geld hat. Sozialwohnungen usw. baut der Staat doch auch nicht, obwohl der Staat angeblich Rekordeinnahmen hat. Stattdessen werden Banken gerettet. Es werden also schlecht handelnde, reiche Banker gerettet.
Hätte der Staat noch mehr Geld von den Reichen, würde er es wohl für das 2 Prozent Ziel bei der Rüstung ausgeben und keine Schulen sanieren und das Rentensystem stabilisieren.
Da weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob ich sowas besser finden soll.


Quote
Jack Goff #31

Nur mal eine kleine Zahl am Rande:
Die reichsten DREI Amerikaner besitzen soviel Vermögen wir das untere Drittel (ca. 150 Millionen Menschen) der Amerikaner.
Hätten sie das geschafft, wenn es ein gerechtes Steuersystem geben würde???


Quote
AllesKeinProblem #31.1

Aber dafür haben die einfachen Amerikaner ja jetzt Trump gewählt. Der hat unter anderem folgende Geschenke im Gepäck:
weniger Steuern auf Immobilien
Steuerpause für Besitzer von Golfplätzen
Da fühlt sich der einfache Bürger doch von seinem Präsidenten verstanden. :-)


Quote
Jack Goff #31.3

Unglaublich auf jeden Fall, dass ein Waren Buffet so viel besitzt wie über 50 Millionen normal arbeitende Amerikaner. Ich ahbe mich übrigens geirrt, es ist fast die Hälfte der Amerikaner, nicht ein Drittel.


Quote
AllesKeinProblem #32

Also ich bin stinksauer. Selbstverständlich auf die Reichen und die Unternehmen, die ihre HIER erwirtschafteten Gewinne mit völlig lächerlichen Konstrukten als angeblich irgendwo im Südseeparadies erarbeitet darstellen.

Aber noch mehr bin ich sauer auf Politiker die immer weiter so tun, als würden sie ernsthaft was unternehmen wollen, aber genau das nicht tun. Ich bin sauer auf Politiker die so tun, als wäre sowas wie der Soli ein wirklich relevantes Thema, während sie auf keinen Fall an die Schlupflöcher ran möchten.

Und so richtig scheiße sauer bin ich auf Wähler, die genau so eine Politik immer wieder und wieder wählen oder ihre Stimme zu Populisten schieben, die selbst fröhlich Steuervermeidung vorleben, einfach aus purer blinder Wut heraus.

Ich bin sauer auf Wähler, die im Leben nicht die Freibeträge für Erbschaften ausschöpfen werden, aber sich mit heiligem Eifer dafür einsetzen, dass Millionen und Milliarden ja einfach so verschenkt werden können.

Ich bin sauer auf Wähler, die sich hier abfällig äußern, wenn Leute mit wenig Geld noch ein bisschen was für Bildung und Kultur ausgeben und sagen, dass nichts übrig bleibt, aber es okay finden, dass jemand noch den dritten Lamborghini kauft, weil Steuern ja eh nur verschwendet würden.

Kurz, ich bin stinksauer auf Dummheit gepaart mit antisozalem Denken. Solange das nationaler Standard ist, können Superreiche sich benehmen wie sie wollen und wir werden fleißig weiter Menschen treten, die ein paar Brotkrumen bekommen.


Quote
2.Juni #32.2

Dann sind wir schon mal 2.


Quote
edition.al #33

Meine bishereige Lebenserfahrung und das Reflektieren über Verhalten von Menschen (und mich selbst), zeigt, dass Reichtum, Besitz und Geld für manche das höchste Lebensziel werden können.

Und dass sie sich dadurch definieren.
Statussymbole sind nötig, um sich nach außen hin zu dieser vermeintlich "erfolgreichen" Gruppe zugehörig zu fühlen.

Menschliches wird unwichtig, der Kontostand verleiht manchen ein Überlegeheitsgefühl und ein Gefühl von Macht (Macht ausüben zu können).

Dass sog. Reiche (auch natürlich Konzerne mit Vorständen) über Steuerflucht und Steuerparadiese reich wurden und/oder ihren Reichtum stabilisieren wollen - was da jetzt haufenweise ans Licht kommt - ist abschreckend!

Ehrfurcht gehört nur Gott, weder den nur Reichen, noch den Reichen und Schönen, noch den Titel- und VonundzuNamen Tragenden.

Respekt und Achtung gehört Menschen, die sich sozial, für Ausgestoßene, Leidende und Hilflose einsetzen.

Wenn politische Ämter, ärztliche Positionen, Unternehmensveranwtortliche etc. nur mehr Mittel zum Zweck (für einige) sind, dann verlieren Inhalte und Verantwortung für Gesellschaft und Zusammenleben ihren Sinn.

Das nur mal als gedankliche Anregung.
Jeder einzelne Mensch entscheidet, welche Richtung er einschlägt und wo sein Herz schlägt.


Quote
ChristianBW #35

Ich glaube der Neid bezieht sich auch darauf, dass Vermögende sich nicht so sehr als ausgeliefertes Opfer einer überbordenden Steuer- und Sozialpolitik fühlen müssen, weil sie viel mehr Möglichkeiten hat dem zu entkommen.

Ein fleißiger Facharbeiter in der Industrie oder ein Ing mit durchschnittlichen Einkommen kann kaum einen Cent an der Steuer vorbei schleußen, und zahlt teils enorme Zwangsbeiträge, und das bei äußerst mäßigen Leistungen (Rente). Werden solche Menschen dann mit 55 noch arbeitslos oder krank oder werde Pflegefälle geht's im Zweifel ganz schnell ans jahrzehntelang mühsam angesparte Häusle o.ä.. Hier hat die deutsche Politik seit Jahren vorsätzlich versagt, Stichwort z.B. kalte Progression.


Quote
KippaLeague #36

Es ist eine ohnmaechtige Wut..... nichts kann der Buerger tun.... alle 4 Jahre ein Kreutzchen... aber es sitzen die Gleichen Gesichter in Berlin.... keiner Besucht die Kanzlerin so oft wie GoldmanSucks......


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Alex Vanderbilt #44

Wenn man sich die Berichterstattung in der Mehrheit der Medien in den letzten Jahrzehnten anschaut, dann ist doch klar, warum es keine Wut gibt: Es ist das gute Recht der Reichen, so etwas zu tun und es ist gut so, dass sie ihr Geld vor dem bösen Staat in Sicherheit bringen. Weiterhin ist es ebenfalls kein Wunder, weil die Leute einfach keine Zeit haben, sich mit so etwas zu beschäftigen, da mehrere Jobs, Kindererziehung, Weiterbildung, Verfügbarkeit für die Arbeit in der Freizeit und so weiter und so fort jeglichen zeitlichen Bewegungsspielraum auffressen.


Quote
Caria #45

Eigenartig.
Leute, die gerechte Steuern und Abgaben fordern, werden anscheinend überhaupt nicht wahrgenommen .
Muss denn jemand erst mit Wasserstoffbomben schmeißen, um respektiert zu werden ?


Quote
Shaila #53

Resignation. Wo soll ich denn hin, mit meiner Wut? Aus meiner Sicht hat die Gesellschaft lange schon verloren. Die Politik wird für mich maßgeblich diktiert durch den Lobbyismus, was uns wiederum zu den Großkonzernen und wiederum zu einzelnen Superreichen führt.

Gestaltet wird zunehmend nur noch durch eigendymaische wirtschaftliche Entwicklungen, auch wieder gelenkt durch Superreiche. Politik reagiert nur noch, regiert aber nicht. Sie verwaltet lediglich nur noch das, was der Lobbyismus diktiert.

Klar, die wissen auch, das man nicht einfach alles vor die Hunde gehen lassen kann, zumindest nicht komplett. Es muss schon gewährleistet sein, dass genügend Krümel abfallen, sodass die größere Mehrheit noch sagen kann: "Ja, eigentlich geht es mir ja gut." Einzelne die unter die Räder kommen sind Kollateralschäden. Und dann kommt eine CDU bei uns halt als stärkste Partei raus. Den kleineren Parteien gibt keine Mehrheit eine Chance und echte Wut kanalisiert sich bestenfalls, wenn animalische Urtriebe berührt werden, wie z.B. die Angst vor dem Fremden. Oder wenn die Butter ein paar Cent zu teuer ist.

Das ist meine empfundene Realität im Jahr 2017 und es gibt nichts, was ich daran ändern kann. Mit Ehrfurcht hat das nichts zu tun.


Quote
Zeitloch #57

..."..., die AfD profitierte dagegen von der Flüchtlingsthematik.".

Sie profitiert, weil sie Stimmung gegen die Schwachen macht...



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Billy the Kid #59

Wahrscheinlich sind hier wenige im Forum unterwegs, die als Unternehmer oder Selbstständiger tätig sind und mit dem Finanzamt zu tun haben. Lassen Sie sich sagen, die Mafia ist wahrscheinlich gnädiger. Und dann sieht man als Steuerzahler, wofür die Politiker das Geld zum Fenster rausgeworfen haben. Ich erspare mir Beispiele, aber da fällt jedem sofort was ein. Wenn es dann eine legale Möglichkeit gibt, diese staatlichen Raubzüge zu umgehen, würde ich die auch sofort nutzen. Immerhin zahlen wir mehr als jeder andere auf der Welt. Da ist jedes andere Land eine Steueroase.



Quote
Frau. Huber #59.1

Ich bin selbständig in Griechenland tätig. Da gibt es für selbständige keine Freibeträge. Ich musste dieses Jahr knapp 80% meines Einkommens ans Finanzamt abführen.

Und genau deshalb bin ich wütend auf die Superreichen, die zahlen nämlich nichts. Irgendwoher muss der Staat ja Einnahmen generieren. Wenn die, die wirklich sehr viel Geld haben so gut wie nichts zahlen, werden natürlich insbesondere kleine Unternehmen und Selbständige extremer belastet.

Insofern hat man gerade als Selbständiger gute Gründe, wütend auf die zu sein, die im großen Stil Steuern hinterziehen.


Quote
Frau. Huber #59.1

Ich bin selbständig in Griechenland tätig. Da gibt es für selbständige keine Freibeträge. Ich musste dieses Jahr knapp 80% meines Einkommens ans Finanzamt abführen.

Und genau deshalb bin ich wütend auf die Superreichen, die zahlen nämlich nichts. Irgendwoher muss der Staat ja Einnahmen generieren. Wenn die, die wirklich sehr viel Geld haben so gut wie nichts zahlen, werden natürlich insbesondere kleine Unternehmen und Selbständige extremer belastet.

Insofern hat man gerade als Selbständiger gute Gründe, wütend auf die zu sein, die im großen Stil Steuern hinterziehen.


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Karl Lauer #62

Ich bin seit geraumer Zeit ohne Ende wütend, danke der Nachfrage.


Quote
Parviflorum #63

Jetzt werden überall Emotionen hervorgelockt. Die Linken nennen es Wut, bei den Rechten spricht man von Hass.


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vonZeitzuZeit #64.1

Der Skandal besteht darin, dass legal ist.

Oder stört es Sie nicht, das ein Großkonzern keine Steuern zahlt, während Sie eine Steuererklärung ausfüllen müssen?


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vonZeitzuZeit #65

1. Die Wut Weniger bewirkt wenig.

2. Die Wut vieler wird es nicht geben, solange es ihnen noch zu gut geht. Es hat in Deutschland lange Tradition, die Eliten gewähren zu lassen, solange noch genug vom Tisch fällt und man sich einbilden kann "dazu zu gehören" während man ausgeplündert wird. Besonders wenn man noch auf andere, z.B. auf Arbeitslose, runterschauen und sich gut fühlen kann.

3. Die Enthüllungen haben keine Konsequenzen für greifbare Einzelpersonen, schon gar nicht für Prominente. Dann wenn es ernsthaft wird, greifen Schutzmechanismen, die das Risiko jeder ernsthaften Konsequenz verhindern oder verzögern. ...


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green-L09 #69

Keine Ehrfurcht vor dem Reichtum, sondern eine realistische Sicht auf die Verhältnisse: Diese reichen Leute sind die, die beste Beziehungen in die Finanzindustrie hinein haben, oder sie sind Teil derselben, besagte Finanzindustrie wiederum ist bestens vernetzt in der Politik, welche politischen Posten z.B. diverse Großbanken mit "ihren" Leuten besetzt haben, ist vermutlich bekannt.

Vielen Politikern ist ist der CEO, den sie beim gepflegten Dinner treffen, näher als die Interessen der Allgemeinheit. Man muss immer wieder daran erinnern: Die meisten "steueroptimierenden" Praktiken, sind legal. So legal wie der abgesetzte Arbeitsweg des Facharbeiters. Die Politik ist so mit der ökonomischen Macht verbandelt, sie wollen dagegen nichts unternehmen, und die wenigen, die tatsächlich wollen, sind zu machtlos.


Quote
Arlequin #70

Ich versteh die Frage des Autors nicht.

Er weiß doch, daß Michel nur jammert und schimpft, wenn es um Banalitäten wie 'Identitätspolitik' geht. Seit mehr als zwei Jahren zeigt sich doch, daß er für die wirklich wichtigen Dinge kein Bewußtsein hat.


Quote
Stephan Rigo Hammer #83

Ehrfurcht, vor jenen die ihre Dummheit zur Schau stellen, haben nur jene die Defizitär sind. Menschen die sich ihren Wohlstand erarbeitet haben und dieses Vermögen über mehrere Generationen verwalten und anhäufen, haben es gar nicht nötig sich zu profilieren. Nein vielmehr tragen Sie zur Gemeinnützigkeit bei. Ein gutes Beispiel sind da die Vertreter/in der Hanse. Die Neureichen Dummköpfe aus aller Herren Länder müssen sich eben in St.Moritz zur Schau stellen und so tun als seien Sie der Nabel der Welt. Insofern ist Verachtung und nicht Ehrfurcht angebracht! Respekt gehört jenen die Ehrenwert zu Reichtum gekommen sind! Gesamthaft gesehen ist der Habitus dieser armen Seelen eher zu bedauern, wer nichts zwischen den Ohren hat, trägt Pelz und macht ein auf dicke Hose. In nur wenigen Sätzen der Konversation schlägt, sodann die Stunde der Luftnummern. Und, wenn jene ... dann einmal zum Beispiel Pat. mit akuten/plötzlichen Erkrankungen oder Traumata sind, jammern diese genau so um schnelle Hilfe wie jeder "Otto Normalverbraucher" auch deren letztes Hemd hat keine Taschen und das Stoffwechselendprodukt ist von jenen ebenso bräunlich und von starker Geruchsintensität wie von jenen auf die Sie herab schauen. Irgend wann kommt für jeden der Tag, an dem man für alles bezahlt, damit ist nicht bedrucktes Papier mit Ziffern gemeint und / oder dergleichen. Damit sollen nicht alle Vermögenden über einen Leisten geschert werden. Nein ganz im Gegenteil. Es gibt viele ehrenwerte gut Situierte


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Zizi Electrique #84

Weil das Feindbild des reichen nicht mehr taugt, wenn die gesamte Politik zigfach bewiesen hat, dass die nicht bereit ist, dagegen etwas zu tun.

Die Feindbilder von früher taugen einfach nicht mehr. Zumindest nicht für mich. Weder die Reichen von heute, noch der Nationalismus der 30er, noch die Nazis der 40er, noch die Polen, die Russen oder all die Kritiker unserer Zeit.

Das Problem sind die Eliten von heute. Ihr sich Klammern an die Macht und an ihre neoliberalen Rezepte und ihre Verarsche, dass sie sich ums Volk kümmern.


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Ist das noch Kunst #85

Warum sollte man noch wütend über etwas sein, dass man seit langem schon mindestens vermutet hat und das nicht verändert wurde?


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Nachbohrer #89

Nachdem uns Think-Tank-Netzwerke wie die Mont Pelerin Society jahrzehntelang den Neoliberalismus mit der Muttermilch aufsaugen ließen, gibt es anscheinend keine Wut mehr - nur noch Neid. Ich denke das meint auch Joseph Vogl, wenn er in "Das Gespenst des Kapitals" von der ökonomisierung sozialer Beziehungen schreibt, vor denen dieses räuberische Wirtschaftssystem mit seinen "Geiz ist geil" Parolen auch nicht halt macht...



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Grails_Knight #90

Eine andere, interessante Frage wäre warum Steuervermeidung in der Politik maximal ein Randthema für Sonntagsreden ist. Und selbst das nur bei sog. Linken Parteien.
Könnte vielleicht daran liegen, dass die Reichen sich ein System geschaffen haben, dass ihre Agenda (Privatiserungen, Steuersenkungen, Sozialstaatsabbau) perfekt in die Köpfe transportiert.
Mit Stiftungen, Lobbyarbeit, eigens dafür erfundenen Nobelpreisen, gesponsorten Lehrstühlen und so weiter gehen sie tief ins Demokratische Gefüge hinein um von innen heruas alle "Störfaktoren" für das große Geld (Staatliche Dienste, Steuern, Sozialleistungen) loszuwerden.
Und sie haben damit großen Erfolg.
Solange aber die Frage von Macht und Machtmissbrauch nicht gestellt wird - ja nicht gestellt werden darf - wird sich daran auch nicht das geringste ändern.
Denn fast jeder wäre ja gerne selbst ein Reicher, und auf diesem Weg möchte man ja dann möglichst wenig Steine vorfinden. ...

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Watzinger #91

Dem Menschen ist zu eigen, dass er immer viel lieber auf Schwächere losgeht, z.b. Flüchtlinge, Migranten, Ausländer, andere Religionen usw. als auf die, die über ihm stehen, z.B. Chefs, Ehepartner, Reiche und Reichere, Würdenträger. Dem Menschen ist eher Feigheit gegeben als Mut. Schon immer. Lieber Wut nach unten als Mut nach oben. So haben sich schon immer in der Geschichte Regime entwickelt.



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tiffi2009 #94

Bin nicht ehrfürchtig sondern abgestumpft...


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Nobelix #101

Es ist weltweit so, daß Superreiche Kapital und daraus resultierende Macht dazu verwenden, politischen Einfluß zu kaufen, um die Verhältnisse in ihrem Sinne gestalten zu lassen.
In einigen Teilen der Welt geht das bis zum Einsatz von Privatarmeen, gesteuerten Umstürzen und allen möglichen anderen gewalttätigen Methoden.
Hierzulande braucht man nur mal beobachten, wer am lautesten gegen eine vernünftig ausgestaltete Vermögens- und Erbschaftssteuer wettert, mit meist fadenscheinigen Gründen. Die Nähe dieser Leute zum großkapitalistischen Einfluß ist nicht nur naheliegend, sondern glasklar.
Der soziale Ausgleich ist ein derart dürres Pflänzchen, daß es auf der Liste der schwerst bedrohten Arten stehen müßte.


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bromfiets #106

Unsere Regierenden machen Politik für diejenigen, die sich die besten Lobbyisten leisten können. Und das sind nicht alleinerziehende Mütter oder Arbeitslose.


...


Aus: "Wo bleibt die Wut?" Tom Wohlfarth (11. November 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-11/paradise-papers-steuerbetrug-eu-globalisierung/komplettansicht
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« Reply #670 on: November 13, 2017, 11:04:22 AM »

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[...] Seiner Herkunft aus dem alleruntersten gesellschaftlichen Milieu, dem Elend der vorstädtischen Sozialbauten, als Kind eines trunksüchtigen Fabrikarbeiters, als Bruder dreier anderer Brüder, als Sohn einer Mutter, die sich, um ihm, dem einzigen Aufsteiger der Familie, Schule und Studium zu ermöglichen, den Körper kaputtschuftete.

Das, so führt Eribon in „Rückkehr nach Reims“ aus, ist vor allem deswegen interessant, weil er Soziologe ist, es also ganz naturgemäß seine Aufgabe gewesen wäre, über soziale Herkunft nachzudenken, er dies aber zeitlebens nicht getan, sondern sich auf eine andere Facette seiner Identität, nämlich seine Homosexualität, konzentriert hat, mit Arbeiten über Scham berühmt geworden ist und mit seiner Biografie des großen, bekanntlich ebenfalls homosexuellen Denkers Michel Foucault.

Ein Buch der Stunde war und ist „Rückkehr nach Reims“ genau deswegen, weil es keine Sekunde im Gefühligen, Introspektiven, Psychologischen verharrt, sondern mit einer Kälte, die man als Abwehrmechanismus deuten muss, selbstverständlich hinausgeht über diese persönliche Geschichte einer traurigen Herkunft und eines gestörten Vater-Sohn-Verhältnisses. Eribon bleibt sich selbst gegenüber Soziologe, und darin liegt der ganze Erkenntnisgewinn seiner Methode.

...


Aus: "Das reaktionäre Theater der Arbeiterklasse" Hannah Lühmann (09.07.2017)
Quelle: https://www.welt.de/kultur/article166470255/Das-reaktionaere-Theater-der-Arbeiterklasse.html

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[...] Eribon beschreibt das Arbeitermilieu, dem er entstammt und das er als schwuler Pariser Intellektueller weit hinter sich gelassen hat. Er interpretiert, warum diese Arbeiter einst kommunistisch wählten, heute dagegen nationalistisch; er analysiert, wie das französische Bildungssystem sozialen Aufstieg verhindert; er denkt über Scham nach: Scham über die soziale Herkunft, über die sexuelle Orientierung. Das alles und noch viel mehr findet sich in "Rückkehr nach Reims". Und "Gesellschaft als Urteil", im Original von 2013, ist eine ausführliche, belesene Reflexion auf das ältere Buch.

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Aus: "Didier Eribon: "Gesellschaft als Urteil "Paradoxien der Scham" René Aguigah (19.10.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunkkultur.de/didier-eribon-gesellschaft-als-urteil-paradoxien-der-scham.1270.de.html?dram:article_id=398613

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[...]   Didier Eribon: In Frankreich ist dies ein System von Klassen und eine Gesellschaft voller sozialer Gewalt. Über diese Klassengewalt wird in Frankreich geschwiegen, sie wird euphemisiert, noch öfter wird sie ignoriert oder sogar ganz geleugnet. ... Die Schule ist [ ] in Frankreich ein zentraler sozialer Ort; sie ist eine Art Maschine, mittels derer sich die sozialen Klassen reproduzieren. Hier verlängert sich auch die Klassenherrschaft. All das hat uns der Soziologe Pierre Bourdieu schon vor fast einem halben Jahrhundert in brillanter Weise erklärt.

Lieske: ... In Deutschland habe ich den Eindruck, dass man das nicht mehr so gerne sagt, Klasse oder Arbeiterklasse. Man hat sich eher geeinigt auf Unterschicht oder Prekariat. Sie, Didier Eribon, haben sich aber ausdrücklich für die Beibehaltung dieses Begriffes der Arbeiterklasse ausgesprochen. Warum ist Ihnen das wichtig?

Eribon: Weil es für mich ganz offensichtlich ist, dass es diese sozialen Klassen gibt. Man sieht sie überall. Man braucht sich nur auf der Straße umzuschauen, man kann auch in Wirtschaftsstatistiken schauen. Der Begriff der Klasse macht aber vielen Menschen Angst, weil sich dahinter das Gespenst des Marxismus erhebt. Deshalb verwendet man lieber den Begriff des Prekariats, aber es gibt bei uns eine Arbeiterklasse. Das Prekariat ist die neue Arbeiterklasse, und es ist dieselbe Klasse, in der ich aufgewachsen bin. Meine Eltern waren Arbeiter in den großen Fabriken, und die Gewalt der Ausbeutung, die sie erfahren haben, war unfassbar. Und diese Gewalt gibt es immer noch, auch auf einer globalen Ebene. Das Europa, das sich jetzt seinen Weg bahnt, ist ein Europa des Prekariats. Die prekarisierten Arbeiter haben heutzutage sehr wenige Möglichkeiten, sich selbst zu organisieren. Sie haben auch wenige Möglichkeiten, sich der sozialen und ökonomischen Gewalt entgegenzustellen, die sie erfahren.

Lieske: Sprache hat ja immer was mit Haltung zu tun, Gila Lustiger. Wenn Sie sich in diesem Milieu bewegen, wenn Sie es betrachten, welches Wort ziehen Sie vor, welches Wort würden Sie verwenden?

Lustiger: Ich habe, als ich mir die Vororte angeschaut habe … Ich gehe mit meiner Biografie da durch, die auch eine Biografie der Geächteten in gewisser Weise ist, ich gehe da mit meinem Blick da durch, und ich gehe mit meiner Bibliothek da durch. Den Begriff, an den ich gedacht habe, ist ein Begriff, den Zygmunt Baumann benutzt, wenn er über diese neue Prekarität der Arbeiterklasse redet in Europa, und er nennt sie mit dem, würde ich sagen, Zynismus des Moralisten, weil er ist kein Zyniker, er nennt sie den Abfall der Globalisierung, und Abfall der Globalisierung, das sind eben Menschen, die heute in unseren Gesellschaften keine Arbeit mehr finden werden, weil sie unterqualifiziert sind, weil wir zu einer Dienstleistergesellschaft mutieren und weil eben Arbeiter, unterqualifizierte, selbst mit den größten Arbeitsreformen von Macron keine Arbeit mehr finden in Europa.

Lieske: Gibt es von Ihnen, Didier Eribon, einen Vorschlag, wie man die Situation der "déplorables" verbessern kann? Ich glaube, das ist das Wort, das man für diese Menschen in Frankreich verwendet.

Eribon: Ich hätte da sehr viele Vorschläge zu machen, auf jeden Fall. Mein erster Vorschlag wäre der, dass man die Untergrabung des Arbeitsrechts unterbinden muss. Damit ist der Schutz der Arbeit und der Arbeiter gemeint, ihre sozialen Rechte, die Rente, die Arbeitslosenversicherung, aber genau das Gegenteil findet in unseren Tagen statt. Man sieht anhand des Brexits in England, anhand der Stimmen für den Front National in Frankreich, anhand der Stimmen für die AfD in Deutschland, wie viele Menschen betroffen sind und wie sehr sie sich ängstigen. Sie verleihen ihrer Angst Ausdruck, indem sie gegen Europa stimmen und für die Parteien von Rechts.
Und wenn man sich anschaut, wer so gewählt hat, dann findet man heraus, dass diese Menschen in den prekarisierten Regionen von Europa leben. In Gegenden also, in denen die Schulbildung ein sehr niedriges Niveau hat. Man müsste die Familien und die Schulen mehr unterstützen, Bildung sollte für alle zugänglich sein, aber genau das Gegenteil findet statt. Lehrerstellen werden abgebaut, Schulen werden geschlossen. Wenn man von den Schulen verlangt, dass sie wirtschaftlich rentabel sind, dann will man Schulen für Reiche haben. Die Armen bleiben bei einem solchen Schulsystem außen vor.
Mein Vorschlag ist, dass dieser Abbau der öffentlichen Hand aufhören müsste. Auch der Abbau der sozialen Rechte und die Verachtung der niederen Klassen, die unsere Politiker an den Tag legen. Dazu gehört auch Präsident Emmanuel Macron. Er hat jene Demonstranten als Faulenzer bezeichnet, die sich gegen den Abbau von Lehrerstellen gewandt haben, gegen die Senkung von Lehrergehältern, gegen die Streichung von Stipendien.
Wenn ein Präsident, der die Inkarnation der finanzstarken Bourgeoisie darstellt, diese Menschen verachtet und die Gewerkschaften als Faulenzer bezeichnet, und wenn die ganze Welt ihm applaudiert, auch in Deutschland, dann macht sich eine Haltung breit, die mich sehr beunruhigt. Dieser Haltung muss man sich ganz entschieden entgegenstellen.

Lieske: Gila Lustiger, Didier Eribon hat gerade ein ganz großes Panorama gemalt. Sie kennen beide Länder sehr gut, Frankreich und Deutschland. Würden Sie sagen, dass die Ereignisse parallel verlaufen, dass sie vergleichbar sind?

Lustiger: Ich habe die Bertelsmann-Studie gelesen bezüglich des Populismus, wer denn die Wähler zum Beispiel der AfD und der Populisten in Europa sind, und Populismus ist eine dünne Ideologie. Die Populisten liefern eben kein Gesellschaftskonzept und kein Weltbild, sondern eben nur Feinde, Feindbilder, und sie haben bei allen, die Populisten wählen, immer … Sie wählen sie aus Ängsten. Was sie beängstigt, ist eben der Verlust der Werte. Sie haben das Gefühl, dass sie überrollt werden und keine Identität mehr haben. Sie haben das Gefühl, dass sie in die Prekarität rutschen. Das Arm-reich-Gefälle beängstigt sie, und natürlich haben sie das Gefühl, dass sie von der Globalisierung eben nichts haben.

...



Aus: ""In was für einer Welt, verdammt noch mal, wollen wir leben?"" Gila Lustiger und Didier Eribon im Gespräch mit Tanya Lieske (23.10.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/zwei-intellektuelle-ueber-frankreich-in-was-fuer-einer-welt.700.de.html


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Das X. Munizipium Ostia ist eines der 19 Munizipien der Stadt Rom. Es liegt südöstlich der Mündung des Tiber entlang des Tyrrhenischen Meers. Der Name Ostia leitet sich von lateinisch ostium „der Eingang; die Mündung“, womit die Tibermündung gemeint ist, ab.
Ostia hat 200.114 Einwohner (2006) auf 150,64 km² ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Ostia_(Rom)

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[...] Der Angriff erfolgte vor laufender Kamera. Ein Reporter des Staatsfernsehens RAI interviewte vor wenigen Tagen in Ostia Roberto Spada, Sohn des örtlichen Mafiabosses. Mitten im Gespräch versetzte Spada dem Journalisten einen heftigen Kopfstoß; danach prügelte er mit einem Schlagstock auf den Kameramann ein, der aber flüchten konnte.

Der Reporter musste mit gebrochenem Nasenbein ins Krankenhaus gebracht werden. Der 32-jährige Spada, ein bulliger Typ, der seinem Opfer körperlich weit überlegen war, muss mit einer Anzeige wegen Körperverletzung rechnen.

Thema des Interviews waren die lokalen Wahlen vom vergangenen Wochenende in Ostia, bei denen die neofaschistische Bewegung „Casa Pound“ fast zehn Prozent der Stimmen erzielt hat. Der Reporter wollte wissen, was in Ostia ohnehin jeder weiß: Ob es denn zutreffe, dass der Spada-Clan die Neofaschisten bei den Wahlen unterstützt habe?

Die Gewalttat gegen den Journalisten hat bis in die höchsten Reihen der Politik Empörung ausgelöst. Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi bezeichnete die Aggression als „inakzeptabel“ und besprach sich mit Innenminister Marco Minniti. Ex-Premier Matteo Renzi erklärte, der Vorfall sei von erschreckender Symbolik.

Das ist es in der Tat. Roms Stadtteil 10, wie Ostia administrativ heißt, ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Ort des sozialen Niedergangs und der Gesetzlosigkeit geworden – ein Territorium, aus dem sich der Staat schon lange verabschiedet hat.

Vor allem die Gegend um den sogenannten Idroscalo, wo einst Pier Paolo Pasolini ermordet worden war, ist trostloses Niemandsland. Hier stehen heruntergekommene Wohnblocks aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Die Mauern und die Wände sind mit Graffitis und Hakenkreuzen verschmiert, Müll liegt an allen Ecken herum. Auch die unzähligen „stabilimenti balneari“, die Badeanstalten, wo an den Sommerwochenenden hunderttausende sonnenhungrige Römer einfallen, sind von deprimierenden Eintönigkeit.

Der Zerfall und der Dreck, die Armut und die Arbeitslosigkeit bilden einen Nährboden, auf dem die Mafia und die „Faschisten des 3. Jahrtausends“, wie sich die Aktivisten von „Casa Pound“ gerne nennen, gleichermaßen gut gedeihen. Welche Sozialwohnung wem zugeteilt wird, entscheidet nicht mehr die Stadtverwaltung, sondern der harte Kern der Rechtsextremisten, die sich als Schutzpatrone der Mieter aufspielen. Der Räumung einer Wohnung stellen sie sich notfalls mit Gewalt entgegen – sofern Italiener und nicht Ausländer vom Räumungsbefehl betroffen sind.

Damit und mit dem Verteilen von Lebensmittelpaketen an Arme und Rentner ist zumindest ein Teil des Wahlerfolgs von „Casa Pound“ zu erklären. „Die machen wenigstens etwas für uns. Die Politiker der anderen Parteien sieht man lediglich kurz vor den Wahlen, dann verschwinden sie wieder“ – diesen Satz hört man immer wieder in Ostia.

Der Mini-Gemeinderat des Stadtteils 10 musste von der Regierung in Rom schon im August 2015 wegen mafiöser Infiltration aufgelöst werden. Für die Entsendung eines Kommissars, wie es in den Mafia-Nestern Süditaliens üblich ist, hat es dagegen nicht gereicht.

So konnten sich in Ostia die Clans weiterhin mehr oder weniger ungestört der Schutzgelderpressung, der Geldwäsche und dem Drogenhandel widmen; dabei wurden laut der Römer Staatsanwaltschaft auch enge Verbindungen zur ’Ndrangheta, zur Camorra und zur Cosa Nostra aufgebaut.

„Ostia ist das neue Corleone, die Hauptstadt der Mafia, ein Territorium der Clans und der Einschüchterung“, schrieb der Bestsellerautor und Mafiakenner Roberto Saviano nach der Aggression gegen den RAI-Reporter auf Facebook.

Im Moment scheint es allerdings, dass der Kopfstoß von Roberto Spada die Politik aufgerüttelt hat. Innenminister Marco Minniti hat durchblicken lassen, dass er die Wild-West-Zustände in Ostia nicht länger dulden werde. „Der Vorfall ist äußerst schwerwiegend.

Schon allein aufgrund des Kalibers des Angreifers, aber auch, weil das Ziel der Gewalt ein Vertreter der freien Presse war“, erklärte Minniti. Er werde keine gesetzlosen Zonen tolerieren; die Prinzipien der Legalität gälten ohne Ausnahmen.

Weniger dramatisch stufte Ostias Faschistenführer den Übergriff ein. „Klar, das war keine schöne Geste“, erklärte Luca Marsella, der vom Spada-Clan unterstützte Spitzenkandidat von „Casa Pound“ bei den Lokalwahlen. Aber irgendwie sei der Journalist ja auch selbst schuld.


Aus: "Organisiertes Verbrechen in Italien: Wie die Mafia eine Stadt übernahm" Dominik Straub (12.11.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/organisiertes-verbrechen-in-italien-wie-die-mafia-eine-stadt-uebernahm/20571004.html
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« Reply #671 on: November 15, 2017, 09:25:31 AM »

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[...] Es ist eintönig, weil sich am Trend nichts ändert. Die Reichen, vor allem die Superreichen, werden im reicher und lassen den Rest der Weltbevölkerung immer weiter hinter sich. Das reichste 1 Prozent, so der Global Wealth Report 2017 von Credit Suisse, besitzt jetzt zusammen so viel wie die ärmere Hälfte der Menschen.

Nachdem die Finanzkrise 2008 die Ungleichheit einmal geschmälert und der Anteil des reichsten 1 Prozents bei "nur" 42.5 Prozent des globalen Vermögens lag, haben Regierungen und Reiche offenbar erfolgreich dafür gesorgt, dass sich das etwa durch die Stützung der großen Banken und das Ausblieben der versprochenen Reformen wieder schnell ändert. Und das geschah auch. Kurz nach der Krise stieg der Anteil der Superreichen am globalen Reichtum kontinuierlich und über den Anteil hinaus, den sie vor der Krise hatten.

Jetzt haben sie nach Credit Suisse die symbolische Schwelle von 50,1 Prozent am Gesamtvermögen von 280 Billionen US-Dollar überschritten. Ob man den Zahl der Bank im Einzelnen vertraut oder nicht, ist bei solchen Schätzungen wenig erheblich, denn es wird der Trend deutlich - und die Ohnmacht der abgehängten Bevölkerung sowie die Gier der Reichen, die womöglich auf dem Vulkan tanzen, wenn dieser Trend nicht gestoppt oder gar umgekehrt wird.

Dass Verteilung des Reichtums schon längst jedes verträgliche Maß hinter sich gelassen hat, lässt sich auch aus einer anderen Schätzung erkennen. So besitzt die reichsten zehn Prozent 88 Prozent des Weltvermögens, die ärmere Hälfte der Erwachsenen gerade einmal 1 Prozent. Zwar wird die Zahl der Millionäre - ebenso wie die Weltbevölkerung weiter wächst - mehr und ist letztes Jahr um erstaunliche 2,3 Millionen Menschen auf jetzt 36 Millionen gewachsen, aber gegenüber den mehr als 7,5 Milliarden Menschen ist das nichts. Die Weltbevölkerung wächst jeden Tag um 230.000 Menschen, das sind etwa 80 Millionen im Jahr.

Weltweit stieg das Vermögen im vergangenen Jahr um 6,4 Prozent. Rechnet man die 280 Billionen um, so hätte theoretisch jeder Erwachsene einen Anteil von illusorischen 56.540 US-Dollar. Aber viele haben eben praktisch nichts, andere schwimmen in Milliarden. Die meisten Superreichen leben in dem Land, das auch von einem Milliardär regiert wird, der wieder daran ist, durch eine Steuerreform seinesgleichen zu "entlasten".

In den USA stieg der Reichtum auch am meisten von 92 auf 101 Billionen US-Dollar an. "Die Präsidentschaft Trumps", so Credit Suisse, "verzeichnet florierende Unternehmen und wachsende Beschäftigungszahlen, doch auch die weiterhin stützende Rolle des Federal Reserve hat hier zweifellos eine Rolle gespielt,Die zweitreichste Region ist mit fast 80 Billionen Europa. Obgleich sich unter kommunistischer Herrschaft die Zahl der Superreichen in China mehr, liegt deren Vermögen bei einer mehr als doppelten Bevölkerung gegenüber den USA und Europa gerade einmal bei 29 Billionen. Das private Gesamtvermögen in Indien soll 5 Billionen erreichen. Die Erdteile Südamerika und vor allem Afrika stehen am Schluss.

Weltweit am reichsten ist die Schweiz, bzw. sind es die vermögenden Schweizer: "Seit der Jahrtausendwende hat sich das Vermögen pro Erwachsenem in der Schweiz um 130 Prozent auf 537.600 US-Dollar erhöht." Das ist zehnmal mehr als globale Durchschnitt.

Unter schwarz-rotem Schutz - die FDP braucht es da gar nicht - schaffte es Deutschland neben Frankreich, Italien und Spanien unter die zehn Staaten mit den größten Vermögenzuwächsen zu gelangen. Das wird bei der kommenden Jamaika-Koalition nicht anders werden, wo es keine Vermögens- und Reichensteuer geben wird und die Steuern für die Reichen nicht erhöht werden dürften, was die Kluft zur ärmeren Hälfte der Bevölkerung fördert. Nach den USA und China kommt Deutschland bereits mit den größten Vermögenszuwächsen, immerhin um eine Billion mehr. Nach den USA stieg die Zahl der Millionäre in Deutschland 2016 mit 237 weltweit am stärksten.

Als Ausblick zeichnet die Credit Suisse, die natürlich möglichst alles erfreulich einbetten will, dennoch ein düsteres Bild, wenn dies auch gefällig formuliert wird: "Für das Millionärssegment sind die Aussichten optimistischer als für den unteren Teil der Vermögenspyramide (unter 10.000 Dollar pro Erwachsenem). Während die Zahl der Millionäre bis 2022 um 22 Prozent von heute 36 Millionen auf 44 Millionen steigen dürfte, wird die Zahl der Menschen im untersten Segment der Pyramide wohl nur um 4 Prozent schrumpfen."

Quote
     Hat se nicht alle, 15.11.2017 06:47

Ich reg mich über so was nicht mehr auf - Solange die 1% es locker schaffen, die 99% davon zu überzeugen, dass sie selber an dieser Situation schuld sind, ist Hopfen und Malz verloren.



Quote
     Naturzucker, 15.11.2017 05:55

Ein Grund mehr für die restlichen 99%, sich es ihnen gleichzutun. Macht es wie die 1%. Werdet asozial. Vergesst jede Form von Empathie. Seid rücksichtslos. Geht über Leichen. ...



Aus: "Die reichsten 1 Prozent besitzen mehr als 50 Prozent des globalen Vermögens" Florian Rötzer (15. November 2017)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Die-reichsten-1-Prozent-besitzen-mehr-als-50-Prozent-des-globalen-Vermoegens-3890296.html
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« Reply #672 on: November 15, 2017, 09:33:01 AM »

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[...] Die aktuelle Schätzung stammt von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W), einem eingetragenen Verein, der ein soziales Ziel verfolgt, nämlich die Hilfe für Wohnungslose. Eine amtliche Statistik wäre möglich, berichtet die Zeit, gibt es aber noch nicht. Eine in Regionen differenzierte Aufschlüsselung amtlicher Zahlen würde mehr sichtbar machen.

Bis dahin würden die bundesweiten Schätzungen der BAG W bisher als Referenz für "bundesweite Daten" gelten. Für das vergangene Jahr schätzt die Bundesarbeitsgemeinschaft die Zahl der Wohnungslosen deutschlandweit auf 860.000. Bis 2018 prognostiziert sie 1,2 Millionen wohnungslose Menschen. Sie hat offenkundig wenig oder gar kein Vertrauen in eine Verbesserung der Situation.

... Von den 860.000 Personen, die sich laut Schätzung der BAG Wohnungslosenhilfe 2016 in Wohnungsnot befanden, waren mehr als die Hälfte, 440.000 anerkannte Flüchtlinge, die im Regelfall weiter in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. Nicht dazu gezählt werden Zugewanderte, die auf Baustellen untergebracht sind, für die sie horrende Mieten zahlen, da sie ja ausweislich des Mietvertrags eine Wohnung haben.

Wie die 420. 000 anderen wohnungslosen Menschen untergebracht sind, geht aus den Angaben der BAG nicht hervor. Der Großteil lebt in Notunterkünften, Wohnheimen oder provisorischen Unterkünften bei Bekannten oder Freunden, jedenfalls haben sie keine Bleibe, die mit Mietvertrag abgesichert ist, aber zumindest ein "Dach über dem Kopf".

Geschätzt 52.000 sind Obdachlose, "leben ohne jede Unterkunft auf der Straße". Seit 2014 (ca. 39.000), sei dies ein Anstieg um 33 %. Aus den Ausführungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe geht hervor, dass viele unter den "Straßenobdachlosen" Zuwanderer aus EU-Ländern sind.

...


Aus: "BAG W: Bald über eine Million Wohnungslose in Deutschland" Thomas Pany (14. November 2017)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/BAG-W-Bald-ueber-eine-Million-Wohnungslose-in-Deutschland-3890290.html
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« Reply #673 on: November 23, 2017, 07:31:34 AM »

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[...] GENF taz | Darf die Ausbildung an Universitäten etwas kosten? In der Schweiz sorgt diese Frage immer wieder für öffentliche Auseinandersetzungen oder ist gar Thema von Volksabstimmungen. Sämtliche öffentliche wie private Universitäten, Fachhochschulen und andere Einrichtungen der höheren Bildung in der Alpenrepublik erheben – zum Teil saftige – Studiengebühren.

An der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich und ihrer Schwesteruniversität, der ETH im französischsprachigen Lausanne demonstrierten die StudentInnen vergangene Woche gegen die geplante Erhöhung der Gebühren um 30 Prozent. Statt bislang 1.160 Schweizer Franken (CHF) – nach derzeitigem Wechselkurs rund 1.000 Euro – jährlich soll das Studium an den beiden eidgenössischen Eliteunis ab 2018 1.660 Franken kosten – mehr als 400 Euro mehr als bisher und damit weit über dem Landesschnitt. Und das ist für einige Studierende ein Problem.

Der 20-jährige Jakob Stauffer, Biologiestudent im dritten Semester, „kann die zusätzlichen 500 Franken auf keinen Fall aufbringen“, wie er sagt. Zumal zu den jährlich fälligen Studiengebühren noch zahlreiche indirekte, versteckte Kosten kommen. Zum Beispiel Prüfungsgebühren sowie Ausgaben für obligatorische Praktika, Austauschsemester und Exkursionen sowie für Lehrmittel.

Sollte die vom ETH-Rat, dem Aufsichtsgremium der beiden Unis, angekündigte Erhöhung tatsächlich kommen, fürchtet Stauffer, dass er „das Studium abbrechen oder zumindest unterbrechen und erst einmal Geld für die nächsten Studienjahre verdienen“ muss. Schon jetzt jobbt Stauffer neben dem sehr lernaufwendigen Biologiestudium als Fahrradkurier, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Anders als seine KommilitonInnen aus besser betuchten Elternhäusern kann der Sohn einer verwitweten Mutter, die als Kassiererin in einem Supermarkt nur einen kargen Lohn bezieht, nicht mit finanzieller Unterstützung von zu Hause rechnen.

Bereits im Jahr 2012 ergab eine Umfrage des Verbandes der Schweizer Studierendenschaften (VSS), an der über 5.000 StudentInnen der ETH Zürich teilnahmen, dass die ETH bei einer Erhöhung der Studiengebühren auf 1.500 Franken jährlich rund 20 Prozent ihrer StudentInnen verlieren würde. VSS-Präsident Lukas Reichard, der ebenfalls an der ETH studiert, geht davon aus, „dass die geplante Erhöhung ausländische Studentinnen und Studenten besonders stark treffen würde“.

Die Lebenshaltungskosten waren in der Schweiz schon immer deutlich höher als im übrigen Europa oder in Übersee. Und Zürich nimmt innerhalb der Schweiz eine Spitzenstellung ein. Zudem gibt es an vielen Hochschulstandorten inzwischen Pläne, Studierende aus dem Ausland noch mit zusätzlichen Gebühren zu belasten. Auf der anderen Seite scheiterte im Jahr 2013 im Kanton Zürich eine Volksinitiative mit dem Ziel, Schweizer StaatsbürgerInnen mit Erstwohnsitz in dem Kanton gänzlich von Studiengebühren zu befreien.

Bereits 2009 mussten Studierende in der Schweiz laut einer landesweiten Untersuchung über ihre wirtschaftliche und soziale Lage im Durchschnitt 1.870 Franken monatlich aufbringen für Unterkunft, Essen, Krankenversicherung und Studiengebühren – umgerechnet rund 1.600 Euro. Infolge der allgemeinen Teuerung dürften diese monatlichen Kosten inzwischen bei fast 2.000 Franken liegen.

VSS-Präsident Reichard befürchtet, dass durch eine weitere Anhebung der Studiengebühren an den beiden ETHs die „soziale Spreizung weiter verschärft“ und finanziell Schwächeren der Zugang zu universitärer Ausbildung erschwert werden. Denn bislang nehmen Studiengebühren nur einen sehr kleinen Anteil des Gesamtbudgets der Schweizer Hochschulen ein – an den Universitäten Basel und Bern zum Beispiel nur 3 beziehungsweise 5 Prozent. Die öffentlichen Zuschüsse sinken jedoch, und dies – so die Befürchtung – wollen die Unis nun über steigende Stu­diengebühren kompensieren.

In einem von der landesweiten Delegiertenkonferenz des VSS im November 2013 verabschiedeten Positionspapier verweist der Verband auf das „verheerende Beispiel Großbritannien“, wo „infolge der drastischen Erhöhung der Studiengebühren im Jahre 2012 nachweislich Kinder aus Nicht-AkademikerInnenfamilien von einem Studium abgehalten werden“.

Doch der ETH-Rat zeigt sich von sämtlichen Einwänden unbeeindruckt. Zum letzten Mal seien die Gebühren „vor 20 Jahren richtig erhöht worden“, im Jahr 2004 hingegen sei „lediglich eine Anpassung im Rahmen der Teuerung erfolgt“.

Der VSS lehnt Studiengebühren grundsätzlich ab. In seinem Positionspapier aus dem Jahr 2013 fordert der Verband „ein Bildungssystem, das allen Personen unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten vollständig zugänglich ist“. Der VSS kann sich dabei auf einen Beschluss der Schweizer Regierung (Bundesrat) zu ihrer Bildungspolitik für die Jahre 2013–2016 berufen. Darin heißt es: „Ziel ist die Sicherstellung einer Bildung von hoher Qualität, die es allen ermöglicht, ihr Begabungspotenzial voll auszuschöpfen und die Fähigkeit zu entwickeln, eigenständig zu handeln und sich lebenslang weiter zu qualifizieren.“

Doch tatsächlich betreiben der Bundesrat, der für die beiden ETHS in Zürich und Lausanne zuständig ist, wie auch die Regierungen fast aller 26 Schweizer Kantone seit Jahren eine Politik, die dieser Zielsetzung entgegensteht. Die öffentlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen und für die Ausbildungsförderung sozial und finanziell Schwächerer werden fast überall gekürzt.

Studiengebühren und ihre Erhöhung, kritisiert der VSS, seien Instrumente, um „die öffentliche höhere Bildung in der Schweiz schrittweise zu liberalisieren, zu privatisieren und einen Bildungsmarkt zu schaffen“.


Aus: "Studieren an der Elite-Uni ETH in Zürich: Muss so viel Luxus sein?" Andreas Zumach (22. 11. 2017)
Quelle: http://www.taz.de/Studieren-an-der-Elite-Uni-ETH-in-Zuerich/!5461348/

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« Reply #674 on: November 28, 2017, 03:59:12 PM »

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[...] Seit mehreren Tagen räumen die Behörden im Süden von Peking Sammelunterkünfte und improvisierte Wohnungen. Schätzungsweise Zehntausend Menschen sind betroffen, sie stehen plötzlich ohne Bleibe da.

Einige haben Peking fluchtartig verlassen, viele andere kampieren mit Sack und Pack irgendwo auf der Straße, und das bei Temperaturen unter null Grad.

Betroffen sind quasi ausschließlich Arbeitsmigranten aus anderen chinesischen Provinzen und ihre Familien. Viele haben Kinder. Ohne diese sogenannten Wanderarbeiter läuft in chinesischen Großstädten quasi nichts: Sie liefern Pakete aus, bedienen in Restaurants und arbeiten auf Baustellen oder als Wachleute.

Seit rund einer Woche werden diese Menschen nun aus ihren Wohnheimen geworfen. Auslöser: Ein Brand in einer der Unterkünfte, bei dem vor zehn Tagen 19 Menschen ums Leben kamen.

Diesen Vorfall nutzt die Pekinger Stadtregierung nun, um andere vermeintlich unsichere Unterkünfte zu räumen. Polizisten, Feuerwehrleute aber auch viele spontan angeheuerte Rausschmeißer forderten Bewohner der betroffenen Wohnungen auf, diese binnen Stunden zu räumen. Viele Wohnungen wurden komplett zerstört, nachdem sie geräumt wurden.

"Ich habe keine Angst zu sterben", sagt diese Bewohnerin des betroffenen Stadtviertels in einem Internetvideo eines Pekinger Aktivisten. "Wenn sie mich hier vertreiben und meine Wohnung zerstören wollen, verteidige ich mich meinem Küchenmesser!"

Die staatlichen Medien Chinas schweigen zu all diesen Vorfällen. In den Online-Netzwerken kursieren unzählige Berichte, Fotos und Videos, die häufig aber schnell gelöscht werden von den chinesischen Zensoren.


Aus: "China: Zwangsräumungen in Peking sorgen für Entsetzen" Steffen Wurzel (28.11.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/china-zwangsraeumungen-in-peking-sorgen-fuer-entsetzen.1773.de.html?dram:article_id=401750
« Last Edit: November 28, 2017, 04:26:02 PM by Textaris(txt*bot) »
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