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Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 157714 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #615 on: February 09, 2017, 10:15:31 AM »

Quote
[...] Sie arbeiten als Paketauslieferer Unternehmensberater und Kosmetikerin, sind Kioskbesitzer, Hausmeister, Boutiquenbetreiber. Die Altersvorsorge sparen sie sich, wenn es nicht reicht. Aber an einer Krankenversicherung kommen auch sogenannte Solo-Selbständige nicht vorbei. Ein Problem, denn für viele ist dieser Posten selbst in gesetzlichen Kassen finanziell kaum noch zu stemmen. Die Beiträge fressen auch in gesetzlichen Kassen inzwischen oft die Hälfte der gesamten Einnahmen.

Die Versicherer kennen das Problem, die meisten Beitragsschuldner sind kleine Selbständige. Und es werden immer mehr. Im Dezember 2016 standen die Selbstzahler bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach Tagesspiegel-Recherchen mit sechs Milliarden Euro in der Kreide. Im Januar des gleichen Jahres betrugen die Außenstände noch 4,48 Milliarden. Im Jahr davor lag der der Wert bei 3,24 Milliarden und 2011 bei lediglich einer Milliarde Euro.

Die Summe der Beitragsrückstände steige leider kontinuierlich an, klagt der GKV-Spitzenverband. Ein Grund dafür sei die „finanzielle Instabilität bei freiwillig versicherten Selbständigen“.

... Das Problem der Solo-Selbständigen mit den Kassenbeiträgen rührt vor allem aus zwei Umständen. Zum einen fehlt ihnen die Arbeitgeberbeteiligung, sie müssen den Krankenversicherungsbeitrag komplett aus eigener Tasche zahlen. Zum andern schert sich die Sozialversicherung nicht groß um ihr Einkommen. Zur Beitragsberechnung wird ihnen einfach ein monatliches Mindesteinkommen unterstellt, von dem viele Kleinunternehmer nur träumen können.

Aktuell liegt es bei 2.231,25 Euro. Macht, mit Krankengeldanspruch und Pflegeversicherung, im Schnitt etwa 407 Euro im Monat für die Krankenkasse. Nur in besonderen Härtefällen, etwa einer Existenzgründerphase, lässt sich die Bemessungsgrenze noch mal um ein weiteres Drittel senken – auf 1487,50 Euro. Die Krankenversicherung will dann durchschnittlich 271 Euro. Weniger geht nicht.

Tatsächlich kommt fast ein Drittel der gesetzlich versicherten Selbständigen - 600.000 von insgesamt 2,16 Millionen - im Schnitt grade mal auf ein Einkommen von 787 Euro im Monat. Zu 82 Prozent handelt es sich dabei um Solo-Selbständige. Diese Gruppe habe durchschnittlich 46,5 Prozent ihrer Einkünfte für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) aufzuwenden, heißt es in einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK aus dem Jahr 2016.

Dass es in der privaten Krankenversicherung (PKV) noch teurer ist – hier zahlt die unterste Einkommensgruppe der Selbständigen im Schnitt 58 Prozent – macht es für die Betroffenen nicht besser.

Nach wie vor unterstelle das Sozialrecht, „dass alle Selbständigen ökonomisch gut gestellt sind und deshalb keiner solidarischen Absicherung bedürfen“, heißt es in der Studie. „Weil das jedoch schon lange eine Fiktion ist, besteht beim Krankenversicherungsschutz gesetzgeberischer Handlungsbedarf.“

...



Aus: "Solo-Selbständige in der Krankenversicherung "Die Beitragslast ist zu hoch"" Rainer Woratschka (08.02.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/solo-selbstaendige-in-der-krankenversicherung-die-beitragslast-ist-zu-hoch/19362616.html

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« Reply #616 on: February 20, 2017, 10:39:46 AM »

Quote
[...] Um die Identität von Asylbewerbern besser feststellen zu können, soll das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) deren Handys nach Plänen der Bundesregierung künftig auslesen dürfen.

Das geht aus einem Gesetzesentwurf des Bundesinnenministeriums "zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht" hervor, aus dem die "Süddeutsche Zeitung", der WDR und der NDR zitieren. Über diese Pläne hatte bereits Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) berichtet.

Bisher ist das Bamf auf die Einwilligung der Asylbewerber angewiesen. Der neue Gesetzesentwurf solle nun die rechtliche Grundlage schaffen, diese Zustimmung zu umgehen. Er befinde sich noch in der Ressortabstimmung. Das Auslesen von Daten der Mobiltelefone ist bislang eigentlich nur bei Verdacht auf Straftaten möglich.

Das Bundesinnenministerium schätze, dass im Vorjahr bei 50 bis 60 Prozent der Asylsuchenden das Auslesen eines "Datenträgers" in Betracht gekommen wäre. Das wären etwa 150.000 Menschen gewesen. Nach Behördenangaben kommt es vor, dass Flüchtlinge falsche Personalien angeben, um eine Abschiebung zu verhindern oder bei Sozialleistungen betrügen zu können.

Die Außenstellen des Bamf sollen nach den Medienberichten mit Hard- und Software aufgerüstet werden, so dass etwa 2400 Datenträger pro Tag ausgelesen werden können. Laut Ausländerzentralregister befänden sich 213.000 "vollziehbar ausreisepflichtige Ausländer" in Deutschland.

Bouffier hatte nach einem Ministerpräsidenten-Treffen bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am 9. Februar gesagt, der Handy-Zugriff solle auf Fälle beschränkt bleiben, in denen Zweifel an der Identität des Asylbewerbers bestehen. Es sei wichtig, "eine Erkenntnisquelle, die man hat, auch zu nutzen". (dpa)


Aus: "Ohne Verdacht auf Straftaten: Flüchtlinge mit unklarer Identität sollen Handys herausgeben" (20.02.2017)
Quelle: http://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/deutschland-welt-politik_artikel,-Fluechtlinge-mit-unklarer-Identitaet-sollen-Handys-herausgeben-_arid,1553956.html

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #617 on: March 01, 2017, 10:04:02 AM »

Quote
[...] Im vergangenen Jahr empfanden in einer repräsentativen Umfrage 82 Prozent der Deutschen die soziale Ungleichheit als zu groß. Die Entwicklung der Managergehälter hatte daran Anteil. Schließlich haben sich die Gehälter der Spitzenmanager längst von jeder Verhältnismäßigkeit entfernt: 1991 verdienten Konzernlenker laut einer aktuellen Studie noch das 28-Fache eines durchschnittlichen Arbeitnehmers, heute ist es das 83-Fache. Es ist gut, dass die Politik hier eingreift.

Aber will sie Verhältnisse nicht nur symbolisch gerechter machen, müsste die Politik viel massiver und ganz woanders eingreifen: am unteren Ende der Einkommensskala.   

Viele Menschen hadern mit unserem Wirtschaftssystem, weil sich auf ihren Kontoauszügen seit langer Zeit kaum etwas bewegt. Vor allem jene, die am unteren Ende der Gehaltsskala stehen, haben real in den vergangenen 25 Jahren nichts dazugewonnen. Ihr Einkommen ist sogar geschrumpft, obwohl das Wirtschaftswachstum stetig zugenommen hat. Die Einkommensschere hat sich auch insgesamt weiter geöffnet, und besonders die jüngere Generation der Arbeitnehmer unter 40 Jahren ist davon betroffen. Unter ihnen ist die Gehaltsungleichheit doppelt so groß wie unter den Gleichaltrigen in den 1970er Jahren.

Profitiert haben von höheren Löhnen in den letzten Jahren vor allem die Arbeitnehmer, die noch nach Tarifverträgen bezahlt werden. Das sind aber immer weniger. Aktuell sind 40 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und sogar mehr als 50 Prozent im Osten gar nicht tariflich gebunden. Die Lohnentwicklung dieser Arbeitnehmer hinkt stark hinterher. ...

Noch bis in die 1990er Jahre war es weit verbreitete Praxis in der deutschen Wirtschaft, dass das Bundesarbeitsministerium einen Tarifabschluss zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern für eine ganze Branche als allgemeinverbindlich erklärt hat. Damit mussten also auch Unternehmen, die nicht Mitglied im Arbeitgeberverband waren, die tariflichen Löhne zahlen. Das hat das Einkommensniveau in der Bundesrepublik insgesamt hoch gehalten.

Heute verhindern die Unternehmen das oft. Im Einzelhandel beispielsweise hat das zu großen Einbußen für die Beschäftigten geführt, von denen viele unter Tarif verdienen. Das könnte die Politik ändern. Sie kann Tarifverträge als allgemeinverbindlich erklären, wenn ein öffentliches Interesse darin besteht, wirtschaftliche Fehlentwicklungen wieder zu korrigieren. Das ist in vielen Branchen heute der Fall.

Eine Regierung, die sich an diese konfliktträchtigen Tariffragen wagt, würde nicht nur Einfluss nehmen auf die Gehaltszettel einiger Millionäre. Sondern auf die Gehälter von Millionen.

Quote
wawerka #9

Nachdem die deutschen Wirtschaftsverbände bereits nach den überaus wolkigen Ansagen von Martin Schulz bezüglich einer möglichen(!) Aufweichung einiger Härten der Agenda 2010 davor warnten, auf keinen Fall etwas zu tun, was DERDEUTSCHENWIRTSCHAFT™ schaden könne, darf man (wie immer eigentlich) ganz sicher sein, dass sich nichts Wesentliches ändern wird.


Quote
Oxys #18

Viell. einfach sinnvoll gestalten. Da die Arbeiter einen nicht unerheblichen Teil zum Erfolg des Unternehmens beitragen, einfach die Lohnerhöhung der Geschäftsführung mit der Lohnerhöhung der Belegschaft koppeln. Jahrelang hat man ihnen die Möglichkeit gegeben, es ohne gesetzliche Regelung zu tun. Da sie sich immer mehr weigern, den Arbeitern das zukommen zu lassen, was sie _Wort wörtlich_ verdient haben, müssen die Manager und Geschäftsführer wohl in Zukunft durch Gesetze dazu gezwungen werden.

Wer nicht hören kann, muss fühlen.


Quote
Kunigunde53 #19

"Die Millionäre sind Nebensache"

Nein, die Superreichen sind nicht Nebensache - hier wird verharmlost - und wem das nützt, muss nicht extra ausgeführt werden.
Menschen mit Hunderten oder gar Tausenden von Millionen sind in der Lage, ganze Regierungen zu kaufen, Scharen von Lobyisten loszulassen und die Demokratie so ganz nebenbei abzuschaffen.
Der widersinnige Neoliberalismus hat diese Prozesse beschleunigt, selbst die Scharen von Befürwortern in den Redaktionen bekommen langsam Zweifel an der Richtigkeit ihrer Marschrichtung - wahrscheinlich ist es aber zu spät. Die Armut der Vielen und der Reichtum der Wenigen sind unterschiedliche Seiten ein und der selben Medaille - Schönreden sollte man das nicht.


Quote
Runkelstoss #23

Wem es um mehr als Symbole geht,

Es geht bei der Begrenzung der Gehaelter, Boni usw. nicht um Symbole.
Angeblich leben wir in einer ein Leistungsgesellschaft. Da kann es nicht sein, dass die Einen das Unternehmen an die Wand fahren und grosszuegig belohnt werden und die Anderen werden entlassen.

In einer Gesellschaft in der man wegen 'Diebstahls' eines Broetchens vom Vortag seine Arbeit verliert fuehrt das zwangslaufig zu politischen und sozialen Spannungen und Konflikten. Das uebersieht der Autor.

Das diese Obszoenitaeten auch noch vom Steuerzahler indirekt bezahlt werden ist eine Schweinerei.


Quote
entscheidedich #25

Ach Herr Zacharakis, während Politiker die sich nicht mit den eigentlichen Problemen beschäftigen wollen und Finanzbeamte darüber nachdenken wie man zur Volksverdummung ein paar Managergehälter deckeln kann, machen sich Herrscharen von Wirtschaftsberatern darüber Gedanken, wie man mit klugen und gesetzestreuen Ideen genau das wieder umgeht. Und die sind kreativ. Die verdienen ihr Geld damit!
Ihre Idee, Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären finde ich so richtig gut! Sicher wird das einen Einfluss auf viele Gehaltszettel haben. Nicht auf die der Millionäre, sondern auf die der Betroffenen, die dann keinen Gehaltszettel mehr haben, sondern direkt von der Agentur für Arbeit versorgt werden. Entschuldigung, das war Sarkasmus zu einem Thema das es nicht verdient hat!


Quote
Hermes_53 #32

Toller Artikel, er trifft den Kern in der Mitte. Ich wusste gar nicht, dass die Bundesregierung Tarifverträge allgemein verbindlich machen kann. Dies zu tun, würde tatsächlich viel bewegen. Wir warten mal auf Sozial Schulz, ob er sich äußert.

Die Ansicht des Autors, die Begrenzung der Managergehälter sei Symbolpolitik ist genau so richtig, wie die Frauenquote in Aufsichtsräten Symbolpolitik ist. Mal ist Symbolpolitik gut, mal ist sie schlecht. ...


Quote
Blick dahinter #46

Ich frage mich, warum ich in jedem 2ten Artikel immer von den armen unteren Einkommensgruppen lese. Warum wird denen immer diese Aufmerksamkeit und Fürsorge zuteil? Warum sind das automatisch immer gute und liebe Menschen, denen man sich zuwenden muss? Was hindert diese Menschen daran, in höhere Einkommensgruppen aufzusteigen? Oder wollen sie dann einfach der Kollektivschelte entgehen, die jeden trifft, der mehr leistet als das untere Drittel?

Im Fußball lese ich doch auch nicht ständig über die 3te Liga, und warum diese armen Bürschlein denn nicht in der Nationalelf spielen dürfen? Sollte die Politik hier nicht mal eingreifen und Startplätze bei Jogi durchsetzen?

Quote
Ihr Schreiben ist in unserem Papierkorb eingegangen #46.1

Glauben Sie eigentlich selbst, was Sie da schreiben?



...


Aus: "Managergehälter: Die Millionäre sind Nebensache" Ein Kommentar von Zacharias Zacharakis (28. Februar 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-02/managergehaelter-koalition-einkommen-begrenzen-arbeitnehmer-nutzen

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« Reply #618 on: March 13, 2017, 09:34:31 AM »

Quote
[...] Der 24-jährige Schriftsteller Édouard Louis hasst den Front National. Er will das Verstummen der französischen Linken beenden. Ein Gespräch in Paris : ... Politik ist in meiner biografischen Erfahrung keine Frage von Meinungen, von Worten, von Kommunikation, die im Ergebnis die Lebensverhältnisse der Privilegierten schützen. Ich komme aus dem Lumpenproletariat, um es mit Marx zu sagen. In dem Dorf in der deindustrialisierten Picardie, über das ich meinen ersten Roman Das Ende von Eddy geschrieben habe, herrschten Arbeitslosigkeit, Elend, Alkohol, Gewalt, eine brutale Männlichkeit. In diesem Milieu, aus dem auch Bourdieu stammt, ist Politik eine Frage von Leben und Tod. Man spürt sie am lebendigen Leibe: in der medizinischen Versorgung, beim Essen, im sexuellen Alltag. Die politischen Fragen heißen: Gehe ich zum Arzt, wenn ich krank bin? Gibt es heute Abend etwas zu essen? Kann ich sexueller Gewalt entkommen? Mein Vater ist zum ersten Mal in seinem Leben zum Zahnarzt gegangen, als ich 14 Jahre alt war, weil der Staat eine Beihilfe geschaffen hatte. Es gab Tage in meiner Kindheit, da hat meine Mutter gesagt: "Heute gibt es zum Essen nur Milch." Ich gehe wählen, damit die körperliche Not und Gewalt aufhört. Das Wahlrecht ist für mich dabei ein politisches Instrument unter vielen. ... Die unangenehme Wahrheit lautet: Als Simone de Beauvoir den Kampf für die Frauen aufnahm, hat das eine große Mehrheit der Frauen nicht interessiert. Heute sehen viele die strukturelle Gewalt nicht, die noch meine Mutter dazu gebracht hat, mit 15 Jahren von der Schule abzugehen, angeblich weil sie es aus freien Stücken so wollte. Diese Gewalt ist unsichtbar, sie tritt als Normalität auf, deshalb kämpfen die Leute nicht. ... Die junge Generation lebt mit einem alles beherrschenden Gefühl der Ohnmacht. Sie hat in den letzten Jahren jeden Kampf verloren, ob in den sozialen Bewegungen wie Nuit debout und Occupy oder im Kampf gegen den alltäglichen Rassismus. Immer wieder erzählen mir Studenten von ihrer Traurigkeit darüber, dass sich ohnehin nichts ändert. Diese Generation verabscheut die Politik.

...

Quote
Blues Man, #11

Wie sehr doch die Sichtweise eines jungen linken Islamophobie beklagenden Schriftstellers und die einer tunesischstämmigen, französischen Busfahrerin, Mitglied der kommunistischen Gewerkschaft, auseinanderklaffen können, zeigt diese ARTE-Doku auf. Ab 27:35 min oder 28:35 min bis ca. 33:00 min.

"Endstation Bataclan - Vom Busfahrer zum Attentäter - Arte Doku - (Deutsch, Dokumentation)"
https://www.youtube.com/watch?v=zJ5lCr27niw&app=desktop


...


Aus: "Édouard Louis: Wenn die Eltern Le Pen wählen" Interview: Elisabeth von Thadden (9. März 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/2017/09/edouard-louis-frankreich-linke-front-national-marine-le-pen/komplettansicht

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« Reply #619 on: March 18, 2017, 10:27:58 AM »

Quote
[...] Siemens hält seit 2014 eine Zeitgeschichte des großen Korruptionsskandals unter Verschluss, die der Konzern selbst bei zwei unabhängigen Historikern in Auftrag gegeben hat. Damit hatte die Firma ursprünglich ein Zeichen für mehr Transparenz setzen wollen.

"Siemens hat ohne Angabe von Gründen die geplante und uns verbindlich zugesagte Buchpublikation der Untersuchungsergebnisse auf unbestimmte Zeit zurückgestellt", hieß es dazu auf Anfrage von den Autoren des 800-Seiten-Werks, Hartmut Berghoff und Cornelia Rauh. Der Konzern ging noch einen Schritt weiter und bestätigte, eine Veröffentlichung sei nicht mehr geplant.

Der renommierte Göttinger Historiker Berghoff hatte den Auftrag für die Untersuchung im Jahr 2011 von Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme bekommen. Gemeinsam mit seiner Hannoveraner Kollegin Rauh sollte er die Geschichte des Konzerns in der Zeit des Korruptionsskandals nachzeichnen, der 2006 aufgeflogen war. Die Historiker hatten dazu auch vertrauliche Vorstands- und Aufsichtsratsprotokolle einsehen dürfen. Konzern und Historiker konnten danach aber keine Einigkeit darüber erzielen, ob und wie aus diesen Protokollen in dem öffentlich angekündigten Buch zitiert werden kann. Darüber hinaus gibt es Stimmen, die der heutigen Siemens-Spitze unter Joe Kaeser kein Interesse mehr an einer neuerlichen Aufarbeitung des Skandals nachsagen.

Zwar zieht die Studie ein positives Urteil über Kaeser. Gegen den heutigen Konzernchef, der in den Jahren 2001 bis 2004 in der korruptionsanfälligen Mobilfunksparte als Finanzvorstand tätig war, wurde auch nie ermittelt; Hinweise, er habe von Bestechungen gewusst, wies er stets zurück. Die Studie kommt allerdings zu dem Schluss, dass sich nach der milliardenschweren Einigung des Konzerns mit den Strafverfolgungsbehörden "ein Schleier über tausende Vorwürfe gelegt" habe, die nicht weiter aufgeklärt worden seien.

Quote
Nordstadtbewohner gestern, 18:27 Uhr
... Kein Unternehmen ist gezwungen, interne Untersuchungen zu veröffentlichen. Das hat auch seinen Grund. Eine Veröffentlichung gäbe Unternehmensinterna preis, die von der Konkurrenz und Meinungshabern missbraucht werden würde. Siemens tut gut daran, Untersuchungsergebnisse nur den Eigentümern zukommen zu lassen.


Quote
whizzzler gestern, 18:32 Uhr
Alles gut. Es gibt hier nichts zu sehen bitte gehen sie weiter.


Quote
gomo heute, 08:14 Uhr
Wenn Sie mal richtig googlen nach Siemens und Schmiergeldskandal, können Sie herausfinden, dass in den letzten Jahren viele Strafverfahren gg Siemens Vorstände und Mitarbeiter wegen dieses Skandals angeklagt und auch verurteilt worden sind. Fast alle Vorstände mussten das Unternehmen verlassen. Der ehemalige Finanzvorstand nahm sich nach seinem Prozess tragischerweise das Leben. ...


...


Aus: "Siemens hält Schmiergeldstudie unter Verschluss" (17.03.2017)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-haelt-schmiergeld-studie-unter-verschluss-a-1139211.html

« Last Edit: March 18, 2017, 10:32:56 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #620 on: March 20, 2017, 12:40:24 PM »

Quote
[...] Hamburg taz Lug und Betrug – Rechtsanwalt Reiner Fuell­mich ist nicht zimperlich mit seinen Anschuldigungen gegen die Deutsche Bank. Er hat sie in mehreren Gerichtsverfahren erhoben. In einem Aufsatz, den er zusammen mit seinem Hamburger Kollegen Michael Bohndorf verfasst hat und der in der Fachzeitschrift für Wirtschafts- und Verbraucherrecht VuR erscheinen soll, macht er der Großbank neue Vorwürfe.
Sie soll den tatsächlichen Zeitpunkt des Vertragsschlusses in Abertausenden Fällen manipuliert haben. In mindestens 4.000 Fällen, so Fuellmich, wären die Darlehensverträge daher nichtig. Die Bank müsste eigentlich Rückzahlungen an die Darlehensnehmer von rund 100.000 Euro pro Person leisten. ... Für Fachanwalt Fuellmich, seit Langem auf der Spur der Deutschen Bank, kein Grund zur Aufgabe. Für ihn erklären sich die Erfolge der Banken vor Gericht aus falschen Angaben, die sie gemacht hätten. Er wirft nun der Deutschen Bank „massenhaften – aktuell in Hunderten von Rechtsstreiten begangenen – Prozessbetrug“ vor. Die Deutsche Bank habe „systematisch die Gerichte über die Art und Weise und den Zeitpunkt des Vertragsschlusses belogen“. Diese Praxis setze sie fort.
Deutschlands größte Bank reagiert gewohnt wortkarg. Ein Sprecher weist die Vorwürfe als „unbegründet“ zurück. Die von Fuellmich genannte Zahl von 4.000 Fällen „entbehrt jeglicher Grundlage“. Ins Feld führt Fuellmich mehrere Verfahren vor Oberlandesgerichten. Jetzt könne es wie in den USA, wo die Deutsche Bank etwa 4 Milliarden Euro an Opfer von „Schrottimmobilien“ zahlen müsse, auch in Deutschland „zum Eklat“ kommen. Das OLG Oldenburg habe eine Beweisaufnahme wegen Falschaussage angeordnet, in anderen Gerichten liefen sie bereits. Mit Ergebnissen, heißt es am Oldenburger Gericht, sei sicherlich nicht vor der Sommerpause zu rechnen.


Aus: "Neue Vorwürfe gegen Deutsche Bank" Hermannus Pfeiffer (15.3.2017)
Quelle: https://www.taz.de/Streit-um-Schrottimmobilien/!5392938/

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Quote
[...] Die Deutsche Bank will mit frischem Geld Lücken stopfen, die durch die unzähligen Rechtsstreitigkeiten entstanden sind. Sie beschloss eine massive Kapitalerhöhung von acht Milliarden Euro. ... Allein im vergangenen Jahr hatte die Bank wegen ihrer Verstrickungen einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro verbucht, im Jahr zuvor waren es 6,7 Milliarden. ...  Die Bank beschäftigt ganze Abteilungen, die sich mit den Tausenden von Rechtsstreitigkeiten auseinandersetzen. Die kostet Unsummen und führte das Institut soweit in die Krise, dass Anfang vergangenen Jahres sogar über seine Solvenz spekuliert wurde. Auch gab es Sondierungsgespräche über eine Notfusion mit der Commerzbank, die aber ins Nichts führten.

An den Finanzmärkten wird der neueste Coup der Deutschen Bank positiv bewertet. Dort hofft man, dass mit dem Befreiungsschlag endlich reiner Tisch gemacht wird und somit die Plattform für einen Neunanfang entsteht.

Die Aktionäre allerdings dürften wenig begeistert sein. Der Aktienkurs, der erst vor wenigen Monaten bis rund zehn Euro abstürzte und sich wieder etwas berappelt hat, wird durch die Kapitalerhöhung nun weiter verwässert.


Aus: "Befreiungsschlag aus der Krise?" (05.03.2017)
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/deutschebank-215.html

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Quote
[...] Der Chef der Deutschen Bank gehört nicht mehr zu den Spitzenverdienern unter den Vorstandsvorsitzenden der börsennotierten deutschen Konzerne. Der gebürtige Brite bekam für das vergangene Jahr „nur“ sein Grundgehalt von 3,8 Millionen Euro ausgezahlt, wie aus dem am Montag veröffentlichten Vergütungsbericht hervorging. Wie die übrigen Vorstände der Bank verzichtete er damit auf alle Boni.

Unter den Chefs der Dax-Konzerne verdienten damit bislang nur die Anführer des Versorgers Eon, des Halbleiterherstellers Infineon und der Lufthansa weniger. 26 der 30 in dem Standardwerteindex haben bislang berichtet darüber.

... Cryans Vorgänger an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus, Anshu Jain und Josef Ackermann, hatten zeitweise zweistellige Millionenbeträge erhalten. Die Zeiten haben sich geändert: Auch wenn das Jahr 2017 optimal laufen sollte, beträgt die Gehaltsobergrenze in der Deutschen Bank 9,85 Millionen Euro je Vorstand. Insgesamt kostete der Vorstand die Bank im vergangenen Jahr etwas weniger als 26 Millionen Euro, im Jahr 2015 waren es beinahe 23 Millionen Euro gewesen.

Das neue Vergütungssystem für die Deutsche-Bank-Manager war auf der Hauptversammlung im Mai 2016 durchgefallen, weil es den Aktionären zu komplex und undurchsichtig war. Aufsichtsratschef Paul Achleitner nimmt nun einen neuen Anlauf. „Der Aufsichtsrat hat die geäußerte Kritik zum Anlass genommen, die Strukturen der variablen Vergütung deutlich zu vereinfachen und die Vergütung mit transparenten Leistungskriterien zu verknüpfen“, heißt es im Vergütungsbericht.

Die Entwicklung des Aktienkurses im Vergleich zur Konkurrenz soll dabei eine deutlich geringere Rolle spielen als bisher. Stattdessen werden die Vorstände am Kapitalzuwachs gemessen.

Indem sie auf ihre Boni verzichtete, reagierten die Deutsche-Bank-Vorstände auf die drastische Kürzung der variablen Vergütungen für den Rest der Belegschaft. Insgesamt wurden die Boni um 77 Prozent auf rund 500 Millionen Euro zusammengestrichen. Die gesamten Personalkosten gingen dadurch um 1,6 Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro zurück.

316 Deutsch-Banker verdienten 2016 mindestens eine Million Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 756 gewesen. Die beiden Spitzenverdiener lagen laut Vergütungsbericht zwischen sechs und sieben Millionen Euro. Auch noch nach der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank einigen Investmentbankern teils zweistellige Millionensummen im Jahr gezahlt.

Zum ersten Mal seit Jahren beschäftigt die Deutsche Bank weniger als 100.000 Mitarbeiter, obwohl im Controlling und in Überwachungs-Funktionen neue Stellen geschaffen wurden und ausgelagerte Aufgaben in den Konzern zurückgeholt wurden. Die Mitarbeiterzahl sank im Jahr 2016 um 1360 auf 99.744. Der größte Teil des Stellenabbaus steht der Deutschen Bank noch bevor. Mit der Wiedereingliederung der Postbank dürfte er nochmals verschärft werden.


Aus: "Deutsche-Bank-Chef verzichtet auf alle Boni" (20.03.2017)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/john-cryan-deutsche-bank-chef-verzichtet-auf-alle-boni-14933642.html
« Last Edit: March 20, 2017, 12:58:59 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #621 on: March 29, 2017, 09:30:39 AM »

Quote
[...] Die Abgeordneten im rheinland-pfälzischen Landtag erhöhten sich zum Wochenende ihre Diäten bis 2020 um 17,5 Prozent (vgl. Diätenerhöhung im Aufmerksamkeitsschatten der Saarlandwahl). Ein paar Tage veröffentlichte die HKP Group eine Statistik, aus der hervorgeht, dass sich die Manager der 30 deutschen Dax-Konzerne im letzten Jahr um durchschnittlich fast 14 Prozent höhere Einkünfte genehmigen ließen (vgl. Deutsche Spitzenmanager verbuchen fast 14 Prozent Einkommenszuwachs).

Im Vergleich zu den Spitzenfunktionären des Fußball-Weltverbandes Fifa wirken sie aber alle wie Amateure: Dessen Ratsmitglieder wollen sich Medienberichten nach nämlich gleich eine Gehaltssteigerung in Höhe von 50 Prozent genehmigen und zukünftig 450.000 statt 300.000 Dollar im Jahr kassieren.

Die Fifa möchte diese Zahlen aktuell weder bestätigen noch dementieren und verweist auf anstehende Sitzungen ... Im Regelfall werden solche Forderungen heute mit der Behauptung begründet, ein Gremium, eine Person oder eine Lizenz sei das "wert".

Quote
     sadbydefinition, 29.03.2017 00:50

Das ist bestimmt nur, damit die nicht mehr bestechlich sind!  ...



Aus: "Fifa-Funktionäre: Weil sie es (sich) wert sind" Peter Mühlbauer (29. März 2017)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Fifa-Funktionaere-Weil-sie-es-sich-wert-sind-3668349.html
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« Reply #622 on: April 01, 2017, 11:56:11 AM »

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[...] Kiel | Es ist eine kleine Sensation: Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik sei am Freitag ein Betrieb der Systemgastronomie in Schleswig-Holstein bestreikt worden. Das sagte Finn Petersen, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Schleswig-Holstein Nord, gegenüber shz.de. Konkret traf der Ausstand eine McDonald’s Filiale in Kiel. Von zwölf bis 14 Uhr legten dort nach Angaben von Petersen zehn der zwölf Beschäftigten aus der Mittagsschicht die Arbeit nieder.

Hintergrund des Warnstreiks sind die aktuellen Tarifauseinandersetzungen in der Systemgastronomie. Bislang hat es drei Verhandlungsrunden zwischen dem Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) und den Arbeitnehmervertretern gegeben, die bislang jedoch erfolglos blieben. Am 6. April soll es einen neuen Anlauf zur Lösung des Tarifkonflikts geben.

Im Vorfeld versucht die Gewerkschaft noch einmal Druck aufzubauen. Für Samstag ist in Hamburg eine größere Protestaktion geplant. Neben McDonald’s sind auch große Ketten wie Starbucks, Nordsee und Burger King Mitglieder des BdS und damit in die Tarifauseinandersetzungen involviert. Bundesweit gab es seit Januar immer wieder Warnstreiks in den Betrieben dieser Restaurant-Ketten.

Die Systemgastronomie zählt in Deutschland 100.000 Beschäftigte. Die NGG fordert für sie eine Erhöhung der Löhne um mindestens sechs Prozent und eine überproportionale Anhebung der untersten Tarifgruppen – und damit auch einen stärkeren Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn. Zuletzt hatten die Arbeitgeber nach Gewerkschaftsangaben für die Einstiegsgehälter allerdings gerade einmal drei Cent mehr angeboten, als der gesetzliche Mindestlohn (8,84 Euro) vorsieht. Für die übrigen Tarifgruppen sollte es ein Plus von einem Prozent geben.


Aus: "Das gab es noch nie: Streik bei McDonald's in Kiel" (31. März 2017)
Quelle: http://www.shz.de/regionales/kiel/das-gab-es-noch-nie-streik-bei-mcdonalds-in-kiel-id16485986.html

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« Reply #623 on: April 03, 2017, 10:59:49 AM »

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[...] Bayern startet ein Förderprojekt für Familien, in denen Mutter und Vater jahrelang ohne Job sind. Ziel ist es, den Kindern das Modell ihrer Eltern als Vorbild auszureden. Die Inititiative bildet den Auftakt für eine umfassende Hartz-IV-Reform.
Bayerns CSU-Sozialministerin Christine Haderthauer will mit öffentlicher Arbeit und Intensivbetreuung Langzeitarbeitslosen mit Kindern bei der Rückkehr in einen geregelten Alltag helfen. “Wir dürfen nicht zusehen, wenn Eltern den Lebensentwurf Hartz IV in die nächste Generation tragen, quasi vererben”, sagte die Ministerin der FTD. “Mit den bisherigen Maßnahmen kommen wir an diese Härtefälle nicht ran”, so die CSU-Politikerin. “Es reicht manchmal eben einfach nicht, jedem eine Arbeitsstelle zuzuweisen und dann zu hoffen, dass es klappt. In einigen Fällen müssen wir die gesamte Lebenssituation in den Blick nehmen. Bei Langzeitarbeitslosen mit Kindern brauchen wir einen besseren, einen ganzheitlichen Ansatz.”

Bayern startet in dieser Woche einen Modellversuch in Nürnberg und Fürth, wo der Anteil der Langzeitarbeitslosen besonders hoch ist. Rund 2200 Familien in der Region sollen drei Jahre intensiv gefördert werden. Das Angebot richtet sich an Paare mit Kindern und Alleinerziehende, die von Hartz IV leben. Zwei bis drei Betreuer kümmern sich um je eine Familie. Das Projekt kostet knapp 19 Mio. Euro, davon zahlt der Freistaat gut die Hälfte. Die beiden Städte und die Arbeitsagentur zahlen den üblichen Anteil für die Eingliederung Arbeitsloser. “Das Projekt kostet viel Geld und erfordert intensiven Einsatz – aber ich glaube, es verspricht Erfolg.”
Mit dem Projekt testet Bayern, wie sich Sachleistungen bewähren, und liefert so einen Vorgeschmack auf die Hartz-IV-Reform des Bundes, die im Herbst ansteht. “Den Kindern machen wir besondere Angebote, einen Sprachkurs, Hausaufgabenunterstützung oder den Fußballverein. Damit erproben wir schon mal, wie es sich auswirkt, für die Kinder in Hartz IV stärker Sachleistungen anzubieten”, sagte Haderthauer. Im Unterschied zur normalen Jobvermittlung mischen sich die Betreuer stark in den Alltag der Familien ein: “Wir helfen, wenn es ein Suchtproblem gibt, schicken, wenn nötig, die Schuldnerberatung”, sagte die Ministerin. “Es gibt viele Gründe, weshalb Langzeitarbeitslose einen Job nicht antreten oder wieder schmeißen.”

Die Eltern bekommen eine berufliche Qualifizierung und ein öffentliches Beschäftigungsangebot. Außerdem werden sie bei der Alltagsbewältigung unterstützt, bekommen etwa Hilfe beim Kochen, im Umgang mit Haushaltsmitteln und dabei, den Tagesablauf zu strukturieren. Vielen falle es schon schwer, morgens aufzustehen, so die Sozialministerin. Es könne nicht sein, dass in einer Familie das Schulkind die einzige Person sei, die aufsteht. Außerdem wird den Betroffenen bei der Erziehung und der Suche nach einem Betreuungsplatz unter die Arme gegriffen.
Weil das Bundesverfassungsgericht die Berechnung der Hartz-IV-Sätze im Frühjahr für verfassungswidrig erklärt hatte, berechnet die Regierung sie derzeit neu. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) favorisiert dabei für Kinder gezielte Sachleistungen statt höherer Geldbeträge. “Selbst wenn die Eltern vielleicht irgendwann wieder in die Arbeitslosigkeit fallen, dann retten wir vielleicht die Kinder über unsere Maßnahmen “, begründet Haderthauer das Projekt.

...


Aus: "“Lebensentwurf Hartz IV nicht vererben”" (ftd.de – 27.07.2010 – von Monika Dunkel)
Quelle: http://www.sozialaemter.com/index.php/lebensentwurf-hartz-iv-nicht-vererben/
www .ftd.de/politik/deutschland/:hilfe-fuer-langzeitarbeitslose-lebensentwurf-hartz-iv-nicht-vererben/50149266.html

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« Reply #624 on: April 04, 2017, 08:04:48 AM »

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[...] Die Chefs großer Konzerne verdienen bis zu 190-mal so viel wie ihre Mitarbeiter. Das zeigt eine Auswertung des "Handelsblatts". Im Durchschnitt lagen 2016 die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden der führenden deutschen Aktiengesellschaften demnach 93-mal höher als der Durchschnittsverdienst eines Mitarbeiters ihrer Unternehmen.

Spitzenreiter der "Handelsblatt"-Liste ist Bernd Scheifele, der Vorstandsvorsitzende des Baustoffkonzerns Heidelberg-Cement; sein Gehalt liegt nach Berechnungen der Zeitung beim 190-Fachen der Durchschnittsvergütung eines Beschäftigten. Die Beschäftigten bei Heidelberg-Cement verdienen durchschnittlich 44.300 Euro im Jahr.

...


Aus: "Vorstandsgehälter: Heidelberg-Cement ist Spitzenreiter bei Gehaltsexzessen" (04.04.2017)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gehaelter-deutsche-vorstandschefs-verdienen-bis-zu-190-mal-so-viel-wie-angestellte-a-1141729.html

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Quote
[...] Bei der noblen Schweizer Bank Credit Suisse geht es derzeit ungewöhnlich turbulent zu: Wichtige Aktionärsvertreter kritisieren seit Wochen die üppigen Gehälter, die sich die Top-Manager genehmigen lassen wollen. Kein Wunder: Hatte die Bank im Jahr 2016 doch einen Verlust von 2,7 Milliarden Franken gemacht.

Nachdem das Top-Management am vergangenen Freitag auf Druck der Aktionäre überraschend einen größeren Boniverzicht angekündigt hatte, wird nun klar wie hoch dieser ausfällt: Der aktualisierte Vergütungsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr sieht vor, dass die Geschäftsleitung eine kurzfristige variable leistungsbezogene Vergütung von insgesamt 17,01 Millionen Franken erhalten soll. Ursprünglich waren 25,99 Millionen beantragt. Die langfristige variable Vergütung für 2017 soll nun 31,2 Millionen Franken nicht übersteigen. Zuvor waren hier 52,0 Millionen vorgesehen.

Statt rund 78 Millionen Franken (etwa 73 Millionen Euro) sind für die zwölf Top-Manager also insgesamt nur noch 48 Millionen Franken drin.

Für Konzernchef Tidjane Thiam, der besonders in der Kritik steht, scheint der Verzicht allerdings verkraftbar: Statt knapp 12 Millionen Franken soll er nun 10,24 Millionen Franken verdienen. Das ist immer noch fast dreimal so viel wie Deutsche-Bank-Chef John Cryan, dessen Haus in ähnlich miserabler Lage steckt wie die Credit Suisse.

Die Aktionärsvertreter lassen sich von dem Verzicht denn auch kaum beruhigen: Die einflussreichen Stimmrechtsberater Glass Lewis und ISS empfehlen den Aktionären weiterhin, die Boni für die Geschäftsleitung und die Entlohnung des Verwaltungsrats abzulehnen. Die Aktionäre müssen bei der Hauptversammlung am 28. April über die Entlohnung des Top-Managements entscheiden.

stk/dpa/Reuters


Aus: "Aktionärsrevolte: Credit-Suisse-Chef bekommt "nur noch" 10,2 Millionen Franken" (2017)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/credit-suisse-chef-bekommt-nur-noch-10-2-millionen-franken-a-1143693.html

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Quote
[...] Das deutsche Steuersystem belastet Gutverdienende deutlich stärker als Geringverdiener und soll so zwischen Arm und Reich umverteilen. 4,2 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland zahlen derzeit den Spitzensteuersatz von 42 Prozent. Dies geht aus einer bislang unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) hervor, wie das "Handelsblatt" berichtet.

Diese knapp zehn Prozent der Top-Verdiener in Deutschland sind mit 48,2 Prozent fast für die Hälfte des gesamten Einkommensteueraufkommens verantwortlich, die 30 Prozent Spitzenverdiener demnach sogar für 79 Prozent. 2,7 Millionen Erwerbstätige zahlen dagegen laut der Studie aufgrund zu geringen Verdiensts überhaupt keine Steuern.

Die Studie zeigt dem "Handelsblatt" zufolge außerdem, wie stark Gering- und Durchschnittsverdiener durch Steuern und Abgaben belastet werden. Ein Single mit einem Bruttogehalt von 1940 Euro im Monat zahlt demnach 46 Prozent Steuern und Abgaben. Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener mit 3250 Euro muss mit 51 Prozent mehr als jeden zweiten Euro abführen.

Ein Ehepaar ohne Kinder und einem Einkommen von 4040 Euro zahlt 47 Prozent Steuern und Abgaben, eine Familie mit zwei Kindern und 6170 Euro monatlichem Einkommen 44 Prozent.

Dass auch Durchschnittsverdiener den Spitzensteuersatz zahlen, liegt daran, dass der Satz für Singles bereits ab einem Einkommen von 54.000 Euro im Jahr fällig wird. Eine Steuersenkung würde nicht nur die hohe Steuerlast senken, sondern auch "die Anreize verbessern, eine Beschäftigung aufzunehmen oder die Arbeitszeit zu erhöhen", heißt es in der Studie.

Deutschland hat einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Studie der Industrieländerorganisation OECD zufolge die zweithöchste Steuer- und Abgabenlast aller Industrienationen. Für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener lag die Belastung 2016 demnach bei 49,4 Prozent des Arbeitseinkommens.


Aus: "Einkommensteuer: 4,2 Millionen Deutsche zahlen den Spitzensteuersatz" (18.04.2017)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/einkommensteuer-jeder-elfte-zahlt-den-spitzensteuersatz-a-1143624.html

« Last Edit: April 18, 2017, 12:46:48 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #625 on: April 19, 2017, 12:29:36 PM »

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[...] Was Europa betrifft, gibt es heute zwei Frankreichs. Auf den ersten Blick scheint die europäische Frage kein zentrales Wahlmotiv zu sein: Macron zieht junge, moderne Wähler an, die sich ein skandinavisches Gesellschaftsmodell wünschen; Fillon jene, die sich Strukturreformen wünschen; Mélenchon und Hamon Menschen, die sich einen "echten" Sozialismus wünschen; und Le Pen vereint hinter sich Franzosen, die weniger Immigration und weniger Moscheen wollen.

... Aber auch diese Dinge sind nur Nebenschauplätze. Die Franzosen sind viel grundlegender beunruhigt, das Vertrauen in die Institutionen ist gebrochen, in Paris wie in Brüssel. So sehr, dass viele von ihnen bereit sind, Le Pen und damit einen Frexit zu wählen, aus wie auch immer gearteten Gründen. Denn die Klagen der Franzosen gegen die EU – offene Grenzen für Migranten, übergriffiger Kapitalverkehr, exzessive Liberalisierung, aufgezwungene Ideologie – lassen sich alle in einer Hauptklage zusammenfassen: Die EU steht für eine inhärent antidemokratische Zukunft.

... Soziologisch sind die Wählerschichten eindeutig. Der Unterschied zwischen denen, die gegen die Verfassung stimmten, und denen, die sie gegen ihren Willen durchsetzten, ist der zwischen einer eingewurzelten Gemeinschaft und einer kosmopolitischen Elite. Und das macht die europäische Frage zu einer Klassenfrage.

... Historisch waren es immer schon Eliten aus den Zentren, die den peripheren Bevölkerungen den Universalismus beibringen wollten. Und oft stießen sie damit auf Widerstand. Und auf großes Unverständnis beiderseits. Oft denken Eliten, der Partikularismus der "einfachen Leute" gründe sich in einer ökonomisch schwachen Situation. Auch heute diskutiert man wieder darüber, was die EU den Bürgern materiell nützt: dass soundso viel Geld in die Landwirtschaft geht oder in strukturschwache Gebiete fließt.

Dahinter steht ein Missverständnis. Denn den antieuropäischen Parteien geht es zuallererst um etwas ganz anderes: die Autonomie. Und die ist nicht mit Geld aufwiegbar.

...


Aus: "Die Eliten hören nicht auf das Volk" Ein Gastbeitrag von Chantal Delsol (19. April 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-03/praesidentschaftswahl-frankreich-eu-kandidaten-europa/komplettansicht

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« Reply #626 on: April 23, 2017, 11:47:56 AM »

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[...] Es stand schlecht um Berlin vor 150 Jahren. Dank Indus­tria­lisierung explodierte die Einwohnerzahl, es war nicht genug Wohnraum da. Die Kloake schwamm zusammen mit dem Regenwasser durch die Rinnsteine der Stadt und sorgte neben dem üblen Gestank für katastrophale hygienische Verhältnisse. Krankheiten breiteten sich aus, an den Rändern campierten die Armen vom Land, die auf ein besseres Leben in der Stadt hofften.

Doch dann trat ein gewisser ­James Hobrecht (1825–1902) in Erscheinung, ein junger Ingenieur, der die Stadt im Auftrag des preußischen Innenministeriums neu entwerfen sollte. Oft wurde sein Plan gescholten, oft wurde er dafür verantwortlich gemacht, dass Berlin so steinern und die größte Mietskasernenstadt der Welt wurde.

In letzter Zeit wird James Ho­brecht aber wieder mehr gewürdigt. Immerhin veranlasste er den Bau einer Kanalisation, von breiteren Straßen, öffentlichen Plätzen. Vor allem aber ist er dafür verantwortlich, dass zu den Straßen hin bürgerliche Wohnhäuser entstehen konnten, mit Wohnraum für Arbeiter und Werkstätten in den Innenhöfen – eben die sogenannte Berliner Mischung.

Hobrecht hoffte, dass so verschiedene Bevölkerungsschichten zusammenleben könnten, er erwartete „gemütliche Beziehungen zwischen den gleichgearteten und wenn auch noch so verschieden situierten Bewohnern“. Vor allem dieser Satz von ihm ist berühmt geworden: „In der Mietskaserne gehen die Kinder aus den Kellerwohnungen in die Freischule über denselben Hausflur wie diejenigen des Rats oder Kaufmanns, auf dem Wege nach dem Gymnasium.“

Der Plan von Hobrecht hat in Berlin eine Marke entwickelt, und selbst in den schicksten Kiezen der Stadt hallt er noch immer nach, sei es auch noch so leise. So auch in der Hufe­land­straße in Prenzlauer Berg, der wir den ersten Teil unserer Serie über Berliner Straße widmen. Anlass sind die Arbeiten von Harf Zimmermann, die ab nächstem Wochenende in Berlin ausgestellt werden. Er hat die Hufe­land­straße und ihre Bewohner Mitte der 80er Jahre fotografiert – und dann wieder ab 2009.

Seine Fotos erzählen: Vor der Wende lag die Hufelandstraße in einem totem Winkel, die Obrigkeit der DDR war zu sehr mit dem Bau neuer Plattenbauviertel vor den Toren der Stadt beschäftigt. Hier konnten sich Bohemiens und Bäcker, Professoren und Schuhmacher in Ruhe begegnen. Der Putz bröckelte, es wurden alternative Lebenskonzepte ausprobiert.

Nach der Wende war die Straße eine der ersten in Prenzlauer Berg, die von der Welle der Gentrifizierung überrollt wurde. Die Fassaden, die Anwohner und ihre Geschichten: Sie wurden ausgetauscht, es ist nichts von ihnen übrig.

Doch das ist nur die eine Seite der Geschichte. Die andere ist, dass hier noch immer Leute leben, die den dörflichen und trotzdem toleranten Charme der „Hufe“ schätzen – die genau wissen, wo sich die verbliebenen interessanten Milieus jenseits von Latte-Macchiato-Müttern und Fernsehsternchen aus der dritten oder vierten Reihe noch treffen. Sie bewahren das Erbe von Hobrecht nach wie vor. – Und wenn angesichts der astronomischen Mieten auch nur, so gut es eben geht.


Aus: "Berliner Straßen (Teil I): Hufelandstraße - Wo sich die Milieus noch treffen" Susanne Messmer (23. 4. 2017)
Quelle: http://www.taz.de/Berliner-Strassen-Teil-I-Hufelandstrasse/!5398956/

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« Reply #627 on: April 23, 2017, 12:02:43 PM »

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[...]  Sonja Vogel: Wir kennen die faulen Arbeitslosen aus dem Fernsehen, wo sie dick und dumm auf der Couch fläzen, oder aus der Bild-Zeitung, in der „Florida-Rolf“ oder „Karibik-Klaus“ zum Inventar gehören. Wozu diese Bilder?

Hans-Albert Wulf: Sie dienen der Abschreckung. Aber die Botschaft geht weniger an die Hartz-IV-Empfänger als an jene, die arbeiten. Im 16. Jahrhundert waren Teufelsbücher sehr populär, in ihnen gab es Faulteufel. Und der war der Mensch selbst. Vom Faulteufel zu „Florida-Rolf“ gibt es eine direkte Linie. Er ist eine Warnung. So ähnlich wie das neue Arbeitslosengeld.

 Wegen der vielen Strafmaßnahmen?

Es geht immer auch um Demütigung. Wer faul ist, der muss eben bestraft werden. Verblüffend ist die historische Kontinuität. In meinem Buch zitiere ich eine Vorschrift von 1772: „Die Notdürftigen, die der Staat unterhält, müssen ein schlechteres und beschwerlicheres Leben führen als der große Tagelöhner-Haufen, der, der nicht bedürftig ist. Denn sonst würde sich niemand scheuen, bald oder spät dem Staat zur Last zu fallen.“ Der notleidende Mensch soll Abscheu vor staatlicher Hilfe entwickeln. Das ist sehr aktuell.

 Welche historischen Vorbilder hat der Faule?

Schon Mönche kritisierten vor eineinhalb Jahrtausenden jene, die zu faul zum Beten waren. Aber der Faule etablierte sich erst in der Neuzeit. Im 16. Jahrhundert verloren die Menschen in den ökonomischen Umbrüchen ihre Arbeit. Bettler wurden zum Massenphänomen. Da entstand der Faule als Typ. Im 19. Jahrhundert waren es dann die Vagabunden, für sie gab es im Bürgerlichen Gesetzbuch den Begriff der Arbeitsscheuen. Damals wurde ganz strikt zwischen ortsansässigen und zugereisten Bettlern unterschieden. Gegen die Zugewanderten ging man brutaler vor: Sie wurden gebrandmarkt, außer Landes geschafft und sogar hingerichtet.

 Das erinnert an die Regeln für Asylbewerber. Sie dürfen nicht arbeiten, aber gleichzeitig heißt es oft, sie lägen dem Staat auf der Tasche.

Das ist dasselbe System. Ich würde sagen, dass Faulheit als Sammelbegriff für Missliebige, meist aus der Unterschicht, dient. Es ist ein zweckmäßiger Begriff, der Menschen aussondert und es erlaubt, auf sie herabzuschauen.

...  Auch heute ist Faulheit eine Sache des sozialen Status, der Unterschicht nämlich. Ist dieser Zusammenhang durch das restriktive Sozialsystem Agenda 2010 vor elf Jahren stärker geworden?

Die Agenda 2010 hat ja keinen realen Nutzen gehabt, sie hat keine Arbeitsplätze geschaffen. Aber sie hat Regeln eingeführt, Arbeitseinsätze, die demütigen und abschrecken. Früher sollten auch Bettler gefälligst wenigstens so tun, als würden sie arbeiten. Die Arbeiten für 1-Euro-Jobber sind produktiver Unsinn. Aber sie zwingen sie zurück ins Hamsterrad. Und das Sadistische an diesen Maßnahmen ist ja, dass suggeriert wird, man sei selbst schuld, wenn man keinen Job bekommt. Auch die Einrichtung von Arbeitshäusern erfolgte einst mit dem Argument, Menschen durch Zwang die Lust an der Arbeit zu vermitteln – darum hießen sie auch Korrigenden. Das funktioniert natürlich nicht. Ab dem 17. Jahrhundert gab es dann Wasserkeller, in die fortwährend Wasser eingeleitet wurde. Wer dort eingesperrt war, musste mit einer Pumpe gegen das Ertrinken arbeiten.

Das wäre heute unmöglich.

Früher war das Vorgehen brutaler. Aber es gibt interessante Parallelen. Vor ein paar Jahren hat im Landesarbeitsamt Brandenburg jemand die Idee gehabt, Arbeitslose mit Schrittmessern auszustatten. Wer am meisten gegangen ist, sollte eine Prämie bekommen. ... Ich habe etwa 300 katholische und protestantische Predigten untersucht, und die sind sich einig: Faulheit ist Gotteslästerung, und Arbeit ist das von Gott auferlegte Los. Ein Bild wiederholt sich immer wieder: Engel, die die Schweißtropfen der Arbeiter einsammeln und zu Gott bringen, der dann entscheidet, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt. Zuerst war es eben die Kirche, die die Leute arbeitsam gemacht hat, dann die Obrigkeit mit ihren Strafen und seit dem 19. Jahrhundert der Industriekapitalismus. Wozu braucht es noch pastorale Tiraden, wenn ich ein Fließband vor mir habe?

...

Liegt das Problem nicht eher in der ungleichen Verteilung von Reichtum durch Arbeit?

Sicher macht es mehr Spaß, reich zu sein, wenn es Arme gibt. Das eine bedingt das andere, und letztlich profitieren nur wenige davon, wie Arbeit heute organisiert ist. Der Unternehmer Friedrich Flick soll sich gelegentlich aus Spaß auf eine Parkbank gesetzt haben, um mit Verelendeten über die Herrschenden zu lästern. Dabei aß er ein Butterbrot. Danach fuhr dann sein Mercedes 600 vor. ...

Quote
verflixt, 27.12.2016, 16:27

Jeder kann faul sein, wir leben immerhin in einer freihen Gesellschaft. Derjenige, der eine zumutbare Arbeit ablehnt, hat nur das moralische Recht verwirkt, von dem Geld anderer Leute (=Hartz IV) zu leben.

Quote
Illoinen, 3. Jan, 17:44

@verflixt Interessant, wie doch die Indoktrination im Westen fortgeschritten ist. Man gönnt denen da "Unten" nicht das schwarze unter dem Fingernagel" während bei denen, die uns tagtäglich Milliarden kosten, sehen die meisten als unsere Vorbilder an?



Quote
Jim Hawkins
27.12.2016, 10:55

„Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück.“

Gottfried Benn


...


Aus: "Soziologe Hans-Albert Wulf zum Nichtstun: „Wer faul ist, muss bestraft werden“" Sonja Vogel (25.12.2016)
Quelle: http://www.taz.de/Soziologe-Hans-Albert-Wulf-zum-Nichtstun/!5362228/

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« Reply #628 on: April 23, 2017, 12:23:07 PM »

Quote
[...] Nach Oscar Lewis ist die Lebensweise der Mitglieder der Kultur der Armut von Denk- und Handlungsmustern geprägt, die von Generation zu Generation innerhalb der kulturellen Einheit weiter vererbt würden. Diese Kultur sei zwar einerseits eine funktionale Reaktion auf die Lebensbedingungen in der Armut, aber andererseits schade sie den Armen auch. Kennzeichnend seien zerbrochene Familien. Das Sexualleben beginne früh und man heirate aufgrund mündlicher Übereinkunft. Die Frauen würden oft von ihren Männern geschlagen und zahlreiche auch verlassen. Den Mittelpunkt der Familie bilde die (oft alleinerziehende) Mutter mit ihren Kindern. Diese Kultur der Armut zeichne sich dadurch aus, dass die Armen nach sofortiger Befriedigung ihrer Bedürfnisse strebten. Sie seien nicht in der Lage, ein Bedürfnis zurückzustellen, um später davon zu profitieren. So investierten die Armen zum Beispiel nicht in ihre Ausbildung und auch nicht in die Ausbildung ihrer Kinder. Das führe dazu, dass auch die nächste Generation arm sein werde. Um diese im Sozialisationsprozess verwurzelte Kultur aufzubrechen reiche materielle Unterstützung nicht aus: „The elimination of physical poverty per se may not eliminate the culture of poverty which is a whole way of life“. Die einzige Möglichkeit, die Armut zu beenden, ist laut Lewis eine von außen kommende Intervention, etwa durch kompensatorische Erziehung, Sozialarbeit oder psychotherapeutische Betreuung.

Daniel Patrick Moynihan sah den Zerfall der Familie als Grund für Armut. Er beklagte die hohe Anzahl alleinerziehender Mütter unter Afroamerikanerinnen, welche deviante Werte an ihre Kinder weitergeben würden. So käme es dazu, dass ihre Kinder (welche ansonsten zu Mitgliedern der Mittelschicht werden könnten) zu Mitgliedern der Armutsschicht würden. ... Strukturfunktionalisten wie Herbert Gans sind der Meinung, dass Armut eine gesellschaftliche Funktion erfüllt. Aus diesem Grund trachtet jede Gesellschaft danach, ihre Armen zu haben. Laut Gans dienen die Armen als abschreckendes Beispiel und als Sündenböcke. So helfen sie, die dominante Kultur und Ideologie einer Gesellschaft zu erhalten.

...


Aus: "Armut" (31. März 2017)
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Armut

Kultur der Armut ist ein vom amerikanischen Ethnologen Oscar Lewis (1914–1970) geprägter Begriff (englisch culture of poverty)
https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur_der_Armut

Neue Unterschicht ist ein in der öffentlichen Meinung umstrittenes politisches Schlagwort, mit dem die Herausbildung einer Bevölkerungsgruppe beschrieben wird, welche am wenigsten über Geld, Güter, Bildung und Sozialprestige verfügt. Als das spezifisch Neue an dieser Unterschicht wird dabei gesehen, dass sie im Vergleich zum Proletarier meist auch über mehrere Generationen hinweg ohne Arbeit ist. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Unterschicht
« Last Edit: April 23, 2017, 12:28:50 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #629 on: May 04, 2017, 12:25:20 PM »

Quote
[...] Manche Immobilienfonds wie von Deka Immobilien oder der Deutschen Bank nehmen zeitweise gar kein Geld mehr entgegen, um zu verhindern, dass überschüssiges Anlegergeld zu negativen Zinsen geparkt werden muss. Denn dadurch werden die Fonds-Renditen, die derzeit zwischen 2 und 2,5 Prozent liegen, geschmälert. Bei ihrer Suche nach neuen Gebäuden stoßen die Fonds nun zunehmend auf eine Art, die uninteressanter erscheint, als sie ist: Lagerhallen und andere Logistikzentren werden zu Immobilienobjekten der Begierde.

Fonds, Versicherungen und Privatanleger hätten 2016 in Deutschland für rund 4,7 Milliarden Euro und damit drei Prozent mehr als im Jahr zuvor Logistikgebäude erworben, heißt es vom Immobiliendienstleister Savills. 6,7 Millionen Quadratmeter Lagerfläche wurden laut Immobilienberatung CBRE 2016 vermietet – so viel wie nie zuvor. Logistik, sagen Branchenkenner, sei für Anleger die „neue Hoffnung“. ...

Der Fonds Deka Immobilien Global hat im vergangenen Jahr für rund 92 Millionen Euro das „Amazon Fulfillment Center“ im amerikanischen Hartford erworben. Das 95000 Quadratmeter große Verteillager ist bis 2030 an den Onlinehändler vermietet – eine lange Zeit, die stetige Einnahmen verspricht.

Quote
Doyle Musgrave  (doylemu...) - 23.04.2017 15:34

Krux der offenen Fonds

Vergleichsweise hohe Verwaltungsgebühren, Regulation und nicht zuletzt die vorzuhaltende Liquiditätsreserve nehmen der Anlage in große Immobilien viel von ihrer eigentlichen Attraktivität. Logistikimmobilien sind dort wohl nur deshalb in den Fokus geraten, weil wegen überschaubarer Nachfrage und vernünftigen Kaufpreisen die Anfangsrendite relativ höher lag als in den Klassen Office und Retail. Sie unterliegt aufgrund des Margendrucks der Nutzer ungleich stärker den Megatrends Automation und Digitalisierung und dem Wandel der Handelsmodelle. Die vom Autor richtig beschriebene Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft in dem Markt sollte deshalb neben dem inzwischen hohen Preisniveau dazu führen, dass sich Portfoliomanager ohne Know-how wieder aus der Assetklasse zurückziehen. Sonst sind das echte Risikofälle im Exit case



Aus: "Mehr Rendite mit Lagerhallen" Thomas Klemm (23.04.2017)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/immobilienfonds-kaufen-immer-oefter-logistikgebaeude-14983209.html

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Quote
[....] Die Gewerkschaft verlangt die Übernahme des Tarifvertrags für den Versand- und Einzelhandel bei Amazon. Das lehnt der Internetriese ab. Wegen der Streiks an den deutschen Amazon-Standorten habe das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren die Löhne und Gehälter aber immer wieder ein wenig erhöht, so Verdi.
In dem Konflikt um einen Tarifvertrag gibt es seit Mai 2013 immer wieder Streiks. ...


Aus: "Streik bei Amazon Leipzig geht weiter" (erschienen am 03.05.2017)
Quelle: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Streik-bei-Amazon-Leipzig-geht-weiter-artikel9895008.php

Quote
[...] "Wir werden nicht zulassen, dass Großunternehmen wie Amazon sich ihrer sozialen Verantwortung entziehen und Löhne und Gehälter nach Gutsherrnart einseitig bestimmen", erklärte Verdi-Fachbereichsleiter Jörg Lauenroth-Mago. Zum wiederholten Male verlangte die Gewerkschaft von dem Unternehmen, den Tarifvertrag für den Versand- und Einzelhandel zu akzeptieren. Amazon verweist stets darauf, dass man sich bei der Bezahlung der Beschäftigten am oberen Bereich des Tarifvertrags für die Logistikbranche orientiere. (mit Material der dpa)

Quote
     Bernd963, 02.05.2017 17:29

Wo ist verdi bei DHL und Hermes
Wenn ich neuerdings die Zusteller so sehe in zerfetzten Klamotten und zerbeulten Privatwagen, frage ich mich man unbedingt Amazon bestreiken muss.
Das Preisdumping bei den Zustellern und Briefdiensteistern macht mir da mehr Sorgen.
Man sieht auch am Zustand der Pakete ob es von Hermes oder DHL kam, eigentlichn auch an der Lieferzeit. ...

Quote
     Karoma, 02.05.2017 17:50

Re: Wo ist verdi bei DHL und Hermes
Bernd963 schrieb am 02.05.2017 17:29:

> Wenn ich neuerdings die Zusteller so sehe in zerfetzten Klamotten und zerbeulten
> Privatwagen, frage ich mich man unbedingt Amazon bestreiken muss.

Weil nicht ver.di bestimmt, wo gestreikt wird, sondern die organisierten Mitarbeitern in den jeweiligen Betrieben?



...


Aus: "Erneut Streik bei Amazon in Leipzig" (02.05.2017)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Erneut-Streik-bei-Amazon-in-Leipzig-3701358.html

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Quote
[...] was tun, wenn die Autos statt Rostlauben seltene Oldtimer und kostspielige Raritäten sind? Natürlich ist das ein Luxusproblem. Doch von der Antwort auf diese Frage könnten sich manche Architekten für ihre zukünftigen Planungen inspirieren lassen. Jene, die solche hochpreisigen Autos ihr Eigen nennen und von denen sich manche ganze Sammlungen zulegen, wollen immer öfter ein Ambiente in ihren Tiefgaragen, das perfekt zur Eleganz der edlen Stücke passt.

Die Tiefgarage wird zum unterirdischen Showroom, in dem die automobilen Schmuckstücke in Szene gesetzt werden – mit ausgeklügeltem Lichtkonzept, hochwertigen Bodenbelägen und veredelten Wandoberflächen. Und wenn der unterirdische Platz zu wenig ist, stellt sich, wer von seinem kostbaren Auto nicht lassen will, einen überdimensionierten Matchbox-Karton in den Garten und parkt darein die Edelkarosse.

Luxus-Garagen sind ein Münchner Phänomen. In Hamburg oder Berlin kennt man sie in dieser Art nicht. In der bayerischen Landeshauptstadt dagegen ist unter den finanzkräftigen Autonarren schon vor Jahren ein Überbietungswettbewerb ausgebrochen. Hat einer ein besonderes Auto, will der andere es auch haben, um seine Sammlung aufzuwerten, erzählt man sich an der Isar. Hinsichtlich der Tiefgaragen will man natürlich ebenfalls in nichts nachstehen.

...  Es sind Sammlungen mit Raritäten, Erinnerungsstücken und visionären Autostudien. Mercedes und Porsche in individuellen Tuningausführungen, Bentleys, Lamborghinis, Bugattis, McLarens und Sondermodelle von Ferrari, die in geringen Stückzahlen gebaut und nur an treue Mitglieder eines erlauchten Sammlerkreises abgegeben werden. Was so eine Sammlung wert ist? Keine Antwort. Wer das nötige Kleingeld hat, erzählt nicht, was er dafür ausgegeben hat.

Es gibt Tiefgaragen, in denen zwischen den Autos auch schon die private Kunstsammlung präsentiert wurde. Ein anderer hat von einem Lichtkünstler eine Installation passend zu den Farben der Sammlerstücke anfertigen lassen. Und in Kitzbühel hat ein Hausbesitzer seine Tiefgarage mit viel Altholz so gestaltet, dass sie auch ein formidabler Ort für die privaten Partys ist. Einer, der weiß, auf was es den zahlungskräftigen Bauherren – es sind ausschließlich Männer, die ihrem Hobby einen solch teuren Stellenwert einräumen – bei der Gestaltung von Tiefgaragen besonders ankommt, ist Olaf Übelacker.

„Es gibt nichts, was es in diesen Tiefgaragen nicht gibt und was wir nicht möglich machen würden“, sagt der Chef der Hans Übelacker Werkstätten. Braucht eine Wohnung oder ein Haus einen besonderen Bodenbelag oder sollen Wände einzigartig gestaltet werden, dann rufen die Architekten nach Übelacker.

Im Restaurant von Feinkost-Käfer in der Münchner Prinzregentenstraße hat Übelacker schon Wände mit flüssigem Metall beschichtet, in Kitzbühel mit außergewöhnlicher Betontechnik eine Küche zu einem schicken Hingucker gemacht und an der Côte d’Azur mit der schon aus der griechisch-römischen Antike bekannten Enkaustik-Technik die Eingangshalle einer Villa neu gestaltet. Übelacker kann es extravagant und gediegen, mit viel Understatement und wenig Snobismus, und dafür schätzen ihn seine Auftraggeber.

All das, was Übelacker in den Wohnräumen seiner Auftraggeber umsetzt, ist auch in ihren Tiefgaragen zu finden. Blattgold und Blattsilber habe er darin schon verarbeitet, erzählt Übelacker, als sei es das normalste der Welt, aber auch Kalk-Marmor-Granulate für hochwertige Oberflächenstrukturen oder aufwendige Stuckarbeiten. Jüngste Trends bei Tiefgaragen: fugenlose Decke-Wand-Bodenbeschichtungen in allen Farben und Glanzgraden und Used-Walls, Wandoberflächen wie in alten italienischen Palazzi.

Zwar reden sie untereinander viel darüber und fachsimpeln, dass die roten Schmuckstücke auf einem weißen Boden am besten zur Geltung kämen, und sie erzählen auch Außenstehenden davon, die Öffentlichkeit einer Zeitung scheuen sie aber. Die Bitte um ein Gespräch, aus dem dann auch zitiert werden soll, sagen die einen erst zu und dann doch ab, die anderen überhören die Frage geflissentlich und wieder andere weisen sie wirsch ab.

Hat man dann doch jemanden gefunden, der wie Olaf Übelacker profund etwas dazu sagen kann, sind die Bedingungen klar: Namen dürfen nicht genannt werden. Und auf gar keinen Fall Adressen. Denn die Angst ist groß, die Tiefgarage und die darin befindlichen Schmuckstücke könnten in den Fokus von Diebesbanden geraten. Einziges Zugeständnis: Fotos, welche die Eigentümer vom Fotografen ihres Vertrauens haben anfertigen lassen, dürfen gedruckt werden. Ein bisschen eitel ist man schließlich doch.

... „Wer Geld frei zur Verfügung hat, investiert es eben auch gerne in schöne Dinge wie Autos“, sagt Mayr. Seine neueste Vision: eine Tiefgarage mit riesigem Dachfenster, so dass der Hausherr seine Autosammlung wie in einer Vitrine vom Garten aus bewundern kann.

An Ideen fehlt es nicht. Und an finanzstarken Kunden ebenfalls nicht. ...

Quote
Thomas Kuttich  (Kuttich) - 04.05.2017 08:18

Prima Beitrag, jetzt kann ich den Begriff "Dekadenz" meinem Sohn viel anschaulicher erklären.


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Aus: "Autoschau im Luxusbau" 04.05.2017 (Stephanie Geiger)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/auto-verkehr/garagen-der-besonderen-art-14983142.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
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