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Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 468917 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #1330 on: September 22, 2022, 12:42:20 PM »

Dem Anpassungsdruck des Betriebs arbeitet dabei die Anpassungswilligkeit derjenigen entgegen, die in ihn hinein wollen.

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[...] Louis lässt "auf der Suche nach Freiheit" seine proletarischen Wurzeln hinter sich, um nach und nach Teil des französischen Bildungsbürgertums zu werden. Er trainiert sich sein lautes Lachen und den nordfranzösischen Akzent ab, lernt, mit Gabel und Messer umzugehen, und als er einen reichen Sponsor kennenlernt, lässt er sich seine Zähne richten. Aus Eddy wird auf Vorschlag der Mutter seiner besten Freundin Édouard – ein Mann, der sich eine Krawatte binden kann und es auf eine der besten Unis Frankreich schafft, der sich von reichen, älteren Männern aushalten lässt und bald genauso über sündteure Weine wie über Massenet parliert.

... Es sind allerdings der Soziologe Didier Eribon (Rückkehr nach Reims) und dessen Freund Geoffrey de Lagasnerie, die dem blutjungen Louis erst eine wirkliche Perspektive geben. Die Freundschaft zu ihnen ermutigt ihn zur Lektüre-, dann zur Schreibarbeit, die in der Publikation des ersten, mittlerweile in 35 Sprachen übersetzten Buches mündet. "Ich hielt in Harvard, Berkeley und an der Sorbonne Vorträge und war von diesem Leben erst beeindruckt, dann genervt, dann angewidert."

... In die Schilderung seiner "éducation bourgeoise", die eng mit seiner sexuellen Identitätsfindung verbunden ist, mischen sich bei Louis viele zweifelnde Töne.

...


Aus: "Neuer Roman von Édouard Louis: Wie man zum Bildungsbürger wird" Stephan Hilpold (21. September 2022)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000139255481/neuer-roman-von-edouard-louis-wie-man-zum-bildungsbuerger-wird


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Pyg Malia

Die künstlerische Literatur befindet sich heute im Abseits. ... Im Perlentaucher gab's mal einen interessanten Essay, der sagt, dass in Bezug auf Kunst und Literatur alles langsam wieder so wird, wie es früher war: https://www.perlentaucher.de/essay/das-hirngespinst.html


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[...] "Essay: Das Hirngespinst" Peter Truschner (22.11.2016)

Warum die Debatte um den literarischen Nachwuchs in die Irre geht: Nicht die jungen AutorInnen sind das Problem, sondern der Betrieb, in den sie hineinwollen.

In den letzten Jahren hat sich im deutschsprachigen Feuilleton eine beachtliche Menge an Beiträgen [https://www.perlentaucher.de/essay/perlentaucher-debatte-literaturkritik-im-netz.html] angesammelt, in denen immer wieder Zweifel an der Qualität des literarischen Nachwuchses laut werden, eine Debatte ist entstanden, die zuletzt ausführliche Essays im Perlentaucher zur Folge hatte. Viele Beiträge dieser Debatte sind, wenn es um die Literatur als solches geht, in Wahrheit vernachlässigbar, etwa der viel zitierte Beitrag von Florian Kessler in der Zeit [https://www.perlentaucher.de/essay/postpost-wege-aus-dem-ich-nachwuchsliteratur-literaturdebatte-charlotte-krafft.html?highlight=florian+kessler], der dort die Bombe platzen lässt, dass bürgerliche Institutionen wie Literaturinstitute mehrheitlich von bürgerlichen StudentInnen aus der gut situierten Mittelschicht besucht werden. Ebenso willkürlich sind Spekulationen, die die Wurzel des Übels im vermeintlich mangelnden Anteil von AutorInnen migrantischer Herkunft in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur vermuten (Maxim Billers Artikel in der Zeit: [http://www.zeit.de/2014/09/deutsche-gegenwartsliteratur-maxim-biller]). Selbst wenn diese viel zu kurz greifenden Erklärungsversuche einen Mehrwert hätten, der der Debatte zuträglich wäre, verfehlten sie den Punkt dennoch klar - einfach, weil die Debatte an sich ein Hirngespinst ist, das sich von einer Reihe falscher Vorstellungen nährt, die man sich von der Literatur und dem Kulturbetrieb als solches macht. Um Licht in dieses Dunkel zu bringen, ist es notwendig, dieses zähe Amalgam aus historischen Missverständnissen und aktuellen (Fehl-)Entwicklungen zu entwirren.

Der Rahmen, in dem sich diese Debatte bewegt, ist jener Verzerrung geschuldet, die man Literaturgeschichte nennt. In dieser verqueren Heldengeschichte sind zum Beispiel Kafka, Musil, Joseph Roth und Broch maßgebende Protagonisten ihrer Zeit - dabei waren sie so gut wie unbekannt, komplette Außenseiter, die zum Teil in bescheidensten Verhältnissen leben mussten und von Kritik und Publikum im Grunde kaum wahrgenommen wurden. Erfolg, Geld und Hymnen seitens der Kritik wurden - wenige Ausnahmen bestätigen hier nur die Regel - anderen zuteil, die heute vergessen sind.

Auch wenn es wie eine Polemik klingt, gibt es in Wahrheit keinen plausiblen Grund anzunehmen, dass das heutige Literaturbetriebspersonal so ohne weiteres in der Lage ist, den James Joyce oder die Gertrude Stein der Gegenwart zu erkennen und zu fördern - erst recht im Jahre 2016, in dem der Buchhandel wieder an die Stelle der Literatur getreten ist und KritikerInnen, LektorInnen und LiteraturdozentInnen die Aufgabe zukommt, den Bücherstrom vom Verlag zum Publikum einigermaßen gehaltvoll zu regulieren, auch wenn das bedeutet, dass man bei Gelegenheit Bücher wie "Feuchtgebiete" zu kulturellen Ereignissen hochstilisiert und den Autor des guten und durchdachten Debüts "Schimmernder Dunst über Coby County" gleich mal mit Handke und Houellebecq auf eine Stufe stellt.

Wer das für eine üble Nachrede jener Art hält, wie sie AutorInnen gern absondern, mag einer in diesem Sinn weniger verdächtigen Stimme wie der von Giovanni Di Lorenzo, dem Chefredakteur der Zeit, Gehör schenken, der ein viel sagendes Profil jenes Personals liefert, das im heutigen Kulturbetrieb zum Einsatz kommt: "Unser Personal ist zu einheitlich sozialisiert. Die Milieus sind zu ähnlich. Wenn Redaktionen neue Leute holen, holen sie jemanden, 'der zu uns passt'. Außerdem wollen wir bei der Beurteilung auf der richtigen Seite stehen. Man stellt sich nicht so gerne gegen den Rest, denn dann kriegt man selbst ein paar Spritzer ab." Hand aufs Herz: Wer würde sich von einem derart beschriebenen Personal erwarten, dass es die innovativsten, mutigsten und ungewöhnlichsten Werke seiner Zeit erkennt, fördert oder hervorbringt? Und ist es nicht ein wenig skurril, wenn Heike Kunert da dem literarischen Nachwuchs ausgerechnet in der Zeit vorwirft [http://www.zeit.de/kultur/2015-07/30-jahrbuch-der-lyrik-buchkritik/komplettansicht], er sei "erschreckend professionell" und es mangele seinen Hervorbringungen an "Unerhörtem"?

Eine weitere historische Verzerrung stellt die Periode nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Die Deutschen hatten nach dem Holocaust das Bestreben, sich zu entnazifizieren und als Kulturnation neu zu erfinden. Unter dem Eindruck des Wiederaufbaus kam es zu einem kulturellen Wandel, der von der 68er Generation befördert wurde. Es entstand eine offene Kulturszene, die dem Widerstand gegen das Überkommene, Reaktionäre verpflichtet war, und sich dabei trotzdem vom Geld des Wirtschaftswunders nährte, das von offizieller Seite dazu verwendet wurde, Deutschlands Ruf in der Welt wiederherzustellen. Es gab eine beispiellose Nachfrage nach Menschen, die in den Künsten ausgebildet waren - eine Situation, die nicht nur dem Aufbruch geschuldet war, sondern schlicht der Tatsache, dass so viele Menschen ermordet worden oder ins Exil gegangen waren, dass es schlicht an Personal mangelte. Diese Umstände erklären, warum so schwierige und exzessive Menschen wie Rainer Werner Fassbinder im Kulturbetrieb reüssieren konnten oder warum ein aus England zurückkehrender, egomanischer Theaterzampano wie Peter Zadek rasch Aufnahme fand. Beide Karrieren wären so in der heutigen Situation im deutschsprachigen Raum undenkbar.

Mit der allgemeinen, kapitalistischen Profitgier der neunziger Jahre war diese Phase kritischer Transparenz (nicht nur) in (West-)Deutschland vorüber. Kein Wunder: Es ist eine Ausnahme-Zeit gewesen, die sich dennoch in vielen Köpfen als Status Quo festgesetzt hat. Viele kulturelle Phänomene - die Hinwendung zum Mainstream, zur Eventkultur, zum Starkult, zum Affektiven und Affirmativen - werden als Indikatoren des kulturellen Niedergangs beschrieben, während in Wahrheit nur wieder die Normalität einkehrt, wie sie abgesehen von jener Ausnahmezeit nach dem Zweiten Weltkrieg immer schon vorgeherrscht hat.

Für die Kunstschaffenden bedeutet das eine soziale und politische Marginalisierung sowie eine finanzielle Prekarisierung; eine Gleichstellung von künstlerischem Rang und finanziellem Erfolg; eine Umwertung von Begabungen in Ressourcen, die es erlaubt, die Arbeitskraft vor allem junger Menschen als PraktikantInnen, AssistentInnen und freie MitarbeiterInnen auszubeuten, während das Establishment ausschließlich damit beschäftigt ist, seinen Bestand zu wahren.

Abstiegsangst und Besitzstandswahrung führen immer zum Konformismus - zum vorauseilenden Gehorsam und zur Absicherung nach innen und nach außen. Womit wir wieder bei Giovanni Di Lorenzos Anforderungsprofil für heutige KulturarbeiterInnen wären.

Dem Anpassungsdruck des Betriebs arbeitet dabei die Anpassungswilligkeit derjenigen entgegen, die in ihn hinein wollen. Die jungen Leute sind informierter als jede Generation zuvor und wissen nur zu gut, dass nichts, was in den letzten zwanzig Jahren für eine kulturelle Innovation stand, seinen Ursprung im deutschsprachigen Raum hat - auch, weil es die dafür unabkömmliche Start Up-Mentalität nicht gibt. Sie wissen auch, dass eklatant mehr Leute in den Künsten ausgebildet werden, als am Ende davon werden leben können. Das macht aus Mitstreitern von Beginn an Konkurrenten auf der Jagd nach der möglichst renommierten Referenz und dem Erfolgs-Lebenslauf - der Regisseur Dominik Graf spricht von einer "Nadelöhr-Situation", die den Nachwuchs erpressbar und schneller zu Kompromissen bereit macht. An einer Schauspielschule schaut das dann zum Beispiel so aus, dass es keinen interessiert, was man wie macht und warum, sondern nur, wer es macht und wo - je prominenter der Name des Regisseurs und des Ortes, desto besser. Charlotte Kraft beschreibt im "Perlentaucher" den Open Mike Wettbewerb sinngemäß als "traumhafte Verheißung", da er "eine exklusive Abkürzung in den Literaturbetrieb (sic!)" darstelle. Im besten Fall komme man so zu "Preisen, Aufmerksamkeit, Geld und Ruhm".

Für viele stellt sich das Problem ohnehin nicht. Nach einigen Seminaren und Workshops an Hochschulen traue ich mich zu sagen: Der Ehrgeiz der Mehrheit des künstlerischen Nachwuchses zielt nicht auf die Kunst, sondern zum Beispiel auf die Eigentumswohnung, in der man es sich mit seinem MacBook und einem Latte Macchiato am Schreibtisch gemütlich machen kann. Die heimlichen, unaussprechlichen Idole heißen dabei eben nicht James Joyce oder Gertrude Stein, sondern Mutti und Vati beziehungsweise der konsum- und mainstreamintensive Wohlstand, in dem die meisten aufgewachsen sind. Die Generation ihrer Eltern lebt dabei konsequent vor, wie man sich mit den Verhältnissen arrangiert und es sich dabei so bequem wie möglich macht.

Das trifft sich wiederum mit der Mehrheit des heutigen Publikums, das beim Gedanken an die nächste Handtasche und das nächste Smartphone nicht von irgendwelchen unangenehmen und komplizierten Sachverhalten gestört werden will und sowieso nicht auf Kunst an sich steht, sondern nur auf solche, die Erfolg hat oder Erfolg verspricht.

Ruben Zumstrull bringt folgerichtig die Lehre, die er dem Hildesheimer Studiengang "Kreatives Schreiben"  entnommen hat, in der Zeit auf den Punkt: "Lieber ein vorsichtiges Projekt fehlerlos umsetzen, als sich beim Versuch, etwas Gewaltiges zu schaffen, eine Ungereimtheit zu erlauben."

Literaturinstitute wie Leipzig und Hildesheim sind - nicht anders als Kulturredaktionen oder Schauspielschulen - ohnehin keine Brutstätten des Neuen und "Unerhörten", sie stellen eher eine Art "TÜV" dar, der seine AbsolventInnen für den Betrieb und seine Spielregeln fit macht. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Das Seltsame ist, dass die KritikerInnen der "Schreibschul-Hegemonie" sich darüber völlig im Klaren sind - kein Wunder, die LiteraturredakteurInnen und LektorInnen stehen in ständigem Austausch mit den DozentInnen aus Leipzig und Hildesheim, unterrichten dort manchmal sogar selbst. Warum sie trotzdem immer wieder über den so ausgebildeten Nachwuchs jammern? Christiane Kiesow drängt sich im Perlentaucher der Eindruck auf, "dass die Kritik am literarischen Nachwuchs oft eher eine Generationskritik ist". Meiner Generation gelingt es tatsächlich perfekt, aktuelle Problemlagen - Klimawandel, Finanzkrise, Flüchtlingskrise, unsichere Renten, Konsumwahn und so weiter -, für die sie entscheidend verantwortlich ist, auf die sogenannte "Generation Y" abzuwälzen und geradezu besessen auf ihr herumzuhacken.

[...] Dennoch gibt es keinen Grund zu verzweifeln, da es schlussendlich immer auf Einzelne ankommt und was sie aus den Möglichkeiten machen, die sie vorfinden: Als Rainald Goetz' Roman "Johann Holtrop" sich nicht auf der Long List des Deutschen Buchpreises fand, weil viele es nicht goutierten, wie er darin die Bertelsmannsippe mit hohem Wiedererkennungswert vorführte, war es der Kritiker Ijoma Mangold, der Goetz in der Zeit ausführlich Gelegenheit gab, sein künstlerisches Anliegen darzulegen.

Peter Truschner


Aus: "Essay - Das Hirngespinst" Peter Truschner (22.11.2016)
Quelle: https://www.perlentaucher.de/essay/das-hirngespinst.html

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« Last Edit: September 22, 2022, 12:47:51 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1331 on: September 22, 2022, 06:50:04 PM »

Quote
[...] Berlin Dieser Fund wirft Fragen auf: In einem Bankschließfach des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs sollen 214.800 Euro in bar gelegen haben. So berichtet es die „Bild“-Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft Köln äußerte sich auf Anfrage des Handelsblatts nicht konkret zu dem brisanten Vorgang. Die Ermittler teilten jedoch mit, dass „gegen drei Beschuldigte am 28.09.2021 mit Durchsuchungsbeschlüssen des Amtsgerichts Köln“ vorgegangen worden sei.

Das Geld fanden sie bei einer Durchsuchung, die in Zusammenhang mit illegalen Cum-Ex-Geschäften steht. So bezeichnen Finanzexperten Aktiendeals, bei denen die mehrfache Rückerstattung von Kapitalertragsteuern beantragt wird, die jedoch nur einmal gezahlt wurden. Die Ermittler durchsuchten Kahrs“ Privatwohnung und fanden darin Papiere, die auf ein Schließfach hinwiesen.

Die Staatsanwaltschaft griff daraufhin offenbar auf ein Konto von Kahrs bei der Hamburger Sparkasse zu und durchsuchte das Schließfach. Auch der NDR berichtet, dass sich darin 214.800 Euro und 2400 US-Dollar befunden hätten.

Ob das Bargeld mit den Cum-Ex-Geschäften zusammenhängt, ist aber vollkommen unklar. Es wurde durch die Ermittler auch nicht sichergestellt. Kahrs selbst hat auf eine Anfrage nicht reagiert.

Was hat es mit der Herkunft des Geldes auf sich? Offenbar gibt es Indizien dafür, dass es mit der Cum-Ex-Affäre um die Hamburger Warburg Bank in Verbindung steht. Es könnte eine Gegenleistung für den mutmaßlichen Einsatz von Kahrs sein, die Bank vor einer Steuerrückzahlung in Millionenhöhe zu bewahren.

Das ist bislang noch völlig ungesichert. Der Anfangsverdacht der Begünstigung zur Steuerhinterziehung wird deshalb geprüft. Im Zentrum des Vorgangs geht es um die Frage, warum die Finanzbehörden der Hansestadt 2016 zunächst darauf verzichtet haben, aus illegalen Cum-Ex-Geschäften einbehaltene Steuermillionen von der Bank des Unternehmers Christian Olearius zurückzufordern. Der Banker soll sich damals nach einer Razzia bei seiner Bank unter anderem an Kahrs gewandt und um Hilfe ersucht haben. Diese sei ihm auch zugesagt worden.

Der Warburg-Skandal ist auch deshalb heikel, weil Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu diesem Zeitpunkt Erster Bürgermeister Hamburgs war – und Kahrs nicht nur sein Parteifreund, sondern auch ein Vertrauter war. Mindestens ein Treffen zwischen Scholz und Olearius ist belegt.

Der Bundeskanzler bestreitet jede Einflussnahme auf die zunächst nicht eingeforderte Steuerrückzahlung von insgesamt rund 90 Millionen Euro. An die Inhalte der Gespräche mit den Warburg Bankern kann er sich nach eigenen Angaben nicht richtig erinnern.

Von einer möglichen größeren Bargeld-Summe im Besitz von Johannes Kahrs wusste Scholz auch nichts. Das könne er ausschließen, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Montag in Berlin.

Scholz werde sich Ende kommender Woche erneut den Fragen des Untersuchungsausschusses zum sogenannten Cum-Ex-Skandal um die Hamburger Warburg-Bank stellen. „Auch dort wird alles, was sachdienlich zu sagen ist, behandelt werden“, sagte Hebestreit.

Fragen dürfte es dann auch zu einer Durchsuchung der E-Mails, Kalendereinträge und Anhänge von Scholz geben, die seit dem 1. Januar 2015 eingegangen waren. Das berichtet das „Hamburger Abendblatt“ am Montag und beruft sich auf Unterlagen, die Mitgliedern des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses in Hamburg vorliegen. Der Sprecher der Bundesregierung sagte dazu, ihm sei von der Durchsuchung der Scholz-Mails nichts bekannt.

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss geht der Frage nach, ob politischer Einfluss geltend gemacht wurde, damit die Hamburger Finanzverwaltung 47 Millionen Euro hinterzogenes Steuergeld nicht von der Warburg Bank zurückfordert.

Vonseiten der Opposition mehren sich die Forderungen nach einer schnellen und lückenlosen Aufklärung der Sache. Sollte Kahrs die Herkunft des Geldes nicht erklären, sondern schweigen, liege der Verdacht nahe, dass diese Summe mit dem Skandal zu tun habe, sagte der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Linken, Fabio De Masi, am Montag dem Deutschlandfunk. Dann wäre dies auch ein Problem für Bundeskanzler Scholz, der damals Erster Bürgermeister von Hamburg war.

De Masi betonte, Hauptaufgabe von Kahrs sei es gewesen, die Treffen zwischen Scholz und Vertretern der Privatbank zu arrangieren. Scholz soll nächste Woche im Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft zur Cum-Ex-Affäre aussagen.

CDU-Generalsekretär Mario Czaja kritisierte, dass Olaf Scholz freiwillig nichts zur Aufklärung des Kahrs-Skandals und seiner Verstrickungen in die Cum-Ex-Geschäfte beitragen wird. „Seine Aussage vor dem Untersuchungsausschuss in Hamburg wird vermutlich wie in der Vergangenheit große Erinnerungslücken und blankes Nichtswissen beim Kanzler offenbaren“, sagte Czaja dem Handelsblatt.

Doch nicht nur diese mangelnde Gewissenhaftigkeit für einen Regierungschef sei erschreckend. „Vor allem sollte uns alle mit Sorgen erfüllen, dass der Kanzler in den kommenden Wochen mehr mit sich, seiner Partei und seinen lieben Genossen beschäftigt sein wird als mit den Geschicken unseres Landes in einer historisch zugespitzten Situation“, sagte der CDU-Generalsekretär.

Am Dienstag forderte die Opposition, den Untersuchungsauftrag des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses in der Hamburgischen Bürgerschaft auszuweiten. „Es verdichten sich die Hinweise, dass die „Nachlässigkeit“ der Finanzverwaltung unter der Verantwortung des damaligen Finanzsenators Peter Tschentscher nicht nur Cum-Ex-, sondern auch Cum-Cum-Geschäfte und andere missbräuchliche Aktientransaktionen umfasste“, sagte Fraktionschef Dennis Thering. Zudem sei davon auszugehen, dass weitere Hamburger Kreditinstitute beteiligt seien, insbesondere die frühere HSH Nordbank und heutige Hamburger Commercial Bank.

Der 58-jährige  Kahrs hatte 2020 alle politischen Ämter niedergelegt, nachdem er im parteiinternen Rennen gegen Eva Högl um das Amt des Wehrbeauftragten den Kürzeren gezogen hatte.


Aus: "Scholz-Emails durchsucht: Kanzler gerät in Hamburger Steueraffäre unter Druck" Thomas Sigmund (08.08.2022)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/cum-ex-affaere-scholz-emails-durchsucht-kanzler-geraet-in-hamburger-steueraffaere-unter-druck/28582532.html

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[...] Die Thüringer Generalstaatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Mark Hauptmann eingestellt. Es gebe keinen für eine Anklageerhebung notwendigen hinreichenden Tatverdacht wegen Bestechlichkeit von Mandatsträgern im Zusammenhang mit Maskengeschäften, teilte die Ermittlungsbehörde am Donnerstag in Jena mit.

Auch der vom Thüringer Oberlandesgericht angeordnete Vermögensarrest in Höhe von 997.000 Euro mit dem Ziel, unrechtmäßig erworbenes Geld zu sichern, wurde aufgehoben.

Die Generalstaatsanwaltschaft sieht demnach wegen eines vorangegangenen Beschlusses des Bundesgerichtshofs (BGH) in einem ähnlichen Fall keine rechtliche Handhabe gegen Hauptmann, obwohl sich der Verdacht gegen ihn erhärtet habe.

Seit März vergangenen Jahres lief ein Ermittlungsverfahren gegen den CDU-Politiker. Wohnräume von Hauptmann, sein Bundestagsbüro und mehrere CDU-Kreisgeschäftsstellen in Südthüringen wurden durchsucht. Die Ermittler sahen damals „greifbare tatsächliche Anhaltspunkte“, dass der Abgeordnete im Zusammenhang mit der Vermittlung von Maskengeschäften von einer Firma Provisionszahlungen eingefordert habe.

Über eine von ihm gegründete Gesellschaft soll er laut damaligem Verdacht für seine Vermittlungstätigkeit einen hohen sechsstelligen Eurobetrag in Rechnung gestellt haben, der von der Firma auch geflossen sein soll. Ein weiterer Gegenstand des Verfahrens war das mutmaßliche Engagement Hauptmanns für die Interessen Aserbaidschans, Vietnams und Taiwans. Dabei ging es um kostenpflichtige Anzeigen in dem vom CDU-Politiker herausgegebenen „Südthüringen Kurier“.

Zwar konnte der ursprüngliche Verdacht gegen Hauptmann, umfangreich bei der Vermittlung von Masken gegenüber Behörden und Gesundheitseinrichtungen unter Ausnutzung seines Bundestagsmandats tätig geworden zu sein, erhärtet werden, wie die Generalstaatsanwaltschaft erklärte. Jedoch sah sich die Ermittlungsbehörde „aus rechtlichen Gründen an der Anklageerhebung gehindert“.

Hintergrund ist demnach ein BGH-Beschluss vom Juli in einem vergleichbaren Verfahren der Generalstaatsanwaltschaft München um die Maskengeschäfte des ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Georg Nüßlein und des bayerischen CSU-Landtagsabgeordneten Alfred Sauter. Der BGH sieht im Verhalten der beiden in der CSU-Maskenaffäre keine strafbare Bestechlichkeit.

https://www.tagesspiegel.de/politik/nusslein-und-sauter-bekommen-geld-aus-maskengeschaften-zuruck-5413393.html

Dem Urteil zufolge nahmen sie im Sinn des Strafgesetzes nicht ihr Abgeordnetenmandat wahr, als sie gegen eine Gewinnbeteiligung Maskenverkäufe vermittelten. Diese Wahrnehmung des Mandats umfasse die Arbeit im Parlament, also im Plenum oder in parlamentarischen Gremien.

An diese Rechtsauffassung sieht sich nun auch die Thüringer Generalstaatsanwaltschaft gebunden. Ein Nachweis, dass der CDU-Politiker Hauptmann bei der Vermittlung von Maskengeschäften gerade auch im parlamentarischen Bereich tätig werden sollte, konnte demnach „nicht hinreichend sicher erbracht werden“. Gleiches gelte auch für den Vorwurf des Engagements für die drei genannten Staaten.

Hauptmann hatte nach den Vorwürfen sein CDU-Bundestagsmandat niedergelegt. In seinem Südthüringer Wahlkreis trat anschließend der von der CDU nominierte ehemalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen bei der Bundestagswahl an, was bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Maaßen scheiterte allerdings. (AFP)


Aus: "Ermittlungen in Maskenaffäre eingestellt: Ehemaliger CDU-Abgeordneter Hauptmann darf 997.000 Euro behalten" (22.09.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/maskenaffare-ermittlungen-gegen-cdu-abgeordneten-hauptmann-eingestellt-8672425.html

Quote
Paul_Kalbautzke
22.09.22 14:50
Dann wissen wir jetzt also, dass die 997.000 Euro für die Dienstleistung, die der CDU Politiker erbracht hat, ehrlich verdient waren.
.
Mich würde allerdings doch noch interessieren, wie lange der Politiker für die 997.000 Euro gearbeitet hat und worin seine Qualifikation dabei bestand.


Quote
herjeh
22.09.22 14:32

Mitarbeiter in einer Kantine, oder eine Krankenschwester, die ein übrig gebliebenes Brötchen zu sich nehmen, werden entlassen.


Quote
TuniFynn
22.09.22 16:45
@JeanLuc7 am 22.09.22 16:33

    Unmoralisches Verhalten ist nicht strafbar - und gerade bei den Abgeordneten wurde die Strafbarkeit so eng gefasst, dass weder Hauptmann noch seine CSU-Kollegen belangt werden können, obwohl jeder weiß, dass sie sich die Hände schmutzig gemacht haben.

Siehe im Vergleich dazu das Spektakel um die 750.- € nicht bezahlte Strafe für 3 Mal Schwarzfahren eines Syrers und die Gewalt-Eskalation im Zusammenhang mit dem Besuch der Polizei. Ich möchte nicht urteilen, da ich letztlich nichts Konkretes weiß. Nur eines: Der Syrer musste 750.- € rausrücken, wobei durchaus zu vermuten ist, dass er diesen Betrag für die Existenz seiner Familie benötigte. Dies spielte keine Rolle, da er das Recht gebrochen hatte. Ein Hauptmann, ungleich kriminellerer Energie, darf knapp 1 Mio. Euro behalten...
Man muss sich nur einmal die Relationen vor Augen führen.
https://www.tagesspiegel.de/berlin/das-ist-mein-land-du-bist-hier-gast-berliner-polizist-beleidigt-familie-in-eigener-wohnung-rassistisch-8643700.html


Quote
Rembrandt66
22.09.22 13:38

Ich finde dieses Ende des Verfahrens unbefriedigend. Dennoch halte ich es für wichtig, dass Hauptmann kein Mandat mehr hat und nach dieser Nummer auch wohl eher nicht mehr gewählt werden dürfte.


Quote
Pat7
22.09.22 15:07

@Rembrandt66 am 22.09.22 13:38
Die knappe Million Euro sind ein hervorragendes Trostpflaster.


Quote
beimertown
22.09.22 12:57

Dem Urteil zufolge nahmen sie im Sinn des Strafgesetzes nicht ihr Abgeordnetenmandat wahr, als sie gegen eine Gewinnbeteiligung Maskenverkäufe vermittelten.

Wenn dem so sein sollte, kann ich hier nur für die Einführung eines Compliance Beauftragten mit entsprechenden Befugnissen votieren. Ist in jedem größeren Unternehmen üblich. Verstoß gegen die Regularien hat in der freien Wirtschaft im Regelfall eine fristlose Kündigung zur Folge.


...
« Last Edit: September 22, 2022, 06:56:52 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1332 on: September 27, 2022, 04:10:42 PM »

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[...] Der Wohnungsriese Vonovia will Mieter notfalls kündigen, die über Monate ihren Zahlungsverpflichtungen etwa für die stark gestiegenen Nebenkosten nicht nachkommen. „Letzter Ausweg: Versendung der Räumungsaufforderung“, heißt es in Dokumenten zu einem Investorentag, die Vonovia am Dienstag vorlegte.

Vonovia-Chef Rolf Buch betonte indes, dass Mieter, die im Falle einer finanziellen Schieflage auf den Konzern zugehen, in ihren Wohnungen bleiben könnten. „Wenn ein Mieter Probleme hat und mit uns in Kontakt tritt, finden wir eine Lösung“, sagte Buch Reuters. „Er wird nicht gekündigt“, versprach der Vonovia-Chef. „Nur bei Mietern, die absolut nicht mit uns reden wollen, sieht es anders aus.“

„Wir haben kein Interesse daran, dass Menschen ihre Wohnung verlieren“, unterstrich Buch. Vonovia habe „das diskutierte Kündigungsmoratorium von Anfang an unterstützt“. In den Dokumenten für den Investoren-Tag beschrieb der Konzern detailliert sein Vorgehen im Fall ausbleibender Zahlungen.

Vonovia gehe nach einem Stufen-Modell vor. Der Konzern trete mit Mietern in Kontakt, um die Gründe für Zahlungs-Versäumnisse zu erfahren, hieß es dort weiter. Könne der Mieter etwa Hilfen vom Staat erhalten, informiere ihn Vonovia, wie er an diese kommen könne, damit die öffentliche Hand den Mieter unterstütze. Komme der Mieter trotz eines Angebots individueller Lösungen durch Vonovia weiter seinen Verpflichtungen nicht nach, lasse der Konzern ihm eine formelle Zahlungsaufforderung zukommen.

Summierten sich die Rückstände dann auf den Wert von zwei Monatsmieten, könne es notfalls in einem letzten Schritt zur Räumungsklage kommen. Danach könne die betroffene Wohnung neu vermietet werden.

Durch die anziehenden Gas-Preise können die Nebenkosten-Abrechnungen für Mieter sprunghaft steigen. Rund 55 Prozent der Heizungen in Vonovia-Beständen werden nach früheren Angaben des Konzerns mit Gas versorgt. Vonovia hatte angekündigt, nachts Heizungsleistungen zu reduzieren, um Gas zu sparen. Auch Vorauszahlungen werden erhöht, um ein Polster zu bilden. Der Bochumer Konzern besitzt rund 490.000 Wohnungen in der Bundesrepublik.

Vonovia selbst kämpft mit den Folgen der galoppierenden Inflation - denn Zinsen und auch Baukosten ziehen deutlich an. Buch will deshalb Investoren an Bord holen. Für Wohnungsbestände in Schweden und Baden-Württemberg sucht Buch bereits Partner.

Vonovia werde bald in Gespräche mit Investoren eintreten, entsprechende Informationsschreiben seien schon an Interessenten verschickt worden, hieß es in den Dokumenten für den Investoren-Tag.

Zudem bereite das Management Immobilien-Pakete zum Verkauf vor. Auch bei den Pflege-Immobilien, die die Tochter Deutsche Wohnen zur Disposition gestellt hat, sollen Gespräche mit Investoren über einen Verkauf rasch beginnen, hieß es weiter. Die Deutsche Wohnen besitzt nach eigenen Angaben insgesamt 72 solcher Einrichtungen für Senioren in mehreren Bundesländern. Vonovia stehe bei den Verkaufsplänen aber nicht unter Druck und werde Immobilien-Pakete nicht zu Schleuderpreisen abgeben.

Der über die Jahre durch milliardenschwere Zukäufe gewachsene Bochumer Immobilienriese hatte angekündigt, nun Investoren für Gemeinschaftsunternehmen mit ins Boot holen zu wollen. Er strebt Gemeinschaftsprojekte etwa mit Pensionsfonds an. Die Bochumer wollen sich zudem über die Jahre von Wohnungen und Einfamilienhäusern im Volumen von rund 13 Milliarden Euro trennen. „In Zeiten höherer Zinsen ist es sinnvoll, Schulden zu reduzieren“, hatte Vonovia-Chef Buch den Kurs begründet. (Reuters)


Aus: "Stark gestiegene Nebenkosten: Vonovia will Mieter mit Zahlungsrückständen notfalls kündigen" (27.09.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/stark-gestiegene-nebenkosten-vonovia-will-mieter-mit-zahlungsruckstanden-notfalls-kundigen-8688799.html
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« Reply #1333 on: September 27, 2022, 04:19:31 PM »

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[...] Fast 30 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland bekommen im nächsten Monat eine Gehaltserhöhung. Besonders viele sind es im thüringischen Sonneberg mit 44 Prozent. Das ist der Anteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die weniger als zwölf Euro in der Stunde verdienen und deshalb von der Erhöhung des Mindestlohns von aktuell 10,45 Euro auf zwölf Euro profitieren. Einer neuen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung (WSI) zufolge profitieren im Osten 29,1 Prozent von der Lohnanhebung und im Westen 16,1 Prozent.

In Berlin und Brandenburg kommt der höhere Mindestlohn nach Angaben des DGB 570 000 Beschäftigten zugute, in Berlin beträgt der Anteil an der Gesamtbeschäftigung 17,8 Prozent und in Brandenburg 28,2 Prozent. In Teltow-Fläming erhalten sogar 43,1 Prozent der Beschäftigten mehr Geld von ihrem Arbeitgeber, im Saale-Orla-Kreis sind es 40 Prozent und in Vorpommern-Rügen immerhin 39 Prozent. Am anderen Ende der Skala liegen die „reichen“ Städte und Gemeinden im Westen mit viel Industrie. Die fünf Kreise, in denen die Bruttostundenlöhne eher selten unter zwölf Euro liegen, finden sich mit Ausnahme der VW- Stadt Wolfsburg (7,9 Prozent) alle in Süddeutschland: Erlangen (8,1 Prozent), der Landkreis München (9,7 Prozent), Stuttgart (10,3 Prozent) und schließlich Darmstadt mit 10,9 Prozent.

Als der gesetzliche Mindestlohn 2015 eingeführt wurde, damals bei 8,50 Euro, waren knapp vier Millionen Beschäftigungsverhältnisse betroffen. Von dem Sprung auf zwölf Euro profitieren dagegen jetzt nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rund acht Millionen Erwerbstätige, da sie derzeit weniger als zwölf Euro verdienen.

Das WSI der Böckler-Stiftung kommt dagegen nur auf 6,6 Millionen Beschäftigte auf Grundlage der Daten des Sozioökonomischen Panels des DIW. Eine Erklärung für die Differenz könnte sein, dass das Panel die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten (450-Euro-Minijobber), die in hohem Maße von Niedriglöhnen betroffen und überwiegend im Westen zu finden sind, unterschätzt. Die 6,6 Millionen seien deshalb vermutlich zu gering angesetzt, meinen die WSI-Autoren.

Fakt ist: Von dem Sprung auf zwölf Euro profitieren mindestens zwei Millionen Beschäftigte mehr als seinerzeit bei der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro. Trotzdem gibt es in diesem Herbst keine Horrorszenarien von Arbeitgebervertretern und Ökonomen über den Verlust Hunderttausender Arbeitsplätze. „Eine Prognose über die Beschäftigungswirkung der geplanten Mindestlohnerhöhung stellt sich aus heutiger Sicht als sehr schwierig dar“, schreibt das zur Bundesagentur für Arbeit gehörende IAB. Aus den Erfahrungen der bisherigen Mindestlohnerhöhungen lasse sich indes „vorsichtig schlussfolgern, dass der Mindestlohn moderat über die bisherige Höhe hinaus angehoben werden kann, ohne dass ein wesentlicher Beschäftigungseinbruch zu erwarten wäre“.

Die Mannheimer Ökonomen Tom Krebs und Moritz Drechsel-Grau haben im Auftrag der Böckler-Stiftung nur positive Wirkungen berechnet und befürchten negative Beschäftigungseffekte erst bei einem Sprung auf mindestens 13 Euro. Die zwölf Euro jedoch kosten Krebs und Drechsel-Grau zufolge zumindest langfristig keine Arbeitsplätze, sondern induzieren einen Anstieg der Produktivität (plus 1,0 Prozent), eine Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Produktion (1,5 Prozent) und Mehreinnahmen der öffentlichen Hand von 20 Milliarden Euro pro Jahr (Steuern und Sozialabgaben). Außerdem reduziere die Erhöhung des Mindestlohns die Zahl der erwerbstätigen Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Aufstocker) und mithin die Sozialausgaben. Die Studie der Mannheimer liegt indes ein Jahr zurück - damals waren weder Krieg noch Rezession absehbar.

2022 blieben die zumeist alle zwei Jahre erfolgten Erhöhungen des Mindestlohns hinter der allgemeinen Lohnentwicklung zurück. Für 2021 und 2022 hatte sich die Mindestlohnkommission, die sich paritätisch aus Arbeitgebern und Gewerkschaftern zusammensetzt, im Sommer 2020 auf vier Erhöhungen verständigt. Zum 1.1.2021 ging es hoch auf 9,50 Euro und dann in drei weiteren Schritten bis auf 10,45 Euro im Juli dieses Jahres. Die Arbeitgeber hatten sich in der Kommission auf die überplanmäßigen Erhöhungen in der Hoffnung eingelassen, das Thema Mindestlohn damit aus dem Bundestagswahlkampf heraushalten zu können. Das war ein teurer Irrtum [https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/arbeitgeber-hadern-mit-hoherem-mindestlohn-4305787.html].

„Durch die Mindestlohnanhebungen im Jahr 2022 entkoppelt sich der Mindestlohn spürbar von der allgemeinen Tariflohndynamik. Allein im Jahr 2022 ergeben sich Steigerungen von 22,2 Prozent“, klagt das arbeitgebernahe Institut der Wirtschaft (IW) in einer Stellungnahme für den Bundestag. Verhindern konnten die Arbeitgeber den Sprung auf zwölf Euro nicht, da diese Kernforderung des SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz im Koalitionsvertrag landetet und dann vom Arbeitsminister umgesetzt wurde.

Die Wirkungen der Mindestlohnerhöhung konzentrieren sich auf arbeitsintensive Dienstleistungssektoren wie Gastronomie, Logistik oder personennahe Dienstleistungen, fährt das IW fort. „In Westdeutschland wäre ein Mindestlohn von zwölf Euro eher zu verkraften als in Ostdeutschland“, weil im Westen die Arbeitsproduktivität höher ist als im Osten.

„Unter den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen sind das Gastgewerbe und die Landwirtschaft von der Mindestlohnerhöhung mit etwa 50 Prozent mit Abstand am stärksten betroffen", ergänzt das IAB. Der Mindestlohn von zwölf Euro flankiert dabei einen Trend nach oben: Nur mit höheren Löhnen hat etwa das Gastgewerbe eine Chance, noch ausreichend Arbeitskräfte zu bekommen. Zum Beispiel Bayern: Im vergangenen März kam es im bayerischen Hotel- und Gaststättengewerbe zu einem Tarifabschluss, der für die unterste Entgeltgruppe eine stufenweise Erhöhung um insgesamt 27 Prozent auf 12,65 Euro bis April 2023 vorsieht.



Aus: "Gehaltserhöhung für Millionen: Der Mindestlohn steigt auf zwölf Euro" Alfons Frese (27.09.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gehaltserhohung-fur-millionen-der-mindestlohn-steigt-auf-zwolf-euro-8689405.html
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« Reply #1334 on: September 28, 2022, 11:31:02 AM »

Quote
[...] Mehr als eine Million Menschen in Deutschland versorgen sich nach einer Umfrage auch an Tafeln mit Lebensmitteln. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bezifferte die Zahl auf knapp 1,1 Millionen und bezog sich auf eine Umfrage aus dem Jahr 2020. Derzeit gehen die Tafeln selbst aber von deutlich höheren Zahlen aus.

"Die Lage ist bei allen Tafeln extrem angespannt", sagte eine Sprecherin des Dachverbands Tafel Deutschland. Hintergrund sind der Krieg in der Ukraine und steigende Preise. "Es kommen auch mehr Menschen, die einen Job haben." Die bundesweit rund 960 Tafeln verteilen an Bedürftige Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können. Der Dachverband spricht inzwischen von deutlich mehr als zwei Millionen Kundinnen und Kunden, mehr als je zuvor.

Das DIW hat die Teilnehmer seiner Umfrage-Serie Sozio-oekonomisches Panel 2020 gefragt, ob aus ihrem Haushalt im Vorjahr jemand bei einer Tafel war. Es kommt so auf knapp 1,1 Millionen Menschen, die von den Angeboten profitierten. "Natürlich wirkt sich auch die derzeit hohe Inflation auf die TafelbesucherInnen aus", erklärte DIW-Forscher Markus Grabka zur aktuellen Lage. Hohe Energie-Vorauszahlungen führten auch Menschen mit nicht ganz geringem Einkommen in die Einrichtungen. Hinzu kämen viele Flüchtlinge aus der Ukraine.

Gleichzeitig werde die Versorgung schwierig, weil die Lebensmittelgeschäfte weniger Lebensmittel verschwenden, die sonst an die Tafeln gegangen wären. Beispiele sind Angebote mit "geretteten Lebensmitteln" im Ladenregal.

Nach Angaben der Tafeln sind die Besucherzahlen seit Jahresbeginn bundesweit etwa um die Hälfte gestiegen. In Berlin, wo auch viele ukrainische Flüchtlinge zuerst eintreffen, ist es noch mehr. Anfang des Jahres kamen pro Monat noch etwa 40.000 Menschen zu den 47 Berliner Tafeln, nun sind es deutlich über 70.000, wie Leiterin Antje Trölsch sagte. Viele davon seien vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchtet. Hinzu kämen Deutsche, die die starken Preissteigerungen nicht mehr verkraften. "Leute, die es vorher irgendwie geschafft haben, kommen jetzt auch zu uns."

Drei Viertel der Menschen, die Tafeln 2019 nutzten, lebten von Grundsicherung, wie das DIW herausfand. Viele seien von Armut bedroht und gesundheitlich beeinträchtigt. Besonders häufig nutzen Alleinerziehende und Paare mit Kindern die Tafeln. Ein Viertel der Menschen, die von den Tafeln profitierten, seien Kinder. Pro Monat und Kopf gaben Tafelnutzer laut DIW etwa 210 Euro für Lebensmittel aus - 30 Euro weniger als Nicht-Tafelbesucher. Gemessen am Nettoeinkommen war es jedoch nahezu doppelt so viel. Tafeln würden also vor allem genutzt, um unzureichendes Einkommen zu kompensieren, folgern die Forscher.

Und das Einkommen reiche wegen der steigenden Preise bei immer weniger Menschen, heißt es bei den Tafeln. "Wir schicken jede Woche Leute nach Hause", berichtete kürzlich die Potsdamer Einrichtung angesichts des gestiegenen Andrangs. Bundesweit hat laut Dachverband bis zum Sommer jede dritte Tafel einen Aufnahmestopp eingeführt, weil Lebensmittel oder Helfer fehlten.

 Berlin konnte einen Aufnahmestopp bislang verhindern. Dort sind zusätzliche Ausgabestellen eröffnet worden, wo Menschen sich Lebensmitteltüten abholen können. Ehrenamtliche Helfer würden aber gebraucht. "Wir suchen immer Menschen, die uns unterstützen - beim Fahren der Touren, beim Tütenpacken und beim Verteilen", sagte Trölsch.

Tafeln könnten staatliche Armutsbekämpfung nicht ersetzen, meint DIW-Forscher Jürgen Schupp. "Dass vor allem Familien Tafeln nutzen müssen, wirft kein gutes Licht auf die soziale Absicherung von Kindern", so Schupp. "Die Ampelkoalition muss jetzt zügig die Kindergrundsicherung auf den Weg bringen."

Quelle: ntv.de, vmi/dpa


Aus: "Vielerorts Aufnahmestopp Ansturm auf Tafeln steigt drastisch" (28.09.2022)
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Ansturm-auf-Tafeln-steigt-drastisch-article23615962.html
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« Reply #1335 on: September 28, 2022, 12:22:48 PM »

"Inflation: Die Zahl der Bedürftigen bei den Tafeln steigt" (28. September 2022)
... Weil die Preise besonders für Lebensmittel stark steigen, sind immer mehr Menschen auf die Unterstützung der Tafeln angewiesen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)  geht davon aus, dass sich knapp 1,1 Millionen Menschen mit Lebensmitteln von der Tafel versorgen. Die Tafeln selbst schätzen die Zahl sogar noch deutlich höher: Der Dachverband spricht inzwischen von deutlich mehr als zwei Millionen Kundinnen und Kunden, mehr als je zuvor. Nach eigenen Angaben sind die Besucherzahlen seit Jahresbeginn bundesweit etwa um die Hälfte gestiegen. ...
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2022-09/tafeln-inflation-lebensmittel-armut

Quote
there-is-no-free-lunch #19

98 Prozent kommen ohne Tafel aus.
Das ist eine super Quote.


Quote
Tatamei #19.1

Nur um die geht es in diesem Artikel nicht.


Quote
Der Mann aus der Oberpfalz #21

Armut ist wirklich ein Problem, gerade jetzt in Zeiten der Inflation. Wer kann etwas dagegen tun? Der Staat sicher nicht, der steht ohnehin schon mit dem Rücken zur Wand, auch wenn unsere Regierung immer wieder neue Hilfs- und Rettungsprogramme ankündigt. Das ist nur ein letztes Aufbäumen, wirklich zielführende Reformen (Steuersenkungen und Bürokratieabbau) sind nicht in Sicht.
Und die Tafeln? Die tun als gemeinnütziger Verein sowieso alles was möglich ist, um Armut zu lindern. Aber deren Mittel sind begrenzt, und neue Sponsoren werden sich in Zeiten wie diesen kaum finden. Bleibt nur noch eines. Bei weitem nicht alle von Armut Betroffenen sind unverschuldet in diese Situation gerutscht. Wenn all diejenigen, die arbeiten könnten, das auch machen würden, wäre schon ganz viel geholfen. Oder wie es im Buch Amos steht: Das Fest der Faulenzer ist vorbei.


Quote
Biagobaer #21.5

Ich verrate Ihnen etwas- viele die die Tafel nutzen arbeiten oder sind Rentner.

Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor Europas.
Und unsere tollen " Leistungsträger" profitieren eben auch von der Ausbeutung der Niedriglöhner.
Es ist unverschämt so zu tun als seien die schlecht bezahlten Leute selber Schuld.
Diese Ausbeutung ist es, die anderen die " wohlverdienten" Urlaube mitfinanziert.
Denn würde man die Menschen ordentlich einstellen und ordentlich bezahlen, dann würden gerade die wohlhabenden Schnappatmung bekommen.Die guten " Leistungsträger", die so gerne auf die armen herab sehen und es okay finden wenn Rentner Flaschen sammeln gehen.

Ich ertrage diese Heuchelei nicht mehr.


Quote
Tordenskjold #21.4

Hohn und Spott für die Verlierer des Systems. Da sind wir dann bei der „spätrömischen Dekadenz“ des Herrn Westerwelle und bei einem süffisanten „selbst schuld“, wenn Menschen nur mit Hilfe staatlicher Transferzahlungen überleben können. Wer arme Menschen als „Faulenzer“ denunziert, der möge an seinem Sozialdarwinismus ersticken. Oder selbst mal in die unfreiwillige Abhängigkeit von unserem Sozialsystem abrutschen. Vielleicht ist es ja das Pfeifen im Walde, aus eigenen Abstiegsängsten resultiert ein Hass auf jene, die schon sozial angehängt wurden. AfD und FDP danken für Ihre menschenverachtenden Kommentare.


Quote
Sepp Tember #21.7

"Denn würde man die Menschen ordentlich einstellen und ordentlich bezahlen,"

Sie wollen doch jetzt nicht erzählen, dass man von 163 Monatsstunden à 12 Euro = 1956 Euro brutto sich nicht genug zu essen kaufen kann?


Quote
azhiaziam #24

Wir sind 3 Personen, 2 Erwachsene und ein Kind. Sparen müssen wir nicht, genügend Geld und Vermögen vorhanden. Ich hab für die letzten 6 Monate nachgeschaut was wir für den Lebensbedarf ausgegeben haben und auf den Monatsschnitt ausgerechnet: Einkäufe im Supermarkt 604€, Kleidung 213€, Strom 255€, Gaskosten 262€, Elektroartikel, 99€ in der Summe also 1178€/Monat.
Dazu Handy mit 37€/Monat, Telefonanschluß 39€, Versicherungen 103€ ergibt monatliche Ausgaben bei uns von 1357€
Wir sind Vermögensmillionäre und haben weder beim Einkauf noch bei den Ausgaben gespart, andere Ausgaben z.b. für Luxusartikel, Krankenversicherung usw hab ich hier mal weg gelassen.
Als Harz 4 Familie würden uns bei 700€ Miete und 200€ Heizkosten 1774€/Monat zustehen !
Ich frage mich WO das Geld in solchen Haushalten hin fließt wenn ich es als "Millionär" nicht schaffe solche Beträge auszugeben ?
Unsere Heizkosten steigen jetzt auf über 400€/Monat, selbst wenn ich die On Top rechne komme ich nicht auf den Betrag von 1774€/Monat !


Quote
llap #24.4

Rechnen Sie bitte nochmal nach. Ihre Rechnung stimmt weder bei der ALG-II Familie noch bei Ihnen.
Laut Ihren Zahlen hat die ALG-II Familie ohne Miet- und Heizkosten doch nur 874€ zur Verfügung.
Sie würden mit Ihren Ausgaben da nicht hinkommen.


Quote
azhiaziam #24.5

"Sie leben mE relativ sparsam, für Essen und Kleidung benötigen wir in der gleichen Konstellation mehr Geld."

Wir leben überhaupt nicht "sparsam", im Gegenteil, wir kaufen immer worauf wir Lust haben, einzig bei der Kleidung haben wir keine hohen Ansprüche. Unsere Freizeitgestaltung ist etwas anders, die verbringen wir im eigenen Garten, auf der Yacht oder im Wohnmobil, dadurch sind wir auch in der Freizeit Eigenversorger und nehmen unser eigenes Essen mit. Wir müssen also nicht z.b. im öffentlichen Schwimmbad zu Mittag essen.


Quote
azhiaziam #24.8

"Rechnen Sie bitte nochmal nach. Ihre Rechnung stimmt weder bei der ALG-II Familie noch bei Ihnen."

Bei mir waren im Haushaltsbuch die Gaskosten mit drin sowie die Stromkosten die wir tatsächlich haben.

Der ALG Bedarf der Beispielrechnung ist 1993€ bei 219€ Kindergeld,
Abzüglich 700 Miete und 200 Heizkosten verbleiben also 1093€/Monat.

Bei uns wären das dann äquivalent: Supermarkt 604€, Kleidung 213€ Elektroartikel, 99€ = 916€

Dazu Strom der "Normalfamilie" etwa 80€ =996€/Monat

D.h. wir kommen als "Millionäre" mit dem Geld hin, unsere "Luxuskosten" darf ich ja nicht mit einrechnen.



"Und doch scheint es der sparsam lebenden Familie an nichts zu fehlen. Sie klingen zufrieden. Warum klappt das also nicht bei Hartz4 Familien?"

Ich glaube es liegt an einem anderen Faktor !

Je mehr Freizeit jemand hat desto mehr Geld benötigt derjenige. Unser "Luxus" zwingt uns zum Arbeiten ! D.h. ich bin (zusammen mit meiner Frau und dem Kind) eigentlich den ganzen Tag am arbeiten. Pool sauber machen, Reparaturen am Haus, Garten, Yacht, Jetskis, Autos pflegen usw.

Zwischen Arbeit und Freizeit ist also bei uns kein Unterschied sodass wir einfach weniger Zeit zum Geldausgeben haben. Ich vermute dass die Harz 4 Freizeit einfach viel Geld kostet.

Mein Opa hat immer gesagt: "Wer Arbeitet hat keine Zeit zum Geldausgeben !"


Quote
Grünauge #24.12

"Pool sauber machen, Reparaturen am Haus, Garten, Yacht, Jetskis, Autos pflegen usw."

Fällt Ihnen eigentlich gar nichts auf?


Quote
azhiaziam #24.14

"Fällt Ihnen eigentlich gar nichts auf?"

Was soll mir da auffallen? Oder sollten dem Harz 4 Bezieher die Liegeplatzkosten der Yacht übernommen werden ?


Quote
think-different #24.15

@ #24

die gleiche diskussion und thematik gab es kürzlich im freundeskreis. auch das ergebnis war das gleiche, wir könn(t)en alle problemlos und ohne große einschränkungen im täglichen leben von den staatlichen transferleistungen leben.

natürlich mit verzicht auf luxusdinge wie guten rotwein, haushaltshilfe, golfclub oder drittwagen.

bzgl der energiekosten muss man jedoch auch fairerweise sagen, dass die in unseren haushalten üblichen A++ geräte nicht unbedingt in haushalten mit niedrigen einkommen zu finden sind, was letztlich schon ein kostenfaktor ist.


Quote
Tordenskjold #24.22

Das ist Realsatire. ...


Quote
Emil Galotti #26

Natürlich führt die Entwicklung der letzten Monate zu einem Anstieg der Menschen, die in finanzielle Not geraten, mit ungeheurer Wucht hat uns die erste Welle der Preissteigerungen erreicht, noch bevor der Winter überhaupt beginnt. Das Ausmaß der Gesamtbelastung ist aber überhaupt noch nicht absehbar.

Wenn man schon alle „Sparregister“ gezogen hat, bleibt eigentlich nur noch der Verzicht bei der Nahrungsaufnahme als letzte Instanz durch Einsparungen durchzukommen.

Daher ist es verständlich, zur kostenlosen Lebensmittelausgabe zu schreiten, wer freut sich nicht über eine Tüte voller Gratisartikel, auch wenn die Blätter vom Kohlrabi schon ein wenig schlapp erscheinen, und der Joghurt seine Verfallsdatum entgegen eilt.

Hier bei mir in Berlin, gibt es eine Kirche, die ebenfalls Lebensmittel verteilt, allerdings habe ich in vielen Fällen den Verdacht, dass wirklich bedürftige Menschen verdrängt werden, der Missbrauch zunimmt.

Auffällig die Anzahl junger Männer, die auf den Parkbänken sitzend, ein „Wegebier“ verzehren, ihren Kampfhund füttern, eingehüllt von Zigarettenrauch Telefonate führen, und analog zu den berühmten Fußballspielern ihr Territorium durch Speichelabsonderungen markieren.

Auch hier ist leider eine Fehlentwicklung zu verzeichnen, die den wirklich Hilfsbedürftigen arge Konkurrenz macht, welche die eigentlich gute Absicht einer solidarischen Gesellschaft partiell zunichte macht.


Quote
Tatamei #26.2

Vom Missbrauch der Angebote bei der Tafel zu reden lenkt ab vom eigentlichen Problem ...


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Emmigrand #30  —  vor 2 Stunden

Unsere Tafel und die in der nächsten Stadt äctzt unter der Last die durch die hohe Anzahl der ukrainische Kriegsflüchtinge. Daraus habe diese erst einmal die Einkäufe auf 1x pro Woche reduziert, für alle, und dazu noch einen Tag nur für Ukrainer eingerichtet.
So bekommen unsere Bedürftigen weniger, sind gezwungen, normal einzukaufen, was natürlich auf deren Gesamtausgaben auswirkt. Da schon arbeitende Menschen darunter leiden, stellen sie sich vor, wie es einem bedürftigen ergeht. Da sind Kinder überproportional betroffen.

Der Anteil an Migraten soll von 20 auf leicht über 40% angestiegen sein - lt. Statistik.
Die Regierung hat die Kriegsflüchtlinge einfach weitergereicht an einem an sich privaten, gemeinnützigen Verein anstatt sich eine eigenen Lösung zu denken.
Dadurch schmällert sich das Angebot erheblich: eigentlich für 4 Tage soll es reichen, heute gibt es für die letzten kein Brot mehr oder Kühlung, weniger Obst und Gemüse.
Das Problem. die Einlassgruppen sind so groß - etwa 150% mehr - als normal, dei Wartezeiten könne bis zwei Stunden betragen. Und die eigentlich freiwillige Helfer müssen mehr Stunden arbeiten, statt um 13.00 Uhr kann es bis 16.00 Uhr dauern, Abends genauso.

Entsprechend steigt die Agressivität, die Ukrainer sind auch nicht gerade zimperlich und verdrängen andere.
Ja, es ist ein Armutszeugnis für ein Land, das sich regelmäßig auf die Schulter klopfft ob deren Wirtschaftsleistung.


Quote
Ezra de Vayschluys #30.1

Klar. Böse Ukrainer.


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Scholz Papers - Erinnerungslücken #31

Ich selbst habe einen tieferen Einblick in die Arbeit der Tafel in meiner Heimatstadt.

Bis vor ungefähr zwei Jahren ist an einer Ausgabestelle der Tafel jeder Bedürftige noch mit zwei vollen Plastiktüten nachhause gegangen. Seit dem hat es einen deutlichen Wechsel bei Qualität und Quantität der Lebensmittel gegeben. Damals waren immer viele diverse Wurst- und Käsewaren dabei, es gab oftmals mehr an Angebot als schlussendlich mitgenommen wurde. Es blieb manches sogar über.

Seit dieser Zeit sind die Spenden der Geschäfte deutlich zurückgegangen, deutlich zugenommen aber hat auch die Zahl der Teilnehmer mit Migrationshintergrund.
Heute sind es nur noch wenige Lebensmittel die der einzelne bekommt, kein Vergleich mehr zu früheren Zeiten. Immer weniger zur Verfügung stehende Lebensmittel werden an immer mehr Bedürftige ausgeteilt. Die Gruppe nach Herkunft der Bedürftigen hat sich sichtbar verschoben.


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Andrea Bergpredigt #33

Ein Grund für die Nutzung der Tafeln, sind die hohen Zigarettenpreise. Wäre das Rauchen billiger, hätten viele Menschen mehr Geld für Lebensmittel.


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Emmigrand #33.1

Klar, die rauchen alle...


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Golliwog's Cakewalk #33.5

So kann man das sehen. Eine andere Möglichkeit wäre, die Tabaksteuern so weit zu erhöhen, dass die Betroffenen das Interesse verlieren.


Quote
cr 43 #33.6

Rauchen nur für Reiche?

Und dann: Schoko-Konsum, Bier, Handy-Spiele. Auch die Preise erhöhen?


Quote
marcel589 #33.8

Natürlich. Wir wollen ja nicht, dass am Ende noch jemand Spaß am Leben hat, obwohl er gefälligst still leiden soll.


Quote
traktor72 #1

Warum heißt es nicht Armenspeisung? Könnte das Gefühl für die soziale Lage in unserem Land schärfen.



Quote
Sphinxfutter #1.1

Vermutlich weil das Gefühl vor allem bei denen geschärft wird, bei die es sowieso schon schwer haben: nämlich bei den Leuten, die sich entscheiden das Angebot der Tafeln anzunehmen.


Quote
Ein Held unserer Zeit #1.3

Es ist zu bezweifeln, daß so etwas in Politik und Medienlandschaft gewünscht wird. Seien wir doch mal ehrlich, wie nahe sind Politiker/-innen und Medienschaffende an dieser Lebenswirklichkeit? ...


Quote
Jinx Powder #1.8

Als Marketing- und Kommunikationsprofi stimme ich Ihnen zu.
Es gibt Fälle, in denen man eben nicht unreflektiert positiv kommunizieren, sondern Kernprobleme transportieren sollte.

"Tafel" ist keine Einladung zu einem Nachbarschaftsfest, sondern zutiefst erniedrigend und ein Armutszeugnis für das Land.


Quote
AH 99 #1.9

Wirklich? Armengeld statt Bürgergeld und alles wird gut?


Quote
Tordenskjold #2.2

Die Verarmung ganzer Bevölkerungsgruppen, die (trotz 40 Stunden Arbeit in der Woche) nicht über die Runden kommen, ist keine neue Entwicklung. Hier aber nur die Politik verantwortlich zu machen, greift zu kurz. Parteien, die für Sozialabbau und gegen Mindestlöhne sind, werden schließlich gewählt. Vielleicht hat sich auch schon so manch ein Wähler von der Realität verabschiedet und wählt jene, die ihm Steuersenkungen versprechen und die ihm erzählen, dass sich „Leistung lohnen soll“. In der Hoffnung, dass sie selber nie Wohngeld beantragen müssen.


Quote
MrBrutus #2.4

"Die Bundesregierung ist in der aktuellen Situation wirklich nicht zu beneiden."

Tja, das ist halt der Unterschied wenn man nur Opposition machen muss.
Hier kann man billigen Populismus mit 5 Euro pro Liter Benzin etc. betreiben ohne über die Konsequenzen nachzudenken.


Quote
felolie #9

Und das Schulmittagessen ist dieses Schuljahr von 3,60 auf 4,90 gestiegen. Macht bei drei Kindern und 20 Schultagen fast dreihundert Euro. ...


Quote
Ezra de Vayschluys #9.1

Dann machen Sie das doch so. Wir haben nachmittags zuhause gegessen, in der Schule gab's nur unsere Box.


Quote
Wolkenschaf #9.2

„von 3,60 auf 4,90 gestiegen“

In meiner Schulzeit 55 DDR Pfennige. Das Geheimnis, Schulessen wurde subventioniert, Kinder überhaupt weil man der Meinung war, ein Land ohne Kinder hätte keine Zukunft.


Quote
Ezra de Vayschluys #9.3

Und wo ist die DDR jetzt?

Richtig.


Quote
Wolkenschaf #9.4

Die ist wo sie hingehört.
Das ist nicht das Thema.


Quote
weltbild #9.5

In Finnland gibt es für Schüler kostenloses Mittagessen bis zur 8. Oder 9. Klasse. Und Finnland ist noch da. Richtig.


Quote
Biagobaer #16

Unsere Tafel hat Mittwochs und Freitags geöffnet. Die Leute kommen mit Bus und Bahn, ziehen Rolltaschen hinter sich her.Die Schlange windet sich an diesen Tagen durch die komplette Straße.Da stehen alte Menschen.Junge Menschen. Kinder. Sehr viele Migranten. Sie stehen da auch bei Regen. Es ist ein kleines Haus.Es können nicht alle gleichzeitig rein.Sie müssen auch nehmen was sie bekommen, das Essen kann nicht ausgesucht werden.Es muss schnell gehen damit alle bedient werden können. Die Helfer machen das ehrenamtlich.Ist kein leichter "Job". Es reicht oft nicht für alle. Es wird immer weniger gespendet. Auch von den Supermärkten nicht mehr. Die stehen da 1 Std im Regen teilweise. Und jetzt bitte wieder das Mantra "Deutschland ist ein sehr reiches Land. Wir habens ja, - Platz, Raum, genug für alle und jeden, niemand hungert. Und unsere Urgroßelteln ....." Floskel einfügen. ...


Quote
Ashrok #16.1

Es fehlt noch ein Hinweis auf die Kinder in Afrika und das Kapital, flüchtig wie ein Reh.


Quote
Crazy Turtle #34

Die Geschichte der Tafeln in Deutschland
1993 gründete sich die erste deutsche Tafel. Inzwischen gibt es über 960 Tafeln bundesweit. Die Tafeln sind damit die größte sozial-ökonomische Bewegung in Deutschland, die Lebensmittel rettet und an armutsbetroffene Menschen weitergibt.

Die Initiativgruppe Berliner Frauen e.V. gründete 1993 die erste deutsche Tafel in Berlin. Die engagierten Berlinerinnen wollten vor allem die Situation der Obdachlosen der Stadt verbessern. Von dem Konzept der New Yorker City Harvest inspiriert, schien der Gedanke, überschüssige Lebensmittel einzusammeln und diese an Menschen in Not und soziale Einrichtungen weiterzugeben, einfach und sinnvoll. Obdachloseneinrichtungen meldeten großen Bedarf an und Berliner Lebensmittelproduzenten und Einzelhändler signalisierten Unterstützung.

Durch das große Interesse der Medien verbreitete sich die Idee im ganzen Land. Im Oktober 1994 gründeten sich die Münchner und die Neumünsteraner Tafel. Mit der Gründung der Hamburger Tafel im November 1994 setzte sich die Tafel-Bewegung endgültig durch. Der gigantische Presserummel steigerte die Bekanntheit der Tafeln enorm und gab vielen den Ansporn, in der eigenen Stadt ebenfalls eine Tafel zu gründen.

Wer konnte ahnen, dass die Politiker durch diese Initiative ihre Hände in den Schoß legen?


Quote
Zarella #41

Ich verstehe, dass man irgendeine neutrale Bezeichnung für Bedürftige bei den Tafeln verwendet, aber "Kundinnen und Kunden" ist mir zu euphemistisch ...


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« Reply #1336 on: Yesterday at 07:31:59 PM »

Quote
[...] Hannover. Einer steigenden Zahl von Menschen in Deutschland vergeht nach einer neuen Umfrage die Lust am Arbeiten. Knapp die Hälfte der Arbeitnehmer (48 Prozent) würde demnach in Teilzeit wechseln, wenn ihr Arbeitgeber das erlaubte. Und 56 Prozent erklärten, dass sie schnellstmöglich die Arbeit an den Nagel hängen würden, wenn sie finanziell nicht auf den Job angewiesen seien. Das hat das Umfrageinstitut Yougov für eine alljährliche Berufsstudie ermittelt, die der Versicherer HDI am Dienstag in Hannover veröffentlichte. Die Demoskopen befragten im Juni und Juli 3891 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 15 Jahren.

Vor Beginn der Corona-Pandemie 2019 hatten nur 41 Prozent gesagt, dass sie bei ausreichenden Finanzen das Arbeiten am liebsten einstellen würden. Mehr als drei Viertel sagten, dass sie die Einführung der Viertage­woche in ihrer jeweiligen Firma begrüßen würden, eine große Mehrheit allerdings nur bei vollem Lohnausgleich.


Aus: "Lust am Arbeiten schwindet – vor allem bei jungen Menschen" (27.09.2022)
Quelle: https://www.rnd.de/wirtschaft/umfrage-lust-am-arbeiten-schwindet-vor-allem-bei-jungen-menschen-EJHGRR5Z5SDZSQTLY3GNGJEYMU.html

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Quote
Miriam Vollmer @miriam_vollmer

Ich wage mal zu behaupten, dass die interessantesten Dinge, die Menschen tun, beruflicher Natur sind. Menschen heilen, Verbrechen verfolgen, Dinge schaffen, etwas aufbauen. Ist mir ein Rätsel, wie Leute drauf sind, die lieber frei haben. Um was genau dann zu tun?

8:03 vorm. · 27. Sep. 2022  aus Berlin, Deutschland


https://twitter.com/miriam_vollmer/status/1574640883751862274

Quote
Nicolai von Neudeck @vonneudeck
·
27. Sep. Antwort an  @miriam_vollmer

Tja, das kommt ganz auf den Beruf und die Firma an. Es gibt eine große Menge Jobs, die fast nur aus unsagbar langweiliger wenig selbstbestimmter Fleißarbeit bestehen.


Quote
Miriam Vollmer @miriam_vollmer
27. Sep. Antwort an @vonneudeck

Augen auf bei der Berufswahl.


Quote
Landerichter @landerichter
·
27. Sep. Antwort an @miriam_vollmer und @vonneudeck

Sehr privilegierte Perspektive.


Quote
Carsten von Wissel
@cv_wissel
Antwort an  @miriam_vollmer

Wenn ich anhand eines einzigen Tweets zeigen müsste, was Konservatismus ist, würde ich sagen, der hier ist es.
Wollen zu können, was man soll, ist einerseits ein Privileg andereseits genau das, von dem Konservative träumen.
Sie wollen, dass man will, was gesollt wird.

... Beruflich Interessantes zu machen, was man gar noch machen will, das schaffen in dieser Gesellschaft vielleicht 5 %.

11:21 vorm. · 27. Sep. 2022


Quote
supatyp
@supatyp
·
27. Sep.
Antwort an @cv_wissel und @miriam_vollmer

Ich kenne ein paar von diesen 5%.


Quote
Carsten von Wissel @cv_wissel
27. Sep. Antwort an @supatyp
 und @miriam_vollmer

Ich auch.


...

Quote
Johannes Heinen @joheinen1
1:07 nachm. · 27. Sep. 2022

Zustimmung. Es gibt nichts erfüllenderes, als Pakete zu verladen, Kuhhälften zu zerlegen, die Fischauslage zu reinigen oder die ganze Nacht zwei Metallteile vom Band zu nehmen und zwei andere darauf zu legen, während einem ständig die Augen zufallen wollen. Wozu also Freizeit?

Auch viel besser als Freizeit ist so ein produktiver Vertriebsdruck, schließlich brauchen ALLE Menschen zwei Bausparverträge und die Doppelriester-Vertriebsstrategie tut allen so gut, dass die glücklichen Angestellten am liebsten 24/7 für 1460 Euro Klinken putzen würden.

Ich meine auch, wer Freizeit will um wieder stundenlang zu telefonieren und dabei auf der Couch abzuhängen, kann auch einfach aus einem Callcenter Handyverträge verticken und sich selbstverwirklichen, statt Gitte immer wieder die gleiche Geschichte zu erzählen...

Es ist auch so toll Menschen zu heilen 😍😍. 48 Stunden Schichten in der Notaufnahme ermöglichen es dir, dass du sehr vielen Menschen helfen kannst. Was will man denn zu Hause sinnvolleres machen?

Bei all diesen tollen Aktivitäten unterstützt dich Y-Food. Was das ist? Easy. Deine Mahlzeit - für wenn es mal schnell gehen muss und für eine Pause keine Zeit bleibt. 😇

Ich kenne auch viele die arbeitslos geworden sind und das Arbeitsamt vorschlug: Lass doch die Arbeit und gehe auf Safari. Aber nach kurzer Zeit wollten sie alle wieder auf die Baustelle.

In JEDEM Unternehmen kann man sich weiterentwickeln. Du kannst zum Beispiel Sicherheitsbeauftragter in einer Styroporfabrik werden und alle Kolleg:innen melden, die den Handlauf an der Treppe nicht nutzen.

Wozu von Kindern wach halten lassen, wenn man auch die ganze Nacht durch dieses ulkige kleine Fenster auf die Abfüllmaschine gucken kann, um im Falle einer Störung den roten Knopf zu drücken. Sorry, aber ich verstehe die Leute nicht, die lieber Familie haben.

Als jemand der mal in einem Paketzentrum gearbeitet hat kann ich das nur bestätigen. Meine Bandscheiben auch.

Ich liebte bei UPS besonders die Rasenmäher und bei der Post gilt: Nur Sperrgut macht wirklich Freude. :)

Oder einen Container voll Ikea Möbel aus- bzw einladen. Schlimmster Job ever.

Was die Leute sich so alles in ihrer Cappuccino-Pause bestellen, um dann wieder stundenlang das tun, was sie so sehr lieben :-)


https://twitter.com/joheinen1/status/1574717399751831552
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