Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 308570 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #1015 on: Februar 18, 2020, 12:25:52 nachm. »
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[...] Journalisten streiten und schreiben, manchmal über Jahrzehnte, um zu etablieren, was irgendwann ein Narrativ sein wird. Kenntnis hilft. Aber auch eine Verbindung aus historischem Bewusstsein, der Bereitschaft zur Ergriffenheit und zum Engagement – und ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt.

Michael Sontheimer, der am Montag 65 Jahre alt wird, gehört zu solche Journalisten. Er hat Politologie und Geschichte studiert – am Otto-Suhr-Institut, der Lehrstätte etlicher späterer tazler –, das hat sicher geholfen. Eine gewisse biografische Gelassenheit, als Sohn einer gutbürgerlichen Bildungsfamilie, kam dazu. ...

... Er war taz-Mitbegründer, ging Mitte der 80er Jahre zur Zeit kam in den Neunzigern als Chefredakteur zurück und war dann bis sozusagen gestern beim Spiegel; zehn Bücher von ihm gibt es auch – zum Berliner Bausumpf beispielsweise, zur RAF und zum Deutschen Herbst, zu Vietnam & Kambodscha. Er erfand mit anderen die taz-Panter-Stiftung, setzt sich für die Förderung des kritischen Journalismus ein („Er hat es nötig.“) und hält auf seine Weise Aufklärung und Engagement zusammen. Unter anderem, indem er für Assange, Snowden und Manning streitet.

Herzlichen Glückwunsch, Micha, keep uncalm and carry on!


Aus: "Das Untragische als Lebensform" Elke Schmitter (2020)
Quelle: https://taz.de/Zu-Michael-Sontheimers-65-Geburtstag/!170363/

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« Reply #1016 on: M?RZ 09, 2020, 12:35:11 nachm. »
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[...] „Fehlstart“ ist weniger ein Coming-of-Age- oder Bildungsroman als eine schonungslose soziologische Betrachtung. Als solche hat „Fehlstart“ viele gelungene Passagen.


Aus: "Frankreichs Jugend hat keine Chance" Gerrit Bartels (09.02.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/fehlstart-von-marion-messina-frankreichs-jugend-hat-keine-chance/25525686.html

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[...] Und dann erschien 2017 Ihr erster Roman „Fehlstart“. Wie war das Schreiben für Sie?

Marion Messina: Ich hatte lange Zeit ständig Notizen gemacht. Dann aber sehr viel Zeit damit zugebracht, um mich zu entscheiden, ob ich nun in der ersten oder dritten Person schreibe, ob es eine männliche oder weibliche Figur wird und ob die Geschichte in Grenoble oder Paris beginnt ... das musste lange reifen. Es fühlte sich an wie eine geleugnete Schwangerschaft, aber als ich dann wusste, es wird die 17-jährige Aurélie aus Sicht eines unpersönlichen Erzählers, war kein Halten mehr – und plötzlich war das Baby da. Als es erschien, kam es mir wie eine Hommage vor, die ich dem Frankreich widmete, das bislang in der Literatur nicht vorkam.

Das war auch der Grund, warum Sie sich ein Jahr später an die Seite der Gelbwesten gestellt haben?

Marion Messina: Als die Gelbwestenbewegung begann, war das geradezu eine Befreiung. Es war das Frankreich, das ich kenne, das sich plötzlich Gehör verschafft hat, nach Paris gereist ist, um auf die Straße zu gehen. Das war so erleichternd, dass sich endlich die Mehrheit zu Wort meldet. Diese Mehrheit wird verachtet von den wenigen, die sich auf ihre Kosten bereichern. Ich habe nie vergessen, wo ich herkomme, was für Scheißjobs ich gemacht habe, dass ich am Stadtrand von Paris lebe, wo jeden Morgen ab acht Uhr eine Schlange vor dem Lidl steht. Was meine Generation betrifft, so hat uns der Zugang zur Pornografie geprägt, durch den wir eine standardisierte Vorstellung vom Sex haben, gleichzeitig gibt es ultrafeministische Ansichten. Wir haben eine neue Prekarität erlebt, selbst wenn wir haufenweise Diplome vorweisen können, die aber nichts mehr wert sind. Wir sehen, wie unmöglich es ist, Eigentum zu erwerben, wenn die Familie keinen Beitrag leisten kann. Bei uns überlagern sich wirklich viele Nachteile, und dann fragt man sich, ob das alles noch Sinn hat. ... Wenn wir „Scheiße!“ sagen wollen, tun wir das. Ich bin immer hellhörig, was die Sprache von Menschen am Rande der Gesellschaft, abseits von Paris, angeht. Ich achte auf sprachliche Veränderungen, auf Jargon, auf das Vokabular. Die unterschiedliche Ausdrucksweise hat heute nichts mehr mit Regionen oder Dialekten zu tun, sondern mit einem Französisch, das urban geprägt ist, vom Dienstleistungssektor, vom Management-Englisch. Der Sprachgebrauch ähnelt sich in Paris, Lyon und anderen Städten, aber schon 50 Kilometer von Paris entfernt sprechen die Menschen anders.

... Wie hat sich das Land unter Macron verändert?

Frankreich ist paradoxerweise unter Macron wieder nach links gerückt. Einen Teil junger Wähler hat er enttäuscht. Die dachten, das klassische Angestelltendasein ist sowieso abgeschrieben, dann eben ein Start-up. Bis ihnen klarwurde, dass sie nun ununterbrochen arbeiten müssen, keine soziale Absicherung haben und selbst im Krankheitsfall weitermachen müssen. Andere, wie die Gelbwesten, haben oft zuvor nie demonstriert, waren nie politisch interessiert. Das hat sich geändert, nachdem sie gesehen haben, zu was der Staat in der Lage ist: abgerissene Hände, zerschossene Augen, Militärfahrzeuge als Antwort auf soziale Proteste. Das hat sie politisiert, wenn auch nicht im positiven Sinn. Unter Macron ist der Rückzug des Staates extrem konkret spürbar geworden. Aus heutiger Sicht fällt es mir sogar schwer, Jacques Chirac oder Nicolas Sarkozy noch als rechte Präsidenten zu bezeichnen, denn sie haben weitaus weniger Einschnitte in den Sozialsystemen und weniger Privatisierungen vorgenommen. In Deutschland herrscht der Eindruck, wir würden uns zu viele Beamte und öffentliche Ausgaben leisten. Und weil Deutschland die Europäische Union dominiert, sollen die anderen Länder an den Maastrichtkriterien festhalten, um die Neuverschuldung gering zu halten. Aber man kann doch für die Haushaltsdisziplin nicht mehrere Millionen Menschen auf der Straße verrecken lassen. Soziale Bewegungen und Aufstände haben in Frankreich eine lange Geschichte, die kulturell verankert ist. Immerhin: Die Gesellschaft, die Macron vorschwebt, ist ein Geschenk für die Literatur, man kann jede Menge darüber schreiben.


Aus: "„Wir lieben es, Tabus zu brechen“" Romy Straßenburg (Ausgabe 10/2020)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/linkerhand/wir-lieben-es-tabus-zu-brechen

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« Reply #1017 on: M?RZ 15, 2020, 10:57:23 vorm. »
Quote
Stehauf-Mädchen aka La Rabiata @JanaRennsteig

Ok. Wg. Corona gelten jetzt also als systemrelevante Berufsgruppen: Med. Personal. Kinderbetreuung. Supermarkt-Mitarbeiter. Trucker. Busfahrer.
Also quasi alle, die sich bisher fragen lassen mussten, warum sie nix ordentliches gelernt haben.


https://twitter.com/JanaRennsteig/status/1238922239996760065?s=03

...

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Replying to @JanaRennsteig @PeterRReichel

Als Supermarkt Mitarbeiter geht das runter wie Öl. Danke 😍
7:36 PM - 14 Mar 2020


https://twitter.com/JoKe_r95/status/1239017641068703745

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« Reply #1018 on: M?RZ 18, 2020, 10:43:39 vorm. »
"Die Supermarktkassiererin: Dienstleisterin unseres Herzens" Ronald Pohl (18. März 2020)
Sie verrichtet auch in einschränkungsreichen Zeiten Heldinnenarbeit an der Kassa
Spricht man eine der heroischen Damen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit an, erhält man bereitwillig Auskunft. Supermarktkassiererinnen leisten zum Beispiel eine Wochenarbeitszeit von 30 Stunden, die in mehr oder minder flexible Schichten aufgeteilt wird. Sie sagen dieser Tage: "Natürlich habe ich Angst!" [Coronavirus] Und: "Einfach ist es nicht!" Zumal, wenn man eine fünfjährige Tochter zu Hause hat, die der Obsorge bedarf. Wie gut, wenn wenigstens der Lebensgefährte beruflich abkömmlich ist und Heimdienst leisten kann. ...
https://www.derstandard.at/story/2000115845953/die-supermarktkassiererin-dienstleisterin-unseres-herzens

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rollingpebbles

Was bringt uns diese Streicheleinheit? - Genau diese Menschen und all die Anderen, welche täglich die Realwirtschaft am Laufen halten sind die Helden. Zum Dank werden sie mit Hungerlöhnen abgespeist, auf Grund unsozialer Steuergesetze vom Staat auch noch ausgesaugt und beim kleinsten Share Holder Verlust auf die Straße gesetzt. ...


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gsiberger86

Zur Zeit ist etwas Interessantes zu beobachten: Menschen mit Berufen, die "eher weniger" verdienen, leisten gerade enorm wichtig, unaufschiebbare, gefährdete Arbeit... (Menschen im Lebensmittelhandel, Reinigungskräfte, Sozial- und Pflegebereich, öffentlicher Verkehr, usw.)


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Protagoras v. Abdera

Ja, es ist schon erstaunlich, wenn bemerkt wird, dass hinter vermeintlich alltäglichen Selbstverständlichkeiten menschliche Arbeitskraft steckt. In vielen Bereichen ist das so. Die Pflegekräfte haben sich knapp vor dem Ausbruch der Infektionen im Streik befunden, und zwar zugunsten einer einzigen Forderung, der 35h-Woche, die man ihnen nicht erfüllen wollte, weil angeblich aus Kostengründen nicht möglich. Aktuell nimmt die Regierung wieder Milliarden in die Hand, um Unternehmenskredite zu besichern, Kurzarbeit und Direkthilfen zu bezahlen. Ja, die Krise zeigt auch, was eigentlich alles möglich wäre, würden wir nicht im "Normalbetrieb" in einer derart ungleichen und vermachteten Gesellschaft leben.


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La Grande Inter

Das traurige wird sein - ist diese Krise vorbei, wird man die Billa Kassiererin erst wieder für abschätzige Äußerungen hernehmen und die Leute werden wieder schreien:"zweiteee Kassaaa bitte".


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avpr1a

Man sollte die kasirerinnen nicht heroisieren, sonder 1. Schutzausrustung zu Verfügung stellen, zumindest die Rauch Kallert Masken und Handschuhe und 2. Ihnen von der Republik aus eine ordentliche finanzielle Aufbesserung zukommen lassen. Alles Andere hat den üblen Beigeschmack von "Kanonenfutter" um in der Kriegssprache zu bleiben.



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Robert Holzmann (* 27. Februar 1949 in Leoben, Steiermark) ist ein österreichischer Wirtschaftswissenschaftler. Von 1997 bis 2011 war er in verschiedenen Positionen bei der Weltbank in Washington, D.C. tätig, von 1997 bis 2009 als Sector Director, von 2009 bis 2011 als Research Director und 2002/03 als Senior Vice-President. Im Jänner 2019 wurde er als Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank nominiert ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Holzmann_(Wirtschaftswissenschaftler)

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[...] STANDARD: Die Maßnahmen der Regierung kompensieren nicht den Ausfall der Unternehmen und EPUs (Ein-Personen-Unternehmen). Sie müssen die Kredithilfen ja wieder zurückzahlen. Müsste ihnen die öffentliche Hand den Ausfall nicht ersetzen, damit sie überleben können?

Holzmann: Man wird den Ausfall zu einem großen Teil ersetzen, aber nicht komplett. Es ist nicht Aufgabe der Regierung, alles zu ersetzen, sondern das Überleben der Unternehmen sicherzustellen und den Leuten ihr Auskommen. Wir alle müssen uns auf Einschränkungen einstellen. Aber so wird die Krise eine bewältigbares Problem bleiben.

STANDARD: Auf Pleiten würden Massenentlassungen folgen. Deutschland ändert das Insolvenzrecht, setzt Konkursanträge aus. Sollte man das auch in Österreich tun?

Holzmann: Von Insolvenzen sind wir in Österreich noch entfernt, und Insolvenzen gehören auch in guten Zeiten zur Wirtschaft dazu. Dieser Ansatz ist problematisch, denn er macht keinen Unterschied zwischen Unternehmen, die sowieso nicht überlebt hätten, und denen, die schon überlebt hätten. Diese Hilfe ist ein Fehler, weil damit die Reinigungskräfte nicht wirken können. Sie würde verhindern, dass man aus diesem Loch gestärkt herauskommt.

STANDARD: Sie meinen, die Krise reinigt die Wirtschaft?

Holzmann: Jede Wirtschaftskrise ist auch eine Reinigung, Sie kennen sicher Joseph Schumpeter und seine Theorie der schöpferischen Zerstörung. Schon die Geldpolitik der letzten Jahre mit Null- und Negativzinsen hat diese Reinigungskraft etwas unterbrochen. Man kann eine Krise auch dazu nützen, gestärkt daraus hervorzugehen und dabei den sozialen Anforderungen Genüge zu tun.

STANDARD: Sie führen den tiefen Fall der Aktienmärkte also auch darauf zurück, dass die Märkte durch die erhöhte Liquidität zuletzt sehr stark gestiegen sind?

Holzmann: Die Aktienkurse waren losgelöst von realen Werten, der jetzige Sturz kam also nicht überraschend. Es ist immer besser, die Verluste zu konsumieren, als zu versuchen, sie hinauszuzögern – Japan leidet immer noch darunter. Für die Betroffenen, die Vermögen verlieren, ist das natürlich ein Problem. Aber für die Wirtschaft ist so eine Bereinigung gut.

STANDARD: Trug die Geldpolitik zu einer Zombifizierung der Wirtschaft bei, also dazu, kaputte Unternehmen am Leben zu halten?

Holzmann: Das ist eine These. Aber es gibt auch andere Folgen, etwa dass Platzhirsche, die den Markt beherrschen, mit billigen Finanzierungen expandieren und den Konkurrenten die Luft wegnehmen. Das ist in den letzten Jahren passiert. Wenn das also aufhört und ein Teil der Bereinigung ist, wäre es ein positiver Aspekt der Krise.

STANDARD: Heißt das, dass Sie in den Folgen der Krankheit beziehungsweise des Schutzes vor Corona eine Genesung der Wirtschaft sehen?

Holzmann: Ich hätte das so nicht formuliert. Aber ja, dieser Gesundheitsschock, so schlimm er auch ist, führt andererseits dazu, bestimmte Geschäftsmodelle zu überdenken – ob es nun um das Outsourcing in ferne Länder samt langen Transportwegen geht oder um die Organisation der Wirtschaft. Man sollte die Zeit nutzen, Dinge zu ändern, die man schon lang ändern wollte. Nach dem Motto: "Verschwende nie eine Krise, um Verbesserungen durchzuführen." Ich würde anregen, zu prüfen, was wir künftig anders machen könnten.

STANDARD: Sie betonen die Stärke von Österreichs Finanzsystem. Sollte es aber zu größeren Firmenpleiten kommen: Halten die Banken das aus?

Holzmann: Es kommt auf die Schwere des Schocks an. Aber Österreichs Banken haben ihr Eigenkapital seit der Finanzkrise verdoppelt und sind gut aufgestellt.

STANDARD: Wenn Banken jetzt nicht alle überfälligen Kredite fällig stellen: Widerspricht das nicht Ihrer These, dass nun die Zeit wäre für Selektion auf den Märkten?

Holzmann: Wenn man alle Unternehmen, die nicht zurückzahlen können, sofort vor die Tür setzt, würde das zum großen Schock führen – dafür gibt es aber keinen Grund. Verlängern wird man Kredite für Unternehmen, die Ausfallsentschädigungen bekommen – wie etwa im Tourismus. Man muss aber sicherstellen, dass nur die überlebensfähigen Firmen überleben, die anderen, die auch ohne Krise aus dem Markt ausgeschieden wären, sollen nicht überleben. Im Moment ist die Bereitstellung von Liquidität das Wichtigste. Danach liegt es an den Banken, zu entscheiden, wer weiterfinanziert wird und wer nicht.

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Aus: "Nationalbankchef: "Sicherstellen, dass nur überlebensfähige Firmen überleben"" Renate Graber, Andreas Schnauder (18.3.2020)
Quelle:

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Tobias Braun

Erschreckend - Was für ein offenherziges und informatives Interview. Frei von Empathie für all jene, die die derzeitige Situation unverschuldet trifft.


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jiminy die grille

Es ist doch immer wieder erfrischend, wenn genau die, die wie die Maden im Speck leben, einem erklären wie die Welt funktionieren soll. ... Und so jemand spricht von "positive Reinigungskräften".


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Cures

Was für ein Irrer.


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tablespace65

Bei HOLZMANNs Aussagen und Ansichten zieht es einem die Schuhe aus! - Seine arrogante und präpotente Art, von oben herab die Situation zu analysieren und dabei auch noch an der Realität vorbeizuschwadronieren, ist einfach nur unglaublich! Und zusätzlich scheint er auch noch die Fakten und die Realität nicht wahrhaben zu wollen.
Während inzwischen schon fast jeder davon ausgeht, dass es auch in Österreich zu einer Rezession kommen wird, schwafelt er noch von "postiven Reinigungskräften für die Wirtschaft" daher! ...



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zege de zung

Sitzt im Elfenbeinturm und faselt von Auslese.


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Gert Bachmann

Sozaldarwinismus pur. Als scheinbare Rechtfertigung für Geldadel.


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vor diktat verreist

Ganz allgemein gesagt: Es gibt viel zu viele kapitale Ar......lö....., die in maßgeblichen Positionen sitzen (ohne selbst je Risiko tragen zu müssen), sich über andere in unerträglicher Manier erheben und als *Experten* ihren Sermon öffentlich absondern dürfen.


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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #1019 on: M?RZ 19, 2020, 10:35:25 vorm. »
Quote
[...] Sonst ist um diese Jahreszeit nicht viel los in den Hamptons, der New Yorker Goldküste, wo die reichen Menschen gerne ihre Sommer verbringen. Die Villen im Stil englischer Landhäuser, französischer Chateaus oder italienischer Renaissance-Paläste, gebaut mit den Erlösen aus erfolgreicher Hedgefonds-Spekulation und Private Equity Deals, sind noch eingemottet. Selbst die Sträucher und Bäume in den parkartigen Gärten drum herum sind sorgfältig mit Jutesäcken verpackt, um sie vor der harschen Atlantikwitterung zu schützen.

In den einstigen Fischer- und Bauerndörfern harren normalerweise nur wenige Einheimische in der kalten Jahreszeit aus. In den Schaufenstern von Boutiquen wie Intermix hängen im Sommer Designerstücke wie Kleider von Brock Collection mit Blumenmuster für 1.910 Dollar. Auf einem Schild steht, man freue sich, die erlesene Kundschaft in der neuen Saison 2020 begrüßen zu dürfen.

Doch am vergangenen Freitag waren alle Parkplätze entlang der Main Street in Southampton voll: Mercedes, Porsche, Jaguar – alle Luxusmarken der Welt aneinandergereiht. Im populären Laden Cheese Shoppe, der Sandwiches und Panini mit Namen wie "Firenze" oder "Mt. Fuji" für 11,95 Dollar anbietet, werden die Kunden mit Desinfektionsmittel empfangen. "Seit gestern herrscht Hochbetrieb, die Leute sind massenhaft aus der City gekommen", sagt Nicole, eine Mittzwanzigerin, die hier bedient und nur ihren Vornamen nennen will.

Die Menschen von der noblen Upper East Side in Manhattan haben ihre Koffer gepackt, nachdem Andrew Cuomo, Gouverneur von New York, Versammlungen von mehr als 500 Menschen untersagt hatte und die Theater am Broadway geschlossen wurden. Wohltätigkeits-Galas und Dinners wurden hastig abgesagt. Die Horace Mann School, wo ein Unterrichtsjahr 53.000 Dollar kostet, schickte alle Schüler nach Hause, nachdem dort ein Coronafall bestätigt wurde.

Skiurlaub in den Edel-Lodges von Aspen schien auch nicht mehr opportun, nachdem ein Gast aus Australien in dem Rocky-Mountain-Ort positiv getestet wurde. "Staycation in the Hamptons! Wie das Coronavirus Park Avenues Ferienpläne zerschießt", titelte Town & Country, die Postille der Ostküsten-Geldaristokratie.

In dem Bericht beschwert sich Jill Kargman, die als "Autorin, Schauspielerin und Upper East Side Mom" vorgestellt wird, über das selbstgewählte Corona-Exil: "Ich bin süchtig nach New York, ich würde lieber an Corona sterben, als an Langeweile einzugehen!" Krista Krieger, Vorsitzende des Non-Profit-Organisation Empowers Africa, die laut Webseite "menschliches Empowerment, Wildtier- und Umweltschutz in Sub-Saharah Afrika" fördert, klagt derweilen, dass ihre Tochter, eine Oberstufenschülerin, nun nicht den geplanten Schulausflug auf die Bahamas machen darf.

Eltern kleinerer Kinder sorgen sich wegen ihrer Nannys – oder besser gesagt wegen der Möglichkeit, dass die Kinderfrauen das Virus einschleppen. Sie sind oft Immigrantinnen, die in den Außenbezirken der Stadt wohnen. "Soll man sie noch mit der U-Bahn fahren lassen oder ist Uber besser?", lautet eine Frage auf Park Slope Parents, einem Onlineforum für das bei betuchteren Familien angesagte Viertel in Brooklyn.

Die Panik führt zu Hamsterkäufen auf hohem Niveau. Aus Morells Weinladen in East Hampton laufen die Kunden nun mit Kisten statt mit einzelnen Flaschen aus der Tür. Nebenan bei Citarella ist Verkäuferin Elidia noch immer fassungslos:  "Die Leute haben gekauft wie verrückt, egal, was!" Die drei Hamptons-Filialen des Delikatessentempels – zu den Spezialitäten gehört frischer Hummer – verzeichneten 50 Prozent mehr Umsatz.

"Statt eine Ecke von dem Käse zu ordern, nehmen die Leute gleich den ganzen Laib mit", sagte Helen Gurrera, die Geschäftsführerin des Einzelhändlers dem New York Magazine. Und Lobel's, ein New Yorker Traditionsmetzger, erhielt laut dem Magazin von einem offenbar von Angst geplagten Kunden eine Bestellung in Höhe von 10.000 Dollar für 100 Steaks, 100 Lammkoteletts, 100 Hühnerbrüsten und anderen Spezialitäten.

Doch auch die Wohlhabenden stoßen auf Beschränkungen in der neuen Zeit. So berichtete ein empörter New Yorker dem Finanznachrichtendienst Bloomberg, er habe 30.000 Dollar von seinem Konto bei der Chase-Bankfiliale in den Hamptons abheben wollen, doch der Angestellte habe ihm mitgeteilt, das Limit seien 10.000 Dollar. JPMorgan Chase, die größte Bank nach Bilanzsumme, erklärte auf Anfrage Bloombergs, die Filialen verfügten über genug Bargeld.

Die New York Times berichtete von einer Bank-of-America-Filiale in Manhattan, der die 100-Dollar-Scheine ausgingen, nachdem mehrere Kunden bis zu 50.000 Dollar abhoben. Charterunternehmen für Privatjets müssen ihrer Kundschaft sagen, dass auch sie den Reisebeschränkungen unterliegen. Auch wenn diese teilweise bis zu 150.000 Dollar für einen Platz an Bord bieten.

Und die Corona-Quarantäne könnte unerwartete Nebenwirkungen für das Jetset-Leben haben: "Die ganze Upper East Side wird sich danach scheiden lassen", erklärte eine Society Lady nur halb im Scherz. "Die Leute verbringen mehr Zeit mit der Familie, als die meisten es je erlebt haben."


Aus: "Hamsterkäufe auf hohem Niveau" Heike Buchter (18. März 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-03/quarantaene-coronavirus-wohlhabende-new-york/komplettansicht

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Ludwig van Wegen #1.5

Autofahrer, die andere mit ihrer (ziemlich sicher unterirdischen) Musikauswahl behelligen, sind deutlich unangenehmer als hedonistische Snobs.


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IPS Pflege #3

... Freut mich doch sehr für Sie das es genießen können. Als Prekarier (Fachpfleger für Intensivmedizin) ist es schön zu lesen das sich die Elite es sich gutgehen lässt.


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janipeki #3.1

Wie wär's mit einem Gefühl für feine Ironie?


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Studierendenvertretender #4

"Die Reichen decken sich mit edlen Weinen, Lammfilets und Bargeld ein."

Nachvollziehbar, eher als sich mit 10-Jahres-Vorräten an Klopapier "einzudecken".


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Etna #13

Ist doch nichts Neues. Auch früher sind Adlige in Seuchenzeiten aus den Städten auf ihre Landsitze geflohen und haben es sich dort gut gehen lassen. Bestes literarisches Beispiel: Das Decamerone.

[https://de.wikipedia.org/wiki/Decamerone]


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zeisig #29

"Und die Corona-Quarantäne könnte unerwartete Nebenwirkungen für das Jetset-Leben haben". Wäre nicht das Schlechteste, wenn die Corona-Quarantäne Nebenwirkungen für das Leben der Anyways in den Hamptons, in Ischgl, Berlin und all den anderen Orten auf der Welt, wo es den Anyways gefällt, hätte. Vielleicht werden einige sogar darüber nachdenken, was ihre Lebensweise für alle anderen mit sich bringt. Das wäre schön.


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« Reply #1020 on: M?RZ 23, 2020, 12:17:38 nachm. »
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[...] Im Moment fühlt man sich vielerorts als freischaffende Künstlerin wie eine Figur, die sich selbst beim freien Fall beobachtet. Jede Sicherheit fällt weg. Der Fall auf freier Strecke, diesen Ausdruck kannte ich bisher nur für Figuren die ich auf der Bühne verkörpern durfte. Eine Grenzerfahrung, die auch ein spielerischer Inspiration sein kann eine persönliche Tragödie also, die ein Figur zu einem essentiellen Tiefe bringen kann.  Doch wenn die Tragödie dein eigenes Leben bestimmt, verschiebt sich etwas gewaltig. Es wird zu deiner persönlichen Tragödie.

Und derzeit beobachte ich Veränderungen und erlebe den Verlust von allen beruflichen Säulen. Als ich als Kind aus dem ehemaligen Jugoslawien vor den Aggressoren geflohen bin, wusste man zu mindestens wer dein Gegner ist. Die Situation damals, also die Grundstimmung ist vergleichbar mit der jetzigen Situation. Natürlich befinden wir uns nicht im Krieg, und ich bin mir meinen Privilegien als weiße Frau in Westeuropa bewusst. Das Gefühl der diffusen Angst, verändert die Menschen in Deutschland. Die Hypotheken auf Ängste und die realen Existenzängste von KollegInnen haben Daseinsberechtigung. Wir wissen alle nur zu gut, dass „Angst essen Seele auf“ bedeutet.

Der Unterschied zu damals liegt gerade darin, dass nicht erkennbar ist wer der Gegner sein könnte, die Fragestellung nach potentiellen Ansteckungen und die Möglichkeit einer Ansteckung hat sich tief in unsere Köpfe gebohrt. Bei mir fallen Drehtage ganz aus, oder werden auf den Herbst verschoben. Ähnliches passiert mit Vorstellungen, die ausgesetzt werden. Honorare fallen weg, Synchronstudios machen ganz dicht, mein Stipendium beim internationalen Forum in Berlin, das im Mai stattfinden sollte findet zum Glück im nächsten Jahr statt. Natürlich ist man als freiberufliche Schauspielerin und Autorin immer auf eine Mischkalkulation angewiesen, aber gerade fallen alle Säulen weg. Selbst als meine Nebentätigkeit als Yogalehrerin wird für nicht absehbare Zeit ausfallen. Ich hatte das Glück im letzten Jahr viel spannende Projekte zu verwirklichen, sodass ich noch finanzielle Rücklagen für ein paar Monate habe. Aber was passiert dann? Wir arbeiten unter prekären Bedingungen und viele selbständige und freischaffende Künsterinnen haben nicht die Möglichkeiten zu sparen. Kredite aufzunehmen, die man dann nicht abbezahlen kann, sind für mich und viele meiner Kollegen keine Option. Daher brauchen wir jetzt politische schnelle Entscheidungen. Vergesst uns nicht, dass ist meine Bitte an die Politik und Lokalpolitik. Wir sind eine Gruppe von Menschen, die in dieser Gesellschaft „Hochleistungsport “ leisten, aber nicht ausreichend dafür bezahlt werden, wir können es uns nicht leisten vor leeren Reihen zu spielen, anders als die Kollegen von Fußballclubs. Daher besteht jetzt die Möglichkeit über neue Strategien zu verhandeln wie zum Beispieldas bedingungslose Grundeinkommen und gemeinsam zu diskutieren über soziale Ungleichheit. Gerade erlebe ich auch viele positive Veränderungen und Solidarität. Entscheidungen können auch sehr schnell geschlossen werden, doch dies kann nur konstruktiv sein, wenn man Künstlerinnen direkt nach ihren Lebensrealitäten befragt werden. Leider können wir nicht im Homeoffice arbeiten, da der Livemoment entscheidend ist. Nichtsdestotrotz konzipiere ich gerade ein Homevideo für meine Schauspielschüler, denn dynamische und kreative Denkweisen sind nun mal die Währung für alle Kreativen.  Deshalb möchte ich an alle appellieren zu künstlerischen und politischen Allianzen, die freischaffende Künstler aus Köln gemeinsam an einen Tisch (mit genügend Sicherheitsabstand) bringen und Strategien aus unserer Sprachlosigkeit zu formulieren und zu finden, damit ein finanzielles Hilfspaket zustande kommen kann.

Jasmina Music, 1988 in Banja Luka geboren, kam im Alter von fünf Jahren mit ihren Eltern nach Dortmund. Sie studierte Schauspiel in Hamburg und Tuzla, sowie Psychologie in Köln. Jasmina Music arbeitet als Schauspielerin, Performerin und Autorin in Bosnien, Herzegowina und Deutschland.


Aus: "Angst essen Seele auf: Im Warteraum Zukunft" Jasmina Music (23. März 2020)
Quelle: https://www.ruhrbarone.de/angst-essen-seele-auf-im-warteraum-zukunft/181155

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Nina, 23. März 2020 um 11:15

Ich kann es nicht mehr hören… das ewige Klagen der ach so wichtigen Künstler. Als ob sich alles um sie drehen würde… Ich warte derweil auf die persönlichen Berichte von Dienstleistern, Angestellten, Produzenten, Landwirte, Friseure, Prostituierte, Bildungseinrichtungen, Pädagogen, Lotto-Annahmestellen, Restaurants, Franchise-Filialen, kleine Bäckereien mit Ladencafé, ….
Liebe Künstler, ihr seid nicht der Nabel der Welt.


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[...] „Für Musikschaffende werden die kommenden Monate eine extrem harte Zeit. Wie kaum ein anderes Berufsbild ist unser Einkommen stark von einem funktionierenden, freien und öffentlichen Leben abhängig. Viele meiner Freundinnen und Kollegen sind durch die Coronakrise akut von finanziellen Ausfällen betroffen. Manche haben die letzten Monate Geld in ein Album investiert und müssten jetzt touren, um das mit den Konzerten wieder einzuspielen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

... Dabei kann ich mich noch glücklich schätzen, weil ich einen Vorschuss meines Verlags bekommen habe. Ich hoffe, dass auch andere Labels so kulant und solidarisch sind. Noch härter wird es wohl Musikerinnen und Musiker aus subkulturellen Kontexten, reine Instrumentalisten und Studiomusiker treffen, die meist keine Urheberrechte an Stücken haben und somit nicht einmal einen GEMA-Vorschuss erhalten können.

... Mein Mitbewohner arbeitete in den letzten Wochen am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg an der Theatermusik für ein aktuelles Stück und hat schon viel Zeit in Proben investiert hat. Die Vorführungen fallen nun komplett aus. Ihm wurde das Honorar trotz der Ausfälle ausgezahlt. Gerade die staatlich geförderten Projekte sollten diesem Beispiel folgen und die Beteiligten rückstandslos finanziell entschädigen.

Der Staat könnte zudem gezielt Förderungen höher bezuschussen, wie beispielsweise die „Initiative Musik“. Vielleicht ist es auch möglich, so etwas wie eine Krisenfond einzurichten und Musikerinnen und Musikern bei nachgewiesenem Ausfall eine Erstattung auszuzahlen. Selbstverständlich dürfen dabei Clubs, Veranstalter und Booker nicht vergessen werden.

... Kultur ist kein Luxus, der in den kommenden Wochen mal eben etwas hintenüberfällt, es ist ein extrem wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Und eben nicht nur die Hoch-, sondern auch die Subkultur. Die Politik darf in der Krise nicht nur Unternehmen Subventionen und Hilfsprogramme zusichern. Sie muss erkennen, welch immenser Schaden momentan für freiberufliche Kreativschaffende und die Musikbranche entsteht - und diesem entschlossen entgegenwirken.“



Aus: "Musikerin Lùisa über Corona-Lockdown „Es ist ein künstlerisches und emotionales Desaster“" (23.03.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/musikerin-lisa-ueber-corona-lockdown-es-ist-ein-kuenstlerisches-und-emotionales-desaster/25672022.html

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mr.l 12:14 Uhr

    Kultur ist kein Luxus

Auch wenn ich die Sorgen und das Anliegen verstehe... aber hier werden die wirtschaftlichen Folgen dessen, was gerade passiert, offensichtlich unterschätzt. Die Schulden, die nun gemacht werden müssen um den Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern, sind immens. Zu fordern oder zu erwarten, dass die musikalische Subkultur gerettet werden muss, ist Angesichts der Probleme die auf uns zukommen völlig Weltfremd.


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[...] Düsseldorf Mit einem Milliarden-Schirm will die NRW-Landesregierung die Wirtschaft in der Corona-Krise retten. Die Corona-Fallzahlen steigen landesweit weiter an. Weitere Einschränkungen im öffentlichen Leben sind zu erwarten.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat am Sonntag ein für das Land beispielloses Rettungspaket in Höhe von 25 Milliarden Euro zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise beschlossen. In einer Sondersitzung per Schalte brachte die Regierung den Rettungsschirm auf den Weg. Schon am Dienstag soll der Landtag in einer Sondersitzung die Milliardenhilfen für Unternehmen und Beschäftigte im Schnelldurchlauf beschließen. Unterdessen erörterten die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

„Wir befinden uns alle in einer wahrhaft außergewöhnlichen Extremsituation und sehen uns plötzlich Aufgaben und Problemen gegenüber, die wir uns vorher kaum vorstellen konnten“, sagte Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) laut Mitteilung. „Mit unserem NRW-Rettungsschirm wollen wir den Zusammenbruch vieler Firmen vermeiden und viele Arbeitsplätze und ganze Erwerbsbiografien von Familien retten.“

Der Landtag soll sich am Dienstag mit dem Gesetzespaket des Kabinetts und einem Nachtragshaushalt für 2020 befassen, über den das Land bis zu 25 Milliarden Euro an neuen Schulden machen will. Damit sollen Bürgschaften, Steuerstundungen sowie Soforthilfen für Kleinunternehmen und Solo-Selbstständige finanziert werden. Die Kreditaufnahme soll in Tranchen abhängig von den benötigten Ausgaben erfolgen. Zugleich machte Lienenkämper klar, dass weitere Maßnahmen folgen werden. „Niemand weiß, welche Herausforderungen noch auf uns zukommen.“

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen stieg in NRW weiter an. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Sonntag (Stand 11.00 Uhr) gab es landesweit 7361 nachgewiesene Fälle. Das ist im bevölkerungsreichsten Bundesland ein Zuwachs von mehr als 600 im Vergleich zum Vortag. Die Zahl der erfassten Todesfälle in NRW stieg um neun auf 32.

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Aus: "25 Milliarden Euro : NRW-Kabinett billigt Milliarden-Hilfe für die Wirtschaft" (22. März 2020)
Quelle: https://www.aachener-zeitung.de/nrw-region/nrw-kabinett-billigt-milliarden-hilfe-fuer-die-wirtschaft_aid-49688839

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[...] Allmählich zeichnen sich die Dimensionen der Schäden ab, die diese Krise in der Wirtschaft hinterlassen wird. Sie sind gewaltig, und es ist noch lange nicht klar, wie groß sie letztlich ausfallen werden. Aber das Münchner ifo-Institut hat sich jetzt in einer Schätzung versucht. "Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist", sagt der ifo-Präsident Clemens Fuest. Je nachdem, welches Szenario man zugrunde lege, könne die Wirtschaft um sieben bis zu 21 Prozentpunkte schrumpfen. In Geld ausgedrückt bedeutet das Kosten von 255 bis 729 Milliarden Euro.

Die Bundesregierung hat angekündigt, auf diese immense Herausforderung entschlossen zu reagieren und an diesem Montag im Kabinett ein beispielloses Hilfspaket beschlossen, das viele unterschiedliche Lebensbereiche umfasst: Unternehmen, aber auch normale Bürgerinnen und Bürger, sollen unterstützt werden. Was das den deutschen Staat letztendlich kosten wird, ist noch schwer zu beziffern, da es einerseits um direkte Zahlungen geht und andererseits um Bürgschaften und Kredite. Klar ist aber, wie hoch die neuen Schulden sind, die die Bundesregierung dafür jetzt aufnehmen will: 156 Milliarden Euro, so viel wie nie zuvor auf einmal.

Dieses Geld wird nun unterschiedlich eingesetzt. Wie Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) während einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärten, sollen etwa 50 Milliarden Euro für direkte Hilfszahlungen an Kleinstbetriebe, Selbstständige, Künstlerinnen, Heilpraktiker oder Pfleger aufgewendet werden. Sie können über drei Monate 9.000 bis 15.000 Euro erhalten. Das soll unbürokratisch funktionieren, die Antragsteller müssen nur versichern, dass sie durch die Corona-Krise einen Liquiditätsengpass haben.

"Es kommt darauf an, dass wir schnell helfen", sagte Altmaier dazu, damit diese Kleinunternehmen "erhalten bleiben, auch wenn ihnen das Einkommen wegbricht". Der Wirtschaftsminister hob hervor, dass allein in diesem Bereich zehn Millionen Menschen tätig seien. Es gehe bei den Hilfen aber nicht darum, Umsatzausfälle zu ersetzen, sondern lediglich laufende Betriebsausgaben abzudecken.

Die beiden Minister gingen zudem erneut auf das Paket ein, das für mittelgroße Firmen bereitgestellt wird. Das unbegrenzte Kreditprogramm über die staatliche Förderbank KfW ist seit diesem Montag verfügbar. Die KfW genehmigte die ersten Notfall-Darlehen bereits, die Unternehmen über ihre Hausbanken beantragen können. Gleich zu Beginn des Arbeitstages um 8.30 Uhr seien zwei Kredite bewilligt worden in der Kategorie bis zu drei Millionen Euro, sagte ein KfW-Sprecher. Weitere Angaben über die Anzahl der eingegangenen Kreditanträge sollen folgen.

"Die Banken und die KfW haben sich intensiv auf den heutigen Tag vorbereitet", sagte KfW-Chef Günther Bräunig. "Noch nie haben wir ein Programm so schnell startklar bekommen. Der Bund übernimmt fast vollständig die Haftung und die Kreditmargen sind extrem niedrig." Die Sonderkredite stehen Firmen zur Verfügung, die wegen der raschen Ausbreitung des Coronavirus vorübergehend in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind und Liquidität zur Überbrückung brauchen. Mit den Darlehen, die teilweise bis zu 90 Prozent durch den Staat garantiert sind, können Betriebsmittel und Investitionen finanziert werden.

Bei größeren Konzernen will die Bundesregierung notfalls mit staatlichen Beteiligungen verhindern, dass Unternehmen in der Krise zu leichten Opfern von Firmenaufkäufern werden. "Wir sind entschlossen, unseren Unternehmen in dieser Zeit zur Seite zu stehen", sagte Altmaier. Die Bundesregierung lege es zwar nicht auf staatliche Beteiligungen an. Sie sei aber mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) dafür gerüstet, der ein Volumen von 100 Milliarden Euro haben werde. Das Instrument habe man aus der Zeit der Finanzkrise übernommen und werde es jetzt für Unternehmen aller Branchen öffnen.

Ein weiteres bewährtes Mittel aus der damaligen Krise ist das Kurzarbeitergeld. Wenn es keine Arbeit mehr gibt, kann ein Unternehmen seine Beschäftigten in Kurzarbeit schicken – die Bundesagentur für Arbeit übernimmt 60 Prozent des Lohns, bei Menschen mit Kindern 67 Prozent. Die Unternehmen bekommen die Sozialbeiträge erstattet. Kurzarbeitergeld kann fließen, wenn nur zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind, statt wie bisher ein Drittel. Auch Zeitarbeitsunternehmen können die Leistung anzeigen. Die Regierung geht bisher von mehr als zwei Millionen Fällen aus, für die das Kurzarbeitergeld gezahlt werden muss. Kosten wird das rund zehn Milliarden Euro.

Auch wenn noch schwer vorauszusehen ist, wie lange die Krise anhält und wie viele Maßnahmen notwendig werden, hat das ifo-Institut anhand der bisherigen Zahlen zu schätzen versucht, wie viel Geld der Staat jetzt aufbringen muss. Ausgelassen haben die Wissenschaftler jedoch in der Kalkulation die geplanten Bürgschaften und Kredite sowie eventuelle europäische Rettungsmechanismen. Das ifo kommt so bisher auf eine Belastung für die öffentlichen Haushalte von bis zu 200 Milliarden Euro.


Aus: "Wirtschaftsmaßnahmen: Was das alles kostet" Zacharias Zacharakis (23. März 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-03/wirtschaftsmassnahmen-corona-krise-hilfspakete-kosten/seite-2

« Last Edit: M?RZ 24, 2020, 12:32:40 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #1021 on: M?RZ 24, 2020, 12:43:18 nachm. »
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[...] Wer in Frankreich momentan ohne eine Bescheinigung und einen triftigen Grund die Wohnung verlässt, muss 135 Euro Strafe zahlen. Viele wohlhabende Städter sind deswegen aus den Großstädten in ihre Ferienhäuser oder Zweitwohnsitze auf dem Land geflohen, wo sich der Hausarrest besser aushalten lässt. In Esmilis Heimat Seine Saint-Denis kann sich das kaum jemand leisten. In dem Departement, das nördlich an Paris grenzt, leben mehr als anderthalb Millionen Menschen auf engstem Raum zusammen. Die Wohnblocksiedlungen, die sich hinter dem Stade de France an der Pariser Stadtgrenze bis zum Horizont auftürmen, bilden eine Kulisse, die viele Deutsche nur aus Rapvideos und Brennpunkt-Kinofilmen kennen: ein buntes Wirrwarr aus Ethnien und Nationen inmitten von Beton.

... Hamza Esmili sagt, er habe eine schöne Wohnung, in der es sich aushalten lässt. Sein Wohnhaus sei jedoch extrem heruntergekommen und verdreckt. Viele seiner Nachbarn verdingen sich als Tagelöhner auf dem Bau und leben in Unterkünften, die ein Zusammenleben unter Ausgangssperre gar nicht zulassen. Oft würden sich mehrere die Betten teilen, erklärt Esmili. Die einen würden tagsüber arbeiten und nachts schlafen, die anderen hielten es andersherum: "Da, wo jemand schläft, ist nicht unbedingt seine Wohnung." Eine solche hätten viele Menschen in seinem Viertel nämlich gar nicht. Wie bitte schön sollen sie dann den Anweisungen der Regierung Folge leisten und zu Hause bleiben?

Der Soziologe sagt, es ärgere ihn, dass die französische Öffentlichkeit dieses Problem seiner Meinung nach durch eine rassistische Brille betrachtet. Die oft armen Bewohner der Vorstädte – viele von ihnen mit Migrationshintergrund – würden als undiszipliniert dargestellt. Als sähen sie nicht ein, dass es einer nationalen Kraftanstrengung bedarf, um das Virus einzuhegen. Tatsächlich berichtet die Presse bereits von vermeintlich Halbstarken, die entgegen der Regeln vor ihren Wohnblocks sitzen, Joints rauchen oder Polizisten anpöbeln. Gleichzeitig räumt der Soziologe, der sich seit einigen Jahren mit den Mechanismen in den Pariser Vororten beschäftigt, jedoch ein: "Die Menschen haben hier nicht dieselbe Beziehung zum Staat. Es ist nicht verwunderlich, dass sie die Anweisungen nicht akzeptieren."

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Aus: "Was, wenn sie in den Vorstädten die Nerven verlieren?" Tassilo Hummel (24. März 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/corona-vorsorge-pariser-vororte-ausgangsbeschraenkungen-regierung

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« Reply #1022 on: M?RZ 26, 2020, 10:00:35 vorm. »
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[...] Einen Gefallen hat Madonna sich und anderen wohlhabenden Amerikanern mit dem Badewanne-Rosenblätter-Video bestimmt nicht getan. „Das Besondere an Covid-19 ist, dass es der Krankheit egal ist, wie reich oder berühmt man ist. Bei ihr sind alle gleich“, hatte die Queen of Pop schwadroniert, als sie am Wochenende nackt und mit perfektem Makeup zu leiser Musik in der Wanne saß. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In sozialen Medien beschimpften Tausende Amerikaner Madonna als dumm, selbstverliebt und abgehoben.

Tatsächlich scheint das „Material Girl“ mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 800 Millionen Dollar in den vergangenen Wochen eher selten aus den Fenstern ihres Stadthauses an Manhattans Upper East Side geblickt zu haben. Seit sich Corona auch zwischen New York und Los Angeles ausbreitet, surren über Manhattan die Motoren. Die Angst, sich bei einem Linienflug mit dem Virus zu infizieren, treibt Geschäftsleute und Prominente in Privatjets.

Flugunternehmen wie „Blade“ schicken derweil regelmäßig Hubschrauber in Küstenorte der Hamptons, wo sich viele wohlhabende New Yorker in ihren Ferienhäusern isoliert haben. Auf Bestellung versorgen sie die Stadtflüchtigen mit Medikamenten, Büchern und Computern. „Vieles, das man in New York einfach kaufen kann, ist dort nicht erhältlich. Wir durchleben gerade eine außergewöhnliche Zeit und sind bemüht zu helfen“, meint Firmensprecher Simon McLaren.

Computer per Hubschrauber sind nur eine Dienstleistung, um Amerikas Wohlhabenden die Corona-Krise zu erleichtern. Wegen Ausgangsbeschränkungen in Los Angeles und New York steigt auch die Nachfrage nach Hausangestellten, die mit ihren Arbeitgebern unter einem Dach wohnen. Die Vorzüge? Unterstützung beim Kochen, Putzen und Kinderhüten sowie ein geringeres Risiko, sich bei der Hausangestellten anzustecken, nachdem diese im Bus von Downtown Los Angeles nach Malibu gefahren ist.

Firmen wie „Lily Pond Services“, bei Prominenten wegen der Vermittlung diskreter Hilfe geschätzt, suchen in Pandemiezeiten aber auch medizinisches Personal. „Mich erreichen viele Anrufe von Klienten, die nach Ärzten oder Krankenschwestern fragen, die vorübergehend bei ihnen einziehen. Für den Fall, dass sie sich infizieren und getestet werden müssen“, sagte Melissa Psitos, die Inhaberin von „Lily Pond Services“, dem „Hollywood Reporter“.

Social Distancing treibt viele „One percenter“, wie Amerikas Großverdiener genannt werden, aufs Wasser. Obwohl die Saison noch nicht begonnen hat, ziehen sie sich auf Yachten zurück. Auch hier versucht Psitos zu helfen. „Plötzlich soll ich auch Boote mit Personal versorgen. Viele Leute machen sich so große Sorgen wegen des Virus, dass sie meinen, der sicherste Platz sei vor der Küste.“

Makler für Luxusimmobilien berichten zudem von Milliardären auf der Suche nach Privatinseln in der Karibik. Viele Technologieunternehmer soll es derweil aus dem Silicon Valley nach Neuseeland ziehen. Für den Notfall legte sich Peter Thiel, Mitgründer des Bezahldienstes Paypal, schon vor einigen Jahren einen Rückzugsort im entlegenen Queenstown zu, Panikraum inklusive.

Bei vielen Nicht-Millionären regt sich inzwischen Widerstand. Nach Medienberichten über Prominente wie Idris Elba und Kris Jenner, die einen der raren Coronatests bekamen, obwohl sie keine Symptome zeigten, lehnen immer mehr Gemeinden Pandemietouristen ab. Nobelorte wie die Hamptons, Nantucket und Martha’s Vineyard, Zweitwohnsitz der Obamas, klagen bereits über leere Regale in den Lebensmittelgeschäften. „In dieser Stadt ist kein Gemüse mehr zu finden. Das haben wir elitären Leuten zu verdanken, die meinen, dass sie über den Regeln stehen“, wetterte ein Bewohner East Hamptons in der „New York Post“.

Auch auf der Insel Nantucket, die eigentlich erst in den Sommermonaten wohlhabende Besucher aus New York, Washington und Philadelphia anzieht, gehen langsam Toilettenpapier, Konserven und Eier aus. Nach Rücksprache mit Massachusetts’ Katastrophenschutzbehörden haben die Stadtväter nun eine Ausgangssperre verhängt – und den Fährverkehr eingeschränkt.


Aus: "Amerikanische Oberklasse : Die Reichen fliehen aufs Wasser" Christiane Heil, Los Angeles (25.03.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-krise-in-den-usa-die-reichen-fliehen-aus-den-grossstaedten-16694547.html


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« Reply #1023 on: M?RZ 26, 2020, 12:07:31 nachm. »
Quote
[...] Auch Monteursunterkünfte, z.B. in der Iltisstraße und am Tonberg waren Thema. Hier wohnen Bulgaren und Rumänen, die in Kiel zumeist auf dem Bau arbeiten. Man sieht morgens die Transporter, die sie zur Arbeit abholen. Herr Jungnickel vom Seniorenbeirat sagte, Monteurswohnungen wären nicht Neues, und die Bewohner lebten dort zwar auf Zeit, aber doch für länger. Hier wäre das Problem eher die ausbeuterischen Bedingungen unter denen diese EU-Arbeitnehmer in Kiel existieren.

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Aus: "Zu viele Ferienwohnungen in Gaarden?" UrsulaS in Allgemein, Stadtteile (24. März 2020 )
Quelle: https://kielaktuell.com/2020/03/24/zu-viele-ferienwohnungen-in-gaarden/

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« Reply #1024 on: M?RZ 26, 2020, 02:39:34 nachm. »
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[...] Ganz Italien ist eine Sperrzone. Schulen, Kindergärten, Universitäten sind geschlossen, Veranstaltungen abgesagt. Die Corona-Pandemie hat Italien schwer getroffen, viele Krankenhäuser sind überlastet, mehrere Tausend Menschen gestorben. ... Die Philosophin Donatella Di Cesare warnt vor Egoismen und kritisiert eine fehlende politische Präsenz. Den Glauben an die Europäische Union hat sie verloren. Die Italienerinnen und Italiener merkten, Europa existiere nicht mehr, sagt sie. ... Wir haben in Italien viele Krisen überlebt, und das auch, weil wir als optimistisch gelten, sagt die Philosophin Donatella Di Cesare. Aber diesmal sei alles anders.

Di Cesare: ... es gibt privilegierte Menschen, die zu Hause bleiben dürfen, und andere, die sich in dieser Krise exponieren müssen. Darüber wird die Politik nachdenken müssen. Wir sprechen gerade nicht über die Migranten. Und warum? Weil wir sie vergessen haben. Wir in Italien wissen nicht einmal, welche Maßnahmen gerade zum Beispiel in den Camps der Sinti und Roma hier in Rom gelten und in den Aufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete. Es interessiert absolut niemanden gerade. Die Italienerinnen und Italiener sorgen sich um ihre eigene Immunität, denn das interessiert sie wirklich. Was auf Lesbos passiert, ist egal.

Claudio Rizzello: Allein auf der griechischen Insel Lesbos leben rund 20.000 Migranten unter menschenunwürdigen Bedingungen. Durch das Coronavirus droht ihnen nun auch noch eine medizinische Katastrophe. Warum lässt uns das kalt?

Di Cesare: Weil es immer erst um die eigene Immunität geht. Vor einigen Wochen noch wurden viele Chinesen in Italien stark diskriminiert. Sie wurden richtig angefeindet. Der Präsident der Region in Venetien, Luca Zaia, sagte im Fernsehen, Chinesen würden lebende Mäuse essen, daher käme das Virus. Das Video ging viral. Und Zaia, ein Vertreter der Lega-Partei, wollte damit natürlich Hass säen. Jetzt werden die Chinesen gefeiert, sind Helden, weil sie medizinische Versorgung nach Italien brachten. So funktioniert die immune Demokratie. Ich will meine Privilegien behalten und immun bleiben. Was draußen passiert, geht mich gar nichts an. Das ist das Spiel der Diskriminierung.

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Aus: "Italien: "Ich weiß nicht, wie lange wir das durchhalten"" Interview: Claudio Rizzello (26. März 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/italien-coronavirus-krise-konsequenzen-donatella-di-cesare/komplettansicht

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« Reply #1025 on: April 01, 2020, 04:14:32 nachm. »
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[...] Kommt nach Occupy Wall Street jetzt Occupy Homeoffice? Ein Anruf in London beim Anthropologen und Kapitalismuskritiker David Graeber – der hofft, dass unser Arbeitsleben und unser Wirtschaftssystem nie wieder sein werden wie vor der Corona-Krise.

ZEIT ONLINE: Herr Graeber, plötzlich ist Homeoffice doch möglich und Supermarktkassiererinnen sind systemrelevant. Stellt die Corona-Krise auch unsere Arbeitswelt für immer auf den Kopf?

David Graeber: Hier in Großbritannien hat die Regierung eine Liste zusammengestellt mit den systemrelevanten Berufen – wer in denen arbeitet, darf weiterhin seine Kinder in die Schule schicken, wo sie betreut werden. Die Liste besticht durch die erstaunliche Abwesenheit von Unternehmensberatern und Hedgefondsmanagern! Die, die am meisten verdienen, tauchen da nicht auf. Grundsätzlich gilt die Regel: Je nützlicher ein Job, desto schlechter ist er bezahlt. Eine Ausnahme sind natürlich Ärzte. Aber selbst da könnte man argumentieren: Was die Gesundheit angeht, trägt das Reinigungspersonal in Krankenhäusern genauso viel bei wie die Mediziner, ein Großteil der Fortschritte in den letzten 150 Jahren kommt durch eine bessere Hygiene.

ZEIT ONLINE: In Frankreich erhalten die gerade besonders geforderten Supermarktangestellten jetzt eine Bonuszahlung – auf Drängen der Regierung. Von allein regelt der Markt das nicht.

David Graeber: Weil der Markt gar nicht so sehr auf Angebot und Nachfrage basiert, wie uns immer eingeredet wird – wer wie viel verdient, das ist eine politische Machtfrage. Durch die aktuelle Krise wird jetzt noch deutlicher: Mein Lohn hängt überhaupt nicht davon ab, wie sehr mein Beruf tatsächlich gebraucht wird.

ZEIT ONLINE: Um dieses Missverhältnis geht es in Ihrem aktuellen Buch Bullshit Jobs: Viele gesellschaftlich unverzichtbare Jobs werden schlecht bezahlt – während gut bezahlte Angestellte oft daran zweifeln, ob ihre Bürotätigkeit überhaupt irgendeinen Sinn erfüllt oder ob sie nur einen "Bullshit-Job" machen.

Graeber: Was mir wichtig ist: Ich würde niemals Menschen widersprechen, die das Gefühl haben, mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zu leisten. Ich habe für mein Buch aber Stimmen gesammelt von Leuten, die genau dieses Gefühl eben nicht haben: Sie sind teilweise tief frustriert, weil sie etwas zu unser aller Wohl beitragen wollen. Aber um genug Geld für ihre Familien zu verdienen, müssen sie genau die Jobs machen, die keinem was bringen. Leute haben zu mir gesagt: Ich habe als Kindergartenerzieher gearbeitet, das war toll und erfüllend und wichtige Arbeit, aber ich konnte meine Rechnungen nicht mehr zahlen. Und jetzt arbeite ich für irgendein Subunternehmen, das eine Krankenversicherung mit Informationen versorgt. Ich markiere den ganzen Tag irgendwelche Formulare, niemand liest meine Berichte, aber ich verdiene zwanzigmal so viel.

ZEIT ONLINE: Was passiert mit diesen Büroangestellten, die ihre Bullshit-Jobs jetzt wegen des Coronavirus aus dem Homeoffice erledigen?

Graeber: Manche melden sich jetzt bei mir und sagen: Ich habe immer vermutet, dass ich meinen Job auch in zwei Stunden in der Woche erledigen könnte, aber jetzt weiß ich tatsächlich, dass es so ist. Denn sobald man das von zu Hause aus macht, fallen zum Beispiel oft die Meetings weg, die überhaupt nichts bringen.

ZEIT ONLINE: Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 waren Sie bei der Protestbewegung Occupy Wall Street engagiert, Aktivisten besetzten unter anderem einen Park in der Nähe der New Yorker Börse. Könnte die Corona-Krise eine ähnliche linke Bewegung hervorbringen? Ein Occupy Homeoffice?

Graeber: Wenn, dann ist das Motto eher: Occupy die Wohnung, in der du lebst, und zahle keine Miete mehr. Gerade wird viel über Mietstreiks gesprochen, weil die Menschen wegen der Corona-Krise ihre Miete nicht mehr zahlen können. Und dann geht es ganz konkret darum, die systemrelevanten Arbeiter zu unterstützen, denen nicht die Ausrüstung zur Verfügung gestellt wird, die sie brauchen, um ihren Job zu machen. Es ist doch in unser aller Interesse, dass medizinisches Personal und Lieferfahrer Schutzausrüstung haben.

ZEIT ONLINE: Gleichzeitig erfahren wir in dieser Krise sehr anschaulich, wie zentral Arbeit für unsere Gesellschaft ist: Egal, wie viele Orte die Menschen jetzt nicht mehr aufsuchen dürfen, an ihren Arbeitsplatz sollen sie häufig weiterhin gehen.

Graeber: Man sieht das bei Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr: Wenn man den zumacht, dann zuerst am Wochenende. Man kann nicht mehr in den Park. Aber Gott verbiete, dass man nicht mehr zur Arbeit gehen kann! Obwohl wir doch längst gemerkt haben, dass ein großer Teil der Arbeit überhaupt nicht im Büro erledigt werden muss.

ZEIT ONLINE: Das wäre tatsächlich ein Erkenntnisgewinn aus der gegenwärtigen Situation, oder?

Graeber: Ja. Die Frage ist bloß: Werden die Leute, wenn diese Krise vorbei ist, so tun, als sei das alles nur ein Traum gewesen? Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 konnte man Ähnliches beobachten: Einige Wochen lang haben alle gesagt: "Oh, alles, was wir für wahr gehalten haben, stimmt ja gar nicht!" Man hat endlich grundsätzliche Fragen gestellt: Was ist Geld? Was sind eigentlich Schulden? Aber irgendwann hat man plötzlich entschieden: "Halt, wir lassen das jetzt wieder. Lass uns so tun, als sei das alles nie passiert! Lass uns alles wieder so machen wir vorher!" Und die neoliberale Politik und die Finanzindustrie haben einfach weitergemacht. Darum ist es so wichtig, dass wir, was wir uns in Krisenzeiten endlich eingestehen, danach nicht wieder verdrängen – zum Beispiel, welche Jobs wirklich systemrelevant sind und welche nicht.

ZEIT ONLINE: In diesem Sinne hoffen viele schon jetzt: Wenn wir durch radikale gesellschaftliche Veränderungen die Corona-Katastrophe gemeinsam abwenden können, dann wird es uns danach auch gelingen, den Klimawandel aufzuhalten.

Graeber: Die Frage ich doch: Wie können wir die CO2-Emissionen massiv reduzieren, ohne dass wir damit wieder Belastungen für die Schwächsten schaffen? Wenn in Umfragen ein Drittel aller Menschen angibt, dass ihre Jobs nutzlos sind, dann ist das sehr viel Energie, die wir an dieser Stelle verbrauchen, obwohl wir das gar nicht müssten – allein schon für die klimatisierten Bürogebäude. Man könnte also Emissionen reduzieren und sogar das Leben der Menschen angenehmer machen, wenn man sie nicht mehr dazu zwingt, Jobs zu machen, die sogar sie selbst nutzlos finden.

ZEIT ONLINE: Um die Menschen von ihren Bullshit-Jobs zu befreien, schlagen Sie die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens vor. Viele Aktivisten sprechen jetzt von einer anderen Welt, die plötzlich möglich scheint. Aber ist es nicht völlig illusorisch, dass wir ausgerechnet in solch einer Krise unser Wirtschaftssystem umbauen können? Während wir gleichzeitig eine weltweite Katastrophe bekämpfen?

Graeber: Es ist sogar viel einfacher, mitten in einer Krise solche Veränderungen durchzusetzen! Wir organisieren unsere Wirtschaft ja gerade sowieso um, ob es uns jetzt gefällt oder nicht. So viele grundsätzliche Fragen wurden lange nicht gestellt, weil man sie gar nicht formulieren konnte in der Sprache der neoliberalen Ökonomen. Die haben so getan, als wären sie im Besitz einer Wissenschaft, die sowieso schon alle Antworten kennt. Der Neoliberalismus ist in seinem Kern ein Mittel, um Leute davon abzuhalten, sich eine andere, abweichende Zukunft auszumalen – weil sowieso alles alternativlos ist. Aber vielleicht hängt die Zukunft in Wirklichkeit ja von uns ab! Genau das bemerken wir jetzt in dieser Krise. Die Frage ist nur: Was passiert danach?

ZEIT ONLINE: Viele Menschen werden sich gerade vor allem wünschen, dass sie gesund bleiben und irgendwann alles wieder so ist wie vorher. Sie wollen keine Veränderung, sondern einfach ihr normales, neoliberales Leben zurück. Verständlich, oder?

Graeber: Klar, das wünschen sich viele. Aber wir haben schon jetzt viele Illusionen verloren, die wir uns gemacht haben, auch über die Arbeitswelt und wer dort wie wichtig ist. Um den Geist dann wieder in die Flasche zu kriegen, muss man viel Vergessensarbeit leisten. Man muss wieder vergessen, wer wirklich die Arbeit macht und dafür viel zu wenig verdient. Außerdem steht uns die allergrößte Krise noch bevor, der Klimawandel. Wir standen die ganze Zeit auf den Gleisen und ein Zug kam uns direkt entgegen. Und jetzt hat uns jemand brutal von diesen Gleisen gestoßen, das tut weh und ist schrecklich. Aber das Dümmste, was wir tun könnten, wenn wir wieder auf die Beine kommen: Uns wieder zurück auf die Gleise stellen, wo der Zug auf uns zurast!


Aus: "David Graeber: "Werden wir danach so tun, als sei alles nur ein Traum gewesen?"" Lars Weisbrod (31. März 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/arbeit/2020-03/david-graebner-coronavirus-kapitalismus-bullshitjobs/komplettansicht

https://twitter.com/larsweisbrod/status/1244917564167393282?s=03

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Robert Nozick #2

Zwar stimme ich mit Herrn Graeber grundsätzlich schon mal nie überein - vor allem was ein Grundeinkommen angeht - aber tatsächlich beleuchtet Corona das Missverhältnis zwischen gut bezahlter und systemwichtiger Tätigkeit schlaglichtartig.

Ich habe absolut nichts dagegen, wenn sich das in Zukunft mal ändert und etwas mehr Gerechtigkeit bei der Bezahlung eintritt, bin allerdings momentan hochzufrieden damit, einen zu 90% im Homeoffice zu erledigenden Bullshitjob zu haben, der mich maximal 30-50% der realen Arbeitszeit tatsächlich beschäftigt und der momentan in vollbezahltem Corona-Urlaub mit gelegentlichem E-Mail-checken besteht.

Augen auf bei der Berufswahl!
Jeder muss für sich entscheiden, ob ihm Sinnhaftigkeit oder Preis-Leistungs-Verhältnis seines Jobs wichtig ist.


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S1072 #2.1

Ihr Kommentar zeigt aber, dass sie realistisch betrachtet, morgen auf der Straße sitzen müssten, weil Sie viel zu viel Geld kosten, für das, was Sie tatsächlich "leisten". ...


Quote
Robert Nozick #2.5

Das war eine reine Zustandsbeschreibung!

Kommen Sie nicht damit klar, wenn man Dinge beschreibt, die momentan ein paar Millionen Schreibtischtäter so gehen, auch wenn es die Wenigsten offen zugeben?

Oder geht das nur, wenn Herr Graeber das abstrakt beschreibt?

Es gibt nun mal Aufgaben, die haben in der gegenwärtigen Situation null Priorität.

Nehmen wir beispielsweise die regelmäßigen Prüfungen in Alten-und Pflegeheimen. Die machen unter normaler Umständen absolut Sinn. Momentan sind die ausgesetzt, weil die Heime weit wichtigere Probleme haben. Die Mitarbeiter bei den Prüfdiensten, die keine pflegerische Ausbildung haben, machen jetzt auch maximal Beschäftigungstherapie.

Oder würden Sie es für sinnvoll halten, dass zum Beispiel der Bundesrechnungshof jetzt Krankenkassen oder Krankenhäuser mit Wirtschaftlichkeitsprüfungen beschäftigt?
Ich arbeite nun einmal in einem (ähnlichen) Bereich, dessen Tätigkeit in normalem Zeiten Sinn macht, momentan aber komplett kontraproduktiv wäre.


Quote
schibby #2.27

"Eins machen Sie sehr deutlich. Sie sind und ihr Job sind ganz bestimmt nicht systemrelevant."

In einem so komplexen System wie unserer/einer Gesellschaft ist es kaum zu überblicken wer alles systemrelevant ist.

Die Supermarkt Kassiererin ist system relevant oder?
Wie sieht es aus mit:

-dem Regalfüller?
-dem LKW-Fahrer der die Ware transportiert?
-dem Spediteur, der dessen Route plant?
-dem Mechaniker, der den LKW am laufen hält?
-dem Sachbearbeiter der die Löhne überweist?
-dem Bankangestellten der das Banking-Programm betreut?
-ich kann das ewig weitermachen xD


Quote
Ring Road #5

Der Unterschied zur Finanzkrise 2008 ist jedoch, dass die jetzige Krise maßgeblich durch Corona verursacht wurde und folglich die Akzeptanz des aktuellen Wirtschaftsystems nicht generell in Frage gestellt wird, da kein Fehler des Systems vorliegt.

Leute wollen auch nach der Krise wieder kaufen, reisen, kurz gesagt konsumieren.

Außerdem wurde noch nie nach Systemrelevanz vergütet, sondern stets nach Qualifikation, Marktsituation, Tarif, Verantwortung/Führung und Wettbewerb.


Quote
Nibbla #5.1

Vitamin B nicht vergessen. Und nach oben scheitern kann man in manchen Bereichen leider auch.


Quote
Kreuzberger-10999 #8

Die Corona Krise sehe ich als große Chance, um Denkräume zu eröffnen.

Viele Menschen konnten sich nicht vorstellen das drastische Massnahmen zum Klimaschutz umsetzbar sind, die gerade zwangsweise umgesetzt werden. Zu Recht, denn jetzt sehen wir den ökonomischen Preis den wir dafür zahlen, auf Tourismus (Flüge, Kreuzfahrtschiffe, Hotels , Messen) zu verzichten. Millionen Menschen werden arbeitslos, Steuereinnahmen brechen ein.

Aber plötzlich wird eine Welt ohne überbordenden Tourismus vorstellbar. Die Frage ist, fahren wir nach der Krise wieder alles hoch auf Vorkrisen Niveau oder versorgen wir die Menschen mit einem Grundeinkommen und "belohnen" Sie dafür, das sie auf ihre "klimaschädliche" Arbeit verzichten.

Ich habe eine große Sympathie für das Grundeinkommen. Oft wurde gesagt, das dann keiner mehr die unangenehmen systemrelevanten Jobs machen wird. Aber gerade jetzt erleben wir, das gerade diese Jobs eine ungemeine respektvolle Anerkennung erfahren.

Zudem erleben die Menschen gerade an sich selbst, wie anstrengend es sein kann 2-3 Monate zu Hause zu sitzen, selbst wenn sie Corona Hilfe vom Staat bekommen und finanziell das nötigste abgesichert ist - die Menschen wollen etwas sinnvolles tun.


Quote
Odinseidank #12

Zur Kapitalismuskritik: Als ich vor einigen Tagen durch die lediglich leicht gefledderten Gänge eines Supermarktes ging dachte ich: Was für ein Glück, dass Corona nicht in der DDR passiert ist. Und wie leistungsstark unsere sozialen Marktwirtschaft ist, dass am nächsten Tag fast alles wieder in Hülle und Fülle einsortiert in den Regalen liegt.

Dass man die Pflege- und Heilberufe besser bezahlen muss, ist für mich allerdings gleichfalls klar.


Quote
Cleaude #13

"Je nützlicher ein Job, desto schlechter ist er bezahlt"

Sorry, aber das ist reine Polemik. Da versucht jemand, diese Krise zu nutzen, um Propaganda zu betreiben. Alleine der Begriff "systemrelevant" ist irreführend. Der Landwirt und die Kassiererin sind systemrelevant, aber der Traktorhersteller nicht? Da sollte doch jedem klar sein, dass das nur kurzfristig zutreffen kann. Fast jeder Beruf ist legitimer Teil unseres Systems. Ja, sogar Hedgefondsmanager und Unternehmensberater.
Ich selber arbeite in der Forschung bezüglich Datenschutz. Ist das systemrelevant? Aktuell sicherlich nicht, aber ich denke, dass ich mit meiner Arbeit einen Anteil daran leiste, dass wir einen digitalen Fortschritt erleben, der nicht in einer Überwachungsdistopie endet. Das nutzt letztlich auch der Kassiererin und dem Arzt. ...


Quote
Bullit #14

Ich kann dem Autor nicht zustimmen. Es gibt keine "Bullshit-Jobs". Es gibt nur Jobs, deren Bedeutung in bestimmten Situationen zunimmt, und welche, deren Bedeutung in bestimmten Situationen abnimmt. Jeder Beruf, mit dem sich auf Dauer Geld verdienen lässt und der die Wirtschaft am Laufen hält, hat seine Berechtigung, ganz einfach weil er nachgefragt wird, ansonsten würde dafür auf Dauer kein Geld bezahlt. Ich halte nichts von Leuten, die eine Krise zum Anlass nehmen um die Gesellschaft zu spalten.


Quote
Kreuzberger-10999 #14.1

Ich kann ihre Argumentation gut nachvollziehen, sie steht unter der bisherigen kapitalistischen Prämisse:

"Wir produzieren alles, was sich irgendwie lohnt und verwerten lässt"

Die Frage ist, ob sich diese Prämisse in Zeiten des Klimawandels und des Ressourcenverbrauches nicht verändern sollte hin zu: "

"Wir produzieren das, was zum angenehmen Leben notwendig ist"

Und das mein nicht nur unbedingt notwendig und systemrelevan .
Ja, es soll Reisen, Kultur und Austausch geben. Aber vielleicht nur alle 3 Jahre eine große Reise für 6 Wochen, dazwischen kleinerer Reisen in die lokale Umgebung?
nur 3 Fernsehsender statt 20, in Berlin nur 1 Filmfestival statt 20?
Oder wir reparieren den Traktor, statt einen neuen zu produzieren?


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HH1960 #15

Der Mann spricht mir aus dem Herzen!

Ich kann meinen Job auch in 60-70% der Arbeitszeit und zum guten Teil auch im Home Office schaffen. Also reichen drei bis vier Tage Arbeit vollkommen.
Ein Weiter-so wie vorher, gibt es für mich nach der Krise nicht. Ich werde die Arbeitszeit reduzieren und soviel Home Office wie möglich machen. Das steigert die Lebensqualität erheblich, entlastet nebenbei die Straßen und schont die Umwelt.


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Joycastle #17

Ok, da hat also jemand nicht verstanden, worum es bei den "systemrelevanten" Jobs im Kontext der Coronakrise geht.

Zur Erinnerung: Eigentlich sollen wir ja alle zu Hause bleiben. Bei vielen Berufen geht das aber nicht. Und deshalb muss man bei den Berufen, *die nicht von zu Hause erledigt werden können*, sortieren zwischen "systemrelevant" und "nicht systemrelevant". Bei den Berufen, die von zu Hause erledigt werden können (z.B. Bundeskanzlerin), braucht man diese Unterscheidung nicht zu machen.

Wenn also Hegdefondsmanager nicht auf der Liste stehen, bedeutet das nicht, dass sie nicht systemrelevant sind, sondern nur, dass es egal ist, ob sie systemrelevant sind oder nicht.

Sind Anthropologieprofessoren eigentlich systemrelevant?


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Michael_Klane #21

Ich arbeite in so einem überflüssigen Job der sehr, sehr gut bezahlt wird. Wenn ich ehrlich bin, braucht es mich und meine ganzen Kollegen nicht.
Woher ich das weiß? Weil es diese Berufe und Tätigkeiten 1980 auch noch nicht gab und der Planet damals auch funktioniert hat. Ich bin mir zwar sicher, dass mir einige Kollegen widersprechen werden, aber das machen die nur, weil sie sich für wichtig und unersetzlich halten. In Wahrheit dürften ihnen auch klar sein, dass sie überflüssig sind.

Bricht man es noch weiter runter, dann kann man sagen, dass man nur Bauern, Lehrer und Ärzte brauchte. Der Rest ist Overhead bzw. ABM, damit sich der Grossteil der Bevölkerung nicht langweilt. :-)

...


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  Südvorstadt #21.1

Was machen Sie denn beruflich?


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Michael_Klane #21.2

Ich gehöre auch der in dem Artikel genannten "bösen" Berufsgruppe Unternehmensberater mit Schwerpunkt IT-Consulting an. Die Kunden die meine Kollegen und mich buchen sind zwar mit unserer Arbeit sehr zufrieden, weil wir deren Wünsche und Anforderungen entsprechend umsetzen und nachher in der Regel auch alles nach einer gewissen Zeit funktioniert, aber in meinen Augen braucht es diesen ganzen Quatsch den wir produzieren gar nicht. Das geht eher in die Richtung selbsterfüllende Prophezeiung. Weil alle anderen Unternehmen es machen, machen wir das jetzt auch. Und bricht man es rein auf Covid-19 runter, braucht man das alles noch weniger.


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Simma Wiedersoweit #22

Erinnert sich jemand an die Bewohner von Golgafrincham im Roman „Per Anhalter durch die Galaxies“ von Douglas Adams?

Achtung: SPOILER!

Die teilten sich in drei Klassen auf:
Klasse A waren die Wissenschaftler, geniale Führungspersönlichkeiten und bedeutende Künstler.
Klasse B waren die Filmproduzenten, Telefondesinfizierer, Frisöre, Unternehmensberater und Versicherungsvertreter.
In Klasse C kamen die Leute, die die ganze Arbeit machten.

Auf Golgafrincham wurde dann der nahe Weltuntergang erklärt, so dass alle Einwohner evakuiert werden mussten. Alle aus Klasse B wurden in einem Raumschiff los geschickt. Der Weltuntergang war aber ein Fake. Einige Zeit später starben schließlich alle restlichen Einwohner an einer Seuche, die durch ein nicht desinfiziertes Telefon verursacht wurde.


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klaurot #18

Aber irgendwann hat man plötzlich entschieden: "Halt, wir lassen das jetzt wieder. Lass uns so tun, als sei das alles nie passiert! Lass uns alles wieder so machen wir vorher!"
*
Das Problem ist, dass da nicht irgendwo ein Mufti sitzt, der sagt: So, ich leg' jetzt mal einen Schalter um, und dann läuft das so, wie ich es will. Tatsächlich passiert das nur wenig merklich in den Köpfen: der Politiker, der wieder anders redet als in der Krise, der Journalist, der anders darüber schreibt als unter dem Eindruck der Krise; der Banker, der seine Kunden anders berät als während der Krise; der Unternehmer, der bei seinen Entscheidungen wieder mehr auf Risiko setzt als auf Sicherheit uswusf. Der Kapitalismus wird auch diese Krise einfangen und die Party weitergehen lassen. Wo kämen wir sonst hin? Schließlich leben wir in diesem und keinem anderen System. Wenn wir uns nicht systemkonform verhalten, gehen wir ein.


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Gertrud. die Leiter #25

"Um den Geist dann wieder in die Flasche zu kriegen, muss man viel Vergessensarbeit leisten."

Genau das wird aber passieren. Seien wir ehrlich: Unsere Medien werden kräftig dabei helfen. ...


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APetri #20

Sein Wort in Gottes und des Kapitalismus' Ohr! Spätesten seit dem 11. September 2001 hieß es bei jeder Krise, die Welt werde danach eine andere. Sie blieb aber wie sie ist und der Turbokapitalismus nebst Globalisierung wurde nur noch schlimmer. Genaus so wird es such dieses Mal sein. In wenig mehr als einer Woche der Einschränkungen erhebt sich schon wieder das Gejammer insbesondere der besser gestellten Individuen und Unternehmen wegen der bevorstehenden Rezession, als ob wir krine andeten Sorgen hätten.
Leider stimmt nur eine der Vorhersagen über die Welt, die nicht mehr wie zuvor ist: seit besagtem 11. September ist der Höhepunkt von Demokratie und Freiheit überschritten, um zunehmend autoritären Tendenzen Platz zu machen. Auch insofern wird es auch nach Corona wieder weiter gehen wie bisher!


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Windei #34

Der Preis eines Gutes hängt nicht nur von seiner Nützlichkeit ab, sondern auch von seiner Verfügbarkeit. Deshalb kostet ein Diamant mehr, als ein Liter Wasser. Das Verhältnis kann sich ändern. In der Wüste wird das Wasser sehr wertvoll. Das ist böse menschliche Natur und Grundlagen-VWL. Schon möglich, dass momentan Finanztypen eher weniger gebraucht werden. Die Krise wird aber nicht ewig dauern und dann sind vermutlich auch wieder Zahlenjongleure gefragt oder sogar Ethnologen.


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villager18 #33

Ich denke, das groß angekündigte "In-sich-Gehen", das viele für die Zeit "nach Corona" beschwören, wird nach gewisser Zeit verblassen. ...


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« Reply #1026 on: April 01, 2020, 07:04:46 nachm. »
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[...] Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat eine einmalige Vermögensabgabe vorgeschlagen, um die Kosten der Coronavirus-Epidemie in Deutschland abzumildern. "Wir werden eine faire Lastenverteilung brauchen – und die kann für die SPD nur so aussehen, dass sich die starken Schultern in Deutschland auch stark beteiligen", sagte sie der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. Sie halte eine einmalige Vermögensabgabe für eine der Möglichkeiten, die Staatsfinanzen nach der Krise wieder in Ordnung zu bringen.

In Artikel 106 des Grundgesetzes ist ausdrücklich von "einmaligen Vermögensabgaben" die Rede, ohne dass diese jedoch näher definiert wären.

Damit greift Esken einen Vorschlag der Linken auf. Parteichef Bernd Riexinger hatte am Montag gesagt, Vermögen ab einer Million Euro sollten mit einer einmaligen Abgabe von fünf Prozent belastet werden. Auch Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch hatte eine solche Vermögensabgabe bereits vor einigen Tagen gefordert. Das Grundgesetz sehe in Artikel 106 ein solches Mittel vor. Eine einmalige sogenannte Corona-Abgabe auf große private Vermögen sei geboten.

Tatsächlich ist in Artikel 106 des Grundgesetzes ausdrücklich von "einmaligen Vermögensabgaben" die Rede, ohne dass diese jedoch näher definiert wären.

Kritik an dem Vorschlag kommt aus der FDP. Fraktionsvize Michael Theurer warf Esken vor, eine "Steuererhöhungs- und Neiddebatte" anzuzetteln. "Das ist Gift für die ohnehin abstürzende Konjunktur und damit ein zusätzlicher Rezessionsverstärker, der Arbeitsplätze kosten und den Mittelstand in seiner Existenz gefährden könnte", sagte Theurer.

Stattdessen müssten nach dem Shutdown Investitionen und Wachstum auch durch niedrigere Steuersätze unterstützt werden. Die durch das Herunterfahren der Wirtschaft aus Gründen des Gesundheitsschutzes entstehenden Kosten dürften nicht einseitig Firmeninhaberinnen und Eigentümern aufgebürdet würden. "Denn die werden ja als Unternehmer für Investitionen und Arbeitsplätze gebraucht. Diese schädliche und parteipolitisch motivierte Umverteilungsdebatte zur Profilierung einer glücklosen SPD-Vorsitzenden braucht Deutschland garantiert nicht. Frau Esken hätte besser weiter geschwiegen." 

Der Bundestag hatte in der vergangenen Woche zur Finanzierung der Corona-Folgen einen Nachtragshaushalt beschlossen, der neue Schulden in Höhe von 156 Milliarden Euro vorsieht.

Zum Krisenmanagement der Regierung sagte Esken, dass die vergangene Woche beschlossenen Rettungsschirme "eine starke sozialdemokratische Handschrift" tragen, es gebe aus Sicht ihrer Partei dennoch bereits Nachbesserungsbedarf: "Offene Punkte sehen wir etwa bei Auszubildenden und Werkstudenten oder bei Menschen in Kurzarbeit, die über längere Zeit mit nur 60 Prozent ihres Lohnes auskommen müssen." Menschen in der Grundsicherung befänden sich "in einer besonders schwierigen Lage".

Die SPD-Chefin verlangte zudem von der öffentlichen Hand, keine Beiträge für geschlossene Kitas zu erheben: "Nicht nur der Anstand, sondern auch das Recht gebietet es, Eltern in dieser Phase die Gebühren zu erlassen." Weil nicht alle Kommunen dazu in der Lage seien, seien die Bundesländer aufgefordert, die Kosten zu übernehmen.


Aus: "Saskia Esken schlägt Vermögensabgabe wegen Corona-Krise vor" (1. April 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-04/lastenausgleich-coronavirus-vermoegensabgabe-saskia-esken-spd

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anet2015 #8

Ich wußte es.


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Robert Geiss #8.1

Ja, ich wusste es auch, dass sich die parlamentarische Besserverdienerlobby namens FDP sich bei einem solchen Vorschlag quer stellen wird.


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Cenobite #48

Ich habe eine bessere Idee. Die Bundestagsabgeordnete verzichten für die Dauer der Corona Kriese auf 2/3 ihrer Diäten.
Damit entlasten sie den Staat, helfen anderen und schlüpfen vorrübergehend in die haut eines Mittelständlers.


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deep_franz #70

Wenn die FDP empört ist, dann hat Frau Esken als SPD-Vorsitzende wohl ihren Job richtig gemacht.
Man ist politisch nunmal in entgegengesetzen Lagern und vertritt die Interessen unterschiedlicher Klassen.
Die Zeit so zu tun, als gebe es diese Klassenunterschiede nicht mehr, muss die SPD beenden, sonst ist die obsolet.
Frau Esken sollte noch nachlegen und die “Liberalen“ dazu bringen öfter Leistungsträger zu sagen, was ja dieser Tage eher Krankenschwester und Verkäufer meint, als die Klientel der FDP. Irgendein Lindner oder Kubicki wird schon drauf reinfallen, mit Glück auch noch Merz, der soll nicht unvergessen bleiben.


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mirinord #10

Eine Neiddebatte? Vielleicht sollte die FDP mal drüber nachdenken, wer momentan die Leistungsträger der Gesellschaft sind - und wie sie bezahlt werden. ...


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maßvoller Kritiker #13

Klar, dass die FDP vor einer Neiddebatte warnt, wenn Multimillionäre zur Kasse gebeten werden sollen. Das ist ihr Klientel. ...


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Linksrechtsobenunten #13.5

"Diese Multimillionäre sind vielfach Mittelständler"

Es geht nicht immer nur um Merz.


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Herr Jehova #1.137

Ich persönlich habe mein Vermögen selbst aufgebaut und nicht durch Erbe erlangt. Neben meiner mäßigen Disziplin und meines Findungsreichtum habe ich vor allem von der Infrastruktur profitiert, von der schulischen/akademischen Ausbildung meiner Angestellten und meiner selbst, von der Sicherheit in diesem Land usw. usf.

Mit anderen Worten: Ich habe aus Deutschland und dessen Bevölkerung großen Nutzen gezogen. Dafür bin ich gerne bereit, meinem Land, meiner Wahlheimat etwas zurück zu geben. Auch finanziell.

Ich bin der Ansicht, dass meine Klasse bei weitem nicht ausreichend zur Kasse gebeten wird. Wenn diese Top-Leister lediglich von staatlichen Eingriffen in den Markt gebremst werden könnten, dann stellt sich mir die Frage, warum sie nicht längst alle gesammelt nach Somalia oder in einen anderen, vergleichbaren Staat abgewandert sind. Staatliche Interventionen sind dort äußerst spärlich gesäht und die Segnungen des ungebremsten unregulierten Kapitalismus müssten sich eigentlich in ihrer segensreichen Wirkung dort voll entfalten können. Irgendwie ist es dann aber doch geiler, wenn der verpönte Staat einem zumindest die eigenen Kröten schützt. Und einem in besonderen Notlagen auch die Pfründe schützt, wie etwa in Finanzkrisen etc. Da sind die Besitzenden meist dann auch ersten, die man nach Staatshilfe rufen hört.


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Hafaniaras #1.53

Ich finde es erstaunlich in dieser ganzen Krise, dass es die FDP ist, die sich hier als destruktivste Kraft hervorhebt. Die AfD hetzt im Hintergrund natürlich munter weiter und liefert nichts konstruktives aber das ist man mittlerweile einfach gewöhnt.

Die FDP ist aber richtig richtig schädlich mit ihren andauernden unterschwelligen "Wie lange dauert das noch"-Signalen, dass die Maßnahmen überzogen seien und die Menschen so schnell wie möglich weiter arbeiten sollen. Es ist nunmal so, dass jetzt für viele Bürger weiter Kosten entstehen aber das Einkommen einbricht. Hier muss es nunmal irgendwelche Maßnahmen geben, das zumindest teilweise abzufangen. Das alte Argument, dass es der Wirtschaft langfristig schadet wenn Privatvermögen besteuert wird, zieht hier wirklich nicht, da die Wirtschaft in jedem möglichen Szenario massiv schaden nehmen wird. Die FDP hat den Ernst der Lage nicht verstanden und versucht hier verantwortungslos ihre Klientel vor sehr verhältnismäßigen Forderungen zu schützen. Es wird noch einmal mehr deutlich, dass es sich hier nicht um eine Partei mit Wertefundament sondern um einen privaten Lobbyverein für Vermögende handelt. Schade um echte Liberale wie Leutheusser-Schnarrenberger aber die Lindners geben jetzt den Kurs an und schaden allen.


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silverhulk #1.12

... Und was sagt die FDP denn eigentlich dazu, dass einige Großkonzerne nun die neuen Hilfen für kleine und mittlere Unternehmen zu missbrauchen versuchen, indem auch sie trotz großer Vermögen keine Miete mehr zahlen wollen? Ich hab dazu bisher noch nichts von der FDP gehört...


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DerManu1234 #1.34

Der Reiche ist ja meist nur deswegen reich, weil er jahrzehntelang mit strengster Ausgabendisziplin gelebt hat. Vielleicht hat er zudem etwas riskiert, sich selbständig gemacht, etwas erfunden usw. Ist doch höchst unfair und auch höchst unklug, dass so ein Verhalten jetzt bestraft wird. Zudem müssen Selbständige Vermögen aufbauen, da auf sie keine Rente wartet und auch die Krankenkasse stets selbst gezahlt werden muss.

Derjenige hingegen, der immer nur fröhlich in den Tag hinein gelebt hat, kein Vermögen aufgebaut hat, immer nur zur Miete gewohnt hat und diese vielleicht sogar sich vom Sozialstaat hat finanzieren lassen, der ist jetzt fein raus.


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Wollte auch mal was schreiben #1.55

Nehmen wir doch mal als eins von vielen möglichen Beispielen den Herrn Diess, aktuell beschäftigt als VW-Chef.

Der verdient im Jahr 7 Millionen Euro.
Auf den Monat gerechnet macht das € 583.333,33.
Soviel verdient eine Lildl-Kassiererin nicht in 5 Leben.

Glauben Sie, der merkt das irgendwie wenn er davon EINMALIG € 50.000 abgeben muss?

Soll ich jetzt noch ein paar andere Manager aufzählen oder ein paar Fußballspieler?

Ausserdem ist der Artikel 106 des Grundgesetzes kein Klassenkampf sondern ein Teil des Gesetzes, dem Sie Ihr auskömmliches und auch relativ sicheres Leben hier in diesem Lande verdanken.


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Three Legged Workhorse #1.90

"Der Reiche ist ja meist nur deswegen reich, weil er jahrzehntelang mit strengster Ausgabendisziplin gelebt hat."

Kennen Sie die Statistiken?
https://www.zeit.de/wirtschaft/2016-10/reichtum-deutschland-hochvermoegen-arbeit-schenkungen-erbschaften
https://www.spiegel.de/wirtschaft/reichtum-deutschland-hat-die-meisten-multimillionaere-in-europa-a-1003878.html

Mit Arbeit und Sparsamkeit hat das bis auf Ausnahmen ganz speziell in Deutschland wenig zu tun. ...


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schon-wieder-vergessen #1.82

“Der Reiche ist nur reich weil er hart gearbeitet hat, .... “

Selten so gelacht. ...


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weiterwursteln #1.124

***** Der Reiche ist ja meist nur deswegen reich, weil er jahrzehntelang mit strengster Ausgabendisziplin gelebt hat. Vielleicht hat er zudem etwas riskiert, sich selbständig gemacht, etwas erfunden usw. Ist doch höchst unfair und auch höchst unklug, dass so ein Verhalten jetzt bestraft wird....*****

*********

Etwas weniger Polemik und Pauschalierung hätte Ihrer Antwort nicht geschadet. Ich kenne wirklich sehr wenige Reiche, die Ihren Vorstellungen entsprechen. Warum erwartet der Selbständige keine Rente, er hätte doch ganz normal auch als Selbständiger in die solidarische Rente einzahlen können (was viele auch machen), er hätte sich auch in der normalen (solidarischen) Krankenversicherung anmelden können. Was ist unfair daran wenn alle gemeinsam einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten müssen.

Die ganzen auf Kurzarbeit gesetzten Arbeiter erhalten doch auch nur 60-67% ihres Geldes obwohl Sie immer fleißig tätig waren. Fein raus ist zur Zeit überhaupt Keiner, absurde Unterstellung Ihrerseits.

Dieser Virus ist eine Gesamtgesellschaftliche Krise bei der alle, je nach finanzieller Möglichkeit zur Lösung beitragen müssen. Und wenn Leute mehrere Hunderttausend Euro auf dem Konto haben, warum sollen diese dann nicht mit 10% davon zur Lösung beitragen. Mit Sicherheit werden nach dem Virusproblem auch endlich die lange nötigen Europäischen Steuerproblematiken gelöst. Google, Apple, Facebook, Börsengewinner, Spekulanten etc. gerecht zur Kasse gebeten.


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Schwarze Hanne #1.127

"Ich kenne zig Leute in meinem Umfeld mit völlig unterschiedlichem Background, die es ohne Zutun ihrer Eltern zu etwas gebracht haben. Einfach durch den Besuch eines staatlichen Gymnasiums (kann jeder besuchen), einer staatlichen Universität oder einer Meisterschule sowie Fleiß, Disziplin, Verbindlichkeit und Ehrgeiz."//

Ja, zu denen gehöre ich irgendwie auch. Aus einer Alleinerziehenden-Familie stammend mit einer Mutter, die uns als einfache Postangestellte über Wasser gehalten hat, ohne amiliären Bildungshintergrnd, habe ich es immerhin zu einem Universitätsabschluss und einem gut bezahlten Beruf geschafft. Millionär konnte ich dadurch aber nicht weden. Und zwar ohne besonders verschwenderisch zu sein. Dafür brauchen Sie z.B. nur in einem Ballungsgebiet mit hohen Mieten oder Immobilienkaufpreisen zu leben. Zack, landet ihr Geld auf den Konten von anderen, die dann damit reich werden können, aber auch nur, wenn sie denn mehrere von solchen Immobilien haben. Z.B. geerbt. Wobei wir wiedr beim Thema wären.
Die Zeiten sind vorbei, wo man allein mit Fleiß und Sparsamkeit reich werden konnte. Das ging vielleicht einmal in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Heute nicht mehr.


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  think-different #72 

vor nicht allzulanger zeit, hat ein anderes SPD mitglied in dieser zeitung eine ganz andere meinung vertreten [ Eine Vermögensteuer ist weder gerecht noch sozial. Gerade Sozialdemokraten sollten die Finger davon lassen. Ein Gastbeitrag von Otto Schily 23. Oktober 2019].

er schrieb: «Eine Vermögensteuer ist weder gerecht noch sozial. Gerade Sozialdemokraten sollten die Finger davon lassen [...] Kaum ein Tag vergeht, ohne dass die SPD Vorschläge auftischt, die für den Mittelstand eine ernsthafte wirtschaftliche Bedrohung darstellen. Der SPD scheint ohnehin seit dem Ausscheiden von Gerhard Schröder aus der aktiven Politik wirtschaftlicher Sachverstand abhandengekommen zu sein [...] Die Vermögensteuer ist aber weder gerecht noch sozial, sie ist wirtschaftsschädigend und damit unsozial, ungerecht und mittelstandsfeindlich. Die Befürworter der Vermögensteuer berufen sich in erster Linie auf die Vermögensverteilung in Deutschland. Aber die Vermögensteuer bewirkt keineswegs eine Besserstellung von wirtschaftlich Schwächeren. Sie konfisziert lediglich Vermögen. Genau genommen ist sie deshalb eine Verstaatlichung von Vermögen. Sie entzieht gerade den mittelständischen Unternehmen Eigenkapital, das für ihre Entwicklung von großer Bedeutung ist»

https://www.zeit.de/2019/44/vermoegensteuer-eigentum-gerechtigkeit-sozialdemokraten


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FreierTerraner #72.2 

Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/sh


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Ernst Blache #79

Bemerkenswert. Ausgerechnet die Partei, die mit ihrer Agenda 2010 den sozialen Zusammenhalt aufgekündigt hat, kommt jetzt mit Vorschlägen, die die Linken schon lange machen. Was dem Vorschlag an sich nichts von seiner Richtigkeit nimmt.


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Brunoeder #80

es wäre an der Zeit, nach der Krise umzudenken. Mehr Solidarität und gemeinsames europäisches Denken wäre angesagt. Ich weiß nicht, ob wir hier eine Revolution (in unseren Köpfen) brauchen. Zu viel Kapital in wenigen Händen, mehr als 90% sind arm.
Wir brauchen Visionäre, die das in die Hand nehmen, keine Lobbyisten oder Berater der Politik. Wir brauchen hier keine nationalistischen Machthaber und keine handlungsunfähige EU. Demokratie geht vom Volk aus!


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lotsofquestions #108

Klassenkampf reloaded! Traurig traurig! Warum sollen Menschen, die sich etwas aufgebaut haben, vornehmlich zur Altersvorsorge zur Kasse gebeten werden. Im übrigen ist dann jeder Beamte mit seinen Pensionsansprüchen Millionär und müsste auch darauf Vermögenssteuern zahlen!


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Vielreisender Zeitungsl3ser #111

Was ist das für ein Bild was Frau Esken abgibt, furchtbar, in diesen schweren Zeiten sind wir relativ geeint aufgrund einen gemeinsamen Feindes. Frau Esken möchten schnell wieder den sozialen Spaltpilz nutzen, um sich zu profilieren, einfach widerlich. Ich möchte die Prognose wagen, es geht weiter mit einer Art Hexenverfolgung. Als nächstes sind in aberwitziger Weise sogenannte Reiche schuld an Corona, weil sie mehr Geschäftsreisen tätigen und danach rechnet die AFD in einer abstrusen Logik vor , dass an allem Asylanten schuld sind, dass ist genau der Stil von Frau Esken, und das in Zeiten, wo sich Menschen zu früh von ihren Großeltern verabschieden müssen, mir fehlen die Worte.


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Gisbert Beaumarais #114

Wenn man wirklich an die sprichwörtlichen "oberen Zehntausend" ginge, fände ich das gut. Sagen wir an die oberen 5%. Bei welchen Betrag auch immer wir da landen. Ich befürchte nur, dass man bei 60.000,- € brutto per anno anfängt. Wie sieht es denn in dem Zusammenhang mit einer Erhöhung dr Erbschaftssteuer aus? Mit einer Steuerreform insgesamt. In Deutschland ist es doch wohl so, dass hier Arbeit bei der Besteuerung gegenüber Kapitaleinkünften und Erbschaften deutlich benachteiligt wird.
Ändern wir die Beteuerung weg von einer Erben- und Zockergesellschaft hin zu einer Gesellschaft, in der sich Leistung wirklich lohnt. Da sollten doch gerade FDP und CDU einsehen. Oder sollte deren Geschwätz von der Leistungsgesellschaft nichts als hohles Gerede sein?


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iConRad #115

Hervorragende Idee, wenn es sich dabei allein um Privatvermögen handelt und „nur“ die oberen 10% betrifft.
Gerade die Wohlhabenden sollten sich jetzt freiwillig solidarisch zeigen, um die angeblich falschen Vorurteile abzubauen.

Hier von Klassenkampf zu reden ist zynisch. Zum einen ist dies im GG nicht grundlos verankert, die Vermögen wurden schließlich hauptsächlich in D. aufgebaut sicherlich nicht ohne Hilfe aller Steuerzahler (Siehe Infrastruktur, Konsumenten etc.) und zum Anderen würde man sich doch selbst die Lebensgrundlage entziehen, wenn der soziale Frieden kippt.


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Matze 83 #123

Ein sicherlich bedenkenswerter Vorschlag von Frau Esken. Es gibt genug wirklich reiche Menschen in diesem Land die nicht gleich in die Armut fallen (auch wenn manche so tun) wenn sie ein paar Prozent ihres Vermögens abgeben müssen.
Ich habe neulich gelesen es gäbe aktuell über 1 Million Vermögensmillionäre in Deutschland. Jeder von denen wird es sich leisten können ein paar Tausender abzugeben (einmalig, wohlgemerkt). Da kommt schnell viel zusammen.

Die Reaktion der FDP dagegen ist die übliche, in solchen Zeiten recht widerliche, Klientelpolitik. Man will nicht nur nichts abgeben, nein, durch Steuersenkungen will man sogar noch was rausholen. Denn Steuersenkungen nützen zunächst mal immer den Reichen. Viele von denen die aktuell finanziell besonders gebeutelt sind verdienen nämlich so wenig das sie eh keine Steuern zahlen.


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Zappaloge #103

Viele Milliarden Euro wurden durch die Banken mittels Cum-Ex Geschäften den öffentlichen Haushalten entzogen. Insbesondere Hamburg unter Führung und Toleranz der SPD hat die lokalen Banken geschont. Das wäre mein erster Ansatz zur Verbesserung der Finanzierung der Haushalte. ...


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recht und gerechtigkeit #131

Ich finde, es ist ein falscher Zeitpunkt, einen Klassenkampf anzuzetteln. ...


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vHutten #132

Eskens Vorschlag entstammt einmal mehr der politischen Mottenkiste.
Ich dachte diese Denken wäre in Dtl seit der USPD verschwunden.


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Otus #134

Ich habe mir alles selbst aufgebaut, angefangen von der Hütte, in der ich geboren wurde. Und jetzt kommen die Neider mit ihrem "Eigentum verpflichtet" und wollen uns unsere Freiheit nehmen.


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avalon64 #144

... Millionen von Kurzarbeitern, Ladenbesitzern und Gastronomen fragt auch niemand, ob sie Lasten tragen wollen.


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realino #98

Der Aufschrei der offensichtlichen Besser- und Best-Verdienenden in diesem Forum ist erschreckend. Solidarität sollen doch besser die anderen üben.


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Myletter #139

1 Million Millionäre gibt es in Deutschland - es kämen also mindestens 50 Milliarden zusammen, eher mehr, weil unter ihnen viele Multimillionäre. Interessant wäre zu erfahren, wieviel Vermögen überhaupt in Millionärshänden liegt. Weiß das jemand ?


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kannverstan #139.1

Geld ist genug da:
"Die zehn reichsten Prozent besitzen über die Hälfte des Vermögens in Deutschland"
https://www.l-iz.de/politik/kassensturz/2019/10/Die-zehn-reichsten-Prozent-besitzen-ueber-die-Haelfte-des-Vermoegens-in-Deutschland-298983

etwas altbackene Zahlen stehen hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gensverteilung_in_Deutschland
vielleicht nimme sich mal jemand die Zeit für deren Aktualisierung ...


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« Reply #1027 on: April 02, 2020, 11:29:41 vorm. »
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[...] Der von der Politik empfohlene Einsatz von fachfremden Erntehelfern erweist sich in der Praxis als problematisch. "Wir sind dankbar für jede helfende Hand, weil wir dringend Unterstützung benötigen. Aber die Idee ist nicht so einfach umzusetzen, wie sich das manch einer denkt", sagte der Sprecher des Hessischen Bauernverbands, Bernd Weber, auf Anfrage in Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis). Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte vorgeschlagen, dass etwa Beschäftigte aus der Gastronomie, dem Einzelhandel und anderen wegen der Corona-Krise Not leidenden Branchen auf den Feldern eingesetzt werden könnten.

In Hessen und im weiteren Bundesgebiet fehlen massenhaft Erntehelfer, weil Saisonkräfte wegen geschlossener Grenzen derzeit nicht mehr anreisen können. Diese Grenzregelung gilt für die Einreise aus Drittstaaten, aus Großbritannien, für EU-Staaten wie Bulgarien und Rumänien, die nicht alle Schengen-Regeln vollumfänglich anwenden, sowie für Staaten wie Österreich, zu denen Binnengrenzkontrollen vorübergehend wiedereingeführt worden sind. Der Hessische Bauernverband fürchtet wegen der ausbleibenden Saisonarbeitskräfte Ernteausfälle bei Obst und Gemüse. Derzeit seien Helfer - vor allem aus Osteuropa - bei der Ernte von Spargel und anderem Gemüse gefragt.

Nach Einschätzung des Bauernverbands besteht Bedarf in Höhe von 16 000 bis 17 000 Aushilfen. Die ersten fachfremden Erntehelfer seien zwar schon im Einsatz in Hessen. Doch wie viele es sind und wie viele noch fehlen - dazu konnte der Verband keine Angaben machen. In ganz Europa fehlen nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin bis zu 300 000 Saisonkräfte.

Doch selbst wenn sich Erntehelfer melden, sei das Problem noch nicht gelöst, sagte Weber. "Es ist eine besondere Herausforderung, in der Landwirtschaft tätig zu sein. Das ist anstrengende Arbeit, derzeit die Spargelernte. Dafür braucht man Einarbeitung, eine gewisse Technik und Erfahrung. Das erledigen meist eingespielte Teams. Und wenn jetzt zum Beispiel ein Bulgare oder ein Rumäne beim Spargelstechen fehlt, der das seit zehn Jahren macht, dann braucht man drei Deutsche, um die Arbeit zu erledigen."

Die harte Feldarbeit sei nicht jedermanns Sache, sagte Weber. "Dafür braucht man einen langen Atem. Aber man kann es auch als sportliche Herausforderung begreifen und sich sagen: ›Ich ziehe das jetzt mal ein paar Wochen durch.‹" Die Produzenten müssten sich auf die Aushilfen verlassen können. "Das muss schließlich wie am Schnürchen laufen und ist kein Job, den man mal ein paar Stunden machen kann." Die Spargelsaison läuft traditionell bis zum 24. Juni, dem Johannistag. Verbandssprecher Weber hofft, dass sich das Konzept der fachfremden Erntehelfer bewährt. "Wir müssen das beobachten und können die Idee noch nicht bewer-ten." Wenige Wochen nach dem Beginn der Spargelernte beginnt die Erdbeerzeit. Auch dafür werden Erntehelfer gesucht.

Für den Spargelhof Merlau in Darmstadt funktioniert das Konzept mit fachfremden Erntehelfern nicht. "Fürs Sortieren der Stangen und alle Arbeiten in der Halle sowie fürs Ausfahren mag das ja klappen. Aber auf dem Feld überhaupt nicht. Und wenn es dort nicht klappt, haben wir bereits am Beginn der Kette ein Problem. Frau Klöckner soll mal herkommen und mir zeigen, wie das mit Kellnern, Studenten, Asylbewerbern und anderen Ungelernten gehen soll", kritisierte Georg Peter Merlau, der nach eigenen Angaben einen mittelständischen Betrieb mit 80 Hektar Anbaufläche für Spargel führt. Er brauche 150 Saisonkräfte, habe aber aktuell nur ein Drittel.

Merlau betonte, Außenstehende sollten sich bezüglich der Feldarbeit keine falschen Vorstellungen machen. "Es ist schwer, es ist kalt, es ist nass, es ist schmutzig - und ständig in gebückter Haltung. Diese Tätigkeit muss man gewohnt sein, um sie durchstehen zu können."


Aus: "Erntehelfer verzweifelt gesucht" (dpa, 01.04.20)
Quelle: https://www.giessener-allgemeine.de/hessen/erntehelfer-verzweifelt-gesucht-13637300.html

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[....] Der Spargelbauer Jörg Heuer hat schnell reagiert: Als die Bundesregierung vergangene Woche ankündigte, ausländischen Saisonarbeitern wegen des neuen Coronavirus die Einreise zu verweigern, charterte der 49-Jährige kurzerhand ein eigenes Flugzeug. Für eine fünfstellige Summe, wie er sagt, ließ er rund 120 Rumänen einfliegen, um seine Ernte - und damit sein Geschäft - zu retten.

 Auf mehr als 100 Hektar Land baut Heuer bei Burgwedel in Niedersachsen Spargel und Beeren an, in zweiter Generation, die Eltern des 49-Jährigen haben den Hof 1981 gegründet. Mit dem Flieger hat er einen Personalengpass bei der Ernte in diesem Jahr gerade noch abgewendet. "Wir kommen zurecht", sagt er. In der Branche allerdings gebe es dieses Jahr deutlich weniger Erntehelfer als sonst. Auch ihm hätten viele bewährte Helfer diesmal abgesagt.

Spargel ist ein Luxusgemüse, man kann auch ohne ihn gut leben, auch wenn das "weiße Gold" für viele zum Frühling dazugehört wie die Ostereier. Für Heuer aber ist der Spargel die wirtschaftliche Existenzgrundlage. "Wir leben von diesen drei Monaten", sagt Heuer über die Ernte. "Das können wir nicht verlegen wie die Messen oder ein Fußballspiel."

Der Einreisestopp treffe Obst-, Gemüse- und Weinbaubetriebe, aber auch größere Betriebe in der Tierhaltung "sehr hart", sagt auch der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied. Die Einschränkungen müssten daher "so kurz wie möglich" gehalten werden. Einige Obst- und Gemüsesorten drohen Rukwied zufolge sogar knapp zu werden. "Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln ist nicht gefährdet, dennoch kann es durchaus bei verschiedenen Kulturen im Obst- und Gemüsebereich zu Versorgungslücken kommen."

... Das Einreiseverbot für Saisonarbeiter gilt auf Anordnung des Bundesinnenministeriums seit vergangenem Mittwoch. Und das sorgt auch innerhalb der Union für Zoff. Vergangene Woche wandten sich CDU-Agrarpolitiker aus den 15 Bundesländern außer Bayern in einem Brief an Innenminister Horst Seehofer (CSU). Darin heißt es, die Einreisebeschränkungen seien "kontraproduktiv" und stellten die Landwirtschaft "vor eine nicht lösbare Aufgabe". Neben der Obst- und Gemüsebranche würden auch Schlachtbetriebe darunter leiden.

... Spargelbauer Heuer sagt, er setze die Deutschen lieber im Verkauf und als Fahrer ein als auf dem Feld. Auch in Brandenburg, mit Beelitz ebenfalls eine Spargel-Hochburg, sind die ungelernten Helfer derzeit gefragt. Euphorie sei allerdings fehl am Platze, sagt Andreas Jende, Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg. "Die Arbeit in der Landwirtschaft ist nicht zu verwechseln mit der im heimischen Kleingarten", erklärt er und warnt: "Es kann körperlich hart werden."

...


Aus: "Bauern fehlen Saisonarbeiter: Landwirt charterte Flugzeug für Erntehelfer" (Mittwoch, 01. April 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Landwirt-charterte-Flugzeug-fuer-Erntehelfer-article21684024.html

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[...] Erntearbeit gehört in Österreich zu den Branchen mit einem der niedrigsten kollektivvertraglichen Lohnniveaus und wird seit Jahren großteils von Menschen aus Osteuropa verrichtet. Im Moment können viele Saisonarbeitskräfte nicht einreisen und die Landwirtschaft sucht händeringend nach Ersatz. Aktivistinnen der sezonieri-Kampagne [http://www.sezonieri.at/en/startseite_en/] zeigen auf, wie das Corona-Virus ausbeuterische Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschaft sichtbar macht.

Die harte Arbeit in der Landwirtschaft wird in Österreich, wie in den meisten Ländern weltweit, von migrantischen Saisonarbeiter*innen erbracht. Diese Arbeit verrichten zumeist osteuropäische Erntehelfer*innen aus Ungarn, Rumänien, Polen, der Slowakei, Bulgarien, der Ukraine oder den Balkanstaaten. Die Löhne sind niedrig, die Arbeitsbedingungen skandalös: Befristete Arbeitsverhältnisse mit Nettostundenlöhnen zwischen sechs und sieben Euro, Ignorieren der Höchstarbeitsgrenzen, überteuerte und miserable Unterkünfte.

Akkordlohn, unbezahlte Überstunden, keine und zu geringe Ausbezahlung der Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld etc.) und Verstöße gegen die Arbeitszeitregeln sind weit verbreitet. Da die Erntearbeiter*innen saisonal beschäftigt sind und nach der Saison in ihre Herkunftsländer zurückreisen, können sie den Anspruch auf Arbeitslosengeld in Österreich nicht geltend machen. Sie scheinen deshalb auch nicht in der Arbeitslosenstatistik auf.

Die Landwirt*innen rechtfertigen die niedrigen Löhne in ihrer Branche einerseits damit, dass sie bei Preisverhandlungen vom stark konzentrierten Handel unter Druck gesetzt werden. Andererseits verweisen sie auf die Konkurrenz zu billigen Importen, aus Ländern mit noch extremerem Lohndumping.

Durch die Corona-Krise und die Grenzschließungen von Nachbarstaaten wird nun plötzlich besonders deutlich, wie notwendig die Arbeit auf den Feldern für die Lebensmittelversorgung ist. Seit zwei Wochen berichten Medien über das Fehlen von mindestens 5.000 Arbeitskräften in der Landwirtschaft. Bäuer*innen klagen, dass die Erträge ausfallen und die Versorgung bald gefährdet sein könnte.

Wirtschaftskammer, Landwirtschaftskammer sowie mehrere Ministerien haben daraufhin sehr schnell verschiedene Arbeitskräftevermittlungsplattformen ins Leben gerufen, etwa „Die Lebensmittelhelfer“. Mit dem Aufruf „Dein Land braucht dich!“ wird diese von patriotischen Appellen nach nationalem Schulterschluss und Solidarität mit österreichischen Betrieben begleitet. Das bringt nun sogar einige rechtsextreme Burschenschaften dazu, zur Erntehilfe aufzurufen. Gleichzeitig werden Forderungen laut, bestimmte Bevölkerungsgruppen wie arbeitslos gewordene Menschen und Asylsuchende direkt in die Feldarbeit zwangszuverpflichten. Student*innen werden indes mit ECTS-Punkten und der Anrechnung als Pflichtpraktika gelockt. Die sezonieri-Kampagne fordert: Niemand darf zur Erntearbeit gezwungen werden!

Der nun auftretende Arbeitskräftemangel kann auch eine Machtverschiebung hin zu den Arbeitnehmer*innen bedeuten. Eine solche Verschiebung lässt sich etwa daran erkennen, dass Saisonarbeiter*innen statt der bisher gängigen Bezeichnung als „unqualifizierte Erntehelfer*innen“ in den Medien aktuell als „unser Fachpersonal” bezeichnet werden.

Ironischerweise tritt jetzt sogar die FPÖ Burgenland öffentlich gegen schärfere Grenzübertrittsbestimmungen ein. So will sie sicherstellen, dass Beschäftigte weiterhin ihrer Arbeit in der Landwirtschaft und im Gesundheits- und Pflegebereich nachgehen können. Auffällig ist auch, dass bei den aktuellen Grenzregulierungen sowohl für ungarische, slowenische als auch tschechische Tagespendler*innen Ausnahmeregelungen bestehen. Heute wurde bekannt: Aus Rumänien und Bulgarien sollen Erntearbeiter*innen – ähnlich zu 24-Stunden-Pflegekräften – sogar mit Charterflügen eingeflogen werden. All diese Entwicklungen zeigen, wie sehr die österreichische Landwirtschaft von Arbeitskräften aus dem Ausland abhängig ist.

Die Klage über den Mangel an Arbeitskräften ist jedoch nichts Neues, ähnlich wie in der Gastronomie. Beide Branchen weisen besonders geringe Lohnniveaus auf. Die Anhebung der Löhne zur Lösung des vermeintlichen Arbeitskräftemangels steht nicht zur Debatte.
Was die Produzent*innen eigentlich meinen, wenn sie beklagen, es fehlen Erntearbeiter*innen: Es fehlen „billige“ Arbeitskräfte aus ärmeren Ländern, die ihren Arbeitsvertrag auf Deutsch nicht lesen können, ihre Rechte nicht kennen und im Zweifel die schlechten Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen, weil sie keine Alternativen haben.

Die Kollektivvertragsverhandlungen in der Landwirtschaft wurden kurz vor der Corona-Krise abgeschlossen. Die Nettostundenlöhne liegen zwischen 6,19 Euro in Oberösterreich und 7,41 Euro in Salzburg, die Nettomonatslöhne zwischen 1072,60 und 1283,59 Euro bei einer 40-Stunden-Woche – und damit in nur einem Bundesland knapp über der Armutsgefährdungsschwelle. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Erhöhung zwischen zehn und 61 Cent je nach Bundesland. Der im Kollektivvertrag festgesetzte Lohn stellt freilich nur die gesetzliche Untergrenze dar. Jede*r Arbeitnehmer*in steht es frei, höhere Löhne zu fordern und jede*r Arbeitgeber*in kann diese bezahlen. Deshalb verfolgt die sezonieri-Kampagne das Ziel, Erntearbeiter*innen über ihre Rechte zu informieren und sie bei ihren Arbeitskämpfen zu unterstützen.

In der Corona-Krise wird sichtbar, dass rot-weiß-rote Regionalität zu Supermarktpreisen auf der Ausbeutung von ausländischen Arbeiter*innen in der Landwirtschaft basiert. Neoliberale Politik hat demokratische Teilhabe und öffentliche Verantwortung zugunsten profitorientierter Interessen für Ernährung (Agrar- und Förderpolitik), Gesundheit, aber auch Bildung und Wohnen abgebaut. Eine politische Kursänderung ist notwendig. Unsere Lebensmittelproduktion und -verteilung sowie die Arbeitsverhältnisse der Beschäftigten im Ernährungssektor sollen nicht weiter Ungleichheit fördernden Marktkräften und profitorientierten Privatkonzernen überlassen werden.


Aus: " Hauptsache billig: Was Corona über die Ausbeutung von Erntearbeiter*innen verrät" Sezonieri-Aktivistinnen (2. April 2020)
Quelle: https://mosaik-blog.at/hauptsache-billig-was-corona-ueber-die-ausbeutung-von-erntearbeiterinnen-verraet/
« Last Edit: April 02, 2020, 11:34:54 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #1028 on: April 03, 2020, 12:07:16 nachm. »
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[...] Die folgende Meldung hat ausnahmsweise nichts mit Corona zu tun, erfreulich ist sie leider dennoch nicht. Eine Ateliergemeinschaft in Kreuzberg hat eine Mieterhöhung von 70 Prozent erhalten. Das trotz der massiven Steigerungen, die wir hier gewöhnt sind, auch in Berlin ungewöhnlich. Und für die Betroffenen unbezahlbar: Mieterin ist die Ateliergemeinschaft in der Glogauer Straße 6; die Künstler*innen können sich die mehr als 15 Euro pro Quadratmeter schlichtweg nicht leisten. Das teilten sie ihrem Vermieter mit, als er die Erhöhung im Herbst 2019 ankündigte, und sie mit der „im positiven Sinne dynamischen Markentwicklung“ in den letzten Jahren begründete. Daraufhin erhielt die Ateliergemeinschaft die Kündigung ihres Mietvertrags zum 31. Mai diesen Jahres.

Der Vermieter ist übrigens kein*e bekannte*r Immobilienspekulant*in, sondern das Traditionsunternehmen Arnold Kuthe Immobilienverwaltungs-GmbH. Kaum einen Straßenzug gebe es in Berlin, an dem Kuthe nicht beteiligt war, erzählte Geschäftsführer und Gesellschafter Stefan Freymuth 2013 dem Tagesspiegel. Nun soll das Künstleratelier also weichen – „damit noch mehr Geld verdient werden kann“, sagt Coni Pfeiffer von der Mieter*inneninitiative „GloReiche Nachbarschaft“. „Die Ateliergemeinschaft ist nicht der erste Verdrängungsfall in der Glogauer Straße 6“, so Pfeiffer.

Deshalb hat die GloReiche einen „offenen Kiezbrief“ verfasst, in dem Kuthe aufgefordert wird, die Verhandlungen wieder aufzunehmen und einen fairen, langfristigen Mietvertrag vorzulegen. „Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und sorgen Sie für den aktiven Erhalt der Kunst- und Kulturstruktur in Berliner Kiezen und vor allem in Kreuzberg“, heißt es abschließend. Schön wäre es – auf eine entsprechende Anfrage des Tagesspiegels antwortete Kuthe bis Redaktionsschluss leider nicht.

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Aus: "Traditionsunternehmen kündigt Ateliergemeinschaft - weil diese keine siebzigprozentige Mietsteigerung zahlen kann" (Veröffentlicht am 02.04.2020 von Nele Jensch)
Quelle: https://leute.tagesspiegel.de/friedrichshain-kreuzberg/macher/2020/04/02/115699/traditionsunternehmen-kuendigt-ateliergemeinschaft-weil-diese-keine-siebzigprozentige-mietsteigerung-zahlen-kann/

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« Reply #1029 on: April 03, 2020, 05:12:44 nachm. »
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[...] Es sind existenzielle Fragen, die sich viele Menschen derzeit stellen: Verliere ich meinen Job? Wie lange kann ich meine Miete noch zahlen? Jeder fünfte Deutsche fürchtet aufgrund der Corona-Pandemie finanzielle Einbußen, zeigt eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Ipsos. Und glaubt man den Prognosen der Ökonomen, sind diese Ängste durchaus berechtigt.

Das Ifo-Institut geht davon aus, dass hierzulande 1,8 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Weitere sechs Millionen dürften von Kurzarbeit betroffen sein.

Sie müssen auf Teile ihres Lohns verzichten – im schlimmsten Fall mit 60 Prozent des früheren Gehalts auskommen. Besonders hart trifft das jene, die keine Ersparnisse haben. Bei denen trotz Vollzeitjob am Ende des Monats nichts mehr übrig bleibt.

Doch wie steht es um die Finanzen der Deutschen? Wie lange reichen die Rücklagen?

Wer die Statistiker fragt, bekommt darauf eine pauschale Antwort. Laut Bundesbank besitzt ein typischer deutscher Haushalt 70.800 Euro. Neben dem Geld auf dem Konto oder im Aktiendepot ist da auch der Wert des Eigenheims oder des Autos eingerechnet. Abgezogen worden sind die Schulden.

Dadurch spiegelt dieser Wert das wider, worüber ein Haushalt verfügen kann. Die Zahl gibt den Medianwert an: Das heißt, es gibt ebenso viele Menschen, die über mehr Geld verfügen wie solche, die weniger besitzen. Das durchschnittliche Vermögen der Deutschen liegt bei 232.800 Euro – dieser Wert ist aber durch die extrem hohen Vermögen einiger weniger verzerrt.

Zugute kommt Deutschland aktuell, dass hinter uns gerade ein ungewöhnlich langer Aufschwung liegt. Dadurch hat sich die finanzielle Situation vieler Bundesbürger verbessert. Allein von 2014 bis 2017 ist die Summe, über die Deutsche im Mittel verfügen können, um 17 Prozent gestiegen.

Die Bundesbank begründet das vor allem mit den gestiegenen Einkommen und zwar auch bei denjenigen, die sehr wenig verdienen. Forscher vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) schreiben ebenfalls, dass es „den Deutschen in der Mehrheit deutlich besser geht als noch vor einigen Jahren“.

Doch trotz wirtschaftlichem Aufschwung und niedriger Arbeitslosigkeit sind noch immer 16 Prozent der Deutschen von relativer Einkommensarmut bedroht. Davon spricht man, wenn jemand weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.

Ebenso erschreckend sind die Zahlen über das Sparverhalten. Denn bei fast einem Drittel der Deutschen reicht das Geld am Ende des Monats nicht, um etwas zur Seite zu legen. Das zeigte im vergangenen Jahr eine Umfrage der Direktbank ING. Innerhalb der EU ist damit lediglich in Rumänien der Anteil derjenigen noch größer, die nicht sparen können.

Diese Selbsteinschätzung spiegelt sich auch in den Zahlen der Bundesbank. Schaut man rein auf das Finanzvermögen der Deutschen – also das, was auf dem Konto liegt oder in Versicherungen und Aktien steckt – zeigt sich: Die ärmsten 30 Prozent kommen nur auf 4900 Euro. Bei den ärmsten zehn Prozent sind es sogar nur 300 Euro. Geld, das schnell aufgebraucht ist, wenn das Gehalt ausfällt.

Diese niedrigen Rücklagen werden deshalb in der Coronakrise zum Problem. Denn sie trifft fast alle Branchen hart.

So auch die Dienstleistungen, den Einzelhandel, die Gastronomie: Bereiche, in denen es sehr viele Geringverdiener gibt. „Diese Beschäftigten leiden besonders unter Jobverlust oder Kurzarbeit, weil sie kaum Rücklagen haben“, sagt Alexander Herzog-Stein, Arbeitsmarktexperte beim Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung.

Bundesweit zählt etwa jeder fünfte Beschäftigte zu den Geringverdienern. Darunter fällt, wer in einem Vollzeitjob weniger als 2203 Euro brutto verdient. Bei einem kinderlosen Single bleiben davon netto nur gut 1500 Euro. „Sparen kann man mit solch einem Einkommen nichts“, sagt Herzog-Stein. Forscher halten das erst ab 2000 Euro netto im Monat für realistisch.

Der Arbeitsmarktexperte sieht in der aktuellen Krise deshalb weiteren politischen Handlungsbedarf. „Wer ohnehin wenig verdient und durch Kurzarbeit jetzt nur noch 60 Prozent seines Gehalts bekommt, kann davon nicht leben“, sagt er.

Gewerkschaften haben sich deshalb für eine Erhöhung des Kurzarbeitergelds eingesetzt – die Bundesregierung lehnt das jedoch ab. Sie hat stattdessen den Zugang zur Grundsicherung erleichtert. Das soll Menschen helfen, die trotz Kurzarbeit auf Hilfe vom Amt angewiesen sind. Gleichzeitig erhöht es aber den Aufwand für die Jobcenter, die in den nächsten Wochen und Monaten ohnehin gut zu tun haben.

„Man muss sich fragen, ob man das nicht einfacher hätte regeln können“, sagt Herzog-Stein. Er kann sich eine Staffelung des Kurzarbeitergelds vorstellen: Wer wenig verdient, würde so einen höheren Anteil seines Nettogehalts bekommen als jemand, der vor der Krise ein hohes Gehalt bekommen hat.

Seiner Meinung nach orientiert sich die Politik derzeit noch zu stark an den Erfahrungen aus der letzten Krise. Damals haben in der Spitze 1,4 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld erhalten. „Damals aber waren vor allem die Industriejobs betroffen, in denen die Bezahlung höher ist und wo sie noch eine starke Sozialpartnerschaft haben“, sagt Herzog-Stein.

Wer hingegen in einem Friseursalon arbeitet, der hat keinen Betriebsrat, der ihn vertritt. Für die Systemgastronomie immerhin haben sich Unternehmen und Arbeitnehmer mittlerweile auf eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds durch die Betriebe verständigt.

„Kleinunternehmer in anderen Dienstleistungsbranchen können sich das aber nicht immer leisten“, sagt Herzog-Stein. „Für viele ist schon ein Kraftakt, mit Hilfe von Kurzarbeitergeld die Angestellten an Bord zu halten statt sie zu entlassen.“


Aus: "Corona könnte Millionen Deutsche in die staatliche Grundsicherung treiben" Carla Neuhaus (03.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wie-lange-reicht-das-geld-corona-koennte-millionen-deutsche-in-die-staatliche-grundsicherung-treiben/25709404.html

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fairplay180 15:02 Uhr

An alle Zweifel und Gegner unseres Systems: Wäre unser System nicht so, wie es ist, könnten wir nicht hunderte von Milliarden jetzt als Unterstützung fürs Volk aufbringen. Wer kann das schon? Da können wir durchaus ein bisschen stolz drauf sein!


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Rastapopoulos 13:56 Uhr

Jetzt rächt sich das ganze billig zusammen konstruierte Exportwunder, mit seinen sogenannten Trickle-down Effekten. ...


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fairplay180 13:17 Uhr

Ja, es wird einige sehr hart treffen, das lässt sich leider nicht vermeiden. Umso wichtiger ist es, die Wirtschaft so schnell als möglich wieder hochzufahren. Mit der gebotenen Vorsicht natürlich.


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Rastapopoulos 14:30 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Kohlenstoffeinheit 13:45 Uhr

    Wirtschaft muss wieder dem Menschen dienen.


LOL der war gut.


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BangJI 13:15 Uhr
Als ich 2008 im Statistischen Jahrbuch las "Im Jahre 2007 verfügten weniger als 25% aller deutschen Privathaushalte über mehr als 75% aller deutschen Privatvermögen", überlegte ich, wie das angesichts der "Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand" eigentlich sein konnte.

Als ich 2018 im Dez. in einem Wochenbericht des DIW las "Die Vermögens- und Einkommensverhältnisse in der Bundesrep. Deutschland im Jahre 2016 entsprachen nahezu vollständig den Vermögens- und Einkommensverhältnissen, die in der Zeit von 1910-1914 im Deutschen Kaiserrreich bestanden.", kratzte ich mir meine Kopfhaut und fragte mich "Komisch und keiner hat davon irgendetwas bemerkt?"

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fairplay180 13:25 Uhr

Antwort auf den Beitrag von BangJI 13:15 Uhr

In welchem Land würden Sie denn gerne leben?


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serdna 12:40 Uhr

Grade ein Fall, den ich am Wickel habe. Kleiner Laden, zahlt 4000 Euro Miete, hat jetzt Zuschuss bekommen 8000, kann also zwei Minote die Miete bezahlen. Das heißt der Vermieter, der nicht in existentieller Notlage ist, bekommt sein Geld, das zahlt der Steuerzahler. Die zwei Angestellten mussten gekündigt werden. Für solche Fälle wäre die Variante, dass der Mietvertrag sofort gekündigt werden kann, wesentlich sinnvoller. Es macht keinen  Sinn, dass der Steuerzahler das Einkommen der Vermieter absichert, aber die Leute, die existentiell bedroht sind leer ausgehen. Solidarität kann nicht heißen, dass eine Einkommensgruppe, die in den meisten Fällen nicht existentiell bedroht wird, vom Steuerzahler gegen alle Risiken abgesichert wird und die andere Gruppe, die Empfänger von Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit in eine absolute Notlage gerät.


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SIKOAlex 12:57 Uhr

Antwort auf den Beitrag von serdna 12:40 Uhr

Genau so funktioniert das System: Es wird denen gegeben, die eh schon alles haben.... Die, die noch für ihr Geld arbeiten müssen, sind, einmal mehr, die Verlierer.


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fairplay180 13:14 Uhr

Antwort auf den Beitrag von serdna 12:40 Uhr

Ich habe beruflich viel mit großen Assetmanagern zu tun, die derzeit natürlich insbesondere von Ladenbesitzern Anfragen bekommen, ob die Miete gesenkt, gestundet oder ausgesetzt werden kann.

Fast alle kommen entgegen. Weil die Vermieter natürlich auch wissen, dass sie jetzt in der Situation keine neuen Mieter mehr bekommen. Und schon gar nicht zu den alten Preisen.

Hängt natürlich auch immer vom Einzelfall ab, aber grundsätzlich hat man als Mieter ganz gute Chancen derzeit.


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Rotfahrer 13:25 Uhr

Antwort auf den Beitrag von serdna 12:40 Uhr

Aber auch der Vermieter hat vielleicht Verpflichtungen, für die er auf die Mieteinnahmen angewiesen ist. Bekommt ein Vermieter die Miete nicht mehr, kann auch er vor dem finanziellen Ruin stehen. Man kann das nicht generell so monokausal sehen.


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marla44 13:42 Uhr
Antwort auf den Beitrag von mitte31 13:22 Uhr

     Der zurückbehaltene Mietbetrag muß bis 2022 zurückgezahlt werden.


Woher soll der den kommen?


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« Reply #1030 on: April 04, 2020, 02:20:06 nachm. »
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[...] Man kann wegen des Coronavirus sterben, ohne eine Lungenentzündung zu haben: nämlich an Hunger", erklärt Gloria. Die junge Nigerianerin kam vor drei Jahren nach Italien – und landete bald in der Provinz Padua auf dem Straßenstrich. Jetzt sitzt sie zusammen mit drei anderen ausländischen Prostituierten am Tisch einer Suppenküche der Caritas. Seit der Einführung der strikten Kontaktsperre in Norditalien am 8. März ist ihr Einkommen auf null gesunken.

"Wir haben Hunger, wir können unsere Miete nicht bezahlen, viele von uns sind bereits obdachlos und schlafen in Pappkartons", berichtete Gloria in diesen Tagen der Zeitung LaRepubblica. Sie und ihre Berufskolleginnen werden von der Corona-Epidemie gleich auf dreifache Weise getroffen: Vor der Verhängung der Quarantäne-Maßnahmen trugen sie ein hohes Ansteckungsrisiko; dann verloren sie ihr gesamtes Einkommen; und nun haben sie als "clandestini" – als "Illegale" – kein Anrecht auf staatliche Hilfe.

Laut amtlichen Schätzungen, die wohl deutlich zu niedrig liegen, arbeiten in Italien 120.000 Frauen als Prostituierte. 55 Prozent von ihnen sind Ausländerinnen und halten sich ohne gültige Papiere im Land auf. Die meisten befinden sich in den Fängen der Mafia oder anderer Ausbeuter. Der Jahresumsatz der illegalen Prostitution wird auf rund vier Milliarden Euro geschätzt.

Aus Angst vor einer drohenden Ausweisung oder aus Scham trauen sich die meisten Frauen nicht, sich bei den Behörden zu melden, um wenigstens ein Dach über dem Kopf zu erhalten. So bleibt tausenden Frauen und Transsexuellen aus der Branche derzeit nur der Gang zu karitativen Organisationen. "Es ist schwer zu sagen, wie viele von ihnen Hunger leiden", sagt Luca Facco, Direktor der Caritas von Padua. Fest stehe aber, dass das Coronavirus das "Kundenprofil" seiner Suppenküche auf den Kopf gestellt habe. "Allein bei uns haben sich gestern – an einem einzigen Tag – acht Prostituierte gemeldet, die nichts zu essen hatten. Das ist noch nie vorgekommen, weder im Krieg noch während der Finanzkrise von 2008."

Die große Not der Frauen bestätigt auch Pia Covre, die in Padua ein Komitee zur Verteidigung der Bürgerrechte der Prostituierten gegründet hat: "Seit Tagen erhalte ich hunderte Anfragen von Frauen, die hungern", sagte sie der Repubblica. Ein Problem bestehe auch darin, dass die meisten Prostituierten beim Ausbruch der Epidemie kaum oder gar keine Ersparnisse gehabt hätten, da sie einen großen Teil ihrer Einnahmen ihren Ausbeutern geben müssen. Covre will nun einen Hilfsfonds gründen, der von ehemaligen Freiern gespeist werden könnte. Es klingt nach Wunschdenken.

Auch in Bergamo und Brescia, den beiden von der Epidemie am schwersten betroffenen Städten in der Lombardei, stehen Prostituierte im vorgeschriebenen Abstand von eineinhalb Metern vor den Caritas-Einrichtungen. Filippo Monari, Direktor der Caritas von Brescia, denkt beim Anblick der Wartenden auch an all jene Frauen und Bedürftigen, die sich schämten, um Hilfe zu bitten und sich deswegen nicht einmal bei der Caritas melden würden: "Die Herausforderung besteht darin, den Hunger dieser Unsichtbaren zu stoppen, bevor er sie tötet – wie ein obszönes Virus." (Dominik Straub aus Rom, 3.4.2020)


Aus: "Dramatische Folgen der Epidemie für Prostituierte in Italien" (3. April 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000116461236/dramatische-folgen-der-epidemie-fuer-prostituierte-in-italien

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[...] Normalerweise erledigen sich lästige Arbeiten in vielen indischen Mittel- und Oberschichtshaushalten wie von selbst. Bodenputzen, Möbel abstauben, Geschirrspülen, Wäsche waschen, Lebensmittel kaufen, Essen kochen und Kinder betreuen - darum kümmern sich oft Hausangestellte.

Aber in Corona-Zeiten ist das anders - denn auch die Hausangestellten müssen gerade zu Hause bleiben oder flohen in ihre Heimatdörfer, außer sie leben im Anwesen ihrer Arbeitgeber. In Indien gilt eine strenge dreiwöchige Ausgangssperre. So sprangen Bollywood-Stars in die Bresche - und stellen Tipps und Tutorialvideos ins Netz - wohl um privilegierteren Indern bei den ungewohnten Aufgaben zu helfen.

Die beliebte Bollywood-Schauspielerin Katrina Kaif etwa zog sich eine Schürze um und spülte Geschirr: „Ich dachte ich mache ein kurzes Auffrischungsvideo für diejenigen von uns, die das vergessen haben“, sagte die 36-Jährige und lachte.

Dann erklärte sie den Zuschauern ihre Strategie zum wassersparenden Spülen: Zuerst das Spülbecken mit Wasser füllen, alles Geschirr einzeln mit dem Schwamm schrubben, zur Seite legen und anschließend alles mit Wasser abspülen.

Mehr als sechs Millionen Menschen haben sich das Video angeschaut, das Kaif vergangene Woche auf Instagram geladen hatte. In einem anderen Video wischt sie den Boden und schrieb dazu: „Übrigens ist das eine echt gute Trainingsübung.“ Mehr als sieben Millionen Leute klickten das an.

Bei Schauspieler Rajkummar Rao gab es Kochtipps in der Insta-Story. Er postete Fotos von sich beim Gemüse-Schnippeln sowie dem fertigen Gericht und riet: „Falls ihr Zwiebeln schneidet, könnt ihr eine Sonnenbrille tragen.“ Und Schauspielerin Shilpa Shetty Kundra gab Müttern auf Facebook Ideen, wie sie ihre Kinder während der Quarantäne-Zeit beschäftigen können - etwa mit selbst gemachten Chips.

Weil sie sich selbst bei banalen Haushaltsaufgaben filmten, erhielten die Stars viel Lob online. Einige kritisierten sie jedoch, alberne Videos zu machen - besonders weil gerade Millionen von armen Indern wegen der Ausgangssperre ihr Einkommen verloren haben und Angst haben zu verhungern.  ... Schützen können sie sich allerdings kaum: „Wir sind eine fünfköpfige Familie“, sagte der 51-Jährige Shaikh. „Wir nutzen Gemeinschaftstoiletten und öffentliche Wasserstellen. Nur Gott kann uns retten.“ (dpa, AFP)


Aus: "Haushaltsvideos von Bollywood-Stars für Reiche in Indien" (05.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/personal-fehlt-wegen-coronavirus-haushaltsvideos-von-bollywood-stars-fuer-reiche-in-indien/25716406.html
« Last Edit: April 05, 2020, 02:47:23 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #1031 on: April 05, 2020, 02:50:30 nachm. »
Quote
[...] Wegen der Coronavirus-Krise geraten auch in den USA viele Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Größere und kleinere Firmen im gesamten Land versuchen mit Geschäftspartnern, Vermietern und Kreditgebern Lösungen zu finden, die ihnen etwas Luft verschaffen.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge zählt dazu auch das Familienunternehmen von US-Präsident Donald Trump.

Da wegen der aktuellen Lage einige der Hotels und Golfplätze geschlossen wurden, habe die Trump-Fima untersucht, ob sie Zahlungen für einige ihrer Kredite und andere finanzielle Verpflichtungen verzögern könne, berichtet die NYT, die sich auf Insider und Dokumente beruft, die sie überprüft habe.

Demnach hätten Vertreter des Trump-Unternehmens kürzlich mit der Deutschen Bank, dem größten Gläubiger des Präsidenten, über die Möglichkeit gesprochen, die Zahlungen zumindest für einige seiner Darlehen von der Bank zu verschieben.

Und in Florida habe die Trump-Firma beim Bezirk Palm Beach angefragt, ob erwartet werde, dass die Firma weiterhin monatliche Zahlungen für Land leistet, das sie für einen dort geplanten 27-Loch-Platz des Trump International Golf Club gepachtet hat.

Floridas Gouverneur Ron DeSantis hatte im vergangenen Monat unter anderem Restaurants, Bars und Golfplätze schließen lassen, da das Coronavirus auf den Bundesstaat übergegriffen hatte.

Niemand weiß, wie viel Geld Trump besitzt. Auch als Präsident versucht Trump weiter, so viel wie möglich zu verdienen. Er verzichtet zwar auf sein Staatssalär (400.000 Dollar) und trat die Konzernführung an seine Söhne ab, blieb aber weiter Inhaber.

Seine Holding, ein Mischkonzern mit Namen The Trump Organization, veröffentlicht keine Zahlen, seine Steuererklärungen hält er geheim.

Trump ist der erste Präsident seit 50 Jahren, der sich weigert, seine Unterlagen zu veröffentlichen. Normalerweise ist es schon bei Präsidentschaftsbewerbern üblich, dass sie über ihre Steuererklärungen den Wählern Einblick in ihre Finanzen geben. Eine Entscheidung soll nun der Oberste Gerichtshof fällen; wann das sein wird, dürfte in Zeiten des Coronavirus unsicher sein.

Nach Angaben der NYT sind die Gespräche der Trump Organisation mit der Deutschen Bank und dem Bezirk Palm Beach nicht abgeschlossen. Es sei unklar, ob dem Trump-Unternehmen gewährt werde, die Zahlungen auszusetzen oder zu reduzieren, schreibt das Blatt. Wie das "Handelsblatt" berichtet, lehnt die Deutsche Bank eine Stellungnahme ab.

Die NYT zitiert Eric Trump, den Sohn des Präsidenten, mit den Worten: "In diesen Tagen arbeiten alle zusammen." Eric Trump, der das Familienunternehmen mit leitet, sagte demnach weiter: "Die Mieter arbeiten mit den Vermietern zusammen, die Vermieter mit den Banken. Die ganze Welt arbeitet zusammen, während wir diese Pandemie bekämpfen." Das Trump-Unternehmen verfügt in den USA und weltweit über mehr als ein Dutzend Golfclubs und Luxushotels.

Das Blatt schreibt weiter, dass die Anfragen Kreditgeber und Vermieter in die unangenehme Lage bringen würden, dass sie entweder Trump unterstützen müssten - oder das Risiko eingehen, den Präsidenten zu verprellen.

In den vergangenen Wochen habe das Unternehmen sein Hotel mit Blick auf den Las Vegas Strip wegen des Coronavirus vorübergehend geschlossen, Personal und Dienstleistungen in seinen Hotels in New York und Washington reduziert und seine Golfclubs in Florida und New Jersey weitgehend geschlossen, schreibt die NYT.

Geschlossen wurde demnach auch der Mar-a-Lago-Club in Florida, der zu dieser Jahreszeit normalerweise als "Winter-Weißes Haus" dient, wie Trump es gerne nennt.

Wie die NYT weiter berichtet, könnten andere Unternehmen möglicherweise einen 500 Milliarden Dollar schweren Rettungsfonds in Anspruch nehmen, der vom Finanzministerium verwaltet wird. Aber das wirtschaftliche Rettungspaket, das Präsident Trump vergangene Woche unterzeichnete, verwehrt dem Präsidenten und seiner Familie Hilfsgelder daraus.

Wie die NYT weiter schreibt, hat die Deutsche Bank Trump und seinen Unternehmen seit 1998 etwa zwei Milliarden Dollar geliehen. Die Bank sei das einzige große Finanzinstitut, das bereit sei, mit den Trumps Geschäfte zu machen.

Zu dem Zeitpunkt, als er Präsident wurde, schuldete das Trump-Unternehmen der Deutschen Bank dem Bericht zufolge etwa 350 Millionen Dollar, einschließlich Darlehen für den Kauf und die Renovierung des Doral-Golf-Resorts in der Nähe von Miami und für die Entwicklung eines Luxushotels im Gebäude des Old Post Office in Washington.

Beide Projekte leiden unter dem wirtschaftlichen Stillstand, so die NYT. Als Reaktion auf die Vorschriften des Bezirks Miami-Dade habe das Doral Resort den Betrieb eingestellt, während das Hotel in Washington weiter betrieben werde, wenn auch mit wenigen Gästen und mit geschlossenem Restaurant und Bar.

Trumps Firma pachte das Washingtoner Grundstück von der Bundesregierung; und das Unternehmen habe Angebote von potentiellen Käufern eingeholt. Dieser Prozess liege nun auf Eis, schreibt das Blatt unter Berufung auf die "Washington Post".

Trumps Unternehmen habe die Darlehen für diese Grundstücke sowie ein weiteres, das mit seinem Wolkenkratzer in Chicago zusammenhänge, von 2012 bis 2015 erhalten, so die NYT.

Aufgrund einer Reihe von Zahlungsausfällen und Insolvenzen der Trumpschen Unternehmen, habe die Deutsche Bank darauf bestanden, dass Donald Trump persönliche Garantien für diese Kredite gewährte. Dies bedeute, dass die Bank auf sein persönliches Vermögen zurückgreifen könne, wenn er die Rückzahlung des Geldes einstellen sollte.

Seit Trumps Wahl zerbrächen sich die Führungskräfte der Deutschen Bank nach Angaben von Bankbeamten darüber den Kopf, was im Falle eines Zahlungsverzuges geschehen solle, heißt es in dem Bericht.

Die Beschlagnahme des persönlichen Vermögens des Präsidenten wäre ein unattraktiver Vorschlag. Aber die Entscheidung, die Gelder nicht zu einkassieren, wäre gleichbedeutend mit einem enormen finanziellen Geschenk an Trump, dessen Administration eine enorme Macht über die Bank ausübe, so die NYT.

Die Geschäfte der Deutschen Bank in den Vereinigten Staaten werden von Bundesaufsichtsbehörden überwacht, und das Justizministerium hat eine strafrechtliche Untersuchung der Bank durchgeführt.


Aus: "Trumps Familienunternehmen bittet Deutsche Bank um finanzielle Hilfe" Sven Lemkemeyer (03.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/geldnot-wegen-coronavirus-trumps-familienunternehmen-bittet-deutsche-bank-um-finanzielle-hilfe/25712188.html

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geruempelsynchronisierer 15:30 Uhr

Eine  Lösung wäre  ja auch, wenn die Bank ihre Forderungen verkaufen würde, nach China zum Beispiel. Möglicherweise springt aber auch das saudische Königshaus ein. Bin mal gespannt, wie diese Geschichte weitergeht...


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