Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 246105 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #915 on: May 16, 2019, 09:37:43 AM »
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[...] Bei einer Razzia im gesamten Bundesgebiet haben Ermittler zahlreiche Geschäfts- und Privaträume durchsucht. Man habe die Wohnräume von acht "vermögenden Privatpersonen", elf Banken und Sparkassen sowie die Geschäftsräume von vier Steuerberatern durchsucht, teilte die Staatsanwalt Frankfurt mit – wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Neben der Staatsanwaltschaft Frankfurt waren das Bundeskriminalamt (BKA), das Landeskriminalamt Hamburg, die Oberfinanzdirektion Frankfurt und weitere Behörden an der Großrazzia beteiligt.

Um welche Banken es sich handelte, gaben die Behörden nicht bekannt. Stattdessen hieß es, die Geschäftsräume der Institute befänden sich in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Erding, Frankfurt, Köln und Trier. In Aachen, Hamburg, Hürth und München wurden den Ermittlern zufolge Geschäftsräume von vier Steuerberatern durchsucht, in Hamburg die Räume von sechs Vermögensverwaltungen. Die Wohnräume der Privatpersonen befänden sich in Bad Tölz, Erkrath, Hamburg, Konz, Simmerath und auf Sylt.

Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte, sollen die acht Verdächtigen mithilfe einer ehemaligen Tochtergesellschaft "einer deutschen Großbank" auf den Britischen Jungferninseln Gesellschaften in Steueroasen gegründet haben. Sie wollten so Kapitalerträge verbergen und Steuern vermeiden.

Die Razzia steht nach Behördeninformationen im Zusammenhang mit einer Durchsuchung bei der Deutschen Bank im November 2018. Damals hatten die Ermittler nach eigenen Angaben zahlreiche Geschäftsunterlagen in schriftlicher und elektronischer Form sichergestellt. Mitarbeiter der größten deutschen Bank sollen Kunden bei der Gründung von Briefkastenfirmen in sogenannten Steuerparadiesen geholfen haben. Ihren Verdacht stützten die Ermittler auf Daten der sogenannten Offshore Leaks und Panama Papers durch das BKA.

Die Deutsche Bank wies darauf hin, dass sich das aktuelle Ermittlungsverfahren nicht gegen den Konzern richte: "Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Privatpersonen. Die Deutsche Bank kooperiert mit der Staatsanwaltschaft und gibt alle angeforderten Unterlagen freiwillig heraus. Eine Durchsuchung der Geschäftsräume der Bank hat deshalb nicht stattgefunden."

Im Frühjahr 2016 hatte ein internationales Mediennetzwerk mit den Panama Papers aufgedeckt, dass hohe Geldsummen nach Panama flossen. Das Land in Zentralamerika gilt als Steueroase und Heimat zahlreicher Briefkastenfirmen. Ein Verbund investigativer Journalistinnen und Journalisten hatte 2013 mit den Offshore Leaks einen Datensatz zu Steueroasen und -hinterziehung im Internet veröffentlicht.


Aus: "Bundesweite Razzia bei Banken und Steuerkanzleien" (15. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/20191-05/panama-papers-steuerhinterziehung-razzia-deutsche-banken

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allesEssig #2

"...Wohnräume von acht "vermögenden Privatpersonen", elf Banken und Sparkassen sowie die Geschäftsräume von vier Steuerberatern durchsucht..."

Bei jenen vermögenden Privatpersonen sollte der gleiche Maßstab angelegt werden, der bei der Clankriminalität zugrunde gelegt wurde:
Vermögenswerte, bei welchen kein Beweis des legalen Zustandekommens geführt werden kann, sollten eingefroren werden, um zu Verhindern, dass diese durch Tricks verschoben werden und letztendlich bei Schuldnachweis dem deutschen Staat zugute kommen.


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Brustring #2.1

Aber, aber. Das sind doch Leistungsträger. ...


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DrkdD #11

Ist der FDP-Chef schon vor die Kameras getreten und hat davor gewarnt die hart arbeitenden Leistungsträger nicht zu vergraulen?


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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #916 on: May 19, 2019, 09:00:53 PM »
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[...] Hildegard Hackstätter hat 45 Jahren lang in Deutschland gearbeitet. Als Platzanweiserin im Kino, als Verpackerin im Milchwerk und beim Rollladenbau. Sie hat im Altenheim und Thermalbad geputzt, war Badeaufseherin und hat Menschen mit Behinderung durch die Stadt gefahren. Sie hat das hinter sich, was man eine unstete Erwerbsbiografie nennt, aber gearbeitet hat sie fast immer. Als sie vor zwölf Jahren ihren Rentenbescheid bekam, erzählt sie, musste sie sich erst mal setzen. Bis nachts um drei hockte sie in ihrer Wohnung auf dem Boden und weinte. Nicht einmal 500 Euro, für 45 Jahre. "Mädchen, wir müssen raus aus Deutschland", hat Waldemar Hackstätter damals zu ihr gesagt.

So gingen sie also nach Bulgarien, das ärmste Land der Europäischen Union. Gut 500 Euro verdienen die Menschen hier im Schnitt, fast ein Viertel der Bevölkerung ist von Armut bedroht. In Bulgarien gehören arme deutsche Rentner zur oberen Mittelschicht. "Hier brauche ich nicht mehr in den Geldbeutel schauen und mich fragen, ob ich ins Restaurant gehen kann oder nicht", sagt Waldemar Hackstätter. "Hier gehe ich einfach rein." Mit dem Umzug haben die Hackstätters ihre Rente erhöht, ohne einen Cent mehr zu bekommen. ...


Aus: "EU-Rentner: "Mädchen, wir müssen raus aus Deutschland"" Aus einer Reportage von Christian Spiller, Sirakowo (19. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-05/deutsche-rentner-bulgarien-eu

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St.Expeditus #10

"So gingen sie also nach Bulgarien, das ärmste Land der Europäischen Union. Gut 500 Euro verdienen die Menschen hier im Schnitt, fast ein Viertel der Bevölkerung ist von Armut bedroht. In Bulgarien gehören arme deutsche Rentner zur oberen Mittelschicht."

Zur Wahrheit Europas gehört auch die soziale Ungleichheit. In Bulgarien oder Rumänien hat der durchschnittliche Arbeiter weniger als ganz arme deutsche Rentner! Nur muss der auch noch eine Familie ernähren.


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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #917 on: May 20, 2019, 12:33:37 PM »
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[...] Toronto. Kleine Wohnung, kleine Küche. Das Fenster schließt nicht, das Wasser leckt. Reparaturen: Fehlanzeige. Die neuen Besitzer des Hauses sind anonym, niemand hat sie gesehen. "Könnte Frosty, der Schneemann sein", sagt der Mieter mit traurigem Sarkasmus. Doch sie haben Spuren hinterlassen: ein halbes Dutzend Überwachungskameras – und eine drastische Mieterhöhung. Berlin. Der bullige Kiez-Bäcker im Dialog mit dem jungen Baustadtrat Florian Schmidt. Die Miete für den Laden ist drastisch erhöht worden. Der Stadtrat versucht, Hoffnung zu wecken. Der Bäcker sieht keine Chance. Aber er will trotzdem kämpfen. Seoul. Ein Mann berichtet, wie sie kamen, ihn verprügelten und seine Frau traten, um sie aus ihrem Haus im Stadtzentrum zu vertreiben. London. Die Brandruine des Grenfell Tower. Viele Überlebende sind fast zwei Jahre später immer noch ohne dauerhafte Bleibe. Wenn sie eine bekommen, wird sie vermutlich nicht mehr hier sein. Das multikulturelle Viertel, in dem man sich vom Sehen kannte, ist heute Premium-Lage. "Sie haben gesagt, wer sich London nicht leisten kann, soll halt woanders hinziehen", schnaubt der Londoner, der sich gerade über seine Motorhaube beugt. "Die spinnen wohl!" Es ist in allen Städten dasselbe Phänomen: Der sicher geglaubte Lebensraum wird den Menschen unter den Füßen weggezogen.

Eine kleine Frau mit wachen Augen hört diesen Menschen zu, macht sich Notizen, fragt nach. Ihr Name ist Leilani Farha. Die Kanadierin ist UN-Sonderbotschafterin für angemessenes Wohnen. Push heißt der Dokumentarfilm des schwedischen Regisseurs Fredrik Gertten, der sie dabei begleitete. Farha versucht zu verstehen, was hier passiert, warum es überall gleichzeitig passiert und was dahintersteckt. Also fragt sie Experten wie den Nobelpreisträger Joseph Stiglitz oder die Soziologieprofessorin Saskia Sassen. "Dass die Mieten steigen, ist ein Mechanismus, den jeder versteht", sagt sie. "Aber dann kommt jemand anderer ins Spiel: Ein Monster, das niemand sieht, dessen Sprache niemand versteht. Also fragt man sich: Wer ist dieses Monster?" Das Monster: Das ist die Finanzialisierung des Wohnsektors, das sind die globalen Fonds, die seit der Krise 2008 massiv in Immobilien investieren. Sassen stellt unmissverständlich klar: Mit Gentrifizierung hat das nichts mehr zu tun. Es geht um mehr als um das Chai-Latte-Stübchen, das den alteingesessenen Handwerker ersetzt. Es geht um ganze Stadtviertel, die auf Immobilienmessen gehandelt werden, als Anlageobjekte, Assets, Parkplätze für Geld.

Die Bewohner sind da nur im Weg. Aber wenn nicht einmal der Krankenpfleger, die Polizistin, der Feuerwehrmann sich das Wohnen leisten können, funktioniert dann die Stadt überhaupt noch? Ganz zu schweigen von der enormen psychischen Belastung, wenn das vertraute Netzwerk aus Freunden und Nachbarn zerstört wird. Leilani Farha versucht, diesem Monster auf die Spur zu kommen, dem Anonymen ein Gesicht zu geben. Zum Beispiel das Gesicht von Stephen Schwarzman, CEO des weltweit operierenden Fund Blackstone Group. Farhas (letztendlich vergeblicher) Versuch, einen Termin mit Schwarzman zu bekommen, zieht sich als roter Faden durch den Film. Eine David-und-Goliath-Konstellation, die rührselig sein könnte, aber ganz in sachlicher Eindringlichkeit inszeniert wird. Denn das Monster sind auch die Pensionsfonds, die das Geld ihrer Kunden weltweit in Immobilien anlegen. Sind die Bösen also wir alle? Oder das System? "Ich glaube nicht, dass der Kapitalismus an sich das Problem ist", sagt Leilani Farha im Film. "Aber wenn Wohnen zur Handelsware wird, ist das etwas anderes, als wenn Gold Handelsware ist. Gold ist kein Menschenrecht, Wohnen schon."

Auch die Wiener Stadtforscherin Elke Rauth vom Fachmagazin Dérive sieht die Dringlichkeit des Films. "Die Wohnungsfrage ist die soziale Frage unserer Zeit. Push zeigt eindringlich auf, wie bedroht das Menschenrecht auf Wohnen weltweit bereits ist. Ein Immobilienmarkt, der Wohnraum nur noch als Ware und Möglichkeit zur Geldvermehrung sieht, muss zum Schutz des Gemeinwohls reguliert werden. Dazu braucht es eine Allianz zwischen Zivilgesellschaft, gemeinnütziger Bauwirtschaft und Politik." Eine solche Allianz hat auch Leilani Farha ins Leben gerufen: die Initiative "Shift", die sich für Wohnen als Menschenrecht einsetzt. Sie sitzt auch am Tisch, wenn sich Bürgermeister europäischer Metropolen zum Strategieaustausch treffen. Es ist einer der anrührendsten Filmmomente, als Farha bei diesem Meeting auf Ada Colau, die Bürgermeisterin von Barcelona, trifft, die selbst eine Bewegung gegen Immobilienspekulation gegründet hatte. Wenn diese zwei Frauen einander vertraut begrüßen und sich fast überrascht ihrer gar nicht so geringen Macht in diesem Moment bewusst werden, spürt man: Hier ist eine Veränderung möglich.

Dass Anfang Mai der sensible, ganz ohne Delogierungen auskommende Umbau eines Sozialwohnblocks in Bordeaux von Lacaton Vassal Architectes mit dem Mies van der Rohe Award der Europäischen Kommission ausgezeichnet wurde, ist ein weiteres Hoffnungszeichen – und kein Zufall, wie Jurymitglied Angelika Fitz, Direktorin des Architekturzentrums Wien, betont: "Der Mangel an leistbarem Wohnraum, wie wir ihn zurzeit in vielen Städten erleben, stellt eine Menschenrechtsverletzung dar. Es ist also nur konsequent, dass unter den fünf Finalisten gleich zwei kollektive Wohnprojekte waren." Es sind kleine Stiche gegen das immer noch übermächtige Monster. Push zeigt, wie fragil die Formen des Zusammenlebens sind und wie schnell sie zerstört werden können. Es ist der richtige Film zur richtigen Zeit.


Aus: "Wohnen: Spekulationsobjekt oder Menschenrecht?" Maik Novotny (19.5.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000103312331/Wohnen-Spekulationsobjekt-oder-Menschenrecht

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cpucpu

spekulation. what else? btw..wie so ca alles im leben spekulativ ist. wohnen macht kein unterschied. fertig. menschenrecht..., silly. und was darfs sonst noch sein? so geht das nicht. ‚recht‘ für wen und weswegen? wer zahlt?


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Kassiteros Zinn

Haben Sie den Artikel gelesen? Wenn Krankenpfleger, Polizisten und Feuerwehrmänner sich das Wohnen zunehmend nicht mehr leisten können, sollens doch unter der Brücke wohnen, wie?


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lao-lan

Als Mieter einer Altbauwohnung im 4. Bezirk, Wien, erfuhr ich, dass unsere Wohnung, die in den letzten Jahren bereits 3 mal den Besitzer wechselte, inzwischen fast dreimal teurer geworden ist als vor 10 Jahren. Am gesamtzustand des Hauses har sich deshab noch lange nichts verbessert.


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Kanton

Seit der Null-Zins-Politik geht das große Geld in Beton-Gold. ...


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seefahrer-horst

Gundstücksmakler kennen Provisonen und Gewinnmargen, davon können Baufirmen nur träumen.
Merkspruch: "Durch Arbeit ist noch keiner reich geworden" :-)


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« Reply #918 on: May 20, 2019, 02:36:45 PM »
Robert Frederick Smith (born December 1, 1962) is an American businessman, investor and philanthropist. A former chemical engineer and investment banker, he is the founder, chairman and CEO of private equity firm Vista Equity Partners. In 2018, Smith was ranked by Forbes as the 163rd richest person in America. ...
https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_F._Smith_(investor)

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[...] Der amerikanische Multimilliardär Robert F. Smith ist mit einem besonderen Geschenk zur Graduiertenfeier des traditionell von Schwarzen besuchten Morehouse College im amerikanischen Bundesstaat Georgia gekommen: Er sagte den frischgebackenen Absolventen am Sonntag zu, für ihre Studienkredite komplett aufzukommen – geschätzte 40 Millionen Dollar. Das Vermögen des afroamerikanischen Geschäftsmanns beläuft sich Schätzungen zufolge auf 4,4 Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro).

Er sei sicher, dass sich die Absolventen erkenntlich zeigen werden, indem sie helfen würden, das Leben anderer Afroamerikaner zu verbessern, sagte Smith vor dem versammelten Abschlussjahrgang der Hochschule in Atlanta. Die Absolventen und ihre Eltern brachen in Jubel und überbordenden Applaus aus. „Gerne würde ich jetzt einen Salto rückwärts machen, wenn ich das nur könnte“, sagte der BWL-Absolvent Elijah Dormeus.

Smith hatte zuvor eine 1,5-Millionen-Dollar-Spende an die Universität angekündigt, an der auch die Bürgerrechtsikone Martin Luther King Jr., Regisseur Spike Lee und Schauspieler Samuel L. Jackson ihren Abschluss gemacht hatten. Die Übernahme der Studienkredite war laut dem „Atlanta Journal and Constitution“ aber auch für die Hochschule eine Überraschung.

Angesichts der horrenden und weiter steigenden Studiengebühren in den Vereinigten Staaten geraten immer mehr Studenten tief in die roten Zahlen. Laut der Ratingagentur Fitch liegt die Gesamtverschuldung von Studenten in den Vereinigten Staaten bereits bei mehr als 1,5 Billionen Dollar.


Aus: "Amerikanischer Milliardär will Studienkredite übernehmen" (20.05.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/amerikanischer-milliardaer-will-studienkredite-von-40-millionen-dollar-uebernehmen-16196909.html