Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 246110 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #900 on: April 16, 2019, 12:34:37 PM »
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[...] Frankfurt am Main/Frankfurt – Aktien und vor allem Immobilien machen den Unterschied: Nach Daten der Bundesbank sind die Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland weiterhin ungleich verteilt – auch wenn sie im Schnitt gestiegen sind. Das geht aus der am Montag veröffentlichten Bundesbank-Studie "Private Haushalte und ihre Finanzen" (PHF) hervor. Demnach gehören den reichsten zehn Prozent der Haushalte 55 Prozent des gesamten Nettovermögens – also des Vermögens abzüglich Schulden. Bei der vorherigen Studie 2014 waren es 60 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte muss sich unverändert mit mageren 3 Prozent begnügen. Der Rest des Nettovermögens ist im Besitz von 40 Prozent der Haushalte. "Insbesondere die Nettovermögen von Immobilieneigentümern haben sich in Folge der gestiegenen Immobilienpreise erhöht", heißt es im Bundesbank-Monatsbericht. Allerdings besitzen nur 44 Prozent der Privathaushalte in Deutschland Wohneigentum. An vielen Menschen geht der Immobilienboom somit vorbei. In anderen Ländern im Euroraum, zum Beispiel in Italien oder Spanien, ist die Quote der Immobilienbesitzer mit zuletzt etwa 70 beziehungsweise rund 80 Prozent deutlich höher.

Insgesamt konnten die Bundesbürger dank niedriger Arbeitslosigkeit und höherer Einkommen in den vergangenen Jahren mehr auf die Seite legen. Zugleich profitierten sie von steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen. Abzüglich Schulden verfügten die Haushalte 2017 im Schnitt über ein Nettovermögen von 232.800 Euro. Das waren 18.300 Euro mehr als bei der Auswertung drei Jahre zuvor. Befragt wurden 4.942 repräsentativ ausgewählte Haushalte. Weil die Durchschnittswerte stark durch Extremwerte beeinflusst sind, halten die Bundesbank-Experten eine andere Auswertung für aussagekräftiger: den sogenannten Medianwert. Er liegt in der Mitte, wenn man die Werte der Größe nach sortiert. Die Haushalte werden in eine reichere und eine ärmere Hälfte geteilt. Der Medianwert liegt deutlich niedriger als der Durchschnittswert: Netto bei 70.800 (2014: 60.400) Euro. "In der Mitte und im unteren Bereich der Verteilung findet man kaum Haushalte mit Immobilieneigentum und Aktienbesitz", erläuterte die Bundesbank.

Um zu den zehn Prozent der vermögendsten Haushalte in Deutschland zu gehören, waren im Jahr 2017 den Angaben zufolge gut 555.400 Euro nötig. Das waren knapp acht Mal soviel wie der Median. Der Medianwert ist in Deutschland weiterhin geringer als in anderen Ländern, für die vergleichbare Daten vorliegen. In Italien lag er zuletzt bei 126.000 Euro, in Österreich waren es 83.000 Euro. In den vergangenen Jahren profitierten den Angaben zufolge allerdings auch Menschen, die zur Miete leben, sowie Haushalte, die zur vermögensärmeren Hälfte zählen, von gestiegenen Einkommen. "Sie versetzen diese Haushalte in die Lage, mehr zu sparen und verringern die Notwendigkeit neue Konsumentenkredite aufzunehmen", heißt es in der Untersuchung. Regional gibt es in Deutschland deutliche Unterschiede. So ist der Median im Westen mit 92.500 Euro etwa viermal so hoch wie im Osten (23.400 Euro). Grund sei vermutlich der geringere Anteil an Wohneigentümern in den neuen Ländern. Der höchste Medianwert findet sich in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen mit 139.800 Euro. Die Notenbank hat die Studie zum dritten Mal durchgeführt. 9.710 Menschen ab einem Alter von 16 Jahren gaben Auskunft über ihr Vermögen: Haus und Auto, wertvolle Sammlungen und Schmuck, Guthaben auf Sparkonten, Bausparverträge, Aktien, Lebensversicherungen. Auf der Soll-Seite: Hypotheken, Konsumentenkredite, Kreditkartenschulden, Bafög-Schulden. Zwar sei die Vermögensungleichheit im Vergleich zur vorherigen Befragung geringfügig gesunken, heißt es in der Studie. Ein eindeutiger Trend sei aber nicht erkennbar, folgert die Bundesbank: "Nach wie vor ist Deutschland ein Land, in dem die privaten Vermögen ungleich verteilt sind." (dpa, 15.4.2019)



Aus: "Reichstes Zehntel besitzt mehr als die Hälfte des Vermögens" (15. April 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000101450972/Deutschland-Zehn-Prozent-der-Haushalte-halten-55-Prozent-des-Vermoegens

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wiental_fan

Das ewige Gejammer um das ungleich verteilte Vermögen nervt schon langsam. Es sollte bekannt sein, dass dies systembedingt quasi "natürlich" stattfindet. Was allerdings endlich dazu gesagt werden sollte, werte Journalistengemeinde, dass dies nur durch die Politik ausgeglichen werden kann, insoweit dies gesamtwirtschaftlich notwendig ist. Der jetzige politische Kurs fördert die Vermögensungleichheit europa- und weltweit nur.


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Der Gummibaumtroll

Interessant ist doch vielmehr, wie das in anderen Ländern aussieht.
Hier die Zahlen für die reichsten 1% (nicht 10% wie im Artikel oben)

Japan - die reichsten 1% besitzen 19%
Österreich - 23%
UK - 23%
NL - 24%
D - 30%
Schweden - 32%
USA - 37%
China - reichste 1% besitzen 39%
ARG - 44%
BRA - 48%
Rußland - reichste 1% besitzen 70%

...


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JackTravni

Hat nix mit "Neo-Liberalen" zu tun!

Z.B. sei erinnert, dass eine sozialistische Regierung unter Schröder das menschenverachtende System von Hartz-IV eingeführt hat, wo alles Ersparte bis auf einen Mindestsatz aufgebraucht sein muß, um Sozialgeld zu bekommen. Außerdem werden Verwandte wie Kinder oder Ehepartner zur Versorgung herangezogen. DAVON SIND WIR IN ÖSTERREICH WEIT ENTFERNT. ...


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W. B.

Erinnerung an das Schröder-Blair-Papier: 8. Juni 1999 - Der Titel des Dokumentes lautet in seiner deutschen Fassung Der Weg nach vorne für Europas Sozialdemokraten. Es wird darin der Grundsatz „Gerechtigkeit ist modern“ verkündet. Die Autoren betonen, dass Werte wie Fairness, soziale Gerechtigkeit, Freiheit, Verantwortung für andere, Chancengleichheit und Solidarität zeitlos sind.

Insgesamt geht es in dem Papier um eine wirtschaftsfreundlichere Ausrichtung, eine Reform der Sozialsysteme und die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte. Betont wurde, dass eine nach Auffassung der Verfasser pragmatische und keine ideologische Wirtschaftspolitik betrieben werden müsse.

Zwanzig Jahre später: Reichstes deutsches Zehntel besitzt mehr als die Hälfte des Vermögens. ...


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sociovation

Die Ungleichheit ist übrigens im reichsten Zehntel noch wesentlich größer als unter den restlichen 90 Prozent.
Außerdem schließt die Studie die noch viel größere Ungleicheit in der Verteilung an Firmenvermögen aus.
Solche Studien sind eine einzige Verschleierung der wahren Dimension des neoliberalen Ungleichheitswahnsinns.


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« Reply #901 on: April 16, 2019, 03:48:41 PM »
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[...] Der linke US-Politiker Bernie Sanders muss nach der Veröffentlichung seiner Steuerunterlagen um seine Glaubwürdigkeit fürchten. Die Dokumente, die seit Montag öffentlich zugänglich sind, zeigen, dass er in den Jahren 2016 und 2017 ein Einkommen von jeweils mehr als einer Million Dollar hatte. Sanders ist vor allem wegen seines Kampfes für mehr Einkommensgerechtigkeit bekannt.

Sanders steht innerhalb der demokratischen Partei weit links und hofft auf die Nominierung als ihr Präsidentschaftskandidat für die Wahl 2020. "Millionäre und Milliardäre" sowie die Schieflage bei der Verteilung von Reichtum sind regelmäßig Thema seiner politischen Reden, er vertritt zahlreiche sozialistische Positionen.

Die jetzt veröffentlichten Unterlagen aus zehn Jahren zeigen, dass Sanders selbst zumindest zwischenzeitlich zu denen gehörte, die er kritisiert: Demnach lag sein bereinigtes Bruttoeinkommen im Jahr 2016 bei 1.062.626 Dollar (939.664 Euro), im Jahr 2017 waren es 1.131.925 Dollar (1.000.940 Euro).

Die Millioneneinnahmen waren den Unterlagen zufolge ein Ausreißer nach oben: 2015 hatte Sanders noch weniger als 250.000 Dollar verbucht, dann aber das extrem erfolgreiche Buch "Unsere Revolution" geschrieben. 2018 lagen seine Einnahmen dann noch bei rund 560.000 Dollar.

Sanders erklärte, seine Steuerunterlagen zeigten, dass seine Familie "Glück gehabt" habe. Er sei dafür sehr dankbar, da er aus seiner Jugend wisse, welchen Druck finanzielle Unsicherheit bedeute. Mit seinem steigenden Einkommen auch höhere Steuern zu zahlen, sei für ihn "eine Verpflichtung und eine Investition in unser Land". Sanders fügte hinzu, er werde weiterhin dafür kämpfen, dass jeder Amerikaner ein Gehalt bekomme, von dem er leben könne.

Während Sanders' Steuerunterlagen nun öffentlich sind, wächst der Druck auf US-Präsident Donald Trump, seine Unterlagen ebenfalls zu veröffentlichen. Bisher hat Trump dies stets verweigert. Die Demokraten im Repräsentantenhaus versuchen derzeit, ihn zur Veröffentlichung zu zwingen. (AFP)


Aus: "Reicher Sozialist Bernie Sanders ist laut Steuerunterlagen Millionär" (16.04.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/reicher-sozialist-bernie-sanders-ist-laut-steuerunterlagen-millionaer/24225026.html

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BraverBuerger 11:10 Uhr

    Der linke US-Politiker Bernie Sanders muss nach der Veröffentlichung seiner Steuerunterlagen um seine Glaubwürdigkeit fürchten.

Warum, *deswegen*?


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commentator 10:49 Uhr

    Bernie Sanders ist laut Steuerunterlagen Millionär

Und es gibt wohl kaum redlichere Millionäre als jene, die das durch Bücher zur sozialen Gerechtigkeit geworden sind.


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Mmh 12:03 Uhr

Was ist denn das für eine Debatte? Dürfen sich Einkommensmillionäre nicht für eine Angleichung der Lebensverhältnisse und mehr Steuergerechtigkeit einsetzen? ...


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« Reply #902 on: April 18, 2019, 02:54:35 PM »
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[...] Es ist eine Tragödie: Mit dem Brand von Notre-Dame wurde am Montag eines der großen abendländischen Kulturdenkmäler zerstört. Der Wiederaufbau dauert Jahre und kostet viel Geld. Zum Glück gib es in Frankreich reiche Menschen mit Verantwortungsbewusstsein und Bürgersinn, die das Projekt großzügig unterstützen. Die drei reichsten Familien des Landes spendeten mal schnell eine halbe Milliarde Euro. Toll. Eine rundum positive Sache. Oder etwa nicht?

Das sehen leider nicht alle so. Denn wie das in Deutschland so üblich ist: Sobald jemand etwas Gutes oder Besonderes erbringt, kommen sie aus ihren Löchern gekrochen. Die Mittelmäßigen, die Neider, die Besserwisser und Schlechtmacher. In öffentlichen Foren und sozialen Netzwerken tun sie das, was sie am besten können: rumnörgeln und die Taten anderer zerreden. Ihr Kritikpunkt: Für die zerstörte Kirche geben sie Geld - aber gegen den Hunger in der Welt oder die sterbenden Flüchtlinge im Mittelmeer tun sie nichts.

Ein irrsinniges Argument - das sich letztlich auf jeden anwenden lässt, der sich für wohltätige Zwecke einsetzt. Spendet man für Straßenhunde in Rumänien, sagen die Nörgler: Aber denk doch an die armen Kinder in Deutschland. Unterstützt man die, heißt es: In Osteuropa sind die Kinder noch viel ärmer dran. Aber was ist dann mit den Menschen in Afrika - geht es denen nicht noch viel schlechter?

Wer den Bau einer Schule in Malawi unterstützt, muss sich demnach den Vorwurf gefallen lassen, dass ein Brunnen doch viel wichtiger sei - schließlich können die Kinder ja nur lernen, wenn sie genug zu trinken haben. Und warum überhaupt Malawi - die Zentralafrikanische Republik ist schließlich noch ärmer.

Ein Wettlauf, der die Möglichkeiten der guten Tat immer weiter einschränkt - anstatt sie zu fördern und Helfer zu ermutigen. So lässt sich letztlich jedes Engagement kaputt reden. Der Wohltäter ist am Ende der Dumme - und derjenige, der gar nichts tut, steht als moralische Instanz da. So ist es schon jetzt auf Facebook, Twitter und Instagram zu beobachten.

Doch wenn einem wirklich etwas an den Hungernden in der Welt liegt oder dem Leid der Flüchtlinge, dann gibt es einen ganz einfachen Weg, diese zu unterstützen: Ein jeder könnte spenden, das ist kinderleicht. Aber andere zu kritisieren macht halt viel mehr Spaß, anstatt selbst etwas zu leisten. Und das Beste: Es kostet nichts.

Wie absurd: Hätten die drei reichsten Familien Frankreichs gar nichts gemacht und sich eine neue Yacht gekauft, anstatt Geld für Notre-Dame zu spenden - niemand hätte sich beschwert. Zum Glück haben sich die Familien Pinault, Arnault und Bettencourt davon nicht beirren lassen.


Aus: "Die Stunde der Miesmacher - wie gegen Wohltäter Stimmung gemacht wird" Carsten Heidböhmer (17. April 2019)
Quelle: https://www.stern.de/kultur/notre-dame--die-stunde-der-miesmacher---wie-gegen-wohltaeter-stimmung-gemacht-wird-8671766.html

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[...] Die Flammen waren noch nicht gelöscht, da kündigten erst die Pinaults und dann die Arnaults an, 100 und 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Notre-Dame zu spenden.  ... Bis Dienstagabend (16.04.2019) lagen für Notre-Dame insgesamt Spendenzusagen von mehr als 750 Millionen Euro vor. Mehrere französische Konzerne kündigten Spenden in Millionenhöhe an, die Stadt Paris sagte 50 Millionen Euro zu. ...


Aus: "Notre-Dame: Wer sind die Spender für den Wiederaufbau?" (16.04.2019)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/notre-dame-225.html

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[...] Für den Wiederaufbau der schwer beschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame ist schon fast eine Milliarde Euro an Spenden zusammengekommen. „Heute Morgen waren es fast 900 Millionen. Ich denke, wir werden heute noch die Milliardengrenze überschreiten“, sagte der Fernsehmoderator Stéphane Bern, der im Auftrag von Staatschef Emmanuel Macron für die Renovierung historischer Baudenkmäler in Frankreich zuständig ist, am Mittwoch dem Sender RMC. „Die ganze Welt ist an unserer Seite“, sagte Bern. Er erhalte Spenden aus vielen Ländern für die berühmte Kathedrale im Herzen von Paris, in der am Montagabend ein heftiges Feuer ausgebrochen war. ...


Aus: "Nach Feuer in Notre-Dame : Fast eine Milliarde Euro an Spenden für Wiederaufbau" (17.04.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/notre-dame-fast-eine-milliarde-euro-an-spenden-fuer-wiederaufbau-16145455.html

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[...]  Warum geben die Familien, die so eng mit den Marken Louis Vuitton, L’Oréal und Gucci verbunden sind, ausgerechnet ihren finanziellen Segen für den Wiederaufbau einer Kirche? Gibt es nicht gravierendere Probleme als Steine? Was ist mit den Menschen? Was mit den sozialen Verwerfungen in den Pariser Vorstädten? Oder auch global: Was ist mit dem Klimawandel, der Armut, der mangelnden Chancengleichheit und der kritischen Gesundheitsversorgung?...


Aus: "Spenden für beschädigte Kathedrale: Die Bettler von Notre-Dame" Fabian Löhe (18.04.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/spenden-fuer-beschaedigte-kathedrale-die-bettler-von-notre-dame/24232840.html

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MartinKetzer 12:27 Uhr
Notre Dame... 700 Mio € wurden angeblich am 1. Tag gesammelt! Toll, das entkräftet natürlich den Ruf nach Umverteilung, super die Hilfsbereitschaft der Superreichen, nicht?
Also mal ganz ehrlich, hat die römisch katholische Kirche nicht genug Mittel das selbst zu machen?? Und sollte das Herz nicht eher bei leidenden Kindern/Tieren/Regenwald/Obdachlose/Kranke erweichen, als bei einem Hafen alter kalter Steine??

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Charybdis66 13:10 Uhr
Antwort auf den Beitrag von MartinKetzer 12:27 Uhr

    Also mal ganz ehrlich, hat die römisch katholische Kirche nicht genug Mittel das selbst zu machen??

Die römisch-katholische Kirche ist aufgrund eines Gesetzes von 1905 NICHT Eigentümerin der Kathedrale. Zuständig für den Erhalt praktisch aller Kirchengebäude vor 1905 ist der französische Staat.


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MartinKetzer 13:23 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Charybdis66 13:10 Uhr

danke, das ist ja interessant! und der Staat "vermietet" die alten Gebäude dann an die Kirche?


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Charybdis66 13:34 Uhr
Antwort auf den Beitrag von MartinKetzer 13:23 Uhr
Der Staat stellt sie der Kirche dann zur Verfügung, wobei die Kirche wohl einige Ausgaben wie Heizkosten selbst trägt. Wie exakt abgerechnet wird, weiß ich nicht im letzten Detail.

Das Gesetz soll eine Staatsform unterstützen, in der Staat und Religion strikt getrennt sind. Insofern werden beispielsweise die Kirchenangestellten in Frankreich nicht vom Staat bezahlt, und es wird auch keine Kirchensteuer eingezogen, sondern es gibt ein Kirchgeld für die Gläubigen, das, neben Spenden und anderen Einnahmen, für die Finanzierung der kirchlichen Arbeit notwendig ist.


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MartinKetzer 13:47 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Charybdis66 13:34 Uhr
danke für die Infos, das ist dann besser als bei uns zu Lande, wo der Staat die Gelder für die Kirche eintreibt! Aber hier hat die Bevölkerung ja auch die Köpfe rollen lassen, das hat offenbar nachhaltig Wirkung gezeigt! :-)
In dem Sinne: Frohe Ostern!


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Charybdis66 11:12 Uhr
Das Beste wäre gewesen, die reichen Familien hätten ihre Spendenbereitschaft nicht publik gemacht, denn dann wäre dieses ganze moralinsaure Gewäsch, das schon während des Brandes so sicher kommen würde wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche, überflüssig.

Ich bin einmal, als ich als praktisches Beispiel erzählte, dass ich in Afrika eine Schule unterstütze, von einem Diskussionspartner angegriffen worden, warum ich nicht für die Flüchtlinge spenden und warum ich da nichts tun würde. Dabei hatte ich gar nichts darüber gesagt, ob ich etwas für Flüchtlinge tue oder nicht (das auch gar nicht das Thema der Diskussion war, denn es ging um Afrika). Aber sofort wurde mein kleines Investment auf die moralische Goldwaage gelegt, und der Diskussionspartner machte mich sofort auf meine unverrückbare moralische Verfehlung aufmerksam.

Es ist jedermanns eigene Entscheidung, für was er Geld spendet oder auch nicht. Manche Spenden gefallen mir tatsächlich besser und manche auch nicht. Aber ich beklage nicht ständig moralinsauer triefend, was andere Menschen tun.

Apropos: Ich habe auch für Notre Dame gespendet, wenn auch vielleicht etwas weniger als ein paar Millionen Euro.


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tweet4fun 10:19 Uhr

... Ich finde, daß man es den Franzosen überlassen sollte, wie sie mit der Akzeptanz der Millionenspenden umgehen und wie sie über ihre Milliardäre denken, denn die sind durchaus fähig zum eigenen Denken! ...

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betroffener72378 09:54 Uhr
Milliardäre, die für Notre Dame spenden, erinnern mich an den Ablasshandel des Mittelalters.


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Charybdis66 11:06 Uhr
Antwort auf den Beitrag von betroffener72378 09:54 Uhr
Ach echt? Hat die katholische Kirche die Milliardäre unter Druck gesetzt, dass sie in der Hölle schmoren werden, falls sie nicht spenden? Haben Sie Quellen dazu? Ich warte neugierig auf Ihre Belege.


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betroffener72378 08:45 Uhr
Würden diese Gönner nicht 600 Millionen Euro und mehr Spenden, würde offensichtlich, dass der Staatshaushalt (aufgrund Schuldenbremse/Maastricht Kriterien) nicht genügend Mittel hat, um Notre Dame zu restaurieren.

Dann käme das Volk auf die Idee grosse Vermögen zu besteuern um öffentliche Zwecke zu finanzieren.

Mit dem möglichen Ergebnis der Wiedereinführung der Vermögenssteuer.

Dann käme auch das deutsche Volk auf die Idee. Und dann die EU: EU-weite Regeln für eine Vermögenssteuer, wie bei der Mehrwertsteuer.

Der Horror.

...


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affogato 08:07 Uhr

Eines der Privilegien des Eigentums ist es, dass man sich aussuchen kann wofür man es spendet oder wem man es schenkt (in den Grenzen steuerrechtlicher Regeln). ...


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mcgyver 17.04.2019, 20:44 Uhr

    Gibt es nicht gravierendere Probleme als Steine?

Auch bei den Pyramiden handelt es sich lediglich um Steine. Aber zusammen mit der Geschichte der Pharaonen verschaffen sie einen faszinierenden Einblick in die antike Geschichte, der niemals möglich gewesen wäre, wenn Ägypten das Geld für soziale Zwecke anstatt für Königsgräber verwendet hätte.

Wichtig ist das Überzeitliche. Das, was der Einzelne über sich selbst hinaus erschafft und der Nachwelt hinterlässt. Das kulturelle Erbe unserer europäischen Geschichte. Die wenigen Menschen, die ihre Epoche als Denker, Künstler, Herrscher oder Feldherren prägten. Der Rest ist spätestens nach drei Generationen vergessen.

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Diele 17.04.2019, 19:42 Uhr

Warum die Superreichen für die Notre Dame ihre Millionen spenden, ist mit einem Satz zu erklären: Kultur schlägt Humanität.


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« Last Edit: April 18, 2019, 02:56:24 PM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #903 on: April 18, 2019, 03:11:09 PM »
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[...] Sechs Tage die Woche von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends arbeiten: Genau das fordert Jack Ma, Gründer und Chef des Online-Händlers Alibaba. Der 40-fache Milliardär schrieb im sozialen Netzwerk Weibo, dass eine 72-Stunden-Woche gar "kein Problem" darstelle. Problematisch wäre die nur für Leute, die ihre Arbeit ohnehin nicht mögen.

 Ma gehört laut "Forbes" zu den reichsten Männern Asiens. Die 9-to-9-Arbeitszeit, in China auch bekannt unter der Abkürzung "996", sei seiner Meinung nach "ein großer Segen". Er selbst habe Zwölf-Stunden-Tage nie bereut. "Wie soll man den angestrebten Erfolg erzielen, wenn man nicht besonders viel Zeit dafür aufwendet?", fragte der Geschäftsmann seine Angestellten. Zudem machte er gegenüber seinen Mitarbeitern eine klare Ansage: All diejenigen, die wirklich erfolgreich sein wollen bei Alibaba, sollten sich mit zwölf Stunden Arbeit täglich an sechs Tagen die Woche anfreunden. "Von denen, die bequeme acht Stunden arbeiten, haben wir genug", so der Alibaba-Chef.

Die Medienlandschaft in China distanzierte sich von Ma. Loyalität und harte Arbeit zeige sich nicht durch erzwungene Überstunden, so die Zeitung "People's Daily".

Der Mitgründer von Tesla, Elon Musk, hält viel Arbeitszeit ebenfalls für einen Erfolgsgaranten. Bei Twitter schrieb er, dass niemand die Welt in einer 40-Stunden-Woche verändert hätte. Er selbst habe 120 Stunden pro Woche gearbeitet, als die Produktion in der Firma nicht so lief, wie er sich das erhofft hatte.

Chefs arbeiten meistens länger als ihre Angestellten. Das ist nichts Ungewöhnliches. Jedoch sind nicht alle der Auffassung, dass Erfolg proportional mit der Zunahme der Arbeitszeit steigt. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich für eine "deutsche" Arbeitszeit entschieden. Der 66,3 Milliarden Dollar schwere Gründer des sozialen Netzwerkes arbeitet laut Mitarbeiter Lee Byron meist 40 bis 50 Stunden die Woche und das von Montag bis Freitag. Wenn es brennt, würde er jedoch auch am Wochenende das Büro aufsuchen.

...


Aus: "Karrieretipp von Jack Ma Milliardär empfiehlt die 72-Stunden-Woche" (Mittwoch, 17. April 2019)
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Milliardaer-empfiehlt-die-72-Stunden-Woche-article20975198.html

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« Reply #904 on: April 23, 2019, 05:02:08 PM »
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[...] Immer öfter werden Flüchtlinge, die Deutschland verlassen müssen, in Abschiebehaft genommen. Während die Zahl der Abschiebungen seit 2015 nur leicht zugenommen hat, verdoppelte sich die Zahl der Fälle von Abschiebehaft bis 2017. Zugleich nimmt die Dauer dieser Haft deutlich zu. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Deren innenpolitische Sprecherin Ulla Jelpke verurteilt die Entwicklung: "Ein Resultat der von der Bundeskanzlerin eingeforderten nationalen Kraftanstrengung bei Abschiebungen ist offenbar, dass Geflüchtete immer häufiger und länger in Abschiebungshaft genommen werden, in Einzelfällen sogar Kinder. Ich finde das unerträglich."

Die Antwort der Bundesregierung basiert auf Rückmeldungen aus den Bundesländern, die für Abschiebungen und die mitunter vorangehende Haft zuständig sind. Diese Häftlinge haben sich in der Regel nicht strafbar gemacht, sie sind nur deshalb inhaftiert, um ihre Rückführung zu garantieren. Wurden 2015 noch gut 1800 Menschen zu diesem Zweck eingesperrt, stieg die Zahl 2017 auf gut 4000. In den ersten Monaten 2018 deutet sich ein weiteres Plus an. Die Auswertung der Daten durch einen Experten der Linksfraktion verdeutlicht den Unterschied zu früheren Jahren: Während von 2008 bis 2014 die Zahl der Abschiebungen leicht zunahm, sank die Zahl der Inhaftierungen. Gestiegen ist in den letzten Jahren auch die Dauer der Haft: Die Zahl der Fälle, in denen Geflüchtete mehr als sechs Wochen eingesperrt waren, hat sich seit 2015 etwa vervierfacht.

Immer wieder stellt sich Abschiebehaft später als rechtswidrig heraus, wie oft, ist strittig. Die Bundesländer erfassen nicht systematisch, wie oft Gerichte eine Haftanordnung kippen. Die Linksfraktion geht von einer hohen Zahl aus und beruft sich dabei auf den Hannoveraner Asylanwalt Peter Fahlbusch, der auf solche Fälle spezialisiert ist und zu seinen eigenen Mandanten Statistik führt. Seit 2001 habe er demnach bundesweit 1675 Abschiebehäftlinge vertreten, in knapp der Hälfte der Fälle habe ein Gericht abschließend festgestellt, dass die Haft rechtswidrig gewesen sei. Zusammengerechnet seien dies 21 854 unrechtmäßige Hafttage, so Fahlbusch. Die Linksfraktion fragt, ob man Abschiebehäftlingen nicht automatisch einen spezialisierten Anwalt zur Seite stellen sollte, ähnlich wie bei Untersuchungshäftlingen. Davon aber hält die Bundesregierung nichts: Sie habe "keinen Zweifel", dass bereits jetzt "ein umfassender Schutz von Grund- und Menschenrechten gewährleistet ist".

Jelpke kritisierte die Unkenntnis in diesem Bereich: Es sei "bezeichnend", dass rechtswidrige Abschiebehaft nicht systematisch erfasst werde. "Wer die eigenen Fehler nicht dokumentiert, muss sich auch nicht damit auseinandersetzen", sagte die Politikerin. "Offenbar zählen die Freiheitsrechte von Geflüchteten für deutsche Behörden so wenig, dass sie selbst deren rechtswidrige Inhaftierung billigend in Kauf nehmen - wenn dies der besseren Durchsetzung von Abschiebungen dient."


Aus: "Einsperren, rauswerfen" Bernd Kastner (22. November 2018)
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/politik/asyl-einsperren-rauswerfen-1.4222389

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« Reply #905 on: April 29, 2019, 04:19:43 PM »
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[...] Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will gegen die Ausbeutung von Paketzustellern vorgehen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) weist die Pläne für eine Nachunternehmerhaftung ab – und erhält nun Unterstützung von den Arbeitgebern.

Die Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) lehne Heils Vorstoß ab, große Paketdienste für die Arbeitsbedingungen von Paketboten ihrer Subunternehmer haften zu lassen, sagte dessen Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Der Staat darf seine Aufgabe zur Überwachung der Einhaltung des Mindestlohns nicht einfach auf andere Unternehmen überwälzen“, erklärte er.

Unternehmen könnten andere Unternehmen nicht annähernd so gut kontrollieren wie der Staat, so Kampeter. „Die neuen Gesetzespläne würden daher unverhältnismäßige Haftungsrisiken für die betroffenen Unternehmen bedeuten.“ Die Haftung könnte langjährige Zeiträume umfassen und sich damit zu hohen Beträgen summieren. Zudem könne niemand verlässlich ausschließen, dass ein Vertragspartner Rechtsverstöße begeht, sagte der BDA-Chef. „Wer sich als Arbeitgeber nicht an Recht und Gesetz hält und Beschäftigten nicht den vollen Lohn zahlt und Sozialbeiträge vorenthält, kann und muss nach geltenden Vorschriften bestraft werden.“ Wenn der Staat allerdings Kontrolldefizite bei den Sozialversicherungsbeiträgen sehe, müsse er „seine Kontrollen verbessern statt rechtstreuen Unternehmen neue Haftungsrisiken aufzudrücken“, sagte Kampeter.

Zuvor hatte Bundeswirtschaftsminister Altmaier gesagt, Heils Gesetzentwurf komme zur Unzeit. „Es ist jetzt nicht die Zeit für neue Belastungen der Wirtschaft“, so der CDU-Politiker. „Die Belebung des Wachstums und die Schaffung neuer Arbeitsplätze muss Vorrang haben vor dem Aufbau neuer Bürokratie.“ Altmaier verwies auf die Zuständigkeit der Zollbehörden für die Kontrolle von Arbeitsbedingungen. Der Zoll liegt im Verantwortungsbereich von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ hat Heil einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die großen Paketdienste verpflichten soll, Sozialabgaben für ihre Subunternehmer nachzuzahlen, wenn diese beim Mindestlohn betrügen. So soll der eigentliche Auftraggeber für korrekte Arbeitsbedingungen bei seinen Boten verantwortlich werden.

Heil verteidigte seine Pläne. „Es geht um Recht und Ordnung am Arbeitsmarkt“, sagte er. „Wir wollen Generalauftragnehmer verpflichten, im Zweifelsfall, wenn die Sozialversicherungsbeiträge bei den Subunternehmern nicht einzutreiben sind, auch in Haftung genommen zu werden.“ Dass in der Branche nicht gut bezahlt werde, sei bekannt, und auch daran müsse sich etwas ändern. „Aber dass auch noch der soziale Schutz ausgehebelt wird, ist für mich völlig inakzeptabel.“

Aus der Unionsfraktion im Bundestag kommt ein Vorschlag für eine mögliche Einigung. „Ein guter Kompromiss kann so aussehen: Wir machen sinnvolle Entbürokratisierung bei einigen Vorschriften im Bereich des allgemeinen Mindestlohns und wir nehmen problematische Bereiche wie die Paketbranche stärker in die Pflicht“, sagte Peter Weiß (CDU), arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Unionsfraktion.

Kästen: Wer einen Brief einwerfen will, muss mancherorts weiter laufen als zuvor. Seit 2011 sank die Zahl der Briefkästen in Deutschland kontinuierlich, wie aus einem Bericht der Bundesnetzagentur an ihren Beirat hervorgeht. Waren es Ende 2011 noch 112 381 Kästen, gab es acht Jahre später nur noch 109 791. Das ist ein Rückgang von 2,3 Prozent. Dies wirkt moderat, denn die Briefmenge sinkt seit langem um zwei bis drei Prozent – und zwar pro Jahr.

Leerungen: Die Zahl der Kästen, die auch nachmittags geleert werden, sank um rund 12 600 auf 47 600. Zugleich stieg die Zahl der Kästen, aus denen Briefe nur vormittags geholt werden, um rund 10 000 auf 62 200. Wer also mittags einen Brief einwirft, dessen Sendung wird mancherorts erst am nächsten Tag abgeholt – die Zeit bis zur Ankunft eines Briefs verlängert sich also.

Zustelltempo: Kamen im Jahr 2011 noch 93,7 Prozent der Einzelsendungen am nächsten Tag an, so waren es 2018 nur noch 88,3 Prozent. Trotz der schlechteren Werte lässt sich festhalten: Bei den gemessenen Laufzeiten liegt der frühere Staatsmonopolist noch absolut im grünen Bereich, denn gesetzlich vorgeschrieben ist ein Mindestwert von 80 Prozent. Der Effekt durch die Abnahme von Briefkästen mit später Leerung ist hierbei aber nicht eingerechnet – die Messung startet ab der Abholung der Sendung.

Beschwerden: Im ersten Quartal dieses Jahres gingen 3879 Beschwerden bei der Bundesnetzagentur ein. Eine Vergleichszahl zum Vorjahresquartal liegt zwar nicht vor. Hochgerechnet auf das ganze Jahr wären es aber deutlich mehr als 2018, als insgesamt 12 615 Beschwerden eingingen. Hierbei geht es zum Beispiel um verspätete oder verlegte Sendungen.

Bei den Kundenprotesten geht es um die ganze Brief- und Paketbranche in Deutschland. (dpa)


Aus: "Streit um Schutz von Paketboten" Rasmus Buchsteiner (28.04.2019)
Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/streit-schutz-paketboten-12230846.html

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Rickdiver

Das ganze Konstrukt aus Subunternehmen dient doch nur dazu die Lohnkosten zu drücken. Das wissen die alle ganz genau ...


Quote
NordlichtInF

... Wenn man bedenkt, dass Briefträger und Postboten früher mal Altmaier's Kollegen waren, nämlich Beamte, und wenn man bedenkt, dass zu Zeiten der Bundespost die Zustellung wesentlich zuverlässiger war, ist auch in diesem Punkt der menschenverachtende Neoliberalismus krachend gescheitert. Es geht nur noch um Milionengehälter für Vorstandsvorsitzende, die keinerlei Verantwortung übernehmen und um Dividenden für Aktionäre, die sich Investoren nennen, um ihrer Banalität Bedeutung zu verleihen. ...


...

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« Reply #906 on: May 02, 2019, 09:11:45 AM »
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[...] Als Donald Trump im Jänner 2017 auf dem Westbalkon des Kapitols seinen Amtseid ablegte, saß eine zierliche Dame in einem weißen Parka im abgesperrten Bereich für prominente Gäste, um ihm zuzuschauen. Kaum einer der Reporter, die die Szene beobachteten, nahm Notiz von ihr. Kaum einer wusste, welche Rolle sie für Trump gespielt hatte. Das änderte sich vor gut zwei Monaten mit einem Bericht der "New York Times", der die Geschäftskontakte des heutigen US-Präsidenten zur Deutschen Bank in aufschlussreichen Details dokumentierte. Rosemary Vrablic, die Frau im Parka, war bei der New Yorker Vermögensverwaltung der Frankfurter die Privatbankerin, die sich um Trump zu kümmern hatte. Wie ein Synonym steht ihr Name für eine denkbar enge Beziehung, die sich über beinahe zwei Jahrzehnte erstreckte. Mehr als zwei Milliarden Dollar soll die Bank dem Immobilienmogul in dieser Zeit geliehen haben. An der Wall Street dürfte niemand genauer im Bilde sein als Vrablic, keine andere Finanzinstitution dürfte die Vermögensverhältnisse des Präsidenten besser kennen als die Deutsche Bank. Das hat das Interesse des Repräsentantenhauses geweckt, in dem die Demokraten, die nunmehr die Mehrheit bilden, auf Transparenz drängen.

Bis heute hält Trump seine Steuererklärungen unter Verschluss, womit er gegen ungeschriebene Gesetze verstößt, die den Amtsinhaber im Oval Office zumindest moralisch zur Offenlegung verpflichten. Sicher dürfte sein, dass die Deutsche Bank über Steuerunterlagen verfügt, die er einreichen musste, um seine Kreditwürdigkeit unter Beweis zu stellen – wenn nicht über komplette Steuererklärungen. Gibt sie diese heraus, hat die Opposition auf Umwegen erzwungen, was der Staatschef freiwillig nicht liefern möchte. Zudem könnte die Dokumentensammlung ein Muster belegen, wie es Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen neulich im Zeugenstand eines Kongressausschusses skizziert hatte: dass der Magnat sein Vermögen entweder aufbauschte oder kleinrechnete, wie es ihm gerade passte. Als er den Footballclub Buffalo Bills kaufen wollte und bei der Deutschen Bank vorstellig wurde, nannte Cohen ein Beispiel, habe er tadellose Kreditwürdigkeit herausgestellt. Sei es dagegen um die Höhe der Grundstückssteuer gegangen, habe er den Wert seiner Immobilien eher heruntergespielt.

Die Angst vor brisanten Enthüllungen hat Trump bewogen, bei einem Bezirksgericht in New York Klage gegen das Geldinstitut einzureichen. Gemeinsam mit seinen Söhnen Eric und Donald jr., mit Tochter Ivanka und sieben zur Trump-Gruppe gehörenden Firmen will er der Deutschen Bank untersagen, dem Kongress Unterlagen über eine Geschäftsbeziehung auszuhändigen, die spätestens 1998 begann und erst mit Trumps Einzug ins Weiße Haus ein vorläufiges Ende fand.

Angefangen hat es mit der Anfrage eines Kreditmaklers bei Mike Offit, einem Banker, der von Goldman Sachs zur Investmentabteilung der Deutschen gewechselt war. Ob man, so schreibt es die "New York Times", einem Wall-Street-Paria Geld leihen würde? Hinter Trump lag eine Phase, die ihn um ein Haar in den Ruin getrieben hätte. In Atlantic City war er groß ins Geschäft mit dem Glücksspiel eingestiegen. Als seine drei luxuriösen Spielcasinos nicht die erhofften Einnahmen erzielten, stand er hochverschuldet vor dem Bankrott.

Eine von ihm erworbene Fluglinie erwies sich als Flop, in Manhattan erlitt er Schiffbruch mit dem Plaza Hotel, einem Juwel der Architektur, bei dessen Kauf er sich übernommen hatte. Seine Gläubiger ersparten ihm den Offenbarungseid, denn in ihrer Kalkulation war es das kleinere Übel, dem Mann einen Rettungsring zuzuwerfen, statt ihn untergehen zu lassen, auch wenn man dafür Verluste verbuchen musste.

Nur war danach praktisch kein amerikanisches Geldhaus mehr bereit, dem Beinahe-Pleitier Geld zu leihen. Bei der Deutschen Bank, die um die Gunst prominenter Kunden buhlte, um sich ans der Wall Street einen Namen zu machen, sah man das offenbar anders. 1998 bekam Trump die 125 Millionen Dollar, die er brauchte, um einen Skyscraper in unmittelbarer Nähe der New Yorker Börse zu renovieren, kurz darauf 300 Millionen für den Bau eines Wolkenkratzers gegenüber dem Hauptquartier der Vereinten Nationen. 2003 verkaufte die Bank Anleihen für die Marke Trump Hotel & Casino Resorts, Anleihen, die der Unternehmer im Jahr darauf platzen ließ. Dennoch gelang es ihm, 2005 einen Kredit über mehr als 500 Millionen Dollar für den Bau eines 92-Etagen-Hochhauses in Chicago aufzunehmen. Auch den ließ er, im Zuge der Finanzkrise in Bedrängnis geraten, platzen. Parallel dazu verklagte er die Deutsche Bank. Die Finanzkrise, argumentierten seine Anwälte, sei eine Art Naturkatastrophe gewesen, und im Falle von Naturkatastrophen könne kein Gläubiger auf der Begleichung von Schulden bestehen.

Zu dem Zeitpunkt hatten die Investmentbanker bereits sämtliche Verbindungen zu Trump gekappt. Dafür sprang die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank ein, die reiche Privatkunden betreute und ihrerseits expandieren wollte. Verantwortlich war Rosemary Vrablic. Über 300 Millionen Dollar sollen unter ihrer Ägide an den Baulöwen geflossen sein. Unter anderem für ein altes Postgebäude im Zentrum Washingtons, das zum Luxushotel umgebaut wurde und in dem Diplomaten Empfänge veranstalten, wenn ihre Länder sich beim Präsidenten Trump einschmeicheln wollen.



Aus: "Trumps delikate Geschäfte mit der Deutschen Bank" Frank Herrmann (Washington, 2.5.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000102349805/Trumps-delikate-Geschaefte-mit-der-Deutschen-Bank

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« Reply #907 on: May 02, 2019, 02:32:50 PM »
Quote
[...] Vor dem S-Bahnhof Berlin-Grunewald herrscht beinahe Partystimmung. Technobässe wummern über den Platz, auf dem mehrere Tausend Menschen in der Sonne stehen.

Bands spielen, Väter tragen ihre Kinder auf den Schultern. Plakate mit Sprüchen wie „Deine Geldanlage ist unser Zuhause“ oder „Heuschrecken grillen“ verraten jedoch, dass es um mehr als ums Feiern geht.

Auf einer Bühne steht ein Mann, auf seinem T-Shirt „Deserteur“. Er stellt sich als Breatt vor und erklärt, worum es hier geht: Berlins Nobelviertel Grunewald sei ein „Problembezirk“.

Man habe sich heute versammelt, um den reichen Villenbesitzern am Gartenzaun beizubringen, welche gesellschaftlichen Verwerfungen sie auslösen: Vielen sei ja offenbar gar nicht klar, wie sie mit ihrem „stetig wachsenden Immobilienportfolio und Renditeerwartungen Leute in ärmeren Bezirken aus ihrem Zuhause rausschmeißen“.

Es ist das zweite Jahr in Folge, dass das linke Bündnis Hedonistische Internationale am 1. Mai zum „Kiezspaziergang“ durch den Grunewald eingeladen hat. 2018 kamen rund 3000 Teilnehmer, in diesem Jahr dürften es noch mehr gewesen sein. Die Veranstalter sprechen von mehr als einer Verdoppelung. Eine offizielle Zahl gibt es zunächst aber nicht.

In der deutschen Hauptstadt, einst arm, sexy und billig, gibt es kaum ein Thema, das so viele Menschen bewegt wie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Wohl auch deswegen diskutiert Berlin ernsthaft darüber, ob die Stadt Wohnungsbaugesellschaften wie die Deutsche Wohnen SE enteignen sollte.

Weil die Sache so wichtig sei, sei es auch wichtig, friedlich zu bleiben, sagt Organisator Breatt. Im vergangenen Jahr hatte es hier rund 100 Strafanzeigen gegeben, die meisten wegen Sachbeschädigung, weil die Demonstranten Fassaden besprüht oder Sticker auf Autos geklebt hatten. An diesem 1. Mai verlief die Demonstration bis zum späten Nachmittag gewaltfrei.

Lustig machen über die „Bonzen“ wollte man sich natürlich trotzdem. Zum Beispiel über den CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Dieter Gröhler: Der habe in einem Schreiben den Anwohnern empfohlen, „hochpreisige Fahrzeuge in Sicherheit zu bringen und ihre Toranlagen geschlossen zu halten“. Im Publikum höhnisches Gelächter. „Toranlage! Jeder Bezirk hat eben seine eigenen Probleme“, sagt Breatt.

Doch auch unter den vermeintlichen Bonzen gibt es Sympathisanten. Eine davon ist Birgit Huber, eine Dame um die 50, die mit ihrer teuer wirkenden Kleidung in der Masse auffällt.

Sie lebe in Charlottenburg, verdiene als Geschäftsführerin eines Krankenhauses sehr gut und zähle sich selbst zu den oberen Zehntausend. „Vor anderthalb Jahren habe ich beschlossen, wieder demonstrieren zu gehen“, sagt sie. Weil sie das Gefühl habe, in der Gesellschaft sei etwas ins Rutschen geraten.

„Die Ungleichheit in unserer Gesellschaft gefährdet die Demokratie.“ Sie sei heute hier, um die Eliten daran zu erinnern, dass mit Geld auch eine besondere gesamtgesellschaftliche Verantwortung komme.

„Ich habe das Gefühl, viele reiche Menschen in Deutschland haben die Bodenhaftung verloren.“ Insofern ergebe es Sinn, im Grunewald und nicht, wie früher, in Kreuzberg zu demonstrieren.

Weniger optimistisch, dass die Demonstration die Menschen hinter ihren Villenzäunen wachrütteln kann, ist dagegen der Kneipenbesitzer Christian, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte.

Er hält ein großes Plakat in die Höhe: „Syndikat bleibt“, steht darauf geschrieben. Die Eckkneipe „Syndikat“ ist eine Institution in Berlin-Neukölln.

Vor einigen Monaten wurde Christian und den anderen Kneipenbetreibern nach 33 Jahren der Pachtvertrag gekündigt. „Ohne jede Begründung“, sagt er.

Der Eigentümer sei eine Briefkastenfirma, und hinter der steckten Investoren, die irgendwo in Grunewald wohnten. „Die verschanzen sich hier in ihrem Villenviertel und zerstören unsere Existenz.“

Verdrängung, Zwangsräumung, Wohnungsnot und hohe Mieten sorgen in Berlin sehr viele Menschen. Weniger als ein Prozent der Wohnungen steht in der deutschen Hauptstadt leer.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Mietpreise verdoppelt – nirgendwo sonst im Land steigen sie so rasant.

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft dürfte sich die Lage in den kommenden Jahren sogar noch verschärfen, denn Berlins Bevölkerung wächst schneller als die jeder anderen Stadt im Land.

Die Berliner Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen sammelt derzeit Unterschriften, um ein Volksbegehren zu beantragen. Sie verlangt, Unternehmen, denen mehr als 3000 Wohnungen gehören, gegen Entschädigung zu „vergesellschaften“.

Eine der Organisatoren ist Susanna Raab, eine kleine blonde Frau, die mit einem Unterschriftenzettel in der Menge steht. Die Soziologin setzt sich seit Jahren in verschiedenen Projekten für mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt ein. Berlin steuere geradewegs auf eine Katastrophe zu, wenn die Stadt jetzt nicht schnell handele.

Ihre Forderung nach Enteignungen sei schon radikal, sagt sie selbst. Die Stadt sei aber an einem Punkt, an dem nur noch radikale Lösungen helfen könnten.

In Berlin würde zwar neuer Wohnraum gebaut, aber viel zu teuer und damit völlig am Bedarf vorbei. „Zwei Drittel aller Berliner verdienen so wenig, dass sie Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein haben“, sagt Raab.

Die Stadt müsse ihren Bestand an bezahlbaren Mietwohnungen daher deutlich erhöhen – das ginge kurzfristig am besten über Enteignung: „Wir sind überzeugt, dass das eine mietpreisbremsende Wirkung auf die gesamte Stadt hätte.“

Offenbar gibt es eine ganze Menge Menschen in Berlin, die ihrer Meinung sind. Der Unterschriftenblock von Susanna Raab füllt sich schnell. Um ein Volksbegehren zu beantragen, braucht die Initiative 20.000 Unterstützer. Raab sagt, die nötigen Unterzeichner hätten sie schon locker zusammen.


Aus: "Enteignungsdemo im Villenviertel" Tina Kaiser (02.05.2019)
Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article192790071/1-Mai-in-Berlin-Enteignungsdemo-im-Villenviertel.html

Quote
jobst v.

 Ich würde es mal mit Arbeit probieren. Arm und sexy war Euer Motto, jetzt kommen die Konsequenzen.


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Graf Krollock

 Bei Demonstrationen schau ich immer gerne in die Gesichter der Demonstranten. Kann ich mich mit den Teilnehmer identifizieren?
Schau ich mir die Gesichter dieser Leute an, ganz sicher nicht: Alle Wohlstandskinder ohne jegliche Leistungsbereitschaft.


Quote
Günter F.

 Wird es Zeit dieses Land zu verlassen ? Klima Greta, Enteignungs- Fetischisten und die Antifa, die auch bei dieser Demo fleissig mitläuft, sorgen bei mir für ein flaues Gefühl.  Ich bin wahrlich kein Freund von Turbokapitalismus, aber ohne klare Differenzierung geht es auch nicht. Ich als normaler Arbeiter und Steuerzahler sage es einmal so, es gibt auch und das ist die klare Mehrheit, auch anständige Geldsäcke !

Quote
Fingerinderwunde F.

 Die leute die enteignen wollen, haben selber nichts auf die reihe bekommen.
Wollen aber das haben was den anderen gehört.
Kommt mir bekannt vor.


Quote
Marcus W.

 Und wenn man den Bestand an bezahlbarem Wohnraum dann erhöht hat, kommen wieder doppelt so viele neue Hipster nach Berlin, wie es Wohnungen gibt ....


Quote
Carl T.

 Allein schon die Debatte um Enteignungen wird Deutschland weiter runterziehen und ärmer machen.
Investitionen werden zurückgestellt, nicht nur bei Immobilien, dank SPD Kühnert auch in der Industrie.
Vermögende machen sich aus dem Staub und der Kuchen wird noch kleiner werden. ...


Quote
Betty B.

 Aus diesen Demonstranten und ihren Forderungen spricht der pure Neid.
Sie haben es zu nichts gebracht und machen andere dafür verantwortlich.


Quote
Susanne S.

 Ich bin wirklich geschockt ueber diese meiner Ansicht nach dumme Kurzsichtigkeit dieser sogenannten
Demonstranten. Denken diese wirklich das den Eigentuemern dieser Grundstuecke  nichts dafuer getan
haben um diese zu besitzen? Also muessen diese enteignet werden um ihnen einen besseren Lebensstandard zu bescheren?
Zusaetzlich bin ich geschockt ueber den Stil der Berichterstattung von Welt!


Quote
Uwe T.

 Stimmt, der Inhaber von KIK bezahlt Mindestlohn an seine Mitarbeiter und wohnt selbst in einer Villa.


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Monika S.

 Ich wohne am Stadtrand von München und war kürzlich in Berlin....für was protestieren die eigentlich? Noch billiger als dort gehts ja schon fast nicht mehr....


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Arne D.

 Naja, aus Sicht der sozialistischen Träumer in Berlin ist es eine Zumutung, überhaupt für etwas zahlen zu müssen, das ja schon da ist.


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Heiko T.

 Sind diejenigen, die die Wohnungsknappheit beklagen, nicht dieselben, die für  offene Grenzen sind und am liebsten ganz Afrika nach Deutschland holen wollen ?
Über 2 Millionen illegale Migranten in den letzten Jahren, dazu jährlich noch 2,3 Großstädte zusätzlich - die wandern nicht nur in unsere Sozialsysteme ein, die benötigen auch hunderttausende Wohnungen !


Quote
Udo G.

 Die einfachen kausalen Zusammenhänge zu erkennen ist halt nicht die Stärke der linksorientierten Gesellschaft in Berlin.


Quote
Carlos T.

 Wenn ich mir ansehe wer da so mitläuft, wird mir ganz anders. Menschen die ihre Kinder instrumentalisieren. Oder welche die überhaupt keine Lust haben für ihr Geld zu arbeiten. Bzw. sich den gesellschaftlichen Normen nicht anpassen wollen. ...


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Pina L.

 Ja haben wir denn wieder Sozialismus?


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A. W.

 Wahrscheinlich sind die Mieten noch nicht hoch genug, da es Leute immer mehr nach Berlin, Hamburg oder München zieht. Warum soll ich die Miete nach den Wünschen der Mieter anpassen.  ...


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luka p.

 Die Sonnenbrille für 400 Euro, aber dem russischen Kindermädchen 1,50 Euro zahlen, das sind diese Dauerdemonstranten, man hat wichtigeres zutun als auf seine Kinder aufzupassen. Und was mich persönlich aufregt, es ist immer Berlin, man hat es ja. Man sollte diese Stadt den 4 Siegermächten zurückgeben.


Quote
John L.

 Das lustige, oder traurige - je nachdem wie man es sehen will - an der Sache ist das es wahrscheinlich gerade die Wähler von SPD und Grüne sind die auf die Straße gehen und nach Enteignung schreien und dabei vergessen haben das es genau diese Parteien waren die vor 15 Jahren dafür verantwortlich waren das über 50000 Wohnungen zu einem Spottpreis verscherbelt worden sind. An wen? An genau jene die man jetzt enteignen will...


Quote
Mark B.

 vielleicht sollten wir denen allen mal eine Woche Venezuela / Cuba Urlaub schenken, dann können sie sich ja selber ein Bild davon machen, wie gut Sozialismus und Enteignungen funktionieren. Und zum Thema "günstiger" Wohnraum, sollen sie mal mit ihrer Wunschpartei den Grünen sprechen, die durch ihre Auflagen größtenteils dafür verantwortlich sind, dass man unter €3.000 / qm nicht mehr bauen kann und die vor allem in Berlin kaum noch Flächen freigeben..


Quote
Primus V.

 Die Neidgesellschafft geht auf die Strasse.
Schon bedrückend, dass die Menschen die Konsequenzen ihrer Wahlentscheidungen nicht verstehen.
Selbst wenn sie von der Realität eingeholt werden und soviel Leidensdruck verspüren, dass sie auf die Strasse gehen, können sie Ursachen und Wirkung nicht einschätzen.


Quote
Uwe H.

 Wie sehen eigentlich die Antworten der AFD zu diesem Thema aus oder ist das noch wichtig?


Quote
Christan M.

 Bitte uns hängen deren Plakate: keine Enteignung!

Soweit eindeutig..


Quote
Christiane B.

 Nicht alle Wohlhabenden sind Mietspekulanten oder Lottogewinner. Viele arbeiten jahrzehntelang 60 bis 70 Stunden die Woche. Danach sehen die meisten Demonstranten nicht aus. ...


Quote
Stefan U.

 Warum demonstrieren die eigentlich nicht vorm Abgeordnetenhaus oder der EZB? Da sitzen die eigentlichen Verursacher der Misere...aber billiges Ressentiment gegen Bonzen ist halt einfacher. Und endet, wie Kollege Don schon richtig festgestellt hat, bei aller Konsequenz im Gulag.


Quote
Alexander G.

 Bei "Enteignung" denken jetzt viele, dass tatsächlich die"Grossen" dran wären. Wobei fast Niemand etwas mit Namen wie BlackRock, Norges, Lansdowne Partners, Massachusetts Financial Services anfangen kann. Diese Gesellschaften haben ihren Sitz gar nicht in Deutschland. Ob ein paar Naivlinge im Grunewald runtorkeln ist denen egal. Diese Unternehmen sind rechtlich nicht erreichbar. Was die Leute nicht verstehen ist, dass die "Grossen" die Politik machen. ...


Quote
Paul O.

 Soso, die Bösen wohnen also im Grunewald. ...


Quote
Frank P.

 Solche Enteignungs-Phantsien schrecken alle ab, die bereit sind in Deutschland zu investieren. Man sollte sich darüber klar werden, welch ein Bild hier nach außen getragen wird. ...


Quote
Wolfgang E.

 Hässliche Bilder mitten aus Deutschlands sog. Mitte der Gesellschaft.


Quote
Thomas H.

 Wie lange schauen wir uns schon die linksgrüne Versuchsanstalt „Berlin“ an, pumpen Jahr für Jahr Milliarden Hart verdienter Steuergelder dorthin, damit sie dort ihren marxistischen Fasching feiern können?? ... Vermutlich versorgen wir die Leistungsverweigerer inzwischen zu gut. Verbunden mit zuviel Freizeit steigt das einigen wohl zu Kopf.

Und Kevin, Du der das Berufsleben nur aus der Theorie kennst, willst hier den grossen intellektuellen Zampano spielen und den Leistungsträgern erklären die Welt funktionieren sollte. Das war Anfangs ganz amüsant. Doch Du solltest Dir langsam mal einen richtigen Job besorgen.


Quote
Kalle

 Natürlich, sie Neiddebatte wird weiter gepflegt. Ich wohne auch zur Miete, bin abhängig Beschäftigter. Wenigstens gehe ich einer Tätigkeit nach, das lässt sich bei den "Aktivist$€¥¢×#*... Innen" vom "Syndikat" nicht so einfach vermuten.
Und ich habe den Mut zu zugeben, dass ich nicht mein Geld einem unternehmerischen Risiko aussetze, um zu investieren. So bin ich nicht der Verwirklicher von Geschäftsideen, sondern eher meiner egoistischen Konsumwünsche.
Daher kann ich auch nicht Eigentum schaffen, dass andere beneiden und ohne eigene Leistung begehren.
Vor meiner Toreinfahrt im Wohnhaus hat übrigens keiner demonstriert.


Quote
Benis Johnson

 Das ist ehrenhaft, schön den Gratismut zur Schau zu stellen!


Quote
Rantamplan

 Die Mieten in Berlin sind weder im nationalen, noch im internationalen Vergleich hoch. Sie bewegen sich lediglich ausgehend von sehr niedrigem Anfangsniveau Richtung Normalität. ...


Quote
Andres A.

 Wir werden erleben, dass die Leute sich einzäunen werden. Dann fährt nur noch der rein, der darf. Die anderen beissen die Hunde, später dann (so in 10-15 Jahren, wenn wir nochmal 3 Mio Kulturfremde mehr hier haben) wird scharf geschossen.


Quote
Nordlicht

 Vor 30 Jharen gingen die Bürger der DDR auf die Straße um das System des real existierenden Sozialismus abzuschaffen. Heute wird für die Wiedereinführung der DDR demonstriert. ...


Quote
Conrad L.

 Vor einigen Jahren habe ich nah einer Wohnung in Berlin zur Geldanlage gesucht - ich bin ja selbstständig und muss mich für die Rentenzeit irgendwie aufstellen und absichern.
Der Invest fand dann aber in Rostock statt.
Den Mietern der vermieteten Wohnung, die ich kaufte, sagte ich mit dem Kauf (sozusagen zur Beruhigung) zu, die Miete 5 Jahre nicht erhöhem zu wollen - obwohl diese zum Kaufzeitpunkt eher niedrig war.
Warum ich in Berlin nicht investierte: Misstrauen gegen die linke Regierung und gegen Teile der Stimmung in der Stadt.
Ich glaube, die Rostocker hats gefreut.


Quote
Lothar R.

 Das ist doch Prima, was die Geschäftsführerin des Krankenhauses sagt, ich hoffe doch, dass sie ein Wohnhaus baut und es deutlich unter Marktwert an die mit Demonstranten vermietet. 


Quote
Birgit D.

 Die Enteignugsfantasien linker und grüner Politiker sind verfassungswidrig und gefährden den sozialen Frieden in Deutschland ...


Quote
MaKiLu

 Wurden auf der Demo auch "Refugees Welcome" Banner herumgetragen?

Das hätte die Schizophrenie und das völlige Fehlen von wirtschaftlichem Basisverständnis besonders schön gezeigt. "Links" in Deutschland ist nur noch ein "Lifestyle" - unreflektiert, einseitig und ohne den Anspruch, noch irgendetwas mit der Realität zu tun zu haben.


Quote
Dr. M.

 Als "Irgendwas-mit-sozial"-Student wird man sich nie ein Haus in Grunewald leisten können. Da hilft auch kein Trommeln am Tag der Arbeit.


Quote
Nadja S.

 Es geht auch nicht drum, sich ein Haus in Grunewald leisten zu können. Das Schlimme ist ja, dass man sich als Normalverdiener auch eine normale Wohnung in Kreuzberg nicht mehr leisten, wenn die Mieten ständig steigen und man aus seinem Zuhause vertrieben wird. ...


Quote
Gerhard B.

 Wenn das so weitergeht werden „die Reichen“ Berlin und Deutschland verlassen und ihr Geld und Vermögen z.B. in der Schweiz anlegen, dort ist es sicher vor Enteignung und linksgrüner Verleumdung.
Das tut sich auf Dauer niemand an. ...


Quote
Daniel D.

 Alle reden von der braunen Suppe, rechter Rand, Nazis, Populisten...
Aber was ist mit der Linken und Grünen Gefahr für Deutschland? ...


Quote
Hans K.

 Naja auch wenn ich die Meinung der Demonstranten nicht teile, sind Soziologinnen und Kneippenbesitzer weniger beängstigend als eine Horde Glatzen.


Quote
albin h.

 Es geht hier nicht um Arm und Reich.  Es geht hier darum wer fuer die billigen Mieten zahlen soll.  Der Mieter, der Vermieter, Steuerzahler oder der liebe Gott? 


Quote
Moritz L.

 Berlin muss aufpassen mit allem. Wäre ich Investor, ich würde nicht in Berlin sondern woanders investieren. Diese Demos will kein Investor hören oder sehen.


Quote
Dominik R.

... Arbeit muss sich lohnen das bedeutet nicht dass jeder 100.000€ verdienen muss denn das wäre nur weitere Geldentwertung. Andersherum wird ein Schuh daraus, wer nicht arbeitet der muss nicht alles haben können. ...


Quote
Claudia M

 Berlin, das Mekka der Leistungsempfänger, möchte noch mehr Multi und Kulti, noch mehr Menschen und wundert sich über Probleme. ...


Quote
Peter R.

 Unser Land verkommt total. Gibt es nur noch Irre? ...


Quote
christian h.

... Weniger Sozialismus wagen!


Quote
Homunkulus

 Sozialismus funktioniert nicht. Mehr ist dazu nicht zu sagen.


Quote
Christopher Marlowe

 Spielen die '68?


Quote
Renate S.

 Mir riechen diese "Spaziergänge" nach beginnendem Progrom. ...


Quote
Piepengrün

... Verwelkte, Verkrampfte, Verhetzte.
Geisterstunde in Deutschland.


Quote
Morpheus

 Diese Leute tun nichts für die Allgemeinheit. Denen geht's nur ums eigene Süppchen. Sie wollten vor allem sich selber schützen.
Gentrifizierer der ersten Stunde sind das, die jetzt durchdrehen.


Quote
Niko L.

 Dann lasst uns die enteignen, die das fordern: Grüne, Linke und Teile der SPD, sowie ihre Wähler. Damit wäre ich vollkommen einverstanden. ...


Quote
Uwe M.

 Einfach nur peinlich.
Was ist aus der Leistungsgesellschaft geworden?
Was haben wir da groß gezogen?


Quote
Teetrinker

 "die mit ihrer teuer wirkenden Kleidung in der Masse auffällt."

Ein. Brüller!


Quote
Köln GD

 Kommunisten, Spinner und Individuen, die weder eigene noch gesellschaftliche Werte geschafft bzw. schaffen werden.

Über Generationen staatlich versorgter 68er Bildungsplebs.


Quote
Michael Z.

 Die Leute auf den Abbildungen sehen nicht so aus, als hätten diese jemals einen Stein bewegt. Das überlässt man gerne anderen.


Quote
Feli citas

 Mein Papa (Diplom-Mathematiker) ist sein Leben lang 1.5h mit der Bahn nach München hin und 1.5h wieder zurück gependelt. Eine Wohnung hätten wir uns dort auch noch leisten können. Stattdessen hat er seiner Familie ein Kleinstadtleben ermöglicht und ich erbe 3 Häuser. Seine Kindheit verbrachte er übrigens mit Ochsenpflug auf dem Feld! Von nichts kommt nichts, liebe Linken.


Quote
DerDreisatz

 Richtig, nichts wertvolles fällt einem einfach so zu. Wer erfolgreich sein oder reich werden will, hat zwangsläufig eine Zeit der Entbehrungen. Das kann sogar über Jahrzente gehen, ohne Garantie auf Erfolg.

Und wer Kinder hat, wird ohnehin versuchen, dass es ihnen besser geht und wenn es auch nur drei Häuser auf dem Land sind.


usw.

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« Reply #908 on: May 03, 2019, 01:09:39 PM »
Quote
[...] Ein Nachmittag in Berlin-Kreuzberg, es geht auf halb drei zu, da beugt sich eine Kundin beim Aldi in der Markthalle derart weit in die Tiefkühltruhe hinab, dass ihr die Kapuze ihres Parkas auf den Kopf rutscht. Als sie wieder auftaucht, hält sie tiefgefrorene Barbecue-Chicken-Wings in den Händen. Klonk, die Tüte landet im Einkaufswagen. 2,99 Euro.

Einen Gang weiter schiebt eine alte Frau mit Kopftuch leere Wasserflaschen in den Schlund des Pfandautomaten. Sie hat viele Flaschen dabei und man könnte auf die Idee kommen, dieser vergilbte Automat höre erst dann auf, zu surren, wenn Deutschland den Einwegpfand wieder abschafft. Aber so ist es nicht. Nach mehr als 40 Jahren ist Schluss. Aldi muss raus aus der Markthalle, die Betreiber haben den Mietvertrag gekündigt.

Gegen die Kündigung hat sich Widerstand formiert im östlichen Teil Kreuzbergs, nach der alten Postleitzahl auch Kreuzberg 36 genannt. Manche Anwohner wollen ihren Aldi retten, einen von zwei Discountern in der näheren Umgebung. Es sind nicht alle Anwohner, aber auch nicht wenige. Sie haben sich zusammengefunden, Flyer in den umliegenden Cafés und Spätis ausgelegt, Bezirkspolitiker kontaktiert. Den Protestierenden sind die Händler in der Markthalle zu teuer, andere kritisieren, dass viele Stände nur an einigen Wochentagen besetzt sind. Rund 300 Menschen demonstrierten Ende März vor dem Eingang zur Markthalle. Sie hielten Schilder hoch, "Omi braucht Aldi!" stand auf einem, "Kreuzberg 36 wehrt sich!" auf einem anderen. Irgendwann rief der Organisator der Demo ins Mikrofon, man solle sich doch mal bei den Kassiererinnen bedanken, für ihre gute Arbeit. Klatschen, Jubelrufe.

Applaus für Aldi. Absurd. Das empfanden auch manche Demonstranten so. Denn natürlich waren sie nicht eigentlich da, um einen Aldi zu retten. Ein milliardenschweres Unternehmen mit mehr als 4.000 Geschäften allein in Deutschland braucht keinen Zuspruch von der Straße. Die Demonstranten waren da, um das, was danach kommt, zu verhindern: die weitere Verdrängung. Die Markthalle Neun gilt als Gentrifizierungsmotor in einem Kiez, in dem mehr als ein Viertel der Menschen von staatlichen Transferleistungen abhängig ist.

Abgesehen vom Aldi, der seit 1977 dort ist, sieht die Markthalle aus wie der Instagram-Account eines Foodies. Überall kleine Stände, die Snacks aus aller Welt anbieten, es gibt Biogemüse in Bastkörben, Dinkelcroissants neben Schrotbrot, geräuchertes Duroc-Schwein und natürlich grüne Smoothies. An Ort und Stelle gerösteten Fairtrade-Kaffee kann man auch kaufen. Riecht gut hier, sieht auch gut aus. Auf Immobilienportalen werden Wohnungen in der Umgebung mit der Nähe zur Markthalle beworben. Beim wöchentlichen Streetfood Thursday werden kalifornische Tacos, chinesische Nudeln und marokkanische Tajine angeboten. Die Besucher sind so international wie die Imbisse, hier trifft sich das kosmopolitische neue Berlin. Und plötzlich verkörpert der Aldi in Sichtweite für die Alteingesessenen ein stabiles Früher, wirkt der Außenposten des Albrecht-Imperiums fast wie ein Hausbesetzer.

Versteht man den Discounter in der Markthalle als Relikt, mag sein Ende zwangsläufig wirken. Man kann in dem Laden aber auch, ganz im Gegenteil, ein Symbol der Koexistenz erblicken. Zwischen denen, die das Geld haben, um ihren Konsum moralisch zu unterfüttern; und denen, die es eben nicht haben. Zwischen denen, die die Welt ein wenig retten können; und denen, die sich irgendwie über die Zeit retten müssen. Zwei Lebenswelten unter einem Dach.

Das würde sich ändern, wenn für Aldi eine Filiale der Drogeriemarktkette dm einzöge. So planen es die Markthallen-Chefs Bernd Maier, Florian Niedermeier und Nikolaus Driessen. Der Vertrag mit dm ist schon unterschrieben. Dass der Gegenwind so heftig geworden ist, hat die drei überrascht. Sie fühlen sich missverstanden, wurden sogar schon bedroht. Bei einem Treffen in der Markthalle erzählt Bernd Maier, ein studierter Gartenbauer, der ursprünglich aus Augsburg kommt, dass die Entscheidung für dm auch eine unternehmerische sei. Er sei für 450 Arbeitsplätze verantwortlich, die an der Markthalle hingen. Um den Betrieb dauerhaft zu sichern, brauche er die zusätzliche Kaufkraft jener Kunden, die der Drogeriemarkt anziehen würde. Die Leute würden immer denken, die Markthalle Neun sei ein Selbstläufer, sagt Maier, das stimme aber nicht. Einige Händler würden ohne Events wie den Street Food Thursday nicht überleben.

Für Maier ist der Aldi natürlich auch ein Symbol, aber nicht für selbstbestimmte Konsumenten, sondern für eine unökologische und letztlich auch unmenschliche Produktionsweise. "Die deutschen Discounter sind doch mitverantwortlich für die desaströsen Verhältnisse in der Agrarwirtschaft", sagt Maier. "Wir versuchen hier seit acht Jahren eine alternative Lebensmittelwirtschaft zu etablieren, zusammen mit den Händlern und den Erzeugern." Auch in der Markthalle könne man günstig einkaufen. Man müsse sich halt ein paar Gedanken machen. Und man müsse selber kochen.

Maier streitet für die Ernährungswende, für ökologischen Anbau, nachhaltige Ernährung, artgerechte Tierhaltung. Im Grunde alles richtig. In der Debatte mit den Anwohnern hat er dennoch den Nachteil, dass er sich lang und breit erklären muss. Und Erklärungen neigen eben dazu, kompliziert zu werden, gerade wenn es um ein weltumspannendes Thema geht. Da hat nicht jeder Verständnis. Wenn hier und jetzt das Geld alle ist und der nächste Regelsatz erst in zwei Wochen kommt, dann kann man es schon als Privileg anderer Leute empfinden, sich überhaupt über globale Zusammenhänge Gedanken zu machen. Dann ist das beste Argument eben ein Preisschild mit einer kleinen Zahl.

Warum aber lassen sich die Betreiber überhaupt auf diese Diskussion ein? Warum entscheiden sie nicht einfach? Für die Antwort muss man fast zehn Jahre zurückgehen, ins Jahr 2010. Damals bewarb sich das heutige Betreiber-Trio mit einem Konzept um die Markthalle. Einen "Mikrokosmos von großer Vielfalt" wollten die drei schaffen, mittelfristig ohne Discounter, das stand von Anfang fest. Der Bezirk fand das Konzept gut, viele Anwohner auch. Deshalb bekamen sie die Halle nicht im Höchstbieterverfahren, sondern zum Vorzugspreis von 1,15 Millionen Euro. An die Übernahme waren Bedingungen gekoppelt, unter anderem ein kostengünstiges Nahversorgungsangebot.

Die Linke im Bezirk sieht dieses Angebot nun in Gefahr und trommelt für den Erhalt des Discounters. Der Fraktionsvorsitzende in Friedrichshain-Kreuzberg, Oliver Nöll, sagt, dass viele Anwohner auf das günstige Angebot angewiesen seien. Tatsächlich ist die Aldi-Filiale in der Markthalle überdurchschnittlich gut besucht. "Ich glaube nicht, dass es die Betreiber auf Dauer schaffen, gegen den Druck so vieler ihre Pläne aufrechtzuerhalten", sagt Nöll.

Den Protest gegen die Schließung des Aldi hat Stefanie Köhne organisiert. Sie ist Filmemacherin, 56 Jahre alt und wohnt direkt an der Markthalle. Köhne gehört nicht zu denen, die sich nur Aldi leisten können, sie kauft regelmäßig frische Lebensmittel an den Ständen – aber eben nicht nur. "Im Durchschnitt sind die Produkte dort sehr teuer", sagt sie. Ein Großteil des Angebots sei hochprofessionell vermarkteter Luxus. "Die Betreiber tun aber immer so, als sei ihre Halle ein Refugium kleiner Krauter."   

Für Köhne ist klar: So ein Riesenkasten wie die Markthalle müsse für den ganzen Kiez da sein, niemand dürfe ausgeschlossen werden. Was sie ärgert, sei die Selbstverständlichkeit, mit der die Betreiber aufträten. Dass sie mit großen Worten hantierten, hinter denen die Anwohner verschwänden. "Die Ernährungswende muss bezahlbar sein und alle mitnehmen, sonst ist es keine Wende", sagt Köhne. "So lange wir die bessere Zukunft noch nicht haben, wollen wir weiter günstig einkaufen können."

Ende Juli muss Aldi die Filiale in der Markthalle geräumt haben. So lange ist noch alles wie immer. Holzpalettenspalier unter Neonröhrensummen. Im Resteregal vor den Kassen stehen eingeweckte Pfirsiche, sie drücken gelbfleischig gegen das Glas, Abtropfgewicht 780 Gramm. Eine Kundin scheint kurz zu überlegen, kauft dann aber doch nur das, was schon auf dem Band liegt: Mandelmilch, Vitamin-B12-Kapseln, ein Bund Narzissen. "Stimmt es denn, dass Sie bald weg sind?", will sie von der Kassiererin wissen. "Ja", antwortet die, "wir landen in 'ner anderen Filiale."

Wer niemals rechnen musste, kann die Symbolkraft eines Aldi schwer nachvollziehen. Wer nicht weiß, wie es ist, den Cent ganz unmetaphorisch zweimal umdrehen zu müssen. Wie es ist, sich in den meisten Läden fehl am Platz zu fühlen. Außer eben dort, wo die Preise auf Augenhöhe sind. Und sind die Hähnchen noch so chlorig, und sind die Tomaten noch so holländisch: Man kann sie sich leisten.

Das Argument, ein Drogeriemarkt erweitere das Angebot in der Halle, ist richtig. Nur heißt es eben auch, dass der Kundenkreis künftig enger wird. Denn gerade weil Aldi das Sortiment der Stände auf einem niedrigen Preisniveau spiegelt, führt der Discounter Menschen aus unterschiedlichen Einkommensverhältnissen in der Markthalle zusammen. Alle bekommen hier eine Gurke, ein Brot, ein Bier. Genauer: ihre Gurke, ihr Brot, ihr Bier. "Markthalle für alle" also, um noch einen Slogan der Pro-Aldi-Demonstranten zu zitieren.

Auf der Webseite der Markthalle haben die Betreiber Dutzende Zuschriften aus dem Kiez veröffentlicht und kommentiert. Ein Anwohner vergleicht dort beispielhaft den Preis der Laugenbrezel von Aldi (29 Cent) mit dem der Laugenbrezel vom Biobäcker in der Halle (1,49 Euro). Die Betreiber antworten: "Die Biobrezeln von endorphina werden in Handarbeit in Neukölln hergestellt. Wir halten es für fair, dass von dem Preis einer Brezel der Bäcker, der Müller und der Landwirt leben müssen. Geht das bei 0,29 €?" Die Betreiber mögen auch recht haben, wenn sie sagen, dass die niedrigen Discounterpreise zulasten anderer gehen. Wenn sie Solidarität mit Bauern, Metzgern, Bäckern fordern. Dennoch hat die gut gemeinte Empfehlung auch etwas von "Sollen sie doch Kuchen essen", denn sie beruht auf der Vorstellung einer idealen Welt. Was ist mit den 1,20 Euro Differenz?

Durchlässigkeit funktioniert eben nur in eine Richtung. Ein Akademikerkind, das auf Kosten der Eltern, sagen wir: Theaterwissenschaft studiert, kann sich eine Freitagnacht lang mit den Stammgästen in der Eckkneipe verbrüdern. Mit jenen, die ihr Leben am Tresen weichzeichnen, nicht auf dem iPhone. Andersherum würden Leute aus der Korn-Cola-Fraktion niemals auf die Idee kommen, den Gegenbesuch in einer Bar anzutreten, in der ein Negroni acht Euro kostet. Vielleicht aus Scham. Auf jeden Fall aber, weil diese Menschen ihren Rausch dort nicht bezahlen könnten. Es ist weder eine Frage des Horizonts, noch eine des Wollens. Es ist eine Rechenaufgabe, ganz einfach.

Draußen vorm Aldi, also fast draußen, denn da ist ja noch das hohe Markthallendach, sitzt ein Mann und trinkt Bier aus einer Plastikflasche, Maternus Gold, Aldis Eigenmarke. Er sitzt dort auf eine eindeutige und doch schwer zu beschreibende Art, die einem sagt, dass er oft dort sitzt und lange. Er lehnt an der hölzernen Rückwand eines Verkaufsstandes. Auf der anderen Seite der Wand werden Salze verschiedener Feinheit und Farbe angeboten, ein Gläschen Pfeffer aus dem Kerala-Urwald kostet 7,80 Euro. Das sind 26 Flaschen Maternus Gold.

Man muss den Trinkenden gar nicht fragen, was er von dm hält. Bei dm gibt es kein Bier, nicht mal in Bio. Andererseits, vielleicht sollte man doch mit ihm reden, anstatt ihm ungefragt eine Meinung zu verpassen. Doch da hat er sich schon erhoben und trägt zwei Pfandflaschen in Richtung Discounter, dessen Glastür sich in diesem Moment selbsttätig öffnet. Er ist jetzt Kunde.


Aus: "Markthalle Neun: Aldi 36" Alexander Krex (2. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/entdecken/2019-04/markthalle-neun-aldi-gentrifizierung-berlin-kreuzberg-protest/komplettansicht

https://kiezmarkthalle.noblogs.org/

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FreierVogel361 #2

Es wirkt auf den ersten Blick echt erklärungsbedürftig, wenn sich eine zum Großteil globalisierungskritische Bewohnerschaft für einen Discounter stark macht. Aber der Aldi war hier nur der Aufhänger, um darauf aufmerksam zu machen, wie weit sich diese Halle von den Leuten in der Umgebung entfernt hat. Es ist die eine Sache weniger gut Betuchte mit hohen Preisen abzuschrecken, wenn aber Events exklusiv für "MasterCard-Inhaber" geplant werden, dann ist das next level shit.


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Legaler Migrant #9

Milieuschutz. Bloss nichts ändern in Deutschland. Alles mit Wachs überziehen und die Vergangenheit konservieren. Je nach Situation ist das dann konservativ, links, grün oder rechts. Vermutlich ist es aber einfach nur deutsch.


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alba63 #9.1

Das Problem ist halt, dass die Veränderung vor allem eine Verteuerung ist. Ich denke zwar auch, dass viele sich an unrealistisch niedrige Discounter- Preise und Billigst- Lebensmittel von zweifelhafter Qualität und Herkunft gewöhnt haben, dennoch ist die Verteuerung in allen Bereichen des Berliner Lebens in der Konsequenz eine Verdrängung. Das muss man nicht gut heißen. Und es ist natürlich kein allein deutsches Problem. Irgendwann werden in den Städten nur noch Computer- Spezialisten, Start-up- Inhaber, Geschäftsbesitzer, Ingenieure und andere Hochverdiener wohnen.


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Tam-o-Shanter #18

"... in einem Kiez, in dem mehr als ein Viertel der Menschen von staatlichen Transferleistungen abhängig ist. " – was soll denn dadas Regierungsviertel sagen? Da sind 200 Prozent der Menschen von Transferleistungen abhängig (jeweils der Einfachheit halber hälftig vom Staat und den Lobbyisten) ...


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Horatio Caine #19

Herrlich wie dieser Artikel den kleinen Mikrokosmos der ganz großen Probleme, nämlich das Lohngefälle und die Einkommenverteilung in Deutschland aufzeigt :-)


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Horatio Caine #19.4

Nein wir reden von Macht und Ohnmacht. Die Macht den Wert seiner Dienst- oder Arbeitsleitung selbst bestimmen zu dürfen und die Ohnmacht es nicht zu können bzw. vordiktiert zu bekommen was sie wert ist.


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Rrandyy #20

Schönes Beispiel, wie egal den Lifestyllinken die Arbeiter und Prekären sind. Obwohl egal vermutlich falsch ist. Die sind nicht in der Lage zu verstehen das es Menschen gibt, die sich einen solchen Lebensstil nicht leisten können.
Wenn man dann noch die Kommentare liest von wegen "Wer will den so einen Müll fressen". Das will niemand, aber es ist immer noch besser als wirklicher Müll oder gar nichts zu essen. Dieser Konflikt wird das linke Parteispektrum nochmal gut durch würfeln. ...


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Reprobed Son #20.2

Die von Ihnen so geschmähten Grünen sehen wenigsten den (globalen) Zusammenhang. Konventionelle Landwirtschaft zerstört die Natur, Billigfleisch zerstört das Klima. Was nützen Ihnen heute 50 Cent Ersparnis, wenn es Übermorgen z. B. keine Bienen mehr gibt und das Klima verrückt spielt?

Lebensmittel sind in Deutschland viel zu billig (was u. a. die Schuld von Discountern wie Aldi ist), das ist ganz schlecht für die Umwelt und kann so nicht bleiben. Die Schließung des Aldis ist dann vielleicht für den einen oder anderen auch ein Anstoß, seinen falschen Lebenswandel zu ändern.

Übrigens: Langfristig gesehen ist nichts so teuer wie billiges essen.


Quote
LinuxSchurke #20.4

Sie diskutieren ganz schön abgehoben. Selbst gut verdienende Facharbeiter die wahrscheinlich mehr verdienen als sie, mit Familie, drei Kinder sind auf die so genannten Lebensmitteldiscointer angewiesen. ...


Quote
MaggieSimpson83 #20.3

"Was nützen Ihnen heute 50 Cent Ersparnis, wenn es Übermorgen z. B. keine Bienen mehr gibt und das Klima verrückt spielt?"

Der Familie, die von Hartz IV lebt hilft es, ihre Kinder bis zum Ende des Monats satt zu kriegen. Aber Rrandyy hat Recht. Es gibt Menschen, die unfähig sind, solche Realitäten wahrzunehmen, weil sie in einem Mikrokosmos leben, wo niemand diese Probleme hat.


Quote
Krähenruf #20.9

... Hier zeigt sich deutlich, daß Parallelwelten keine Frage der Nationalität oder Religion sind.


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JacobsCreek #21

Aldi? Sind das nicht böse Kapitalisten?


Quote
JeepSRT #21.1

Je nach Bedarf... ;-)


...
« Last Edit: May 03, 2019, 01:13:14 PM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #909 on: May 04, 2019, 12:46:11 PM »
Quote
[...] Man muss sich das vorstellen. Da wachsen, nach allem, was wir wissen, die sozioökonomischen Ungleichheiten in fast allen westlichen Ländern, und wer dagegen protestiert oder gar Umverteilungen fordert, ist einfach nur – neidisch! Das ist alles, was den Cheftheoretikern der Reichen und Mächtigen einfällt. Die Armen und minder Bemittelten sind nicht nur arm, sie sind auch noch niederträchtig, bösartig und ja: irgendwie auch faul, wollen sie doch für sich ergattern, was die Leistungseliten angeblich mühselig erarbeitet haben. ...


Aus: "Soziale Ungerechtigkeit: Eine Verteidigung des Neids" Martin Hartmann (4. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2019-05/soziale-ungerechtigkeit-sozialneid-emotionen-lebensqualitaet-psychologie/komplettansicht

Quote
Orakel99 #1.4

Sehe ich absolut anders. Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten. Warum führen wir gerade in D. die größten Neiddebatten, obwohl wir eines der umfangreichsten soziale Sicherungssystem der Welt haben? Weil der Neid dafür sorgt das derjenige der von Transferleistungen lebt oder wenig verdient oftmals das Gefühl hat, zu kurz zu kommen und die Schuld an jeder persönlichen Miesere überall sieht nur, nicht bei sich selbst. Eigenverantwortung Fehlanzeige.


Quote
E_Dantes #1.5

Sie bestätigen eindrucksvoll die Analyse des Artikels. Sie treten nach unten.


Quote
nickrizos #1.36

Wer aus Neid unglücklich wird, sollte sich einfach mal anschauen, was man erfolgreichen Menschen lernen kann. Und evtl. mal anzufangen mit Meditation.

Auch zu akzeptieren, dass es nun einmal keine 100%ige Gerechtigkeit gibt, ist ein guter Schritt. Und damit meine ich ganz durchgängige Ungerechtigkeiten, die bei purem Glück anfangen bis hin zum Gehalt von Kollegen, die weniger leisten als man selbst, aber sich einfach besser darstellen können bspw.

Neidisch auf den Wohlstand z. B. eines Erben zu haben, ist nichts als Energieverschwendung, wenn man selbst z. B. aus "einfachen" Verhältnissen stammt.


Quote
Willy Wusel #1.59

"diese forderungen (noch mehr umverteilen, wegnehmen, verbieten, enteignen, vergesellschaften) appellieren eben an neidgefühle und sind eben allsamt bei kritischer betrachtung keine lösung, sondern lediglich ein populistischer reflex, der natürlich als steilvorlage von uns mit „neid“ ebenso reflexartig beantwortet wird."

Wenn wir innerhalb der Unternehmen/Wirtschaft eine gerechte, faire Verteilung der Gewinne in the first place hätten, bräuchten wir hinterher keine Umverteilung mehr, welche die vorher gemachten Fehler lediglich korrigiert.

Aber das wissen Sie ja. Es interessiert Sie nur nicht.


Quote
Willy Wusel #1.71

"Was ist denn eine faire und gerechte Verteilung der Gewinne? Wer bestimmt das?"

Nun. Irgendjemand bestimmt immer. Im Moment machen das die Chefetagen der Unternehmen. Und das Ergebnis ist, wie wir an der Vermögensverteilung in Deutschland sehen, nicht besonders gerecht. Aber daran haben ja die Chefetagen auch gar kein Interesse. ...


Quote
Lavendelzweig #2

Die Menschen sind nicht neidisch.
Sie wollen nur nicht in einer angeblichen sozialen Gesellschaftsform in ihren Grundbedürfnissen ignoriert werden.
Im Grunde geht es um Respekt und Anerkennung.


Quote
Rhettt #2.13

Gegen Ihre These spricht, dass Neid und Missgunst meiner Beobachtung nach in der wohlhabenden Mittel- und Oberschicht stärker ausgeprägt ist, als bei Menschen, die wirklich um ihre Grundbedürfnisse kämpfen müssen.


Quote
Dindi #5

Tatsächlich ist meiner Meinung der Neid gerade bei denen zu finden, die den Besitzstand wahren wollen. Es ist eine spezielle Form des Neids, der niemanden auch nur ein Quäntchen zu gesteht, wenn er dafür nicht möglichst hart gearbeitet hat. Schließlich soll niemand ja etwas umsonst bekommen. Das nennt man in der Psychologie Täteridentifikation. Wenn man die Rolle der Unterdrücker so verinnerlicht hat, dass man selbst ohne eigenen Besitz auf deren Seite ist. Ansonsten müsste man sich der Wut und der Trauer stellen, weil man die eigene Unterdrückung spüren würde.

Ich hab schließlich auch was dafür tun müssen, sollen die anderen das auch tun.... Ich wurde als Kind auch,... Lehrjahre sind keine Herrenjahre.... usw.


Quote
Dindi #5.19

"Wer was aus seinem Leben machen will muss sich anstrengen,... "

Natürlich. Das ist so. Nur ist das keine Garantie, dass aus dem Leben dann auch etwas wird.

Erfolg oder gar Reichtum sind multikausale Ereignisse. Wenn man sehr fleißig aber dafür einem unterdruchschnittlichen IQ startet hat man schlechtere Karten als der Fleißige mit einem höheren IQ. Das ist nun wahrlich keine Raketenwissenschaft. Wer als Kind zwei Säufer als Eltern hatte, hat es schwerer als Jemand, dessen Eltern beide verantwortungsbewusste Ärzte zum Beispiel waren.

usw.



Quote
trsnC #5.23

Es ist faszinierend zu sehen, wie die Wahrnehmung vergleichbarer Situationen derart divergiert.

Mir führte über die Zeit das viele Glück, das ich in Bezug auf externe und durch mich unbeeinflussbare Faktoren hatte, vor Augen, dass es eben so ist, wie sie darstellen: Sich anstrengen allein bringt eben nicht unter Garantie Erfolg.
Umgekehrt kann man Erfolg haben, ohne sich sonderlich anzustrengen. Das ist zwar bequem, aber gerecht ist das nicht.

Was mich fasziniert, ist, dass viele das ihnen zuteil gewordene Glück entweder nicht als solches wahrnehmen, oder es als verdient ansehen.


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« Reply #910 on: May 11, 2019, 10:28:02 AM »
Quote
[...] BERLIN taz | An diesem Freitag ist es mal wieder so weit. Der Bundestag in Berlin diskutiert vier Anträge der Opposition zum Thema Ostrenten. Es geht darin um Altersarmut, Lebensleistungen, Alterssicherung für bestimmte Berufsgruppen sowie in der DDR geschiedene Frauen. Es geht um gutes Leben im Alter, um das mühsame Ringen um Gerechtigkeit einer mittlerweile hochbetagten Bevölkerungsgruppe aus dem Osten. Reden werden gehalten, warme Worte wie Katzengold verteilt – doch am Ende werden die Abgeordneten der Großen Koalition mehrheitlich dem Vorschlag des Haushaltsausschusses folgen und alle Anträge ablehnen.

Keine rentenrechtliche Entlastung des Ostens, keine Gleichstellung der in der DDR geschiedenen Frauen mit ihren männlichen Altersgenossen. Wenn es gut läuft, könnte es demnächst einen Härtefallfonds geben für jene Rentnerinnen, die am Existenzminimum leben, obwohl sie ihr Leben lang gearbeitet haben. So steht es jedenfalls auf Seite 93 im Koalitionsvertrag.

Zu Hause in Chemnitz, Gera oder Schwedt können hochbetagte Frauen und Männer im Parlamentsfernsehen dabei zuschauen, wie das gesamtdeutsche Parlament ihnen mal wieder zeigt, wie egal sie ihm sind. Ostthemen sind im politischen Berlin nun mal keine Gewinnerthemen. Doch im Superlandtagswahljahr sind fruchtlose Parlamentsdebatten wie diese ein weiterer Grund für viele ostdeutsche RentnerInnen, sich noch weiter von ihren politischen VertreterInnen abzuwenden.

Wenn es eine Partei in der Regierung gibt, die sich zuständig fühlen sollte für die sozialen Belange der ostdeutschen Rentner, dann wäre das die SPD. Von den zurückliegenden 20 Jahren ist sie 15 in Regierungsverantwortung. Doch Carsten Schneider, Parlamentarischer Geschäftsführer der SozialdemokratInnen, antwortet auf die Frage, ob die noch lebenden etwa 250.000 benachteiligten in der DDR geschiedenen Frauen auf Unterstützung durch seine SPD hoffen dürfen: „Ich habe denen nie was vorgemacht. Das Recht, das zu DDR-Zeiten gegolten hat, kann nachträglich nicht durch Gesetzgebung geheilt werden. Deswegen lehnen wir das ab.“

Das Recht, von dem Carsten Schneider spricht, ist kompliziert und sorgt seit einem Vierteljahrhundert für ein nagendes Gefühl der Ungerechtigkeit im Osten. DDR-Frauen, die wegen der Kindererziehung zeitweise weniger arbeiteten, konnten mit einem symbolischen Betrag von monatlich drei Mark ihre spätere volle Rente absichern. Der Betrag war deshalb so niedrig, weil für die Höhe der später auszuzahlenden Rente ohnehin nur die letzten 20 Arbeitsjahre berücksichtigt wurden, in denen die Löhne und Gehälter am höchsten waren. Jüngere Frauen sollten sich also keine Sorgen machen müssen, wie sie Familie, Beruf und Weiterbildung unter einen Hut kriegen – am Geld für die Rente sollte es nicht scheitern. Auch Ausbildungsjahre oder Teilzeitphasen wurden als volle Rentenjahre angerechnet.

Einen Versorgungsausgleich jedoch, wie ihn das westdeutsche Scheidungsrecht vorsah, kannte die DDR nicht. Man ließ sich scheiden und ging fortan als ökonomisch unabhängige, ihr Einkommen selbst erarbeitende Person durchs Leben. Es herrschte ja Vollbeschäftigung. 1989, im letzten Jahr der DDR, lag die Frauenerwerbsquote bei neunzig Prozent.

Mit der Wiedervereinigung änderte sich das. Der eilig von den Regierungen Helmut Kohl und Lothar de Maizière ausgehandelte Einigungsvertrag sah vor, dass für Frauen aus dem Osten das West-Rentenrecht erst ab dem 1. Januar 1997 gelten soll. Bis dahin sollte ein Gesetz erarbeitet und beschlossen werden, das die Anwartschaften der in der DDR-geschiedenen Frauen regelt.

Ein solches Gesetz fehlt bis heute.

Statt dessen wurden auch die frühen Kindererziehungsjahre als Verdienst gewertet – machte also bei drei Mark pro Monat 36 Mark Rentenbeitrag pro Jahr. Seit nunmehr 22 Jahren fehlen diesen Frauen – von einst 300.000 leben noch etwa 100.000 – mehrere hundert Euro. Viele arbeiten bis heute, um ihre Miete zahlen zu können, und wenn sie eine neue Brille oder neue Zähne brauchen, bitten sie ihre Kinder um finanzielle Hilfe. Ostdeutsche Männer – das nur nebenbei – passten exakt ins gesamtdeutsche Recht; ihre Renten genießen bis heute Bestandsschutz.

In Magdeburg hebt Gerlinde Scheer den Telefonhörer ab. Die frühere Maschinenbauingenieurin ist heute 76 Jahre alt. Scheer ist Vorstandsmitglied im Verein der in der DDR geschiedenen Frauen. Für acht Euro Jahresbeitrag können dort Frauen Mitglied werden, der Verein kümmert sich dann um ihre Belange. Bis zur UNO haben sie es mit ihrer Klage geschafft, benachteiligt zu werden. Eine Abordnung von ihnen reiste gemeinsam nach New York, um ihr Anliegen zu schildern. 2017 dann hat der UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau die Bundesregierung aufgefordert, bis März 2019 dazu Stellung zu nehmen. Ob es diese Stellungnahme inzwischen gibt und was möglicherweise drin steht – die Vereinsfrauen wissen es nicht.

„Zurzeit kriege ich laufend Mitteilungen: Verstorben! Verstorben!“, erzählt Gerlinde Scheer. Sie führt die Mitgliederkartei. Von früher einmal zweieinhalbtausend Frauen leben mittlerweile nur noch etwa tausend. Das, was die Betroffenen seit Jahren fürchten – und manche PolitikerInnen möglicherweise insgeheim erhoffen – nimmt längst seinen Lauf. Die Frauen vom Verein nennen es „die biologische Lösung“.

Gerlinde Scheer ist aber noch nicht bereit aufzugeben. Vielleicht, sagt sie, kann sich der Bundestag wenigstens auf einen Härtefallfonds für die ärmsten Rentnerinnen be­schließen. „Obwohl das eigentlich auch wieder eine Ungleichbehandlung wäre, Anspruch auf den Ausgleich haben wir schließlich alle. Wir haben unser Leben lang gearbeitet.“ Die meisten der geschiedenen Frauen waren Lehrerinnen, technische Assistentinnen, Ingenieurinnen, sie haben gutes Geld verdient. Dass ihnen das heute nichts nützt, sehen sie jeden Monat auf ihrem Kontoauszug. Es sind Geschichten wie diese, die im Osten von Mund zu Mund gehen; Erzählungen von Zweitklassigkeit und von der Tatenlosigkeit der Politik.

Seit vielen Jahren ist die Linkspartei an dem Thema dran. Für die Kümmererpartei des Ostens sind die Rentnerinnen eine wichtige Wählerinnengruppe. An diesem Freitag greift die Fraktion deshalb auf die Geschäftsordnung des Bundestages zurück, damit ausnahmsweise Bodo Ramelow, Thüringer Ministerpräsident der Linken, zum Thema sprechen darf. Der wird die richtigen Worte finden. Doch für die betroffenen Frauen ändert es nichts, die Opposition auf ihrer Seite zu haben. Sowohl der Haushaltsausschuss als auch der Wirtschaftsausschuss und der Familienausschuss empfehlen die Ablehnung des Linke-Antrags , die Forderung der Vereinten Nationen sofort umzusetzen.

In den Ausschussprotokollen ist nachzulesen, welche Fraktion wie argumentiert. Die Union zeigt Verständnis, verweist aber auf die Stichtagsregelung im Einigungsvertrag. Außerdem: Wenn die Frauen Recht bekämen, könnten sich auch andere benachteiligte Gruppen darauf berufen. Die FDP argumentiert, es handele sich um „unvermeidbare Strukturbrüche“, die nun mal entstünden, wenn zwei Sozialsysteme verschmolzen werden.

Und die SPD sieht die Ungerechtigkeit, verweist aber auf den Koalitionsvertrag, in den sie den Nothilfefonds hineinverhandelt hat. Eine Nachfrage der taz in der Fraktion ergibt, dass man dort mehr als ein Jahr nach dem Start der Großen Koalition von einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe weiß, die sich mit der Frage befasst, wie viele Frauen überhaupt betroffen wären. Ebenfalls unbekannt ist, welches Ministerium federführend ist und welche Kosten auf den deutschen Staat zukämen. So recht scheint bei der SPD niemand daran zu glauben, dass Gerlinde Scheer und ihre Mitstreiterinnen jemals Geld sehen könnten. Wie sagt Carsten Schneider, der Parlamentarische Geschäftsführer mit Thüringer Wahlkreis? „Ich mache den Frauen lieber keine unberechtigten Hoffnungen.“

Mittlerweile hat auch die AfD im Bundestag das Potenzial des Themas für sich entdeckt. Die Rechtspopulisten bringen an diesem Freitag gleich zwei Anträge zum Thema Ostrenten ein, für die geschiedenen Frauen fordern sie den von der SPD in den Koalitionsvertrag geschriebenen Härtefallfonds. Und die Regelung solle nicht nur von Altersarmut betroffenen Frauen zugute kommen, sondern allen Anspruchsberechtigten.

Gerlinde Scheel ist jede Unterstützung recht. Sie lobt den Wahlkämpfer Ramelow von der Linken, der „immer für uns eintritt“, und ärgert sich, dass sich „die Politiker aus den alten Bundesländern“ nicht für sie und ihre Mitstreiterinnen interessierten. „Aber wissen Sie“, sagt sie am Telefon, „eigentlich ist es egal, wer für uns moniert. Wenn das die AfD macht – verkehrt kann es nicht sein.“


Aus: "Die Pech-gehabt-Frauen" Anja Maier (10.5.2019)
Quelle: https://www.taz.de/Ostrenten-und-Altersarmut/!5593997/

Quote
Reinhold Schramm


Es sind vor allem westdeutsche Frauen in der Armutsrente. Hier liegt in allen westdeutschen Bundesländern die GRV-Altersrente für Frauen im Durchschnitt deutlich unterhalb der gesetzlichen Grundsicherung (Sozialhilfe).

Meine (westdeutsche) Mutter hatte nach 33. Vollzeitarbeitsjahren, davon etwa 10. Jahre eine 7.Tage-Woche in unterbezahlter Arbeit, auch im Haushalt von Multimillionären, eine eigenständige Armutsrente auf dem geringen Niveau der Sozialhilfe. Sie hatte zudem drei Kinder. // In der DDR wäre sie gewiss eine anerkannte ''Heldin der Arbeit'' geworden! // Die GRV-Durchschnittsrente für ostdeutsche Frauen liegt heute bei etwa 880 Euro.

Eine Ausnahme besteht lediglich für Beamtinnen und Pensions-Witwen. Auch Ehefrauen von Politikern und Bürgermeistern können auch ohne lebenslange Erwerbsarbeit mit sehr hohen Witwenpensionen rechnen. Sogar, nach dem frühen Tod des Partners, über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren, mit aktuell mtl. mehr als 6.000,- Euro. Hierfür ist die Gesellschaft auch dazu bereit, mehrere Millionen Euro an Bürgermeister- und Beamten-Witwen zu zahlen; auch wenn diese Damen der Gesellschaft keinerlei Erwerbsarbeit nachgehen!


Quote
amigo

Die AfD weiß doch, wer letztlich immer Schuld hat: Der Ausländer, der Asylant und anderes undoitsches.


Quote
Hanne

Interessant wird es für einige nur, wenn es sie selbst betrifft.

Was sagen diese Damen zu Entschädigungen und Renten für ehemalige Zwangsarbeiter/innen oder gar Lagerinsassen, die diese nicht bekommen? Auch da sterben die Betroffenen einfach weg.

Den Damen ging es wenigstens ihr Arbeitsleben lang finanziell gut, dass kann heute bei Vollarbeitszeit auch kaum noch eine Frau - zumindest nicht die Mehrheit - sagen. Auch etlichen Männern geht es bei Vollerwerbstätigkeit finanziell nicht gut.

Und ja, wenn die AfD diesbezüglich was tut, auch okay.

Solche Typen sind mir sehr suspekt - egal, wo sie herkommen und was sie "geleistet" haben.

Wie viele von denen waren denn z.B. Spitzel und haben andere in ihren Positionen geknechtet? Wenn ich mir diese grimmigen Gesichter auf der Straße und in der Bahn im ehemaligen Ostgebiet ansehe, dann möchte ich oftmals gar nicht wissen, wie sie ihr Leben im System brav erfüllt haben.

Das mag bei den Männern genauso gewesen sein, aber auch Frauen in anderen Ländern, auch im Westen, bekommen aus welchen Gründen auch immer, keine oder kaum Lebensleistungsrente.

Sollen sie sich doch für eine Mindestrente für alle einsetzen, das hätte Charme und Sinn für die Zukunft und viele nach ihnen.

Diese Ego- und Opfergejammere nervt echt.

Es gibt so viele andere Benachteiligte, aber den Frauen geht es nur um sich selbst - egal, was es politisch kostet.


Quote
Rolf B.

@Hanne Die Brutalität und Dummheit, die Sie hier verbreiten, ist erschreckend.


Quote
Holzhirn

Und urch solche Dinge verspielen sich die großen Parteien ihren Rückhalt in der Bevölkerung. Ist nur die Frage ob die Mitte nach Links oder Rechts zerbröckelt.


...

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« Reply #911 on: May 11, 2019, 10:39:40 AM »
Quote
[...] Zu den besten Traditionen des britischen Kinos gehört es, die gesellschaftlichen Verwerfungen im eigenen Land in präzis beobachteten, sozial-realistischen Filmen zu verarbeiten. Nicht erst seit Ken Loach ist daraus so etwas wie ein eigenes Genre geworden. In den 1990er Jahren gab es eine regelrechte Welle solcher Filme aus Großbritannien. Titel wie Billy Elliott oder Ganz oder gar nicht, in denen es um die Folgen der Thatcher-Ära ging, machten international Furore und waren dazu noch kommerziell erfolgreich. Gemeinsam war diesem „New British Cinema“, wie die Filme subsumiert wurden, die Parteinahme und Empathie der jeweiligen Regisseure für die Abgehängten und Verlierer der neoliberalen Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft. Regisseur Richard Billingham knüpft mit seinem Regiedebüt Ray & Liz an diese Tradition an, wenn das Ergebnis auch zwiespältiger ausfällt.

Wir schreiben die frühen 1980er im „Black Country“ in den Midlands, jener mittelenglischen Region, die mit ihren Kohlegruben und Stahlkraftwerken einst das Kernland der Industrialisierung darstellte. Es herrscht Rezession, die eiserne Lady regiert durch. Ray (Justin Salinger) und seine Frau Liz (Ella Smith) leben am Rande, nicht nur des Existenzminimums, sondern auch der Gesellschaft. Nach heutiger Terminologie würden sie als Unterschicht (dis-)qualifiziert.

Tatsächlich ist der Grad ihrer Verwahrlosung enorm. Von Erwerbsarbeit ist an keiner Stelle des Films die Rede; Ray und Liz leben in einer verkommenen Sozialwohnung von der Stütze. Ihre Tage verbringen sie mit Rauchen, Trinken und Nichtstun. Irgendetwas Sinnstiftendes ist in ihrem Leben nicht zu entdecken. Die beiden Söhne, der eine noch ein Kind, der andere ein Teenager, werden weitgehend ignoriert und sich selbst überlassen. Sie bewegen sich durch die Wohnung wie durch Feindesland, stets darauf bedacht, ihren Erzeugern möglichst aus dem Weg zu gehen.

In drei zusammenhanglos nebeneinander stehenden Episoden – jeweils mit einigem zeitlichen Abstand – erzählt der Film vom wenig erbaulichen Alltag der Familie. Wobei „Erzählen“ das falsche Wort ist, denn dies würde so etwas wie eine Handlung, eine Geschichte voraussetzen. Es passiert aber nichts im Leben der Billinghams. Ein Tag gleicht dem anderen, und die innerfamiliären Interaktionen bestehen hauptsächlich darin, dass man sich beschimpft und gegenseitig die letzten Pennys aus der Tasche klaut.

Nun könnte man erwarten, dass nach den Hintergründen, Bedingungen und Ursachen dieser deprimierenden Armut gefragt wird. Tut der Film aber nicht, er will nur zeigen. Zu einer Haltung oder gar Wertung kann sich der Autor und Regisseur nicht durchringen. Und das nimmt dem Film viel von seiner Relevanz. Das materielle, geistige und emotionale Elend, in dem die Billinghams leben, scheint wie ein unabwendbares Schicksal, wie aus der Luft über die Familie gekommen zu sein. Weder erfahren wir etwas über den konkreten gesellschaftlichen Kontext, noch darüber, ob Ray jemals etwas anderes gemacht hat, als zu trinken. Aus dem Wort „Abfindung“, das zwischendurch mal fällt, lässt sich immerhin schließen, dass er irgendwann gearbeitet haben muss. Genauso unbelichtet bleibt das soziale Umfeld – Nachbarn, Freunde, überhaupt eine Außenwelt kommen nicht vor. Die reine Binnensicht auf das Familienleben wird so letztlich zur privaten Nabelschau.

Etwas ratlos fragt sich der Zuschauer, was die Absicht gewesen sein mag, diesen Film zu machen, denn die Akteure bleiben statisch und machen keinerlei Entwicklung durch. Eine mögliche Auflösung ergibt sich beim Blick auf die Biografie des Regisseurs: Richard Billingham ist ein bekannter Fotograf – dies ist sein erstes Werk als Filmregisseur – und die Namensgleichheit mit den Filmfiguren kein Zufall. Der ältere Sohn Richard ist sein filmisches Alter ego; mit Ray & Liz arbeitet Billingham die eigene Familiengeschichte filmisch auf, um nicht zu sagen: er unterzieht sich einem Exorzismus.

Vor 20 Jahren publizierte Billingham bereits den erfolgreichen Bildband Ray’s a Laugh, in dem er in distanzlosen Bildern das Leben des alkoholkranken Vaters und seiner Familie festhielt. Ray & Liz ist nun praktisch der Film zum Buch und es ist verblüffend, mit welcher szenischen Detailtreue die Fotografien in Kinobilder übertragen wurden. Nicht zuletzt sorgen die großartigen Schauspieler für absolute Glaubwürdigkeit der Charaktere; es zeugt von großer Kunst, wie präzise Ella Smith hier Liz verkörpert und deren leeren, ausdruckslosen, gleichzeitig aber gierigen und lebenshungrigen Blick nachahmt.

Dass Billingham Fotograf ist, ist jeder Einstellung anzumerken. Zusammen mit seinem kongenialen Kameramann Dan Landin gelingt es ihm, eine angesichts des Sujets fast schon schmerzhafte dokumentarische Authentizität zu erzeugen. Dazu trägt bei – Filmkenner aufgepasst –, dass auf analogem 16mm-Filmmaterial und im Normalformat gedreht wurde. Die sanften Kamerafahrten und bisweilen extremen Nahaufnahmen erzeugen in ihrer fotografischen Qualität einen Sog, der den Betrachter förmlich in die Bilder hineinzieht.

Zu gern würde man erfahren, wie Billingham es letztlich geschafft hat, seinem Milieu und den damit verbundenen Prägungen zu entkommen. Ein Ausweg aus der hoffnungslosen Familiensituation deutet sich immerhin an, als am Ende des Films – jetzt passiert doch noch etwas – das Jugendamt vor der Tür steht und den jüngeren Bruder in seine Obhut nimmt. Na endlich! möchte man da als Zuschauer fast rufen, denn die Szenen, in denen die Kinder bar jeder Zuwendung vollkommen allein gelassen sind und es keinerlei Kommunikation zwischen ihnen und den Eltern gibt, gehören zu den quälendsten Momenten des Films. Nun vergießt sogar die Mutter einige Tränchen – hauptsächlich aber wohl deshalb, weil mit der Inobhutnahme des Sohnes auch die Sozialhilfe gekürzt wird.


Aus: "Dämonen der Armut" Frank Schirrmeister (Ausgabe 19/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/daemonen-der-armut

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Quote
[...] Vielleicht geht es wegen dieser Beteuerung des eigenen Glücks in seinem Film auch nicht darum, die Eltern anzuklagen. Billingham beobachtet. Seine Bilder haben etwas Dokumentarisches, sind nicht voyeuristisch. "Ich stelle nicht die Schuldfrage", sagt er. "Denn ich kann meinen Eltern nicht die Schuld geben. Niemand hat ihnen gezeigt, wie man es richtig macht. Mein Vater dachte, dass die Schule meinem Bruder und mir alles beibringt, was man im Leben wissen muss." Wenn man Billingham fragt, ob er seinen Eltern vergeben hat, muss er lange überlegen: "Ich fühle keinen Ärger, wenn ich an sie denke. Man hat mich auch gefragt, ob sich meine Eltern bei mir entschuldigt haben. Aber wofür sollten sie sich entschuldigen? Dafür, dass sie so schlechte Eltern waren? Nein, das haben sie nie getan. Sie hatten einfach keine Ahnung, wie man sich um Kinder kümmert. Ich bin mir nicht sicher, aber ich vermute, ich habe ihnen vergeben."

Billingham wirkt milde, nachsichtig. Inzwischen ist er schließlich selbst Vater dreier Kinder. Der gelebte Vergleich seines heutigen, etablierten Lebens mit dem prekären Dasein seiner Jugendjahre machte die eigenen Eltern Ray und Liz noch einmal für seine Arbeit relevant. "Wir haben heute ein angenehmes Leben. Meine Kinder schlafen in sauberen Pyjamas, bekommen regelmäßig warme Mahlzeiten und tragen saubere Schuluniformen. Das hat mir wieder bewusst gemacht, wie sehr sich ihre Kindheit von meiner unterscheidet. Das wollte ich mit diesem Film noch einmal zeigen, weil ich das ja wirklich erlebt habe. Über die Zeit, in der ich aufgewachsen bin, existieren einige Filme. Doch teilweise sieht man darin nur Klischees. Das fühlt sich nicht echt an."

Anders als die Regisseure des New British Cinema wie Mike Leigh, Ken Loach oder Stephen Frears, die selbst aus der Mittelschicht stammen und sich filmisch der britischen Unterschicht annahmen, um mit diesem Stoff die politischen Verhältnisse der Thatcher-Ära anzuprangern, wuchs Billingham in den Verhältnissen auf, von denen die anderen erzählen. Er ist kein intellektueller Filmemacher, er kennt sein Sujet aus eigener Anschauung. Das macht seine Arbeit so unverwechselbar.

...


Aus: "Richard Billingham: "Ich stelle nicht die Schuldfrage"" Bettina Aust (11. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/film/2019-05/richard-billingham-filmemacher-spielfilmdebuet-ray-and-liz-familie-glueck-grossbritannien/komplettansicht

Quote
Clemenules #1

"Sie hatten einfach keine Ahnung, wie man sich um Kinder kümmert. Ich bin mir nicht sicher, aber ich vermute, ich habe ihnen vergeben."

....

Meine Eltern wussten auch sehr vieles nicht besser. In absoluter Armut nach dem 2.Weltkrieg aufgewachsen. Ihre ersten Lebensjahre hat meine Mutter in einem fensterlosen Stall verbracht. Ab vier Jahre auf dem Feld gearbeitet. Sie schämte sich lange dafür. Wir Kinder haben erst im Erwachsenenalter davon erfahren.

Billingham bringt es auf den Punkt :
"Ich bin mir nicht sicher, aber ich vermute, ich habe ihnen vergeben."


« Last Edit: May 12, 2019, 12:08:46 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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« Reply #912 on: May 14, 2019, 12:27:15 PM »
Quote
[...] Eigentlich wollte Verena Bahlsen nur einen Witz machen. "Mir gehört ein Viertel von Bahlsen, da freu ich mich auch drüber, das soll mir auch weiterhin gehören", erzählte die junge Frau am Mittwoch auf der Bühne bei der Digital-Konferenz "Online Marketing Rockstars" – und begründete damit, warum sie Kapitalistin sei: "Ich will Geld verdienen und mir Segeljachten kaufen von meiner Dividende!"

Obwohl es offensichtlich ironisch gemeint war, griff ein Reporter des Handelsblatts ausgerechnet diesen Satz auf – weshalb sich jetzt schon seit Tagen Menschen über Verena Bahlsen aufregen. "Erben ist kein Leistung, Püppchen", schrieb einer, "von Beruf Tochter" lästerte das Lower Class Magazine und rief nach "mehr Neiddebatten".

Es ging, wie es so oft geht: Das aus dem Kontext gerissene Zitat verselbständigte sich, fast niemand machte sich die Mühe, im Video nachzuschauen, was Bahlsen eigentlich wirklich gesagt hatte. Und fast hätte die junge Frau, die eigentlich nur einen etwas naiven Vortrag über Sinn im Kapitalismus gehalten hatte, einem leid tun können.

Aber nur fast. Denn dann machte sie den Mund nochmal auf – und alles nur noch schlimmer.

In den Tagen nach ihrem Vortrag hatten nämlich ein paar Leute ausgegraben, dass der Erfolg der Firma Bahlsen auch auf einem Verbrechen gründete: In der NS-Zeit arbeiteten bei Bahlsen etwa 200 Zwangsarbeiterinnen, die aus Polen und der Ukraine verschleppt worden waren. Die Arbeiterinnen bekam Bahlsen zugeteilt, weil es als "kriegswichtig" eingestuft worden war und seit 1940 Verpflegung für Wehrmachtssoldaten herstellte. Das bedeutet: Bahlsen verdiente nicht nur Geld damit, Hitlers Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten. Sondern die Firma benutzte dafür auch noch Zwangsarbeiter, deren Länder vorher von dieser Maschinerie überfallen worden waren.

Plötzlich erhielt die Kritik an Bahlsens Prahlerei eine dunklere Note: Die Erbin, die so stolz auf die Geschichte des Familienunternehmens ist, verdanke ihr Vermögen auch der Ausbeutung von Opfern des NS-Regimes.

Als die Bild-Zeitung die Erbin darauf ansprach, reagierte sie maximal pampig. "Es ist nicht in Ordnung, meinen Vortrag damit in Verbindung zu bringen", sagte sie – und damit hat sie vielleicht sogar ein bisschen recht: Es ist unfair, das jemandem an den Kopf zu werfen, der eigentlich nur darüber sprechen wollte, wie die Wirtschaft "ein Vehikel" sein kann, "um uns als Gesellschaft voranzubringen".

Aber dann redete Bahlsen weiter. Und das klang so:

"Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt. Das Gericht hat die Klagen abgewiesen. Heute liegen keine Forderungen mehr gegen Bahlsen vor. Bahlsen hat sich nichts zuschulden kommen lassen."

Und das war dann ein richtig Griff ins Klo, an dem Bahlsen sich diesmal wirklich nur selbst die Schuld geben kann. Ganz abgesehen davon …

    … dass die Firma die Arbeiter ja nicht so toll behandelt haben kann, wenn die danach geklagt haben, …
    … und dass es gewagt ist, zu behaupten, Bahlsen habe sich "nichts zuschulden kommen lassen", nur weil ein Gericht die Firma wegen Verjährung ihrer Verbrechen nicht mehr verurteilen konnte, …

… ist es nicht einfach brutal geschmacklos, so mit der eigenen Vergangenheit umzugehen? Was hätte es Bahlsen gekostet, sich auch nur ein bisschen reuig zu zeigen? Stattdessen entschied sie sich dafür, die Zwangsarbeit im NS-Regime zu verharmlosen.

Denn natürlich war Bahlsen mit 200 Arbeiterinnen nicht der Hauptprofiteur der Zwangsarbeit im NS-Regime, in dem insgesamt zwölf Millionen Menschen aus ganz Europa zur Arbeit gezwungen wurden, von denen zweieinhalb Millionen ihr Leben verloren. Da gab es ganz andere: Alle deutschen Autohersteller, Flick, Krupp, oder I.G. Farben. Praktisch die gesamte deutsche Landwirtschaft funktionierte während der Kriegsjahre überhaupt nur noch, weil Zwangsarbeiter auf deutschen Höfen arbeiteten.

Aber auch wenn Bahlsen nur ein kleiner Teil der deutschen Ausbeutungs- und Vernichtungsmaschinerie war: Sich "nichts zuschulden kommen lassen" sieht anders aus.


Aus: "Hackt nicht auf der Bahlsen-Erbin herum, nur weil sie reich ist"  Matern Boeselager (2019)
Quelle: https://www.vice.com/de/article/mb8bmx/bahlsen-und-zwangsarbeiter-hackt-nicht-auf-der-erbin-herum-weil-sie-reich-ist

Nachtrag: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-05/erbin-verena-bahlsen-ns-zwangsarbeiter-verharmlosung-entschuldigung

"Nach umstrittenen Aussagen beim OMR Festival: Bahlsen-Erbin wehrt sich gegen Zwangsarbeiter-Kritik" (13.05.2019)
https://meedia.de/2019/05/13/nach-umstrittenen-aussagen-beim-omr-festival-bahlsen-erbin-wehrt-sich-gegen-zwangsarbeiter-kritik/

Quote
Millenium sagt: 14.05.2019 um 08:54 Uhr

Die kiffenden Linken können natürlich mit maritimer Technik nichts anfangen.
Für das dämliche Proletariat reicht es meist noch nicht einmal zum Auto-Führerschein.
Und mit normalen Menschen haben diese Rothemden mit ihrer Progromstimmung gegen Wirtschaft, Aktionäre und Sparer auch nichts zu tun.
Wieso gibt man diesen Spinner vom Rand der Gesellschaft immer eine Platform?




-

Quote
[...] Seit Mittwoch ist klar: Kevin Kühnert ist der schlimmste Mensch, der gerade in Deutschland herumläuft. Zumindest, wenn man dem konservativ-liberalen Establishment glaubt. Dinge, die sie dem Juso-Chef in den letzten beiden Tagen unter anderem an den Kopf geworfen haben:

    Er wolle die DDR zurückholen (Bild)
    Er sei ein "verirrter Fantast" mit einem "verschrobenen Retro-Weltbild" (Verkehrsminister Andreas Scheuer)
    Er sei auf Drogen (sein eigener Parteikollege Johannes Kars)
    Er wolle für Deutschland "den schlimmsten Links-Faschismus des 20. Jahrhunderts, der mehr als 25 Millionen Menschen das Leben gekostet hat" (Bild-Politikchef Julian Röpcke)
    Er sei im Grunde ein Nazi (mehrere Journalisten auf Twitter)

Gar nicht schlecht für einen, den die CDU letztes Jahr noch als den "niedlichen Kevin" belächelt hat. Wie hat er das gemacht?

Erstmal so: Kühnert hat der Zeit am 1. Mai ein Interview gegeben, in dem er ein paar Gedankenspiele darüber angestellt hat, wie Sozialismus in Deutschland aussehen könnte: Indem man Großkonzerne wie BMW kollektiviert, zum Beispiel, oder Privatbesitzern das Vermieten verbietet.

Klar, das sind steile Ideen, die man für nicht praktikabel, populistisch oder sogar völlig bescheuert halten kann – was auch viele Leute tun (andere finden, Kühnert habe auf jeden Fall einen Nerv getroffen). Aber die Wut, die gerade über den Juso-Chef hereinbricht, nur weil er öffentlich über Alternativen zum Kapitalismus nachdenkt, ist ziemlich einzigartig. Statt sich damit auseinanderzusetzen, belagert die Bild zum Beispiel seit Tagen führende SPD-Politiker, um ihnen eine Distanzierung von ihrem Parteikollegen abzupressen – als hätte Kühnert öffentlich verlangt, zuerst die BMW-Erben und dann alle Vermieter Deutschlands mit kollektivierten Heckler&Koch-Waffen erschießen zu lassen.

Was seine Feinde aber richtig zur Weißglut treibt, ist, dass Kühnert nicht nur zu seinen Äußerungen steht – sondern weiter in die Offensive geht. Auf Spiegel Online erklärte er, er habe seine Forderungen "sehr ernst gemeint", und dass er sich von den empörten Reaktionen erst recht bestärkt fühle, den Kapitalismus noch deutlicher zu kritisieren.

Noch viel schöner war allerdings seine Antwort auf einen herablassenden Tweet von Carsten Maschmeyer: Kühnert machte daraus einen der wohl stärksten und befriedigendsten Bodyslams in der deutschen Twitter-Geschichte:

Der Hintergrund: Carsten Maschmeyer stellt sich selbst gern als genialer Investor dar, womit er es in der Höhle des Löwen immerhin dauerhaft ins Privatfernsehen geschafft hat. Die Leute, die sich mit seinen Geschäftspraktiken beschäftigt haben, halten Maschmeyer dagegen für einen "Abzocker" (ARD), "Drückerkönig" (NDR), einen Feind der Pressefreiheit (FAZ und Deutscher Journalistenverband) und gescheiterten Cum-Ex-Spekulanten (ich).

Kurz: Wenn er solche Verteidiger hat, braucht der Kapitalismus wirklich keine Feinde mehr.

Was können wir also daraus lernen, was mit Kevin Kühnert gerade passiert? Oder – aus anderen, aber irgendwie auch gar nicht so anderen Gründen – mit Greta Thunberg? Dass es ganz einfach ist, von den Alten ernst genommen zu werden. Man muss ihnen nur dahin gehen, wo es wirklich weh tut: an ihre Portemonnaies. Und vor allem an ihre Autos.


Aus: "Keiner denkt mehr, dass Kevin Kühnert ein kleiner Junge ist"  Matern Boeselager (2019)
Quelle: https://www.vice.com/de/article/qv7kvp/kollektivierung-von-bmw-keiner-denkt-dass-juso-kevin-kuehnert-ein-kleiner-junge-ist
« Last Edit: May 15, 2019, 06:44:53 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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« Reply #913 on: May 16, 2019, 09:23:53 AM »
Quote
[...] Eine Hasen-Skulptur des US-Künstlers Jeff Koons hat bei einer Auktion in New York einen Preisrekord für das Werk eines lebenden Künstlers erzielt. Die Figur Rabbit aus dem Jahr 1986 erzielte beim Auktionshaus Christie‘s 91,1 Millionen Dollar (rund 81 Millionen Euro). Den Zuschlag erhielt nach Informationen der New York Times der Kunsthändler Robert E. Mnuchin, Vater des US-Finanzministers Steven Mnuchin.

Mit der aktuellen Versteigerung löst Koons den Rekord des britischen Malers David Hockney ab. Dessen Werk Portrait of an Artist (Pool with Two Figures) war vor einem halben Jahr, ebenfalls bei Christie‘s, für 90,3 Millionen Dollar versteigert worden. Das 1972 entstandene Acrylgemälde zeigt zwei Männer – einen von ihnen schwimmend im Pool, den anderen am Beckenrand stehend. Zuvor war Koons selbst der Rekordhalter gewesen: Seine Skulptur Balloon Dog hatte 2013 bei Christie's 58,4 Millionen Dollar erzielt.

Die rund einen Meter hohe Stahlskulptur Rabbit ist eines der bekanntesten Werke des US-Künstlers und wurde von Christie's vorab auf 80 Millionen Dollar geschätzt. Sie stammt aus der Sammlung des 2017 verstorbenen US-Verlegers Samuel Irving Newhouse. Ihm gehörte das Verlagshaus Condé Nast, das die Zeitschriften Vanity Fair, Vogue und den New Yorker herausgibt.


Aus: "Skulptur von Jeff Koons erzielt Rekordpreis" (16. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/kunst/2019-05/christies-jeff-koons-rabbit-rekordpreis-kunstmarkt

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« Reply #914 on: May 16, 2019, 09:29:36 AM »
Quote
[...] Die Mitgliederzahl liegt zwischen einer niedrigen dreistellige Zahlund mehr als 1.000 Menschen. "Viele Clan-Mitglieder haben keinen oder einen niedrigen Schulabschluss, aber große Erwartungen an ihren Lebensstandard", sagte Kriminaldirektor Thomas Jungbluth. "Die Familie ist alles und die Ehre der Familie geht über alles."


Aus: "Nordrhein-Westfalen zählt 104 kriminelle Clans" (15. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-05/organisierte-kriminalitaet-clans-nrw-grossfamilien-parallelgesellschaften-straftaten