Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 343126 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #875 on: Januar 29, 2019, 01:42:17 nachm. »
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[...] Mit brutaler Gewalt wird der Klassenkampf von oben gewonnen. Das ist absehbar.

Liste der von der französischen Polizei verletzten Menschen, Albrecht Müller (23. Januar 2019)
24. Januar 2019 um 12:01 Ein Artikel von: Albrecht Müller

Gestern haben die NachDenkSeiten in dem Beitrag “Mit brutaler Gewalt wird der Klassenkampf von oben gewonnen. Das ist absehbar.” auf eine Bilanz der Auseinandersetzung mit den Gelbwesten und auf die Fotos von über 100 Verletzten aufmerksam gemacht. Dort gab es eine ausführliche Liste der 109 Verletzten mit Altersangabe, Namen und Art der Verletzung. Marco Wenzel hat diese Liste übersetzt. Wir geben sie unten wieder. Vorweg noch ein paar kurze Anmerkungen. Albrecht Müller.

Erstens: In den Auseinandersetzungen in Frankreich gab es auch Verletzte unter den Polizisten. Das bedauern die NachDenkSeiten genauso wie die Verletzungen bei den Gelbwesten und anderen Personen. Die Verletzungen der Demonstranten sind jedoch so brutal und erkennbar als Abschreckung angelegt, dass wir es für unsere Pflicht halten, darauf besonders aufmerksam zu machen. Das gilt auch deshalb, weil die deutschen Medien davon kaum Notiz nehmen. Entsprechend wenig ist in der allgemeinen Öffentlichkeit Deutschlands angekommen. Ich habe gestern bei einer Geburtstagsrunde in Karlsruhe den Test gemacht: Keine einzige Person wusste etwas von dieser Brutalität. Und dies in unmittelbarer Nachbarschaft zu Frankreich. Dass in Aachen ein neuer Freundschaftsvertrag mit Frankreich abgeschlossen worden ist, war hingegen bekannt, nicht jedoch die Gewalt bei der innenpolitischen Auseinandersetzung des französischen Präsidenten mit einem Teil seines Volkes.

Zweitens: Die Bundesregierung will die Vorgänge in Frankreich nicht beurteilen und nicht bewerten. So Regierungssprecher Seibert in einer Pressekonferenz. Siehe hier. Die Äußerung von Seibert wie auch die des Sprechers des Bundesinnenministeriums sollte man sich für ähnliche Fälle im Umgang mit anderen Ländern archivieren. Seibert: “Ich beurteile oder bewerte das gar nicht, wie es üblich ist zwischen befreundeten Nationen.”. Der Sprecher des Bundesinnenministers meinte: “Wir kommentieren grundsätzlich nicht die Maßnahmen anderer Staaten”.

Da sind wir aber mal gespannt.

Drittens: Wenn wir über diese schrecklichen Vorgänge berichten, dann wahrlich nicht der Sensation willen, sondern um das öffentlichen Schweigen zu durchbrechen.

Deshalb die Anregung: Geben Sie den Artikel von gestern und diesen von heute weiter.

Der Einfachheit halber werden wir die jetzt folgende Übersetzung auch noch an den gestrigen Artikel anhängen.

Übersetzung der Vorläufigen Aufzählung der Verletzten bei den Demonstrationen von November-Dezember 2018
4. Januar 2019

Recensement provisoire des blessé-es des manifestations du mois de novembre-décembre 2018
https://desarmons.net/index.php/2019/01/04/recensement-provisoire-des-blesses-graves-des-manifestations-du-mois-de-decembre-2018/

Wir ziehen hier eine, wenn auch nicht erschöpfende, Bilanz der schweren Verletzungen, die den gelben Westen und den gelben Westen der Hochschulen seit dem 17. November während der Demonstrationen zugefügt wurden. Wir haben nur Verletzungen aufgezeichnet, die zu Knochenbrüchen, vollständigem oder teilweisem Verlust von Gliedmaßen oder Verkrustungen von Granatenfragmenten im Fleisch führten. Wir fordern alle Beteiligten auf, die in unserem Artikel erwähnten Fakten auf ihre Richtigkeit zu prüfen und gegebenenfalls zu ergänzen oder zu korrigieren. Darüber hinaus laden wir jeden Verletzten ein, sich mit uns in Verbindung zu setzen, um gemeinsam über die Rechtsfolgen zu beraten sowie den Kampf gegen Waffen und ein Treffen aller Verletzten zu organisieren. ...

Bitte besuchen Sie auch die Website von LE MUR JAUNE (die gelbe Wand), die die gleiche Überwachungsarbeit macht wie Désarmons-les! (Entwaffnet sie)

Wir nehmen in diese Liste zunächst die Schwerverletzten auf, aber wir nehmen auch Personen in unsere Liste auf, die sich mit uns in Verbindung gesetzt haben und die ausdrücklich darum gebeten haben, in der Aufzählung zu erscheinen, unabhängig von der Schwere ihrer Verletzung und natürlich erst nach Überprüfung der Informationen.


    ZINEB REDOUANE, 80 Jahre alt, wurde durch einen Tränengasbehälter getötet, der ihr am 1. Dezember 2018 in Marseille ins Gesicht geschossen wurde.
    RICHIE A., 34 Jahre alt, verlor sein linkes Auge durch einen LBD-40-Schuss in Saint-Paul (La Réunion) am 19. November 2018.
    JEROME H. verlor sein linkes Auge, als am 24. November 2018 in Paris ein LBD 40 abgeschossen wurde.
    PATRICK verlor sein linkes Auge durch einen LBD-40-Abschuss in Paris am 24. November 2018.
    Der in Pimprez lebende 40-jährige ANTONIO B. wurde am 24. November 2018 in Paris von einer GLI-F4-Granate schwer am Fuß verletzt.
    GABRIEL, 21 Jahre alt, in der Sarthe ansässiger Kesselbauerlehrling, wurde am 24. November 2018 in Paris von einer GLI-F4-Granate die Hand abgerissen.
    XAVIER E., 34 Jahre alt, wohnhaft in Villefranche sur Saône, erlitt am 24. November 2018 in Villefranche sur Saône eine Fraktur des Kiefers, des Gaumens, des Bahnbodens, des Wangenknochens, mehrere gebrochene Zähne und Verletzungen an der Lippe, die durch einen Schuss LBD 40 verursacht wurden.
    SIEGFRIED, 33 Jahre alt, in der Nähe von Epernay lebend, wurde am 24. November 2018 in Paris von einer GLI-F4-Granate schwer an der Hand verletzt.
    MAXIME W. wurde an der Hand verbrannt und verlor sein Gehör für immer durch eine GLI-F4-Granate in Paris am 24. November 2018 abgefeuert wurde.
    FAB wurde am 24. November 2018 in Paris von einer Landungsgranate an der Stirn verwundet.
    AURELIEN wurde am 24. November 2018 in Tours durch einen LBD-40-Schuss in den Kiefer (5 Stiche) verwundet.
    CEDRIC P., ein in Possession (Insel Reunion) ansässiger Fliesenlegerlehrling, verlor sein linkes Auge, weil er am 27. November 2018 von einer LBD 40 angeschossen wurde.
    FRANCK D., 19 Jahre alt, verlor sein Auge, als am 1. Dezember 2018 in Paris ein LBD 40 abgeschossen wurde.
    Ein Unbekannter, 29 Jahre alt, hat am 1. Dezember 2018 durch eine Landungsgranate in Le Puy en Velay sein Auge verloren (Quelle: Anruf von einem Angehörigen).
    GUY B., ~60 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Bordeaux von einem LBD-40-Schuss der Kiefer gebrochen.
    AYHAN, ~50 Jahre alt, ein Sanofi-Techniker aus Joué-les-Tours, wurde am 1. Dezember 2018 in Tours von einer GLI-F4-Granate die Hand abgerissen.
    BENOIT B., 29 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Toulouse von einem LBD-40-Schuss schwer an der Schläfe verletzt (Hirnödem). Er wurde in ein künstliches Koma versetzt. Update: Er ist erst am 21. Dezember 2018, nach 20 Tagen, aus dem Koma erwacht.
    MEHDI, 21, wurde bei einem Anschlag in Paris am 1. Dezember 2018 schwer verletzt.
    ANTHONY, 18 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Paris durch einen LBD-40-Schuss ins Auge verletzt.
    JEAN-PIERRE wurde am 1. Dezember 2018 in Toulouse von einem LBD-40-Schuss die Hand gebrochen.
    MAXIME I., 40 Jahre alt, erlitt eine doppelte Beckenfraktur aufgrund eines LBD-40-Schusses in Avignon am 1. Dezember 2018.
    FREDERIC R., 35 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Bordeaux von einer GLI-F4-Granate die Hand abgerissen.
    CHRISTOPHE L. wurde am 1. Dezember 2018 in Paris die Nase gebrochen und an der Stirn durch einen Jet von einer Wasserkanone verletzt.
    LIONEL J., 33 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Paris durch eine LBD 40 an der Schläfe verwundet (7 Stiche + 1 subkutane Aufnahme)
    KEVIN P wurde am 1. Dezember 2018 in Paris von einer Tränengaskapsel im zweiten Grad tief an seiner linken Hand (15 Tage arbeitsunfähig) verbrannt.
    MATHILDE M, 22 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Tours durch einen Schuss von einer LBD 40 am Ohr verletzt (25 Fäden, Tinnitus, leichte innere Verletzungen mit Gleichgewichtsstörungen).
    ROMEO B, 19 Jahre alt, erlitt eine offene Schienbeinfraktur (90 Tage arbeitsunfähig) durch eine LBD 40 am 1. Dezember 2018 in Toulouse.
    ELIE B., 27 Jahre alt, hatte einen gebrochenen Kiefer und verlor einen Zahn, aufgrund von einer LBD 40 am 1. Dezember 2018 in Paris .
    ETIENNE P, ein Agent der SNCF, erlitt eine Schienbeinfraktur (90 Tage arbeitsunfähig), nachdem am 1. Dezember 2018 in Paris eine LBD 40 abgeschossen wurde.
    HUGO C, Fotograf, wurde von einer LBD 40 verletzt, die am 1. Dezember 2018 in Paris abgeschossen wurde.
    CHARLINE R, 29 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Paris durch ein Schrapnell einer GLI-F4-Granate am Fuß verletzt (Extraktion unter Vollnarkose).
    DORIANA, 16 Jahre alt, eine in Grenoble lebende Gymnasiastin, wurden am 3. Dezember 2018 von einer LBD 40 in Grenoble das Kinn und zwei Zähne gebrochen.
    ISSAM, 17 Jahre alt, Gymnasiast in Garges-les-Gonesse, wurde am 5. Dezember 2018 in Garges-les-Gonesse von einem LBD-40-Schuss der Kiefer gebrochen.
    OUMAR, 16 Jahre alt, ein Gymnasiast aus Saint Jean de Braye, wurde am 5. Dezember 2018 von einem LBD-40-Schuss in Saint Jean de Braye mit einer Stirnfraktur verletzt.
    JEAN-PHILIPPE L, 16 Jahre alt, verlor sein linkes Auge durch einen LBD-40-Schuss am 6. Dezember 2018 in Bézier.
    RAMY, 15 Jahre alt und in Vénissieux ansässig, verlor sein linkes Auge entweder durch einen LBD-40-Schuss oder aber durch eine Granate in Lyon am 6. Dezember 2018.
    ANTONIN, 15 Jahre alt, wurde am 8. Dezember 2018 in Dijon von einem LBD-40-Schuss Kiefer und Unterkiefer gebrochen.
    THOMAS, 20 Jahre alt, Student in Nîmes, Fraktur des Sinus am 8. Dezember 2018 in Paris von einer LBD 40
    DAVID, einem in der Region Paris ansässiger Steinmetz, wurde am 8. Dezember 2018 in Paris von einem LBD-40-Schuss der Kiefer gebrochen und die Lippe abgerissen.
    FIORINA L., 20 Jahre alt, eine in Amiens lebende Studentin, verlor ihr linkes Auge durch einen LBD-Schuss in Paris am 8. Dezember 2018.
    ANTOINE B., 26 Jahre alt, wurde am 8. Dezember 2018 in Bordeaux von einer GLI-F4-Granate die Hand abgerissen.
    JEAN-MARC M., 41 Jahre alt, in Saint-Georges d’Oléron ansässiger Gartenbaukünstler, verlor sein rechtes Auge durch einen Schuss von einer LBD 40 am 8. Dezember 2018 in Bordeaux.
    ANTOINE C., 25 Jahre alt, freiberuflicher Grafikdesigner mit Wohnsitz in Paris, verlor sein linkes Auge durch Abschuss einer LBD 40 in Paris am 8. Dezember 2018.
    KONSTANT, 43 Jahre alt, arbeitsloser technischer Verkäufer aus Bayeux, wurde am 8. Dezember 2018 in Mondeville von einem LBD-40-Schuss die Nase gebrochen.
    Der 17-jährige CLEMENT F. wurde am 8. Dezember 2018 in Bordeaux von einem LBD-40-Schuss an der Wange verletzt.
    NICOLAS C., 38 Jahre alt, wurde am 8. Dezember 2018 in Paris von einem LBD-40-Schuss die linke Hand gebrochen.
    YANN wurde am 8. Dezember 2018 in Toulouse sein Schienbein durch einen LBD-40-Schuss gebrochen.
    PHILIPPE S. wurde durch einen LBD-Schuss am 8. Dezember 2018 in Nantes schwer an den Rippen verletzt, mit inneren Blutungen und Milzfrakturen.
    ALEXANDRE F., 37 Jahre alt, verlor sein rechtes Auge durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Paris.
    MARIEN, 27, erlitt einen doppelten Bruch ihrer rechten Hand durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Bordeaux.
    FABIEN wurden am 8. Dezember 2018 in Paris von einem LBD-40-Schuss die Wangenknochen gespalten und die Nase gebrochen.
    EMERIC S., 22 Jahre alt, hat ein gebrochenes Handgelenk mit Verschiebung der Elle durch eine LBD 40 am 8. Dezember 2018 in Paris.
    HICHEM B. wurde seine linke Hand durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Paris gebrochen.
    HANNIBAL V. wurde am 8. Dezember 2018 in Paris durch einen LBD-40-Schuss ins Auge verwundet.
    MANO M. wurde sein Fuß (2. Mittelfußknochen) durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Nantes gebrochen.
    ALEXANDRA wurde am 8. Dezember 2018 in Paris durch einen LBD-40-Schuss in den Hinterkopf verletzt.
    MARTIN C. wurde am 8. Dezember 2018 in Marseille durch einen LBD-40-Schuss nahe am Auge verletzt.
    GUILLAUME P. erlitt eine offene Fraktur der Hand mit Sehnenriss aufgrund eines LBD-40-Schusses am 8. Dezember 2018 in Nantes.
    AXELLE M., 28 Jahre alt, erlitt eine doppelte Fraktur seines Kiefers und gebrochene Zähne, die von einer LBD 40 am 8. Dezember 2018 in Paris abgeschossen wurde.
    STEVEN L., 20 Jahre alt, wurden am 8. Dezember 2018 in Paris durch einen LBD-40-Schuss das Schienbein und seine Hand durch Teleskopschlagstöcke (bis zur Bewusstlosigkeit) gebrochen.
    ERIC P. erlitt einen Kieferbruch, aufgeschlagene Lippen und gebrochene Zähne, die von einer LBD 40 am 8. Dezember 2018 in Paris herrühren.
    DAVID D., 31, ein Bauarbeiter, erlitt eine gebrochene Nase, ein abgetrenntes Nasenloch und ein Hämatom auf der Oberlippe aufgrund einer Granate am 8. Dezember 2018 in Bordeaux.
    PATRICE P., 49 Jahre alt, verlor sein rechtes Auge durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Paris.
    CHRISTOPHER erlitt eine dreifache Fraktur der Gesichtsknochen, nachdem am 8. Dezember 2018 in Calais eine LBD 40 abgeschossen wurde.
    NICOLAS D. wurde ein Wangenknochen durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Paris gebrochen.
    NICOLAS, 38, hatte eine metakarpale Fraktur aufgrund eines LBD-40-Schusses in Paris am 8. Dezember 2018.
    VANESSA L., 33, verlor sein linkes Auge und ihm wurde am 15. Dezember 2018 in Paris von einer LBD 40 der Schädel gebrochen.
    ETIENNE K. erlitt eine dreifache Fraktur des linken Unterkiefers wegen einer LBD 40 am 15. Dezember 2018 in Paris.
    LOLA V., 18 Jahre alt, erlitt am 18. Dezember in Biaritz einen dreifachen Kieferbruch, gebrochene Zähne und eine aufgerissene Wange.
    RODOLPHE wurde am 18. Dezember von einer Granate in den Beinen verwundet.
    JANELLE M. wurde am 22. Dezember 2018 in Nancy durch eine (noch zu bestätigende) Granate am Fuß verletzt.
    AURORE C. erlitt einen Bruch des linken Knöchels (6 Wochen Ruhigstellung, 45 Tage arbeitsunfähig) herrührend vom Abschuss einer LBD 40 am 22. Dezember 2018 in Bourg-en-Bresse.
    R.G., 24 Jahre alt, verlor ein Auge durch einen LBD-40-Schuss am 29. Dezember 2018 in Toulouse.
    CORENTIN G. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen von einem großen Schrapnell einer GLI-F4-Granate am Bein verletzt.
    STEVE B. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen durch mehrere Metallsplitterfragmente einer GLI-F4-Granate am Bein verletzt.
    SABRINA L. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen durch mehrere Metallsplitterfragmente einer GLI-F4-Granate am Bein verletzt.
    MICKA T. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen von mehreren Metallsplitterfragmenten einer GLI-F4-Granate am Bein und an der Schläfe verwundet.
    MICKAEL F. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen von mehreren Metallsplitterfragmenten einer GLI-F4-Granate am Bein verwundet.
    COLINE M. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen durch einen LBD-40-Schuss in den Arm verwundet.
    JONATHAN C. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen durch einen LBD-40-Schuss in den Arm verletzt.
    ADRIEN M., 22 Jahre alt, wurde durch einen LBD-40-Schuss am 29. Dezember 2018 in Nantes schwer am Hinterkopf verletzt (Kopfverletzung).
    YVAN B. wurde am 29. Dezember 2018 in Montpellier durch einen LBD-40-Schuss an Nase und Auge verwundet.
    FANNY B, 29 Jahre alt, wurde am 29. Dezember 2018 in Nantes von einer Landungsgranate am Knöchel verletzt.
    ROBIN B. wurde am Hinterkopf (4 Klammern + Hämatom) durch einen LBD-40-Schuss am 05. Januar 2019 in La Rochelle verletzt.
    FLORENT M. erlitt eine offene Fraktur des Jochbeins aufgrund einer LBD 40 am 05. Januar 2019 in Paris.
    OLIVIER H. wurde durch einen LBD-40-Schuss am 05. Januar 2019 in Paris am Kopf verletzt (Kopfverletzung mit Bewusstseinsverlust).
    DANIEL wurde von einem LBD-40-Schuss am 05. Januar 2019 in Paris an der Stirn verletzt.
    LIONEL L. hatte einen offenen Beinbruch (3 Monate Ruhigstellung) aufgrund einer Granate in Paris am 5. Januar 2019.
    DAVID S. erlitt eine gebrochene Nase und 9 Stiche (20 Tage arbeitsunfähig) aufgrund eines LBD-40-Schusses am 5. Januar 2019 in Bordeaux.
    ADRIEN wurde mit einem LBD 40 am 5. Januar 2019 in Saint Etienne ins Auge geschossen.
    Ein Unbekannter, 35 Jahre alt, verlor ein Auge durch einen LBD-40-Schuss am 12. Januar 2019 in Toulon.
    BENJAMIN V., 23 Jahre alt, Arbeiter, verlor ein Auge und erlitt 6 Knochenbrüche an Gesicht und Nase durch einen LBD-40-Schuss am 12. Januar 2019 in Bordeaux.
    XAVIER L., 46 Jahre alt, Fotojournalist, erlitt einen Kniescheibenbruch (45 Tage arbeitunfähig) durch LBD 40 am 12. Januar 2019 in La Rochelle.
    Der 15-jährige LILIAN erlitt am 12. Januar 2019 in Straßburg einen Kieferbruch durch eine LBD 40
    WILLIAM R., 23 Jahre alt, erlitt eine Fraktur des Stirnbeins mit intrakraniellem Hämatom durch eine LBD 40 am 12. Januar 2019 in Paris.
    LUDOVIC B. wurde am 12. Januar 2019 in Paris von einer Granate an der Wange verletzt.
    SEBASTIEN M. erlitt am 12. Januar 2019 in Paris von einer LBD 40 einen Kieferbruch und verlor 5 Zähne.
    MARIE-PIERRE L., 47 Jahre alt, wurde am 12. Januar 2019 in Nantes von einer Granate am Oberschenkel verletzt.
    SANDRA, 29 Jahre alt, wurde am 12. Januar 2019 in Le Havre durch einen Schuss von einer LBD 40 schwer am Fuß verletzt (10 Tage Behandlung, Risiko einer Phlebitis).
    SAMIR wurde an der Schläfe (Gesichtslähmung) durch eine LBD 40 am 12. Januar 2019 in Saint Etienne schwer verletzt.
    OLIVIER, 51 Jahre alt, Feuerwehrmann, wurde an der Schläfe (nach einer Hirnblutung in ein künstliches Koma versetzt) durch einen LBD-40-Schuss am 12. Januar 2019 in Bordeaux schwer verletzt.
    NICOLAS wurde am 12. Januar 2019 in Bar le Duc durch einen LBD-40-Schuss ins Auge verwundet.
    ANTHONY B. wurde am 12. Januar 2019 in Besançon durch einen LBD-40-Schuss am Hinterkopf verletzt (Kopfverletzung, 10 subkutane Stiche, 10 Oberflächenstiche).
    MAR, 51 Jahre alt, wurde am 12. Januar 2019 in Nîmes durch einen LBD-40-Schuss an der Stirn (Kopfverletzung, offene Wunde 10 cm lang und bis zum Schädel, 10 Stiche) verletzt.
    SEBASTIEN D. wurde der Kiefer durch einen LBD-40-Schuss am 12. Januar 2019 in Nîmes gebrochen.
    Ein Unbekannter, 36 Jahre alt, wurde durch eine LBD 40 am 12. Januar 2019 in Bourges schwer am Kopf verletzt und liegt derzeit im Koma (Quelle: Le Parisien).
    Ein weiterer Unbekannter, 27 Jahre alt, verlor durch eine Granate am 19. Januar 2019 in Rennes ein Auge.
    AXEL, 25 Jahre alt, erlitt mehrere Frakturen der Stirn und im Gesicht sowie ein Ödem am Auge, nachdem am 19. Januar 2019 in Montpellier eine LBD 40 abgeschossen wurde.
    JEAN CLAUDE M. wurde durch eine LBD 40 am 19. Januar 2019 in Rennes schwer am Auge verletzt (vorübergehender Sehverlust).

Die vorläufige Bilanz der Verletzungen ergibt:

    1 Person wurde getötet (Tränengasgranate)
    4 Personen wurden die Hände abgerissen (GLI-F4-Granaten).
    18 Personen wurden am Auge verletzt (LBD-40-Kugeln und landende Granaten).
    1 Person hat ihr Gehör dauerhaft verloren (Granate)



Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=48643

Quelle: https://klausbaum.wordpress.com/2019/01/29/es-ist-krieg/



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« Reply #876 on: Februar 03, 2019, 03:07:13 nachm. »
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Anne Hübner
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€ Pro Tag. Existenzminimum (sanktionierbar). Deutschland. 2019.
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« Reply #877 on: Februar 13, 2019, 12:10:30 nachm. »
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[...]  Interview - Björn Vedder, Jahrgang 1976, ist Philosoph. Er lebt in Herrsching am Ammersee. Sein aktuelles Buch Reicher Pöbel. Über die Monster des Kapitalismus ist 2018 im Büchner-Verlag erschienen. Der Philosoph Björn Vedder spricht über die Kritik an der Geld-Elite und die Heuchelei der Mitte

der Freitag: Herr Vedder, eigentlich ist der Begriff des Pöbels eine abwertende Bezeichnung für das „gemeine Volk“. Sie aber sprechen in Ihrem neuen Buch schon im Titel vom „reichen Pöbel“. Wer ist das?

Björn Vedder: Diese Wendung habe ich von Hegel entlehnt. Er beschrieb damit Menschen, deren Reichtum es ihnen erlaubt, sich aus dem „Band der Not“ herauszulösen. Dieses verbindet die meisten Menschen miteinander, weil es sie zwingt, zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse auch die Bedürfnisse der anderen und der Allgemeinheit zu befriedigen. Da mit der Abhängigkeit von diesem „Band der Not“ eine gewisse Sittlichkeit einhergeht, entsteht aus der Freiheit davon eine gewisse Art der Unsittlichkeit. Die Reichen können es sich also leisten, unsittlich zu sein. Ihnen droht eine Wohlstandsverwahrlosung. Es sei denn, sie stemmen sich mit großer Anstrengung dagegen.

der Freitag: Bill Gates oder Mark Zuckerberg sind extrem reich, aber sie lassen einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens wohltätigen Zwecken zukommen. Da wackelt Ihre Definition doch?

Björn Vedder: Ich glaube nicht, dass Wohltätigkeit viel zum Guten ändern kann. Sehen Sie sich nur einmal den Internetauftritt der Charity-Kampagne „The Giving Pledge“ an. Das ist so eine Spendenkampagne von Superreichen, die verkünden: „In meinem Leben habe ich so viel erreicht, weil ich hart gearbeitet und mir vor allem Bildung angeeignet habe. Darum möchte ich Bildung fördern.“ Es gibt ein Programm der Vereinten Nationen, das dafür sorgen könnte, dass weltweit alle Kinder zur Schule gehen. Dafür müsste man jährlich zwar einige Milliarden Dollar ausgeben, aber für diese Superreichen wäre das nur ein Klacks, gemessen an den Summen, die sie bei „The Giving Pledge“ versprechen. Wenn es den Reichen also tatsächlich so wichtig wäre, Bildung zu fördern, frage ich mich: Warum ist das Programm der Vereinten Nationen dann noch nicht realisiert worden?

der Freitag:  Pestalozzi sagt: „Wohltätigkeit ist das Ersaufen des Rechts im Mistloch der Gnade.“ Fußt der Kapitalismus nicht genau auf diesem Gedanken: Wer arm ist, hat nicht genug geleistet, und wenn ein Leistungsträger einem Armen ein paar Brosamen schenkt, dann darf er sich freuen und hat ansonsten das Maul zu halten?

Björn Vedder: Bei Wohltätigkeit geht es vor allem darum, sich als guten Menschen zu inszenieren. Und das ist keinesfalls etwas, das die Superreichen für sich gepachtet haben. Wer sich zur bildungsbürgerlichen Mitte zählt, trägt zumindest den Keim dieses Moralisierens in sich. Ich gehe zum Beispiel regelmäßig in den Biomarkt. Davon erzähle ich gern anderen, um zu zeigen, dass mir die Umwelt und das Wohl der Tiere wichtig sind. Als ich noch Student war, gab es einen Professor, der private Klavierkonzerte veranstaltet hat mit polnischen Pianisten. Die mussten dann für 200 Mark pro Abend bei ihm spielen, damit er zeigen konnte, wie wichtig ihm die Hochkultur ist.

der Freitag: Wenn die Mitte nun genauso ist wie die Geld-Elite: Worin liegt dann die spezifische Pöbelhaftigkeit der Reichen?

Björn Vedder: Es gibt eine soziologische Untersuchung, die ihre Befragten mit der Aussage konfrontiert hat: „Wenn ich an Bord der Titanic wäre, hätte ich ein Anrecht darauf, in einem der ersten Rettungsboote zu sitzen.“ Das Ergebnis war eindeutig: Je reicher ein Befragter ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass er mit „Ja“ antwortet. Es gibt also eine Korrelation zwischen der Höhe des ökonomischen Vermögens und dem Glauben daran, mehr wert zu sein als andere Menschen. Bret Easton Ellis hat das in seinem Roman American Psycho von 1991 schon gezeigt. Das, was dort der reiche Patrick Bateman zu seinem ersten Mordopfer sagt, einem Obdachlosen, ähnelt stark den Selbstrechtfertigungen der Reichen, die der Reporter Dennis Gastmann auf Sylt interviewt hat. Das Selbstbild der Reichen basiert auf einer Verachtung der Ärmeren als Minderleister.

der Freitag: Wird diese kapitalistische Legende über den Zusammenhang von Leistung und Vermögen von der Mitte nicht genauso vehement vertreten wie von den Schwerreichen?

Björn Vedder: Die Mitte vertritt diese Legende sogar noch viel stärker. Sie braucht sie, um sich selbst zu legitimieren und von unten genauso wie von oben abzugrenzen. Zu dieser Abgrenzung gehört die Rede von dem pöbelhaften einen Prozent der Superreichen und den übrigen, tüchtigen 99 Prozent. Tatsächlich werden damit Zusammenhänge verschleiert. Superreiche sind das Produkt eines Systems, das die gesellschaftliche Mitte aktiv am Laufen hält. Ein System, das Geld von unten nach oben umverteilt. Die Kritik tut so, als seien die Reichen nur Menschen, die sich individuell falsch verhalten. Sie projiziert die negativen Effekte dieses Systems auf eine kleine Gruppe und dämonisiert sie. Da werden dann die Wölfe der Wall Street an den Pranger gestellt, obwohl wir aus Innenansichten der Branche wissen, dass das keine Raubtiere sind, sondern Legehennen.

der Freitag: Warum leugnet die Mitte den Zusammenhang mit den ökonomischen Strukturen?

Björn Vedder: Weil sie selber von diesen Strukturen profitiert. Sie lebt auf Kosten derer, die ökonomisch schwächer sind, vor allem auf Kosten vieler Menschen im globalen Süden. Darum ist diese Art der Kritik an den Reichen auch so heuchlerisch. Es geht nicht darum, ethische Werte zu verteidigen, sondern die eigenen Pfründe, und darum, sich selber durch Moral aufzuspielen. Die Welt ist alles, was der Fall ist. Indem ich jedoch einen moralischen Anspruch formuliere, ziehe ich eine klare Differenz: Die Welt soll anders sein, und in dieser Differenz, das ist ein Gedanke von Luhmann, entsteht meine Identität als guter Mensch.

der Freitag: Sie beschreiben in Ihrem Buch auch einen „armen Pöbel“. Das sind aus Ihrer Sicht jene, die nach unten aus dem „Band der Not“ herausfallen. Weshalb gehen Sie mit dieser Gruppe nicht so hart ins Gericht wie mit der Mitte und den Reichen?

Björn Vedder: Diese Menschen haben weit weniger gesellschaftliche Macht. Ihre Pöbelhaftigkeit entsteht dadurch, dass ihnen die Möglichkeit fehlt, durch Arbeit ihre eigenen Konsumbedürfnisse zu befriedigen, oder sie befürchten, dass es so kommen könnte. Es geht also auch um Abstiegsangst. Hinzu kommt, dass die neue Mittelklasse eine Kultur des Konsums und einen Lebensstil etabliert hat, die das Besondere, das Singuläre feiern und im Gegenzug das Normale abwerten. Die Feindseligkeit gegenüber der Gesellschaft entsteht beim armen Pöbel also aus einer doppelten Erniedrigung: Er lebt in ökonomisch prekärer Lage und wird außerdem in seiner Lebensweise systematisch abgewertet.

der Freitag: „Ist das Hirn zu kurz gekommen, wird sehr gern Moral genommen“, dichtete Wiglaf Droste einmal. Wie lassen sich denn die Reichen kritisieren, ohne dabei die Rolle der kosmopolitischen Mitte zu vergessen?

Björn Vedder: Wer an den Gerechtigkeitssinn des Bürgers appelliert, steht auf verlorenem Posten. Hilfreicher ist es, ihn an sein Interesse zu erinnern. Angesichts der politischen und ökologischen Verwerfungen, die uns bevorstehen, täten wir gut daran, unser eigenes Verhalten zu verändern. Nicht, weil wir auf einmal einsehen müssten, dass wir moralisch falsch gehandelt hätten. Sondern weil es in unserem eigenen Interesse liegt, eine gerechtere Weltgesellschaft zu ermöglichen. Ein erster Schritt dahin wäre, dass wir, wie Friedrich Nietzsche es sich für den guten Menschen wünscht, „die Augen gegen uns selbst aufmachten“ und aufhörten, so „treuherzig-verlogen, blauäugig-verlogen“ zu sein. Dann wäre schon viel gewonnen.


13.02.2019



Aus: "„Ein Selbstbild der Verachtung“" Christian Baron (Ausgabe 04/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/cbaron/ein-selbstbild-der-verachtung

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« Reply #878 on: Februar 18, 2019, 08:57:09 nachm. »
Quote
[...] Die Frankonia Eurobau ist bekannt für exklusive Neubauten in zentraler Stadtlage – beispielsweise das Andreas Quartier in Düsseldorf, die Sophienterrassen in Hamburg und Luxuswohnungen auf dem Berliner Schinkelplatz. Für solche Immobilien gebe es immer einen Abnehmer, sagt Frankonia-Chef Uwe Schmitz. Dennoch macht ihm die Diskussion um bezahlbares Wohnen Sorgen. Er warnt vor fehlgeleiteten Subventionen. Und vor einer Rückkehr hässlicher Sozialwohnungen.

WELT AM SONNTAG: Herr Schmitz, die Frankonia Eurobau hat in den vergangenen Jahren etliche hochwertige Wohnquartiere gebaut. Die Preise liegen in der Oberklasse. Allerdings dauert es auch lange, bis Käufer gefunden sind. Ist der Luxusmarkt gesättigt?

Uwe Schmitz: Generell ist das abhängig vom Standort. Aber für die Preisklasse oberhalb von zwei Millionen Euro muss ich sagen: Die Vermarktung dauert heute nicht länger als vor 15 Jahren. Da hat sich nicht viel geändert. Ich glaube, dass ich das ganz gut beurteilen kann. Wir haben in den letzten Jahren Wohnungen im Wert von 550 Millionen Euro in diesem Segment verkauft. Jetzt wird gemutmaßt, da sei am Bedarf vorbeigebaut worden. Das stimmt aber nicht.

WELT AM SONNTAG: Teilweise handelt es sich um fast feudale Anwesen mit mehr als 450 Quadratmeter Wohnfläche.

Schmitz: Da liegen wir auch mal bei sechs oder sieben Millionen Euro Kaufpreis. In diesem Bereich kommt keiner spontan vorbei und sagt: Ich kaufe das jetzt mal, und eine Woche später gibt es den Notartermin. Das sind Entscheidungsprozesse, die sich über Monate entwickeln und die wir aktiv begleiten. Das ist völlig normal bei größeren Einheiten. Beim Projekt Sophienterrassen wiederum gab es noch bis Mitte des vergangenen Jahres Bauarbeiten am zentralen denkmalgeschützten Gebäude. In dieser Preisklasse sollte man es vermeiden, den Kunden etwas Unfertiges zu zeigen. Am Düsseldorfer Medienhafen hingegen ging alles relativ schnell. Da haben wir innerhalb kurzer Zeit 420 Wohnungen fast vollständig verkauft – Einheiten, die zwischen 35 und 50 Quadratmeter groß waren. Solche Objekte werden in großen Städten weiterhin nachgefragt.

WELT AM SONNTAG: Wieso sind Sie sich da so sicher?

Schmitz: Wir haben einen anhaltenden Trend in die großen europäischen Städte. Schauen Sie sich Stockholm an. Amsterdam. Oder Barcelona. Da sind Wohnimmobilien noch teurer, und trotzdem hält die Nachfrage an. Ich glaube, der Nachholeffekt in Deutschland hat erst begonnen. Um das zu begreifen, muss man in die Vergangenheit blicken. Nach dem Krieg hat man die Städte in Deutschland in rasender Geschwindigkeit aufgebaut und dabei alte Bautraditionen völlig über den Haufen geworfen.

WELT AM SONNTAG: Alles musste funktional und verkehrsfreundlich sein.

Schmitz: Ja, und in Düsseldorf beispielsweise hat man die Rheinuferstraße vierspurig ausgebaut und damit die Altstadt vom Rhein abgeschnitten. Dann hat man mit der Schnellstraße „Tausendfüßler“ alles auch noch in zwei Hälften geteilt. Die Leute sind förmlich aus der Innenstadt geflohen, weil die praktisch nicht mehr bewohnbar war. Düsseldorf war da kein Einzelfall. Erst Ende der 80er-Jahre gab es ein Umdenken in der Stadtplanung. Heute wird das Zentrum von Düsseldorf täglich schöner, und das nehmen die Leute auch wahr. Man kann in solchen Lagen eigentlich immer von einem kleinen Nachfrageüberhang ausgehen, weil der Markt räumlich begrenzt ist. Das gilt auch anderswo für die beliebten Stadtquartiere, in München, in Berlin. In den meisten Innenstädten ist eine Angebotsausweitung auch durch Nachverdichtung kaum noch möglich. Warum sollten da die Preise fallen?

WELT AM SONNTAG: Die Zinsen könnten steigen, die Finanzierung wird teurer, und die Käufer verlieren finanziellen Spielraum.

Schmitz: Meine Sorge ist eher, dass so etwas wie die Lehman-Pleite noch einmal passieren kann. Und auch bei der Staatsverschuldung vor allem in Europa ist die Lage alles andere als geklärt. Viel Spielraum für steigende Zinsen sehe ich deshalb nicht. Ich beobachte eher, dass die Finanzierung immer noch günstig ist und manche Grundstücke wieder und wieder verkauft werden. Jeder Käufer legt noch eine Schippe drauf. Zusätzlich haben sich die Baukosten innerhalb kurzer Zeit um mindestens 25 Prozent verteuert. Beides zusammen sorgt inzwischen dafür, dass sich manche Neubauprojekte in der Vermietung gar nicht mehr rechnen.

WELT AM SONNTAG: Jedenfalls in Bevölkerungsgruppen, in denen bezahlbares Wohnen gefragt ist.

Schmitz: Die meisten Mieter in Deutschland wollen nicht mehr als 30 bis 33 Prozent des Nettoeinkommens für die Miete ausgeben. Es gibt zwar eine Gruppe, die sich Mieten von 22 bis 24 Euro pro Quadratmeter leisten kann. Aber die ist nicht unendlich groß. Und die Einkommen steigen zurzeit bei Weitem nicht so schnell wie die Mieten.

WELT AM SONNTAG: Manche Projektentwickler berichten, dass die Ansprüche der Käufer sehr gestiegen seien, etwa was Fläche angeht oder Ausstattung, Küchenmöbel, Steckdosen.

Schmitz: Steckdosen und Möbel sind doch Kleinigkeiten. Die großen Hebel liegen ganz woanders, beispielsweise bei den Grundstückskosten. Es ist doch absurd: Bund, Länder und Gemeinden wollen bezahlbare Wohnungen und verkaufen die Grundstücke dann zu Höchstpreisen. Und jetzt kommt der Gesetzgeber auch noch mit einer neuen Subvention, mit einer Sonderabschreibung für Mietwohnungsbau. Ich kenne Investoren, die aktuell überlegen, wie man schnell Wohnungen bauen könnte, um diesen Steuervorteil für den Gewinn mitzunehmen. Die Branche preist so etwas ein. Kein Wunder, dass die Lobby daran interessiert ist. Entscheidend ist doch bei den meisten Modellen die Renditeerwartung am Ende. Wenn sich ein Käufer beispielsweise mit drei Prozent Rendite zufriedengibt, dann wird das ganze Projekt auch so kalkuliert. Eine Steuerförderung wird dann eher dazu genutzt, einen höheren Kaufpreis verlangen zu können. Beim Käufer oder Mieter am Ende kommt das nicht an.

WELT AM SONNTAG: Die Immobilienbranche verspricht: Wenn ihr uns die Grundstücke billiger gebt, dann geben wir die Wohnungen auch billiger weiter.

Schmitz: Das zu glauben wäre naiv.

WELT AM SONNTAG: Das heißt dann wohl: Beim aktuellen Preisniveau kann der Markt keine günstigen Wohnungen produzieren.

Schmitz: Die Bereitstellung von bezahlbaren Wohnungen ist aus meiner Sicht eine staatliche Aufgabe. Der Staat sollte sich Dienstleister aus der Wirtschaft holen, die für ein Honorar günstige Wohnungen auf kommunalen Grundstücken errichten, die dann aber auch in staatlicher Hand bleiben. Warum muss der Staat die Flächen für solche Projekte überhaupt verkaufen? Es gibt gewisse relevante Grundversorgungsbereiche, die meiner Ansicht nach beim Staat bleiben sollten. Dazu gehören beispielsweise die Wasserversorgung, der Schienenverkehr oder eben bezahlbare Mietwohnungen. Die sollte man nicht privatisieren, weil das am Ende immer darauf hinausläuft, dass die Mieter wirtschaftlich übervorteilt werden. Man kann doch nicht ernsthaft glauben, dass ein professionelles Wohnungsunternehmen dauerhaft auf Gewinne verzichtet, damit es den Mietern gut geht.


Aus: "„Für bezahlbare Wohnungen ist der Staat zuständig“ Michael FabriciusL eitender Redakteur Immobilien (15.02.2019)
Quelle: https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article188838913/Frankonia-Uwe-Schmitz-fordert-staatliche-Bereitstellung-von-Wohnraum.html

Quote
Klaus K.

["Man könne nicht erwarten, dass Immobilienunternehmen auf Gewinne verzichteten, damit es den Mietern gut gehe."]

 Private Immobilienunternehmen sind, wie geschrieben (eigene Aussage Frankonia), nur an Gewinnmaximierung interessiert. Das Wohl der Mieter ist nebensächlich. ...


Quote
Hubert K.

 Klare und deutschliche Worte für die sozialromantische Naivität die einige Städte beim Thema Wohnen so umtreibt.


Quote
Steffen R.

 Ja ja wenn jeder an sich denkt ist an alle gedacht.....


Quote
Günter R.

 Der ist immer wieder gut!


Quote
Ulrich A.

 ja, für Sozialwohnungen wäre der Staat zuständig. Für Steuern zahlen aber wären alle verantwortlich. Gestern war wieder einmal zu lesen, wie sich Immobilienkonzerne, Hedgefonds, Investoren die Grunderwerbsteuer mit sogenannten Share Deals sparen und das auch noch ganz legal. Den Kommunen entgehen so hohe Einnahmen, die sie für den Bau und Unterhalt von Sozialwohnungen bräuchten.


...

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« Reply #879 on: Februar 25, 2019, 05:01:45 nachm. »
Quote
[...] Karin Krichmayr: Österreich ist auf Zuwanderung angewiesen. Dennoch ist ein großer Teil der österreichischen Bevölkerung Migrantinnen und Migranten gegenüber kritisch eingestellt. Sei es die berüchtigte "Ausländerkriminalität", sexuelle Gewalt, die besonders von Migranten ausgehe, oder die Angst, dass Muslime das christliche Abendland überrollen: In der öffentlichen Debatte haben sich eine Menge Botschaften ausgebreitet, die von Stereotypen geprägt sind und sich mitunter als schlicht falsch herausstellen, sobald sie auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft werden. Der Kulturanthropologe Klaus Schönberger ist überzeugt: Allein auf Fakten zu beharren ist nicht genug, der Mythos braucht einen Gegenmythos. Warum glauben so viele Menschen an Mythen, die sich bei genauerer Betrachtung als unrichtig herausstellen?

Schönberger: Diese Erzählungen und Narrationen, manche nennen sie Mythen, fallen nicht einfach vom Himmel, sondern haben oft eine lange Geschichte. Waren es in der Vergangenheit antisemitische Ressentiments, ist jetzt auch noch der Islam in das Fadenkreuz des Rassismus geraten. Menschen greifen diese Erzählungen nicht auf, weil sie dumm oder ungebildet sind. Sie wissen zum Teil sehr genau, dass diese Behauptungen ins Reich der Fabeln gehören und keinem Faktencheck standhalten können. Oft handelt es sich um eine Verschiebung von Problemen, über die nicht gesprochen werden soll. Insofern haben diese Erzählungen durchaus eine Funktion, einen rationalen Kern.

STANDARD: Was meinen Sie damit?

Schönberger: Menschen haben unterschiedliche Gründe, warum sie an solche Erzählungen glauben möchten. Einer ist, dass sie Teil einer Maschinerie sind, in der sie sich ohnmächtig fühlen. Die Vorstellung, dass da jemand ist, den ich ausgrenzen kann, dem ich sagen kann, er muss sich integrieren, suggeriert mir Handlungsfähigkeit. Das ist ein ganz rationales Interesse, um mich wieder handlungsfähig zu fühlen, indem ich nach unten trete und mich in der sozialen Hierarchie über andere erhebe.

STANDARD: Es geht also in Wahrheit um andere Probleme?

Schönberger: In einer komplexen Welt mit vielen Unsicherheiten, die ja real sind, treffen diese Erzählungen auf einen fruchtbaren Boden. Wer möchte sich schon grundsätzlich damit auseinandersetzen, warum seine Pension unsicher ist, warum private Aktiengesellschaften darüber bestimmen, ob man morgen noch seinen Job hat? In Kombination mit einer gewissen Medienpräsenz dieser Mythen kann man alle Probleme der Welt auf einen bestimmten Bereich fokussieren, in dem Fall auf Zuwanderer. Es ist mehr als die Suche nach einem Sündenbock, sondern eine Verschiebung der eigenen Probleme. Wir müssen allerdings aufhören, von den "berechtigten Ängsten" derjenigen, die andere drangsalieren, zu schwadronieren. Sie haben keine Angst vor Migranten, sie möchten sie herumkommandieren und sie verachten sie.

STANDARD: Üblicherweise erscheint die Migrationsdebatte eher von Ängsten getrieben. Wie lässt sich das erklären?

Schönberger: Es ist aberwitzig, welcher Aufwand betrieben wird, um die Burka zu verhindern, obwohl es nur eine Handvoll Fälle in ganz Österreich gibt. Wenn man aber eine kulturelle Ordnung und Unterordnung haben möchte, dann ist es rational, sich so zu echauffieren. Die Instrumentalisierung der Migrations- und Flüchtlingsfrage ist nichts anders als der Versuch, die gegenwärtige Demokratiekrise und gewisse Verarmungstendenzen zu dethematisieren.

STANDARD: Die Migrationsmythen sind also Teil der politischen Strategie?

Schönberger: Österreich braucht Einwanderung, das ist bekannt. Die Behauptung, dass Migranten Arbeitsplätze wegnehmen und den Sozialstaat gefährden, passt gut zu dem, was die Regierung vorhat, also einen ökonomischen Umbau und den Abbau von sozialen Sicherungssystemen. Diese Instrumentalisierung ist aus Sicht der ÖVP nachvollziehbar. Aus universitärer Perspektive verstehen viele aber nicht, warum der gerade in Migrationsfragen anerkannte Bildungsminister Heinz Faßmann entgegen der wissenschaftlichen Faktenlage Maßnahmen vertritt, die von Hasspredigern zur Regierungslinie erhoben wurden.

STANDARD: Warum ist es so leicht, sich auf Migration zu stürzen?

Schönberger: Es gibt Traditionen dieser Erzählungen, etwa die von der angeblich besonders hohen Kriminalität der "Ausländer". Oder das Beispiel sexuelle Gewalt. Man könnte das als Problem von toxischer Männlichkeit verhandeln. Die meiste Gefahr für Frauen geht von den Männern in den eigenen vier Wänden aus. Das ist also kein Problem der Migration, sondern eines der Männlichkeit. Dazu kommt, dass die Debatte um "Genderismus", die auch von der FPÖ geführt wird, eine Ermutigung ist für Männer, die eine Legitimation für ihren Besitzanspruch über Frauen suchen. Die komplexen sozialen Beziehungen und Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern können nicht von heute auf morgen aufgelöst werden, müssen aber jenseits der Migration angegangen werden, wenn es wirklich ein Interesse gibt an einer demokratischeren und gewaltfreieren Gesellschaft.

STANDARD: Wie kann man gegensteuern? Mit Gegenaufklärung und Fakten?

Schönberger: Man muss auf verschiedenen Ebenen agieren. Bei direkten Auseinandersetzungen muss man mit rationalen Fakten widersprechen. Die nächste Strategie ist die Dethematisierung, also die realen Probleme anzusprechen, die mittels Mythen weggeschoben werden. Und das Dritte ist: Der Mythos braucht einen Gegenmythos. Die Leute werden nicht überzeugt, weil sie die richtigen Fakten haben, sondern es muss ihnen etwas angeboten werden, wo sie ihre Hoffnungen hinprojizieren können.

STANDARD: Was könnte so ein Gegenmythos sein?

Schönberger: Es muss eine attraktivere soziale Praxis sein, von der niemand ausgeschlossen ist. Es geht um einen emanzipatorischen Mythos, in dem Herkunft keine Rolle spielt. Ich denke, man muss beim Klimawandel ansetzen, um die Jungen einzubeziehen. Die Forderung nach einem besseren Leben, besseren Partys und ökologisches Bewusstsein müssen sich nicht ausschließen. Es geht nicht darum, die alten Mythen von Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus wieder aufzuwärmen, das ist gegessen. Nicht gegessen sind die damit verbundenen Versprechen von einer gerechteren und freieren Gesellschaft für alle. Die müssen wir anders artikulieren und neu formulieren.

(Karin Krichmayr, 24.2.2019)

Klaus Schönberger ist Professor für Kulturanthropologie am Institut für Kulturanalyse der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Er betreibt im STANDARD den Blog "Kulturanalyse des Alltags".


Aus: "Kulturanthropologe: "Es ist rational, nach unten zu treten" InterviewKarin Krichmayr" (24. Februar 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000098441426/Kulturanthropologie-Schoenberger-Es-ist-rational-nach-unten-zu-treten

Quote
Freigeist78

Auch wer Antifaschismus ernst nimmt muss mit gängigen Auslegungen des Islam ein Problem bekommen. Ich kann an diesen kulturrelativistisch verwirrten Ansätzen auch nichts Linkes erkennen.


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Hibiskus

Wieder einer, der glaubt, seine Mitmenschen wüssten nicht, was sie tun, können nicht denken und eine eigene Meinung bilden, strampeln nur (nach unten) und glauben an "Mythen".


Quote
Querschädl

haha
schon wieder so ein "Studierter". Brauchen wir nicht, diese reflektierten Menschen, die statt billigem Populismus wissenschaftlich fundierte Ursachenforschung betreiben.
Wie heißt es so schön im heutigen Einserkastl: "Basti, der Schutzpatron der Unstudierten" wirds schon richten!


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Paul Stanley

Was Mythos ist und was nicht, wird hier ganz schlicht nach Weltanschauung sortiert, Fakten kommen in dem ganzen Gespräch nicht vor.


Quote
Norm MacDonald

Ich möchte Herrn Schönberger gern für das Brett vorm Kopf des Jahres nominieren.


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Lupus C. Cornu

Sie beleidigen Herrn Schönberger! UNFASSBAR - wie kommen Sie dazu???


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k.u.k hofquerflötendepotverwalter

Entspann dich mal a bissi ... Versuch es mit cordhosenbügeln auf dem fliesentisch.


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Little Green Man

recht hat er - er bleibt aber ein rufer in der wüste, wie man hier im forum sehen kann. leute, die nicht bereit sind, sich die situation aus einer anderen perspektive ansehen zu wollen. der beissreflex hier im forum beweist genau die thesen des arktikels.


Quote
Barbarus hic ergo sum ....

der beissreflex hier im forum beweist genau die thesen des arktikels.
GENAU! der beißreflex gegen die katholische kirche beweist, dass sie recht hat!

gell?


Quote
Canonista66

"Nicht gegessen sind die damit verbundenen Versprechen von einer gerechteren und freieren Gesellschaft für alle."

Das ist doch auch wieder nur eine Plattitüde. Was für einen politischen Plan kann man daraus destillieren?
Wenn es um materielle Gerechtigkeit geht, dann wird es immer noch zu akzeptieren sein, dass nicht alle für ihre Arbeit gleich viel bezahlt bekommen. Wenn es um Freiheit geht weiß ich nicht, wo die Unfreiheiten sind.

Zuwanderung ist ein Faktum, meine Großeltern sind aus der Böhmei zugewandert, aber müssen es unbedingt völlig un(aus)gebildete Problembären aus vollkommen fremden Kulturkreisen vom anderen Ende der Welt sein?


Quote
Gigantopithecus Rex

das radfahrer-verhalten:
nach oben buckeln, nach unten treten.

wenn "der Mythos einen Gegenmythos braucht", wie wär es mit diesem:
wenn du nach unten trittst, dann darfst du dich auch nicht beschweren, wenn du von einem 'höheren' getreten wirst!

dieser gegenmythos sollte jedem bekannt sein. JEDE mutter/vater bringt dem kind bei "was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!"
vielleicht ist es zeit, verstärkt daran zu erinnern, durch die realität.


Quote
Herr und Frau Österreicher

Was hier fehlt, ist die Rolle der Propaganda und Negativberichterstattung. Liest man Klatschblätter, tummelt man sich in den einschlägigen Bubbles (die ja mittlerweile im Mainstream angekommen sind) und hört man der Regierung zu, glaubt man ja wirklich, hinter jeder Ecke lauert ein 'Auslända", der einem nach dem Leben trachtet.


Quote
GWS

"Es ist aberwitzig, welcher Aufwand betrieben wird, um die Burka zu verhindern, obwohl es nur eine Handvoll Fälle in ganz Österreich gibt."

Gilt dieser Satz äquivalent auch, wenn es um die Einführung von Toiletten für Menschen mit "alternativem" Geschlecht geht?

Es gibt übrigens in Ö so +/- 50 Morde im Jahr (heuer womöglich ein bisserl mehr). Bei über 8 Mio. Einwohnern eigentlich vernachlässigbar. Sollen wir deshalb - mit obigem Argument - Mord aus dem StGB streichen und die Mordkommissionen auflösen?


Quote
Korinthenkacker

Ich gebe ihm Recht in dem Punkt, dass die Regierung versucht davon abzulenken, dass sie den Sozialstaat abbaut.


Quote
Achsel-des-Boesen

Wissen Sie, ich habe als Trainerin in einer AMS-Maßnahme für junge Erwachsene ohne Bildungsabschluss gearbeitet
In Wien bedeutet das: Über 80% Muslime.
Einmal habe ich es gewagt, weil in einen Text der Begriff "fossile Brennstoffe" vorkam,den Leuten erklären zu wollen, was eine "Fossilie" ist. Worauf mir ein Teilnehmer sagt: "Das ist eine politische Frage" Ich,völlig konsterniert:"Nein, eine wissenschaftliche". Ein anderer Teilnehmer erklärt mir nun, es stehe nicht im Koran, dass der Mensch vom Affen abstammt, deswegen glaube er das nicht. Und ein anderer meint, alle Wissenschaftler würden lügen und ließen sich dafür gut bezahlen. Die ganze Gruppe hat zugestimmt mit einer Ausnahme.Die Ausnahme war ein junger Afghane, dessen Vater Astronom war.
Das war nur eine von vielen Geschichten, bei denen mir ganz anders wurde.


Quote
gnadevorrecht
 ... Wer hierzulande als Frau leben muss, weiß auch von den allgegenwärtigen - oft subtilen - sexuellen Angriffen, denen frau ausgesetzt ist. "Zufällige" Blicke von Inländern(!), von denen frau in den Öffis "gestreift" wird, sind zum Beispiel an der Tagesordnung, die jedoch von den Opfern berechtigterweise als stare rape empfunden werden, welcher in Österreich dank einer untätigen Regierung (noch) nicht strafbar ist. Und jetzt sind es - typisch für uns - wieder die Ausländer, die als Sündenböcke herhalten müssen, dabei wird hier - wie oben treffend beschrieben - nur durch xenophobe Kräfte projiziert.


Quote
Pinackel

Sie Schlingelin!
Fast wäre ich Ihnen auf den Leim gegangen.
Knochentrockener Humor, Kompliment!


Quote
Mills

Ist das Satire oder fordern Sie hier ernsthaft dass flüchtige Blicke strafbar sein sollen?


Quote
Dr. Lefotrak

Spätestens wo "Linksliberale" solchen Leuten wie Abdel-Samad, Necla Kelek, Hirsi Ali oder Seyran Ates in den Rücken gefallen sind, um sich bei erzkonservativen Religionsvereinen anzubiedern, habe ich diese politische Ecke für immer wegen akutem Realitätsverlust abgeschrieben. Das war für mich der entgültige mentale Zusammenbruch der linksliberalen Bewegung, und diese ideologischen Sonntagsreden werden mich nicht zurückholen.


Quote

moustérien

Wenn man nur ein bisschen über diese ganzen echauffierten "Rationalitäten" der rechten Trollarmee im Forum drüberliest [1388 Postings/Kommentare, Stand 25.02.201817:00], leuchtet am Ende dieses luziden Interviews auch noch ein dickes fettes Q.E.D auf ...

([Die Wendung quod erat demonstrandum (lat. für „was zu beweisen war“) bindet das Ergebnis einer logischen oder mathematischen Beweisführung an den vorangestellten Zweck zurück und schließt damit die Beweisführung ab])


...

« Last Edit: Februar 25, 2019, 05:03:35 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #880 on: M?RZ 04, 2019, 12:33:36 nachm. »
Quote
[...] Anke Stelling schreibt über den Selbstbetrug im Alternativmileu - Die Lebenslügen der Weltverbesserer. Endlich eine Autorin, die die Ökonomie nicht unterschlägt: Anke Stelling beschäftigt sich mit Biographien im Neoliberalismus.

Anke Stelling schreibt in ihren Romanen »Bodentiefe Fenster« und »Schäfchen im Trockenen« über das Leben im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Milieustudien, könnte man meinen. Aber ihre Kritik geht jeden an, der glaubt, mit Einkäufen im Bioladen, mit kreativen Abenteuerspielplätzen, Tauschbörsen oder ­gemeinschaftlichem Wohnen würde die Welt ein Stück besser werden.

Dabei ist Stelling selbst so eine Weltverbesserin. »Es gibt kein richtiges Leben im falschen«, zitiert sie Adornos berühmten Aphorismus. »Aber ich will ja auch, dass es eins gibt. Ich will weiter darüber nachdenken«, sagt sie bei einer Tasse Earl Grey-Tee in einem Café am Helmholtzplatz.

Stelling, 1971 in Ulm geboren, wohnt um die Ecke, da, wo ihre Romane spielen: in einem Baugruppenprojekt, einer gewollten Idylle, die sich Gleichgesinnte nach langen Diskussionen geschaffen haben. Aber sie hat ein Problem mit dieser Idylle. Denn in dieser Welt herrscht ein Zwang zum Glücklichsein. »Was willst du denn noch?« wird ihrer Roman­figur Sandra in »Bodentiefe Fenster« entgegengehalten, wenn sie ihre Zweifel an der Idylle mitteilt.

Ihre Hauptfiguren Sandra und Resi in »Schäfchen im Trockenen« hadern mit Gleichheitsidealen, die sich nicht erfüllen lassen. In »Bodentiefe Fenster« begleiten Grips-Theater-Lieder Sandras Gedanken: »Wer sagt, dass Mädchen dümmer sind?«

Dafür sind dann die Mütter die Dummen. Sandras Mutter und die ihrer Freundinnen verzweifelten an ihren Idealen. Bei ihrer Kinderladenfreundin Tinka durfte täglich eine Rasselbande das Haus verwüsten. Die Mutter Marlies fand das schön, so bunt und kindgerecht, räumte lächelnd auf. Irgendwann schaffte sie es nicht mehr und lan­dete in der Psychiatrie.

Auch Sandra, inzwischen selbst Mutter, schafft es kaum. Doch sie will es unbedingt, das gute emanzipierte Leben. Schnell die Weingläser auf den Tisch stellen, wenn die kinderlose Mitbewohnerin zu Besuch kommt, damit sie bloß nicht denkt, man sei nicht glücklich. »Das ist nämlich die wahre Kunst: lässig zu bleiben beim Kochen und Backen, genauso wie bei der Kinderaufsicht. Sich zweizuteilen, in Wahrheit über wichtigere Dinge nachzudenken, sich mit Freunden zu unterhalten, Wein zu trinken, Utopien zu entwerfen. Alles gleichzeitig zu machen und zu sein«, räsoniert Sandra.

Anke Stelling sagt, auch sie verlange sich das ab, gehe abends mit Freunden aus und leide zugleich unter dem Anspruch: »Ich bediene die Vereinbarkeitslüge. Man muss aufpassen, dass das nicht zum Selbstzweck wird.«

Trotz aller Abgründe ist »Bodentiefe Fenster« auch eine witzige Geschichte über die Absurditäten des politisch korrekten Alltags. »Schäfchen im Trockenen« hingegen ist so bitterböse, dass die Lektüre fast Übelkeit auslöst. Doch zur Seite legen kann man das Buch nicht.

Zu Recht ist der Roman für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden, allerdings fragt man sich, was die Jury bewogen hat, das Buch als »verstörend uneindeutige, scharf belichtete Momentaufnahme« zu loben. Es ist weder uneindeutig noch eine Momentaufnahme. Der Roman ist eine schonungslose Kritik von Klassenstrukturen in der Mittelschicht, die eine Generation spalten, die sich selbst für egalitär und emanzipiert hält und glaubt, sich auf den Errungenschaften der Eltern­generation ausruhen zu können, ohne die Verhältnisse selbst noch hinterfragen zu müssen.

Dabei gäbe es Grund dazu: Protagonistin Resi konnte nicht mit ins Hausprojekt einziehen, denn ihr fehlt das nötige Eigenkapital. Damit sie dennoch in der Nähe ihrer alten Studienfreunde im teuren Bezirk bleiben kann, nimmt sie das Angebot an, zur Untermiete in die freiwerdende Altbauwohnung zu ziehen, die einem der Wohngenossen gehört. Resis Leben ist in jeglicher Hinsicht prekär: Sie ist Schriftstellerin, ihr Mann Künstler, sie haben vier Kinder und kein Erbe zu erwarten. Aber ist sie deshalb arm? Eine Freundin sagt ihr, sie könne doch gar nicht arm sein bei all den Büchern, die sie besitzt.

Damit sie mit den Kindern im Sommer an die Ostsee fahren können, schreibt sie für ein Magazin darüber, wie es ist, als Drittletzte im Bezirk in einem Haus zu wohnen, das keinen Projektnamen trägt, über ihren Neid auf den begehbaren Kleiderschrank ihrer Jugendliebe und dessen Ver­legenheit, als sie ihn entdeckt.

Nach der Veröffentlichung reden die Freunde nicht mehr mit ihr. Die Jugendliebe sagt: »Du hättest mitmachen können. Es ist peinlich, wie du dich zum Opfer stilisierst.«

Tatsächlich hätte sie einziehen können. Der Wohlhabendste im Projekt hatte angeboten, ihr 50000 Euro zu leihen. Sie schlug das Angebot aus.

Resi weiß, dass es Menschen gibt, denen es viel schlechter geht als ihr. Sie weiß, dass sie andere Entscheidungen im Leben hätte treffen können, etwas anderes studieren, ihre Jugendliebe aus gutem Hause heiraten. Sie ist selbst schuld.

Stelling nennt das die »neoliberale Erzählung« und erklärt: »Wir nehmen alles auf uns selbst, statt es als gesellschaftliches Phänomen zu sehen. Wenn du selbst schuld bist, bist du kein Opfer.

Niemand will Opfer sein. Ich spüre das auch bei mir. Darum funktioniert diese Lüge so gut.«
Aber Resi wird dann doch Opfer. Als sie einen Roman über das Wohnprojekt veröffentlicht, kündigt der Freund ihren Untermietvetrag. Es ist die Quittung für den Verrat an der Gemeinschaft.

Angesichts explodierender Mieten kann sie nur noch in Randbezirken eine neue Wohnung für die sechsköpfige Familie finden. In ihren Alpträumen sieht sie sich in einer Plattenbausiedlung in Marzahn.

Gnadenlos setzen die ehemaligen Freunde die Logik der Schuldzuschreibung gegen die sozial Schwächere durch und verweigern jedes Nachdenken über die eigene Klassenposition. Denn in ihrer Welt gibt es keinen Klassenunterschied. Sie alle gehören zur Mittelschicht.

Dabei sind die Freunde durchaus mitfühlende Menschen, die bereit sind, gegen das Unrecht in der Welt zu kämpfen. Aber man will es nicht bei sich haben. Die Armen – das sind die anderen. »Zu einem Arbeiter würde man nie sagen, dass er selbst schuld sei«, sagt Stelling. Dabei ­verdient der Arbeiter, sofern es ihn noch gibt, oft mehr als so mancher Akademiker, der das Falsche studiert hat.
Kürzlich habe ihr eine Journalistin erzählt, die über den Roman schreiben wollte, dass der verantwortliche Redakteur den Stoff als Luxusproblem abgetan habe. Er hätte lieber einen Bericht über eine Krankenschwester gelesen, die wirklich in Marzahn lebt.

»Aber die Linie verläuft nicht zwischen Krankenschwester und Aka­demikerin«, sagt Stelling.
Politisch fordert sie eine radikale Umverteilung. Für den Umgang miteinander wünscht sie sich »schmerzhafte Ehrlichkeit«. Sie macht das an der Figur des potentiellen Kreditgebers Ingmar fest. »Warum will er 50 000 Euro verleihen? Er will damit eine bunte glückliche Welt erkaufen. Ingmar müsste darüber reden, dass er sein Geld wegwünscht. Es ist ihm unangenehm zu sehen, dass es Leute gibt, die keins haben. Es ist ja nicht so toll, sich als Linker mit 80 000 Euro Jahresgehalt abzuschotten.«

Im wahren Leben geht es Anke Stelling besser als Resi. In ihrem Haus reden die Genossen zwar nicht mehr mit ihr. Aber weil die Romane ein Erfolg waren, kann sie sich nun locker den Urlaub an der Ostsee leisten.

 

Anke Stelling: Schäfchen im Trockenen. Verbrecher-Verlag, Berlin 2018, 272 Seiten



Aus: "Die Lebenslügen der Weltverbesserer" Hannah Wettig (28.02.2019)
Quelle: https://jungle.world/artikel/2019/09/die-lebensluegen-der-weltverbesserer

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« Reply #881 on: M?RZ 05, 2019, 09:36:38 vorm. »
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[...] Fast zwei Jahrzehnte lang finanzierte die Deutsche Bank den wirtschaftlichen Aufstieg von Donald Trump. Sie gewährte dem Immobilienmogul noch Kredite für Hochhäuser und Hotels, als er an der Wall Street längst in Ungnade gefallen war. Nun könnten diese Geschäftsbeziehungen für das Geldhaus zum Problem werden. Die Deutsche Bank ist ins Visier des demokratisch dominierten US-Kongresses geraden. „Wir sind sehr besorgt über mögliche Geldwäsche“, sagte Maxine Waters, die Vorsitzende des Finanzausschusses, dem US-Sender MSNBC.

Schon im Januar hatten Waters und ihr Kollege Adam Schiff, der den Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses leitet, die Deutsche Bank um die Bereitstellung von Dokumenten gebeten, die über die Finanzen und die Auslandsgeschäfte des US-Präsidenten Auskunft geben. In der Vergangenheit hatte das Institut solche Aufforderungen der Demokraten abgelehnt. Nachdem die Partei nun die Mehrheit im Repräsentantenhaus besitzt und wichtige Ausschüsse leitet, kooperiert die Bank nach Angaben von Waters: „Unsere Mitarbeiter fahren nach New York, um mit ihnen die Dokumente durchzusehen.“ Ein Vertreter der Bank sprach von einem „produktiven Dialog“. Inhaltlich äußert sich das Geldhaus aber nicht.

„Wir werden eine Menge über die Deutsche Bank und ihre Beziehung zum Präsidenten erfahren“, gibt sich Waters kämpferisch. Die Abgeordnete ist eine dezidierte Bankenkritikerin und setzt sich für eine Amtsenthebung von Trump ein. Offenbar will sie untersuchen, ob inoffizielles russisches Geld des Milliardärs über Umwege in die USA floss. „Wir wissen, dass die Deutsche Bank einen Ruf hat, Geldwäsche zu ermöglichen“, sagte Waters.

Durch die Aussage von Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen in der vergangenen Woche werden die Unterlagen der Bank noch interessanter. Cohen hatte dem ständigen Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses die Finanzberichte der Trump-Organisation aus den Jahren 2011 bis 2013 vorgelegt. Denenzufolge soll sich der Wert des Firmengeflechts 2013 auf dem Papier schlagartig auf 8,66 Milliarden Dollar verdoppelt haben. „Ich glaube, diese Zahlen sind aufgebläht“, sagte Cohen. Auf Basis dieser Angaben beantragte Trump bei der Deutschen Bank dann einen Kredit zum Kauf des Football-Teams Buffalo Bills.

Zwar kam dieser Deal dann nicht zustande. Andere Geschäfte wie der Bau des Trump-Towers in Chicago oder die Restaurierung des Trump-Hotels in Washington wurden aber realisiert und von der Deutschen Bank zwischen 1998 und 2016 finanziert.

Laut der von Trump zur Wahl vorgelegten Unterlagen stand er zu diesem Zeitpunkt bei dem Geldinstitut mit 150 Millionen Dollar in der Kreide. Laut der Wirtschaftsagentur Bloomberg soll sich die Gesamthöhe der laufenden Kredite sogar auf 340 Millionen Dollar belaufen.

Bloomberg berichtet, dass die Deutsche Bank aus Sorge vor dem PR-Desaster bei einem drohenden Zahlungsausfall intern sogar diskutiert haben soll, die Fälligkeit von 2023/2024 auf 2025 und damit die Zeit nach einer möglichen zweiten Amtszeit von Trump zu verschieben. Die Verantwortlichen in Frankfurt hätten sich dann aber dagegen entschieden.

Das Frankfurter Geldhaus sei das einzige Institut gewesen, „das mit dem Präsidenten noch Geschäfte machte, als andere sagten: Hände weg!“, betont Waters. Die Konkurrenz hätte schon Ende der 1990er Jahre genug von den Pleiten und Klagen des Immobilienmoguls gehabt. Die Abgeordnete ist überzeugt, dass es dem Finanzausschuss des Repräsentantenhaus gelingt, die geheimen Steuerunterlagen Trumps zu beschaffen und die Herkunft seines Vermögens aufzuklären.


Aus: "Verdacht gegen die Deutsche Bank" Karl Doemens (04.03.2019)
Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/verdacht-gegen-deutsche-bank-11824239.html

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Chulpezzo

Sag Du mir, wer Dir einen Kredit gibt, und ich sage Dir, was für ein Mensch Du bist.


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« Reply #882 on: M?RZ 05, 2019, 09:51:40 vorm. »
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[...]  Ich habe über 1.000 Bewerbungen geschrieben, bis ich eine Vollzeitstelle im Wachschutz gefunden habe – nach 18 Jahren Arbeitslosigkeit. Seit Oktober letzten Jahres bewache ich nun Museen und Schlösser in Potsdam, schließe Türen auf und wieder zu. Um von Standort zu Standort zu kommen, lege ich jede Nacht um die 13 Kilometer zu Fuß zurück.

Es gibt immer noch das Vorurteil, alle Hartz-IV-Empfänger seien faul und wollten gar nicht arbeiten. Klar gibt es Ausnahmen, aber meiner Erfahrung nach gilt das für den Großteil der Menschen nicht. Ich selbst hätte liebend gern früher einen Job gefunden, denn mit Hartz IV hatte ich kein gutes Leben. Bei mir sind während der Arbeitslosigkeit viele Freundschaften kaputtgegangen, ich konnte mir keine Hobbys leisten und auch nicht in meine Altersvorsorge investieren.   

Mein Arbeitsleben war bisher vom Pech gezeichnet. Ich habe eine Lehre als Facharbeiter für Bautischlerei gemacht, konnte meinen Beruf aber wegen eines Knalltraumas nicht ausführen. Laute Werkstätten würden mein Hörvermögen weiter verschlechtern. Danach war ich Müllmann, konnte den Beruf aber wegen einer Entzündung im Schultergelenk nicht weitermachen. Daraufhin war ich ein halbes Jahr krankgeschrieben und wurde danach einfach gefeuert. Bis heute kann ich meine Arme nicht mehr richtig über den Kopf strecken.

 2001 habe ich zum ersten Mal Arbeitslosengeld bekommen. 2005 wurde die Arbeitslosenhilfe durch Hartz IV ersetzt. Bis zum letzten Jahr lebte ich von dieser Leistung. Das heißt aber nicht, dass ich gar nicht gearbeitet hätte. Ich habe mehrere Ein-Euro-Jobs gemacht, um ein bisschen Geld dazuzuverdienen. Ich habe zum Beispiel einen Hausmeister in einer Schule unterstützt oder Flyer auf der Straße verteilt. Um meinen Regelsatz aufzubessern, habe ich eigentlich fast alle Jobs angenommen, die das Jobcenter mir zuteilte.

Denn der Hartz-IV-Regelsatz – bei mir waren das zuletzt 416 Euro – reichte kaum zum Überleben aus. Das Jobcenter zahlte zwar meine Krankenversicherung und die Miete für meine Zweizimmerwohnung. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich mir mit dem restlichen Betrag eine schöne Zeit machen konnte. Denn nach Abzug meiner Fixkosten blieben mir kaum 200 Euro fürs Essen und Leben übrig. Allein für Strom, Festnetz, Internet und Handy musste ich fast 90 Euro zahlen. Der größte Kostenfaktor war mein Auto. Die Versicherungen und der Sprit kosteten mich im Monat durchschnittlich etwa 115 Euro. Dazu kommen dann noch notwendige Reparaturen, Steuern und alle zwei Jahre der TÜV.

Einige sehen ein Auto bestimmt als unnötigen Luxus für einen Arbeitslosen, doch ich brauchte es, um anderen Hartz-IV-Empfängern zu helfen und mit ihnen zu Terminen zu fahren. Denn während meiner Arbeitslosigkeit habe ich einen Verein für Hartz-IV-Betroffene gegründet, um Menschen zu beraten, die in einer ähnlichen Lage waren wie ich. Ich bekam rund um die Uhr verzweifelte Anrufe. Einmal meldete sich zum Beispiel eine heulende Mutter mit Kleinkind, die kurz vor dem Rausschmiss aus ihrer Wohnung stand. Ich informiere die Anrufer über ihre Rechte, begleite sie zum Jobcenter oder zum Sozialgericht. Die Mutter durfte zum Beispiel dadurch ihre Wohnung behalten.

Manchmal waren die Menschen, denen ich half, die einzigen sozialen Kontakte, die ich noch hatte. Am meisten hat mich während meiner Hartz-IV-Zeit die Einsamkeit belastet. Ich bin jetzt 59 und habe weder Partnerin noch Kinder. Welche Frau will schon jemanden, der so bettelarm ist wie ich? Jemanden kennenzulernen war für mich nicht einfach, weil man ohne Geld kaum etwas unternehmen kann. Einfach so einen Kaffee trinken zu gehen, war für mich nicht drin. Ein- oder zweimal wurde ich noch von Bekannten eingeladen. Aber die hatten auch keine Lust, immer für mich mit zu bezahlen. Deswegen war ich ziemlich isoliert und saß den ganzen Tag zu Hause. Die Abende habe ich vor dem Fernseher mit Serien wie MacGyver oder ZDF-Dokus verbracht oder mit Eisenbahnspielen am Computer. Jetzt habe ich zwar Arbeitskollegen, mit denen ich quatschen kann, aber die Freundschaften von früher sind eingeschlafen. Die Zeit, in der ich eine Familie hätte gründen können, ist einfach vorbei. Irgendwann würde ich schon gerne nicht mehr allein leben. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt?

 Als Wachmann verdiene ich je nach Anzahl der Stunden, die ich arbeite, ungefähr 1.600 Euro brutto im Monat. Natürlich freue ich mich über die neue Situation, sie ändert viel in meinem Leben: Ich kann mir jetzt zum Beispiel neue Bauteile für meine Modelleisenbahn leisten. Mein Hobby verfolgen zu können, bedeutet Freude und Entspannung für mich. Aber bei einem Stundenlohn von 10,10 Euro breche ich trotzdem nicht gerade in Begeisterung aus. Das Geld reicht mir zwar gut zum Leben, an private Altersvorsorge ist aber nicht zu denken.

Rente ist überhaupt ein schmerzhaftes Thema. Als ich als Bautischler und Müllmann gearbeitet habe, habe ich in die Rente eingezahlt. Später war ich auch in der Riester-Rente.* Davon musste ich mich aber zwangsläufig verabschieden, weil ich mir den Beitrag während der Hartz-IV-Zeit nicht mehr leisten konnte. Da ich wahrscheinlich nicht über 800 Euro Rente bekommen werde, wird mein Rentnerdasein nicht gerade erfreulich.

Eine der stärksten Veränderungen in meinem Leben, nachdem ich einen Job gefunden habe, ist, dass ich mir besseres Essen leisten kann. Als ich von Hartz IV lebte, konnte ich höchstens 30 Euro pro Woche für Lebensmittel einplanen. Deswegen musste ich die billigsten Lebensmittel kaufen und immer langfristig denken. Wenn die Hühnerbrust gerade im Angebot war, habe ich mir davon mehr gekauft und daraus zehn Liter Hühnersuppe gekocht. Was ich nicht sofort gegessen habe, habe ich für später eingefroren. Jetzt kann ich mir Obst, Pudding oder Lachs gönnen, wenn ich Lust darauf habe. Ich kann spontan entscheiden, was und wann ich essen will. Auf den Preis achte ich aber immer noch sehr genau und schaue vorher in Prospekten, was gerade günstig ist. Auf jeden Cent zu achten trainiert man sich nicht so schnell wieder ab. Ein entspanntes Verhältnis zu Geld werde ich wahrscheinlich nie haben.

Natürlich war es hart, 18 Jahre lang arbeitslos zu sein und den größten Teil der Zeit Hartz IV zu bekommen. Trotzdem bin ich stolz darauf, dass ich auch in meiner Situation zu prekären Beschäftigungen nein gesagt habe. Ich kann doch nicht acht Stunden täglich arbeiten gehen und dann noch beim Jobcenter zusätzliches Arbeitslosengeld II beantragen, weil das Geld zum Leben nicht reicht! Wenn ich für die paar Groschen schufte, versaue ich anderen die guten Gehälter. Arbeitgeber zahlen eben lieber einen Billiglohn – und so geht die Spirale immer weiter nach unten. Da mache ich nicht mit.

Mit meinem jetzigen Job bin ich zufrieden – vor allem, weil ich ihn theoretisch bis zur Rente machen könnte. Es ist nicht einfach, eine Beschäftigung zu finden, wenn man so lange erwerbslos war. Es war meine eigene Idee, die halbjährige Fortbildung zum Wachmann zu machen. Auch wenn das Jobcenter oft ätzend ist, hat sich zum Glück eine vernünftige Mitarbeiterin für mich eingesetzt, damit die Kosten vom Jobcenter übernommen werden. Jetzt hoffe ich, dass mein Jahresvertrag in einen unbefristeten mündet. Manchmal frage ich mich, was passiert, wenn ich einen Unfall habe und wieder bei Hartz IV lande. Deswegen traue ich mich gar nicht, mir einen höheren Lebensstandard zu gönnen, damit ich meine Ansprüche nicht irgendwann wieder runterschrauben muss.


Aus: "Berufseinstieg nach Hartz IV: "Welche Frau will jemanden, der so bettelarm ist wie ich?""  Protokoll: Juli Katz (25. Februar 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/arbeit/2019-02/berufseinstieg-hartz-iv-arbeitslosigkeit-erfahrung/komplettansicht

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Hodor Walder #1

Schade das viele Frauen einen Mann immer noch nach dem Einkommen klassifizieren.


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der Eine Ring #1.1

Bedauerlich, dass viele Männer eine Frau immer noch nach ihrem Äußeren klassifizieren.


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« Reply #883 on: M?RZ 05, 2019, 03:12:07 nachm. »
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[...] Immer öfter muss Bremen für nicht gezahlten Unterhalt einspringen. Das Geld für Kinder Alleinerziehender wird von den eigentlich zahlungspflichtigen Elternteilen meistens nicht zurückgezahlt: Laut aktuellen Daten des Bundesfamilienministeriums ist die sogenannte Rückholquote in ganz Deutschland auf ein Rekordtief von 13 Prozent gesunken, in Bremen liegt sie bei nur knapp sechs Prozent.

Damit ist das kleinste Bundesland Schlusslicht. Dass das so ist, sagt die Arbeitsmarktexpertin Esther Schröder, sei alarmierend. Sie sieht die Sozialbehörde in der Pflicht, sich mehr für die betroffenen Alleinerziehenden einzusetzen.

Im vergangenen Jahr hat Bremen 22 Millionen Euro an Unterhaltszahlungen ausgelegt, zurückgezahlt wurden davon lediglich 1,2 Millionen. In vier von fünf Fällen mussten alleinerziehende Mütter diese Unterstützung beim Sozialamt beantragen. Dass die Rückholquoten bundesweit gesunken sind, hat laut dem Bundesfamilienministerium mit einer Gesetzesänderung aus dem Jahr 2017 zu tun: Zuvor bestand der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss lediglich für Kinder bis zwölf Jahre und maximal für 72 Monate. Diese Begrenzungen gibt es nicht mehr, der Unterhaltsvorschuss wird bis zum 18. Geburtstag des Kindes gezahlt. Nun gibt es mehr Antragsberechtigte und somit mehr Fälle, in denen die Vorschüsse nicht zurückgezahlt werden.

Was ist der Grund dafür? Das hat laut Bernd Schneider, Sprecher der Sozialbehörde, mit der Sozialstruktur zu tun: Bremen habe nach Berlin die höchste Hartz-IV-Quote und die zweithöchste Zahl an Alleinerziehenden bundesweit. Fast 90 Prozent der Unterhaltspflichtigen seien auf Sozialhilfe angewiesen. Bei ihnen sei es für den Staat schlichtweg nicht möglich, den fälligen Unterhalt eintreiben.

So argumentiert auch das Bundesfamilienministerium: „Die Unterhaltsverpflichtung endet dort, wo der Unterhaltspflichtige nicht mehr in der Lage ist, seine eigene Existenz zu sichern“, sagt ein Ministeriumssprecher. In Bundesländern mit schwierigerer wirtschaftlicher Situation oder hohen Hartz-IV-Quoten sei es „naturgemäß schwieriger, Kindesunterhalt durchzusetzen“ als in anderen Bundesländern. Die langfristig erfolgreiche Rückholung sei von gut organisierten und ausreichend mit Personal ausgestatteten Teams abhängig. Und das, sagt der Sprecher, sei Aufgabe der Bundesländer.

Esther Schröder, Mitorganisatorin der Ausstellung „Mittenmang – alleinerziehend in Bremen“, ist mit dieser Argumentation nicht zufrieden: Dass 90 Prozent der betroffenen Elternteile tatsächlich keinen Unterhalt zahlen können, bezweifelt sie. Das macht sie an der größten Gruppe der Unterhaltspflichten, den Vätern, fest: In Bremen, das belegt eine Erhebung der Arbeitnehmerkammer, verdienen Männer im Durchschnitt mehr als im Bundesvergleich. „Wieso sollte ausgerechnet die Gruppe der unterhaltspflichtigen Väter eine Ausnahme sein?“, sagt Schröder.

Ein weiteres Problem ist laut Schröder die Höhe der Vorschusszahlungen: Diese liegen meist unter den Unterhaltsansprüchen, auf die die Kinder laut der sogenannten Düsseldorfer Tabelle ein Recht hätten. „Vorschuss statt Unterhalt ist Verzicht“, sagt sie. Sie sieht das Sozialressort in der Verantwortung: Die geringe Rückgriffquote zeige, dass das Land sich nicht genug für die Belange der Betroffenen einsetze. „Offensichtlich fällt es leichter, den Antrag auf Unterhaltsvorschuss vorzulegen und Steuergelder auszureichen, als für die Zahlung von Unterhalt zu sorgen“, sagt sie. Es gebe schlichtweg zu wenig Personal in den Jugendämtern, um den säumigen Zahlern nachzugehen. Auch Zwangsmaßnahmen bei nicht gezahltem Unterhalt vermisst sie in Bremen.

Die Gemengelage treffe die Bremer besonders hart: 67,8 Prozent der Alleinerziehenden mit Kind seien von der Grundsicherung abhängig, Alleinerziehende mit zwei Kindern sogar in 96,2 Prozent der Fälle. Der Bundesschnitt liege bei 49 Prozent. Damit waren 2017 knapp 16 160 Kinder in Bremen von Armut betroffen. „Der fehlende Unterhalt ist ein wichtiger Baustein für die Existenzsicherung“, sagt Schröder. „Das sind skandalöse Zahlen, die mit einer skandalösen Hilfequote für Alleinerziehende korrespondieren.“

Dass die Unterhaltsvorschüsse unter dem gesetzlichen Anspruch liegen, bestätigt das Sozialressort. Die Zahlungen seien Mindestbeträge, sagt Schneider, die unabhängig vom Einkommen sind. „Der Vorschuss ist eine Basissicherung." Allerdings könne Bremen daran wenig ändern: Die Beiträge richten sich nach Bundesvorgaben. Dass die Jugendämter nicht ausreichend besetzt seien, könne er nicht bestätigen: Mit der Gesetzesform 2017 seien zahlreiche neue Mitarbeiter eingestellt worden, um die Rückholungsfälle zu bearbeiten. "Das kann nicht der Grund für die niedrige Quote sein", sagt Schneider. 


Aus: "Bremen bekommt kaum Geld zurück" Lisa-Maria Röhling (04.03.2019)
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bremen-bekommt-kaum-geld-zurueck-_arid,1811465.html

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cleverever
am 05.03.2019, 14:03

Löse den Widerspruch :

1. Die Rückholquote beträgt in Bremen 6% , deutschlandweit 13%.
2. In Bremen verdienen die Männer im Schnitt mehr als im Bundesdurchschnitt.
3. Es gibt angeblich ausreichend Personal in den Jugendämtern, um säumigen Zahlern nachzugehen.

Unabhängig von den problematischen Freigrenzen und Steuerklasseneinordnung der Unterhaltspflichtigen. Es kann ja nun auch nicht sein, dem Steuerzahler die Kosten für leichtfertige Familienplanung, Patchwork-Ideen oder moderner Lebensformen u.ä. aufzubürden.


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monsch
am 05.03.2019, 00:03
Z.B. wenn ein Vater keinen Unterhalt zahlt. Dann beantragt die Mutter Unterhaltsvorschuss. Die Behörde meldet sich dann beim Vater und der muss seinen Lebensunterhalt, also Einkommen, Vermögen etc. nachweisen. Die prüfen seine Angaben. Der Normalbürger kann da gar nichts machen. Es wird immer so dargestellt, als wenn viele nicht zahlen wollen. Die Einzigen die tricksen können sind die Selbstständigen. Ansonsten können viele nicht mal eben 370 Euro Unterhalt zahlen (Kinder ab 12 Jahre). Vor allem wenn es zwei oder mehr Kinder sind. Der Selbstbehalt liegt bei 1080 Euro plus 5 Prozent Fahrkosten. Als muss man schon 1600 Euro netto im Monat verdienen, bei zwei Kindern schnell 2000 Euro netto pro Monat. Das haben viele einfach nicht! Der Selbstbehalt wurde schon viele Jahre nicht erhöht, aber der Unterhalt zigmal.


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onkelhenry
am 05.03.2019, 09:15
@monsch

Sehe ich auch so! In vielen (natürlich nicht allen) Fällen werden die Unterhaltspflichtigen gar nicht in der Lage sein, den Forderungen ganz oder teilweise nachzukommen.
Da ist auch eine Statistik, dass Bremer Männer über dem Bundesdurchschnitt verdienen würden, wenig sinnvoll, weil viel zu pauschal.

Das ist eben die Kehrseite einer kurzsichtigen Politik:
In Bremen arbeiten viele im Niedriglohnsektor. Zum Beispiel in den (gerne angesiedelten) Logistik- oder Telekommunikationsbranchen wird nicht gerade üppig bezahlt. 2000€ netto sind da eher die Ausnahme.

Und bei 1080 Euro plus 5 Prozent Fahrkosten Selbstbehalt, steht bei den heutigen Kosten der Unterhaltspflichtige ja ebenfalls kurz vor dem Ruin.

Vielleicht sollten sich unsere "Sozialexperten" aus der Politik mal lieber mit solchen Themen beschäftigen.


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« Reply #884 on: M?RZ 06, 2019, 09:12:57 vorm. »
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Griesoss1 #18

Wir leben in perversen Zeiten! Ein oder, global betrachtet, von mir aus mehrere Gesellschafts bzw Wirtschaftssysteme, die es erlauben, dass nicht wenige Menschen innerhalb weniger Jahre ein Vermögen von 10, 20, 30, 40 , bis hin zu über 100 Milliarden € "erarbeiten" können. Dass diese Vermögen Schwankungen unterliegen ist klar, kann man aber bei diesen Größenordnungen vernachlässigen.


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[...]  sittingbull #13

... das jährliche Schaulaufen der Forbes-Liste [ist] mit einer Fieberkurve zu vergleichen, die den Grad der Krankheit unseres wahnwitzigen Gesellschaftssystems ausdrückt.



Kommentar zu: "Milliardärs-Ranking: Mark Zuckerberg fällt in "Forbes"-Reichenliste um drei Plätze" (6. März 2019)
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-03/forbes-milliardaers-ranking-mark-zuckerberg-faellt-reichenliste

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« Reply #885 on: M?RZ 12, 2019, 11:54:57 vorm. »
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[...] Am Sterbebett hielt er ihn an der Hand. Ihn, der vor lauter Schläuchen und Verbänden und Kanülen nicht mehr reden konnte. Also waren die Tränen ihre Sprache. Tränen der Trauer, Tränen der Reue, Tränen der Wut – und Tränen der Erleichterung. Denn in diesem intimen Moment auf der Intensivstation des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern erhielt ein Vater von seinem Sohn das Wertvollste, das ein Vater von seinem Sohn erhalten kann: einen Freispruch in allen Anklagepunkten.

Er sprach den Vater frei von der Schuld an der Armut, in der die Familie leben musste. Er sprach den Vater frei von der Schuld an den seelischen Wunden, die ihm die Gewalt zugefügt hatte. Und er sprach den Vater frei von der Schuld am Krebs, an dem acht Jahre zuvor die Mutter im Alter von 32 Jahren gestorben war. Ohne ein einziges Wort, nur mit einem Händedruck und ein paar Tränen, sagte der Sohn dem Vater: „Ich verstehe dich. Ich verzeihe dir. Ich hab dich lieb.“

Ich hab dich lieb. Das ist so ein Satz, der dem Vater niemals über die Lippen gekommen wäre. Niemals. Mir aber auch nicht. Zumindest nicht ihm gegenüber. Für meinen Vater war das ein Frauensatz. Also war es das auch für mich. Wenn ihn die Zuneigung zu seinen Söhnen übermannte, dann nannte er mich und meinen Bruder „Meine Gutsten“. Den sprachlichen Fehler und den daraus sich ergebenden Witz erkannten wir schon als Achtjährige, und ohne es bewusst zu begreifen, fühlten wir uns mit diesem ironisch gebrochenen Bekenntnis wohler, als wenn er uns „in Frauensprache“ bezärtelt hätte.

Édouard Louis, der in ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen ist wie ich, spricht in seinem Buch Wer hat meinen Vater umgebracht seinen noch lebenden alten Mann direkt an: „Ich habe oft das Gefühl, dass ich dich liebe.“ Das ist ein Satz, der auch mein Empfinden mehr als 15 Jahre nach dem Tod des Vaters ziemlich genau kennzeichnet. An anderer Stelle schreibt Louis: „Meine ganze Kindheit über hoffte ich, du würdest verschwinden.“ Das wiederum ist in meinem Fall genau umgekehrt. Bei mir müsste es heißen: „Meine ganze Kindheit über hoffte ich, du würdest bleiben.“

Mochte er mich auch einmal schwungvoll gegen die Wand geschleudert, mochte er auch manchmal unser letztes Geld in der letzten Spelunke versoffen, mochte er auch mehrmals meine Mutter blutig geprügelt haben, ich wollte immer, dass er bleibt. Aber anders. Anders als an jenem Samstagabend, da meine Mutter wieder mal seine Klamotten rausgestellt und die Tür verriegelt hatte.

Als er zurückkam, da ahnte sie, was geschehen würde. Mein Bruder war nicht da, meine beiden kleinen Schwestern befanden sich im Tiefschlaf. Also weckte meine Mutter mich und schnappte sich im stockfinsteren Wohnzimmer ihre Lieblingsdecke. Da schlug der Mann des Hauses schon minutenlang von außen auf die Tür ein.

Mitten in der Nacht wickelte meine Mutter sich und mich auf dem Sofa in der Decke ein, und dann drückte sie mich zitternd an sich. Sie drückte mich so fest an sich, dass ich kaum Luft bekam, aber das war mir egal, denn ich spürte die ganze Wärme, die ganze Furcht und die ganze Liebe meiner Mutter. Mittlerweile trampelte der Vater mit den Füßen gegen die Tür, und ich weiß noch heute, was mir in diesem Augenblick sinngemäß durch den Kindskopf ging: Wenn der uns so sieht, wird er mich als Mädchen beschimpfen, als Weichei und als Schwuchtel, und dann wird er wieder in seinen Hiebestaumel verfallen.

Irgendwann hatte er die Tür aufgebrochen. Er würdigte uns keines Blickes und torkelte ins Bett. Meine Schwestern schrien nach ihrer Mutter. Mein Vater blieb. Aber nicht anders. Monatelang schloss die Tür nicht, und jahrelang schloss meine Mutter nicht mit ihrem Mann ab. Sie tat es erst, als es für sie längst zu spät war. In der Gewissheit des nahenden eigenen Todes fand meine Mutter doch noch die Kraft, meinen Vater rauszuschmeißen. Endgültig.

In seinem Brief an den Vater schreibt Franz Kafka: „Es war, als hättest Du keine Ahnung von Deiner Macht.“ Eines Nachts, meine Mutter musste längst schwer krank gewesen sein, da beobachtete ich meinen Vater. Mittlerweile hatten mein Bruder und ich ein Etagenbett. Alle paar Monate tauschten wir die Plätze. Gerade lag ich oben. Von da konnte ich direkt ins Wohnzimmer blicken. Dort fuhrwerkte der Vater am Fernseher herum, er klopfte das staubige Sofa ab, er rülpste sein Gute-Laune-Rülpsen, und dann stand er plötzlich winkend im Türrahmen unseres Kinderzimmers. Damit war klar: Am nächsten Tag würden wir nicht zur Schule gehen. Wir würden ausschlafen. Eine traumschöne Aussicht vor einer traumschönen Nacht.

Bis zum Morgengrauen spielten wir zu dritt Nintendo. Super Mario. Konsole und Spiel hatte unser Vater noch am selben Tag klargemacht. Als Möbelpacker schleppte er für viele in der Pfalz stationierte US-Soldaten die Umzugskisten. Nicht immer, aber immer öfter fand er darin Dinge, die wir uns auch in hundert Jahren nicht hätten leisten können – und ließ sie „mitgehen“, wie er es formulierte. Das sei nicht recht, sagte er, aber es sei gerecht. Als moderner Robin Hood schenkte er uns eine unbeschwerte „Männernacht“ inmitten der lähmenden Angst um unsere Mutter. Ich glaube nicht, dass mein Vater wirklich um die Bedeutung jener Nacht wusste. Es war, als hätte er keine Ahnung von seiner Macht.

Für andere waren wir „die Unterschicht“, „die Asozialen“, „die Dummschüler“. Niemand in unserer Familie war je über den Hauptschulabschluss hinausgekommen. Außer meinem Großvater mütterlicherseits hatte keiner eine Berufsausbildung abgeschlossen. Während die Mitschüler mit ihren Eltern in den Urlaub flogen, einander vor dem Zubettgehen aus Büchern vorlasen und häufig in Restaurants tafelten, gingen wir zur Tafel, hingen den ganzen Sommer im Wohnblock ab, kannten die besten Kinderbücher nur als Filme, und wir aßen Pommes. Noch heute riecht Frittenfett für mich nach Heimat.

Unsere Wohnung war ein Skandal. Ein versiffter Teppich überdeckte den grauen Betonboden, die Fenster waren nur einfach verglast, es gab keine Heizung, an den Wänden gediehen Feuchtigkeitsflecken, die in jedem Raum jenen Schimmel sprießen ließen, der meiner Lunge schweres Asthma bescherte.

Es fiel mir viele Jahre lang schwer, jemand oder etwas anderes für diese Zustände verantwortlich zu machen als meinen Vater. Jeden Morgen stand er um Punkt sechs Uhr unten an der Straße, stieg in den Lkw ein und fuhr zur Arbeit. Er fuhr zur Arbeit, so wie die Väter meiner Schulfreunde auch jeden Morgen zur Arbeit fuhren. Warum konnten wir uns dann aber oft nicht genug Lebensmittel kaufen, weshalb durften wir so selten ins Kino gehen, und wieso waren wir nie, nie, nie verreist? Es ging mir einfach nicht in den Kopf.

Im Gegensatz zu meiner Mutter trug mein Vater das Stigma der Armut mit einem Trotz, den man beinahe mit Würde hätte verwechseln können. Unbewusst bewunderte ich ihn dafür zeit seines Lebens. Ich verehrte seine starken Hände und wollte später einmal mit einer „Männerarbeit“ meinen Lebensunterhalt verdienen. Ich mochte seine Hautkunst und trug Klebetattoos mit Piratenflaggen und Schmetterlingen auf meinen Oberärmchen.

Ich bestaunte seinen Bizeps und stolzierte wie er mit freiem Oberkörper durch die Gegend. Ich zündete Salzstangen an und zog mit unbeholfenem Schlafzimmerblick daran, als würde ich auf besonders männliche Art eine Zigarette rauchen. Ich trank Milch aus dem Schoppenglas und bezeichnete sie in gespielter Beschwipstheit als „Weißbier“. Ich sah die Filme von Jean-Claude Van Damme und spielte mit meinem Bruder die Kampfszenen nach.

Auf keinen Fall jedoch wollte ich mich prügeln, sosehr der Vater uns auch einschärfte, ein Mann müsse sich dann und wann mit anderen Männern kloppen, das gehöre zum Mannsein dazu. Den fehlenden Drang nach Raufereien begriff ich als Makel. Vor allem, seit ich ein Faible dafür entwickelt hatte, mich als Frau zu verkleiden. Ich erinnere mich, dass mein Vater mich von einer Faschingsparty in der Grundschule abholte. Eigentlich sollte meine Mutter kommen. Wahrscheinlich war wieder was mit dem verdammten Krebs.

Als ich meinen Vater auf dem Schulhof sah, mit meinem Kleidchen und meinem Hütchen und meinem Täschchen, da dachte ich, mein letztes Stündlein habe geschlagen. Hätte ich Heidenkind gewusst, wie man sich bekreuzigt, ich hätte es auf der Stelle getan. Stattdessen grinste mein Vater und fragte: „Verzeihen Sie, schöne junge Dame. Haben Sie zufällig meinen Sohnemann gesehen? Einen kleinen Blonden, der müsste hier irgendwo rumrennen.“ Ich trieb meine Stimme in die Höhe und fragte, ob er diesen kleinen Frechdachs meine, der mir eben unter den Rock gucken wollte. Dann lachten wir uns kaputt. Er nahm meine schweißnasse Hand und spazierte mit mir nach Hause.

An einem besonderen Tag im Mai 1997, meine Mutter war seit zwei Jahren tot, trafen wir uns nach einiger Zeit wieder – beim Amtsgericht, das über das Sorgerecht urteilen musste. Wir Kinder waren bei einer Tante untergekommen, von der wir nicht wieder wegwollten. Aber meinen Vater wollte ich trotzdem wiederhaben. Nur eben, noch immer, anders.

Da tauchte er auf, händchenhaltend mit seiner neuen Freundin. Eifersucht stieg in mir auf, auch Unverständnis, Missgunst, Zorn, Hass. Er nickte seinen Kindern zu, erkundigte sich nach dem Befinden, wie es in der Schule laufe, ob wir auch brav seien zur Tante. Die Richterin entschied binnen weniger Minuten zu ihren Gunsten, mein Vater ging komplett leer aus. Nach der Verhandlung verabschiedete er sich und verschwand. Ich blieb mit einem Stich im Herzen zurück, der noch heute schmerzt. Er hatte es vergessen. Er hatte mir nicht gratuliert. Er hatte es tatsächlich vergessen. Es war mein zwölfter Geburtstag.

Jahrelang wiederholten sich solche Szenen. Der Kontakt blieb brüchig. Einmal kündigte er an, bei einem meiner Fußballspiele vorbeizuschauen. Die Väter fast aller meiner Teamkameraden unterstützten ihren Nachwuchs jedes Wochenende von der Seitenlinie aus, und an diesem Wochenende sollte endlich auch mein Vater da sein, um mich anzufeuern.

Alle sollten sehen, dass auch ich einen alten Herrn habe, der Großes von mir erwartet, der mich schon im Trikot des FCK durchs Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg wirbeln sieht, der mich für den nächsten Andi Brehme hält. Es wurde das schlechteste Spiel meines Sportlerlebens. Ständig stierte ich nach draußen, immer auf der Suche nach dem Vater, der schon wieder nicht gekommen war. Das muss der Moment gewesen sein, in dem ich beschloss, ihn aus meinem Leben zu löschen.

Der Sohn am Sterbebett war nicht ich, sondern mein Bruder. Wenige Tage zuvor hatten wir erfahren, dass es mit dem Vater zu Ende gehen würde. Multiorganversagen. Mit 43 Jahren. Ich stand mitten in den Abiturprüfungen. Als Erster in der Familie. Diesen letzten Stolz auf seinen Sohn wollte ich ihm nicht gönnen. Heute weiß ich, dass mein Bruder richtig gehandelt hat. Wofür ich den Marxismus kennenlernen musste, das spürte er von ganz allein: Unser Vater war ein Mann seiner Klasse. Ein Mann, der kaum eine Wahl hatte, weil er wegen seiner Gewaltherkunft und wegen einer ihn nicht auffangenden Gesellschaft zu dem werden musste, der er nun einmal war.

Das entschuldigt nichts, aber es erklärt alles. Und es gilt ebenso für mich. Mein Fortbleiben vom Sterbebett gründete in der Weigerung zum Verzeihen und in der Unfähigkeit zu trauern. Beides steht für eine Männlichkeit, von der ich einzig darum loskommen konnte, weil ich zufällig nicht frühzeitig aus dem Bildungssystem eliminiert wurde, so wie es für Menschen wie mich, meinen Bruder und meinen Vater eigentlich vorgesehen ist. Heute, da ich ehrlich zu mir selber sein kann, gestehe ich ein, was schon damals galt und was bis heute gilt: Ich hab ihn lieb.


Aus: "Ein Mann seiner Klasse" Christian Baron (Ausgabe 10/2019 )
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/cbaron/ein-mann-seiner-klasse

http://www.christian-baron.com/


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« Reply #886 on: M?RZ 13, 2019, 10:31:11 vorm. »
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[...]  In den USA sollen Dutzende Reiche und TV-Stars Angestellte renommierter US-Hochschulen bestochen haben, um einen Studienplatz für ihre Kinder zu ergattern. Die Staatsanwaltschaft in Boston erhob Anklage gegen 50 Beschuldigte, darunter die Schauspielerinnen Felicity Huffman ("Desperate Housewives") und Lori Loughlin ("Full House"). Huffman wurde festgenommen.

Über einen Mittelsmann flossen demnach in den Jahren von 2011 bis zum Februar dieses Jahres 25 Millionen Dollar an Sporttrainer und Verwaltungsangestellte von renommierten Unis wie Stanford, der Wake Forest University, Georgetown und der University of Southern California.

 Die US-Behörden sprachen vom größten Betrugsskandal dieser Art, der jemals vom Justizministerium zur Anklage gebracht wurde. Unter anderem seien die Kinder reicher Eltern auf eine Liste guter Sportler gesetzt worden, obwohl sie das gar nicht waren. Das sollte garantieren, dass sie unabhängig von ihren Noten aufgenommen werden. "Für jeden Studenten, der durch Betrug aufgenommen wurde, ist ein ehrlicher und wirklich talentierter Student abgelehnt worden", sagte Staatsanwalt Andrew Lelling.

Aufgedeckt wurde der Bestechungsskandal durch einen ehemaligen Fußballtrainer an der Universität Yale, der sich selbst schuldig bekannte. Das Geld floss demnach über eine Firma aus Kalifornien, die Beratungen für die Aufnahme an US-Unis anbot. Die Ermittlungen dauern an, nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft sind noch mehr Eltern in den Skandal involviert. Die betroffenen Kinder selbst wurden nicht angeklagt. Viele von ihnen wussten laut den Ermittlern gar nichts von dem Betrug.


Aus: "Millionen für Studienplatz Stars sollen US-Elite-Unis bestochen haben" (12.03.2019)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/bestechung-us-unis-101.html


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« Reply #887 on: M?RZ 18, 2019, 09:53:59 nachm. »
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[...] Unser Bezirk ist Berlins Hochburg der Bildungselite. Das geht aus den neuen Einschulungsdaten 2017 der Senatsgesundheitsverwaltung hervor. Darin steht der „ESU-Sozialstatusindex“ – der wertet die Bildung der Erstklässler-Eltern und ihren beruflichen Status aus (nicht aber das genaue Einkommen). Nach dem ESU-Index kommen 57,7 Prozent der etwa 4000 Pankower Erstklässler aus der „oberen Statusgruppe“, 37,8 Prozent aus der „mittleren“ und nur 4,5 Prozent aus der „unteren“. Platz zwei belegt hier Steglitz-Zehlendorf (53,7 obere / 39,6 mittlere / 6,8 untere Statusgruppe). Der Berlin-Schnitt ist 37,4 obere, 46,0 mittlere und 16,5 untere Statusgruppe.

Dass Pankower Schüler zur großen Mehrheit aus solchen gut situierten Bildungsfamilien kommen, ist übrigens kein einmaliger Ausrutscher, sondern ein seit Jahren anhaltender Trend. 2014 kamen 52,4 Prozent der Pankower Erstklässler aus der oberen Statusgruppe, 2015 waren es 56,4 Prozent, 2016 sogar 67,9 Prozent – alles jeweils Berliner Spitzenwerte.


Aus: "Pankow hat die meisten Oberschichten-Erstklässler" Christian Hönicke (14.03.2019)
Quelle: https://leute.tagesspiegel.de/pankow/macher/2019/03/14/74770/pankow-hat-die-meisten-oberschichten-erstklaessler/

https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Pankow

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« Reply #888 on: M?RZ 21, 2019, 09:11:28 vorm. »
Quote
[...] Für ehemalige Bundeskanzler und Bundespräsidenten sollen bald neue finanzielle Regeln gelten. Das berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf einen Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages. Demnach sollen zusätzliche Einkünfte der Ex-Präsidenten auf den Ehrensold von 236.000 Euro im Jahr angerechnet werden – derzeit betrifft dies besonders Ex-Präsident Christian Wulff (CDU) mit seiner Hamburger Anwaltskanzlei. Zudem dürfe der Bundestag die Büros der ehemaligen Regierungschefs und Präsidenten aussuchen, um extrem hohe Mietkosten zu vermeiden. Festgelegt wurde auch die personelle Ausstattung der Büros. Zukünftig soll den Altkanzlern und Altbundespräsidenten eine Büroleitung, zwei Referentinnen, eine Schreibkraft und ein Fahrer zur Verfügung stehen.

Hintergrund der neuen Regelungen ist eine Kritik des Bundesrechnungshofs vom September vergangenen Jahres. Autoren eines Prüfberichtes monierten damals, dass sich bei ehemaligen Bundespräsidenten ein Automatismus "lebenslanger Vollausstattung" entwickelt habe und sich die Ausstattung nicht "an den Grundsätzen von Ordnungsmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit" orientiere. Demnach variierten die Kosten für Einrichtung und Unterhaltung der Büros innerhalb von fünf Jahren zwischen 0,9 und 2,3 Millionen Euro, obwohl die Bundespräsidenten auch direkt nach Ausscheiden "nur durchschnittlich 2,6 Tage pro Monat im Büro" anwesend seien und dort häufig ausschließlich private Tätigkeiten verrichten würden. So sei das Büro eines Altbundespräsidenten, dessen Name in dem Bericht nicht genannt wurde, 268 Quadratmeter groß und koste 89.000 Euro Miete im Jahr.

... Wann die Neuregelung in Kraft treten soll, ist noch nicht klar. Bisher leben noch die Altbundespräsidenten Horst Köhler, Christian Wulff und Joachim Gauck, sowie Ex-Kanzler Gerhard Schröder.


Aus: "Kosten von Altkanzler und Altbundespräsidenten sollen reduziert werden" (21. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-03/haushaltsausschuss-ehemalige-bundespraesidenten-bundeskanzler-ausgaben-regelungen-bundesrechnungshof

Quote
Karl Josef Schleidweiler #32

Wenn politische Ruheständler angemessen alimentiert werden, warum funktioniert das beim großen Rest des Souveräns nicht so souverän?


...

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« Reply #889 on: M?RZ 21, 2019, 12:29:13 nachm. »
Quote
[...] Sheldon Adelson, dem die Hälfte der Las-Vegas-Sands-Gruppe gehört und der damit der größte Kasinobetreiber der USA ist, hat im jüngsten US-Wahlkampf mit seinen Spenden alle anderen Unternehmerbosse überboten. 113 Millionen US-Dollar hat er für republikanische Kandidaten bei den Wahlen zum Kongress 2018 ausgegeben. Adelson hatte schon in der Vergangenheit ein glückliches Händchen mit seinen Entscheidungen bewiesen. Der Kasinoboss hat 2016 die Rangliste der Trump-Geldgeber bei den Präsidentschaftswahlen angeführt.

In keiner anderen westlichen Demokratie wird so viel Geld im Rahmen von Wahlkampagnen ausgegeben wie in den USA. Weil ohne millionenschwere und oft milliardenschwere Unterstützer nichts geht, sagen Kritiker oft, die US-Demokratie werde in Wahrheit von Unternehmen, von Corporate America, dominiert. Ein Gruppe von Wissenschaftern, darunter Alma Cohen von der Harvard University und Moshe Hazan von der Wirtschaftsuniversität Tel Aviv, wollte es etwas genauer wissen. Sie sind im Rahmen einer soeben vorgestellten Studie der Frage nachgegangen, wo genau die mächtigsten US-Firmenbosse politisch stehen, welchen Kandidaten sie also Geld geben und wie viel. Die Forscher haben dafür analysiert, an wen die Firmenchefs der 1500 wichtigsten börsennotierten Gesellschaften in den USA seit dem Jahr 2000 gespendet haben.

Das Gesamtergebnis ist zwar wenig überraschend: Die Firmenchefs spenden öfter und mehr für Republikaner, die als besonders unternehmernah gelten. Erstaunlich ist aber, wie groß die Kluft ist. 75 Prozent der Spendengelder der Firmenbosse gehen an republikanische Kandidaten. Nahezu 60 Prozent der CEOs unterstützen überwiegend oder einzig die Konservativen. Gerade 18 Prozent geben Geld für die Demokraten, der Rest spendete an Kandidaten von kleineren und unbedeutenden Parteien. In manchen Branchen ist die Kluft besonders gewaltig. Im Energiesektor etwa, zu dem die großen Erdölkonzerne Exxon Mobil oder Chevron zählen, unterstützen 90 Prozent der Unternehmensbosse republikanische Bewerber. In der Warenproduktion und in der chemischen Industrie gibt es ebenso kaum Geld für Demokraten.

Die Republikaner haben in nahezu allen untersuchten Branchen eine dominante Stellung, also in Finanzindustrie ebenso wie in der Pharmabranche. Einzig im Telekomsektor liegen die beiden wichtigsten Parteien bei Spenden gleichauf. IT-Unternehmen wie Facebook und Google zählen in der Bewertung der Studienautoren zum Telekomsektor. Die Zahlen für ihre Analyse haben die Wissenschafter einer Datenbank der Federal Election Commission entnommen. Dort muss jede politische Spende über 200 Dollar bei Bundeswahlen registriert werden. Dementsprechend wurden nur Gelder zugunsten von Kandidaten ausgewertet, die für ein Bundesamt kandidiert haben. Insgesamt haben die Unternehmer im untersuchten Zeitraum 420 Millionen US-Dollar an Republikaner und Demokraten gespendet. Die Analyse bewertet die Vorgänge nicht, sondern will, so schreiben es die Autoren, einen Beitrag dazu leisten, die Rolle von großen US-Unternehmen in der Politik besser zu verstehen. Dabei sind viele Zusammenhänge offensichtlich.

Zu den ersten Amtshandlungen von Präsident Trump zählte etwa, grünes Licht für die Verlängerung der strittigen Ölpipeline Keystone XL zu geben. Trumps Vorgänger, der Demokrat Barack Obama, hatte das Projekt zuvor jahrelang blockiert. Umweltschützer kritisieren die Pipeline, weil mit Keystone Erdöl aus der westkanadischen Provinz Alberta zu Raffinerien in die USA transportiert werden soll. In Kanada wird das Öl aus sandigen Teerböden gewonnen, was als besonders umweltschädlich gilt, weil eine hohe Menge an chemischen Stoffen eingesetzt werden muss.

Trump befürwortet aber auch Fracking, bei dem Erdöl und Erdgas ebenfalls unter massivem chemischem Einsatz aus Schiefergestein gewonnen werden. Zu Trumps ersten handelspolitischen Maßnahmen gehörte, Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen. Während die wichtigen Autobauer in den USA wie General Motors mit diesem Schritt nicht einverstanden sind, wurden die Zölle von den Metallerzeugern lautstark gefordert.

Die Studie hat noch einige interessante Ergebnisse ans Licht gebracht. So sind Unternehmen in den USA nicht verpflichtet offen zulegen, welchen politischen Kandidaten und Parteien sie Geld geben. Manche Konzerne tun es dennoch. Laut Harvard-Wissenschafterin Cohen gibt es dabei einen klaren Zusammenhang. Wenn ein Unternehmen von einem Firmenboss geleitet wird, der eher die Republikaner unterstützt, dann veröffentlichen diese Konzerne tendenziell keine Informationen über ihre Spendenaktivitäten. Schließlich sind auch die Daten zum Spendenverhalten der weiblichen Unternehmer spannend. Zunächst waren nur 2,2 Prozent der CEOs Frauen. Unter weiblichen Chefs ist das Verhältnis aber nahezu ausgeglichen, etwa ebenso viele spenden an Republikaner wie an Demokraten. (Andras Szigetvari, 21.3.2019)


Aus: "Hunderte Millionen von US-Konzernbossen an Republikaner" András Szigetvari (21. März 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099900951/420-Millionen-fuer-unternehmerfreundliche-US-Politik

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captain morgan

Niemand beißt die Hand die in Füttert!!


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betterknower

In Russland werden die Machtverhältnisse von Oligarchen bestimmt. In den USA sagt man halt anders dazu.


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pro noblem

man achte auf die Sprache: "420 Millionen für unternehmerfreundliche US-Politik", vor Kurzem noch hat man dazu "Lobbyisten Geld" gesagt, und vor etwas längerem sagte man geradeaus KORRUPTION dazu. Das passiert, wenn die Konzerne nicht nur die Politik, sondern auch die Sprachkultur übernehmen. Sobald Korruption salonfähig geworden ist, darf sie nicht mehr so heissen, ab nun "Geld für unternehmerfreundliche Politik". So kippt unsere Welt in ein bipolares Rechtssystem, durch die Verdrehung und den Missbrauch der Sprache.


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warp.faktor

Wo die Wirtschaft Freiheit genießt, liegt die Demokratie in Ketten!
Leider wird es nicht untersucht, aber in der EU ist das Verhältnis sicher ähnlich.
Die Zusammensetzung der EU-Institutionen und die ~30.000 hochbezahlten Lobbyisten (Bestecher) in Brüssel weisen ebenso deutlich darauf hin, wie die ständig sinkende Steuerleistung der Konzerne.


Quote
Zeus (himself)

Wieso wird hier immer nur die EU-ebene erwähnt? Glaubst, dass es auf nationalstaatlicher Ebene anders ist?


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« Reply #890 on: M?RZ 23, 2019, 11:16:43 vorm. »
Quote
[...] Der Ausspruch ist fast schon legendär:. "Wir reden hier eigentlich von Peanuts." Das Zitat stammt vom damaligen Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper. Als der Immobilienunternehmer Jürgen Schneider pleite ging, gab es offene Handwerkerrechnungen in Höhe von 50 Millionen Mark , die die Deutsche Bank bezahlten wolle. Die Summe sei kein Problem für seine Bank. Im Prinzip richtig, für seine Bank waren es Peanuts im Vergleich zu den fünf Milliarden, die seine Bank durch den Betrug verloren hatte. Doch nicht nur für die Handwerker, die wegen solcher „Kleinigkeiten“ ihren Betrieb schließen mussten, war das daneben.
Für das Ansehen der Bank keine Glanzleistung. „Peanuts“ wurde 1994 zum „Unwort des Jahres gewählt."

... Während die Vorstandssprecher der Deutschen Bank durch verbale Fehltritte auffallen, gibt es auf den unteren Ebenen handfeste Missetaten. Jahrelang haben Händler mehrerer Großbanken Zinssätze manipuliert. Darunter auch Mitarbeiter der Deutschen Bank. Sie sollen über Jahre getrickst haben bei Libor und Euribor - das sind wichtige Referenzzinsen für Geldgeschäfte der Banken untereinander. Die Banken mussten hohe Strafen zahlen, die Deutsche Bank gleich mehrfach. Eine EU-Strafe von 725 Millionen Euro, Mit den Behörden in den USA und Großbritannien verglich sich die Bank, es wurden 2,5 Milliarden Dollar fällig.

... Natürlich gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien zu Goldpreis-Manipulationen im großen Stil. Aber diese hier war keine, diese Manipulation war real: Händler von Deutsche Bank, UBS und HSBC manipulierten die Kurse im Handel mit Gold- und Silber-Futures in den Jahren 2008 bis 2014. Als die Sache endlich aufflog, kannte die US-Börsenaufsicht kein Pardon. Es gab eine saftige Strafe für die kiminellen Handlungen. 46,6 Millionen Dollar mussten die drei Banken zahlen, die Deutsche Bank bekam mit 30 Millionen Dollar die höchste Strafe - na ja, nur Peanuts für eine Bank wie diese.

... Mitarbeiter der Deutschen Bank haben über CO2-Zertifikate Steuern hinterzogen. Dafür wurden sie zu Gefängnisstrafen verurteilt. Sie hatten ein raffiniertes Umsatzsteuerkarussell mit diesen Zertifikaten aufgebaut.

... Die Deutsche Bank hat an fragwürdigen Cum-Ex-Geschäften mitverdient. Sie zog mit Zeitverzögerungen Konsequenzen aus den umstrittenen Aktiengeschäften. Das Institut zog Steuerbescheingungen zurück, mit denen sich Frimen zu Unrecht beim Finanzamt Kaptialerstragssteuern erstatten ließen. Die Deutsche Bank beteuert aber, nie Teil eines "Cum-Ex"-Marktes gewesen zu sein. Allerdings sei man in Geschäfte einiger Kunden involviert gewesen.

Bei "Cum-Ex"-Geschäften ließen sich Anleger die einmal gezahlte Kapitalertragsteuer mit Hilfe ihrer Bank mindestens zweimal zurückerstatten. Steuerexperten sprachen lange von einem legalen Steuertrick. Doch mittlerweile geht man von Steuerhinterziehung aus. Der deutsche Fiskus wurde um Millardenbeträge geschröpft. Die Aufarbeitung läuft.

Auch für die so genannten Cum-Cum-Geschäfte, wobei Steuerzahlungen im Rahmen von Dividendenausschüttungen vermieden werden sollen. Dabei reichten ausländische Anleger ihre Aktien kurz vor dem Dividendenstichtag an deutsche Banken oder Fonds weiter. Sie können anders als die ausländischen Institute die Kapitalertragsteuer auf die Dividende mit Kosten und Verlusten aus anderen Wertpapiergeschäften verrechnen. Cum-Cum galt nicht per se als illegal, aber als moralisch fragwürdig allemal. Doch inzwischen wurde dieses Steuerschlupfloch geschlossen. Deutsche Institute rechnen wegen der vielen alten Fälle mit Straf- und Steuerzahlungen von insgesamt einer halben Milliarde Euro.

... Ist der Ruf erst ruiniert, fallen offenbar die Hemmungen: Die Deutsche Bank spielte auch im russischen Geldwäsche-Skandal eine unrühmliche Rolle. Ihre Kunden sollen über die Finanzplätze Moskau, New York und London rund zehn Milliarden Dollar an Rubel-Schwarzgeld aus Russland gewaschen haben. Und das Geldhaus soll da nicht so genau hingeschaut haben. Die Deutsche Bank habe unzureichende Vorkehrungen dagegen unternommen, befand die US-Notenbank Fed. Sie brummte der Bank ein Bußgeld von 41 Millionen Dollar auf. 2017 musste Deutschlands größte Bank 700 Millionen an Strafe zahlen, weil sie russischen Kunden half, Geld außer Landes zu schaffen. Weil das mit der Geldwäsche-Kontrolle offenbar immer noch nicht recht klappt, hat die BaFin der Deutschen Bank einen Aufpasser an die Seite gestellt. Doppelte Kontrolle hält besser.

... Die Deutsche Bank ist auch in den milliardenschweren Geldwäsche-Skandal der Danske-Bank verwickelt. Sie wickelte bis 2014/15 Zahlungen für die Dänen in Estland ab, wie ein Banksprecher bestätigte. Man habe die Geschäftsbeziehung zu der estnischen Filiale der Danske aber beendet, als die Aktivitäten verdächtig erschienen. Die Deutsche Bank sieht auch keine Mitverantwortung: Als sogenannte Korrespondenzbank habe sie keine konkrete Kenntnis der Kunden des dänischen Instituts gehabt und auch nicht haben müssen.

Ein Ex-Mitarbeiter der dänischen Großbank hatte vor einem Ausschuss des Parlaments in Kopenhagen ausgesagt, dass seine Bank Warnungen ignoriert habe, dass Geld über die estnische Danske-Tochter gewaschen werde. Und er hatte gesagt, dass eine ausländische Bank über mehrere Jahre hinweg Milliarden-Beträge aus Russland und angrenzenden ehemaligen Sowjetrepubliken weitergeleitet habe.

... Getrickst hat die Deutsche Bank auch auf dem amerikanischen Immobilienmarkt, was sie sieben Milliarden Dollar Strafe in den USA kostete. Im Zusammenhang mit der Ausgabe hypothekengedeckter Wertpapiere soll sie zum Kollaps des US-Immobilienmarktes 2008 beigetragen zu haben, weil sie teils wertlose Papiere verkauft hatte.

... Die Deutsche Bank ist auch eines von zehn Instituten, denen Investoren gemeinsame Marktmanipulation zur eigenen Bereicherung vorwarfen. Die Geldhäuser hätten sich von 2005 bis 2015 über verschiedene Kommunikationskanäle mit sensiblen Preisdaten versorgt und so eine "dreiste Verschwörung" betrieben, behaupten die Kläger. Die Deutsche Bank handelte einen Vergleich aus. Kostenpunkt: 48,5 Millionen Dollar.

...


Quelle: https://boerse.ard.de/aktien/die-skandale-der-deutschen-bank102.html (Stans: 23.03.2019)

-

Quote
[...] Der ehemalige Chef der Deutschen Bank, John Cryan, hat für den unfreiwilligen Führungswechsel eine Abfindung in Millionenhöhe erhalten. Laut Geschäftsbericht der Bank beläuft sich die Abfindung auf knapp 8,7 Millionen Euro. Cryan war von Mitte 2015 bis zum 8. April 2018 an der Spitze der Deutschen Bank tätig.

Sein Nachfolger Christian Sewing hat laut Geschäftsbericht für seine Arbeit im vergangenen Jahr insgesamt 7 Millionen Euro erhalten. Er verzichtete dieses Mal wegen des erreichten Gewinns nicht auf seinen Bonus. Die Vorstände bekommen zusammen 55,7 Millionen Euro von ihrem Arbeitgeber überwiesen, nachdem das oberste Führungsgremium drei Jahre lang keinen Bonus erhalten hatte. Topverdiener im aktiven Vorstand der Bank war 2018 Garth Ritchie, der die Investmentbank leitet und zugleich einer der beiden Stellvertreter Sewings ist. Der Südafrikaner bekam fast neun Millionen Euro, wenn man Aufwendungen für seine Altersvorsorge herausrechnet. Das lag vor allem daran, dass er zusätzliches Geld als oberster Brexit-Beauftragter der Bank bekam.

An ihre rund 90.000 Mitarbeiter zahlt die Bank für das zurückliegende Geschäftsjahr insgesamt 1,9 Milliarden Euro an Boni aus. Für 2017 hatte die Belegschaft, die damals allerdings noch um einiges größer war, 2,3 Milliarden Euro bekommen.

Neben der Abfindung bekam Cryan für die letzten Monate im Amt außerdem noch eine Vergütung in Höhe von knapp 1,9 Millionen Euro. Damit Cryan in einem bestimmten Zeitraum nicht zu einem Wettbewerber wechselt, hat er darüber hinaus eine vertraglich festgelegte Entschädigung in Höhe von 2,2 Millionen Euro bekommen.

Damit summiert sich Cryans Bezahlung aus dem vergangenen Jahr, die zum Teil aber erst in den kommenden Jahren ausgeschüttet wird, auf insgesamt 12,8 Millionen Euro. Für die Jahre 2015 bis 2017 hatte er eine Vergütung von insgesamt etwas mehr als neun Millionen Euro erhalten. Damit kommt er auf eine Gesamtvergütung von knapp 22 Millionen Euro oder umgerechnet etwa 21.600 Euro pro Tag im Amt.

Cryan war bei der Deutschen Bank im April 2018 zunehmend unter Druck geraten: Zahlreiche internationale Rechtsstreitigkeiten hatten das Unternehmen belastet, die zu Milliardenzahlungen für Strafen und Kompensationen führten.


Aus: "Ehemaliger Deutsche-Bank-Chef erhält Millionenabfindung" (22. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2019-03/john-cryan-ex-deutsche-bank-chef-abfindung

Quote
runner_64 #19

Hihi, amüsant das zu lesen, da können sich jetzt wieder die Neider aus allen Teilen der Republik ereifern, aber bitte auf den Blutdruck aufpassen, sonst braucht es noch den Notarzt.  ...


Quote
Dr. Econ #1.1

Leistung muss sich wieder lohnen.


Quote
baumisms #28

Es ist doch ganz logisch: Wenn es dem Unternehmen gut geht, dann bekommen die "Manager" natürlich fette Boni. Denn sie haben das ja erreicht.
Wenn es dem Unternehmen schlecht geht, dann bekommen die "Manager" natürlich fette Boni. Denn jetzt müssen sie sich enorm anstrengen, um das Unternehmen wieder in Schuss zu bringen. Wenn die "Manager" das Unternehmen wegen Erfolglosigkeit vorzeitig verlassen, bekommen sie natürlich fette Boni. Denn sie machen den Weg frei für die erfolgreiche Sanierung.
Alles klar?


Quote
Atkins #2

Wo bleibt das Verhältnis zum normalen Arbeitnehmer ? Wie kann man solche Auswuchse stoppen? Es ist für mich nicht mehr nachvollziehbar, dass ein "Angestellter" an einen Tag so viel verdient, wie Viele in einem Jahr.


Quote
Der Humpink #2.2

Sie müssen es so sehen: Normale Angestellte brauchen nun mal einfach nicht so viel Geld, derzeit geht unsere Politik sogar davon aus, dass sie nicht mal eine echte Rente benötigen. Auch das errechnete Existenzminimum ist für normale Menschen vollkommen übertrieben. Nun gibt es allerdings Menschen, besonders in Bankvorständen und Aufsichtsräten, die sind irgendwie einfach feinstofflicher. Und eben auch viel kostbarer als der gemeine Duschnittsmensch. Diesen Herrschaften wäre es schlicht nicht zuzumuten, ihren Kaviar nicht von goldenen Löffelchen zu essen, keine Yacht zu besitzen oder ihr Automobil selbst bedienen zu müssen. Deshalb brauchen diese ebenso erhabenen wie empfindlichen Wesen eben etwas mehr, immerhin sind die ja auch gezwungen, ihrem zarten Nachwuchs diverse Millionen zu vererben, damit sich dieser einst bei der Initiation in die gehobene Klasse nicht am harten Brot ernsthafter Arbeit die feinen Kauleisten abnutzt.

So, jetzt denken Sie bitte noch einmal über Ihre Frage nach, bevor man Ihnen unterstellt, dass Sie hier nur eine abscheuliche Neiddebatte starten wollen.


Quote
Kawin #2.5

Ich sach nur: "Schlecker-Frauen"................


Quote
Uxmal #3

Bitte keinen Neid! Laut Christian Lindner und seinen Freunden kann das jeder schaffen, auch die Putzfrau und die Pflegekraft. Sie müssen nur mehr anstrengen.


Quote
BeachWalker #4.10

Trump's Hausbank ...


Quote
Erkos #6

Solange solche Monströsitäten vorkommen wird es kein normales Miteinander in Gesellschaften geben können!


Quote
GlobalPlayer5001 #6.1

Wieso Monströsitäten? Es handelt sich um freiwillig von beiden Seiten vertraglich geschlossene Vereinbarungen, die auch noch transparent in jedem Geschäftsbericht (schauen Sie in den Teil "Vergütungsbericht") nachgelesen werden können.

Wo ist das Problem, wenn nicht im Bereich Neid und Missgunst? Man muss eben auch gönnen können!


Quote
Erkos #6.2

Das mit dem Neid können Sie nun wirklich stecken lassen! Ist das "Schlagtot"-Argument aller Kapitalismusbefürworter. Wir durch häufige Wiederholung aber auch nicht wahrer. Alles, was Banken "verdienen", haben vorher Menschen erarbeitet. ...


Quote
chefwn #31

Im Aktiengeschäft heißt das Gewinnmitnahme, glaub ich.


Quote
KlausMa #31.1

Die Herrschaften nehmen auch noch "Gewinne" mit wenn die Bude Miese macht.


Quote
Bluegene #42

Ackermann hat damals das Grundstein fuer das Grab gelegt.
Die Deutsche Bank hat seit 2010 insgesamt drei Kapitalerhöhungen durchgeführt.
Sonst waere die DB pleite. Also dreimal das Kapital ihrer Kapitalgeber immer wieder vernichtet.
Ich kann nicht verstehen wer da noch investiert.
Fons welche dieser Kapitalvernichter Bank mit seinen Boni Checkern Geld gegeben hatten sollten auch boykottiert werden.
Das Ding fasse ich nicht einmal mit einer Pinzette an. ...


Quote
Dorothee von Brentano #44

Einfach nur pervers. Nichts gegen gute Gehälter da wo sie durch Leistung gerechtfertigt sind ...


...
« Last Edit: M?RZ 23, 2019, 11:42:24 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #891 on: M?RZ 23, 2019, 08:21:16 nachm. »
Quote
[...] Wien – Asylwerber verdienen zu viel, wenn sie Hilfstätigkeiten während ihrer Grundversorgung erbringen. Diese Meinung vertritt Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) und hat nun einen – der APA vorliegenden – Entwurf ausgeschickt, der den Stundenlohn mit 1,50 Euro beschränkt. Der Hintergrund: Zu den insgesamt eher bescheidenen Möglichkeiten für Asylwerber, einer Beschäftigung nach zu gehen, zählen Hilfstätigkeiten im Auftrag von Bund, Ländern, Gemeinden, Gemeindeverbänden beziehungsweise zu den Kommunen gehörenden Einrichtungen. Das betrifft etwa Garten- und Hausarbeiten oder Transportdienste. Den Stundenlohn legte bisher die beauftragende Körperschaft fest. Maximal konnten monatlich 110 Euro plus 80 Euro für jedes weitere Familienmitglied verdient werden, ohne Einbußen bei der Grundversorgung befürchten zu müssen.

Den Innenminister stört jedoch, dass manche Körperschaften aus seiner Sicht zu viel, nämlich mehr als für Zivil- und Grundwehrdiener, auszahlen – und zwar teils über fünf Euro pro Stunde. Daher sollen Asylwerber für die sogenannten Remunerantentätigkeiten nun 1,50 Euro pro Stunde erhalten, "keinesfalls mehr – und das österreichweit einheitlich", schreibt Kickl in der Begründung der von ihm vorgelegten Verordnungsermächtigung, die am Montag für vier Wochen in Begutachtung geht. Die Remunerantentätigkeiten haben für Flüchtlinge den Vorteil, dass sie sofort nach Asyl-Antragsstellung möglich sind. Ansonsten muss man drei Monate warten, bis man eine Tätigkeit in einem Mangelberuf annehmen darf, das heißt etwa als Saisonnier im Tourismus oder als Erntehelfer. Gleiches gilt für Tätigkeiten als Haushaltshilfe mit Dienstleistungsscheck oder als Selbstständiger.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat Samstagmittag versichert, dass er den Entwurf für einen neuen Stundenlohn für Asylwerber unterstützt. "Der Innenminister geht hier abgestimmt mit uns vor. Ähnliches habe ich schon 2016 gefordert, mit der SPÖ war dies aber nicht zu machen", hieß es in einer Stellungnahme. Der Entwurf gehe am Montag in Begutachtung, bekräftigte er. Kurz hatte noch in seiner Funktion als Außen- und Integrationsminister im August 2016 verpflichtende gemeinnützige Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge gefordert. (APA, red, 23.3.2019)



Aus: "Kickl will Stundenlohn für Asylwerber auf 1,50 Euro senken" (23. März 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000100081223/Kickl-will-Stundenlohn-fuer-Fluechtlinge-auf-1-50-Euro

Quote
Ingenieur77

Gut.


Quote
Nummer6

Du nicht gut.


Quote
Ingenieur77

I don’t care


Quote
ktm or bust

Hab mir nicht helfen können und mir bei der Krone die Kommentare zu dem Thema angesehen - Ich sag das normalerweise nicht aber das ist ein Sinnbild der österreichischen Seele. Mißgunst und Neid bis zum geht nicht mehr, nach unten treten und nach oben buckeln.

Normalerweise läßt mich dieser braune sumpf relativ kalt aber das was da im moment abgeht ist einfach nur noch ekelhaft. Auch wenn ich selbst massiv gegen diese Zuwanderung ins Sozialsystem bin muß ich gestehen ich bin das erste mal an den Punkt angekommen wo ich jemandem etwas schlechte wünsche.
All jene die jetzt freudejauchzend "die machen wenigstens politik für uns"(was für eine dumme ansage...würden die politik für euch machen würdens die zivi gehälter anheben) denen wünsche ich das jemand mit ihnen gleich verfährt ...


Quote
Ku

Also quasi Sklaven will die Regierung
billigst und möglichst ohne Rechte - weit sind wir gekommen.


Quote
homo ökonomicus

Armschleife würde ich nicht vergessen!
Zwecks Kennzeichnung "Asylwerber"!


Quote
sommeralex

1.5 ist unwürdig - aber man muss auch folgendes bedenken: jeder will nach Österreich. So traurig es klingt, man darf keine "Anreize" schaffen.


Quote
rainer haselberger

Sklaverei statt Integration! Nur Dumme freuen sich über dieses Lohndumping. ...


Quote
eswirdschongleichdunkel

Herr Bundespräsident!
Könnten sie bitte diese Wahnsinnigen zur Ordnung rufen!


Quote
Tischkalender

warum sollte dieser das tun?

wenn man den umfragen glauben schenkt, unterstützt eine doch satte mehrheit (ca. 60%) der bevölkerung den regierungskurs.
das mag einer recht lauten minderheit nicht gefallen ändert aber nix an den spielregeln.
bei der nächsten wahl gibts die nächste chance. ...


Quote
Bioberni31

1,3 mio österreicher haben diese partei gewählt.


Quote
untawex

Warum 1.50 und nicht einfach nur 1.20? Oder gleich gar nix?


Quote
Pacis

Mir ist es egal wieviel Asylbewerber verdienen. Man sollte vielleicht beachten, Asylbewerber haben eine Unterkunft, Essen, Betreuung, ärztliche Betreuung usw. Sehe jeden Asylbewerber mit einem Smartphone, wer es finanziert entzieht sich meiner Kenntnis und interessiert mich nicht. Freuen würde mich, die Regierungen, rot/schwarz, jetzt schwarz/blau würden die Mindestrente erhöhen und sich mehr um deren Anliegen kümmern.
Aber wen interessiert schon meine Meinung!


Quote
derStandardUser

Ja, aber das Handy!

*facepalm*


Quote
KrankeSchwester

Der Steuerzahler finanziert den asylwerber und die Wirtschaft bekommt 1,50 Euro Arbeiter


Quote
Manfred MacGyver

Jetzt hätte man natürlich auch den Lohn für Zivis und Grundwehrdiener anheben können...aber nein, wo kämen wir denn da hin?!


Quote
Thyrion Lannister (Hand von Daenerys aus dem Hause Targaryen, die Erste ihres Namens Königin der Drachenbucht Königin der Andalen, der Ersten Menschen und der Rhoynar Regentin der sieben Königslande Beschützerin des Reiches Mutter der Drachen Sprengerin der Ketten )

Wenn ein Politiker keine Ausbildung hat, dann sollte sein Maximalgehalt die Lehrlingsentschädigung sein.


Quote
Goggolplex

"Unterstützung für Kickl von Kanzler Kurz"
Unglaublich. Das sind Sklavenlöhne. Sogar die Stundenlöhne im Gefängnis sind um 10 Cent höher.


Quote
Funkzelle Staatsoper

Mit einem Wort: die kleinen Steuerzahler zahlen die Mindestsicherung für die Asylwerber, und der Spargelgroßbauer zahlt 1,50 für den Erntehelfer.

Somit zahlt die Büroangestellte, der KFZ-Mechaniker, usw. quasi den Großteil des Erntehelfergehalts. Die 1,50 sind dann halt das Trinkgeld des EU-subventionierten Großbauern an den Asylwerber.
Wird sich das beim Spargelpreis auswirken? ...


Quote
Johnny Longo

Arbeit ist normal zu bezahlen. Diese Sklavenhaltermentalität nimmt diesen Menschen den Rest an Würde, den sie vielleicht noch hatten. Zum K*tzen.


...

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« Reply #892 on: M?RZ 26, 2019, 09:28:56 vorm. »
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[...] 23,45 Millionen Euro – diesen Rekordverdienst hat 2018 der Chef des Konsumgüterherstellers Beiersdorf in seinem letzten Jahr an der Spitze des Unternehmens erhalten. Das geht aus einer Studie der Beratungsfirma hkp hervor. Damit habe Stefan Heidenreich einen neuen Rekord als Chef eines der 30 im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne verbucht. Hauptgrund ist ein Bonus von rund 21 Millionen Euro Heidenreichs siebenjährige Amtszeit. Das Grundgehalt des Ex-Beiersdorf-Chefs belief sich 2018 auf nur 1,25 Millionen Euro.

„Das ist die absolute Ausnahme. Eine solch hohe Vergütung hat es im Dax noch nie gegeben“, sagt Michael H. Kramarsch, Chef der auf Vergütungsfragen spezialisierten Beratungsfirma hkp. Er legte am Montag in Frankfurt die Auswertung über die Vergütung der Dax-Chefs im vergangenen Jahr vor. 2017 noch war SAP-Chef Bill McDermott mit 21,1 Millionen Euro der Spitzenverdiener. Er musste sich 2018 mit 9,97 Millionen Euro begnügen. Im Schnitt erhielten die Vorstandschefs 7,5 Millionen Euro und damit 3,6 Prozent mehr als 2017.

Die Analyse von hkp zieht all das in Betracht, was den Vorstandschefs (eine Frau ist nicht darunter) im vergangenen Jahr tatsächlich gezahlt worden ist. Im Schnitt war das ein Fixgehalt von 1,5 Millionen Euro, ein Ein-Jahres-Bonus von 1,4 Millionen, ein Langfrist-Bonus für mehrere Jahre von 3,7 Millionen Euro, 824.000 Euro für die Altersvorsorge und 99.000 Euro an weiteren Nebenleistungen.

Hinter Heidenreich rangiert 2018 unter den 23 das gesamte Jahr über tätigen Top-Managern Allianz-Vorstandsvorsitzender Oliver Bäte mit 10,33 Millionen Euro vor SAP-Chef McDermott (9,97) Siemens-Chef Joe Kaeser (9,59) und Bernhard Scheifele von Heidelberg Cement mit 9,43 Millionen. Am Ende der Skala stehen Fresenius-Chef Stephan Sturm (4,49), Reinhard Ploss von Infineon (3,59) und Rolf Martin Schmitz von RWE (3,10 Millionen Euro).

Im Schnitt hält Kramarsch die Vergütung für angemessen. Vor allem auch weil der einjährige Bonus wegen der 2018 gesunkenen Ergebnisse der Konzerne deutlich um 13,4 Prozent gesunken ist. Dagegen sind die Mehrjahres-Boni um fast 15 Prozent gestiegen. Insgesamt erhalten die Vorstandschefs damit 3,6 Prozent mehr obwohl der Gewinn der Konzerne im Schnitt stagnierte. Damit ist der Anstieg auch höher als bei den Bruttolöhnen und -gehältern, die nur 2018 nur um 2,6 Prozent zugelegt haben.

International müssen sich die deutschen Top-Manager nach wie vor mit deutlich weniger zufrieden geben als Kollegen in der Schweiz und Großbritannien, wo im Schnitt das 1,2-Fache gezahlt wird. In den USA ist es sogar mehr als drei Mal so viel. Das Bedauern über diese Lücke hält sich bei Kramarsch allerdings in Grenzen. Deshalb seien deutsche Top-Manager jedenfalls nicht in die USA gewechselt.

Im übrigen verwundert es den Vergütungs-Experten, dass die 30 Dax-Chefs nach wie vor nicht nur nicht selbst für ihre Altersvorsorge aufkommen müssen, sondern dafür im Schnitt immer mehr erhalten. Waren es 2013 noch rund 590.000 Euro ist der Betrag 2018 auf 824.000 Euro gestiegen. Für Daimler-Chef Dieter Zetsche summieren sich die zugesagten Altersbezüge nach Angaben von Kramarsch auf mehr als 40 Millionen Euro, andere Chefs kämen auf mehr als 20 Millionen. „Eine Altersvorsorge brauchen Menschen in diesen Vergütungsniveaus nicht zusätzlich“, sagt der hkp-Chef. „Dass sie das selbst übernehmen, darf man ihnen durchaus zumuten.“

Während Deutschland aktuell im Blick auf die Transparenz der Vorstandsvergütung international nach Ansicht von Kramarsch eine Vorbildrolle einnimmt, will die EU dem mit neuen Regelungen einen Riegel vorschieben. Entsprechende Vorschläge aus Brüssel bezeichnet Kramarsch als „Schrott“. Damit drohe in Deutschland der Rückschritt in die „Transparenz-Steinzeit“. Dann sei nicht mehr erkennbar, wie viel die Top-Manager tatsächlich erhalten hätten. Mehrjahres-Boni und der Beitrag zur Altersversorge seien nicht mehr nachvollziehbar. Darauf entfallen derzeit rund 60 Prozent der Bezüge der Dax-Chefs.


Aus: "Rekordverdienst für Spitzenmanager: So viel Geld bekommen Dax-Vorstände" Rolf Obertreis (25.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/rekordverdienst-fuer-spitzenmanager-so-viel-geld-bekommen-dax-vorstaende/24143672.html

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« Reply #893 on: M?RZ 26, 2019, 09:32:43 vorm. »
Quote
[...] nicht nur die Grenzkontrolle ist die Aufgabe des Zolls. Mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung (FKS) ermittelt der Zoll auch gegen illegale Beschäftigung und Sozialleistungsbetrug. So wurden in den vergangenen beiden Jahren Schäden durch Schwarzarbeit in Höhe von rund 1,8 Milliarden Euro festgestellt. Zudem nahm die Zahl der entdeckten Verstöße gegen das Mindestlohngesetz von 1316 im Jahr 2015 auf 6220 im vergangenen Jahr zu. Davon sei in 2744 Fällen der Mindestlohn unterschritten worden. Das bedeute allerdings nicht, dass die Kriminalität derart gestiegen sei, so Scholz. Man habe früher einfach weniger aufgedeckt. „Erst durch die Arbeit des Zolls finden wir heraus, was dort geschieht“, sagte er. ... Im Fokus der Kontrollen stehen das Baugewerbe, Gaststätten und die Paketbranche. Gerade hier sieht Scholz bei Subunternehmern Handlungsbedarf. Er zeigte sich auch offen für härtere Maßnahmen, etwa für die Forderung der Gewerkschaften, Unternehmen bei Mindestlohn-Verstößen von öffentlichen Aufträgen auszuschließen. „Da sehen Sie mich durchaus aufgeschlossen“, so Scholz.

...


Aus: "Verstöße gegen Mindestlohn nehmen zu: Zoll nimmt gut fünf Milliarden Euro ein" Thorsten Mumme (25.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/verstoesse-gegen-mindestlohn-nehmen-zu-zoll-nimmt-gut-fuenf-milliarden-euro-ein/24143128.html

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« Reply #894 on: April 01, 2019, 10:43:10 vorm. »
Quote
[...] Die Mieter, die sich in der Küche von Familie M. versammelt haben, sind keine Geringverdiener, sondern Akademiker mit guten Jobs. "Aber nicht einmal wir können es uns noch leisten in Giesing", sagt eine von ihnen. ...

... Eine andere vierköpfige Familie, der ebenfalls gekündigt wurde, hat den Kampf aufgegeben, es sei psychisch zu belastend geworden, sagen sie. "Als wir erfuhren, dass ein Ehepaar das Haus gekauft hat, haben wir uns erst sicher gefühlt", sagt Maya J. "Wir hätten nicht gedacht, dass man uns so schnell kündigen kann." Richtig desillusioniert wurden sie dann während der Suche nach einer Vier-Zimmer-Wohnung - kaum ein Angebot unter 2000 Euro kalt habe es gegeben. Wenn sie nicht beruflich hier verwurzelt wären, sagt Maya J., würden sie aufs Land ziehen. "München wird einem gerade verdorben." ...


Aus: "Wohnungsmarkt: "München wird einem gerade verdorben"" Anna Hoben (25. März 2019)
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/erhaltungssatzung-kuendigung-mieterhoehung-1.4382430


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« Reply #895 on: April 10, 2019, 10:28:57 vorm. »
Quote
[...] Kurz vor dem 70. Geburtstag des Grundgesetzes ist die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland laut einer Umfrage mit der deutschen Verfassung zufrieden. 88 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich das Grundgesetz in den vergangenen Jahren "sehr gut" oder "gut" bewährt hat. Das geht aus einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap unter Wahlberechtigten hervor. Deutschland feiert am 23. Mai 70 Jahre Grundgesetz.

Weniger zuversichtlich sind die Menschen in Deutschland laut der Erhebung allerdings mit Blick auf die Demokratie: Fast zwei Drittel (65 Prozent) gaben zwar an, zufrieden damit zu sein, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert. Rund jeder dritte Befragte (34 Prozent) äußerte sich darüber allerdings unzufrieden. Überdurchschnittlich hoch ist die Unzufriedenheit in den östlichen Bundesländern (45 Prozent). Deutlich geringer ist sie in den westlichen Bundesländern (32 Prozent).

Überdurchschnittlich hoch ist die Unzufriedenheit außerdem in Haushalten mit niedrigem Einkommen (47 Prozent). In Haushalten mit hohem Einkommen lag sie dagegen bei nur 29 Prozent. Als Haushalte mit niedrigem Einkommen galten jene, die ein Haushaltsnettoeinkommen unter 1.500 Euro im Monat haben, als hoch alle mit über 3.000 Euro im Monat. Für die Studie wurden 1.000 Wahlberechtigte befragt.

Am 23. Mai 1949 hatte der Parlamentarische Rat nach Zustimmung der westlichen Militärgouverneure und der Landtage – mit Ausnahme Bayerns – das Grundgesetz verkündet.


Aus: "Deutsche sind zufrieden mit dem Grundgesetz" (10. April 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-04/umfrage-infratest-dimap-grundgesetz-hohe-zufriedenheit

Quote
alice_42 #5

>> Überdurchschnittlich hoch ist die Unzufriedenheit außerdem in Haushalten mit niedrigem Einkommen (47 Prozent). <<

Ja nun. Das sind ja auch die, deren Interessen nicht vertreten werden, was die Bundesregierung auch weiß, aber nicht veröffentlichen wollte: „So fehlt zum Beispiel jetzt der Satz: "Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn diese Politikveränderung von einer großen Anzahl von Menschen mit höherem Einkommen unterstützt wird."„


Quote
Lias Bledt #5.3

Hat vielleicht irgendeiner der Unzufriedenen auch mal daran gedacht, selbst die Zustände zu verbessern? Selbst dafür zu sorgen, dass die Interessen der sich bislang benachteiligt fühlenden vertreten werden?
Ich finde, irgendwann ist es mal mit dem Jammern genug - Demokratie lebt nicht davon, alle 4 - 5 Jahre mal ein Kreuz zu machen und ansonsten auf "die Politiker" zu schimpfen, sondern sich ebenfalls einzubringen.

Man könnte Ihren Satz also auch so formulieren: "Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn mehr Menschen mit niedrigerem Einkommen in die Politik gingen und dort für ihre Interessen einträten."


Quote
alice_42  #5.6

>> "Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn mehr Menschen mit niedrigerem Einkommen in die Politik gingen und dort für ihre Interessen einträten." <<

Zunächst zur Klärung: das ist nicht mein Satz, sondern eine Passage, die in der Abstimmung mit dem Kanzleramt und unionsgeführten Ministerien aus dem Armutsbericht 2016 gestrichen worden war.

Sie haben natürlich teilweise recht, wenn sie auf einen Mangel an Partizipation durch Arme und Geringverdiener hinweisen. Das trifft sowohl auf das aktive als auch auf das passive Wahlrecht zu. Arme stellen sich nicht zur Wahl und wählen in geringerem Umfang. Nur: zur Wahl stellen sich auch die Reichen nicht, deren Interessen werden aber dennoch besser vertreten. Huch.

Die weggekürzten Erkenntnisse stammen aus einer Studie, die Nahles als Arbeitsministerin in Auftrag gegeben hat. Zweifel an der Studie gab es nicht, die Inhalte sagten der Union nicht zu. Aber ehrlich gesagt braucht man für die Erkenntnis auch keine Studie, sondern offene Augen. Das meinte der Autor: „Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass politische Entscheidungen mit höherer Wahrscheinlichkeit mit den Einstellungen höherer Einkommensgruppen übereinstimmen. Bei einkommensarmen Gruppen ist entweder keine systematische Übereinstimmung festzustellen oder sogar ein negativer Zusammenhang erkennbar.“

Die regierende Politik ist aber der gesamten Gesellschaft verpflichtet, nicht nur ihren Zielgruppen und Sponsoren.


Quote
alice_42 #5.7


>> Ich finde, irgendwann ist es mal mit dem Jammern genug ... <<

Wer jammert denn? Diese Leute finden Demokratie nicht gut. Und es wurden über die Jahre immer mehr, die das so sehen. Denken Sie sich Ihren Teil.

Übrigens bestand in meiner Wahrnehmung eine der in den Medien am lautesten jammernden Gruppen zuletzt aus Vertretern der Automobilindustrie. Möglicherweise haben die einfach die besseren Chancen auf Sendeplätze :-)


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Quendolin475 #6


Irgendwie irritiert mich die Aussage des Artikels. Das Grundgesetz ist in meinen Augen eine der besten Verfassungen, die es gibt, das bestätigt ja auch die Umfrage.
Dass aber ein Drittel der Befragten unzufrieden mit der Demokratie sind, halte ich für wenig glaubhaft. Ich gehe davon aus, dass sich diese Unzufriedenheit auf die konkrete Form der parlamentarischen Demokratie bezieht. Das finde ich sogar nachvollziehbar. Ich glaube es war Churchill, der mal sinngemäß folgendes gesagt hat: Die parlamentarische Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - mit Ausnahme aller anderen, die bisher probiert wurden. Die Unzufriedenheit mit dem Parlamentarismus ist nachvollziehbar (jedensfalls meiner Meinung nach). Ich gehe zur Wahl, weil eine Partei mich mit ihrem Programm überzeugt. Nach der Wahl aber wirft diese Partei dieses Programm, für das ich sie gewählt habe, über Bord und macht eine völlig andere Politik (konkret sei hier die SPD genannt). Als Bürger bekomme ich das Gefühl, für die Partei bin ich nur solange interessant, wie ich als Wähler in Frage komme (deshalb wirbt sie vor der Wahl um meine Stimme), danach zählen andere Interessen. Diese werden dann als staatspolitische Verantwortung verkauft. Ich als Bürger (Volk) habe nicht mehr das Gefühl, dass die Parlamentarier mich als Souverän (also den eigentlichen Machthaber, dessen Interessen sie zu vertreten haben) wahrnehmen, sondern als Stimmvieh.

Mir geht es hierbei nicht darum, dass die von mir gewählte Partei ihr Programm zu hundert Prozent umsetzen soll. Die Demokratie lebt von Kompromissen, und das ist gut so. Mir würde es schon reichen, wenn im Parlament über den politischen Diskurs der beste Weg gefunden wird. Solch Quatsch wie Fraktionszwang und Kabinettsdisziplin müsste abgeschafft werden. Über die Diskussion im Parlament müsste der Weg herausgefunden werden, der die größte Zustimmung findet. In der Realität aber findet dort eine Scheindebatte statt, deren Ausgang durch die Mehrheitsverhältnisse schon vorgegeben ist. Egal was von der Opposition kommt, es wird abgelehnt. Die Regierungsmehrheit sorgt über den Fraktionszwang dafür, dass nicht der beste Kompromiss umgesetzt wird, sondern der Kompromiss der Koalitionspartner. Und so kommt es, dass die Bürger immer mehr das Gefühl haben, die Parlamentarier hätten den Bezug zur Realität verloren. Da entscheiden z.B. Politiker über den Mindestlohn und wissen selbst gar nicht, was es bedeutet, für so wenig Geld zu arbeiten. Die Unzufriedenheit bezieht sich also meines Erachtens nicht auf die Demokratie, sondern auf ihre konkrete Ausgestaltung.

Ich weiß nicht, wieviele User hier schon mal eine Parlamentsdebatte verfolgt haben, ich habe das öfter getan. Da sitzen 50 Hansels verstreut in dem riesigen Saal. Ein Redner tritt ans Pult, und bei jedem zweiten Satz bekommt er Applaus von seiner Fraktion, zwischendurch gibt es Buh-Rufe aus den anderen Fraktionen. Irgendwann kommt es zur Abstimmung über das vorgelegte Gesetz, plötzlich füllt sich der Saal, und die Regierungsfraktionen stimmen geschlossen für bzw. gegen den Gestzesentwurf (je nachdem, wer ihn eingebracht hat) und die Opposition entsprechend entgegengesetzt. Was soll das? Warum werden Parlamentarier (unsere Interessensvertreter) nicht verpflichtet, an den Debatten teilzunehmen? Wir bezahlen sie schließlich dafür. Warum dürfen Parlamentarier über Gesetze abstimmen, wenn sie die Debatte darüber gar nicht verfolgt haben? Warum gibt es bei diesen Abstimmungen meistens einen Fraktionszwang, so dass das Ergebnis vorher schon feststeht? Warum also wird überhaupt im Parlament debattiert? Wäre die Parlamentsdebatte tatsächlich ein Meinungsaustausch, an dessen Ende jeder Abgeordnete nach seinem Gewissen für den seiner Meinung nach besten Vorschlag stimmen würde, so dass der beste Kompromiss zu Stande käme, hätte der Parlamentarismus auch mehr Zustimmung.

... Ich bin in der DDR aufgewachsen, mit der Diktatur groß geworden. Das damalige Dasein war für mich Normalität, ich hatte kein Problem damit. Dann kam die Wende, die Vereinigung. Und ich lernte den Wert der Demokratie kennen. Ich konnte plötzlich frei heraus meine Meinung sagen, ohne mich vor Parteiinstanzen rechtfertigen zu müssen (allerdings musste ich auch lernen, dass man zum Erhalt des Arbeitsplatzes auch mal die Klappe halten muss). Die Reisefreiheit hat mir nichts gebracht, während ich zu DDR-Zeiten in nahezu jedes sozialistisches Land gereist bin, in den Westen aber nicht durfte, darf ich nun zwar fast überall hin, kann es mir nur nicht mehr leisten.
Demokratie muss man auch lernen. Vielleicht haben deshalb auch ältere Menschen im Osten Probleme damit. Aber Demokratie muss auch funktionieren, und zwar ihrem Wesen nach. Im Kleinen klappt das meist, z.B. im Kommunalbereich. Im Großen aber schwächelt sie enorm. Demokratie heißt, alle Macht geht vom Volk aus. Im Parlamentarismus wählt das Volk also seine Vertreter, die im Parlament seine Interessen vertritt. 80 Mio Menschen mit unterschiedlichsten Interessen vertrauen die politischen Entscheidungen (den Interessenausgleich) diesen Abgeordneten an. Und dann müssen sie zusehen, wie im Parlament plötzlich Parteien-Hickhack und Eigeninteressen Vorrang haben. Während bei Diäten-Erhöhungen nahezu alle Abgeordneten sich einig sind ...


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Kunigunde53 #46

Dass die Abgehängten und in den Niedriglohnsektor Gedrängten keine Sympathien für die "marktkonforme" Demokratie haben, ist keine neue Erkenntnis - die Wahl von Trump, der Brexit und der Hype hierzulande für die Verehrer des 1000-jährigen Reiches sprechen eine zu deutliche Sprache, die allerdings von der Medienmacht, die offenbar am Ist-Zustand so lange festhalten möchte wie es irgend geht, gerne verniedlichend relativiert wird.
Das Argument der "Weiter-So"-Fraktion, dass beispielsweise halt nicht jeder in Innenstädten wohnen könne, erinnert stark an "let them eat cake" - und war schon damals ein Vorbote des Anfangs vom Ende.


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Dhoughal #46.1

Und nun erläutern Sie uns bitte noch, was das alles mit der Demokratie zu hat.


...

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« Reply #896 on: April 11, 2019, 01:39:34 nachm. »
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wurde 1961 als Nachfolgeorganisation der OEEC und des Marshallplans zum Wiederaufbau Europas gegründet. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_f%C3%BCr_wirtschaftliche_Zusammenarbeit_und_Entwicklung


"Under Pressure: The Squeezed Middle Class" (Available from April 10, 2019 21:00)
Middle-class households feel left behind and have questioned the benefits of economic globalisation. In many OECD countries, middle incomes have grown less than the average and in some they have not grown at all. Technology has automated several middle-skilled jobs that used to be carried out by middle-class workers a few decades ago. The costs of some goods and services such as housing, which are essential for a middle-class lifestyle, have risen faster than earnings and overall inflation. Faced with this, middle classes have reduced their ability to save and in some cases have fallen into debt. This report sheds light on the multiple pressures on the middle class. It analyses the trends of middle-income households through dimensions such as labour occupation, consumption, wealth and debt, as well as perceptions and social attitudes. It also discusses policy initiatives to address the concerns raised by the middle class, by protecting middle-class living standards and financial security in the face of economic challenges. ...
http://www.oecd.org/publications/under-pressure-the-squeezed-middle-class-689afed1-en.htm

Quote
[...] Die Industriestaatenorganisation OECD hat sich in einem am Mittwochabend publizierten Bericht erstmals umfassend der Frage gewidmet, wie es der Mittelschicht in den vergleichsweise wohlhabenden Ländern geht. Unter dem Titel "Under Pressure: The Squeezed Middle Class" analysieren und vergleichen OECD-Ökonomen den Zustand der Mittelschicht in den 36 OECD-Ländern.

Eine der zentralen Erkenntnisse lautet: Ja, die Mittelschicht ist geschrumpft, aber über alle Industrieländer hinweg betrachtet war die Entwicklung zumindest nicht so dramatisch wie angenommen. So gehörten in den 1980er-Jahren 64 Prozent der Bevölkerung über alle OECD-Länder hinweg zur Mittelschicht. Heute sind es aber immerhin noch 61 Prozent. Für die Studienautoren zählen all jene Haushalte zur Mittelschicht, deren verfügbares Nettoeinkommen (Lohn, Pensionen, Sozialtransfers inklusive) zwischen 70 und 200 Prozent des Medianeinkommens in einem Land liegt. Median bedeutet, die Hälfte verdient mehr, die Hälfte weniger. Die Bandbreite ist also groß.

Allerdings gibt es für die OECD-Ökonomen auch eine ganze Reihe besorgniserregender Befunde. Zunächst altert die Mittelschicht. Für jüngere Generationen wird es seit Jahren immer und immer schwieriger, zur gesellschaftlichen Mitte aufzuschließen. Eines von vielen Beispielen dafür: 70 Prozent der Baby-Boomer-Generation gehörten als 20-Jährige der Mittelklasse an. Unter den Millennials waren es nur noch 20 Prozent. Zur Baby-Boomer-Generation gehören Menschen, die zwischen 1943 und 1964 geboren wurden. Zu den Millennials zählen die Jahrgänge 1983 bis 2002. Die Gründe dafür sind vielfältig. So treten die jungen Menschen zunehmend später in den Arbeitsmarkt ein, sagt Sebastian Königs, einer der Autoren der Studie. Dafür kann also auch eine längere Ausbildung mitverantwortlich sein, was also positiv wäre. Dazu kommt laut Königs aber, dass junge Menschen immer öfter bloß "in Beschäftigungsverhältnisse mit geringerer Qualität" kommen. Die Jobs sind schlechter bezahlt und oft befristet. Und: Junge Erwachsene hat die Wirtschaftskrise auch stärker getroffen als Ältere. Hinzu kommt als weiteres problematisches Phänomen, dass der Wohlstand der Mittelschicht stagniert und in vielen Ländern sogar rückläufig ist. Über die vergangenen zehn Jahre stagnierte das Medianeinkommen in 21 von 36 OECD-Ländern oder ging sogar zurück. Im Schnitt lag das Wachstum der Einkommen inflationsbereinigt bei nur 0,3 Prozent pro Jahr seit 2008. Besonders drastisch gefallen sind die mittleren Einkommen in den Euroländern Spanien, Italien, Griechenland und Slowenien, aber auch in Japan und Mexiko waren sie sehr rückläufig.

Im Vergleich dazu sind die heimischen Zahlen laut OECD ganz gut: In Österreich gehören 67 Prozent der Bevölkerung zur Mittelschicht, im OECD-Schnitt sind es rund 60 Prozent. In den USA, Chile und Mexiko dagegen zählt gerade einmal jeder zweite Haushalt zur Mittelschicht. Ein relativ geringer Anteil der Haushalte in der österreichischen Mittelschicht hat Probleme, mit dem Einkommen über die Runden zu kommen.

Global betrachtet macht die OECD auf noch ein Phänomen aufmerksam: Die Mittelschicht verliert an politischer Bedeutung. Die Ökonomen der OECD machen das an einer Kennzahl fest: In den 1980er-Jahren entfiel auf die Mittelschicht ein Gesamteinkommen, das viermal so hoch war wie das Einkommen in der Gruppe der Topverdiener. Heute dagegen ist das Einkommen der Mittelschicht im OECD-Schnitt nur noch 2,8-mal höher. Ein deutlich größerer Anteil entfällt auf die Reichen. In den USA hat sich der Anteil der Einkommen von dem reichsten Prozent der Bevölkerung seit den 1980er-Jahren nahezu verdoppelt, von elf auf etwa 20 Prozent.

Um gegenzusteuern und auch jungen Menschen den Aufstieg zu erleichtern, empfiehlt die OECD, die Steuern auf Arbeit zu senken und dafür Vermögen, Kapitaleinkommen und Erbschaften stärker zu belasten. Geraten wird auch zur Abschaffung der kalten Progression, also der schleichenden Steuererhöhungen. Diese trifft die Mittelschicht besonders hart, so die OECD. Und: Die Spitzensteuersätze für Topverdiener sollten steigen. Dagegen sollten Investitionen in den Wohnbau forciert werden, um Wohnraum billiger zu machen.


Aus: "Für Junge platzt der Traum von der Mittelschicht immer öfter" András Szigetvari (11.4.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000101188488/Fuer-Junge-platzt-der-Traum-von-der-Mittelschicht-immer-oefter

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Incorruptus 11. April 2019, 09:12:25

Für mich kein Wunder - Im Vergleich zu den 80er/90er muss heute viel mehr vom monatlichen Einkommen für Wohnen ausgegeben werden wie damals. Bei Berufseinsteigern ist an die 50% nicht so selten. Wie soll da noch groß was angespart werden? Ich musste Ende 80er nur ca. 25% bis 30% von meinem Einstiegsgehalt für Wohnen aufwenden. Nebenbei wird der Konsumwahn der heutigen Zeit auch noch seinen Teil beitragen.


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ETRO 11. April 2019, 00:22:28

Steuern auf Vermögen und Spitzenverdiener

"Um gegenzusteuern und auch jungen Menschen den Aufstieg zu erleichtern, empfiehlt die OECD, die Steuern auf Arbeit zu senken und dafür Vermögen, Kapitaleinkommen und Erbschaften stärker zu belasten."

Solche Aussagen werden von ÖVP und FPÖ regelmässig als Sozialismus und linkslinker Unsinn betitelt. Ich wusste gar nicht dass die OECD Sozis sind.


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Ihre Rechtschreibung

Ganz intuitiv spüren ganz viele Leute die Fehlentwicklungen, die auch mit Statistiken leicht zu belegen sind
Es gibt eine extrem reiche Oberschicht (oberste 1-10%), die gestärkt durch die Finanzindustrie immer reicher und wohlhabender wird. ...


Quote
Betriebsdirektor

Es gibt eine extrem reiche Oberschicht (oberste 1-10%)
Wenn Sie von "extrem reich" reden, dann reden Sie von den 0,1-1%. Nicht von den 1-10%. ...


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bestchoice

Die Mittelschicht um Bürger zu beruhigen, jeder will dazu gehören, verarmte als auch Leute mit 1 Mio Jahreseinkommen.


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Grimmewald

Bin mit 24 und meinem BSc mit 3k Brutto eingestiegen, nach 2 Jahren & Jobwechsel jetzt bei 3,8k. In 2 Jahren werdens so 4,5k sein. Zähle mich zur oberen Mittelschicht, wenn ich das Gehalt mit dem von gleichaltrigen Freunde vergleiche.

Dabei bin ich mit meinem Studium eigl. ein Quereinsteiger, das was ich im Job brauche hab ich mir halt in rund 500h mittels youtube Tutorials beigebracht (in meiner Freizeit)

Es geht also durchaus, man muss halt anpacken und in einer nachgefragten Tätigkeit gut sein


Quote
Szenen einer Ehe

Glückwunsch, aber das geht am Thema vorbei.


Quote
Ihre Rechtschreibung

Man sollte meinen, als Konsequenz werden linke Parteien gewählt, die für massive Umverteilung und AN Rechte eintreten. Tatsächlich passiert genau das Gegenteil. Es werden Rechtspopulisten gewählt, die die extrem reiche Oberschicht "einfach sein lassen" und stattdessen versuchen, aus der sowieso schon ärmlichen Unterschicht noch mehr herauszupressen.


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Nach_Denken

Volk

Das Volk war noch nie wirklich intelligent. ... die Österreicher sind auch schon immer Obrigkeitshörig. Genau wie die D.


Quote
Mag. Kli Doris

Ohne Erbe müsste ich heute arbeiten gehen...


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roma.nski

ja, Glück gehabt.


Quote
lilawald

Die empfohlenen maßnahmen sind seit langem bekannt; allerdings bevorzugt es eine mehrheit der wahlberechtigten, parteien zu wählen, die diese vorschläge brüsk ablehnen und dafür mit der bekannten parole, dass "die anderen" schuld wären, operieren. insofern ist den leuten halt schwer zu helfen. mir könnte es als zugehöriger der oberen mittelschicht ziemlich egal sein, aber da ich nicht so egoistisch und eindimensional bin, finde ich es vor allem absurd.

Es ist [ ] politischer und ökonomischer irrsinn, arbeiten zu bestrafen und leistungsloses einkommen zu belohnen - ich zahl auf manche gehaltsbestandteile meines lohns über 50% steuern; auf erträge durch veranlagung nur etwa die hälfte; und auf ein vermutlich erkleckliches erbe dann kaum.

wie gesagt: ich persönlich werde am ende von dem wahnsinn profitieren, aber ich halte es für grundfalsch. die leute sollten sich mit arbeit ein vermögen erwirtschaften können und nicht nur durch die geburt in der richtigen familie oder lotto spielen.

und was deine ausnahmen betrifft: wenn ich aufgrund geringer steuern auf arbeit jedes jahr 10.000 euro mehr verdiene, dann fällt eine erbschaftssteuer auf normale beträge ned amal ins gewicht.


Quote
fugu288

wenn die Leute mit ihrem angestelltenjob nicht auskommen, dann müssen sie eben ihr eigenes Unternehmen aufbauen. aber da das durchaus mit Arbeit verbunden ist kommt es für 99% nicht ihn Frage. man arbeitet stattdessen 9 to 5, lässt pünklich alles fallen u raunzt warum man so wenig hat. Wohlstand ist harte Arbeit und jeder ist für sich selbst verantwortlich


Quote
proud to declare

Sie sind also der Meinung angestellt zu sein ist nicht mit Arbeit verbunden? All die Polizisten, Feuerwehrmänner, Kindergärtner, Lehrer, Bauarbeiter, Programmierer, Rettungssanitäter, Chirurgen, Zugfahrer uvm. (natürlich auch alle -Innen) arbeiten nicht hart, sind alle faul und verdienen es nicht besser? Ihr Posting ist dermaßen abgehoben und überheblich, dass ich es beim Lesen fast nicht glauben konnte.


Quote
Nebelparder

Guter Tipp! Erinnert mich ein wenig an den Ratschlag eines Verlegers an einen Schriftsteller: "Wissen Sie was Sie einmal machen sollten? Einen Bestseller schreiben."


Quote
KEWA

"Die politischen Umwälzungen der vergangenen Jahre "
müssen immer dann herhalten, wenn Statistikwerte irgendwelche negative Zustände aufzeigen die eigentlich jedem ein wenig Mitdenkendem klar sein müssten. Falsch verstandene Globalisierung, mangelnde Weitsicht und gezielte Verantwortungslosigkeit führten zu diversen Entwicklungen. Nicht unlogisch! Die derzeitigen politischen Konstellationen sind daran keinesfalls schuld. (Sie machen es nur nicht besser) Jahrzehnte waren entweder die Rechte oder die Linke oder beide bereits an der Macht. Hätten Entwicklungen vorhersehen, entsprechende Maßnahmen setzen können. Die waren nicht dumm, hatten aber andere Interessen. Machterwerb bzw. Machterhalt. war die Intention und man entfremdete sich von der jeweiligen Basis. Nun wurde rigoros umgewählt.


Quote
Se123

Information die fehlt: Es steht zwar, dass die Mittelschicht kleiner wurde, aber die interessante Info fehlt. Ist die Oberschicht oder dir Unterschicht gewachsen!


Quote
post2jet

Beides. Die Oberschicht in Vermögen und Einkommen, die Unterschicht in der Zahl.


Quote
Christian der Gütige

Die Schichtzugehörigkeit nur am Verdienst zu messen ist falsch. Ich habe als Arbeiter ein sehr hohes Einkommen, gehöre aber trotzdem zur Unterschicht, ich habe auch keinen Umgang mit der Oberschicht. Eine arbeitslose Akademiekerin wird immer zur Oberschicht gehören.


Quote
humanökologische Pyramide

Wenn es Ihnen ein Trost ist, dann lassen Sie sich sagen, dass es in den Sozialwissenschaften über die "Vermessung" der Gesellschaft immer wieder zu Unstimmigkeiten kam und noch immer kommt. Denn die meisten Einteilungen sind reine Willkür (Einteilung der Schichten mittels Einkommen, nur um ein Beispiel zu nennen). Aber wenn Sie sich wirklich an der Verdienstgrenze orientieren wollen, dann sind Sie nicht der Unterschicht zuzuordnen.
Und diejenigen die wirklich ganz, ganz oben stehen - die Elite - das sind diejenigen die wirklich Einfluss nehmen können auf die Gesellschaft - die Meinungsbildungsprozesse beeinflussen und lenken können. Das müssen nicht unbedingt die Reichsten Milliardäre sein und auch nicht Akademiker.


Quote
Noch ein Einwohner

Ich bin gelernter Maler und Anstreicher und habe einen Dr. In Chemie. Wohin also mit mir ? ;-)


Quote
ich kapituliere

Warum sollten Sie als Arbeiter zur Unterschicht gehören? Eine arbeitslose Akademikerin wird von der Oberschicht maximal ausgelacht, wenn sie sich als zugehörig betrachten sollte. Übrigens, auch wenn ich zu den Besserverdienern zähle und einen etwas gehobeneren Bürojob habe, gehöre ich noch lange nicht zur Oberschicht. Sollte ich das von mir behaupten, lachen die mich auch aus.


Quote
Se123

Immer das gleiche: Die Rechten reden uns ein, dass die Ausländer schuld sind, dass es und so schlecht geht
Und die Linken reden und ein, dass die Reichen schuld sind!
In Summe geht es uns eigentlich ziemlich gut. Sowohl historisch betrachtet als auch im internationalen Vergleich! ...


Quote
KarlausTirol

Es ist in Wahrheit viel schlimmer. Wenn man die Preise für Wohnungseigentum ansieht ist es doch so dass sich ein klassischer Mittelständer nie eine Leisten wird können. Also für alle die nicht Erben wird es also nichts mit der Eigentumswohnung. So vor 15Jahren könnte man sich mit zwei normalen Gehältern noch eine Wohnung finanzieren. ...


Quote
Der Engel mitm dreckigen Gsicht

"Baby-Boomer" also bis 1964, "Millenials" ab '83. Und wie nennt man die Generation dazwischen? Egal.
Nachdem ich damals eine Lehre gemacht und mir dadurch zahlreiche Fertigkeiten angeeignet habe, mache ich mir auch ohne Matura um meinen erreichten Mittelklasse-Lebensstandard keine Sorgen.


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ich kapituliere

OK, dann gehören wir beide zur Generation "Egal". ;-)


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com.spam

Wer oder was ist denn nun die Mittelschicht?
Denn ich mit meinen 52.000€ Jahresbrutto sehe mich eigentlich am untersten Ende.


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Franz Woyzecks liebste Erbse

Ihre Armut kotzt mich an.


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colesay

... Komm Mal raus aus deiner Blase! Am untersten Ende... Das ist Verhöhnung! ...


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SirOtonin

... In der usa - die ja nicht für hohe Lohnsteuern bekannt sind - schrumpft die Mittelschicht weg. Evtl. Liegt das Problem wo anders ;)


Quote
kapitel3

... Nur besitzen manche halt 10 Wohnungen während 9 andere keine Wohnung besitzen. Und die 9 zahlen halt dann Miete an dem einen, der sich damit noch mehr Wohnungen kaufen kann. So läuft das Spiel leider.


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breites Specktrum

Die Löhne und Gehälter steigen kaum, das Wohnen wird immer teurer...
Die Politik unterstützt das Auseinanderdriften der Klassen....


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sociovation

Genauer gesagt: Der Wähler. Und zwar ganz bewusst NICHT gegendert.


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Sneed L. Woods

Ja aber die Ausländer ...


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Kyle Broflovski

Ich glaube die Mittelschicht ist einfach zu ungeduldig und Hängematte mag sie auch ...


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captain morgan

Sind nur Reiche fleißig?


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otacud

Erbschaftssteuer?

Solche marxistischen Ideen haben in Österreich nichts verloren! ;)


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Holgi

Ja, die Unterschicht träumt von der Mittelschicht. Die Mittelschicht von der Oberschicht. Und die Oberschicht von der Unterschicht. Letzteres sind Angstträume.


...
« Last Edit: April 11, 2019, 01:41:25 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #897 on: April 11, 2019, 01:48:51 nachm. »
Quote
[...] Sie sind weiß und schlank und von jugendlicher Schönheit. Das Heer an namenlosen Frauen, mit denen Bilddatenbanken für Werbung und Magazine befüllt sind, ist riesig. Nur an der Vielfalt mangelt es, irgendwie sehen hier alle gleich aus: Die Fotos, die Bildagenturen wie Getty oder iStock im Angebot haben, entsprechen den Idealbildern einer weißen, westlichen Mittelschicht.

...  Längst hat die Lifestyle-Industrie erkannt: "Authentizität" ist Gold wert, die Konsumentinnen haben genug von Photoshop-Inszenierungen (sonst wären auf Instagram Hashtags wie #nofilter nicht so erfolgreich). Sie wollen sich selbst wiederfinden in Werbekampagnen. Es gibt kaum eine Werbung, die derzeit auf Bilder von "authentischen" (meist gleichzusetzen mit "nicht wie weiße dünne Models aussehenden) Frauen verzichten kann. Das weiß kaum ein Unternehmen besser als der einstige Seifenhersteller Dove. Dank ausgeklügelter Kampagnen ist das Unternehmen, das zu dem niederländisch-britischen Konzern Unilever gehört, heute milliardenschwer.

Das dürfte auch erklären, warum sich die Plattform #ShowUs bislang auf Frauen konzentriert. Mit Bildern von alten, dicken, nichtweißen Männern lässt sich längst nicht so gut Geld verdienen.

...


Aus: "Schönheitsideale: Wieso Frauen jetzt "authentisch" aussehen sollen" Anne Feldkamp (11.4.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000101030886/Schoenheitsideale-Wieso-Frauen-jetzt-authentisch-aussehen-sollen

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« Reply #898 on: April 11, 2019, 03:09:37 nachm. »
Quote
[...] Die Vertreter des Sturm und Drang kamen vorwiegend aus dem Mittel- und Kleinbürgertum; ihre literarischen Betätigungen suchten sie materiell durch Hauslehrer- oder Pfarrstellen abzusichern, denn von der Literatur konnten sie nicht leben. Es fehlte ihnen nämlich die soziale Resonanz, ihre Bewegung blieb auf die Bekannten beschränkt, mit denen man sich zu Männerbünden zusammenschloss (z. B. Göttinger Hain). ... Hauptorte des Sturm und Drang waren Straßburg, Göttingen, Frankfurt am Main. Für viele Dichter, v. a. Goethe und Schiller, war der Sturm und Drang nur eine Phase ihres Lebens und Schaffens. Viele Autoren und Werke waren nur zu ihrer Zeit bekannt und sind heute weitgehend vergessen. ...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnislyrik (28. Dezember 2018)
« Last Edit: April 11, 2019, 03:12:07 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #899 on: April 16, 2019, 10:43:43 vorm. »
Quote
[...] Film [Der Funktionär Andreas Goldstein Deutschland 2018, 72 Minuten] - Andreas Goldstein spürt seinem lange verstorbenen Vater nach, dem einstigen DDR-Kulturminister Klaus Gysi

... Goldstein spricht an einer Stelle davon, dass er in der DDR-Schule keine Angst gehabt hätte, zu sagen, was er dachte. Erst später habe er begriffen, dass das ein Privileg war, das er nur als Sohn eines hohen Funktionärs genoss. ...


Aus: "Beschränkt funktional" Michael Suckow (Ausgabe 15/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/msuckow/beschraenkt-funktional

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« Reply #900 on: April 16, 2019, 12:34:37 nachm. »
Quote
[...] Frankfurt am Main/Frankfurt – Aktien und vor allem Immobilien machen den Unterschied: Nach Daten der Bundesbank sind die Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland weiterhin ungleich verteilt – auch wenn sie im Schnitt gestiegen sind. Das geht aus der am Montag veröffentlichten Bundesbank-Studie "Private Haushalte und ihre Finanzen" (PHF) hervor. Demnach gehören den reichsten zehn Prozent der Haushalte 55 Prozent des gesamten Nettovermögens – also des Vermögens abzüglich Schulden. Bei der vorherigen Studie 2014 waren es 60 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte muss sich unverändert mit mageren 3 Prozent begnügen. Der Rest des Nettovermögens ist im Besitz von 40 Prozent der Haushalte. "Insbesondere die Nettovermögen von Immobilieneigentümern haben sich in Folge der gestiegenen Immobilienpreise erhöht", heißt es im Bundesbank-Monatsbericht. Allerdings besitzen nur 44 Prozent der Privathaushalte in Deutschland Wohneigentum. An vielen Menschen geht der Immobilienboom somit vorbei. In anderen Ländern im Euroraum, zum Beispiel in Italien oder Spanien, ist die Quote der Immobilienbesitzer mit zuletzt etwa 70 beziehungsweise rund 80 Prozent deutlich höher.

Insgesamt konnten die Bundesbürger dank niedriger Arbeitslosigkeit und höherer Einkommen in den vergangenen Jahren mehr auf die Seite legen. Zugleich profitierten sie von steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen. Abzüglich Schulden verfügten die Haushalte 2017 im Schnitt über ein Nettovermögen von 232.800 Euro. Das waren 18.300 Euro mehr als bei der Auswertung drei Jahre zuvor. Befragt wurden 4.942 repräsentativ ausgewählte Haushalte. Weil die Durchschnittswerte stark durch Extremwerte beeinflusst sind, halten die Bundesbank-Experten eine andere Auswertung für aussagekräftiger: den sogenannten Medianwert. Er liegt in der Mitte, wenn man die Werte der Größe nach sortiert. Die Haushalte werden in eine reichere und eine ärmere Hälfte geteilt. Der Medianwert liegt deutlich niedriger als der Durchschnittswert: Netto bei 70.800 (2014: 60.400) Euro. "In der Mitte und im unteren Bereich der Verteilung findet man kaum Haushalte mit Immobilieneigentum und Aktienbesitz", erläuterte die Bundesbank.

Um zu den zehn Prozent der vermögendsten Haushalte in Deutschland zu gehören, waren im Jahr 2017 den Angaben zufolge gut 555.400 Euro nötig. Das waren knapp acht Mal soviel wie der Median. Der Medianwert ist in Deutschland weiterhin geringer als in anderen Ländern, für die vergleichbare Daten vorliegen. In Italien lag er zuletzt bei 126.000 Euro, in Österreich waren es 83.000 Euro. In den vergangenen Jahren profitierten den Angaben zufolge allerdings auch Menschen, die zur Miete leben, sowie Haushalte, die zur vermögensärmeren Hälfte zählen, von gestiegenen Einkommen. "Sie versetzen diese Haushalte in die Lage, mehr zu sparen und verringern die Notwendigkeit neue Konsumentenkredite aufzunehmen", heißt es in der Untersuchung. Regional gibt es in Deutschland deutliche Unterschiede. So ist der Median im Westen mit 92.500 Euro etwa viermal so hoch wie im Osten (23.400 Euro). Grund sei vermutlich der geringere Anteil an Wohneigentümern in den neuen Ländern. Der höchste Medianwert findet sich in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen mit 139.800 Euro. Die Notenbank hat die Studie zum dritten Mal durchgeführt. 9.710 Menschen ab einem Alter von 16 Jahren gaben Auskunft über ihr Vermögen: Haus und Auto, wertvolle Sammlungen und Schmuck, Guthaben auf Sparkonten, Bausparverträge, Aktien, Lebensversicherungen. Auf der Soll-Seite: Hypotheken, Konsumentenkredite, Kreditkartenschulden, Bafög-Schulden. Zwar sei die Vermögensungleichheit im Vergleich zur vorherigen Befragung geringfügig gesunken, heißt es in der Studie. Ein eindeutiger Trend sei aber nicht erkennbar, folgert die Bundesbank: "Nach wie vor ist Deutschland ein Land, in dem die privaten Vermögen ungleich verteilt sind." (dpa, 15.4.2019)



Aus: "Reichstes Zehntel besitzt mehr als die Hälfte des Vermögens" (15. April 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000101450972/Deutschland-Zehn-Prozent-der-Haushalte-halten-55-Prozent-des-Vermoegens

Quote
wiental_fan

Das ewige Gejammer um das ungleich verteilte Vermögen nervt schon langsam. Es sollte bekannt sein, dass dies systembedingt quasi "natürlich" stattfindet. Was allerdings endlich dazu gesagt werden sollte, werte Journalistengemeinde, dass dies nur durch die Politik ausgeglichen werden kann, insoweit dies gesamtwirtschaftlich notwendig ist. Der jetzige politische Kurs fördert die Vermögensungleichheit europa- und weltweit nur.


Quote
Der Gummibaumtroll

Interessant ist doch vielmehr, wie das in anderen Ländern aussieht.
Hier die Zahlen für die reichsten 1% (nicht 10% wie im Artikel oben)

Japan - die reichsten 1% besitzen 19%
Österreich - 23%
UK - 23%
NL - 24%
D - 30%
Schweden - 32%
USA - 37%
China - reichste 1% besitzen 39%
ARG - 44%
BRA - 48%
Rußland - reichste 1% besitzen 70%

...


Quote
JackTravni

Hat nix mit "Neo-Liberalen" zu tun!

Z.B. sei erinnert, dass eine sozialistische Regierung unter Schröder das menschenverachtende System von Hartz-IV eingeführt hat, wo alles Ersparte bis auf einen Mindestsatz aufgebraucht sein muß, um Sozialgeld zu bekommen. Außerdem werden Verwandte wie Kinder oder Ehepartner zur Versorgung herangezogen. DAVON SIND WIR IN ÖSTERREICH WEIT ENTFERNT. ...


Quote
W. B.

Erinnerung an das Schröder-Blair-Papier: 8. Juni 1999 - Der Titel des Dokumentes lautet in seiner deutschen Fassung Der Weg nach vorne für Europas Sozialdemokraten. Es wird darin der Grundsatz „Gerechtigkeit ist modern“ verkündet. Die Autoren betonen, dass Werte wie Fairness, soziale Gerechtigkeit, Freiheit, Verantwortung für andere, Chancengleichheit und Solidarität zeitlos sind.

Insgesamt geht es in dem Papier um eine wirtschaftsfreundlichere Ausrichtung, eine Reform der Sozialsysteme und die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte. Betont wurde, dass eine nach Auffassung der Verfasser pragmatische und keine ideologische Wirtschaftspolitik betrieben werden müsse.

Zwanzig Jahre später: Reichstes deutsches Zehntel besitzt mehr als die Hälfte des Vermögens. ...


Quote
sociovation

Die Ungleichheit ist übrigens im reichsten Zehntel noch wesentlich größer als unter den restlichen 90 Prozent.
Außerdem schließt die Studie die noch viel größere Ungleicheit in der Verteilung an Firmenvermögen aus.
Solche Studien sind eine einzige Verschleierung der wahren Dimension des neoliberalen Ungleichheitswahnsinns.


...


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« Reply #901 on: April 16, 2019, 03:48:41 nachm. »
Quote
[...] Der linke US-Politiker Bernie Sanders muss nach der Veröffentlichung seiner Steuerunterlagen um seine Glaubwürdigkeit fürchten. Die Dokumente, die seit Montag öffentlich zugänglich sind, zeigen, dass er in den Jahren 2016 und 2017 ein Einkommen von jeweils mehr als einer Million Dollar hatte. Sanders ist vor allem wegen seines Kampfes für mehr Einkommensgerechtigkeit bekannt.

Sanders steht innerhalb der demokratischen Partei weit links und hofft auf die Nominierung als ihr Präsidentschaftskandidat für die Wahl 2020. "Millionäre und Milliardäre" sowie die Schieflage bei der Verteilung von Reichtum sind regelmäßig Thema seiner politischen Reden, er vertritt zahlreiche sozialistische Positionen.

Die jetzt veröffentlichten Unterlagen aus zehn Jahren zeigen, dass Sanders selbst zumindest zwischenzeitlich zu denen gehörte, die er kritisiert: Demnach lag sein bereinigtes Bruttoeinkommen im Jahr 2016 bei 1.062.626 Dollar (939.664 Euro), im Jahr 2017 waren es 1.131.925 Dollar (1.000.940 Euro).

Die Millioneneinnahmen waren den Unterlagen zufolge ein Ausreißer nach oben: 2015 hatte Sanders noch weniger als 250.000 Dollar verbucht, dann aber das extrem erfolgreiche Buch "Unsere Revolution" geschrieben. 2018 lagen seine Einnahmen dann noch bei rund 560.000 Dollar.

Sanders erklärte, seine Steuerunterlagen zeigten, dass seine Familie "Glück gehabt" habe. Er sei dafür sehr dankbar, da er aus seiner Jugend wisse, welchen Druck finanzielle Unsicherheit bedeute. Mit seinem steigenden Einkommen auch höhere Steuern zu zahlen, sei für ihn "eine Verpflichtung und eine Investition in unser Land". Sanders fügte hinzu, er werde weiterhin dafür kämpfen, dass jeder Amerikaner ein Gehalt bekomme, von dem er leben könne.

Während Sanders' Steuerunterlagen nun öffentlich sind, wächst der Druck auf US-Präsident Donald Trump, seine Unterlagen ebenfalls zu veröffentlichen. Bisher hat Trump dies stets verweigert. Die Demokraten im Repräsentantenhaus versuchen derzeit, ihn zur Veröffentlichung zu zwingen. (AFP)


Aus: "Reicher Sozialist Bernie Sanders ist laut Steuerunterlagen Millionär" (16.04.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/reicher-sozialist-bernie-sanders-ist-laut-steuerunterlagen-millionaer/24225026.html

Quote
BraverBuerger 11:10 Uhr

    Der linke US-Politiker Bernie Sanders muss nach der Veröffentlichung seiner Steuerunterlagen um seine Glaubwürdigkeit fürchten.

Warum, *deswegen*?


Quote
commentator 10:49 Uhr

    Bernie Sanders ist laut Steuerunterlagen Millionär

Und es gibt wohl kaum redlichere Millionäre als jene, die das durch Bücher zur sozialen Gerechtigkeit geworden sind.


Quote
Mmh 12:03 Uhr

Was ist denn das für eine Debatte? Dürfen sich Einkommensmillionäre nicht für eine Angleichung der Lebensverhältnisse und mehr Steuergerechtigkeit einsetzen? ...


...

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« Reply #902 on: April 18, 2019, 02:54:35 nachm. »
Quote
[...] Es ist eine Tragödie: Mit dem Brand von Notre-Dame wurde am Montag eines der großen abendländischen Kulturdenkmäler zerstört. Der Wiederaufbau dauert Jahre und kostet viel Geld. Zum Glück gib es in Frankreich reiche Menschen mit Verantwortungsbewusstsein und Bürgersinn, die das Projekt großzügig unterstützen. Die drei reichsten Familien des Landes spendeten mal schnell eine halbe Milliarde Euro. Toll. Eine rundum positive Sache. Oder etwa nicht?

Das sehen leider nicht alle so. Denn wie das in Deutschland so üblich ist: Sobald jemand etwas Gutes oder Besonderes erbringt, kommen sie aus ihren Löchern gekrochen. Die Mittelmäßigen, die Neider, die Besserwisser und Schlechtmacher. In öffentlichen Foren und sozialen Netzwerken tun sie das, was sie am besten können: rumnörgeln und die Taten anderer zerreden. Ihr Kritikpunkt: Für die zerstörte Kirche geben sie Geld - aber gegen den Hunger in der Welt oder die sterbenden Flüchtlinge im Mittelmeer tun sie nichts.

Ein irrsinniges Argument - das sich letztlich auf jeden anwenden lässt, der sich für wohltätige Zwecke einsetzt. Spendet man für Straßenhunde in Rumänien, sagen die Nörgler: Aber denk doch an die armen Kinder in Deutschland. Unterstützt man die, heißt es: In Osteuropa sind die Kinder noch viel ärmer dran. Aber was ist dann mit den Menschen in Afrika - geht es denen nicht noch viel schlechter?

Wer den Bau einer Schule in Malawi unterstützt, muss sich demnach den Vorwurf gefallen lassen, dass ein Brunnen doch viel wichtiger sei - schließlich können die Kinder ja nur lernen, wenn sie genug zu trinken haben. Und warum überhaupt Malawi - die Zentralafrikanische Republik ist schließlich noch ärmer.

Ein Wettlauf, der die Möglichkeiten der guten Tat immer weiter einschränkt - anstatt sie zu fördern und Helfer zu ermutigen. So lässt sich letztlich jedes Engagement kaputt reden. Der Wohltäter ist am Ende der Dumme - und derjenige, der gar nichts tut, steht als moralische Instanz da. So ist es schon jetzt auf Facebook, Twitter und Instagram zu beobachten.

Doch wenn einem wirklich etwas an den Hungernden in der Welt liegt oder dem Leid der Flüchtlinge, dann gibt es einen ganz einfachen Weg, diese zu unterstützen: Ein jeder könnte spenden, das ist kinderleicht. Aber andere zu kritisieren macht halt viel mehr Spaß, anstatt selbst etwas zu leisten. Und das Beste: Es kostet nichts.

Wie absurd: Hätten die drei reichsten Familien Frankreichs gar nichts gemacht und sich eine neue Yacht gekauft, anstatt Geld für Notre-Dame zu spenden - niemand hätte sich beschwert. Zum Glück haben sich die Familien Pinault, Arnault und Bettencourt davon nicht beirren lassen.


Aus: "Die Stunde der Miesmacher - wie gegen Wohltäter Stimmung gemacht wird" Carsten Heidböhmer (17. April 2019)
Quelle: https://www.stern.de/kultur/notre-dame--die-stunde-der-miesmacher---wie-gegen-wohltaeter-stimmung-gemacht-wird-8671766.html

Quote
[...] Die Flammen waren noch nicht gelöscht, da kündigten erst die Pinaults und dann die Arnaults an, 100 und 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Notre-Dame zu spenden.  ... Bis Dienstagabend (16.04.2019) lagen für Notre-Dame insgesamt Spendenzusagen von mehr als 750 Millionen Euro vor. Mehrere französische Konzerne kündigten Spenden in Millionenhöhe an, die Stadt Paris sagte 50 Millionen Euro zu. ...


Aus: "Notre-Dame: Wer sind die Spender für den Wiederaufbau?" (16.04.2019)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/notre-dame-225.html

Quote
[...] Für den Wiederaufbau der schwer beschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame ist schon fast eine Milliarde Euro an Spenden zusammengekommen. „Heute Morgen waren es fast 900 Millionen. Ich denke, wir werden heute noch die Milliardengrenze überschreiten“, sagte der Fernsehmoderator Stéphane Bern, der im Auftrag von Staatschef Emmanuel Macron für die Renovierung historischer Baudenkmäler in Frankreich zuständig ist, am Mittwoch dem Sender RMC. „Die ganze Welt ist an unserer Seite“, sagte Bern. Er erhalte Spenden aus vielen Ländern für die berühmte Kathedrale im Herzen von Paris, in der am Montagabend ein heftiges Feuer ausgebrochen war. ...


Aus: "Nach Feuer in Notre-Dame : Fast eine Milliarde Euro an Spenden für Wiederaufbau" (17.04.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/notre-dame-fast-eine-milliarde-euro-an-spenden-fuer-wiederaufbau-16145455.html

Quote
[...]  Warum geben die Familien, die so eng mit den Marken Louis Vuitton, L’Oréal und Gucci verbunden sind, ausgerechnet ihren finanziellen Segen für den Wiederaufbau einer Kirche? Gibt es nicht gravierendere Probleme als Steine? Was ist mit den Menschen? Was mit den sozialen Verwerfungen in den Pariser Vorstädten? Oder auch global: Was ist mit dem Klimawandel, der Armut, der mangelnden Chancengleichheit und der kritischen Gesundheitsversorgung?...


Aus: "Spenden für beschädigte Kathedrale: Die Bettler von Notre-Dame" Fabian Löhe (18.04.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/spenden-fuer-beschaedigte-kathedrale-die-bettler-von-notre-dame/24232840.html

Quote
MartinKetzer 12:27 Uhr
Notre Dame... 700 Mio € wurden angeblich am 1. Tag gesammelt! Toll, das entkräftet natürlich den Ruf nach Umverteilung, super die Hilfsbereitschaft der Superreichen, nicht?
Also mal ganz ehrlich, hat die römisch katholische Kirche nicht genug Mittel das selbst zu machen?? Und sollte das Herz nicht eher bei leidenden Kindern/Tieren/Regenwald/Obdachlose/Kranke erweichen, als bei einem Hafen alter kalter Steine??

Quote
Charybdis66 13:10 Uhr
Antwort auf den Beitrag von MartinKetzer 12:27 Uhr

    Also mal ganz ehrlich, hat die römisch katholische Kirche nicht genug Mittel das selbst zu machen??

Die römisch-katholische Kirche ist aufgrund eines Gesetzes von 1905 NICHT Eigentümerin der Kathedrale. Zuständig für den Erhalt praktisch aller Kirchengebäude vor 1905 ist der französische Staat.


Quote
MartinKetzer 13:23 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Charybdis66 13:10 Uhr

danke, das ist ja interessant! und der Staat "vermietet" die alten Gebäude dann an die Kirche?


Quote
Charybdis66 13:34 Uhr
Antwort auf den Beitrag von MartinKetzer 13:23 Uhr
Der Staat stellt sie der Kirche dann zur Verfügung, wobei die Kirche wohl einige Ausgaben wie Heizkosten selbst trägt. Wie exakt abgerechnet wird, weiß ich nicht im letzten Detail.

Das Gesetz soll eine Staatsform unterstützen, in der Staat und Religion strikt getrennt sind. Insofern werden beispielsweise die Kirchenangestellten in Frankreich nicht vom Staat bezahlt, und es wird auch keine Kirchensteuer eingezogen, sondern es gibt ein Kirchgeld für die Gläubigen, das, neben Spenden und anderen Einnahmen, für die Finanzierung der kirchlichen Arbeit notwendig ist.


Quote
MartinKetzer 13:47 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Charybdis66 13:34 Uhr
danke für die Infos, das ist dann besser als bei uns zu Lande, wo der Staat die Gelder für die Kirche eintreibt! Aber hier hat die Bevölkerung ja auch die Köpfe rollen lassen, das hat offenbar nachhaltig Wirkung gezeigt! :-)
In dem Sinne: Frohe Ostern!


Quote
Charybdis66 11:12 Uhr
Das Beste wäre gewesen, die reichen Familien hätten ihre Spendenbereitschaft nicht publik gemacht, denn dann wäre dieses ganze moralinsaure Gewäsch, das schon während des Brandes so sicher kommen würde wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche, überflüssig.

Ich bin einmal, als ich als praktisches Beispiel erzählte, dass ich in Afrika eine Schule unterstütze, von einem Diskussionspartner angegriffen worden, warum ich nicht für die Flüchtlinge spenden und warum ich da nichts tun würde. Dabei hatte ich gar nichts darüber gesagt, ob ich etwas für Flüchtlinge tue oder nicht (das auch gar nicht das Thema der Diskussion war, denn es ging um Afrika). Aber sofort wurde mein kleines Investment auf die moralische Goldwaage gelegt, und der Diskussionspartner machte mich sofort auf meine unverrückbare moralische Verfehlung aufmerksam.

Es ist jedermanns eigene Entscheidung, für was er Geld spendet oder auch nicht. Manche Spenden gefallen mir tatsächlich besser und manche auch nicht. Aber ich beklage nicht ständig moralinsauer triefend, was andere Menschen tun.

Apropos: Ich habe auch für Notre Dame gespendet, wenn auch vielleicht etwas weniger als ein paar Millionen Euro.


Quote
tweet4fun 10:19 Uhr

... Ich finde, daß man es den Franzosen überlassen sollte, wie sie mit der Akzeptanz der Millionenspenden umgehen und wie sie über ihre Milliardäre denken, denn die sind durchaus fähig zum eigenen Denken! ...

Quote
betroffener72378 09:54 Uhr
Milliardäre, die für Notre Dame spenden, erinnern mich an den Ablasshandel des Mittelalters.


Quote
Charybdis66 11:06 Uhr
Antwort auf den Beitrag von betroffener72378 09:54 Uhr
Ach echt? Hat die katholische Kirche die Milliardäre unter Druck gesetzt, dass sie in der Hölle schmoren werden, falls sie nicht spenden? Haben Sie Quellen dazu? Ich warte neugierig auf Ihre Belege.


Quote
betroffener72378 08:45 Uhr
Würden diese Gönner nicht 600 Millionen Euro und mehr Spenden, würde offensichtlich, dass der Staatshaushalt (aufgrund Schuldenbremse/Maastricht Kriterien) nicht genügend Mittel hat, um Notre Dame zu restaurieren.

Dann käme das Volk auf die Idee grosse Vermögen zu besteuern um öffentliche Zwecke zu finanzieren.

Mit dem möglichen Ergebnis der Wiedereinführung der Vermögenssteuer.

Dann käme auch das deutsche Volk auf die Idee. Und dann die EU: EU-weite Regeln für eine Vermögenssteuer, wie bei der Mehrwertsteuer.

Der Horror.

...


Quote
affogato 08:07 Uhr

Eines der Privilegien des Eigentums ist es, dass man sich aussuchen kann wofür man es spendet oder wem man es schenkt (in den Grenzen steuerrechtlicher Regeln). ...


Quote
mcgyver 17.04.2019, 20:44 Uhr

    Gibt es nicht gravierendere Probleme als Steine?

Auch bei den Pyramiden handelt es sich lediglich um Steine. Aber zusammen mit der Geschichte der Pharaonen verschaffen sie einen faszinierenden Einblick in die antike Geschichte, der niemals möglich gewesen wäre, wenn Ägypten das Geld für soziale Zwecke anstatt für Königsgräber verwendet hätte.

Wichtig ist das Überzeitliche. Das, was der Einzelne über sich selbst hinaus erschafft und der Nachwelt hinterlässt. Das kulturelle Erbe unserer europäischen Geschichte. Die wenigen Menschen, die ihre Epoche als Denker, Künstler, Herrscher oder Feldherren prägten. Der Rest ist spätestens nach drei Generationen vergessen.

...


Quote
Diele 17.04.2019, 19:42 Uhr

Warum die Superreichen für die Notre Dame ihre Millionen spenden, ist mit einem Satz zu erklären: Kultur schlägt Humanität.


...

Quote
[...] Als am 15. April die Notre Dame Kathedrale in Paris brannte, war das Entsetzen der Weltöffentlichkeit grösser als über Millionen Tote im Jemenkrieg oder den Über­schwemmungen in Mozambique. Schnell drängten die Aristokraten der kapitalistischen Gesellschaft vor und versprachen Spenden für den Wiederaufbau, von gesamt über einer Milliarde Euro. Die Aufräumarbeiten an der Ruine sind in vollem Gang, allerdings können die Arbeiter nicht bezahlt, die Anwohner nicht medizinisch versorgt werden (Vergiftungsgefahr durch das verstreute Blei des Dachs). Die Spender, so erklärte ein Mitarbeiter der Notre Dame, würden ihr Geld nicht ausgeben „nur um Arbeiter-Gehälter zu bezahlen“. Sondern nur für besonders schöne Teile der Kirche, Restaurationsprojekte, deren man sich später rühmen kann. ...


Aus: "Notre Dame und die verschwundenen Spenden" Autor: Fritz, Kategorien: planet . Schlagwörter:Milliardäre, Notre Dame, Paris (20. Juli 2019)
Quelle: https://11k2.wordpress.com/2019/07/20/notre-dame-und-die-verschwundenen-spenden/


"The lesson from the ruins of Notre Dame: don’t rely on billionaires" Aditya Chakrabortty (18.07.2019)
The French super-rich promised to dig deep, but such philanthropy comes at a steep price
https://www.theguardian.com/commentisfree/2019/jul/18/ruins-notre-dame-billionaires-french-philanthropy

"Small donors, not French tycoons, help pay Notre Dame works" THOMAS ADAMSON (June 14, 2019)PARIS (AP) — The billionaire French donors who publicly proclaimed they would give hundreds of millions to rebuild Notre Dame have not yet paid a penny toward the restoration of the French national monument, according to church and business officials. Instead, it’s mainly American and French individuals, via Notre Dame charitable foundations, that are behind the first donations paying the bills and salaries for up to 150 workers employed by the cathedral since the April 15 fire that devastated its roof and caused its masterpiece spire to collapse. This month they are handing over the first private payment for the cathedral’s reconstruction of 3.6 million euros ($4 million). ...
https://www.apnews.com/d69824caa68b4d24b13e91fed77dd953

« Last Edit: Juli 25, 2019, 12:27:16 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #903 on: April 18, 2019, 03:11:09 nachm. »
Quote
[...] Sechs Tage die Woche von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends arbeiten: Genau das fordert Jack Ma, Gründer und Chef des Online-Händlers Alibaba. Der 40-fache Milliardär schrieb im sozialen Netzwerk Weibo, dass eine 72-Stunden-Woche gar "kein Problem" darstelle. Problematisch wäre die nur für Leute, die ihre Arbeit ohnehin nicht mögen.

 Ma gehört laut "Forbes" zu den reichsten Männern Asiens. Die 9-to-9-Arbeitszeit, in China auch bekannt unter der Abkürzung "996", sei seiner Meinung nach "ein großer Segen". Er selbst habe Zwölf-Stunden-Tage nie bereut. "Wie soll man den angestrebten Erfolg erzielen, wenn man nicht besonders viel Zeit dafür aufwendet?", fragte der Geschäftsmann seine Angestellten. Zudem machte er gegenüber seinen Mitarbeitern eine klare Ansage: All diejenigen, die wirklich erfolgreich sein wollen bei Alibaba, sollten sich mit zwölf Stunden Arbeit täglich an sechs Tagen die Woche anfreunden. "Von denen, die bequeme acht Stunden arbeiten, haben wir genug", so der Alibaba-Chef.

Die Medienlandschaft in China distanzierte sich von Ma. Loyalität und harte Arbeit zeige sich nicht durch erzwungene Überstunden, so die Zeitung "People's Daily".

Der Mitgründer von Tesla, Elon Musk, hält viel Arbeitszeit ebenfalls für einen Erfolgsgaranten. Bei Twitter schrieb er, dass niemand die Welt in einer 40-Stunden-Woche verändert hätte. Er selbst habe 120 Stunden pro Woche gearbeitet, als die Produktion in der Firma nicht so lief, wie er sich das erhofft hatte.

Chefs arbeiten meistens länger als ihre Angestellten. Das ist nichts Ungewöhnliches. Jedoch sind nicht alle der Auffassung, dass Erfolg proportional mit der Zunahme der Arbeitszeit steigt. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich für eine "deutsche" Arbeitszeit entschieden. Der 66,3 Milliarden Dollar schwere Gründer des sozialen Netzwerkes arbeitet laut Mitarbeiter Lee Byron meist 40 bis 50 Stunden die Woche und das von Montag bis Freitag. Wenn es brennt, würde er jedoch auch am Wochenende das Büro aufsuchen.

...


Aus: "Karrieretipp von Jack Ma Milliardär empfiehlt die 72-Stunden-Woche" (Mittwoch, 17. April 2019)
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Milliardaer-empfiehlt-die-72-Stunden-Woche-article20975198.html

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« Reply #904 on: April 23, 2019, 05:02:08 nachm. »
Quote
[...] Immer öfter werden Flüchtlinge, die Deutschland verlassen müssen, in Abschiebehaft genommen. Während die Zahl der Abschiebungen seit 2015 nur leicht zugenommen hat, verdoppelte sich die Zahl der Fälle von Abschiebehaft bis 2017. Zugleich nimmt die Dauer dieser Haft deutlich zu. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Deren innenpolitische Sprecherin Ulla Jelpke verurteilt die Entwicklung: "Ein Resultat der von der Bundeskanzlerin eingeforderten nationalen Kraftanstrengung bei Abschiebungen ist offenbar, dass Geflüchtete immer häufiger und länger in Abschiebungshaft genommen werden, in Einzelfällen sogar Kinder. Ich finde das unerträglich."

Die Antwort der Bundesregierung basiert auf Rückmeldungen aus den Bundesländern, die für Abschiebungen und die mitunter vorangehende Haft zuständig sind. Diese Häftlinge haben sich in der Regel nicht strafbar gemacht, sie sind nur deshalb inhaftiert, um ihre Rückführung zu garantieren. Wurden 2015 noch gut 1800 Menschen zu diesem Zweck eingesperrt, stieg die Zahl 2017 auf gut 4000. In den ersten Monaten 2018 deutet sich ein weiteres Plus an. Die Auswertung der Daten durch einen Experten der Linksfraktion verdeutlicht den Unterschied zu früheren Jahren: Während von 2008 bis 2014 die Zahl der Abschiebungen leicht zunahm, sank die Zahl der Inhaftierungen. Gestiegen ist in den letzten Jahren auch die Dauer der Haft: Die Zahl der Fälle, in denen Geflüchtete mehr als sechs Wochen eingesperrt waren, hat sich seit 2015 etwa vervierfacht.

Immer wieder stellt sich Abschiebehaft später als rechtswidrig heraus, wie oft, ist strittig. Die Bundesländer erfassen nicht systematisch, wie oft Gerichte eine Haftanordnung kippen. Die Linksfraktion geht von einer hohen Zahl aus und beruft sich dabei auf den Hannoveraner Asylanwalt Peter Fahlbusch, der auf solche Fälle spezialisiert ist und zu seinen eigenen Mandanten Statistik führt. Seit 2001 habe er demnach bundesweit 1675 Abschiebehäftlinge vertreten, in knapp der Hälfte der Fälle habe ein Gericht abschließend festgestellt, dass die Haft rechtswidrig gewesen sei. Zusammengerechnet seien dies 21 854 unrechtmäßige Hafttage, so Fahlbusch. Die Linksfraktion fragt, ob man Abschiebehäftlingen nicht automatisch einen spezialisierten Anwalt zur Seite stellen sollte, ähnlich wie bei Untersuchungshäftlingen. Davon aber hält die Bundesregierung nichts: Sie habe "keinen Zweifel", dass bereits jetzt "ein umfassender Schutz von Grund- und Menschenrechten gewährleistet ist".

Jelpke kritisierte die Unkenntnis in diesem Bereich: Es sei "bezeichnend", dass rechtswidrige Abschiebehaft nicht systematisch erfasst werde. "Wer die eigenen Fehler nicht dokumentiert, muss sich auch nicht damit auseinandersetzen", sagte die Politikerin. "Offenbar zählen die Freiheitsrechte von Geflüchteten für deutsche Behörden so wenig, dass sie selbst deren rechtswidrige Inhaftierung billigend in Kauf nehmen - wenn dies der besseren Durchsetzung von Abschiebungen dient."


Aus: "Einsperren, rauswerfen" Bernd Kastner (22. November 2018)
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/politik/asyl-einsperren-rauswerfen-1.4222389

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« Reply #905 on: April 29, 2019, 04:19:43 nachm. »
Quote
[...] Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will gegen die Ausbeutung von Paketzustellern vorgehen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) weist die Pläne für eine Nachunternehmerhaftung ab – und erhält nun Unterstützung von den Arbeitgebern.

Die Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) lehne Heils Vorstoß ab, große Paketdienste für die Arbeitsbedingungen von Paketboten ihrer Subunternehmer haften zu lassen, sagte dessen Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Der Staat darf seine Aufgabe zur Überwachung der Einhaltung des Mindestlohns nicht einfach auf andere Unternehmen überwälzen“, erklärte er.

Unternehmen könnten andere Unternehmen nicht annähernd so gut kontrollieren wie der Staat, so Kampeter. „Die neuen Gesetzespläne würden daher unverhältnismäßige Haftungsrisiken für die betroffenen Unternehmen bedeuten.“ Die Haftung könnte langjährige Zeiträume umfassen und sich damit zu hohen Beträgen summieren. Zudem könne niemand verlässlich ausschließen, dass ein Vertragspartner Rechtsverstöße begeht, sagte der BDA-Chef. „Wer sich als Arbeitgeber nicht an Recht und Gesetz hält und Beschäftigten nicht den vollen Lohn zahlt und Sozialbeiträge vorenthält, kann und muss nach geltenden Vorschriften bestraft werden.“ Wenn der Staat allerdings Kontrolldefizite bei den Sozialversicherungsbeiträgen sehe, müsse er „seine Kontrollen verbessern statt rechtstreuen Unternehmen neue Haftungsrisiken aufzudrücken“, sagte Kampeter.

Zuvor hatte Bundeswirtschaftsminister Altmaier gesagt, Heils Gesetzentwurf komme zur Unzeit. „Es ist jetzt nicht die Zeit für neue Belastungen der Wirtschaft“, so der CDU-Politiker. „Die Belebung des Wachstums und die Schaffung neuer Arbeitsplätze muss Vorrang haben vor dem Aufbau neuer Bürokratie.“ Altmaier verwies auf die Zuständigkeit der Zollbehörden für die Kontrolle von Arbeitsbedingungen. Der Zoll liegt im Verantwortungsbereich von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ hat Heil einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die großen Paketdienste verpflichten soll, Sozialabgaben für ihre Subunternehmer nachzuzahlen, wenn diese beim Mindestlohn betrügen. So soll der eigentliche Auftraggeber für korrekte Arbeitsbedingungen bei seinen Boten verantwortlich werden.

Heil verteidigte seine Pläne. „Es geht um Recht und Ordnung am Arbeitsmarkt“, sagte er. „Wir wollen Generalauftragnehmer verpflichten, im Zweifelsfall, wenn die Sozialversicherungsbeiträge bei den Subunternehmern nicht einzutreiben sind, auch in Haftung genommen zu werden.“ Dass in der Branche nicht gut bezahlt werde, sei bekannt, und auch daran müsse sich etwas ändern. „Aber dass auch noch der soziale Schutz ausgehebelt wird, ist für mich völlig inakzeptabel.“

Aus der Unionsfraktion im Bundestag kommt ein Vorschlag für eine mögliche Einigung. „Ein guter Kompromiss kann so aussehen: Wir machen sinnvolle Entbürokratisierung bei einigen Vorschriften im Bereich des allgemeinen Mindestlohns und wir nehmen problematische Bereiche wie die Paketbranche stärker in die Pflicht“, sagte Peter Weiß (CDU), arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Unionsfraktion.

Kästen: Wer einen Brief einwerfen will, muss mancherorts weiter laufen als zuvor. Seit 2011 sank die Zahl der Briefkästen in Deutschland kontinuierlich, wie aus einem Bericht der Bundesnetzagentur an ihren Beirat hervorgeht. Waren es Ende 2011 noch 112 381 Kästen, gab es acht Jahre später nur noch 109 791. Das ist ein Rückgang von 2,3 Prozent. Dies wirkt moderat, denn die Briefmenge sinkt seit langem um zwei bis drei Prozent – und zwar pro Jahr.

Leerungen: Die Zahl der Kästen, die auch nachmittags geleert werden, sank um rund 12 600 auf 47 600. Zugleich stieg die Zahl der Kästen, aus denen Briefe nur vormittags geholt werden, um rund 10 000 auf 62 200. Wer also mittags einen Brief einwirft, dessen Sendung wird mancherorts erst am nächsten Tag abgeholt – die Zeit bis zur Ankunft eines Briefs verlängert sich also.

Zustelltempo: Kamen im Jahr 2011 noch 93,7 Prozent der Einzelsendungen am nächsten Tag an, so waren es 2018 nur noch 88,3 Prozent. Trotz der schlechteren Werte lässt sich festhalten: Bei den gemessenen Laufzeiten liegt der frühere Staatsmonopolist noch absolut im grünen Bereich, denn gesetzlich vorgeschrieben ist ein Mindestwert von 80 Prozent. Der Effekt durch die Abnahme von Briefkästen mit später Leerung ist hierbei aber nicht eingerechnet – die Messung startet ab der Abholung der Sendung.

Beschwerden: Im ersten Quartal dieses Jahres gingen 3879 Beschwerden bei der Bundesnetzagentur ein. Eine Vergleichszahl zum Vorjahresquartal liegt zwar nicht vor. Hochgerechnet auf das ganze Jahr wären es aber deutlich mehr als 2018, als insgesamt 12 615 Beschwerden eingingen. Hierbei geht es zum Beispiel um verspätete oder verlegte Sendungen.

Bei den Kundenprotesten geht es um die ganze Brief- und Paketbranche in Deutschland. (dpa)


Aus: "Streit um Schutz von Paketboten" Rasmus Buchsteiner (28.04.2019)
Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/streit-schutz-paketboten-12230846.html

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Rickdiver

Das ganze Konstrukt aus Subunternehmen dient doch nur dazu die Lohnkosten zu drücken. Das wissen die alle ganz genau ...


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NordlichtInF

... Wenn man bedenkt, dass Briefträger und Postboten früher mal Altmaier's Kollegen waren, nämlich Beamte, und wenn man bedenkt, dass zu Zeiten der Bundespost die Zustellung wesentlich zuverlässiger war, ist auch in diesem Punkt der menschenverachtende Neoliberalismus krachend gescheitert. Es geht nur noch um Milionengehälter für Vorstandsvorsitzende, die keinerlei Verantwortung übernehmen und um Dividenden für Aktionäre, die sich Investoren nennen, um ihrer Banalität Bedeutung zu verleihen. ...


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« Reply #906 on: Mai 02, 2019, 09:11:45 vorm. »
Quote
[...] Als Donald Trump im Jänner 2017 auf dem Westbalkon des Kapitols seinen Amtseid ablegte, saß eine zierliche Dame in einem weißen Parka im abgesperrten Bereich für prominente Gäste, um ihm zuzuschauen. Kaum einer der Reporter, die die Szene beobachteten, nahm Notiz von ihr. Kaum einer wusste, welche Rolle sie für Trump gespielt hatte. Das änderte sich vor gut zwei Monaten mit einem Bericht der "New York Times", der die Geschäftskontakte des heutigen US-Präsidenten zur Deutschen Bank in aufschlussreichen Details dokumentierte. Rosemary Vrablic, die Frau im Parka, war bei der New Yorker Vermögensverwaltung der Frankfurter die Privatbankerin, die sich um Trump zu kümmern hatte. Wie ein Synonym steht ihr Name für eine denkbar enge Beziehung, die sich über beinahe zwei Jahrzehnte erstreckte. Mehr als zwei Milliarden Dollar soll die Bank dem Immobilienmogul in dieser Zeit geliehen haben. An der Wall Street dürfte niemand genauer im Bilde sein als Vrablic, keine andere Finanzinstitution dürfte die Vermögensverhältnisse des Präsidenten besser kennen als die Deutsche Bank. Das hat das Interesse des Repräsentantenhauses geweckt, in dem die Demokraten, die nunmehr die Mehrheit bilden, auf Transparenz drängen.

Bis heute hält Trump seine Steuererklärungen unter Verschluss, womit er gegen ungeschriebene Gesetze verstößt, die den Amtsinhaber im Oval Office zumindest moralisch zur Offenlegung verpflichten. Sicher dürfte sein, dass die Deutsche Bank über Steuerunterlagen verfügt, die er einreichen musste, um seine Kreditwürdigkeit unter Beweis zu stellen – wenn nicht über komplette Steuererklärungen. Gibt sie diese heraus, hat die Opposition auf Umwegen erzwungen, was der Staatschef freiwillig nicht liefern möchte. Zudem könnte die Dokumentensammlung ein Muster belegen, wie es Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen neulich im Zeugenstand eines Kongressausschusses skizziert hatte: dass der Magnat sein Vermögen entweder aufbauschte oder kleinrechnete, wie es ihm gerade passte. Als er den Footballclub Buffalo Bills kaufen wollte und bei der Deutschen Bank vorstellig wurde, nannte Cohen ein Beispiel, habe er tadellose Kreditwürdigkeit herausgestellt. Sei es dagegen um die Höhe der Grundstückssteuer gegangen, habe er den Wert seiner Immobilien eher heruntergespielt.

Die Angst vor brisanten Enthüllungen hat Trump bewogen, bei einem Bezirksgericht in New York Klage gegen das Geldinstitut einzureichen. Gemeinsam mit seinen Söhnen Eric und Donald jr., mit Tochter Ivanka und sieben zur Trump-Gruppe gehörenden Firmen will er der Deutschen Bank untersagen, dem Kongress Unterlagen über eine Geschäftsbeziehung auszuhändigen, die spätestens 1998 begann und erst mit Trumps Einzug ins Weiße Haus ein vorläufiges Ende fand.

Angefangen hat es mit der Anfrage eines Kreditmaklers bei Mike Offit, einem Banker, der von Goldman Sachs zur Investmentabteilung der Deutschen gewechselt war. Ob man, so schreibt es die "New York Times", einem Wall-Street-Paria Geld leihen würde? Hinter Trump lag eine Phase, die ihn um ein Haar in den Ruin getrieben hätte. In Atlantic City war er groß ins Geschäft mit dem Glücksspiel eingestiegen. Als seine drei luxuriösen Spielcasinos nicht die erhofften Einnahmen erzielten, stand er hochverschuldet vor dem Bankrott.

Eine von ihm erworbene Fluglinie erwies sich als Flop, in Manhattan erlitt er Schiffbruch mit dem Plaza Hotel, einem Juwel der Architektur, bei dessen Kauf er sich übernommen hatte. Seine Gläubiger ersparten ihm den Offenbarungseid, denn in ihrer Kalkulation war es das kleinere Übel, dem Mann einen Rettungsring zuzuwerfen, statt ihn untergehen zu lassen, auch wenn man dafür Verluste verbuchen musste.

Nur war danach praktisch kein amerikanisches Geldhaus mehr bereit, dem Beinahe-Pleitier Geld zu leihen. Bei der Deutschen Bank, die um die Gunst prominenter Kunden buhlte, um sich ans der Wall Street einen Namen zu machen, sah man das offenbar anders. 1998 bekam Trump die 125 Millionen Dollar, die er brauchte, um einen Skyscraper in unmittelbarer Nähe der New Yorker Börse zu renovieren, kurz darauf 300 Millionen für den Bau eines Wolkenkratzers gegenüber dem Hauptquartier der Vereinten Nationen. 2003 verkaufte die Bank Anleihen für die Marke Trump Hotel & Casino Resorts, Anleihen, die der Unternehmer im Jahr darauf platzen ließ. Dennoch gelang es ihm, 2005 einen Kredit über mehr als 500 Millionen Dollar für den Bau eines 92-Etagen-Hochhauses in Chicago aufzunehmen. Auch den ließ er, im Zuge der Finanzkrise in Bedrängnis geraten, platzen. Parallel dazu verklagte er die Deutsche Bank. Die Finanzkrise, argumentierten seine Anwälte, sei eine Art Naturkatastrophe gewesen, und im Falle von Naturkatastrophen könne kein Gläubiger auf der Begleichung von Schulden bestehen.

Zu dem Zeitpunkt hatten die Investmentbanker bereits sämtliche Verbindungen zu Trump gekappt. Dafür sprang die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank ein, die reiche Privatkunden betreute und ihrerseits expandieren wollte. Verantwortlich war Rosemary Vrablic. Über 300 Millionen Dollar sollen unter ihrer Ägide an den Baulöwen geflossen sein. Unter anderem für ein altes Postgebäude im Zentrum Washingtons, das zum Luxushotel umgebaut wurde und in dem Diplomaten Empfänge veranstalten, wenn ihre Länder sich beim Präsidenten Trump einschmeicheln wollen.



Aus: "Trumps delikate Geschäfte mit der Deutschen Bank" Frank Herrmann (Washington, 2.5.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000102349805/Trumps-delikate-Geschaefte-mit-der-Deutschen-Bank

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« Reply #907 on: Mai 02, 2019, 02:32:50 nachm. »
Quote
[...] Vor dem S-Bahnhof Berlin-Grunewald herrscht beinahe Partystimmung. Technobässe wummern über den Platz, auf dem mehrere Tausend Menschen in der Sonne stehen.

Bands spielen, Väter tragen ihre Kinder auf den Schultern. Plakate mit Sprüchen wie „Deine Geldanlage ist unser Zuhause“ oder „Heuschrecken grillen“ verraten jedoch, dass es um mehr als ums Feiern geht.

Auf einer Bühne steht ein Mann, auf seinem T-Shirt „Deserteur“. Er stellt sich als Breatt vor und erklärt, worum es hier geht: Berlins Nobelviertel Grunewald sei ein „Problembezirk“.

Man habe sich heute versammelt, um den reichen Villenbesitzern am Gartenzaun beizubringen, welche gesellschaftlichen Verwerfungen sie auslösen: Vielen sei ja offenbar gar nicht klar, wie sie mit ihrem „stetig wachsenden Immobilienportfolio und Renditeerwartungen Leute in ärmeren Bezirken aus ihrem Zuhause rausschmeißen“.

Es ist das zweite Jahr in Folge, dass das linke Bündnis Hedonistische Internationale am 1. Mai zum „Kiezspaziergang“ durch den Grunewald eingeladen hat. 2018 kamen rund 3000 Teilnehmer, in diesem Jahr dürften es noch mehr gewesen sein. Die Veranstalter sprechen von mehr als einer Verdoppelung. Eine offizielle Zahl gibt es zunächst aber nicht.

In der deutschen Hauptstadt, einst arm, sexy und billig, gibt es kaum ein Thema, das so viele Menschen bewegt wie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Wohl auch deswegen diskutiert Berlin ernsthaft darüber, ob die Stadt Wohnungsbaugesellschaften wie die Deutsche Wohnen SE enteignen sollte.

Weil die Sache so wichtig sei, sei es auch wichtig, friedlich zu bleiben, sagt Organisator Breatt. Im vergangenen Jahr hatte es hier rund 100 Strafanzeigen gegeben, die meisten wegen Sachbeschädigung, weil die Demonstranten Fassaden besprüht oder Sticker auf Autos geklebt hatten. An diesem 1. Mai verlief die Demonstration bis zum späten Nachmittag gewaltfrei.

Lustig machen über die „Bonzen“ wollte man sich natürlich trotzdem. Zum Beispiel über den CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Dieter Gröhler: Der habe in einem Schreiben den Anwohnern empfohlen, „hochpreisige Fahrzeuge in Sicherheit zu bringen und ihre Toranlagen geschlossen zu halten“. Im Publikum höhnisches Gelächter. „Toranlage! Jeder Bezirk hat eben seine eigenen Probleme“, sagt Breatt.

Doch auch unter den vermeintlichen Bonzen gibt es Sympathisanten. Eine davon ist Birgit Huber, eine Dame um die 50, die mit ihrer teuer wirkenden Kleidung in der Masse auffällt.

Sie lebe in Charlottenburg, verdiene als Geschäftsführerin eines Krankenhauses sehr gut und zähle sich selbst zu den oberen Zehntausend. „Vor anderthalb Jahren habe ich beschlossen, wieder demonstrieren zu gehen“, sagt sie. Weil sie das Gefühl habe, in der Gesellschaft sei etwas ins Rutschen geraten.

„Die Ungleichheit in unserer Gesellschaft gefährdet die Demokratie.“ Sie sei heute hier, um die Eliten daran zu erinnern, dass mit Geld auch eine besondere gesamtgesellschaftliche Verantwortung komme.

„Ich habe das Gefühl, viele reiche Menschen in Deutschland haben die Bodenhaftung verloren.“ Insofern ergebe es Sinn, im Grunewald und nicht, wie früher, in Kreuzberg zu demonstrieren.

Weniger optimistisch, dass die Demonstration die Menschen hinter ihren Villenzäunen wachrütteln kann, ist dagegen der Kneipenbesitzer Christian, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte.

Er hält ein großes Plakat in die Höhe: „Syndikat bleibt“, steht darauf geschrieben. Die Eckkneipe „Syndikat“ ist eine Institution in Berlin-Neukölln.

Vor einigen Monaten wurde Christian und den anderen Kneipenbetreibern nach 33 Jahren der Pachtvertrag gekündigt. „Ohne jede Begründung“, sagt er.

Der Eigentümer sei eine Briefkastenfirma, und hinter der steckten Investoren, die irgendwo in Grunewald wohnten. „Die verschanzen sich hier in ihrem Villenviertel und zerstören unsere Existenz.“

Verdrängung, Zwangsräumung, Wohnungsnot und hohe Mieten sorgen in Berlin sehr viele Menschen. Weniger als ein Prozent der Wohnungen steht in der deutschen Hauptstadt leer.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Mietpreise verdoppelt – nirgendwo sonst im Land steigen sie so rasant.

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft dürfte sich die Lage in den kommenden Jahren sogar noch verschärfen, denn Berlins Bevölkerung wächst schneller als die jeder anderen Stadt im Land.

Die Berliner Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen sammelt derzeit Unterschriften, um ein Volksbegehren zu beantragen. Sie verlangt, Unternehmen, denen mehr als 3000 Wohnungen gehören, gegen Entschädigung zu „vergesellschaften“.

Eine der Organisatoren ist Susanna Raab, eine kleine blonde Frau, die mit einem Unterschriftenzettel in der Menge steht. Die Soziologin setzt sich seit Jahren in verschiedenen Projekten für mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt ein. Berlin steuere geradewegs auf eine Katastrophe zu, wenn die Stadt jetzt nicht schnell handele.

Ihre Forderung nach Enteignungen sei schon radikal, sagt sie selbst. Die Stadt sei aber an einem Punkt, an dem nur noch radikale Lösungen helfen könnten.

In Berlin würde zwar neuer Wohnraum gebaut, aber viel zu teuer und damit völlig am Bedarf vorbei. „Zwei Drittel aller Berliner verdienen so wenig, dass sie Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein haben“, sagt Raab.

Die Stadt müsse ihren Bestand an bezahlbaren Mietwohnungen daher deutlich erhöhen – das ginge kurzfristig am besten über Enteignung: „Wir sind überzeugt, dass das eine mietpreisbremsende Wirkung auf die gesamte Stadt hätte.“

Offenbar gibt es eine ganze Menge Menschen in Berlin, die ihrer Meinung sind. Der Unterschriftenblock von Susanna Raab füllt sich schnell. Um ein Volksbegehren zu beantragen, braucht die Initiative 20.000 Unterstützer. Raab sagt, die nötigen Unterzeichner hätten sie schon locker zusammen.


Aus: "Enteignungsdemo im Villenviertel" Tina Kaiser (02.05.2019)
Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article192790071/1-Mai-in-Berlin-Enteignungsdemo-im-Villenviertel.html

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jobst v.

 Ich würde es mal mit Arbeit probieren. Arm und sexy war Euer Motto, jetzt kommen die Konsequenzen.


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Graf Krollock

 Bei Demonstrationen schau ich immer gerne in die Gesichter der Demonstranten. Kann ich mich mit den Teilnehmer identifizieren?
Schau ich mir die Gesichter dieser Leute an, ganz sicher nicht: Alle Wohlstandskinder ohne jegliche Leistungsbereitschaft.


Quote
Günter F.

 Wird es Zeit dieses Land zu verlassen ? Klima Greta, Enteignungs- Fetischisten und die Antifa, die auch bei dieser Demo fleissig mitläuft, sorgen bei mir für ein flaues Gefühl.  Ich bin wahrlich kein Freund von Turbokapitalismus, aber ohne klare Differenzierung geht es auch nicht. Ich als normaler Arbeiter und Steuerzahler sage es einmal so, es gibt auch und das ist die klare Mehrheit, auch anständige Geldsäcke !

Quote
Fingerinderwunde F.

 Die leute die enteignen wollen, haben selber nichts auf die reihe bekommen.
Wollen aber das haben was den anderen gehört.
Kommt mir bekannt vor.


Quote
Marcus W.

 Und wenn man den Bestand an bezahlbarem Wohnraum dann erhöht hat, kommen wieder doppelt so viele neue Hipster nach Berlin, wie es Wohnungen gibt ....


Quote
Carl T.

 Allein schon die Debatte um Enteignungen wird Deutschland weiter runterziehen und ärmer machen.
Investitionen werden zurückgestellt, nicht nur bei Immobilien, dank SPD Kühnert auch in der Industrie.
Vermögende machen sich aus dem Staub und der Kuchen wird noch kleiner werden. ...


Quote
Betty B.

 Aus diesen Demonstranten und ihren Forderungen spricht der pure Neid.
Sie haben es zu nichts gebracht und machen andere dafür verantwortlich.


Quote
Susanne S.

 Ich bin wirklich geschockt ueber diese meiner Ansicht nach dumme Kurzsichtigkeit dieser sogenannten
Demonstranten. Denken diese wirklich das den Eigentuemern dieser Grundstuecke  nichts dafuer getan
haben um diese zu besitzen? Also muessen diese enteignet werden um ihnen einen besseren Lebensstandard zu bescheren?
Zusaetzlich bin ich geschockt ueber den Stil der Berichterstattung von Welt!


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Uwe T.

 Stimmt, der Inhaber von KIK bezahlt Mindestlohn an seine Mitarbeiter und wohnt selbst in einer Villa.


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Monika S.

 Ich wohne am Stadtrand von München und war kürzlich in Berlin....für was protestieren die eigentlich? Noch billiger als dort gehts ja schon fast nicht mehr....


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Arne D.

 Naja, aus Sicht der sozialistischen Träumer in Berlin ist es eine Zumutung, überhaupt für etwas zahlen zu müssen, das ja schon da ist.


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Heiko T.

 Sind diejenigen, die die Wohnungsknappheit beklagen, nicht dieselben, die für  offene Grenzen sind und am liebsten ganz Afrika nach Deutschland holen wollen ?
Über 2 Millionen illegale Migranten in den letzten Jahren, dazu jährlich noch 2,3 Großstädte zusätzlich - die wandern nicht nur in unsere Sozialsysteme ein, die benötigen auch hunderttausende Wohnungen !


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Udo G.

 Die einfachen kausalen Zusammenhänge zu erkennen ist halt nicht die Stärke der linksorientierten Gesellschaft in Berlin.


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Carlos T.

 Wenn ich mir ansehe wer da so mitläuft, wird mir ganz anders. Menschen die ihre Kinder instrumentalisieren. Oder welche die überhaupt keine Lust haben für ihr Geld zu arbeiten. Bzw. sich den gesellschaftlichen Normen nicht anpassen wollen. ...


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Pina L.

 Ja haben wir denn wieder Sozialismus?


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A. W.

 Wahrscheinlich sind die Mieten noch nicht hoch genug, da es Leute immer mehr nach Berlin, Hamburg oder München zieht. Warum soll ich die Miete nach den Wünschen der Mieter anpassen.  ...


Quote
luka p.

 Die Sonnenbrille für 400 Euro, aber dem russischen Kindermädchen 1,50 Euro zahlen, das sind diese Dauerdemonstranten, man hat wichtigeres zutun als auf seine Kinder aufzupassen. Und was mich persönlich aufregt, es ist immer Berlin, man hat es ja. Man sollte diese Stadt den 4 Siegermächten zurückgeben.


Quote
John L.

 Das lustige, oder traurige - je nachdem wie man es sehen will - an der Sache ist das es wahrscheinlich gerade die Wähler von SPD und Grüne sind die auf die Straße gehen und nach Enteignung schreien und dabei vergessen haben das es genau diese Parteien waren die vor 15 Jahren dafür verantwortlich waren das über 50000 Wohnungen zu einem Spottpreis verscherbelt worden sind. An wen? An genau jene die man jetzt enteignen will...


Quote
Mark B.

 vielleicht sollten wir denen allen mal eine Woche Venezuela / Cuba Urlaub schenken, dann können sie sich ja selber ein Bild davon machen, wie gut Sozialismus und Enteignungen funktionieren. Und zum Thema "günstiger" Wohnraum, sollen sie mal mit ihrer Wunschpartei den Grünen sprechen, die durch ihre Auflagen größtenteils dafür verantwortlich sind, dass man unter €3.000 / qm nicht mehr bauen kann und die vor allem in Berlin kaum noch Flächen freigeben..


Quote
Primus V.

 Die Neidgesellschafft geht auf die Strasse.
Schon bedrückend, dass die Menschen die Konsequenzen ihrer Wahlentscheidungen nicht verstehen.
Selbst wenn sie von der Realität eingeholt werden und soviel Leidensdruck verspüren, dass sie auf die Strasse gehen, können sie Ursachen und Wirkung nicht einschätzen.


Quote
Uwe H.

 Wie sehen eigentlich die Antworten der AFD zu diesem Thema aus oder ist das noch wichtig?


Quote
Christan M.

 Bitte uns hängen deren Plakate: keine Enteignung!

Soweit eindeutig..


Quote
Christiane B.

 Nicht alle Wohlhabenden sind Mietspekulanten oder Lottogewinner. Viele arbeiten jahrzehntelang 60 bis 70 Stunden die Woche. Danach sehen die meisten Demonstranten nicht aus. ...


Quote
Stefan U.

 Warum demonstrieren die eigentlich nicht vorm Abgeordnetenhaus oder der EZB? Da sitzen die eigentlichen Verursacher der Misere...aber billiges Ressentiment gegen Bonzen ist halt einfacher. Und endet, wie Kollege Don schon richtig festgestellt hat, bei aller Konsequenz im Gulag.


Quote
Alexander G.

 Bei "Enteignung" denken jetzt viele, dass tatsächlich die"Grossen" dran wären. Wobei fast Niemand etwas mit Namen wie BlackRock, Norges, Lansdowne Partners, Massachusetts Financial Services anfangen kann. Diese Gesellschaften haben ihren Sitz gar nicht in Deutschland. Ob ein paar Naivlinge im Grunewald runtorkeln ist denen egal. Diese Unternehmen sind rechtlich nicht erreichbar. Was die Leute nicht verstehen ist, dass die "Grossen" die Politik machen. ...


Quote
Paul O.

 Soso, die Bösen wohnen also im Grunewald. ...


Quote
Frank P.

 Solche Enteignungs-Phantsien schrecken alle ab, die bereit sind in Deutschland zu investieren. Man sollte sich darüber klar werden, welch ein Bild hier nach außen getragen wird. ...


Quote
Wolfgang E.

 Hässliche Bilder mitten aus Deutschlands sog. Mitte der Gesellschaft.


Quote
Thomas H.

 Wie lange schauen wir uns schon die linksgrüne Versuchsanstalt „Berlin“ an, pumpen Jahr für Jahr Milliarden Hart verdienter Steuergelder dorthin, damit sie dort ihren marxistischen Fasching feiern können?? ... Vermutlich versorgen wir die Leistungsverweigerer inzwischen zu gut. Verbunden mit zuviel Freizeit steigt das einigen wohl zu Kopf.

Und Kevin, Du der das Berufsleben nur aus der Theorie kennst, willst hier den grossen intellektuellen Zampano spielen und den Leistungsträgern erklären die Welt funktionieren sollte. Das war Anfangs ganz amüsant. Doch Du solltest Dir langsam mal einen richtigen Job besorgen.


Quote
Kalle

 Natürlich, sie Neiddebatte wird weiter gepflegt. Ich wohne auch zur Miete, bin abhängig Beschäftigter. Wenigstens gehe ich einer Tätigkeit nach, das lässt sich bei den "Aktivist$€¥¢×#*... Innen" vom "Syndikat" nicht so einfach vermuten.
Und ich habe den Mut zu zugeben, dass ich nicht mein Geld einem unternehmerischen Risiko aussetze, um zu investieren. So bin ich nicht der Verwirklicher von Geschäftsideen, sondern eher meiner egoistischen Konsumwünsche.
Daher kann ich auch nicht Eigentum schaffen, dass andere beneiden und ohne eigene Leistung begehren.
Vor meiner Toreinfahrt im Wohnhaus hat übrigens keiner demonstriert.


Quote
Benis Johnson

 Das ist ehrenhaft, schön den Gratismut zur Schau zu stellen!


Quote
Rantamplan

 Die Mieten in Berlin sind weder im nationalen, noch im internationalen Vergleich hoch. Sie bewegen sich lediglich ausgehend von sehr niedrigem Anfangsniveau Richtung Normalität. ...


Quote
Andres A.

 Wir werden erleben, dass die Leute sich einzäunen werden. Dann fährt nur noch der rein, der darf. Die anderen beissen die Hunde, später dann (so in 10-15 Jahren, wenn wir nochmal 3 Mio Kulturfremde mehr hier haben) wird scharf geschossen.


Quote
Nordlicht

 Vor 30 Jharen gingen die Bürger der DDR auf die Straße um das System des real existierenden Sozialismus abzuschaffen. Heute wird für die Wiedereinführung der DDR demonstriert. ...


Quote
Conrad L.

 Vor einigen Jahren habe ich nah einer Wohnung in Berlin zur Geldanlage gesucht - ich bin ja selbstständig und muss mich für die Rentenzeit irgendwie aufstellen und absichern.
Der Invest fand dann aber in Rostock statt.
Den Mietern der vermieteten Wohnung, die ich kaufte, sagte ich mit dem Kauf (sozusagen zur Beruhigung) zu, die Miete 5 Jahre nicht erhöhem zu wollen - obwohl diese zum Kaufzeitpunkt eher niedrig war.
Warum ich in Berlin nicht investierte: Misstrauen gegen die linke Regierung und gegen Teile der Stimmung in der Stadt.
Ich glaube, die Rostocker hats gefreut.


Quote
Lothar R.

 Das ist doch Prima, was die Geschäftsführerin des Krankenhauses sagt, ich hoffe doch, dass sie ein Wohnhaus baut und es deutlich unter Marktwert an die mit Demonstranten vermietet. 


Quote
Birgit D.

 Die Enteignugsfantasien linker und grüner Politiker sind verfassungswidrig und gefährden den sozialen Frieden in Deutschland ...


Quote
MaKiLu

 Wurden auf der Demo auch "Refugees Welcome" Banner herumgetragen?

Das hätte die Schizophrenie und das völlige Fehlen von wirtschaftlichem Basisverständnis besonders schön gezeigt. "Links" in Deutschland ist nur noch ein "Lifestyle" - unreflektiert, einseitig und ohne den Anspruch, noch irgendetwas mit der Realität zu tun zu haben.


Quote
Dr. M.

 Als "Irgendwas-mit-sozial"-Student wird man sich nie ein Haus in Grunewald leisten können. Da hilft auch kein Trommeln am Tag der Arbeit.


Quote
Nadja S.

 Es geht auch nicht drum, sich ein Haus in Grunewald leisten zu können. Das Schlimme ist ja, dass man sich als Normalverdiener auch eine normale Wohnung in Kreuzberg nicht mehr leisten, wenn die Mieten ständig steigen und man aus seinem Zuhause vertrieben wird. ...


Quote
Gerhard B.

 Wenn das so weitergeht werden „die Reichen“ Berlin und Deutschland verlassen und ihr Geld und Vermögen z.B. in der Schweiz anlegen, dort ist es sicher vor Enteignung und linksgrüner Verleumdung.
Das tut sich auf Dauer niemand an. ...


Quote
Daniel D.

 Alle reden von der braunen Suppe, rechter Rand, Nazis, Populisten...
Aber was ist mit der Linken und Grünen Gefahr für Deutschland? ...


Quote
Hans K.

 Naja auch wenn ich die Meinung der Demonstranten nicht teile, sind Soziologinnen und Kneippenbesitzer weniger beängstigend als eine Horde Glatzen.


Quote
albin h.

 Es geht hier nicht um Arm und Reich.  Es geht hier darum wer fuer die billigen Mieten zahlen soll.  Der Mieter, der Vermieter, Steuerzahler oder der liebe Gott? 


Quote
Moritz L.

 Berlin muss aufpassen mit allem. Wäre ich Investor, ich würde nicht in Berlin sondern woanders investieren. Diese Demos will kein Investor hören oder sehen.


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Dominik R.

... Arbeit muss sich lohnen das bedeutet nicht dass jeder 100.000€ verdienen muss denn das wäre nur weitere Geldentwertung. Andersherum wird ein Schuh daraus, wer nicht arbeitet der muss nicht alles haben können. ...


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Claudia M

 Berlin, das Mekka der Leistungsempfänger, möchte noch mehr Multi und Kulti, noch mehr Menschen und wundert sich über Probleme. ...


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Peter R.

 Unser Land verkommt total. Gibt es nur noch Irre? ...


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christian h.

... Weniger Sozialismus wagen!


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Homunkulus

 Sozialismus funktioniert nicht. Mehr ist dazu nicht zu sagen.


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Christopher Marlowe

 Spielen die '68?


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Renate S.

 Mir riechen diese "Spaziergänge" nach beginnendem Progrom. ...


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Piepengrün

... Verwelkte, Verkrampfte, Verhetzte.
Geisterstunde in Deutschland.


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Morpheus

 Diese Leute tun nichts für die Allgemeinheit. Denen geht's nur ums eigene Süppchen. Sie wollten vor allem sich selber schützen.
Gentrifizierer der ersten Stunde sind das, die jetzt durchdrehen.


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Niko L.

 Dann lasst uns die enteignen, die das fordern: Grüne, Linke und Teile der SPD, sowie ihre Wähler. Damit wäre ich vollkommen einverstanden. ...


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Uwe M.

 Einfach nur peinlich.
Was ist aus der Leistungsgesellschaft geworden?
Was haben wir da groß gezogen?


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Teetrinker

 "die mit ihrer teuer wirkenden Kleidung in der Masse auffällt."

Ein. Brüller!


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Köln GD

 Kommunisten, Spinner und Individuen, die weder eigene noch gesellschaftliche Werte geschafft bzw. schaffen werden.

Über Generationen staatlich versorgter 68er Bildungsplebs.


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Michael Z.

 Die Leute auf den Abbildungen sehen nicht so aus, als hätten diese jemals einen Stein bewegt. Das überlässt man gerne anderen.


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Feli citas

 Mein Papa (Diplom-Mathematiker) ist sein Leben lang 1.5h mit der Bahn nach München hin und 1.5h wieder zurück gependelt. Eine Wohnung hätten wir uns dort auch noch leisten können. Stattdessen hat er seiner Familie ein Kleinstadtleben ermöglicht und ich erbe 3 Häuser. Seine Kindheit verbrachte er übrigens mit Ochsenpflug auf dem Feld! Von nichts kommt nichts, liebe Linken.


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DerDreisatz

 Richtig, nichts wertvolles fällt einem einfach so zu. Wer erfolgreich sein oder reich werden will, hat zwangsläufig eine Zeit der Entbehrungen. Das kann sogar über Jahrzente gehen, ohne Garantie auf Erfolg.

Und wer Kinder hat, wird ohnehin versuchen, dass es ihnen besser geht und wenn es auch nur drei Häuser auf dem Land sind.


usw.

Offline Textaris(txt*bot)

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« Reply #908 on: Mai 03, 2019, 01:09:39 nachm. »
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[...] Ein Nachmittag in Berlin-Kreuzberg, es geht auf halb drei zu, da beugt sich eine Kundin beim Aldi in der Markthalle derart weit in die Tiefkühltruhe hinab, dass ihr die Kapuze ihres Parkas auf den Kopf rutscht. Als sie wieder auftaucht, hält sie tiefgefrorene Barbecue-Chicken-Wings in den Händen. Klonk, die Tüte landet im Einkaufswagen. 2,99 Euro.

Einen Gang weiter schiebt eine alte Frau mit Kopftuch leere Wasserflaschen in den Schlund des Pfandautomaten. Sie hat viele Flaschen dabei und man könnte auf die Idee kommen, dieser vergilbte Automat höre erst dann auf, zu surren, wenn Deutschland den Einwegpfand wieder abschafft. Aber so ist es nicht. Nach mehr als 40 Jahren ist Schluss. Aldi muss raus aus der Markthalle, die Betreiber haben den Mietvertrag gekündigt.

Gegen die Kündigung hat sich Widerstand formiert im östlichen Teil Kreuzbergs, nach der alten Postleitzahl auch Kreuzberg 36 genannt. Manche Anwohner wollen ihren Aldi retten, einen von zwei Discountern in der näheren Umgebung. Es sind nicht alle Anwohner, aber auch nicht wenige. Sie haben sich zusammengefunden, Flyer in den umliegenden Cafés und Spätis ausgelegt, Bezirkspolitiker kontaktiert. Den Protestierenden sind die Händler in der Markthalle zu teuer, andere kritisieren, dass viele Stände nur an einigen Wochentagen besetzt sind. Rund 300 Menschen demonstrierten Ende März vor dem Eingang zur Markthalle. Sie hielten Schilder hoch, "Omi braucht Aldi!" stand auf einem, "Kreuzberg 36 wehrt sich!" auf einem anderen. Irgendwann rief der Organisator der Demo ins Mikrofon, man solle sich doch mal bei den Kassiererinnen bedanken, für ihre gute Arbeit. Klatschen, Jubelrufe.

Applaus für Aldi. Absurd. Das empfanden auch manche Demonstranten so. Denn natürlich waren sie nicht eigentlich da, um einen Aldi zu retten. Ein milliardenschweres Unternehmen mit mehr als 4.000 Geschäften allein in Deutschland braucht keinen Zuspruch von der Straße. Die Demonstranten waren da, um das, was danach kommt, zu verhindern: die weitere Verdrängung. Die Markthalle Neun gilt als Gentrifizierungsmotor in einem Kiez, in dem mehr als ein Viertel der Menschen von staatlichen Transferleistungen abhängig ist.

Abgesehen vom Aldi, der seit 1977 dort ist, sieht die Markthalle aus wie der Instagram-Account eines Foodies. Überall kleine Stände, die Snacks aus aller Welt anbieten, es gibt Biogemüse in Bastkörben, Dinkelcroissants neben Schrotbrot, geräuchertes Duroc-Schwein und natürlich grüne Smoothies. An Ort und Stelle gerösteten Fairtrade-Kaffee kann man auch kaufen. Riecht gut hier, sieht auch gut aus. Auf Immobilienportalen werden Wohnungen in der Umgebung mit der Nähe zur Markthalle beworben. Beim wöchentlichen Streetfood Thursday werden kalifornische Tacos, chinesische Nudeln und marokkanische Tajine angeboten. Die Besucher sind so international wie die Imbisse, hier trifft sich das kosmopolitische neue Berlin. Und plötzlich verkörpert der Aldi in Sichtweite für die Alteingesessenen ein stabiles Früher, wirkt der Außenposten des Albrecht-Imperiums fast wie ein Hausbesetzer.

Versteht man den Discounter in der Markthalle als Relikt, mag sein Ende zwangsläufig wirken. Man kann in dem Laden aber auch, ganz im Gegenteil, ein Symbol der Koexistenz erblicken. Zwischen denen, die das Geld haben, um ihren Konsum moralisch zu unterfüttern; und denen, die es eben nicht haben. Zwischen denen, die die Welt ein wenig retten können; und denen, die sich irgendwie über die Zeit retten müssen. Zwei Lebenswelten unter einem Dach.

Das würde sich ändern, wenn für Aldi eine Filiale der Drogeriemarktkette dm einzöge. So planen es die Markthallen-Chefs Bernd Maier, Florian Niedermeier und Nikolaus Driessen. Der Vertrag mit dm ist schon unterschrieben. Dass der Gegenwind so heftig geworden ist, hat die drei überrascht. Sie fühlen sich missverstanden, wurden sogar schon bedroht. Bei einem Treffen in der Markthalle erzählt Bernd Maier, ein studierter Gartenbauer, der ursprünglich aus Augsburg kommt, dass die Entscheidung für dm auch eine unternehmerische sei. Er sei für 450 Arbeitsplätze verantwortlich, die an der Markthalle hingen. Um den Betrieb dauerhaft zu sichern, brauche er die zusätzliche Kaufkraft jener Kunden, die der Drogeriemarkt anziehen würde. Die Leute würden immer denken, die Markthalle Neun sei ein Selbstläufer, sagt Maier, das stimme aber nicht. Einige Händler würden ohne Events wie den Street Food Thursday nicht überleben.

Für Maier ist der Aldi natürlich auch ein Symbol, aber nicht für selbstbestimmte Konsumenten, sondern für eine unökologische und letztlich auch unmenschliche Produktionsweise. "Die deutschen Discounter sind doch mitverantwortlich für die desaströsen Verhältnisse in der Agrarwirtschaft", sagt Maier. "Wir versuchen hier seit acht Jahren eine alternative Lebensmittelwirtschaft zu etablieren, zusammen mit den Händlern und den Erzeugern." Auch in der Markthalle könne man günstig einkaufen. Man müsse sich halt ein paar Gedanken machen. Und man müsse selber kochen.

Maier streitet für die Ernährungswende, für ökologischen Anbau, nachhaltige Ernährung, artgerechte Tierhaltung. Im Grunde alles richtig. In der Debatte mit den Anwohnern hat er dennoch den Nachteil, dass er sich lang und breit erklären muss. Und Erklärungen neigen eben dazu, kompliziert zu werden, gerade wenn es um ein weltumspannendes Thema geht. Da hat nicht jeder Verständnis. Wenn hier und jetzt das Geld alle ist und der nächste Regelsatz erst in zwei Wochen kommt, dann kann man es schon als Privileg anderer Leute empfinden, sich überhaupt über globale Zusammenhänge Gedanken zu machen. Dann ist das beste Argument eben ein Preisschild mit einer kleinen Zahl.

Warum aber lassen sich die Betreiber überhaupt auf diese Diskussion ein? Warum entscheiden sie nicht einfach? Für die Antwort muss man fast zehn Jahre zurückgehen, ins Jahr 2010. Damals bewarb sich das heutige Betreiber-Trio mit einem Konzept um die Markthalle. Einen "Mikrokosmos von großer Vielfalt" wollten die drei schaffen, mittelfristig ohne Discounter, das stand von Anfang fest. Der Bezirk fand das Konzept gut, viele Anwohner auch. Deshalb bekamen sie die Halle nicht im Höchstbieterverfahren, sondern zum Vorzugspreis von 1,15 Millionen Euro. An die Übernahme waren Bedingungen gekoppelt, unter anderem ein kostengünstiges Nahversorgungsangebot.

Die Linke im Bezirk sieht dieses Angebot nun in Gefahr und trommelt für den Erhalt des Discounters. Der Fraktionsvorsitzende in Friedrichshain-Kreuzberg, Oliver Nöll, sagt, dass viele Anwohner auf das günstige Angebot angewiesen seien. Tatsächlich ist die Aldi-Filiale in der Markthalle überdurchschnittlich gut besucht. "Ich glaube nicht, dass es die Betreiber auf Dauer schaffen, gegen den Druck so vieler ihre Pläne aufrechtzuerhalten", sagt Nöll.

Den Protest gegen die Schließung des Aldi hat Stefanie Köhne organisiert. Sie ist Filmemacherin, 56 Jahre alt und wohnt direkt an der Markthalle. Köhne gehört nicht zu denen, die sich nur Aldi leisten können, sie kauft regelmäßig frische Lebensmittel an den Ständen – aber eben nicht nur. "Im Durchschnitt sind die Produkte dort sehr teuer", sagt sie. Ein Großteil des Angebots sei hochprofessionell vermarkteter Luxus. "Die Betreiber tun aber immer so, als sei ihre Halle ein Refugium kleiner Krauter."   

Für Köhne ist klar: So ein Riesenkasten wie die Markthalle müsse für den ganzen Kiez da sein, niemand dürfe ausgeschlossen werden. Was sie ärgert, sei die Selbstverständlichkeit, mit der die Betreiber aufträten. Dass sie mit großen Worten hantierten, hinter denen die Anwohner verschwänden. "Die Ernährungswende muss bezahlbar sein und alle mitnehmen, sonst ist es keine Wende", sagt Köhne. "So lange wir die bessere Zukunft noch nicht haben, wollen wir weiter günstig einkaufen können."

Ende Juli muss Aldi die Filiale in der Markthalle geräumt haben. So lange ist noch alles wie immer. Holzpalettenspalier unter Neonröhrensummen. Im Resteregal vor den Kassen stehen eingeweckte Pfirsiche, sie drücken gelbfleischig gegen das Glas, Abtropfgewicht 780 Gramm. Eine Kundin scheint kurz zu überlegen, kauft dann aber doch nur das, was schon auf dem Band liegt: Mandelmilch, Vitamin-B12-Kapseln, ein Bund Narzissen. "Stimmt es denn, dass Sie bald weg sind?", will sie von der Kassiererin wissen. "Ja", antwortet die, "wir landen in 'ner anderen Filiale."

Wer niemals rechnen musste, kann die Symbolkraft eines Aldi schwer nachvollziehen. Wer nicht weiß, wie es ist, den Cent ganz unmetaphorisch zweimal umdrehen zu müssen. Wie es ist, sich in den meisten Läden fehl am Platz zu fühlen. Außer eben dort, wo die Preise auf Augenhöhe sind. Und sind die Hähnchen noch so chlorig, und sind die Tomaten noch so holländisch: Man kann sie sich leisten.

Das Argument, ein Drogeriemarkt erweitere das Angebot in der Halle, ist richtig. Nur heißt es eben auch, dass der Kundenkreis künftig enger wird. Denn gerade weil Aldi das Sortiment der Stände auf einem niedrigen Preisniveau spiegelt, führt der Discounter Menschen aus unterschiedlichen Einkommensverhältnissen in der Markthalle zusammen. Alle bekommen hier eine Gurke, ein Brot, ein Bier. Genauer: ihre Gurke, ihr Brot, ihr Bier. "Markthalle für alle" also, um noch einen Slogan der Pro-Aldi-Demonstranten zu zitieren.

Auf der Webseite der Markthalle haben die Betreiber Dutzende Zuschriften aus dem Kiez veröffentlicht und kommentiert. Ein Anwohner vergleicht dort beispielhaft den Preis der Laugenbrezel von Aldi (29 Cent) mit dem der Laugenbrezel vom Biobäcker in der Halle (1,49 Euro). Die Betreiber antworten: "Die Biobrezeln von endorphina werden in Handarbeit in Neukölln hergestellt. Wir halten es für fair, dass von dem Preis einer Brezel der Bäcker, der Müller und der Landwirt leben müssen. Geht das bei 0,29 €?" Die Betreiber mögen auch recht haben, wenn sie sagen, dass die niedrigen Discounterpreise zulasten anderer gehen. Wenn sie Solidarität mit Bauern, Metzgern, Bäckern fordern. Dennoch hat die gut gemeinte Empfehlung auch etwas von "Sollen sie doch Kuchen essen", denn sie beruht auf der Vorstellung einer idealen Welt. Was ist mit den 1,20 Euro Differenz?

Durchlässigkeit funktioniert eben nur in eine Richtung. Ein Akademikerkind, das auf Kosten der Eltern, sagen wir: Theaterwissenschaft studiert, kann sich eine Freitagnacht lang mit den Stammgästen in der Eckkneipe verbrüdern. Mit jenen, die ihr Leben am Tresen weichzeichnen, nicht auf dem iPhone. Andersherum würden Leute aus der Korn-Cola-Fraktion niemals auf die Idee kommen, den Gegenbesuch in einer Bar anzutreten, in der ein Negroni acht Euro kostet. Vielleicht aus Scham. Auf jeden Fall aber, weil diese Menschen ihren Rausch dort nicht bezahlen könnten. Es ist weder eine Frage des Horizonts, noch eine des Wollens. Es ist eine Rechenaufgabe, ganz einfach.

Draußen vorm Aldi, also fast draußen, denn da ist ja noch das hohe Markthallendach, sitzt ein Mann und trinkt Bier aus einer Plastikflasche, Maternus Gold, Aldis Eigenmarke. Er sitzt dort auf eine eindeutige und doch schwer zu beschreibende Art, die einem sagt, dass er oft dort sitzt und lange. Er lehnt an der hölzernen Rückwand eines Verkaufsstandes. Auf der anderen Seite der Wand werden Salze verschiedener Feinheit und Farbe angeboten, ein Gläschen Pfeffer aus dem Kerala-Urwald kostet 7,80 Euro. Das sind 26 Flaschen Maternus Gold.

Man muss den Trinkenden gar nicht fragen, was er von dm hält. Bei dm gibt es kein Bier, nicht mal in Bio. Andererseits, vielleicht sollte man doch mit ihm reden, anstatt ihm ungefragt eine Meinung zu verpassen. Doch da hat er sich schon erhoben und trägt zwei Pfandflaschen in Richtung Discounter, dessen Glastür sich in diesem Moment selbsttätig öffnet. Er ist jetzt Kunde.


Aus: "Markthalle Neun: Aldi 36" Alexander Krex (2. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/entdecken/2019-04/markthalle-neun-aldi-gentrifizierung-berlin-kreuzberg-protest/komplettansicht

https://kiezmarkthalle.noblogs.org/

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FreierVogel361 #2

Es wirkt auf den ersten Blick echt erklärungsbedürftig, wenn sich eine zum Großteil globalisierungskritische Bewohnerschaft für einen Discounter stark macht. Aber der Aldi war hier nur der Aufhänger, um darauf aufmerksam zu machen, wie weit sich diese Halle von den Leuten in der Umgebung entfernt hat. Es ist die eine Sache weniger gut Betuchte mit hohen Preisen abzuschrecken, wenn aber Events exklusiv für "MasterCard-Inhaber" geplant werden, dann ist das next level shit.


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Legaler Migrant #9

Milieuschutz. Bloss nichts ändern in Deutschland. Alles mit Wachs überziehen und die Vergangenheit konservieren. Je nach Situation ist das dann konservativ, links, grün oder rechts. Vermutlich ist es aber einfach nur deutsch.


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alba63 #9.1

Das Problem ist halt, dass die Veränderung vor allem eine Verteuerung ist. Ich denke zwar auch, dass viele sich an unrealistisch niedrige Discounter- Preise und Billigst- Lebensmittel von zweifelhafter Qualität und Herkunft gewöhnt haben, dennoch ist die Verteuerung in allen Bereichen des Berliner Lebens in der Konsequenz eine Verdrängung. Das muss man nicht gut heißen. Und es ist natürlich kein allein deutsches Problem. Irgendwann werden in den Städten nur noch Computer- Spezialisten, Start-up- Inhaber, Geschäftsbesitzer, Ingenieure und andere Hochverdiener wohnen.


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Tam-o-Shanter #18

"... in einem Kiez, in dem mehr als ein Viertel der Menschen von staatlichen Transferleistungen abhängig ist. " – was soll denn dadas Regierungsviertel sagen? Da sind 200 Prozent der Menschen von Transferleistungen abhängig (jeweils der Einfachheit halber hälftig vom Staat und den Lobbyisten) ...


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Horatio Caine #19

Herrlich wie dieser Artikel den kleinen Mikrokosmos der ganz großen Probleme, nämlich das Lohngefälle und die Einkommenverteilung in Deutschland aufzeigt :-)


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Horatio Caine #19.4

Nein wir reden von Macht und Ohnmacht. Die Macht den Wert seiner Dienst- oder Arbeitsleitung selbst bestimmen zu dürfen und die Ohnmacht es nicht zu können bzw. vordiktiert zu bekommen was sie wert ist.


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Rrandyy #20

Schönes Beispiel, wie egal den Lifestyllinken die Arbeiter und Prekären sind. Obwohl egal vermutlich falsch ist. Die sind nicht in der Lage zu verstehen das es Menschen gibt, die sich einen solchen Lebensstil nicht leisten können.
Wenn man dann noch die Kommentare liest von wegen "Wer will den so einen Müll fressen". Das will niemand, aber es ist immer noch besser als wirklicher Müll oder gar nichts zu essen. Dieser Konflikt wird das linke Parteispektrum nochmal gut durch würfeln. ...


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Reprobed Son #20.2

Die von Ihnen so geschmähten Grünen sehen wenigsten den (globalen) Zusammenhang. Konventionelle Landwirtschaft zerstört die Natur, Billigfleisch zerstört das Klima. Was nützen Ihnen heute 50 Cent Ersparnis, wenn es Übermorgen z. B. keine Bienen mehr gibt und das Klima verrückt spielt?

Lebensmittel sind in Deutschland viel zu billig (was u. a. die Schuld von Discountern wie Aldi ist), das ist ganz schlecht für die Umwelt und kann so nicht bleiben. Die Schließung des Aldis ist dann vielleicht für den einen oder anderen auch ein Anstoß, seinen falschen Lebenswandel zu ändern.

Übrigens: Langfristig gesehen ist nichts so teuer wie billiges essen.


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LinuxSchurke #20.4

Sie diskutieren ganz schön abgehoben. Selbst gut verdienende Facharbeiter die wahrscheinlich mehr verdienen als sie, mit Familie, drei Kinder sind auf die so genannten Lebensmitteldiscointer angewiesen. ...


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MaggieSimpson83 #20.3

"Was nützen Ihnen heute 50 Cent Ersparnis, wenn es Übermorgen z. B. keine Bienen mehr gibt und das Klima verrückt spielt?"

Der Familie, die von Hartz IV lebt hilft es, ihre Kinder bis zum Ende des Monats satt zu kriegen. Aber Rrandyy hat Recht. Es gibt Menschen, die unfähig sind, solche Realitäten wahrzunehmen, weil sie in einem Mikrokosmos leben, wo niemand diese Probleme hat.


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Krähenruf #20.9

... Hier zeigt sich deutlich, daß Parallelwelten keine Frage der Nationalität oder Religion sind.


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JacobsCreek #21

Aldi? Sind das nicht böse Kapitalisten?


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JeepSRT #21.1

Je nach Bedarf... ;-)


...
« Last Edit: Mai 03, 2019, 01:13:14 nachm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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« Reply #909 on: Mai 04, 2019, 12:46:11 nachm. »
Quote
[...] Man muss sich das vorstellen. Da wachsen, nach allem, was wir wissen, die sozioökonomischen Ungleichheiten in fast allen westlichen Ländern, und wer dagegen protestiert oder gar Umverteilungen fordert, ist einfach nur – neidisch! Das ist alles, was den Cheftheoretikern der Reichen und Mächtigen einfällt. Die Armen und minder Bemittelten sind nicht nur arm, sie sind auch noch niederträchtig, bösartig und ja: irgendwie auch faul, wollen sie doch für sich ergattern, was die Leistungseliten angeblich mühselig erarbeitet haben. ...


Aus: "Soziale Ungerechtigkeit: Eine Verteidigung des Neids" Martin Hartmann (4. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2019-05/soziale-ungerechtigkeit-sozialneid-emotionen-lebensqualitaet-psychologie/komplettansicht

Quote
Orakel99 #1.4

Sehe ich absolut anders. Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten. Warum führen wir gerade in D. die größten Neiddebatten, obwohl wir eines der umfangreichsten soziale Sicherungssystem der Welt haben? Weil der Neid dafür sorgt das derjenige der von Transferleistungen lebt oder wenig verdient oftmals das Gefühl hat, zu kurz zu kommen und die Schuld an jeder persönlichen Miesere überall sieht nur, nicht bei sich selbst. Eigenverantwortung Fehlanzeige.


Quote
E_Dantes #1.5

Sie bestätigen eindrucksvoll die Analyse des Artikels. Sie treten nach unten.


Quote
nickrizos #1.36

Wer aus Neid unglücklich wird, sollte sich einfach mal anschauen, was man erfolgreichen Menschen lernen kann. Und evtl. mal anzufangen mit Meditation.

Auch zu akzeptieren, dass es nun einmal keine 100%ige Gerechtigkeit gibt, ist ein guter Schritt. Und damit meine ich ganz durchgängige Ungerechtigkeiten, die bei purem Glück anfangen bis hin zum Gehalt von Kollegen, die weniger leisten als man selbst, aber sich einfach besser darstellen können bspw.

Neidisch auf den Wohlstand z. B. eines Erben zu haben, ist nichts als Energieverschwendung, wenn man selbst z. B. aus "einfachen" Verhältnissen stammt.


Quote
Willy Wusel #1.59

"diese forderungen (noch mehr umverteilen, wegnehmen, verbieten, enteignen, vergesellschaften) appellieren eben an neidgefühle und sind eben allsamt bei kritischer betrachtung keine lösung, sondern lediglich ein populistischer reflex, der natürlich als steilvorlage von uns mit „neid“ ebenso reflexartig beantwortet wird."

Wenn wir innerhalb der Unternehmen/Wirtschaft eine gerechte, faire Verteilung der Gewinne in the first place hätten, bräuchten wir hinterher keine Umverteilung mehr, welche die vorher gemachten Fehler lediglich korrigiert.

Aber das wissen Sie ja. Es interessiert Sie nur nicht.


Quote
Willy Wusel #1.71

"Was ist denn eine faire und gerechte Verteilung der Gewinne? Wer bestimmt das?"

Nun. Irgendjemand bestimmt immer. Im Moment machen das die Chefetagen der Unternehmen. Und das Ergebnis ist, wie wir an der Vermögensverteilung in Deutschland sehen, nicht besonders gerecht. Aber daran haben ja die Chefetagen auch gar kein Interesse. ...


Quote
Lavendelzweig #2

Die Menschen sind nicht neidisch.
Sie wollen nur nicht in einer angeblichen sozialen Gesellschaftsform in ihren Grundbedürfnissen ignoriert werden.
Im Grunde geht es um Respekt und Anerkennung.


Quote
Rhettt #2.13

Gegen Ihre These spricht, dass Neid und Missgunst meiner Beobachtung nach in der wohlhabenden Mittel- und Oberschicht stärker ausgeprägt ist, als bei Menschen, die wirklich um ihre Grundbedürfnisse kämpfen müssen.


Quote
Dindi #5

Tatsächlich ist meiner Meinung der Neid gerade bei denen zu finden, die den Besitzstand wahren wollen. Es ist eine spezielle Form des Neids, der niemanden auch nur ein Quäntchen zu gesteht, wenn er dafür nicht möglichst hart gearbeitet hat. Schließlich soll niemand ja etwas umsonst bekommen. Das nennt man in der Psychologie Täteridentifikation. Wenn man die Rolle der Unterdrücker so verinnerlicht hat, dass man selbst ohne eigenen Besitz auf deren Seite ist. Ansonsten müsste man sich der Wut und der Trauer stellen, weil man die eigene Unterdrückung spüren würde.

Ich hab schließlich auch was dafür tun müssen, sollen die anderen das auch tun.... Ich wurde als Kind auch,... Lehrjahre sind keine Herrenjahre.... usw.


Quote
Dindi #5.19

"Wer was aus seinem Leben machen will muss sich anstrengen,... "

Natürlich. Das ist so. Nur ist das keine Garantie, dass aus dem Leben dann auch etwas wird.

Erfolg oder gar Reichtum sind multikausale Ereignisse. Wenn man sehr fleißig aber dafür einem unterdruchschnittlichen IQ startet hat man schlechtere Karten als der Fleißige mit einem höheren IQ. Das ist nun wahrlich keine Raketenwissenschaft. Wer als Kind zwei Säufer als Eltern hatte, hat es schwerer als Jemand, dessen Eltern beide verantwortungsbewusste Ärzte zum Beispiel waren.

usw.



Quote
trsnC #5.23

Es ist faszinierend zu sehen, wie die Wahrnehmung vergleichbarer Situationen derart divergiert.

Mir führte über die Zeit das viele Glück, das ich in Bezug auf externe und durch mich unbeeinflussbare Faktoren hatte, vor Augen, dass es eben so ist, wie sie darstellen: Sich anstrengen allein bringt eben nicht unter Garantie Erfolg.
Umgekehrt kann man Erfolg haben, ohne sich sonderlich anzustrengen. Das ist zwar bequem, aber gerecht ist das nicht.

Was mich fasziniert, ist, dass viele das ihnen zuteil gewordene Glück entweder nicht als solches wahrnehmen, oder es als verdient ansehen.


...