Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 279669 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #990 on: November 17, 2019, 11:28:10 AM »
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[...] 74 Prozent der Menschen in Deutschland sind der Meinung, dass Vorstandsmitglieder von DAX-Unternehmen zu viel verdienen. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Emnid für die „Bild am Sonntag“ hervor. 18 Prozent sind der Meinung, Vorstände verdienen genau richtig viel, nur ein Prozent glaubt, Vorstände verdienen zu wenig.

62 Prozent sind für eine Obergrenze für Manager-Gehälter, 30 Prozent sind dagegen (keine Angabe: 8 Prozent). Die Bundesregierung hatte die Vorstandsvergütung bei Aktiengesellschaften mit einem Gesetz zur Deckelung der Manager-Gehälter auf die Tagesordnung gesetzt. Die Opposition übt an dem Vorstoßt harsche Kritik. „Unternehmen müssen selbst abwägen, ob sie sich einen teuren oder einen billigen Vorstand leisten wollen! Die Gesellschaft sollte sich aus dieser Entscheidung raushalten“, sagte Florian Toncar, finanzpolitischer Sprecher der FDP im Bundestag, der „Bild am Sonntag“. Toncar kritisiert außerdem die Fixierung der Debatte auf Managergehälter: „Immer werden die Wirtschaftsvertreter an den Pranger gestellt.“ Bei Fußballspielern, Star-Tenören, Schauspielern oder Influencern frage niemand, ob die zu viel verdienen. Klaus Ernst, wirtschaftspolitischer Sprecher der Linken, kritisiert das Gesetz hingegen als zu lasch: „In dieser Form wird das Gesetz an der Höhe der Vorstandsgehälter nichts ändern.“ Für „Bild am Sonntag“ befragte Emnid am 14. November 2019 insgesamt 501 Menschen.


Aus: "Umfrage: Mehrheit der Deutschen findet Vorstände verdienen zu viel" DTS Nachrichtenagentur (17. November 2019)
Quelle: https://presse-augsburg.de/umfrage-mehrheit-der-deutschen-findet-vorstaende-verdienen-zu-viel/506216/


Offline Textaris(txt*bot)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #991 on: November 20, 2019, 07:18:37 AM »
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11,2 Milliarden Gewinn. Steuern: 0

Das ist das Problem.

"Amazon will pay $0 in taxes on $11,200,000,000 in profit for 2018"
https://finance.yahoo.com/news/amazon-taxes-zero-180337770.html

9:19 AM - 19 Nov 2019


https://twitter.com/florianklenk/status/1196840517256003586?s=03

Offline Textaris(txt*bot)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #992 on: December 02, 2019, 11:47:06 AM »
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[...] Susanne Holtkotte arbeitet als Reinigungskraft in einem Krankenhaus in Bochum. Sie bekommt den im Gebäudereiniger-Handwerk allgemeinverbindlichen Mindestlohn von 10 Euro 56 pro Stunde, ab Januar werden es 10 Euro 80 sein. Das ist etwas mehr als der gesetzliche Mindestlohn.

Trotzdem müsse sie auf jeden Euro achtgeben, sagt Susanne Holtkotte, die Vollzeit arbeitet. Sie lebt allein in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Bochum.
„Ich bin immer dankbar, wenn der Monat zu Ende ist. Aber manchmal ist wenig Geld und viel Monat, das ist die falsche Reihenfolge.“ ... Doch Resignieren ist nicht Holtkottes Sache. Im Gegenteil. Sie engagiert sich gewerkschaftlich, ist Betriebsrätin. Außerdem hat sie kürzlich ein Buch veröffentlicht. Der Titel: „715 Euro. Wenn die Rente nicht zum Leben reicht“. 715 Euro und 9 Cent: Das ist nämlich der Betrag, mit dem sie als Rentnerin laut Auskunft der Rentenversicherung rechnen kann.

... Susanne Holtkotte ist eine von etwa 650.000 Reinigungskräften in Deutschland. Dazu zählen nicht die meistens schwarz beschäftigten Putzhilfen in Privathaushalten. Gemeint sind die Menschen, die in Reinigungsfirmen angestellt sind und beispielsweise Büros, Arztpraxen, Museen, Schulen, Ministerien, Geschäfte, Flugzeuge und Bahnhofstoiletten sauber halten.

„Es ist eine statusniedrige Tätigkeit, das heißt, es ist eine Dienstleistung, die gesellschaftlich sehr geringe Wertschätzung erfährt“, sagt Lena Schürmann.

Sie ist Soziologin an der Humboldt-Universität Berlin. Sie forscht zu Arbeit und Geschlecht und ihre Doktorarbeit hat sie über die Reinigungsbranche geschrieben, „Schmutz als Beruf“ heißt der Titel.

„Die Arbeit ist so organisiert, dass sie verschwindet. Die Reinigungskräfte sind nicht sichtbar und werden auch nicht als Angehörige des Betriebs erachtet, der den Reinigungsauftrag abgegeben hat“, so Schürmann.

Die Reinigungskräfte sind deshalb so wenig oder gar nicht sichtbar, weil sie meistens dann arbeiten, wenn es der Rest der Gesellschaft nicht mitbekommt: am Abend, in der Nacht und am frühen Morgen, wenn Büros verwaist, Geschäfte geschlossen und Praxen leer sind. Denn diejenigen, deren Arbeitsplätze geputzt werden, sollen oder wollen davon nicht gestört werden.

„Die Reinigungsbranche führt uns auch so ein bisschen an die Existenzbedingungen des Menschseins heran. Reinigungsarbeiten sind darauf ausgerichtet, die Spuren, die wir in unserem Alltag, im Arbeiten hinterlassen, wieder zu tilgen. Das ist ganz wichtig für unser modernes Verständnis von uns selbst als Arbeitswesen, als Erwerbstätige, dass es diese Abspaltung des Putzens gibt.“

Lena Schürmann beschäftigt sich auch mit der Frage, warum es überwiegend Frauen sind, die als Reinigungskräfte arbeiten.

„Also wir sehen, wie Geschlecht als Ressource für Ausbeutung funktioniert. Da die Geschlechterdifferenzierung ein gesellschaftlich eingeführtes Klassifikationssystem ist, das nicht nur eine Verschiedenheit der Tätigkeit rechtfertigt, sondern auch eine Hierarchisierung der Tätigkeit. Und da, wo wir auf viele Frauen treffen, ist es immer leichter, die Tätigkeit abzuwerten.“

Das zeige sich auch an vielen prekären Arbeitsverhältnissen in der Reinigungsbranche, in der es viele befristete Verträge gibt, Teilzeitstellen und vor allem sozialversicherungsfreie Mini-Jobs.

„Wir sehen außerdem viele Patchwork-Arbeitsverhältnisse, das heißt, Personen haben eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit und haben zusätzlich noch einen Mini-Job. Hinzu kommt, dass die Laufzeit der Verträge oft nur sehr kurz ist.“

Das hat vor allem damit zu tun, dass die Kunden ihre Aufträge immer wieder neu ausschreiben und die Reinigungsfirmen sich darauf bewerben müssen; die Laufzeit der Arbeitsverträge richtet sich dann häufig nach der Laufzeit des Reinigungsauftrags.

Der Preiskampf ist groß, vor allem öffentliche Auftraggeber stehen im Ruf, die Preise immer weiter nach unten zu drücken. Branchenkenner berichten von einer starken Arbeitsverdichtung, es müssen immer mehr Flächen gereinigt werden – in gleichbleibender Zeit.

Die Arbeitsbedingungen seien schwierig und das Ansehen niedrig – auch weil die Arbeit der Reinigungskräfte bisher so häufig im Verborgenen stattfinde, sagt die Soziologin: „Ich denke, vermehrte Sichtbarkeit für Reinigungstätigkeiten ist ein ganz wichtiger Schritt, um die Erwerbstätigen aus ihrem Schattendasein zu lösen. Und um sie in die Lage zu versetzen, ihre Interessen besser vertreten zu können.“

Mehr Reinigungstätigkeiten tagsüber zu erledigen, im laufenden Betrieb, könnte eine Lösung sein. „Daytime-Cleaning“ heißt das entsprechende Schlagwort in der Branche. Auch in Frankreich gibt es derzeit eine Debatte darüber: Marlène Schiappa, Staatssekretärin für Gleichstellung, hat eine Initiative gestartet, um Frauen im Reinigungs- und Dienstleistungsgewerbe mit ihrer Arbeit sichtbarer zu machen. Im französischen Fernsehen sagte sie:

„Das Produkt dieser Arbeit, also die Sauberkeit, möchten alle gern sehen, aber denjenigen, die diese Arbeit machen, will man nicht begegnen, und schon gar nicht will man mit ihnen sprechen. Da wird eine Art Diskretion verlangt. Ich finde, das ist eine Entmenschlichung der Arbeitsbeziehung. Nein, so kann das nicht funktionieren.“

Eine Argumentation, der Ulrike Laux nur zustimmen kann. Sie ist Mitglied im Bundesvorstand der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt – kurz IG-BAU – und dort unter anderem zuständig für die Branchen- und Tarifpolitik im Reinigungsgewerbe.

Gerade erst hat die Gewerkschaft mit der Arbeitgeberseite, dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks, einen neuen Rahmentarifvertrag ausgehandelt. Der soll Verbesserungen bringen, unter anderem für Teilzeitkräfte, Lohnzuschläge werden steigen und für viele wird es mehr Urlaub geben.

Das Problem, dass die Arbeit der Reinigungskräfte zu wenig wahrgenommen wird, bleibt aber bestehen.

„Wir haben mal deutlich gemacht, dass eine Reinigungskraft ihre Tätigkeit ausführt und wenn sie das gut macht, dann wird überhaupt nicht festgestellt, dass sie da war. Deshalb haben wir es immer genannt: die Unsichtbaren. Und die Kolleginnen und Kollegen haben auch einen Berufsstolz. Die wollen nicht unsichtbar sein. Die wollen sichtbar sein mit ihrer wichtigen Tätigkeit.“

Auch die IG Bau macht sich deshalb für das sogenannte Daytime-Cleaning stark. Ulrike Laux:

„Wir reden ganz gezielt über die Tagesreinigung, dass das von den Kunden auch umgestellt wird, dass die Beschäftigten tagsüber in die Objekte können. Viele müssen ja erst um 17 Uhr anfangen und das geht dann in den Abend rein. Das geht nicht, da fahren wir seit Jahren schon eine Kampagne, dass wir sagen, dort, wo es möglich ist, unbedingt wieder in die Tagesreinigung kommen, und das heißt von morgens 7 Uhr bis abends um 18 Uhr.“

Vorbehalte gibt es vor allem bei den Kunden: Viele Büroangestellte zum Beispiel wollen nicht, dass während ihrer Arbeitszeit eine Reinigungskraft mit Lappen und Staubsauger anrückt.

„Die Reinigungszeiten, die vom Kunden gewünscht werden, liegen meistens in den sehr frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag“, sagt Holger Eickholz, er ist operativer Geschäftsführer der Niederberger Gruppe, einem bundesweit tätigen Gebäudedienstleister mit Sitz in Köln.

Das Unternehmen beschäftigt fast 4.000 Mitarbeiter. Eickholz kennt die Forderungen der Kundschaft ebenso wie die Debatte über Sichtbarkeit und Anerkennung der Reinigungskräfte. Auch er hätte nichts dagegen, wenn seine Leute mehr am Tag eingesetzt würden. Sein Problem ist nämlich, dass es ohnehin schwierig geworden ist, genügend Mitarbeiter zu finden. Zuletzt konnte sein Unternehmen nicht einmal die Hälfte der einhundert Ausbildungsplätze besetzen. „Gebäudereinigung ist eben nicht gerade das sexiest Handwerk alive.“

Zusammenhängende und familienfreundliche Arbeitszeiten am Tag könnten die Attraktivität des Berufs erhöhen. Holger Eickholz wirbt deshalb bei seinen Kunden für die Tagesreinigung – auch wenn er weiß, dass das nicht immer und überall funktioniert.

„Wenn hier jetzt jemand reinkäme und wollte reinigen, während wir hier im Interview sitzen, wäre das schwierig. Das heißt, ich muss als Dienstleister eine ganz neue Logistik auch aufbauen. Ich muss die Mitarbeiter schulen: Was mache ich, wenn ein Raum besetzt ist. Der muss notiert werden, der muss beim nächsten Durchgang noch mal angesteuert werden, damit er an dem Tag, an dem er gereinigt werden soll auch tatsächlich gereinigt wird.“

Es seien außerdem beispielsweise leisere Staubsauger notwendig und die Reinigungsmitarbeiter müssten auf den direkten Kundenkontakt vorbereitet werden. Trotzdem habe sein Unternehmen die Erfahrung gemacht, dass sich die Tagesreinigung bei vielen Kunden bereits bewährt habe. Auch, weil sie die Reinigungskräfte direkt ansprechen können, wenn etwas reklamiert werden muss oder eine Sonderaufgabe zu erledigen ist. Und ja, natürlich werden die Menschen, die putzen, mit ihrer Arbeit auch sichtbar.

„Wir haben schon miterlebt, dass Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter zu betrieblichen Feiern eingeladen wurden. Sie gehören einfach zum Inventar.“

Offenbar gibt es Bewegung in der Branche – hin zu mehr Tagesreinigung. In Berlin beispielsweise haben einzelne Bezirke Modellprojekte gestartet – Schulgebäude werden dort tagsüber geputzt, teilweise sogar während der Unterrichtszeit.

Natürlich ist die Tagesreinigung nicht überall möglich – mancherorts muss eben nachts geputzt werden. Und es gibt auch Reinigungskräfte, die auf den steuerfreien Zuschlag von 30 Prozent in der Nacht zwischen 22 und 6 Uhr nicht verzichten wollen. Denn: Die ganze Situation der Branche – von den Arbeitsbedingungen bis hin zum Personalmangel – hat eben auch etwas mit Geld zu tun.

Die Bezahlung zumindest bei den einfachen Reinigungskräften ist niedrig – und auch Arbeitgeber Holger Eickholz weiß nicht, ob er von 10 Euro 56 in der Stunde leben könnte:

„Ich muss sagen, ich habe das noch nicht probiert. Aber ich schätze, dass das nicht ganz einfach ist. Selbst bei einem 8-Stunden-Job, ja.“

Von einem Niedriglohn-Sektor will er allerdings nicht sprechen, und auch Johannes Bungart, Geschäftsführer beim Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks wehrt sich gegen den Begriff der prekären Arbeitsverhältnisse:

„Also mit dem Wort prekär wäre ich sehr vorsichtig. Die Arbeitsbedingungen sind sehr gut aus meiner Sicht. Weil wir allgemeinverbindliche Tarifverträge haben, dass wir Mindestlöhne haben, die über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Und Sie müssen auch berücksichtigen, dass wir dort, wo es einfache Tätigkeiten sind, auch deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen.“

Dass der Beruf kein gutes Ansehen habe, erklärt er sich ganz anders: „Das irritiert manchmal, mit welcher Arroganz auf Reinigungskräfte geschaut wird. Ich kann das nicht verstehen. Unsere Beschäftigten leisten einen sehr wertvollen Dienst für unsere Gesellschaft, was das Thema Hygiene angeht, was das Thema Gesundheit angeht. Ohne unsere Tätigkeit würde kein Flugzeug in die Luft gehen, würde kein Krankenhaus funktionieren.“

„Gerade in den Medien wird doch die Reinigungskraft immer sehr despektierlich dargestellt“, sagt auch Holger Eickholz von der Niederberger Gruppe. „Da sieht man meistens eine im geblümten Kittel, mit einem Schrubber, möglichst noch mit einem Zinkeimer auf dem Boden – so richtig altertümlich dargestellt.“

Die Arbeitgeber werben damit, dass die Branche – immerhin das beschäftigungsstärkste Handwerk in Deutschland – viele Aufstiegsmöglichkeiten biete:

„Wenn man natürlich weiß, wie viel dahinter steckt, dass es nicht nur damit getan ist, Böden und Toiletten zu putzen, sondern dass Gebäudereiniger anspruchsvolle Tätigkeiten haben, von Fassadenreinigung bis Holzbearbeitung, Denkmalpflege, Glasreinigung. Vom Gesellen über Meister, man kann sogar studieren, Reinigungs- und Hygienetechnik. Es gibt welche, die ihren Doktor gemacht haben. Also es gibt in unserer Branche mehr Aufstiegsmöglichkeiten, als man sich vorstellt.“

Tatsächlich liegen ausgebildete Gebäudereiniger-Gesellen mit ihren Löhnen üblicherweise deutlich über den Mindestlöhnen. Allerdings arbeiten in der Branche eben auch sehr viele Menschen, die keine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung haben.

Die Soziologin Lena Schürmann von der Berliner Humboldt-Universität hat für ihre Doktorarbeit Reinigungskräfte auch nach ihrem Arbeitsstolz und ihrer Berufsidentität gefragt.

„Ich selber habe ja auch probehalber als Reinigungskraft gearbeitet, in der Nacht. Und es ist ein sehr hartes Arbeitspensum, das dort abzuarbeiten ist. Es sind unangenehme Erfahrungen. Also ein Herrenklo von unten zu putzen, ist wirklich nicht besonders schön. Sich nicht zu ekeln und dem Ganzen aus einer sachlichen Perspektive entgegenzutreten und sich auch nicht entwürdigen zu lassen, das sind alles Leistungen des Durchhaltens, auf die Personen auch stolz sein können.“

Auch Susanne Holtkotte, die Reinigungskraft und Buchautorin aus Bochum, ist stolz auf ihre Arbeit.

„Wir werden wirklich benötigt.“

Das Thema Tagesreinigung findet auch sie wichtig – aber nicht so wichtig wie die grundsätzliche Würdigung und Wertschätzung ihrer Arbeit.

Neben einem angemessenen Lohn, den sie bei etwa 12 Euro 50 pro Stunde sehen würde, gehe es auch um die zwischenmenschliche Anerkennung. Das habe nichts damit zu tun, ob nun in der Nacht oder am Tag geputzt wird:

„Es gibt Betriebe, da geht das eben nicht anders. Da muss man nachts reinigen. Aber selbst wenn diese Reinigungskraft in der Nacht kommt, war sie da als guter Geist, und die hat nichts dagegen, wenn da mal ein Zettel hängt mit Dankeschön, oder eine Tafel Schokolade.“

Susanne Holtkotte will weiterkämpfen – für mehr Geld, für Anerkennung, für bessere Arbeitsbedingungen. Das übrigens empfiehlt sie auch allen anderen in dieser Branche.

„Was mir so am Herzen liegt, ist einfach: Lasst euch nicht alles gefallen. Wenn Ihr Euch ungerecht behandelt fühlt, macht was dagegen. Ich kann nicht erwarten, dass Veränderungen kommen, wenn ich nicht selber was dafür tue. Wenn ich nicht bereit bin, etwas dafür zu leisten, dass sich etwas verändert, dann habe ich auch keinen Grund mich zu beschweren.“


Aus: "Die schmutzigen Seiten der Reinigungsbranche" Monika Dittrich (01.12.2019)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/schlechte-bezahlung-und-wertschaetzung-die-schmutzigen.724.de.html?dram:article_id=464742


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« Reply #993 on: December 04, 2019, 11:00:47 AM »
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[...] Eine Betriebsordnung, die es Mitarbeitern untersagt, während der Arbeitszeit zu trinken, erregt in der Gewerkschaft die Gemüter. Als "menschenunwürdig" bezeichnete Barbara Teiber, Vorsitzende der GPA-djp, die betreffenden Passagen der Betriebsordnung, die in einer Kärntner Filiale einer österreichweit tätigen Drogeriemarktkette angeschlagen ist. Auch das Kauen von Kaugummis wird dieser zufolge untersagt. Ebenso werden die Beschäftigten aufgefordert, Arztbesuche grundsätzlich in die Freizeit zu verlegen.

Der Name der betroffenen Drogeriemarktkette wurde von der GPA nicht genannt. Sie hat allerdings keinen Betriebsrat. Damit kommen die Ketten Dm und Bipa nicht infrage, da es bei diesen einen Betriebsrat gibt.

"Trinken ist aber dringend notwendig, und deshalb ist das ganz klar sittenwidrig", sagt Jutta Brandhuber, Geschäftsführerin der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) in Kärnten. Vielen Arbeitnehmern sei nicht bekannt, dass laut Allgemeinem Bürgerlichen Gesetzbuch ein Vertrag, der gegen die guten Sitten verstößt, nichtig sei.

Die Gewerkschaft prüft ihr zufolge nun, ob es sich dabei um einen Einzelfall innerhalb der Kette handelt oder ob mehrere Filialen von dieser Betriebsordnung betroffen sind. Brandhuber kündigte an, Gespräch mit der Geschäftsführung suchen zu wollen, um diesen Missstand zu beseitigen. Inzwischen soll die Geschäftsführung zugesagt haben, dass die Betriebsordnung "sofort geändert" werden soll.

...

 (red, APA, 3.12.2019)


Quote
legastehniker

...und in unserer Firma gibts kostenloses Obst, Pfirsich-/Orangen-/Apfelsaft, Mineralwasser, Kaffee, Tee usw.

Da stellts einem die Nacken Haare auf wenn man liest wie asozial und geizig andere Unternehmen sind...


Quote
reformlutzer

Also, bei den nächsten Wahlen alle fleissig die türkisen "Leistungsträger" wählen, damit die neokapitalistischen Sklaventreiber sich noch freier fühlen, beim Erniedrigen und Schikanieren ihrer Untergebenen.


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