Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 254556 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #915 on: May 16, 2019, 09:37:43 AM »
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[...] Bei einer Razzia im gesamten Bundesgebiet haben Ermittler zahlreiche Geschäfts- und Privaträume durchsucht. Man habe die Wohnräume von acht "vermögenden Privatpersonen", elf Banken und Sparkassen sowie die Geschäftsräume von vier Steuerberatern durchsucht, teilte die Staatsanwalt Frankfurt mit – wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Neben der Staatsanwaltschaft Frankfurt waren das Bundeskriminalamt (BKA), das Landeskriminalamt Hamburg, die Oberfinanzdirektion Frankfurt und weitere Behörden an der Großrazzia beteiligt.

Um welche Banken es sich handelte, gaben die Behörden nicht bekannt. Stattdessen hieß es, die Geschäftsräume der Institute befänden sich in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Erding, Frankfurt, Köln und Trier. In Aachen, Hamburg, Hürth und München wurden den Ermittlern zufolge Geschäftsräume von vier Steuerberatern durchsucht, in Hamburg die Räume von sechs Vermögensverwaltungen. Die Wohnräume der Privatpersonen befänden sich in Bad Tölz, Erkrath, Hamburg, Konz, Simmerath und auf Sylt.

Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte, sollen die acht Verdächtigen mithilfe einer ehemaligen Tochtergesellschaft "einer deutschen Großbank" auf den Britischen Jungferninseln Gesellschaften in Steueroasen gegründet haben. Sie wollten so Kapitalerträge verbergen und Steuern vermeiden.

Die Razzia steht nach Behördeninformationen im Zusammenhang mit einer Durchsuchung bei der Deutschen Bank im November 2018. Damals hatten die Ermittler nach eigenen Angaben zahlreiche Geschäftsunterlagen in schriftlicher und elektronischer Form sichergestellt. Mitarbeiter der größten deutschen Bank sollen Kunden bei der Gründung von Briefkastenfirmen in sogenannten Steuerparadiesen geholfen haben. Ihren Verdacht stützten die Ermittler auf Daten der sogenannten Offshore Leaks und Panama Papers durch das BKA.

Die Deutsche Bank wies darauf hin, dass sich das aktuelle Ermittlungsverfahren nicht gegen den Konzern richte: "Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Privatpersonen. Die Deutsche Bank kooperiert mit der Staatsanwaltschaft und gibt alle angeforderten Unterlagen freiwillig heraus. Eine Durchsuchung der Geschäftsräume der Bank hat deshalb nicht stattgefunden."

Im Frühjahr 2016 hatte ein internationales Mediennetzwerk mit den Panama Papers aufgedeckt, dass hohe Geldsummen nach Panama flossen. Das Land in Zentralamerika gilt als Steueroase und Heimat zahlreicher Briefkastenfirmen. Ein Verbund investigativer Journalistinnen und Journalisten hatte 2013 mit den Offshore Leaks einen Datensatz zu Steueroasen und -hinterziehung im Internet veröffentlicht.


Aus: "Bundesweite Razzia bei Banken und Steuerkanzleien" (15. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/20191-05/panama-papers-steuerhinterziehung-razzia-deutsche-banken

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allesEssig #2

"...Wohnräume von acht "vermögenden Privatpersonen", elf Banken und Sparkassen sowie die Geschäftsräume von vier Steuerberatern durchsucht..."

Bei jenen vermögenden Privatpersonen sollte der gleiche Maßstab angelegt werden, der bei der Clankriminalität zugrunde gelegt wurde:
Vermögenswerte, bei welchen kein Beweis des legalen Zustandekommens geführt werden kann, sollten eingefroren werden, um zu Verhindern, dass diese durch Tricks verschoben werden und letztendlich bei Schuldnachweis dem deutschen Staat zugute kommen.


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Brustring #2.1

Aber, aber. Das sind doch Leistungsträger. ...


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DrkdD #11

Ist der FDP-Chef schon vor die Kameras getreten und hat davor gewarnt die hart arbeitenden Leistungsträger nicht zu vergraulen?


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Offline Textaris(txt*bot)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #916 on: May 19, 2019, 09:00:53 PM »
Quote
[...] Hildegard Hackstätter hat 45 Jahren lang in Deutschland gearbeitet. Als Platzanweiserin im Kino, als Verpackerin im Milchwerk und beim Rollladenbau. Sie hat im Altenheim und Thermalbad geputzt, war Badeaufseherin und hat Menschen mit Behinderung durch die Stadt gefahren. Sie hat das hinter sich, was man eine unstete Erwerbsbiografie nennt, aber gearbeitet hat sie fast immer. Als sie vor zwölf Jahren ihren Rentenbescheid bekam, erzählt sie, musste sie sich erst mal setzen. Bis nachts um drei hockte sie in ihrer Wohnung auf dem Boden und weinte. Nicht einmal 500 Euro, für 45 Jahre. "Mädchen, wir müssen raus aus Deutschland", hat Waldemar Hackstätter damals zu ihr gesagt.

So gingen sie also nach Bulgarien, das ärmste Land der Europäischen Union. Gut 500 Euro verdienen die Menschen hier im Schnitt, fast ein Viertel der Bevölkerung ist von Armut bedroht. In Bulgarien gehören arme deutsche Rentner zur oberen Mittelschicht. "Hier brauche ich nicht mehr in den Geldbeutel schauen und mich fragen, ob ich ins Restaurant gehen kann oder nicht", sagt Waldemar Hackstätter. "Hier gehe ich einfach rein." Mit dem Umzug haben die Hackstätters ihre Rente erhöht, ohne einen Cent mehr zu bekommen. ...


Aus: "EU-Rentner: "Mädchen, wir müssen raus aus Deutschland"" Aus einer Reportage von Christian Spiller, Sirakowo (19. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-05/deutsche-rentner-bulgarien-eu

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St.Expeditus #10

"So gingen sie also nach Bulgarien, das ärmste Land der Europäischen Union. Gut 500 Euro verdienen die Menschen hier im Schnitt, fast ein Viertel der Bevölkerung ist von Armut bedroht. In Bulgarien gehören arme deutsche Rentner zur oberen Mittelschicht."

Zur Wahrheit Europas gehört auch die soziale Ungleichheit. In Bulgarien oder Rumänien hat der durchschnittliche Arbeiter weniger als ganz arme deutsche Rentner! Nur muss der auch noch eine Familie ernähren.


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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #917 on: May 20, 2019, 12:33:37 PM »
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[...] Toronto. Kleine Wohnung, kleine Küche. Das Fenster schließt nicht, das Wasser leckt. Reparaturen: Fehlanzeige. Die neuen Besitzer des Hauses sind anonym, niemand hat sie gesehen. "Könnte Frosty, der Schneemann sein", sagt der Mieter mit traurigem Sarkasmus. Doch sie haben Spuren hinterlassen: ein halbes Dutzend Überwachungskameras – und eine drastische Mieterhöhung. Berlin. Der bullige Kiez-Bäcker im Dialog mit dem jungen Baustadtrat Florian Schmidt. Die Miete für den Laden ist drastisch erhöht worden. Der Stadtrat versucht, Hoffnung zu wecken. Der Bäcker sieht keine Chance. Aber er will trotzdem kämpfen. Seoul. Ein Mann berichtet, wie sie kamen, ihn verprügelten und seine Frau traten, um sie aus ihrem Haus im Stadtzentrum zu vertreiben. London. Die Brandruine des Grenfell Tower. Viele Überlebende sind fast zwei Jahre später immer noch ohne dauerhafte Bleibe. Wenn sie eine bekommen, wird sie vermutlich nicht mehr hier sein. Das multikulturelle Viertel, in dem man sich vom Sehen kannte, ist heute Premium-Lage. "Sie haben gesagt, wer sich London nicht leisten kann, soll halt woanders hinziehen", schnaubt der Londoner, der sich gerade über seine Motorhaube beugt. "Die spinnen wohl!" Es ist in allen Städten dasselbe Phänomen: Der sicher geglaubte Lebensraum wird den Menschen unter den Füßen weggezogen.

Eine kleine Frau mit wachen Augen hört diesen Menschen zu, macht sich Notizen, fragt nach. Ihr Name ist Leilani Farha. Die Kanadierin ist UN-Sonderbotschafterin für angemessenes Wohnen. Push heißt der Dokumentarfilm des schwedischen Regisseurs Fredrik Gertten, der sie dabei begleitete. Farha versucht zu verstehen, was hier passiert, warum es überall gleichzeitig passiert und was dahintersteckt. Also fragt sie Experten wie den Nobelpreisträger Joseph Stiglitz oder die Soziologieprofessorin Saskia Sassen. "Dass die Mieten steigen, ist ein Mechanismus, den jeder versteht", sagt sie. "Aber dann kommt jemand anderer ins Spiel: Ein Monster, das niemand sieht, dessen Sprache niemand versteht. Also fragt man sich: Wer ist dieses Monster?" Das Monster: Das ist die Finanzialisierung des Wohnsektors, das sind die globalen Fonds, die seit der Krise 2008 massiv in Immobilien investieren. Sassen stellt unmissverständlich klar: Mit Gentrifizierung hat das nichts mehr zu tun. Es geht um mehr als um das Chai-Latte-Stübchen, das den alteingesessenen Handwerker ersetzt. Es geht um ganze Stadtviertel, die auf Immobilienmessen gehandelt werden, als Anlageobjekte, Assets, Parkplätze für Geld.

Die Bewohner sind da nur im Weg. Aber wenn nicht einmal der Krankenpfleger, die Polizistin, der Feuerwehrmann sich das Wohnen leisten können, funktioniert dann die Stadt überhaupt noch? Ganz zu schweigen von der enormen psychischen Belastung, wenn das vertraute Netzwerk aus Freunden und Nachbarn zerstört wird. Leilani Farha versucht, diesem Monster auf die Spur zu kommen, dem Anonymen ein Gesicht zu geben. Zum Beispiel das Gesicht von Stephen Schwarzman, CEO des weltweit operierenden Fund Blackstone Group. Farhas (letztendlich vergeblicher) Versuch, einen Termin mit Schwarzman zu bekommen, zieht sich als roter Faden durch den Film. Eine David-und-Goliath-Konstellation, die rührselig sein könnte, aber ganz in sachlicher Eindringlichkeit inszeniert wird. Denn das Monster sind auch die Pensionsfonds, die das Geld ihrer Kunden weltweit in Immobilien anlegen. Sind die Bösen also wir alle? Oder das System? "Ich glaube nicht, dass der Kapitalismus an sich das Problem ist", sagt Leilani Farha im Film. "Aber wenn Wohnen zur Handelsware wird, ist das etwas anderes, als wenn Gold Handelsware ist. Gold ist kein Menschenrecht, Wohnen schon."

Auch die Wiener Stadtforscherin Elke Rauth vom Fachmagazin Dérive sieht die Dringlichkeit des Films. "Die Wohnungsfrage ist die soziale Frage unserer Zeit. Push zeigt eindringlich auf, wie bedroht das Menschenrecht auf Wohnen weltweit bereits ist. Ein Immobilienmarkt, der Wohnraum nur noch als Ware und Möglichkeit zur Geldvermehrung sieht, muss zum Schutz des Gemeinwohls reguliert werden. Dazu braucht es eine Allianz zwischen Zivilgesellschaft, gemeinnütziger Bauwirtschaft und Politik." Eine solche Allianz hat auch Leilani Farha ins Leben gerufen: die Initiative "Shift", die sich für Wohnen als Menschenrecht einsetzt. Sie sitzt auch am Tisch, wenn sich Bürgermeister europäischer Metropolen zum Strategieaustausch treffen. Es ist einer der anrührendsten Filmmomente, als Farha bei diesem Meeting auf Ada Colau, die Bürgermeisterin von Barcelona, trifft, die selbst eine Bewegung gegen Immobilienspekulation gegründet hatte. Wenn diese zwei Frauen einander vertraut begrüßen und sich fast überrascht ihrer gar nicht so geringen Macht in diesem Moment bewusst werden, spürt man: Hier ist eine Veränderung möglich.

Dass Anfang Mai der sensible, ganz ohne Delogierungen auskommende Umbau eines Sozialwohnblocks in Bordeaux von Lacaton Vassal Architectes mit dem Mies van der Rohe Award der Europäischen Kommission ausgezeichnet wurde, ist ein weiteres Hoffnungszeichen – und kein Zufall, wie Jurymitglied Angelika Fitz, Direktorin des Architekturzentrums Wien, betont: "Der Mangel an leistbarem Wohnraum, wie wir ihn zurzeit in vielen Städten erleben, stellt eine Menschenrechtsverletzung dar. Es ist also nur konsequent, dass unter den fünf Finalisten gleich zwei kollektive Wohnprojekte waren." Es sind kleine Stiche gegen das immer noch übermächtige Monster. Push zeigt, wie fragil die Formen des Zusammenlebens sind und wie schnell sie zerstört werden können. Es ist der richtige Film zur richtigen Zeit.


Aus: "Wohnen: Spekulationsobjekt oder Menschenrecht?" Maik Novotny (19.5.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000103312331/Wohnen-Spekulationsobjekt-oder-Menschenrecht

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cpucpu

spekulation. what else? btw..wie so ca alles im leben spekulativ ist. wohnen macht kein unterschied. fertig. menschenrecht..., silly. und was darfs sonst noch sein? so geht das nicht. ‚recht‘ für wen und weswegen? wer zahlt?


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Kassiteros Zinn

Haben Sie den Artikel gelesen? Wenn Krankenpfleger, Polizisten und Feuerwehrmänner sich das Wohnen zunehmend nicht mehr leisten können, sollens doch unter der Brücke wohnen, wie?


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lao-lan

Als Mieter einer Altbauwohnung im 4. Bezirk, Wien, erfuhr ich, dass unsere Wohnung, die in den letzten Jahren bereits 3 mal den Besitzer wechselte, inzwischen fast dreimal teurer geworden ist als vor 10 Jahren. Am gesamtzustand des Hauses har sich deshab noch lange nichts verbessert.


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Kanton

Seit der Null-Zins-Politik geht das große Geld in Beton-Gold. ...


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seefahrer-horst

Gundstücksmakler kennen Provisonen und Gewinnmargen, davon können Baufirmen nur träumen.
Merkspruch: "Durch Arbeit ist noch keiner reich geworden" :-)


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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #918 on: May 20, 2019, 02:36:45 PM »
Robert Frederick Smith (born December 1, 1962) is an American businessman, investor and philanthropist. A former chemical engineer and investment banker, he is the founder, chairman and CEO of private equity firm Vista Equity Partners. In 2018, Smith was ranked by Forbes as the 163rd richest person in America. ...
https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_F._Smith_(investor)

Quote
[...] Der amerikanische Multimilliardär Robert F. Smith ist mit einem besonderen Geschenk zur Graduiertenfeier des traditionell von Schwarzen besuchten Morehouse College im amerikanischen Bundesstaat Georgia gekommen: Er sagte den frischgebackenen Absolventen am Sonntag zu, für ihre Studienkredite komplett aufzukommen – geschätzte 40 Millionen Dollar. Das Vermögen des afroamerikanischen Geschäftsmanns beläuft sich Schätzungen zufolge auf 4,4 Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro).

Er sei sicher, dass sich die Absolventen erkenntlich zeigen werden, indem sie helfen würden, das Leben anderer Afroamerikaner zu verbessern, sagte Smith vor dem versammelten Abschlussjahrgang der Hochschule in Atlanta. Die Absolventen und ihre Eltern brachen in Jubel und überbordenden Applaus aus. „Gerne würde ich jetzt einen Salto rückwärts machen, wenn ich das nur könnte“, sagte der BWL-Absolvent Elijah Dormeus.

Smith hatte zuvor eine 1,5-Millionen-Dollar-Spende an die Universität angekündigt, an der auch die Bürgerrechtsikone Martin Luther King Jr., Regisseur Spike Lee und Schauspieler Samuel L. Jackson ihren Abschluss gemacht hatten. Die Übernahme der Studienkredite war laut dem „Atlanta Journal and Constitution“ aber auch für die Hochschule eine Überraschung.

Angesichts der horrenden und weiter steigenden Studiengebühren in den Vereinigten Staaten geraten immer mehr Studenten tief in die roten Zahlen. Laut der Ratingagentur Fitch liegt die Gesamtverschuldung von Studenten in den Vereinigten Staaten bereits bei mehr als 1,5 Billionen Dollar.


Aus: "Amerikanischer Milliardär will Studienkredite übernehmen" (20.05.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/amerikanischer-milliardaer-will-studienkredite-von-40-millionen-dollar-uebernehmen-16196909.html

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #919 on: May 23, 2019, 10:47:24 AM »
Quote
[...] Carina Altreiter (geb. 1985) hat in Wien und Linz Soziologie studiert. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Arbeitssoziologie, soziale Ungleichheit und sozialer Wandel. 2017 erhielt Altreiter für ihre Dissertation den Theodor-Körner-Förderpreis, die Arbeit erschien 2019 unter dem Titel "Woher man kommt, wohin man geht". Derzeit ist sie Postdoc-Projektmitarbeiterin im FWF-Projekt "Solidarität in Zeiten der Krise" an der Universität Wien.

STANDARD: Bourdieu hat beschrieben, wie Menschen ihre Klassenzugehörigkeit über ihren Habitus ausdrücken und sich so von anderen Klassen abgrenzen. Sind diese Praktiken heute noch dieselben?

Altreiter: Nein. Heute ist es zum Beispiel immer weniger der bürgerliche Geschmack wie die Oper, mit dem man sich von unteren Klassen abgrenzt. Es geht mehr darum, sich sowohl in der Klassik als auch im Mainstream auszukennen. Eine andere neue Spaltungslinie ist, dass sich heute vor allem die gut qualifizierte Mittelschicht dadurch nach unten abgrenzt, dass sie ihre Toleranz, ihren kosmopolitischen Geschmack, ihre Multikulturalität – wir kochen indisch, gehen auf den Wiener Brunnenmarkt – zur Schau stellt. Sie stellt sich moralisch höher als Menschen aus unteren Schichten, die – ich sag es jetzt ganz flapsig – nur Schnitzel essen, Volksmusik hören und alles ablehnen, was fremd ist.

STANDARD: Warum ist Bourdieu heute noch wichtig?

Altreiter: Das Spannende an Bourdieu für heutige Verhältnisse ist seine Analyse von Ungleichheitsverhältnissen, die über die rein strukturelle Ebene hinausgeht und aufzeigt, wie die Menschen selbst durch ihr tagtägliches Handel diese Verhältnisse selbst reproduzieren. Durch Praktiken der Abgrenzung werden Grenzen zwischen Klassen gezogen und Herrschaft aufrechterhalten.

STANDARD: Ungleichheit aufgrund der Klasse ist heute kaum noch Thema. Warum?

Altreiter: Es gibt heute einen stärkeren Fokus darauf, was Ungleichheiten aufgrund von Geschlecht, Ethnizität oder Religion bedeuten. In diesen Analysen hat man zwar oft auch den Bildungshintergrund der Eltern drinnen – quasi als kleine versteckte Klassenanalyse. Doch heute fehlt uns gerade im deutschsprachigen Raum das Verständnis dafür, dass Gesellschaften Klassengesellschaften sind, dass es Ungleichheiten gibt, die sich entlang von Klasse reproduzieren.

STANDARD: Warum ist auch der Begriff der "Klasse" weitgehend verschwunden?

Altreiter: Dafür gibt es mehrere Ursachen. Gesellschaftliche Verhältnisse haben die Erscheinungsformen sozialer Ungleichheit stark verändert. Der Begriff ist hierzulande auch stark ideologisch aufgeladen, was eine Etablierung als wissenschaftliche Kategorie schwierig macht. Es hat auch damit zu tun, dass das öffentliche Gesicht des Klassenbegriffs – die Arbeiter und Arbeiterinnen – aus dem Fokus geraten ist. Von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre waren sie in der Industriesoziologie das Forschungsobjekt Nummer eins. Die Wissenschaft hat genau dann die Arbeiter und Arbeiterinnen verlassen, als sich historisch für sie das Blatt gewendet hat. Was Arbeiterinnen und Arbeitern heute fehlt, ist Anerkennung – sowohl materieller als auch symbolischer Art. Ihre Reallöhne sind im Vergleich zu anderen Beschäftigtengruppen gesunken. Und durch die Bildungsexpansion gibt es eine Abwertung der Lehre, eine Abwertung des kulturellen Kapitals der Arbeiterklasse. Alle sagen: Man muss studieren.

STANDARD: Woran sehen Sie, dass "Klasse" keine Rolle mehr spielt?

Altreiter: Wenn es beispielsweise um den Bildungshintergrund geht, wird oft individualisiert. Dass da jemand halt aus schwierigen Familienverhältnissen komme, aus Verhältnissen, wo es an diesem oder jenem gefehlt habe und dass es deswegen Schwierigkeiten in der Schule gebe. Hinzu kommt ein Diskurs, der suggeriert: Du kannst alles werden, wenn du nur willst. Man blendet aus, dass es ein gesamtes System ist, das bestimmte Benachteiligungen produziert. Diese Perspektive fehlt sowohl im öffentlichen Diskurs und zum Teil auch in der Wissenschaft. Doch ich habe das Gefühl, das ändert sich gerade, weil sich die Ungleichheiten verschärfen, die Klassenverhältnisse und auch der Klassenkampf werden unmittelbar spürbarer. In Österreich sehen wir das an den Kürzungen im Sozialbereich – und viel stärker noch in Frankreich an den Kämpfen der Gelbwesten.

STANDARD: Erklärt das auch das momentane große Interesse an Intellektuellen wie Édouard Louis und Didier Eribon, der eng mit Bourdieu zusammengearbeitet hat?

Altreiter: Teilweise ja. Didier Eribon hat vor allem im deutschsprachigen Raum viele mit seiner Geschichte über den Rechtspopulismus angesprochen. Wie können wir erklären, dass Arbeiter rechte Parteien wählen? Er hat versucht, dafür Erklärungen zu finden. In der Rezeption ging es aber weniger um den Ausbruch aus einer sozialen Klasse und mit welchen Leiden das verbunden ist – obwohl das ein ganz zentrales Thema von Eribon ist. Genau dazu gibt es tatsächlich sehr wenig Literatur. Es gibt zwar Aufstiegsgeschichten, diese thematisieren aber fast nie die Probleme und Schmerzen, die mit sozialer Mobilität verbunden sind. Dass es davon so wenig gibt, zeigt auch, dass eine bestimmte Klassenherkunft noch immer sehr schambehaftet ist.

STANDARD: Welche Schmerzen sind das?

Altreiter: Für Menschen, die aus dem sogenannten "bildungsfernen" Milieu kommen, ist es immer noch schwierig, sich in höheren Bildungseinrichtungen zurechtzufinden. Die Sprache, die Umgangsformen und die informellen Regeln werden in einer anderen Klasse geprägt und sind für diejenigen selbstverständlich, die damit aufgewachsen sind. Menschen, denen das fremd ist, fühlen sich oft sogar nach einem erfolgreichen Bildungsaufstieg an der Universität immer noch deplatziert.

STANDARD: In der Analyse von Marx waren sich die Menschen noch ihrer Zugehörigkeit zu einer Klasse bewusst, bei Bourdieu nicht. Was bedeutet das für das politische Handeln der weniger privilegierten Klassen?

Altreiter: Marx wird da oft verkürzt rezipiert, auch bei ihm entsteht Klassenbewusstsein erst über den politischen Kampf. Bourdieu meint, dass die Menschen die Herrschaftsverhältnisse so verinnerlicht haben, dass sie verkennen, in welchem System sie leben. Es ist daher ganz schwer, dieses System zu durchschauen. Klassenbewusstsein heißt ja, die Verhältnisse zu erkennen und daraus etwas zu entwickeln. Politische Mobilisierung ist sicherlich schwieriger geworden. Es gibt nicht nur die unterdrückte Arbeiterklasse, sondern auch Unterdrückung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der geografischen Herkunft – es gibt insofern also auch doppelte und dreifache Unterdrückung. Das anzuerkennen ist wichtig, und man kann nicht wieder zum Alten zurückzukehren und diese "Nebenwidersprüche" ignorieren – im Sinne eines gemeinsamen Kampfes. Die Zersplitterung der Menschen haben wir aber nicht nur bei Identitätsfragen, sondern auch am Arbeitsmarkt. Die große Herausforderung ist, diese Unterschiede in ein gemeinsames Wir zu integrieren. Ein Beispiel, wo dieses Gemeinsame aber funktioniert hat, ist das Frauenvolksbegehren. Da haben sich viele verschiedene Gruppen gefunden und zusammengetan.

STANDARD: Sie haben sich in Ihrer Arbeit auf Industriearbeiterinnen und -arbeiter fokussiert. Wann in ihrem Leben hinterlässt Klasse die tiefste Spur?

Altreiter: In meiner Studie war es der Übergang von der Schule in die Arbeitswelt, dann, wenn Entscheidungen für das spätere Leben getroffen werden. Hier gibt es ein Zusammenspiel von strukturellen Faktoren, also dem Bildungssystem, und den Vorstellungen, die Jugendliche über ihre Zukunft haben. Das sind tief verinnerlichte Vorlieben: Man wollte immer schon Tischlerin, Kfz-Mechaniker werden, wollte schon immer etwas Praktisches tun. Die soziale Klasse produziert Selbstverständlichkeiten darüber, was man künftig macht. Es gibt also einen beschränkten Möglichkeitsraum, obwohl es heute verschiedenste Ausbildungsangebote gibt. Trotzdem bleibt die Frage, ob ich diese Möglichkeiten als für mich geeignet wahrnehme. Passt das zu mir? Die soziale Klasse entwickelt Zugkräfte – und diesen Kräften ist schwer zu entkommen.

...



Aus: "Soziologin Altreiter: "Die Mittelschicht stellt sich moralisch höher"" InterviewBeate Hausbichler (22. Mai 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000103474440-1192182008549/Soziologin-Altreiter-Die-Mittelschicht-stellt-sich-moralisch-hoeher

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El Señor Hood

Ich unterschreibe das, was die Dame sagt - denn ich fühle es jeden Tag: nach aussen hin bin ich ein weltgewandter, bildungsbürgerlicher Akademiker und Kosmopolit, aber in meinem Herzen drin bin ich noch immer der tiafe Sauprolet, der ich einmal war und auch wohl immer sein werde.


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standarddeviation

Die Mittelschicht ist wie die Kirche im Mittelalter! - Dekadent, egoistisch, eigennützig, verschlagen, korrupt, missgünstig, scheinheilig. ...


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chezgarando

oh mit verlaub - alle schichten in europa sind das ...


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Leos 12 Monkeys

Klasse spielt eine Rolle, warum produzieren Akademiker-Familien Akademiker-Kinder, weil sogar das dümmste Kind soweit gedrillt wird, bis es das Studium schafft. Diese Mittel haben Arbeiter-Familien nicht.

Wieso kann eine ausgemachte Dumpfbacke wie Verena Bahlsen so stolz herumkrakeelen, dass sie Kapitalistin wäre?! Na klar, das Geld der Eltern sorgt für Selbstbewußtsein, für Freiheit und für mentale Ruhe.

Ich selbst bin weder noch, keinen Hochschulabschluss, kein Studium, aber aufgewachsen im 7. Bezirk, angehalten worden viel zu lesen und hab dies mit 700 gelesenen Büchern auch auf die Spitze getrieben.

Aber bin ich deswegen Bürgertum?...


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smeisinger

"Sie stellt sich moralisch höher als Menschen aus unteren Schichten, die nur Schnitzel essen, Volksmusik hören und alles ablehnen, was fremd ist."

Das trifft 100% auf mich, meine Freundin und den engeren Freundeskreis zu. Und ja, die Dame hat recht. Wer nicht gerne äthiopisch essen geht und lieber Dancing Stars statt Lars von Trier schaut, ist in meinen Augen - achtung Polemik - irgendwie deppert.


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warp.faktor


Das Zauberwort heißt: Distinktion!
Pierre Bourdieu hat uns gezeigt, dass jede soziale Klasse ganz eigene Kulturtechniken (Habitus) entwickelt, um sich nach unten abzugrenzen. Das ist ein Teil der Identität einer Person.

Sie tun das z.B. in dem Sie die FPÖ-WählerInnen als Dummköpfe und asozial abqualifizieren. Ihr Feindbild.

Mit der Entwertung der körperlichen Arbeit durch den weltweiten Wettbewerb hat man der Unterschicht jede Sicherheit und (Selbst)Respekt genommen. Logisch, dass auch die sich versuchen nach unten abzugrenzen, da kommen die Angebote der Rechtsextremen natürlich gelegen.

Umso mehr, als die meisten Migranten ja tatsächlich Konkurrenten auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt sind.


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Frau Arielle

Mrs. Obama, eine schwarze studierte Frau, hat nun einmal immens mehr Privileg als ein weißer Mann, der mit seinem Volksschulabschluss zwischen Hilfsarbeiterjobs arbeitslos ist.

Die klassische Linke hat sich dermaßen auf die Privilegien Geschlecht, Rasse, Sexualität und Religion eingeschossen, dass sie die Klasse vergessen hat – ihr eigentliches Revier. Und das sind dann die Binnen-I-Hasser, die FPÖ wählen.


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Portier Portos

"Gerade AkademikerInnen tendieren dazu, nur geistige Arbeit als wertvoll und sinnstiftend anzusehen."

Leider. Lustigerweise höre ich immer wieder von Leuten, die ihren Bürojob aufgegeben und ein Handwerk gefunden haben, mit der sie wirkliche Freude haben, zB Tischler oder sowas. Es gehören einfach diese Handwerke aufgewertet, aber bitte nicht in schulischer Form. Ich will keine Lehrberufe mit Bachelor, das ist unnötig. Einfach nur mehr wert schätzen.


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Ergänzende Fragen

Die Mittelschicht hält sich vielleicht für moralisch "besser"- aber die Oberschicht ist moralbefreit. Muss sich erst gar nicht an moralische und gesetzliche Standards halten. Die machen das quasi "freiwillig". zB Steuern zahlen und solche Dinge (ohne Ironie: Menschen die sich persönlich aussuchen können, ob sie sich an Regeln halten oder eben nicht - sind größeren Versuchungen ausgesetzt. Ein Donald Trump stellt - neben seinen speziellen Eigenheiten - ein Sittenbild dar. Der Mann hat - nach heutiger Kaufkraft - 2-3 Milliarden geerbt und sieht sich als Selfmade-MIlliardär. Die Eltern spenden für eine angesehen Universität - und die Kinder halten sich für die geistige Elite, wenn sie dort studieren dürfen...)

(als *Gewerbebefreiter Neuer Selbständiger* MUSS ich mich an Regeln und Moral halten, wenn ich wirtschaftlich überleben will. Mein Handschlag und mein Wort zählt, wenn ich einen Job annehme. Und es gibt schon mehr Neue Selbständige als Einwohner in Graz oder im Burgenland. Von 350.000 wird Moral auch verlangt...)


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Apprentice Mulford

Mit viel Soziologengeschwurbel wird hier räsonniert,
dass den Linken die Arbeiterklasse abhanden gekommen ist, weil in punkto Arbeit, also Sicherheit, Mindestlöhne, Kündigungsschutz, Sozialleistungen etc. alles erreicht wurde, was die ersten Sozialisten erreichen wollten. Kernpunkt früher war die Arbeit, also deren Wert an sich, heute haben die Linken angefangen nach Personen zu segmentieren und sich dabei in kontraproduktiven, personenspezifischen Details verheddert, nicht einziges, aber klassisches Beispiel ist Gendern. Der Schweißer bei der Voest orientiert sich heute nicht mehr daran, was seine Arbeit wert ist und was er dafür bekommt, sondern daran, was - nur als Beispiel - ein anderer, der nix tut leistungslos erhält. ...


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viola1911

ironischerweise tragen intellektuelle wie bordieu durch die verwendung einer unnoetig verkomplizierten sprache zu der beschriebenen segretation bei. gendern ist auch ein gutes beispiel dafuer.


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redwood forest

Worauf das Interview nicht eingeht: der Anteil der klassischen Industriearbeiter sinkt in den post-industriellen Gesellschaften seit Jahrzehnten, noch weit staerker der Anteil der Bauern. Zugleich gibt es weltweit einen Anstieg an Urbanisierung. Dass damit gesellschaftliche Umbrueche entstehen, scheint naheliegend.

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Corello

Schon schön dass das marxistische Schubladendenken nie ausstirbt.

Du bist nichts, deine Klasse ist alles. Es gibt keine individuellen (Fehl)Entscheidungen keine Zufälle in den Biographien und sowieso hat alles System, nämlich ein fieses, ein bei Bedarf je nach dem patriarchales, sexistisches,, neoliberales, westliches oder imperialistisches. Und darüber wird immer zuwenig geredet, nicht weil es Quatsch ist, sondern seil es systematisch ist.

Wenn es mir schlecht geht, sind somit immer die Anderen schuld, ich nicht, deshalb darf ich jammern und fordern und herumpöbeln.
Und wer zur anderen Klasse gehört, ist schuld, darf beschimpft, geschlagen, enteignet, in den Gulag geschickt werden, egal was er tut.


Quote
DeSadeHehe

Ich komme - finanziell gesehen aus der Unterschicht - alleinerziehende Mutter, Einkommen im unteren 0,25% Bereich, 0€ Kapital.
Wenn Sie die Ausgrenzung erlebt haben würden, die man erlebt, wenn man von dort startet, so ganz ohne Kapital, dann würden Sie ehrlich gesagt, nicht so einen Nonsense zu diesem Artikel dazufabulieren.
Die meisten mit denen ich in einer Klasse gewesen bin (bis zum Gymnasium) sind Hacklerkinder, kaum eines davon hat einen normal oder hoch dotierten Job.
Was anders ist bei denen, die wie meine Mitarbeiter größtenteils aus der Mittel- oder Oberschicht stammen.


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WässrigesWienerWürstchen

Glorioser Quatsch
Die Mittelschicht ist besser informiert als die Unterschicht
Und die Oberschicht ist besser informiert als die Mittelschicht.

...


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Renegade091

Sehr treffende Analyse von Fr. Altreiter. Vorallem wie sich die "Mittelschicht" nach unten abgrenzt. So hatte ich das noch gar nicht gesehen, aber wenn ich darüber nachdenke trifft das auch auf mein Umfeld zu.
Ergänzend bin ich noch der Meinung, und das ist auch spannend, würden diese gebildetere Schicht es abstreiten sich zur unteren Schicht hin abzugrenzen. Vermutlich auch um die moralische Überlegenheit für sich zu behaupten.


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« Reply #920 on: May 26, 2019, 02:05:05 PM »
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[...] Oft ist keine Katastrophe nötig – schon eine hohe Arztrechnung oder eine kostspielige Autoreparatur können das Leben vieler US-Amerikaner aus der Bahn werfen. Fast vier von zehn US-Bürgern können aus eigener Kraft keine unerwartete Rechnung in Höhe von 400 Dollar zahlen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed). 27 Prozent der Befragten müssten sich Geld borgen oder Besitztümer verkaufen, zwölf Prozent könnten den Betrag auch dann nicht aufbringen. 17 Prozent wussten zum Zeitpunkt des Interviews schon, dass sie am Monatsende ihre Rechnungen nicht komplett würden zahlen können.

Diese Zahlen der Fed beschreiben nüchtern die harte soziale Realität in den Vereinigten Staaten. Eine Realität – so zeigt die Studie –, die für Schwarze und Hispanics besonders düster aussieht.

In den Medien und in der Tagespolitik fand das Thema bislang kaum Resonanz. Dabei könnte die Bestandsaufnahme der Fed den Demokraten eine Vorlage für den Wahlkampf gegen Donald Trump liefern. Der US-Präsident brüstet sich seit seinem Amtsantritt mit den guten Wirtschaftsdaten. Doch die Studie zeigt, dass die sozialen Verwerfungen trotz des Wirtschaftswachstums noch immer groß sind. Neben Zahlen zu Einkommen und Arbeitsverhältnissen beleuchtet die Fed-Studie auch Schulden und Lücken bei der Altersvorsorge. Die Ergebnisse machen vielfältige Probleme deutlich.

Da wären zunächst die Löhne. Laut einer im Sommer 2018 erschienenen Studie des Pew Research Center stagniert die inflationsbereinigte Kaufkraft für US-Arbeitnehmer seit 40 Jahren. Vor allem Geringverdiener sind in den vergangenen Jahrzehnten leer ausgegangen. Der bundesweite Mindestlohn ist seit 2007 nicht mehr gestiegen und liegt bei nur 7,25 Dollar. Wer so wenig verdient, kann nichts zurücklegen, auch nicht 400 Dollar für eine unvorhersehbare Ausgabe – oder für die Altersvorsorge. Auch dort zeichnet die Studie ein verheerendes Bild. Ein Viertel der US-Amerikaner hat keine privaten Pensionsrücklagen. Ein deutlich höherer Mindestlohn könnte helfen.

Das sehen offenbar auch die Demokraten und Demokratinnen so. Während sie mit ihrer moderaten Kandidatin Hillary Clinton das Thema 2016 noch weitgehend umschifften, gehört die Erhöhung des nationalen Mindestlohns auf 15 Dollar mittlerweile zu den Standardforderungen der meisten demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Auch ein Gesetzesentwurf im Repräsentantenhaus dazu liegt vor. Gerade in trumptreuen Bundesstaaten verdienen überdurchschnittlich viele Wähler weniger als 15 Dollar. Mit dieser Forderung könnten die Demokraten den US-Präsidenten unter Druck setzen, der sich seit seinem Amtsantritt nicht mehr zu dem Thema geäußert hat.

Doch auch ein weitreichender Ausbau der staatlichen Altersvorsorge Social Security wäre notwendig, um Menschen eine stabile Rente zu ermöglichen, die Altersarmut verhindert. 9,2 Prozent der über 65-Jährigen leben trotz Social Security unterhalb der Armutsgrenze des Bundes.

Bisher haben die meisten demokratischen Kandidaten das Thema jedoch ausgespart. Lediglich der Parteilinke Bernie Sanders hat im Falle seines Wahlsiegs eine Ausweitung der staatlichen Rentenversicherung angekündigt und will die Beitragsbemessungsgrenze erhöhen. Während Arbeitnehmer bisher nur auf die ersten knapp 133.000 Dollar ihres Jahreseinkommens Rentenversicherungsbeiträge abführen müssen, sollen laut Sanders' Plan Einkommen bis 250.000 Dollar einbezogen werden. Gutverdiener müssten sich stärker als bisher an der Finanzierung von Social Security beteiligen.

Auch beim Thema Studienschulden besteht Handlungsbedarf: In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Studiengebühren in den USA an öffentlichen Universitäten mehr als verdreifacht und an privaten Hochschulen mehr als verdoppelt. Vor allem Minderheiten besuchen wegen des hochselektiven Zulassungsverfahrens an US-Universitäten häufig gewinnorientierte sogenannte For-Profit-Colleges, die zwar bereitwillig fast alle Studenten und Studentinnen aufnehmen, aber entsprechend teurer sind. 20 Prozent der Absolventen sind laut Fed-Studie bei der Rückzahlung ihrer Studienschulden im Verzug.

Diese Studienschulden lähmen viele junge Amerikaner. Laut Fed zahlen Schuldner zwischen 200 und 299 Dollar im Monat ab – Geld, das bei der Familienplanung oder beim Kauf einer Immobilie fehlt.

Da von hohen Studienschulden vor allem die demokratische Stammwählerschaft aus gut gebildeten Großstädtern betroffen ist, haben sich fast alle ihrer Kandidaten und Kandidatinnen für 2020 für eine zumindest teilweise Abschaffung der Studiengebühren ausgesprochen. Bisher hat aber nur Elizabeth Warren, Senatorin aus Massachusetts, einen detaillierten Plan zur Tilgung von Studienschulden vorgelegt. Wer ein Haushaltseinkommen von weniger als 100.000 Dollar hat, dem erstattet der Staat bis zu 50.000 Dollar Studiengebühren. Warrens Vorschlag würde nach eigenen Angaben 640 Milliarden Dollar kosten und vor allem der Mittelschicht zugutekommen.

Zu wenig politischen Rückhalt erfährt auch das Thema Arbeitsrecht. 2018 waren gerade einmal 10,8 Prozent der Beschäftigten in Gewerkschaften organisiert – halb so viele wie 1985. Während Gewerkschaften im öffentlichen Sektor noch gut vertreten sind, sieht es im Privatsektor schwach aus. Nur 6,4 Prozent der dort Beschäftigten waren vergangenes Jahr in Gewerkschaften organisiert. Das Resultat sind unter anderem prekäre Beschäftigungsverhältnisse und mangelnde betriebliche Mitsprache. Laut Fed-Studie leidet jeder vierte Arbeitnehmer unter kurzfristigen Dienstplanänderungen.

Auch hierzu haben Elizabeth Warren und Bernie Sanders die detailliertesten Vorschläge erarbeitet. Warren will, dass in den Aufsichtsräten großer Unternehmen 40 Prozent Arbeitnehmer vertreten sind, die die Interessen der Belegschaft vertreten. Bisher ist diese in Deutschland verbreitete Form der Mitbestimmung in den USA unüblich.

Sanders fordert die Abschaffung der sogenannten Right-to-Work-Gesetze, die fast ausschließlich von Republikanern ausgehen und Gewerkschaften in vielen Bundesstaaten daran hindern, Arbeitnehmerbeiträge einzuziehen. Seit Monaten unterstützt er mit Solidaritätsaufrufen Streiks im ganzen Land, erst am Donnerstag solidarisierte Sanders sich mit Mitarbeitern der Fast-Food-Kette McDonald's, die einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde fordern. Joe Biden, der von vielen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes unterstützt wird, äußerte sich dagegen nicht zum Streik der McDonald's-Arbeiter.

Der Fed-Bericht zeigt auch die Probleme beim privaten Zahlungsverkehr auf. Sechs Prozent der US-Amerikaner haben demnach kein Bankkonto, weitere 16 Prozent sind trotz Konto wegen mangelnder Deckung auf alternative Finanzierungsquellen angewiesen. Dazu zählen Geschäfte mit Pfandleihern, die es in den Armenvierteln aller US-Großstädte gibt, oder aber die gefürchteten Payday Loans (Zahltagkredite). Entsprechende Anbieter vergeben Darlehen zwar auch an Kunden mit schlechter Bonität, dafür verlangen sie aber Zinsen von durchschnittlich 400 Prozent. Hier sind ebenfalls vor allem Arme und Minderheiten betroffen.

Anfang Mai hat Bernie Sanders gemeinsam mit der Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez ein Gesetz vorgestellt, das die Zahltagkredite stark einschränkt und die Zinsen von Kreditkartenschulden auf 15 Prozent beschränkt. Darüber hinaus würde das Gesetz die US-Post dazu auffordern, kostengünstige Bankkonten für finanzschwache Kunden bereitzustellen.

Auch Elizabeth Warren kämpft seit Jahren gegen die Payday-Loan-Industrie: zunächst ab 2010 als Architektin der unter Barack Obama gegründeten Verbraucherschutzbehörde für Finanzdienstleistungen (CFPB) und danach als Senatorin. Für viele andere Präsidentschaftskandidaten hat das Thema dagegen offenbar keine Priorität.

Angesichts der Vielzahl an Problemen bleibt die Frage, warum bisher nur wenige demokratische Kandidaten detaillierte und weitsichtige Konzepte zur Überwindung der tiefen sozialen Spaltung im Land vorgelegt haben. Aus dem Kongress kamen zwar eine Handvoll Gesetzesvorlagen, etwa zur betrieblichen Altersvorsorge und zur Überwachung der Finanzindustrie. Doch diese wenigen Initiativen reichen nicht, um den Wählern auch in der Opposition zu zeigen, dass man eine legislative Agenda im Ärmel hat, die das Leben der Menschen in den USA spürbar verbessern würde.

Stattdessen werden die Kongressarbeit und die politische Berichterstattung von Untersuchungen zum Mueller-Report, Trumps Steuerbescheiden und zahllosen Vorladungen von Vertrauten des Präsidenten geprägt. Mit den Alltagsproblemen der meisten US-Amerikaner hat das nichts zu tun.


Aus: "Zu wenig Lobby für die Mittellosen" Eine Analyse von Jörg Wimalasena, New York  (26. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-05/usa-studie-fed-wirtschaftsdaten-armut-renten-finanzen-bernie-sanders/komplettansicht

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deri punkt partei #3

„Trotz guter Wirtschaftsdaten“?

Vielleicht hängt ja das eine mit dem anderen zusammen?


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manveras #3.1 

Offensichtlich: Statistisch gesehen besitzen ja selbst die Ärmsten der Armen kleine Vermögen: "Die privaten US-Haushalte besitzen derzeit ein Rekordvermögen von 107 Billionen Dollar. Doch die reichsten 0,1 Prozent haben gleich viel wie die ärmsten 90 Prozent."
https://www.contra-magazin.com/2018/09/usa-rekordvermoegen-doch-die-haelfte-besitzt-nichts/


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artefaktum #11

>> Trotz guter Wirtschaftsdaten leben Millionen Amerikaner am Rande des Ruins. <<

Was soll eigentlich immer diese Verwunderung? Diese Entwicklung hat System. Da hat die Politik jahrzehntelang drauf hin gearbeitet, dass immer mehr Geld nach oben umverteilt wird. Das läuft bei uns nicht anders.


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« Last Edit: May 29, 2019, 11:19:40 AM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #921 on: May 26, 2019, 08:40:32 PM »
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[...] Obdachlose schieben rostige Einkaufswagen mit wenigen Habseligkeiten über die Market Street, vorbei an den Fassaden der Hauptquartiere von Konzernen wie Twitter und Uber. Mit Steuervergünstigungen lockten die Stadtväter Technologie-Firmen in das Herz von San Francisco, nun schießen Luxus-Appartements und teure Bistros aus dem Boden. San Francisco, ehemals das Epizentrum der Hippie-Bewegung, Magnet für Künstler, Aussteiger und Einwanderer, steht nun für junge Multi-Millionäre, explodierende Mieten und steigende Obdachlosenzahlen.

Im weltweiten Vergleich ist San Francisco jetzt die Stadt mit der höchsten Milliardärsdichte. Der jüngsten Studie von "Wealth-X" zufolge kommt auf gut 11.000 Einwohner ein Superreicher, im Vergleich fällt New York mit rund 81.000 Menschen pro Milliardär weit ab. Nur in absoluten Zahlen hat die Acht-Millionen-Metropole New York bei der Milliardärszählung die Nase vorn, verglichen mit der Westküsten-Stadt mit ihren knapp 900.000 Einwohnern.

In San Francisco und dem benachbarten Silicon Valley, mit Facebook, Google und Apple, wächst mit jedem Börsengang die Zahl der Millionäre weiter an. Nach den Start-ups Pinterest, Zoom und Lyft feierte zuletzt der Fahrdienstvermittler Uber seine Aktien-Premiere, die Büro-App Slack und der Tourismus-Anbieter Airbnb wollen noch in diesem Jahr an die Börse.

Auch Herman Chan profitiert von dem Boom. Der 41-jährige ist Makler bei der auf Luxusimmobilien spezialisierten Firma "Sotheby's International Realty". "Ich will nicht klagen, die 'Tech Bros' zahlen meine Rechnungen", sagt Chan über die Flut der jungen Spitzenverdiener in der Tech-Branche, die sich astronomisch hohe Mieten und teure Häuser leisten können. 5.200 Dollar Monatsmiete (rund 4.660 Euro) für eine 80-Quadratmeter-Wohnung zahlt man im Luxusneubau "Nema", gleich neben den Hauptquartieren von Twitter und Uber. Für ein Einfamilienhaus im Raum San Francisco muss man durchschnittlich 1,3 Millionen Dollar hinblättern.

"Wir nennen sie 'HENRYs', High Earner Not Rich Yet", erklärt Chan. Also Gutverdiener mit einem Jahreseinkommen um die 200.000 Dollar, die damit noch nicht "wirklich reich" sind, sich aber Reisen, teure Restaurants, schicke Kleidung und teure Immobilien leisten können. Der in San Francisco aufgewachsene Makler klagt am Ende doch, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in seiner Heimatstadt immer größer wird. "San Francisco hat seine Seele verloren", lamentiert Chan. Vielfalt und Kreativität sei durch "Sterilität" ersetzt worden.

"Wir haben nun die teuersten Mieten in den USA, die größte Obdachlosigkeit und die höchste soziale Ungleichheit", sagt Leslie Dreyer. Die Aktivistin arbeitet beim Mieterschutzverband Housing Rights Committee, nur wenige Straßen und doch Welten von den Tech-Konzernen auf Market Street entfernt. Mieter, die von Räumungen bedroht sind, suchen hier Hilfe. "Wir haben extrem viel zu tun", sagt Dreyer. Das Team hilft bei Zwangsräumungen, es organisiert Proteste, übt Druck auf die Stadt aus, bezahlbare Unterkünfte zu schaffen. "Es betrifft nun auch die Mittelklasse, wie Lehrer und Krankenschwestern. Spekulanten verdreifachen die Mieten und vertreiben Leute aus ihren Wohnungen", klagt Dreyer.

Die jüngst veröffentlichten Zahlen einer Obdachlosenschätzung im Jänner sprechen für sich. Mehr als 8.000 Menschen in San Francisco haben kein festes Dach über dem Kopf, ein 17-prozentiger Anstieg in zwei Jahren. Drastisch zugenommen hat auch die Zahl der Bedürftigen, die in ihren Autos schlafen.

Robin Silver wohnt seit eineinhalb Jahren in einer Zeltstadt an Rand einer vielbefahrenen Durchgangsstraße in Berkeley, auf der anderen Seite der Bucht von San Francisco. Fast zwei Dutzend Menschen leben in dem provisorischen Camp, Alkohol und Drogen sind nicht erlaubt. Die Stadt hat eine mobile Toilette aufgestellt, ein Solarmodul liefert Strom für ein Küchenzelt. "Richtig luxuriös", sagt Silver augenzwinkernd. Der Tod seiner Frau habe ihn aus der Bahn geworfen, erzählt der 63-Jährige Tontechniker. "Ich stehe auf einer Warteliste für eine Sozialwohnung, doch das kann einige Jahre dauern."

Rund 300 Millionen Dollar gibt die Stadt San Francisco jährlich zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit aus, doch die Betten in den Notunterkünften reichen bei Weitem nicht aus. "Grausam und unmenschlich" seien die Zustände in den Straßen von San Francisco, wo etwa Menschen in Zelten Hilfe verwehrt würde, hieß es im vergangenen Oktober in einem Bericht der Vereinten Nationen. Die Zeltlager wurden mit Slums in Indien und Mexiko verglichen.

Die reichen Tech-Konzerne, die zu der extremen Ungleichheit beitragen, sollen zur Kasse gebeten werden, fordern Aktivisten. Der Milliardär Marc Benioff, CEO des Cloud-Computing-Riesen Salesforce, ist auf ihrer Seite. Die Armut in seiner Heimatstadt San Francisco sei eine Katastrophe, sagte Benioff im Jänner in einem Interview des Senders CNBC auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Einige Technologie-Bosse würden die Probleme der Gentrifizierung und Obdachlosigkeit einfach ignorieren.

Im vergangenen Herbst stellte sich der Unternehmer hinter das Wählerreferendum "Proposition C", große Tech-Firmen mit Sitz in San Francisco höher zu besteuern und das Geld in städtische Sozialprogramme zu stecken. Frustrierte Wähler, für die das Leben in der Westküstenmetropole unerschwinglich wird, stimmten mit großer Mehrheit für die Sonder-Steuer.

Doch der erbitterte Klassenkampf zwischen der Tech-Elite und den alteingesessenen Bürgern spitzt sich weiter zu. Nachzulesen etwa in Artikeln, Fotos und Kommentaren auf der Facebook-Seite "VanishingSF" über das "Verschwinden" von San Francisco als Folge der "Supergentrifizierung".
...

 (APA, 26.5.2019)


Aus: "Milliardäre und Armut: Das große Tech-Beben spaltet San Francisco" APA (26. Mai 2019)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000103826572/milliardaere-und-armut-das-grosse-tech-beben-spaltet-san-francisco

Quote
datenPunk

Die 5K für 80m2 in bester Lage halte ich für einen Übertragungsfehler
Kenne Leute die dort für ein kleines WG Zimmer 3K bezahlen.


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valtheUW

ist schon etwas älter, aber América von t.c. boyle schildert diesen starken gegensatz ziemlich glaubwürdig.


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Chupacabra11

Eine Schande für eine der reichsten Regionen der Welt. Habe es 2011 und 2016 dort wahrnehmen müssen, dass es schlimmer wurde, wie auch im klimatisch angenehmeren LA. Man sagt, das sei das Erbe von Reagans Politik. Die Initiativen, die Housing First vorantreiben, sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Und es kann jedem widerfahren. Nachts zu Fuß Nähe Market Street/6th/Unionsquare oder in Downtown LA 6th street hinter der Mainstreet und es wird bedrückend und albtraumhaft. Zum California Dreaming hat sich ein Californian Nightmare gesellt.


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« Reply #922 on: May 29, 2019, 10:51:52 AM »
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[...] Nach ihrer Scheidung von Amazon-Chef Jeff Bezos will seine Ex-Ehefrau MacKenzie Bezos mindestens die Hälfte ihres Milliardenvermögens spenden. Bezos trat der Initiative „The Giving Pledge“ bei, wie die Organisation am Dienstag mitteilte. Die Unterzeichner verpflichten sich, zu ihren Lebzeiten oder in ihrem Testament mindestens die Hälfte ihres Vermögens gemeinnützigen Zwecken zukommen zu lassen. In einem Schreiben von MacKenzie Bezos hieß es, sie habe „eine unverhältnismäßig große Geldsumme“, die sie teilen könne. Sie werde ihren „bedächtigen Ansatz zur Philantropie“ weiterverfolgen, „bis der Safe leer ist“

Jeff (55) und MacKenzie Bezos (49) hatten im Januar angekündigt, sich nach 25 Ehejahren scheiden zu lassen. Im April einigten sie sich auf die Aufteilung ihres gemeinsamen Vermögens. Im weltweiten Milliardärs-Ranking Bloomberg Billionaires Index wird MacKenzie Bezos mit einem geschätzten Vermögen von 36,6 Milliarden Dollar (32,7 Milliarden Euro) auf Platz 22 geführt. Globaler Spitzenreiter ist weiterhin Jeff Bezos mit geschätzten 114 Milliarden Dollar.

„The Giving Pledge“ teilte am Dienstag weiter mit, neben MacKenzie Bezos seien seit dem vergangenen Jahr weitere 18 Philantropen der Initiative beigetreten. Damit sei die Zahl der Unterzeichner, die aus 23 Ländern stammten, inzwischen auf 204 angewachsen.

MacKenzie Bezos hatte im April mitgeteilt, sie sei „glücklich“ damit, Jeff Bezos 75 Prozent der Amazon-Aktien zu überlassen und zusätzlich die Stimmrechte ihrer Papiere an ihn abzutreten. Auch die Beteiligungen an der „Washington Post“ und der Raumfahrtfirma Blue Origin gingen demnach an Jeff Bezos.


Aus: "Nach Milliarden-Scheidung: Ex-Frau von Amazon-Chef will Hälfte ihres Vermögens spenden" (28.05.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/nach-milliarden-scheidung-ex-frau-von-amazon-chef-will-haelfte-ihres-vermoegens-spenden/24392228.html

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« Reply #923 on: June 01, 2019, 02:58:58 PM »
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[...] In Deutschland leben immer noch fast zwei Millionen Kinder in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit anlässlich des internationalen Kindertags. Demnach liegt die Zahl der von Hartz-IV-Leistungen lebenden unter 18-jährigen Kindern bei etwa 1,95 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von 3,7 Prozent im Vergleich zu Ende 2017. Damals gab es noch 2,037 Millionen Kinder und Jugendliche, die auf die Grundsicherung angewiesen waren – das sind fast 15 Prozent aller Minderjährigen in der Bundesrepublik.

Besonders häufig sind noch immer Familien von Armut betroffen, in denen es nur einen Elternteil gibt. Ende 2018 erhielten 886.823 Kinder von Alleinerziehenden Sozialhilfe. Auch zwischen Ost- und Westdeutschland zeigt sich nach wie vor ein Unterschied: Während 13,5 Prozent der Minderjährigen im Westen Sozialleistungen erhalten, sind es 18,4 Prozent im Osten.

Generell sind die regionalen Unterschiede groß: Während die Quote der Kinder, die Hartz IV bekommen, in Sachsen auf dem durchschnittlichen Niveau von Westdeutschland liegt, ist in Bremen (32,1 Prozent) und Berlin (28,5) jedes dritte Kind arm. In Schleswig-Holstein benötigten 15,7 Prozent der Kinder unter 18 Sozialleistungen, in Niedersachsen 15 Prozent, in Nordrhein-Westfalen 19 Prozent und in Sachsen-Anhalt 20,3 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern habe der Wert bei 17,4 Prozent gelegen, in Brandenburg bei 13,7 Prozent, heißt es in dem Bericht.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Sabine Zimmermann, kritisierte, es sei für eines der reichsten Länder beschämend, "dass so viele Kinder von finanziellen Problemen betroffen sind". Statt unbeschwert aufwachsen zu können, lernten diese Kinder Entbehrungen kennen.

Zimmermann forderte von der Bundesregierung Maßnahmen gegen Kinderarmut. "Die Leistungen für Kinder müssen erhöht und eine eigenständige Kindergrundsicherung eingeführt werden." Die Bundestagsabgeordnete sprach sich außerdem für mehr Lohngerechtigkeit aus. Bei Kinderarmut gehe es um die Armut der Eltern: "Wir brauchen Löhne, von denen man leben und seine Familie ernähren kann."

Es gibt keine einheitlichen Berechnungen zu Kinderarmut in Deutschland. Der Deutsche Kinderschutzbund geht aber davon aus, dass schätzungsweise 4,4 Millionen Kinder in Armut leben. Als Maßnahme gegen Kinderarmut hatten die Bundesregierung unter Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und Arbeitsminister Hubertus Heil (ebenfalls SPD) im Januar das sogenannte Starke-Familien-Gesetz verabschiedet. Von der Neuregelung sollen vor allem Alleinerziehende und Geringverdiener mit Kindern profitieren. Kritiker wie der Kinderschutzbund hatten die Änderungen allerdings als unzureichend kritisiert.


Aus: "Fast zwei Millionen Kinder sind auf Hartz IV angewiesen" (1. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-06/bundesagentur-fuer-arbeit-hartz-iv-leistungen-kinder-anzahl

Quote
Lemartes #12.1

Wobei man sagen muss, das es der Niedriglohnsektor ist, der Deutschland konkurrenzfahig hält....


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Deserteur 2.0 #1

So traurig es ist, aber manche deutsche sind mit der Situation absolut einverstanden, anders ist es nicht zu erklären das sie immer eine solche Politik wählen.


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« Reply #924 on: June 03, 2019, 09:45:09 AM »
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[...] Wem gehören die Häuser, in denen wir leben? Das wollten die Redaktionen von Tagesspiegel und dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv gemeinsam mit den Berliner Bürgerinnen und Bürgern herausfinden. Auf Diskussionsveranstaltungen luden wir Leser, Politiker, Vertreter der Immobilienbranche und Experten ein, die Wohnungskrise der Hauptstadt zu diskutieren.

Seit Januar werten Journalisten in beiden Redaktionen Tausende Einsendungen von Lesern sowie Hintergrundgespräche, Akten, anonyme Hinweise und Datenbanken aus. Dabei ging es nicht darum, Informationen zu einzelnen privaten Hauseigentümern zusammenzustellen. Es ging stattdessen darum, Probleme aufzudecken, Strukturen aufzuzeigen und Missstände auf dem Berliner Wohnungsmarkt öffentlich zu machen. Schon während der Recherche wurden Dutzende Geschichten und Experteninterviews veröffentlicht.

Teil I der Gesamtauswertung beschäftigte sich dann im Februar 2019 mit möblierten Wohnungen. Dabei kam ans Licht, wie mit einem neuen Modell die Mietpreisbremse umgehbar wird. Teil II beschäftigt sich nun dem bislang verborgenen Firmengeflecht der Pears-Familie. In den nächsten Wochen werden weitere Teile der Endauswertung veröffentlicht.

Correctiv ist gemeinnützig und finanziert sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen. ...


... Die Recherchen von Tagesspiegel und Correctiv zeigen nun, dass dahinter System steckt. Tatsächlich gehören viele der Luxemburger Eigentümer allem Anschein nach zum selben Immobilientrust, der ein Netz aus Briefkastenfirmen über Luxemburg, Zypern und die britischen Jungferninseln gespannt hat. Der Trust ist unter anderem der alleinige Anteilseigner von Telereal Trillium, der größten Immobiliengesellschaft Großbritanniens im Wert von sechs Milliarden Pfund.

An der Spitze steht die britische Milliardärsfamilie Pears. Allein in Berlin besitzt das Pears-Imperium anscheinend weit mehr als 3000 Wohnungen und gehört damit zu den Großeigentümern der Stadt. Nur wusste das bisher niemand. Da der Senat die Verbindungen zwischen den Properties-Firmen nicht kennt, sieht er statt eines großen Konglomerats nur viele Dutzend einzelne Firmen.

Für die britischen Milliardäre hat die Anonymität Vorteile. Für die Stadt ist sie ein Problem. Wie die Recherchen zeigen, zahlt die Pears-Gruppe auf ihre Mieteinnahmen aus Berlin keine nennenswerten Steuern. Da die wahren Eigentumsverhältnisse verschleiert werden, kann die Gruppe bei Problemen weder von der Stadt noch den Mietern zur Verantwortung gezogen werden.

Die Hinweise von Berliner Mieterinnen und Mietern lassen von Anfang an darauf schließen, dass die Immobilienfirmen mehr verbindet als die immer gleiche Namensendung „Properties“: Alle sind in Luxemburg an derselben Adresse registriert. Insgesamt muss der Briefkasten dort die Post von 76 Firmen aus aller Welt fassen. Auch die Geschäftsführer sind immer dieselben. Wie viele Wohnungen diese Firmen in Berlin gekauft haben, weiß zu diesem Zeitpunkt kaum jemand.

Die Spur der wahren Eigentümern führt um die halbe Welt: von verstaubten Berliner Archiven bis auf tropische Inseln, die als Steueroasen gelten. Puzzlestücke über die Eigentumsverhältnisse in der Hauptstadt finden sich in rund tausend Akten der acht Berliner Grundbuchbezirke. Journalisten können dort Einsicht beantragen, wenn sie ein Interesse begründen können.

Auf Anfrage zu mehr als 25 Firmen, die mutmaßlich zum Pears-Imperium gehören, legen die Mitarbeiter in den Grundbuchämtern ganze Batzen Papier zur Durchsicht auf den Tisch. Einige Adressen liefern die Grundbuchämter auf Anfrage, viele andere müssen jedoch mühsam aus Kaufverträgen mit tausenden von Seiten herausgesucht werden. Denn das Archiv der Grundbuchämter ist veraltet, unübersichtlich, enthält teils Tippfehler.

Tatsächlich finden sich mehr als 110 Grundbuchakten mit mindestens 3000 Wohnungen in Berlin, die zum selben Muster passen. Die tatsächliche Zahl der Wohnungen könnte sogar noch viel höher liegen. Da auch Gewerbeflächen Teil eines Hauses sein können, wurden zweifelhafte Fälle aussortiert. Auf einer alten Version der Webseite von Pearsglobal.com, die über das Internet Archiv “Waybackmachine” noch einsehbar ist, macht das Unternehmen sogar die Angabe, es habe in Deutschland, vornehmlich in Berlin, insgesamt 6200 Wohnungen im Besitz.

So zum Beispiel in der Blücherstraße in Kreuzberg. Eine Immobilie der „Ebony Properties“. In Prenzlauer Berg besitzen die Firmen Mica und Indira viel, in Moabit die Firma Juventus. Die Mietshäuser liegen in guten bis besten Wohnlagen Berlins, gerade in solchen, die mit Gentrifizierung zu kämpfen haben, manche in Milieuschutzgebieten.

Schon länger gab es Gerüchte, dass sich hinter all den unterschiedlichen Firmen eigentlich nur ein Eigentümer versteckt. So kämpft derzeit in Neukölln die Kneipe „Syndikat“, die seit 33 Jahren Teil vom Kiez ist, gegen eine Räumungsklage in der Weisestraße. Der Hausbesitzer: die „Firman Properties S.à r.l.“. Dahinter vermuteten die Mieter bereits die Pears-Gruppe. Endgültig beweisen konnten sie es nicht. Aber sie trugen Indizien zusammen, darunter eine Liste mit etlichen Firmen, die alle zu dem selben Luxemburger Briefkasten führen.

Auf Anfragen zu seinem Bestand reagierte die Pears-Gruppe nicht. Der Konzern unterhält unter dem Namen „Pears Global Real Estate“ ein kleines Büro am Kurfürstendamm. Die Mitarbeiter dort geben keine Auskünfte. Eine Webseite existiert nicht mehr, Anfragen werden ignoriert. Am Telefon meldet sich ein Mitarbeiter, der sich erst mit seinen Kollegen abstimmen will. Später behauptet er, neu in der Firma zu sein und nicht weiterhelfen zu können. Die Bitte, den Hörer einem erfahrenen Kollegen zu übergeben, blockt er ab: Er sei alleine im Büro. Dann wird die Leitung unterbrochen. Auch persönliche Besuche bringen kein Ergebnis. Beim nächsten Telefonat heißt es am Ende nur noch „dazu kann ich Ihnen nichts sagen“.

Kontaktaufnahmen zu den luxemburgischen Geschäftsführern bleiben ebenfalls erfolglos. Zwar meldet sich ein Mann, doch einen Namen will er nicht verraten. Wer am Telefon sei? „Die andere Seite“, heißt es nebulös aus Luxemburg, die Geschäftsführung sei nicht im Haus. Dann ist auch dieses Gespräch vorbei.

Die Recherche aber zeigt: Hinter den Briefkasten-Firmen stehen sechs Luxemburger Firmen. Die wiederum gehören wohl zwei zypriotischen Firmen: Knapwed Limited und Cornway Limited. Aus den Grundbucheinträgen ist das nicht ersichtlich, denn dort taucht immer nur der unmittelbare Eigentümer auf.

Das Luxemburger Handelsregister und die internationale Firmendatenbank Orbis weisen aber darauf hin, dass die in Berlin aktiven Luxemburger Firmen ihre Muttergesellschaften auf Zypern haben. An diesen zypriotischen Muttergesellschaften wiederum halten jeweils zwei Firmen auf den britischen Jungferninseln Anteile: Junifler Limited und Karayan Limited. Doch hier verliert sich die Spur. Denn die kleine Inselgruppe vor Puerto Rico ist nicht nur bekannt für ihre niedrigen Steuersätze, die Jungferninseln verschleiern auch, wem die dort registrierten Firmen gehören. Selbst deutsche Steuerfahnder kommen hier fast nie weiter.

Erst eine seltsame Börsennotiz, die auf der Publikationsplattform Yumpu auffindbar ist, liefert schließlich einen Hinweis für eine der beiden Firmen, nämlich Junifler Limited. In einem dort veröffentlichten Bericht mit dem Logo der Deutschen Bank von 2005 an die irische Börse finden sich Vermerke über Kredite, die Junifler Limited anscheinend über ein Konto bei der Deutschen Bank gewährt hat. Laut diesem Dokument sei der Besitzer von Junifler Limited „Bernard Pears 1967 Settlement“, und die wiederum ist Teil des Pears Trusts.

Ein weiteres Indiz: Ein Dokument aus den Panama Papers, dass das „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICIJ) und „Süddeutsche“ Correctiv auf Anfrage zur Verfügung gestellt haben, bestätigt, dass die Pears-Gruppe dahintersteht. In einem Gesprächsmemo ist unter der Überschrift „The B Pears 1967 Settlement“ festgehalten, wie über die „Restrukturierung der Offshore Gruppe“ verhandelt wurde. Dort tauchen auch die Namen der drei Pears-Brüder auf.

Das dänische Handelsregister liefert letztlich einen Beleg. Daraus ergibt sich der Nachweis, dass die Firmen, die zu Junifler gehören, am Ende zu Pears gehören. Als wirtschaftlich Berechtigte stehen dort Trevor Steven Pears, Mark Andrew Pears und David Alan Pears. Im Gegensatz zum deutschen Handelsregister muss dort stets der finale Eigentümer einer Firma eingetragen sein – unabhängig davon, wie viele Zwischenfirmen existieren.

Für die zweite Firma, Karayan Limited, ist die Suche komplizierter. Sie besitzt anscheinend über Ecken die Luxemburger-Firmen, die in Berlin aktiv sind, aber die Kette zur Pears-Gruppe lässt sich nicht lückenlos schließen. Allerdings deuten alle Indizien darauf hin. Die Firmen lassen sich in Deutschland von der Pears Global Real Estate GmbH am Kurfürstendamm vertreten.

Drüber hinaus werden alle in Berlin aktiven ProFirmen unter anderem von Geschäftsführerin Katarzyna Ciesielska geleitet. Diese ist außerdem in Dänemark für die Pears Global Real Estate Denmark tätig. Anders als in Deutschland zeigt hier die Pears-Familie Gesicht: Die letztendlichen Eigentümer der Firma sind laut dänischem Handelsregister die drei Pears-Söhne. So lässt sich die Verbindung von Berlin über Luxemburg, Zypern und die Karibikinseln bis nach Großbritannien rekonstruieren.

Kurz gesagt: Hinter all den Luxemburger Eigentümern, die den Mietern bekannt sind, stehen zwei Firmen auf den Jungferninsel, von denen eine klar dem Pears-Unternehmen zuzuordnen ist und die zweite in engem Zusammenhang mit der Pears-Gruppe steht. Auf Anfrage hat das Unternehmen nicht reagiert.

Warum der ganze Aufwand? Warum spannt man ein so kompliziertes Firmengeflecht?

Christoph Trautvetter, Experte der Berliner Initiative „Netzwerk Steuergerechtigkeit“ hat eine Studie über die größten Wohnungseigentümer in Berlin erstellt, die Correctiv und dem Tagesspiegel vorab vorliegt. Er sagt: „Solche Konstrukte haben oft den Grund, Steuern zu vermeiden“.

Mehrere Notare haben das dem Tagesspiegel und Correctiv bestätigt. Der Rechtsanwalt und Notar Thomas Miller von der Großkanzlei Heussen nennt das zugrunde liegende Prinzip banal.

Er erklärt das Vorgehen so: Ein Miethaus in Berlin gehört einer Objektgesellschaft mit Sitz in Berlin. Gewinne fallen aber hier nicht an. Denn die Berliner Firma hat auf dem Papier einen Kredit von der anderen Firma und muss so hohe Zinsforderungen an die Muttergesellschaft auf Zypern bezahlen, dass trotz der vielen Mieteinnahmen keine Gewinne übrigbleiben, die versteuert werden müssten. Oder die Grundstückseigentümerin ist eine Gesellschaft mit Sitz im Ausland und versteuert ihre Erträge dort.

Das Prinzip ist aus anderen Branchen bekannt. Der Apple-Konzern bezahlt trotz gewaltiger Einnahmen aus dem Verkauf von iPhones, iPads und anderer Produkte hierzulande so gut wie keine Steuern. Weil Apple Deutschland „Lizenzgebühren“ an ihren Konzern-Mutter mit Sitz in Irland bezahlen muss.

Tatsächlich findet sich in den Geschäftsberichten einer der Firmen, die der Pears-Gruppe zugeordnet werden kann, Anhaltspunkte, dass sie die in Berlin fälligen Steuern minimiert. So verbuchte die Firman Properties, die das Haus der Bar „Syndikat“ in der Weisestraße hält, in ihrem luxemburgischen Jahresabschluss für 2017 Einnahmen von knapp 1,2 Millionen Euro, aber nur Steuern von 535 Euro.

Der Grund: Firman Properties schreibt offiziell rote Zahlen, erklärt Steuerexperte Christoph Trautvetter. Denn sie muss hohe Zinsen für Kredite zahlen – allerdings an einer Mutterfirma, die ebenfalls zur Pears-Gruppe gehört.

Das Vorgehen ist völlig legal und ein beliebter Trick, um Gewinne aus Ländern mit hohem Steuersatz in Länder mit niedrigem Steuersatz zu verschieben. Die Pears-Gruppe reduziere so anscheinend die Steuern für ihre Berliner Investments, sagt Trautvetter. Die Geschäftsberichte 2017 von 24 Luxemburger Firmen, die in Berlin Wohnungen halten, weisen viele Verluste und wenig Steuern aus. Insgesamt wird für das gesamte Jahr 2017 nur 180.000 Euro Steuern angegeben.

Christoph Trautvetter hat errechnet, wie hoch der Gesamtumsatz der Luxemburger Firmen insgesamt sein könnte. Er kommt auf 49 Millionen Euro.

Die Gewinnverschiebung sei bisher ein Leichtes für Unternehmen, sagt Trautvetter. Eine effektive Unternehmensbesteuerung bestehe trotz einiger Reformbemühungen immer noch nicht.

Die Intransparenz der Immobilien-Großbesitzer hält Trautvetter für ein großes Problem. „Sie höhlt das Grundgesetz aus, nach dem Eigentum verpflichtet.“ In der Anonymität könne ein Eigentümer nur schwer zu etwas verpflichtet werden. Damit sich ein solches Firmenkonstrukt wie bei der Pears-Gruppe lohne, sei laut Notar Miller eine „kritische Größe“ Voraussetzung.

Die Notare und Berater, die nötig sind, um solche Konstrukte aufzusetzen, sind teuer. Außerdem bedeute es erheblichen Aufwand, Bilanzen und Steuererklärungen nach den unterschiedlichen nationalen Steuerregeln zu erstellen. Wer seinen Firmensitz auf den Jungferninseln hat, muss außerdem eine Verwaltungsfirma vor Ort bezahlen.

Zypern, Luxemburg und die Jungferninseln haben dabei für Firmen je unterschiedliche Vorteile. So ist beispielsweise die Amtssprache auf den Jungferninseln Englisch. Das kommt Konzernen aus den USA und Großbritannien entgegen. Zypern profitiere wiederum neben den niedrigen Körperschaftssteuern von seiner Lage im Herzen des Mittelmeers - und der Nähe zu Russland. Und Luxemburg ist für Immobiliengeschäfte mit das wichtigste Land, weil da die großen Kapitalgesellschaften ansässig sind.

Obwohl die Steuersparmodelle grundsätzlich legal sind, müssen die Firmen einiges beachten. Zum Beispiel, wenn die Finanzbehörden ein Umgehungsgeschäft feststellen, weil die Geschäftsführung der ausländischen Holding im Inland sitzt. Dann werden nicht nur die in der Vergangenheit gesparten Steuern zur Zahlung fällig, sondern es stellt sich auch die Frage, ob strafbares Handeln vorliegt. Bei der Pears-Gruppe gibt es dafür bisher keine Anzeichen.

Der Berliner Notar Uwe Fischer sieht das Problem ohnehin nicht in der tatsächlichen Steuerhinterziehung, „sondern der Kern des Problems ist die Steuervermeidung, die leicht zu organisieren ist. Das diese Möglichkeit weiter bestehe, sei eine „völlige Fehlentwicklung“ der Steuerpolitik. „Besser wäre, wir besteuern Mieteinnahmen pauschal an der Quelle.“

Der Berliner Senat reagiert überrascht auf die Recherchen. Bezüglich der Pears-Gruppe hätten bisher „keine hinreichenden Informationen über den aktuellen Bestand in Berlin“ vorgelegen, hieß es bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Wie viele Steuern dem Land Berlin entgehen durch Firmennetzwerke, die Einnahmen in der Stadt kleinrechnen, konnte die Senatsverwaltung für Finanzen nicht beantworten.

Berlins Senator für Finanzen, Matthias Kollatz (SPD), will aber in Berlin ansässige Unternehmen besser vor Steuervermeidung der Konkurrenz schützen und dem Land Steuereinnahmen sichern. Dafür sei aber eine nationale und internationale Anstrengung nötig, sagt Kollatz dem Tagesspiegel und bringt dazu einen neuen Vorschlag ins Gespräch: Eine „Publikationspflicht für Gewinne, Erträge und Umsätze international agierender Firmen in einer Country-by-country-Berichterstattung“.

Dies könne für mehr Transparenz sorgen und „nicht plausible Gewinne durch sogenannte Gestaltungsmaßnahmen“ offenbaren. Auch eine „effektive Mindestbesteuerung“ sei ein wirksames Instrument gegen das Kleinrechnen von Gewinnen. Darin seien sich Deutschland und Frankreich einig. Allerdings habe dieser Vorschlag trotz „mehrerer Anläufe“ nicht durchgesetzt werden können.

... Künftig dürfte die Pears-Gruppe auch in der derzeit heftig geführten Debatte um Enteignungen eine Rolle spielen. Es ist ein Volksbegehren auf dem Weg, das vorsieht, Großvermieter, denen mehr als 3000 Wohnungen gehören, zu enteignen. Die Regierungspartei Die Linke, die auch die Bausenatorin stellt, unterstützt das Vorhaben. Der Berliner Senat hat eine Liste mit zehn Firmen erstellen lassen, die davon betroffen wären. Die Firmen der Pears-Gruppe stehen bisher nicht darauf.

Der Senat schloss auf Anfrage nicht aus, dass neben der Pears-Gruppe auch andere Eigentümer unerkannt größere Wohnungsbestände zusammengekauft haben könnten. Damit steht auch in Frage, ob die bisherigen Kostenberechnungen für etwaige Enteignungen nach oben korrigiert werden müssen. Da die Eigentümer im Falle einer Vergesellschaftung entschädigt werden müssten, schätzt der Senat die Kosten bisher auf bis zu 36 Milliarden Euro.

Ähnlich im Unklaren über den Pears-Konzern waren die Aktivisten der Volksinitiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“: „Nach einem Konflikt mit dem Gewerbemieter Syndikat kamen wir mehreren Firmen auf die Spur“, sagt Sprecher Rouzbeh Taheri. „Aber wir hatten bisher nicht die Kapazitäten, zu recherchieren und zu bestätigen, dass alle zu dem Kreis von Pears gehören.“ Taheri glaubt aber nicht, dass die gesetzlichen Grundlagen des Volksentscheids durch die bisher unbekannten Konzerne erschüttert werden könnten.

Über die Familie, die sich offenbar im großen Stil auf dem Berliner Wohnungsmarkt eingekauft hat, ist nur wenig bekannt. Die Mieter haben unterschiedliche Erfahrungen mit den neuen Eigentümern gemacht, die so gern unerkannt geblieben wären. Einige beschweren sich über das Geschäftsgebaren, andere berichten, dass sie über die stabilen Mieten froh seien.

In Großbritannien allerdings geriet Pears bereits in die Schlagzeilen, weil ihre Unterfirma St. Ermin einmal im Gegenzug für modernisierte Badezimmer die Mieten von sozial schwachen Bewohnern in Hackney um 300 Prozent erhöhen wollte.

Öffentlich tritt die Familie kaum in Erscheinung. Einmal 1998 taucht ihr Name in einem Artikel im britischen “Independent” auf, darin wird behauptet, dass die damals 64-jährige Clarice Pears reicher als die Queen sei.

Auf der Website der britischen Milliardärsfamilie heißt es: „Es geht uns nicht nur um das Geld“.

Man helfe, wo man könne. Jedes Jahr unterstütze die britische Milliardärsfamilie Pears wohltätige Zwecke mit bis zu 20 Millionen Pfund: Schulen, medizinische Versorgung, Entwicklungshilfe in Afrika. Dafür soll der Name Pears bekannt sein.

In einem Werbevideo für das Engagement der Pears-Familie sagt Trevor Pears, einer der Söhne: „It’s hard to do good“ – es ist schwer, Gutes zu tun.


Aus: "Das verdeckte Imperium" (Veröffentlicht am 31. Mai 2019)
Andreas Baum (Factchecking und Recherche), Justus von Daniels (Recherche und Koordination), Hendrik Lehmann (Rechereche und Koordination), David Meidinger
(Datenanalyse und Webentwicklung), Michael Gegg (Factchecking und Datenbereinigung), Sidney Gennies (Text und Produktion), Michel Penke (Recherche und Datenanalyse), Ralf Schönball (Text und Recherche),
Quelle: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/das-verdeckte-imperium/

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« Reply #925 on: June 03, 2019, 10:43:23 AM »
Quote
[...] Tyron Frampton ... spricht darauf über Dinge, die er bestens kennt. Über das trostlose Aufwachsen in den East Midlands als eines von fünf Kindern einer viel zu jungen Alleinerzieherin. Über die Drogen, die Kriminalität, den Rassismus, über die diversen Krisen, die Großbritannien beuteln, und den bevorstehenden Brexit. Über eine vergessene Arbeiterklasse irgendwo im Nirgendwo ohne Hoffnung. Dazu schlüpft Slowthai in unterschiedliche Erzählerrollen, verknüpft das eigene Erleben mit anderen, realen und fiktiven (Lebens-)Geschichten. ... Das Mittel für Framptons pointierte Milieustudien ist Rap, die Attitüde Punk in Reinform. Seine Einflüsse könnten unterschiedlicher nicht sein, britisch sind sie jedoch alle.

...


Aus: ""Nothing Great About Britain": Mit Rap in den Klassenkampf" Amira Ben Saoud (3.6.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000104218745/Nothing-Great-About-Britain-Mit-Rap-in-den-Klassenkampf

Quote
soki3456

mit Musik wurde schon so oft Revolte probiert. ich bin da leider desillusioniert - aber gut dass es noch Chronisten des Elends gibt.


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« Reply #926 on: June 03, 2019, 02:25:01 PM »
Quote
[...] Die Grenzen zwischen Menschenhandel, Zuhälterei, Nötigung und Armut sind fließend. Wenn der Cousin danebensteht und aufpasst, dass die Frau Geld verdient, hat das nichts von Freiwilligkeit, aber Menschenhandel ist es auch nicht direkt. Den Frauen selbst bleibt fast nichts von dem Geld, das sie verdienen. Es gibt ein parasitäres Umfeld, das das schwer verdiente Geld den Frauen aus der Tasche zieht. Und wenn ihnen doch etwas übrig bleibt, tragen sie es zur Bank hier an der Ecke und überweisen es nach Hause.

...


Aus: "Prostitution an der Kurfürstenstraße: „Den Frauen bleibt fast nichts von dem Geld“" Helena Piontek (03.06.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/prostitution-an-der-kurfuerstenstrasse-den-frauen-bleibt-fast-nichts-von-dem-geld/24412676.html

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« Reply #927 on: June 05, 2019, 05:01:47 PM »
Quote
[...] Colin Crouch (* 1944 in London-Isleworth) ist ein britischer Politikwissenschaftler und Soziologe. Mit seiner zeitdiagnostischen Arbeit zur Postdemokratie und dem gleichnamigen Buch wurde er international bekannt. ... 2004 veröffentlichte Crouch das Werk Post-Democracy, 2008 auf Deutsch unter dem Titel Postdemokratie. Unter einem idealtypischen postdemokratischen politischen System versteht er „ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden. Es sind Wahlen, die sogar dazu führen können, daß Regierungen ihren Abschied nehmen müssen, in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, daß sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben. Die Mehrheit der Bürger spielt dabei eine passive, schweigende, ja sogar apathische Rolle, sie reagieren nur auf die Signale, die man ihnen gibt. Im Schatten dieser politischen Inszenierung wird die reale Politik hinter verschlossenen Türen gemacht: von gewählten Regierungen und Eliten, die vor allem die Interessen der Wirtschaft vertreten.“ Zur Beruhigung der Massen werde eine Scheindemokratie als Showveranstaltung inszeniert. Crouch warf im Jahr 2008 der Politik des Neoliberalismus vor: „Je mehr sich der Staat aus der Fürsorge für das Leben der normalen Menschen zurückzieht und zuläßt, daß diese in politische Apathie versinken, desto leichter können Wirtschaftsverbände ihn – mehr oder minder unbemerkt – zu einem Selbstbedienungsladen machen. In der Unfähigkeit, dies zu erkennen, liegt die fundamentale Naivität des neoliberalen Denkens.“

...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Colin_Crouch (5. Juni 2019)

Quote
[...] Mit viel Geld lässt sich leicht Politik machen, die Zivilgesellschaft bleibt außen vor. In den USA ist das Problem allgegenwärtig, breitet sich aber auch in Europa aus.

Immer mehr Menschen stellen die Annahme infrage, Kapitalismus und Demokratie seien beste Freunde. Für diese berechtigte Skepsis gibt es zwei Hauptgründe: Erstens ist der moderne Kapitalismus ein globales Phänomen, während die Demokratie vor allem auf nationaler und lokaler Ebene stattfindet. Zweitens wird der moderne Kapitalismus von der Finanzwelt gelenkt, was zu einer wachsenden Ungleichheit führt. Größere Ungleichheit wiederum gefährdet die Demokratie.

Es steht also außer Frage, dass die Globalisierung für die Demokratie ein Problem darstellt. Die Weltwirtschaft wird entweder gar nicht oder von internationalen Organisationen reguliert, die gegenüber den Organen der Demokratie nur bedingt rechenschaftspflichtig sind. Außerdem können transnationale Firmen die Autorität der nationalen Demokratie allein schon dadurch untergraben, dass sie nur in Länder investieren, deren Wirtschaftspolitik ihnen gefällt. Das manifestiert sich am deutlichsten in den weltweit sinkenden Einnahmen aus Unternehmenssteuern, da die Staaten sich gegenseitig darin übertreffen wollen, die großzügigsten Steuergesetze zu bieten. Die Folge: Die Steuerlast wird auf den einzelnen Bürger abgewälzt und für staatliche Leistungen stehen weniger Ressourcen zur Verfügung.

Die Staaten könnten dieser Entwicklung natürlich entgegenwirken, indem sie sich der Herausforderung gemeinsam stellen. Meist ist die Versuchung jedoch zu groß, das Land mit den großzügigsten Bedingungen für internationale Konzerne zu werden. Die Europäische Union ist hier zumindest teilweise eine Ausnahme. Ihr Parlament ist das weltweit einzige Beispiel für eine transnationale Demokratie. Doch sein Einfluss ist schwach.

Die europäische Demokratie sieht sich zwei feindlichen Kräften gegenüber: der Beeinflussung der Europäischen Kommission und der einzelnen Mitgliedsstaaten durch Konzerne auf einer Ebene, die für das Parlament nicht zugänglich ist, und den Bemühungen xenophober Populisten, die Macht weg von der EU und zurück zu den Nationalstaaten zu bringen. Da die meisten Populisten in der politischen Rechten angesiedelt sind, interessiert es sie nicht, ob die Nationalstaaten gegen die Macht der Konzerne verlieren.

Grundsätzlich spielt sich Demokratie auf zwei Ebenen ab: auf der formellen Ebene der Wahlen und Parlamente und auf der informellen Ebene, auf der die Lobbyisten Druck auf die Zivilgesellschaft ausüben. Auf der ersten Ebene sind wir sehr darauf bedacht, für Gerechtigkeit zu sorgen. Jeder hat eine Stimme, egal, ob arm oder reich.

Für informelle Politik bestehen wenige Einschränkungen, und genau das ist die Grundlage für ihr Gedeihen und für unsere Freiheit. Wir können jederzeit auf vielfältige Weise Druck ausüben, um den Staat davon zu überzeugen, diese oder jene Politik zu verfolgen, solange wir nicht Korruption oder Gewalt einsetzen. Ob wir jedoch diesen Druck überhaupt ausüben können, hängt von den Ressourcen ab, über die wir verfügen. Daher begünstigt informelle Politik die Reichen und verstößt so gegen den Grundsatz der Gleichheit – einem Grundpfeiler der Demokratie.

Diese Disbalance spielt keine große Rolle, wenn die Ungleichheit in einem Land begrenzt ist oder wenn der Einfluss, der in einem Politikbereich ausgeübt wird, nicht ohne Weiteres auf einen anderen übertragen werden kann.

In den ersten drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war das weitgehend der Fall. Seither hat die Ungleichheit jedoch kontinuierlich zugenommen – nicht so sehr in der Mehrheit der Bevölkerung, sondern eher zwischen der kleinen Gruppe der Superreichen und allen anderen. Man muss schon sehr reich sein, um politischen Einfluss ausüben zu können, und diese kleine Gruppe, die vielleicht 0,1 Prozent der Bevölkerung ausmacht, ist genau in dieser Position. Ein solches Ausmaß an Ungleichheit herrscht vor allem in den USA, breitet sich aber derzeit nach Europa aus.

Der wichtigste Motor der Ungleichheit ist die Finanzialisierung der Weltwirtschaft. Was ist damit gemeint? Wer finanzielle Ressourcen besitzt und manipulieren kann, generiert Erträge, die mit keiner anderen Form menschlicher Aktivität jemals erzielt werden können. Wurde der Reichtum erst einmal erworben, kann eine Einzelperson oder ein Konzern einen Teil davon für politische Lobbyarbeit einsetzen und so staatliche Maßnahmen – wie Steuerpolitik, gesetzliche Veränderungen und Staatsaufträge – beeinflussen. Sie ermöglichen es dem Vermögensinhaber, in Zukunft noch mehr zu verdienen. Die zunehmende Ungleichheit und die Schwächung der Demokratie befinden sich so eng umklammert in einer verhängnisvollen Abwärtsspirale.

Doch eine weitere Spirale zeigt in die Gegenrichtung. Der moderne Kapitalismus ist abhängig vom Massenkonsum. Dieser wiederum hängt davon ab, dass die Einkommen der Bevölkerung in der Breite wachsen.

Im Jahr 2014 wurde in einem Arbeitspapier der Industrieländerorganistion OECD zur Beschäftigung und Migration errechnet, dass in den USA die obersten ein Prozent der Einkommensbezieher zwischen 1975 und 2007 (dem Jahr vor der Finanzkrise) fast 50 Prozent des Wachstums des Nationaleinkommens auf sich vereinten. Eine überwiegende Mehrheit der Bevölkerung verzeichnete dagegen stagnierende ober sogar rückläufige Einkommen. Trotzdem wurde weiter konsumiert. Dies war nur mithilfe einer wachsenden Verschuldung möglich, die trotz aller Risiken von einem Finanzsystem gefördert wurde, das durch die Lobbyarbeit der Banken dereguliert worden ist. Schließlich wurde die Belastung durch die hohen Ausfallrisiken zu viel für die Finanzmärkte. Es kam zu der Krise, von der wir uns immer noch nicht vollständig erholt haben.

Es stellt sich nun die Frage: Gibt es für einen vom Massenkonsum abhängigen Kapitalismus, der zunehmend Ungleichheit generiert, keinen anderen Weg, als die Haushalte erneut zu einer nicht tragbaren Schuldenlast zu ermuntern? Zum jetzigen Zeitpunkt scheint die Demokratie nicht imstande, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Klar ist: Der globale Kapitalismus kann nur auf transnationaler Ebene gezügelt werden. Unsere politischen Parteien scheinen jedoch gespalten zwischen denen, die sich den Lobbyisten geschlagen gegeben haben und nicht an Regulierung glauben, und solchen, die sich in die begrenzte Reichweite des Nationalismus zurückziehen wollen.

Der Kapitalismus behindert so den Wirkungsgrad der Demokratie. Dennoch haben die Kapitalisten keinen Grund, mit dieser Regierungsform unzufrieden zu sein. Die Demokratie sichert Rechtsstaatlichkeit und gibt eindeutig vor, mit welchen Verfahren Gesetze geändert werden können und wie für eine vorgeschlagene Veränderung Lobbyarbeit betrieben werden kann. Dies ist für Kapitalisten attraktiv.

Auf der anderen Seite kann eine Demokratie aber auch massenweise Vorschriften zum Schutz von nicht marktbezogenen, nicht unternehmerischen Interessen produzieren. Das bevorzugte Regime der Kapitalisten ist deshalb in Wahrheit das postdemokratische, wenn alle Formen der Demokratie und allen voran der Rechtsstaat weiter fortbestehen, das Elektorat jedoch passiv geworden ist und lediglich auf die sorgfältig betriebenen Wahlkampagnen reagiert.

Aktivismus und eine dynamische Zivilgesellschaft sind dabei nicht erwünscht, da sie dann störende Kontra-Lobbys hervorbringen könnte, die mit dem stillen Wirken der wirtschaftlichen Lobbyisten auf den Fluren der Regierung konkurrieren. Das Wiederaufflammen des Nationalismus stört zwar auch diese friedliche Szenerie, da sie sich jedoch auf die eigene Nation konzentriert, spielt sie auf der globalen Ebene kaum eine Rolle. Sie liegt einfach außerhalb ihres Einflussbereichs.

Bislang sind wir noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem die Dominanz der Konzerne über die Politik vollkommen ist, denn dann wären alle Verbraucherschutz- und Arbeitsgesetze längst abgeschafft. In diese Richtung geht jedoch die Reise – angetrieben durch die zunehmende Ungleichheit und dadurch, dass politische und wirtschaftliche Macht sich gegenseitig stärken. Die Demokratie wird dem Kapitalismus wahrscheinlich auch in Zukunft den bestmöglichen Rahmen bieten. Jedoch gilt dies umgekehrt wohl nicht mehr.

Übersetzt aus dem Englischen von Supertext Deutschland GmbH 


Aus: "Die Superreichen gefährden die Demokratie" Ein Essay von Colin Crouch (5. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-04/kapitalismus-demokratie-ungleichheit-globalisierung/komplettansicht

Quote
Đakovo #2.5 

Ich sehe, dass in großen Teilen der Bevölkerung Gier schwindet und Teilen geil ist. Und ich bin guter Dinge, dass dieser Trend sich fortsetzt.
Es ist durchaus möglich, dass Geld als etwas asoziales betrachtet wird. Noch zeigen Hochglanzmagazine die Reichen und Schönen aber das Bild wandelt sich.
Mich beeindrucken übrigens Glückliche Menschen am meisten.
Und den Trumps dieser Welt sollte man paar Atolle zur Verfügung stellen, wo sie sich aneinander berauschen können.

Quote
Piet Vermailen #2.8

Ganz ohne Geld wird es nicht gehen, siehe Kommunismus.
Aber ich mag deinen Beitrag :)


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Gutsweib #2.7

Marktwirtschaften neigen immer zur Konzentration. Die notwendige Folge, es gibt eine steigende Zahl von Superreichen. Die seit Frau Merkel gültige Staatsdoktrin "marktkonforme Demokratie Staat statt sozialer Marktwirtschaft" fördert diese Entwicklung. Diese Politik wurde von den Medien immer bejubelt. Es soll sich also keiner beschweren.


Quote
jaundnein #2.14

Mit einer solchen Haltung "uns geht's doch noch gut" basierend auf einem angeblichen Trend, den ich aus meinem Umfeld nicht bestätigen kann, stellen Sie den reichen 1 bis 10% doch nur einen Freibrief aus. ...

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Ghandi19 #2.19

"Diese Politik wurde von den Medien immer bejubelt. Es soll sich also keiner beschweren."

Genau so ist es! - Zuerst Merkels Politik unkritisch und stärkend begleiten
und dann über die Trumps, den Brexit und Co. schimpfen,
als wäre das alles nicht die Politik, die sie als Medien "hofierten"....
(ja, auch Trump. Denn er ist 'nur' eine Folge des Versagens der Demokraten in den USA...und das waren und sind ja unsere Freunde.)

Und: Die Klattens, Quandts, Springer und Mohns machen auch hier mit Merkels CDU ihre Politik:
"Mit viel Geld lässt sich leicht Politik machen, die Zivilgesellschaft bleibt außen vor. In den USA ist das Problem allgegenwärtig, breitet sich aber auch in Europa aus. "


Quote
Waldschrat86 #2.47

Sie nennen's Leistungsgesellschaft, andere nicht und selbst wenn das alle täten, ist Leistung ziemlich heterogen. Als Beispiel und damit es auch nicht krumm wird, innerhelb des Segments bleibend: Bezahlter Leistungssport. Da gibt es im Fußball Unsummen, aus anderen Gründen als der erbrachtern Leistung auf dem Platz. Beim Handball, Basketball, Leichtathletik, usw. können die Sportler nur davon träumen, auch dann wenn ihr Sport, genauso viel oder gar mehr Leistung erfordert.

Hier wird auch nicht Reichtum verteufelt, sondern Superreichtum. Es gibt bettelarm. arm, saturiert, wohlhabend, reich, superreich. Ich würde mal schätzen per Leistung schafft man maximal wohlhabend, alles darüber ist nunmal system- bzw. gesellschaftsbedingt, wie eben beim Profifußballer im Gegensatz zum Profihandballer.


Quote
Juanito alimaña #2.48

Im Kommunismus hatte jeder jede Menge Geld,aber die Regale waren leer, das ist der Unterschied.


Quote
Deine Freiheit ist auch die der Anderen #2.49

Das Märchen, der Lokomotiven der Gesellschaft, nur wer reich ist ist Leitungsträger.
Hohle Phrasen zur Selbstermächtigung, bzw. Beweihräucherung


Quote
Stan Laurel #2.51

"...während die Ackermänner, Jains, Winterkorns und wie sie alle heißen für die größten Scheißjobs noch Millionengehälter- und abfindungen in den Arsch geblasen kriegen.
Das ist so selten dämlich, dass es schon lächerlich ist...."

Tatsächlich ist es auch immer wieder erhellend wenn man sich die Mühe macht nachzuhalten, was eigentlich aus Spitzen-Managern geworden ist, die in ihrer Aufgabe offensichtlich gescheitert sind. Man stellt erstaunt fest dass diese auffallend oft an anderer Stelle wieder und erneut in Spitzenpositionen Beschäftigung finden. Soviel zum Prinzip Leistung.
In Wahrheit gilt das Prinzip Kaste.


Quote
Willy Wusel #2.52

"Es gibt keine Gleichheit!"

Ach. Und ich dachte immer vor Gott und dem Gesetz sind alle Menschen gleich.
Und ich füge hinzu: bei politischen Wahlen in einer Demokratie.

...


Willy Wusel #2.53

"Jeff Bezos alleine auf einem Südsee-Atoll hätte nicht reich werden können."

Völlig richtig. Er hat ein Herr von unterbezahlten Paketboten, die hunderttausende von Stunden für ihn schuften.
Man fragt sich, wo der Unterschied zu Ludwig XIV ist. Der hatte die Bauern und das gemeine Volk, die für ihn und seinen Hof geschuftet haben.


Quote
Deine Freiheit ist auch die der Anderen #2.54

.. zum Kenterpunkt der Egoisten, Liberalisten, Marktradikalen. Selbstermächtigung durch Eigendefinition.
Es braucht eine freie Wirtschaft keine Frage, aber keine ungezügelte Regelfreie in der bestimmte Leute sich ermächtigen in Fragen der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik die Deutungshoheit zu haben. Zumal wenn sie wie hier mit einer Selbstgefälligkeit und Absolutheit vorgetragen wird. Wer anderes zu sagen wagt wird abgewertet, diskreditiert der wird als jemand der es nicht versteht dargestellt. ...


Quote
Juanito alimaña #2.55

Tja...das mit Ludwig XIV und seine Umgebung war am Ende eine ziemlich kopflose Angelegenheit.Die französische Revolution war nichts anders als ein Putsch der Bourgeoisie gegen den Adel und die Kirche, aber das ist eine andere Baustelle.


Quote
TollerTyp87 #2.78

[Vilfredo Pareto untersuchte die Verteilung des Grundbesitzes in Italien und fand heraus, dass ca. 20 % der Bevölkerung ca. 80 % des Bodens besitzen. Im Jahr 1989 wurde festgestellt, dass 20 % der Bevölkerung 82,7 % des Weltvermögens besitzen. ... Daraus leitet sich das Paretoprinzip ab. Es besagt, dass sich viele Aufgaben mit einem Mitteleinsatz von ca. 20 % erledigen lassen, so dass 80 % aller Probleme gelöst werden. Es wird häufig kritiklos für eine Vielzahl von Problemen eingesetzt, ohne dass die Anwendbarkeit im Einzelfall belegt wird. ... https://de.wikipedia.org/wiki/Paretoprinzip (24. Mai 2019)]

... das Pareto-Prinzip ist keine systemunabhängige Grundkonstante, sondern beschreibt lediglich ein statistisches Verteilungs-Phänomän. Es gibt keine empirische Grundlage, die eine solche Verteilung beim Einkommen oder Besitz begründet. Die Verteilung bleibt damit eine systemische Frage.

Wir müssen endlich die Interpretation des Kapitalismus als eine Art unumstößliches Naturgesetz überwinden. Natürlich konzentriert sich in einer Welt des "imperativen Kapitalismus" mit dem Kapital auch Macht, wodurch immer auch Einfluss auf die Politik genommen wird, egal welches politische System vorherrscht. Grafiken über die Entwicklung der Verteilung von Einkommen und Besitz belegen diesen Einfluss. Die Globalisierung und überwiegend neoliberale Politik der vergangenen Jahre sei es durch IWF oder EZB hat diese Situation weiter verschärft und den Sozialstaat ausgehöhlt, der eigentlich als eine große Errungenschaft der Moderne angesehen wurde.

Eine neoliberale Marktwirtschaft ist weder sozial noch ökologisch. Sie ist Ursache der zukünftigen Herausforderungen (Klimawandel, Massenmigration etc.) und damit ungeeignet diese zu überwinden. Der Markt ist in vielen Bereichen eben nicht perfekt und muss daher reguliert werden. Klar muss auch die Einflussnahme in einem politischen System transparenter werden. Die Anpassung des politischen Systems allein, reicht allerdings nicht aus, um die ungleichen Machtverhältnisse auszugleichen.


Quote
Ghandi19 #3.36

"Die Lösung ist schwierig..."

Nein, es ist ganz einfach.
Der Politik fehlt nur der Wille.

...Beispiel:
Skandinavien


Quote
Josef Fragen #3.43

Einige der Superreichen( Warren Buffett, Bill Gates u.a. ) erkennen ja mittlerweile sogar die Gefahr, die von der enormen Ungleichverteilung des Kapitals, für die westlichen Demokratien ausgeht.
Nur haben diese auch keine Idee. Etwas Wohltätigkeit da und dort ist keine Perspektive.
Damit macht man nur die Unterschicht zu Almosenempfängern.
In diesen Kreisen muss die Einsicht wachsen, dass sie selbst nichts wären, wenn es nicht Millionen andere Menschen gäbe.
Was wären Google, Microsoft, Apple, Amazon, Aramco, Alibaba, Huawei, Samsung etc. wenn es nicht Milliarden von Menschen gäbe?
Also wäre es doch eine gute Idee von all diesen Unternehmen 20% - 30% der Aktien an einen Globalen Bürgerfonds zu übergeben.
Andernfalls könnte es ja passieren, dass man diese irgendwann zerschlagen muss oder ein globaler Boykott das schnelle Ende herbeiführt.


Quote
ikonist #4

1789


Quote
SörenFinnKevinCataleyaChantal #4.1

Lesen Sie mal bei Piketty nach, wie vergeblich diese Revolution im Hinblick auf die Vermögensverteilung war. Im 19.Jhd lebte und starb jeder dritte Einwohner von Paris völlig mittellos. Zwischen den glamourösesten und protzigsten Superreichen des ganzen Kontinents. Und er stellt zurecht (sinngemäß) die Frage, wie sich so viele Menschen ihr ganzes Leben lang so vera*schen lassen konnten.


Quote
ikonist #9

Die Ideologie des Neofeudalismus: Popkultur


Quote
Deserteur 2.0 #12

Ein Artikel der mir aus dem Herzen spricht. Wenn ein System jegliche Balance verliert, wie damals die Monarchie durch den Absolutismus, ist es schneller Geschichte als es ihm lieb sein kann.
Deswegen muss sich unsere Politik unabhängiger machen, was keine leichte Aufgabe ist, wenn dann damit gedroht wird, dass man tausende von Arbeitsplätzen verlegt. ...


Quote
Lurkling #14

Schönes Essay, dann bleibt nur zu hoffen das die junge Generation sich nicht mit gut bezahlten Jobs und vermeintlichem Erfolg abspeisen lässt wie die bisherigen und neben der Umweltkatastrophe die dieses System hervor gebracht hat auch noch das System der indirekten Beeinflussung als solches angeht.


Quote
Furbo #23

Guter Essay. Und recht hat der Verfasser. Wie die Großindustrie die Politik bestimmt, sieht man doch auch sehr gut in Deutschland. Die deutsche Regierung ist in weiten Bereichen nur noch das Sprachrohr irgendwelcher Interessenverbände.


Quote
Die Sieben Todsünden #24

Nick Hanauer (Milliardär) hat das übrigens schon vor fünf Jahren gesagt. Und wer könnte als Kapitalismusanbeter eigentlich einem Milliardär widersprechen, der das Geld nicht mal geerbt hat?

... You probably don’t know me, but like you I am one of those .01%ers, a proud and unapologetic capitalist. ... In fact, there is no example in human history where wealth accumulated like this and the pitchforks didn’t eventually come out. You show me a highly unequal society, and I will show you a police state. Or an uprising. There are no counterexamples.
https://www.politico.com/magazine/story/2014/06/the-pitchforks-are-coming-for-us-plutocrats-108014


Quote
Kaffeeonkel #26

Der Text hätte auch von Kewin Kühnert sein können. Im Augenblick zählt nur noch Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit (was immer man darunter auch verstehen mag). Es gab schon immer (Super)Reiche und wo bitte wurde in den letzten 30 Jahren in welchem Land der EU die Demokratie gefährdet oder gar abgeschafft? Professoren leben unter einer Käseglocke und malen sich immer ihren Idealzustand aus. Die haben einfach zu viel Zeit.


Quote
Aristocats1 #26.1

Ihr Beitrag zeugt von Unwissen. Beispiel Ungarn. Dort wurden nahezu alle kritischen Medien von Freunden Orbans aufgekauft. Praktisch gibt es dort keine freie Presse mehr. Oder was sagen Sie zu den Autokonzernen in Deutschland? Sie haben jahrelang geltende Gesetze gebeugt. Bis heute gibt es für die betrogenen Autokäufer nicht mal Entschädigungen. Von Strafen in Deutschland wegen der Umweltverschmutzung ganz zu schweigen.


Quote
ah-jun #26.2

Vielleicht leben auch Kaffeeonkel in einer Blase?
Im übrigen ist im Artikel genau ausgeführt, dass die Demokratie formal aufrechterhalten wird, aber der "Kern" in einer Salamitatik unauffällig ausgehöhlt wird.
Auch das Streben nach einem "Idealzustand" für die breite Bevölkerung ist nichts verwerfliches. Auch die Superreichen arbeiten - erfolgreich - an einem Idealzustand für ihre Gruppe.


Quote
hobuk #26.4

Während Sie in wahrscheinlich 100 Jahren kein Gehör bei der Regierung finden, geht es für einen "Leistungsträger" oder "Superreichen" bestimmt etwas schneller und auf dem kurzen Dienstweg.
Man kennt und hilft sich.
Insofern befinden wir uns eigentlich schon in einer Kleptokratie.
Oder anders gefragt, wieso werden Gesetze und Maßnahmen deutlich am Wählerwillen vorbei durchgesetzt?
(Afghanistankrieg, Glyphosat, TTIP(Versuch) , Dieselgate usw...)
Nur um ein paar Schlagwörter einzuwerfen.


Quote
Kai Ne-Ahnung #26.3
Die letzten 30 Jahre haben uns dahin gebracht, wo wir in den westlichen, neo"liberalen, kapitalistischen Systemen heute gelandet sind. Es geht um den Stand heute, und der ist:
Die Superreichen gefährden die Demokratie


Quote
alice_42 #28

>> Der Kapitalismus behindert so den Wirkungsgrad der Demokratie. <<

Er zerstört sie, wenn er nicht eingehegt und reguliert wird, unweigerlich. Denn eine Demokratie, in der einige wenige finanzstarke Interessenvertreter die Richtlinien bestimmen, ist bekanntlich gar keine Demokratie mehr, sondern eine Oligarchie.

Wir sind da auf einem guten Weg :-|


Quote
Aristocats1 #28.1

Das ist traurig aber wahr. Wir sind auf dem direkten Weg zurück in den Feudalismus. Auch heute gibt es wieder zahlreiche Privilegien für die Reichen, die Dank des Geldes dann auch vererbt werden. Es sei hier nur an die große Bankenrettung gedacht, die letzendlich nichts anderes war als eine große Reichenrettung. Die Kosten dafür wurden auf die Allgemeinheit abgewälzt. Länder wie Deutschland konnten das auf Kosten einer verrotteten Infrastruktur noch so wuppen. In den ärmeren Ländern (Spanien, Griechenland, Italien) hat die Bevölkerung diese Rettungsaktion mit massiver Verarmung bezahlt.


Quote
Anthon Hofreiter II #32

Es ist leider genau andersherum, wie man sehr schön am Beispiel Berlins sehen kann.
Sobald mehr Menschen von Transferleistungen leben, also in Berlin Politiker + Lobyisten + Hartzer, funktioniert Demokratie nicht mehr.
Dann wird, zu Lasten der Produktiven, welche diese Gruppe durchfüttern muss Politik gemacht, weil die Nehmer schlicht in der Mehrheit sind.


Quote
Bitte freundlich bleiben #32.1

Der Reiche lebt auch von den Transfairleistungen der Produktiven. ;-)


Quote
Anthon Hofreiter II #32.2

Jepp, völlige Zustimmung. ...


Quote
Super-Migrant #35

Die Regierung der Superarmen - mit all ihren Supereigenschaften - macht dann alles besser, oder?
Wie wäre es wenn der Staat sich nicht ständig einmischen würde? Dazu gehört es auch, dass er sich nicht von „Reichen“ bestechen lässt. Es ist doch klar, wenn der Staat sich als allmächtiger Etatismus aufführt, der meint alles bestimmen zu dürfen, dann kauft man sich diesen auch einfach.
Weniger Etatismus, mehr Freiheit, weniger Pöbel!

Quote
ah-jun #35.1
"Es ist doch klar, wenn der Staat sich als allmächtiger Etatismus aufführt, der meint alles bestimmen zu dürfen, dann kauft man sich diesen auch einfach."

Da ist es doch besser die Superreichen bekommen den Einfluss umsonst!


Quote
Geht_so_oder_auch_nicht #36

Die Bürger haben durch ihr jahrzehntelanges Wahlverhalten die heutigen Verhältnisse herbeigewählt. Natürlich kann man diese Entwicklung zwar kritisieren, aber letztendlich beruhen sie nun einmal auf demokratischen Wahlen. Die Mehrheit will diese Entwicklung so, das hat man als Demokrat zu akzeptieren, auch wenn man persönlich andere Vorstellungen hat.


Quote
ah-jun #36.1

Da haben Sie recht. Wenn es darauf ankommet verbündet sich der Mittelstand mit den Interessen der Reichen und Superreichen gegen die Unterschicht.


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Kai Ne-Ahnung#36.2

Der Wähler will also das die gewählten Parteien/Politiker vor der Wahl ständig A versprechen aber sobald die Pöstchen gesichert sind, das B der Industrie, der Wirtschaft und der Vermögenden bedienen? Natürlich nur mit "Bauchschmerzen" und so. ...


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ClausM #62

Was sollen die Krokodilstränen? - Genau das war doch das allzu offensichtliche Ziel von Politik und Medien in den letzten Jahrzehnten.
Jeder Schlag, den man gegen die wirtschaftlich Schwächeren führte, wurde von frenetischem Jubel begleitet.


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GoaSkin #63

Die Supperreichen mögen die Demokratie gefährden, doch die ganz einfachen Leute möchten scheinbar die Demokratie schnell hinter sich bringen - mit Hilfe der Superreichen.
Denn sie sind nicht abgeneigt, Superreiche Leute wie Trump, Berlusconi oder Farage zu wählen, um diese Entwicklung zu beschleunigen.
Paradoxerweise werden solche Leute gerade mit der Argumentation gewählt, dass geglaubt wird, die Eliten hätten sich gegen die einfachen Leute verschworen. In der Konsequenz werden dann Politiker gewählt, die wie niemand sonst für diese Klischees stehen.


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konne #64

Wir leben heute in einer Scheindemokratie, Demokratie existiert nicht mehr. Wir können zwar protesitieren, frei sprechen aber das stört die Superreichen nicht. Solange man die Gehälter senken kann, Sozialleistungen streichen kann ist ihnen alles egal. Mam sieht es deutlich in Griechenland, und Spanien wo die Verarmung immer grösser wird. In Deuitschland ist man etwas diskreter ...


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Rabe374 #65

Ich sehe das ziemlich unproblematisch. Es geht uns allen unterm Strich sehr gut von den Lebensumständen, auch wenn such immer mehr der Sozialneid ob der angeblich so schlimmen eigenen finanziellen Lage einschleicht.

Das Problem scheint eher zu sein, dass immer mehr Leute unzufrieden mit dem eigenen sozialen Status sind. Es kann aber nun mal nicht einfach so jeder reich und schön sein, zumindest nicht ohne entsprechende oft jahrelange Anstrengung und grundlegende Fähigkeiten.

Wenn die Leute lieber mal mit dem zufrieden wären was sie haben, wäre schon viel geholfen. Man könnte jedem Normalbürger 1.000 Euro mehr im Monat an Einkommen schenken - nach ein paar Monaten würde er sich wieder arm und ungerecht behandelt vorkommen.


Quote
Rekitsonga #65.1

>>Man könnte jedem Normalbürger 1.000 Euro mehr im Monat an Einkommen schenken - nach ein paar Monaten würde er sich wieder arm und ungerecht behandelt vorkommen.<<

Nein. Er würde sich freuen, dass er in seiner Wohnung bleiben darf, weil er die überhöhte Miete wieder bezahlen kann.


Quote
Rabe374 #65.2


„Nein. Er würde sich freuen, dass er in seiner Wohnung bleiben darf, weil er die überhöhte Miete wieder bezahlen kann.“

Die armen Mieter. Nur ausgenommen und vor die Tür gesetzt von den pöhsen Immobilien-Haien. Schon klar. Man kann sich das Leben aber auch zurecht heulen.


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Flinders #67

Balsam für die Kommunistenseele. Mehr nicht.


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Mix Mastermond #97

Ich bin der Meinung, dass wir keine Neid-Debatte brauchen! Die reichen Menschen sollen ruhig reich sein. Warum auch nicht?
Hauptsache die armen Menschen leben ihr Leben in Würde!


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chrisbo18 #72

Je mehr ich erfahre und darüber nachdenke, desto mehr bekomme ich das Gefühl, dass diese Entwicklung kein Zufall ist, sondern mehr und mehr gesteuert wird.
Die Reichsten verfügen über Medienhäuser, Rohstoffquellen und Einflüsse in fast alle Unternehmen, die für Staaten oft eine große Abhängigkeit darstellen.
Die Gesellschaften werden ausgesaugt und müssen mehr und mehr leisten, während sich die Vermögen der Reichsten von selbst vervielfachen. Und dem ist kein Ende zu setzen!
Ich bin kein Sozialist oder Kommunist, doch plädiere ich für ein Ende dieser einseitigen Auslegung.
Auch frage ich mich, was man mit so viel Geld eigentlich will? Wie viele Häuser, Autos, Yachten oder was auch immer kann man besitzen oder gar nutzen?
Ok, das ist vielleicht eine naive Frage, doch wer erlaubt es, dass Geld über der Gesellschaft steht?
Der Kapitalismus ist nicht die schlechteste Lösung, doch was daraus gemacht wird, lässt mir graue Haare wachsen!


Quote
djborislav #74

Ich kenne berufsbedingt Superreiche. Sie haben mittlerweile privaten Wachschutz und sind in ständiger Angst, dass ihre Kinder entführt werden.
Auch wird von den Superreichen chronisch die Gefahr einer Revolution unterschätzt, die Gelbwesten haben schonmal einen Vorgeschmack geliefert. Occupy ist zwar eingeschlafen, kann aber jederzeit in anderer Form wieder aufflammen, durch das Internet lässt sich gewaltsamer Widerstand bestens vernetzen.
Aber abgesehen von staatlicher Regulierung, die sehr wohl möglich wäre (Transaktionssteuer, Abschaffung privater Schiedsgerichte, strengere Bankenaufsicht mit genug Eigenkapitalauflagen...), muss sich auch jeder Aktien- und Fondbesitzer an die eigene Nase fassen: bin ich gierig und investiere ich in destruktive Heuschrecken-Unternehmen oder lege ich nachhaltig an und verzichte u.U. auf ein paar Prozent Rendite. Die Gier ist auch kollektiviert worden und betrifft uns alle.


Quote
Hansifritz #100

"Die Superreichen gefährden die Demokratie"

Vor einem Jahr lief sowas noch unter Verschwörungstheorie.


...

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« Reply #928 on: June 06, 2019, 10:27:16 PM »
Quote
[...] Die Staatsanwaltschaft Köln hat ihre Untersuchung gegen die Deutsche Bank im Zusammenhang mit umstrittenen Cum-Ex-Steuertransaktionen ausgeweitet. Die seit August 2017 gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank ermittelnde Behörde habe nun Ermittlungen "gegen weitere ehemalige und aktuelle Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder" eingeleitet, sagte ein Banksprecher. Es gehe um Cum-Ex-Transaktionen bestimmter ehemaliger Kunden der Bank. Laut dem Rechercheverbund Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR sind konkret betroffen der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Garth Ritchie und Ex-Bankchef Josef Ackermann.

Die Bank erklärte, die Maßnahme der Staatsanwaltschaft habe prozessuale Gründe, damit solle eine Verjährungsfrist unterbrochen werden. Es werde nicht davon ausgegangen, dass sich die Einschätzung des Sachverhalts durch die Staatsanwaltschaft geändert habe. "Auch die Einschätzung der Bank zum Sachverhalt hat sich hierdurch nicht verändert", so der Sprecher.

Nach Recherchen von Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR haben die Strafverfolger gegen rund 70 heutige und frühere Mitarbeiter der größten deutschen Bank Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Bei Cum-Ex-Geschäften nutzten Anleger eine inzwischen geschlossene Gesetzeslücke und ließen sich einmal abgeführte Kapitalertragsteuern mehrfach zurückerstatten. Dadurch entgingen dem Fiskus Milliarden.


Aus: "Staatsanwaltschaft weitet Cum-Ex-Ermittlungen gegen Deutsche Bank aus" (6. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2019-06/cum-ex-deutsche-bank-garth-ritchie-josef-ackermann


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« Reply #929 on: June 12, 2019, 12:23:20 PM »
Quote
[...] Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Vorstandsmitglieds in einem Dax-Unternehmen betrug im vergangenen Jahr 3,51 Millionen Euro und war damit 52-mal so hoch wie das Jahreseinkommen der Angestellten in den Unternehmen. Diese Zahl hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz gemeinsam mit der Technischen Universität München errechnet. Eine entsprechende Studie zur Gehaltsschere in 29 von 30 Dax-Konzernen wurde in Frankfurt vorgestellt.

Die größte Differenz zwischen dem Einkommen eines Vorstandsmitglieds und dem eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin stellte die Studie bei Volkswagen fest: Das Gehalt auf höchster Führungsebene sei um ein 97-Faches höher als der durchschnittliche Personalaufwand pro Mitarbeiter im Unternehmen – ein Vorstandsmitglied verdiente 2018 im Schnitt sechs Millionen Euro. Mit rund 5,2 Millionen, das zweithöchste Gehalt, hätten Mitglieder des Vorstands im Pharmakonzern Merck erhalten.

Den dritten Platz erreichten die Vorstände der Deutschen Bank, was ein Autor der Studie kommentierte: Das Geldinstitut befinde sich "augenscheinlich nicht auf einem Erfolgskurs". Dennoch seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Leitung des Konzerns durchschnittlich mit 5,1 Millionen Euro entlohnt worden – ein Plus von 55,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das geringste Gehaltsgefälle bestehe bei der Deutschen Börse: Das Unternehmen, das den Deutschen Aktienindex herausgibt, zahle Vorständen im Schnitt einen 25-mal höheren Lohn als Angestellten.

Der Studie zufolge war das Gehaltsgefälle 2018 ebenso hoch wie im Vorjahr. Allerdings seien die Vorstandsgehälter insgesamt um 3,5 Prozent gesunken, zum ersten Mal seit mehreren Jahren.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler, sagte: Die Aufsichtsräte müssten darauf achten, dass sich die Schere in einem Unternehmen nicht zu weit öffne. Zu befürworten sei es, wenn sich die Bezahlung eines Vorstandsmitglieds am Aktienkurs des Konzerns orientiere: "Gute Leistung soll gut vergütet werden", sagte Tüngler. "Wenn es aber schlecht läuft, muss der Vorstand dies ebenfalls im Portemonnaie spüren. Und das sehen wir oft noch nicht."

Im vergangenen Jahr habe der Teil der Bezahlung, der anhand der Aktienperformance berechnet wurde, bei knapp 30 Prozent gelegen. Ein Drittel des Geldes sei Festgehalt, der verbleibende – und größte – Posten der Gesamtvergütung für Vorstände setze sich aus variablen Bonuszahlungen zusammen.

Auch zu den Gehältern von Vorstandsvorsitzenden wurden Zahlen präsentiert: Die Chefs der Dax-Unternehmen hätten 2018 im Schnitt ein Jahresgehalt von 5,4 Millionen Euro bezogen. Am besten bezahlt worden sei SAP-Vorstandschef Bill McDermott mit mehr als 10,8 Millionen Euro. SAP ist derzeit das wertvollste Unternehmen im Dax. Auf den SAP-Chef folgten Herbert Diess, dem VW 7,9 Millionen Euro gezahlt habe, und Bernd Scheifele, der für die Leitung des Konzerns Heidelberg Cement rund 7,3 Millionen Euro bekommen habe.

Erweitere man die Menge der untersuchten Unternehmen auf die Firmen, die im MDax verzeichnet sind, liege das Spitzengehalt für Vorstandschefs noch einmal höher: Die drei Chefs des Modeversandunternehmens Zalando, Robert Gentz, David Schneider und Rubin Ritter, hätten im vergangenen Jahr jeweils knapp 19,4 Millionen Euro verdient.

Im internationalen Vergleich würden diese Summen leicht übertroffen: In Europa etwa, habe der Chef des belgischen Getränkegroßkonzerns AB InBev, Carlos Brito, im vergangenen Jahr 31,8 Millionen Euro erhalten. Der Vorstandsvorsitzende des US-Unternehmens Disney, Robert Iger, sei mit knapp 55,6 Millionen Euro entlohnt worden. Der Großteil dieser Bezüge sei jeweils an den Aktienkurs des Unternehmens gekoppelt.

In ihrer Erhebung hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz Pensionszusagen nicht berücksichtigt. Andere Studien mit anderer Methodik kämen deshalb möglicherweise zu abweichenden Ergebnissen.


Aus: "Deutsche Börsenliga: Dax-Vorstände verdienen 52-mal so viel wie ihre Angestellten" (11. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/boerse/2019-06/deutsche-boersenliga-dax-konzerne-vorstaende-gehalt-gehaltsschere

Quote
felix78 #2.2

Ach was der Vorstand bekommt sind doch Peanuts, interessant ist was die Großaktionäre so bekommen. Zum Beispiel BMW Familie Quant lässt sich so 800 Millionen pro Jahr an Dividenden auszahlen, dagegen wirken die Vorstandsgehälter wie Trinkgeld. Vorstände sind auch nur Angestellte, lasst uns endlich mehr über die Beteuerung von Kapitaleinkommen diskutieren! Ich bin ja für die Steuerliche Gleichbehandlung aller einkommensarten und dafür das auch alle Einkommensarten Sozialversicherungspflichtig werden, wie in der Schweiz. Dann könnten wir uns Pflege, Rente, Polizei, Schulen, Lehrer, Kitas, Schwimmbäder, die Instandhaltung von Straßen und Brücken und vieles mehr leisten.

Aber das wird nicht passieren, wenn es unsere Regierung seit Anfang der 2000der nicht mal schafft Cum ex und Cum Cum Betrügerreien zu unterbinden.
 

Quote
Gerne_unterwegs #2.3

Da gab es doch einmal den Wahlslogan "Leistung soll sich wieder lohnen!" War das FDP? Haben die die Quandts gemeint?


Quote
felix78 #2.5

Ich bin mir sicher die FDP hat mich als Altenpfleger gemeint. ...


Quote
GlobalPlayer5001 #8

Wo ist das Aufregerthema? Die Höhe der Vorstandsvergütung wird vom Aufsichtsrat festgelegt, dieser wiederum wird von der Hauptversammlung gewählt. Das alles ist dank Publizitätspflichten komplett transparent.

Wenn ich der Meinung bin, dass ein Vorstand zu viel verdient, kann ich ja in ein anderes Wertpapier investieren. Wenn mir das insgesamt nicht vorteilhaft erscheint, dann wird der Konzern ja immerhin so gut gemanaged, dass die Rendite trotz Vorstandsgehältern stimmt.

Also: Wo ist das Thema???


Quote
GlobalPlayer5001 #8.3

>>Das Thema ist soziale Gerechtigkeit.<<

Nein, das Thema ist Neid und (noch schlimmer) Missgunst. ...


Quote
Gnurg #8.4

Das Problem ist ja, dass einige so viel Geld verdienen, wie sie unmöglich sinnvoll ausgeben können, andere hingegen nicht genug, um sich beispielsweise gesund zu ernähren oder einmal im Jahr Urlaub machen zu können. Das hat auch nicht wirklich mit Neid zu tun (jedenfalls nicht bei mir), aber es ist halt nicht gut für die Arbeitsmoral, wenn man sich den Arsch für ein Unternehmen aufreißt und nicht dafür entsprechend vergütet wird. Beziehungsweise wenn der eigene Bonus weniger Wert ist, als das Geld, dass der Vorstand verdient, wenn er während einer Sitzung mal pinkeln geht.

Abgesehen davon haben weder Aufsichtsrat noch die Mitglieder der Hauptversammlung ein Interesse am Wohl des Arbeiters oder der moralischen Verpflichtung des Unternehmens gegenüber der Gesellschaft, sondern allein an der eigenen Bereicherung.


Quote
GlobalPlayer5001 #8.6

>>Abgesehen davon haben weder Aufsichtsrat noch die Mitglieder der Hauptversammlung ein Interesse am Wohl des Arbeiters oder der moralischen Verpflichtung des Unternehmens gegenüber der Gesellschaft, sondern allein an der eigenen Bereicherung.<<

Das sind ja auch nicht alle Samariter, sondern die Aktionäre sind Kapitalgeber, die als Gegenleistung eine angemessene Rendite auf das eingesetzte Kapital erwarten. Wenn man das Zurverfügnungstellen von Kapital nicht gleich mitkriminalisieren will, hat das nicht mehr mit "eigener Bereicherung" zu tun als die Erwartung, Zinsen aus einem Wertpapier zu erzielen. Beides ist völlig legitim.


Quote
Echse des Bösen #8.12

"Nein, das Thema ist Neid und (noch schlimmer) Missgunst."

Nein, das Thema ist die Behauptung, das sei Leistungsgerechtigkeit. Man kann das System begründen mit "es ist halt so wie es ist" oder "wenn es geht, dann wird es so gemacht", aber man sollte daraus nicht ableiten, dass es auch gut oder leistungsgerecht ist. ... Das ist im Kern auch das Problem des Neoliberalismus - er definiert alles, was sich im Markt regelt, automatisch als Gerechtigkeit. Bittere Armut und überbordender Reichtum - gerecht, wenn es der Markt regelt. Da ist der Neoliberalismus nicht anders als der christlich-fundamentalistische Calvinismus von vor 300 Jahren.


Quote
hamletmaschinist #8.21

Die "hohen Vorstandsgehälter finanzieren" in erster Linie die schlechtbezahlten Leiharbeiter und die Kunden.

Quelle > https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/leiharbeit-erreicht-rekordniveau-in-deutschland-a-1111375.html [Donnerstag, 08.09.2016 ... Fast zwei von drei Leiharbeitern arbeiteten zuletzt zu besonders niedrigen Löhnen. Sie lagen unter der Niedriglohnschwelle von rund 1970 Euro, also unter dem Lohn, der zwei Drittel des mittleren Gehalts der Beschäftigten insgesamt beträgt. 5,7 Prozent der Leiharbeitnehmer haben Anspruch auf ergänzende Leistungen und stocken ihr Gehalt mit Hartz IV auf. Nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis besteht neun Monate oder länger. 15 Prozent dauern 15 Monate, 12 Prozent über 18 Monate. ]


Quote
d353rt #11

... ich möchte hier eine kleine Rechnung vorführen: Wenn Sie als Arbeitnehmer das Glück haben 5000€ im Monat zu verdienen (brutto), und das, sagen wir mal, 45 Jahre lang, dann haben Sie 2,7 Millionen € (Brutto) verdient. Wenn Sie aber nur 2500€ verdienen, dann kommen Sie logischerweise auf 1,35 Millionen. Wie gesagt in 45 Jahren.

Und dann kommt so ein Vorstandschef, und kassiert 10 Millionen Euro IN EINEM JAHR. Und er spendet dann z.B. an die FDP, die dann behauptet, dass unser Rentensystem nicht mehr tragbar sei. Das ist doch der reinste Klassenkampf von oben. Unser BIP hat sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt... ...


Quote
GlobalPlayer5001 #11.1

So viel Neid und Missgunst. Sind wohl wenige Rheinländer hier im Forum: Man muss auch jönne könne ...


Quote
DrkdD #11.5

Fakten sollte man nicht mit Neid vergleichen. Außerdem ist der Ruf "Das ist nur Neid" einer der belanglosesten Argumente gegen ein Aufkommen der Unzufriedenheit bei denen, die den Reichtum finanzieren.


Quote
d353rt #11.6

"Ihre Wut in allen Ehren. Aber seit wann erkennen Vorstände ihren Mitarbeitern die Rente ab? Haben Sie einen konkreten Fall im Kopf?"

Ach davon gibt es mehr als nur einen Fall, es sind Millionen. Ein sehr aktuelles Beispiel: Amazon, ab heute der größte Konzern der Welt (größte Umsätze und Gewinne), der seine Angestellten über Leihfirmen einstellt, die keine Sozialabgaben bezahlen wollen, was die Rente nach unten drückt. Das nennt man dann gerne "Freiheit" und "Selbstständigkeit" . Es ging so weit, dass der Staat eingreifen musste, und ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden musste.
Reicht das?


Quote
GlobalPlayer5001 #11.8

>>Es ging so weit, dass der Staat eingreifen musste, und ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden musste.<<

Daraus folgt ja relativ direkt, dass Amazon vor Verabschiedung des Gesetzes nichts Unrechtmäßiges getan hat, denn sonst brauchte man ja kein neues Gesetz. Und jetzt werden sie sich wohl an das neue Gesetz halten. Wofür ist dies gleich noch ein Argument?

Ein wesentlicher Grund dafür, dass Aktionäre hohe Gehälter für Spitzenmanager mittragen ist doch, dass diese im Interesse der Anteilseigner die Performance der Unternehmen verbessern. Unternehmen sind keine karitativen Einrichtungen, sondern sollen Geld für die Anteilseigner verdienen. Wenn die Ersetzung einer Belegschaft durch Leiharbeiter dazu einen Beitrag leisten kann, dann ist dies genau das, was die Aktionäre zu Recht von der Geschäftsführung erwarten.


Quote
d353rt #11.12 

"Daraus folgt ja relativ direkt, dass Amazon vor Verabschiedung des Gesetzes nichts Unrechtmäßiges getan hat, denn sonst brauchte man ja kein neues Gesetz. Und jetzt werden sie sich wohl an das neue Gesetz halten. Wofür ist dies gleich noch ein Argument?"

1. Dafür, dass Sie allem Anschein nach nicht verstehen, dass man als Unternehmer auch in der Pflicht steht, seinen Angestellten ein Gehalt zu zahlen, von dem sie auch leben können, ohne aufstocken zu müssen.
2. Dafür, dass man genau sieht, auf wessen Rücken der Wohlstand von Amazon-Vorständen aufgebaut wird.
3. Dafür, dass einige im Jahr 2019 weiterhin an Sklaverei halten. Und damit meine ich nicht den IS (Islamischer Staat), sondern gebildete Menschen aus der westlichen Welt.
4. Dafür, dass sich diese Unternehmen auf Kosten der Allgemeinheit bereichern
5. etc.


Quote
GlobalPlayer5001 #11.18 

>>Eine Frage: wer leistet die eigentliche Arbeit, ohne die, wie Sie bestimmt wissen, kein Unternehmen bestehen kann. Die Angestellten oder die ANTEILSEIGNER?<<

Nun ja, es ist ein klarer Deal bei den Arbeitnehmern: Lohn gegen Arbeit. Und ein genauso klarer Deal ist es bei den Anteilseignern: Kapitalüberlassung gegen Rendite. Natürlich arbeiten die Arbeitnehmer, aber sie könnten es nicht, wenn die Anteilseigner nicht zuvor das Kapital zur Schaffung der Arbeitsplätze investiert hätten.

Soweit alles klar?


Quote
d353rt #11.19

"Natürlich arbeiten die Arbeitnehmer, aber sie könnten es nicht, wenn die Anteilseigner nicht zuvor das Kapital zur Schaffung der Arbeitsplätze investiert hätten."

Zwei drittel der ANTEILSEIGNER haben ihr Vermögen geerbt, das heißt, sie haben keinen Finger krumm gemacht. Solche Typen kenne ich: Papa war Facharbeiter, hat sein Leben lang geschuftet, und mehrere Immobilien erstanden. Jetzt ist er tot, und der geborene Sohn hat die Immobilien verkauft und "investiert". Und er setzt sich dafür ein, dass die Vollzeit-Angestellten, die oft schlicht keine andere Wahl haben, zum Hungerlohn schuften müssen, ganz anders als der Papa. und dann müssen diese Angestellten aufstocken, weil das Geld für das Frühstück für die Kids nicht reicht. Wissen Sie, wie man solche ANTEILSEIGNER nennt? Sozialschmarotzer. Parasiten.

Soweit alles klar?

Und noch etwas: ich hoffe dass man bei der nächsten Aktionärsversammlung von Daimler Benz nicht schon wieder die Polizei rufen muss, weil sich die ANTEILSEIGNER am Würstchenbuffet um die letzten Würstchen geprügelt haben.


Quote
deri punkt partei #19

ich finde, anstatt immer wieder die Gehälter der Vorstände zu thematisieren sollten wir mehr das untere Ende der Gehaltsliste in den Focus nehmen. ...

Quote
TottiZ #24

Und die Politik nennt es noch immer "Soziale Marktwirtschaft".


Quote
DrkdD #24.1

Situationskomik derer die den Lobbyisten den Weg bereiten.


Quote
Auf Krawall gebürstet #28

Jetzt aber bitte nicht wieder Klassenkampf- und Enteignungsdiskussionen. Es können halt nicht alle so viel Geld verdienen.


Quote
GlobalPlayer5001 #28.1

Ein frommer Wunsch, allein - Sie sehen es ja - die Neid- und Missgunstfraktion ist schon wieder voll in ihrem Element. Denen ist jedes Mittel recht, auf die angeblichen "Ungerechtigkeiten" in der Einkommensverteilung hinzuweisen. Und, zugegeben, Vorstände internationaler Konzerne geben hier ja auch eine schöne Projektionsfläche zum Abarbeiten her ...


Quote
St.Expeditus #36

Niemand wird als DAX-Vorstand geboren . Jeder hat prinzipiell die gleiche Chance.
Was man braucht ist Weitsicht. So müssen heute etwa die Autobosse entscheiden,
welche Autos sie 2040 verkaufen wollen. Eine falsche Entscheidung kann die Existenz
eines Konzerns und zehntausende Arbeitsplätze gefährden. Da sehe ich den Faktor 50 nicht als zu hoch an, wenn Balltreter oder Imkreisfahrer das zehnfache verdienen.


Quote
artefaktum #36.1

@St.Expeditus

>> So müssen heute etwa die Autobosse entscheiden,
welche Autos sie 2040 verkaufen wollen. Eine falsche Entscheidung kann die Existenz
eines Konzerns und zehntausende Arbeitsplätze gefährden. <<

In der Tat. Aber welche Konsequenzen haben falsche Entscheidungen für den Autoboss? Goldener Fallschirm für's Management, Arbeitslosigkeit für die Belegschaft. Mit "Eigenverantwortung" hat das herzlich wenig zu tun. Die gilt immer nur für den blöden Durchschnittsarbeitnehmer.


Quote
Klacksklacks #36.6

Josef Ackermann hat in der Tat andere Sorgen, seit die Staatsanwaltschaft ihn als Beschuldigten im cum-ex-Skandal führt.


Quote
pöserpurche #38

Von mir aus können die auch 100-mal soviel verdienen. Verstehe das Problem nicht. Wer hat denn das zu kritisieren und/oder zu befinden, was zu viel zu wenig oder angemessen ist. Ein Komitee aus Journalisten, Robert Habeck und all die anderen Moralapostel?


Quote
vlavo #39

Der Aufsichtsrat genehmigt die Gehälter der Vorstände, die wiederum die Gehälter der Aufsichtsräte vorschlagen. Beide zusammen beschließen die Dividendenzahlung an die Aktionäre, die wiederum die Gehälter der Aufsichtsräte und Vorstände absegnen. Ein Zirkel. Die Angestellten sind außenvor. So sagt Michael Hartmann, Soziologe und einer der renommiertesten deutschen Eilieforscher. Diese Gier erodiert unseren Staat und lässt ihn von innen heraus faulen.


Quote
LinuxSchurke #41

Das ist doch alles Peanuts was deutsche Manager verdienen.
Tim Cook, Apple-Chef, kassierte 2017 ein Gehalt von 12,8 Millionen US-Dollar. Das Grundgehalt liegt bei rund 3 Millionen US-Dollar pro Jahr, der Rest Boni.
Gehalt 2018:
15,7 Millionen US-Dollar
Zusätzlich zum Gehalt hat der Top-Manager jedoch noch lukrative Aktien-Optionen von Apple erhalten. So erhielt er laut dem 2011 unterschriebenen Vertrag im August 2017 ein Paket von 560.000 Aktien.

Natürlich ist das zuviel aus unserer Sicht, wird aber gezahlt. Und jetzt rechnet mal aus um wieviel mal das höher ist als bei der Apple Putzfrau mit 20000$ oder dem Apple Ingenieur mit 150000$ pro Jahr


Quote
Johanna88 #41.1

Nett von Ihnen, uns zu erklären, dass Perversion praktisch unendlich steigerbar ist.


Quote
Flatearthler10000 #44

Ah, die typisch deutsche Neidkeule wird wieder ausgepackt.


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Klacksklacks #44.1

Nicht jede Kritik die Sie nicht verstehen gründet auf Neid.


Quote
Rabe374 #47

Ist doch vollkommen ok. Wer das Gehalt verdienen möchte, kann ja einfach selber Vorstand werden, anstatt kleiner Angestellter zu sein. Aber vielleicht hat es doch einen Grund, weshalb es nur eine handvoll Bigplayer mit Millionengehältern gibt.


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exxkoelner #47.1

Der American Dream, vom Tellerwäscher zum Millionär, hat ja auch super geklappt - ca. 40 Mio. US-Bürger erhalten Essenmarken, 1% der Bevölkerung gehört 40% der Vermögen, 1% der Bevölkerung erhält 24% der gesamten Einkommen pro Jahr. Aktuell ist die USA bei einem Manager/Angestellten-Ratio von 380:1. Kann man ja so weiter laufen lassen und mal gucken was passiert, was soll schon schief gehen? ...


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Kanndassein #50

Bei den Vorstandsbezügen ist schon lange einiges aus den Fugen geraten, und gerade bei Aktiengesellschaften ist es erstaunlich, dass dies so hingenommen wird, selbst wenn die Unternehmensspitzen versagt haben. ...


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Flugbenzin #56

Die deutschen Vorstandsgehälter bewegen sich international im Mittelfeld. Wer gute Leute haben möchte, muss aber tief in die Tasche greifen. ...


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Johanna88 #56.1

"Wer gute Leute haben möchte, muss aber tief in die Tasche greifen."

Ah, jetzt verstehe ich das endlich!

Die Vorstände von Bayer und der Deutschen Bank waren einfach zu schlecht bezahlt.....
Na, da hätte ich auch selbst drauf kommen können, ich Dummchen...


Quote
Sonja #57

Aufmacher wie bei der BILD-Zeitung... und auch ähnliches Niveau. Wenn jeder so viel schlauer ist und eine ähnliche Vita wie die Vorstände vorweisen kann, soll es einfach besser machen, ganz einfach.
Meist kommt dann die Ausrede: „Wenn ich denn wollte könnte ich das, aber das ist einfach unmoralisch blibla“ - jaja, man kennts. Ausreden, andere sind Schuld, vermeintliche Unfairness, Ungleichheit - das ganze Sozen-Gesabbel, anstatt einmal mit auf sich selbst zu schauen.


Quote
exxkoelner #59

Und die Manager tragen ja auch die ganze Verantwortung, wie Herr Winterkorn z.B.:

"Der Aufsichtsratschef von VW könnte in so einem Fall gar nicht mehr anders, als von Winterkorn Schadenersatz zu verlangen. Und ihn notfalls zu verklagen. Das brächte natürlich nicht die vielen Milliarden Euro zurück, die VW die Affäre bislang gekostet hat. Aber es wäre ein Signal. Wobei offen bliebe, was bei Winterkorn noch alles zu holen wäre. Er hat als Vorstandschef bis zu 17 Millionen Euro im Jahr an Gehalt und Boni kassiert. Als die Abgasaffäre schon eine Zeitlang lief, hat Winterkorn Millionenbeträge in die Schweiz geschafft, auf ein Depot bei einer Bank. Es handele sich wahrscheinlich um ein Depot der Ehefrau, notierten die Ermittler später. Die Ermittler vermuteten, der Ex-Konzernchef könnte einen "Notgroschen" für den Fall angelegt haben, dass er in der Affäre noch persönlich belangt werde. Der Clou an der Sache, aus Sicht Winterkorns: Nach allem, was bislang bekannt ist, wäre das völlig legal gewesen. Im Wege eines komplizierten Steuersparmodells unter Eheleuten, das "Güterstandsschaukel" genannt wird."
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/winterkorn-vw-prozess-dieselskandal-1.4410976-2

Bisher hat er ausgesagt, das er sich an nichts mehr erinnern kann in diesem Zusammenhang, man hat ja auch den Kopf so voll, bei der ganzen Verantwortung und so ...


Quote
Gisbert Beaumarais #59.1

Bei Winterkorn gibt es nur drei Möglichkeiten:
a) er lügt
b) er ist unfähig
c) er ist dement


Quote
Johanna88 #59.2

"Bei Winterkorn gibt es nur drei Möglichkeiten:
a) er lügt
b) er ist unfähig
c) er ist dement"

d) unterbezahlt....haben Sie vergessen.

Lerne ich ja gerade hier im Forum. Die Gehälter deutscher Manager sind einfach Unterkante.


Quote
Ledni Rok #60

Neid ist ein schlechter Charakterzug.


Quote
Professor Deutlich #60.1

Gier auch.


Quote
peterjunge #62

Irgendwie passend (oder erhellend), dass das Gehaltsgefälle gerade beim "Volks"-wagenkonzern am deutlichsten ist, bei dem ein Landesfürst der SPD einigen Einfluss hat aufgrund des Staatsanteils.


Quote
AllesKeinProblem #64

Aber diese Leute tragen doch so viel Verantwortung und müssen für alles in ihren Unternehmen gerade stehen! Volkswagen? Ach ja...
Aber man muss doch mit hohen Gehältern um die besten Köpfe werben um die Firma auf Erfolgskurs zu bringen! Deutsche Bank? Ach ja...
Was ist dann jetzt noch übrig als Argument? Aber natürlich: "Ihr seid doch alle nur neidisch."


Quote
Tiqqun #65

Und dennoch, sobald sich dann einer aus diesem Milieu zur Wahl stellt, all seinen Prunk zeigt, dann sehen die Menschen voller Ehrfurcht hinauf. Sei es ein Trump, ein Bloomberg, oder ein Merz. "Die haben bewiesen, dass sie es können" ...


Quote
Badener im Ausland #68

"Der Studie zufolge war das Gehaltsgefälle 2018 ebenso hoch wie im Vorjahr. Allerdings seien die Vorstandsgehälter insgesamt um 3,5 Prozent gesunken, zum ersten Mal seit mehreren Jahren. "

Ich habe den üblichen Hinweis aus der neoliberalen Mottenkiste vermisst, dass es ein „gutes Signal“ sei, wenn „die Ungleichheit nicht weiter wächst“.


Quote
tiefstapler #77

die leiterin einer kita bekommt monatlich den betrag X - für das aufbewahren von kindern.
ein vorstand der deutschen bank bekommt monatlich das 52-fache - für das aufbewahren von geld. ...


Quote
MaxFortis #77.1

Warum ist es ein Problem des Kapitalismus, wenn den Menschen Bankgeschäfte wichtiger sind als Kindererziehung?


Quote
tiefstapler #77.2

Mit einer Weisheit, die keine Tränen kennt,
mit einer Philosophie, die nicht zu lachen versteht,
und einer Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt,
will ich nichts zu tun haben.
( Khalil Gibran )


Quote
no-panic #78

52 mal mehr als der Durchschnittsverdiener im Laden, also 100 mal so viel wie die, die wirklich wertschöpfend arbeiten und etwas Greifbares herstellen. Das bedeutet, dass derjenige, der das Produkt, welches den Gewinn bringt, zusammenbaut, 100 Jahre arbeiten muss, um das zu bekommen, was so ein Vorstand in einem Jahr bekommt.
Wer hier nicht erkennen möchte, dass die Relationen nicht nur schief, sondern schlicht nicht mehr existent sind, ...


Quote
CarpeDiem0987654321 #79

... wieder so eine Neiddebatte. ...


...