Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 264653 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #870 on: January 17, 2019, 05:02:18 PM »
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[...] Heiner Thorborg, 74, ist einer der bekanntesten Personalberater Deutschlands. Nach zehn Jahren als Partner bei der Schweizer Personalberatung Egon Zehnder International machte er sich 1989 mit einer Headhunter-Firma selbstständig. Im Jahr 2007 gründete er Generation CEO – ein Netzwerk für weibliche Führungskräfte


brand eins (Thomas Ramge): Herr Thorborg, wie nahe sind Sie den Führungskräften, die Sie betreuen?

Heiner Thorborg: Sehr nah. Sonst kann ich nicht für sie arbeiten.

Thomas Ramge: Wieso?

Heiner Thorborg: Nähe ist zunächst einmal ein Gefühl. Um es zu erzeugen, muss es gegenseitige Sympathie geben. Es gibt sicher auch Leute, die ganz gut zusammenarbeiten, obwohl sie sich nicht besonders sympathisch sind. Aber Exzellenz in der Zusammenarbeit entsteht durch Nähe. Ohne Sympathie ist es extrem schwierig, eine Vertrauensbeziehung aufzubauen. Diese wiederum ist notwendig für gemeinsamen Erfolg. Deshalb vertrete ich keine Talente oder Manager, die mir nicht sympathisch sind.

Thomas Ramge: Das klingt fast romantisch. Sehen das im Topmanagement alle so?

Heiner Thorborg: Gewiss nicht. Und natürlich wohnt dem Begriff Nähe so viel Subjektivität inne, dass zwei Manager behaupten können, ihnen sei Nähe zu Vorstandskollegen oder Mitarbeitern sehr wichtig – dabei aber unter Nähe etwas völlig anderes verstehen. Man spürt das ja oft schon beim Körperlichen: Es gibt Leute, die rücken einem auf die Pelle und merken gar nicht, dass das dem Gegenüber unangenehm ist. Und es gibt Menschen, die merken nicht, wie sie mit Körpersprache Distanz aufbauen. Erfolgreiche Manager haben in der Regel ein gutes Gespür dafür, was in einer bestimmten Situation die nötige Distanz oder hilfreiche Nähe ist.

Thomas Ramge: Ich habe den Eindruck, dass es auch in Unternehmen immer körperlicher zugeht. Kolleginnen und Kollegen küssen sich die Wangen. Männer umarmen sich zur Begrüßung wie Fußballer nach einem Tor …

Heiner Thorborg: Die zunehmende körperliche Nähe in Deutschland hat sicher etwas damit zu tun, dass wir unsere Kultur hier und da als zu steif empfinden. Und dann imitieren wir Franzosen oder Italiener oder Südamerikaner in ihrer Körperlichkeit (siehe auch: „Nähe und Distanz in Zahlen“, S. 100). Es mag Leute geben, denen das leicht fällt. Die finden Körperlichkeit schick oder progressiv, und die fühlen sich dann auch wohl mit importierten kulturellen Ritualen. Aber ich muss immer schmunzeln, wenn ich diejenigen sehe, die solche Nähespiele mitmachen müssen, obwohl sie ihnen eigentlich zuwider sind. Auffällig ist auch, dass ein verordnetes Du das Gegenteil von Nähe schafft. Nähe kann man nicht verordnen. Das Gleiche gilt für Lockerheit.

Thomas Ramge: Inwiefern?

Heiner Thorborg: Nur weil ein Vorstand eine Krawatte ablegt, wird er doch kein nahbarer Typ. Es ist heute ja fast umgekehrt: Du darfst keine Krawatte mehr tragen, wenn du als innovativ gelten möchtest. Das finde ich lächerlich. Wenn einer eine Krawatte tragen möchte, soll er das doch machen.

Thomas Ramge: Wie viel Zeit braucht es eigentlich, um Nähe in Arbeitsbeziehungen an der Unternehmensspitze herzustellen? Die Vorstandsmandate werden ja immer kürzer.

Heiner Thorborg: Im Durchschnitt stimmt das, aber wir haben immer noch Unternehmen, in denen Vorstände über viele Jahre zusammenarbeiten. Da wächst Nähe meist automatisch. Bei Vorständen, die häufiger das Unternehmen wechseln, gehört es zur Kernkompetenz, schnell Nähe aufzubauen, um auf Zeit vertrauensvoll zusammenarbeiten zu können. Es ist ein wenig wie bei Fußballprofis, die in einem neuen Team schnell funktionieren müssen. Dazu müssen die anderen Spieler ihnen vertrauen, sonst bekommen sie in den entscheidenden Momenten nicht den Ball.

Thomas Ramge: Tendenziell wird die Zusammensetzung von Vorständen vielfältiger. Verändert sich etwas im Nähe-Distanz-Spiel, wenn Frauen und Menschen verschiedener Herkunft auf Topmanagement-Ebene zusammenarbeiten und nicht nur weiße Männer in grauen Anzügen jenseits der 50?

Heiner Thorborg: Absolut. Es ist unbestritten, dass heterogene Teams bessere Leistungen erbringen können als homogene. Das gilt aber nur, wenn ihnen kulturelle Differenzen nicht in die Quere kommen, sondern jeder seine Stärken einbringen kann. Ich beobachte seit Jahren mit Freude, dass besonders Frauen in gemischten Teams Konflikte viel intelligenter lösen als Männer. Sie lassen sich seltener provozieren, bleiben souverän und sachlich, reduzieren Aggressionen, indem sie besser zuhören. Oft schaffen sie in Konfliktsituationen die nötige Distanz, um die Emotionen zu entschärfen. Und im zweiten Schritt legen sie wieder die Basis für vertrauensvolle Zusammenarbeit und erlauben wieder mehr Nähe. Bei der Fähigkeit zum Netzwerken haben aber Frauen noch Nachholbedarf.

Thomas Ramge: Auf der einen Seite sind die alten Old-Boys-Netzwerke der Deutschland AG endgültig Vergangenheit, andererseits reden junge Führungskräfte dauernd darüber, wie wichtig Networking ist.

Heiner Thorborg: Ja, das ist in der Tat auffällig. Ich kannte die alten Netzwerke der Deutschland AG noch ganz gut. Die sind in sich zusammengefallen, weil sie keine neuen Einflüsse zugelassen haben. Da durfte ja nur rein, wer es schon geschafft hatte, nach dem Motto: Uns nützt nur einer, der bereits einer von uns ist. Das ist natürlich ein Auslaufmodell. Aber das heißt nicht, dass die Methode heute nicht mehr funktioniert. Es gibt nach wie vor wichtige Netzwerke, wie zum Beispiel die Baden-Badener Unternehmer-Gespräche. Wer ihnen angehört, bekommt Zugang zu Menschen, an die er sonst nicht herankäme.

Thomas Ramge: Und warum taten oder tun sich Frauen damit schwer?

Heiner Thorborg: Die mussten erst lernen, wie hilfreich gegenseitige Gefallen sein können, ohne dass dies gleich ein Fall für den Compliance-Beauftragten ist. Sie lernen das aber gerade mit hoher Geschwindigkeit. Frauennetzwerke boomen, weil immer mehr Frauen merken: Es ist nicht falsch, sich gegenseitig zu unterstützen, weil man viel voneinander hält.

Thomas Ramge: Braucht es für Nähe Mut?

Heiner Thorborg: Erfolgreiche Führungskräfte müssen offen sein. Nur dann finden sie das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz. Es gibt ein schönes Zitat des österreichischen Schriftstellers Ernst Ferstel: „Nähe zu wagen ist ein schwieriger Balanceakt. Wer zu weit geht – oder nicht weit genug, entfernt sich vom anderen.“ Ohne Offenheit und Sympathie werden wir diesen Balanceakt nicht bewältigen. Oder besser gesagt: Je diverser Teams werden, desto mehr brauchen wir davon. ---


Aus: "Führungskräfte: „Ohne Sympathie ist es schwierig“" (2018)
Quelle: https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2018/naehe-und-distanz/fuehrungskraefte-ohne-sympathie-ist-es-schwierig

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #871 on: January 19, 2019, 01:18:26 PM »
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[...] Es ist ein Bild wie bei einer Entführung: Polizisten haben bei der Räumung eines Obdachlosencamps einer gefesselten Frau von hinten ein Tuch über den Kopf gezogen, es wie einen Sack zugeschnürt und sie so abgeführt. Der Vorfall ereignete sich am 9. Januar gegen 15 Uhr im Ulap-Park nahe des Hauptbahnhofs.

Unter den Bahngleisen war dort ein Lager von Obdachlosen entstanden. Das Bezirksamt Mitte erklärte, es habe ihnen die Räumung am 8. Januar angekündigt und sie aufgefordert, den Ort zu verlassen. Bis zum Einsatzbeginn am nächsten Tag seien alle Bewohner dem nachgekommen – bis auf eine Frau, gegen die ein Haftbefehl vorgelegen habe. Sie sei wegen „extrem aggressiven Verhaltens“ verhaftet worden. Bevor sie die sackartige Verhüllung übergezogen bekam, saß sie jedoch vollkommen ruhig auf einer Bank – das zeigen Videoaufnahmen.

Die Wissenschaftlerin Valeria Hänsel wurde zufällig Zeugin der Szene. Vor den Augen der Frau sei ihr Hab und Gut von der BSR in ein Müllfahrzeug geladen worden, sagt Hänsel der taz. Es sei nicht kontrolliert worden, ob sich Gegenstände wie Ausweisdokumente im Zelt befinden. „Sie saß gefesselt auf der Bank, war völlig verzweifelt.“ Dann wurde ihr der Kopf verhüllt und sie abgeführt.

„Umstehende haben die Polizisten darauf aufmerksam gemacht, dass das Vorgehen unverhältnismäßig und traumatisierend sei“, sagt Hänsel. Eine der Beamten habe dies damit begründet, dass das Polizeifahrzeug vor Dreck geschützt werden müsse, auch von Läusen sei die Rede gewesen.

„Die haben wohl nicht alle Tassen im Schrank“, sagt die Abgeordnete Gaby Gottwald (Linke). Das Vorgehen sei „absolut inakzeptabel und Besorgnis erregend. Wir werden der Sache nachgehen.“

Die Polizei kam der Bitte um Stellungnahme nicht nach. Die Stadtreinigung verwies auf das Ordnungsamt.

Der grüne Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel erklärte auf taz-Anfrage: „Das Bild von der an Armen und Beinen fixierten Frau mit dem Tuch über dem Kopf bestürzt auch mich und die Mitarbeiter_innen des Ordnungsamtes.“ Aber Fesselung und Tuch überm Kopf seien zur Eigensicherung der Polizisten notwendig gewesen.

Kurz nach der Räumung hatte Dassel den Einsatzkräften des Ordnungsamtes, der Polizei und der Stadtreinigung für ihr „umsichtiges und engagiertes Handeln zur Wiederherstellung akzeptabler Zustände auch an diesem Ort“ gedankt. Er hoffe, dass das „konsequente Handeln des Bezirksamts dazu beiträgt, dass obdachlose Menschen die vorhandenen Hilfen annehmen“.


Aus: "Mitte setzt auf Zucht und Ordnung" Christian Jakob (18. 1. 2019)
Quelle: http://www.taz.de/!5563998/


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« Reply #872 on: January 22, 2019, 12:53:45 PM »
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[...] Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo ist wegen Steuerhinterziehung von einem Gericht in Madrid schuldig gesprochen worden. Der 33-Jährige akzeptierte bei der Anhörung am Dienstag einen bereits im Vorfeld ausgehandelten Deal mit der Staatsanwaltschaft und muss fast 19 Millionen Euro an Steuernachzahlungen und Geldstrafen leisten. Zudem wurde der Portugiese zu einer 23-monatigen Haftstrafe verurteilt, wie das spanische Fernsehen berichtete. Bei nicht vorbestraften Verurteilten ist es in Spanien üblich, dass eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt wird.

Ronaldo fuhr am Morgen in einem schwarzen Van vor und betrat ganz in Schwarz gekleidet das Gerichtsgebäude. Hand in Hand mit seiner Lebenspartnerin Georgina Rodríguez verteilte der Portugiese, der im vergangenen Jahr von Real Madrid zu Juventus Turin gewechselt war, lächelnd Autogramme an seine Fans. „Es geht mir blendend“, sagte er.

Der Justiztermin galt als Formalität, da Ronaldo sich schon im Vorfeld mit der Justiz geeinigt hatte. Die zuständige Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte hatte Ronaldo vorgeworfen, über Briefkastenfirmen mehrere Millionen Euro Steuern am spanischen Fiskus vorbeigeschleust zu haben.

Dabei geht es speziell um Einnahmen aus Bildrechten, die der Stürmer zwischen 2011 und 2014 hinterzogen haben soll. Ende Juli 2017 hatte Ronaldo im Gericht von Pozuelo de Alarcón bei Madrid erstmals zu den Vorwürfen Stellung bezogen und erklärt, dass er „niemals etwas verborgen und auch niemals die Absicht gehabt“ habe, Steuern zu hinterziehen. (dpa)


Aus: "Steuerhinterziehung: Cristiano Ronaldo zu 23-monatiger Haftstrafe verurteilt" (22.01.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/sport/steuerhinterziehung-cristiano-ronaldo-zu-23-monatiger-haftstrafe-verurteilt/23895064.html

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« Reply #873 on: January 23, 2019, 10:21:20 AM »
"Oxfam-Bericht: Die 26 Reichsten der Welt haben so viel wie die ärmsten 50 Prozent" (red/dpa 21. Januar 2019)
Oxfam hat kurz vor der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos wieder seinen jährlichen Ungleichheitsbericht vorgelegt. Besonders in Deutschland klafft die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinander. ...
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.oxfam-bericht-die-26-reichsten-der-welt-haben-so-viel-wie-die-aermsten-50-prozent.668e1b2c-eafd-4721-a6b4-b3f8efb31b53.html

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Quote
[...] London (dpo) - Das haben sie sich redlich verdient: Wie eine aktuelle Studie der Nichtregierungsorganisation Oxfam ergab, sind die 26 fleißigsten Menschen auf dem Planeten genauso wohlhabend wie die 3,8 Milliarden faulsten Menschen der Weltbevölkerung zusammen. Das Ergebnis der Untersuchung zeige deutlich, dass sich persönlicher Einsatz im Job immer auszahle, so Oxfam.
"Diese 26 Menschen sind so fleißig, dass jeder von ihnen pro Tag in etwa 146 Millionen mal soviel leistet wie ein Mensch aus der fauleren Hälfte der Weltbevölkerung", erklärt ein Sprecher der Organisation. "Das ist eine beeindruckende Leistung, für die diese 26 völlig zu Recht fürstlich entlohnt werden." Ein normaler Mensch könne sich gar nicht vorstellen, was es heißt, Tag für Tag so hart zu arbeiten.
Neueste Daten deuten zudem darauf hin, dass sich die Kluft zwischen faul und fleißig immer weiter vergrößert. "Ob es daran liegt, dass die wenigen Fleißigen immer fleißiger oder die Milliarden Faulen immer fauler werden, ist noch nicht abschließend geklärt", so der Sprecher.
Allerdings schade es niemandem in der unteren Hälfte der Wertung, sich endlich mal ein wenig anzustrengen.



[ Stimmt das, was im Postillon steht? - Nein, alles, was im Postillon steht, ist Satire und somit dreist zusammengelogen. Alle auftauchenden Charaktere sind fiktional, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig. Das sollte eigentlich offensichtlich sein, obwohl zahlreiche Kommentare darauf hinweisen, dass vieles hier für bare Münze genommen wird.]



Aus: "26 fleißigste Menschen genauso reich wie 3,8 Milliarden faulste Menschen zusammen" (Montag, 21. Januar 2019 )
Quelle: https://www.der-postillon.com/2019/01/reichtum-armut.html#disqus_thread

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« Reply #874 on: January 28, 2019, 01:38:18 PM »
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[...] Versuchen Sie zu erraten, wer ich bin! Ich bin mehr in den Medien als Donald Trump und seine Tweets, Erdogan und seine Demokratie, Putin und seine Politik. Ich war der Hauptgrund für das Scheitern der Regierungsbildung in Deutschland und für die Erstarkung der Rechten in Europa. Ich bin die große Sorge vieler Bürger in diesem Land, denn ich bin gefährlicher als Altersarmut, Misshandlungen in den Familien, Umweltverschmutzung, Drogenkonsum, Klimawandel, Mangel an Pflegekräften und Erzieher. Ich bin derjenige, der sich immer schuldig fühlt für die Fehler anderer Menschen. Menschen, die er gar nicht kennt. Ich bin derjenige, der sich immer schämt, Nachbarn zu begrüßen, wenn wieder irgendwo etwas passiert. Ich hafte für die Fehler jedes einzelnen und fühle mich bedroht von jedem Bericht in den Medien.

Habt ihr mich erkannt? Ich bin die Flüchtlinge! Und es ist kein grammatikalischer Fehler aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse. Ich bin die Flüchtlinge! Und zwar alle Flüchtlinge. Ich bin kein Arzt, kein Jurist, weder Bauer noch Journalist, kein Künstler, kein Verkäufer, weder Taxifahrer noch Lehrer, sondern die Flüchtlinge. Obwohl ich aus einer kleinen Stadt in Syrien komme und für mich die Leute in Damaskus schon fremd waren, bin ich, seitdem ich in Europa bin, einer von Hunderttausenden Flüchtlingen aus Syrien, Pakistan, Afghanistan, Irak, Iran und Afrika. Obwohl wir unterschiedliche Sprachen sprechen, verschiedene Religionen und Vergangenheiten haben, geschweige denn Weltansichten und Meinungen. Aber wen interessieren solche Unterschiede, wir sind am Ende alle die Flüchtlinge. Ich habe durch den Krieg Freunde und Verwandte verloren, Wohnung, Job, Auto, meine Vergangenheit und meine Heimat. Aber ein Verlust, den ich erst später gespürt habe, ist meine Individualität, die ich am Schlauchboot an den Grenzen Europas zurückgelassen habe.

Vinda Gouma, Juristin aus Syrien, ist seit sechs Jahren in Berlin und machte an der Humboldt Uni ihren Master of Laws


Aus: "Lesermeinung: "Ich bin die Flüchtlinge!"" Vinda Gouma (28.01.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/lesermeinung-ich-bin-die-fluechtlinge/23917406.html

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« Reply #875 on: January 29, 2019, 01:42:17 PM »
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[...] Mit brutaler Gewalt wird der Klassenkampf von oben gewonnen. Das ist absehbar.

Liste der von der französischen Polizei verletzten Menschen, Albrecht Müller (23. Januar 2019)
24. Januar 2019 um 12:01 Ein Artikel von: Albrecht Müller

Gestern haben die NachDenkSeiten in dem Beitrag “Mit brutaler Gewalt wird der Klassenkampf von oben gewonnen. Das ist absehbar.” auf eine Bilanz der Auseinandersetzung mit den Gelbwesten und auf die Fotos von über 100 Verletzten aufmerksam gemacht. Dort gab es eine ausführliche Liste der 109 Verletzten mit Altersangabe, Namen und Art der Verletzung. Marco Wenzel hat diese Liste übersetzt. Wir geben sie unten wieder. Vorweg noch ein paar kurze Anmerkungen. Albrecht Müller.

Erstens: In den Auseinandersetzungen in Frankreich gab es auch Verletzte unter den Polizisten. Das bedauern die NachDenkSeiten genauso wie die Verletzungen bei den Gelbwesten und anderen Personen. Die Verletzungen der Demonstranten sind jedoch so brutal und erkennbar als Abschreckung angelegt, dass wir es für unsere Pflicht halten, darauf besonders aufmerksam zu machen. Das gilt auch deshalb, weil die deutschen Medien davon kaum Notiz nehmen. Entsprechend wenig ist in der allgemeinen Öffentlichkeit Deutschlands angekommen. Ich habe gestern bei einer Geburtstagsrunde in Karlsruhe den Test gemacht: Keine einzige Person wusste etwas von dieser Brutalität. Und dies in unmittelbarer Nachbarschaft zu Frankreich. Dass in Aachen ein neuer Freundschaftsvertrag mit Frankreich abgeschlossen worden ist, war hingegen bekannt, nicht jedoch die Gewalt bei der innenpolitischen Auseinandersetzung des französischen Präsidenten mit einem Teil seines Volkes.

Zweitens: Die Bundesregierung will die Vorgänge in Frankreich nicht beurteilen und nicht bewerten. So Regierungssprecher Seibert in einer Pressekonferenz. Siehe hier. Die Äußerung von Seibert wie auch die des Sprechers des Bundesinnenministeriums sollte man sich für ähnliche Fälle im Umgang mit anderen Ländern archivieren. Seibert: “Ich beurteile oder bewerte das gar nicht, wie es üblich ist zwischen befreundeten Nationen.”. Der Sprecher des Bundesinnenministers meinte: “Wir kommentieren grundsätzlich nicht die Maßnahmen anderer Staaten”.

Da sind wir aber mal gespannt.

Drittens: Wenn wir über diese schrecklichen Vorgänge berichten, dann wahrlich nicht der Sensation willen, sondern um das öffentlichen Schweigen zu durchbrechen.

Deshalb die Anregung: Geben Sie den Artikel von gestern und diesen von heute weiter.

Der Einfachheit halber werden wir die jetzt folgende Übersetzung auch noch an den gestrigen Artikel anhängen.

Übersetzung der Vorläufigen Aufzählung der Verletzten bei den Demonstrationen von November-Dezember 2018
4. Januar 2019

Recensement provisoire des blessé-es des manifestations du mois de novembre-décembre 2018
https://desarmons.net/index.php/2019/01/04/recensement-provisoire-des-blesses-graves-des-manifestations-du-mois-de-decembre-2018/

Wir ziehen hier eine, wenn auch nicht erschöpfende, Bilanz der schweren Verletzungen, die den gelben Westen und den gelben Westen der Hochschulen seit dem 17. November während der Demonstrationen zugefügt wurden. Wir haben nur Verletzungen aufgezeichnet, die zu Knochenbrüchen, vollständigem oder teilweisem Verlust von Gliedmaßen oder Verkrustungen von Granatenfragmenten im Fleisch führten. Wir fordern alle Beteiligten auf, die in unserem Artikel erwähnten Fakten auf ihre Richtigkeit zu prüfen und gegebenenfalls zu ergänzen oder zu korrigieren. Darüber hinaus laden wir jeden Verletzten ein, sich mit uns in Verbindung zu setzen, um gemeinsam über die Rechtsfolgen zu beraten sowie den Kampf gegen Waffen und ein Treffen aller Verletzten zu organisieren. ...

Bitte besuchen Sie auch die Website von LE MUR JAUNE (die gelbe Wand), die die gleiche Überwachungsarbeit macht wie Désarmons-les! (Entwaffnet sie)

Wir nehmen in diese Liste zunächst die Schwerverletzten auf, aber wir nehmen auch Personen in unsere Liste auf, die sich mit uns in Verbindung gesetzt haben und die ausdrücklich darum gebeten haben, in der Aufzählung zu erscheinen, unabhängig von der Schwere ihrer Verletzung und natürlich erst nach Überprüfung der Informationen.


    ZINEB REDOUANE, 80 Jahre alt, wurde durch einen Tränengasbehälter getötet, der ihr am 1. Dezember 2018 in Marseille ins Gesicht geschossen wurde.
    RICHIE A., 34 Jahre alt, verlor sein linkes Auge durch einen LBD-40-Schuss in Saint-Paul (La Réunion) am 19. November 2018.
    JEROME H. verlor sein linkes Auge, als am 24. November 2018 in Paris ein LBD 40 abgeschossen wurde.
    PATRICK verlor sein linkes Auge durch einen LBD-40-Abschuss in Paris am 24. November 2018.
    Der in Pimprez lebende 40-jährige ANTONIO B. wurde am 24. November 2018 in Paris von einer GLI-F4-Granate schwer am Fuß verletzt.
    GABRIEL, 21 Jahre alt, in der Sarthe ansässiger Kesselbauerlehrling, wurde am 24. November 2018 in Paris von einer GLI-F4-Granate die Hand abgerissen.
    XAVIER E., 34 Jahre alt, wohnhaft in Villefranche sur Saône, erlitt am 24. November 2018 in Villefranche sur Saône eine Fraktur des Kiefers, des Gaumens, des Bahnbodens, des Wangenknochens, mehrere gebrochene Zähne und Verletzungen an der Lippe, die durch einen Schuss LBD 40 verursacht wurden.
    SIEGFRIED, 33 Jahre alt, in der Nähe von Epernay lebend, wurde am 24. November 2018 in Paris von einer GLI-F4-Granate schwer an der Hand verletzt.
    MAXIME W. wurde an der Hand verbrannt und verlor sein Gehör für immer durch eine GLI-F4-Granate in Paris am 24. November 2018 abgefeuert wurde.
    FAB wurde am 24. November 2018 in Paris von einer Landungsgranate an der Stirn verwundet.
    AURELIEN wurde am 24. November 2018 in Tours durch einen LBD-40-Schuss in den Kiefer (5 Stiche) verwundet.
    CEDRIC P., ein in Possession (Insel Reunion) ansässiger Fliesenlegerlehrling, verlor sein linkes Auge, weil er am 27. November 2018 von einer LBD 40 angeschossen wurde.
    FRANCK D., 19 Jahre alt, verlor sein Auge, als am 1. Dezember 2018 in Paris ein LBD 40 abgeschossen wurde.
    Ein Unbekannter, 29 Jahre alt, hat am 1. Dezember 2018 durch eine Landungsgranate in Le Puy en Velay sein Auge verloren (Quelle: Anruf von einem Angehörigen).
    GUY B., ~60 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Bordeaux von einem LBD-40-Schuss der Kiefer gebrochen.
    AYHAN, ~50 Jahre alt, ein Sanofi-Techniker aus Joué-les-Tours, wurde am 1. Dezember 2018 in Tours von einer GLI-F4-Granate die Hand abgerissen.
    BENOIT B., 29 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Toulouse von einem LBD-40-Schuss schwer an der Schläfe verletzt (Hirnödem). Er wurde in ein künstliches Koma versetzt. Update: Er ist erst am 21. Dezember 2018, nach 20 Tagen, aus dem Koma erwacht.
    MEHDI, 21, wurde bei einem Anschlag in Paris am 1. Dezember 2018 schwer verletzt.
    ANTHONY, 18 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Paris durch einen LBD-40-Schuss ins Auge verletzt.
    JEAN-PIERRE wurde am 1. Dezember 2018 in Toulouse von einem LBD-40-Schuss die Hand gebrochen.
    MAXIME I., 40 Jahre alt, erlitt eine doppelte Beckenfraktur aufgrund eines LBD-40-Schusses in Avignon am 1. Dezember 2018.
    FREDERIC R., 35 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Bordeaux von einer GLI-F4-Granate die Hand abgerissen.
    CHRISTOPHE L. wurde am 1. Dezember 2018 in Paris die Nase gebrochen und an der Stirn durch einen Jet von einer Wasserkanone verletzt.
    LIONEL J., 33 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Paris durch eine LBD 40 an der Schläfe verwundet (7 Stiche + 1 subkutane Aufnahme)
    KEVIN P wurde am 1. Dezember 2018 in Paris von einer Tränengaskapsel im zweiten Grad tief an seiner linken Hand (15 Tage arbeitsunfähig) verbrannt.
    MATHILDE M, 22 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Tours durch einen Schuss von einer LBD 40 am Ohr verletzt (25 Fäden, Tinnitus, leichte innere Verletzungen mit Gleichgewichtsstörungen).
    ROMEO B, 19 Jahre alt, erlitt eine offene Schienbeinfraktur (90 Tage arbeitsunfähig) durch eine LBD 40 am 1. Dezember 2018 in Toulouse.
    ELIE B., 27 Jahre alt, hatte einen gebrochenen Kiefer und verlor einen Zahn, aufgrund von einer LBD 40 am 1. Dezember 2018 in Paris .
    ETIENNE P, ein Agent der SNCF, erlitt eine Schienbeinfraktur (90 Tage arbeitsunfähig), nachdem am 1. Dezember 2018 in Paris eine LBD 40 abgeschossen wurde.
    HUGO C, Fotograf, wurde von einer LBD 40 verletzt, die am 1. Dezember 2018 in Paris abgeschossen wurde.
    CHARLINE R, 29 Jahre alt, wurde am 1. Dezember 2018 in Paris durch ein Schrapnell einer GLI-F4-Granate am Fuß verletzt (Extraktion unter Vollnarkose).
    DORIANA, 16 Jahre alt, eine in Grenoble lebende Gymnasiastin, wurden am 3. Dezember 2018 von einer LBD 40 in Grenoble das Kinn und zwei Zähne gebrochen.
    ISSAM, 17 Jahre alt, Gymnasiast in Garges-les-Gonesse, wurde am 5. Dezember 2018 in Garges-les-Gonesse von einem LBD-40-Schuss der Kiefer gebrochen.
    OUMAR, 16 Jahre alt, ein Gymnasiast aus Saint Jean de Braye, wurde am 5. Dezember 2018 von einem LBD-40-Schuss in Saint Jean de Braye mit einer Stirnfraktur verletzt.
    JEAN-PHILIPPE L, 16 Jahre alt, verlor sein linkes Auge durch einen LBD-40-Schuss am 6. Dezember 2018 in Bézier.
    RAMY, 15 Jahre alt und in Vénissieux ansässig, verlor sein linkes Auge entweder durch einen LBD-40-Schuss oder aber durch eine Granate in Lyon am 6. Dezember 2018.
    ANTONIN, 15 Jahre alt, wurde am 8. Dezember 2018 in Dijon von einem LBD-40-Schuss Kiefer und Unterkiefer gebrochen.
    THOMAS, 20 Jahre alt, Student in Nîmes, Fraktur des Sinus am 8. Dezember 2018 in Paris von einer LBD 40
    DAVID, einem in der Region Paris ansässiger Steinmetz, wurde am 8. Dezember 2018 in Paris von einem LBD-40-Schuss der Kiefer gebrochen und die Lippe abgerissen.
    FIORINA L., 20 Jahre alt, eine in Amiens lebende Studentin, verlor ihr linkes Auge durch einen LBD-Schuss in Paris am 8. Dezember 2018.
    ANTOINE B., 26 Jahre alt, wurde am 8. Dezember 2018 in Bordeaux von einer GLI-F4-Granate die Hand abgerissen.
    JEAN-MARC M., 41 Jahre alt, in Saint-Georges d’Oléron ansässiger Gartenbaukünstler, verlor sein rechtes Auge durch einen Schuss von einer LBD 40 am 8. Dezember 2018 in Bordeaux.
    ANTOINE C., 25 Jahre alt, freiberuflicher Grafikdesigner mit Wohnsitz in Paris, verlor sein linkes Auge durch Abschuss einer LBD 40 in Paris am 8. Dezember 2018.
    KONSTANT, 43 Jahre alt, arbeitsloser technischer Verkäufer aus Bayeux, wurde am 8. Dezember 2018 in Mondeville von einem LBD-40-Schuss die Nase gebrochen.
    Der 17-jährige CLEMENT F. wurde am 8. Dezember 2018 in Bordeaux von einem LBD-40-Schuss an der Wange verletzt.
    NICOLAS C., 38 Jahre alt, wurde am 8. Dezember 2018 in Paris von einem LBD-40-Schuss die linke Hand gebrochen.
    YANN wurde am 8. Dezember 2018 in Toulouse sein Schienbein durch einen LBD-40-Schuss gebrochen.
    PHILIPPE S. wurde durch einen LBD-Schuss am 8. Dezember 2018 in Nantes schwer an den Rippen verletzt, mit inneren Blutungen und Milzfrakturen.
    ALEXANDRE F., 37 Jahre alt, verlor sein rechtes Auge durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Paris.
    MARIEN, 27, erlitt einen doppelten Bruch ihrer rechten Hand durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Bordeaux.
    FABIEN wurden am 8. Dezember 2018 in Paris von einem LBD-40-Schuss die Wangenknochen gespalten und die Nase gebrochen.
    EMERIC S., 22 Jahre alt, hat ein gebrochenes Handgelenk mit Verschiebung der Elle durch eine LBD 40 am 8. Dezember 2018 in Paris.
    HICHEM B. wurde seine linke Hand durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Paris gebrochen.
    HANNIBAL V. wurde am 8. Dezember 2018 in Paris durch einen LBD-40-Schuss ins Auge verwundet.
    MANO M. wurde sein Fuß (2. Mittelfußknochen) durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Nantes gebrochen.
    ALEXANDRA wurde am 8. Dezember 2018 in Paris durch einen LBD-40-Schuss in den Hinterkopf verletzt.
    MARTIN C. wurde am 8. Dezember 2018 in Marseille durch einen LBD-40-Schuss nahe am Auge verletzt.
    GUILLAUME P. erlitt eine offene Fraktur der Hand mit Sehnenriss aufgrund eines LBD-40-Schusses am 8. Dezember 2018 in Nantes.
    AXELLE M., 28 Jahre alt, erlitt eine doppelte Fraktur seines Kiefers und gebrochene Zähne, die von einer LBD 40 am 8. Dezember 2018 in Paris abgeschossen wurde.
    STEVEN L., 20 Jahre alt, wurden am 8. Dezember 2018 in Paris durch einen LBD-40-Schuss das Schienbein und seine Hand durch Teleskopschlagstöcke (bis zur Bewusstlosigkeit) gebrochen.
    ERIC P. erlitt einen Kieferbruch, aufgeschlagene Lippen und gebrochene Zähne, die von einer LBD 40 am 8. Dezember 2018 in Paris herrühren.
    DAVID D., 31, ein Bauarbeiter, erlitt eine gebrochene Nase, ein abgetrenntes Nasenloch und ein Hämatom auf der Oberlippe aufgrund einer Granate am 8. Dezember 2018 in Bordeaux.
    PATRICE P., 49 Jahre alt, verlor sein rechtes Auge durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Paris.
    CHRISTOPHER erlitt eine dreifache Fraktur der Gesichtsknochen, nachdem am 8. Dezember 2018 in Calais eine LBD 40 abgeschossen wurde.
    NICOLAS D. wurde ein Wangenknochen durch einen LBD-40-Schuss am 8. Dezember 2018 in Paris gebrochen.
    NICOLAS, 38, hatte eine metakarpale Fraktur aufgrund eines LBD-40-Schusses in Paris am 8. Dezember 2018.
    VANESSA L., 33, verlor sein linkes Auge und ihm wurde am 15. Dezember 2018 in Paris von einer LBD 40 der Schädel gebrochen.
    ETIENNE K. erlitt eine dreifache Fraktur des linken Unterkiefers wegen einer LBD 40 am 15. Dezember 2018 in Paris.
    LOLA V., 18 Jahre alt, erlitt am 18. Dezember in Biaritz einen dreifachen Kieferbruch, gebrochene Zähne und eine aufgerissene Wange.
    RODOLPHE wurde am 18. Dezember von einer Granate in den Beinen verwundet.
    JANELLE M. wurde am 22. Dezember 2018 in Nancy durch eine (noch zu bestätigende) Granate am Fuß verletzt.
    AURORE C. erlitt einen Bruch des linken Knöchels (6 Wochen Ruhigstellung, 45 Tage arbeitsunfähig) herrührend vom Abschuss einer LBD 40 am 22. Dezember 2018 in Bourg-en-Bresse.
    R.G., 24 Jahre alt, verlor ein Auge durch einen LBD-40-Schuss am 29. Dezember 2018 in Toulouse.
    CORENTIN G. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen von einem großen Schrapnell einer GLI-F4-Granate am Bein verletzt.
    STEVE B. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen durch mehrere Metallsplitterfragmente einer GLI-F4-Granate am Bein verletzt.
    SABRINA L. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen durch mehrere Metallsplitterfragmente einer GLI-F4-Granate am Bein verletzt.
    MICKA T. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen von mehreren Metallsplitterfragmenten einer GLI-F4-Granate am Bein und an der Schläfe verwundet.
    MICKAEL F. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen von mehreren Metallsplitterfragmenten einer GLI-F4-Granate am Bein verwundet.
    COLINE M. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen durch einen LBD-40-Schuss in den Arm verwundet.
    JONATHAN C. wurde am 29. Dezember 2018 in Rouen durch einen LBD-40-Schuss in den Arm verletzt.
    ADRIEN M., 22 Jahre alt, wurde durch einen LBD-40-Schuss am 29. Dezember 2018 in Nantes schwer am Hinterkopf verletzt (Kopfverletzung).
    YVAN B. wurde am 29. Dezember 2018 in Montpellier durch einen LBD-40-Schuss an Nase und Auge verwundet.
    FANNY B, 29 Jahre alt, wurde am 29. Dezember 2018 in Nantes von einer Landungsgranate am Knöchel verletzt.
    ROBIN B. wurde am Hinterkopf (4 Klammern + Hämatom) durch einen LBD-40-Schuss am 05. Januar 2019 in La Rochelle verletzt.
    FLORENT M. erlitt eine offene Fraktur des Jochbeins aufgrund einer LBD 40 am 05. Januar 2019 in Paris.
    OLIVIER H. wurde durch einen LBD-40-Schuss am 05. Januar 2019 in Paris am Kopf verletzt (Kopfverletzung mit Bewusstseinsverlust).
    DANIEL wurde von einem LBD-40-Schuss am 05. Januar 2019 in Paris an der Stirn verletzt.
    LIONEL L. hatte einen offenen Beinbruch (3 Monate Ruhigstellung) aufgrund einer Granate in Paris am 5. Januar 2019.
    DAVID S. erlitt eine gebrochene Nase und 9 Stiche (20 Tage arbeitsunfähig) aufgrund eines LBD-40-Schusses am 5. Januar 2019 in Bordeaux.
    ADRIEN wurde mit einem LBD 40 am 5. Januar 2019 in Saint Etienne ins Auge geschossen.
    Ein Unbekannter, 35 Jahre alt, verlor ein Auge durch einen LBD-40-Schuss am 12. Januar 2019 in Toulon.
    BENJAMIN V., 23 Jahre alt, Arbeiter, verlor ein Auge und erlitt 6 Knochenbrüche an Gesicht und Nase durch einen LBD-40-Schuss am 12. Januar 2019 in Bordeaux.
    XAVIER L., 46 Jahre alt, Fotojournalist, erlitt einen Kniescheibenbruch (45 Tage arbeitunfähig) durch LBD 40 am 12. Januar 2019 in La Rochelle.
    Der 15-jährige LILIAN erlitt am 12. Januar 2019 in Straßburg einen Kieferbruch durch eine LBD 40
    WILLIAM R., 23 Jahre alt, erlitt eine Fraktur des Stirnbeins mit intrakraniellem Hämatom durch eine LBD 40 am 12. Januar 2019 in Paris.
    LUDOVIC B. wurde am 12. Januar 2019 in Paris von einer Granate an der Wange verletzt.
    SEBASTIEN M. erlitt am 12. Januar 2019 in Paris von einer LBD 40 einen Kieferbruch und verlor 5 Zähne.
    MARIE-PIERRE L., 47 Jahre alt, wurde am 12. Januar 2019 in Nantes von einer Granate am Oberschenkel verletzt.
    SANDRA, 29 Jahre alt, wurde am 12. Januar 2019 in Le Havre durch einen Schuss von einer LBD 40 schwer am Fuß verletzt (10 Tage Behandlung, Risiko einer Phlebitis).
    SAMIR wurde an der Schläfe (Gesichtslähmung) durch eine LBD 40 am 12. Januar 2019 in Saint Etienne schwer verletzt.
    OLIVIER, 51 Jahre alt, Feuerwehrmann, wurde an der Schläfe (nach einer Hirnblutung in ein künstliches Koma versetzt) durch einen LBD-40-Schuss am 12. Januar 2019 in Bordeaux schwer verletzt.
    NICOLAS wurde am 12. Januar 2019 in Bar le Duc durch einen LBD-40-Schuss ins Auge verwundet.
    ANTHONY B. wurde am 12. Januar 2019 in Besançon durch einen LBD-40-Schuss am Hinterkopf verletzt (Kopfverletzung, 10 subkutane Stiche, 10 Oberflächenstiche).
    MAR, 51 Jahre alt, wurde am 12. Januar 2019 in Nîmes durch einen LBD-40-Schuss an der Stirn (Kopfverletzung, offene Wunde 10 cm lang und bis zum Schädel, 10 Stiche) verletzt.
    SEBASTIEN D. wurde der Kiefer durch einen LBD-40-Schuss am 12. Januar 2019 in Nîmes gebrochen.
    Ein Unbekannter, 36 Jahre alt, wurde durch eine LBD 40 am 12. Januar 2019 in Bourges schwer am Kopf verletzt und liegt derzeit im Koma (Quelle: Le Parisien).
    Ein weiterer Unbekannter, 27 Jahre alt, verlor durch eine Granate am 19. Januar 2019 in Rennes ein Auge.
    AXEL, 25 Jahre alt, erlitt mehrere Frakturen der Stirn und im Gesicht sowie ein Ödem am Auge, nachdem am 19. Januar 2019 in Montpellier eine LBD 40 abgeschossen wurde.
    JEAN CLAUDE M. wurde durch eine LBD 40 am 19. Januar 2019 in Rennes schwer am Auge verletzt (vorübergehender Sehverlust).

Die vorläufige Bilanz der Verletzungen ergibt:

    1 Person wurde getötet (Tränengasgranate)
    4 Personen wurden die Hände abgerissen (GLI-F4-Granaten).
    18 Personen wurden am Auge verletzt (LBD-40-Kugeln und landende Granaten).
    1 Person hat ihr Gehör dauerhaft verloren (Granate)



Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=48643

Quelle: https://klausbaum.wordpress.com/2019/01/29/es-ist-krieg/



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« Reply #876 on: February 03, 2019, 03:07:13 PM »
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« Reply #877 on: February 13, 2019, 12:10:30 PM »
Quote
[...]  Interview - Björn Vedder, Jahrgang 1976, ist Philosoph. Er lebt in Herrsching am Ammersee. Sein aktuelles Buch Reicher Pöbel. Über die Monster des Kapitalismus ist 2018 im Büchner-Verlag erschienen. Der Philosoph Björn Vedder spricht über die Kritik an der Geld-Elite und die Heuchelei der Mitte

der Freitag: Herr Vedder, eigentlich ist der Begriff des Pöbels eine abwertende Bezeichnung für das „gemeine Volk“. Sie aber sprechen in Ihrem neuen Buch schon im Titel vom „reichen Pöbel“. Wer ist das?

Björn Vedder: Diese Wendung habe ich von Hegel entlehnt. Er beschrieb damit Menschen, deren Reichtum es ihnen erlaubt, sich aus dem „Band der Not“ herauszulösen. Dieses verbindet die meisten Menschen miteinander, weil es sie zwingt, zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse auch die Bedürfnisse der anderen und der Allgemeinheit zu befriedigen. Da mit der Abhängigkeit von diesem „Band der Not“ eine gewisse Sittlichkeit einhergeht, entsteht aus der Freiheit davon eine gewisse Art der Unsittlichkeit. Die Reichen können es sich also leisten, unsittlich zu sein. Ihnen droht eine Wohlstandsverwahrlosung. Es sei denn, sie stemmen sich mit großer Anstrengung dagegen.

der Freitag: Bill Gates oder Mark Zuckerberg sind extrem reich, aber sie lassen einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens wohltätigen Zwecken zukommen. Da wackelt Ihre Definition doch?

Björn Vedder: Ich glaube nicht, dass Wohltätigkeit viel zum Guten ändern kann. Sehen Sie sich nur einmal den Internetauftritt der Charity-Kampagne „The Giving Pledge“ an. Das ist so eine Spendenkampagne von Superreichen, die verkünden: „In meinem Leben habe ich so viel erreicht, weil ich hart gearbeitet und mir vor allem Bildung angeeignet habe. Darum möchte ich Bildung fördern.“ Es gibt ein Programm der Vereinten Nationen, das dafür sorgen könnte, dass weltweit alle Kinder zur Schule gehen. Dafür müsste man jährlich zwar einige Milliarden Dollar ausgeben, aber für diese Superreichen wäre das nur ein Klacks, gemessen an den Summen, die sie bei „The Giving Pledge“ versprechen. Wenn es den Reichen also tatsächlich so wichtig wäre, Bildung zu fördern, frage ich mich: Warum ist das Programm der Vereinten Nationen dann noch nicht realisiert worden?

der Freitag:  Pestalozzi sagt: „Wohltätigkeit ist das Ersaufen des Rechts im Mistloch der Gnade.“ Fußt der Kapitalismus nicht genau auf diesem Gedanken: Wer arm ist, hat nicht genug geleistet, und wenn ein Leistungsträger einem Armen ein paar Brosamen schenkt, dann darf er sich freuen und hat ansonsten das Maul zu halten?

Björn Vedder: Bei Wohltätigkeit geht es vor allem darum, sich als guten Menschen zu inszenieren. Und das ist keinesfalls etwas, das die Superreichen für sich gepachtet haben. Wer sich zur bildungsbürgerlichen Mitte zählt, trägt zumindest den Keim dieses Moralisierens in sich. Ich gehe zum Beispiel regelmäßig in den Biomarkt. Davon erzähle ich gern anderen, um zu zeigen, dass mir die Umwelt und das Wohl der Tiere wichtig sind. Als ich noch Student war, gab es einen Professor, der private Klavierkonzerte veranstaltet hat mit polnischen Pianisten. Die mussten dann für 200 Mark pro Abend bei ihm spielen, damit er zeigen konnte, wie wichtig ihm die Hochkultur ist.

der Freitag: Wenn die Mitte nun genauso ist wie die Geld-Elite: Worin liegt dann die spezifische Pöbelhaftigkeit der Reichen?

Björn Vedder: Es gibt eine soziologische Untersuchung, die ihre Befragten mit der Aussage konfrontiert hat: „Wenn ich an Bord der Titanic wäre, hätte ich ein Anrecht darauf, in einem der ersten Rettungsboote zu sitzen.“ Das Ergebnis war eindeutig: Je reicher ein Befragter ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass er mit „Ja“ antwortet. Es gibt also eine Korrelation zwischen der Höhe des ökonomischen Vermögens und dem Glauben daran, mehr wert zu sein als andere Menschen. Bret Easton Ellis hat das in seinem Roman American Psycho von 1991 schon gezeigt. Das, was dort der reiche Patrick Bateman zu seinem ersten Mordopfer sagt, einem Obdachlosen, ähnelt stark den Selbstrechtfertigungen der Reichen, die der Reporter Dennis Gastmann auf Sylt interviewt hat. Das Selbstbild der Reichen basiert auf einer Verachtung der Ärmeren als Minderleister.

der Freitag: Wird diese kapitalistische Legende über den Zusammenhang von Leistung und Vermögen von der Mitte nicht genauso vehement vertreten wie von den Schwerreichen?

Björn Vedder: Die Mitte vertritt diese Legende sogar noch viel stärker. Sie braucht sie, um sich selbst zu legitimieren und von unten genauso wie von oben abzugrenzen. Zu dieser Abgrenzung gehört die Rede von dem pöbelhaften einen Prozent der Superreichen und den übrigen, tüchtigen 99 Prozent. Tatsächlich werden damit Zusammenhänge verschleiert. Superreiche sind das Produkt eines Systems, das die gesellschaftliche Mitte aktiv am Laufen hält. Ein System, das Geld von unten nach oben umverteilt. Die Kritik tut so, als seien die Reichen nur Menschen, die sich individuell falsch verhalten. Sie projiziert die negativen Effekte dieses Systems auf eine kleine Gruppe und dämonisiert sie. Da werden dann die Wölfe der Wall Street an den Pranger gestellt, obwohl wir aus Innenansichten der Branche wissen, dass das keine Raubtiere sind, sondern Legehennen.

der Freitag: Warum leugnet die Mitte den Zusammenhang mit den ökonomischen Strukturen?

Björn Vedder: Weil sie selber von diesen Strukturen profitiert. Sie lebt auf Kosten derer, die ökonomisch schwächer sind, vor allem auf Kosten vieler Menschen im globalen Süden. Darum ist diese Art der Kritik an den Reichen auch so heuchlerisch. Es geht nicht darum, ethische Werte zu verteidigen, sondern die eigenen Pfründe, und darum, sich selber durch Moral aufzuspielen. Die Welt ist alles, was der Fall ist. Indem ich jedoch einen moralischen Anspruch formuliere, ziehe ich eine klare Differenz: Die Welt soll anders sein, und in dieser Differenz, das ist ein Gedanke von Luhmann, entsteht meine Identität als guter Mensch.

der Freitag: Sie beschreiben in Ihrem Buch auch einen „armen Pöbel“. Das sind aus Ihrer Sicht jene, die nach unten aus dem „Band der Not“ herausfallen. Weshalb gehen Sie mit dieser Gruppe nicht so hart ins Gericht wie mit der Mitte und den Reichen?

Björn Vedder: Diese Menschen haben weit weniger gesellschaftliche Macht. Ihre Pöbelhaftigkeit entsteht dadurch, dass ihnen die Möglichkeit fehlt, durch Arbeit ihre eigenen Konsumbedürfnisse zu befriedigen, oder sie befürchten, dass es so kommen könnte. Es geht also auch um Abstiegsangst. Hinzu kommt, dass die neue Mittelklasse eine Kultur des Konsums und einen Lebensstil etabliert hat, die das Besondere, das Singuläre feiern und im Gegenzug das Normale abwerten. Die Feindseligkeit gegenüber der Gesellschaft entsteht beim armen Pöbel also aus einer doppelten Erniedrigung: Er lebt in ökonomisch prekärer Lage und wird außerdem in seiner Lebensweise systematisch abgewertet.

der Freitag: „Ist das Hirn zu kurz gekommen, wird sehr gern Moral genommen“, dichtete Wiglaf Droste einmal. Wie lassen sich denn die Reichen kritisieren, ohne dabei die Rolle der kosmopolitischen Mitte zu vergessen?

Björn Vedder: Wer an den Gerechtigkeitssinn des Bürgers appelliert, steht auf verlorenem Posten. Hilfreicher ist es, ihn an sein Interesse zu erinnern. Angesichts der politischen und ökologischen Verwerfungen, die uns bevorstehen, täten wir gut daran, unser eigenes Verhalten zu verändern. Nicht, weil wir auf einmal einsehen müssten, dass wir moralisch falsch gehandelt hätten. Sondern weil es in unserem eigenen Interesse liegt, eine gerechtere Weltgesellschaft zu ermöglichen. Ein erster Schritt dahin wäre, dass wir, wie Friedrich Nietzsche es sich für den guten Menschen wünscht, „die Augen gegen uns selbst aufmachten“ und aufhörten, so „treuherzig-verlogen, blauäugig-verlogen“ zu sein. Dann wäre schon viel gewonnen.


13.02.2019



Aus: "„Ein Selbstbild der Verachtung“" Christian Baron (Ausgabe 04/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/cbaron/ein-selbstbild-der-verachtung

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« Reply #878 on: February 18, 2019, 08:57:09 PM »
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[...] Die Frankonia Eurobau ist bekannt für exklusive Neubauten in zentraler Stadtlage – beispielsweise das Andreas Quartier in Düsseldorf, die Sophienterrassen in Hamburg und Luxuswohnungen auf dem Berliner Schinkelplatz. Für solche Immobilien gebe es immer einen Abnehmer, sagt Frankonia-Chef Uwe Schmitz. Dennoch macht ihm die Diskussion um bezahlbares Wohnen Sorgen. Er warnt vor fehlgeleiteten Subventionen. Und vor einer Rückkehr hässlicher Sozialwohnungen.

WELT AM SONNTAG: Herr Schmitz, die Frankonia Eurobau hat in den vergangenen Jahren etliche hochwertige Wohnquartiere gebaut. Die Preise liegen in der Oberklasse. Allerdings dauert es auch lange, bis Käufer gefunden sind. Ist der Luxusmarkt gesättigt?

Uwe Schmitz: Generell ist das abhängig vom Standort. Aber für die Preisklasse oberhalb von zwei Millionen Euro muss ich sagen: Die Vermarktung dauert heute nicht länger als vor 15 Jahren. Da hat sich nicht viel geändert. Ich glaube, dass ich das ganz gut beurteilen kann. Wir haben in den letzten Jahren Wohnungen im Wert von 550 Millionen Euro in diesem Segment verkauft. Jetzt wird gemutmaßt, da sei am Bedarf vorbeigebaut worden. Das stimmt aber nicht.

WELT AM SONNTAG: Teilweise handelt es sich um fast feudale Anwesen mit mehr als 450 Quadratmeter Wohnfläche.

Schmitz: Da liegen wir auch mal bei sechs oder sieben Millionen Euro Kaufpreis. In diesem Bereich kommt keiner spontan vorbei und sagt: Ich kaufe das jetzt mal, und eine Woche später gibt es den Notartermin. Das sind Entscheidungsprozesse, die sich über Monate entwickeln und die wir aktiv begleiten. Das ist völlig normal bei größeren Einheiten. Beim Projekt Sophienterrassen wiederum gab es noch bis Mitte des vergangenen Jahres Bauarbeiten am zentralen denkmalgeschützten Gebäude. In dieser Preisklasse sollte man es vermeiden, den Kunden etwas Unfertiges zu zeigen. Am Düsseldorfer Medienhafen hingegen ging alles relativ schnell. Da haben wir innerhalb kurzer Zeit 420 Wohnungen fast vollständig verkauft – Einheiten, die zwischen 35 und 50 Quadratmeter groß waren. Solche Objekte werden in großen Städten weiterhin nachgefragt.

WELT AM SONNTAG: Wieso sind Sie sich da so sicher?

Schmitz: Wir haben einen anhaltenden Trend in die großen europäischen Städte. Schauen Sie sich Stockholm an. Amsterdam. Oder Barcelona. Da sind Wohnimmobilien noch teurer, und trotzdem hält die Nachfrage an. Ich glaube, der Nachholeffekt in Deutschland hat erst begonnen. Um das zu begreifen, muss man in die Vergangenheit blicken. Nach dem Krieg hat man die Städte in Deutschland in rasender Geschwindigkeit aufgebaut und dabei alte Bautraditionen völlig über den Haufen geworfen.

WELT AM SONNTAG: Alles musste funktional und verkehrsfreundlich sein.

Schmitz: Ja, und in Düsseldorf beispielsweise hat man die Rheinuferstraße vierspurig ausgebaut und damit die Altstadt vom Rhein abgeschnitten. Dann hat man mit der Schnellstraße „Tausendfüßler“ alles auch noch in zwei Hälften geteilt. Die Leute sind förmlich aus der Innenstadt geflohen, weil die praktisch nicht mehr bewohnbar war. Düsseldorf war da kein Einzelfall. Erst Ende der 80er-Jahre gab es ein Umdenken in der Stadtplanung. Heute wird das Zentrum von Düsseldorf täglich schöner, und das nehmen die Leute auch wahr. Man kann in solchen Lagen eigentlich immer von einem kleinen Nachfrageüberhang ausgehen, weil der Markt räumlich begrenzt ist. Das gilt auch anderswo für die beliebten Stadtquartiere, in München, in Berlin. In den meisten Innenstädten ist eine Angebotsausweitung auch durch Nachverdichtung kaum noch möglich. Warum sollten da die Preise fallen?

WELT AM SONNTAG: Die Zinsen könnten steigen, die Finanzierung wird teurer, und die Käufer verlieren finanziellen Spielraum.

Schmitz: Meine Sorge ist eher, dass so etwas wie die Lehman-Pleite noch einmal passieren kann. Und auch bei der Staatsverschuldung vor allem in Europa ist die Lage alles andere als geklärt. Viel Spielraum für steigende Zinsen sehe ich deshalb nicht. Ich beobachte eher, dass die Finanzierung immer noch günstig ist und manche Grundstücke wieder und wieder verkauft werden. Jeder Käufer legt noch eine Schippe drauf. Zusätzlich haben sich die Baukosten innerhalb kurzer Zeit um mindestens 25 Prozent verteuert. Beides zusammen sorgt inzwischen dafür, dass sich manche Neubauprojekte in der Vermietung gar nicht mehr rechnen.

WELT AM SONNTAG: Jedenfalls in Bevölkerungsgruppen, in denen bezahlbares Wohnen gefragt ist.

Schmitz: Die meisten Mieter in Deutschland wollen nicht mehr als 30 bis 33 Prozent des Nettoeinkommens für die Miete ausgeben. Es gibt zwar eine Gruppe, die sich Mieten von 22 bis 24 Euro pro Quadratmeter leisten kann. Aber die ist nicht unendlich groß. Und die Einkommen steigen zurzeit bei Weitem nicht so schnell wie die Mieten.

WELT AM SONNTAG: Manche Projektentwickler berichten, dass die Ansprüche der Käufer sehr gestiegen seien, etwa was Fläche angeht oder Ausstattung, Küchenmöbel, Steckdosen.

Schmitz: Steckdosen und Möbel sind doch Kleinigkeiten. Die großen Hebel liegen ganz woanders, beispielsweise bei den Grundstückskosten. Es ist doch absurd: Bund, Länder und Gemeinden wollen bezahlbare Wohnungen und verkaufen die Grundstücke dann zu Höchstpreisen. Und jetzt kommt der Gesetzgeber auch noch mit einer neuen Subvention, mit einer Sonderabschreibung für Mietwohnungsbau. Ich kenne Investoren, die aktuell überlegen, wie man schnell Wohnungen bauen könnte, um diesen Steuervorteil für den Gewinn mitzunehmen. Die Branche preist so etwas ein. Kein Wunder, dass die Lobby daran interessiert ist. Entscheidend ist doch bei den meisten Modellen die Renditeerwartung am Ende. Wenn sich ein Käufer beispielsweise mit drei Prozent Rendite zufriedengibt, dann wird das ganze Projekt auch so kalkuliert. Eine Steuerförderung wird dann eher dazu genutzt, einen höheren Kaufpreis verlangen zu können. Beim Käufer oder Mieter am Ende kommt das nicht an.

WELT AM SONNTAG: Die Immobilienbranche verspricht: Wenn ihr uns die Grundstücke billiger gebt, dann geben wir die Wohnungen auch billiger weiter.

Schmitz: Das zu glauben wäre naiv.

WELT AM SONNTAG: Das heißt dann wohl: Beim aktuellen Preisniveau kann der Markt keine günstigen Wohnungen produzieren.

Schmitz: Die Bereitstellung von bezahlbaren Wohnungen ist aus meiner Sicht eine staatliche Aufgabe. Der Staat sollte sich Dienstleister aus der Wirtschaft holen, die für ein Honorar günstige Wohnungen auf kommunalen Grundstücken errichten, die dann aber auch in staatlicher Hand bleiben. Warum muss der Staat die Flächen für solche Projekte überhaupt verkaufen? Es gibt gewisse relevante Grundversorgungsbereiche, die meiner Ansicht nach beim Staat bleiben sollten. Dazu gehören beispielsweise die Wasserversorgung, der Schienenverkehr oder eben bezahlbare Mietwohnungen. Die sollte man nicht privatisieren, weil das am Ende immer darauf hinausläuft, dass die Mieter wirtschaftlich übervorteilt werden. Man kann doch nicht ernsthaft glauben, dass ein professionelles Wohnungsunternehmen dauerhaft auf Gewinne verzichtet, damit es den Mietern gut geht.


Aus: "„Für bezahlbare Wohnungen ist der Staat zuständig“ Michael FabriciusL eitender Redakteur Immobilien (15.02.2019)
Quelle: https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article188838913/Frankonia-Uwe-Schmitz-fordert-staatliche-Bereitstellung-von-Wohnraum.html

Quote
Klaus K.

["Man könne nicht erwarten, dass Immobilienunternehmen auf Gewinne verzichteten, damit es den Mietern gut gehe."]

 Private Immobilienunternehmen sind, wie geschrieben (eigene Aussage Frankonia), nur an Gewinnmaximierung interessiert. Das Wohl der Mieter ist nebensächlich. ...


Quote
Hubert K.

 Klare und deutschliche Worte für die sozialromantische Naivität die einige Städte beim Thema Wohnen so umtreibt.


Quote
Steffen R.

 Ja ja wenn jeder an sich denkt ist an alle gedacht.....


Quote
Günter R.

 Der ist immer wieder gut!


Quote
Ulrich A.

 ja, für Sozialwohnungen wäre der Staat zuständig. Für Steuern zahlen aber wären alle verantwortlich. Gestern war wieder einmal zu lesen, wie sich Immobilienkonzerne, Hedgefonds, Investoren die Grunderwerbsteuer mit sogenannten Share Deals sparen und das auch noch ganz legal. Den Kommunen entgehen so hohe Einnahmen, die sie für den Bau und Unterhalt von Sozialwohnungen bräuchten.


...

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« Reply #879 on: February 25, 2019, 05:01:45 PM »
Quote
[...] Karin Krichmayr: Österreich ist auf Zuwanderung angewiesen. Dennoch ist ein großer Teil der österreichischen Bevölkerung Migrantinnen und Migranten gegenüber kritisch eingestellt. Sei es die berüchtigte "Ausländerkriminalität", sexuelle Gewalt, die besonders von Migranten ausgehe, oder die Angst, dass Muslime das christliche Abendland überrollen: In der öffentlichen Debatte haben sich eine Menge Botschaften ausgebreitet, die von Stereotypen geprägt sind und sich mitunter als schlicht falsch herausstellen, sobald sie auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft werden. Der Kulturanthropologe Klaus Schönberger ist überzeugt: Allein auf Fakten zu beharren ist nicht genug, der Mythos braucht einen Gegenmythos. Warum glauben so viele Menschen an Mythen, die sich bei genauerer Betrachtung als unrichtig herausstellen?

Schönberger: Diese Erzählungen und Narrationen, manche nennen sie Mythen, fallen nicht einfach vom Himmel, sondern haben oft eine lange Geschichte. Waren es in der Vergangenheit antisemitische Ressentiments, ist jetzt auch noch der Islam in das Fadenkreuz des Rassismus geraten. Menschen greifen diese Erzählungen nicht auf, weil sie dumm oder ungebildet sind. Sie wissen zum Teil sehr genau, dass diese Behauptungen ins Reich der Fabeln gehören und keinem Faktencheck standhalten können. Oft handelt es sich um eine Verschiebung von Problemen, über die nicht gesprochen werden soll. Insofern haben diese Erzählungen durchaus eine Funktion, einen rationalen Kern.

STANDARD: Was meinen Sie damit?

Schönberger: Menschen haben unterschiedliche Gründe, warum sie an solche Erzählungen glauben möchten. Einer ist, dass sie Teil einer Maschinerie sind, in der sie sich ohnmächtig fühlen. Die Vorstellung, dass da jemand ist, den ich ausgrenzen kann, dem ich sagen kann, er muss sich integrieren, suggeriert mir Handlungsfähigkeit. Das ist ein ganz rationales Interesse, um mich wieder handlungsfähig zu fühlen, indem ich nach unten trete und mich in der sozialen Hierarchie über andere erhebe.

STANDARD: Es geht also in Wahrheit um andere Probleme?

Schönberger: In einer komplexen Welt mit vielen Unsicherheiten, die ja real sind, treffen diese Erzählungen auf einen fruchtbaren Boden. Wer möchte sich schon grundsätzlich damit auseinandersetzen, warum seine Pension unsicher ist, warum private Aktiengesellschaften darüber bestimmen, ob man morgen noch seinen Job hat? In Kombination mit einer gewissen Medienpräsenz dieser Mythen kann man alle Probleme der Welt auf einen bestimmten Bereich fokussieren, in dem Fall auf Zuwanderer. Es ist mehr als die Suche nach einem Sündenbock, sondern eine Verschiebung der eigenen Probleme. Wir müssen allerdings aufhören, von den "berechtigten Ängsten" derjenigen, die andere drangsalieren, zu schwadronieren. Sie haben keine Angst vor Migranten, sie möchten sie herumkommandieren und sie verachten sie.

STANDARD: Üblicherweise erscheint die Migrationsdebatte eher von Ängsten getrieben. Wie lässt sich das erklären?

Schönberger: Es ist aberwitzig, welcher Aufwand betrieben wird, um die Burka zu verhindern, obwohl es nur eine Handvoll Fälle in ganz Österreich gibt. Wenn man aber eine kulturelle Ordnung und Unterordnung haben möchte, dann ist es rational, sich so zu echauffieren. Die Instrumentalisierung der Migrations- und Flüchtlingsfrage ist nichts anders als der Versuch, die gegenwärtige Demokratiekrise und gewisse Verarmungstendenzen zu dethematisieren.

STANDARD: Die Migrationsmythen sind also Teil der politischen Strategie?

Schönberger: Österreich braucht Einwanderung, das ist bekannt. Die Behauptung, dass Migranten Arbeitsplätze wegnehmen und den Sozialstaat gefährden, passt gut zu dem, was die Regierung vorhat, also einen ökonomischen Umbau und den Abbau von sozialen Sicherungssystemen. Diese Instrumentalisierung ist aus Sicht der ÖVP nachvollziehbar. Aus universitärer Perspektive verstehen viele aber nicht, warum der gerade in Migrationsfragen anerkannte Bildungsminister Heinz Faßmann entgegen der wissenschaftlichen Faktenlage Maßnahmen vertritt, die von Hasspredigern zur Regierungslinie erhoben wurden.

STANDARD: Warum ist es so leicht, sich auf Migration zu stürzen?

Schönberger: Es gibt Traditionen dieser Erzählungen, etwa die von der angeblich besonders hohen Kriminalität der "Ausländer". Oder das Beispiel sexuelle Gewalt. Man könnte das als Problem von toxischer Männlichkeit verhandeln. Die meiste Gefahr für Frauen geht von den Männern in den eigenen vier Wänden aus. Das ist also kein Problem der Migration, sondern eines der Männlichkeit. Dazu kommt, dass die Debatte um "Genderismus", die auch von der FPÖ geführt wird, eine Ermutigung ist für Männer, die eine Legitimation für ihren Besitzanspruch über Frauen suchen. Die komplexen sozialen Beziehungen und Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern können nicht von heute auf morgen aufgelöst werden, müssen aber jenseits der Migration angegangen werden, wenn es wirklich ein Interesse gibt an einer demokratischeren und gewaltfreieren Gesellschaft.

STANDARD: Wie kann man gegensteuern? Mit Gegenaufklärung und Fakten?

Schönberger: Man muss auf verschiedenen Ebenen agieren. Bei direkten Auseinandersetzungen muss man mit rationalen Fakten widersprechen. Die nächste Strategie ist die Dethematisierung, also die realen Probleme anzusprechen, die mittels Mythen weggeschoben werden. Und das Dritte ist: Der Mythos braucht einen Gegenmythos. Die Leute werden nicht überzeugt, weil sie die richtigen Fakten haben, sondern es muss ihnen etwas angeboten werden, wo sie ihre Hoffnungen hinprojizieren können.

STANDARD: Was könnte so ein Gegenmythos sein?

Schönberger: Es muss eine attraktivere soziale Praxis sein, von der niemand ausgeschlossen ist. Es geht um einen emanzipatorischen Mythos, in dem Herkunft keine Rolle spielt. Ich denke, man muss beim Klimawandel ansetzen, um die Jungen einzubeziehen. Die Forderung nach einem besseren Leben, besseren Partys und ökologisches Bewusstsein müssen sich nicht ausschließen. Es geht nicht darum, die alten Mythen von Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus wieder aufzuwärmen, das ist gegessen. Nicht gegessen sind die damit verbundenen Versprechen von einer gerechteren und freieren Gesellschaft für alle. Die müssen wir anders artikulieren und neu formulieren.

(Karin Krichmayr, 24.2.2019)

Klaus Schönberger ist Professor für Kulturanthropologie am Institut für Kulturanalyse der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Er betreibt im STANDARD den Blog "Kulturanalyse des Alltags".


Aus: "Kulturanthropologe: "Es ist rational, nach unten zu treten" InterviewKarin Krichmayr" (24. Februar 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000098441426/Kulturanthropologie-Schoenberger-Es-ist-rational-nach-unten-zu-treten

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Freigeist78

Auch wer Antifaschismus ernst nimmt muss mit gängigen Auslegungen des Islam ein Problem bekommen. Ich kann an diesen kulturrelativistisch verwirrten Ansätzen auch nichts Linkes erkennen.


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Hibiskus

Wieder einer, der glaubt, seine Mitmenschen wüssten nicht, was sie tun, können nicht denken und eine eigene Meinung bilden, strampeln nur (nach unten) und glauben an "Mythen".


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Querschädl

haha
schon wieder so ein "Studierter". Brauchen wir nicht, diese reflektierten Menschen, die statt billigem Populismus wissenschaftlich fundierte Ursachenforschung betreiben.
Wie heißt es so schön im heutigen Einserkastl: "Basti, der Schutzpatron der Unstudierten" wirds schon richten!


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Paul Stanley

Was Mythos ist und was nicht, wird hier ganz schlicht nach Weltanschauung sortiert, Fakten kommen in dem ganzen Gespräch nicht vor.


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Norm MacDonald

Ich möchte Herrn Schönberger gern für das Brett vorm Kopf des Jahres nominieren.


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Lupus C. Cornu

Sie beleidigen Herrn Schönberger! UNFASSBAR - wie kommen Sie dazu???


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k.u.k hofquerflötendepotverwalter

Entspann dich mal a bissi ... Versuch es mit cordhosenbügeln auf dem fliesentisch.


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Little Green Man

recht hat er - er bleibt aber ein rufer in der wüste, wie man hier im forum sehen kann. leute, die nicht bereit sind, sich die situation aus einer anderen perspektive ansehen zu wollen. der beissreflex hier im forum beweist genau die thesen des arktikels.


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Barbarus hic ergo sum ....

der beissreflex hier im forum beweist genau die thesen des arktikels.
GENAU! der beißreflex gegen die katholische kirche beweist, dass sie recht hat!

gell?


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Canonista66

"Nicht gegessen sind die damit verbundenen Versprechen von einer gerechteren und freieren Gesellschaft für alle."

Das ist doch auch wieder nur eine Plattitüde. Was für einen politischen Plan kann man daraus destillieren?
Wenn es um materielle Gerechtigkeit geht, dann wird es immer noch zu akzeptieren sein, dass nicht alle für ihre Arbeit gleich viel bezahlt bekommen. Wenn es um Freiheit geht weiß ich nicht, wo die Unfreiheiten sind.

Zuwanderung ist ein Faktum, meine Großeltern sind aus der Böhmei zugewandert, aber müssen es unbedingt völlig un(aus)gebildete Problembären aus vollkommen fremden Kulturkreisen vom anderen Ende der Welt sein?


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Gigantopithecus Rex

das radfahrer-verhalten:
nach oben buckeln, nach unten treten.

wenn "der Mythos einen Gegenmythos braucht", wie wär es mit diesem:
wenn du nach unten trittst, dann darfst du dich auch nicht beschweren, wenn du von einem 'höheren' getreten wirst!

dieser gegenmythos sollte jedem bekannt sein. JEDE mutter/vater bringt dem kind bei "was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!"
vielleicht ist es zeit, verstärkt daran zu erinnern, durch die realität.


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Herr und Frau Österreicher

Was hier fehlt, ist die Rolle der Propaganda und Negativberichterstattung. Liest man Klatschblätter, tummelt man sich in den einschlägigen Bubbles (die ja mittlerweile im Mainstream angekommen sind) und hört man der Regierung zu, glaubt man ja wirklich, hinter jeder Ecke lauert ein 'Auslända", der einem nach dem Leben trachtet.


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GWS

"Es ist aberwitzig, welcher Aufwand betrieben wird, um die Burka zu verhindern, obwohl es nur eine Handvoll Fälle in ganz Österreich gibt."

Gilt dieser Satz äquivalent auch, wenn es um die Einführung von Toiletten für Menschen mit "alternativem" Geschlecht geht?

Es gibt übrigens in Ö so +/- 50 Morde im Jahr (heuer womöglich ein bisserl mehr). Bei über 8 Mio. Einwohnern eigentlich vernachlässigbar. Sollen wir deshalb - mit obigem Argument - Mord aus dem StGB streichen und die Mordkommissionen auflösen?


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Korinthenkacker

Ich gebe ihm Recht in dem Punkt, dass die Regierung versucht davon abzulenken, dass sie den Sozialstaat abbaut.


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Achsel-des-Boesen

Wissen Sie, ich habe als Trainerin in einer AMS-Maßnahme für junge Erwachsene ohne Bildungsabschluss gearbeitet
In Wien bedeutet das: Über 80% Muslime.
Einmal habe ich es gewagt, weil in einen Text der Begriff "fossile Brennstoffe" vorkam,den Leuten erklären zu wollen, was eine "Fossilie" ist. Worauf mir ein Teilnehmer sagt: "Das ist eine politische Frage" Ich,völlig konsterniert:"Nein, eine wissenschaftliche". Ein anderer Teilnehmer erklärt mir nun, es stehe nicht im Koran, dass der Mensch vom Affen abstammt, deswegen glaube er das nicht. Und ein anderer meint, alle Wissenschaftler würden lügen und ließen sich dafür gut bezahlen. Die ganze Gruppe hat zugestimmt mit einer Ausnahme.Die Ausnahme war ein junger Afghane, dessen Vater Astronom war.
Das war nur eine von vielen Geschichten, bei denen mir ganz anders wurde.


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gnadevorrecht
 ... Wer hierzulande als Frau leben muss, weiß auch von den allgegenwärtigen - oft subtilen - sexuellen Angriffen, denen frau ausgesetzt ist. "Zufällige" Blicke von Inländern(!), von denen frau in den Öffis "gestreift" wird, sind zum Beispiel an der Tagesordnung, die jedoch von den Opfern berechtigterweise als stare rape empfunden werden, welcher in Österreich dank einer untätigen Regierung (noch) nicht strafbar ist. Und jetzt sind es - typisch für uns - wieder die Ausländer, die als Sündenböcke herhalten müssen, dabei wird hier - wie oben treffend beschrieben - nur durch xenophobe Kräfte projiziert.


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Pinackel

Sie Schlingelin!
Fast wäre ich Ihnen auf den Leim gegangen.
Knochentrockener Humor, Kompliment!


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Mills

Ist das Satire oder fordern Sie hier ernsthaft dass flüchtige Blicke strafbar sein sollen?


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Dr. Lefotrak

Spätestens wo "Linksliberale" solchen Leuten wie Abdel-Samad, Necla Kelek, Hirsi Ali oder Seyran Ates in den Rücken gefallen sind, um sich bei erzkonservativen Religionsvereinen anzubiedern, habe ich diese politische Ecke für immer wegen akutem Realitätsverlust abgeschrieben. Das war für mich der entgültige mentale Zusammenbruch der linksliberalen Bewegung, und diese ideologischen Sonntagsreden werden mich nicht zurückholen.


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moustérien

Wenn man nur ein bisschen über diese ganzen echauffierten "Rationalitäten" der rechten Trollarmee im Forum drüberliest [1388 Postings/Kommentare, Stand 25.02.201817:00], leuchtet am Ende dieses luziden Interviews auch noch ein dickes fettes Q.E.D auf ...

([Die Wendung quod erat demonstrandum (lat. für „was zu beweisen war“) bindet das Ergebnis einer logischen oder mathematischen Beweisführung an den vorangestellten Zweck zurück und schließt damit die Beweisführung ab])


...

« Last Edit: February 25, 2019, 05:03:35 PM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #880 on: March 04, 2019, 12:33:36 PM »
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[...] Anke Stelling schreibt über den Selbstbetrug im Alternativmileu - Die Lebenslügen der Weltverbesserer. Endlich eine Autorin, die die Ökonomie nicht unterschlägt: Anke Stelling beschäftigt sich mit Biographien im Neoliberalismus.

Anke Stelling schreibt in ihren Romanen »Bodentiefe Fenster« und »Schäfchen im Trockenen« über das Leben im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Milieustudien, könnte man meinen. Aber ihre Kritik geht jeden an, der glaubt, mit Einkäufen im Bioladen, mit kreativen Abenteuerspielplätzen, Tauschbörsen oder ­gemeinschaftlichem Wohnen würde die Welt ein Stück besser werden.

Dabei ist Stelling selbst so eine Weltverbesserin. »Es gibt kein richtiges Leben im falschen«, zitiert sie Adornos berühmten Aphorismus. »Aber ich will ja auch, dass es eins gibt. Ich will weiter darüber nachdenken«, sagt sie bei einer Tasse Earl Grey-Tee in einem Café am Helmholtzplatz.

Stelling, 1971 in Ulm geboren, wohnt um die Ecke, da, wo ihre Romane spielen: in einem Baugruppenprojekt, einer gewollten Idylle, die sich Gleichgesinnte nach langen Diskussionen geschaffen haben. Aber sie hat ein Problem mit dieser Idylle. Denn in dieser Welt herrscht ein Zwang zum Glücklichsein. »Was willst du denn noch?« wird ihrer Roman­figur Sandra in »Bodentiefe Fenster« entgegengehalten, wenn sie ihre Zweifel an der Idylle mitteilt.

Ihre Hauptfiguren Sandra und Resi in »Schäfchen im Trockenen« hadern mit Gleichheitsidealen, die sich nicht erfüllen lassen. In »Bodentiefe Fenster« begleiten Grips-Theater-Lieder Sandras Gedanken: »Wer sagt, dass Mädchen dümmer sind?«

Dafür sind dann die Mütter die Dummen. Sandras Mutter und die ihrer Freundinnen verzweifelten an ihren Idealen. Bei ihrer Kinderladenfreundin Tinka durfte täglich eine Rasselbande das Haus verwüsten. Die Mutter Marlies fand das schön, so bunt und kindgerecht, räumte lächelnd auf. Irgendwann schaffte sie es nicht mehr und lan­dete in der Psychiatrie.

Auch Sandra, inzwischen selbst Mutter, schafft es kaum. Doch sie will es unbedingt, das gute emanzipierte Leben. Schnell die Weingläser auf den Tisch stellen, wenn die kinderlose Mitbewohnerin zu Besuch kommt, damit sie bloß nicht denkt, man sei nicht glücklich. »Das ist nämlich die wahre Kunst: lässig zu bleiben beim Kochen und Backen, genauso wie bei der Kinderaufsicht. Sich zweizuteilen, in Wahrheit über wichtigere Dinge nachzudenken, sich mit Freunden zu unterhalten, Wein zu trinken, Utopien zu entwerfen. Alles gleichzeitig zu machen und zu sein«, räsoniert Sandra.

Anke Stelling sagt, auch sie verlange sich das ab, gehe abends mit Freunden aus und leide zugleich unter dem Anspruch: »Ich bediene die Vereinbarkeitslüge. Man muss aufpassen, dass das nicht zum Selbstzweck wird.«

Trotz aller Abgründe ist »Bodentiefe Fenster« auch eine witzige Geschichte über die Absurditäten des politisch korrekten Alltags. »Schäfchen im Trockenen« hingegen ist so bitterböse, dass die Lektüre fast Übelkeit auslöst. Doch zur Seite legen kann man das Buch nicht.

Zu Recht ist der Roman für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden, allerdings fragt man sich, was die Jury bewogen hat, das Buch als »verstörend uneindeutige, scharf belichtete Momentaufnahme« zu loben. Es ist weder uneindeutig noch eine Momentaufnahme. Der Roman ist eine schonungslose Kritik von Klassenstrukturen in der Mittelschicht, die eine Generation spalten, die sich selbst für egalitär und emanzipiert hält und glaubt, sich auf den Errungenschaften der Eltern­generation ausruhen zu können, ohne die Verhältnisse selbst noch hinterfragen zu müssen.

Dabei gäbe es Grund dazu: Protagonistin Resi konnte nicht mit ins Hausprojekt einziehen, denn ihr fehlt das nötige Eigenkapital. Damit sie dennoch in der Nähe ihrer alten Studienfreunde im teuren Bezirk bleiben kann, nimmt sie das Angebot an, zur Untermiete in die freiwerdende Altbauwohnung zu ziehen, die einem der Wohngenossen gehört. Resis Leben ist in jeglicher Hinsicht prekär: Sie ist Schriftstellerin, ihr Mann Künstler, sie haben vier Kinder und kein Erbe zu erwarten. Aber ist sie deshalb arm? Eine Freundin sagt ihr, sie könne doch gar nicht arm sein bei all den Büchern, die sie besitzt.

Damit sie mit den Kindern im Sommer an die Ostsee fahren können, schreibt sie für ein Magazin darüber, wie es ist, als Drittletzte im Bezirk in einem Haus zu wohnen, das keinen Projektnamen trägt, über ihren Neid auf den begehbaren Kleiderschrank ihrer Jugendliebe und dessen Ver­legenheit, als sie ihn entdeckt.

Nach der Veröffentlichung reden die Freunde nicht mehr mit ihr. Die Jugendliebe sagt: »Du hättest mitmachen können. Es ist peinlich, wie du dich zum Opfer stilisierst.«

Tatsächlich hätte sie einziehen können. Der Wohlhabendste im Projekt hatte angeboten, ihr 50000 Euro zu leihen. Sie schlug das Angebot aus.

Resi weiß, dass es Menschen gibt, denen es viel schlechter geht als ihr. Sie weiß, dass sie andere Entscheidungen im Leben hätte treffen können, etwas anderes studieren, ihre Jugendliebe aus gutem Hause heiraten. Sie ist selbst schuld.

Stelling nennt das die »neoliberale Erzählung« und erklärt: »Wir nehmen alles auf uns selbst, statt es als gesellschaftliches Phänomen zu sehen. Wenn du selbst schuld bist, bist du kein Opfer.

Niemand will Opfer sein. Ich spüre das auch bei mir. Darum funktioniert diese Lüge so gut.«
Aber Resi wird dann doch Opfer. Als sie einen Roman über das Wohnprojekt veröffentlicht, kündigt der Freund ihren Untermietvetrag. Es ist die Quittung für den Verrat an der Gemeinschaft.

Angesichts explodierender Mieten kann sie nur noch in Randbezirken eine neue Wohnung für die sechsköpfige Familie finden. In ihren Alpträumen sieht sie sich in einer Plattenbausiedlung in Marzahn.

Gnadenlos setzen die ehemaligen Freunde die Logik der Schuldzuschreibung gegen die sozial Schwächere durch und verweigern jedes Nachdenken über die eigene Klassenposition. Denn in ihrer Welt gibt es keinen Klassenunterschied. Sie alle gehören zur Mittelschicht.

Dabei sind die Freunde durchaus mitfühlende Menschen, die bereit sind, gegen das Unrecht in der Welt zu kämpfen. Aber man will es nicht bei sich haben. Die Armen – das sind die anderen. »Zu einem Arbeiter würde man nie sagen, dass er selbst schuld sei«, sagt Stelling. Dabei ­verdient der Arbeiter, sofern es ihn noch gibt, oft mehr als so mancher Akademiker, der das Falsche studiert hat.
Kürzlich habe ihr eine Journalistin erzählt, die über den Roman schreiben wollte, dass der verantwortliche Redakteur den Stoff als Luxusproblem abgetan habe. Er hätte lieber einen Bericht über eine Krankenschwester gelesen, die wirklich in Marzahn lebt.

»Aber die Linie verläuft nicht zwischen Krankenschwester und Aka­demikerin«, sagt Stelling.
Politisch fordert sie eine radikale Umverteilung. Für den Umgang miteinander wünscht sie sich »schmerzhafte Ehrlichkeit«. Sie macht das an der Figur des potentiellen Kreditgebers Ingmar fest. »Warum will er 50 000 Euro verleihen? Er will damit eine bunte glückliche Welt erkaufen. Ingmar müsste darüber reden, dass er sein Geld wegwünscht. Es ist ihm unangenehm zu sehen, dass es Leute gibt, die keins haben. Es ist ja nicht so toll, sich als Linker mit 80 000 Euro Jahresgehalt abzuschotten.«

Im wahren Leben geht es Anke Stelling besser als Resi. In ihrem Haus reden die Genossen zwar nicht mehr mit ihr. Aber weil die Romane ein Erfolg waren, kann sie sich nun locker den Urlaub an der Ostsee leisten.

 

Anke Stelling: Schäfchen im Trockenen. Verbrecher-Verlag, Berlin 2018, 272 Seiten



Aus: "Die Lebenslügen der Weltverbesserer" Hannah Wettig (28.02.2019)
Quelle: https://jungle.world/artikel/2019/09/die-lebensluegen-der-weltverbesserer

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« Reply #881 on: March 05, 2019, 09:36:38 AM »
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[...] Fast zwei Jahrzehnte lang finanzierte die Deutsche Bank den wirtschaftlichen Aufstieg von Donald Trump. Sie gewährte dem Immobilienmogul noch Kredite für Hochhäuser und Hotels, als er an der Wall Street längst in Ungnade gefallen war. Nun könnten diese Geschäftsbeziehungen für das Geldhaus zum Problem werden. Die Deutsche Bank ist ins Visier des demokratisch dominierten US-Kongresses geraden. „Wir sind sehr besorgt über mögliche Geldwäsche“, sagte Maxine Waters, die Vorsitzende des Finanzausschusses, dem US-Sender MSNBC.

Schon im Januar hatten Waters und ihr Kollege Adam Schiff, der den Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses leitet, die Deutsche Bank um die Bereitstellung von Dokumenten gebeten, die über die Finanzen und die Auslandsgeschäfte des US-Präsidenten Auskunft geben. In der Vergangenheit hatte das Institut solche Aufforderungen der Demokraten abgelehnt. Nachdem die Partei nun die Mehrheit im Repräsentantenhaus besitzt und wichtige Ausschüsse leitet, kooperiert die Bank nach Angaben von Waters: „Unsere Mitarbeiter fahren nach New York, um mit ihnen die Dokumente durchzusehen.“ Ein Vertreter der Bank sprach von einem „produktiven Dialog“. Inhaltlich äußert sich das Geldhaus aber nicht.

„Wir werden eine Menge über die Deutsche Bank und ihre Beziehung zum Präsidenten erfahren“, gibt sich Waters kämpferisch. Die Abgeordnete ist eine dezidierte Bankenkritikerin und setzt sich für eine Amtsenthebung von Trump ein. Offenbar will sie untersuchen, ob inoffizielles russisches Geld des Milliardärs über Umwege in die USA floss. „Wir wissen, dass die Deutsche Bank einen Ruf hat, Geldwäsche zu ermöglichen“, sagte Waters.

Durch die Aussage von Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen in der vergangenen Woche werden die Unterlagen der Bank noch interessanter. Cohen hatte dem ständigen Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses die Finanzberichte der Trump-Organisation aus den Jahren 2011 bis 2013 vorgelegt. Denenzufolge soll sich der Wert des Firmengeflechts 2013 auf dem Papier schlagartig auf 8,66 Milliarden Dollar verdoppelt haben. „Ich glaube, diese Zahlen sind aufgebläht“, sagte Cohen. Auf Basis dieser Angaben beantragte Trump bei der Deutschen Bank dann einen Kredit zum Kauf des Football-Teams Buffalo Bills.

Zwar kam dieser Deal dann nicht zustande. Andere Geschäfte wie der Bau des Trump-Towers in Chicago oder die Restaurierung des Trump-Hotels in Washington wurden aber realisiert und von der Deutschen Bank zwischen 1998 und 2016 finanziert.

Laut der von Trump zur Wahl vorgelegten Unterlagen stand er zu diesem Zeitpunkt bei dem Geldinstitut mit 150 Millionen Dollar in der Kreide. Laut der Wirtschaftsagentur Bloomberg soll sich die Gesamthöhe der laufenden Kredite sogar auf 340 Millionen Dollar belaufen.

Bloomberg berichtet, dass die Deutsche Bank aus Sorge vor dem PR-Desaster bei einem drohenden Zahlungsausfall intern sogar diskutiert haben soll, die Fälligkeit von 2023/2024 auf 2025 und damit die Zeit nach einer möglichen zweiten Amtszeit von Trump zu verschieben. Die Verantwortlichen in Frankfurt hätten sich dann aber dagegen entschieden.

Das Frankfurter Geldhaus sei das einzige Institut gewesen, „das mit dem Präsidenten noch Geschäfte machte, als andere sagten: Hände weg!“, betont Waters. Die Konkurrenz hätte schon Ende der 1990er Jahre genug von den Pleiten und Klagen des Immobilienmoguls gehabt. Die Abgeordnete ist überzeugt, dass es dem Finanzausschuss des Repräsentantenhaus gelingt, die geheimen Steuerunterlagen Trumps zu beschaffen und die Herkunft seines Vermögens aufzuklären.


Aus: "Verdacht gegen die Deutsche Bank" Karl Doemens (04.03.2019)
Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/verdacht-gegen-deutsche-bank-11824239.html

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Chulpezzo

Sag Du mir, wer Dir einen Kredit gibt, und ich sage Dir, was für ein Mensch Du bist.


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« Reply #882 on: March 05, 2019, 09:51:40 AM »
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[...]  Ich habe über 1.000 Bewerbungen geschrieben, bis ich eine Vollzeitstelle im Wachschutz gefunden habe – nach 18 Jahren Arbeitslosigkeit. Seit Oktober letzten Jahres bewache ich nun Museen und Schlösser in Potsdam, schließe Türen auf und wieder zu. Um von Standort zu Standort zu kommen, lege ich jede Nacht um die 13 Kilometer zu Fuß zurück.

Es gibt immer noch das Vorurteil, alle Hartz-IV-Empfänger seien faul und wollten gar nicht arbeiten. Klar gibt es Ausnahmen, aber meiner Erfahrung nach gilt das für den Großteil der Menschen nicht. Ich selbst hätte liebend gern früher einen Job gefunden, denn mit Hartz IV hatte ich kein gutes Leben. Bei mir sind während der Arbeitslosigkeit viele Freundschaften kaputtgegangen, ich konnte mir keine Hobbys leisten und auch nicht in meine Altersvorsorge investieren.   

Mein Arbeitsleben war bisher vom Pech gezeichnet. Ich habe eine Lehre als Facharbeiter für Bautischlerei gemacht, konnte meinen Beruf aber wegen eines Knalltraumas nicht ausführen. Laute Werkstätten würden mein Hörvermögen weiter verschlechtern. Danach war ich Müllmann, konnte den Beruf aber wegen einer Entzündung im Schultergelenk nicht weitermachen. Daraufhin war ich ein halbes Jahr krankgeschrieben und wurde danach einfach gefeuert. Bis heute kann ich meine Arme nicht mehr richtig über den Kopf strecken.

 2001 habe ich zum ersten Mal Arbeitslosengeld bekommen. 2005 wurde die Arbeitslosenhilfe durch Hartz IV ersetzt. Bis zum letzten Jahr lebte ich von dieser Leistung. Das heißt aber nicht, dass ich gar nicht gearbeitet hätte. Ich habe mehrere Ein-Euro-Jobs gemacht, um ein bisschen Geld dazuzuverdienen. Ich habe zum Beispiel einen Hausmeister in einer Schule unterstützt oder Flyer auf der Straße verteilt. Um meinen Regelsatz aufzubessern, habe ich eigentlich fast alle Jobs angenommen, die das Jobcenter mir zuteilte.

Denn der Hartz-IV-Regelsatz – bei mir waren das zuletzt 416 Euro – reichte kaum zum Überleben aus. Das Jobcenter zahlte zwar meine Krankenversicherung und die Miete für meine Zweizimmerwohnung. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich mir mit dem restlichen Betrag eine schöne Zeit machen konnte. Denn nach Abzug meiner Fixkosten blieben mir kaum 200 Euro fürs Essen und Leben übrig. Allein für Strom, Festnetz, Internet und Handy musste ich fast 90 Euro zahlen. Der größte Kostenfaktor war mein Auto. Die Versicherungen und der Sprit kosteten mich im Monat durchschnittlich etwa 115 Euro. Dazu kommen dann noch notwendige Reparaturen, Steuern und alle zwei Jahre der TÜV.

Einige sehen ein Auto bestimmt als unnötigen Luxus für einen Arbeitslosen, doch ich brauchte es, um anderen Hartz-IV-Empfängern zu helfen und mit ihnen zu Terminen zu fahren. Denn während meiner Arbeitslosigkeit habe ich einen Verein für Hartz-IV-Betroffene gegründet, um Menschen zu beraten, die in einer ähnlichen Lage waren wie ich. Ich bekam rund um die Uhr verzweifelte Anrufe. Einmal meldete sich zum Beispiel eine heulende Mutter mit Kleinkind, die kurz vor dem Rausschmiss aus ihrer Wohnung stand. Ich informiere die Anrufer über ihre Rechte, begleite sie zum Jobcenter oder zum Sozialgericht. Die Mutter durfte zum Beispiel dadurch ihre Wohnung behalten.

Manchmal waren die Menschen, denen ich half, die einzigen sozialen Kontakte, die ich noch hatte. Am meisten hat mich während meiner Hartz-IV-Zeit die Einsamkeit belastet. Ich bin jetzt 59 und habe weder Partnerin noch Kinder. Welche Frau will schon jemanden, der so bettelarm ist wie ich? Jemanden kennenzulernen war für mich nicht einfach, weil man ohne Geld kaum etwas unternehmen kann. Einfach so einen Kaffee trinken zu gehen, war für mich nicht drin. Ein- oder zweimal wurde ich noch von Bekannten eingeladen. Aber die hatten auch keine Lust, immer für mich mit zu bezahlen. Deswegen war ich ziemlich isoliert und saß den ganzen Tag zu Hause. Die Abende habe ich vor dem Fernseher mit Serien wie MacGyver oder ZDF-Dokus verbracht oder mit Eisenbahnspielen am Computer. Jetzt habe ich zwar Arbeitskollegen, mit denen ich quatschen kann, aber die Freundschaften von früher sind eingeschlafen. Die Zeit, in der ich eine Familie hätte gründen können, ist einfach vorbei. Irgendwann würde ich schon gerne nicht mehr allein leben. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt?

 Als Wachmann verdiene ich je nach Anzahl der Stunden, die ich arbeite, ungefähr 1.600 Euro brutto im Monat. Natürlich freue ich mich über die neue Situation, sie ändert viel in meinem Leben: Ich kann mir jetzt zum Beispiel neue Bauteile für meine Modelleisenbahn leisten. Mein Hobby verfolgen zu können, bedeutet Freude und Entspannung für mich. Aber bei einem Stundenlohn von 10,10 Euro breche ich trotzdem nicht gerade in Begeisterung aus. Das Geld reicht mir zwar gut zum Leben, an private Altersvorsorge ist aber nicht zu denken.

Rente ist überhaupt ein schmerzhaftes Thema. Als ich als Bautischler und Müllmann gearbeitet habe, habe ich in die Rente eingezahlt. Später war ich auch in der Riester-Rente.* Davon musste ich mich aber zwangsläufig verabschieden, weil ich mir den Beitrag während der Hartz-IV-Zeit nicht mehr leisten konnte. Da ich wahrscheinlich nicht über 800 Euro Rente bekommen werde, wird mein Rentnerdasein nicht gerade erfreulich.

Eine der stärksten Veränderungen in meinem Leben, nachdem ich einen Job gefunden habe, ist, dass ich mir besseres Essen leisten kann. Als ich von Hartz IV lebte, konnte ich höchstens 30 Euro pro Woche für Lebensmittel einplanen. Deswegen musste ich die billigsten Lebensmittel kaufen und immer langfristig denken. Wenn die Hühnerbrust gerade im Angebot war, habe ich mir davon mehr gekauft und daraus zehn Liter Hühnersuppe gekocht. Was ich nicht sofort gegessen habe, habe ich für später eingefroren. Jetzt kann ich mir Obst, Pudding oder Lachs gönnen, wenn ich Lust darauf habe. Ich kann spontan entscheiden, was und wann ich essen will. Auf den Preis achte ich aber immer noch sehr genau und schaue vorher in Prospekten, was gerade günstig ist. Auf jeden Cent zu achten trainiert man sich nicht so schnell wieder ab. Ein entspanntes Verhältnis zu Geld werde ich wahrscheinlich nie haben.

Natürlich war es hart, 18 Jahre lang arbeitslos zu sein und den größten Teil der Zeit Hartz IV zu bekommen. Trotzdem bin ich stolz darauf, dass ich auch in meiner Situation zu prekären Beschäftigungen nein gesagt habe. Ich kann doch nicht acht Stunden täglich arbeiten gehen und dann noch beim Jobcenter zusätzliches Arbeitslosengeld II beantragen, weil das Geld zum Leben nicht reicht! Wenn ich für die paar Groschen schufte, versaue ich anderen die guten Gehälter. Arbeitgeber zahlen eben lieber einen Billiglohn – und so geht die Spirale immer weiter nach unten. Da mache ich nicht mit.

Mit meinem jetzigen Job bin ich zufrieden – vor allem, weil ich ihn theoretisch bis zur Rente machen könnte. Es ist nicht einfach, eine Beschäftigung zu finden, wenn man so lange erwerbslos war. Es war meine eigene Idee, die halbjährige Fortbildung zum Wachmann zu machen. Auch wenn das Jobcenter oft ätzend ist, hat sich zum Glück eine vernünftige Mitarbeiterin für mich eingesetzt, damit die Kosten vom Jobcenter übernommen werden. Jetzt hoffe ich, dass mein Jahresvertrag in einen unbefristeten mündet. Manchmal frage ich mich, was passiert, wenn ich einen Unfall habe und wieder bei Hartz IV lande. Deswegen traue ich mich gar nicht, mir einen höheren Lebensstandard zu gönnen, damit ich meine Ansprüche nicht irgendwann wieder runterschrauben muss.


Aus: "Berufseinstieg nach Hartz IV: "Welche Frau will jemanden, der so bettelarm ist wie ich?""  Protokoll: Juli Katz (25. Februar 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/arbeit/2019-02/berufseinstieg-hartz-iv-arbeitslosigkeit-erfahrung/komplettansicht

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Hodor Walder #1

Schade das viele Frauen einen Mann immer noch nach dem Einkommen klassifizieren.


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der Eine Ring #1.1

Bedauerlich, dass viele Männer eine Frau immer noch nach ihrem Äußeren klassifizieren.


...

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« Reply #883 on: March 05, 2019, 03:12:07 PM »
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[...] Immer öfter muss Bremen für nicht gezahlten Unterhalt einspringen. Das Geld für Kinder Alleinerziehender wird von den eigentlich zahlungspflichtigen Elternteilen meistens nicht zurückgezahlt: Laut aktuellen Daten des Bundesfamilienministeriums ist die sogenannte Rückholquote in ganz Deutschland auf ein Rekordtief von 13 Prozent gesunken, in Bremen liegt sie bei nur knapp sechs Prozent.

Damit ist das kleinste Bundesland Schlusslicht. Dass das so ist, sagt die Arbeitsmarktexpertin Esther Schröder, sei alarmierend. Sie sieht die Sozialbehörde in der Pflicht, sich mehr für die betroffenen Alleinerziehenden einzusetzen.

Im vergangenen Jahr hat Bremen 22 Millionen Euro an Unterhaltszahlungen ausgelegt, zurückgezahlt wurden davon lediglich 1,2 Millionen. In vier von fünf Fällen mussten alleinerziehende Mütter diese Unterstützung beim Sozialamt beantragen. Dass die Rückholquoten bundesweit gesunken sind, hat laut dem Bundesfamilienministerium mit einer Gesetzesänderung aus dem Jahr 2017 zu tun: Zuvor bestand der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss lediglich für Kinder bis zwölf Jahre und maximal für 72 Monate. Diese Begrenzungen gibt es nicht mehr, der Unterhaltsvorschuss wird bis zum 18. Geburtstag des Kindes gezahlt. Nun gibt es mehr Antragsberechtigte und somit mehr Fälle, in denen die Vorschüsse nicht zurückgezahlt werden.

Was ist der Grund dafür? Das hat laut Bernd Schneider, Sprecher der Sozialbehörde, mit der Sozialstruktur zu tun: Bremen habe nach Berlin die höchste Hartz-IV-Quote und die zweithöchste Zahl an Alleinerziehenden bundesweit. Fast 90 Prozent der Unterhaltspflichtigen seien auf Sozialhilfe angewiesen. Bei ihnen sei es für den Staat schlichtweg nicht möglich, den fälligen Unterhalt eintreiben.

So argumentiert auch das Bundesfamilienministerium: „Die Unterhaltsverpflichtung endet dort, wo der Unterhaltspflichtige nicht mehr in der Lage ist, seine eigene Existenz zu sichern“, sagt ein Ministeriumssprecher. In Bundesländern mit schwierigerer wirtschaftlicher Situation oder hohen Hartz-IV-Quoten sei es „naturgemäß schwieriger, Kindesunterhalt durchzusetzen“ als in anderen Bundesländern. Die langfristig erfolgreiche Rückholung sei von gut organisierten und ausreichend mit Personal ausgestatteten Teams abhängig. Und das, sagt der Sprecher, sei Aufgabe der Bundesländer.

Esther Schröder, Mitorganisatorin der Ausstellung „Mittenmang – alleinerziehend in Bremen“, ist mit dieser Argumentation nicht zufrieden: Dass 90 Prozent der betroffenen Elternteile tatsächlich keinen Unterhalt zahlen können, bezweifelt sie. Das macht sie an der größten Gruppe der Unterhaltspflichten, den Vätern, fest: In Bremen, das belegt eine Erhebung der Arbeitnehmerkammer, verdienen Männer im Durchschnitt mehr als im Bundesvergleich. „Wieso sollte ausgerechnet die Gruppe der unterhaltspflichtigen Väter eine Ausnahme sein?“, sagt Schröder.

Ein weiteres Problem ist laut Schröder die Höhe der Vorschusszahlungen: Diese liegen meist unter den Unterhaltsansprüchen, auf die die Kinder laut der sogenannten Düsseldorfer Tabelle ein Recht hätten. „Vorschuss statt Unterhalt ist Verzicht“, sagt sie. Sie sieht das Sozialressort in der Verantwortung: Die geringe Rückgriffquote zeige, dass das Land sich nicht genug für die Belange der Betroffenen einsetze. „Offensichtlich fällt es leichter, den Antrag auf Unterhaltsvorschuss vorzulegen und Steuergelder auszureichen, als für die Zahlung von Unterhalt zu sorgen“, sagt sie. Es gebe schlichtweg zu wenig Personal in den Jugendämtern, um den säumigen Zahlern nachzugehen. Auch Zwangsmaßnahmen bei nicht gezahltem Unterhalt vermisst sie in Bremen.

Die Gemengelage treffe die Bremer besonders hart: 67,8 Prozent der Alleinerziehenden mit Kind seien von der Grundsicherung abhängig, Alleinerziehende mit zwei Kindern sogar in 96,2 Prozent der Fälle. Der Bundesschnitt liege bei 49 Prozent. Damit waren 2017 knapp 16 160 Kinder in Bremen von Armut betroffen. „Der fehlende Unterhalt ist ein wichtiger Baustein für die Existenzsicherung“, sagt Schröder. „Das sind skandalöse Zahlen, die mit einer skandalösen Hilfequote für Alleinerziehende korrespondieren.“

Dass die Unterhaltsvorschüsse unter dem gesetzlichen Anspruch liegen, bestätigt das Sozialressort. Die Zahlungen seien Mindestbeträge, sagt Schneider, die unabhängig vom Einkommen sind. „Der Vorschuss ist eine Basissicherung." Allerdings könne Bremen daran wenig ändern: Die Beiträge richten sich nach Bundesvorgaben. Dass die Jugendämter nicht ausreichend besetzt seien, könne er nicht bestätigen: Mit der Gesetzesform 2017 seien zahlreiche neue Mitarbeiter eingestellt worden, um die Rückholungsfälle zu bearbeiten. "Das kann nicht der Grund für die niedrige Quote sein", sagt Schneider. 


Aus: "Bremen bekommt kaum Geld zurück" Lisa-Maria Röhling (04.03.2019)
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bremen-bekommt-kaum-geld-zurueck-_arid,1811465.html

Quote
cleverever
am 05.03.2019, 14:03

Löse den Widerspruch :

1. Die Rückholquote beträgt in Bremen 6% , deutschlandweit 13%.
2. In Bremen verdienen die Männer im Schnitt mehr als im Bundesdurchschnitt.
3. Es gibt angeblich ausreichend Personal in den Jugendämtern, um säumigen Zahlern nachzugehen.

Unabhängig von den problematischen Freigrenzen und Steuerklasseneinordnung der Unterhaltspflichtigen. Es kann ja nun auch nicht sein, dem Steuerzahler die Kosten für leichtfertige Familienplanung, Patchwork-Ideen oder moderner Lebensformen u.ä. aufzubürden.


Quote
monsch
am 05.03.2019, 00:03
Z.B. wenn ein Vater keinen Unterhalt zahlt. Dann beantragt die Mutter Unterhaltsvorschuss. Die Behörde meldet sich dann beim Vater und der muss seinen Lebensunterhalt, also Einkommen, Vermögen etc. nachweisen. Die prüfen seine Angaben. Der Normalbürger kann da gar nichts machen. Es wird immer so dargestellt, als wenn viele nicht zahlen wollen. Die Einzigen die tricksen können sind die Selbstständigen. Ansonsten können viele nicht mal eben 370 Euro Unterhalt zahlen (Kinder ab 12 Jahre). Vor allem wenn es zwei oder mehr Kinder sind. Der Selbstbehalt liegt bei 1080 Euro plus 5 Prozent Fahrkosten. Als muss man schon 1600 Euro netto im Monat verdienen, bei zwei Kindern schnell 2000 Euro netto pro Monat. Das haben viele einfach nicht! Der Selbstbehalt wurde schon viele Jahre nicht erhöht, aber der Unterhalt zigmal.


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onkelhenry
am 05.03.2019, 09:15
@monsch

Sehe ich auch so! In vielen (natürlich nicht allen) Fällen werden die Unterhaltspflichtigen gar nicht in der Lage sein, den Forderungen ganz oder teilweise nachzukommen.
Da ist auch eine Statistik, dass Bremer Männer über dem Bundesdurchschnitt verdienen würden, wenig sinnvoll, weil viel zu pauschal.

Das ist eben die Kehrseite einer kurzsichtigen Politik:
In Bremen arbeiten viele im Niedriglohnsektor. Zum Beispiel in den (gerne angesiedelten) Logistik- oder Telekommunikationsbranchen wird nicht gerade üppig bezahlt. 2000€ netto sind da eher die Ausnahme.

Und bei 1080 Euro plus 5 Prozent Fahrkosten Selbstbehalt, steht bei den heutigen Kosten der Unterhaltspflichtige ja ebenfalls kurz vor dem Ruin.

Vielleicht sollten sich unsere "Sozialexperten" aus der Politik mal lieber mit solchen Themen beschäftigen.


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« Reply #884 on: March 06, 2019, 09:12:57 AM »
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Griesoss1 #18

Wir leben in perversen Zeiten! Ein oder, global betrachtet, von mir aus mehrere Gesellschafts bzw Wirtschaftssysteme, die es erlauben, dass nicht wenige Menschen innerhalb weniger Jahre ein Vermögen von 10, 20, 30, 40 , bis hin zu über 100 Milliarden € "erarbeiten" können. Dass diese Vermögen Schwankungen unterliegen ist klar, kann man aber bei diesen Größenordnungen vernachlässigen.


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[...]  sittingbull #13

... das jährliche Schaulaufen der Forbes-Liste [ist] mit einer Fieberkurve zu vergleichen, die den Grad der Krankheit unseres wahnwitzigen Gesellschaftssystems ausdrückt.



Kommentar zu: "Milliardärs-Ranking: Mark Zuckerberg fällt in "Forbes"-Reichenliste um drei Plätze" (6. März 2019)
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-03/forbes-milliardaers-ranking-mark-zuckerberg-faellt-reichenliste