Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 259932 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #705 on: March 27, 2018, 12:54:15 PM »
Quote
[...] Bochum.  Die freien Wohlfahrtverbände müssen sich in Bochum um immer mehr Obdachlose kümmern. Wohnungssuche für die Betroffenen wird immer schwieriger.

Um deutlich mehr Obdachlose als in der Vergangenheit müssen sich die Stadt und die freien Wohlfahrtsverbände kümmern. Anfang Februar waren 273 Personen in diversen Einrichtungen untergebracht, 2016 waren es lediglich 75 Personen. Deutlich zugenommen hat die Zahl von ledigen Männern – Deutsche und Ausländer – im Alter zwischen 28 und 69 Jahren, die keine Wohnung haben.

Aber in der Notschlafstelle der Inneren Mission am Stadionring, dem Fliednerhaus, waren 2017 auch doppelt so viele Frauen zu Gast als in der Vergangenheit. Das hat selbst den Träger überrascht. Eigentlich scheuen sich Frauen viel mehr, Einrichtungen dieser Art aufzusuchen, so Christiane Caldow, Leiterin der Wohnungshilfe bei der Inneren Mission. „Die Wohnungslosen-Dunkelziffer ist bei Frauen viel höher als bei Männern.“ Sie würden ihre Situation häufig in „ungünstigen Beziehungsmustern“ verdecken.

Insgesamt 568 Personen haben 2017 die Notschlafstelle in Anspruch genommen. Durchschnittlich war das Haus mit seiner Kapazität von 40 Betten mit 26 Personen belegt. Im Oktober soll das neue Fliednerhaus am Stadionring unmittelbar neben der jetzigen Einrichtung eröffnet werden und für eine deutlich bessere Unterbringung sorgen. Außerdem werden die Suppenküche und die Medizinische Wohnungslosenhilfe dort einziehen. Am Freitag haben die Erdarbeiten für den Neubau begonnen.

Untergebracht sind die Obdachlosen ansonsten an der Hohensteinstraße in Wattenscheid, wo die Stadtverwaltung ein Gebäude für 30 Personen unterhält. Für die restlichen Plätze nutzt die Stadt momentan die Überkapazitäten in diversen Flüchtlingseinrichtungen. Zumal: 83 der 237 Obdachlosen sind Flüchtlinge – die entweder nach der Bewilligung ihres Asylantrags noch keine Wohnung gefunden oder aber diese verloren haben.

Auffällig ist: Die Wohnungslosen bleiben immer länger in den Einrichtungen. Eigentlich ist eine Verweildauer von bis zu vier Wochen vorgesehen, ehe sie wieder eine Wohnung gefunden haben. „Aber die durchschnittliche Unterbringungsdauer beträgt mittlerweile mehr als sechs Monate, genauer gesagt 186 Tage“, wie Friederike Hüther vom Sozialamt den Mitgliedern des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales jüngst mitteilte. Und: „Die Suche nach einer Wohnung ist für unsere Klientel ungeheuer schwierig geworden.“ Die gleiche Erfahrung machen die freien Träger. „Für unsere Klientel ist die Suche nach Wohnungen ein Riesenproblem. Das gilt auch für andere Gruppen wie die Suchthilfe oder die Strafgefangenenhilfe“, sagt Christiane Caldow.

Der Markt sei ausgedünnt. Und er wird sich auf absehbarer Zeit wohl auch nicht entspannen, zumal die Stadt mit ihrem Programm zur Förderung des Sozialen Wohnungsbaus den Verlust von jährlich etwa 200 Wohnungen mit Mietpreisbindung bestenfalls ausgleichen kann, aber keine zusätzlichen Sozialwohnungen schafft. Bei der Inneren Mission beschreiten sie daher schon neue Wege. Einer davon: „Wir mieten selbst Wohnraum an und geben ihn als Untervermieter weiter“, sagt Christiane Caldow.

Spürbar gestiegen sind auch die Beratungsfälle allein bei der Inneren Mission, einer Einrichtung der Diakonie. Binnen zehn Jahren hat sie sich seit 2007 auf 1750 verdoppelt. Und auch da hat der Anteil deutscher Männer am stärksten zugenommen. 1550 Mal stand die Obdachlosenhilfe der Stadt im vergangenen Jahr beratend zur Seite. Am häufigsten ging es dabei um Mietschulden (400 Fälle), um Räumungsklagen (231) und um Akutunterbringungen (209).

Das Problem für die Anlaufstellen von Stadt und freien Trägern: Erledigt werden alle Einzelfälle, die nicht nur deutlich zugenommen haben, sondern deren Problemlagen zum Teil viel komplexer geworden sind, mit der gleichen Personalausstattung wie vor zehn Jahren. Die Leiterin der Wohnungslosenhilfe spricht davon, dass die Belastungsgrenze erreicht sei.

Darlehen in Höhe von 174 858 Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr zur Begleichung von Mietrückständen gewährt. Die 107 Darlehen hatten eine durchschnittliche Höhe von 1634 Euro.

Außerdem wurden 38 Darlehen für Energierückstände gegeben. Dabei geht es insgesamt um 41 068 Euro, d.h. um durchschnittlich 1081 Euro.


Leserkommentare (0)



Aus: "Obdachlose: Zahl der Obdachlosen nimmt in Bochum massiv zu" Andreas Rorowski (25.03.2018)
Quelle: https://www.waz.de/staedte/bochum/es-gibt-immer-mehr-obdachlose-in-bochum-id213839045.html

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« Reply #706 on: March 27, 2018, 12:59:43 PM »
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[...] Berlin  - Privat fürs Alter vorsorgen ist angesagt. Auch für Claus Theo Gärtner. Die staatliche Rente reicht dem Schauspieler Claus Theo Gärtner (74) nicht für die Miete seiner Wohnung. Zum Glück habe sein Partner in der Serie "Ein Fall für Zwei", Günther Strack, ihn seinerzeit zu privater Vorsorge gedrängt. "Ja, wer nur die staatliche Rente bekommt, der hat es nicht leicht", sagte Gärtner der "Augsburger Allgemeinen" (Montag). "Das sind bei mir 1400 Euro. Da könnte ich noch nicht mal meine Miete bezahlen. Ich weiß nicht, wie manche da durchkommen", sagte der Schauspieler, der mit der Rolle des Privatdetektivs Josef Matula bekannt wurde.

"Ich will arbeiten, solange ich den Text noch behalten kann und geradeaus gehen kann", sagte Gärtner der Zeitung. "Schauspieler können ja arbeiten, bis sie tot umfallen." Er wolle es aber auch nicht übertreiben. Dank der Vorsorge könne er sagen: "Finanziell kann ich relaxed dem Ende entgegensehen."

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sebas:

Hallo WAZ,

diesen Artikel hätten Sie sich sparen können.

Was bezwecken Sie damit?


Quote
Wadamaha:

Der Mann hat ein Luxusproblem.


...


Aus: "Der ewige Matula - Claus Theo Gärtners Rente reicht nicht für die Miete" dpa (26.03.2018)
Quelle: https://www.waz.de/panorama/claus-theo-gaertners-rente-reicht-nicht-fuer-die-miete-id213845351.html


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« Reply #707 on: March 27, 2018, 02:39:25 PM »
Quote
Paradies erreicht
Filed under: Gute Nacht by Nachtwaechter — 24. März 2018

Mit diesem üblen zynischen Tonfall und diesem Grinsen sagte der Vorübergehende beim Betrachten der Nachrichtensendung des BRD-Parteienstaatsfernsehens: „Eine Welt, in der es eine Tagesschau-Meldung wird, dass jemand (Elon Musk) seinen Facebook-Account löscht, muss eine wunderbare Welt sein, die keine schweren Probleme, keinen Hunger, keine Armut und keinen Krieg mehr kennt“.


Quelle: https://tamagothi.wordpress.com/2018/03/24/paradies-erreicht/

Elon Musk
https://de.wikipedia.org/wiki/Elon_Musk



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« Reply #708 on: March 27, 2018, 04:24:19 PM »
Quote
[...] Konzernchef John Cryan steht vor der Ablösung. ... Dabei hat der Brite durchaus Erfolg vorzuweisen: Die Geschäftslage wurde stabilisiert und das Eigenkapital gestärkt. Die IT-Systeme wurden verschlankt und zahlreiche Rechtsstreitigkeiten beigelegt – was die Bank allerdings Milliarden kostete. Der Verkauf der Tochter Postbank scheiterte zwar mangels Interessenten. Doch nun wird die Postbank mit dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank zusammengelegt, um die Kosten zu drücken. 6000 Stellen sollen dabei wegfallen, zusätzlich zu den 9000, die der Konzern zwischen 2015 und 2020 abbauen will. ...

... Doch dann folgten [ ] Rückschläge: Vergangene Woche schockte Finanzvorstand James von Moltke Investoren mit der Mitteilung, das erste Quartal – traditionell das stärkste im Bankgeschäft – sei „schwierig“ gewesen. IT-Vorstand Kim Hammonds bezeichnete die Deutsche Bank auf einem Führungskräftetreffen als das „unfähigste Unternehmen“, für das sie je gearbeitet habe. Hinzu kam die öffentliche Debatte über die mehr als 2,3 Milliarden Euro an Boni, die die Deutsche Bank ihren Mitarbeitern für 2017 zahlt – trotz der Verluste.

...

Quote
Rickdiver • 27.03.2018

Die Berichterstattung ist schon skurill, da wird als Grund für 700 Mio Verlust die US - Steuerreform angeführt. Wenn ich die 2,3 Milliarden Boni sehe komme ich bei der Rechnung 2,3 Milliarden minus 700 Mio auf 1,6 Milliarden Plus. Das wäre der Gewinn des Institutes hätte man auf Bonuszahlungen verzichtet. Ursache ist also mitnichten die amerikanische Steuerreform, vielmehr ist die Raffgier des Vorstandes und anderer leitender Angestellten sich trotz wirtschafltich schwieriger Lage die Taschen reichlich zu füllen Ursache für den Verlust. klar will keiner im Vorstand sagen wir haben Verlust gemacht weil wir uns ein zu großes Stück vom Kuchen genehmigt haben.


...

 

Aus: "Deutsche Bank zu krank" Stephan Kaufmann (27.03.2018)
Quelle: http://www.fr.de/wirtschaft/john-cryan-deutsche-bank-zu-krank-a-1475436,0#artpager-1475436-0


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« Reply #709 on: March 29, 2018, 05:05:24 PM »
Quote
[...] Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im März im Vergleich zum Vormonat gesunken. Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl verringerte sich im März auf 2,373 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Damit waren etwa 19.000 Männer und Frauen weniger ohne Arbeit als im Februar – im Westen sank die Zahl um 17.000, im Osten um knapp 2.000. Absolut sank die Zahl um 88.000 auf 2,458 Millionen. Das ist der niedrigste Wert in einem März seit der Wiedervereinigung. 

Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Erwerbslosen um 204.000 zurück. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 5,5 Prozent. "Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt setzte sich auch im März fort", sagte BA-Chef Detlef Scheele. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung seien weiter gesunken, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bleibe auf Wachstumskurs und die Nachfrage nach Arbeitskräften befinde sich nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau.

Bei der Bundesagentur waren im März zugleich 778.000 offene Stellen gemeldet – 86.000 mehr als vor einem Jahr.

Die Zahl der Erwerbstätigen lag nach Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes im Februar bei 44,32 Millionen – das ist ein Plus von 45.000 gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 618.000 Erwerbstätige mehr. Der Anstieg gehe allein auf mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurück, teilte die Bundesagentur mit. Hochgerechnet hatten zuletzt 32,47 Millionen Menschen in Deutschland einen regulären Job – 762.000 mehr als ein Jahr zuvor. 

Quote
Hannes Wander #27

Schön zu lesen, dass es immer weniger Arbeitslose gibt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften kann ich bestätigen. Nahezu in allen Bereichen wird gesucht. Fachbetriebe klagen über zu wenig Bewerbungen. Es wird zukünftig immer schwieriger zu begründen, weshalb man/frau keine Arbeit bekommt.


Quote
BeinhardKeynes #17

Frankreich 9,2
Italien 10,8
Spanien 16,4
Griechenland 20,9

Deutschland 3.6 nach den gleichen Berechnungskriterien.

Wann versteht man endlich, dass Deutschland innerhalb einer Währungsunion Lohndumping betrieben hat und das die logische Konsequenz höhere Wettbewerbsfähigkeit war, aber auf Kosten der anderen Länder der Währungsunion. Deutschland hat seine Arbeitslosen in andere Teile der Währungsunion verschoben. Mit einem gemeinsamen Wechselkurs verteuert sich noch nicht mal der Export über EWU-Grenzen hinweg, trotz krassem Überschuss. Das ist ein Zusammenhang der so logisch ist, dass es unglaublich ist erst jetzt vereinzelt darüber etwas zu hören! In der heute show wurde dies letzte Woche tatsächlich angesprochen!
Und man beschwert sich tatsächlich über ein paar Zölle, die die Amerikaner auf deutsche Produkte legen wollen, obwohl der Exportüberschuss gegenüber den USA in den letzten Jahren geradezu explodiert ist. Deutschland ist inzwischen vor China der größte Wettbewerbsverzerrer des Welthandels.
Vielleicht passiert das nicht aus kalkül, aber es ist entsetzlich, wie sich die Ökonomen Deutschlands vor der Wahrheit verschließen und einfache und logisch nachvollziehbare Zusammenhänge nicht akzeptieren.


Quote
Ihr Schreiben ist in unserem Papierkorb eingegangen #17.1

Wann versteht man endlich, dass Deutschland innerhalb einer Währungsunion Lohndumping betrieben hat

Insbesondere der Vergleich mit Frankreich ist interessant: Frankreich steht (bezogen auf die Qualität der Beschäftigung) in vielerlei Hinsicht sogar besser da als Deutschland. Dazu etwa:

Der Anteil der Arbeitnehmer, die in Deutschland einen Niedriglohn beziehen, ist im europäischen Vergleich hoch. So verdienen 22,5 Prozent der Beschäftigten unter der Niedriglohnschwelle von 10,50 Euro pro Stunde. [...] In Frankreich arbeiten nur 8,8 Prozent der Beschäftigten für einen Niedriglohn, der dort mit nur zehn Euro etwas niedriger liegt als in Deutschland.
http://www.rp-online.de/wirtschaft/knapp-jeder-vierte-arbeitet-fuer-niedriglohn-aid-1.6888022

Auch sind in Frankreich prekär Beschäftigte deutlich besser geschützt als in Deutschland. So haben in Frankreich Leiharbeit vom ersten Tag an Anspruch auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit plus 10% Aufschlag als "Prekaritätsprämie", während dies in Deutschland nicht gilt. Zeitarbeiter erhalten hierzulande meist 20% bis 50% weniger als ihre festangestellten Kollegen.


Quote
Whead #1.5

Ich verfalle nicht in Jubelarien angesichts eines Niedriglohnsektors von 24 % der Erwerbstätigen.


Quote
frahmredder #4

"Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist weiter hoch."
Komisch, warum bietet man meinen Umschülern im Einzelhandel denn dann nur 9 Euro Stundenlohn?


Quote
Addy9876 #4.1

Die Nachfrage ist hoch. Die Bereitschaft vernünftige Löhne zu zahlen nicht. ;-)


Quote
Ihr Schreiben ist in unserem Papierkorb eingegangen #12

Immer weniger Arbeitslose in Deutschland
Es fallen immer mehr Arbeitslose aus der Statistik.
Heute sind es fast 1 Mio.:
Offizielle Arbeitslosigkeit im März 2018: 2.458.110
Nicht gezählte Arbeitslose gesamt: 959.512
Nicht gezählte Arbeitslose verbergen sich hinter:
Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld I und/oder ALG II: 165.449
Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten): 67.218
Förderung von Arbeitsverhältnissen: 6.925
Fremdförderung: 265.051
Bundesprogramm Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt: 15.688
berufliche Weiterbildung: 158.812
Aktivierung und berufliche Eingliederung (z. B. Vermittlung durch Dritte): 196.696
Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose): 2.188
Kranke Arbeitslose (§146 SGB III): 81.485

Tatsächliche Arbeitslosigkeit im März 2018: 3.417.622
https://www.die-linke.de/themen/arbeit/tatsaechliche-arbeitslosigkeit/2018/

Aus der Statistik heraus fallen zudem noch Arbeitslose...
# über 63 Jahren, die nun unter hohen Abschlägen "zwangsverrentet" werden können.
# unter 25 Jahren, weil diese seit einer Neuregelung von 2006 in den Haushalt der Eltern ziehen und von diesen alimentiert werden müssen, wodurch viele ihren Sozialleistungsanspruch verlieren und sich deshalb nicht mehr arbeitslos melden.
# allen Alters, weil viele ihren Sozialleistungsanspruch verloren haben (verschärfte Anrechnung von Erspartem und Familieneinkommen) und sich deshalb nicht arbeitslos melden.


Quote
Alphafrau2 #17.2

Danke für diese Ausblicke über den Tellerrand
Eigentlich würde ich solche Informationen von unserem Qualitätsjournalismus erwarten ....


Quote
Schwarzwaelder Kirsch #17.5

Es sind genau diese Regulierungen, die in Frankreich und den anderen genannten Ländern zu der hohen Arbeitslosigkeit führen. Diese Länder haben sich dafür entschieden, die "Insider" zu schützen und dem Rest, insbesondere Jugendlichen, den Zugang zu erschweren. Dies schlägt sich in den genannten Zahlen und einerextremen Jugendarbeitslosigkeit nieder. Wen man versucht, Löhne künstlichmüber das ökonomisch gerechtfertigte, d.h. der Produktivität Entsprechende zu erhöhen, erzeugt man eben Arbeitslosigkeit.


Quote
Bernard Wooley #17.6

Soweit korrekt. Fragt sich ob die deutsche Methode besser ist. Hier zahlt man Lohnsteigerungen weit unter Produktivitätssteigerungen. In der Folge haben zwar viele Arbeit, aber sehr oft prekär.


Quote
Citizen A. #18

"Der Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv."
Für wen? Arbeitgeber im Niedriglohnsektor?
"Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist weiter hoch."
Ja, bevorzugt nach Arbeitskräften die im Zweifelsfall bereit wären, auch unter Mindestlohn zu arbeiten. Oder von einer Befristung in die nächste zu hopsen.
Von den ganzen "versteckten" Arbeitslosen in Unterpunkten der Statistik ganz zu schweigen. Oder den "Aufstockern". Oder...
Vor diesem Hintergrund wirkt das schon fast wie Hohn.


...


Aus: "Immer weniger Arbeitslose in Deutschland" (29. März 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2018-03/bundesagentur-fuer-arbeit-entwicklung-arbeitsmarkt-volkswirtschaft

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« Reply #710 on: April 04, 2018, 09:53:32 AM »
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[...]  Die Abbrecherquote in der Berufsausbildung ist nach einem Zeitungsbericht so hoch wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr. Mehr als jeder vierte Auszubildende schmeiße seine Lehre hin, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf den Entwurf für den Berufsbildungsbericht 2018. Bei Berufen wie Koch, Restaurantfachkraft oder Friseur höre sogar etwa jeder Zweite vor der Abschlussprüfung auf.

Dem Entwurf zufolge seien 2016 gut 146.000 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst worden. Der Anteil der abgebrochenen Ausbildungen liege mit 25,8 Prozent erstmals über den seit Anfang der 90er Jahre üblichen Quoten von 20 bis 25 Prozent.

Am höchsten sei der Anteil der Abbrecher bei angehenden Sicherheits-Fachkräften mit 50,6 Prozent, am niedrigsten mit 4,1 Prozent bei Azubis, die Fachangestellte in der Verwaltung werden wollen, heißt es in dem Bericht weiter.

„Dort wo die Vergütung besonders niedrig ist, sind die Abbrecherquoten extrem hoch“, sagte dazu Elke Hannack, Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). „Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen.“ Hannack forderte die Bundesregierung deshalb auf, die geplante Mindestvergütung für Azubis schnell durchzusetzen. (dpa)


Aus: "Jeder vierte Auszubildende schmeißt die Lehre" (04.04.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/berufsausbildung-jeder-vierte-auszubildende-schmeisst-die-lehre/21138694.html


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« Reply #711 on: April 04, 2018, 10:05:26 AM »
Quote
[...] Schon ganz früh wird in Frankreich ausgesiebt. Die Grundschule und das Collège, die Gesamtschule bis zur 9. Klasse, entscheiden über den späteren Lebenslauf. Auf die Lycées, die dreijährigen Gymnasien, die der Oberstufe entsprechen, werden die Schüler nach ihren Noten im Collège verteilt. Es gibt damit gute und schlechte Lycées. Danach folgen zweijährige Vorbereitungskurse für die Grandes Écoles, die Elitehochschulen. Bei jedem Schritt kommen nur die Besten weiter. Die Elite, die in Politik und Wirtschaft nach wie vor das Sagen hat, kann sich ihre Jobs aussuchen und ist bestens vernetzt. ...


Aus: "Studierendenproteste: Wut über selektive Unis" Tanja Kuchenbecker (03.04.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/studierendenproteste-wut-ueber-selektive-unis/21137406.html


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« Reply #712 on: April 05, 2018, 09:24:30 AM »
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[...]  Die Geburtenrate sinkt dramatisch und viele junge Italiener gehen fort. Der Ökonom Gianfranco Viesti kritisiert: „Es gibt im Süden 1,8 Millionen Jugendliche zwischen 15 und 34 Jahren, die weder in die Schule gehen, noch studieren oder arbeiten. Das ist ein Drittel der Bevölkerung in diesem Alter. Was soll aus denen werden?“ Den Erfolg der Fünf Sterne im Süden erklärt er damit, dass sie „das Unbehagen katalysieren“. ...


Aus: "Das sind die 7 Baustellen Italiens" Regina Krieger (05.04.2018)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/international/regierungsaufgaben-das-sind-die-7-baustellen-italiens/21139706.html

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« Reply #713 on: April 05, 2018, 10:06:38 AM »
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[....]  Berlin. Der frühere Bahn-Chef Rüdiger Grube hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach dessen Kritik an seinem Millionen-Gehalt attackiert. „Das hat mich sprachlos gemacht“, sagte Grube der „Zeit“. „Die Politik hat die Bahn-Vorstands-Verträge doch selbst abgesegnet. Mir kommt die Kritik an meiner Bezahlung sehr scheinheilig vor.“

Scheuer hatte der „Bild“-Zeitung nach Medienberichten über eine Millionen-“Abfindung“ für Grube gesagt: „Wir werden mit dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden künftig darauf achten, dass bei solchen Verträgen Maß und Mitte eingehalten wird.“ Die Bahn ist ein bundeseigener Konzern.

Grube sagte der Zeitung: „Die Vorwürfe gegen mich sind unglaublich und völlig falsch. Ich bin kein Abzocker! Schon allein weil ich weiß, wie sensibel das Thema der Gehälter von Topmanagern ist.“ Deshalb habe er selbst jahrelang freiwillig auf Gehaltserhöhungen verzichtet.

Es sei falsch, dass er für 30 Tage Arbeit 2,3 Millionen Euro „abgesahnt“ hätte, sagte Grube. Gegen diese Behauptungen wehre er sich gerade juristisch. „Mein Vorstandsgehalt hatte, wie bei allen Bahn-Vorständen, drei Bestandteile: das Fixgehalt. Zweitens einen Bonus, den es nur gab, wenn ich vereinbarte Ziele in einem Jahr erreicht hatte. Und ein sogenanntes Long-Term-Incentive, das sich nach dem Durchschnittsergebnis aus drei Jahren richtete. Dieses Geld hätte ich auch bekommen, wenn ich bei der Deutschen Bahn geblieben wäre.“

Die 2,3 Millionen Euro ergeben sich laut Grube aus den genannten Bausteinen. „Das Geld stand mir aus den Jahren 2014 bis 2016 noch zu, dabei ist auch ein Anteil für meine Altersversorgung. Offiziell bei der Bahn ausgeschieden bin ich zum 31. Juli 2017, weil wir bis dahin noch einiges zu klären hatten.“

Grube äußerte sich auch zu Vorwürfen, er sei nun beratend für den Hersteller von Tunnelbohrmaschinen Herrenknecht tätig. „Herrenknecht hat noch nie einen Auftrag von der Bahn bekommen. Der Bau eines Bahntunnels ist Sache von Bauunternehmen“, sagte der Manager. „Die entscheiden, ob sie sich dafür von Herrenknecht eine Tunnelvortriebsmaschine liefern lassen. In meiner Tätigkeit ein Geschmäckle zu sehen, ist absurd. Das ist, als dürfe eine Firma, für die ich tätig bin, keine Lkw von Daimler kaufen, weil ich mal Daimler-Vorstand war.“


Aus: "„Ich bin kein Abzocker“"  (05.04.2018)
Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/ich-bin-kein-abzocker-3910845.html

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« Reply #714 on: April 05, 2018, 10:40:26 AM »
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[...] Genf - Aus dem Delegierten-Salon der Welthandelsorganisation (WTO) bietet sich ein grandioser Blick: Dutzende Eichen, der Genfersee und der schneebedeckte Mont Blanc. Doch der adrett gekleidete Herr, Ende 50, achtet nicht auf die Natur. Er vertieft sich in die Presseschau der WTO, schüttelt den Kopf und murmelt: „This guy...“

Wen er meint? US-Präsident Donald Trump. Je mehr der Handelsdiplomat über die amerikanischen Attacken auf die WTO und andere Handelspartner liest, desto finsterer wird sein Gesicht.

Die Furcht des Diplomaten teilen etliche Experten in der WTO bis hinauf zu Generaldirektor Roberto Azevêdo: „Ich bin tief besorgt“, sagt der Brasilianer angesichts der Trumpschen Handelspolitik in einem Interview mit der New York Times. Und der frühere WTO-Generaldirektor Pascal Lamy hat für Trumps Politik nur ein Wort übrig: „Mittelalterlich“.

atsächlich: In der WTO-Zentrale am Stadtrand von Genf, dem Centre William Rappard aus den 1920iger Jahren, herrscht Alarmstimmung. Der „mögliche“ internationale Handelskrieg, vor dem Azevêdo warnt, ist nach Meinung von Unterhändlern längst ausgebrochen. Und die von Trump losgetretene Konfrontation könnte sogar das Ende der WTO und des gesamten internationalen, auf Regeln basierenden Handelssystems einläuten.

...


Aus: "WTO droht wegen Trump die Bedeutungslosigkeit" Jan Dirk Herbermann (05.04.2018)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/international/welthandel-wto-droht-wegen-trump-die-bedeutungslosigkeit/21140804.html

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« Reply #715 on: April 11, 2018, 09:50:01 AM »
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[...] Die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten erhalten von BMW Chart zeigen in Kürze 1,1 Milliarden Euro aufs Konto. Hintergrund: Der Autokonzern hat im vergangenen Jahr 8,7 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Nach dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat sollen 30 Prozent davon als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Stefan Quandt besitzt 25,8 Prozent der Stammaktien und erhält nach der Hauptversammlung 622 Millionen Euro, seine Schwester Susanne Klatten bekommt für ihre 20,9 Prozent der Anteile 504 Millionen Euro.

Auch das Management profitiert von den Geschäftszahlen: Vorstandschef Harald Krüger bekommt für seine Arbeit zehn Prozent mehr Einkommen - seine Vergütung wurde auf 8,3 Millionen Euro erhöht. Und BMW zeigt sich auch gegenüber den gut 80.000 Mitarbeitern in Deutschland großzügig und zahlt jedem Facharbeiter 9455 Euro Erfolgsbeteiligung.

Auf der Jahresbilanzpressekonferenz gab der Konzern seine Ziele für das laufende Jahr bekannt. BMW will bis zu sieben Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren. Trotz dieser hohen Ausgaben für Technik und neue Modelle will der Autobauer mindestens so viel erwirtschaften wie 2017. Vergangenes Jahr betrug das Vorsteuerergebnis 10,7 Milliarden Euro.

Die Abgas-Razzia der Münchner Staatsanwaltschaft war auf der Pressekonferenz nur am Rande ein Thema. Am Dienstag hatten rund 100 Beamte Räume in der Konzernzentrale, im Forschungs- und Innovationszentrum in München und im Dieselmotorenwerk im österreichischen Steyr durchsucht und eine große Zahl von Dokumenten sichergestellt.

Die Ermittler hegen den Verdacht, dass BMW ähnlich wie der Volkswagen-Konzern eine spezielle Software verwendet hat, die nur dann die volle Reinigungsleistung der Abgasanlage aktiviert, wenn sich der Wagen auf einem Prüfstand befindet. Im Alltagsbetrieb wird die leistungshemmende Abgasreinigung dann wieder heruntergeregelt. Es gehe um einen Betrug in etwa 11.400 Fällen, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dabei handelt es sich offensichtlich um die Autos der Baureihen 5 und 7, für die BMW im Februar eine Rückrufaktion gestartet hatte.

Entwicklungschef Klaus Fröhlich wies den Verdacht der absichtlichen Manipulation vehement zurück. Die Software in den betreffenden Autos sei ab 2014 mit einem Software-Paket ausgeliefert worden, das einzelne Module enthielt, die für andere Modelle bestimmt waren. Die Software habe das Abgasverhalten auf dem Prüfstand wie auf der Straße gleichermaßen verändert. Ein Fehler, der Anlass zu einem Rückruf gegeben habe, aber keinen Betrug darstelle. Wie es zu dem Fehler kommen konnte, erklärte Fröhlich jedoch nicht. Für alle weiteren Fragen in diesem Zusammenhang sei die Staatsanwaltschaft München zuständig. Dort hieß es lediglich, die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang.

mmq/mik/Reuters/dpa


Aus: "Quandt-Erben kassieren eine Milliarde Euro Dividende" (21.03.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bmw-milliarden-dividende-fuer-stefan-quandt-und-susanne-klatten-a-1199186.html

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Quote
[...] Die Bundesagentur für Arbeit hat im vergangenen Jahr eine etwas höhere Zahl an Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger verhängt als im Vorjahr. Mit knapp 953.000 seien es rund 13.700 Sanktionen mehr gewesen als 2016, teilte die Agentur mit. Die Sanktionsquote, also das Verhältnis der verhängten Sanktionen zu allen Leistungsberechtigten, habe sich jedoch nicht verändert. Sie liege bei 3,1 Prozent.

"Die allermeisten Leistungsberechtigten halten sich an die gesetzlichen Spielregeln. Nur ein ganz geringer Teil wird überhaupt sanktioniert", sagte BA-Chef Detlef Scheele. Mit 77 Prozent entfällt ein Großteil der Sanktionen auf Meldeversäumnisse. Dazu zählt etwa, wenn jemand einen Termin beim Jobcenter ohne Angaben eines wichtigen Grundes nicht wahrnimmt. Im vergangenen Jahr verringerten die Jobcenter deshalb in 733.800 Fällen die Regelleistung um zehn Prozent.

Außerdem verhängt die Agentur Sanktionen, wenn Hartz-IV-Empfänger ein Jobangebot oder eine Fortbildung nicht annehmen. In 98.860 Fällen seien Personen belangt worden, weil sie ein solches Angebot nicht wahrgenommen oder abgebrochen hätten. In 83.380 Fällen seien Personen sanktioniert worden, die gegen eine sogenannte Eingliederungsvereinbarung verstoßen hätten. In einer solchen Vereinbarung werden Unterstützungsleistungen und Pflichten von Jobsuchenden festgehalten.

Scheele kritisierte die Vorschriften bei der Sanktionierung von Jugendlichen. Leistungen für Jugendliche werden per Gesetz bereits beim ersten Verstoß, der über ein Meldeversäumnis hinausgeht, um 100 Prozent gekürzt. "Die Sanktionierung auf Null finde ich nicht vernünftig", sagte Scheele. Denn nach so harten Sanktionen brächen einige Jugendliche den Kontakt zum Jobcenter ganz ab. Auch das Forschungsinstitut der Agentur für Arbeit hatte im vergangenen Jahr empfohlen, die Sanktionen für Jugendliche zu überarbeiten.

Auch die Sanktionierung der Wohnkosten kritisierte Scheele. Wenn Jugendliche sich innerhalb eines Jahres einen weiteren Verstoß leisten, kann ihnen die Miete gekürzt werden. Aufgrund der angespannten Wohnungsmärkte in vielen Städten sei es "ausgesprochen schwer", wieder eine Wohnung zu finden. "Drohende Wohnungslosigkeit hilft uns bei der Vermittlung und auch sonst nicht weiter", sagte Scheele. Der BA-Chef sagte, er fände es vernünftig, die Sanktionspraxis zwischen Jugendlichen und Erwachsenen anzugleichen.

Menschen unter 25 Jahren sind von den Sanktionen stärker betroffen. 2017 bezogen insgesamt 4,36 Millionen Menschen Hartz IV. Im Vorjahr waren es noch 4,31 Millionen. Auch dieser Anstieg erklärt die Zunahme der Sanktionen. Sanktionen können auch mehrmals gegen die gleichen Personen verhängt werden. Damit ist die Zahl der betroffenen Menschen deutlich niedriger als die Zahl der Fälle.

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janismiteinemn #14

Ich dachte Hartz4 wäre bereits das Existezminimum. Wie kann man da noch Sanktionieren?



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alice_42 #9

>> ... die gegen eine sogenannte Eingliederungsvereinbarung verstoßen hätten. <<

"Vereinbarung" ist ja auch so ein nettes Wort, klingt beinah, als hätte der "Kunde" da mitzureden. Tatsächlich wird die Methode "friss oder stirb" angewendet, und der so genannte Kunde ist tatsächlich Befehlsempfänger.

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ShinyShadow #17

Hm... Ich sehe die ganze Geschichte Zwiegespalten...

Einerseits bin ich der Meinung, dass man sich an Gewisse vorgaben halten sollte, wenn man auf die Kosten "des Staates" (oder eher der arbeitenden Bevölkerung) lebt. Wenn es den Leuten zu leicht gemacht wird, fällt ggf. jegliche Motivation weg, was zu ändern.
Andererseits tun mir die Menschen leid, die unverschuldet in solch eine Situation kommen und sich total abwertend behandeln lassen müssen.
Auf alle Fälle nervt mich diese Arroganz, die viele Mitarbeiter im Jobcenter an den Tag legen. Ich persönlich durfte das schon so erleben und ich kenne auch andere, denen es so ging. ...


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Aus: "Zahl der Hartz-IV-Sanktionen leicht gestiegen" (11. April 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-04/bundesagentur-fuer-arbeit-hartz-iv-sanktionen-anstieg

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« Reply #716 on: April 17, 2018, 12:23:19 PM »
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[...] Wien – Wenn es ein wirtschaftspolitisches Thema gibt, über das seit einigen Jahren mehr und mehr geredet wird, ist es soziale Ungleichheit. Die Weltwirtschaftskrise und der fatale Bankencrash nach 2007 haben Millionen von Menschen den Job gekostet und zahlreiche Staaten beinahe in den Bankrott getrieben. Als eine Folge davon ist eine öffentliche Debatte über Verteilungsfragen entbrannt. Mit dem Wahlsieg von Donald Trump wurde sie intensiver: Waren es nicht vor allem die Globalisierungsverlierer, die Trump an die Macht brachten? .... Wie ist die Kluft zwischen Realität und Wahrnehmung zu erklären? Die Ökonomen um Thomas vermuten, dass Medien dahinterstecken. ... Doch woher kommt der mediale Alarmismus? Eine Erklärung könnte lauten, dass die Debatte aus den USA importiert ist. So wie Hollywood das Kinoprogramm in Europa dominiert, wäre es möglich, dass die in den USA in Fachblättern und Qualitätszeitungen geführte Debatte über Verteilungsfragen herübergeschwappt ist. Tatsächlich hat der Trump-Triumph auch in Kontinentaleuropa zu einer intensiven medialen Auseinandersetzung mit Globalisierungsfragen geführt. Dabei findet eine Erosion der Mittelschichten wie in den USA in Österreich und Deutschland nicht statt. Dass ganze Regionen so wie im mittleren Westen der USA mit Deindustrialisierung, sozialem Abstieg und enormer Kriminalität kämpfen, ist in Österreich und Deutschland ebenso wenig bekannt. Die sozialen Sicherungssysteme sind in Europa andere. Zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern wird stärker auf Ausgleich gesetzt. Kann es sein, dass diese Unterschiede zu wenig beachtet werden? Ökonom Thomas schließt dies nicht aus. Andere öffentliche Debatten, etwa über Migration, können nachgewiesenermaßen ohne Anlassfall von einem Land auf ein anderes überspringen.

... Der Ungleichheitsforscher Wilfried Altzinger von der Wirtschafts-Uni Wien macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam. Die Einkommensungleichheit in Österreich sei zuletzt stabil gewesen, doch in den 1980er- und 1990er-Jahren sei die Kluft stark gestiegen. Und in dieser Periode sei kaum darüber debattiert worden, so Altzinger. Ab 2005 habe sich das geändert. Das lange Versäumnis werde jetzt nachgeholt. (András Szigetvari, 17.4.2018)

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Protagoras v. Abdera

Soziale Ungleichheit - ein Hoax wie Australien und der Klimawandel? Der historische Pfad wachsender Ungleichheit seit den 1970er Jahren und die extreme Ungleichheit in der Vermögensverteilung in Österreich, wo 5% der Bevölkerung knapp 50% des Privatvermögens besitzen sind nur zwei Kritikpunkte an dieser interessenpolitischen Beschwichtigungsstrategie. Durch die Veränderung der Besteuerungsgrundlagen, die Finanz- und Industriekapital zunehmend entlasten, zahlen sich Arbeitseinkommen die sozialen Ausgleicheffekte selbst. "Arbeitgeber" spielen hier immer weniger eine Rolle. Der springende Punkt ist aber: Ungleichheit ist ein Effekt, der aus der Ausbeutung fremder Arbeitskraft in der Produktion resultiert, Folge des Besitzes der Produktionsmittel in wenigen Händen. ...


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Quxotic

Laut einer Gruppe von Ökonomen sorgt die Berichterstattung in Deutschland und Österreich dafür, dass Einkommensunterschiede dramatischer wahrgenommen werden, als sie sind

Das erzähl ich mal dem Paketboten in Deutschland, der um Mindestlohn Knochenarbeit verrichtet.


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Aus: "Soziale Ungleichheit: Alles nur ein Hype?" (17.4.2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000078063782/Soziale-Ungleichheit-Alles-nur-ein-Hype

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[...] Mindestens vier schwere Versäumnisse habe sich das Mainstream-Amerika vorzuwerfen, erklärt der Philosoph [Philosoph Michael Sandel]. Man habe nicht erkannt, was die schreiende Ungleichheit der Einkommen bewirkt; wie der Hochmut der „meritocracy“ bei einfachen Leuten ankommt; wohin es Menschen treibt, denen die Würde ihrer Arbeit genommen wurde; und dass sich Patriotismus, in welcher Färbung auch immer, nicht wegerklären lässt.

Hinter diesem Befund steht nicht einfach die „Globalisierung“, sondern auch der schleichende Übergang von der Marktwirtschaft in die Marktgesellschaft, der manche demokratische Selbstverständlichkeit untergraben hat. Sandel hat diesen Wandel in seinem Buch „Was man für Geld nicht kaufen kann: Die moralischen Grenzen des Marktes“ (2012) nachgezeichnet und vehement kritisiert. So viele Dinge sind heute käuflich geworden, vom Zellen-Upgrade im Knast (82 Dollar die Nacht) bis zur Schießerlaubnis fürs Schwarze Nashorn (150.000 Dollar), dass Ärmere kaum noch an den Zusammenhalt der Gesellschaft glauben können. Auch der Zugang zur Elite-Uni oder das Recht, eine Tonne Kohlenstoff in die Welt zu pusten, ist käuflich geworden. „Nicht, dass wir uns bewusst dafür entschieden hätten“, schreibt Sandel. „Es scheint einfach über uns gekommen zu sein.“

Vor dem Hintergrund der Prämierung von Gier und Egoismus erhält auch das Thema von Sandels Bestseller „Gerechtigkeit“ (2013) Brisanz. Was kann, was soll der Einzelne als Teil einer größeren Gemeinschaft tun? Wonach richten sich seine Überzeugungen, und auf welche darf er bei seinem Nächsten zählen? Sandel, ein amerikanischer Linker, denkt allerdings nicht parteistrategisch. Im Lauf seines Vortrags streift er Themen, die jeden umtreiben müssten, etwa die Frustration über mangelnde Teilhabe am Prozess demokratischer Entscheidungsfindung oder die weitgehende Tatenlosigkeit der Regierung angesichts der Zockermentalität der Banken. Warum, so fragt er, habe Obama nach dem Crash der Finanzmärkte die Investmenthäuser mit vielen Milliarden Dollar im Rennen gehalten? Warum ging das Geld der Steuerzahler nicht an die Opfer, die in Not geratenen Hypothekenzahler, die überschuldeten Privathaushalte? Man ahnt die Antwort: die Finanzmärkte! Sandel sieht in der Kapitulation des Präsidenten, der mit dem gewaltigen Idealismus seiner Wählerschaft ins Amt gehoben wurde, vor der Finanzelite seines Landes eine der Kardinalsünden der ersten Legislaturperiode. Da hatte Obamas Amtszeit gerade angefangen, und bald waren die hehren Hoffnungen auf moralische Führungskraft dahin. Zurück blieb Katzenjammer.

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Roswitha Blunthofer (Roswita2), 12.04.2018 - 20:37

In Wahrheit ist das Symbol Trump natürlich, worin sich die "bürgerlich-demokratische Mitte" nicht erkennen will. Obwohl sie es müsste. Trump symbolisiert in allen seinen Facetten, seiner Biografie in schönster Obszönität, was bis dahin in einem polemische Überspitzung formuliert war. Woraufhin der feine Hamburger Kaufmann, der aufgeklärte Banken oder weltläufige Automobilkonzernchef beleidigt war. Denn so sei sein Kapitalismus ja nicht. Aber er ist es eben doch. In einer der Weltmächte, eine demokratische zumal, hat der politische Apparat Partei diesen Trump, dieses Symbol zum Kandidaten und schliesslich zum Präsidenten gemacht. Da ist es in der Tat wohlfeil zu behaupten: Der sei vom arbeitslosen Minenarbeiter gewählt worden. Solange von nicht wenigen so selbstverständlich verbreitet wird, es habe in den letzen Jahrzehnten einen "linken Mainstream" gegeben, während es in Wahrheit und im Kern rechtskonservative und wirtschaftsliberale Rezepte waren die uns auf den heutigen Stand brachten - solange werden die Hasardeure die Eskalation des Gescheiterten propagieren können.


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  Erwin Stahlberg (Nundenn), 12.04.2018 - 19:20

Wer ist "WIR"???

PRÄSIDENT TRUMP ist eine klare Antwort auf das Versagen der ETABLIERTEN --- denen fehlt jegliche Selbstkritik und sie leiden ---leider--- nicht an ihrer Selbst-ÜBERSCHÄTZUNG.


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Aus: "Philosoph Michael Sandel : Warum wir Trump noch nicht verstanden haben" Paul Ingendaay (12.04.2018)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/warum-wir-donald-trump-noch-nicht-verstanden-haben-15537517.html
« Last Edit: April 17, 2018, 12:28:17 PM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #717 on: April 19, 2018, 10:59:45 AM »
Quote
[...] Stephen Schwarzman hat in Yale Psychologie, Soziologie, Anthropologie und Biologie studiert, danach machte er an der Harvard Business School einen MBA. Er arbeitete als Investmentbanker, machte Karriere bei Lehman Brothers, gründete schließlich sein eigenes Unternehmen und verdiente viel Geld an der Wall Street. Sein Vermögen wird auf zwölf Milliarden Dollar geschätzt.

Doch an seinem Erfolg haben nicht nur die Hochschulen und Firmen einen Anteil, sondern sicher auch die Abington Senior High School in der Nähe von Philadelphia. Dort machte Schwarzman im Jahr 1965 seinen Schulabschluss. Und weil der Unternehmer seinen damaligen Lehrern offenbar sehr dankbar ist, verkündete er an seinem 71. Geburtstag im Februar stolz, er wolle der Schule 25 Millionen Dollar spenden.

Es sei die größte Summe, die jemals an eine öffentliche Schule gespendet wurde, heißt es auf der Seite von Schwarzmans Unternehmen Blackstone. Dort steht auch, Schwarzman sei ein aktiver Philanthrop, der sich sehr für die Bildung einsetze. Vor drei Jahren habe er der Yale-Universität bereits 150 Millionen Dollar gespendet, um das Schwarzman-Center zu gründen.

Zwei Jahre zuvor hat er ein Stipendienprogramm an der Tsinghua Universität in Peking ins Leben gerufen: das Schwarzman-Stipendium. Und im Jahr 2007 ließ der Geschäftsmann der New Yorker Bibliothek 100 Millionen Dollar zukommen und das Gebäude an der Fifth Avenue nach ihm benennen.

Stephen Schwarzman möchte offenbar sicherstellen, dass die Gesellschaft seinen Namen so schnell nicht vergisst. So ist es auch bei der Abington Senior High School. Diese soll nämlich im Gegenzug für die 25 Millionen Dollar, die Schwarzman spenden will, umbenannt werden und in Zukunft so heißen wie der Geldgeber: Abington Schwarzman High School. Doch das ist nicht alles: In der Schule soll an prominenter Stelle ein Porträt von Schwarzman zu sehen sein. Ein Anbau soll nach seinen Zwillingsbrüdern Mark und Warren benannt werden, und Schwarzman möchte über das neue Schullogo mitentscheiden können, wie die "New York Times" berichtet.

Der Direktor der Schule willigte ein, denn mit so viel Geld könnte die Schule renoviert, jedem Schüler ein Laptop finanziert und Programmierkurse für alle Klassen angeboten werden. Doch weder der Direktor noch Stephen Schwarzman haben offenbar mit der Bevölkerung von Abington gerechnet - beziehungsweise mit deren Frust.

Die Leute fühlen sich veralbert, sie reden von einer feindlichen "Wall-Street-Übernahme", sie schrieben böse Mails und haben sogar eine Onlinepetition ins Leben gerufen, damit die Abington Senior High School weiter Abington Senior High School heißen darf. Bereits im Jahr 2004 war ein Football-Stadion in der Stadt nach Schwarzman benannt worden. Damals hatte der Unternehmer 400.000 Dollar dafür lockergemacht.

In den USA sind solche Namensdeals üblich - führten in den vergangenen Jahren aber immer wieder zu Streitereien. Vor vier Jahren hatte ein Chef der Citygroup eine Spende von 20 Millionen Dollar an das Paul Smiths College in New York zurückgezogen, weil einige Alumni gegen die Umbenennung vorgingen. Auch in Beverly Hills gab es Ärger als ein Immobilienmakler für eine Spende von 21.750 Dollar das Atrium einer Grundschule nach sich benennen ließ.

Einen ersten Erfolg haben Abingtons Bürger bereits mit ihrer Petition erreicht: Die Schule soll den Namen behalten - "nur" ein neues Wissenschafts- und Technologiezentrum soll nun nach Schwarzman benannt werden. Der Milliardär willigte ein - aber nur unter einer Bedingung: Im neuen "Schwarzman Center for Science and Technology" sollen Gedenktafeln oder Fotos von ihm angebracht werden.


Aus: "Spenden für einen guten ... Namen" Kristin Haug (18.04.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/schul-sponsoring-ein-milliardaer-will-dass-schule-nach-ihm-benannt-wird-a-1203373.html

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« Reply #718 on: April 19, 2018, 11:05:31 AM »
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[...] Zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in vielen Berufen jede Menge Platz. In der Serie "Das anonyme Job-Protokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt - ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

"Allen Menschen, die sich Essen nach Hause bestellen, möchte ich eins sagen: Bitte seid nett zu den Fahrern! Wenn die Bestellung auf sich warten lässt, sind entweder das Restaurant oder die Disposition Schuld daran. In den seltensten Fällen liegt es an einem Stau oder einem kaputten Dienstfahrzeug. Und auch hierfür kann der Fahrer selbst nichts.

Ich spreche aus Erfahrung, denn ich habe bis vor Kurzem selbst bei einem kleineren Lieferdienst in einer Großstadt gearbeitet - mehrere Jahre lang während meines Studiums. Außer einem Pkw-Führerschein gab es keine besonderen Voraussetzungen für diesen Job. Nach einem kurzen Kennenlerngespräch fuhr ich eine Schicht mit einem erfahrenen Boten. Danach war ich auf mich allein gestellt.

Ich kam schnell zurecht. Schon nach ein paar Wochen konnte ich bei der Auftragsvergabe anhand des Straßennamens etwa einschätzen, ob Kunden auf mich warten, die viel Trinkgeld geben. Auch die unterschiedlichsten Einrichtungsstile habe ich gesehen. Ich war in typischen Studentenbuden, aber vor allem in Altbauwohnungen mit hohen Decken und gefühlt 100 Meter Flur.

Der Job ist mit dem Studium gut vereinbar. Ich konnte flexibel arbeiten. Meistens war ich an den Wochenenden von 17 bis 22 Uhr im Einsatz. Aber auch mittags unter der Woche fuhr ich ab und zu Essen aus, wenn es mein Stundenplan zuließ.

Die Atmosphäre zwischen den Kollegen war immer herzlich - die meisten waren ebenfalls Studenten. Vor Schichtbeginn saßen wir oft kurz zusammen und erzählten von unseren Erlebnissen. Einer meiner Kollegen musste einmal für einen Zuhälter Essen in ein Bordell liefern. Alles war rot ausgeleuchtet, wie im Fernsehen, und auf dem Tisch, wo mein Kollege die Lieferung abstellen sollte, lag eine Waffe. Er bekam 50 Euro Trinkgeld.

Als Frau wurden mir schon manchmal Komplimente gemacht, einige Männer fragten nach meinem Namen und machten Flirtversuche. Ich fand das nicht belästigend, aber ich habe in dem Punkt auch ein ziemlich dickes Fell.

Wir waren für einen recht großen Bezirk zuständig. Unsere Kunden konnten aus etwa 30 Restaurants auswählen. Wenn sie bestellten, bekam ich über eine App den Auftrag zugeteilt. Ich fuhr zum Restaurant, holte das Essen ab und brachte es dem Kunden. Danach wartete ich auf den nächsten Auftrag. So ein Auftrag dauert etwa eine dreiviertel Stunde.

Anders ist das zum Beispiel bei Pizza-Ketten mit dazugehörendem Lieferdienst. Dort packen die Boten direkt zehn Pizzen in ihre Boxen und liefern diese dann eine nach der anderen aus. Das hat den großen Vorteil, dass sie potentiell zehn Mal Trinkgeld bekommen können. Ich dagegen nur einmal pro Fahrt. Das Trinkgeld dürfen die Fahrer behalten.

Ich habe als Selbstständige auf Gewerbeschein gearbeitet, das spart den Lieferdiensten natürlich das Geld für die Versicherung ihrer Mitarbeiter. Alle Lieferdienste, die ich kenne, zahlen ihren Fahrern den Mindestlohn. Als ich 2012 anfing, Essen auszuliefern, gab es den noch nicht.

Ich bekam sechs Euro pro Stunde, allerdings auch, wenn ich keinen Auftrag hatte. Ich kenne aber durchaus Lieferdienste, die ihren Fahrern während der Wartezeit zwischen zwei Aufträgen nichts zahlen. Man arbeitet für diese Lieferdienste auf Abruf - wie im Bereitschaftsdienst.

Ich hatte das Glück, mit einem Mini das Essen ausfahren zu dürfen - und nicht mit dem Fahrrad wie andere Kollegen. Der Wagen wurde vom Lieferdienst gestellt. Vor allem bei schlechtem Wetter ein großer Vorteil.

Dass die Fahrer von Deliveroo in vielen deutschen Städten auf die Straße gegangen sind, kann ich gut verstehen. Die sind nämlich so gut wie alle mit dem Fahrrad unterwegs und bekommen noch etwas weniger Gehalt als ich und meine Kollegen.

Ich hatte vergleichsweise wenig Stress. Eine Tracking-App, die es den Kunden ermöglicht, den Aufenthaltsort des Fahrers zu orten, hatte ich nicht. Andererseits führt so eine App vielleicht auch zu mehr Verständnis für den Fahrer, wenn das Essen doch mal länger auf sich warten lässt, und der Kunde bestraft ihn dann nicht mit wenig Trinkgeld. Das wünsche ich mir sehr. Denn wir Fahrer sind auf das Trinkgeld angewiesen."


Aus: ""Auf dem Tisch lag eine Waffe"" Aufgezeichnet von Sarah Wiedenhöft (18.04.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/karriere/job-essenslieferant-ohne-trinkgeld-geht-es-kaum-a-1203156.html

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« Reply #719 on: April 23, 2018, 02:58:59 PM »
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[...] Sydney - Die australische Finanzindustrie sieht sich mit der größten Krise ihrer Geschichte konfrontiert. Eine staatliche Untersuchungskommission bringt jeden Tag neue Beispiele von gravierenden Verfehlungen ans Licht. So hätten Finanzberater der größten australischen Bank über ein Jahrzehnt jährlich 1000 australische Dollar (rund 630 Euro) Gebühren einkassiert, ohne dafür Leistungen zu erbringen. Unter den geschädigten Kunden hätten sich selbst Verstorbene und deren Nachlass befunden. Die Praxis sei bei Commonwealth Bank (CBA) weit verbreitet gewesen.

Mit einem kombinierten Marktanteil von rund 80 Prozent kontrollieren die Großbanken CBA, National Australia, Westpac und ANZ die australische Finanzindustrie. Die sogenannten „Big Four“ zählen zu den rentabelsten Banken der Welt. CBA verbuchte im letzten Jahr einen gegenüber dem Vorjahr 4,6 Prozent höheren Gewinn von 9,8 Milliarden australischen Dollar. Westpac machte 8,1 Milliarden, ANZ 6,4 Milliarden und National Australia Bank 6,6 Milliarden australische Dollar.

Die Einvernahme führender Bankmanager vor laufender Kamera in den ersten Tagen der Untersuchung schockierte die Nation. Neben der Rechnungstellung von Gebühren an Verstorbene kamen Fälle von versuchter Bestechung, gefälschten Dokumenten und der fahrlässigen Vergabe von Hypotheken an kreditunwürdige Klienten zu Tage. Die Vermögensverwaltungsgesellschaft AMP gab zu, gegenüber der Finanzaufsichtsbehörde gelogen zu haben.

Die „vertikale Integration“ von traditionellem Bankengeschäft und Finanzberatung, ein für die Unternehmen besonders lukratives Geschäft, scheint mit besonderen Problemen behaftet zu sein, sagen Beobachter. Die Kommission stellte fest, dass Finanzberater in 75 Prozent der untersuchten Fälle nicht im Interesse der Kunden gehandelt hätten. Es bestehe ein „inhärenter Interessenskonflikt“ zwischen der Aufgabe des Beraters, dem Kunden eine neutrale Empfehlung zu geben und gleichzeitig ein Produkt zu verkaufen.

Es wurden mehrere Fälle bekannt, wo Kunden wegen Verletzungen des Grundsatzes der verantwortungsvollen Kreditvergabe durch ihren Berater ihre gesamte Vorsorge verloren hatten. Eine betagte und berufstätige Zeugin meinte unter Tränen, sie könne es sich erst leisten, in Rente zu gehen, „wenn ich im Rollstuhl sitze“.

Auch unzählige Fälle von unlauterem, vorsätzlichem oder schlicht inkompetentem Verhalten durch Angestellte wurden bekannt: Urkundenfälschungen, administrative Fehler, Unterlassungen. Seit 2010 bezahlten die Banken fast 250 Millionen australische Dollar an insgesamt 540 000 geschädigte Hypothekenkunden. Weitere 220 Millionen Dollar Entschädigung gingen an Automobilkredit-, Versicherungs- und Kreditkartenkunden.

Der australische Schatzkanzler Scott Morrison bezeichnete die Verfehlungen als „verachtenswert“. Er stellte die Möglichkeit in Aussicht, schuldige Verantwortliche mit Gefängnis zu bestrafen. Ob es je soweit kommen wird, ist fraglich. Morrison und die konservative Regierung hatten jahrelang behauptet, eine Untersuchung möglicher Verfehlungen im Bankensektor sei „unnötig“ und eine „Hexenjagd“ durch progressive Elemente in der australischen Politik. Dabei leidet der Sektor regelmäßig unter Skandalen.

Im vergangenen Jahr zog die Aufsichtsbehörde Austrac den Marktführer CBA vor Gericht. Der Vorwurf: die Großbank habe in 53700 Fällen Gesetze gegen Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung verletzt, in dem sie Kunden erlaubt habe, insgesamt 77 Millionen australische Dollar unbekannter Herkunft in ihren Bankautomaten zu deponieren. Experten zweifeln, dass CBA deswegen ernsthaft zur Rechenschaft gezogen wird. Dazu seien die vier Banken „schlicht zu groß und einflussreich“, so ein Kommentator.

Nicht nur reguliert sich der Bankensektor in weiten Bereichen selbst, die Finanzaufsichtsbehörde APRA gilt unter Beobachtern als zahnlos, wenn es um die Disziplinierung von Verfehlungen geht. Kritiker klagen seit Jahren, der Industrie fehle es an Konkurrenz. Die „Big Four“ hatten im Verlauf der letzten Jahre ihre einheimischen Mitbewerber praktisch komplett geschluckt.

Die meisten kleineren Banken, unter ihnen Bank of Melbourne, St. George, Colonial First State und Vermögensverwaltungsunternehmen wie BT Financial Group gehören direkt oder indirekt einer der Großbanken. Viele ausländische Banken sind in Australien präsent, nur wenige aber sind im Einzelhandelsgeschäft aktiv.

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Herr Herbert Maier - 23.04.2018, 10:20 Uhr

Ähm, also jetzt nochmal: Finanzberater der größten australischen Bank über ein Jahrzehnt jährlich 1000 australische Dollar an Gebühren unrechtmäßig einkassiert. 1000 australische Dollar! Also es ehrt die Australier ja wirklich, dass das da als so ein Skandal gesehen wird. Die sollten mal nach Europa schauen: Da sind ja mehrere Nullen an dieser Zahl anzufügen, und immer noch regt es keinen Politiker auf, sondern ganz im Gegenteil wird das in Europa noch mit Steuergeldern unterstützt.


...


Aus: "Bankenskandal: Australische Banken kassierten Gebühren von Toten" Urs Wälterlin (22.04.2018)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/bankenskandal-australische-banken-kassierten-gebuehren-von-toten/21200820.html
« Last Edit: May 08, 2018, 01:30:13 PM by Textaris(txt*bot) »