Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 342628 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #665 on: Oktober 26, 2017, 01:27:26 nachm. »
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[...] Heute [2014] kämpfen die Beschäftigten von Amazon und Zalando für elementare Rechte am Arbeitsplatz, für das Recht auf gewerkschaftliche Organisation, tarifvertraglich gesicherte Entlohnung, menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Die Streiks bei Amazon werden begleitet von einer breiten medialen Berichterstattung über die repressive Unternehmenskultur in dem Online-Multi.

Dies gibt den Aktionen der Beschäftigten außerbetrieblichen Rückenwind und verbessert die Bedingungen für den Aufbau innerbetrieblicher Gegenmacht.

Die doppelgleisige gewerkschaftliche Strategie aus offensiver medialer Skandalisierung und innerbetrieblicher Organisierung hat sich in den letzten Jahren vor allem in den Schattenbereichen der Wirtschaft durchgesetzt. Wo es einen hohen Anteil prekärer, ungesicherter Beschäftigung gibt, wo die Löhne unterirdisch sind und die innerbetriebliche Machtstellung des Managements sich unangefochten austoben kann – gerade in diesen Bereichen ist die Ohnmacht der Beschäftigten eklatant und der gewerkschaftliche Organisationsgrad niedrig bis nicht existent. Ohne den Druck der Öffentlichkeit läuft dort in aller Regel gar nichts.

Vor zehn Jahren, am 10. Dezember 2004, dem „Tag der Menschenrechte“, hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di eine breit angelegte Kampagne in einem Unternehmen gestartet, das – ähnlich wie Amazon – allgemein bekannt ist und dessen Geschäftsmodell durch den Slogan „Billig auf Kosten der Beschäftigten“ zutreffend beschrieben wurde.

Auf einer gut besuchten Pressekonferenz stellte Verdi das „Schwarzbuch Lidl“ vor: Ein medialer Paukenschlag. Nahezu die gesamte Tagespresse berichtete an prominenter Stelle über die skandalösen Arbeitsbedingungen, über systematische Schikanen, aufgezwungene unbezahlte Mehrarbeit sowie Druck und Drohungen gegen Beschäftigte, die ihr Recht auf die Wahl eines Betriebsrats wahrnehmen wollten.

Rund zwei Jahre später legte der Journalist Andreas Hamann, der zusammen mit anderen das Schwarzbuch recherchiert und verfasst hatte, mit dem „Schwarzbuch Lidl Europa“ nach: Sogar in den Billiglohnländern Süd- und Osteuropas profilierte sich der „Schwarz-Konzern“ (nach dem Lidl- und Kaufland-Eigentümer Dieter Schwarz) als Lohndrücker und Billigkonkurrenz für einheimische Einzelhändler.

Seit den Industriereportagen von Günter Wallraff Anfang der siebziger Jahre hatte es kein erfolgreicheres Buch aus dem Arbeitsleben „ganz unten“ gegeben. Nach rund zwei Jahrzehnten neoliberaler Dominanz in den Leitmedien der Bundesrepublik, in denen der wirtschaftliche Erfolg und nicht seine Kehrseiten im Mittelpunkt medialer Aufmerksamkeit stand, wurde offengelegt, was heute – nach einem halben Dutzend Krisenjahren – offensichtlich ist: Auch in Deutschland gibt es Unternehmen, in denen Menschen- und Arbeitsrechte systematisch verletzt werden. Auch hier regiert in vielen Bereichen der Wirtschaft ungezügelte soziale Macht und produziert ihr Gegenteil: millionenfache soziale Ohnmacht.

Die Lidl-Kampagne wurde im öffentlichen Bewusstsein eine der großen Erfolgsstories von Verdi. Außergewerkschaftliche Gruppen wie attac schlossen sich der Kampagne an und organisierten deutschlandweit Filialbesuche, übernahmen Filialpartnerschaften und ermutigten die Beschäftigten, ihre Rechte wahrzunehmen und Betriebsräte zu wählen.

Dennoch war der organisationspolitische Erfolg von Verdi sehr begrenzt. Es ist nicht gelungen, eine nennenswerte Anzahl von Betriebsräten zu installieren, die als gewerkschaftliche Organisationskerne hätten fungieren können. Es gab zwar im Verlauf der Kampagne einen deutlichen Mitgliederzuwachs unter den Lidl-Beschäftigten, aber eine effektive gewerkschaftliche Gegenmacht innerhalb des Unternehmens konnte nicht aufgebaut werden.

Die damalige Organisatorin der Lidl-Kampagne in der ver.di-Zentrale, Agnes Schreieder, kommentierte in der Rückschau gegenüber dem gewerkschaftlichen Magazin Mitbestimmung: „Ohne den Druck auf den Konzern, der nur durch die Medien und die soziale Bewegung möglich war, hätten wir es nie geschafft, eine spürbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei Lidl zu erreichen.“

Der für den Einzelhandel zuständige Verdi-Sekretär Ulrich Dalibor hebt dagegen hervor, viele Beschäftigte hätten sich durch die skandalisierende Kampagne in ihrer beruflichen Identität angegriffen gefühlt. Hinzu kam die berechtigte Angst der Beschäftigten angesichts der repressiven Unternehmenskultur bei Lidl. Es ist ihnen nicht entgangen, dass der Konzern in Calw eine ganze Filiale dichtgemacht hat, als die Belegschaft sich anschickte, einen Betriebsrat zu wählen.

Aber es gab auch Probleme bei Verdi, eine organisationspolitische Ungeduld, Enttäuschung über das Ausbleiben schneller Erfolge trotz der überwältigenden Medienresonanz. Als der Konzern dann im Jahr 2010 unter dem Druck spürbarer Umsatzverluste ankündigte, er wolle seinen Beschäftigten in Zukunft einen Stundenlohn von mindestens zehn Euro (inzwischen 11 Euro) zahlen und die innerbetrieblichen Umgangsformen nachhaltig verbessern, hat ver.di dies nicht als späten Erfolg der Kampagne öffentlich kommentiert.

Der Grund: Es gab in der Berliner Verdi-Zentrale keine zentrale Steuerung des Lidl-Projekts mehr. Die Finanzierung der Lidl-Projektgruppe war Ende 2007 eingestellt worden.

So bleibt vom Erfolg der Lidl-Kampagne nach 10 Jahren vor allem eines: Sie hat im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wesentlich dazu beigetragen, den Raum für kritische Medienberichterstattung aus der Arbeitswelt zu erweitern. Es ist gelungen, den anwachsenden Sektor prekärer, entrechteter Arbeit – nicht nur bei Lidl, nicht nur in Deutschland – zu einem öffentlich wahrgenommenen Thema zu machen.

Damit verbunden ist ein schwer messbarer, durch die Wirtschaftskrise ab 2008 verstärkter Legitimitätsgewinn für gewerkschaftliche Aktivität – zum Beispiel bei Amazon & Co.



Aus: "Zehn Jahre „Schwarzbuch Lidl“: Die Ohnmacht der Beschäftigten" Martin Kempe (30. 12. 2014)
Quelle: https://www.taz.de/!5026027/

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« Reply #666 on: November 06, 2017, 09:29:11 vorm. »
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[...] Erst die "Panama Papers", nun die "Paradise Papers": Zahlreiche Medien haben am Sonntagabend ein neues Datenleck publik gemacht, das Steueroasen von Politikern, Konzernen und Superreichen aufdeckt. Unter anderem die "Süddeutsche Zeitung", die dem Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) angehört, berichtete darüber.

Die Veröffentlichungen basieren laut der "SZ" auf 1,4 Terabyte interner Daten zweier Finanzdienstleister sowie den Unternehmensregistern von 19 Steueroasen. Der wichtigste Teil des Leaks stammt demnach von der Kanzlei Appleby, einem der führenden Anbieter sogenannter Offshore-Firmen. Ausgewertet wurden aber auch Daten des Treuhand-Unternehmens Asiaciti Trust mit Sitz in Singapur sowie Unternehmensregister aus 19 der intransparentesten Steueroasen, darunter Isle of Man, Malta und die Bermudas.

Das Ausnutzen von Steuerschlupflöchern ist nicht per se kriminell - es gibt aber weltweit Kritik an Steuervermeidungsstrategien. Dadurch entfallen Milliarden-Zahlungen, die sonst dem Gemeinwohl zugute kommen würden - zudem wird die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft.

Die auf den Bermudas ansässige Kanzlei Appleby hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, dass möglicherweise illegal Datenmaterial dem ICIJ zugespielt worden sei; man habe entsprechende Medienanfragen bekommen. Die Firma betonte, auf legale Offshore-Praktiken zu setzen und im Einklang mit den Gesetzen zu handeln. Man nehme alle Vorwürfe "extrem ernst". Nach sorgsamer und intensiver Prüfung sei man aber zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinerlei Belege für Fehlverhalten seitens der Firma oder ihrer Klienten gebe. Appleby sprach nicht von einem Datenleck, sondern von einem illegalen "Cyber-Angriff".

Wie die Journalisten des ICIJ an die Daten, die auch Firmenregister von 19 Steueroasen enthalten sollen, kamen, wurde nicht preisgegeben. In den Daten sollen über ein Dutzend Berater, ein Kabinettsmitglied und Großspender von US-Präsident Donald Trump auftauchen. Dabei gehe es auch um Geschäftskontakte nach Russland.

Insgesamt gehe es um 13,4 Millionen Dokumente aus Steuerparadiesen weltweit, es würden die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auftauchen, dazu Unternehmer sowie Sportler. Auch zu Geschäftspraktiken einiger Weltkonzerne gebe es Informationen.

... Besonders in den Fokus wird von der "SZ" und den anderen beteiligten internationalen Medien US-Handelsminister Wilbur Ross gerückt. Er profitiere als Privatmann von Geschäften mit einer Firma, die dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehöre.

... In den Daten sollen insgesamt ein Dutzend Berater und Großspender von US-Präsident Donald Trump auftauchen. Auch Vermögenswerte der britischen Queen Elizabeth II. sollen den Berichten zufolge eine Rolle spielen - Geld soll in einer Kaufhauskette angelegt worden sein, die bei Ratenzahlungen Wucherzinsen verlangt habe. Zudem taucht eine Verbindung zum argentinischen Finanzminister Luis Caputo auf.

... Die "Panama Papers"-Enthüllungen führten 2016 weltweit zu Ermittlungen. Unterlagen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die von ICIJ-Journalisten weltweit ausgewertet wurden, zeigten, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen hielten - was nicht unbedingt strafbar ist. Die 11,5 Millionen Dateien umfassten E-Mails, Urkunden und Kontoauszüge zu 214.000 Gesellschaften vor allem in der Karibik.

Dabei tauchen die Namen von 140 Politikern oder Politikervertrauten auf, darunter die Staatschefs Argentiniens und der Ukraine, Mauricio Macri und Petro Poroschenko. In Island führte die Veröffentlichung zum Rücktritt des Ministerpräsidenten Sigmundur Gunnlaugsson und zum Verzicht des Staatschefs Ólafur Ragnar Grímsson auf eine Wiederwahl. In Pakistan wurde Ministerpräsident Nawaz Sharif des Amtes enthoben.

...

Quote
Babsack 08:07 Uhr
Bei diesen Menschen,die den Staaten in aller Welt die Steuern vorenthalten, handelt es sich um die schlimmsten Kriminellen und asozialsten Menschen des Planeten.
Immer noch wird Steuerbetrug in einer bestimmten Klasse als regelrechter Sport angesehen und betrieben.


Quote
bescheidwisser 08:26 Uhr
"nicht per se kriminell"
"nicht unbedingt strafbar"

weil Konzern und Milliardäre rechtzeitig dafür gesorgt haben, dass die Gesetze, die einschlägig bekannte Anwaltskanzleien geschrieben haben, entsprechend "angepasst" sind.


...


Aus: "Brisante "Paradise Papers" enthüllen Steueroasen" (05.11.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/neues-datenleck-zu-offshore-geschaeften-brisante-paradise-papers-enthuellen-steueroasen/20544142.html

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« Reply #667 on: November 09, 2017, 05:42:35 nachm. »
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[...] Ein Drittel der Arbeiter*innen erhält nicht den gesetzlichen Mindestlohn. Um ihn zu erreichen, müssen sie zahlreiche Überstunden dranhängen. Dabei beträgt der Mindestlohn nur 89 Euro pro Monat. So sehen die Zustände in Bekleidungs- und Schuhfabriken der Ukraine aus – dargestellt in der neuen Studie „Europas Sweatshops“ der Kampagne für Saubere Kleidung.

Schlechte Arbeitsbedingungen in Textilfabriken vermutet man in Asien, Südamerika und Nordafrika. Aber auch in Europa kommen sie mittlerweile vor. Markenunternehmen, die ihre Produkte in Deutschland verkaufen, beziehen große Mengen aus Zulieferfabriken in den ehemaligen sozialistischen Ländern. Die Produktion wurde aus Asien teilweise dorthin verlagert.

Die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign, CCC) befragte für die Studie Arbeiter*innen in Ungarn, Serbien und der Ukraine. In diesem Staat sind etwa 220.000 Arbeitnehmer*innen in der Bekleidungs- und Schuhindustrie beschäftigt. 37 Prozent der hergestellten Waren werden nach Deutschland exportiert.

Der gesetzliche Mindestlohn beträgt in der Ukraine umgerechnet 89 Euro. Damit eine dreiköpfige Familie ein erträgliches Auskommen hat, braucht sie aber deutlich mehr. Als Existenzlohn nennt die Kampagne für Saubere Kleidung mindestens 477 Euro monatlich.

Eine der befragten Arbeiterinnen berichtet beispielsweise, sie erziele nur einen Monatslohn von rund 50 Euro, obwohl sie bis zu zehn Überstunden pro Woche zusätzlich zur Normalarbeitszeit leiste. Eine andere schildert die Auswirkungen für das praktische Leben so: „In meiner Familie gibt es praktisch kein Fleisch zu essen. Wir müssen Gebühren für Elektrizität und Wasser zahlen, 69 Euro im Monat. Meine Familie lebt von zwei Mindestlöhnen, meiner Invaliditätsrente und unserem Feld.“

Markenfirmen aus reichen Staaten lassen mittlerweile gerne in der Ukrai­ne produzieren. Die Infrastruktur ist akzeptabel und die Beschäftigten sind relativ gut ausgebildet. In der niedrigen Bezahlung spiegeln sich die Auswirkungen des Krieges in der Ost­ukraine, die hohe Arbeitslosigkeit und die weitgehende Abwesenheit von Gewerkschaften. Zahlreiche namhafte Firmen lassen in der Ukraine produzieren.

Dazu zählen den Angaben der Kampagne für Saubere Kleidung zufolge Adidas, Benetton, C&A, Hugo Boss, Inditex/Zara, Peek & Cloppenburg, Triumph und Tommy Hilfiger. Die angefragten Unternehmen meldeten sich allerdings bis Redaktionsschluss nicht.

In Ungarn sieht es teilweise etwas besser aus. Dort beträgt der gesetzliche Mindestlohn 243 Euro. Zudem liegen die durchschnittlichen Nettolöhne in den untersuchten Fabriken laut CCC zwischen 200 und 400 Euro. Allerdings erreichen die Beschäftigten selbst mit einem zweiten Einkommen auch dort oft nicht den Existenzlohn von 1.100 Euro für eine dreiköpfige Familie.

Die Lage ist dramatisch und wird sich ohne tiefgreifende Maßnahmen für die Beschäftigten nicht ändern. Es sind vor allem die Firmen, die aktiv werden sollen. Von den Markenhändlern in Westeuropa fordert die Kampagne, dass sie eine existenzsichernde Bezahlung bei ihren Lieferanten durchsetzen sollen. Die Unternehmen wiegeln oft ab und verweisen auf die Verantwortung der nationalen Regierungen sowie die gesetzlichen Mindestlöhne in den fraglichen Länder. Auch das deutsche Textilbündnis, in dem die Bundesregierung, Unternehmen, Gewerkschaften, Verbände und Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten, hat sich existenzsichernde Löhne zum Ziel gesetzt und will daran arbeiten. Allerdings ohne Zeitplan.


Aus: "Fleisch ist für Beschäftigte zu teuer" Hannes Koch (9. 11. 2017)
Quelle:  http://www.taz.de/Loehne-in-der-Bekleidungsindustrie/!5461517/

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« Reply #668 on: November 12, 2017, 02:01:35 nachm. »
Quote
[...] Nach den Panama Papers vom vergangenen Jahr jetzt die Paradise Papers. Wie schon die vergangenen Enthüllungen enthalten die neuesten Papiere keineswegs überwiegend kriminelle Handlungen, sondern legale Steuertricks vor allem der Reichen und Ultrareichen.

Doch das macht sie zugleich erst wirklich brisant. Sie dokumentieren gewissermaßen die legale Basis von illegalen Geschäften, denn sie zeigen letztlich auch, wie breit Steuer- und damit soziale Verantwortungsvermeidung inzwischen akzeptiert sind. ...

In letzter Zeit scheint es doch so, dass immer mehr Menschen wütend sind, auf die Politik, auf die Eliten. Sie sind es aber weniger, weil das oberste Prozent ihnen seit Jahrzehnten gigantische Summen wegnimmt, sondern eher aus Angst, dass ihnen die  – zuwandernden – untersten Prozente in Zukunft etwas wegnehmen könnten. Dabei haben die sprichwörtlichen 99 Prozent hier einen gemeinsamen Gegner. Laut Berechnungen des Ökonomen Gabriel Zucman entgehen dem deutschen Staat jährlich 17 Milliarden Euro Unternehmenssteuern, weil Gewinne in Offshore-Oasen verschoben werden. Das sei ein Drittel des Gesamtaufkommens aus der Körperschaftssteuer. Davon könnte man etwa die Ausgaben für die Grundsicherung um 50 Prozent erhöhen oder fast ein Jahr lang die Kosten für nach Deutschland gekommene Flüchtlinge ausgleichen.

Trotz solcher Zahlen hat sich nach Enthüllungen der Panama Papers keine Protestbewegung formiert, die sämtliche Parteien zu sofortigen Maßnahmen bewegt hätte. Auch die Linkspartei konnte ihr Wahlergebnis nicht um zehn oder 20 Prozentpunkte steigern, die AfD profitierte dagegen von der Flüchtlingsthematik. ...

Unsere Gesellschaft ist immer noch von einer Ideologie durchdrungen, für die der Staat ein rotes Tuch ist. Demnach sind nicht Steuervermeidung oder -hinterziehung das Problem, sondern dass der Staat überhaupt finanzielle Beiträge einfordert. Steuerpflicht kommt hier einem Raub gleich. Und vor dem Hintergrund einer vermeintlichen Leistungsethik werden Ultrareiche eher mit Ehrfurcht oder Neid, nicht aber mit Wut bedacht.

Diese Ideologie, auch bekannt unter dem inzwischen zum Unwort gewordenen Namen Neoliberalismus, entstand auch als Reaktion auf die keynesianisch geprägte westliche Nachkriegsordnung. Diese nutzte die gigantische Reichtumsvernichtung zweier Weltkriege, um den im Wirtschaftswunder neu entstehenden Wohlstand etwas gleichmäßiger zu verteilen, als das zuvor der Fall war. Seit dem weltweiten Aufstieg der neoliberalen Globalisierung in den 1970er Jahren hat sich diese Entwicklung aber wieder umgekehrt. Das passierte zunächst langsam, nach dem Zusammenbruch der Ideologiealternative des Sozialismus ging es rasant. Als Bilanz dieser Epoche ist die weltweite Vermögenskonzentration inzwischen wieder so hoch wie zuletzt vor dem Ersten Weltkrieg, so rechnete es der Ökonom Thomas Piketty 2013 vor.

... Für echte soziale Kämpfe geht es den meisten von uns aber vielleicht einfach noch zu gut. Der Rest ist entsolidarisiert – was sich eindrücklich zeigt, wenn einer der ohnehin sehr selten gewordenen Streiks ansteht.

... Zwar hat die wirtschaftliche Globalisierung weltweit den Wohlstand gehoben. Doch sie hat dadurch die globalen Ungleichheiten nicht beseitigt. Zwar haben viele Menschen eine Arbeit. Doch der kongolesische Coltanbergwerker, die vietnamesische Näherin und der chinesische Fabrikarbeiter fertigen unter unwürdigsten Bedingungen für große Konzerne Produkte für eine globale Mittelschicht, deren Angehörige zu etwas besseren Bedingungen denselben Konzernen zu den Profiten verhelfen. Und diese verstecken ihre Gewinne vor den eigentlich Anspruchsberechtigten in Offshore-Finanzzentren. 

Es herrscht hier ein globales Primat der Wirtschaft vor der Politik. Egoismus vor Solidarität. Das Kapital ist in der Globalisierung immer das erste und Schnellste, alles andere hinkt hinterher. Doch einen wirksamen Kampf gegen die schreienden globalen Ungerechtigkeiten kann es nur durch eine Gegenglobalisierung auch sozialer Politik geben, durch weltweite politische Zusammenarbeit. Die wiederum gibt es allerdings nur, wenn nicht mehr nur alle Staaten untereinander um ökonomische und fiskalische Standortfaktoren konkurrieren.

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fragfix #2

Ich glaube nicht, dass es bei den meisten "Ehrfrucht vor dem Reichtum" gibt, es gibt eher das Gefühl "Nichts ändern zu können". Also Frustration, keine Wut.


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Gumbalaya #2.1

Schlimmer noch als Frustration: Resignation.


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Datenträger #2.2

Meiner Meinung nach übersteigt die Dimension schlicht das Denkbare für die meisten.

Meiner Überzeugung nach ist es so:
"Damit es keiner denken kann,
häng einfach ein paar Nuller dran"

Große Zahlen erzeugen ... Schulterzucken.Nur, wenn man es nachvollziehen kann erzeugen sie Wut.


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Franzbrötchen #2.24

Allein schon der Untertitel "Kaum jemand empört sich über die vielen Steuerschlupflöcher, die Reiche nutzen können." ist eine Farce. Was soll denn bitte schön eine Empörung bewirken? Hier sind politische und evtl. juristische Konsequenzen gefragt und keine Gedfühlsduselei.


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Osho-Leser #26

Ich bin mir momentan einfach nicht sicher, ob ich es gut finden würde, wenn dieser Staat mehr Geld hat. Sozialwohnungen usw. baut der Staat doch auch nicht, obwohl der Staat angeblich Rekordeinnahmen hat. Stattdessen werden Banken gerettet. Es werden also schlecht handelnde, reiche Banker gerettet.
Hätte der Staat noch mehr Geld von den Reichen, würde er es wohl für das 2 Prozent Ziel bei der Rüstung ausgeben und keine Schulen sanieren und das Rentensystem stabilisieren.
Da weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob ich sowas besser finden soll.


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Jack Goff #31

Nur mal eine kleine Zahl am Rande:
Die reichsten DREI Amerikaner besitzen soviel Vermögen wir das untere Drittel (ca. 150 Millionen Menschen) der Amerikaner.
Hätten sie das geschafft, wenn es ein gerechtes Steuersystem geben würde???


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AllesKeinProblem #31.1

Aber dafür haben die einfachen Amerikaner ja jetzt Trump gewählt. Der hat unter anderem folgende Geschenke im Gepäck:
weniger Steuern auf Immobilien
Steuerpause für Besitzer von Golfplätzen
Da fühlt sich der einfache Bürger doch von seinem Präsidenten verstanden. :-)


Quote
Jack Goff #31.3

Unglaublich auf jeden Fall, dass ein Waren Buffet so viel besitzt wie über 50 Millionen normal arbeitende Amerikaner. Ich ahbe mich übrigens geirrt, es ist fast die Hälfte der Amerikaner, nicht ein Drittel.


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AllesKeinProblem #32

Also ich bin stinksauer. Selbstverständlich auf die Reichen und die Unternehmen, die ihre HIER erwirtschafteten Gewinne mit völlig lächerlichen Konstrukten als angeblich irgendwo im Südseeparadies erarbeitet darstellen.

Aber noch mehr bin ich sauer auf Politiker die immer weiter so tun, als würden sie ernsthaft was unternehmen wollen, aber genau das nicht tun. Ich bin sauer auf Politiker die so tun, als wäre sowas wie der Soli ein wirklich relevantes Thema, während sie auf keinen Fall an die Schlupflöcher ran möchten.

Und so richtig scheiße sauer bin ich auf Wähler, die genau so eine Politik immer wieder und wieder wählen oder ihre Stimme zu Populisten schieben, die selbst fröhlich Steuervermeidung vorleben, einfach aus purer blinder Wut heraus.

Ich bin sauer auf Wähler, die im Leben nicht die Freibeträge für Erbschaften ausschöpfen werden, aber sich mit heiligem Eifer dafür einsetzen, dass Millionen und Milliarden ja einfach so verschenkt werden können.

Ich bin sauer auf Wähler, die sich hier abfällig äußern, wenn Leute mit wenig Geld noch ein bisschen was für Bildung und Kultur ausgeben und sagen, dass nichts übrig bleibt, aber es okay finden, dass jemand noch den dritten Lamborghini kauft, weil Steuern ja eh nur verschwendet würden.

Kurz, ich bin stinksauer auf Dummheit gepaart mit antisozalem Denken. Solange das nationaler Standard ist, können Superreiche sich benehmen wie sie wollen und wir werden fleißig weiter Menschen treten, die ein paar Brotkrumen bekommen.


Quote
2.Juni #32.2

Dann sind wir schon mal 2.


Quote
edition.al #33

Meine bishereige Lebenserfahrung und das Reflektieren über Verhalten von Menschen (und mich selbst), zeigt, dass Reichtum, Besitz und Geld für manche das höchste Lebensziel werden können.

Und dass sie sich dadurch definieren.
Statussymbole sind nötig, um sich nach außen hin zu dieser vermeintlich "erfolgreichen" Gruppe zugehörig zu fühlen.

Menschliches wird unwichtig, der Kontostand verleiht manchen ein Überlegeheitsgefühl und ein Gefühl von Macht (Macht ausüben zu können).

Dass sog. Reiche (auch natürlich Konzerne mit Vorständen) über Steuerflucht und Steuerparadiese reich wurden und/oder ihren Reichtum stabilisieren wollen - was da jetzt haufenweise ans Licht kommt - ist abschreckend!

Ehrfurcht gehört nur Gott, weder den nur Reichen, noch den Reichen und Schönen, noch den Titel- und VonundzuNamen Tragenden.

Respekt und Achtung gehört Menschen, die sich sozial, für Ausgestoßene, Leidende und Hilflose einsetzen.

Wenn politische Ämter, ärztliche Positionen, Unternehmensveranwtortliche etc. nur mehr Mittel zum Zweck (für einige) sind, dann verlieren Inhalte und Verantwortung für Gesellschaft und Zusammenleben ihren Sinn.

Das nur mal als gedankliche Anregung.
Jeder einzelne Mensch entscheidet, welche Richtung er einschlägt und wo sein Herz schlägt.


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ChristianBW #35

Ich glaube der Neid bezieht sich auch darauf, dass Vermögende sich nicht so sehr als ausgeliefertes Opfer einer überbordenden Steuer- und Sozialpolitik fühlen müssen, weil sie viel mehr Möglichkeiten hat dem zu entkommen.

Ein fleißiger Facharbeiter in der Industrie oder ein Ing mit durchschnittlichen Einkommen kann kaum einen Cent an der Steuer vorbei schleußen, und zahlt teils enorme Zwangsbeiträge, und das bei äußerst mäßigen Leistungen (Rente). Werden solche Menschen dann mit 55 noch arbeitslos oder krank oder werde Pflegefälle geht's im Zweifel ganz schnell ans jahrzehntelang mühsam angesparte Häusle o.ä.. Hier hat die deutsche Politik seit Jahren vorsätzlich versagt, Stichwort z.B. kalte Progression.


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KippaLeague #36

Es ist eine ohnmaechtige Wut..... nichts kann der Buerger tun.... alle 4 Jahre ein Kreutzchen... aber es sitzen die Gleichen Gesichter in Berlin.... keiner Besucht die Kanzlerin so oft wie GoldmanSucks......


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Alex Vanderbilt #44

Wenn man sich die Berichterstattung in der Mehrheit der Medien in den letzten Jahrzehnten anschaut, dann ist doch klar, warum es keine Wut gibt: Es ist das gute Recht der Reichen, so etwas zu tun und es ist gut so, dass sie ihr Geld vor dem bösen Staat in Sicherheit bringen. Weiterhin ist es ebenfalls kein Wunder, weil die Leute einfach keine Zeit haben, sich mit so etwas zu beschäftigen, da mehrere Jobs, Kindererziehung, Weiterbildung, Verfügbarkeit für die Arbeit in der Freizeit und so weiter und so fort jeglichen zeitlichen Bewegungsspielraum auffressen.


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Caria #45

Eigenartig.
Leute, die gerechte Steuern und Abgaben fordern, werden anscheinend überhaupt nicht wahrgenommen .
Muss denn jemand erst mit Wasserstoffbomben schmeißen, um respektiert zu werden ?


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Shaila #53

Resignation. Wo soll ich denn hin, mit meiner Wut? Aus meiner Sicht hat die Gesellschaft lange schon verloren. Die Politik wird für mich maßgeblich diktiert durch den Lobbyismus, was uns wiederum zu den Großkonzernen und wiederum zu einzelnen Superreichen führt.

Gestaltet wird zunehmend nur noch durch eigendymaische wirtschaftliche Entwicklungen, auch wieder gelenkt durch Superreiche. Politik reagiert nur noch, regiert aber nicht. Sie verwaltet lediglich nur noch das, was der Lobbyismus diktiert.

Klar, die wissen auch, das man nicht einfach alles vor die Hunde gehen lassen kann, zumindest nicht komplett. Es muss schon gewährleistet sein, dass genügend Krümel abfallen, sodass die größere Mehrheit noch sagen kann: "Ja, eigentlich geht es mir ja gut." Einzelne die unter die Räder kommen sind Kollateralschäden. Und dann kommt eine CDU bei uns halt als stärkste Partei raus. Den kleineren Parteien gibt keine Mehrheit eine Chance und echte Wut kanalisiert sich bestenfalls, wenn animalische Urtriebe berührt werden, wie z.B. die Angst vor dem Fremden. Oder wenn die Butter ein paar Cent zu teuer ist.

Das ist meine empfundene Realität im Jahr 2017 und es gibt nichts, was ich daran ändern kann. Mit Ehrfurcht hat das nichts zu tun.


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Zeitloch #57

..."..., die AfD profitierte dagegen von der Flüchtlingsthematik.".

Sie profitiert, weil sie Stimmung gegen die Schwachen macht...



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Billy the Kid #59

Wahrscheinlich sind hier wenige im Forum unterwegs, die als Unternehmer oder Selbstständiger tätig sind und mit dem Finanzamt zu tun haben. Lassen Sie sich sagen, die Mafia ist wahrscheinlich gnädiger. Und dann sieht man als Steuerzahler, wofür die Politiker das Geld zum Fenster rausgeworfen haben. Ich erspare mir Beispiele, aber da fällt jedem sofort was ein. Wenn es dann eine legale Möglichkeit gibt, diese staatlichen Raubzüge zu umgehen, würde ich die auch sofort nutzen. Immerhin zahlen wir mehr als jeder andere auf der Welt. Da ist jedes andere Land eine Steueroase.



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Frau. Huber #59.1

Ich bin selbständig in Griechenland tätig. Da gibt es für selbständige keine Freibeträge. Ich musste dieses Jahr knapp 80% meines Einkommens ans Finanzamt abführen.

Und genau deshalb bin ich wütend auf die Superreichen, die zahlen nämlich nichts. Irgendwoher muss der Staat ja Einnahmen generieren. Wenn die, die wirklich sehr viel Geld haben so gut wie nichts zahlen, werden natürlich insbesondere kleine Unternehmen und Selbständige extremer belastet.

Insofern hat man gerade als Selbständiger gute Gründe, wütend auf die zu sein, die im großen Stil Steuern hinterziehen.


Quote
Frau. Huber #59.1

Ich bin selbständig in Griechenland tätig. Da gibt es für selbständige keine Freibeträge. Ich musste dieses Jahr knapp 80% meines Einkommens ans Finanzamt abführen.

Und genau deshalb bin ich wütend auf die Superreichen, die zahlen nämlich nichts. Irgendwoher muss der Staat ja Einnahmen generieren. Wenn die, die wirklich sehr viel Geld haben so gut wie nichts zahlen, werden natürlich insbesondere kleine Unternehmen und Selbständige extremer belastet.

Insofern hat man gerade als Selbständiger gute Gründe, wütend auf die zu sein, die im großen Stil Steuern hinterziehen.


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Karl Lauer #62

Ich bin seit geraumer Zeit ohne Ende wütend, danke der Nachfrage.


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Parviflorum #63

Jetzt werden überall Emotionen hervorgelockt. Die Linken nennen es Wut, bei den Rechten spricht man von Hass.


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vonZeitzuZeit #64.1

Der Skandal besteht darin, dass legal ist.

Oder stört es Sie nicht, das ein Großkonzern keine Steuern zahlt, während Sie eine Steuererklärung ausfüllen müssen?


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vonZeitzuZeit #65

1. Die Wut Weniger bewirkt wenig.

2. Die Wut vieler wird es nicht geben, solange es ihnen noch zu gut geht. Es hat in Deutschland lange Tradition, die Eliten gewähren zu lassen, solange noch genug vom Tisch fällt und man sich einbilden kann "dazu zu gehören" während man ausgeplündert wird. Besonders wenn man noch auf andere, z.B. auf Arbeitslose, runterschauen und sich gut fühlen kann.

3. Die Enthüllungen haben keine Konsequenzen für greifbare Einzelpersonen, schon gar nicht für Prominente. Dann wenn es ernsthaft wird, greifen Schutzmechanismen, die das Risiko jeder ernsthaften Konsequenz verhindern oder verzögern. ...


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green-L09 #69

Keine Ehrfurcht vor dem Reichtum, sondern eine realistische Sicht auf die Verhältnisse: Diese reichen Leute sind die, die beste Beziehungen in die Finanzindustrie hinein haben, oder sie sind Teil derselben, besagte Finanzindustrie wiederum ist bestens vernetzt in der Politik, welche politischen Posten z.B. diverse Großbanken mit "ihren" Leuten besetzt haben, ist vermutlich bekannt.

Vielen Politikern ist ist der CEO, den sie beim gepflegten Dinner treffen, näher als die Interessen der Allgemeinheit. Man muss immer wieder daran erinnern: Die meisten "steueroptimierenden" Praktiken, sind legal. So legal wie der abgesetzte Arbeitsweg des Facharbeiters. Die Politik ist so mit der ökonomischen Macht verbandelt, sie wollen dagegen nichts unternehmen, und die wenigen, die tatsächlich wollen, sind zu machtlos.


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Arlequin #70

Ich versteh die Frage des Autors nicht.

Er weiß doch, daß Michel nur jammert und schimpft, wenn es um Banalitäten wie 'Identitätspolitik' geht. Seit mehr als zwei Jahren zeigt sich doch, daß er für die wirklich wichtigen Dinge kein Bewußtsein hat.


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Stephan Rigo Hammer #83

Ehrfurcht, vor jenen die ihre Dummheit zur Schau stellen, haben nur jene die Defizitär sind. Menschen die sich ihren Wohlstand erarbeitet haben und dieses Vermögen über mehrere Generationen verwalten und anhäufen, haben es gar nicht nötig sich zu profilieren. Nein vielmehr tragen Sie zur Gemeinnützigkeit bei. Ein gutes Beispiel sind da die Vertreter/in der Hanse. Die Neureichen Dummköpfe aus aller Herren Länder müssen sich eben in St.Moritz zur Schau stellen und so tun als seien Sie der Nabel der Welt. Insofern ist Verachtung und nicht Ehrfurcht angebracht! Respekt gehört jenen die Ehrenwert zu Reichtum gekommen sind! Gesamthaft gesehen ist der Habitus dieser armen Seelen eher zu bedauern, wer nichts zwischen den Ohren hat, trägt Pelz und macht ein auf dicke Hose. In nur wenigen Sätzen der Konversation schlägt, sodann die Stunde der Luftnummern. Und, wenn jene ... dann einmal zum Beispiel Pat. mit akuten/plötzlichen Erkrankungen oder Traumata sind, jammern diese genau so um schnelle Hilfe wie jeder "Otto Normalverbraucher" auch deren letztes Hemd hat keine Taschen und das Stoffwechselendprodukt ist von jenen ebenso bräunlich und von starker Geruchsintensität wie von jenen auf die Sie herab schauen. Irgend wann kommt für jeden der Tag, an dem man für alles bezahlt, damit ist nicht bedrucktes Papier mit Ziffern gemeint und / oder dergleichen. Damit sollen nicht alle Vermögenden über einen Leisten geschert werden. Nein ganz im Gegenteil. Es gibt viele ehrenwerte gut Situierte


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Zizi Electrique #84

Weil das Feindbild des reichen nicht mehr taugt, wenn die gesamte Politik zigfach bewiesen hat, dass die nicht bereit ist, dagegen etwas zu tun.

Die Feindbilder von früher taugen einfach nicht mehr. Zumindest nicht für mich. Weder die Reichen von heute, noch der Nationalismus der 30er, noch die Nazis der 40er, noch die Polen, die Russen oder all die Kritiker unserer Zeit.

Das Problem sind die Eliten von heute. Ihr sich Klammern an die Macht und an ihre neoliberalen Rezepte und ihre Verarsche, dass sie sich ums Volk kümmern.


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Ist das noch Kunst #85

Warum sollte man noch wütend über etwas sein, dass man seit langem schon mindestens vermutet hat und das nicht verändert wurde?


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Nachbohrer #89

Nachdem uns Think-Tank-Netzwerke wie die Mont Pelerin Society jahrzehntelang den Neoliberalismus mit der Muttermilch aufsaugen ließen, gibt es anscheinend keine Wut mehr - nur noch Neid. Ich denke das meint auch Joseph Vogl, wenn er in "Das Gespenst des Kapitals" von der ökonomisierung sozialer Beziehungen schreibt, vor denen dieses räuberische Wirtschaftssystem mit seinen "Geiz ist geil" Parolen auch nicht halt macht...



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Grails_Knight #90

Eine andere, interessante Frage wäre warum Steuervermeidung in der Politik maximal ein Randthema für Sonntagsreden ist. Und selbst das nur bei sog. Linken Parteien.
Könnte vielleicht daran liegen, dass die Reichen sich ein System geschaffen haben, dass ihre Agenda (Privatiserungen, Steuersenkungen, Sozialstaatsabbau) perfekt in die Köpfe transportiert.
Mit Stiftungen, Lobbyarbeit, eigens dafür erfundenen Nobelpreisen, gesponsorten Lehrstühlen und so weiter gehen sie tief ins Demokratische Gefüge hinein um von innen heruas alle "Störfaktoren" für das große Geld (Staatliche Dienste, Steuern, Sozialleistungen) loszuwerden.
Und sie haben damit großen Erfolg.
Solange aber die Frage von Macht und Machtmissbrauch nicht gestellt wird - ja nicht gestellt werden darf - wird sich daran auch nicht das geringste ändern.
Denn fast jeder wäre ja gerne selbst ein Reicher, und auf diesem Weg möchte man ja dann möglichst wenig Steine vorfinden. ...

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Watzinger #91

Dem Menschen ist zu eigen, dass er immer viel lieber auf Schwächere losgeht, z.b. Flüchtlinge, Migranten, Ausländer, andere Religionen usw. als auf die, die über ihm stehen, z.B. Chefs, Ehepartner, Reiche und Reichere, Würdenträger. Dem Menschen ist eher Feigheit gegeben als Mut. Schon immer. Lieber Wut nach unten als Mut nach oben. So haben sich schon immer in der Geschichte Regime entwickelt.



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tiffi2009 #94

Bin nicht ehrfürchtig sondern abgestumpft...


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Nobelix #101

Es ist weltweit so, daß Superreiche Kapital und daraus resultierende Macht dazu verwenden, politischen Einfluß zu kaufen, um die Verhältnisse in ihrem Sinne gestalten zu lassen.
In einigen Teilen der Welt geht das bis zum Einsatz von Privatarmeen, gesteuerten Umstürzen und allen möglichen anderen gewalttätigen Methoden.
Hierzulande braucht man nur mal beobachten, wer am lautesten gegen eine vernünftig ausgestaltete Vermögens- und Erbschaftssteuer wettert, mit meist fadenscheinigen Gründen. Die Nähe dieser Leute zum großkapitalistischen Einfluß ist nicht nur naheliegend, sondern glasklar.
Der soziale Ausgleich ist ein derart dürres Pflänzchen, daß es auf der Liste der schwerst bedrohten Arten stehen müßte.


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bromfiets #106

Unsere Regierenden machen Politik für diejenigen, die sich die besten Lobbyisten leisten können. Und das sind nicht alleinerziehende Mütter oder Arbeitslose.


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Aus: "Wo bleibt die Wut?" Tom Wohlfarth (11. November 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-11/paradise-papers-steuerbetrug-eu-globalisierung/komplettansicht

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« Reply #669 on: November 13, 2017, 11:04:22 vorm. »
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[...] Seiner Herkunft aus dem alleruntersten gesellschaftlichen Milieu, dem Elend der vorstädtischen Sozialbauten, als Kind eines trunksüchtigen Fabrikarbeiters, als Bruder dreier anderer Brüder, als Sohn einer Mutter, die sich, um ihm, dem einzigen Aufsteiger der Familie, Schule und Studium zu ermöglichen, den Körper kaputtschuftete.

Das, so führt Eribon in „Rückkehr nach Reims“ aus, ist vor allem deswegen interessant, weil er Soziologe ist, es also ganz naturgemäß seine Aufgabe gewesen wäre, über soziale Herkunft nachzudenken, er dies aber zeitlebens nicht getan, sondern sich auf eine andere Facette seiner Identität, nämlich seine Homosexualität, konzentriert hat, mit Arbeiten über Scham berühmt geworden ist und mit seiner Biografie des großen, bekanntlich ebenfalls homosexuellen Denkers Michel Foucault.

Ein Buch der Stunde war und ist „Rückkehr nach Reims“ genau deswegen, weil es keine Sekunde im Gefühligen, Introspektiven, Psychologischen verharrt, sondern mit einer Kälte, die man als Abwehrmechanismus deuten muss, selbstverständlich hinausgeht über diese persönliche Geschichte einer traurigen Herkunft und eines gestörten Vater-Sohn-Verhältnisses. Eribon bleibt sich selbst gegenüber Soziologe, und darin liegt der ganze Erkenntnisgewinn seiner Methode.

...


Aus: "Das reaktionäre Theater der Arbeiterklasse" Hannah Lühmann (09.07.2017)
Quelle: https://www.welt.de/kultur/article166470255/Das-reaktionaere-Theater-der-Arbeiterklasse.html

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[...] Eribon beschreibt das Arbeitermilieu, dem er entstammt und das er als schwuler Pariser Intellektueller weit hinter sich gelassen hat. Er interpretiert, warum diese Arbeiter einst kommunistisch wählten, heute dagegen nationalistisch; er analysiert, wie das französische Bildungssystem sozialen Aufstieg verhindert; er denkt über Scham nach: Scham über die soziale Herkunft, über die sexuelle Orientierung. Das alles und noch viel mehr findet sich in "Rückkehr nach Reims". Und "Gesellschaft als Urteil", im Original von 2013, ist eine ausführliche, belesene Reflexion auf das ältere Buch.

...


Aus: "Didier Eribon: "Gesellschaft als Urteil "Paradoxien der Scham" René Aguigah (19.10.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunkkultur.de/didier-eribon-gesellschaft-als-urteil-paradoxien-der-scham.1270.de.html?dram:article_id=398613

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[...]   Didier Eribon: In Frankreich ist dies ein System von Klassen und eine Gesellschaft voller sozialer Gewalt. Über diese Klassengewalt wird in Frankreich geschwiegen, sie wird euphemisiert, noch öfter wird sie ignoriert oder sogar ganz geleugnet. ... Die Schule ist [ ] in Frankreich ein zentraler sozialer Ort; sie ist eine Art Maschine, mittels derer sich die sozialen Klassen reproduzieren. Hier verlängert sich auch die Klassenherrschaft. All das hat uns der Soziologe Pierre Bourdieu schon vor fast einem halben Jahrhundert in brillanter Weise erklärt.

Lieske: ... In Deutschland habe ich den Eindruck, dass man das nicht mehr so gerne sagt, Klasse oder Arbeiterklasse. Man hat sich eher geeinigt auf Unterschicht oder Prekariat. Sie, Didier Eribon, haben sich aber ausdrücklich für die Beibehaltung dieses Begriffes der Arbeiterklasse ausgesprochen. Warum ist Ihnen das wichtig?

Eribon: Weil es für mich ganz offensichtlich ist, dass es diese sozialen Klassen gibt. Man sieht sie überall. Man braucht sich nur auf der Straße umzuschauen, man kann auch in Wirtschaftsstatistiken schauen. Der Begriff der Klasse macht aber vielen Menschen Angst, weil sich dahinter das Gespenst des Marxismus erhebt. Deshalb verwendet man lieber den Begriff des Prekariats, aber es gibt bei uns eine Arbeiterklasse. Das Prekariat ist die neue Arbeiterklasse, und es ist dieselbe Klasse, in der ich aufgewachsen bin. Meine Eltern waren Arbeiter in den großen Fabriken, und die Gewalt der Ausbeutung, die sie erfahren haben, war unfassbar. Und diese Gewalt gibt es immer noch, auch auf einer globalen Ebene. Das Europa, das sich jetzt seinen Weg bahnt, ist ein Europa des Prekariats. Die prekarisierten Arbeiter haben heutzutage sehr wenige Möglichkeiten, sich selbst zu organisieren. Sie haben auch wenige Möglichkeiten, sich der sozialen und ökonomischen Gewalt entgegenzustellen, die sie erfahren.

Lieske: Sprache hat ja immer was mit Haltung zu tun, Gila Lustiger. Wenn Sie sich in diesem Milieu bewegen, wenn Sie es betrachten, welches Wort ziehen Sie vor, welches Wort würden Sie verwenden?

Lustiger: Ich habe, als ich mir die Vororte angeschaut habe … Ich gehe mit meiner Biografie da durch, die auch eine Biografie der Geächteten in gewisser Weise ist, ich gehe da mit meinem Blick da durch, und ich gehe mit meiner Bibliothek da durch. Den Begriff, an den ich gedacht habe, ist ein Begriff, den Zygmunt Baumann benutzt, wenn er über diese neue Prekarität der Arbeiterklasse redet in Europa, und er nennt sie mit dem, würde ich sagen, Zynismus des Moralisten, weil er ist kein Zyniker, er nennt sie den Abfall der Globalisierung, und Abfall der Globalisierung, das sind eben Menschen, die heute in unseren Gesellschaften keine Arbeit mehr finden werden, weil sie unterqualifiziert sind, weil wir zu einer Dienstleistergesellschaft mutieren und weil eben Arbeiter, unterqualifizierte, selbst mit den größten Arbeitsreformen von Macron keine Arbeit mehr finden in Europa.

Lieske: Gibt es von Ihnen, Didier Eribon, einen Vorschlag, wie man die Situation der "déplorables" verbessern kann? Ich glaube, das ist das Wort, das man für diese Menschen in Frankreich verwendet.

Eribon: Ich hätte da sehr viele Vorschläge zu machen, auf jeden Fall. Mein erster Vorschlag wäre der, dass man die Untergrabung des Arbeitsrechts unterbinden muss. Damit ist der Schutz der Arbeit und der Arbeiter gemeint, ihre sozialen Rechte, die Rente, die Arbeitslosenversicherung, aber genau das Gegenteil findet in unseren Tagen statt. Man sieht anhand des Brexits in England, anhand der Stimmen für den Front National in Frankreich, anhand der Stimmen für die AfD in Deutschland, wie viele Menschen betroffen sind und wie sehr sie sich ängstigen. Sie verleihen ihrer Angst Ausdruck, indem sie gegen Europa stimmen und für die Parteien von Rechts.
Und wenn man sich anschaut, wer so gewählt hat, dann findet man heraus, dass diese Menschen in den prekarisierten Regionen von Europa leben. In Gegenden also, in denen die Schulbildung ein sehr niedriges Niveau hat. Man müsste die Familien und die Schulen mehr unterstützen, Bildung sollte für alle zugänglich sein, aber genau das Gegenteil findet statt. Lehrerstellen werden abgebaut, Schulen werden geschlossen. Wenn man von den Schulen verlangt, dass sie wirtschaftlich rentabel sind, dann will man Schulen für Reiche haben. Die Armen bleiben bei einem solchen Schulsystem außen vor.
Mein Vorschlag ist, dass dieser Abbau der öffentlichen Hand aufhören müsste. Auch der Abbau der sozialen Rechte und die Verachtung der niederen Klassen, die unsere Politiker an den Tag legen. Dazu gehört auch Präsident Emmanuel Macron. Er hat jene Demonstranten als Faulenzer bezeichnet, die sich gegen den Abbau von Lehrerstellen gewandt haben, gegen die Senkung von Lehrergehältern, gegen die Streichung von Stipendien.
Wenn ein Präsident, der die Inkarnation der finanzstarken Bourgeoisie darstellt, diese Menschen verachtet und die Gewerkschaften als Faulenzer bezeichnet, und wenn die ganze Welt ihm applaudiert, auch in Deutschland, dann macht sich eine Haltung breit, die mich sehr beunruhigt. Dieser Haltung muss man sich ganz entschieden entgegenstellen.

Lieske: Gila Lustiger, Didier Eribon hat gerade ein ganz großes Panorama gemalt. Sie kennen beide Länder sehr gut, Frankreich und Deutschland. Würden Sie sagen, dass die Ereignisse parallel verlaufen, dass sie vergleichbar sind?

Lustiger: Ich habe die Bertelsmann-Studie gelesen bezüglich des Populismus, wer denn die Wähler zum Beispiel der AfD und der Populisten in Europa sind, und Populismus ist eine dünne Ideologie. Die Populisten liefern eben kein Gesellschaftskonzept und kein Weltbild, sondern eben nur Feinde, Feindbilder, und sie haben bei allen, die Populisten wählen, immer … Sie wählen sie aus Ängsten. Was sie beängstigt, ist eben der Verlust der Werte. Sie haben das Gefühl, dass sie überrollt werden und keine Identität mehr haben. Sie haben das Gefühl, dass sie in die Prekarität rutschen. Das Arm-reich-Gefälle beängstigt sie, und natürlich haben sie das Gefühl, dass sie von der Globalisierung eben nichts haben.

...



Aus: ""In was für einer Welt, verdammt noch mal, wollen wir leben?"" Gila Lustiger und Didier Eribon im Gespräch mit Tanya Lieske (23.10.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/zwei-intellektuelle-ueber-frankreich-in-was-fuer-einer-welt.700.de.html


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Das X. Munizipium Ostia ist eines der 19 Munizipien der Stadt Rom. Es liegt südöstlich der Mündung des Tiber entlang des Tyrrhenischen Meers. Der Name Ostia leitet sich von lateinisch ostium „der Eingang; die Mündung“, womit die Tibermündung gemeint ist, ab.
Ostia hat 200.114 Einwohner (2006) auf 150,64 km² ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Ostia_(Rom)

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[...] Der Angriff erfolgte vor laufender Kamera. Ein Reporter des Staatsfernsehens RAI interviewte vor wenigen Tagen in Ostia Roberto Spada, Sohn des örtlichen Mafiabosses. Mitten im Gespräch versetzte Spada dem Journalisten einen heftigen Kopfstoß; danach prügelte er mit einem Schlagstock auf den Kameramann ein, der aber flüchten konnte.

Der Reporter musste mit gebrochenem Nasenbein ins Krankenhaus gebracht werden. Der 32-jährige Spada, ein bulliger Typ, der seinem Opfer körperlich weit überlegen war, muss mit einer Anzeige wegen Körperverletzung rechnen.

Thema des Interviews waren die lokalen Wahlen vom vergangenen Wochenende in Ostia, bei denen die neofaschistische Bewegung „Casa Pound“ fast zehn Prozent der Stimmen erzielt hat. Der Reporter wollte wissen, was in Ostia ohnehin jeder weiß: Ob es denn zutreffe, dass der Spada-Clan die Neofaschisten bei den Wahlen unterstützt habe?

Die Gewalttat gegen den Journalisten hat bis in die höchsten Reihen der Politik Empörung ausgelöst. Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi bezeichnete die Aggression als „inakzeptabel“ und besprach sich mit Innenminister Marco Minniti. Ex-Premier Matteo Renzi erklärte, der Vorfall sei von erschreckender Symbolik.

Das ist es in der Tat. Roms Stadtteil 10, wie Ostia administrativ heißt, ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Ort des sozialen Niedergangs und der Gesetzlosigkeit geworden – ein Territorium, aus dem sich der Staat schon lange verabschiedet hat.

Vor allem die Gegend um den sogenannten Idroscalo, wo einst Pier Paolo Pasolini ermordet worden war, ist trostloses Niemandsland. Hier stehen heruntergekommene Wohnblocks aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Die Mauern und die Wände sind mit Graffitis und Hakenkreuzen verschmiert, Müll liegt an allen Ecken herum. Auch die unzähligen „stabilimenti balneari“, die Badeanstalten, wo an den Sommerwochenenden hunderttausende sonnenhungrige Römer einfallen, sind von deprimierenden Eintönigkeit.

Der Zerfall und der Dreck, die Armut und die Arbeitslosigkeit bilden einen Nährboden, auf dem die Mafia und die „Faschisten des 3. Jahrtausends“, wie sich die Aktivisten von „Casa Pound“ gerne nennen, gleichermaßen gut gedeihen. Welche Sozialwohnung wem zugeteilt wird, entscheidet nicht mehr die Stadtverwaltung, sondern der harte Kern der Rechtsextremisten, die sich als Schutzpatrone der Mieter aufspielen. Der Räumung einer Wohnung stellen sie sich notfalls mit Gewalt entgegen – sofern Italiener und nicht Ausländer vom Räumungsbefehl betroffen sind.

Damit und mit dem Verteilen von Lebensmittelpaketen an Arme und Rentner ist zumindest ein Teil des Wahlerfolgs von „Casa Pound“ zu erklären. „Die machen wenigstens etwas für uns. Die Politiker der anderen Parteien sieht man lediglich kurz vor den Wahlen, dann verschwinden sie wieder“ – diesen Satz hört man immer wieder in Ostia.

Der Mini-Gemeinderat des Stadtteils 10 musste von der Regierung in Rom schon im August 2015 wegen mafiöser Infiltration aufgelöst werden. Für die Entsendung eines Kommissars, wie es in den Mafia-Nestern Süditaliens üblich ist, hat es dagegen nicht gereicht.

So konnten sich in Ostia die Clans weiterhin mehr oder weniger ungestört der Schutzgelderpressung, der Geldwäsche und dem Drogenhandel widmen; dabei wurden laut der Römer Staatsanwaltschaft auch enge Verbindungen zur ’Ndrangheta, zur Camorra und zur Cosa Nostra aufgebaut.

„Ostia ist das neue Corleone, die Hauptstadt der Mafia, ein Territorium der Clans und der Einschüchterung“, schrieb der Bestsellerautor und Mafiakenner Roberto Saviano nach der Aggression gegen den RAI-Reporter auf Facebook.

Im Moment scheint es allerdings, dass der Kopfstoß von Roberto Spada die Politik aufgerüttelt hat. Innenminister Marco Minniti hat durchblicken lassen, dass er die Wild-West-Zustände in Ostia nicht länger dulden werde. „Der Vorfall ist äußerst schwerwiegend.

Schon allein aufgrund des Kalibers des Angreifers, aber auch, weil das Ziel der Gewalt ein Vertreter der freien Presse war“, erklärte Minniti. Er werde keine gesetzlosen Zonen tolerieren; die Prinzipien der Legalität gälten ohne Ausnahmen.

Weniger dramatisch stufte Ostias Faschistenführer den Übergriff ein. „Klar, das war keine schöne Geste“, erklärte Luca Marsella, der vom Spada-Clan unterstützte Spitzenkandidat von „Casa Pound“ bei den Lokalwahlen. Aber irgendwie sei der Journalist ja auch selbst schuld.


Aus: "Organisiertes Verbrechen in Italien: Wie die Mafia eine Stadt übernahm" Dominik Straub (12.11.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/organisiertes-verbrechen-in-italien-wie-die-mafia-eine-stadt-uebernahm/20571004.html

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« Reply #670 on: November 15, 2017, 09:25:31 vorm. »
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[...] Es ist eintönig, weil sich am Trend nichts ändert. Die Reichen, vor allem die Superreichen, werden im reicher und lassen den Rest der Weltbevölkerung immer weiter hinter sich. Das reichste 1 Prozent, so der Global Wealth Report 2017 von Credit Suisse, besitzt jetzt zusammen so viel wie die ärmere Hälfte der Menschen.

Nachdem die Finanzkrise 2008 die Ungleichheit einmal geschmälert und der Anteil des reichsten 1 Prozents bei "nur" 42.5 Prozent des globalen Vermögens lag, haben Regierungen und Reiche offenbar erfolgreich dafür gesorgt, dass sich das etwa durch die Stützung der großen Banken und das Ausblieben der versprochenen Reformen wieder schnell ändert. Und das geschah auch. Kurz nach der Krise stieg der Anteil der Superreichen am globalen Reichtum kontinuierlich und über den Anteil hinaus, den sie vor der Krise hatten.

Jetzt haben sie nach Credit Suisse die symbolische Schwelle von 50,1 Prozent am Gesamtvermögen von 280 Billionen US-Dollar überschritten. Ob man den Zahl der Bank im Einzelnen vertraut oder nicht, ist bei solchen Schätzungen wenig erheblich, denn es wird der Trend deutlich - und die Ohnmacht der abgehängten Bevölkerung sowie die Gier der Reichen, die womöglich auf dem Vulkan tanzen, wenn dieser Trend nicht gestoppt oder gar umgekehrt wird.

Dass Verteilung des Reichtums schon längst jedes verträgliche Maß hinter sich gelassen hat, lässt sich auch aus einer anderen Schätzung erkennen. So besitzt die reichsten zehn Prozent 88 Prozent des Weltvermögens, die ärmere Hälfte der Erwachsenen gerade einmal 1 Prozent. Zwar wird die Zahl der Millionäre - ebenso wie die Weltbevölkerung weiter wächst - mehr und ist letztes Jahr um erstaunliche 2,3 Millionen Menschen auf jetzt 36 Millionen gewachsen, aber gegenüber den mehr als 7,5 Milliarden Menschen ist das nichts. Die Weltbevölkerung wächst jeden Tag um 230.000 Menschen, das sind etwa 80 Millionen im Jahr.

Weltweit stieg das Vermögen im vergangenen Jahr um 6,4 Prozent. Rechnet man die 280 Billionen um, so hätte theoretisch jeder Erwachsene einen Anteil von illusorischen 56.540 US-Dollar. Aber viele haben eben praktisch nichts, andere schwimmen in Milliarden. Die meisten Superreichen leben in dem Land, das auch von einem Milliardär regiert wird, der wieder daran ist, durch eine Steuerreform seinesgleichen zu "entlasten".

In den USA stieg der Reichtum auch am meisten von 92 auf 101 Billionen US-Dollar an. "Die Präsidentschaft Trumps", so Credit Suisse, "verzeichnet florierende Unternehmen und wachsende Beschäftigungszahlen, doch auch die weiterhin stützende Rolle des Federal Reserve hat hier zweifellos eine Rolle gespielt,Die zweitreichste Region ist mit fast 80 Billionen Europa. Obgleich sich unter kommunistischer Herrschaft die Zahl der Superreichen in China mehr, liegt deren Vermögen bei einer mehr als doppelten Bevölkerung gegenüber den USA und Europa gerade einmal bei 29 Billionen. Das private Gesamtvermögen in Indien soll 5 Billionen erreichen. Die Erdteile Südamerika und vor allem Afrika stehen am Schluss.

Weltweit am reichsten ist die Schweiz, bzw. sind es die vermögenden Schweizer: "Seit der Jahrtausendwende hat sich das Vermögen pro Erwachsenem in der Schweiz um 130 Prozent auf 537.600 US-Dollar erhöht." Das ist zehnmal mehr als globale Durchschnitt.

Unter schwarz-rotem Schutz - die FDP braucht es da gar nicht - schaffte es Deutschland neben Frankreich, Italien und Spanien unter die zehn Staaten mit den größten Vermögenzuwächsen zu gelangen. Das wird bei der kommenden Jamaika-Koalition nicht anders werden, wo es keine Vermögens- und Reichensteuer geben wird und die Steuern für die Reichen nicht erhöht werden dürften, was die Kluft zur ärmeren Hälfte der Bevölkerung fördert. Nach den USA und China kommt Deutschland bereits mit den größten Vermögenszuwächsen, immerhin um eine Billion mehr. Nach den USA stieg die Zahl der Millionäre in Deutschland 2016 mit 237 weltweit am stärksten.

Als Ausblick zeichnet die Credit Suisse, die natürlich möglichst alles erfreulich einbetten will, dennoch ein düsteres Bild, wenn dies auch gefällig formuliert wird: "Für das Millionärssegment sind die Aussichten optimistischer als für den unteren Teil der Vermögenspyramide (unter 10.000 Dollar pro Erwachsenem). Während die Zahl der Millionäre bis 2022 um 22 Prozent von heute 36 Millionen auf 44 Millionen steigen dürfte, wird die Zahl der Menschen im untersten Segment der Pyramide wohl nur um 4 Prozent schrumpfen."

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     Hat se nicht alle, 15.11.2017 06:47

Ich reg mich über so was nicht mehr auf - Solange die 1% es locker schaffen, die 99% davon zu überzeugen, dass sie selber an dieser Situation schuld sind, ist Hopfen und Malz verloren.



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     Naturzucker, 15.11.2017 05:55

Ein Grund mehr für die restlichen 99%, sich es ihnen gleichzutun. Macht es wie die 1%. Werdet asozial. Vergesst jede Form von Empathie. Seid rücksichtslos. Geht über Leichen. ...



Aus: "Die reichsten 1 Prozent besitzen mehr als 50 Prozent des globalen Vermögens" Florian Rötzer (15. November 2017)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Die-reichsten-1-Prozent-besitzen-mehr-als-50-Prozent-des-globalen-Vermoegens-3890296.html

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« Reply #671 on: November 15, 2017, 09:33:01 vorm. »
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[...] Die aktuelle Schätzung stammt von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W), einem eingetragenen Verein, der ein soziales Ziel verfolgt, nämlich die Hilfe für Wohnungslose. Eine amtliche Statistik wäre möglich, berichtet die Zeit, gibt es aber noch nicht. Eine in Regionen differenzierte Aufschlüsselung amtlicher Zahlen würde mehr sichtbar machen.

Bis dahin würden die bundesweiten Schätzungen der BAG W bisher als Referenz für "bundesweite Daten" gelten. Für das vergangene Jahr schätzt die Bundesarbeitsgemeinschaft die Zahl der Wohnungslosen deutschlandweit auf 860.000. Bis 2018 prognostiziert sie 1,2 Millionen wohnungslose Menschen. Sie hat offenkundig wenig oder gar kein Vertrauen in eine Verbesserung der Situation.

... Von den 860.000 Personen, die sich laut Schätzung der BAG Wohnungslosenhilfe 2016 in Wohnungsnot befanden, waren mehr als die Hälfte, 440.000 anerkannte Flüchtlinge, die im Regelfall weiter in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. Nicht dazu gezählt werden Zugewanderte, die auf Baustellen untergebracht sind, für die sie horrende Mieten zahlen, da sie ja ausweislich des Mietvertrags eine Wohnung haben.

Wie die 420. 000 anderen wohnungslosen Menschen untergebracht sind, geht aus den Angaben der BAG nicht hervor. Der Großteil lebt in Notunterkünften, Wohnheimen oder provisorischen Unterkünften bei Bekannten oder Freunden, jedenfalls haben sie keine Bleibe, die mit Mietvertrag abgesichert ist, aber zumindest ein "Dach über dem Kopf".

Geschätzt 52.000 sind Obdachlose, "leben ohne jede Unterkunft auf der Straße". Seit 2014 (ca. 39.000), sei dies ein Anstieg um 33 %. Aus den Ausführungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe geht hervor, dass viele unter den "Straßenobdachlosen" Zuwanderer aus EU-Ländern sind.

...


Aus: "BAG W: Bald über eine Million Wohnungslose in Deutschland" Thomas Pany (14. November 2017)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/BAG-W-Bald-ueber-eine-Million-Wohnungslose-in-Deutschland-3890290.html

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« Reply #672 on: November 23, 2017, 07:31:34 vorm. »
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[...] GENF taz | Darf die Ausbildung an Universitäten etwas kosten? In der Schweiz sorgt diese Frage immer wieder für öffentliche Auseinandersetzungen oder ist gar Thema von Volksabstimmungen. Sämtliche öffentliche wie private Universitäten, Fachhochschulen und andere Einrichtungen der höheren Bildung in der Alpenrepublik erheben – zum Teil saftige – Studiengebühren.

An der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich und ihrer Schwesteruniversität, der ETH im französischsprachigen Lausanne demonstrierten die StudentInnen vergangene Woche gegen die geplante Erhöhung der Gebühren um 30 Prozent. Statt bislang 1.160 Schweizer Franken (CHF) – nach derzeitigem Wechselkurs rund 1.000 Euro – jährlich soll das Studium an den beiden eidgenössischen Eliteunis ab 2018 1.660 Franken kosten – mehr als 400 Euro mehr als bisher und damit weit über dem Landesschnitt. Und das ist für einige Studierende ein Problem.

Der 20-jährige Jakob Stauffer, Biologiestudent im dritten Semester, „kann die zusätzlichen 500 Franken auf keinen Fall aufbringen“, wie er sagt. Zumal zu den jährlich fälligen Studiengebühren noch zahlreiche indirekte, versteckte Kosten kommen. Zum Beispiel Prüfungsgebühren sowie Ausgaben für obligatorische Praktika, Austauschsemester und Exkursionen sowie für Lehrmittel.

Sollte die vom ETH-Rat, dem Aufsichtsgremium der beiden Unis, angekündigte Erhöhung tatsächlich kommen, fürchtet Stauffer, dass er „das Studium abbrechen oder zumindest unterbrechen und erst einmal Geld für die nächsten Studienjahre verdienen“ muss. Schon jetzt jobbt Stauffer neben dem sehr lernaufwendigen Biologiestudium als Fahrradkurier, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Anders als seine KommilitonInnen aus besser betuchten Elternhäusern kann der Sohn einer verwitweten Mutter, die als Kassiererin in einem Supermarkt nur einen kargen Lohn bezieht, nicht mit finanzieller Unterstützung von zu Hause rechnen.

Bereits im Jahr 2012 ergab eine Umfrage des Verbandes der Schweizer Studierendenschaften (VSS), an der über 5.000 StudentInnen der ETH Zürich teilnahmen, dass die ETH bei einer Erhöhung der Studiengebühren auf 1.500 Franken jährlich rund 20 Prozent ihrer StudentInnen verlieren würde. VSS-Präsident Lukas Reichard, der ebenfalls an der ETH studiert, geht davon aus, „dass die geplante Erhöhung ausländische Studentinnen und Studenten besonders stark treffen würde“.

Die Lebenshaltungskosten waren in der Schweiz schon immer deutlich höher als im übrigen Europa oder in Übersee. Und Zürich nimmt innerhalb der Schweiz eine Spitzenstellung ein. Zudem gibt es an vielen Hochschulstandorten inzwischen Pläne, Studierende aus dem Ausland noch mit zusätzlichen Gebühren zu belasten. Auf der anderen Seite scheiterte im Jahr 2013 im Kanton Zürich eine Volksinitiative mit dem Ziel, Schweizer StaatsbürgerInnen mit Erstwohnsitz in dem Kanton gänzlich von Studiengebühren zu befreien.

Bereits 2009 mussten Studierende in der Schweiz laut einer landesweiten Untersuchung über ihre wirtschaftliche und soziale Lage im Durchschnitt 1.870 Franken monatlich aufbringen für Unterkunft, Essen, Krankenversicherung und Studiengebühren – umgerechnet rund 1.600 Euro. Infolge der allgemeinen Teuerung dürften diese monatlichen Kosten inzwischen bei fast 2.000 Franken liegen.

VSS-Präsident Reichard befürchtet, dass durch eine weitere Anhebung der Studiengebühren an den beiden ETHs die „soziale Spreizung weiter verschärft“ und finanziell Schwächeren der Zugang zu universitärer Ausbildung erschwert werden. Denn bislang nehmen Studiengebühren nur einen sehr kleinen Anteil des Gesamtbudgets der Schweizer Hochschulen ein – an den Universitäten Basel und Bern zum Beispiel nur 3 beziehungsweise 5 Prozent. Die öffentlichen Zuschüsse sinken jedoch, und dies – so die Befürchtung – wollen die Unis nun über steigende Stu­diengebühren kompensieren.

In einem von der landesweiten Delegiertenkonferenz des VSS im November 2013 verabschiedeten Positionspapier verweist der Verband auf das „verheerende Beispiel Großbritannien“, wo „infolge der drastischen Erhöhung der Studiengebühren im Jahre 2012 nachweislich Kinder aus Nicht-AkademikerInnenfamilien von einem Studium abgehalten werden“.

Doch der ETH-Rat zeigt sich von sämtlichen Einwänden unbeeindruckt. Zum letzten Mal seien die Gebühren „vor 20 Jahren richtig erhöht worden“, im Jahr 2004 hingegen sei „lediglich eine Anpassung im Rahmen der Teuerung erfolgt“.

Der VSS lehnt Studiengebühren grundsätzlich ab. In seinem Positionspapier aus dem Jahr 2013 fordert der Verband „ein Bildungssystem, das allen Personen unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten vollständig zugänglich ist“. Der VSS kann sich dabei auf einen Beschluss der Schweizer Regierung (Bundesrat) zu ihrer Bildungspolitik für die Jahre 2013–2016 berufen. Darin heißt es: „Ziel ist die Sicherstellung einer Bildung von hoher Qualität, die es allen ermöglicht, ihr Begabungspotenzial voll auszuschöpfen und die Fähigkeit zu entwickeln, eigenständig zu handeln und sich lebenslang weiter zu qualifizieren.“

Doch tatsächlich betreiben der Bundesrat, der für die beiden ETHS in Zürich und Lausanne zuständig ist, wie auch die Regierungen fast aller 26 Schweizer Kantone seit Jahren eine Politik, die dieser Zielsetzung entgegensteht. Die öffentlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen und für die Ausbildungsförderung sozial und finanziell Schwächerer werden fast überall gekürzt.

Studiengebühren und ihre Erhöhung, kritisiert der VSS, seien Instrumente, um „die öffentliche höhere Bildung in der Schweiz schrittweise zu liberalisieren, zu privatisieren und einen Bildungsmarkt zu schaffen“.


Aus: "Studieren an der Elite-Uni ETH in Zürich: Muss so viel Luxus sein?" Andreas Zumach (22. 11. 2017)
Quelle: http://www.taz.de/Studieren-an-der-Elite-Uni-ETH-in-Zuerich/!5461348/


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« Reply #673 on: November 28, 2017, 03:59:12 nachm. »
Quote
[...] Seit mehreren Tagen räumen die Behörden im Süden von Peking Sammelunterkünfte und improvisierte Wohnungen. Schätzungsweise Zehntausend Menschen sind betroffen, sie stehen plötzlich ohne Bleibe da.

Einige haben Peking fluchtartig verlassen, viele andere kampieren mit Sack und Pack irgendwo auf der Straße, und das bei Temperaturen unter null Grad.

Betroffen sind quasi ausschließlich Arbeitsmigranten aus anderen chinesischen Provinzen und ihre Familien. Viele haben Kinder. Ohne diese sogenannten Wanderarbeiter läuft in chinesischen Großstädten quasi nichts: Sie liefern Pakete aus, bedienen in Restaurants und arbeiten auf Baustellen oder als Wachleute.

Seit rund einer Woche werden diese Menschen nun aus ihren Wohnheimen geworfen. Auslöser: Ein Brand in einer der Unterkünfte, bei dem vor zehn Tagen 19 Menschen ums Leben kamen.

Diesen Vorfall nutzt die Pekinger Stadtregierung nun, um andere vermeintlich unsichere Unterkünfte zu räumen. Polizisten, Feuerwehrleute aber auch viele spontan angeheuerte Rausschmeißer forderten Bewohner der betroffenen Wohnungen auf, diese binnen Stunden zu räumen. Viele Wohnungen wurden komplett zerstört, nachdem sie geräumt wurden.

"Ich habe keine Angst zu sterben", sagt diese Bewohnerin des betroffenen Stadtviertels in einem Internetvideo eines Pekinger Aktivisten. "Wenn sie mich hier vertreiben und meine Wohnung zerstören wollen, verteidige ich mich meinem Küchenmesser!"

Die staatlichen Medien Chinas schweigen zu all diesen Vorfällen. In den Online-Netzwerken kursieren unzählige Berichte, Fotos und Videos, die häufig aber schnell gelöscht werden von den chinesischen Zensoren.


Aus: "China: Zwangsräumungen in Peking sorgen für Entsetzen" Steffen Wurzel (28.11.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/china-zwangsraeumungen-in-peking-sorgen-fuer-entsetzen.1773.de.html?dram:article_id=401750
« Last Edit: November 28, 2017, 04:26:02 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #674 on: November 28, 2017, 05:19:45 nachm. »
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[...] Bosch: ... andere Dinge sind mir wichtiger als Geld.

ZEIT ONLINE: Stehen Sie damit stellvertretend für die Reichen in Deutschland?

Bosch: Durch die Stiftung Pecunia, einem Netzwerk für Erbinnen, habe ich mittlerweile einen großen Bekanntenkreis aufgebaut. Darunter sind auch Vermögende, die Wert darauf legen, ihren Reichtum zu zeigen. Es gibt aber auch viele, die in ähnlichen Umständen leben wie ich.

ZEIT ONLINE: Woher kommt das falsche Bild in der Öffentlichkeit?

Bosch: Reichtum ist mit vielen Klischees verbunden, der Manager mit S-Klasse und so. Aber sind wir wirklich so kurzsichtig zu glauben, dass alle so leben?

ZEIT ONLINE: Sprechen Sie deswegen so offen über Geld, um die Vorurteile abzubauen?

Bosch: Ja. Angefangen hat das 2006. Damals fand das ZDF für eine Reportage über Armut in Deutschland keinen Reichen, der sich zu dem Thema äußern wollte. Das fand ich falsch.

ZEIT ONLINE: Warum?

Bosch: Die Armen müssen überall die Hose runterlassen, vor dem Amt zum Beispiel. Die Reichen behalten im Normalfall die Hosen fein oben. Dem wollte ich etwas entgegensetzen.

ZEIT ONLINE: Vielleicht sind Sie eben doch die Ausnahme von der Regel.

Bosch: Das glaube ich nicht. Es gibt viele reiche Menschen, die mit ihrem Geld viel Gutes tun, die sprechen vielleicht weniger öffentlich darüber. Eigentlich ist das auch nichts Außergewöhnliches. In unserer Verfassung steht: Eigentum verpflichtet – auch mich.

ZEIT ONLINE: Aus Ihrer Familie sind Sie die einzige, die so offen spricht.

Bosch: Da haben Sie recht.

ZEIT ONLINE: Wieso äußern sich die Reichen nicht, die nicht den gängigen Klischees entsprechen?

Bosch: Häufig haben sie Angst, missverstanden zu werden oder persönlich Ärger zu bekommen – von Eltern, Kindern, Geschwistern. Sie haben Angst, mit Bittbriefen überschüttet zu werden. Und ich weiß aus Erfahrung, dass Bittbriefe kommen, allerdings viel weniger, als ich erwartet hätte.

ZEIT ONLINE: Sie selbst setzen sich für sexuelle Minoritäten ein. Was hätte Ihr Großvater Robert Bosch dazu gesagt?

Bosch: Er war ja Menschenrechtler. Im Dritten Reich hat er dafür Gefahren auf sich genommen, von denen ich heute weit entfernt bin. Seitdem haben sich die Themen vielleicht verlagert, und ich nehme mir die Freiheit, zu sagen, er hätte weiter Minderheiten verteidigt. Auch mein Einsatz gegen Rassismus wäre mit Sicherheit auf seiner Linie. Mein Urgroßvater war 1848er, ein Ur-Demokrat, und das waren auch seine Kinder. Die waren von Rassismus oder Antisemitismus nie angefochten.

... ZEIT ONLINE: Sie haben einmal gesagt, Deutschland sei noch immer eine Klassengesellschaft. Woran machen Sie das fest?

Bosch: An der Undurchlässigkeit der sozialen Schichten – bezogen auf Einkommen, Hautfarbe und Migrationshintergrund.

ZEIT ONLINE: Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Bosch: Viele meiner Bekannten und Freundinnen müssen allein aufgrund ihrer anderen Hautfarbe viel länger nach einer Wohnung suchen. Oder nehmen Sie das Thema Heiraten: Die Menschen kommen immer häufiger aus der gleichen sozialen Schicht, dem gleichen sozialen Umfeld. Arzt heiratet Ärztin. Dabei ist Heirat eines der besten Mittel, Schichtengrenzen zu überwinden. Ich halte das auch für die beste Antwort auf den grassierenden Rassismus: eine echte Durchmischung.

... ZEIT ONLINE: Wir brauchen also eine schwarze Frau an der Spitze der SPD?

Bosch: Wir brauchen grundsätzlich mehr Menschen mit Migrationshintergrund in der Politik, weil sie zu den großen Themen etwas zu sagen haben. Das gilt auch für Journalisten, die vor allem über, aber nicht aus der migrantischen Sicht schreiben.

ZEIT ONLINE: Und jetzt sitzen Ihnen hier wieder zwei weiße Männer gegenüber.

Bosch: Es liegt ja nicht am Persönlichen, mein Respekt vor den weißen Männern. Aber es müssen jetzt auch mal andere sprechen.

ZEIT ONLINE: In Ostdeutschland ist die Skepsis gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund besonders groß. Bemerken Sie das in Ihrer Arbeit?

Bosch: Mein Mann kommt aus Ostdeutschland. Wir sprechen deshalb oft darüber. Ich glaube, dass es im Osten Deutschlands eine alte, strukturelle Diskriminierung gibt. Ich war Ende der neunziger Jahre mit meiner damaligen Freundin in Brandenburg unterwegs und habe gemerkt, wie unwohl ich mich dort fühlte, weil wir zwei lesbische Frauen waren und sie auch noch jüdisch aussah. Die Angst vor Fremden war schon damals da.

ZEIT ONLINE: Seit 2015 scheint sich das deutlich verschlimmert zu haben.

Bosch: In den vergangenen zwei Jahren hat sich viel Protest Bahn gebrochen – ausgelöst durch die Flüchtlinge. Nach der Revolution 1989 gab es für kurze Zeit die Hoffnung, dass etwas zusammenwächst, dass es für alle vorangeht. Vieles hat sich davon aber nicht erfüllt. Diese Enttäuschung wurde von der Politik nie wirklich adressiert. Die Folgen sehen wir jetzt. ... Wir haben viele Probleme jahrelang nicht ernst genommen: Rassismus, soziale Spaltung, Gender-Fragen, Lohnungerechtigkeit, bezahlbarer Wohnraum. Die Herausforderungen sind viel größer, als es die Politik wahrhaben will. Und jetzt wird es eben mal aufgetischt, es weht ein rauerer Wind.

... ZEIT ONLINE: Zahlen Reiche in Deutschland zu wenige Steuern?

Bosch: Es gibt auf jeden Fall zu viele Möglichkeiten, Steuern zu vermeiden. Das gesamte Steuerberatungssystem ist darauf ausgerichtet, weniger Geld zu zahlen und sich nicht mehr zu engagieren. [Es wird immer eine Riesenmaschinerie im Hintergrund geben, deren Geschäftsmodell ist, dafür zu sorgen, dass die Abgaben möglichst gering bleiben. Wohlhabende bekommen diese Angebote. Man muss regelrecht gegen den Strom schwimmen, wenn man die Ansicht hat, ich zahle meine Steuern und bin deswegen noch lange nicht blöd.]

ZEIT ONLINE: Das widerspricht Ihrer These, dass viele Reiche die soziale Ungleichheit auch nicht gutheißen.

Bosch: Beides findet statt. Manche Reiche sind sich sehr wohl ihrer Verantwortung bewusst, aber hängen das nicht an die große Glocke. Andere tun eben sehr wenig und kümmern sich vor allem um Steuervermeidung und nutzen Lücken im Steuergesetz radikal aus.

...

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ulra
#6

Man ist ja schon dankbar, dass eine vermögende Person hier mal auf die Missstände in Deutschland hinweist. Dann ist aber auch schon mal gut, wir wollen ja nichts übertreiben oder - Gott bewahre - Dinge ändern.



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Fumakilla
#7

Mann oh Mann/Frau - ist dieser Wellnessjournalismus/dieses Interview wirklich die journalistische Qualität, die ZEIT Leser mit Wohnsitz in gentrifizierten Citylagen der deutschen Großstädte ganz, ganz toll finden?

Wenn das Kernthema dieses Interviews die soziale Undurchlässigkeit ist, warum werden dann keine Lösungen aufgezeigt? Achja, die Erbschaftssteuer soll´s richten ...
... Wie ist das denn so, mit dem Bildungssystem, indem die Akademiker unter sich bleiben und die deutschen Unterschichten kein Abitur machen?
Wie ist das denn so mit den bildungsfernen migrantischen Unterschichten?
Wie ist das denn so mit der Integrationsunwilligkeiten bestimmter Migrantenkreise, die insbesondere links-grüne Politiker noch durch Familiennachzug verstärkt ins Land holen wollen? Egal ... genug heute morgen aufgeregt ... Gernot ... ich brauche meine Herztropfen!



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Boesor
#7.3

Wenn das kernthema Ihres Beitrages ist sich aufzzuregen, warum zeigen Sie keine Lösungen auf? Oder muss diese Lösungen nur Frau Bosch wissen und wenn ja, warum eigentlich?


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Doc Zoidberg
#7.4

Sie sollte die Herztropfen weglassen, dafür aber Interviews und Texte mit neutraler Einstellung lesen. Die von Ihnen angemerkten Punkte werden von der Interviewten alle angesprochen und kritisiert. Vielleicht nicht in aller Ausführlichkeit und gerne abstrahiert, aber sie ist halt auch nur eine Interviewpartnerin und keine Politikerin, welche die Zustände zu verantworten hat.
Die Aufgabe eines Interviews ist es nicht Lösungen für komplexe Probleme zu liefern, sondern die sozial konstruierte Realität (lesen Sie dazu z.B. Berger und Luckmann "Die soziale Konstruktion der Wirklichkeit) bestimmter Personen bzw. -gruppen wiederzugeben.
Aber die letzte Frage zeigt ja sowieso ganz deutlich Ihre persönliche Perspektive. Anstatt sich mit der Komplexität von solchen Problemen auseinander setzen zu wollen, ist es natürlich viel entspannter polemisch und verallgemeinernd auf Themen einzudreschen. Also wenn Sie sich die Herztropfen sparen, kaufen Sie mit dem Geld Bücher über Postkoloniale Theorien. Da können Sie eine Menge lernen. ...


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chrisbo18
#13

Ich komme in meinem Beruf mit so manchem Wohlhabenden zusammen. Meiner Erfahrung nach sind die, die sich alles selbst erarbeitet haben oft sozialer und großzügiger als die, die alles in den Schoß gelegt bekamen. Rein subjektive Erfahrung!
Frau Bosch hingegen bestätigt mit ihrer Haltung die Regel.

Jedoch erfahre ich auch den Trend, dass sich die Klassen mehr und mehr gegenseitig aufwiegeln und sich imaginäre Wunden zuteilen, die sie sich dann gegenseitig lecken können. Wie gesagt, dies findet in "beiden" Klassen statt. (die Mittelklasse ist hier fast nicht vertreten)

Die Reichen bauen sich immer größere Festungen und der Mob wird immer wilder und brutaler. Siehe auch Altena. ["Hollstein wurde am Abend des 27. November 2017 gegen 20 Uhr in einem Dönerimbiss in Altena mit einem Messer angegriffen. Der 56-jährige Täter führte ein etwa 30 Zentimeter langes Messer gegen den Hals Hollsteins und verletzte diesen am Hals. Der Besitzer des Ladens und andere Passanten überwältigten den Täter. Der alkoholisierte Angreifer hatte sich lautstark abfällig über Hollsteins liberale Flüchtlingspolitik geäußert. Andreas Hollstein wurde mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, konnte aber bald darauf wieder entlassen werden. „Ich habe zupackende Menschen an meiner Seite gehabt und bin froh, dass ich noch lebe“, sagte Hollstein am gleichen Tag der Nachrichtenseite „Lokalstimme“." Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Andreas_Hollstein&oldid=171475821 (28. November 2017)]
Wenn wir so weitermachen, werden wir noch in einem offen ausgetragenen Klassenkampf enden und wenn man bedenkt, wer aus solchen Lagen heraus bisher immer profitierte, sollten wir uns schleunigst an eine offene Diskussion wagen!

Mauern, auf beiden Seiten, haben noch nie etwas sinnvolles hervorgebracht!


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kowaltschik
#17

"Ich halte das auch für die beste Antwort auf den grassierenden Rassismus: eine echte Durchmischung. "

Zwei Sätze weiter: "Und vielleicht war auch ein weißer Mann die falsche Figur dafür."

Was ist das nur für eine elende Doppelmoral. Immer das gleiche Spiel: Auf der einen Seite Antirassismus, Toleranz, Integration usw.
Auf der anderen Seite die weißen Männer.

Ich kann nich verstehen wie manche Leute solche abgrundtief sexistischen wie rassisitschen Aussagen tätigen können. Klärt mich mal jemand auf.


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Le Blanc
#17.1

Gibt es so etwas wie Autorassismus?

Ich frage mich, wie man es unter einen Hut bringt einerseits alte, weiße Männer zu verteufeln, andererseits das Leben das man hat "Bosch-Erbin" zu sehr großem Teil von eben genau so einem weißen, alten Mann finanziert bekommen zu haben.
Fraglich ist es auf jeden Fall ob man ein Studium in den USA und das Leben als freischaffende Künstlerin ebenfalls genießen kann, wenn man sich keines bequemen finanziellen Polsters sicher sein kann.


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diogenes70
#17.2

Ich kann nicht viel mit der Problematisierung des "alten, weißen Mannes" anfangen (ich halte diese meist für ein Totschlagargument). Jedoch hat Frau Bosch dieses Stereotyp nicht auf rassistische Art und Weise verwendet. Ihr ging es ja nicht darum, die Minderwertigkeit oder die Faulheit, Niederträchtigkeit etc. der weißen Männer herauszustellen. Stattdessen hat sie gesagt, dass ein weißer Mann (vielleicht) nicht das perfekte Maskottchen ist für eine pluralistische, weltoffene, diverse und bunte Agenda.


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Marybeth
#19

Reichtum wird oft als die Freiheit verstanden, sich all das anzuschaffen, was man gerne haben möchte. Tritt dies ein, erkennen viele, dass die erfüllten Träume viel schlimmer sind, als die unerfüllten und leben ein selbsgewähltes Leben in voller Bescheidenheit und Freiheit.


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m.schmidt67
#20 

Das mag alles Nobel sein und Chapeau für ihr Engagement, aber die Realität sieht doch anders aus. Der Großteil der Bevölkerung sagen wir mal der verbliebene Mittelstand zahlt, wenn man den Arbeitgeberanteil mitrechnet mehr als 50% seines Einkommens als Abgaben und Steuern in die Solidaritätsgesellschaft. Die Reichen und Superreichen beschäftigen Anwälte, die eine Zahlungsvermeidungspolitik betreiben, gefolgt von den Lobbyisten um genau ihre Wünsche wahrzunehmen und die Politiker sind ihre Erfüllungsgehilfen und erhalten dann Spenden, welche sie nicht angeben müssen oder erst ab einer gewissen höhen. Das ist das Bild das vorherrscht. Dass die dann mit dem ersparten Geld die schöneren Autos fahren und viele Häuser auf der Welt besitzen ist ja das Resultat davon.
Viele reiche Familien haben ihr Vermögen schon über Generationen aufgebaut und wie sie an diese Vermögen rangekommen sind wird kaum gesehen.
Wenn Menschen reich werden, geht das nur, wenn auf der anderen Seite Menschen und Ressourcen sind die man ausbeuten kann und an denen man sich bereichern kann.
Eine sinnvolle und gerechte Verteilung gibt es nicht. Wer hat den in den letzten 10 Jahren kaum Lohnerhöhungen erhalten? Wie ist das Niveau der Löhne in Deutschland und wer hat davon profitiert?

So schöne Weihnachten noch!


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weissk
#21

Es ist immer noch die Ansicht verbreitet, dass Politiker mit höheren Steuereinnahmen die soziale Sicherheit erhöhen.
In den letzten 12 Jahren sind die inflationsbereinigten Steuerzahlungen um 200 Milliarden € auf 730 Milliarden € jährlich gestiegen.
Dies hat die soziale Sicherheit nicht etwa gestärkt, sondern sogar vermindert. ...


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Verbal
#26 

Wenn ein Mensch, wie diese sympathische Dame, mit seinem Geld Gutes tut, finde ich das gut. Wenn reiche Menschen ihr Geld nutzen, ihre persönliche Weltanschauungen mit Hilfe ihres Vermögens "mehrheitsfähig" zu machen, finde ich das bezogen auf das demokratische System "systemisch" schlecht. Ein reicher Mensch hat durch sein Vermögen deutlich mehr Gestaltungsmacht und in welche Richtung er diese Gestaltungsmacht nutzt ist nicht demokratisch legitimiert. ...


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think-different
#26.2

@ #26.1 / NochNeMeinung

zitat: «Dieses Vermögen verdankt die Dame der Arbeitskraft hunderttausender Lohnarbeiter.»

die eben ihre arbeitskraft gegen lohn getauscht haben. so ist nunmal der deal.  ihr vermögen verdankt die dame dem erfindergeist und genie ihrer vorfahren, die ihre ideen zur marktreife gebracht haben und durch lohnarbeit in serie haben produzieren lassen - und im fall bosch vermutlich recht gut mit den lohnarbeitern umgegangen sind, im vergleich zu anderen industriellen.


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NochNeMeinung
#26.3

Die Ausbeutung besteht in der Differenz zwischen bezahlter Arbeit und dem Wert der Arbeitsleistung. Das ist das Wesen des Kapitalismus. Aber das werden Leute nicht verstehen, die dem Irrglauben anhängen, ihr Geld könne für sie arbeiten.


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think-different
#26.4

@ #26.3 / NochNeMeinung

zitat: «Die Ausbeutung besteht in der Differenz zwischen bezahlter Arbeit und dem Wert der Arbeitsleistung»

das ist keine ausbeutung, sondern die abgeltung von kapitaldienst, risiko und aufbau von rücklagen für investitionen oder wirtschaftlich schlechte zeiten.

oder um es vereinfacht auszudrücken: der arbeiter, der bei bmw kotflügel montiert wird mit seinem gehalt entlohnt (lebenszeit gegen geld). er trägt zwar mit dem montieren der kotflügel dazu bei, dass ein fertiges automobil entseht, trägt aber selbst weder risiko noch entwicklungsleistung, die beide dazu führen, dass er überhaupt kotflügel montieren kann/darf. der wert dieser arbeitsleistung ist also gering, da austauschbar. die arbeitsleistung anderer mitarbeiter (z.b. im bereich F+E) ist deutlich höher, weswegen hier auch andere gehalts- und bonistrukturen die entlohnung bestimmen.

aber das werden leute nicht verstehen, die dem irrglauben anhängen, dass ohne ideen, risiko, visonen und kapital arbeiter arbeit hätten.


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NochNeMeinung
#26.5 

Die "abgeltung von kapitaldienst" ist nichts anderes als Zinsen, deren Wesen nunmal darin besteht, dass man sie ohne Arbeitsleistung verdient, weil Geld selbst keine Werte schaffen kann. Könnte Geld heimlich arbeiten, würden wir alle im Bett bleiben und von dieser Arbeitskraft unter dem Kopfkissen leben.

Ein "risiko" in Form von Nägelkauen und Zähneklappern wegen der bösen Konkurrenz usw. schafft auch keinerlei Wirtschaftsgut, das sich nutzen ließe.

Die "entwicklungsleistung" ist selbstverständlich Arbeit, wird jedoch im Regelfall von keinem Kapitalisten erbracht, sondern von ebenfalls mit Lohn abgespeisten Ingenieuren, denen man damit auch noch ihr geistiges Eigentum wegnimmt.

Würden morgen sämtliche Aktionäre ihre Aktien verbrennen, wäre das für die Produktion völlig unerheblich; denn Tatsache ist, dass Aktionäre in der Wertschöpfungskette genau gar nichts leisten.


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cedebe
#52

Die Aussage zu der Heirat als Mittel des sozialen Aufstiegs empfand ich als sehr irritierend.

Dass heute mehrheitlich der Arzt die Ärztin heiratet, liegt doch daran, dass wir die strukturelle Diskriminierung der Frau in diesem Bereich überwunden haben, und der Partner heute nach Sympathie und Weltbild gewählt wird, und nicht nach Geldbörse und Kochkunst. ...




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M.Aurelius
#54

Steckt nicht hinter der Maßlosigkeit vieler Menschen, die im finanziellen Überfluss leben und dem Anspruchsdenken vieler Minderbemittelter eine sehr ähnliche Haltung? Das hinter Beidem stehende Problem scheint mir sehr viel mit der Zweckorientierung und Sinnentleerung dieser Gesellschaft zu un zu haben. Die einen kennen von allem nur den Preis, aber von nichts den Wert und die anderen müssen von allem den Preis kennen, um zu überleben. „Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.“ (Lucius Annaeus Seneca) Überall regiert ein tumbes "mehr desselben" und "weiter so". Aber diese Durchhalteparolen ersetzen eine Strategie genauso wenig wie Hoffnung. Das Desaster der Politik unserer Tage hat wenig mit politischen Fehlern und ihren mannigfaltigen Manifestationen zu tun, sondern viel mehr mit der Tatsache, dass von denen, die sich zu den Eliten, der politischen und gesellschaftlichen Führungsschicht rechnen, nicht einmal der Versuch unternommen wird, eine Vorstellung davon zu entwickeln, was diese Gesellschaft außer Wohlstand und einer Fortschreibung der existierenden Zustände will . Die Krone des Desasters ist das geistlose wie moralinsaure Geschwurbel zum Thema Leitkultur. "Moralisten sind Leute, die sich jedes Vergnügen versagen, außer jenem, sich in das Vergnügen anderer Leute einzumischen." (Bertrand Russell)




...




Aus: "Reiche Deutsche: "Der Kapitalismus schmeißt Geld nach ganz oben"" Interview: Marcus Gatzke und Lukas Koschnitzke (28. November 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-11/ise-bosch-reichtum-spd-ungleichheit/komplettansicht

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« Reply #675 on: November 30, 2017, 08:06:58 vorm. »
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[...] Der Beamtenbund lehnt die von der SPD wieder ins Gespräch gebrachte Bürgerversicherung ab. "Wir werden jedem Versuch entgegentreten, Versorgung und Rente, Beihilfe, PKV und gesetzliche Krankenversicherung in einen Topf zu werfen", sagte Beamtenbundchef Ulrich Silberbach. "Wer das bewährte eigenständige und verfassungsrechtlich verankerte Sicherungssystem der Beamten nachhaltig verschlechtern oder gar gänzlich auflösen will, überschreitet eine rote Linie."

... Die meisten Beamten sind privat versichert. Doch die hohen Beiträge der PKV zahlen sie nicht. Von ihren Dienstherren bekommen sie eine Beihilfe zwischen 50 und 80 Prozent für die Krankheitskosten.

Silberbach sagte: "Wir können die Funktionsfähigkeit unseres Staatswesens, deren Rückgrat nun einmal die Beamten mit ihrem besonderen und entsprechend alimentierten Pflicht- und Treueverhältnis sind, nicht auf dem Altar einer vermeintlichen sozialen Gerechtigkeit opfern."


Aus: "SPD-Vorschlag: Bürgerversicherung für Beamtenbund "eine rote Linie"" (30. November 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-11/beamtenbund-lehnt-spd-buergerversicherung-ab

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« Reply #676 on: Dezember 07, 2017, 07:21:54 vorm. »
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[...] Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wechselt gut ein halbes Jahr nach seiner Wahlniederlage in die Wirtschaft. Er werde als Unternehmensrepräsentant für die DHL-Gruppe in Brüssel arbeiten, sagte er. Im Januar werde er seine neue Stelle antreten. Albig führte von 2012 bis 2017 in Schleswig-Holstein eine Koalition aus SPD, Grünen und der Partei der dänischen Minderheit SSW. Die Landtagswahl im Mai 2017 verlor die SPD jedoch.  ... Bereits zu seiner aktiven Zeit als Politiker hatte der gebürtige Bremer einen späteren Berufswechsel nicht ausgeschlossen. "Es wäre kein dramatischer Bruch in meinem Leben, wenn nach der Frankfurter, der Berliner und der Kieler Zeit noch eine Tätigkeit in London, Chicago oder Buenos Aires stehen würde", sagte der SPD-Politiker Ende 2014.

...

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DailyWeb #17

Ein "sozialer" Politiker von der SPD als Lobbyist in der Logistikbranche, die ja gerade für ihre fairen Arbeitsbedingungen und guten Löhne bekannt ist. Das nenne ich mal eine feste politische Überzeugung.


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  Ad0rn0 #4

Ist das jetzt eigentlich neuer Standard, dass Politiker als Lobbyisten abgeworben werden?


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Tordenskjold #5

Albig hat seinen Rückzug aus der Politik erklärt. Jetzt arbeitet er. Er hätte auch sein Landtagsmandat wahrnehmen können. Hat er aber drauf verzichtet. Wo ist jetzt das Problem?
Wenn Beamte aus der Politik ausscheiden kehren sie oft zurück ins alte Beamtendasein. Darüber regt sich auch keiner auf.


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Blues Man #7

'Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wechselt gut ein halbes Jahr nach seiner Wahlniederlage in die Wirtschaft. Er werde als Unternehmensrepräsentant für die DHL-Gruppe in Brüssel arbeiten, sagte er.'

Das kann nur ein schlechter Scherz sein!

Sucht die SPD nicht gerade ihr Profil?
Und dann wechselt ein Ex-Ministerpräsident in die Wirtschaft?


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Gisbert Beaumarais #7.1

Herr Albig arbeitet doch für die DHL. Und die SPD ist eine Arbeiterpartei. Passt also alles...*

*Das ist ironisch gemeint


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TDU #8

Nichts dagegen. Aber bitte jetzt keine politischen SPD Parolen mehr, sondern die ausdrückliche Zustimmung zu Lohndrückerei und Stress durch knapp gehaltenes Personal. Lobbyist heisst ja, die Interessen der Branche bzw. deren Firmen zu vertreten.

Im Bereich hatten wir schon Birgit Fischer (Grüne) als Lobbyistin im Gesundheitswesen und Clement als Motor der Zeitarbeit. Von denen hat man dann nichts mehr gehört, sonst wärs auch peinlich gewesen.

Das ist das eigentlich Ärgerliche. Die Arbeit da, wo man als Politiker angeblich gegen war und damit auch dem Mittelstand geschadet hat. Aber wie sagt man beruhigend: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.


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Rantanplan 0 #8.1

Da fällt mir auch noch Marianne Tritz ( Grüne ), als jetzige Tabaklobbyistin, ein, oder Gazprom Gerd.


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siar1 #8.2

Koch, der in die Bauindustrie ging, die gerne öffentliche Aufträge annimmt.
Kohl, der für Kirch als Berater arbeitete, dem er das Privatfernsehen ermöglicht hatte.
Schmidt, der über seine Verlagsbeteiligung noch politischen Einfluss ausübte.

usw. usf.


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Tychus F1ndlay #9

Frau Kraft wird Aufsichtsrat bei RAG...


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bauer_schachmatt #10

"Torsten Albig wird DHL-Lobbyist."

die frage ist und bleibt, sind politiker bereits während ihres politikerdaseins so neutral in der bewertung und beurteilung wirtschaftlicher unternehmen, wie sie als - vom volke gewählte - sein müssten?
mittlerweile ist es ja gang und gebe, dass volksvertreter - nach ihrer amtszeit - in die privatwirtschaft abwandern.
es stinkt nach faulem fisch; und zwar ganz arg.
aber warum sollte man sich darüber aufregen?
sobald ein politiker abgewählt wurde, ist es ihm eh schnuppe, wie das volk über ihn denkt.


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prefec2 #10.3

Na dann treten sie doch in eine Partei ein und werden ein ehrbarer Politiker.


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Roberto Geissini #11

Unsere Spitzenpolitiker, so lieben wir sie!

Nach Ausscheiden aus der Politik sich noch schnell die Versilberung des Lebensabends sichern, bevor man bedeutungslos wird, da die "Connections" zu den Entscheidungsträgern nicht mehr aktuell sind.

Da reiht er sich in die Riege anderer "Größen" ein: Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Matthias Wissmann, Philipp Rösler, Roland Koch ...


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siar1 #11.2

Der Beste ist aber Niebel, der von der Entwicklungshilfe in die Rüstung wechselte.


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deDude #14

Das staatliche Versorungssystem kümmert sich auch nach der Politik noch um seine Leute. Wer keine Staatskanzlei haben kann, der soll wenigstens ein warmes Büro beim Staatskonzern bekommen ;-)


...


Aus: "Torsten Albig wird DHL-Lobbyist" (6. Dezember 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2017-12/dhl-torsten-albig-spd-wechsel-unternehmensrepraesentant

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« Reply #677 on: Dezember 13, 2017, 01:34:12 nachm. »
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[...] Arlie Hochschild: ... [Ich bemerkte] ..., dass ich in einer politischen Blase lebte. Ich war seit 30 Jahren Professorin für Soziologie im linksliberalen Berkeley, Kalifornien. Während alle um mich herum die gleichen Meinungen vertraten, wurde im Fernsehen oder in den Zeitungen ein ganz anderes Weltbild propagiert, mit dem ich nichts anfangen konnte. Ich wollte also aus meiner eigenen Blase raus, um eine ähnliche, aber politisch entgegengesetzte Blase zu finden. Ich wollte alle meine Vorurteile und moralischen Bedenken beiseitelegen und mir selbst erlauben, neugierig zu sein. Ich wollte Menschen treffen, die nach einer anderen Wahrheit lebten. Diese Suche führte mich in den Süden, nach Lake Charles, Louisiana. Mein erster Gedanke war: „Ich will in den Süden gehen, um mit den alten Weißen zu sprechen.“ Aber wohin genau? Ich sah mir also die Daten zur Präsidentschaftswahl 2012 genauer an. In Kalifornien sprach sich die Hälfte der weißen Wählerschaft für eine zweite Amtszeit Obamas aus. Im Süden, in den ehemaligen Konföderierten Staaten, war es dagegen nur ein Drittel; und in Louisiana mickrige 14 Prozent. Louisiana war also der Super-Süden. Ich war auch besessen davon, dem sogenannten Red-State-Paradox auf den Grund zu gehen. Red States, also Staaten, in denen die Mehrheit für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten stimmt, sind meist die ärmsten Staaten mit den schlechtesten öffentlichen Einrichtungen, der schlechtesten Gesundheitsversorgung und der niedrigsten Lebenserwartung. Obwohl sie mehr Bundesgelder in Form von Fördermitteln bekommen, als sie an Steuern einzahlen, findet man hier die größte Abneigung gegenüber Washington. In Louisiana finden wir eine Extremform dieses Phänomens. 2012 löste Louisiana Mississippi als ärmster Staat der USA ab. 44 Prozent des Staatsbudgets wurden von der US-Bundesregierung bereitgestellt. Trotzdem lebten dort überwältigend viele Tea-Party-Anhänger und später Donald-Trump-Wähler. Ich dachte mir: Das ist genau der Ort, wo ich hin muss. Ich möchte sehen, wo die Menschen zur Schule gegangen sind, wo ihre Eltern begraben liegen; ich möchte mit ihnen Angeln gehen und einfach in ihr Leben eintauchen.

Gibt es ihrer Meinung nach zu viele Menschen, die die Anliegen (und Stimmen) der Tea-Party-Anhänger und Trump-Wähler als sexistisch, rassistisch oder einfach nur als falsch abtun?

Ja, und das ist ein sehr großer Fehler. Es ist schlichtweg falsch, die Hälfte der Bevölkerung abzuschreiben, und das dann auch noch als großen, progressiven Akt zu verkaufen. Empathie ist unentbehrlich, wenn man andere Lebensweisen verstehen und echte Missstände beheben will. Ich bin der Meinung, dass die „Progressiven“ in diesem Land viel zu wenig Empathie gezeigt haben. Dabei sollte das ihre Priorität sein. Es ist sehr kontraproduktiv, Menschen, deren Meinung man nicht teilt, einfach als Rassisten, Trottel oder Rednecks abzustempeln. Genau diese Beleidigungen, diese Arroganz, haben die Menschen, die ich in Louisiana kennen lernte, zur Weißglut getrieben.

Empathie ist schon eine merkwürdige Sache. Als ich mit meinem Forschungsprojekt begann, bekam ich Kommentare wie „Oh, ich könnte mir niemals vorstellen, im Süden mit Anhängern der Tea Party zu sprechen. Das würde mich in den Wahnsinn treiben.“ Andere schienen sich Sorgen zu machen, ich würde vielleicht zur „anderen Seite“ überlaufen. War ich vielleicht insgeheim eine Rechte? Aber das ist schlichtweg eine falsche Auffassung von Empathie: Die Vorstellung, dass sie einen von Grund auf verändert, dass man darauf achten muss, nicht zu viel Empathie zu zeigen, da man sich sonst auf „den Feind“ einlässt. Viele denken auch, dass es sehr anstrengend seien muss, seine wirklichen Gefühle verstecken zu müssen. In meiner Erfahrung war jedoch genau das Gegenteil der Fall: Die Zeit in Louisiana hat meinen Horizont erweitert, ich empfand sie nicht im Geringsten als anstrengend.

Ich werde Ihnen ein Beispiel nennen. In Louisiana nahm ich an den Treffen des Republikanischen Frauenverbandes von Süd-West-Louisiana teil. Dort kam mit der Frau eines Pfingstkirchler-Pfarrers ins Gespräch. Sie war weiß, Mitte 40 und sagte zu mir: „Oh, ich liebe Rush Limbaugh.“ Limbaugh ist ein sehr konservativer, äußerst einflussreicher Radiomoderator, der extrem rechte Ansichten vertritt. Unter „normalen“ Umständen wechsle ich den Radiosender, wenn ich seine Stimme höre. Dieses Mal dachte ich jedoch: Moment mal, das ist eine günstige Gelegenheit. Daher sagte ich zu der Mitt-Vierzigerin: „Wie wäre es mit einer Verabredung zum Eistee morgen? Könnte ich mit Ihnen darüber sprechen?“ Sie willigte ein.

Am Tag darauf fragte ich, was genau sie an Limbaugh so liebe. Sie antwortete, dass sie es toll finde, wie er die „Feminazis“ (oder Feministinnen, wie ich eine bin) und „Öko-Spinner“ (wieder ich) fertigmacht. Ich verhielt mich neutral, machte Notizen, bis sie inne hielt und mich fragte: „War das gerade aufreibend für sie, sich anzuhören, was ich zu sagen hatte?“ Ich war überrascht, wie genau sie mich beobachtet hatte, und antwortete ehrlich: „Nein, ganz und gar nicht. Meine inneren Alarmglocken sind alle ausgeschaltet. Ich bin hier, um zu lernen und kann Ihnen gar nicht sagen, wie dankbar bin, dass Sie sich die Zeit für mich genommen haben.“ Darauf meinte sie: „Ich weiß, was Sie hier tun. Und wissen Sie was? Auch ich kann meine Alarmglocken abschalten.“ Das Gespräch wurde anschließend sehr persönlich. „Wissen Sie, was ich an Limbaugh wirklich schätze?“, fragte sie. „Er beschützt Arbeiter aus den Südstaaten wie mich vor den Beschimpfungen urbaner Akademiker wie Ihnen. Viele Demokraten würden mich für sexistisch, rassistisch und homophob halten. Für sie bin ich zu religiös, zu ungebildet und zu dick.“ Die Frau war überzeugt, dass Rush Limbaugh eine Art Schutzpatron für Menschen wie sie sei. Am spannendsten fand ich jedoch, dass sie meine Motivation nachvollziehen konnte. Sie verstand, warum ich zuhören und mich in sie hineinversetzen wollte.

... Ich entwickelte in meiner Arbeit als Soziologin den Begriff der „Deep Story“ (zu Deutsch etwa „tiefe Erzählung“). Wir alle haben eine solche Erzählung, egal ob wir uns links, rechts oder in der Mitte des politischen Spektrums verorten. Was ist eine Deep Story? Es ist schlicht und einfach eine Darstellung, wie sich das Leben für jemanden anfühlt. Fakten und moralische Urteile haben hier nichts zu suchen, es geht um das subjektive Empfinden. Ich sprach mit insgesamt 60 Menschen, 40 davon waren überzeugte Tea-Party-Anhänger. Ich entwarf für sie eine Deep Story und fragte jeden einzelnen: „Stimmt das so?“ Manche baten mich, etwas zu ändern, damit es stimmte, aber die meisten meinten bloß: „Ja.“

... Die Deep Story geht in etwa so: Du stehst in einer langen Schlange an wie bei einer Pilgerfahrt. Die Schlange führt einen Berg hinauf und auf dem Gipfel befindet sich der American Dream. Du wartest schon lange. Deine Beine sind müde. Du hast alles richtig gemacht, hast die Regeln beachtet und hart gearbeitet und glaubst, dass Du nun einen Anspruch auf den American Dream hast. Die Schlange bewegt sich jedoch nicht. Plötzlich siehst du, wie sich Leute vordrängeln. Es sind Schwarze, die jetzt Zugang zu Jobs haben, die früher Weißen vorbehalten waren. Schlimmer noch, es sind Frauen dabei, die heute „Männerjobs“ machen. Da sind Einwanderer und Flüchtlinge. Sogar der ölverschmierte Braunpelikan, der vom Aussterben bedroht ist, darf sich weit vor dir einreihen (Ich habe mehrere Menschen sagen hören: „Oh, den Linksliberalen sind Tiere wichtiger als Menschen.“). Und dann siehst du Obama, der den Vordränglern zuwinkt, sie sogar ermutigt. Gehört Obama nicht auch zu den Vordränglern? Wie sonst landete er in Harvard? In Columbia? Er ist immerhin der Sohn einer alleinerziehenden Mutter. Irgendetwas stimmt hier nicht. So kommt es, dass die Bundesregierung von diesen Menschen als Instrument ihrer Marginalisierung gesehen wird. In der Sprache der Deep Story drehen sich Leute vom Anfang der Schlange um und sagen: „Ihr rückständigen Rednecks.“

Viele Menschen sind zornig. Sie fühlten sich wie Fremde im eigenen Land. Daher auch der Titel meines Buches. Diese Menschen suchen nach jemanden, der sie wieder zurück auf den richtigen Pfad führt. Trump, mit seinen großen Versprechen und seinem Prunk, löste bei ihnen Begeisterung aus. Mit ihm würden sie den Gipfel erklimmen.

Was, glauben Sie, war das Hauptmotiv der Trump-Wähler? Viele Ihrer Gesprächspartner in „Fremd in ihrem Land“ äußerten den Wunsch, durch die politische Zugehörigkeit wieder Ehre und Stolz zu empfinden. Trump griff dieses Gefühl mit seinem Slogan „Make America Great Again“ auf. Der Spruch hatte etwas Übermütiges und ungewollt Komisches. Aber kann man ihn nicht auch als ernsthaften Versuch sehen, dem American Dream neues Leben einzuhauchen? War eine Stimme für Trump auch eine Stimme für ambitionierte gesellschaftliche Ziele? Für Größe, statt für ein bloßes „über die Runden kommen“?

Das haben Sie sehr schön gesagt. Die Ehre dieser Menschen ist angeschlagen. Ihre Arbeit erfüllt sie nicht mehr mit Stolz, weil sie nicht mehr das ist, was sie einmal war. Daher suchten sie Stolz in ihrer Heimat: „Ich bin stolz darauf, ein Südstaatler zu sein.“ Durch das Internet wurde ihnen jedoch zunehmend bewusst, wie sie von anderen gesehen werden. Ihr Herkunftsort ist also auch kein Grund mehr, stolz zu sein. „Dann sind wir eben stolz darauf, Christen zu sein.“ In einer immer säkularen Welt wird Religiosität jedoch mit falschen Ansichten über die Evolution und anderen schlechten Sachen verbunden. Manche denken sich wohl: „Naja, wenigstens bin ich weiß“, aber das ist rassistisch und daher inakzeptabel. Also der Gedanke: „Wenigstens bin ich ein Mann.“ Aber auch das wird stigmatisiert. Das sind die Regeln, die heute bestimmen, was man fühlen darf. Vielleicht könnten Werte die Grundlage der persönlichen Ehre bilden? Doch auch das geht nicht. Viele traditionelle Werte stehen im Konflikt mit nationalen Gesetzen, die Abtreibung ist heute legal, und auch die gleichgeschlechtliche Ehe. Die Menschen fühlen sich also aus verschiedenen Gründen marginalisiert, es gibt keinen einzelnen, bestimmenden Faktor. Als Ergebnis zeichnet sich jedoch eine Krise der Ehre ab. Daher ist „US-Amerikaner sein“ plötzlich ungemein wichtig geworden. Der neue Nationalismus füllt ein Vakuum des Stolzes.

In Ihrem Buch geht es auch um die Tatsache, dass rechte Politiker die Gefühle und Sorgen jener Menschen, auf die Sie in Louisiana trafen, für ihre politische Agenda ausnutzen. Nach der Trump-Wahl in den USA oder der Brexit-Wahl in Großbritannien kritisieren viele Beobachter die manipulative Rolle der Medien. Sie hätten mit den Ängsten der Leute gespielt und sie in einer Welle des Populismus mitgerissen. Ist das nicht eine trübe Sicht auf die Menschen? Fanden es ihre Gesprächspartner verletzend, ständig als dumm dargestellt zu werden?


Ich denke, es geht vor allem um Emotionen. Fox News bekräftigt und legitimiert die Gefühle dieser Menschen. Donald Trump war so etwas wie ein Antidepressivum. Hinter der Wut und den rassistischen Ausbrüchen verstecken sich nämlich bei vielen Menschen Gefühle von Trauer und Verlust. Viele in der amerikanischen Arbeiterklasse trauern vergangenen, besseren Zeiten nach. Es gibt einen starken Hunger nach Bestätigung. Schon Ronald Reagan schaffte es, dieses Gefühl mit seiner „New Morning in America“ (ein neuer Morgen in Amerika) Kampagne anzusprechen. Die heutigen Linksliberalen in der US-Politik begreifen das nicht, sie haben dafür kein Verständnis. Bei Männern aus der Arbeiterschicht gibt es eine enorme Zunahme von Depression, Suizid und Suchterkrankungen. Der Linken ist es bisher nicht gelungen, einen Zusammenhang zwischen diese erschreckenden Entwicklungen und der Politik herzustellen. Meiner Meinung nach liegt das daran, dass wir bisher den Gefühlen zu wenig Beachtung geschenkt haben.

Konnte Trump vor allem die Präsidentschaft gewinnen, weil Hillary Clinton von vielen verachtet wird? Weil sie es nicht geschafft hat, eine wirklich progressive Linie zu vertreten, die Substanz hat und die Menschen überzeugt? Sie verstehen sich selbst als Linke – denken Sie, dass die Tendenz vieler Linker, sich nicht mit rechten Ansichten zu befassen, zum Scheitern der Linken geführt hat? Stimmen deshalb viele Menschen, wie Sie sagen, gegen die eigenen ökonomischen Interessen?

... Hillary verkörperte in den Augen vieler einen zerstörerischen Neoliberalismus. Die ganzen transpazifischen Handelsabkommen wurden von vielen amerikanischen Fabrikarbeitern als wirtschaftliche Bedrohung gesehen. Hillarys Kombination aus Neoliberalismus und Identitätspolitik kam bei der Wählerschaft nicht gut an. Sie betonte oft: „Ich stehe für Transsexuelle, für Frauen und für Schwarze.“ Damit zählte sie nur Personengruppen auf, anstatt auf die Umstände einzugehen, die die Situation dieser Gruppen verschärfen. Hillary sprach die „gläserne Decke“ für berufstätige Frauen an, ein Thema, das uns schon seit den 1970er-Jahren beschäftigt. Über die Strukturen, innerhalb derer Männer und Frauen gleich seien sollen, verlor sie jedoch kein Wort. Überhaupt halte ich die Identitätspolitik für absolut kontraproduktiv. Hier auf dem Campus in Berkeley finden Sie den Philippinischen Unternehmerverband, gleich daneben ist die Samoanische Frauengruppe. Es ist wirklich bizarr. Es wird so viel Wert darauf gelegt, woher man kommt, anstatt darauf, was uns alle verbindet. Wir haben es hier also mit einem Paradox zu tun: Der Identitätspolitik geht es vorgeblich um Integration. Sie hat jedoch aus dem Blick verloren, in was für eine Gesellschaftdie Menschen integriert werden sollen. Hillarys Unbeliebtheit hatte also zwei wesentliche Gründe: Neoliberalismus und Identitätspolitik. Das hat sie nicht kapiert. Außerdem hat sie auf die Trump-Anhänger herabgeschaut. Sie bezeichnete die Hälfte von ihnen als „Erbärmliche“ (engl. „deplorables“). [...]

Wenn man weiße Arbeiter fragt, welche Faktoren ihre Wahlentscheidungen beeinflussen, sprechen sie meist materielle Probleme an. Es geht um Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne, abgehängte Regionen und ein schlechtes Bildungssystem. Trumps Versprechen, die Wirtschaft wieder auf Touren bringen und Jobs zu schaffen, klingen für diese Menschen viel attraktiver als Hillarys leere Schlagwörter. Ist das nicht ein wesentliches Problem der heutigen, bürgerlich geprägten US-Linken? Dass sie nicht versteht, dass Identität in einer handfesten Realität verankert sein muss, und nicht in der ständig fluktuierenden Identitätspolitik oder den Vorgaben der political Correctness?

Auf jeden Fall. Und dass sie nicht erkennt, dass auch die weiße Arbeiterklasse eine Identität hat, die für sie eine Quelle des Stolzes ist. Linksliberale müssen endlich zwei Dinge begreifen: Sie selbst sind die eigentlichen Fremden im eigenen Land. Und sie selbst sind zu einem gewissen Grad dafür verantwortlich. Wir Linken haben es versäumt, die Demokratische Partei zu einem Motor zu machen, der das Leben der breiten Masse verbessert. Natürlich hat die Demokratische Partei auch viel Positives bewirkt, etwa beim Mindestlohn oder dem Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Trotzdem hat sie viele wichtige Anliegen vernachlässigt. Ihre Rhetorik spricht viele Menschen einfach nicht an. Linke müssen endlich erkennen, dass sie sich selbst ins Abseits gestellt haben. Wir müssen aus unserer Ecke rauskommen und mit Menschen reden, die nicht einer Meinung mit uns sind.

Das ist wahrscheinlich einfacher, als viele denken. Als ich in Louisiana unterwegs war, traf ich viele Menschen, die meinten: „Oh Bernie Sanders. Der gute alte Onkel Bernie.“ „Was!?“, meinte ich überrascht. „Der gute alte Onkel Bernie? Toll! Das hätte ich von Tea-Party-Anhängern nicht erwartet. Ich dachte es ging darum, den Staat loszuwerden, anstatt ihn als Motor der Veränderung zu sehen.“ Was ich damit sagen will: Es gibt viele politische Gemeinsamkeiten, von denen wir gar nichts wissen, weil wir immer nur damit beschäftigt sind, die Nase zu rümpfen. [...]

Als ich mit meinen Recherchen in Louisiana begann, rechnete ich nicht damit, Gemeinsamkeiten mit den Rechten zu finden. Ich wurde jedoch eines Besseren belehrt. Einmal machte ich mit einem großen Trump-Anhänger einen Angelausflug. Er verbrachte seine Kindheit auf einer Zuckerplantage und hatte sein Leben lang in der Ölindustrie gearbeitet. Er sagte zu mir: „Wissen Sie was? Es ist wirklich an der Zeit, dass die Politik nicht mehr vom Geld dominiert wird.“ Ich musste an meine linken Freunde denken, die sich für eine Reform der Wahlkampffinanzierung einsetzen. „Außerdem müsste man daran arbeiten, die Zahl der Gefängnisinsassen zu reduzieren“, meinte er weiter. „Viel zu viele Leute stecken wegen kleinerer Drogendelikte im Gefängnis.“ Darauf meinte ich: „Wissen Sie was? Die Linksliberalen teilen diese Meinung. Lass uns doch einmal nachdenken, was wir dagegen tun können.“ Solche Gespräche ergeben sich, wenn man sich auf die andere Seite einlässt.

Es gibt wirklich viele Gemeinsamkeiten, aber wir müssen aktiv auf die Menschen zugehen und ihnen eine grundsätzlich bessere Politik anbieten. In den 1930er-Jahren wurde Louisiana von einem progressiven, sozialistischen Gouverneur, Huey Pierce Long Jr., regiert. Dieser versprach „ein Huhn in jedem Topf“ – also Wohlstand für alle, egal ob schwarz oder weiß. Auf meine Frage, wer der beste Gouverneur von Louisiana gewesen wäre, antwortete der Mann, mit dem ich angeln fuhr: „Oh, Huey Long.“ Die Linke hat so viel Boden verloren. ...


Aus dem Englischen übersetzt von Maria Mayböck. Dieser Artikel ist zuerst im britischen Novo-Partnermagazin Spiked erschienen.

"Fremd in ihrem Land: Eine Reise ins Herz der amerikanischen Rechten" Gebundene Ausgabe – 7. September 2017 von Arlie Russell Hochschild (Autor),‎ Ulrike Bischoff (Übersetzer)



Quote
kassandro
12. Dezember 2017 um 23:04

„Es ist sehr kontraproduktiv, Menschen, deren Meinung man nicht teilt, einfach als Rassisten, Trottel oder Rednecks abzustempeln.“ – Das ist ein Satz, den ich unterstütze, weil er den demokratischen Grundkonsens wiederherstellen könnte. Ich sehe aber momentan für so eine Einsicht keine Zukunft. Das wäre das Ende der "Political Correctness" und auf diese moralische Superiorität wird das linke Establishment erst nach einer vernichtenden Niederlage durch Trump oder einen anderen verzichten können.




Aus: "„Linke müssen erkennen, dass sie sich selbst ins Abseits gestellt haben“" (12.12.2017)
Quelle: https://www.ruhrbarone.de/linke-muessen-erkennen-dass-sie-sich-selbst-ins-abseits-gestellt-haben/149955

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« Reply #678 on: Dezember 14, 2017, 01:06:55 nachm. »
Quote
[...] BerlinDie Reichen werden immer reicher, die Armen bleiben arm. Mit dieser These seines Buches „Kapital im 21. Jahrhundert“ wurde der französische Ökonom Thomas Piketty vor drei Jahren weltberühmt und für seine Zuspitzung „Kapitalrendite schlägt Arbeitslohn“ von anderen Ökonomen heftig kritisiert. Jetzt legt er mit einer internationalen Forschergruppe nach: An diesem Donnerstag präsentieren er und sein Kollege Gabriel Zucman in Paris den „Welt-Ungleichheitsreport 2018“.

Mit dem Ergebnis: Die Ungleichheit zwischen reich und arm hat weltweit seit den 1980er-Jahren zugenommen. Überall sichert sich das reichste eine Prozent einen großen Teil des Nationaleinkommens; während der Anteil der ärmeren Bevölkerungshälfte sinkt.

Trotzdem ist Ungleichheit kein Schicksal, betonen die Ökonomen: „Es kommt auf die Politik und auf die Institutionen an.“ Denn die Staaten unterscheiden sich sehr stark darin, wie gut es den Reichsten gelingt, sich einen hohen Anteil am jeweiligen Nationaleinkommen zu sichern: Die reichsten zehn Prozent verfügten 2016 in Europa über 37 Prozent, in China über 41 Prozent, in USA und Kanada über 47 Prozent, in Indien über 55 Prozent, und im Mittleren Osten gar über 61 Prozent des nationalen Einkommens.

Der Ungleichheitsbericht wälzt Big Data: 19 Ökonomen und mehr als 100 Zuarbeitern trugen volkswirtschaftliche Daten über das Bruttoinlandsprodukt, Haushaltseinkommen, Einkommensteuern, Reichtums-Rankings und Sozialstudien seit Beginn des 20. Jahrhunderts zusammen. Sie versuchten, aus der schieren Masse Muster herauszulesen und der Frage nachzugehen, was Ungleichheit verstärkt und was Gleichheit fördert.

„Es kommt uns nicht darauf an, dass alle die gleiche Meinung zum Thema Ungleichheit teilen“, schreiben die Ökonomen. Wobei sie nicht verschweigen, dass sie selbst eine starke Zunahme von Ungleichheit klar negativ werten: Diese könne „Auslöser für politische, wirtschaftliche und soziale Katastrophen“ sein. Das Ziel des Reports ist jedenfalls ambitioniert: Die Ökonomen wollen die Faktenbasis liefern, auf der sich dann jeder seine Meinung bilden soll.

In den vielen Kurven und Balken finden sich durchaus auch ungewöhnliche Ergebnisse. Etwa für Deutschland: Die reichsten zehn Prozent verfügten 2013 über 40 Prozent des Einkommens – und das war auch schon 1913 so. Beim obersten einen Prozent sank der Anteil am Volkseinkommen sogar, von 18 auf 13 Prozent.

Dafür ist der Klub der Reichen sehr stabil: Vor allem die Familien, die den industriellen Mittelstand seit Ende des 19. Jahrhunderts bildeten, gehören konstant zur Oberschicht. Erst seit den 1980er Jahren schafften es höhere Angestellte und Manager, in diesen Club vorzustoßen. Die Sozialpolitik in Deutschland sorgte aber  seit der Weimarer Republik dafür, dass die höchsten Einkommen anders als in den USA nicht völlig abhoben. Erst seit 1995 stieg der Anteil des reichsten Prozents deutlich.

Eines zeigt die Studie überdeutlich: Europa und die USA unterscheiden sich erheblich bei der Verteilung des Wohlstands. In den USA sank der Anteil der ärmeren Bevölkerungshälfte am Nationaleinkommen von 22 Prozent im Jahr 1980 auf nur noch 13 Prozent 2015. Gleichzeitig stieg der Anteil des einen Top-Prozents der Einkommensbezieher von 11 auf 22 Prozent. In Westeuropa schaffte es der Anteil des reichsten Prozents dagegen nur von zehn auf zwölf Prozent. Der Anteil der ärmeren Bevölkerungshälfte sank relativ moderat von 24 auf 22 Prozent.

Bei der Entwicklung der Vermögen schreiben die Ökonomen, dass vor allem dort, wo der Wert öffentlicher Güter abnahm, etwa in den USA, der private Reichtum besonders zulegte. Das stützt ihren Befund, dass die Ungleichheit dort weniger zunimmt, wo öffentliche Schulen den Kindern ärmerer Familien den Aufstieg durch Bildung ermöglichen. Und für Regierungen, die eine Zunahme der Ungleichheit nicht tatenlos hinnehmen wollen, empfehlen sie ein stark progressives Steuersystem. Seit Ende der 1970er-Jahre bis zur Finanzkrise hätten Steuerreformen vor allem die Spitzensteuersätze abgebaut. In jenen Industriestaaten, in denen das stark geschah, sei die Ungleichheit am stärksten gestiegen. Neben Bildung empfehlen Piketty und Kollegen zudem, dass auch die Zugänge zu den gut bezahlten Jobs für Absolventen aus ärmeren Familien verbessert werden müssten: Das berühmte Vitamin B verhindere, dass allein die Leistung für den Aufstieg zähle.

Dass es den Autoren nicht wirklich allein um die Aufbereitung von Fakten geht, zeigt auch ihr Plädoyer für eine Politik gegen wachsende Ungleichheit: Wenn alles so weiter laufe, dann werde bis 2050 die globale Mittelschicht von ihrem  Anteil von 30 Prozent am Wohlstand weitere zehn Prozent an die Reichsten verlieren: Regierungen sollten dem Modell des europäischen Sozialstaats folgen, empfehlen Piketty und Co.

Quote
Herr Heinz Keizer 14.12.2017, 12:03 Uhr


Studie von umstrittenem Ökonom : Die wirtschaftliche Ungleichheit auf der Welt geht zurück
Aktualisiert am 14.12.2017-10:47
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/ungleichheits-studie-deutschland-eben-nicht-so-ungleich-wie-vor-100-jahren-15340369.html


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Herr Marcel Europaeer 14.12.2017, 10:56 Uhr

Ungleichheit ist kein Schicksal; sie ist eine Tatsache.

Kein Mensch auf der Welt gleicht in seinen Fähigkeiten, seinen Ansichten und seiner Lebensplanung exakt einem anderen.

Zum Problem wird Ungleichheit dann, wenn sie zur Ungerechtigkeit wird. Und zum Problem wird eine extreme Schieflage der Eigentumsverhältnisse dann, wenn Reichtum mit jeder Menge politischem Einfluss gleich gesetzt wird.

Ich empfinde es als ungerecht, wenn ein Teil der Menschen 10% ihres Einkommens in das Gesundheitssystem investieren müssen; viele andere 1% oder 0,1%.
Ich empfinde es als ungerecht, wenn Menschen trotz Vollzeitarbeit nicht ein halbwegs durchschnittliches Leben führen können.
Ich empfinde es als ungerecht, wenn auf Mieteinnahmen oder auf Spekulationsgewinne keine Sozialabgaben zu bezahlen sind.
Ich empfinde es als ungerecht, wenn intelligente Kinder aus prekären Verhältnissen schlechtere Lebenschancen haben, als weniger intelligente aus "gutem Haus".

Man kann politisch eine Menge für mehr Gerechtigkeit und ausgeglichene Lebenschancen machen. Daran haben diejenigen, die bereits auf der Sonnenseite des Lebens stehen und dies auch an ihren Nachwuchs vererben wollen, im Regelfall kein Interesse. Da diese "Glücklichen" deutlich in der Minderheit sind, sollte das in einer Demokratie eigentlich kein Problem sein.


Quote
Herr J.-Fr. Pella 14.12.2017, 10:29 Uhr

Niemand ist so arm, dass er nicht etwas abgeben könnte, und
niemand so reich, dass er nicht noch ein bisschen mehr Geld gebrauchen könnte.
Zitat: Jacob Fugger


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Herr Sir Alex 14.12.2017, 10:05 Uhr

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article127643658/Unser-Geldsystem-ist-Sozialismus-fuer-Reiche.html
Sehr interessant.

Fazit: Reich zu werden ist sehr schwer. Wenn du ne Million hast,dann hast du es eigentlich geschafft. Mit Zinseszins. Das Problem ist die erste Million. Die Eintrittsbarriere ist halt sehr hoch. Darunter bist du Zinssklave! Darüber bist du Nutznießer dieses System. Die reiche Klasse profitiert und will das System natürlich nicht abschaffen. Die armen raffen es nicht. So einfach!!


Quote
Herr Chris Koeh 14.12.2017, 09:20 Uhr

"Jahrhundertungleichheit in Deutschland" ist einfach falsch:
Wie im Artikel beschrieben sind in Europa 37% Vermögen in 1% Reichsten Hand - weltweit sieht es da also für Europa und auch für Deutschland noch sehr freundlich aus.
Wenn Sie die Verantwortung berücksichtigen - nehmen wir einmal Frau Klatten als eine der Reichsten Deutschlands - dann sieht die Welt schon anders aus. Diese Menschen müssen sich um ihre Unternehmen KÜMMERN, das ist Arbeit. Viele sind da "hineingeboren" und hatten keine Wahl. Sie können sich vielleicht alles leisten, haben aber wie viele andere auch mit vielen Problemen zu kämpfen.
Nehmen Sie dagegen einen Menschen, der sich mit wenigem begnügt, vielleicht wie ein Einsiedler lebt, eine einfache, enthaltsame Lebensweise liebt, dann kann er durchaus zufriedener und glücklicher sein, als die 1% Reichsten - ich persönlich kenne keinen der 1% Reichsten - aber ich kenne 3 die zwar keine Schulden aber doch ein Einkommen UNTER Hartz 4 haben und kein Hartz 4 beziehen - sie erscheinen mir zumindest zufrieden zu sein - sie genießen den Tag und kümmern sich um wenig - ganz wie Franz von Assi! Auch das geht - im reichen Deutschland.
Ein jeder ist seines Glückes Schmied!!!!
Und in Deutschland mit den vielen sozialen Hilfsangeboten und Untersützungen wird keiner alleine gelassen - außer er will es.


...


Aus: "Thomas Piketty: Was in der neuen Studie des Star-Ökonomen steht" Donata Riedel (14.12.2017)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/thomas-piketty-was-in-der-neuen-studie-des-star-oekonomen-steht/20708734.html

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« Reply #679 on: Dezember 16, 2017, 08:17:21 nachm. »
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[...] Deutschland ist heute so ungleich wie vor 100 Jahren. So interpretierte am Donnerstag die Süddeutsche Zeitung http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einkommensverteilung-deutschland-ist-so-ungleich-wie-vor-jahren-1.3791457 eine umfassende Studie zur Einkommensverteilung in der Welt, die das Zeug dazu hat, künftig eine wichtige, feste Größe in der Debatte um Steuergerechtigkeit, Globalisierung und Einkommensverteilung zu werden.

Die Interpretation der SZ ist zumindest gehörig übertrieben, doch die Wucht der Daten gewaltig: Die Studie stammt von einer Gruppe von Ökonomen um Lucas Cancel von der Paris School of Economics und Thomas Piketty, der mit seinem Bestseller „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von 2013 weltberühmt wurde – weil er anhand weltweiter Daten aufzeigte, dass von der globalisierten Wirtschaft fast ausschließlich die reichsten 10 Prozent profitieren.

An der Arbeit jetzt waren mehr als 100 Wissenschaftler beteiligt, die verwendeten Rohdaten sind alle online verfügbar. Wohl auch, um bei dem politisch heiklen Thema „Umverteilung“ allzu plumper Kritiker vorzubeugen: Wer die Ergebnisse anzweifelt, soll nicht pöbeln, sondern muss und kann gefälligst selbst nachrechnen.

Die Ergebnisse für Deutschland bieten genug Stoff für abendfüllende Talkshows, besonders eine Zahl: Die 10 Prozent Spitzenverdiener in Deutschland bekommen heute 40 Prozent des Gesamteinkommens und so war das schon vor mehr als 100 Jahren, 1913. Geht es bei uns also so ungleich zu wie damals?

Das sicher nicht, denn bei den ausgewerteten Daten handelt es sich um Vorsteuereinkommen aus Arbeit und Kapital. Der Spitzensteuersatz lag in einigen Teilen Deutschlands in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg bei 5 Prozent, heute liegt er bei 42 Prozent. Auch die Sozialleistungen durch das Renten- und Grundsicherungssystem sind nicht eingerechnet in die Einkommen.

Allerdings sind andere Daten schlicht nicht verfügbar, sagt Charlotte Bartels, die am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung die Studie für Deutschland verfasst hat. Tatsächliche Einkommen sind nur über Haushaltsbefragungen zu ermitteln, und da macht das obere 1 Prozent der Bevölkerung nicht mit. Das Vorsteuereinkommen sei deshalb ein transparentes Konzept, um zu ermitteln, wie der Markt Einkommen verteilte.

Auch DIW-Chef Marcel Fratzscher spricht von einem „besseren Maß der Chancengleichheit“. So werde gezeigt, wie sich das, was die Menschen aus ihrer eigenen Hände Arbeit generieren, verteilt. „Hier stellt sich heraus, dass die Ungleichheit in Deutschland fast so groß ist wie in den USA. Erst nach Umverteilung, also durch Eingriff des Staates, steht Deutschland besser da“, schreibt er der taz.

In Deutschland lässt sich so zeigen, dass seit Anfang der nuller Jahre die unteren Einkommensschichten immer weniger Anteil am Gesamteinkommen erzielen. Wohl gemerkt bedeutet das nicht, dass sie absolut weniger verdienen, sondern relativ zu besser verdienenden schlechter abschneiden. Ob das an den Hartz-IV-Reformen liegt, haben die Ökonomen nicht untersucht – wohl aber, dass der Trend „Hand in Hand geht mit dem Wachstum des Niedriglohnsektors“.

Dazu kommt eine Entwicklung, die in Deutschland, aber auch weltweit zu beobachten ist: Immer weniger Kapital liegt in öffentlicher Hand, weil seit 1980 „riesige Mengen an öffentlichem Vermögen in private Hände transferiert wurden“, wie die Autoren schreiben. Das ist das Ergebnis der großen Privatisierungswelle seit den 80er Jahren.

Dadurch verringere sich der Spielraum von Staaten, der Ungleichheit entgegenzuwirken, heißt es in dem Bericht. Zwischen Westeuropa und den USA gibt es seit den 80er Jahren allerdings auch signifikante Unterschiede, beide Zonen haben sich fundamental unterschiedlich entwickelt. Tatsächlich ist Westeuropa von allen Weltregionen die mit der ausgeglichensten Einkommensverteilung.

1980 waren die Einkommen in den USA verteilt wie in Europa, seitdem hat sich der Anteil des reichsten einen Prozents am Gesamteinkommen in den USA verdoppelt – auf 20 Prozent. In Westeuropa stieg er nur leicht auf 12 Prozent an.

Die Ökonomen gehen so weit, dass sie davor warnen, das US-Modell zu übernehmen. Sollte der Trend generell so weitergehen wie bisher, werde die Mittelschicht weltweit „zerquetscht“, heißt es in dem Report. Die obersten 0,1 Prozent würden dann im Jahr 2050 mehr besitzen als die gesamte Mittelschicht.

Würde sich die Einkommensverteilung bis 2050 weltweit so entwickeln wie in Westeuropa im Schnitt der letzten 20 Jahren, dann würde die Schere zwischen Arm und Reich weltweit sich sogar wieder zu schließen beginnen. Das Durchschnittseinkommen der ärmeren Hälfte der Menschheit würde dann 2050 bei 9.100 Dollar liegen. Sollte das Wachstumsmodell der USA Pate stehen, betrüge es lediglich 4.500 Dollar. Die jüngste Steuerreform von Donald Trump, die vor allem Spitzenverdiener entlastet, dürfte die Umverteilung von unten nach oben noch weiter beschleunigen.

Das Pariser „World Inequality Lab“ um Piketty, an dem die Studie verfasst wurde, warnt vor dieser Entwicklung – und versteht sich auch als Gegengewicht der dominanten angloamerikanischen Chicagoer Schule, auf deren marktradikale Theorien viele neoliberale Reformen der letzten Jahrzehnte zurückgehen, inklusive der Politik der Notenbanken.

Die Pariser Schule schlägt eigentlich längst bekannte Maßnahmen vor, um der globalen Ungleichheit zu begegnen: Höhere Einkommen müssten auch mit höheren Steuern belastet werden, Erbschaften höher besteuert werden. So sei die Ungleichheit in Schwellenländern ohne Erbschaftssteuer besonders hoch. Sie fordern ein weltweites Finanzregister, um Steuerflucht zu bekämpfen. Außerdem freien Zugang zu Bildung, höhere öffentliche Investitionen in Bildung, Gesundheit und Umweltschutz.

Man wolle keinen gesellschaftlichen Konsens zum Thema Ungleichheit herstellen, schreiben die Autoren: „Dazu wird es niemals kommen, einfach weil es kein wissenschaftlich erwiesenes Idealmaß an Ungleichheit gibt.“


Aus: "Bericht zu weltweiter Ungleichheit: Tiefe transatlantische Spaltung" Ingo Arzt (14.12. 2017)
Quelle: http://www.taz.de/Bericht-zu-weltweiter-Ungleichheit/!5467859/

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« Reply #680 on: Dezember 20, 2017, 12:08:35 nachm. »
Quote
[...] Nutzfahrzeugbauer hatten ein Kartell gebildet ... Das Kartell von Daimler, Iveco, DAF, Volvo/Renault sowie MAN war schon 2011 aufgedeckt worden. Die EU-Kommission hatte im  Jahr 2016 Geldstrafen gegen vier der Lkw-Hersteller in Höhe von 3,8 Milliarden Euro verhängt. Die VW-Tochter MAN kam als Kronzeuge straffrei davon.

Quote
zappp

Die meisten privaten, kleinen und mittelständischer Opfer derartiger Kartelle, Bestechtungen oder Abgasbetrügereien ohne eigene Rechtsabteilung, externe Firmenanwälte, Budget und Durchhaltevermögen dafür bleiben auf ihrem Schaden sitzen. ...



Aus: "Bahn verklagt Lkw-Hersteller wegen Preis-Kartell" (20. Dezember 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-12/lkw-kartell-deutsche-bahn-bundeswehr-klage-daimler-man

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« Reply #681 on: Dezember 26, 2017, 11:53:12 vorm. »
Quote
[...] Lust auf einen limitierten Lamborghini? Oder einen McLaren ohne Lieferzeiten? Wenn die offiziellen Händler passen müssen, kann das Team von Fusion Luxury Motors helfen und Träume wahr werden lassen. ... Mitten in diesem gesichtslosen Gewerbegebiet betreibt Yoel Wazana hier eine Art Motor-Märchenland und inszeniert sich als Wagenmeister der Hollywood-Society.

... Mehr als 50 Sport- und Luxusautos, Exoten und Oldtimer hat seine Firma Fusion Luxury Motors in einem piekfeinen Showroom auf Lager, und die Stars gehen bei ihm ein und aus, erzählt Verkaufschef Steve Feldman. So hat er zum Beispiel einen nicht unwesentlichen Anteil am faszinierenden Fuhrpark das ehemaligen Boxweltmeisters Floyd Mayweather.

Egal ob Ferrari Enzo, Bugatti Veyron oder ein Koenigsegg – all diese PS-Preziosen hat der Sportler bei einer Stippvisite in der Nordhoff Street gekauft und sich dann in seine klimatisierte Garage nach Las Vegas bringen lassen.

... Der Box-Champion schaut angeblich regelmäßig vorbei und kauft sich mal eben einen millionenschweren Supersportwagen wie andere ein Paar Turnschuhe; die meisten Kunden bekommt Feldman aber gar nicht zu Gesicht, denn ein Großteil des Geschäfts läuft mittlerweile über das Internet.

„Kunden aus dem ganzen Land browsen durch unser Inventar und kaufen blind“, sagt der Luxusautohändler und erzählt von immer mehr Anfragen, die ihn auch aus dem Ausland erreichen. Vor allem die Europäer wissen mittlerweile, dass es in Kalifornien wenig Regen, kein Salz und kaum Rost gibt. Und sie wissen auch, dass Fusion eine gute Adresse für alles Exotische ist, ganz gleich ob Rennwagen oder Serienauto, Neuheit oder Oldtimer.

... Ein knappes Dutzend Autos verkauft Feldman im Monat, und viele davon an dieselben Kunden. „Manche von denen wechseln ihre Sportwagen wie wir unsere Jacke“, sagt der Autohändler und freut sich über das angenehme Geschäftsklima in Hollywood. So hat er zum Beispiel einen Deal über 4,2 Millionen Dollar eingetütet und einem Sammler einen McLaren P1, einen Porsche 918 und einen seltenen Ferrari verkauft. „So viel haben wir an einem Tag noch nie umgesetzt.“

Da kann man im Gegenzug auch schon mal eine Kröte schlucken. Denn immer wieder muss Feldman einen Wagen in Zahlung nehmen, den er so schnell nicht wieder loswird. Ein Auto wie den silbernen Rolls-Royce Ghost zum Beispiel, der ihm schon länger in der Ausstellung den Platz wegnimmt und so langsam zum Staubfänger wird. „In einer Stadt wie Los Angeles ist das einfach nichts Besonderes“, klagt Feldman über den Golf des reichen Mannes.

...


Aus: "Der Autodealer von Box-Star Floyd Mayweather" Benjamin Bessinger (25.12.2017)
Quelle: https://www.welt.de/motor/petrolheads/article171831595/Fusion-Luxury-Motors-Autodealer-von-Floyd-Mayweather.html


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« Reply #682 on: Dezember 27, 2017, 07:30:12 nachm. »
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Das Vermögen der 500 wohlhabendsten Menschen der Welt ist in diesem Jahr um knapp eine Billion US-Dollar gewachsen. Insgesamt besitzen sie derzeit 5,3 Billionen US-Dollar (etwa 4,5 Billionen Euro), wie die US-Nachrichtenagentur Bloomberg mitteilte. Vor einem Jahr waren es 4,4 Billionen US-Dollar (circa 3,7 Billionen Euro) gewesen.

Die Reichsten der Reichen konnten ihr Vermögen demnach um 23 Prozent vermehren. Dieser Anstieg sei viermal so hoch wie 2016, berichtete Bloomberg. Das Vermögen der 500 Wohlhabendsten sei durchschnittlich täglich um 2,7 Milliarden US-Dollar (knapp 2,3 Milliarden Euro) gewachsen.

Die Daten stammen aus dem Bloomberg Billionaires Index, einem Ranking der vermögendsten Menschen der Welt. An der Spitze steht Amazon-Gründer Jeff Bezos mit einem Vermögen von derzeit 99,6 Milliarden US-Dollar (etwa 83,7 Milliarden Euro). Dahinter kommen Bill Gates, Gründer von Microsoft, und der US-Investor Warren Buffett.

Die meisten Reichen im Ranking stammen aus den USA: Die 159 verzeichneten amerikanischen Milliardäre vergrößerten in diesem Jahr ihr Vermögen um 315 Milliarden US-Dollar (knapp 265 Milliarden Euro). Bezos allein gewann 34,2 Milliarden US-Dollar (etwa 28,7 Milliarden Euro) dazu.

Die größten Vermögensgewinne konnten den Informationen zufolge hingegen Milliardäre aus China verzeichnen. Das Vermögen der 38 im Index aufgeführten Chinesen wuchs dieses Jahr um 177 Milliarden US-Dollar (knapp 149 Milliarden Euro). Das entspricht einem Anstieg von 65 Prozent. Der Fall von Xu Jiayin, Gründer des Immobilienunternehmens China Evergrande Group, sticht heraus: Jiayins Vermögen vergrößerte sich im Vergleich zum vergangenen Jahr um 25,9 Milliarden US-Dollar (etwa 21,8 Milliarden Euro) – oder um 350 Prozent.

Durchschnittlich profitierten die Milliardäre der Technologiebranche am meisten. Allerdings gibt es laut dem Ranking auch Verlierer. So verringerte sich das Vermögen von 58 der 500 Milliardäre um insgesamt 46 Milliarden US-Dollar (etwa 38,6 Milliarden Euro).


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Daniel Löw #1

Gut, dann tröpfelt auch 23% mehr Geld auf uns niedere Schichten herab.


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Ein Leben ohne FDP ist möglich aber nutzlos #2

Ich befürchte, dass jetzt wieder die große Neiddebatte ausbricht. Das diese Menschen aber hunderttausende Arbeitsplätze schaffen, unsere Gesellschaft mit nützlichen Produkten versorgen und dabei auch noch Innovationskraft sind, wird dabei gerne übersehen.
Deshalb gilt ihnen mein Dank und Respekt. Jeder Cent ist verdient!


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   General Schlüssel #11

Ach, dahin geht das Geld das die Notenbanken drucken also? Erstaunlich, wer hätte das gedacht.


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HeinoWins #32

Das freut mich aber für die Superreichen!



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Nachbohrer #21 

Na das ist ja sehr schön für unsere Superreichen. Und allen Trickle Down Befürwortern zufolge kommt dieser Reichtum dann ja auch bald am anderen Ende der Einkommensskala an, an dem z.B. immer mehr staatlich durchaus gewollte Solo-Selbstständige oftmals nicht mehr wissen wie sie die nächste Krankenversicherungsrate bezahlen sollen:

"Verschuldung durch Krankenkassenbeiträge"  Helmut Lorscheid (27. Dezember 2017)
Selbständige Geringverdiener müssen bis zu 50 Prozent ihres Einkommens für überhöhte Krankenversicherungsbeiträge zahlen und häufen dadurch einen Schuldenberg auf
https://www.heise.de/tp/features/Verschuldung-durch-Krankenkassenbeitraege-3927977.html?seite=all

Tolles System in dem wir da leben. Chapeau.


...


Aus: "Bloomberg Billionaires Index: Die Reichsten sind 23 Prozent reicher geworden" (27. Dezember 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-12/bloomberg-billionaires-index-reichste-500-vermoegen-steigerung

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« Reply #683 on: Januar 02, 2018, 03:46:12 nachm. »
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[...] Wer die ehemalige Unternehmerin Kathleen O'Neill in ihrem neuen Zuhause besuchen will, fährt von San Francisco 90 Minuten ins Landesinnere – und kommt in eine andere Welt. Der Highway wird zuerst vier-, dann drei-, dann zweispurig; die grünen Hügel verfärben sich erst gelb, dann braun. Dazwischen Güllesilos, Lagerhallen und Fast-Food-Ketten. Elf Abfahrten führen nach Stockton; die Stadt liegt flach und ausgestreckt da, wie das Central Valley selbst.

Unter einem der Autobahnkreuze wohnt Kathleen O'Neill – es ist eine Adresse, die sie nicht gern nennt. Hier säumen Zelte die Straße, Bretter und Decken schützen vor Wind und neugierigen Blicken. Qualm steigt auf, eine alte Frau kocht Wasser auf offener Flamme. Neben dem Lager steht ein überfülltes Obdachlosenheim.

"Vor Jahren hätte ich noch gedacht: 'Obdachlose? Das sind doch die Drogenabhängigen, die sich gehen lassen. Kann mir nicht passieren.'" O’Neill sitzt auf einer Bank, über ihr brettern Trucks mit Gemüse und Pendlern in Richtung Bay Area und Vans voller Touristen in die Gegenrichtung, zum Yosemite-Nationalpark. Wer hier nicht abfahren muss, fährt auch nicht ab. O’Neill aber blieb nichts anderes übrig.

Die 49-Jährige würde in einem Touristen-Van nicht auffallen, in einem deutschen Supermarkt auch nicht. Hier schon. Die blonden Haare hat sie mit einer Sonnenbrille zurückgeschoben, sie wirkt aufmerksam und unverbraucht. "Jeder Mensch ist sieben Schritte von der Obdachlosigkeit entfernt", sagt O'Neill – ein Satz, den man in Stockton häufig hört. "Mein neunjähriger Sohn und ich waren lange nur eine Essensmarke vom Hunger entfernt, eine Monatsmiete von der Obdachlosigkeit. Und trotzdem war ich schockiert und beschämt, als wir hier im August vor der Tür standen." O'Neill wuchs in der Küstenstadt Santa Cruz auf, ihre Eltern waren obere Mittelklasse, wie sie sagt. Ihr erster Mann war Konzertpianist, mit dem zweiten leitete sie eine Spedition.

"Ich habe immer hart gearbeitet und glaubte, das würde sich auszahlen", sagt O’Neill. Als sie in ihrem Job als Krankenpflegerin einem Patienten helfen wollte, zog sie sich eine schwere Verletzung der Wirbelsäule zu. Kathleen O'Neill verlor ihre Arbeit. Ihrem Sohn und ihr selbst blieben Lebensmittelmarken und 535 US-Dollar Sozialhilfe pro Monat – viel zu wenig, um die Miete in Stockton zu zahlen. Die Vermieterin kündigte ihnen, und sie landeten hier: im größten Obdachlosenheim Nordkaliforniens, das täglich größer wird.

"Hier kommen immer öfter Leute wie Kathleen an", sagt Mitarbeiterin Kimberly Maxwell. "Unsere 400 Stockbetten sind längst belegt." Hunderte weitere Menschen schlafen Schulter an Schulter auf dem Fußboden der Aufenthaltsräume. Viele der Obdachlosen, sagt Maxwell, führen morgens vom Heim aus zur Arbeit, "wo sie nicht mehr genug verdienen, um die Mieten in Stockton zu bezahlen".

Manche Bewohner nennen Stockton die "Far Far East Bay" – als hofften sie, dass Ruhm und Reichtum der San Francisco Bay Area auf die Stadt abfärben könnten. Dabei ist es andersherum: Die Nähe zum Silicon Valley schadet Stockton. Junge IT-Ingenieure mit Jahreseinkommen jenseits der 100.000 Dollar treiben die Mieten in der San Francisco Bay Area in die Höhe. Familien und Nicht-Techies werden verdrängt und ziehen ins Central Valley – zum Beispiel nach Stockton, wo sie mit ihren Pendlergehältern eine zweite Gentrifizierungswelle auslösen. Die Mieten in Stockton steigen jedes Jahr um zehn Prozent, so schnell wie in kaum einer anderen Stadt der USA.

Die Einheimischen sind schlecht darauf vorbereitet: Im Durchschnitt verdient hier jeder 23.000 Dollar pro Jahr, nicht einmal halb so viel wie ein durchschnittlicher Einwohner von San Francisco. Jeder Sechste ist arbeitslos, jeder Vierte lebt unterhalb der Armutsgrenze. Viele Stocktonians, wie sie sich nennen, tragen ihre Schulden aus der Finanzkrise noch immer mit sich herum.

Eine Meile vom Autobahnkreuz entfernt schwingt sich Bürgermeister Michael Tubbs in einen Mahagonisessel. "Wir wollen nicht länger vom Erfolg abgeschnitten sein", sagt er. "Bei aller Liebe zu Technologie und Effizienz: Das Silicon Valley sollte keine neuen Probleme schaffen." Als Tubbs noch zur Highschool ging, kürte das Forbes-Magazin seine Heimatstadt Stockton erstmals zum "elendsten Ort der USA". Das war 2008. Die Immobilienblase war gerade geplatzt und viele Häuser wurden zwangsvollstreckt; die Insolvenz der Stadt stand kurz bevor. Ein Jahrzehnt später ist Tubbs Bürgermeister von Stockton: als erster Afroamerikaner vor Ort und als jüngster Bürgermeister einer US-Großstadt. Und Forbes – das Magazin mit der Elendsliste – ernennt den 27-Jährigen zu einem der 30 Hoffnungsträger unter 30 Jahren in den USA.

"Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich zurückkommen würde – und gar als Bürgermeister – hätte ich ihn ausgelacht", sagt Tubbs. "Ich liebte meine Stadt, aber ich hatte nichts gegen eine Fernbeziehung." Er wuchs im Arbeiterviertel Nightingale auf; seine Mutter war noch ein Teenager, als er klein war; sein Vater im Gefängnis. 

Tubbs' Geschichte erinnert die Menschen in Stockton daran, dass es den Amerikanischen Traum noch gibt. Nicht für sie, aber für einen von ihnen, einen von 315.000. Ihm gelang, was wenige hier schaffen: Tubbs machte seinen Master an der Elite-Universität Stanford, er absolvierte ein Praktikum bei Google und eines im Weißen Haus unter Barack Obama.

Doch eines Tages erhielt er in Washington D.C. einen Anruf aus der alten Heimat: Sein Cousin war auf einer Party in Stockton getötet worden. "Als ich für die Beerdigung zurückkam, wurde mir klar, dass es jedes Jahr noch 50 anderen Familien in Stockton so geht wie uns." Seit den Achtzigerjahren werden jedes Jahr Dutzende Menschen in Stockton ermordet, überwiegend junge Afroamerikaner im Süden der Stadt. "Plötzlich wurde mir klar, dass ich mein Glück nicht nur für meine eigene Karriere nutzen sollte, sondern für etwas Größeres." Michael Tubbs blieb.

So ungewöhnlich wie seine Lebensgeschichte sind auch seine Ideen. Mit privaten Fördermitteln will Michael Tubbs ab Herbst 2018 hundert zufällig ausgewählten Familien in Stockton ein bedingungsloses Grundeinkommen von 500 Dollar pro Monat zahlen, drei Jahre lang – unabhängig davon, ob sie einen Job haben oder Sozialhilfe empfangen. Sein Traum wäre es, wenn die Auserwählten in Stockton eigene Unternehmen gründeten und daraus ein wirtschaftlicher Aufschwung entstünde. Im Unterschied zur Sozialhilfe in den USA wäre dieses Grundeinkommen nicht an bestimmte Restriktionen gebunden. Wer Geld dazuverdienen möchte, der darf dies unbegrenzt tun.

Unterstützung für seine Idee bekommt der Bürgermeister aus dem Silicon Valley, das für Stocktons Probleme mitverantwortlich ist. "Wenn hier Zwanzigjährige Millionen verdienen, während dort Menschen sich trotz lebenslanger Arbeit verschulden müssen, stimmt doch etwas mit unserem System nicht", sagt Taylor Jo Isenberg. Sie ist Geschäftsführerin des Economic Security Project aus San Francisco, einer Initiative des Facebook-Mitbegründers Chris Hughes. Der 34-Jährige zählt mit einem Reinvermögen von 430 Millionen US-Dollar laut Forbes zu den reichsten Unternehmern der USA. Mit einem kleinen Teil seines Geldes sowie Spenden von anderen Mäzenen unterstützt Hughes insgesamt 35 Grundeinkommensprojekte mit insgesamt 10 Millionen Dollar – für das Projekt in Stockton gab er eine Million.

Hughes' Grundgedanke: Automatisierung und Globalisierung werden zu Massenarbeitslosigkeit führen, Innovationen im Bereich der künstlichen Intelligenz wie selbstfahrende Autos werden die Entwicklung noch verstärken. Ein Grundeinkommen könnte die Folgen abdämpfen. Ob und wie es sich im größeren Maßstab umsetzen lässt, soll unter anderem das Projekt in Stockton zeigen.

Aber kann man sich langfristig auf das schlechte Gewissen der Tech-Unternehmer verlassen – darauf, dass sie die Folgen ihrer disruptiven Technologien freiwillig abmildern werden? Oder sollte man IT-Firmen zu Abgaben verpflichten, Frau Isenberg? "Sorry, dazu haben wir keine offizielle Meinung."

Grundeinkommen ist nicht gleich Grundeinkommen. Die Befürworter vertreten die unterschiedlichsten Ideologien – von Konservativen und Libertären, die das bestehende Sozialsystem ersetzen wollen, bis zum linken Spektrum, das das Grundeinkommen ausschließlich durch zusätzliche Steuereinnahmen finanzieren will. Chris Hughes gehört zu Letzteren. Er schließt sich Bill Gates' Forderung nach einer Robotersteuer an; über sie würden Unternehmen, die Arbeiter durch Roboter ersetzen, einen Ausgleich für die verlorenen Arbeitsplätze an den Staat zahlen. Allerdings ist auch dieser Ansatz umstritten: Kritiker mahnen, soziale Ungleichheit ließe sich effektiver bekämpfen, wenn das Geld in den Ausbau des bestehenden Sozialsystems gesteckt werde, um Bedürftige gezielt zu erreichen und Inflation zu vermeiden.

Doch was machen 500 Dollar im Leben von Bedürftigen tatsächlich aus? Wissen sie, was am besten für sie ist oder brauchen sie Regeln und Anleitungen? Und führt das Geld wirklich zu mehr Unternehmertum oder legen sich die Beglückten auf die faule Haut?

Benjamin Saffold, der jahrelang in Kathleen O'Neills Obdachlosenheim unter dem Autobahnkreuz gearbeitet hat, ist skeptisch: "Für viele Bewohner dort wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen ohne Beratung eine schlechte Idee. Wer drogenabhängig ist, wird es für noch mehr Drogen ausgeben. Andere haben schlicht nicht gelernt, richtig mit Geld umzugehen." Bürgermeister Tubbs hält dagegen: "Unser Projekt soll zeigen, dass die meisten Menschen weise Entscheidungen treffen, wenn sie eine Chance bekommen."

In Stockton leben die Experten für diese Fragen dort, wo Bürgermeister Michael Tubbs aufgewachsen ist: Wer den Dr. Martin Luther King Boulevard herunterfährt und in die Mariposa Road abbiegt, kommt ins Arbeiterviertel Nightingale. Je weiter nach Norden und Westen man kommt, desto reicher und weißer wird Stockton – Nightingale liegt am entgegengesetzten Ende der Stadt, ganz im Südosten. Bauzäune schirmen jede noch so kleine Hütte ab. Im Radio läuft Werbung für Agenturen, die die Kreditlinie verbessern oder Schecks noch vor der Ausstellung auszahlen – Dienstleistungen für die Verzweifelten, zu horrenden Gebühren. Die Straßen sind leer, nur aus dem Waschsalon und dem Family-Dollar-Laden kommt hin und wieder ein Mensch.

"500 Dollar? Jeden Monat? Für drei Jahre? Woaaah!" Charles George schiebt sein Fahrrad den Bürgersteig hinunter. Er freut sich, in der Stadtwüste jemanden zum Reden gefunden zu haben. "Dann müsste ich ernsthaft auskundschaften, wer das Geld am dringendsten braucht. Wie ein Weihnachtsmann würde ich bei ihnen auftauchen und ein Segen für sie sein." – "Charles, die Sponsoren im Silicon Valley meinen, sie hätten die Leute schon gefunden, die das Geld am dringendsten brauchen: Sie alle hier in Stockton. Was würden Sie selbst mit dem Geld machen?" – "Pfff, ich überlebe." Dabei könnte George das Geld gebrauchen: Der 62-jährige lebt von Sozialhilfe und kommt damit gerade so zurecht.

Eine Nachbarin und ihr Neffe kommen hinzu: Was würden sie mit 500 Dollar tun? Sie würde ihre Nichten und Neffen mit Schuhen ausstatten, sagt die Nachbarin. Der Junge wünscht sich "Möbel, damit ich mich zu Hause hinsetzen kann".

"So viel Aufhebens um ein Projekt, das 100 Menschen in einer 315.000-Einwohner-Stadt unterstützt", sagt Benjamin Saffold. Der 52-Jährige sieht sich als Aktivist, der die Lokalpolitik beobachtet und Rechenschaft fordert. Das Grundeinkommen von Bürgermeister Tubbs sei, "als wolle man mit einem halben Glas Wasser den Durst von Tausend Menschen in der Wüste stillen", sagt er. An den großen Problemen in Stockton aber, der schlechten Bezahlung, den hohen Mieten, an Drogenabhängigkeit und Waffengewalt, ändere es nichts.

Er möge Michael Tubbs sehr, beeilt sich Saffold zu sagen, während er Richtung Rathaus schlendert. Er sei Mitglied der gleichen Kirchengemeinde wie seine Familie und kenne ihn von Kindesbeinen an. Doch er befürchtet, dass Tubbs das dreijährige Projekt lediglich als Aushängeschild für sich nutzen will, um weiter Karriere zu machen. "Am Ende seiner Amtszeit bleibt Stockton high and dry zurück, ohne Anschlussprojekt oder nachhaltigen Nutzen."

Saffold ist mit seiner Kritik nicht allein. Die ehemalige Vize-Bürgermeisterin, Ratsfrau Christina Fugazi, beklagt die hohen Ausgaben des Bürgermeisters, der zugleich aus Kostengründen eine Bücherei im armen Ostteil der Stadt geschlossen hält und ein Förderprogramm für benachteiligte Jugendliche gekürzt hat.

Doch die Stocktonians neigen nicht zum Lamentieren. Wer einen (auch noch so bescheidenen) Job und ein (noch so kleines) Dach über dem Kopf hat, bezeichnet sich schon als Mittelklasse. Dabei sind viele der Arbeiter bitterarm. "Eines der Hauptprobleme sind die Big Boxes", sagt Serena Williams. So nennt sie die Fastfood- und Ladenketten, die Angestellte zum lokalen Mindestlohn von 10,50 Dollar (8,90 Euro) beschäftigen – fast ausschließlich in Teilzeit und mit so unregelmäßigen, kurzfristig geplanten Schichten, dass sie sich schwer mit einem Zweitjob oder Familienleben vereinbaren lassen.

Wer wie Williams früher 25 Wochenstunden arbeitet, kommt damit auf knapp über 1.000 Dollar brutto; schon die Miete für ihre Einzimmerwohnung kostet mehr. Mit 36 Jahren muss sich Williams deshalb noch immer von ihrer Mutter unterstützen lassen, bei der auch ihre beiden Kinder wohnen, weil ihre Wohnung so winzig ist.

Williams würde das Grundeinkommen nutzen, um ihr Studium zu beenden, das sie aus Geldnot abgebrochen hat, und um ein Kunstzentrum für Jugendliche zu gründen. Doch durch Geld alleine lässt sich Armut nicht beheben, glaubt sie: Sie vererbe sich über Generationen hinweg. Es grämt Williams, dass auch sie ihren Kindern so vieles nicht bieten kann – keinen Vater, wenig Zeit und kein gemeinsames Zuhause. Als ihre Tochter 14 Jahre alt war, schmetterte sie ihr entgegen: "Ich will nie so werden wie du!" Serena Williams lächelte nur müde. "Gut. Dann habe ich immerhin etwas erreicht."

Auch Kathleen O'Neill hofft, ihrem Sohn eines Tages wieder eine Wohnung bieten zu können – egal, ob durch ein größzügigeres Sozialsystem, einen höheren Mindestlohn, niedrigere Mieten oder ein Grundeinkommen. Doch ihr ist klar: Ihre Chancen, für das Projekt des Bürgermeisters ausgewählt zu werden, sind kaum größer, als im Lotto zu gewinnen.

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Dr. Who #1

Und wieder eine die dachte harte Arbeit würde sich auszahlen. ...


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Wir brauchen ein Europa der 28 Geschwindigkeiten #1.2

Wer hart arbeitet macht etwas falsch.
Begabte Kapitalisten lassen arbeiten ;-)


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ameliebott #1.8

... Steinzeitkapitalisten kennen keine Notsituationen anderer Menschen!


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Karl Lauer #16

"Wenn hier Zwanzigjährige Millionen verdienen, während dort Menschen sich trotz lebenslanger Arbeit verschulden müssen, stimmt doch etwas mit unserem System nicht", sagt Taylor Jo Isenberg.

Wenn für die Allgemeinheit ein Anstieg von Armut und Obdachlosigkeit zu verzeichnen ist, während gallopierende Gewinne immer mehr Geld in die Hände einiger Weniger spülen, dann bedeutet das nicht, dass mit dem System etwas nicht stimmt, sondern dass das System funktioniert wie vorgesehen.


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Sekaria #21

Die Idee ist nicht falsch. In der Science Fiction gibt es solche Ansätze. Raumschiff Enterprise beispielsweise, dort bekommen die Föderationsmitglieder ein Grundeinkommen. Wer etwas werden oder repräsentieren möchte, der muss sich bemühen und bekommt entsprechend mehr materielle Leistung. Leistungsanreiz also durch berufliche und persönliche Perspektiven anstatt durch Not oder Notwendigkeit.

Eine russische Verfilmung (Dark Planet - Prisoners of Power) präsentiert als Ausgangspunkt eine ähnliche Idee, wendet sich aber dann dem Thema Diktatur und politische Balance zu.

Frage: Was geschieht mit allen Menschen, die heute noch lohnabhängig sind, aber deren "Arbeit" künftig automatisiert durch Maschinen erledigt wird. Wie werden die ernährt? Kommen brutal-zynische Vorschläge: wir brauchen mehr Kriege, das reduziert die Bevölkerung? ...


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derdasschreibt #32

Das sind doch wieder Zustände wie im Mittelalter: der Adel lebt in den Palästen in Saus und Braus und das arme Volk lebt vor den Toren der Stadt im Dreck. Wenn der Adel gelegentlich ein schlechtes Gewissen bekommt, verschenkt er ein paar Silberlinge und fühlt sich dann gleich besser.
Irgendwann aber setzt der Gärungsprozess ein und wenn die kritische Masse erreicht ist, kommt der Aufstand. ...


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Arnd-Matthias Langner #32.1

Ich halte Ihre Anspielung auf die Zeiten vor der französischen Revolution für historisch gewagt. Der "Adel" der Bay Area verbringt seine Tage nun nicht gerade steuerbefreit zwischen Rebhuhnjagd und Oper, auf Kosten des steuerzahlenden Bürgertums.

Dieser Adel entwickelt z.B. die technischen Grundlagen für all die vielen Dinge, von denen der Durchschnittsbürger nicht genug bekommen kann, von Smartphones bis zu den (putziger Neologismus) App genannten Gimmick-Progrämmchen, die darauf laufen, schicken E-Autos, neue Betriebssysteme, die technischen Grundlagen von Netflix, Spotify, Amazon Shops,... alles was Mensch von heute für unverzichtbar hält ... und ist gegenüber dem Adel von früher abzüglich aller Transferleistungen Netto-.Steuerzahler und bestreitet seinen Lebensunterhalt selber.

Im vorrevolutionären Frankreich fanden intellektuelle Leistungen vielfach im dritten Stand, dem Bürgertum statt - in der von ihnen zitierten gärenden Masse? Ob die auch nur in einigen Sätzen kurz CDMA erläutern können, während die vor dem Apple Store Schlange nach den Ingenierleistungen des "Adels" stehen?


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Democratius #45

""Wenn hier Zwanzigjährige Millionen verdienen, während dort Menschen sich trotz lebenslanger Arbeit verschulden müssen, stimmt doch etwas mit unserem System nicht", sagt Taylor Jo Isenberg."

Das ist der Punkt.


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Kunigunde53 #46

""Wenn hier Zwanzigjährige Millionen verdienen, während dort Menschen sich trotz lebenslanger Arbeit verschulden müssen, stimmt doch etwas mit unserem System nicht", sagt Taylor Jo Isenberg. "
Wer im Kommentarbereich dieser wunderbaren Zeitung darauf hinweist, dass parallel dazu zwei Amis (Bezos und Gates) mehr als die Hälfte aller Werte der USA zusammengerafft haben, und dass zur Armut der Vielen da zwangsläufig ein Zusammenhang besteht, wird wird mit Häme überzogen und der Vermutung konfrontiert, man habe einen an der (linksradikalen) Waffel.

Wie haben die das nur hinbekommen?


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Ansewez #55

Ich muss ende Januar beruflich wiedereinmal nach Stockton. Dann kann ich das Ganze wieder live erleben.
In meinen Augen sollten die ganzen Silicon Valley Firmen steuerlich viel mehr in die Pflicht genommen werden.


...



Aus: "Kalifornien: Unter den Brücken von Stockton"  Christina Felschen, Stockton (2. Januar 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-12/grundeinkommen-usa-silicon-valley-armut-bekaempfung/komplettansicht

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« Reply #684 on: Januar 11, 2018, 11:54:05 vorm. »
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[...] Ein US-Pensionsfonds, der in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt war, klagt gegen das Bundeszentralamt für Steuern. Das berichtet DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe. Der Fonds namens KK Law Firm Retirement Plan Trust besteht auf einer Auszahlung von 28 Millionen Euro. Die Klage kommt zu einer Zeit, in der mittlerweile mehrere Staatsanwaltschaften wegen der Cum-Ex-Geschäfte ermitteln und gegen einige der Beteiligten bereits Anklage erhoben wurde.

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Dräsdn #1.1

Dämme der Schamlosigkeit sind gebrochen ...


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2.Juni #1.6

Was ist eigentlich aus den Panama-Papers geworden?
Schweigen im Walde.


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Adresseveloren #1.7

Wo ist beim dem Artikel das Problem?
Es wurde ein Antrag auf Zahlung gestellt, der Antrag wurde abgelehnt, gegen die Ablehnung wurde Einspruch eingelegt und jetzt wird geklagt.
Köln wird sich wohl dem FG Frankfurt anschließen und dann geht das zum BFH. Der BFH wird die Urteile wohl absegnen. Denn die Anspruchsgrundlage ist unbrauchbar.


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Dräsdn #2

Dem einfachen Volk wird ja gerne neuerdings Schamlosigkeit vorgeworfen. Zu recht. Aber ich glaube sie ist nicht minder in den höheren Schichten vertreten.



Aus: "Steuerräuber verklagen den Staat" (18. Oktober 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-10/cum-ex-skandal-us-pensionsfonds-finanzgericht-koeln



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[...] HAMBURG afp | Der Steuerskandal um sogenannte Cum-Ex-Geschäfte hat laut einem Medienbericht weit größere Ausmaße als bislang bekannt. Staatsanwälte und Steuerfahnder gingen mittlerweile in 417 Fällen gegen Banken, Anwälte und Finanzunternehmen vor, berichteten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Angaben des Bundesfinanzministeriums. Im Herbst vergangenen Jahres war demnach noch von rund 260 Fällen die Rede gewesen.

In den nun untersuchten Fällen geht es dem Bericht zufolge um einen mutmaßlichen Betrug am deutschen Staat in Höhe von 5,3 Milliarden Euro. Ein vom Bundestag eingesetzter Untersuchungsausschuss sei im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis gekommen, dass der Schaden bei unter einer Milliarde Euro liege.

Diese Zahl korrigierte das Bundesfinanzministerium nun laut NDR, WDR und SZ deutlich nach oben. Geldinstitute und deren Partner hätten nach Ansicht der Ermittler den Fiskus jahrelang und systematisch getäuscht, um hohe Gewinne auf Kosten der Steuerkassen zu machen.

Bei Cum-Ex-Geschäften kaufen und verkaufen Banken unmittelbar um einen Dividendenstichtag herum in Leerverkäufen Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch und lassen sich eine nur einmal gezahlte Kapitalertragssteuer von den Finanzämtern mehrmals erstatten. Das Steuerschlupfloch wurde für inländische Banken 2007 geschlossen, für ausländische erst 2012.

Von den 5,3 Milliarden Euro, die laut Finanzministerium als Betrugsschaden im Raum stehen, haben die Finanzämter dem Bericht zufolge bislang 2,4 Milliarden Euro erfolgreich zurückgefordert, beziehungsweise bei frühzeitigem Verdacht haben sie die geforderten Summen gar nicht erst erstattet.

Aus Ermittlerkreisen heißt es laut NDR, WDR und SZ, der Skandal werde sich voraussichtlich sogar noch ausweiten. Bekannt ist bislang, dass gegen Banken aus dem In- und Ausland ermittelt wird. Einige Banken haben bereits hohe Steuerrückzahlungen geleistet.


Aus: "Cum-Ex-Steuerbetrug von Banken: Geschätzter Schaden verfünffacht sich" (11.1.2018)
Quelle: https://www.taz.de/Cum-Ex-Steuerbetrug-von-Banken/!5476604/

« Last Edit: Januar 11, 2018, 12:01:02 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #685 on: Januar 17, 2018, 10:43:02 vorm. »
Quote
[...] New York – Ist ein Unternehmer allein seinen Aktionären und vielleicht noch seinen Mitarbeitern gegenüber verantwortlich, oder trifft ihn eine Verpflichtung, auf das Wohlergehen der Gesellschaft als Ganzes zu achten? Mit einem erstaunlichen Aufruf hat sich am Dienstag Larry Fink, der Chef des Vermögensverwalters Blackrock, in diese Debatte eingeschaltet. In einem offenen Brief ruft Fink Firmenbosse weltweit dazu auf, sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst zu werden und zu stellen. Er schreibt von der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und einer bedrohlichen Polarisierung vieler Gesellschaften. Millionen von Menschen würden mit ihrem Einkommen kaum noch über die Runden kommen. Eine Folge der stagnierenden oder sinkenden Löhne werde sein, dass Menschen im Alter zunehmend in die Armut abrutschen werden. Implizit warnt der Blackrock-Chef davor, Investitionen aus Konzernen abzuziehen, die nicht zeigen, wie sie gegen die erwähnten negativen Trends vorgehen und "welchen positiven Beitrag sie zur Gesellschaft leisten". Ob das nur eine PR-wirksame Drohung ist oder Fink die Sache ernst meint, wird sich zeigen. Sicher ist, dass seine Stimme Gewicht hat. Blackrock ist der mit Abstand größte Asset-Manager der Welt. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen 6,28 Billionen US-Dollar (5,1 Billionen Euro) im Auftrag seiner Kunden in Unternehmen investiert. Der Fokus von Blackrock liegt in der Vermögensverwaltung für US-Kunden, das Unternehmen ist aber auch in Europa aktiv. An der deutschen Börse ist Blackrock zum Beispiel der größte Einzelinvestor.

Fink schreibt aber nicht nur über soziale Polarisierung. "Eine Reihe von Regierungen verabsäumen es, ihre Staaten für die Zukunft vorzubereiten", beklagt er sich, etwa wenn es darum geht, mit den Auswirkungen der zunehmende Automatisierung fertigzuwerden. "Infolgedessen wendet sich die Gesellschaft zunehmend an den privaten Sektor und fordert Unternehmen auf, sich größeren gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen", so Fink, der sich jedes Jahr einmal in einem offenen Brief an Unternehmen wendet, in die Blackrock investiert hat. "Unternehmen müssen allen ihren Interessengruppen, einschließlich der Aktionäre, Mitarbeiter, Kunden und der Gemeinschaften, in denen sie tätig sind, zugutekommen." Finks Brief reiht sich in eine Reihe von Wortmeldungen von Investoren und Unternehmen ein, die vor der sozialen Spaltung in den USA und einer Rückkehr zum Feudalismus warnen. Im Sommer ließ Ray Dalio, Chef von Bridgewater Associates, einem der größten Hedgefonds der Welt, mit der Aussage aufhorchen, dass die soziale Kluft ähnlich bedrohliche Ausmaße wie in den 1930er-Jahren erreicht habe. Der Internetmilliardär Nick Hanauer argumentiert ähnlich. Vor wenigen Wochen schaltetet sich Abigail Disney, Enkelin von einem der Disney-Gründer, in die Debatte um die Steuerreform ein und warnte davor, dass die Steuerentlastung in den USA 2018 vor allem Reichen auf Kosten der restlichen Gesellschaft zugutekommen wird. (szi, 17.1.2018)

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Bel Ami, 17.1.2018

ausgerechnet von blackrock kommt das? friert gerade die hölle zu?


...


Aus: "Das Kapital entdeckt sein soziales Gewissen" (17.01.2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000072437959/Blackrock-Chef-fordert-mehr-soziale-Verantwortung-von-Firmen

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« Reply #686 on: Januar 19, 2018, 02:45:37 nachm. »
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[...] Ich kam irgendwann an einen Scheidepunkt in meinem Leben: Ich stellte fest, dass ich zu lange zu viel schlechten und zu wenig guten Kaffee getrunken habe.  ... Während ich also so schlürfte, stellte ich mir existenzielle Fragen: Wieso habe ich mich so lange mit dieser Frechheit zufrieden gegeben, die hierzulande einige Kaffee nennen? Wieso ist er in Italien so gut? Kann ich mir nicht selbst ebenso köstlichen Kaffee zubereiten? Und falls ja: wie? Damals wusste ich noch nicht, auf welche Reise mich diese Fragen schicken würden. Ich fand heraus, dass ich nicht alleine auf der Suche nach exzellentem Kaffee war. Einige Menschen im Freundeskreis haben mich sofort verstanden. Ein Freund berichtete mir etwa von seiner Technik, Kaffee langsam über einen Handfilter aufzubrühen. Wer das richtig macht und viel Wert auf die Qualität des Kaffees legt, bekommt tolle Ergebnisse, nicht vergleichbar mit der Pfütze, die oft durch alte Filtermaschinen in die Tasse kommt. ...


Aus: "Meine Zeit ist mir zu schade für schlechten Kaffee" Till Eckert (18. Januar 2018)
Quelle: https://ze.tt/meine-zeit-ist-mir-zu-schade-fuer-schlechten-kaffee/

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[...] Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel: Binnen zehn Jahren hat sich die Zahl der Rentner verdoppelt, die aus Geldnot bei den Tafeln in Deutschland für Essen anstehen müssen! Die Sozialverbände sind alarmiert, fordern eine sofortige Reform des gesamten Alterssicherungssystems.

„Fast jeder vierte Tafel-Kunde ist mittlerweile Rentner. Das sind in etwa 350.000 Menschen“, so Jochen Brühl, Vorsitzender des Dachverbands der 934 Tafeln in Deutschland, zur NOZ. 2007 waren noch 12,3 Prozent der Bedürftigen Senioren, jetzt sind im Bundesschnitt schon 23 Prozent der rund 1,5 Millionen regelmäßigen Tafel-Kunden Rentner – Tendenz steigend. ... Und in Berlin? „Dieses Jahr kamen 27 bis 28 Prozent unserer Kunden aufgrund zu geringer Rente oder als Grundsicherungs-Empfänger zu uns, weil sie von von ihrem Geld einfach nicht leben können“, so Antje Trölsch, Geschäftsführerin der Berliner Tafel, zur B.Z. ...


Aus: "Altersarmut: Immer mehr Rentnern bleibt nur die Tafel" Boris Dombrowski (30. Dezember 2017)
Quelle: https://www.bz-berlin.de/berlin/altersarmut-immer-mehr-rentnern-bleibt-nur-die-tafel

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« Reply #687 on: Januar 22, 2018, 09:57:33 vorm. »
Quote
[...] Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besitzt laut einem Oxfam-Bericht mehr Vermögen als die anderen 99 Prozent zusammen. Und die Zahl der Milliardäre steigt weiter.

Die Schere zwischen Reich und Arm geht weltweit immer weiter auseinander. Dieser Trend hat sich nach Berechnungen der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam im vergangenen Jahr in unvermindertem Tempo fortgesetzt. 82 Prozent des 2017 neu erwirtschafteten Vermögens sind demnach an das reichste Prozent der Weltbevölkerung geflossen, heißt es im Bericht „Reward Work, not Wealth“ (übersetzt: Belohnt Arbeit, nicht Vermögen), den Oxfam kurz vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgelegt hat.

Demnach besitzt das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr Vermögen als die anderen 99 Prozent zusammen. 2002 habe der Anteil bei 43 Prozent gelegen. Diese Entwicklung wird, so Oxfam, auch nicht dadurch gebremst, dass die Einkommen in China, in anderen Ländern Asiens und in Lateinamerika stärker wachsen als in den reichsten Ländern. Die Zahl der Milliardäre sei 2017 so stark angestiegen wie nie zuvor – auf den Rekordwert von 2043 Superreichen. Alle zwei Tage sei ein neuer Milliardär dazu gekommen. 762 Milliarden Dollar haben sie dem Bericht zufolge 2017 zusätzlich angehäuft.

Jörn Kalinski, Kampagnenleiter bei Oxfam Deutschland räumt zwar ein, dass die Zahl der weltweit absolut Armen, die von weniger als 1,90 Dollar pro Tag leben müssen, auf etwa 700 Millionen gesunken ist. „Das ist uneingeschränkt gut. Aber gleichzeitig lebt die Hälfte der Weltbevölkerung von nur zwei bis zehn Dollar am Tag“. Umgekehrt wird es an der Spitze der Vermögenspyramide immer absurder. „In nur vier Tagen verdient ein Vorstandsvorsitzender von einem der fünf größten Modekonzerne der Welt so viel wie eine Näherin in Bangladesch in ihrem ganzen Leben“, heißt es bei Oxfam.

Gleichzeitig würden sich die Reichen durch Steuertricks jährlich um Zahlungen an die öffentliche Hand von rund 200 Milliarden Dollar drücken. Mindestens 7,6 Billionen Dollar hätten sie in Steueroasen versteckt. Entwicklungsländer entgingen durch diese Praktiken von Konzernen und Privatpersonen mindestens 170 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen. Zum Vergleich: Die weltweite Entwicklungshilfe liegt bei jährlich etwa 145 Milliarden Dollar. In Deutschland verliere der Staat bis zu 17 Milliarden Dollar (umgerechnet 13,9 Milliarden Euro).

Auch hierzulande nimmt die Ungleichheit dem Bericht zufolge zu. Das Vermögen des reichsten Prozents der Bevölkerung sei 2017 um 22 Prozent gewachsen, das der ärmeren Hälfte nur um drei Prozent. „Um das Jahreseinkommen eines Vorstandsvorsitzenden eines Dax-Konzerns zu verdienen“, so Kalinski, „müsste eine durchschnittliche Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer 157 Jahre arbeiten.“ In Europa sei die Schere bei der Vermögensverteilung nur in Litauen größer.

Als prinzipielle Ursache für die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm prangert Oxfam das derzeitige Wirtschaftssystem an. Die Profitinteressen einer kleinen Gruppe stehe über dem Wohl der großen Mehrheit. Oxfam fordert auch die Bundesregierung auf, endlich gegenzusteuern.

Quote
[...] Wenn der größte Kapitalist der Welt vor dem Kapitalismus warnt, horcht man auf. Die Neujahrsbotschaft von Blackrock-Chef Laurence Fink lautet: Die gesellschaftliche Spaltung in der Welt ist beunruhigend. Unternehmen müssen sich fragen, wozu sie da sind, und was sie der Gesellschaft schulden. Sie dürfen sich nicht auf kurzfristiges Geldverdienen konzentrieren. Sie brauchen eine nachhaltige Strategie. Das hätte auch SPD-Chef Martin Schulz sagen können. Nur: Schulz meint so etwas ernst.

Blackrock ist als einer der wichtigsten Vermögensverwalter der Welt an allen Unternehmen im Deutschen Aktienindex beteiligt. Weltweit hat die Firma 6,3 Billionen Dollar investiert. Fink hat seine Botschaft an die Chefs aller Unternehmen geschickt, an denen Blackrock beteiligt ist. Die gesellschaftliche Spaltung interessiert ihn, weil sie der Kundschaft die Laune verdirbt. Er meint: Die Unternehmen müssen besser werden. Mehr nicht.

Blackrock und ähnliche Beteiligungsfirmen haben ein Problem: Obwohl sie oft der größte Aktionär sind, verhalten sie sich bisher vorzugsweise passiv. Sie gehen selten in die Aufsichtsräte, oder halten dem Management der Firmen durch Beratung den Rücken frei.

Aktivere Aktionäre dagegen machen öffentlich Druck, dass kurzfristig mehr Gewinn gemacht und ausgeschüttet wird. Oder sie verlangen, dass ein Unternehmen wie Apple untersuchen muss, ob Iphones abhängig machen – und was man dagegen tun kann. Auf solche Forderungen reagieren die Firmen sehr schnell.

Das bringt die vornehmen Beteiligungsfonds in die Bredouille. Ihre Kunden – oft Pensionsfonds, private Rentenversicherer oder Privatanleger mit langfristigen Interessen – fühlen sich vernachlässigt. Deshalb mischt Blackrock sich nun ein. Finks Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sich Unternehmen künftig tatsächlich langfristig orientieren und ihren Kunden, Mitarbeitern und Aktionären bessere Produkte und Perspektiven bieten.

...

"Ein Investor will die Welt verbessern - oder nicht?" Ursula Weidenfeld (21.01.2018)
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/blackrock-ein-investor-will-die-welt-verbessern-oder-nicht/20870220.html


Quote
Babsack 22.01.2018 08:31 Uhr

Quizfrage:
Was hat dieser Artikel wohl mit dem Artikel über BLACKROCK zu tun?
Antwort:
Beide haben dasselbe Thema und schauen von durchaus sehr verschiedenen Positionen auf diesselbe Ungerechtigkeit und kommen erstaunlicherweise zum selben Ergebnis.

Weitere Quizfrage:
Was tun Milliardäre mit ihren Milliarden, nachdem sie sich alle materiellen Wünsche erfüllt haben?
Antwort:
Sie kommen auf die Idee, sich die Welt mithilfe ihrer Milliarden so zu formen, wie sie ihnen am Besten gefällt. ...


Quote
ralf.schrader 22.01.2018 09:09 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Babsack 08:31 Uhr
Demokratie ist die Staatsform des Kapitalismus und muss sich diesem immer wieder anpassen. Aber nur in der Form, im Inhalt ist der Staat Interessenvertreter der herrschenden Klasse und die ist im Spätkapitalismus das Finanzkapital.


...


Aus: "Soziale Ungleichheit nimmt weltweit drastisch zu" Rolf Obertreis (22.01.2018)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/oxfam-studie-soziale-ungleichheit-nimmt-weltweit-drastisch-zu/20871368.html

---

Quote
[...]      Selbstherrschaft, 22.01.2018 06:47

Sind die bei Oxfam so deppert oder tun die nur so? - Die klaffende Ungleichheit ist doch nicht dem Hände-in-den-Schoß-legen der Staatslenker, sondern, ganz im Gegenteil, deren überaus eifrigen Machtausübung zuzuschreiben! ...


https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Oxfam-appelliert-an-die-Regierungen-die-wachsende-Ungleichheit-zu-stoppen/Sind-die-bei-Oxfam-so-deppert-oder-tun-die-nur-so/posting-31722904/show/

« Last Edit: Januar 22, 2018, 10:14:28 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #688 on: Januar 25, 2018, 04:41:49 nachm. »
Quote
[...] Umgangsformen sind Formen sozialer Interaktion. Eine Gesellschaft bewertet bestimmte Verhaltensformen negativ (z. B. als derb, roh, ungehobelt, unhöflich, ungesittet, feige) oder positiv (z. B. als gut erzogen, höflich, kultiviert, edel, tapfer) und unterscheidet „gute“ und „schlechte“ Umgangsformen. Häufig verwendet man in der deutschen Sprache das Wort „Umgangsformen“ ohne den Zusatz „gut“ und meint gleichwohl „gute Umgangsformen“. Umgangsformen fungieren auch als identitätsstiftende Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft bzw. einer sozialen Gruppe innerhalb einer Gesellschaft.  ...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Umgangsformen (22. Januar 2018)

---

Quote
[...] Nach dem Duden werden [mit Allüren], bildungssprachlich oft abwertend, „aus dem Rahmen fallende Umgangsformen“, „auffallendes Benehmen“ sowie „Gehabe“ beschrieben. Im Speziellen wird damit ein eitles, launenhaftes Benehmen bezeichnet, das in negativem Sinne vor allem gegenüber Marotten und Gehabe von Diven, Stars oder anderen Vertretern des Show-Business verwendet wird („Starallüren“).

...


https://de.wikipedia.org/wiki/All%C3%BCren (29. März 2016)

---

Quote
     Sok1960, 25.01.2018 15:22

Neulich im Ruheraum der Sauna

musst doch tatsächlich ein Typ einem anderen solche Banalitäten wie den letzten Einkauf beim Fleischer unter diese Nase reiben obwohl jeder merkte, dass dies selbst für den Adressaten nervend war.

Das hörte erst auf als ich nach jedem Satz den Satz wiederholte und mich bedankte wie froh wir doch alle sind, das jetzt zu wissen...
Funktioniert auch mit Leuten, die neben einem stehen und lautstark telefonieren.


https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Von-der-Sinfonie-der-Grossstadt-zur-Geraeuschkulisse/neulich-im-Ruheraum-der-Sauna/posting-31746624/show/

Quote
      pehar, 25.01.2018 16:21

Re: neulich im Ruheraum der Sauna

Sok1960 schrieb am 25.01.2018 15:22:

    Das hörte erst auf als ich nach jedem Satz den Satz wiederholte und mich bedankte wie froh wir doch alle sind, das jetzt zu wissen...

Die höfliche Variante wäre gewesen, denjenigen um Ruhe zu bitten. Von seiner Seite wäre es dann höflich gewesen, sich zu entschuldigen und zu verstummen.

Aber Höflichkeit ist heute nicht mehr gefragt - dann lieber passiv-aggressiv reagieren und sich selbst für seine vermeintliche Originalität auf die Schultern klopfen. Aus meiner Sicht genauo sozial schwach wie die Rücksichtslosigkeit des anderen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (25.01.2018 16:21).


https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Von-der-Sinfonie-der-Grossstadt-zur-Geraeuschkulisse/Re-neulich-im-Ruheraum-der-Sauna/posting-31747118/show/

...

« Last Edit: Januar 25, 2018, 04:48:13 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #689 on: Januar 27, 2018, 07:31:19 nachm. »
Quote
[...] In den USA ist die Vermögenskonzentration so hoch wie in kaum einem anderen Land auf der Welt. Nach einer langen Periode sinkender Ungleichheit steigt sie seit 1980 laut Thomas Pikettys World Inequality Report wieder stetig an und nähert sich dem Vorkriegsniveau. Ein Prozent der Bevölkerung besitzt fast 42 Prozent des gesamten Vermögens. Damit einher geht eine wachsende Politikverdrossenheit: Die Akzeptanz des US-Parlaments ist laut Umfragen des renommierten Gallup Instituts so niedrig wie noch nie in der Geschichte der USA.

... Milliardäre haben sich in den USA keinesfalls die Wahl "gekauft". Vielmehr wurde die amerikanische Öffentlichkeit schleichend desillusioniert. Das Vermögen hat sich immer stärker konzentriert und gleichzeitig wuchs die Wahrnehmung, dass die Interessen der Durchschnittsbürger immer weniger berücksichtigt werden. Das reicht von der (manchmal ja auch richtigen) Wahrnehmung, dass der Arbeitsplatz durch verstärkten internationalen Handel oder striktere  Umweltauflagen und die ungezügelte  Profitgier der Wall Street verloren ging, bis hin zum Soziokulturellen, einer gut gemeinten, aber doch auch oft trennenden Identitätspolitik. Auch Demokraten wie Obama und die Clintons haben dazu beigetragen. Eines der größten Handicaps im Wahlkampf Hillary Clintons dürften deren lukrative Auftritte vor Wall-Street-Bankern gewesen sein.

... Insofern sahen viele die Wahl zwischen Clinton und Trump als eine Art Entscheidung zwischen Pest und Cholera an. Trump war für viele jedoch aus einer anderen kulturellen Dimension heraus eher wählbar. Und die hatte ironischerweise auch mit seinem Milliardärsgebaren zu tun. Für viele Amerikaner, vor allem abseits der Küsten – und dort wurde die Wahl ja entschieden – ist Trumps Lebensstil mit Cola, Golf, Fernsehen, Burgern und goldenen Toiletten ein Vorbild. Mit anderen Worten: Der amerikanische Traum erschöpft sich für eine genügende Anzahl von Wählern darin, so zu werden wie Trump.

...

Quote
w00t #1.7

Der Kern des Problems ist der der, dass die wirklich Benachteiligten Menschen für ihre Interessen überhaupt nicht einstehen. Sie glauben noch immer das Lügenmärchen der Möglichkeit des sozialen Aufstiegs durch Fresse halten und Malochen.
Werde diese Menschen nie verstehen.


Quote
Valmel #3

"Was kann gegen diese Entwicklung getan werden? "

Was wohl? So lange die naiven Wähler aber glauben, ein nimmersatter Milliardär würde nach der Wahl plötzlich zum Wohltäter und sich selbst beschneiden, der hat es nicht anders verdient.


Quote
Ihr Schreiben ist in unserem Papierkorb eingegangen #4

Ein Prozent der Bevölkerung besitzt fast 42 Prozent des gesamten Vermögens.

In Deutschland waren es im Jahre 2007 auch schon 35,8% des Vermögens:

https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gensverteilung_in_Deutschland#Untersuchungen,_die_Top-Verm%C3%B6gen_ber%C3%BCcksichtigen


Quote
petzi1306 #21

Wäre es nicht schlauer,sich in dieser Hinsicht erst mal vor der eigenen Haustür zu kehren? Hier besitzt 1% schließlich über 30% des Privatvermögens. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/vermoegen-sind-in-deutschland-sehr-ungleich-verteilt-a-1051286.html

siar1 #21.1

Das ist so, war so und wird wohl auch so bleiben.
https://www.heise.de/tp/features/Viel-in-den-Haenden-weniger-3952477.html

Antwort auf #21 von petzi1306

Raudel #21.2  —  vor 4 Minuten

45 Haushalte haben in Deutschland 50 % des Vermögens.

So kehre jeder vor seiner Tür
und versuche nicht,
seinen Dreck zu relativieren.


Quote
USGerman #25

nach 17 Jahren USA - denke ich dass die Tendenz zur wirtschaflichen polarisierung zwischen Superreich und Durchschnitt - sowohl in Dt als auch in USA an Fahrt gewinnt.....

wenn ich mir die statistik der Obdachlosen anschaue sind die Zahlen gar nicht so unterschiedlich USA 2015: 560 Tausend - DT 2016 : 420 Tausend - mitlerweile fast verdoppelt - hier in USA wahrsceinlich auch deutlich hoeher.....

wenn ich mir den lifestyle meiner Beschaeftigten hier anschaue (durchschnittseinkommen von etwa 50-60 Tausend Dollar) dann nur bedingt mit Dt vergleichbar - Haueser (Bretterbuden) billiger hier - Autos billiger - Urlaub in diesem Bereich eher in Flordia (vielleicht mal Jamaika) aber nicht 2 mal TuiRiffa - Medizin und Ausbildung deutlich teurere hier - soziales Netzt schlechter - die MIttelschicht ist wahrscheinlich besser in Dt aufgehoben..... - allerdings vielleicht bessere Aufstiegchancen hier.

im Grunde besteht eine Ungerechtigkeit darin dass Vermoegensbesteuerung im Vergleich zu besteuerung aus Arbeit (im oberen Einkommensbereich) zu Gunsten von Vermoegensanlagen ausfaellt - d.h im Grunde ist es immer verlockend als 'vermogender' sich aus der Arbeitswelt zurueckzuziehen und nur noch von Dividenden etc zu leben.....


Quote
Macciavelli #28

Also wenn es global und absolut betrachtet, kann die Weltbevölkerung, auch im Mittel, nicht reicher als HEUTE sein und ist es auch nie gewesen.
Dass die eigene Subjektivität dies nicht zulässt, spricht für sich.
Denn ich kann mir heute viel mehr leisten als meine Familie und Verwandtschaft damals, auch gegen Ende des 20. Jahrhunderts.
Mein Vater musste für ein Auto jahrelang den Kaufpreis ansparen, einen Fernseher haben wir damals über 20 Jahre benutzt und auch für sonstige Konsumgüter musste auch kräftig gearbeitet und gespart werden, damit man diese sich leisten konnte.
Wenn ich mir heute Elektronikmärkte anschaue, wie aus allen Schichten die Leute da jedes neue Produkt von Apple und Samsung aus den Läden tragen und wie gut sie gekleidet sind, dann muss ich sagen, dass eigentlich jeder bekommt, was er verdient, obwohl die Milliardäre noch mehr Milliarden generieren.
Denn irgendwie müssen doch auch die Milliarden der Hochfinanz auch durch die Hände des kleinen Mannes geflossen sein, wenn es nicht reine Spekulationswerte sein sollten.


Quote
Reini52 #28.1

"Denn irgendwie müssen doch auch die Milliarden der Hochfinanz auch durch die Hände des kleinen Mannes geflossen sein, wenn es nicht reine Spekulationswerte sein sollten."
Mein Gott, ein Anhänger der der längst widerlegten trickle down Religion.


Quote
Kunigunde53 #29

In den Tagen vor Trump konnte man in der veröffentlichten Meinung hierzulande (gerne auch bei Joffe) nachlesen, wie nachahmenswert und vorbildlich die amerikanische Demokratie "the American way of life" halt, sei.
Mittlerweile lässt sich das so nicht mehr propagieren, die Probleme der USA sind nicht schön zu reden.
Statt nun journalistisch ernsthaft nachzufragen, was da schief gelaufen ist (im Rest der "westlichen Welt" sieht es nur in Nuancen besser aus), ist auch in diesem Artikel kein ernsthafter Versuch zu erkennen, an die Ursachen für die Verwerfungen zu gelangen.
Im Gegenteil wird - ganz im Interesse derer, gegen die sich der Verfasser scheinbar wendet - erklärt, dass es nichts nütze, den Multimillionären und Milliardären an die Pfründe zu gehen. Dass der marktradikale Wirtschaftskurs für die auf uns zukommende Katastrophe verantwortlich sein könnte, wird nicht einmal im Ansatz als Möglichkeit gesehen.
Nur noch eine Anmerkung: Mittlerweile besitzen weniger als 50 Leute mehr Besitztümer als die eine Hälfte der Weltbevölkerung zusammengenommen. Und das soll gesund sein?


...


Aus: "Vermögensverteilung: Feudale USA"  Rüdiger Bachmann (27. Januar 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2018-01/vermoegensverteilung-usa-donald-trump-feudalismus/komplettansicht

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« Reply #690 on: Januar 30, 2018, 10:52:36 vorm. »
Quote
[...] Charlotte Bartels hat analysiert, warum die Ungleichheit in Deutschland wächst und die Wohlhabenden immer reicher werden

... Wenn Wohlstandsgewinne sich auf einen kleinen Bevölkerungsteil konzentrieren, besteht die Gefahr, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt erodiert. Das kann sich dann etwa in einem Rückgang der Wahlbeteiligung der unteren Schichten zeigen, wie es in Deutschland der Fall ist. ... Dazu kommt, dass die Steuerreformen der letzten zwei Jahrzehnte Spitzenverdiener und Einkommen aus Kapital überproportional entlastet haben. ... Das oberste Prozent bezieht sein Einkommen vorrangig aus Unternehmensbesitz, während die unteren 99 Prozent primär auf Lohnarbeit angewiesen sind. ... Wenn Kapitaleinkommen gesamtwirtschaftlich immer bedeutender werden, nimmt meist auch die Ungleichheit der Einkommen zu.

Quote
Lenow | Community, 29.01.2018

Das sind ja alles ganz ganz neue Erkenntnisse.

Gratuliere!


Quote
Richard Zietz | Community, 30.01.2018

Gut; den Trend plausibel erhärtet. Eigentlich müßte es noch viel mehr Reichtumsforschung geben – beispielsweise dergestalt, wie diese Leute drauf sind. Wie ticken Leute, wenn draußen alles vor die Hunde geht, und man selbst nur daran denkt, wo man ein neues Luxusschloss errichtet oder welche neue Yacht man sich zulegt?

(Zitat) »Wenn Wohlstandsgewinne sich auf einen kleinen Bevölkerungsteil konzentrieren, besteht die Gefahr, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt erodiert. Das kann sich dann etwa in einem Rückgang der Wahlbeteiligung der unteren Schichten zeigen, wie es in Deutschland der Fall ist.«

Hinzukommend wäre da noch der weltweit grassierende Rechtspopulismus und der Rückgriff auf autoritäre Strukturen. Für die Hyperreichen im Grunde die denkbar kommodeste Situation. ...



Aus: " „Das ist eine politische Frage“" Interview: Pepe Egger | Ausgabe 04/2018
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/pep/das-ist-eine-politische-frage

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« Reply #691 on: Januar 30, 2018, 12:14:52 nachm. »
Quote
[...] Sachsen ist ein Land in der Klemme. Statistisch ist das alles längst bekannt. Doch die zum Teil bittere Wahrheit wurde immer wieder durch regierungsamtliche Schönfärberei weggeredet. Auch deshalb hat sich schleichend das Gefühl verbreitet, dass dieser Politik nicht zu trauen ist. Und die aktuelle Umfrage der "Sächsischen Zeitung" thematisiert diesen Unmut nun auch erstmals in einer der sächsischen Regionalzeitungen. Und bestätigt damit die Kritik der SPD.

„47 Prozent der Sachsen meinen, im Vergleich zu Westdeutschland keinen gerechten Anteil am Lebensstandard zu bekommen. Aus diesem Gefühl entwickelt sich auch Skepsis gegenüber der Demokratie – bis hin zur Sehnsucht nach einem ‚starken Führer‘. Das zeigt überdeutlich, dass wir eine offene Debatte über Gerechtigkeit brauchen“, erklärte am Montag, 29. Januar, Henning Homann, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag und demokratiepolitischer Sprecher, zur jüngsten Umfrage der „Sächsischen Zeitung“. „Daran muss sich auch die Wirtschaft beteiligen und handeln.“

Denn, so Homann: „Lohnunterschiede zwischen Ost und West, längere Arbeitszeiten wie in der Metall- und Elektroindustrie und geringe Tarifbindung verstärken das Gefühl bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, dass ihre Stimme und ihre Leistung im Unternehmen nicht zählen. Hier kann sich die Wirtschaft nicht hinter der Politik verstecken.“

Aber – das ist die Einschränkung: Das ist die klassische Interpretation. Die in gewisser Weise auch negiert, dass der Osten seit 1990 einen doppelten Transformationsprozess absolvierte. Nicht nur den Umbau einer heruntergewirtschafteten Staatswirtschaft galt es zu meistern. Das war immer nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte haben die jeweils verantwortlichen Politiker stets ignoriert: Der Osten war das erste großflächige Experimentierfeld der Deindustrialisierung. Und hier hätte man ganz bewusst die Frage versuchen müssen: Was passiert eigentlich mit einer fast komplett von ihrer Industrie entblößten Region?

Genau das aber wurde in all den Jahren nie beantwortet. Ergebnis ist natürlich genau dieses Brodeln in den Köpfen, der allgegenwärtige Unmut und das Gefühl, betrogen und ausgegrenzt zu sein. Wenn es sich Politik zu leicht macht, indem sie solche Entwicklungen ignoriert, entstehen abgehängte Regionen und politische Erdrutsche. Nicht nur im deutschen Osten. Dieselben Phänomene gibt es ja in den USA („rust belt“), England, Frankreich, Polen usw.

Und die Bewohner dieser Regionen reagieren natürlich. Sie wählen „Erlöser“ und „Heilsfiguren“. Oder sie ziehen um. Oder – um einmal den beliebtesten Spruch denkfauler Politiker zu benutzen: „Sie stimmen mit den Füßen ab.“

In den 1990er Jahren verlegten sie zu Hunderttausenden ihren Wohnsitz in den Westen.

Und seit der Jahrtausendwende ist auch ein anderer Effekt unübersehbar: Sie verlassen die strukturschwachen ländlichen Regionen und ziehen in die Großstädte, wo sich die moderne Wirtschaft angesiedelt hat, die den besser ausgebildeten jungen Leuten tatsächlich noch Arbeit gibt. Nicht unbedingt gut bezahlte. Aber attraktiv genug, den Konzentrationsprozess in Ostdeutschland und Sachsen immer weiter voranzutreiben.

Ergebnis: 2017 überschritt die Bevölkerungsentwicklung eine magische Schwelle. Nicht bei der Absolutzahl. Da sank die Bevölkerungszahl im Lauf des Jahres sogar wieder von 4.084.851 auf 4.081.783, nachdem sie in den Vorjahren endlich wieder gestiegen war. Aber das natürlich vor allem durch die Aufnahme von Flüchtlingen. Die ja dann – mit begeisterter Mauer-Politik von altem Schrot und Korn – gestoppt wurde.

Also kommt Sachsen wieder zurück in die alten Bewegungsmuster: Die ländlichen Räume schrumpfen. 2016 um 14.739 Personen. Zuwachs verzeichneten dafür die Großstädte: plus 11.671. Diese offizielle Zahlen für Dezember 2016 hat jetzt das Statistische Landesamt endlich vorgelegt.

Leipzig war natürlich der Motor. Hier wuchs die Bevölkerung ganz amtlich von 560.472 auf 571.088.

Aber Leipzig ist auch das Muster für die Entwicklung, die im kompletten Osten stattfindet. Die modernen Unternehmen siedeln sich fast alle in und um die Großstädte an. Mit dem demografischen Effekt, dass die Bevölkerung sich zusehends in diesen Metropolkernen sammelt.

Die magische Linie: Ende 2016 lebte erstmals mehr als jeder dritte Sachse in einer der drei Großstädte.

Lag der Wert Ende 2015 noch bei 33,12 Prozent, waren es am Jahresende 33,43 Prozent. Und das wird so weitergehen, denn bei Demografie geht es immer um tragfähige Wirtschaft und um tragfähige Strukturen. Natürlich hätte auch Sachsens Regierung gegensteuern können. Aber die einst von Ministerpräsident Georg Milbradt initiierten Demografie-Konferenzen verlieren sich mit Milbradts Abgang. Und hernach regierte in Dredsen die personifizierte Ahnungslosigkeit. Deswegen vermissen die ratlosen Sachsen natürlich auch so etwas wie eine belastbare Zukunftsvision, die nicht nur aus einem Lamento über Bevölkerungsschwund und Vergreisung besteht.


Aus: "Was das Gefühl von Ungerechtigkeit mit der Bevölkerungsentwicklung in Sachsen zu tun hat" Ralf Julke (30. Januar 2018)
Quelle: https://www.l-iz.de/politik/kassensturz/2018/01/Was-das-Gefuehl-von-Ungerechtigkeit-mit-der-Bevoelkerungsentwicklung-in-Sachsen-zu-tun-hat-204109


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« Reply #692 on: Januar 30, 2018, 01:58:32 nachm. »
Quote
[....]  Die Unternehmerfamilie Reimann hat für 21 Milliarden Dollar den US-Hersteller Dr Pepper Snapple gekauft. Damit erweitern die Reimanns ihr Kaffeeimperium um erfolgreiche Limonadenmarken.


Aus: "Deutsche Milliardärsfamilie kauft Dr Pepper" (30. Januar 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/video/2018-01/5722208035001/getraenkeindustrie-deutsche-milliardaersfamilie-kauft-dr-pepper

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« Reply #693 on: Februar 06, 2018, 12:02:02 nachm. »
Quote
[...] So steht es im Jahr 2018 um den Planeten: Nach all den Kriegen, Revolutionen und internationalen Gipfeln der vergangenen 100 Jahre leben wir in einer Welt, in der eine winzige Gruppe unglaublich reicher Personen unverhältnismäßig große Macht auf das ökonomische und politische Leben der globalen Gemeinschaft ausübt. Tatsache ist, dass die sechs reichsten Leute der Welt mittlerweile mehr besitzen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen – also 3,7 Milliarden Menschen. Das reichste eine Prozent verfügt zudem über mehr Geld als die restlichen 99 Prozent.

Während die Milliardäre ihren Reichtum zur Schau tragen, kämpft fast einer von sieben Menschen mit knapp über einem Euro am Tag ums Überleben. Täglich sterben rund 29.000 Kindern an Durchfall, Malaria oder Lungenentzündung.

Gleichzeitig geben überall auf der Welt korrupte Eliten, Oligarchen und anachronistische Monarchien Milliarden für absurde Extravaganzen aus. Der Sultan von Brunei besitzt um die 500 Roll-Royce-Wagen und lebt in einem der größten Paläste der Welt mit 1.788 Räumen. Im Nahen Osten leben fünf der zehn reichsten Monarchen der Welt. Junge Mitglieder der Königsfamilien vergnügen sich als Teil des Jetsets auf der ganzen Welt, während die Region unter der höchsten Jugendarbeitslosigkeitsquote der Welt leidet. Während Hunderte Millionen Menschen unter miserablen Bedingungen leben, werden die Waffenhändler dieser Welt immer reicher, weil Regierende Billionen für ihre Produkte ausgeben.

Amazon-Gründer Jeff Bezos, der derzeit reichste Mensch der Welt, verfügt über ein Nettovermögen von 80 Milliarden Euro. Er besitzt mindestens vier große Villen. Als wäre das noch nicht genug, gibt er etwas mehr als 34 Millionen Euro für den Bau einer Uhr in einem Berg in Texas aus, die 10.000 Jahre lang laufen soll. Unterdessen schuften in den Amazon-Lagerhallen im ganzen Land seine Mitarbeiter stundenlang für einen so niedrigen Lohn, dass sie auf das Gesundheitsfürsorgeprogramm Medicaid oder Lebensmittelmarken angewiesen sind.

Aber das ist nicht alles. In einer Zeit massiver Wohlstands- und Einkommensungleichheit verlieren Menschen das Vertrauen in die Demokratie – die Regierung des Volkes durch das Volk und für das Volk. Sie erkennen mehr und mehr, dass die globale Wirtschaft so strukturiert ist, dass sich die an der Spitze auf Kosten aller anderen belohnen. Das macht die Menschen wütend.

In vielen Ländern arbeiten Millionen Menschen mehr Stunden zu niedrigeren Löhnen und Gehältern als vor 40 Jahren. Mit einem Gefühl der Hilflosigkeit beobachten sie Mächtige, die Wahlen kaufen, und eine Elite, die immer weiter Wohlstand anhäuft, selbst im Angesicht einer immer düstereren Zukunft ihrer eigenen Kinder.

Inmitten dieser ganzen ökonomischen Ungleichheit erlebt die Welt eine Zunahme von Autoritarismus und Rechtsextremismus, die sich von den Ressentiments der Abgehängten nährt, sie ausbeutet und weiter verstärkt sowie ethnisch und rassistisch motivierten Hass schürt.

Mehr denn je müssen diejenigen unter uns, die an Demokratie und fortschrittliches Regieren glauben, Menschen mit niedrigem Einkommen und Arbeitende auf der ganzen Welt hinter einer Agenda zusammenbringen, die deren Bedürfnisse spiegelt. Statt Hass und Spaltung müssen wir eine Botschaft der Hoffnung und Solidarität anbieten. Wir müssen eine internationale Bewegung bilden, die den Kampf gegen die Habgier und die Ideologie der Klasse der Milliardäre aufnimmt und zu ökonomischer, sozialer und ökologischer Gerechtigkeit in der Welt führt. Das wird ganz sicher kein einfacher Kampf. Aber es ist ein Kampf, den wir nicht vermeiden können. Es steht zu viel auf dem Spiel.

Papst Franziskus hat 2013 gesagt: „Wir haben neue Götzen geschaffen. Die Anbetung des alten goldenen Kalbes hat ein neues und grausames Bild gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur der gesichtslosen Wirtschaft ohne wirklich menschliche Ziele und Zwecke.“ Und weiter: „Heute spielt sich alles nach den Kriterien der Konkurrenzfähigkeit und nach dem Gesetz des Stärkeren ab, wo der Mächtigere den Schwächeren zunichtemacht. Als Folge dieser Situation sehen sich große Massen der Bevölkerung ausgeschlossen und an den Rand gedrängt: ohne Arbeit, ohne Aussichten, ohne Ausweg.“

Eine neue, internationale progressive Bewegung muss sich zur Aufgabe machen, die strukturelle Ungleichheit innerhalb wie zwischen den Staaten zu bekämpfen. Sie muss die vom „Fetischismus des Geldes“ und „Gesetz des Stärkeren“ geprägte Einstellung überwinden. Sie muss nationale wie internationale Politik für einen besseren Lebensstandard der Armen und Arbeiter unterstützen – mit Zielen wie Vollbeschäftigung und existenzsicherndem Lohn bis hin zu allgemeinem Zugang zu höherer Bildung, Gesundheitsversorgung und fairen Handelsabkommen. Außerdem gilt es, die Macht der Unternehmen zu beschränken und die ökologische Zerstörung durch den Klimawandel zu verhindern.

Hier ist nur ein Beispiel dafür, was wir tun müssen: Vor einigen Jahren schätzte das Netzwerk Steuergerechtigkeit, dass die reichsten Menschen und größten Konzerne der Welt mindestens 21 bis 32 Billionen US-Dollar in Steuerparadiese beiseiteschaffen, um ihren Anteil nicht zahlen zu müssen. Wenn wir gemeinsam die Hinterziehung über Steueroasen unterbinden, könnte das zusätzliche Einkommen dazu genutzt werden, den weltweiten Hunger zu stoppen, Hunderte Millionen neuer Arbeitsplätze zu schaffen, die extreme Einkommens- und Wohlstandsungleichheit deutlich zu verringern, auf nachhaltige Landwirtschaft umzustellen und den Wandel unserer Energieversorgung weg von fossilen, hin zu erneuerbaren Energiequellen zu beschleunigen.

Sich gegen die Habgier der Wall Street, die Macht der gigantischen multinationalen Konzerne und den Einfluss der globalen Milliardär-Klasse zu stellen, ist nicht nur eine Frage der Moral – es ist ein strategischer geopolitischer Imperativ. Wenn Bürger Korruption und Ungleichheit beobachten und sich ausgeschlossen fühlen, sind das nach Untersuchungen des UN-Entwicklungsprogramms mit die stärksten Ursachen dafür, dass Rechtsextremismus und gewalttätige Gruppen in einer Gesellschaft Unterstützung finden. Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass die Karten zu ihrem Nachteil gemischt sind und keinen legalen Weg sehen, das zu ändern, wenden sie sich eher schädlichen Lösungswegen zu, die das Problem nur verschärfen.

Dies ist ein entscheidender Moment in der Weltgeschichte. Mit dem explosionsartigen Fortschritt der Technologien und den damit einhergehenden Durchbrüchen sind wir heute in der Lage, den weltweiten Wohlstand substanziell – und gerecht – zu mehren. Wir haben die Möglichkeiten an der Hand, die Armut zu bekämpfen, die Lebenserwartung zu erhöhen und ein günstiges und die Umwelt nicht verschmutzendes globales Energiesystem zu schaffen.

Dafür müssen wir den Mut haben, gemeinsam gegen die mächtigen Einzelinteressen vorzugehen, die immer nur mehr für sich selbst haben wollen. Das ist es, was wir tun müssen – um unserer Kinder, Enkel und der Erde willen.

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reziplikativ | Community


So neu ist die Schande nicht, die der brave Bernie Sanders da entdeckt hat. Eine extrem reiche Oberschicht tanzt der wackeren oder feigen Masse Mensch global auf der Nase herum und lebt auf offener Bühne Luxus, Menschenverachtung und Skrupellosigkeit aus. Schändliche Politiker laufen als willige Claqueure am Gängelband dieser real herrschenden Klasse und schwafeln dabei „der Mensch muss im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen“. Dafür gibt es dann Leckerli in Form von Parteispenden und Aufsichtsratsmandaten. Seit Tausenden Jahren, einigen Revolutionen, Hunderten Aufbrüchen, verlogenen Reformen, bedachten und unbedachten Umstürzen und Tausenden Appellen und Reden, Reden, Reden nichts Neues auf diesem Planeten. Man schaue nur auf die Heerschau der Mächtigen und deren Tanz mit ihren politischen Laufburschen in Davos. Jahr um Jahr werden die wirklichen Machtverhältnisse dort ins Schaufenster gestellt. Den Rest erledigen dann offene und verdeckte Think Tanks, die der Massenverblödung weiter die Rutschbahn bauen und Politikern den Handlungsrahmen stecken, damit diese im Krieg Reich gegen Arm genau wissen was sie zu tun und zu lassen haben. Schöne neue (alte) Welt. Wie werden Mut und Kampf wohl aussehen, die US-Senator Sanders „gegen die Habgier der Wall Street, die Macht der gigantischen multinationalen Konzerne und den Einfluss der globalen Milliardär-Klasse“ anempfiehlt?



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zelotti | Community

Sehr populistisch, aber deshalb nicht unwahr. Klingt wie einstmals der Oskar.


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Lethe | Community

Zuviel "müssen" ist psychologisch ungeschickt. Die allermeisten müssen den ganzen Tag, da wollen viele nicht mehr müssen müssen. Davon abgesehen ist es selbst in Zeiten, in denen es sehr viel dringender als heute gewesen wäre, noch nie gelungen, eine Internationale der Abgehängten und Unterdrückten als geschlossene Front gegen die Mächtigen dieser Welt zu etablieren. Warum sollte es also heute gelingen, da diesen Mächtigen genügend viele Waffen plus Schutzräume zur Verfügung stehen, die bei einer ernstzunehmenden Bedrohung ihrer Machtpositionen gerne auch sechs, sieben Milliarden getötete Menschen zu einer realistischen Option macht? Geschichte wird eh von den Siegern interpretiert.


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Thomas Homilius | Community

Bernie Sanders ist unheilbarer Kommunist alter Schule. Er sollte sich mit einem Aufenthalt in Venezuela oder Nordkorea von seiner Krankheit kurrieren lassen.

Ich kann jetzt verstehen, warum man bei den U.S.-Demokraten auf einen Praesidentschaftskandidaten Bernie Sanders keinen Wert legte. Die offensichtlichen Sanders-Anhaenger bei den Demokraten, die die kompromitierenden E-Mails der Demokraten gegen Sanders veroeffentlicht haben, wurden zurecht von U.S.-Behoerden geraeuschlos kaltgestellt. Offiziell war der Leak natuerlich die Russen und vielleicht TRUMP, wir wissen es aber besser!


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mardi51a | Community
@ Thomas Homilius

Neben Ihrem anfänglichen Totschlagsargument interessierte mich die Bedeutung von "WIR" am Ende Ihres letzten Satzes. Danke sehr.


...


Aus: "Das Gesetz des Schwächeren: Aufbruch Die Milliardäre verprassen ihren Luxus, während Tausende Kinder sterben. Warum sich alles radikal ändern muss"
Bernie Sanders | Ausgabe 03/2018 (05.02.2018)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/das-gesetz-des-schwaecheren

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« Reply #694 on: Februar 06, 2018, 02:49:50 nachm. »
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[...] Nur weil es keine Vorschriften gibt, ist die Kleidung noch lange nicht egal. „Es gibt immer eine Erwartungshaltung, auch ohne offiziellen Dresscode“, sagt Coach und Stilexperte Jan Schaumann. ... Schaumann rät da: Augen aufmachen - und bei den Chefs anfangen. „Erstmal die Führungskräfte anschauen“, rät Schaumann. „Legen die Wert auf eine bestimmte Art, sich zu kleiden? Danach schaue ich mir erst die Kollegen an, wie die rumlaufen.“ Gibt es große Unterschiede zwischen beiden Gruppe sollte man sich eher nach oben als nach unten orientieren - und eher an der Masse. Und nicht an dem einen Paradiesvogel, der in Shorts und Flip-Flops allen Regeln trotzt. ... Projektmanager sind dann vielleicht gerne etwas schicker, System-Administratoren etwas entspannter unterwegs. „Und das kann sich auch von Tag zu Tag ändern, wenn ich etwa einen Kundentermin habe“, sagt Schaumann. Viel Mühe also, die sich aber lohnt. Denn oft sind diese ungeschriebenen Regeln genau so wichtig wie der Dresscode einer Bank. Vor allem lässt sich damit kommunizieren: Zusammengehörigkeit etwa, ein bestimmter Stil oder die Haltung eines Unternehmens - und Status oder Ambitionen des Einzelnen. ... Ein besonderes Problem ist der inoffizielle Dresscode natürlich am ersten Arbeitstag. Schließlich hat man die meisten Kollegen und ihre Outfits noch gar nicht gesehen. Dann gilt „Eher zu viel als zu wenig“, sagt Stilexperte Schaumann - auch wenn es peinlich werden kann. „Es ist besser, wenn die Kollegen vielleicht schmunzeln, weil ich der Einzige im Anzug bin, als wenn ich der Einzige in Jeans bin.“ ... Noch wichtiger als die Kleidung an sich ist aber, wie sie aussieht. Der Tipp „keine Freizeitkleidung“ ist zwar überholt, sagt Schaumann. „Die Trennung gibt es so nicht mehr.“ Nach Sofa-Lümmelei daheim sollte die Arbeitskleidung aber trotzdem nicht aussehen - und der Mensch darin auch nicht: „Am wichtigsten ist immer, nicht abgerockt oder ungepflegt aufzutreten.“ (dpa) 

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Aus: "Dresscode: inoffiziell" Tobias Hanraths (05.02.2018)
Quelle: http://www.sz-online.de/ratgeber/dresscode-inoffiziell-3872903.html


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« Reply #695 on: Februar 13, 2018, 03:07:12 nachm. »
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[...] Stuttgart. Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche bekommt für 2017 rund 8,6 Millionen Euro und damit eine Million mehr als für das Jahr davor. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Geschäftsbericht des Dax-Konzerns hervor. Für 2016 hatte er 7,6 Millionen Euro erhalten, für das Jahr davor 9,7 Millionen. Die Vergütung für den gesamten Daimler-Vorstand beträgt für 2017 35 Millionen Euro, 3,2 Millionen mehr als für 2016.

... Die rund 130 000 nach Tarif bei Daimler Beschäftigten in Deutschland sollen im April 5 700 Euro bekommen. Im Vorjahr hatte es 5400 Euro gegeben. Die Aktionäre sollen 3,65 Euro Dividende je Aktie bekommen – 40 Cent mehr als im Vorjahr. Dem muss die Hauptversammlung im April allerdings noch zustimmen.

Von dpa/RND


Aus: "Geschäftsbericht Daimler-Chef Zetsche verdient fast 9 Millionen Euro" (13.02.2018)
Quelle: http://www.kn-online.de/Nachrichten/Wirtschaft/Daimler-Chef-Zetsche-verdient-fast-9-Millionen-Euro

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« Reply #696 on: Februar 26, 2018, 11:15:24 vorm. »
Quote
[...] Ziblatt: In den vergangenen Jahrzehnten hat es eine Art Gegenreaktion zur vollständigen Demokratisierung der USA gegeben. Erst 1965 mit dem Voting Rights Act und dem Civil Rights Act durften Afroamerikaner wählen und wurden der weißen Bevölkerung rechtlich weitestgehend gleich gestellt. Gemeinsam mit der Einwanderungsreform Mitte der Sechziger hat das einen positiven Wandel ausgelöst. Der hat aber gleichzeitig das politische System stark verändert.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Ziblatt: Die Demokraten im Süden sind zur Republikanischen Partei gewechselt, Afroamerikaner gingen fast geschlossen in die Demokratische Partei. Außerdem haben sich die Evangelikalen in den Siebzigern und Achtzigern zunehmend als Republikaner identifiziert. Die Folge: Heute haben Sie eine Republikanische Partei, die fast ausschließlich weiß und christlich ist, und eine Demokratische Partei, die alle anderen unter sich versammelt, die Partei der Minderheiten, der Nichtgläubigen und der Städter. Es stehen sich zwei Bevölkerungsgruppen gegenüber, die sich gegenseitig als existenzielle Gefahr betrachten, vor allem aus Sicht der Republikaner.

...

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SchartinMulz #34

Das Interview macht einen ziemlich fassungslos. Da wird das System der demokratischen Partei gelobt, das den populären Kandidaten Sanders verhindert hat. Großartig.

Und dann: "Drei Viertel der Republikaner glauben, dass es Wahlbetrug im großen Stil gegeben hat, auch wenn es keinen Beweis dafür gibt."

Und wieviel Prozent der Demokraten glauben, dass Trump nur durch Wahlmanipulationen der Russen gewonnen hat?
"Genauso glauben drei Viertel der Republikaner, dass die Medien Geschichten über Trump erfinden. Sie zweifeln damit die Grundpfeiler der Demokratie an."

Also, wenn man nicht alles glaubt, was die Medien schreiben, zweifelt man die Grundpfeiler der Demokratie an? Die Demokraten zweifeln auch an, was in Trump-nahen Medien steht.

Der Professor macht es sich hier sehr einfach.



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burgunderbauer #82

Mir scheint, dass der Artikel einen Mangel hat: Es geht in USA nicht nur um Demokratie versus Autokratie, sondern auch um Arm gegen Reich. In dieser Polarität sind die Republikaner die Partei der Reichen. Und ihr Problem ist: Wie verklickern wir der großen Menge der kleinen Leute, dass "Reformen", die vorwiegend den Reichen nützen (Abschaffung von Obamacare, Steuersenkungen), in ihrem Interesse sind?

Für dieses Problem ist Politshowstar Trump eine Lösung.


...



Aus: "Demokratie in den USA: "Wir haben Glück, dass Trump so inkompetent ist"" Interview: Thorsten Schröder, New York (22. Februar 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2018-02/demokratie-usa-donald-trump-daniel-ziblatt-harvard-professor

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« Reply #697 on: Februar 28, 2018, 05:25:58 nachm. »
Quote
[...] In der deutschen Wirtschaft herrscht Festtagsstimmung, die Steuereinnahmen sprudeln; derweil haben die Verteilungskämpfe zwischen den Ärmsten im Lande begonnen. Was sich wie ein Versatzstück aus einem klassenkämpferischen Manifest anhört, ist bitter wahr. An den Tafeln, den Essensausgaben für Bedürftige, stehen sich gegenüber: Alleinerziehende mit Kindern, von Altersarmut gebeutelte Rentner, gebrechliche Menschen, Flüchtlinge. Hier zählt das Recht des Stärkeren. Im Gedrängel und Geschubse an der Pforte der Essener Tafel wird diese Rücksichtslosigkeit offenbar - sie speist sich aus der Rücksichtslosigkeit von Politik und Wirtschaft gegenüber sozialer Not.

Wenn der Vorsitzende der deutschen Tafeln seine europäischen Kollegen von der Foodbank in Brüssel trifft, fragen die ihn verwundert, warum ein reiches Land wie Deutschland Tafeln braucht. Zu den Ausgabestellen von Lebensmitteln, die sonst im Müll landen würden, kommen ja Menschen, die am Ende des Monats keine 59 Cent mehr für ein Toastbrot vom Discounter haben. Diese Menschen beziehen Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld. Es werden immer mehr, denen das Existenzminimum nicht zum Leben reicht.

... Die Außenwirkung dieser Tafeln wird oft kritisiert, weil sie der Öffentlichkeit vorgaukele, für Bedürftige werde schon gesorgt - und weil so die eigentliche Armutsbekämpfung in den Hintergrund rücke. Da ist etwas dran. Immer stärker halten wohltätige Initiativen als Korrektiv für eine verfehlte Sozialpolitik her.

... Es gibt einen Flickenteppich an staatlichen Leistungen für Arme, Stücke fehlen, keiner blickt durch. Anstatt dafür zu sorgen, dass das Geld richtig ankommt, wird Armut als Begleiterscheinung einer Gesellschaft gesehen, ja akzeptiert. Immer wieder wird mal nachgezählt, wie groß diese Erscheinung geworden ist: Jedes fünfte Kind ist arm. Jede dritte Alleinstehende ist von Armut bedroht. Gerade haben Forscher herausgefunden, dass solche Berechnungen sowieso nicht stimmen und Familien reicher gerechnet wurden, als sie sind. Es geschieht die Vermessung der Armut. Es geschieht nicht deren systematische Bekämpfung.

Im Koalitionspapier findet sich ein Maßnahmenpaket gegen Kinderarmut, das höchstens als Päckchen durchgeht. Mutige Schritte hin zur Chancengleichheit fehlen, zum Beispiel eine Grundsicherung. Die Rechnung ist am Ende einfach: Im reichen Deutschland vererbt sich nicht nur der Reichtum. Es vererbt sich auch die Armut.

...


Aus: "Die Verteilungskämpfe zwischen den Ärmsten haben begonnen" Kommentar von Ulrike Heidenreich (28. Februar 2018)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/leben/tafel-essen-verteilungskaempfe-1.3884771

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« Reply #698 on: M?RZ 19, 2018, 05:20:36 nachm. »
Quote
[...] Branko Milanović ist ein serbisch-US-amerikanischer Ökonom. In der Ungleichheitsforschung ist er einer der renommiertesten Forscher. Mehr als 40 Studien und zahlreiche Bücher widmete er dem Thema Ungleichheit und Armut. Für "Die ungleiche Welt – Migration, das Eine Prozent und die Zukunft der Mittelschicht" wird er am Montag in Berlin ausgezeichnet. Milanović arbeitete für die Weltbank und lehrt heute an der City University of New York. Er betreibt den Blog "Global Inequality". https://glineq.blogspot.de/

ZEIT ONLINE: Herr Milanović, die Wirtschaft boomt, aber die etablierten Parteien verlieren an Zustimmung. Wie passt das zusammen?

Branko Milanović: Es profitieren längst nicht alle von diesem Boom. In den meisten Industrienationen sind die Einkommen der unteren Hälfte der Bevölkerung in den vergangenen Jahren kaum gestiegen, jedenfalls deutlich weniger als die Einkommen der oberen zehn Prozent. Das gilt auch für Deutschland.

ZEIT ONLINE: Woran liegt das?

Milanović: Es deutet einiges darauf hin, dass die Globalisierung für diese Entwicklung mitverantwortlich ist. Ein Beispiel: Die meisten Ökonomen sagen, Freihandel schafft Wohlstand, deshalb bitte mehr davon. Das ist auch nicht falsch. Wenn zwei Länder Handel treiben, dann stellen sich diese beiden Länder dadurch in aller Regel besser, ihr Wohlstand nimmt zu. Aber ein großer Teil dieses Wohlstands kommt bei denjenigen an, die ohnehin schon wohlhabend sind. Dagegen gehen viele Menschen mit geringem Einkommen leer aus. Wir wissen aus Studien, dass viele amerikanische Industriearbeiter ihre Jobs verloren haben, weil chinesische Industriearbeiter dieselbe Tätigkeit günstiger verrichten konnten.

ZEIT ONLINE: Also ist die Globalisierung ein Irrweg der Geschichte?

Milanović: Das kommt auf die Perspektive an. Für die Menschheit insgesamt ist die Globalisierung eine Erfolgsgeschichte. Sie hat den Lebensstandard von Millionen von Arbeitnehmern in Ländern wie China und Indien verbessert. In diesen Ländern ist eine neue Mittelschicht entstanden – womöglich auf Kosten der Mittelschicht in den alten Industrienationen. Man könnte sogar argumentieren, dass die Welt ein Stück gerechter geworden ist. Ein Beispiel: In Italien ist die Aufregung gerade groß, weil ein Hersteller von Kühlschränken und Waschmaschinen die Produktion in die Slowakei verlagern will. Es stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Aber Italien ist ein reiches Land – was ist eigentlich dagegen einzuwenden, dass ein Teil der italienischen Arbeitsplätze in ein Land verlagert wird, in dem es den Menschen schlechter geht?

 ZEIT ONLINE: Die italienischen Arbeitnehmer würden sagen: Wir sind nicht für das Wohlergehen der Slowaken verantwortlich.

Milanović: In der politischen Praxis ist in der Regel der Nationalstaat der Referenzpunkt für den Gerechtigkeitsdiskurs. Vielleicht entwickeln wir irgendwann eine globale Identität, aber noch ist das nicht in Sicht. Das ändert aber nichts daran, dass wir in eine neue Phase der Globalisierung eingetreten sind.

ZEIT ONLINE: Erst hat der Norden den Süden ausgebeutet und jetzt ist es umgekehrt?

Milanović: Sagen wir so: Die Globalisierung wurde ursprünglich vom Norden vorangetrieben, der neue Märkte erschließen und sich den Zugriff auf Rohstoffe sichern wollte. Jetzt setzen sich vor allem die asiatischen Staaten für offene Märkte ein, weil sie sich ihrerseits davon Vorteile versprechen. In Vietnam halten Umfragen zufolge 91 Prozent der Bevölkerung die Globalisierung für eine gute Sache, in Frankreich sind es nur 37 Prozent.

ZEIT ONLINE: Wie lässt sich das Problem lösen?

Milanović: Im Prinzip ganz einfach: Da die Globalisierung alle beteiligten Länder insgesamt reicher macht, müsste man den Globalisierungsgewinnern in den jeweiligen Ländern einen Teil ihrer Profite nehmen und diese den Globalisierungsverlierern geben. Tatsächlich geschieht eher das Gegenteil: Die Steuern für die Spitzenverdiener wurden in vielen Ländern sogar gesenkt. In den USA hat Donald Trump eine der größten Steuerreformen der letzten Jahrzehnte auf den Weg gebracht. Es profitieren davon vor allem die Superreichen. Der Staat hat den durch die Globalisierung aufgerissenen gesellschaftlichen Graben also noch vertieft.

 ZEIT ONLINE: Die politische Linke ist fast überall in der Krise. Ein Vorbild, an dem sich nun auch in Deutschland einige orientieren, ist der Vorsitzende der britischen Labour Party, Jeremy Corbyn. Halten Sie das für sinnvoll?

Milanović: Corbyn wird oft als linker Populist bezeichnet. Er ist aber kein Populist, sondern steht für eine Politik, wie sie Labour in den Sechziger- oder Siebzigerjahren vertreten hat – und er scheint damit zumindest politisch Erfolg zu haben.

ZEIT ONLINE: Würde sein Programm dazu beitragen, die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden?

Milanović: Ich glaube nicht, dass sich die Politik der Sechzigerjahre einfach so auf unsere Zeit übertragen lässt. Damals wurde der internationale Kapitalverkehr streng kontrolliert, die Wechselkurse waren fixiert, es war auch noch nicht so leicht, Teile der Produktion ins Ausland zu verlegen. Dadurch waren die Handlungsspielräume für die nationale Politik größer. Wir leben heute in einer völlig anderen Welt. Aber klar scheint mir: Der Staat muss mehr Geld in die Hand nehmen, für Bildung, für die Sozialsysteme, und wir brauchen höhere Steuern auf Erbschaften, um der zunehmenden Konzentration der Vermögen etwas entgegenzusetzen. Wenn sehr wenige sehr viel haben, dann ist das eine Gefahr für die Demokratie.

ZEIT ONLINE: Es gibt eine Alternative: Sie bestünde darin, die Globalisierung zurückzudrehen, wie Trump das mit den Importzöllen versucht.

Milanović: So etwas haben die Briten gerade vor. Sie suchen nach einem Weg, den europäischen Binnenmarkt zu verlassen, ohne ihre Wirtschaft zu ruinieren. Mein Eindruck ist: Sie sind dabei nicht sehr erfolgreich, weil die Volkswirtschaften zu eng miteinander verwoben sind. Ein ähnliches Schicksal würde den USA drohen, wenn Trump tatsächlich die nordamerikanische Freihandelszone verlassen wollte oder wirklich die Grenzen dicht macht.

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Ihr Schreiben ist in unserem Papierkorb eingegangen #1

Herr Milanović, die Wirtschaft boomt, aber die etablierten Parteien verlieren an Zustimmung.

War (auch hier Kommentarbereich) bezogen auf Deutschland schon ausgiebig diskutiert worden:

steigende Kinder-, Erwerbs- und Alterarmut, Zunahme der prekären Beschäftigung, Reallohnstagnation (in unteren Einkommensgruppen sogar Reallohnverluste), Ausweitung des Niedriglohnsektors etc.

Die Gewinne aus Produktivitätssteigerungen, Globalisierungsprozessen etc. konzentrieren sich auf die Bezieher ohnehin hoher Einkommen, vor allem auf die Bezieher von Gewinn- und Vermögenseinkommen.



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links-rechts-Drehwurm #1.1

Es WEIß mittlerweile jeder, dass die Ungleichheit das größte Problem ist, auch die Profiteure. Wir müssen endlich verstehen, dass das nicht-handeln, bzw. weiter umverteilen keine Naivität der "Oberen" ist. Die sind doch nicht blöd. Die wollen aber von sich aus nix grundlegendes ändern. ...


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Manfred Steffan #1.22

Wieso ist Lohn und Gegalt nicht Verteilung der von einem Unternehmen erzeilten Wertschöpfung? Ein anderer Teil geht als shareholder value an die Kapitaleigner. Und wer bestimmt über die Verteilung? Manager, die dafür ihrerseits von den Shareholdern ein fürstliches Gehalt bekommen! Das ganze System ist bestimmt kein Naturszustand, sondern ein Zivilisationsprodukt aus Rechtsregeln. Die kann man auch so gestalten, dass Wohlstand für alle erzeugt wird statt eines Auseinandergehens der Schere zwischen Arm und Reich.


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Orakel99 #2

Also für Deutschland ist die Globalisierung eine volle Erfolgsgeschichte und für ganz vielen weitere Länder auch. Wird ja auch schön im Artikel beschrieben. Wäre Deutschland und Europa nicht so ängstlich, hätten wir mit Obama ein wunderbares Freihandelsabkommen schließen können. Jetzt dürfen wir uns mit Protektionismus a la Trump rumschlagen.


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Hütchenspiele #2.1

für "Deutschland" eben nicht - für Teile der Deutschen Wirtschaft die den Großteiler ihrer Gewinne in Asien erwirtschaften und damit auch deutsche Arbeitsplätze finanzieren. Für Deutsche Manager und Reiche die immer Reicher werden.

Aber deutsche Steuerzahler blechen für diesen Wohlstand - sanieren Banken, Griechen und den Rest der Brandrodung dieser Heuschreckenwirtschaft und ein Teil der Gesellschaft ist auf nimmer Wiedersehen sozial und finanziell abgehängt von Hartz IV in die Altersarmut könnte man ihre Biographie zusammen fassen...


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Willy Wusel
#2.2  —  vor 7 Stunden 31

"Also für Deutschland ist die Globalisierung eine volle Erfolgsgeschichte und für ganz vielen weitere Länder auch."

Das stimmt in dieser Einfachheit ganz und gar nicht:
Im Text heißt es:

"Aber ein großer Teil dieses Wohlstands kommt bei denjenigen an, die ohnehin schon wohlhabend sind. Dagegen gehen viele Menschen mit geringem Einkommen leer aus. Wir wissen aus Studien, dass viele amerikanische Industriearbeiter ihre Jobs verloren haben, weil chinesische Industriearbeiter dieselbe Tätigkeit günstiger verrichten konnten."

Man könnte es auch anders formulieren: Die Chefetagen vieler Unternehmen haben sich auf Kosten der unteren Einkommensschichten ne goldene Nase verdient. Sie haben sich selbst immer höhere Gehälter genehmigt, und die Arbeiterschichten dieser Welt gegeneinander ausgespielt. Das ist in Deutschland genau so auch passiert und es passiert immer noch.
Wird dringend Zeit, dass sich das ändert.


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Bli-Bla-Blubb #38

Einerseits soll die Globalisierung Staaten reicher machen, anderseits kommt das so verdiente Geld nur bei Wenigen an. Was denn nun?

Und Italien - das ansonsten doch von deutschen Medien, wo immer es geht, als der europäische Krisenstaat neben Griechenland dargestellt wird - soll nun plötzlich ein reiches Land sein. Die Frage ist dann auch noch: Ist derjenige, der bisher Kühlschränke zusammengeschraubt hat, als reich zu bezeichnen? Wohl kaum.

Das sind alles in allem sehr ungenaue, vage und widersprüchliche Antworten von Milanović.


...


Aus: "Branko Milanović: "Es profitieren längst nicht alle von diesem Boom"" Interview: Mark Schieritz (19. März 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2018-03/branko-milanovic-globalisierung-einkommensverteilung-interview

Offline Textaris(txt*bot)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #699 on: M?RZ 26, 2018, 11:07:11 vorm. »
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[...] Die Preise in deutschen Großstädten überfordern inzwischen sogar Besserverdiener. ... igentlich hat Miriam Körner ihr Leben im Griff. Als selbständige Unternehmensberaterin ist sie es gewohnt, knifflige Probleme zu lösen. Nur ein Projekt treibt die Dreiunddreißigjährige schier in den Wahnsinn: die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung in München. Noch leben Körner und ihr Freund in Berlin. Doch beide würden gerne zurück in die bayerische Landeshauptstadt, wo sie studiert haben. Beruflich wäre das kein Problem, aber sie finden partout keine Wohnung. ...


Aus: "Wer kann das noch bezahlen?" Julia Löhr und Birgit Ochs (23.03.2018)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wohnen/deutschlands-immobilienmarkt-wohnung-verzweifelt-gesucht-15507286.html