Author Topic: [Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde... ]  (Read 4817 times)

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[Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde... ]
« on: January 22, 2007, 03:12:41 PM »
Quote
[...·] Chruschtschow hatte freilich keine Mühe, seinen Besucher zu überzeugen; das geht ebenfalls aus der Moskauer Mitschrift hervor. Der SED-Mann setzte vielmehr seinerseits auf ein Einmauern der Ostdeutschen, weil es "eine Reihe Fragen gibt, die bei offener Grenze nicht zu lösen sind".

...


Aus: ""Wir lassen euch jetzt ein, zwei Wochen Zeit"" (Redaktion einestages, 29.5.2009)
Wer befahl den Bau der Berliner Mauer? DDR-Gründer Walter Ulbricht? Moskaus Kreml-Chef Nikita Chruschtschow? Ein Dokument, das jetzt in einem russischen Archiv aufgetaucht ist, gibt Auskunft. Von Klaus Wiegrefe
Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/4246/_wir_lassen_euch_jetzt_ein_zwei_wochen_zeit.html


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Die offene Gesellschaft ist ein Staatsmodell des österreichischen Philosophen Karl Popper, welches die größtmögliche Freiheit für jedes Individuum bieten soll. Der Staat soll dabei soweit wie möglich minimiert, allerdings nicht vollständig ausgeblendet werden. Poppers Vorstellung von der offenen Gesellschaft ist eng mit dem Liberalismus verbunden.
 
Der Begriff Offene Gesellschaft leitet sich vom Buchtitel Die offene Gesellschaft und ihre Feinde ab. In diesem Buch wendet sich Karl Popper gegen den Totalitarismus des Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus, Ideologien, deren Ursprung er auf die Philosophie Platons, Hegels und Karl Marx', insbesondere deren Lehre von einer Gesetzmäßigkeit der Geschichte (siehe Historizismus), zurückführt.

In Offenen Gesellschaften ist im Gegensatz zu ideologisch festgelegten, geschlossenen Gesellschaften, die einen für alle verbindlichen Heilsplan verfolgen, ein intellektueller Meinungsaustausch gestattet, der auch kulturelle Veränderungen ermöglicht. Daher sind Meinungs- Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit sowie religiöse Neutralität von grundlegender Bedeutung für Offene Gesellschaften.

Institutionen sind zwar unumgänglich, können in Offenen Gesellschaften aber geändert werden. Alles ist einer ständigen Kritik ausgesetzt.

Der Staat ist in einer Offenen Gesellschaft ein notwendiges Übel. Er soll zwar eine ausreichende Grundversorgung bereitstellen, aber den Bürgern keine Wohltaten erweisen. Popper schlägt als Maxime statt der Maximierung des Glücks die bescheidenere Minimierung des Leidens vor.

Die beste Staatsform ist nach Popper die Demokratie, die Popper neu definiert als eine Herrschaftsform, in der es möglich ist, die Herrscher ohne Blutvergießen auszutauschen. Dies, nicht etwa die Behauptung, dass die Mehrheit recht habe, sei der größte Vorzug der Demokratie.

Die westlichen Industrieländer begreifen sich selbst als Offene Gesellschaften. Dementsprechend hat etwa das deutsche Bundesverfassungsgericht die überragende Bedeutung insbesondere der Meinungsfreiheit und deren Vorrang gegenüber spezielleren Schutzrechten immer wieder betont.

Gegenbild der Offenen Gesellschaft in der Moderne ist der Totalitarismus



Aus: "Offene Gesellschaft" (01/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Offene_Gesellschaft


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[...] 1945, noch während seiner Lehrtätigkeit in Neuseeland, erschien Poppers berühmtestes Werk: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, in dem er seinen Widerstand gegen alle Spielarten totalisierender Philosophie ideengeschichtlich untermauerte. Totalitäres Denken ist für ihn nicht erst ein Produkt des 19. oder 20. Jahrhunderts. Er spürt es bereits bei Platon auf, in dessen Konzeption eines hierarchisch gegliederten Staates er das Urmuster eines ideologischen "Aufstands gegen die Freiheit" erblickt.

[...] Doch nicht nur als politischer Philosoph, sondern auch als Wissenschaftstheoretiker hat Popper unhintergehbare Maßstäbe gesetzt. Er ging dabei von dem gleichen Kerngedanken aus wie in seinen gesellschaftstheoretischen Schriften: Geschlossene Systeme, die sich gegen Kritik immunisieren, sind zum Fortschritt unfähig, ersticken jede geistige Unabhängigkeit und Kreativität und gehen am Ende an ihrer eigenen Unbeweglichkeit zugrunde. Offene Systeme dagegen, die das Risiko einer Wiederlegung noch der scheinbar unverzichtbarsten Wahrheiten auf sich nehmen, sind nicht nur humaner, sondern erweisen sich auch als leistungsfähiger und erfolgreicher. Wissenschaftliche ebenso wie politische Systeme sind erst dann akzeptabel, wenn sie lernfähig und zur Selbstkorrektur in der Lage sind.

[...] Poppers Konzepte der "offenen Gesellschaft" und des "kritischen Rationalismus" verbanden den Skeptizismus der postidealistischen bürgerlichen Gesellschaft mit dem Erbe der Aufklärung und ihrer Überzeugung von der unendlichen Verbesserungsfähigkeit der menschlichen Verhältnisse. Er forderte, alle - auch die scheinbar unbezweifelbarsten wissenschaftlichen - Wahrheiten infrage zu stellen, und hielt doch - gegen alle Varianten des Relativismus - an der Annahme einer objektiven Wahrheit und der Einheit des Wissens fest. Er schlug damit nicht zuletzt eine Brücke zwischen dem angelsächsischen Empirismus und der kontinentalen Bewusstseinsphilosophie in der Tradition Kants.



Aus: "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde - Skeptischer Weltverbesserer: Vor hundert Jahren wurde der Philosoph Karl Raimund Popper geboren" Richard Herzinger (Die zeit; 31/2002)
Quelle: http://hermes.zeit.de/pdf/archiv/archiv/2002/31/200231_popper.xml.pdf

« Last Edit: June 01, 2009, 10:55:53 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Eine »nachdemokratische« Welt [?]... (Notizen)]
« Reply #1 on: January 22, 2007, 03:44:13 PM »
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[...] Anlässe oder Vorwände für staatsbürgerliches Missvergnügen gibt es genug: Globalisierung, Reformdruck, Sparzwänge, Zuwanderung, neue soziale Ungleichheiten, ethnische Spannungen, Sicherheitsdefizite, Zukunftsängste der Mittelschichten, Hoffnungslosigkeit der Unterschichten, und das alles auf einmal in einem einzigen historischen Augenblick.

Die daraus herrührende emotionale Melange aus vagen Befürchtungen und konkreten Verlusterfahrungen ist die optimale Mischung für neue antidemokratische Bewegungen. Quer durch Europa sind diese populistischen Konjunkturritter anzutreffen und verbreiten Schrecken, vor allem unter den etablierten Parteien. Unter Berufung auf »das Volk« und dessen bekannt gesundes Empfinden setzen sie ihre Themen auf die Tagesordnung und vergiften mit ihrem Antiliberalismus das politische Klima.

Sie sickern ein ins Milieu der traditionellen Mitte, ernten Zustimmung in Teilen des Bürgertums, noch mehr im Milieu der politisch Frustrierten und Verdrossenen, die [ ] schon [ ] Berlusconi seinerzeit zu mobilisieren verstanden hat, nämlich jene verführbaren »Millionen von apolitischen, passiven Leuten«, die der italienische Schriftsteller und Germanist Claudio Magris in Anlehnung an Karl Marx »Lumpenbürgertum« nennt.

Historisch betrachtet, ist das der »populistische Moment«. Die Verführbaren warten auf den Verführer. Oder, um mit dem Sozialwissenschaftler Helmut Dubiel zu sprechen: Das ist die »Stunde der Rattenfänger.« Insofern stehen die westlichen Demokratien am Eingang zu dem Tunnel, der in eine andere politische Qualität des Zusammenlebens führen dürfte.

Die neue Ordnung am Ende dieser Reise hieße aller Voraussicht nach zwar noch Demokratie, mit der Regierungsform und der politischen Kultur der offenen westlichen Gesellschaft hätte sie aber nur noch Restfunktionen gemeinsam – Wahlen, Parteien, gelegentliche Regierungswechsel, ein bisschen Sozialstaat, viel Sicherheitskräfte, in Deutschland natürlich den Bildungsföderalismus. Im Übrigen entstünde aller Wahrscheinlichkeit nach aber jene »nachdemokratische« Welt, die Colin Crouch in seinem Buch Post-Democracy warnend beschreibt: ein formaldemokratisches Gemeinwesen mit relativ wenig Spielraum für zivilgesellschaftliche Aktivitäten und demokratischen Meinungsstreit, mit viel Effizienz, wenig diskursivem Schnickschnack und im Zweifel einer kunterbunten berlusconesken Unterhaltungsindustrie, die ihre Konsumenten gnädig betäubt.

Ein Rundblick über das politische Terrain der westlichen Demokratien zeigt, dass einiges von der Mängelliste Burumas, Crouchs und anderer längst Wirklichkeit ist. Personenkult statt Programmdebatte, Marketing statt Politik, Spin-Doktorei statt Information, Info-Häppchen statt Berichterstattung, das alles ist bekannt. Zum Alltagsarsenal der Gegenwart gehören inzwischen aber auch handfeste Eingriffe in die Pressefreiheit, weitreichende Gesetzesänderungen als Reaktion auf den Terrorismus, Kurskorrekturen im Umgang mit Zuwanderern als Antwort auf wachsende Integrationsprobleme, Rechtsbeugungen, Schikanen und Übergriffe der Justizbehörden, die in der Regel ungeahndet bleiben, nicht zu vergessen die internationale Folterdebatte. Von Guantánamo ganz zu schweigen.

Eine Fülle von Details, viel »Unverfängliches« darunter, manches unerlässlich, anderes nur als Antwort auf populistischen Druck verständlich. Nichts davon ist übrigens undemokratisch implantiert worden, manches wurde sogar verhindert. Dennoch sind einige der Veränderungen in den Augen etwas empfindlicherer Bürger nichts anderes als stetige kleine Freiheitsverluste, scheibchenweise abgehobelte Bürgerrechte.

Daraus könnten durchaus solche potenziellen geschichtlichen »Übergänge« werden, von denen der Dresdner Historiker Gerhard Besier in seinem Buch über die europäischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts schreibt. Er fordert, beim Studium der Unrechtsregime auch die Übergänge zu erforschen, die vergleichsweise »unverfänglichen« Anfänge. Das deutsche Unheil hat schließlich klein angefangen, genauer gesagt: mit einer demokratischen Wahl in der Schlussphase einer Krise der Demokratie.

Alles Panikmache, das Panfaschismussyndrom der üblichen Verdächtigen von 1968? In der Tat sind Defizite der parlamentarischen Demokratie oft beklagt worden. Von »Unregierbarkeit der Demokratien« redeten schon in den siebziger Jahren die Verantwortlichen von Washington bis Bonn, Konservative wie Sozialdemokraten. Richard von Weizsäcker zum Beispiel kritisierte die Machtversessenheit der Parteien und deren »Arroganz der Macht«.

Heute aber geht es offenkundig um mehr als nur um den Ärger mit Protestbewegungen, Parteien oder Reformstaus. Zur Debatte stehen die Belastbarkeit und die Leistungsfähigkeit der Demokratien. Der in vielfältigen Umfragen, seriösen und oberflächlichen, gemessene Vertrauensverlust der Bürger, das sinkende Interesse an der Politik und die in den meisten Ländern sinkende Wahlbeteiligung werden zunehmend als Problem empfunden. Sie entfalten eine eigene, sich selbst beschleunigende Wirkung: Die traditionellen Parteien und die Vertreter der politischen Klasse werden insgesamt nervös, reagieren auf diese Entwicklung ängstlich, wagen sich nicht mehr an schwierige politische Themen heran und fürchten niemand so sehr wie die Wähler. Währenddessen fühlen die neuen populistischen Volksverführer sich legitimiert, im Namen der Verführten »denen da oben« den Kampf anzusagen.

Gemeinsam ist diesen neuen Volkstribunen, von Rumänien bis Holland und Dänemark, von Andalusien bis Kärnten und Brandenburg, eine extreme Ausländerfeindlichkeit und ein rassistisches Weltbild, mit dem sie die Volksparteien der Mitte in Bedrängnis bringen. Dabei sind die nationalistischen Rechtsradikalen aus Bulgarien und Rumänien, die nun mit den Westrechten eine gemeinsame Fraktion im EU-Parlament bilden, mit ihren rassistischen Sprüchen jenseits von gut und böse sogar den Auschwitz-Leugnern aus Frankreich oder Österreich peinlich.

Die Rechtspopulisten entfalten auch Wirkung in der Sozialpolitik, wo sie den Reformparteien in den Arm fallen, besonders deutlich die dänische Rechtspopulistin Pia Kjærsgaard. Insgesamt sind Europas Rechtspopulisten sozialpolitisch »links« so wie die ex-kommunistischen Linkspopulisten. Gern nennen sie sich »neue Arbeiterparteien«, was die sozialdemokratischen Originale natürlich quält. So gerieten Europas Modernisierungsparteien in eine Zwickmühle: Den Neoliberalen und Konservativen veränderten sie zu wenig, den Linkspopulisten zu viel, und den Rechtspopulisten waren sie zu großzügig bei Leistungen an Zuwanderer und »Asylanten«. Auf diese Weise verloren die Sozialdemokraten eine europäische Bastion nach der anderen.

Eine der Folgen dieses ewigen Dilemmas der Reformer ist die Rückkehr der Mitte-Parteien zu Vorsicht und Zögerlichkeit. Nicht nur SPD-Chef Kurt Beck hat ein Ende der Reformpolitik in Aussicht gestellt, wohl wissend, dass »Reform« seit »Agenda 2010« und »Hartz IV« ohnehin ein Schimpfwort ist. Auch der holländische Christdemokrat Jan Peter Balkenende hatte im Wahlkampf 2006 eine Belastungspause angekündigt, was sich als zentraler Beitrag zu seinem späteren kleinen Wahlsieg entpuppte. Dass die Demokratien sich dank politisch verordneter Atempause von ihren Krisensymptomen erholen würden, darf man indes bezweifeln. Globalisierung, Souveränitätsverluste, Zuwanderung bleiben ihnen erhalten, da können sie noch so lange Luft holen. Ratsam wäre es allerdings, die Denkpause für Reformen zu nützen, die eine Erneuerung und Vitalisierung der Demokratie zum Ziel haben, doch noch überwiegt Ratlosigkeit.


Aus: "Stunde der Rattenfänger" Von Werner A. Perger (DIE ZEIT, 18.01.2007 Nr. 04)
Quelle: http://www.zeit.de/2007/04/Europa?page=1


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[Uhrwerke als scheinbar sehr geordnete Wolken... (Notizen)]
« Reply #2 on: January 22, 2007, 04:00:53 PM »
Quote
[...] Popper legte seine Ansichten zur Wissenschaftstheorie im Werk Logik der Forschung dar, das 1934 zuerst auf Deutsch erschien und in nachfolgenden englischen und deutschen Ausgaben stetig erweitert und überarbeitet wurde.

Popper behauptet darin, dass wissenschaftlicher Fortschritt dadurch geschehe, dass bestimmte Theorien durch Experimente widerlegt ("falsifiziert") werden. In einem evolutionsartigen Selektionsprozess setzen sich so diejenigen Theorien durch, die "wahrheitsnäher" sind. Sicheres Wissen kann dabei allerdings nie erreicht werden; alles Wissen ist vorläufig.

Da wissenschaftliche Sätze niemals bewiesen werden können, ist das einzige Kriterium für die Wissenschaftlichkeit eines Satzes seine (prinzipielle) Falsifizierbarkeit. Ein Satz, der etwas über die Realität aussagt, muss widerlegt werden können; Sätze, die nicht widerlegt werden können (etwa Morgen regnet es oder auch nicht), sagen nichts über die Realität aus und liefern keinen Erkenntnisgewinn.

So können wir zwar nicht sicher wissen, ob eine Theorie wahr ist, aber sehr wohl, dass eine bestimmte Theorie falsch ist: nämlich wenn ein Experiment sie widerlegt. Durch dieses "Aussieben" falscher Theorien kommen wir, so Popper, der Wahrheit immer näher, ohne sie jemals zu erreichen. Durch diese Umkehrung des klassischen Versuchs, Theorien zu "beweisen", kommt Popper zur ungewohnten Forderung: Wissenschaftler sollten versuchen, ihre Theorien zu widerlegen bzw. mit entscheidenden Experimenten (experimentum crucis) Theorien auszusieben. Er betont zwar auch die Notwendigkeit der Kreativität beim Aufstellen einer Theorie; wichtig für den Fortschritt sei allerdings vor allem die kritische Überprüfung, die nur von den "wahrheitsnächsten" Theorien bestanden wird.

Besonderen Wert legt Popper darauf, dass der wissenschaftliche Fortschritt nicht durch logische Induktion erfolge und nicht mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung beschreibbar sei. Diese Ansichten hatten von Aristoteles ausgehend die meisten Wissenschafttheoretiker vertreten, auch Mitglieder des Wiener Kreises. Zur Frage der Induktion beharrt Popper darauf, dass man aus Einzelfällen kein allgemeines Gesetz ableiten, sondern nur allgemeine Sätze widerlegen könne. Auch die Versuche, aus Einzelfällen wenigstens Wahrscheinlichkeiten von Theorien abzuleiten, hält er für verfehlt und liefert in seinem Buch mehrere mathematische und philosophische Argumente, um die Unsinnigkeit von Sätzen wie Theorie A ist mit 80%iger Wahrscheinlichkeit wahr zu zeigen.

Popper betont, dass sein Ansatz allein methodologischer Art sei und keineswegs metaphysische Aussagen treffe. Die metaphysische Frage, ob es überhaupt "Naturgesetze" gibt, lässt er bewusst offen, auch wenn er persönlich die Argumente dafür für überzeugender hält.

Außer in der Logik der Forschung legte Popper diese Ansichten in den Schriften Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie, Die Quantentheorie und das Schisma der Physik und Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf dar. In Vermutungen und Widerlegungen (englisch Conjectures and Refutations) wandte er die Methode auch praktisch an.

Poppers Ansatz wurde in philosophischen Kreisen vielfach und mit unterschiedlichen Argumenten kritisiert, insbesondere durch die relativistischen Positionen von Thomas Kuhn oder Paul Feyerabend, letzterer zweifelte sogar den Nutzen eines Faches wie der Wissenschaftstheorie überhaupt an. Imre Lakatos versuchte aufgrund der Kuhnschen Kritik eine Reformulierung des Falsifikationimus.

Neben dem "Falsifikationismus" ist ein starker "Indeterminismus" der wichtigste Bestandteil von Poppers Weltsicht. Er sah sich hierin vor allem von der Quantenmechanik bestätigt. Metaphorisch behauptete er einmal, bisher habe man sich auch Wolken wie sehr komplexe Uhrwerke vorgestellt; tatsächlich seien aber eher Uhrwerke nur scheinbar sehr geordnete Wolken. Diesen Indeterminismus übertrug er auch auf gesellschaftliche Zustände.

[...] Poppers gesellschaftstheoretisches Hauptwerk ist The Open Society and Its Enemies (dt. Die offene Gesellschaft und ihre Feinde) aus dem Jahr 1945. Darin rechnet er mit den Gedankenmodellen von Platon, Hegel und Marx ab, die seiner Meinung nach totalitäre Systeme befördert haben. Als Gegenbild dieser geschlossenen Gesellschaften entwirft er eine Offene Gesellschaft, die nicht am Reißbrett geplant, sondern pluralistisch ist und sich in einem endlosen Prozess von Kritik und Verbesserungen fortentwickelt.

Dem göttlichen Philosophen Platon wirft Popper vor, insbesondere mit seinen späteren Werken Politeia (Der Staat) und Nomoi (Die Gesetze) das Grundmodell des totalitären Staates ausgearbeitet und propagiert zu haben. Damit habe er auch Verrat an seinem Lehrer Sokrates begangen, der, wie Popper darlegt, in Platons "idealem Staat" als Aufrührer hingerichtet worden wäre. Platons Ablehnung der attischen Demokratie und seine Bevorzugung eines autoritären Regimes sogenannter Philosophenkönige, die nichts mehr mit dem sokratischen Philosophen zu tun haben und explizit Lügenpropaganda verwenden dürfen, versucht Popper mit vielen Textstellen zu belegen. Platon sei damit der erste und wichtigste Propagandist einer geschlossenen Gesellschaft gewesen, in der es keine Veränderung gibt und Eliten diktatorisch herrschen. Auch sei Platon ein Verbreiter der Verfallstheorie der Gesellschaft, nach der die Gesellschaft ursprünglich in einem "guten" (geschlossenen) Naturzustand ("Mythos von der Horde") war und jede Öffnung, Liberalisierung und Emanzipation Zeichen von Dekadenz und Verfall sind. Diese Lehre sei wichtiger Bestandteil der Propaganda aller Diktaturen geworden.


Bruchstück aus: "Karl Raimund Popper" (22. Januar 2007)
Quelle: http://www.philosophenlexikon.de/popper.htm


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["Ich habe ihnen Futter gegeben‘... ]
« Reply #3 on: February 08, 2007, 11:01:25 AM »
Quote
[...] Eine Äußerung von Horst Teltschik, Organisator der Sicherheitskonferenz, stößt parteiübergreifend auf Empörung und Unverständnis. Teltschik sagte am Mittwoch in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk auf die Frage, ob ihn die Demonstrationen gegen die Tagung störten: "Es ist die Tragik jeder Demokratie, dass bei uns jeder seine Meinung öffentlich vertreten darf und dass man politisch Verantwortliche in einer Demokratie schützen muss. In Diktaturen würde so etwas nicht passieren.‘‘

"Es scheint mir die Tragik des Herrn Teltschik zu sein, dass er den Wesenskern einer Demokratie nicht verstanden hat‘‘, kommentierte Bürgermeister Hep Monatzeder die Äußerung. Als Demokrat habe sich der ehemalige Berater von Bundeskanzler Kohl "disqualifiziert‘‘.

Monatzeder: "Wenn er auch noch Diktaturen huldigt, zeigt es, welch Geistes Kind er ist.‘‘ Siegfried Benker, Fraktionschef der Grünen im Rathaus, sagte, vom Organisator der Konferenz, die Demokratie und Stabilität in der Welt fördern wolle, müsse man erwarten, dass er Meinungsfreiheit als demokratische Errungenschaft einzuordnen wisse.

Benker erinnerte daran, dass die Konferenz auch aus Steuermitteln des demokratischen Staates finanziert werde. "Teltschik muss akzeptieren, dass seine Veranstaltung auch politische Gegner zum öffentlichen Mitreden animiert.‘‘

Während sich Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nicht äußerte, nannte SPD-Fraktionschef Helmut Schmid Teltschiks Aussage "unmöglich‘‘: "Sie zeigt eine innere Einstellung.‘‘ Schmid betonte, dass Politiker-Treffen wie die Münchner Konferenz auf der ganzen Welt von Demonstrationen begleitet würden. Diese seien "völlig gerechtfertigt.‘‘

Als "völlig unangebracht‘‘ bezeichnete auch Hans Podiuk, stellvertretender Fraktionschef der Rathaus-CSU, Teltschiks Äußerung. "Ich glaube, da hat er einen Aussetzer gehabt.‘‘ Podiuk erklärte sich dies mit dem "Druck‘‘, unter dem der Konferenz-Chef stehe, weil er ständig von einer Szene, "die bis in den linksradikalen Bereich hinein‘‘ reiche, und von "Gewalttätern‘‘ angegriffen werde. Dies entschuldige solche Äußerungen aber nicht.

Horst Teltschik räumte auf Nachfrage der SZ ein, dass seine Aussage "missverständlich‘‘ gewesen sei. "Es war ein Fehler.‘‘ Dass er gegen Meinungsfreiheit sei, könne ihm aber niemand unterstellen. Seine Äußerung sei nicht auf die Gegendemonstrationen bezogen gewesen. "In der Tat halte ich es aber für eine Tragik, dass in einer Demokratie, wo die Versammlungsfreiheit im Grundgesetz verankert ist, die Sicherheitskonferenz und die Politiker mit einem Großaufgebot von Polizei geschützt werden müssen.‘‘

Wären die Demonstrationen friedlich, bräuchte man nicht diesen Aufwand. "Sie stiften Unfrieden‘‘, so Teltschik. Die Aufregung um das Interview halte er für "etwas künstlich‘‘. Benker sei Mitorganisator der Demos, und Monatzeder gehöre derselben Partei an. "Ich habe ihnen Futter gegeben‘‘, so Teltschik. ,,Ich werde deshalb aber keinen Kotau machen vor diesen beiden Herren.‘‘



Aus: ""In Diktaturen würde so etwas nicht passieren" - Der ehemalige Berater von Helmut Kohl und Organisator der Sicherheitskonferenz in München nennt es im Interview tragisch, "dass bei uns jeder seine Meinung öffentlich vertreten darf" Von Bernd Kastner " (07.02.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,zm3/muenchen/artikel/232/101131/


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[Hinter verschlossenen Türen... (Suchmaschienen Textfraktale)]
« Reply #4 on: November 20, 2007, 02:24:27 PM »
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[...]  WELT ONLINE: Sie haben, so wurden Sie zitiert, unter bestimmten Voraussetzungen den Abschuss von Flugzeugen gutgeheißen. Stellen Sie sich damit gegen das Karlsruher Urteil zum Luftsicherheitsgesetz?

Bischof Walter Mixa: Leider bin ich sehr verkürzt zitiert worden. Ich habe bereits im September bei einer Veranstaltung der Militärseelsorge darauf hingewiesen, dass der Abschuss eines von Terroristen entführten Passagierflugzeuges zur Rettung einer größeren Zahl von Menschen moraltheologisch eine äußerst schwierige Frage ist. Bei einem solchen Einsatz muss das Leben unschuldiger Menschen gegen das Leben anderer Unschuldiger abgewogen werden. Auch wenn es hierfür gute Gründe geben mag, stehe ich einer solchen Abwägung sehr zurückhaltend gegenüber.

WELT ONLINE: Was sollte also aus kirchlicher Sicht geschehen?

Bischof Walter Mixa: Um eine angemessene Position zu entwickeln, sollte sich die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit Moraltheologen, Juristen, Politikern und Vertretern der Bundeswehr hinter verschlossenen Türen zusammensetzen.


Aus: " Religion: Bischof Mixa will, dass "die Kirche nervt"" (20. November 2007)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article1378946/Bischof_Mixa_will_dass_die_Kirche_nervt.html





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[Wenn man da etwas bewegen wollte... ]
« Reply #5 on: September 08, 2009, 10:23:17 AM »


Quote
[...] Bohley: Das vordringlichste war, diese geschlossene Gesellschaft aufzubrechen. Denn solche Gesellschaften haben immer etwas Enges und Kleinkariertes, die DDR war das 40 Jahre lang. Wenn man da etwas bewegen wollte, musste man es aufknacken.

[...]

SPIEGEL ONLINE: Sie waren in der besonderen Situation, die DDR 1988 zeitweise verlassen zu müssen. Hat dieser Aufenthalt im Westen Ihren Blick auf die DDR verändert?

Bohley: Ich glaube, dass es mir einiges leichter gemacht hat, weil ich zu bestimmten Dingen im Westen ein anderes Verhältnis gewonnen habe. Zuvor waren wir immer der Meinung, dass man sich nicht Opposition nennen darf, weil das eine Provokation des Staates sein könnte. Im Westen war mir aber klar geworden, dass zu einer funktionierenden Gesellschaft auch eine Opposition gehört. Und je stärker die Opposition, desto besser ist das für die Gesellschaft und die Regierenden. Wichtig war auch für mich zu erkennen, dass es eine Opposition außerhalb der Kirche braucht, weil dieses Dach die Leute letztlich nur erdrückt hat.

SPIEGEL ONLINE: Diese Gesellschaft war lange Zeit von einer langen Sprachlosigkeit geprägt. Wann waren Sie sicher, dass es einen Neuanfang braucht?

Bohley: Für mich war die Gesellschaft nie sprachlos und stumm. Sie war es nur im öffentlichen Raum. Aber an jedem Küchentisch wurden Probleme diskutiert, viel mehr als heute. Die Leute waren politisch ziemlich bewusst und kannten die Situation im Lande.

SPIEGEL ONLINE: Die Vertreter der SED – haben Sie die als Ansprechpartner akzeptiert?

Bohley: Man muss das in seiner Zeit sehen. Niemand hat ja bis zum 9. November geglaubt, dass es die DDR in einem Jahr nicht mehr gibt. Es ist deshalb geschwindelt, wenn Leute heute sagen, dass die Einheit ihr Ziel war. Wir wollten die Strukturen aufbrechen, Menschenrechte garantiert bekommen und die Chance haben, sich einmischen zu können, ohne dafür kriminalisiert zu werden.


...



Aus: "DDR-Opposition - "Wir sind Gejagte gewesen"" (4.9.2009)
Das Gespräch führte Steffen Reichert.
Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/authoralbumbackground/4910/_wir_sind_gejagte_gewesen.html

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Bärbel Bohley
http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A4rbel_Bohley