Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 325019 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« on: Februar 18, 2007, 02:21:01 nachm. »
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Die Statistik zeigt die Anzahl der reichsten Menschen mit genauso viel Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung in den Jahren von 2009 bis 2018. Laut Oxfam besaßen die 26 reichsten Menschen der Welt im Jahr 2018 genauso viel Vermögen wie die ärmsten 3,8 Milliarden Menschen auf der Welt. [2009 waren es noch 380].

Erhebungszeitraum: 2009 bis 2018 - Hinweise und Anmerkungen: Den Daten liegt eine Analyse der Reichtumsungleichheit zugrunde, die auf Angaben aus dem "Credit Suisse Global Wealth Databook" und der Forbes-Liste der Milliardäre basiert.


Aus: "Reichste Menschen mit so viel Vermögen wie ärmere Hälfte der Weltbevölkerung bis 2018" Veröffentlicht von J. Rudnicka (21.01.2019)
Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/502649/umfrage/reichste-menschen-mit-genauso-viel-vermoegen-wie-aermere-haelfte-der-weltbevoelkerung/

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Wer auf dem Globus zu jener Milliarde Menschen gehört, die akut Hunger leidet, sieht die Weltwirtschafts-"Ordnung" eben mit anderen Augen als der durchschnittliche Europäer. Wer als Geringverdiener für die SPD Plakate klebt, wird die Verhältnisse hierzulande anders beurteilen als jene Genossen der Schröder-Ära, deren Parteikarriere vor allem mit einer privaten Finanz-Lebensplanung verknüpft ist. Ein sozialdemokratischer Gewerkschafter mit hochdotiertem Aufsichtsratsposten hat natürlich einen anderen ökonomischen Standpunkt als ein "Hartz-IV-Empfänger" oder ein prekärer Freiberufler. Auch das gehört zu den Erkenntnisgewinnen der Aufklärung: Es kommt nicht nur auf die funktionierende Gehirnmasse an, sondern ganz entscheidend auch darauf, WER jeweils mit welchen Augen die Weltgeschichte betrachtet.
Aus: "Und die Sozialdemokratie danach?" Peter Bürger (27.06.2012)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/152275

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[...] „Die Unteren darf man nicht so schröpfen, dass sie nicht mehr konsumieren können. Sie müssen als Kunde überleben.“ (Hans-Martin Buhlmann, Aktionär der Allianz AG gegenüber dem Stern vom 12.Mai 2005)


Aus: "Das wahre Elend? - Zur Rede von der „neuen Unterschicht“" (Erschienen in "Wiedersprüche" Heft 98; 2005)
Quelle: http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/agn/ag8/das_wahre_elend.pdf

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... In den unteren Segmenten des Arbeitsmarktes ist es die Angst vor Hunger und Obdachlosigkeit, die einen die Arbeitsdespotie vergessen lässt. In den mittleren und höheren Sphären sind es Wohlstandsversprechen, Anerkennungsdrang und Arbeitsethik, die den Weg zur Knechtschaft ebnen. Geeint sind Arme und Selbstverwirklicher in der Einsicht, dass wir nicht nur vom Brot leben, wie Marcel Reich-Ranicki wusste: „Geld allein macht nicht glücklich. Aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.“


Aus: "Was vom Tage übrig bleibt" Christian Baron (Ausgabe 30/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/cbaron/was-vom-tage-uebrig-bleibt

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Beim Tritt in die Glasscherben leiden wir alle klassenlos. Nur sollte man sich nicht über das Bestreben der Vermögenden wundern, die Strände jenen vorzubehalten, die nachher alles wieder in den Picnickoffer tun.

 - Don Alphonso (Stützen der Gesellschaft), 02. August 2012

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Jugger, 13.11.2019

Wenn [man] wissen will wie ein Vorgesetzter tickt, muss man sich nur sein Verhalten gegenüber der Putzfrau anschauen. Nach oben Buckeln alle, zur Putzfrau sind meistens nur die guten freundlich.


Kommentar zu: https://www.derstandard.at/story/2000110953224/da-wuerde-ich-lieber-putzen

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Menschen aus der working class, die nicht dem britischen Kastensystem als Sklaven dienen mochten, wurden als Exzentriker belächelt und ignoriert – eine raffinierte Methode, selbstbewusste Individualisten und Systemkritiker zu verharmlosen. ... Auch in diesem Jahrtausend gibt es noch tiefe Gräben zwischen den Klassen und riesige Einkommensunterschiede. Ich sage nicht, dass alle Menschen gleich viel besitzen müssen. Manchen Leuten steht mehr zu, weil sie mehr arbeiten, damit habe ich kein Problem. Aber diese drastische Armut ist durch nichts zu rechtfertigen, weder in England noch sonst wo auf der Welt. Wer akzeptiert, dass eine breite Bevölkerungsschicht ohne Geld und Bildung aufwächst, darf sich nicht über künftige Turbulenzen einer abgehängten Generation beschweren.  (John Lydon,  ZEITmagazin 19/2015)

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Aus Sicherheitsgründen werden alle Demonstrationen im Zentrum der spanischen Hauptstadt während der Krönungszeremonie, der anschließenden Militärparade und der Autofahrt des spanischen Königspaares vom Parlament zum Königspalast, sowie während des dort stattfindenden Staatsempfangs verboten. ...
Aus: "Proteste gegen spanische Monarchie verboten" (16. Juni 2014)
Quelle: http://derstandard.at/2000002070517/Proteste-gegen-spanische-Monarchie-verboten


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Schlechter Umgang - Enge Kontakte zwischen einkommensschwachen Eltern schaden ihren Kindern in der Schule, sagt die Soziologieprofessorin Anette Fasang. ...

http://www.zeit.de/2014/11/schule-eltern-netzwerke-anette-fasang

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keats, 16.03.2013: ... Schlechter Umgang ist eine unmögliche Überschrift, weil sie pauschalisierend so tut, als sei einkommensschwach = schlecht. Schlechter Umgang sind Leute ohne Charakter und Manieren, fanden meine Eltern. Das findet man bekanntermassen in allen Schichten.
http://www.zeit.de/2014/11/schule-eltern-netzwerke-anette-fasang?commentstart=1#cid-3464413

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[...] ElitePartner wirbt damit, "Akademiker und Singles mit Niveau" zu verkuppeln. Das Konzept scheint aufzugehen, im Monat Januar tummelten sich bei ElitePartner 557.000 Besucher, wie die Marktforschungsfirma Nielsen ermittelte. ... Im Foyer der loftähnlichen Büro-Etage hängen Hochzeitsfotos und Geburtsanzeigen, "ElitePartner-Kinder" nennt Schwaner diese Babys. ...

Aus: "Online-Partnerbörsen 7E46487C sucht die Liebe" Von Annette Bruhns (08.05.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegelwissen/singleboersen-suche-nach-der-grossen-liebe-a-831821.html

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[...] Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein bevorzugen besonders stark die Kinder der sogenannten "oberen Dienstklasse". Das bedeutet: Kinder aus akademisch gebildetem, reichem Elternhaus bekommen dort, trotz gleicher Leistung, sechsmal so große Chancen aufs Gymnasium wie Arbeiterkinder. ... Das Fazit der Forscher ist ernüchternd: "Die deutschen Schulsysteme bieten Kindern und Jugendlichen sehr unterschiedliche Chancen, ihre Kompetenzen zu entwickeln." ...


Aus: "Deutschland, Land der Schulabsteiger" Von Christian Füller (12.03.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,820475,00.html

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[...] Sledgehammer (23. Juni 2019 — 08:05): "Das Untier in uns präferiert von jeher den abwärtsgerichteten sozialen Vergleich zur Selbstwertsteigerung."
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Elmar Benninghaus: " ... Die Frage, woher der Hass kommt,- ist ein bisschen scheinheilig, – oder? Die Frage, woher die Bösartigkeit kommen könnte, fände ich viel ehrlicher. Bau ne Leistungsgesellschaft, am besten noch per Agenda, lass Sprüche wie; „Ende des Schmusekurses“ los, sprich von Winnern and Loosern, erhebe den Egoismus zum ökonomischen Gesetz, fördere dieses „Ich/wir sind besser als der/die da, hetze und hack gewaltig auch noch per Medien auf Arbeitslose ein, beleg sie auch noch mit Sanktionen und verbreite damit Angst und Schrecken bei den Gläubigen dieses Wahnsinns, bring zwischendurch noch ein; „Wir sind Papst“ und überhaupt die King-Käse-Glocken in Europa, – desozialisiere und dehumansisiere alles für den großen Gott; „Markt“, und nenn die Menschen darin auch noch menschliche Ressourcen,- …. ja was glaubt ihr denn, was ihr danach für Barbaren habt? ..."


Quelle: https://klausbaum.wordpress.com/2019/06/22/woher-der-hass-kommt/

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Philippe Ressing - 17.12.2019, 10:39

Ja der Bourgeois entspricht halt immer noch den Karrikaturen Daumiers. Ach und bevor bei uns ieder über 'diese Franzosen' gelästert wird - mal den Namen Peter Hartz googlen.....


Kommentar zu: "Macrons Rentenarchitekt tritt zurück" Ein unvermeidlicher Rücktritt Jean-Paul Delevoye muss gehen, weil er Nebeneinkünfte verschwieg. Das ist eine moralische Niederlage.
Quelle: https://taz.de/Macrons-Rentenarchitekt-tritt-zurueck/!5646282/

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[...] Peter Hartz (* 9. August 1941 in St. Ingbert) ist ein ehemaliger deutscher Manager. Er war bis Juli 2005 der Personalvorstand und Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG. Nach ihm wurden die als Hartz-Konzept bekannten Arbeitsmarktreformen der frühen 2000er Jahre benannt.

... Zu größerer Bekanntheit kam Hartz Anfang 2002, als er vor dem Hintergrund des Vermittlungsskandals von der Bundesregierung beauftragt wurde, ein Reformkonzept für die arbeitsmarktbezogenen Sozialgesetze und für die damalige Bundesanstalt für Arbeit zu entwickeln. Hartz leitete eine nach ihm benannte Kommission, die das Hartz-Konzept erarbeitete und damit umfangreiche sozialrechtliche Änderungen vorbereitete, die in den Folgejahren wirksam wurden. Hartz distanzierte sich später von Teilen der Reform. Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählte den Ausdruck „Hartz IV“ zum Wort des Jahres 2004.

... Die Punkte 21 bis 44 der Anklage betrafen Spesenmissbrauch, Prostituierte und Lustreisen. Hartz gab seinem Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer den Auftrag, Betriebsrat Volkert „großzügig und wertschätzend zu behandeln und dabei nicht kleinlich zu sein.“ „Tatsächlich enthielten die Abrechnungen angeblich dienstlich veranlasster Kosten unter anderem Ausgaben für die Inanspruchnahme von Prostituierten, den Kauf von Maßanzügen und Schmuck, die Anmietung und Renovierung einer lediglich privat genutzten Wohnung in Braunschweig“. Die Ermittler erwähnten nicht, dass auch Hartz selbst sich Prostituierte von VW bezahlen ließ. „Derart peinliche Details wurden im Rahmen eines Deals des grundsätzlich geständigen Hartz mit der Staatsanwaltschaft wegen geringer Schwere eingestellt“.[8]

Am 17. Januar 2007 gestand Hartz in der auf zwei Verhandlungstage angesetzten Gerichtsverhandlung alle 44 Anklagepunkte ein. Der Gesamtschaden dieser Affäre beträgt 2,6 Millionen Euro, wovon Hartz fast zwei Millionen Euro an den damaligen Chef des Betriebsrats Klaus Volkert gezahlt hatte. Das Landgericht Braunschweig folgte den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidiger und verhängte am 25. Januar 2007 wegen Untreue und Begünstigung des VW-Betriebsratsvorsitzenden eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, sowie eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen à 1600 € (insgesamt also 576.000 €). Im Rahmen der Strafzumessung wurde das volle Geständnis strafmildernd berücksichtigt. ...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Hartz (Stand: 10. Dezember 2019)

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[...] Der „Schicht“-Begriff ist, verglichen mit dem „Klassen“- und „Standes“-Begriff, verhältnismäßig neu. Als Begründer der Schichtungssoziologie gilt Theodor Geiger, dieser entwickelte 1932 Ansätze des Schichtenbegriffs für die Sozialstrukturanalyse des Deutschen Reiches als eine Auseinandersetzung mit dem „Klassen“-Begriff.

[...] Laut dem französischen Soziologen Georges Balandier gibt es keine Gesellschaft ohne Macht und keine Macht ohne Hierarchie. Diese Vorstellung existiert nicht nur in der Soziologie, sondern hat sich tief in den sozialen Repräsentationen westlicher Gesellschaften verankert. Die Strukturierung der Gesellschaft in Schichten findet sich bereits in der Veda, der Bibel und dem Koran, auch in vielen Mythen von Naturvölkern; Mythen die die gesellschaftliche Schichtung gleichzeitig erklären als auch legitimieren. Andere religiöse/spirituelle Texte versprechen eine Umkehrung der auf der Erde existierenden Verhältnisse (z.B. Lukas 6, 20, vgl. auch Cargokult).

Max Weber, der Begründer der Religionssoziologie, hat in seiner Analyse feudaler Gesellschaften auf den Zusammenhang zwischen Religion und Klasse hingewiesen. Bei Weber reflektiert die Religion einerseits die existierenden gesellschaftlichen Hierarchien, andererseits drückt das Individuum durch seine religiöse Praxis auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht aus.

[...] Unabhängig davon, ob Hierarchien objektiv existieren oder nicht, haben Individuen immer das Bedürfnis, ihre soziale Umwelt zu ordnen und zu strukturieren (→ Kategorisierung). Ein Teilbereich der soziologischen Forschung befasst sich deswegen mit den sozialen Repräsentationen gesellschaftlicher Schichten. Mythen und religiöse Texte stellen einen Schwerpunkt der Analyse dar. So hat Stanislas Ossowski darauf hingewiesen, dass Mythen in den meisten Fällen eine vereinfachte Darstellung unserer Sicht des sozialen Raumes sind und diese erstaunlich häufig einfache Dichotomien aufweisen.

Auf die Schwierigkeiten, die objektive soziale Schichtung einer Gesellschaft zu untersuchen, hat u.a. der US-amerikanische Soziologe W. Lloyd Warner hingewiesen. Warners Ziel war es, eine Typologie des gesellschaftlichen Raumes in US-amerikanischen Städten zu erstellen. Er legte jedoch stattdessen eine Typologie der subjektiven Vorstellungen der US-Amerikaner über ihren sozialen Raum vor. Warner schloss daraus, das Klasse/Schicht nur dann vorhanden sein kann, wenn sich die Individuen ihr zugehörig fühlen und sich mit anderen Mitgliedern derselben Klasse/Schicht identifizieren. Diese Identifikation beruht auf der Vorstellung, die das Individuum von der bestehenden Sozialstruktur hat. Dort ordnet der Akteur sich und andere ein und weist Positionen zu.

Pierre Bourdieu verband das Konzept objektiver sozialer Klassifizierung mit dem der subjektiven Klassifizierung. Er untersuchte anhand einer umfangreichen empirischen Studie mit neu entwickeltem theoretischem Werkzeug, wie diese Klassifizierung vorzunehmen ist. Er stellte dabei fest, dass die Machtverhältnisse zwischen Individuen und Klassen bzw. Schichten ständigem Wandel unterworfen sind und jeweils neu ajustiert werden müssen. Dieser Vorgang ermöglicht es, dass die "hierarchisierte soziale Ordnung innerhalb einer sozialen Formation eine objektive Existenz" bekommt. Diese wird wiederum von den Individuuen verinnerlicht und die "soziale Ordnung brennt sich mit der Zeit in die Hirne ein. So werden soziale Unterschiede zur Grundlage der sozialen Unterscheidung, die die Wahrnehmung der sozialen Welt organisiert" (Bourdieu, 1979, S. 549).


Aus: "Sozialstruktur" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialstruktur

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[...] Klassismus ist die Bezeichnung für die Diskriminierung von Angehörigen einer als 'niedriger' wahrgenommenen sozialen Klasse durch eine andere. Der Begriff setzt damit die Existenz einer Klassengesellschaft voraus und ist eine aus dem Englischen kommende Parallelbildung zu Racism, also Rassismus.

Der Begriff Klassismus ist negativ besetzt. Gegen Klassismus in der Politik, Gesellschaft und Kultur wendet sich der Antiklassismus.


Aus: "Klassismus" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Klassismus

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[...] Unter einem Milieu versteht man in der Soziologie die Gesamtheit der räumlichen, kulturellen und sozialen Bedingungen, die ein Individuum, bzw. eine spezifische Gruppe von Individuen prägen. Zu den sozialen Bedingungen zählen z.B. Normen, Gesetze sowie wirtschaftliche und politische Bedingungen. Nach Hippolyte Taine zählt auch die innere geistige Umgebung (z.B. Mentalitäten und Gesinnungen) zum sozialen Milieu. Alle diese Bedingungen wirken sich auf die bloße Subsistenz, aber auch auf die Möglichkeiten zur Entwicklung (Sozialisation, d.h. Lern- und Reifungsprozesse) und Entfaltung (d.h. soziales Handeln) aus. Terminologisch bezeichnet man diese Bedingungen als Milieufaktoren.

Emile Durkheim unterscheidet begrifflich zwischen äußerem und innerem sozialen Milieu. Beide sind für ihn gesellschaftliche Subsysteme, wobei das äußere Milieu die sozial festgelegten Verhaltens- und Erlebensweisen, sowie die sozialen Gebilde insgesamt umfasst. Das innere Milieu besteht aus denjenigen Weisen der Festlegung von Verhalten und Erleben, sowie aus den Strukturprinzipen des Aufbaus sozialer Gebilde, die innerhalb einer Gesellschaft wirken. Das innere soziale Milieu definiert sich sequentiell als Verhältnis eines abgrenzbaren sozialen Gefüges zu allen seinen zeitlich vorhergegangenen Gegenständen und Produkten sozialer Aktivitäten. Als wichtigste Faktoren für das innere soziale Milieu begreift er Soziales Volumen (Zahl der sozialen Einheiten aus denen sich ein soziales Gebilde zusammensetzt) und Dichte (Anzahl der Interaktionen oder Kontakte innerhalb eines sozialen Volumens) der miteinander in Beziehung stehenden Individuen oder Gruppen.

[...] Jörg Ueltzhöffer, heute Geschäftsführer des SIGMA Instituts, legte 1980 unter dem Titel „Lebensweltanalyse: Explorationen zum Alltagsbewußtsein und Alltagshandeln“ ein Gutachten vor, das erstmals ein für die Markt- und Sozialforschung völlig neuartiges Zielgruppenmodell vorstellte, das er gemeinsam mit dem Marktpsychologen B. Flaig (heute Geschäftsführer des SINUS-Instituts) entwickelt hatte: das „Modell der Sozialen Milieus“. In den folgenden beiden Jahrzehnten erlebte dieses Modell unter verschiedenen Bezeichnungen (SIGMA Milieus, SINUS Milieus) einen Siegeszug ohnegleichen in der Markt-, Media-, Kommunikations- und Sozialforschung.

    * Konservativ gehobenes Milieu
    * Kleinbürgerliches Milieu
    * Traditionelles Arbeitermilieu
    * Traditionsloses Arbeitermilieu
    * Aufstiegsorientiertes Milieu
    * Technokratisch-liberales Milieu
    * Hedonistisches Milieu
    * Alternatives Milieu

Die Typologien wurden von den Sozialwissenschaften übernommen und lösten in den 1990er Jahren in der "neuen Sozialstrukturforschung" eine Welle von Lebensstiluntersuchungen aus. Das SIGMA-Institut führt diese ursprüngliche Milieuforschungs-Tradition in Form des SIGMA-Milieumodells bis heute bruchlos fort. Heute unterscheidet SIGMA die folgenden Sozialen Milieus in Deutschland:

    * Etabliertes Milieu
    * Traditionell Bürgerliches Milieu
    * Traditionelles Arbeitermilieu
    * Konsummaterialistisches Milieu
    * Aufstiegsorientiertes Milieu
    * Liberal-Intellektuelles Milieu
    * Modernes Bürgerliches Milieu
    * Modernes Arbeitnehmer Milieu
    * Hedonistisches Milieu
    * Postmodernes Milieu

Im Jahr 2001 hat das Sinus-Institut (jetzt: Sinus Sociovision) das Modell der Sinus-Milieus vorgelegt, das sich deutlich vom vorherigen Modell unterscheidet.

Ein weiteres Milieumodell, das in den vergangenen zehn Jahren erhebliche Popularität gewann, ist das Modell von Gerhard Schulze, das er in seinem Buch "Die Erlebnisgesellschaft" vertritt. Bei Gerhard Schulze treten an deren Stelle der o.g. Milieus, vegleichbare Milieus, die aber stärker über Freizeitgestaltung und gewähltem Lebensstil charakterisiert und benannt werden:

    * Niveaumilieu
    * Harmoniemilieu
    * Selbstverwirklichungsemilieu
    * Unterhaltungsmilieu
    * Integrationsmilieu



Aus: "Soziales Milieu" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Milieu

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[...] TNS - Infratest beispielsweise hat für die aufsehenerregende Studie über Deutschland im Reformprozess neun Milieus ausgemacht und mit folgenden Namen ausgestattet:

   1. Abgehängtes Prekariat (8 %)
   2. Autoritätsorientierte Geringqualifizierte (7 %)
   3. Selbstgenügsame Traditionalisten (11 %)
   4. Bedrohte Arbeitnehmermitte (16 %)
   5. Zufriedene Aufsteiger (13 %)
   6. Engagiertes Bürgertum (10 %)
   7. Kritische Bildungselite (9 %)
   8. Etablierte Leistungsträger (15 %)
   9. Leistungsindividualisten (11 %)


Aus: "DEUTSCHE MILIEUS - Das alte und neue Unten" Von Franz Walter (SPON; 17. Februar 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,466865,00.html
« Last Edit: Januar 01, 2020, 06:56:42 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Die Symbolik entstand in analphabetischer Zeit... (Notizen)]
« Reply #1 on: Februar 18, 2007, 02:47:51 nachm. »
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[...] Gleichheit ist ein Begriff, der im Allgemeinen eine Übereinstimmung verschiedener Gegenstände, Methoden, Denkweisen oder Eigenschaften zum Ausdruck bringt. Von den Nachbarbegriffen kann Gleichheit wie folgt abgegrenzt werden: Identität bedeutet eine völlige Übereinstimmung in allen Merkmalen. Ähnlichkeit meint eine nur annähernde Übereinstimmung.


Aus: "Gleichheit" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichheit

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[...] Habitus (lateinisch habitus = "Gehaben", von habere = "haben") war im gehobenen Deutsch ein Ausdruck für ein besonderes Auftreten oder Benehmen eines Menschen (Beispiel: Obwohl er nun schon jahrelang Politiker ist, verfällt er immer noch in den Habitus eines Lehrers.)

[...] Der Habitus umfasst:

    * ein „System dauerhafter und übertragbarer Dispositionen“, welche als Erzeugungs- und Ordnungsgrundlage für Praktiken und Vorstellungen dienen, die sich in der Spontaneität des Momentes, also ohne Wissen und ohne Bewusstsein in der Praxis eines Menschen offenbaren;
    * einverleibte, zur Natur gewordene und damit als solche vergessene verinnerlichte, also inkorporierte Geschichte;
    * ein „sozial konstituiertes System von strukturierten und strukturierenden Dispositionen, das durch Praxis erworben wird und konstant auf praktische Funktionen ausgerichtet ist“;
    * Zeichen der Distinktion der einzelnen Klassen, die sich unter anderem in einer speziellen Kleidung, Sprache, Geschmack oder dem Konsumverhalten äußert;
    * Denk- und Sichtweise der Wahrnehmungsschemata, welche die Prinzipien des Urteilens und Bewertens - die "Doxa" - begründen.

Außerdem benutzt Bourdieu in diesem Zusammenhang folgende Terminologie:

    * „Körper gewordene Sprache“ bedeutet: Durch den Habitus verdinglichen sich Denk- und Sichtweisen am menschlichen Körper.

    * Praxis meint, dass der Habitus den Menschen jeden Moment seines Daseins durchdringt und seinen Handlungsspielraum einengt, ihm aber Möglichkeiten der Gestaltung innerhalb dieses Rahmens lässt.

    * Generativer Operator stellt eine erzeugende Verbindung von Strukturierendem und Strukturiertem bereit.

In modernen Industriegesellschaften unterscheiden sich gemäß Bourdieu die einzelnen sozialen Klassen nicht nur durch ihre unterschiedliche Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel, sondern auch durch „feine Unterschiede” in ihren Habitusformen. Diese Unterschiede, die Zeichen der Distinktion, beziehen sich z. B. auf Kleidung, Sprache, Geschmack und das Konsumverhalten.

Habitus meint bei Bourdieu die klassenspezifisch erworbene, unbewusste aber genaue Angepasstheit der Dispositionen, Verhaltensmuster und Einstellungen einer Person an das jeweilige soziale (Um-)Feld. Das gesamte Handeln der Individuen wird von diesem Habitus bestimmt: Der Habitus leistet die Umsetzung objektiver gesellschaftlicher Verhältnisse in subjektive, individuelle und klassenbestimmte Praxis. Unbewusst und trotzdem genau angepasst an das soziale Feld ist diese Praxis deshalb, weil der Habitus geschichtlich erst in Reaktion auf ein immer schon vorhandenes soziales Feld entsteht. Der Habitus ist daher das Produkt eines geschichtlichen Prozesses. In ihm manifestieren sich die objektiven Notwendigkeiten und Möglichkeiten des Handelns einer Klasse und werden mittels eines Klassenethos in subjektiven Sinn verwandelt.


Aus: "Habitus (Soziologie)" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Habitus_%28Soziologie%29

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[...] Habituation (v. lat.: habituari: "etwas an sich haben" bzw. habitus: "Aussehen, Haltung"; Adjektiv habituell: "zur Gewohnheit geworden") bezeichnet eine einfache (und beim Menschen in der Regel nicht-bewusste) Form des Lernens. Habituation setzt ein, wenn ein Individuum wiederholt einem Reiz ausgesetzt ist, der sich als unbedeutend erweist. Die Reaktion auf diesen Reiz schwächt sich dann allmählich ab und unterbleibt schließlich womöglich völlig. Hält man nach Eintritt der Habituation den Reiz genügend lange fern, nimmt die Reaktionsbereitschaft des Individuums in der Regel wieder zu. Das Gegenteil zu Habituation ist Sensitivierung.


Aus: "Habituation" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Habituation


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[...] Unter dem Sammelbegriff Mittelschicht werden in der Soziologie diejenigen Bevölkerungsgruppen bezeichnet, die sich in Bezug auf ihr Einkommen bzw. ihren Besitz weder der vermögenden Oberschicht noch der besitzlosen und einkommensschwachen Unterschicht zuordnen lassen.

Entstanden ist dieser Begriff ursprünglich in Abgrenzung zur Theorie der Zwei-Klassen-Gesellschaft. Es sollte hervorgehoben werden, dass es eine Bevölkerungsschicht gibt, die weder den Kapitalisten noch dem Proletariat zuzurechnen ist.


Aus: "Mittelschicht" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelschicht

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[...] Prekariat ist ein Begriff aus der Soziologie und definiert "ungeschützte Arbeitende und Arbeitslose" als eine neue Soziale Schicht. Der Begriff selbst ist ein Neologismus, der vom Adjektiv prekär (schwierig, misslich, bedenklich) analog zu Proletariat abgeleitet worden ist.

Dabei handelt es sich um keine sozial homogene Gruppierung. Vielmehr setzt sich das Prekariat aus kleinen Selbständigen und Angestellten auf Zeit, aus Praktikanten, aber auch aus chronisch Kranken, Alleinerziehenden und Langzeitarbeitslosen zusammen. Evelyne Perrin von Stop-Précarité sagt hierzu: „In dieser neuen kapitalistischen Organisation wird das Prekariat strukturell und für die Arbeitgeber handelt es sich darum, dem Prekariat das Risiko der Beschäftigung aufzulasten, alles zu veräußerlichen, was sozialer Schutz und gemeinsame Garantie vor dem Verlust des Arbeitsplatzes war.“

[...] Die Idee der Existenz einer sozial als niedrig einzustufenden Gruppierung, die als Prekariat bezeichnet werden kann, ist an sich alt (vgl. Unehrliche Berufe, Lumpenproletariat, Sozial Verachtete), geht gegenwärtig [ab 2006] aber auf die Konzeption des Bordiguismus zurück, nach der das Proletariat als die Leute ohne Mittel definiert wird. Gruppen wie die französische "Sans Reserves" in den 1980er Jahren und die anarchistisch-bordiguistische italienische "Precari Nati" arbeiteten diese Konzeption aus.

Etymologisch sind für den deutschen Sprachbereich die Schreibweisen 'Prekariat' und 'Präkariat' gleichberechtigt akzeptabel. Vgl. lat. precarium = ein bittweises, auf Widerruf gewährtes Besitzverhältnis.

"Prekariat" ist heute eine neue Konzeption der post-industriellen Soziologie, wozu der italienische Politologe Alex Foti erklärt: „Das Prekariat ist in der post-industriellen Gesellschaft das, was das Proletariat in der Industriegesellschaft war“.


Aus: "Prekariat" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Prekariat

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[...] Das Proletariat (vom lat. proletarius „der untersten Volksschicht angehörend“) bezeichnete die gesellschaftliche Schicht der Landlosen (Besitzlosen), welche aber nicht versklavt waren. Der Begriff wird auch so verstanden, dass die Proletarier diejenigen sind, die als Besitz nur ihre Nachkommen (lat. proles) haben.


Aus: "Proletariat" (0272007)
Quelle:  http://de.wikipedia.org/wiki/Proletariat

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[...] Bemerkenswert schnell mündete die Debatte über die Unterschicht, die im Herbst ausbrach, in eine Diskussion über die Nöte der Mitte. SPD-Chef Kurt Beck will sich verstärkt um die »Mitte der Gesellschaft« kümmern. Und Guido Westerwelle positioniert seine FDP als Partei für die »vergessene Mitte«.


Aus: "Die Angst der Mittelschicht" Von Thomas Fischermann (DIE ZEIT, 15.02.2007 Nr. 08)
Quelle: http://www.zeit.de/2007/08/Mittelschicht-Deutschland?page=all

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[...] Den umstrittenen Begriff Neue Unterschicht kann man - trotz Verwendung des „Schicht“-Begriffes - der kulturalistischen Klassentheorie zuordnen. Wichtigster Vertreter ist Paul Nolte, der in seiner Schrift "Generation Reform" von 2004 eine kulturelle Spaltung der „Neuen Unterschicht“ von der Mehrheitsgesellschaft ausmacht.

Wichtige Eckpunkte der Theorie:

    * extreme Vermögensunterschiede würden als gegeben hingenommen
    * die Angehörigen der „Neuen Unterschicht“ seien durch sozialstaatliche Alimentierung kulturell verwahrlost (Zigaretten, Alkohol)
    * und sähen sich außer Stande, sich der „bürgerlichen Leitkultur“ (Nolte) anzupassen.

Kritik an diesem Ansatz: er konstruiert „eine Bedrohung für die Mehrheitsgesellschaft“ und setzt Personen, die zur Gruppe der „Neuen Unterschicht“ gerechnet werden, Diffamierungen aus. Seit Noltes Veröffentlichung wurde dem Begriff in allen größeren Magazinen Leitartikel gewidmet und es erschienen einige Fernsehreportagen eigens zu diesem Thema.


Aus: "Neue Unterschicht" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Unterschicht

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[...] Unter „Elite“ (lat.: Auswahl) versteht man die Zusammenfassung überdurchschnittlich qualifizierter Personen (Funktionseliten, auch Leistungseliten) oder die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise (Machteliten) in einer Gesellschaft, darüber hinaus je nach Bezug auch andere Eliten, wie z. B. die Bildungselite. Da aber die Begriffe ineinander übergehen, werden sie hier in einem Artikel abgehandelt. Als Gegenbegriff wird häufig Masse benutzt.

Im Duden ist Elite mit "Auslese der Besten" umschrieben.


Aus: "Elite" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Elite

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[...] Als Statussymbol wird ein Objekt bezeichnet, das den gesellschaftlichen Stand oder sozialen Status seines Besitzers oder Trägers zum Ausdruck bringt. Die Symbolik entstand in analphabetischer Zeit, wo durch Pikto- oder Hierogramme auf einen Statusträger aufmerksam gemacht wurde. Ein Statussymbol ist umgekehrt ein Indikator für den gesellschaftlichen Status eines Menschen. Dabei kann es um den Status hinsichtlich gesellschaftlicher Werte (Einkommen, Ansehen, Bildung, Bekanntheit usw.) ebenso gehen wie um die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe.

Ein Statussymbol kann beispielsweise ein Titel, ein Abzeichen, ein Wirtschaftsgut oder eine Marke sein, aber auch eine Verhaltensweise oder die Partnerschaft zu einflussreichen, angesehenen oder mächtigen Menschen usw.

In der ursprünglichen Bedeutung kann ein Statussymbol nur erworben werden, wenn sein Besitzer den entsprechenden Status bereits besitzt, z. B. ein Monarch. Auch ein Doktortitel als Ausdruck der akademischen Karriere oder die erkennbare Mitgliedschaft in einem exklusiven Golfclub, die nur durch Fürsprache erworben werden kann.

Darüber hinaus werden aber auch Gegenständen zu Statussymbolen (Krone, Reichsapfel, Zepter), deren Besitz den Status als Voraussetzung haben und anzeigen dass der Betreffende den symbolisierten Status innehat. Für den Betrachter können auch Gegenstände zum Indikator für den Status einen Menschen werden, die von dem Träger nicht mit dieser Absicht angeschafft und getragen wurden.

Irrige Beispiele für Statussymbole: Wer ein teures Auto fährt, will mit großer Wahrscheinlichkeit anzeigen, dass er genug Einkommen hat, sich das leisten zu können oder zumindest ausreichend kreditwürdig zu sein. Wer über viele wissenschaftliche Bücher verfügt, ist wahrscheinlich belesen und verfügt über eine höhere Bildung. Wer einen in einem bestimmten Milieu üblichen Kleidungsstil trägt, gehört mit großer Wahrscheinlichkeit diesem Milieu an.

Umgangssprachlich wird „Statussymbol“ nahezu synonym mit „Prestigeobjekt“ verwendet. Dennoch gibt es auch Statussymbole für einen geringen gesellschaftlichen Status (Beispiel: derbe Umgangsformen als Indikator für geringe Bildung.) Und es gibt Symbole für den Status der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, die man nicht mit „oben“ oder „unten“ deklarieren kann (Beispiel Irokesenfrisur als Indikator der Zugehörigkeit zur Punk-Szene). Diese Statussymbole, die nicht auf einen prestige-trächtigen Status verweisen, sind keine Prestigeobjekte.

Statussymbole können auch dazu benutzt werden, sich den Schein eines höheren oder niedrigeren Status zu geben.


Aus: "Statussymbol" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Statussymbol

-.-

Quote
[....] Unter Arbeiterkindern werden, neben der reinen Wortbedeutung „Kinder von Arbeitern und/oder Arbeiterinnen“, Kinder oder Jugendliche mit Zugehörigkeit zu einer unteren sozialen Schicht verstanden, die allgemein über geringes Einkommen, geringes Ansehen und geringe Bildungschancen verfügen. Der Begriff hat eine biographische Bedeutung, da das Umfeld der ersten Lebensjahre eines Menschen besonders prägend ist – diese Prägung wird mit dem Begriff Habitus umschrieben.

[...] Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich in Deutschland allmählich die Arbeiterfamilie vom bäuerlichen zum bürgerlichen Vorbild. Damit einhergehend wurde die Fürsorge- und Erziehungspflicht für Arbeiterkinder immer stärker auf die Mütter verschoben. Allerdings waren Mütter in Arbeiterfamilien im Gegensatz zu Müttern in bürgerlichen Familien in der Regel berufstätig. Die Fröbelschen Halbtagskindergärten, die als familienergänzende Bildungseinrichtungen konzipiert waren, wurden vor allem von Bürgerkindern besucht, für Arbeiterkinder waren bestenfalls Verwahranstalten vorgesehen.

[...] Aus der schwarzen Rude Boy- und der weißen Mod-Szene entwickelte sich in den britischen Arbeitervierteln die Jugendbewegung der Skinheads. Diese grenzten sich von den Mods ab durch das Tragen von typischer Arbeiterkleidung. Sie wollten die Werte der verschwindenen traditionellen Arbeiterkultur ihrer Heimat aufrechterhalten, was sich durch ihre Kleidung und ihr Verhalten ausdrückte.

Auch die Punk-Bewegung hat ihre Wurzeln sehr stark in den US-amerikanischen und westeuropäischen Arbeitervierteln. So war die englische Punk-Musik vormals unter dem Begriff Working Class Rock´n´Roll geläufig (Siehe auch Oi!).

[...] Im französischen und italienischem Sprachgebrauch fiel Ende der 60er Jahre des öfteren der Terminus Arbeiter-Studenten. Hiermit waren Studierende aus der Arbeiterschicht gemeint. Diese beteiligten sich in den Mai-Unruhen an der besetzten Universität Sorbonne oder an Hausbesetzungen in Italien. Auch in Deutschland gab es Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre Hausbesetzungen von Jugendlichen aus Arbeiterfamilien. So ist z.B. das Georg-von-Rauch-Haus in Berlin fast ausschließlich von Arbeiterjugendlichen besetzt worden. Studenten wurden dort geduldet, linke Uni-Professoren hingegen nicht.

Zumindest in Deutschland entstammten die Protagonisten der frühen Punkbewegung jedoch fast durchweg dem bürgerlichen Milieu.

Auch der Hip-Hop hat seine Ursprünge in der urbanen Unterschicht. Vor allem in us-amerikanischen Innenstädten, aus denen die Industriebetriebe seit den 1970ern wegzogen, wodurch die Arbeitslosenrate unter den schwarzen Arbeiterkindern auf bis zu 40% stieg, entwickelten diese den Hip Hop mit seinen Ausprägungen Rap, (MCing), DJing, Breakdance und Graffiti zu einer immer populärer werdenden Subkultur. In Deutschland entwickelten seit den 1980er Jahren türkische Arbeiterkinder den türkischen Hip Hop.

In den letzten Jahren hat sich der ursprünglich rassistische und klassistische Begriff White Trash (Weißer Müll), ähnlich wie Nigger bei den Menschen afrikanischer Herkunft, unter Weißen zur Marke entwickelt. Künstler gehen heute offener mit ihrer proletarische Herkunft um und kokettieren sogar damit. Diese Entwicklung ist wahrscheinlich dem Wunsch nach einer kulturellen Identität dieser Künstler geschuldet und als solche wohl eine Reaktion auf den Urbanismus der Schwarzen, die gern damit prahlen aus dem Ghetto zu stammen, auch wenn dies oft nicht der Wahrheit entspricht.


Aus: "Arbeiterkinder" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterkinder

« Last Edit: Februar 18, 2007, 08:00:06 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Unterschichtenfernsehen... (Notizen)]
« Reply #2 on: Februar 18, 2007, 03:16:40 nachm. »
Quote
[...] Unterschichtenfernsehen ist eine Bezeichnung für Sender und Sendungen mit geringem Anspruch. Zuerst hatte das Satiremagazin Titanic den Ausdruck veröffentlicht. Eine Fernsehshow popularisierte ihn 2005, in der Harald Schmidt das Unterschichtenfernsehen dem Buch Generation Reform von Paul Nolte entnahm. Das beschreibt eine „neue Unterschicht“, die mangelnde Bildung kennzeichne. Schmidt bezieht sich explizit auf die mangelnde Bildung, die auch Schwerverdiener einbezieht und sich somit von der Unterschicht-Debatte löst.

Die Bezeichnung „Unterschicht“ für einkommensschwache und mit geringen Bildungstiteln ausgerüstete Mitglieder der Gesellschaft war längst negativ belegt, bevor „Unterschichtenfernsehen“ ihr einen Mangel an Geschmack und Bildung zuschob, der so eindeutig nicht zu belegen ist. Nach Ansicht von Kommentatoren hatten ausserdem Sozialreformen Angst vor Armut ausgelöst und den Begriff „Unterschichtenfernsehen“ öffentlich umso heftiger diskutieren lassen.

[...] Die Medienkritik trifft mit dem Begriff vor allem das Privatfernsehen. Das produziere - nur auf Gewinnmaximierung aus - mit Reality TV und sogenanntem Affektfernsehen anspruchslose, billig gemachte und geschmacklose Fernsehunterhaltung ohne Bildungswert. Anspruchsvolle Unterhaltung und Information zu kulturell oder politisch reflektierten Inhalten findet demgegenüber gerade im Privatfernsehen eher punktuell statt, da die kaufkraftrelevanten Zielgruppen der 14-49 jährigen Konsumenten mit hohem Bedarf an identitätsstärkenden Produkten und Dienstleistungen gerade zu den attraktiven Sendezeiten ein unterdurchschnittlich hohes Interesse an entsprechenden Sendungen haben. Selbst öffentlich-rechtliches Fernsehen legt bildungsrelevante und wissenschaftlich oder politisch fundierte Inhalte zugunsten der Unterhaltung i. d. R. auf Sendeplätze nach 22 Uhr und (sogenannte) "3. Programme" - wo konsumgüterorientiert kaufkraftrelevante Zuschauergruppen mehrheitlich nicht fernsehen. Insofern ist das Phänomen stark, jedoch nicht nur dem Privatfernsehen zuzuschreiben.

Auf der anderen Seite korreliert der Zusammenhang zwischen dem vermehrten Konsum hochwertiger Unterhaltung und Dokumentation überzufällig hoch mit Zuschauern mittlerer und höherer Bildungsabschlüsse. Sendungen mit obszönem oder niveaulosem Talk-Inhalt können schon aufgrund ihrer Sendezeit zur Kernarbeitszeit vollerwerbstätiger Bevölkerungsanteile überwiegend nur eher einkommensschwache Arbeitslose und Rentner sehen; oder sie kommen eben aufgrund der Sendezeit schon überwiegend zur Entspannung nach einer Wechselschichttätigkeit in Frage.

Die Diskussion führte sogar so weit, dass die ProSiebenSat.1 Media AG im April 2005 eine Studie vorlegte, die zeigen sollte, dass auch Gutverdienende und überdurchschnittlich Gebildete Privatfernsehen schauen. Die Interpretation der Daten durch die zu dem Konzern gehörige Vermarktungsgesellschaft SevenOneMedia ist jedoch umstritten, da zum einen die Unabhängigkeit der Untersuchung in Frage gestellt werden kann und zum anderen die Aussage über sämtliche Inhalte des Privatfernsehens hinweg, wenig über die spezielle Zusammensetzung der angesprochenen Konsumenten von Affektfernsehen und Reality TV zu den besagten Sendezeiten und Zuschauerzielgruppen aussagt.


Aus: "Unterschichtenfernsehen" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Unterschichtenfernsehen


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[Lebensgewohnheiten wurden erforscht wie die von Feldhasen... ]
« Reply #3 on: Februar 18, 2007, 03:27:39 nachm. »
Quote
[...] Wir wissen mittlerweile eine ganze Menge über die Unterschichtler von heute, obwohl sie sich kaum zu Wort melden. Sie machen kein großes Aufhebens von sich, kriechen immer tiefer in ihre Wohnsilos hinein, wohin ihnen Dutzende von Soziologen gefolgt sind. Ihre Lebensgewohnheiten wurden erforscht wie die von Feldhasen. Wir verfügen über eine ziemlich scharf gerasterte Typologie, die uns die Fremdlinge im eigenen Land besser erkennen lassen.

Daher wissen wir: der Prolet von heute besitzt mehr Geld als die Arbeiter vergangener Generationen und wenn er im Anzapfen des Sozialstaats eine gewisse Fertigkeit entwickelt hat, verfügt er über ein Haushaltseinkommen, das mit dem von Streifenpolizisten, Lagerarbeitern und Taxifahrern allemal mithalten kann. Es ist nicht die materielle Armut, die ihn von anderen unterscheidet.

Auffällig hingegen sind die Symptome der geistigen Verwahrlosung.

Der neue Prolet schaut den halben Tag fern, weshalb die TV-Macher bereits von "Unterschichtenfernsehen" sprechen. Er isst viel und fettig, er raucht und trinkt gern. Rund acht Prozent der Deutschen konsumieren 40 Prozent allen im Land verkauften Alkohols. Er ist kinderreich und in seinen familiären Bindungen eher instabil. Er wählt am Wahltag aus Protest die Linken oder die Rechten, zuweilen wechselt er schnell hintereinander.

Selbst für seine Kinder unternimmt er keine allzu großen Anstrengungen, die Tür in Richtung Zukunft aufzustoßen. Ihre Spracherziehung ist so schlecht wie ihre Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Der Analphabetismus wächst im gleichen Maß, wie die Chancen auf Integration der Deklassierten schrumpfen. Die Amerikaner sprechen in der ihnen eigenen Direktheit von "white trash", weißem Müll.

Das neue Proletariat als homogene Klasse ist erst in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Überall in jenen Industrienationen, die sich die führenden nennen, bildet es sich heraus. Die moderne Volkswirtschaft hat offenbar nichts zu bieten für Leute, die wenig wissen und dann auch noch das Falsche.


Aus: "SOZIALER VERFALL: Die neuen Proleten" Von Gabor Steingart; Gabor Steingart, 44, leitet das Hauptstadtbüro des SPIEGEL. Sein vorheriges Buch heißt "Deutschland. Der Abstieg eines Superstars"(16. September 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,436351,00.html

Quelle #2: http://de.wikipedia.org/wiki/White_Trash
-.-

Quote
[...] "Nicht einmal Benimm weiß der Pöbel zu wahren. Der Verfassungsrichter
Udo Di Fabio klagt in seinem Buch "Die Kultur der Freiheit" über "Menschen,
die bei der Wahl ihrer Kleidung, in der Art, wie sie speisen oder wie sie
reden, inzwischen wieder dem Niveau vorkultureller Zeit zuzustreben scheinen.
Menschen, die schon morgens mit einer Alkoholfahne in öffentlichen
Verkehrsmitteln reisen, oder solche, die überzogen aggressiv ihre
Freizeitneigungen austoben, dürfen in unserer Kultur der selektiven Toleranz
gegenüber dem individuellen Sosein weder verlacht noch öffentlich auch unter
ästhetischen Gesichtspunkten kritisiert werden."

Aus Wüllenwebers und Di Fabios kaum kaschierten Ekel spricht, was der
Stammtisch schon immer gewusst hat: (Langzeit-)Arbeitslose sind an ihrem
Schicksal nicht nur selbst schuld ("Wer wirklich Arbeit will, der findet auch
welche"), sie sind auch noch ein Ärgernis für die restliche Gesellschaft
(Alkoholfahnen, schlechte Manieren). Neu ist allerdings, dass solche Vorurteile
zum Repertoire eines gesellschaftlichen Dialogs gehören, der sich intellektuell
gibt.

Vom Opfer zum Schuldigen in gut 20 Jahren. Was für eine paradoxe Karriere des
deutschen Arbeitslosen! War es bei einer Million Arbeitslosen nicht viel
wahrscheinlicher, dass die wenigen Betroffenen eine gewisse Mitschuld an ihrem
Schicksal trifft, als bei vier Millionen?

Es hat natürlich einen Grund, warum Langzeitarbeitslose ihren Opferstatus
verloren haben - es gibt einfach zu viele von ihnen, um sie noch zu bedauern.
Die Mittel- und Oberschicht beginnt stattdessen, sich von den Verlierern des
gesellschaftlichen Wandels abzugrenzen, und die neubürgerlichen Autoren
liefern die Argumentationshilfe.

In der Geschichte der Menschheit gab es wahrscheinlich keine Ungerechtigkeit,
die nicht von irgendwem irgendwie rational gerechtfertigt wurde. In den Romanen
Tolstois finden sich Szenen von makabrer Komik, in denen sich (meist selbst
völlig lebensuntüchtige) russische Adelige über die Notwendigkeit der
Leibeigenschaft ergehen: Die Leibeigenen ihre eigenen Äcker bestellen zu
lassen führe zu nichts. Das Gesindel sei derart faul, dass es sich nur unter
der Knute des Aufsehers zum Arbeiten aufraffe. Alles Geld würden sie
vertrinken, keine Kopeke für morgen zurücklegen.

Disziplinlosigkeit, Zukunftsvergessenheit, Alkoholismus: Alles, was Wüllenweber
und Konsorten heute an der Unterschicht beobachten, machten Tolstois Antihelden
schon vor 150 Jahre geltend. Es ging ihnen darum, die Existenz der
Leibeigenschaft vor sich und dem Rest der Gesellschaft zu rechtfertigen. Heute
geht es darum, die Existenz von Massenarbeitslosigkeit zu rechtfertigen.

Die Angehörigen der wiederentdeckten Unterschicht sind ja nicht alle erst in
den letzten 20 Jahren geboren worden. Es gab diese Menschen schon immer, sie
fielen früher nur nicht so auf. Bis in die achtziger Jahre hatte in
Westdeutschland auch das untere Fünftel der Gesellschaft zumeist einen
sicheren Arbeitsplatz, der dem Leben Halt und Struktur gab. Mit den jährlichen
tariflichen Lohnerhöhungen konnte auch diese Schicht vom wachsenden Wohlstand
profitieren. In Ostdeutschland war Arbeitslosigkeit bis zur Wiedervereinigung
ohnehin kein Thema.

Hüben wie drüben war die Unterschicht zur unteren Mittelschicht geworden, die
Bundesrepublik zum Heim einer "nivellierten Mittelstandsgesellschaft", so der
Soziologe Helmut Schelsky 1953. Wie viele Pornos der Fließbandarbeiter nach
Feierabend schaute, wie viel Bier er trank, wurde als das betrachtet, was es
natürlich auch heute noch sein sollte: seine Privatsache.

Doch seit die Arbeitslosigkeit rapide zu steigen begann - im Westen seit Anfang
der achtziger Jahre, im Osten schlagartig mit der Wiedervereinigung - wurde die
untere Mittelschicht von der Wohlstandsentwicklung abgekoppelt. Die bescheidene
berufliche Qualifikation dieser Menschen reichte immer seltener für eine
tariflich abgesicherte Vollzeitbeschäftigung. Heute leben die meisten
Angehörigen dieser Schicht von Hartz IV oder stecken in sogenannten prekären
Arbeitsverhältnissen - meist ohne Aufstiegschancen, Tarifbindung oder
Kündigungsschutz.

Warum aber reichten neun Jahre Hauptschule ohne Abschluss noch vor 30 Jahren
aus, um mit der allgemeinen Wohlstandsentwicklung Schritt zu halten, während
heute oft noch nicht einmal mehr die Mittlere Reife einen Ausbildungsplatz
garantiert?

Wichtigste Ursache ist die gewaltige Ausweitung des effektiven weltweiten
Arbeitsangebots in den letzten zwei Jahrzehnten. Vor einigen Jahrzehnten
begannen deutsche Textilfabriken mit neuen Anbietern in Asien zu konkurrieren -
und verloren, weil die deutschen Arbeiter natürlich ungleich höher bezahlt
wurden.

Die Entwicklung erfasste nach und nach immer weitere Industriezweige. Auf die
Textilindustrie folgten die Unterhaltungselektronik und schließlich auch
Stahlwerke wie das in Rheinhausen. Inzwischen sind es nicht mehr nur
Hilfsarbeiterjobs, die der Globalisierung zum Opfer fallen. Auch Aufträge in
Handwerk und Dienstleistung werden immer häufiger von ausländischen
Unternehmen übernommen, die dazu ihre niedrig entlohnten Mitarbeiter nach
Deutschland schicken - etwa auf Baustellen oder in Schlachthöfe.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es gibt keine vernünftige Alternative zur
Marktöffnung. Zum einen aus ethischen Erwägungen, denn warum sollten ein
türkischer Bekleidungshersteller oder ein polnischer Handwerker weniger Recht
als ein Deutscher darauf haben, seine Ware oder seine Dienstleistung in
Deutschland anzubieten?

Zum anderen aus wirtschaftspolitischen Gründen, weil es keinen wissenschaftlich
begründbaren Zweifel daran gibt, dass freier Handel für Wohlstandszuwächse in
allen daran beteiligten Staaten sorgt und mehr Protektionismus umgekehrt
Wohlstand vernichtet.

Ungerechtigkeit? Welche Ungerechtigkeit?

Die volkswirtschaftliche Begründung des Freihandels weist jedoch einen Haken
auf, der in der öffentlichen Diskussion meist zu kurz kommt: Durch mehr Handel
steigt zwar der Wohlstand aller beteiligten Volkswirtschaften insgesamt.
Innerhalb der einzelnen Volkswirtschaften jedoch gibt es sehr wohl Gewinner und
Verlierer des Freihandels. Theoretisch reichen die Zuwächse zwar aus, um alle
Verlierer angemessen zu entschädigen. Ob und wie weit dies jedoch geschieht -
das ist eine politische Entscheidung jeder einzelnen Gesellschaft.

Die Verlierer des verstärkten internationalen Handels, das sind in Deutschland
die Anbieter gering qualifizierter Tätigkeiten. Egal ob es sich dabei um
Industriearbeiter oder um kleine Selbständige handelt: Sofern sie noch Arbeit
haben, sind ihre Realeinkommen in den vergangenen Jahren gesunken; sind sie
arbeitslos, dann wurde vielen von ihnen im Rahmen der Agenda 2010 die
Arbeitslosenunterstützung auf Sozialhilfeniveau gekürzt.

Kurz: Die deutschen Globalisierungsverlierer wurden für ihre Verluste nicht
entschädigt.

Wie gehen wir mit dieser Ungerechtigkeit um? Ist da überhaupt eine
Ungerechtigkeit?

Die einfachste Antwort besteht darin, die zweite Frage zu verneinen. Bisweilen
trägt der daraus resultierende Versuch, der wiederentdeckten Unterschicht die
Schuld an ihrem Schicksal zuzuschreiben, fast schon absurde Züge. Wenn etwa
die neuen Bürgerlichen beklagen, dass Unterschichtangehörige sich selbst um
ihre Chance auf gesellschaftliche Teilhabe brächten, weil sie sich nur von
ungesundem Fast Food ernährten, zu viel Alkohol tränken, Privatfernsehen
schauten und ihre Kinder nicht vernünftig erzögen. Während die wackeren
Proletarier früherer Zeiten natürlich ihren Körper beim Sport stählten,
sich pausenlos in Lesehallen weiterbildeten, im Arbeitergesangsvereinen die
Fahne hoch hielten und ihre Kinder niemals ohne Pausenbrot in die Volksschule
schickten.

Man wünscht die Herren Wüllenweber und Di Fabio in eine Zeitmaschine, die sie
zurückbefördert ins Deutschland der fünfziger Jahre. Sie könnten sich dann
selbst davon überzeugen, wie die Handlanger auf den unzähligen Baustellen des
Wirtschaftswunders in der Frühstückspause die "Frankfurter Allgemeine"
aufschlagen und vergnügt ihre Rohkostsalate futtern. Wie Frauen am Zahltag
ihre Männer am Werkstor abholen, damit die den Inhalt der Lohntüte nicht
gleich wieder für frischgepresste Fruchtsäfte verprassen; und wie die
Näherin von der Fabrik nach Hause eilt, um ihre Kinder mit einem gekonnten
Medley aus Schubert-Liedern in den Schlaf zu singen.

Im Ernst: Der Lebensstil der Unterschicht war tendenziell schon immer
ungesünder und unvernünftiger als jener der braven Bürgersleut'. Schon immer
drohte der unteren Mittelschicht mit dem Verlust des Arbeitsplatzes auch das
entscheidende bisschen Halt verloren zu gehen, der einen rauen Lebensstil von
einem selbstzerstörerischen trennt. Lange bevor es Fast Food und Privat-TV
gab, zeigte das bereits 1933 der österreichische Sozialforscher Paul Felix
Lazarsfeld in der Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal".

Ebenfalls schon immer war das Bürgertum von den derben Sitten der "einfachen
Leute" abgestoßen und fasziniert zugleich, und umgekehrt war die Unterschicht
schon immer hin- und hergerissen zwischen der Imitation des bürgerlichen
Lebensstils und dem stolzen Beharren auf dem eigenen Proletentum. Warum ist es
gerade heute so populär, genau dies zu leugnen und auf die angeblich so
grundlegenden kulturellen Unterschiede zwischen Bürgertum und
"Unterschichtkultur" zu verweisen?

Zum einen weil, wie gesagt, der Unterschicht Mitschuld an ihrem eigenen
Schicksal zugeschrieben werden soll. Zum anderen weil die Globalisierung
inzwischen auch weite Teile der Mittelschicht in ihrem sozialen Status bedroht.
Es sind ja längst nicht mehr nur die geringqualifizierten Arbeitsplätze, die
von Verlagerung oder Einkommensverlust bedroht werden. Bedroht sind inzwischen
auch die klassischen Biotope der Mittelschicht: Dank gesunkener Kosten für die
elektronische Datenübertragung (auch dies eine Facette der Globalisierung)
lassen sich heute die Tätigkeiten von technischen oder kaufmännischen
Angestellten ebenso global verlagern wie vor zwanzig Jahren die Jobs der
Hilfsarbeiter. Wo dieser Prozess endet, wen es noch alles trifft, das weiß
niemand.

Umso größer das Bedürfnis der Mittelschichten, sich abzusetzen gegenüber den
gesellschaftlichen Verlierern. Sich und anderen zu vergewissern: Mir kann nicht
passieren, was der Unterschicht passiert, denn ich bin grundlegend anders als
die.

Ob es tatsächlich die Menge des Fernsehkonsums, die Häufigkeit der
McDonald's-Besuche oder die Vorliebe für Tätowierungen überm Gesäß sind,
die ursächlich die Verlierer der Globalisierung von denen scheiden, die noch
einmal davonkommen werden? Das ist zwar mehr als fraglich, aber es beruhigt
natürlich enorm, sich genau das von den neuen Bürgerlichen einreden zu
lassen."


Aus: ""BÜRGERTUM VS. UNTERSCHICHT - Arbeitslos? Selbst Schuld!" Von Christian Rickens (22. November 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,449792,00.html

« Last Edit: Juni 03, 2014, 10:39:23 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit... (Notizen)]
« Reply #4 on: Februar 18, 2007, 09:05:35 nachm. »
Quote
[...] Die Französische Revolution war der Höhepunkt eines langen schwelenden Konflikts. Die französische Bevölkerung hatte sehr unterschiedliche Rechte: Alleiniger Herrscher war König Ludwig XVI. Adel und geistige Würdenträger mussten keine Steuern zahlen und hatten Zugang zu Staatsämtern. Die Bürger- gut verdienende Kaufleute- zahlten Steuern, durften aber nicht in der Politik mitsprechen. Die Bauern und Arbeiter hatten keinerlei Rechte, mussten aber bis zu zwei Drittel ihres ohnehin kargen Lohnes als Steuern abführen. Der König hatte durch Kriege und protzige Hofhaltung den Staatshaushalt ruiniert. Die Situation spitzte sich zu, als Missernten die Arbeiter und Bauern ins Elend stürzten. Ludwig XVI versuchte, das Loch im Staatshaushalt durch höhere Steuern zu beseitigen. Doch er hatte nicht mit dem Bürgertum, der Bourgeoisie , gerechnet. Es forderte Mitspracherecht in der Politik.

[...] Die Autoritätskrise ist die erste Ursache der französischen Revolution: Die Philosophie der Aufklärung während des 18. Jahrhunderts propagierte teilweise eine Abkehr von der absolutistischen hin zu einer demokratischen Staatsauffassung, die allgemeine Geltung von Menschen- und Bürgerrechten, den säkularen Staat sowie den Glauben an die Vernunft. Diese Philosophie entzog dem Herrschaftsanspruch von König (Gottesgnadentum) und Klerus die Grundlage.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts beherrschte der kritische Geist der Aufklärung die Gesellschaft. Große Teile des Adels glaubten nicht mehr an die althergebrachten Privilegien, denen sie ihre Stellung verdankten. Die Salons, Zeitschriften, Debattierclubs und Freimaurerlogen wurden Träger der immer kritischer werdenden öffentlichen Meinung. In die breiten Schichten drangen einfache Schlagwörter vor, die Gründe für und einen Ausweg aus der desolaten Situation lieferten.

[...] Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit- unter dieser Parole verweigerten die französischen Bürger dem König den Gehorsam. Die Revolution war ausgebrochen. Die Bürger gründeten am 17.6.1789 die Nationalversammlung und begannen über eine Verfassung zu diskutieren. Sie sollte allen Franzosen gleiche Rechte sichern. Auch das einfache Volk revoltierte. Die Pariser stürmten am 14.7.1989 die Bastille. Im August wurden die Bauern befreit, das Feudalsystem abgeschafft. Die Menschenrechte wurden ausgerufen, doch Gleichheit gab es immer noch nicht. Das Parlament wurde nur von den Reichen gewählt. Am 10. August 1793 wurde der König eingesperrt und die Republik ausgerufen. Nach der Hinrichtung des Königs und seiner Familie 1793 begann in Frankreich eine Schreckensherrschaft und dem >>Wohlfahrtsausschuss<< um Robespierre. Wer sich gegen ihre Politik sperrte, wurde durch die Guillotine hingerichtet.


Aus: "Französische Revolution" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Revolution

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[Die Bezeichnung "Unterschicht"... (Notizen)]
« Reply #5 on: Februar 18, 2007, 09:33:35 nachm. »
Quote
[...] Wer ist schuld am Unterschichten-Problem? ...

Quote

Quote
Zitat von elas
In Ihrer Auflistung haben Sie die Hauptsache vergessen:

die Unterschichten selbst.
oder haben die am wenigsten mit ihrem Schicksal zu tun?

Unterschicht wird gemacht!
Oder glauben Sie ernsthaft, Unterschicht wird geboren?

Quote
[...] elas (17.10.2006)

Quote
Zitat von pps
Unterschicht wird gemacht!
Oder glauben Sie ernsthaft, Unterschicht wird geboren?

Frage ist nur von wem sie gemacht wird?
Von den Betroffenen selbst oder von anderen?

Eine urmenschliche Verhaltensweise ist auch die, wenn etwas schief läuft, anderen die Schuld zuzuweisen.

Quote
Jörn Bünning (17.10.2006)
Wie bitte, Unterschicht?
Pfui, so etwas sagt man nicht, habe ich gestern dem Politikermund entnehmen können.

Heute morgen gab es den passenden Begriff, der die Minimalforderungen nach political correctness entspricht:

Das Präkariat

Quote
[...] Alzheimer (17.10.2006)

Die Bezeichnung "Unterschicht" ist eine problematische Angelegenheit. Einen Wissenschaftler, der durch Arbeitslosigkeit zum HartzIV-Empfänger geworden ist, der sich weiterhin um Arbeit bemüht und nicht vor der Glotze versumpft, kann man sicher nicht darin einordnen. Bei einem wohlstandsverwahrlosten Jugendlichen aus finanziell gut situiertem Elternhaus wird es mit dem Begriff "Unterschicht" auch schwierig, weil keine materiellen Defizite vorhanden sind.
Oft standen und stehen Eltern auf dem Standpunkt: "Mein Kind soll es besser haben", was oft dazu führt, daß der Nachwuchs mit Wohltaten überschüttet wird, für die keine Gegenleistung (z.B. gute Schulnoten, entsprechendes Benehmen) erwartet werden. Solche Leute scheitern dann sehr oft, zumal alle Hindernisse von den Eltern aus dem Weg geräumt werden. Früher als noch genügend einfache Arbeit, die ausreichend bezahlt wurde, vorhanden war, konnte ein sozialer Abstieg besser abgefedert werden.


Quote
Karendric (17.10.2006)
Quote
Zitat von Alzheimer
Früher als noch genügend einfache Arbeit, die ausreichend bezahlt wurde, vorhanden war, konnte ein sozialer Abstieg besser abgefedert werden.
Wann soll das gewesen sein?

Gruß,
Karendric

Quote
underdog (17.10.2006)

..und dank der flächendeckenden Einführung von Studiengebühren wird es für die Kinder reicher Eltern nun noch einfacher, sich unliebsame Konkurrenz vom Hals zu halten. Zudem wird dank der nun zunehmenden Tendenz ärmerer Abiturienten, sich statt eines Studienplatzes einen Ausbildungsplatz zu suchen, die sowieso bereits vorhandene Lehrstellenknappheit verstärkt. Und dann wundern sich die Damen und Herren Politiker wieder und appellieren an die Betriebe, mehr auszubilden. Ein Witz.

Quote
Los (17.10.2006)
Was ist eigentlich "die Unterschicht"?

Die Dummen, die Armen, die Ignoranten, die Ungebildeten, die Gewalttätigen...
Sorry, aber ich kenne Menschen, die mit kleinen Einkommen auskommen müssen, zwei Kinder haben und jeden Cent zweimal umdrehen müssen.
Trotzdem passen diese Menschen nicht in das hier gezeichnete Bild "der Unterschicht".
Und ich kenne 18-Jährige, die von "Haus aus erst mal Kohle haben" und trotzdem auf der Hauptschule gescheitert sind und in etwa so viel Chancen auf eine Job haben wie ein Schneeball in der Hölle.
Sind die keine "Unterschicht", nur weil denen nicht das Sozialamt, sondern Daddy das Bier zahlt?

Also, was ist "die Unterschicht"?
Ein Sammlebegriff für Dinge, die wir nicht wollen, nicht mögen oder was?

Bevor man nach der Schuld fragt, sollte man denn doch mal klären woran wer Schuld sein soll.

In diesem Sinne,

Los



Text Bruchstücke aus: " Wer ist schuld am Unterschichten-Problem?" (SPON Forum; 17.10.2006)
Quelle: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=867&page=1&pp=10

« Last Edit: Mai 18, 2010, 01:35:04 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #6 on: Februar 25, 2007, 12:06:56 nachm. »
Quote
[...] „Zigaretten rauchen ist nur noch eine underclass affair“, sagt die Geschäftsfrau. Ein Unterschichtenphänomen.

[...] Noch in den 80er Jahren bestellten die lässigsten aller Café-Besucher ein „Existenzialistenfrühstück“ aus Kaffee, Aspirintablette und Gauloises. Heute ist es aus den Speisekarten verschwunden. Nicht mehr die Künstler sind es, die zur Zigarette greifen, sondern vor allem diejenigen, die eine körperliche Arbeit verrichten (38 Prozent). Die meisten Raucher finden sich in Milieus mit niedrigem gesellschaftlichem Status. Eine Allensbach-Studie besagt, dass 30 Prozent der Deutschen rauchen. Bei denjenigen, die weniger als 1000 Euro Netto pro Haushalt verdienen, liegt dieser Anteil bei 41 Prozent. Steigt das Einkommen, nimmt die Zahl der Raucher kontinuierlich ab. Lediglich 26 Prozent der Gutverdienenden rauchen.

[...] „Welche Menschen rauchen?“ fragt Jochen Groß, wissenschaftlicher Mitarbeiter, verantwortlich für die Studie. „Wir können diese Frage nicht umfassend beantworten. Bei diesem Thema klafft in der Gesellschafts-Forschung eine Lücke.“
Bisher gibt es nur Einzeluntersuchungen und Erklärungsansätze. Dafür, dass mehr Mädchen rauchen, als Jungen. Dass im Osten mehr geraucht wird, als im Westen. Dass mehr arme Leute rauchen als Reiche. „Es ist vor allem eine Frage der Bildung“, sagt Groß. 63 Prozent der Hauptschüler rauchen, nur 30 Prozent der Abiturienten. „Wer gebildet ist, geht verantwortungsvoller mit sich selbst um. Gesundheit ist für ihn ein höheres Gut und er ist über die Risiken, sie zu gefährden, besser aufgeklärt.“

[...] Sabrina Müller zündete sich auch im Beisein ihrer zweijährigen Tochter gern und oft eine Zigarette an. Für Kaspar, Liebhaber schöner Körper, Vegetarier und Nichtraucher, eine Katastrophe. „Du vergiftest deine Tochter“, sagte er. Sabrina rastete aus. „Wenn ich nicht rauchen kann, werde ich nervös und hänge nur noch vor dem Kühlschrank!“ Als Kaspar ein Rauchverbot im Wohnzimmer verhängte, zog Sabrina aus.

[...]  So wie es aussieht, wird es in Deutschland bald nicht mehr viele Möglichkeiten zum Rauchen in Gesellschaft geben – abgesehen vom heimischen Sofa natürlich. Wenn er ein Bier getrunken hat, denkt der Fernfahrer sogar darüber nach, auszuwandern.


Aus: "Rauchverbot: Der neue Klassenkampf" Von Von Freia Peters (24. Februar 2007)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article733976/Der_neue_Klassenkampf_.html

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[Weil die als "asozial und unmoralisch geltenden"... (Notizen)]
« Reply #7 on: Februar 28, 2007, 01:22:30 nachm. »
Quote
[...] In der frühen Neuzeit war allein die Antwort darauf wichtig: Haben wir genügend Soldaten, haben wir genügend Arbeiter. Man hatte zu wenig oder man hatte genug. Zu viele gab es nicht. Dann legte der britische Ökonom Thomas Robert Maltus 1798 mit seinem "Essay on the principle of population" den Grundstein. Richtig los ging der Bevölkerungsdiskurs in den 1870ern, also mit der Industrialisierung und den elenden Lebensbedingungen der Menschen. Weil die als asozial und unmoralisch geltenden Unterschichten zu viele Kinder bekamen, hat man angefangen, Bevölkerung als Problem zu sehen. Das war völlig neu. Es drohte ein enormer Bevölkerungsanstieg der Unterschicht, von dem die bürgerliche Gesellschaft Angst hatte, überflutet zu werden.


Eine Parallele dazu ist wohl heute die Dritte Welt?

Ja, denn es geht nicht immer um zu wenig, sondern auch um zu viel Bevölkerung: Die "Falschen", früher die Unterschicht, heute die dritte Welt, bekommen zu viele Kinder. Die "Richtigen" zu wenig. Das ist die bürgerliche Mittelschicht oder die westliche Bevölkerung im Vergleich zur Dritten Welt. Diese Diskussion wird seit über 100 Jahren geführt.

[...] Basis für unsere Sozialsysteme ist immer die Aussage: Wenn wir nicht genügend Kinder von guter Qualität bekommen, sterben wir aus. Und das könne nur verhindert werden, indem Sozialpolitik betrieben wird.


Aus: "Demografie-Experte: "Das ist Politik mit der Angst"" (26. Februar 2007)
Quelle: http://stern.de/politik/deutschland/:Demografie-Experte-Das-Politik-Angst/583402.html

« Last Edit: Oktober 04, 2010, 02:13:34 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Selektieren, klassifizieren und internieren... (Notizen)]
« Reply #8 on: M?RZ 01, 2007, 10:12:59 vorm. »
Quote
[...] Berlin (dpa) - Der UN-Menschenrechtsinspektor, Vernor Muñoz, hat
mit scharfen Worten die deutsche Bildungspolitik gerügt. Das
dreigliedrige Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium
benachteilige durch seine frühe Aufteilung Kinder aus armen
Elternhäusern und aus Migrantenfamilien. Es wirke «extrem selektiv»
und diskriminiere Behinderte, schreibt der Menschenrechtsexperte in
einem vorläufigen Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa)
vorliegt. Der Jura-Professor aus Costa Rica besuchte im Auftrag der
UN-Menschenrechtskommission genau vor einem Jahr Deutschland.
Weitere Kritikpunkte in seinem Berichtsentwurf sind die völlig
unterschiedliche Schulorganisation der 16 Bundesländer, die Eltern
und Schülern den Wohnortwechsel erschwere, fehlende Durchlässigkeit
zwischen den Schulformen, die Lehrerausbildung, die Probleme beim
Schulbesuch von Kindern, deren Familien illegal in Deutschland leben,
sowie zu wenig Autonomie der einzelnen Schule gegenüber der
Verwaltung.
Muñoz will am 21. März bei der vierten Sitzung des
Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf über seine
Deutschland-Inspektion berichten. Sein vorläufiger Text, der vom
Auswärtigen Amt übersetzt wurde, liegt jetzt den Kultusministern und
dem Bundesbildungsministerium «vertraulich» vor.

Der Menschenrechtsexperte legt der Bundesrepublik «eindringlich
nahe», das mehrgliedrige Schulsystem «noch einmal zu überdenken». Bei
der im internationalen Vergleich «untypisch» frühen Aufteilung der in
der Regel zehnjährigen Kinder auf die verschiedenen Schulformen
könnten «die Schüler nicht angemessen beurteilt werden». Dies wirke
sich besonders negativ auf arme Kinder, Schüler aus
Migrationsfamilien sowie auf Kinder mit Behinderungen aus. Auch seien
die Lehrer für das Auswahlverfahren der Schüler «nicht immer
ausreichend geschult». Weltweit verteilt außer Deutschland nur noch
Österreich die Kinder so früh auf verschiedene Schulformen.
Mit Blick auf die PISA-Studie verweist Muñoz darauf, dass in
keinem anderen vergleichbaren Industriestaat der Bildungserfolg so
stark von der sozialen Herkunft abhängt wie in Deutschland. Durch den
internationalen Konkurrenzdruck wachse auch in der Bundesrepublik der
Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitnehmern. Ungelernte hätten
dagegen kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei bezieht sich
Muñoz auch auf die im internationalen Vergleich geringe
Abiturientenquote in Deutschland und bemängelt die hohe Zahl von
Schulabgängern ohne Abschluss, insbesondere bei Migrantenkindern.


Aus: "bdt0506 3 pl 503 dpa 4370; Bildung/Menschenrechte; UN-Menschenrechtsinspektor übt harsche Kritik an deutscher Schule" (02/2007)
Quelle: http://www.gew.de/Binaries/Binary24757/dpaMunoz.pdf

-.-

Quote
Quote
[...] Nach dem nun vorliegenden Report des UN-Sonderberichterstatters hat die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer die Bundesregierung noch einmal nachdrücklich darauf hingewiesen, "dass die ständige Wiederholung konservativer Mythen und Rechtfertigungsrhetorik für ein nachweislich hoch selektives Bildungssystem international keinen Eindruck macht, sondern Kopfschütteln und Befremden hervorruft."


Quote
1. März 2007 9:08
Hallo Herr Muñoz, die extreme Selektivität des Systems ist kein Mangel.....
afreak

....sondern ein Qualitätsmerkmal!
Wo kämen wir denn hin, wenn rauskäme, daß die Deutschen Mittelstands
und Oberschicht - Kinder nicht schlauer oder lernfähiger sind als die
"Asis und Kanacken". Da muß man doch vorsorgen!
Zumindest in der konservativen Oberschicht Deutschlands dürften
solche Ansichten weit verbreitet sein.
Selektieren, klassifizieren und internieren von Volksgruppen war
schon immer ein Hobbie der Deutschen.

-.-

Quote
1. März 2007 0:54
Schulen sind Trivialisierungsanstalten
cassiel

wo Kinder und Jugendliche lernen auf die immer gleichen vorgegebene
Fragen die immer gleichen erwarteten Antworten zu geben. Kreativität,
Individualität und Querdenken ist unerwünscht, von demokratischer
Kultur ganz zu schweigen: ich habe in 13 Jahren Schule nicht ein Wort
über echte (direkte) Demokratie gehört. Dazu musste ich 22 Jahre auf
einen massenmedialen Betriebsunfall warten.
In sofern: Schule hat im preussisch-obrigkeitshörigen Deutschland
noch nie die Funktion einer humanitären Bildungseinrichtung gehabt,
sondern die der Konditionierung des beeinflußbaren aber auch
tendenziell rebellischen jungen Menschen zu einem Untertan und
Staatssklaven. Stohdumme Lohnsklaven nützen der Staatsmafia nichts,
zu schlaue aber auch nicht.


Kommentar zu: "Deutsches Schulsystem: "Extrem selektiv"" von Thorsten Stegemann (TP, 01.03.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24744/1.html

Quelle: http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?list=1&forum_id=113248

-.-

Quote
[...] Wo Rauch aufsteigt, muss irgendwo Feuer sein. Eine ganze Reihe von Kultusministern weist den Bericht eines gewissen Herrn Muñoz wütend zurück. Der Mann sei nur neun Tage durch die Republik gereist, schimpfte Niedersachsens Kultusminister Busemann (CDU), der könne sich gar kein Urteil über Schulen leisten.

[...] in einer Untersuchung hat der Hamburger Bildungsforscher Hans Wocken untersucht, wie sich Kinder in Sonderschulen intellektuell entwickeln. Das Ergebnis war: negativ. Die Sonderschule, die oft Förderschule heißt, fördert nicht etwa, sie macht dümmer. "Je länger ein Schüler in der Förderschule zugebracht hat", schreibt Wocken, "desto schlechter sind sowohl seine Rechtschreibleistungen als auch seine Intelligenztestwerte." Daraufhin forderten die versammelten Forscher für Sonderpädagogik im Februar 2006, die Sonderschulen abzuschaffen.

Das verlangt auch Muñoz. Die Kultusminister aber halten ihm vor, er habe keine Ahnung vom deutschen Bildungssystem. Dabei kokelt und raucht die Schule nicht nur - sie brennt lichterloh.


Aus: "brennpunkt 1 - Kinder ohne Chancen" Von CHRISTIAN FÜLLER (taz vom 5.3.2007, S. 3, 138 Z. (TAZ-Bericht))
Quelle: http://www.taz.de/pt/2007/03/05/a0170.1/text

-.-

Quote
[...] In Österreich sind Bildungserfolg und Milieuzugehörigkeit immer noch eng miteinander verflochten, sagen die Autoren des Sammelbandes und führen als Beleg renommierte Soziologen wie Pierre Bourdieu oder Antonio Gramsci, aber auch die letzte Pisa-Studie an. Tenor: Eltern, die über hohe Bildungsabschlüsse (und, damit oft einhergehend, das nötige finanzielle und kulturelle Kapital) verfügen, vererben ihren sozialen Status an die Sprösslinge. Um dieser Praxis einen legitimen Anstrich zu geben, werden die Begriffe Leistung und Begabung ins Spiel gebracht.

[...] In der Realität, so die Tendenz des Buches, funktionieren die schulischen Spielregeln so, dass etwa Akademikerkinder, vorgeblich einer "natürlichen Begabung" gehorchend, die Anforderungen mehr oder weniger mühelos erfüllen, während Kinder aus bildungsfernen Schichten scheitern, nach und nach "ausgesiebt" werden. Was von Lehrern, Eltern, Schülern als biologisch angelegte Fähigkeit oder Unfähigkeit verstanden wird, ist in Wirklichkeit ein Set an Verhaltensweisen und Einstellungen, das von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben wird und über schulischen Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Wer seine vorgebliche kognitive Unterlegenheit einmal akzeptiert hat, neigt dazu, Hierarchien nicht in Frage zu stellen. "Weil ich dumm bin, drehe ich in einer Fabrik Schrauben in Felgen", zitiert Stefan Vater (S.58) einen Arbeiter.

So gesehen wirkt Schule in einer von Ungleichheit geprägten Gesellschaft als stabilisierender Faktor. Übrigens: Je früher man Kinder verschiedenen Schultypen zuweist, desto eher sind sie in der Lage (oder dazu verdammt), den sozialen Status ihrer Eltern zu übernehmen.


Aus: "Schule als soziales Sieb – zum Misserfolg verurteilt" Von Michael Schmölzer (09. April 2007) / Über: Keine Chance für Lisa Simpson?  Soziale Ungleichheit im Bildungssystem edition mandelbaum (310 Seiten) / Ingolf Erler (Hg.)
Quelle: http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3935&Alias=wzo&cob=278673

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[Das "Stimulierende" der Ungleichheit [?]... ]
« Reply #9 on: M?RZ 20, 2007, 10:36:04 vorm. »
Quote
[...] Dass Ungleichheit auch etwas Stimulierendes, Produktives haben kann, wird in unserer Gleichheitskultur nicht gesehen, und dass Ungleichheit auch leistungssteigernd wirken kann, darf man kaum laut sagen.

[...] Was die Bildungsabstinenz der Jugendlichen aus der Unterschicht angeht - mit oder ohne Migrationshintergrund -, haben wir in der Tat ein erhebliches Problem. Aber das hat wenig mit materieller Armut zu tun und viel mit einer Verweigerungshaltung gegenüber Bildung. Großen Teilen der Unterschicht ist das bürgerliche Bildungs- und Aufstiegsideal schlicht abhanden gekommen. Dies ist unter anderem eine Spätfolge von 1968. Außerdem haben hier alle gesellschaftlichen Gruppen versagt, weil sie die Wichtigkeit von Bildung nicht ausreichend vermittelt und die kulturelle Verwahrlosung lange Zeit achselzuckend hingenommen haben.

Wir haben mehr kulturelle als materielle Armut. Und wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es eine wachsende Gruppe von Menschen gibt, die es gut findet, tagsüber Krawall-Talkshows zu schauen, Bier und Schnaps zu trinken und dabei zwei Schachteln Zigaretten zu rauchen. Für mich mag das erschreckend sein, aber in einer liberalen Gesellschaft muss ich akzeptieren, dass es verschiedene kulturelle Ausdrucksformen gibt.


Aus: "Reichtum wird überschätzt" Aus einem Ein Gespräch mit Klaus Schroeder, Jahrgang 1949, Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin (brand eins 2/2007)
Quelle: http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2235&MenuID=8&MagID=84&sid=su8213570923767144&umenuid=1

-.-

Quote
[...] Dresden. Die Zahl der Niedriglohnbezieher hat in den vergangenen Jahren auch in Sachsen stark zugenommen. „Es gibt immer mehr Arbeitnehmer, die unter sechs bis sieben Euro pro Stunde arbeiten“, sagte der Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Sachsen, Markus Schlimbach. Ein genauer Zahlenvergleich sei aber kaum möglich. Durch die Hartz-Reformen seien zudem viele Sozialleistungen zusammengelegt worden. Derzeit benötigten rund 90 000 Sachsen neben dem Lohn zusätzliche Sozialleistungen, unter ihnen seien allein 40 000 Vollzeitbeschäftigte.


Aus: "Immer mehr Sachsen arbeiten für weniger als sieben Euro" (LVZ-Online vom: Montag, 19. März 2007)
Quelle: http://www.lvz-online.de/aktuell/content/19214.html

-.-

Quote
[...] Müntefering sagte der "Bild am Sonntag": "Ich will sittenwidrige Löhne gesetzlich verbieten. Es verstößt gegen die Menschenwürde, wenn Menschen, die voll arbeiten, mit ihrem Einkommen unter dem Existenzminimum liegen."


Aus: "SOZIALPOLITIK: Müntefering will Mini-Löhne verbieten, Milliarden in Infrastruktur investieren" (SPON; 25. März 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,473730,00.html

-.-

Quote
[...] Zur Begründung sagte der SPD-Politiker, es könne nicht sein, "dass die öffentlichen Kassen von einigen Unternehmern ausgebeutet werden - weil wir über Sozialtransfers die Hungerlöhne aufstocken". 500.000 Menschen mit einem Vollzeitjob verdienten so wenig, dass sie anschließend Arbeitslosengeld II bekämen. Das dürfe "so nicht bleiben". (APA)


Aus: "Deutsche Regierung will "sittenwidrige" Löhne verbieten: Müntefering sieht in Minilöhnen "Verstoß gegen Menschenwürde"" (25. März 2007)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2818394

-.-

Quote
[...] Der Einkommensvorteil einer akademischen Ausbildung gegenüber den Absolventen einer klassischen Lehre im dualen System ist seit 1998 von 30 Prozent auf 53 Prozent gestiegen. Ein so starker Anstieg ist außer in Ungarn in keinem anderen Land zu verzeichnen - ein deutlicher Hinweis auf die Knappheit von Humankapital. Auf der anderen Seite haben sich die Aussichten am Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte im gleichen Zeitraum erheblich verschlechtert. [Andreas Schleicher, 42, ist Chef der Abteilung für Indikatoren und Analysen bei der OECD in Paris und leitet unter anderem die Pisa- Studien.]


Aus: "AKADEMIKERMANGEL: "Wir verschlafen den Bildungsboom"" (SPON; 20. März 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,470285,00.html

-.-

Quote
[...] Das Wort degradiere nicht nur Arbeitskräfte in Betrieben, sondern Menschen überhaupt „zu nur noch ökonomisch interessanten Größen“

[...] In dem Zusammenhang wird oftmals der Vergleich mit der Sklavenwirtschaft angeführt, als Menschen tatsächlich „Kapital“ waren, d.h. einen Preis hatten und wie Sachgüter gehandelt wurden.

Viele Ökonomen zeigen sich entsetzt über diese Argumentation und halten sie für falsch, denn die Sprachwissenschaftler hätten die ursprüngliche Bedeutung und Intention des Begriffs nicht verstanden. Wer sich mit der einschlägigen Literatur auseinandersetze, werde schnell feststellen, dass das Humankapital im ursprünglichen Sinn als Erfolgsfaktor, Ressource oder Potenzial angesehen wird, das maßgeblich die zukünftige Entwicklung und den künftigen Unternehmenserfolg determiniere, bzw. auf volkswirtschaftlicher Ebene den Wohlstand ganzer Nationen.


Aus: "Humankapital" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Humankapital

« Last Edit: M?RZ 25, 2007, 01:26:39 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Das Geschäft blüht weiter... (Notizen)]
« Reply #10 on: M?RZ 25, 2007, 08:14:13 nachm. »
Quote
[...] London (AP) Rund 3.000 Menschen haben am Samstag in London an einer Gedenkprozession zur Abschaffung des Sklavenhandels in den britischen Kolonien vor 200 Jahren teilgenommen. An ihrer Spitze gingen die Erzbischöfe von Canterbury und York, Rowan Williams und John Sentamu. Die Kirche von England hat sich für ihre Rolle beim Sklavenhandel entschuldigt. Williams sagte, die Leute, die ein System der Unmenschlichkeit in Gang gehalten hätten, seien "Menschen wie du und ich" gewesen. "Es waren Leute, die in vielerlei Hinsicht anständige und verantwortungsvolle Menschen waren, aber sie waren verblendet."

Der Sklavenhandel - nicht aber die Sklaverei selbst - wurde am 25. März 1807 per Parlamentsbeschluss abgeschafft. Die beiden Erzbischöfe riefen dazu auf, am Jahrestag der Schrecken des transatlantischen Sklavenhandels zu gedenken. Sie drückten die Hoffnung aus, dass die Menschen auch über die bis heute wirksamen Folgen wie etwa Menschenschmuggel nachdenken.


Aus: "Tausende gedenken Abschaffung des Sklavenhandels in London" (03/2007)
Quelle: http://www.solms-braunfelser.de/ap/apnews.php?code=20070324APD5680

-.-

Quote
[...] Es war Daniel Defoe, der 1713 eine unheimliche Rechnung aufmachte, in der der Sklavenhandel die ausschlaggebende Größe war: "Kein afrikanischer Handel, keine Neger. Keine Neger, kein Zucker. Kein Zucker, keine Inseln, keine Inseln, kein Kontinent, kein Kontinent, kein Handel. Und das alles sagt Lebewohl zu Eurem amerikanischen Handel, Eurem westindischen Handel . . ." Fast ein Jahrhundert hat es denn auch gedauert, bis man sich dieser Logik zu entwinden vermochte. Seit dem Juni 1806 wurden in Großbritannien nach einer zwanzigjährigen Kampagne gegen den Sklavenhandel die parlamentarischen Prozeduren eingeleitet, die im März 1807 Jahres zur Verabschiedung der "Bill for the Abolition of the Slave Trade" führten. Von nun an kontrollierte die britische Navy die Handelswege. Britische Kapitäne, die auf ihren Schiffen Sklaven beförderten, machten sich strafbar, und Schiffe anderer Nationen mit Sklaven an Bord konnten als Piratenschiffe behandelt werden.

[...] Im französischen Herrschaftsbereich brachte das Revolutionsjahr 1848 das Ende der Sklaverei, während die Plantagenbesitzer im amerikanischen Süden der Vereinigten Staaten ihre Sklaven erst 1865 freilassen mussten, entschädigungslos. In der spanischen Kolonie Kuba endete die Sklaverei 1886, die Befreiung der mehr als 1,2 Millionen Negersklaven Brasiliens ließ noch länger auf sich warten. In diesen Zusammenhang gehört auch die Aufhebung der bäuerlichen Leibeigenschaft in Russland 1861. Bis dahin waren die Leibeigenen nicht von persönlichem Sacheigentum unterschieden. In allen diesen einzelnen Reformschritten hat man zu Recht eine der großen weltgeschichtlichen Tendenzen des neunzehnten Jahrhunderts gesehen, die das Ende der von Weißen geführten Sklavenhaltersysteme herbeiführten.


Aus: "Die Erfindung der Moralpolitik" Vor zweihundert Jahren beschloss Großbritannien die Abschaffung des Sklavenhandels - Von Henning Ritter (10. März 2007)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub5C2BFD49230B472BA96E0B2CF9FAB88C/Doc~EBC2B809E73D74B7B83080E742C89196A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

-.-

Quote
[...] Der größte Unterschied zu früher aber ist, dass Sklaven noch nie so billig waren. Rechnet man den Preis, den ein Plantagenbesitzer in Alabama um 1850 für einen Leibeigenen bezahlen musste, auf heutige Verhältnisse um, dann kostete dieser 30000 Euro. Heute sind Sklaven für wenige hundert Euro zu bekommen, afrikanische Kinder werden schon für 20 oder 30 Euro verkauft.

Die Gründe für den stetig wachsenden Sklavenmarkt sind offensichtlich. Die Weltbevölkerung hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg verdreifacht, damit wuchs auch die Zahl potentieller Sklaven.

Die wachsende Armut in Entwicklungsländern veranlasst die Eltern dazu, ihre Kinder zu verkaufen - oft mit dem falschen Versprechen der Menschenhändler, die Jungen und Mädchen könnten sich auf den Plantagen, in den Bordellen oder in reichen Familien das Geld für ihre Ausbildung verdienen.

Und schließlich sorgen auch Korruption und Gesetzlosigkeit in vielen Staaten dafür, dass nichts gegen den Sklavenhandel unternommen wird. Oft arbeiten korrupte Beamte oder Polizisten mit Menschenhändlern zusammen - zum Beispiel indem sie entlaufene Sklaven wieder einfangen.


Aus: "200 Jahre nach Abschaffung des Sklavenhandels" - Das Geschäft blüht weiter: Noch nie gab es so viele und so billige Sklaven wie heute. Nur Waffenhandel und Drogen sind profitabler - Von Michael Bitala (SZ vom 24.3.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/205/107098/

-.-

Quote
[...]  Richmond. AP/baz. Das Parlament von Virginia hat «tiefes Bedauern» über die Rolle des US-Staats an der Sklaverei geäussert. Beide Parlamenskammern verabschiedeten am Samstag einstimmig eine Resolution, in der die Sklaverei als die abscheulichste aller Verletzungen der Menschenrechte und der amerikanischen Gründerideale gebrandmarkt wird. Auch nach der Abschaffung der Sklaverei seien die Afroamerikaner weiter systematisch diskriminiert worden, heisst es darin.


Aus: "US-Staat Virginia äussert «tiefes Bedauern» über Sklaverei" (03/2007)
Quelle: http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=F796DB8B-1422-0CEF-70D89AF83D092F34

-.-

Quote
[...] Toyin Agbetu rannte vor den Altar der Westminster Abbey in London, in dem Königin Elizabeth II., Premierminister Tony Blair und zahlreiche weitere Würdenträger versammelt waren, und rief "Sie sollten sich schämen" sowie "Das ist eine Beleidigung für uns". Er kam bis auf drei Meter an die Queen heran, bevor Sicherheitskräfte ihn packten. Später wurde Agbetu in Handschellen abgeführt.

Der 39-jährige Farbige forderte außerhalb von Westminster Abbey, Königin Elizabeth müsse sich im Namen ihrer Vorfahren entschuldigen. "Die Queen und die Regierung und die Kirche sind alle dort drinnen und klopfen sich auf die Schulter", kritisierte er. "Diese Nation hat sich nie entschuldigt, die afrikanischen Freiheitskämpfer sind nicht erwähnt worden."


Aus: "Farbiger stört Londoner Feier zur Abschaffung der Sklaverei" (Dienstag 27. März 2007)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/27032007/286/politik-farbiger-st-rt-londoner-feier-abschaffung-sklaverei.html

« Last Edit: M?RZ 28, 2007, 12:07:44 nachm. by lemonhorse »

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[Pornografie werde zur Leitkultur der Unterschicht... (Notizen)]
« Reply #11 on: April 12, 2007, 12:51:02 nachm. »
Quote
[...] Pornografie werde zur Leitkultur der Unterschicht, pflichtete der alarmierte Präsident der Deutschen Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Sexualforschung bei, Professor Jakob Pastötter.


Aus: "SCHWARZER bei Maischberger: Pornografisierte Gesellschaft" (12.04.2007)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/archiv/12.04.2007/3194177.asp
« Last Edit: Dezember 06, 2010, 04:21:55 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Wäre Leistungsbereitschaft wirklich das einzige oder wichtigste... ]
« Reply #12 on: Mai 15, 2007, 12:34:35 nachm. »
Quote
[...] Leistung ist durch nichts zu ersetzen!

Sicherlich gibt es Leute, die arm und im Unglück leben, weil sie Pech hatten oder ihnen über mitgespielt wurde.
Das ist überall auf der Welt so. Es ist aber die verdammte Pflicht und Schuldigkeit eines jeden, selbst zu schauen und daran zu arbeiten, daß es (wieder) besser wird. "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott" ist eine alte Weislheit, die nichts an ihrer Gültigkeit verloren hat.

Die Weinerlichkeit der Unterschicht, die weder hungern noch frieren muß, finde ich unerträglich.
Noch schlimmer aber sind die Weltverbesserer, die, so wie der Sozialwissenschaftler Roland Merten, den Frustrierten auch noch Wasser auf die Mühlen gießen!

Reinhard Rupsch (14.5.2007 10:35 Uhr)


-.-

Quote
[...] Täuschen wir uns nicht......Genau so war Hartz IV gedacht

denn genau so war Hartz IV gedacht. Schliesslich braucht es auch im Lande wieder eine Sklavenklasse, die für nichts arbeitet und zu Demonstrationszwecken dient. Anders hat diese Gesellschaft nie funktioniert, nur waren (und sind) die Sklaven nicht im eigenen Land zu finden. Die 2% der Gesellschaft, die im Besitz der Reichtümer, sprich grossen Aktienvermögen sind, haben längst beschlossen, den Rest der Gesellschaft an der Wertschöpfung nicht mehr zu beteiligen.
Klatten Quandt und Co. (14.5.2007 12:05 Uhr)


-.-

Quote
[...] es sind nicht nur....

die arbeitslosen die unter die armutsgrenze gerutscht sind sondern auch die die arbeiten gehen und viel zu wenig lohn bekommen, frisoerinnen, kassiererinnen, putzfrauen usw. muessen sich mit bruttoloehne um 800,- bis 1000,- euro zufrieden geben damit kann man seine kinder nicht mehr ernaehren und kleiden obwohl man nicht zu hause sitzt und daeumchen dreht. das problem ist ganz klar die verteilung die nicht mehr statt findet!
Icke Berlin (14.5.2007 12:15 Uhr)


Quote
Geehrter Herr Rupsch

Sie finden die Weinerlichkeit der Unterschicht unerträglich und ich die Ignoranz solcher Leute wie Sie, die zur Bestätigung ihres eher schlichten Weltbildes alle Erkenntnisse ausblenden, die nicht dazupassen.

Was ist mit jenen vielen Menschen (und es werden immer mehr!), die täglich 8 oder mehr Stunden ihrer Arbeit nachgehen und trotzdem am Monatsende nur unwesentlich mehr Geld auf dem Konto haben als ein Hartz 4 Empfänger? Haben die einfach Pech oder ist ihre Leistungsbereitschaft nicht hoch genug?

Was ist mit jenen Jugendlichen, die, obwohl mit guten Zeugnissen ausgestattet, keine Lehrstelle finden, weil sie Vornamen tragen wie Murat oder Stojko oder sonst was Fremdländisches? Wird denen übel mitgespielt oder ist deren Leistungsbereitschaft nicht hoch genug?

Wäre Leistungsbereitschaft wirklich das einzige oder wichtigste Kriterium, das über sozialen Erfolg oder Misserfolg bestimmt, die Welt wäre tatsächlich gerechter!

Mit freundlichen Grüssen
Daniel Bätscher (14.5.2007 13:14 Uhr)

Quote
@ daniel

blödsinn, thomas, karl, und paul bekommen genauso wenig eine lehrstelle , wie ali oder ahmed oder murat. da muß eben neben den zensuren, auch noch das vitamin b, wie beziehung, vorhanden sein, ohne , geht garnichts.
und murat, ali, ahmed, wären als muttersprachler mit einer fremdsprache sogar noch im vorteil, bei unserer globalisierten gesellschaft.
leser (14.5.2007 13:28 Uhr)

Quote
@ leser (14.5.2007 12:16 Uhr)

dann sagen sie ihrem sohn, auf nach bayern! wir haben landesweit 5,7% arbeitslose, tendenz eher fallend. gerade in südbayern wird jeder der laufen kann händeringend gesucht vom einfachen maurer bis hoch zum bauingenieur findet jeder mit qualifikationen GUTBEZAHLTE arbeit (durchschnittseinkommen in der industrie ist in meiner region mehr als 3mal so hoch wie in mecklenburg-vorpommern stand letztens in der zeitung) wer darauf besteht in seinem kuhdorf sonstwo eine arbeit als sonstwas zu bekommen und partu nicht umziehen mag ist aber selbst schuld.
bayer (14.5.2007 13:53 Uhr)

Quote
Was denn

@keinduckmäuser
Warum sollten die Hartz4 Empfänger etwas unternehmen? Keiner muss hungern und frieren und das Geld reicht allemal für das Ganztagsfernsehen und die Kippen und das Bier. (Das trifft nicht auf alle zu, aber auf sehr viele) Und die etwas unternehmen wollen, sind in der Minderzahl, bzw. haben Minijobs und keine Zeit für Demos aller Art...
Wolfgang (14.5.2007 14:39 Uhr)

Quote
@bayer
Ihr Rat ist gut...Aber er bekämpft in kleinem Umfang nur die Symtome, nicht die Ursache. Hat denn Bayern echt 3-4 Millionen freie Arbeitsplätze? Klar ist Flexibilität wichtig, aber sie ist nicht das Allheilmittel, scon jetzt veröden ganze Landstriche (nicht nur im Osten), weil die die können wegziehen...
Wolfgang (14.5.2007 15:08 Uhr)

Quote
Kein Aufschwung für die Unterschicht

An Bürger usw.
Als aktives Gewerkschafts- und im Moment nur passives Parteimitglied und Bürgerin dieses Landes sehe ich mit großem Entsetzen, dass die jährlichen 10 Mio. Euro der Metallarbeitgeber für die Initiative neue soziale Marktwirtschaft auf fruchtbaren Boden fallen. Die Gesellschaft wird in mehrere Schichten geteilt. Die sog. Elite, die teilweise mehr Geld als Hirn hat, die Arbeitnehmer, die sich gegen die unfreiwillig arbeitslosen stellt und immer noch meint, sie würden für ihre Arbeit gerecht entlohnt.
Vom Steuerzahler würde ich gerne wissen, ob er jemals eine Beratungsstelle für Erwerbslose aufgesucht und mit Betroffenen gesprochen hat. Wie die sich fühlen, nach 20 Jahren und mehr mit über 50 Jahren entsorgt worden zu sein. Wie würden Sie sich fühlen?
mm1 (14.5.2007 22:14 Uhr)

Kommentare zu: "Soziales: Kein Aufschwung für die Unterschicht" - Die Wirtschaft boomt, aber die Armen merken nichts davon. Eine wachsende Unterschicht vor allem im Osten bleibt vom derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung ausgenommen, sagt ein Jenaer Sozialwissenschaftler (14.05.2007, 14:03 Uhr)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/soziales-aufschwung/102632.asp

« Last Edit: Mai 18, 2010, 01:42:23 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Gleiche Arbeit - gleiches Geld [?]... (Notizen)]
« Reply #13 on: Juni 11, 2007, 02:33:23 nachm. »
Quote
[...] Deutschland entwickle sich zunehmend zu einer "Zweiklassengesellschaft", "in der Menschen von der Hände Arbeit sich nicht mehr ernähren können", warnen deshalb Gewerkschafter wie Bodo Grzonka von der IG Metall Berlin/Brandenburg/Sachsen. "Sie sind zum Teil darauf angewiesen, noch Alg II, also Aufstockungszahlungen einzufordern, dass sie überhaupt die Familie über die Runden bringen". Jeder achte Vollzeit-Leiharbeiter braucht mittlerweile Unterstützung durch Hartz IV.

[...] Die Zeitarbeitsfirmen bezahlen ihren Mitarbeitern häufig die Hälfte von dem, was sie von ihren Kunden, den Unternehmen, kassieren. Die kostet deshalb ein Leiharbeiter durchaus mehr als die eigenen festen Mitarbeiter. Trotzdem bleibt das Modell Zeitarbeit für sie interessant: Sie ersparen sich Ärger beim Kündigungsschutz, können flexibel auf Auftragsschwankungen reagieren und Krankheits- sowie Urlaubsvertretungen organisieren. Die Zeitarbeits-Branche profitiert mit deutlichen Gewinnsteigerungen von dieser Entwicklung.
 
Nicht selten werden bestehende Jobs gleich ganz durch Leiharbeiter ersetzt. Eine aktuelle Umfrage der IG Metall Nordrhein-Westfalen unter Betriebsräten aus 123 Unternehmen hat ergeben, dass in gut der Hälfte der Betriebe Stammbelegschaft gegen Zeitarbeitnehmer ausgetauscht wurde. Nur in zehn Prozent der Unternehmen, die Beschäftigte in Zeitarbeit einsetzen, wird danach der Grundsatz "Gleiche Arbeit - gleiches Geld" angewandt. Außerdem zeigte die Umfrage, dass es nur für 12 Prozent der Beschäftigten den so genannten "Klebeeffekt" gibt, also den gelungenen Wechsel aus Zeitarbeit in reguläre Beschäftigung im Einsatzunternehmen.

[...] So hoffen viele Leiharbeiter vergeblich auf einen regulären Arbeitsplatz. Im Leipziger BMW-Werk zum Beispiel sind mehr als ein Drittel der Belegschaft Zeitarbeiter. Wenn die sich um eine feste Anstellung bemühen, winkt BMW ab, erzählt Steffen K.: Er habe sich mittlerweile mehrmals beworben. Doch sein Meister habe ihm gesagt: "Du kannst dich 1000 Mal bewerben, wenn du als Leiharbeiter für BMW arbeitest, hast du niemals die Chance, gleichzeitig bei BMW reinzukommen. Die haben dich ja schon."
 
"Einmal Zeitarbeit, immer Zeitarbeit", das weiß auch Gewerkschafter Grzonka. "Die Perspektiven sind auch gesetzlich so formuliert, dass jede Form der Befristung entfallen ist. Das heißt, man kann bis zu seinem Lebensende in der Zeitarbeit stecken." Eine Erkenntnis, an die sich viele erst gewöhnen müssen. Den sicheren Arbeitsplatz, ein Berufsleben lang, wird es für sie nicht mehr geben; der deutsche Arbeitsmarkt auf dem Weg in die "Zweiklassengesellschaft".


Aus: "ZDF (Frontal21 am 15. Mai 2007): Jobs auf Abruf - Fette Gewinne mit Zeitarbeitern" von St. Judzikowski, H. Koberstein und Herbert Klar (14.05.2007)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,5385707,00.html

« Last Edit: Dezember 06, 2010, 04:22:23 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Menschen in Schichten und Klassen [?]... (Notizen)]
« Reply #14 on: Juli 10, 2007, 04:16:10 nachm. »
Quote
[...] Dabei macht es die besondere Lässigkeit der Oberschicht aus, dass ihre Mitglieder überhaupt keinen Witz und keine herausragenden Anlagen beweisen müssen, solange sie unter sich sind. Das Flügelschlagen ist eine bürgerliche Angestrengtheit. Entspannte Erhabenheit über alle Verdienste sorgt in Adelskreisen für eine gesunde Gemütlichkeit - je schlichter der einzelne im Gemüt, desto kerniger verkörpert er die Unerschütterlichkeit der Werte seiner Welt.

Hat das Buch eine Lehre? Vielleicht diese: Intelligenz, Witz, Schönheit, Leistungsfähigkeit - alles schön und gut, aber auf Dauer ist es doch angenehmer und für die Nerven beruhigender, auch mittelmäßige Vertreter der eigenen Klasse um sich zu haben, die einem die schöne Gewissheit geben, dass der eigene Lebensstil nicht an die Launen eines Tages gebunden ist.


Aus: "Sozialer Aufstieg: "Snobs": Hoch heiraten"  Von Ijoma Mangold (08.05.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt8l1/kultur/artikel/175/113062/

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[Bin ich ein Prolet?... ]
« Reply #15 on: November 15, 2007, 02:07:43 nachm. »
Quote
1. Sie tragen T-Shirts mit Botschaften auf der Brust.
2. Sie glauben an den Fußballgott.
3. Die Triebfeder Ihres Handelns ist das Erlangen möglichst vieler, nicht selbst verursachter Orgasmen.
4. Deren Armut kotzt Sie an.
5. In Ihrem Schlafzimmer befindet sich mindestens ein Kuscheltier.
6. Für Ihren Stil lassen Sie sich von Magazinen inspirieren, die unter fünf Euro kosten.
7. Sie bewundern Don Corleone, den Paten, für seine Stärke.
8. In manchen Fällen fänden Sie die Todesstrafe gar nicht so schlecht.
9. Hartz IV ist für Sie eine Art Subvention der Schwarzarbeit.
10. Wenn Sie an der Macht wären, wüssten Sie, was zu tun wäre.
11. Am wohlsten fühlen Sie sich noch immer im Jogging-Anzug.
12. Die RTL 2 Nachrichten interessieren Sie mehr als Sie zugeben.
13. Wenn Sie ein neues Handy haben, probieren Sie ihre neuen Klingeltöne in öffentlichen Verkehrsmitteln aus.
14. Ihr Englisch haben Sie aus Hiphop-Songs gelernt.
15. Wenn Sie sich belohnen wollen, essen Sie an der Currywurstbude.
16. Wenn Sie nicht mehr weiter wissen, werden Sie einfach immer lauter.
17. Sie haben beim Finale von Titanic geweint.
18. Sie haben Ihr Auto modifiziert.
19. Ihre Frisur war in einem vorigen Jahrzehnt der Hit.
20. Sie denken, Verona Feldbusch tut nur so, als wäre sie dumm.
21. Sie geben mindestens 40 Prozent Ihres Nettogehaltes für Markenklamotten aus.
22. Mindestens einer Ihrer Bekannten heißt Justin.
23. Sie pinkeln unter der Dusche.
24. Sie haben immer ein paar schlüpfrige Witze parat, um die Stimmung aufzulockern.
25. Sie beschimpfen Ihren Computer, obwohl er Sie nicht hören kann.
26. Von 25 Prozent Ihrer Freunde kennen Sie nur ihren Spitznamen, nicht den richtigen.
27. Kurz vor dem Aussteigen pupsen Sie auch mal in Fahrstühlen.
28. Sie haben mehr als vier Bücher von Steven King gelesen.
29. Manchmal beneiden Sie Dieter Bohlen.
30. Sie sind sich nicht sicher, was Prolet heißt.

Quote
OnkelHeini meint:
15-11-2007, 08:50 Uhr

31. Sie sind am Körper mit sonderbaren Mustern und fernöstlichen Symbolen bemalt
32. Sie tragen Kleidung, welche anderen Mitmenschen den Blick auf (31.) aufnötigen
33. Sie "modifizieren" nicht nur Ihr Auto, sondern auch ihren Körper durch blitzende Teile
34. Ihr Nachwuchs trägt Namen, wie Luka-Fynn, Marvin, Yannick usw.
35. Sie rasieren sich (als Mann) nicht nur im Gesicht und machen sich verächtlich über andere, die das nicht so machen.
36. Ihre beste Sonntagskleidung ist kein schöner Anzug, sondern Ihr bei "New Yorker" erworbenes Outfit
37. Sie sind der festen Überzeugung, das Recht zu haben, viermal im Jahr, ohne Rücksicht auf die Nachbarschaft, es "richtig krachen" zu lassen


Quote
Stefan meint:
15-11-2007, 09:20 Uhr

38. Sie gehen hauptsächlich in Großraumdiscos
39. Zu 38. auch nur wenn winw 1€-Party ist
40. Sie tragen eine Kurzhaar-Frisur mit blonden Strähnen
41. Sie gehen regelmäßig ins Solarium, obwohl es Ihnen nicht bekommt
42. Sie haben immer die neusten Chart-Hits auf ihrem Handy und hören sie im Lautsprecher Modus
43. Ihre Sonnenbrille hat nicht mehr als 20€ gekostet
44. Sie tragen außschließlich "G-Star" und "Energie" Klamotten

Quote
Christine meint:
15-11-2007, 10:21 Uhr

45. Sie gehen regelmäßig ins Nagelstudio und haben lange Airbrush-Krallen
46. Sie rauchen und beugen sich dabei über den Kinderwagen, in dem Ihr bemitleidenswerter Nachwuchs sitzt
47. Sie haben in Ihrem Leben schon mal ein Buch gelesen. Damals, in der Schule, kurz bevor Sie sie abgebrochen haben
48. Sie lieben Diddlmäuse
49. Sie treffen sich mit Ihren Freunden nicht im Straßencafé, sondern im Solarium oder an der Fitneßstudio-Bar
50. Sie haben immer das allerneuste Handy und den allerneuesten Flatscreen-Fernseher und verbringen ganze Samstage bei Saturn
51. Ihr Kind bekommt noch im Krabbelalter einen eigenen Fernseher ins Zimmer
52. Sie gehen aufs DJ Ötzi-Konzert
53. Sie finden Buffalos immer noch toll
54. Bildung interessiert Sie nicht. Museen, Ausstellungen, Lesungen, Vorträge etc. sind nur was für Streber
55. Sie glauben, daß jeder Dr. ein Arzt ist
56. Sie fliegen zum Urlaub in die Dom. Rep. und freuen sich, daß dort alles so geil billig war
57. Sie schmücken Ihre Wohnung mit Harlekins und großen Fächern
58. Auf Ihrem Auto steht "Cherasette-Chantal an Bord" oder "Kenwood" plus Tribal-Autoaufkleber oder Vornamen-Nummernschild auf der Hutablage
59. Ihr kleiner Sohn hat einen Beckham-Iro und Gel in den Haaren
60. Beim Burger King lernen Sie immer die geilsten Weiber kennen


Quote
Keule meint:
15-11-2007, 11:21 Uhr
Ich sehe, Ihr wisst alle Bescheid !

61. Sie glauben, Wrestling ist echt und nicht getürkt!
62. Wenn Ihr Mann wieder mal besoffen ist, machen Sie dem Nachbarn schöne Augen und fummeln mit ihm in der Küche.
63. Sie finden Ihr "Arschgeweih" immer noch total cool und crazy und laufen deswegen auch im Winter mit freiem Rücken rum.
64. Bier aus der Dose ist lecker und eine Flasche Wein für 2,99 ist "ziemlich gutes Zeug".
65. Diese bescheuerten Fuzzis vom Amt wollen mir immer Gutscheine für Lebensmittel geben. Die gehen aber nicht für Lullen und Stoff.


Quote
  hammelbraten  meint:
15-11-2007, 11:28 Uhr

61. "Nachher" fragen Sie immer Ihre Partnerin mit einer Zigarette im Mund: "Hat es Dir auch soviel Spaß gemacht (wie mir)"?
62. Beim Sex wird alles ausgezogen, nur die Socken nicht!
63. Goldkettchen und Siegelringe sind in der Szene auch (immer noch) willkommen - allerdings nur in Verbindung mit aufgeknöpften Oberhemden.
64. Weiße (oder braune) Schuhe zu dunkler Bekleidung ist ein Muss.
65. Abba sind für Prols die Krönung!
66. Dalmatiner (große weiße Hunde mit schwarzen Einschüssen - oder umgekehrt). Allerdings in lasierter Keramik und vor dem Sofa sitzend.
67. Die Eltern erzählen auf Feten gerne und ausdauernd, dass ihr Sohnemann ohne das schöne alte Lied "Live is live!" nicht einschlafen kann.
68. Ein- bis zweimal in der Woche ist "Familientag" - und das auch nur zu festgelegten Zeiten.
69. Für die Silikonrestaurationen werden Kredite aufgenommen.
70. Kerner ist der Beste - und die Nachmittagssendungen von RTL und Sat 1 sind auch nicht zu verachten. Auf jeden Fall sind sie besser, als die Vormittagssendungen.
71. Da war doch jemand, der die Autobahnen gebaut hat. Der war gar nicht so schlecht!
72. Urlaub in Tirol (egal, woran wir sterben).
73. Die Einrichtung muss günstigstenfalls von Ikea sein - zu Not tut's auch Gelsenkirchener Barock oder die bei 68er-Prols beliebten Sperrmüllerzeugnisse.

Quote
Na sowas! meint:
15-11-2007, 11:43 Uhr
Punkt 10: "Wenn Sie an der Macht wären, wüssten Sie, was zu tun wäre." ist der entscheidende Indikator.
Trifft auf die meisten Kommentar-Schreiber bei welt.de zu.

Quote
Frank Abel meint:
15-11-2007, 13:50 Uhr
Bei mir war es knapp: 12 Jas immerhin. Ich bin froh, dass ich nicht eröffnen muss, welche das sind...


Aus: " Kolumne "Ab 18": Der große Selbsttest: Bin ich ein Prolet?" Tobias Schönpflug (15. November 2007)
Quelle: http://www.welt.de/vermischtes/article1364113/Der_grosse_Selbsttest_Bin_ich_ein_Prolet.html


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[Das sind die, welche nichts auf die Reihe kriegen [?]... (Notiz, BRD)]
« Reply #16 on: November 23, 2007, 10:24:44 vorm. »
Quote
[...] Grünen-Finanzexperte Oswald Metzger polarisiert. Er kritisierte Sozialhilfe-Empfänger als Menschen, deren Lebenssinn oft darin bestehe, "Kohlenhydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen". Die Partei tobt, doch Metzger beharrt auf seiner Einschätzung. Und denkt über einen Parteiaustritt nach.

Der in der eigenen Partei scharf kritisierte baden-württembergische Grünen-Landtagsabgeordnete Oswald Metzger hält an seinen umstrittenen Äußerungen über Sozialhilfeempfänger fest. Der „Schwäbischen Zeitung“ sagte er: „Ich bleibe bei meinen Äußerungen, aber das ist keinesfalls ein Pauschalurteil. Bei manchen Sozialhilfe-Empfängern in der zweiten oder dritten Generation gibt es eine Antriebsarmut von klein an.“

Quote
       

Umfrage:
Der Grünen-Politiker Oswald Metzger kritisiert, viele Empfänger von Hartz IV seien hauptsächlich an Alkohol und Kohlehydraten interessiert. Ihre Reaktion?       


        21%     Das ist eine Unverschämtheit, er sollte sich sofort entschuldigen
   3%    Das ist dreist, er sucht nach einem Anlass, aus der Partei auszutreten
   59%    Das ist politisch vielleicht nicht korrekt, aber durchaus wahr
   8%    Das fällt für mich unter Meinungsfreiheit
   9%    Wer ist Oswald Metzger?

Aktuell: 3026 Stimmen


„Für mich ist entscheidend, wie viel Realitätssinn beim Bundesparteitag herrscht“, hielt Metzger dagegen. Beim Bundesdelegiertentreffen in Nürnberg an diesem Wochenende wird auch über die heftig umstrittene Frage eines Grundeinkommens für jedermann debattiert. Dies lehnt Metzger strikt ab. Nachdem der Parteitag der Südwest-Grünen Mitte Oktober in Heilbronn einen entsprechenden Beschluss gefasst hatte, stellte der Grünen-Politiker öffentlich seinen Austritt aus der Partei in Aussicht.

Nun kündigte der wegen seiner wirtschaftsliberalen Ansichten bekannte Finanzexperte an: „Ich werde für meine Position kämpfen und Änderungsanträge beim Parteitag einbringen.“ Damit will Metzger das vorgeschlagene Modell einer verbesserten Grundsicherung ändern. Vor allem der Rückhalt in der Stuttgarter Landtagsfraktion habe ihn dazu bewogen, für seine Vorstellungen in der Partei einzutreten und nicht vorzeitig seine Mitgliedschaft aufzugeben. „Ich habe den Grünen auch viel zu verdanken“, meinte der 52-jährige Politiker.


Quote
Coboldt meint:
22-11-2007, 07:13 Uhr
Wo er Recht hat, da hat er Recht.

Das ewige Gejammer über staalich verordnete Armut! Schaue ich Reportagen über Harzis, liegen immer Handys und Markenzigaretten auf dem Tisch. Guck ich bei Penny, was die so in den Einkaufswagen werfen - Chipstüten und Fertiggerichte. Ich koche da lieber günstig selbst.

Quote
Toni aus Schwaben(der sich Sorgen macht) meint:
22-11-2007, 07:21 Uhr
...wie mehr die Oberen machen und Managergehälter kassieren,desto weniger fällt dennen etwas zu -die Elitemässig (durch Elite Reformen und Umschichtung-nach Unten ,zerdrückt-sind...........Die Gesundheitsfragen die auch noch durch (Industrie und Militär)Vergiftung der Umwelt und Menschen anstehen und auf uns zukommen,werden aber mit der zeit auch die Oberen treffen.Mancher merkt es schon in Ihrem denken-die Unteren in Alkohol-Streß und Trocken und die Oberen in Gehätern-raffen-Gier und Globalem Elite-Kriegs-W...sinn.Statt auf ein Normales Miteinander zu kommen und normales verteilen zu würdigen(gleiches Einkommen für Alle-gesund und Qualität,wird immer mehr auf gegeneinander-extremes und Zerstörerisches gesetzt.Der Turm zu Babel scheint umzukippen.....

Quote
Ich kann es nicht mehr hoeren meint:
22-11-2007, 07:37 Uhr
Ich finde es einfach dumm ueber so etwas Meinung zu machen und mit der (die Gute seite) und die ( boese Seite) Spielchen die Leute zu polarisieren. Der Herr Metzger sollte lieber zum Unterschichten TV oder zur Bild gehen da findet sich Publikum die wie auch in diesen Kommentaren sagen und Schreiben er hat Recht die Harz IV Empfaenger sind selbst Schuld.....
Leute seid liber Froh das Ihr zum bevorstehenden Weinachtsfest euren Kindern,Frauen, Freunden etwas kaufen und Schenken koennt. Es giebt Leute die koennen es nicht und der Herr Metzger sollte einmal mit Harz IV Empfaengern sprechen um sich ein reales Bild dieser Leute zu machen und nicht auf unterstem Level Politik zu machen

Quote
Ed Uscho meint:
22-11-2007, 07:40 Uhr
Das übliche Rumgekloppe vom täglichen Mob auf Minderheiten, die keine Lobby haben.

Quote
Jos meint:
22-11-2007, 07:47 Uhr
Die Meinung Oswald Metztgers ist bekanntlich die Meinung der meisten Grünen. Das die Grüne Hartz-Partei jetzt - öffentlich - nicht zu ihrer eigenen Politik stehen will ist doch lächerlich, denn Metzger kann sich zumindest der schweigenden Zustimmung der meisten Grünen sicher sein. Zu einem Parteiaustritt besteht also keinerlei Anlass. Das Büttikofer u.a. Grüne jetzt plötzlich auf Sozial machen, nimmt ihnen nach ihrer Politik der letzten Jahre, doch sowieso niemand mehr ab.

Quote
gerhardq meint:
22-11-2007, 07:49 Uhr
Wieder mal ein Politiker, der zu allem seinen Senf zugeben muß, ohne irgendwelche Ahnung zu haben.
Herr Metzger war selbst im Bundestag, er war also in der Lage, für entsprechende Bedingungen der Sozialhilfe-Empfänger zu sorgen. Also soll er jetzt nicht dumm rummaulen.
Vom bedingungslosen Grundeinkommen hat er überhaupt keine Ahnung, er brilliert hier durch gezeigtes Nichtwissen. Das bedingungslose Grundeinkommen wird wahrscheinlich die einzige Mögllichkeit sein, einen sozialen Staat einigermaßen aufrecht zu erhalten. Aber wer von staatlichen Pensionen sehr gut lebt, kann sich die Nöte und Sorgen von Erwerbslosen nicht vorstellen.

Quote
arme sau meint:
22-11-2007, 08:38 Uhr
bin sozialhifeempfänger und auch nur am saufen.. recht hat er

Quote
Ben meint:
22-11-2007, 08:54 Uhr
Metzger währe in der FDP besser aufgehoben als Mitglied des INSM.

Quote
gGmbH ist erstrebenswert meint:
22-11-2007, 09:00 Uhr
Das Problem sind nicht die Sozialhilfeempfänger, sondern es wird einfach immer mehr Jobs unter dem Existenzminimum angeboten, weil der Staat bereitwillig zuzahlt.

Dafür werden z. B. im Wahlkreis von Herrn Metzger die Pflegeheime einfach in gGmbHs umgewandelt, damit sie die Steuerbegünstigungen abrufen und Ein-Euro-Jobber einstellen können - vermutlich ist es im übrigen Deutschland genauso.

Jetzt soll mir mal einer erklären, warum ein Pflegeheim, das ordentliche Honorare für seine Dienstleistung in Rechnung stellt, ein gemeinnütziger Verein sein soll.

Dazu kommt, das die Berichterstattung in der Lokalpresse den Eindruck erweckt, dass es sich um eine städtische Einrichtung handelt und über Zuschüssen beschlossen wird.

Das Geschäft mit den "Sozialschmarotzer" läuft doch recht gut für unsere Politik und die, die an diesen Geschäften unter dem Deckmantel solcher Gesellschaften beteiligt sind.

Quote
  Kammerjäger  meint:
22-11-2007, 09:10 Uhr
Wo er Recht hat - - da hat er Recht !
Es heisst ja auch "Assi" u. "Geschwartl"...
Das sind die, welche nichts auf die Reihe kriegen.

Quote
dd meint:
22-11-2007, 09:20 Uhr
Faulheit ist ein menschliches Laster und sollte nicht auch noch gefördert werden, ein Tritt in den Arsch wirkt manchmal Wunder.

Quote
Fragender meint:
22-11-2007, 09:24 Uhr
@ Marco Vogt.
Wer hat denn in Deutschland die Arbeitslosigkeit produziert ?
Der Bürger selber?
Die Wirtschaft?
Die Politiker?
Oder Wirtschaft und Politiker?


[...]

Quote
  pingpong  meint:
22-11-2007, 09:40 Uhr

[...] Wenn Sie und Ihresgleichen nicht in den nächsten Jahren endlich ein Erweckungserlebnis haben, die Realität anerkennen und endlich Ihren Arsch hochbekommen, dann werden Sie alle noch erleben, was harte Arbeit bedeutet angesichts eines Konkurrenzkampfes mit fleissigen Nationen wie China, Indien oder den freien früheren Ostblockländern.
Die Menschen dort sind nicht dümmer als wir, aber dafür sind sie fleissiger, und sie wissen, dass man Wohlstand nur durch Lernen und Arbeit erreicht.

Die Kassen in Deutschland sind leer, und was meinen Sie wohl, was gutausgebildete und fleissige Bürger wie z.B. ich tun werden, wenn die Abgabenlast hierzulande von Jahr zu Jahr weiter steigt und wir arbeitenden Bürger uns noch von Arbeitsverweigerern wie Ihnen für unseren Fleiss beschimpfen lassen müssen?




Aus: "Empörung über Kritik an Sozialhilfe-Empfängern" (22. November 2007)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article1387450/Empoerung_ueber_Kritik_an_Sozialhilfe-Empfaengern.html


-.-

Quote
[...] Ingolstadt - Gerade stand er noch im Rampenlicht der IAA in Frankfurt, jetzt testet ihn die frisch gekürte Kanzlerin: den Audi A8 Security. Gepanzert gegen Sprengstoff, Scharfschützengewehre und Handgranaten, könnte der schwere Junge in Zukunft Angela Merkel beschützen - wenn er den Test auf Herz und Nieren und Praktibilität im Kanzlerinnen-Alltag besteht. Zwei der rund ein Viertel Million Euro teuren Hochsicherheitswagen der Langversion hatte das Bundeskriminalamt (BKA) bei den Ingolstädtern zur Probe geordert.


Aus: "LUXUSPANZERLIMOUSINE: Merkel testet Audi A8 Security" Von Antje Blinda  (SPON, 23. November 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,387769,00.html

« Last Edit: November 23, 2007, 10:26:53 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[eine reiche und eine arme Bevölkerungsschicht... (Notiz, Brasilien)]
« Reply #17 on: November 24, 2007, 09:49:44 nachm. »
Quote
[...] Im vergangenen Jahr fielen rund 55.000 Brasilianer einem Tötungsdelikt zum Opfer - aktuellen Schätzungen zufolge starben damit in Brasilien einige Tausend Zivilisten mehr als in dem seit drei Jahren andauernden Irak-Krieg. Das lateinamerikanische Land mit rund 185 Millionen Einwohnern hat seit Jahren eine extrem hohe Mordrate und zerfällt stark in eine reiche und eine arme Bevölkerungsschicht. Millionen Menschen leben in städtischen Slum-Gebieten, in denen die Polizei wenig Einfluss hat und Waffen verbreitet sind.
 
Durch Initiativen zur Reduzierung der Gewalt konnte die Mordrate im vergangenen Jahr einem Vertreter des Justizministeriums zufolge leicht gesenkt werden. In Städten wie Rio de Janeiro gaben Bürger freiwillig Tausende Waffen ab. Eine Volksabstimmung zur Durchsetzung eines Waffenverbots scheiterte jedoch im vergangenen Jahr. Als einer der Gründe dafür wurde das fehlende Vertrauen in die Polizei genannt.


Aus: "Mordrate in Brasilien: Mehr Tote Zivilisten als im Irak" (26. September 2006)
Quelle: http://www.n-tv.de/714166.html


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[Denn der Durchgang ist semipermeabel... (Notiz, BRD, DB AG, FAZ)]
« Reply #18 on: Dezember 20, 2007, 12:24:00 nachm. »
Quote
[...] 19. Dezember 2007 Die Klassengesellschaft existiert noch, jedenfalls in der Bahn. Hier trennt das Bordrestaurant sorgsam die Erste von der Zweiten Klasse. Doch die egalitäre Gesellschaft drängt in die Welt der Ledersitze. Jedenfalls beim Aussteigen: In Kopfbahnhöfen wie Frankfurt, München oder Leipzig, in denen Züge mit der Ersten Klasse voraus einfahren, Reisende der Zweiten Klasse aber den Vorsprung der privilegierten Passagiere nicht hinnehmen wollen, schiebt sich regelmäßig ein Rudel von Rollkofferziehern nach vorne durch die bessere Gesellschaft - zu deren Ärger.

Die Bahn schreitet nun ein. Und dies, obwohl ihr sonst so ziemlich alles egal ist, was an Bord ihrer Züge passiert, von Sitzbelegungen mit Mänteln und Koffern bis hin zu lautesten Telefonaten. In diesem Fall aber mahnt die Bahn seit kurzem mit der Ansage: „Mit Rücksicht auf die Gäste der Ersten Klasse bitten wir Passagiere der Zweiten Klasse, nur die Ausgänge in der Zweiten Klasse zu benutzen.“ Klassentrennung also, wenngleich einseitig. Denn der Durchgang ist semipermeabel: Zwar werden selbst bei berstender Überladung die Zweite-Klasse-Passagiere aus den Gängen der Ersten Klasse verscheucht, doch niemand erhebt Protest, wenn ein Erstklässler mal nachsieht, wie es beim Volk so zugeht. Nicht so sehr erfreulich, um das mindeste zu sagen, und je voller, desto doller.

Eindrücke aus täglicher Bahnfahrt der vergangenen Wochen: Eine Geschäftsfrau beschwert sich beim Zugbegleiter in einem zu zwei Dritteln besetzten Zug, die Bahncomfortplätze seien wieder einmal unberechtigt belegt - sie weist auf eine Mutter mit kleinem Kind, die sie der Plätze verwiesen sehen will. Ein junger Mann reißt ein altes, nebeneinander sitzendes Ehepaar mit Hinweis auf seine Reservierung auseinander, den freien Sitz eine Reihe weiter will er nicht einnehmen, „aus Prinzip“.

Das Gerangel um die wenigen nichtreservierten Plätze, das mit dem Einsatz aller Mittel bereits am Bahnsteig beginnt, erreicht seinen Höhepunkt mit einem Mann, der einen Zugbegleiter beim Versuch, die Hebebühne für eine Rollstuhlfahrerin in Position zu bringen, zur Seite drängelt. Der Bahn scheint's egal. Oder ist sie der Wächter in einem soziologischen Experiment, an dem wir alle teilnehmen? Dann wäre auch das klar: Solange wir Volksfahrer uns so benehmen, gilt in Bezug auf die Erste Klasse wörtlich Exklusivität: Wir müssen leider draußenbleiben.



Aus: "Klassentrennung: Alles egal bei der Bahn" Von Tilmann Lahme (Text: F.A.Z., 20.12.2007, Nr. 296 / Seite 33)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub5A6DAB001EA2420BAC082C25414D2760/Doc~EB6647F188A6F4A949F1D19A3B6CD8A7C~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_feuilleton



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[Ein paar einsilbigen Eckdaten... (Notiz, BRD, Gesellschaftsbild)]
« Reply #19 on: Februar 10, 2008, 11:42:38 vorm. »
Quote
[...] Wo Bourdieu sich noch durchgängig leise angewidert davon zeigte, wie die sozial Schwachen von den sozial Starken Millimeter für Millimeter abgehängt und am Ende eben auch ästhetisch-körperlich zu einer quasi-aussätzigen Kaste gestempelt werden, gilt heute von Paul Nolte bis "Süddeutsche" der triumphierend-missbilligende Blick von oben auf die da unten. Es wird nicht länger nüchtern gezeigt, wie sich Milieus ökonomisch ausbilden und dann kulturell voneinander abgrenzen. Es wird vielmehr nur noch "gezeigt", wie die arbeitslosen Deppen selber daran schuld sind, wenn sie dick werden, krank und unglücklich.

[...] noch nie bin ich auf die Idee gekommen, dass bessere Esser auch bessere Menschen sein könnten, und niemals könnte ich mich den gerade modischen Denkschulen anschließen, die aus ein paar einsilbigen Eckdaten wie Schulabschluss, Essbudget und Body-Mass-Index gleich ein ganzes Menschen-, wo nicht Gesellschaftsbild zusammen rühren.

In diesem Sinne: Guten Appetit und gute Nacht!


Aus: "FICHTNERS TELLERGERICHT: Kampf dem Klassenmampf" Von ULLRICH FICHTNER ( 08. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,533874,00.html



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[Mit den neuen Realitäten möglichst nicht konfrontiert werden... ]
« Reply #20 on: Februar 24, 2008, 12:54:41 nachm. »
Quote
[...] Wer oder was ist dann aber überhaupt die „Elite“? Und was soll sie dürfen, wenn es sie denn gibt? „Elite ohne Moral“ titelt der aktuelle „Stern“ und zeigt den zurückgetretenen Post-Chef mit diabolischem Grinsen und ein paar Hundert-Euro-Scheinen in der Faust. „Wenn die Elite das Volk verrät“ hieß das Thema am Mittwochabend in der Talkshow „Hart, aber fair“ - bloß spulten SPD-Generalsekretär Hubertus Heil und Guido Westerwelle von der FDP bei dieser Gelegenheit doch nur wieder ihre Wahlprogramme herunter, während Ulrich Wickert den Werte-Onkel ohne Fehl und Tadel gab. Der Elite-Begriff jedoch bleibt auch weiterhin diffus - und gleichzeitig so brisant, dass vor allem Politiker die bürokratisch klingende, neutralere Worthülse „Leistungsträger“ bevorzugen. Ein gesellschaftlicher Konsens scheint allenfalls insofern zu bestehen, als diese als „Leistungsträger“ apostrophierten Wirtschaftsführer keine Steuern hinterziehen sollen und dass es schöner wäre, ihre Stiftungen verfolgten in Deutschland einen wohltätigen Zweck, anstatt in Liechtenstein als Schwarzgeld-Bunker zu dienen. Aber was wäre das wohl für eine Elite, die nicht von selbst weiß, was sich gehört?

[...] Es mag ja sogar sein, dass in Deutschland grundsätzlich der Pessimismus meist stärker ist als die Zuversicht und dass Ehrgeiz hierzulande gern als Strebertum verunglimpft wird. Aber wäre es nicht trotzdem ganz nett, wenn das von oben herab gern als „Neidgesellschaft“ diffamierte Fußvolk einmal aus dem Munde der sogenannten (beziehungsweise selbsternannten) Elite erführe, mit welchem Recht sie sich überhaupt in dieser Position sieht? Wenn etwa Hans Tietmeyer, ehemaliger Bundesbankpräsident und amtierender Präsident der „European Business School“ gewissermaßen pro domo verlangt, „wir müssen endlich den Begriff der Elite als Leistungselite verstehen und ihn so enttabuisieren“, wüsste man schon gern, ob sich aus dieser Enttabuisierung außer Rechten und Privilegien womöglich auch die eine oder andere Verpflichtung ableiten ließe. Und wenn ja, welche.

Als Julia Friedrichs am Dienstagabend während der Podiumsveranstaltung sagen sollte, welches denn nun ihr Wunschbild von „Elite“ sei, lautete ihre Antwort sinngemäß: Solange in Deutschland ohnehin jeder den Begriff so gebrauche, wie es ihm gerade in den Kram passen, sei es auch sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen. Das kann man gut verstehen, und es stimmt nicht gerade zuversichtlich, dass jemand, der sich wie die Autorin mit großer Verve und viel Idealismus auf die Suche nach „Elite“ begeben hat, letztlich mit leeren Händen zurückgekehrt ist. Den zwei Plätze neben ihr sitzenden Eliten-Forscher Michael Hartmann dürfte das allerdings weniger verwundert haben: Einem Zuschauer, der von ihm wissen wollte, ob beispielsweise auch Umweltschützer oder Widerstandskämpfer zur Elite zu rechnen seien, wurde aus wissenschaftlicher Sicht beschieden: Im Wesentlichen zeichneten Eliten sich nur durch zwei Dinge aus, nämlich durch Macht und durch Geld; moralische Ansprüche seien folglich fehl am Platze.

In Deutschland sollten wir diese Lektion mittlerweile gelernt haben.


Aus: "Deutsche Elite: Von wegen Vorbild" Von Alexander Marguier (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.02.2008, Nr. 8 / Seite 55)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~ED1C13F4481CC49248EC0F2343A11D930~ATpl~Ecommon~Scontent.html




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[...] Michael Hartmann (* 24. August 1952 in Paderborn) ist Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Eliteforschung, Managementsoziologie, Industrie- und Organisationssoziologie an der Technischen Universität Darmstadt. Er ist ein bekennender Sozialist.

In Paderborn besuchte er das Theodorianum und verließ es 1972 mit dem Abitur. Sein Studium von 1971 bis 1976 in Soziologie, Politikwissenschaft, Philosophie, Geschichte, Germanistik und Psychologie an den Universitäten in Marburg und Hannover schloss er mit dem M.A. ab. Im Jahre 1979 promovierte er in Hannover zum Dr. phil.

1983 habilitierte er sich in Soziologie an der Universität Osnabrück. Nach verschiedenen Gast- und Vertretungsprofessuren ist er seit 1999 Professor für Soziologie am Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften der Technische Universität Darmstadt.

Hartmann bezeichnet sich selbst als „Linker“. In seiner viel beachteten Studie Der Mythos von den Leistungseliten belegt er mit empirischen Daten, dass die so genannte Chancengleichheit beim Zugang zu Elitepositionen in der Bundesrepublik nicht existent ist. Er arbeitet den großen Einfluss heraus, den die soziale Herkunft bei der Besetzung solcher Position spielt. Er selbst setzt sich gegen Studiengebühren an deutschen Universitäten und die Förderung so genannter Eliteuniversitäten ein, da sie seiner Meinung nach nur zu einer Verschlechterung der Hochschullandschaft in Deutschland führen werden. Derzeit arbeitet er an einer Studie, welche sich mit der Frage nach den abschreckenden Wirkungen von Studiengebühren in den Vereinigten Staaten beschäftigt.

Michael Hartmann hat die Biografien von 6500 Doktoren in der Bundesrepublik Deutschland in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts untersucht, um herauszufinden, ob die soziale Herkunft bei Akademikern mit Doktortiteln relevant sei für den Aufstieg in die Elite. Sein Befund ist, dass die Wirtschaftselite (verstärkt seit Anfang der 90er Jahre) sich aus Abkömmlingen der Wirtschaftselite rekrutiere, dass Arbeiterkinder oder Frauen mit Doktortitel jedoch so gut wie keine Chance haben würden aufzusteigen. Eines zeigen die Bildungs- und Karriereverläufe von promovierten Personen ganz eindeutig: Die soziale Herkunft beeinflusst den Zugang zu Elitepositionen nicht nur indirekt über den Bildungserfolg, sondern auch ganz unmittelbar. Die vom funktionalistischen Mainstream der Eliteforschung vertretene Position, die Rekrutierung der Eliten erfolge vorrangig anhand der individuellen Leistung, hat sich nicht bestätigt.

[...]


Aus: "Michael Hartmann (Soziologe)" (02/2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hartmann_(Soziologe)

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[...] mm.de: Herr Hartmann, Sie haben über Jahrzehnte hinweg die Lebensläufe und Einstellungen von Angestellten und Entscheidern untersucht. Wie kommt ein unbescholtener Manager wie Klaus Zumwinkel dazu - und mit ihm viele andere Wohlhabende -, in diesem Ausmaß Steuern zu hinterziehen?

Hartmann: Das entsteht aus einer Haltung, die sich über Generationen entwickelt hat. In den Chefetagen der Wirtschaft, gerade auch im Mittelstand, herrscht die Meinung vor, dass der Staat Unternehmertum systematisch behindert und hart erarbeitetes Eigentum durch seine Steuern raubt - das könne man sich nicht einfach gefallen lassen. Ganz selbstverständlich wird deshalb gegen gesetzliche Regeln verstoßen.

Der Fall Zumwinkel ist ja nicht der erste Beleg für dieses Phänomen. Denken Sie nur an die Durchsuchungsaktionen im Zusammenhang mit illegal nach Luxemburg transferierten Geldern oder die Batliner-Affäre in den neunziger Jahren. Die damals erwischten Leute sehen bis heute nicht ein, dass Sie Unrecht begangen haben könnten.

mm.de: Wie kann es sein, dass so gebildeten Menschen die Maßstäbe fehlen?

Hartmann: Sie bekommen das von Kindesbeinen an vermittelt. Schon wer in einer Familie von Selbstständigen aufwächst, kann an seinen Eltern beobachten, wie die kreative Vermischung von Geschäft und Privatem systematisch genutzt wird, um Steuern zu sparen.

[...]

mm.de: Der Steuerstaat wird nicht als Autorität anerkannt.

Hartmann: Richtig. Auch das haben diese Schichten verinnerlicht: Dass sie es sind, die die Regeln setzen, nicht die anderen, auch der Staat nicht.

mm.de: In der aufgeregten Debatte der vergangenen Tage weisen Experten darauf hin, dass die Summe, die die große Masse kleiner Steuerzahler unterschlägt, viel schwerer wiegt als die Hinterziehungssünden der Reichen.

Hartmann: Das ist falsch. Bei den oberen 10 Prozent der Bevölkerung - gemessen am Einkommen - bleiben etwa 80 Prozent der Einnahmen aus Vermögen unversteuert. Das zeigen Vergleiche der Steuereinnahmen mit Angaben über die Einkommen aus Vermögen. Sie dürfen nicht vergessen, dass hier die Einsparungsmöglichkeiten auch viel größer sind. Einem Angestellten wird die Steuer abgezogen, bevor das Gehalt überwiesen ist. Erst hinterher darf er seine Ansprüche belegen, wenn er einen Teil der Steuern zurückbekommen will. Bei Vermögenden ist es umgekehrt.

mm.de: Was läuft schief in Deutschland?

Hartmann: Es hat ein Mentalitätswandel stattgefunden. In den 60er Jahren war auch in der Bundesrepublik die Sicht noch relativ weit verbreitet, dass alle in der Gesellschaft ihren Teil am Wohlstand haben sollen und jeder seinen Beitrag dafür auch in Form von Steuern leisten muss. Eine Sicht, die bis heute in Schweden vorherrscht. Unter anderem mit der Konsequenz, dass der Spitzensteuersatz erheblich höher liegt und dass Steuererklärungen grundsätzlich öffentlich einsehbar sind.

Stellen Sie sich vor, da hätte ein Journalist in der Steuererklärung von Herrn Zumwinkel entdeckt, dass seine Vermögenserträge laut eigenen Angaben zeitweise unter dem Sparerfreibetrag lagen - das wäre auch ohne Geheimdienstermittlungen ein Skandal geworden. Das Risiko gehen in Schweden nur wenige ein. In Deutschland dagegen sind Steuererklärungen Staatsgeheimnisse.

mm.de: Welche Mentalität sehen Sie heute als verbreitet an?

Hartmann: Es hat sich die Sicht durchgesetzt, dass prinzipiell alles schiefgeht, wo der Staat seine Finger drin hat - privatwirtschaftliche Lösungen werden als ausschließliches Ideal dargestellt. Mit der IKB zum Beispiel hat sich eine staatliche Bank gehörig verspekuliert und das wird als Beispiel für öffentliche Misswirtschaft herangezogen. Privaten Großbanken wie UBS oder Merrill Lynch erging es aber genauso.

In Spanien hat die staatliche Bankenaufsicht private Banken sogar vor großen Dummheiten bewahrt. Einige Institute fragten an, ob sie außerbilanzielle Gesellschaften, etwa in Irland, einrichten dürften. Die Auflagen waren so unattraktiv, dass sie davon Abstand nahmen. Heute ist unter den Banken mit Abschreibungen auf Subprime-Ausfälle kein einziges spanisches Institut.

mm.de: Können sie sich vorstellen, dass die laufenden Steuerrazzien wie ein reinigendes Gewitter wirken? Wird die Elite tugendhafter?

Hartmann: Ich glaube nicht an eine Besserung der Moral. Der Fall Zumwinkel ist ja nur ein neuer Beleg für ein bekanntes Phänomen. Diese Form der Steuerhinterziehung gibt es seit Jahrzehnten im Stillen, immer wieder mal von Skandalen unterbrochen. Das Selbstverständnis der Steuersünder blieb davon unberührt.

[...]
mm.de: Wie wird sich das Verhältnis zwischen der Wirtschaftselite und dem Rest der Gesellschaft weiterentwickeln?

Hartmann: Historisch gesehen war es stets so, dass eine Gesellschaft die Privilegien ihrer Eliten beschneidet, wenn die zu weit gehen. Prominente Beispiele sind die Französische Revolution und - ohne Blutvergießen - der New Deal. Es lässt sich aber nicht vorhersagen, wann solch ein Punkt erreicht ist.

[...]

mm.de: Und in absehbarer Zeit?

Hartmann: Es könnte öffentliche Proteste geben, wie in Frankreich. Für sehr wahrscheinlich halte ich das derzeit nicht. Mittelfristig wird die Kriminalität zunehmen, aus der Kombination von Frust und sozialer Notlage heraus. Die Reichen berührt das aber wenig, weil sie sich weiter abkapseln.

[...]


Aus: "STEUERSKANDAL: Warum sich die Eliten dem Staat verweigern" Von Matthias Kaufmann (22.02.2008)
Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,537181-4,00.html

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[...] Michael Hartmann unterrichtet Soziologie an der Technischen Hochschule in Darmstadt. Seine Studie "Der Mythos von den Leistungseliten" räumt gründlich mit der Vorstellung auf, wir lebten in einer Welt, in der die besten die besten Jobs bekämen. Die soziale Auslese, so macht Michael Hartmann klar, funktioniert nach anderen Gesetzen.

[...] Zur Elite gehören für Hartmann die Eigentümer oder die Topmanager der vierhundert größten deutschen Unternehmen, die Richter an den Bundesgerichten oder Spitzenpolitiker. Zur Elite im weiteren Sinne zählt Hartmann auch die Inhaber und Leiter von mittelständischen Firmen mit mindestens 20 Millionen Mark Umsatz, die Juristen vom Vizepräsidenten eines Landgerichts oder einem Richter am Oberlandesgericht an aufwärts sowie Politiker beginnend mit einfachen Bundestagsabgeordneten und Oberbürgermeistern von wichtigen Großstädten. Hartmann hat sich die Promotionsjahrgänge 1955, 1965, 1975 und 1985 aus den Ingenieur-, den Rechts- und den Wirtschaftswissenschaften angesehen und untersucht, wer davon in die von ihm definierten Elitepositionen gelangt ist. Dann hat er die Herkunft dieser Sieger untersucht und kam zu seinen niederschmetternden Ergebnissen. Hartmann macht klar, dass je stärker man das Bildungssystem öffnete, desto wichtiger andere Kriterien wurden. Das ist nicht in allen Bereichen mit gleicher Wucht geschehen. Aber man kann sagen, dass je wichtiger der Bereich ist, desto wichtiger werden die Kriterien, die weniger mit Bildung als mit sozialer Herkunft zu tun haben. Hartmann zitiert den Headhunter Eberhard Bremeier - "sein Vater war im Übrigen Vorstandsmitglied bei Siemens", merkt er lächelnd an -, der in einem Artikel in der Wirtschaftswoche vom 22. Februar 2001 feststellte: "Leistung ist kein Differenzierungsmerkmal der Elite mehr, wohl aber die soziale Herkunft."

Wenn man nicht begreift, dass jeder Versuch, denen, die die Macht haben, wenigstens ein Stück davon zu nehmen, nicht nur mit Gegenwehr, sondern auch mit raffinierten Anpassungstechniken an die neuen Gegebenheiten rechnen muss, dann hat man nicht die geringste Aussicht, ein Gemeinwesen so zu organisieren, dass es mit neuen Herausforderungen fertig wird. Alte Eliten verteidigen das Alte. Sie arbeiten daran, mit den neuen Realitäten möglichst nicht konfrontiert zu werden. Michael Hartmanns Buch öffnet uns dafür die Augen.


Aus: "Verlorene Illusionen" (Vom Nachttisch geräumt - Die Bücherkolumne. Von Arno Widmann, 30.06.2004.)
Michael Hartmann: "Der Mythos von den Leistungseliten - Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft". Campus Verlag, Frankfurt/Main 2002, 208 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 3593371510.
Quelle: http://www.perlentaucher.de/artikel/1641.html#a2

« Last Edit: Mai 18, 2010, 01:48:45 nachm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Der Begriffswechsel ist vermutlich Taktik... ]
« Reply #21 on: M?RZ 04, 2008, 12:34:37 nachm. »
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[...] So habe sich der Anteil der Niedrigverdiener seit dem Jahr 2000 von 18,9 Prozent auf mehr als 25,4 Prozent erhöht. Der Anteil der Spitzenverdiener sei im selben Zeitraum von 18,8 auf 20,5 Prozent gestiegen. Insgesamt seien in den vergangenen sieben Jahren also fast fünf Millionen Deutsche aus der Mittelschicht in die Randzonen der Gesellschaft abgewandert.


Aus: "Millionen Deutsche ins Abseits gerutscht - DIW-Studie: Mittelschicht schrumpft drastisch" (04.03.2008)
Quelle: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/21/0,3672,7165685,00.html


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[...] m Landkreis Saalfeld-Rudolstadt waren Mitte letzten Jahres nach einer aktuellen Auswertung des DGB 794 Arbeitnehmer als Leiharbeiter beschäftigt. Damit hat sich allein in der Zeit von Juni 2003 bis Juni 2007 die Zahl der als Leiharbeiter Beschäftigten mehr als verdoppelt.

Insbesondere im konjunkturellen Aufschwung sei die Leiharbeit rasant gestiegen und ersetze in vielen Fällen reguläre Beschäftigung, heißt es in einer Mitteilung des DGB Ostthüringen. Während die Leiharbeit sich verdoppelt, ist die sozialversicherte Beschäftigung im gleichen Zeitraum sogar um zwei Prozent gesunken. In immer mehr Einsatzbetrieben stellen Leiharbeitskräfte ein Viertel bis ein Sechstel der Beschäftigten.

"Die Unternehmen wälzen damit die Risiken zunehmend auf die Beschäftigten und auf die Sozialversicherung ab , sagte Renate Licht, Vorsitzende der DGB-Region Ostthüringen.

Leiharbeit werde zunehmend missbraucht, um Menschen zu Niedriglöhnen deutlich unterhalb der Entgelte der Stammbelegschaften der Einsatzbetriebe zu beschäftigen. Jeder achte Leiharbeiter sei auf ergänzende Leistungen nach Hartz IV angewiesen. "Leiharbeiter leben oftmals in Angst vor Kündigung und müssen sich ständig auf neue Anforderungen in wechselnden Unternehmen einstellen; die gesundheitlichen Belastungen sind hoch, deswegen wird die niedrige Bezahlung erst recht als ungerecht angesehen , sagte Licht.

...


Aus: "Zahl der Leiharbeiter im Kreis hat sich verdoppelt" (OSTTHÜRINGER Zeitung, 03.03.2008)
Quelle: http://www.otz.de/otz/otz.saalfeld.volltext.php?kennung=on4otzLOKStaSaalfeld39509&zulieferer=otz&kategorie=LOK&rubrik=Stadt&region=Saalfeld&auftritt=OTZ&dbserver=1



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[...] Grabka und Frick definieren die Mittelschicht ausschließlich mit dem kalten Blick der Ökonomen. Dazu gehört, wer genügend verdient - andere Kriterien wie Bildung, sozialer Status oder Herkunft zählen nicht. Im Jahr 2000 gehörten 62 Prozent der Deutschen dazu, inzwischen sind es nur noch 54. Spiegelbildlich dazu ist der Anteil der Deutschen mit extrem niedrigen oder extrem hohen Einkommen gestiegen.

Was Länder wie die USA oder Großbritannien in den achtziger und neunziger Jahren erlebten, hat nun auch Deutschland erfasst. Die Mittelschicht erodiert - und das in einem atemberaubenden Tempo.

Statistiker haben schon lange darauf hingewiesen, dass der Graben zwischen Arm und Reich auch in Deutschland immer tiefer wird. Doch bislang konnten die Experten stets eine beruhigende Erkenntnis hinterherschieben: In der Mitte sei die soziale Lage weitgehend stabil. Die neuen Zahlen der Berliner Wirtschaftsforscher belegen, dass diese Einschätzung überholt ist.

[...] Nüchtern konstatieren die Verteilungsforscher eine "Zunahme der Einkommensungleichheit".

[...] Der Mainzer Sozialforscher Stefan Hradil spricht von der "Angst, die die Bürotürme hinaufkriecht".


Aus: "UNGLEICHHEIT: Deutschlands Mitte schrumpft dramatisch - Top-Verdiener legen zu" Von Michael Sauga und Benjamin Triebe (03. März 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,539083,00.html

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[...] In der heutigen Gesellschaft Deutschlands ist eine klare Trennung in drei „Lebenswelten“ besonders hinsichtlich der Sorge von Eltern um die Ausbildung ihrer Kinder zu betrachten: Unterschicht, Mittelschicht und Oberschicht. Eltern der Mittelschicht versuchen, ihre Kinder von Kindern der Unterschicht fernzuhalten. Abgrenzbar ist die Unterschicht von der sehr breiten Mittelschicht im Wesentlichen dadurch, das sich die Eltern in der unteren Schicht kaum um die schulischen Belange ihrer Kinder kümmern oder kümmern können. Es handelt sich hier um etwa 5% der in einer Studie erfassten Eltern. Noch schärfer, als die Trennung zwischen Mittelschicht und Unterschicht ist die Trennung zwischen Mittelschicht und Oberschicht. Diese Trennung ist weitgehend unüberwindbar. Kinder, die in die Oberschicht eingeordnet werden können, erfahren eine von materiellen Beschränkungen weitgehend lösgelöste Förderung durch ihre Eltern, Helfer und private Schulen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Klassengesellschaft (30. Dezember 2007)

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[...] weil es allerorten viel Verständnis gibt für Gier: Die Verbraucher jagen hinter Schnäppchen her, die Anleger hinter den fettesten Renditen, die Reichsten hinter der nächsten Million.

[Der frühere Daimler-Chef Edzard Reuter] Manche propagieren ja Gier als etwas Gutes. Damit werden sie schuld an einer ganz schlimmen Entwicklung, die eine große Gefahr für unsere gesamte Gesellschaft nach sich ziehen kann. Es zeichnet sich nämlich jetzt schon etwas ab, was wir in der ganzen Nachkriegszeit nicht hatten: Das klaftertiefe Auseinanderbrechen unserer Gesellschaft mit dem Entstehen einer dauerhaft armen Unterschicht. Vor diesem Hintergrund ist es durch nichts zu rechtfertigen, materielle Gier zu einem positiven Maßstab zu erheben.

[...] Mehr als vier Fünftel der Kinder aus Akademikerfamilien besuchen eine Hochschule, aber weniger als ein Fünftel der Kinder aus Arbeiterfamilien. Verfestigt sich die Klassengesellschaft?

[Edzard Reuter:] Auf die Dauer wird das auf keinen Fall so bleiben dürfen. Das immense Kreativpotenzial, das in allen Schichten vorhanden ist, brauchen wir für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Um dieses Potenzial nicht zu vergeuden, benötigen wir ein modernes und leistungsfähiges Bildungssystem. Ohne ausreichendes, qualifiziertes Lehrpersonal ist das nicht machbar. Das kostet Geld - und nicht zuletzt dafür brauchen wir die Steuern.

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Zur Person: KINDHEIT IN ANKARA: Edzard Reuter war sieben Jahre alt, als seine sozialdemokratischen Eltern 1935 vor den Nazis fliehen mussten. Sein Vater, Berlins späterer Bürgermeister Ernst Reuter, war in Ankara Professor. 1946 kam Edzard zurück. CHEF IN STUTTGART: Reuter leitete von 1987 bis 1995 die Daimler-Benz AG. Sein Nachfolger Schrempp gab dem "shareholder value" den Aktionärsinteressen, erste Priorität Reuter hat dies stets kritisiert [...] Edzard Reuter wurde vor 80 Jahren in Berlin geboren [...]


Aus: "Interview - Reuter: "Wir müssen unseren Mist auskehren" (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.02.2008)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/div/Edzard-Reuter;art771,2482643

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[...] Die Harvardpläne sind Teil groß angelegter Bemühungen amerikanischer Eliteuniversitäten dem Eindruck entgegenzutreten, ein Studium sei selbst für wohlhabende Familien nur noch schwer zu finanzieren. So planen auch Elite-Unis wie Duke, Columbia, Yale und Princeton ähnliche Stipendien- und Darlehensprogramme, Yale sogar für Studenten aus Familien bis zu 200 000 Dollar Familien-Einkommen.

Dies alles geschieht vor dem Hintergrund einer intensiven Debatte über dramatisch steigende Studienkosten. Rechnet man Unterkunft und Verpflegung hinzu, fallen an staatlichen Universitäten heute bereits fast 13 000 Dollar an, bei privaten Colleges und Universitäten sind es rund 30 000 – fast ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren. Das hat Folgen. Obwohl die Studierendenquote steigt, ist die soziale Kluft bei der Hochschulbildung heute größer als noch vor 30 Jahren. So errechnete die Washingtoner Nichtregierungsorganisation Education Trust, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind aus niedrigen Einkommensverhältnissen mit 24 Jahren über einen Bachelor-Abschluss verfügt, mit neun Prozent achtmal niedriger ist als bei Kindern aus wohlhabenden Familien (75 Prozent). Die hohen Kosten beeinflussen in den USA Bildungsentscheidungen, und längst wird nicht mehr nur die Frage, wo, sondern auch was und wie studiert wird nach monetären Gesichtspunkten entschieden. Denn nicht nur die Uni, auch Forschungsprojekte, unbezahlte Praktika und Auslandssemester kosten Geld. „Diese Spaltungen gefährden unsere Demokratie und die Gesundheit unserer Volkswirtschaft“, so der Education Trust.

Angesichts stagnierender Reallöhne und einer seit Jahren über der Inflationsrate liegenden Steigerungsrate bei den Bildungskosten hat diese Disparität nun auch die Mittelschichten erreicht – eine Entwicklung, auf die Harvard und Co. jetzt reagieren. Wobei deren Motivlage mit dem Verweis auf das Gemeinwohl und die Zukunftsfähigkeit des Landes sicherlich unzureichend beschrieben wäre. Denn auch die Politik denkt darüber nach, aktiv zu werden und sich künftig genauer anzusehen, wofür die mittlerweile 76 US-Colleges und Universitäten mit einem Kapital von über einer Milliarden Dollar ihr Geld ausgeben.

So gibt es Überlegungen im Kongress, Universitäten zu verpflichten, für die finanzielle Unterstützung ihrer Studenten einen festgeschriebenen Anteil ihres Stiftungskapitals auszugeben. Das ist im Falle Harvards beträchtlich: Mit 35 Milliarden Dollar ist sie die reichste Universität weltweit.



Aus: "Universitäten: Elite für die Mittelschicht" (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 26.02.2008)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/;art304,2483573

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[...] [Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) ]: Unser Problem ist, dass seit Jahren große Teile der Mittelschichten mit dem Möbelwagen abstimmen und wegziehen. Das betrifft nicht nur junge Familien. Aber ihr Wegzug ist besonders schmerzlich, denn mit ihnen verlassen nicht nur Möbel den Bezirk, sondern soziale Kompetenz. Wir sind attraktiv für junge Menschen, für Künstler und Studenten - bis sie eine Familie gründen. Dann ziehen die Ersten weg. Manche bleiben noch, weil sie eine gute Kita um die Ecke oder an ihrem Arbeitsplatz haben. Mit der Einschulung aber kommt der Aderlass. Viele haben einfach Angst, dass ihre Kinder nicht die Förderung bekommen, die sie sich wünschen. Das betrifft übrigens an allererster Stelle die bildungsorientierten Migranten. Sie telefonieren die Schulen ab und erkundigen sich nach dem Ausländeranteil. Aber auch "Taz"-Leser und Grünen-Wähler kehren Neukölln den Rücken oder melden ihre Kinder bei der Oma in Wilmersdorf an. [...] Fest steht, dass in den Grundschulen in Neukölln-Nord nur noch vermindert Kinder aus bildungsorientierten Haushalten ankommen. Ich habe oft Besuch von Schulklassen. Es ist ein Unterschied, ob sie aus Rudow oder aus Neukölln-Nord kommen. Man kann mit denen ganz anders reden. Es gibt da diesen alten Witz: Kinder lernen nicht durch die Schule, sondern trotz der Schule. Schule baut nur auf dem Fundament des Elternhauses auf.

[...] Weite Teile von Politik und Gesellschaft verweigern nach wie vor die Erkenntnis, dass wir zumindest in den Städten wieder ein Schichtenproblem haben wie zu Beginn der Industrialisierung. In Deutschland bildet sich deutlich eine neue Klassengesellschaft heraus: Die einen beherrschen nicht mal die Grundrechenarten, die anderen werden zur geistigen Elite und fühlen sich auch so.




Aus: " "Ihr da oben, wir hier unten" " (27. Februar 2008)
Quelle: http://www.welt.de/welt_print/article1729042/Ihr_da_oben_wir_hier_unten.html

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[...] Diese Sorge um das Kindeswohl schlägt sich nieder in einem enormen Drang, den eigenen Nachwuchs von "Schmuddelkindern" - allen aus einer niedrigen Schicht - fernzuhalten. "Spätestens bei den eigenen Kindern hört die Toleranz auf", heißt es in der Untersuchung. Zwei Trennlinien prägen laut Sinus diese Klassengesellschaft: Ein Fünftel der Eltern sei total überfordert und lasse die Erziehung laufen. Diese passiven Eltern stammten aus den Milieus am unteren Rand. Die große Mehrheit scheue dagegen weder Kosten noch Mühe, um das Beste für die Kinder herauszuholen.

Zudem trenne ein tiefer Graben die bürgerliche Mitte von denen an der Spitze. Erstere suchten, Anschluss zu halten mit vielfältigen Anstrengungen, ihren Kindern etwa durch Nachhilfe oder Musikschule neue Perspektiven zu eröffnen. Doch die am oberen Rand der Gesellschaft bewahrten "bewusst die Distanz", so dass sich über die Milieus hinweg kaum Freundschaften bildeten.


Aus: "Umfrage: Bloß kein Schmuddelkind" VON MARKUS SIEVERS (27.02.2008)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?sid=4a93a10241119863e58c94922899c757&em_cnt=1295317

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[...] Unisono wird etwa gegen Studiengebühren mit dem Argument protestiert, diese würden die Kinder bildungsferner Herkunft vom Studium abhalten. Preisendörfer nennt dieses Argument scheinheilig, denn in Wirklichkeit würden die BifS-Kinder, wie er den Nachwuchs von Fabrikarbeitern, kleinen Angestellten, Putz- und Hausfrauen nennt, frühzeitig und ganz ohne finanzielle Hürden vom Gymnasium ferngehalten. Konkrete Maßnahmen für die erste Hälfte der Gesellschaft, wie etwa eine bessere Förderung im Vorschulbereich, existierten bislang kaum. Stattdessen, so Preisendörfer, sei der Protest etwa der Studierenden, die sich nach wie vor in der Mehrzahl aus Bürgerkindern zusammensetzen, von »diffusen Absturzängsten« geprägt. Aus der Unterschichtenperspektive stelle sich »kühl die Frage, warum es schlimmer sein soll, wenn es den anderen nicht mehr gut, als wenn es einem selbst seit jeher schlecht geht«.

Preisendörfers Angriff auf das Selbstverständnis des studierenden Bürgernachwuchses provoziert. Wie kann jemand das bürgerliche Bildungsideal verteidigen, indem er gegen die zunehmende Gewinn-Verlust-Orientierung der Hochschulen Stellung bezieht oder die Einführung des Elterngeldes als »Antwort des Staates auf die bizarre Benachteiligungsbehauptung seiner Akademiker« kritisieren, aber gleichzeitig nicht einstimmen in den Chor derer, die Studiengebühren als schlimmstes Übel des Neoliberalismus brandmarken?

Um das zu erklären, braucht es den Blick zurück in das Westdeutschland vor 1968. Zu der Zeit, als Bruno Preisendörfer eingeschult wurde, wurde die Trennung in ein Oben und ein Unten von niemandem ernsthaft in Frage gestellt: Wer Elite war, war das mit Recht, das galt als ausgemacht. Wessen Vater in der Fabrik malochte, schuftete selbst später in der Fabrik. »Schuster, bleib bei Deinem Leisten!« war ein geflügelter Spruch in der Adenauerzeit. Die 68er Rebellion der Bürgerkinder machte Schluss damit; ihre Befreiung sollte auch die der Arbeiterkinder vom Joch der Unbildung sein.

Doch dazu kam es nicht, die Öffnung der Hochschulen in den 1970ern geschah halbherzig, und viele Reformen wurden auf Druck des konservativen Bürgertums wieder rückgängig gemacht. Was blieb war der Selbstbetrug des konservativen wie des liberalen Bürgertums, durch die Bildungsreformen in der Ära der Kanzlerschaft Willy Brandts sei es tatsächlich zum Abbau der Bildungsschranken gekommen: Den Konservativen gingen selbst die Minireformen zu weit, das liberale Bürgertum hielt Gesamtschule, Bafög, Hochschulrahmengesetz und Abschaffung des Büchergeldes schon für die Abschaffung der Ständegesellschaft. Mit der formalen Öffnung des Bildungssystems aber entstand eine neue, unsichtbare Hürde. Wer die nicht übersprang, war stärker noch stigmatisiert als in der alten Klassengesellschaft. Jene ließ den Aufstieg gar nicht zu, die Nach-68er-Gesellschaft aber lockte damit. Die, die den Aufstieg nicht schafften, waren also doppelt bestraft: Gescheitert am möglichen Bildungsaufstieg und belegt mit dem vorwurfsvollen Blick des Volksschullehrers, der wahlweise die Tragöde kommen sah oder darüber enttäuscht war, dass seine Hoffnung, ein Arbeiterkind aus der Bildungsunmündigkeit zu führen, sich als vergebens erwies.

Wenn man wie Preisendörfer als Arbeiterkind die Ochsentour durchs deutsche Bildungssystem hinter sich hat und mit dem Gefühl leben lernen musste, dass alle Anstrengung möglicherweise zu wenig, schlimmstenfalls umsonst sein konnte, während der Sohn des Dorfarztes, die Tochter des Apothekers, die Kinder des Kleiderfabrikanten mühelos alle Hürden des Schulsystems übersprangen, schult das eine gewisse Skepsis gegenüber dem bürgerlichen Versprechen auf Gleichheit. Wer sich nach oben lesen und lernen musste, hat einen sicheren Instinkt dafür entwickelt, den Bürgerkindern zu misstrauen, wenn diese voller Pathos Chancengleichheit einfordern. »Solange man an der Uni ist, schiebt man die ›Arbeiterkinder‹ vor, die nicht mehr studieren könnten, wenn die Mittelschichtkinder Studiengebühren bezahlen«, schreibt Preisendörfer. Nach dem Studium aber, wenn die ersten Stufen der Karriereleiter erklommen sind, »wehrt man die Diskussion um Selbstkostenbeteiligung damit ab, dass Lebensgestaltung und -entfaltung durch einen ›Schuldenberg‹ erdrückt werde.« Menschen mit hoher Bildung bräuchten die Unterstützung des Staates, hieße es dann.

Preisendörfer trifft hier den Kern des Selbstbetrugs des Nach-68er-Bürgertums, und es ist sicherlich kein Zufall, dass er mit seiner Kritik fast allein auf weiter Flur steht. Das wiederum hat viel mit denen zu tun, die in der Öffentlichkeit tonangebend sind: Politiker, Journalisten, Talkshowprominenz. Welcher dieser Alpha-Tierchen würde schon freiwillig zugeben, dass seine Kinder ein Abo aufs Abitur haben? Das macht keiner gerne. Geklagt wird erst dann, wenn die Politik Hand an das Allerheiligste des Bürgertums legt: ans deutsche Gymnasium. Der Sturm, der nach der jüngsten öffentlichen Attacke des TV-Talkers Reinhold Beckmann aufs achtjährige Gymnasium aufbrauste, hat sich noch immer nicht gelegt – und er findet in den Medien deutlich mehr emotionalen Widerhall als sämtliche Analysen über die Benachteiligung der Unterschichten im Bildungssystem zusammen.

Bildungsbürgerkinder ertragen notfalls auch nicht ganz so gute Schulnoten, weil sie dennoch wissen, dass für die Karriere anderes zählt: Habitus, kulturelles Wissen, Herkunft eben. Nachzulesen ist das in dem bereits acht Jahre alten Buch »Generation Golf« des früheren FAZ-Redakteurs und Publizisten Florian Illies. Mit einer gehörigen Portion Chuzpe verallgemeinert Illies, Spross des Leiters eines Max-Planck-Instituts in der osthessischen Provinz, eigene Erlebnisse und Erfahrungen zur Geschichte aller zwischen 1965 und 1975 in der BRD Geborenen. Ganz so, als ob es zwischen dem Bürgerkind aus Ost-hessen, dem Arbeitersohn aus Offenbach oder der Tochter des türkischen Schichtarbeiters bei Opel in Rüsselsheim keine Unterschiede gäbe. Seine ehemalige Grundschullehrerin, die Kinderbuchautorin Gudrun Pausewang, bemerkte über ihren ehemaligen Schüler Illies einmal, man merke seinem Schreiben an, dass er als Kind ein privilegiertes Leben geführt habe. Und Illies ist bis heute in diesem privilegierten Leben geblieben. Schule und Universität sind in seinem Buch Randnotizen, läppische Pflichtübungen für die spätere Kür nach dem Uni-Abschluss. Mit welcher Durchschnittsnote das Abitur bestanden wurde, ist zweitrangig.

Für Preisendörfer aber wäre eine solche Gleichgültigkeit der eigenen Leistung gegenüber undenkbar. Schließlich musste er sich schon mit der »Schmach« abfinden, nach kaufmännischer Lehre nicht in Bayern, sondern im benachbarten Hessen seine Hochschulreife erworben zu haben. Den Bayern gilt noch heute das hessische Abitur als zweitklassig, dem konservativen Bildungseifer Roland Kochs zum Trotz. Mit ironischer Distanz schildert Preisendörfer, wie stolz er dennoch war, zumindest auf der traditionsreichen »Hohen Landesschule« (HoLa) in Hanau sein Abi-tur gemacht zu haben. Immerhin wahrte er durch den Besuch dieses Elite-Gymnasiums den Abstand zu den beim Bürgertum wie bei der aufstrebenden Mittelschicht verschmähten Gesamtschulen. Dass er zusätzlich erwähnt, die Schule mit dem Notendurchschnitt 1,7 abgeschlossen zu haben, ist typisch für Bildungsaufsteiger, die vor sich und der Welt diesen Erfolg permanent rechtfertigen müssen: Der ausgezeichnete Schulabschluss dient als Eintrittskarte ins Bildungsbürgertum.

Mit dem Eintritt in dieses neue Leben wird das alte Milieu aber hinter sich gelassen. Der Preis, den Arbeiterkinder dafür zahlen müssen, ist hoch: »Während ich in der Grundschule noch meist zum Klassensprecher gewählt wurde und viele Freunde hatte, war das zumindest zu Beginn meiner Gymnasialzeit völlig anders. Plötzlich galt mein durch ›Fleiß und Ordentlichkeit‹ erarbeiteter schulischer Erfolg als Strebertum«, beschrieb ein Bildungsaufsteiger in einem Internetforum, in dem rege über Preisendörfers Thesen diskutiert wurde, seine Erfahrungen. Auch das ist eine Form der Benachteiligung: Während das Akademikerkind zeitlebens im vertrauten Umfeld bleibt, verstärkt sich für das Arbeiterkind mit der Zeit noch das Gefühl der Fremdheit.

[...] Preisendörfers und meine Geschichte sind längst nicht Vergangenheit; sie spielen sich dort und in vielen ähnlichen Regionen in Deutschland noch heute hunderttausendfach ab und die Zahl derer, die sich durch selbst erkämpfte Zufälle auf den Weg machen, ist immer noch verschwindend gering. Dabei spielt nicht nur der Geldbeutel der Eltern eine Rolle: Die durchaus gutsituierten Handwerker und Facharbeiter können noch so viel Geld für die Nachhilfe ihres Nachwuchses ausgeben – auf dem Gymnasium wird dieser sich trotzdem nur in Ausnahmefällen halten. Bildung ist eben nicht für alle da!


Aus: "Wir Arbeiterkinder - Bruno Preisendörfers Abrechnung mit dem Bildungsprivileg des Bürgertums" Von Jürgen Amendt (15.02.2008)
Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/124019.html

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[...] Bei „Big Brother“ treffen Menschen aufeinander, die keine Vergangenheit miteinander teilen. Man lernt sich frisch kennen, entwickelt Sympathie aber auch Antipathie. Diese lässt sich kaum noch im Zaum halten, wenn man es selbst schlecht hat, weil die verhasste Person etwas vermurkst hat. Und durch die Zwei-Klassen-Gesellschaft, die mit dem Reich der „Reichen“ und dem der „Armen“ geschaffen wurden, wird auch fleißig Neid geschürt. Klar, ich würde auch lieber bei den Reichen im Pool hocken und Champagner schlürfen, statt bei den Armen Angst haben zu müssen, dass der Schimmel auf meine Haut überspringt. Ganz zu schweigen von dem Intimbereich schlechthin, der Toilette! Ich würde mich nicht wundern, wenn da einer einen Rekord im Nicht-Pipi-Machen aufstellt.

Rekordverdächtig ist auch der „Big Brother“-Liebesschnack. So packte Bianca gleich aus, dass sie sich schon auf den nächsten neuen Bewohner freut, um dann mit ihm kuscheln zu können. Dazu kam es aber nicht mehr. Bestach Bianca anfangs noch durch ihre offene und ehrliche Art, der Prototyp der „Berliner Schnauze“, entwickelte sie sich zunehmend zur Nörglerin, der alles und jeder gegen den Strich geht. Allzu offen zeigte sie, dass sie mit sich und der Welt nicht im Reinen ist. Sie konnte sich wunderbar darüber aufregen, dass Tänzerin Isi mit Hairman Hassan ein gemeinsames Bad genoss. Damit war sie nicht allein, denn auch Naddel kochte vor Eifersucht, wenngleich sie noch nicht wirklich hat durchblicken lassen, ob sie nun ihren Freund außerhalb der Kölner Hausmauern behalten oder auf Hassan umschwenken will. Ein Hin und Her das ebenso vertrackt und kompliziert ist, wie der unstete Versuch der Beiden, sich Kosenamen zu geben. So schwammig die Zwei mit ihrer Zuneigung umgehen, klarer bezieht Hausdrache Bianca Position, die in ihrem Verhalten Naddel gegenüber zeigt, dass ihr die Eigenschaft Neid ganz und gar nicht fremd ist.


Aus: " Natalie Langers Big-Brother-Kolumne" - Die ehemalige Big-Brother-Teilnehmerin Natalie Langer schreibt exklusiv für das Medienmagazin TVmatrix eine monatliche Kolumne über das Geschehen bei Big Brother (Samstag, 09.02.2008 - 09.30 Uhr)
Quelle: http://www.tvmatrix.net/?newsid=9128

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[...] Während also insgesamt knapp zwei Milliarden Euro für Sonderprogramme den gekürten „Eliten“ sowie Einzelprojekten auch an anderen Hochschulen zur Verfügung gestellt werden, bröckelt zugleich die universitäre Basis von morgen. Deutschland bleibt damit weit davon entfernt, bei höheren Bildungsabschlüssen an vergleichbare Länder anzuschließen.

Im Gegenteil: Seit der Aufhebung des Studiengebührenverbots durch das Bundesverfassungs- gericht im Jahre 2005 brachen die Studienanfängerzahlen im gesamten Bundesgebiet ein. Während zum Wintersemester 2005/2006 mehr als 356.000 Studienanfänger gezählt wurden, waren es ein Jahr später lediglich 295.000, ein Rückgang um 17 Prozent. Obgleich die Anzahl der Hochschulzugangsberechtigten stieg, öffnet sich auch die Schere zwischen Studienberechtigten und Studienanfängern: Zum Wintersemester 2006/2007 nahmen nur 60 Prozent der Schulabgänger mit Studienberechtigung ein Studium auf, zwei Jahre zuvor waren es noch 79,2 Prozent.[2] Es ist zu erwarten, dass diese nun auch stärker auf den Ausbildungsmarkt drängen und so Real- und Hauptschüler noch geringere Aussichten auf Ausbildungsplätze haben werden. Hinzu kommt, dass diese auch zunehmend von den Bachelor-Absolventen verdrängt werden dürften.

Nun sind drohende oder bereits erhobene Gebühren nicht der einzige Grund, warum Schulabgänger nicht studieren. Doch sie verstärken die schon in der Schule praktizierte soziale Selektion: Überdurchschnittlich häufig verhindern (drohende) Studiengebühren sowie die Angst vor Bafög-Darlehensschulden die Aufnahme eines Studiums gerade bei Kindern nichtakademischer Eltern. Ein Problem, das sich Kindern aus besser situierten Häusern gar nicht stellt. Nicht nur, dass sie sich die bis zu 500 Euro pro Semester oft problemlos leisten können, auch starten sie nach dem Studium ohne Schulden in das Berufsleben.

[...] Hierzulande [ ] sorgt das dreigliedrige Schulsystem nach wie vor dafür, mit früher Auslese die Klassengesellschaft zu erhalten: Kein vergleichbares Land sortiert Kinder schon so früh in bestimmte Schulen und weist ihnen damit bereits im Alter von zehn Jahren zu, ob sie vermeintlich das Abitur schaffen werden oder nicht. Denn einmal aufgegliedert, ist zwar ein Abstieg jederzeit möglich, der Aufstieg von der Hauptschule zum Gymnasium kommt jedoch kaum vor.

[...] Und dabei ist es regelmäßig nicht die individuelle Leistung, die darüber entscheidet, welche Empfehlung die Schule nach der vierten Klasse ausspricht, sondern diese hängt maßgeblich vom sozialen Status der Eltern ab. Inzwischen haben diverse Studien nachgewiesen, dass bei gleicher intellektueller Leistung die Chance für ein Kind aus bildungsfernem Elternhaus, eine Gymnasialempfehlung zu erhalten, wesentlich geringer ausfällt als für ein Kind aus der bildungsnahen Mittelschicht. [6]

Bereits im Grundschulalter unterscheiden sich auch die Bildungswünsche der Kinder selbst eklatant: Insgesamt wünschen sich 40 Prozent der Schüler einen Gymnasialabschluss; dabei benennen Kinder aus der „Unterschicht“ dieses Ziel nur zu 20 Prozent, während Kinder aus der „Oberschicht“ zu 81 Prozent wünschen, das Abitur zu machen. Das angestrebte Bildungsziel unterscheidet sich im Übrigen von der Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit: Aus der Oberschicht sind es mit 74 Prozent weniger und aus der Unterschicht mit 28 Prozent mehr Kinder, die sich als gute bis sehr gute Schüler einschätzen, im Vergleich zu jenen, die ein Abitur anstreben. [7] Während folglich Kinder aus bildungsfernen Schichten selbst bei intellektuellem Vermögen oft nicht davon ausgehen, einmal das Abitur zu machen, zweifeln Kinder gutsituierter akademischer Eltern selbst bei mangelnder Leistungsfähigkeit nicht daran, dass sie es ihren Eltern einmal gleichtun werden.

[...] Bereits 1947 hatte der alliierte Kontrollrat über die deutsche Schule geurteilt: „Der Aufbau des deutschen Schulsystems betont den Klassengeist. Schon im Alter von 10 Jahren sieht sich das Kind eingruppiert oder klassifiziert durch Faktoren, auf die es keinen Einfluss hat, wobei die Einstufung fast unvermeidlich seine Stellung für das ganze Leben bestimmt. Diese Haltung hat bei einer kleinen Gruppe eine überlegene Haltung und bei der Mehrzahl der Deutschen ein Minderwertigkeitsgefühl entwickelt, das jene Unterwürfigkeit und jenen Mangel an Selbstbestimmung möglich machte, auf dem das autoritäre Führerprinzip gedieh.“ [8]

[...] Der Darmstädter Soziologe Michael Hartmann hat jüngst eindringlich gezeigt, wie sich die bundesdeutsche Elite weiterhin und – das ist das Erschreckende – seit einigen Jahren wieder verstärkt aus sich selbst reproduziert. Ganz offenbar hat sie kein Interesse daran, die Konkurrenz für die eigenen Kinder durch eine durchlässigere Bildungspolitik in Schulen und Hochschulen zu erhöhen. [9]

Es ist also nicht sehr erstaunlich, dass der nach jeder Pisa-Studie aufkommenden medialen Empörung über die Ungerechtigkeiten des bundesdeutschen Bildungssystems kaum nachhaltige Politikentscheidungen folgen. So bleibt es bis auf weiteres dabei, dass Kinder aufgrund ihrer sozialen Voraussetzungen mit ungleichen Chancen in ihre Bildungskarriere starten und die Gesellschaft sich kaum mehr um einen Ausgleich kümmert.

Vielmehr sorgen nicht zuletzt die jüngeren Sozialreformen für eine weitere Verschärfung: So sieht der Hartz-IV Regelsatz beispielsweise 2,72 Euro pro Tag für die Verpflegung von Kindern vor. Das Schulessen kostet, sofern es überhaupt eine Kantine gibt, jedoch oft bereits zwei Euro. Da wundert es nicht, dass heute viele Kinder hungrig dem Unterricht folgen. Und während Kinder aus gutsituiertem Hause sich auch in ihrer Freizeit musikalisch, sportlich oder auf andere Weise bilden, bleibt dies Kindern aus armen Elternhäusern oft versagt. Und wenn pauschal im Jahr lediglich 9,10 Euro für Spielzeug zur Verfügung stehen, dann liegt auf der Hand, dass selbst der Wunsch nach einer Kinderzeitschrift, einem Comic-Heft oder dem neuesten Harry-Potter-Band kaum zu erfüllen ist. Das ist umso dramatischer, als gerade die Möglichkeit zum und die Lust am Lesen großen Einfluss auf den Bildungserfolg hat: „Jedenfalls korreliert nichts so eng mit guten Pisa-Werten wie die Lesefreude und die Menge von Lesestoff im Haushalt.“ [10]

Wenn Bücher in Familien nicht zur Verfügung stehen, sei es aus finanziellen Gründen oder auch aus elterlichem Desinteresse, dann muss die Gesellschaft ein umso größeres Interesse daran haben, diesen Mangel zu kompensieren – schon um den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Absolventen zu decken. Daher müssen die Schulen in die Lage versetzt werden, dafür zu sorgen, dass alle Kinder bereits ab der ersten Klasse eine Bibliothek kennenund zu nutzen lernen. Und die Kommunen müssen die Möglichkeit behalten, flächendeckend Bibliotheken oder in ländlichen Räumen, Bibliotheksbusse zu unterhalten.

So sehr sich der Forschungsstandort Deutschland über die neuen Eliteunis freuen mag, er sollte nicht aus den Augen verlieren, dass die Grundlage für erfolgreiche Forscherinnen und Forscher in der Kinderzeit gelegt wird. Deshalb kann man nicht früh genug damit beginnen, alle Kinder in ihrem Lerneifer zu unterstützen und zu fördern. Dafür jedoch bräuchten auch die Schulen und Kindergärten endlich ein immerwährendes Exzellenz-Programm. (CH)




Aus: "Elitäre Exzellenz: Das deutsche Schulsystem betont den Klassengeist" Von Annett Mängel (Online-Flyer Nr. 132  vom 06.02.2008) / Annett Mängel ist Redakteurin der „Blätter für deutsche und Internationale Politik“, in deren Dezemberausgabe dieser Beitrag erschien.
Quelle: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12058

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[...] Vor einiger Zeit kam es im Literarischen Colloquium am Berliner Wannsee zu einem semantischen Konflikt. Dort las der Autor Clemens Meyer aus seinem vielgelobten Roman „Als wir träumten“, in dem es um eine Clique gestrauchelter Jugendlicher im Leipzig der Nachwendezeit geht. Der Moderator des Abends nannte diese Jungen beharrlich Angehörige der „Unterschicht“.

Dem Autor, dessen ganzer tätowierter Habitus zeigte, daß ihm die von ihm beschriebenen Verhältnisse nicht fremd sind, gefiel das gar nicht. Er verbat sich das Wort mehrfach, was den Literaturredakteur überhaupt nicht davon abhielt, es wieder zu sagen. Man ging verstimmt auseinander.

Der Schriftsteller Clemens Meyer ist offensichtlich kein Jünger der neuesten Mode in der Distinktionsterminologie. Das Wort „Unterschicht“ gebraucht mittlerweile sogar der knochenbiedere SPD-Vorsitzende Kurt Beck, um jene so gut wie verlorenen Menschen zu beschreiben, die ohne jeden Aufstiegswillen in den letzten Resten des sozialen Netzes hängen. Das ist für einen SPD-Vorsitzenden genauso revolutionär wie die Tatsache, daß sich Gerhard Schröder einst im Brioni-Mantel fotografieren ließ. Denn nachdem der Ausdruck „Subproletariat“ zusammen mit dem Marxismus im Alt-Ideologie-Container gelandet war, redete man in der SPD eigentlich nur noch von den „sozial Schwachen“.

Der Begriffswechsel ist jetzt vermutlich Taktik, und es ist bestimmt kein Zufall, daß er just in jenem Moment kommt, wo sich gefrustete „bürgerliche“ Wähler von der CDU abwenden und man bei den Sozialdemokraten plötzlich sogar wieder von rot-gelben Koalitionen träumen darf. Genau wie der damalige Kanzler mit seinem Auftritt als Model macht auch Beck mit seinem semantischen Tabubruch ein Identifikationsangebot an die Mittelschicht. Jener meinte: Seht her, ich trage eure Klamotten! Dieser meint: Hört her, ich spreche eure Sprache!

Denn von diesen Kreisen wird das Wort „Unterschicht“ seit ein oder zwei Jahren geradezu inflationär gebraucht, um all jene zu benennen, von denen sie sich in ihrer Abstiegsfurcht abgrenzen wollen. Das „Unterschicht“-Sagen ist die Kehrseite des Bürgerlichkeits-Geschwätzes: Unterschicht sind immer die anderen. Die, mit denen man nicht in einen Topf geworfen werden möchte, obwohl man sich doch in jenem Punkt gar nicht so sehr von ihnen unterscheidet, der noch bei Marx allein die Klassen definierte: der eigenen ökonomischen Situation.

Das neuerdings so genannte „Prekariat“ aus Postgraduierten ohne Festanstellung, Endlospraktikanten oder freischaffenden Kreativen hat ja oft genug kaum ein größeres Einkommen als die Hartz-IV-Empfänger. Also muß man den gesellschaftlichen Rangunterschied anders definieren. Deshalb hat die Wiederkehr der Bildung als Wert auch nicht nur mit dem realen Pisa-Schock zu tun, sondern mit solchen panischen Distinktionsbedürfnissen. Die so genannten „bildungsfernen Schichten“ sind da bloß ein anderes Wort für die Unterschicht. Denn „variatio delectat - Abwechslung erfreut“ gilt auch für den Stil des vulgärsoziologischen Geredes.

Die Wiederkehr des Wortes „Unterschicht“ ist das größte Comeback seit Lazarus. Anhand der worthistorischen Datenbank „Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts“, die von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften betrieben wird, kann man belegen, daß der Begriff von den siebziger bis in die neunziger Jahre eigentlich nur noch im Plural „die Unterschichten“ verwendet wurde. Und bezogen wurde er fast ausschließlich auf Vergangenes und Fremdes: entweder in historischen Texten oder, um die Situation in den Vereinigten Staaten zu beschreiben. Für das Deutschland der Gegenwart bot der spätmarxistische Achtundsechziger-Jargon scheinbar wissenschaftlichere und differenziertere Analysebegriffe. Obendrein ähnelten die Bundesrepublik und die DDR einander auch darin, daß bei ihnen die Existenz einer Unterschicht schlicht als tabu galt, weil sonst das gesellschaftliche Erfolgsmodell in Frage gestellt worden wäre. Es gab im Westen höchstens „Sozialfälle“ - schon der Terminus hebt hervor, daß man diese Menschen nur als Einzelphänomene betrachten wollte.

Die Unterschicht besteht nach Nolte aus der „Fürsorgeklasse“ und den Arbeitern, die den Aufstieg in relative materielle Sicherheit und zu einem Bildungsminimum nicht geschafft haben. Weil die Trennlinie zwischen Arbeit und Nichtarbeit sich heute schwerer ziehen läßt, werden die Grenzen zwischen dieser Klasse und dem Kleinbürgertum oder dem unteren Mittelstand in wachsendem Maße kulturell statt ökonomisch definiert: Mehr durch die berühmten „feinen Unterschiede“ in Kleidung, Geschmack, Lebensstil, Konsum und Ernährung, die der Soziologe Pierre Bourdieu zuerst anhand der Gesellschaft in Frankreich beschrieben hatte, als durch das Einkommen.

Vorbereitet worden war die Erkenntnis, daß es eine solche bisher ignorierte Klasse in der Bundesrepublik gab, durch die Karriere des aus Amerika stammenden Begriffs „White Trash“ seit Mitte der neunziger Jahre. Dessen Import war ein erster Hinweis darauf, daß es eine Benennungslücke, einen blinden Fleck der sozialen Wahrnehmung gab. Auch in der Kunst war die „neue Armseligkeit“ längst dargestellt. In Frank Castorfs Inszenierung „Hauptmanns Weber“ litten 1997 die ausgepowerten Textilarbeiter längst keine lebensbedrohliche Not mehr. Stattdessen mutierten sie zu Prolls zwischen Ballermann und Tittytainment, die in der einschlägigen Schrottmode mit Leopardenrock und Cowboystiefeln gekleidet waren. Ein großer Theatermoment war der Monolog des Schmieds Wittig, der sich beim minutenlangen gemütlichen Räsonieren über die Schlechtigkeit der Welt zuletzt in ausländerfeindliches Gefasel hineinsteigert, das Oskar Lafontaines „Fremdarbeiter“-Polemik um Jahre vorwegnahm, nur um dann erschrocken festzustellen: „Was rede ich denn da? Ich bin doch in der SPD! Und das schon seit über hundert Jahren.“

Als Nolte sich entschied, die begriffliche Lücke durch die Wiederbelebung des Wortes „Unterschicht“ zu schließen, konnte er auch auf Vorarbeiten des großen Gesellschaftsanalytikers Harald Schmidt zurückgreifen. Der Fernsehentertainer hatte schon vor seinem Wechsel von der ARD zu Sat 1 den Privatkanal als „Unterschichtensender“ bezeichnet, und er hörte auch nicht damit auf, als er dort sein Geld verdiente. Schmidt hat wahrscheinlich mehr als jeder andere zur Renaissance des Wortes beigetragen, Nolte hat den Unterschicht-Begriff nur wissenschaftlich schärfer definiert und ihn damit endgültig in nicht-ironischer Kommunikation wieder satisfaktionsfähig gemacht. Eigentlich verfolgte er damit ehrenwerte volksaufklärerische Ziele.

Doch die prekären Neo-Bürger, die „Unterschicht“ zum Modewort gemacht haben, hegen selten hehre Absichten. Sie folgen eher einer schlichten Abgrenzungslogik: Je häufiger ich Unterschicht sage, desto klarer wird hoffentlich, daß ich nicht dazu gehöre. Man kann fast alles, was der Mittelstand unternimmt, interpretieren als einen Versuch, Distanz zu schaffen: „Retro“, „Vintage“ oder Manufactum sind Fluchtgebiete vor den bonbonfarbenen Plastikmoden der Billigkultur. Im Ökosupermarkt einzukaufen bedeutet, nicht mit Türken und Alkoholikern in der Schlange zu stehen. In rauchfreien vegetarischen Restaurants begegnet man garantiert keinen Unterschichtlern. Autofreies Wohnen heißt: prollfreies Wohnen. Und wenn das nicht hilft, wird bestimmt irgendeiner auf den Trick kommen, fernsehfreies Wohnen zu propagieren.

In diesem Klassenkampf hat der Begriff „Unterschicht“ immer eine latent rassistische Komponente: Man sagt „Unterschichtler“ und meint oft eigentlich „Kanake“. Rassenfrage und Klassenfrage sind ohnehin nicht zu trennen. Am offensten tritt das im englischen Begriff „White Trash“ zutage: Das Attribut besagt ja, daß der Trash normalerweise dunkelhäutig sein sollte. Sogar in den Gegensatz zwischen Ost und West, den schon Nolte zu Recht als Klassenfrage interpretiert sehen wollte, mischt sich rassistischer Dünkel: Der NPD-wählende Mob im mecklenbrandenburgischen Hinterwald scheint aus der Sicht des westdeutschen linksliberalen und gebildeten Mittelstands manchmal tatsächlich einer anderen biologischen Spezies anzugehören.

Ob Kurt Beck ahnt, auf welches verminte Begriffsgelände er sich begibt, wenn er das gefährlich schillernde Wort „Unterschicht“ ins sozialdemokratische Vokabular aufnimmt? Wohl eher nicht. Er hat diejenigen, die er damit meint, bloß als ideale Objekte seines neuen „mitfühlenden Konservativismus“ entdeckt. Damit zielt er auf Sympathiegewinne bei den sich neuerdings wieder gerne bürgerlich nennenden Noltisten, denen die sogenannten „bürgerlichen“ Parteien zu kalt und zu verantwortungslos sind - und im Falle der CDU wohl auch einfach zu wischiwaschi. Und durch die schroffe Wortwahl kann er gleichzeitig auf stille Sympathie bei denjenigen hoffen, deren Mitgefühl nicht annähernd so stark ausgeprägt ist wie ihre Angst. Nur die Unterschichtler - einst klassische Adressaten der SPD-Wahlpropaganda - redet Beck damit nicht an. Denn die mögen es überhaupt nicht, „Unterschichtler“ genannt zu werden.


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Besser anständige Unterschicht als Proleten-Mittelschicht
Jan Plaß (yoann), 16. Oktober 2006 09:32

Am schlimmsten sind doch Mittelschicht Proleten, die mit ihrem Geld nichts gescheites anfangen können. Von denen sollte man sich abgrenzen und sich dem anständigen Bettler zuwenden.

Schichtdebatten sind doch etwas feines, da kann jeder ordentlich draufhauen;-)

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Malocher in die Schlussredaktion
Andreas Jensen (andreasj), 16. Oktober 2006 09:56

Der Text persifliert unfreiwillig eine selbsternannte intellektuelle Oberschicht. Dies konnte passieren, weil der Schreiber sich dieser Schicht zugehörig wähnt und es nach außen signalisieren möchte. Vielleicht sollte man jemanden in die Redaktion setzen, der ein humanistisches Gymnasium höchstens während dort zu verrichtender Maurerarbeiten von innen gesehen hat.
Der könnte die Texte hinsichtlich übertriebener Länge, Ichbezogenheit und Beliebigkeit gegenlesen.


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Vegetarische Restaurants
Martin Rudiger (Prince_Cosmopol), 16. Oktober 2006

Vegetarische Restaurants dienen vor allem dazu, sich von jenen abzugrenzen, für die der Verzehr von toten Tieren immer noch Essens"kultur" bedeutet. Mit wilden Gedankensprüngen aus der Küchensoziologie kommen wir da vielleicht nicht weiter.

Mit unbedachten und überflüssigen Einwürfen kann man den besten Artikel in die Zweitklassigkeit hinabziehen. Und davon wollen wir uns ja abgrenzen, oder nicht?



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Einwurf zum "White Trash"
Marco Vogt (MarcoVogt), 16. Oktober 2006

Herr Heine schreibt: "Am offensten tritt das im englischen Begriff „White Trash“ zutage: Das Attribut besagt ja, daß der Trash normalerweise dunkelhäutig sein sollte. "

Nein, genau das sagt es nicht. Der Begriff des "White Trashs" wurde in den USA von Afro-Amerikanern geprägt, die sich bewußt von dieser Gruppe abgrenzen wollten.

Es ist richtig, dass der Begriff einen rassistischen Hintergrund hat, doch ist dieser genau invers zu dem, den der Autor unterstellt: Nicht die "Weißen" prägten ihn um auszudrücken, dass der Trash normalerweise "schwarz" sei, sondern die "Schwarzen" prägten ihn, um sich von den "Weissen" abzugrenzen. Hierzu verwendeten sie ein rassistisches Bild.

Der Begriff des "White Trashs" wurde Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt.

Man könnte lange diskutieren, allerdings wird es nichts ander Existenz dieser Schichten ändern.


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Verkannt
gisbert heimes (gisbert4), 16. Oktober 2006

haben einige Kommentare offenbar den 'richtigen' Ansatz des Beitrags. Der Autor will sich m. E. keinesfalls über die 'Unterschichten' erheben. Allerdings, herabsteigen will er auch nicht zu ihnen ;-)

...



Aus: "Klassengesellschaft: Das Proll-Problem" Von Matthias Heine (Datum [2006]?)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E615ED5574AF946759FBE4B17A0B959E9~ATpl~Ecommon~Scontent.html


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[Vorstandschef und Durchschnittsarbeiter... (Notiz, Finanzsystem)]
« Reply #22 on: M?RZ 11, 2008, 04:50:06 nachm. »
Quote
[...] 1980 verdienten Vorstandschef 40-mal so viel wie ein Durchschnittsarbeiter", sagte Waxman. "Heute bekommen sie 600-mal so viel." Zehn Prozent aller US-Konzerngewinne fließen inzwischen allein den CEOs zu - selbst wenn sie ihre Unternehmen ins Unheil stürzten.


Aus: "US-BANKMANAGER: Wie sich die Milliarden-Vernichter rausreden" Von Marc Pitzke, New York
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,540463,00.html


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[Mit dem Geld wolle er "Eliten fördern"... ]
« Reply #23 on: M?RZ 19, 2008, 11:37:17 vorm. »
Quote
[...] Die Universität Karlsruhe hatte am Montag 200 Mio. Euro von SAP-Gründer Hans-Werner Hector und seiner Frau Josefine erhalten. Mit dem Geld wolle er "Eliten fördern", sagte Hector.



Aus: "Neues Gesetz für 200-Millionen-Euro-Spende" von Antonia Götsch (18.03.2008)
Quelle: http://www.ftd.de/forschung_bildung/bildung/:Neues%20Gesetz%20Millionen%20Euro%20Spende/332675.html



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[Bisher nicht sehr transparent... (Julia Friedrichs, Elite)]
« Reply #24 on: M?RZ 29, 2008, 10:12:35 vorm. »
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[...] SPIEGEL ONLINE: Deutschland braucht Eliten - was haben Sie gegen diesen Satz einzuwenden?

Julia Friedrichs: Nachdem ich dem Begriff ein Jahr lang hinterher gefahren bin, finde ich ihn sehr unpräzise. Er kann alles meinen. Dass Deutschland sich darum kümmern muss, die besonders Talentierten zu fördern, dass diejenigen das Sagen haben, die schon immer das Sagen hatten - oder dass sich gute Chancen durch Geld erkaufen lassen. In Deutschland werden Menschen gebraucht, die Ideen haben, die auch mal quer denken und Sachen in Frage stellen. Ich bezweifle, dass diese Leute sich selbst zur Elite zählen würden. Und umgekehrt glaube ich, dass diejenigen, die sich Elite nennen, das Land nicht unbedingt voranbringen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben eine Reihe von privaten Elite-Unis besucht. Was ist falsch daran, dort zu studieren?

Friedrichs: Überhaupt nichts. Dort gibt es viel bessere Lernbedingungen als an staatlichen Einrichtungen. Aber die Plätze werden nicht nur nach Leistung vergeben, sondern es geht auch immer ums Geld. Daher bewerben sich relativ wenig Leute. 10.000 Euro Gebühren im Jahr - das kann sich eben kaum jemand leisten.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch stellen Sie die Frage, wie man Elite wird. Welche Antworten haben Sie gefunden?

Friedrichs: Wenn man Elite damit gleichsetzt, dass jemand Karriere macht, glaube ich, dass viele, die ich getroffen habe, es schaffen können. Bei meiner Reise habe ich Institutionen besucht, die sagen: "Wir formen Elite." Da bekommen die Schüler und Studenten bessere Chancen, mehr Aufmerksamkeit, später mehr Geld. Und Elite heißt, man hat schon früh die richtigen Netzwerke. Wenn jemand von außen versucht, in diese Zirkel hineinzukommen, muss er sich viel mehr anstrengen und braucht Glück.

[...]

SPIEGEL ONLINE: Sie haben in Dortmund Journalistik studiert. Dafür braucht man einen Notenschnitt von 1,1 oder besser - auch Sie gehören also zu einer Elite ...

Friedrichs: Nein. Elite macht nur dann Sinn, wenn man davon ausgeht, dass ein Mensch einen gewissen Einfluss und eine gewisse Macht hat. Es wird zwar probiert, den Begriff zu entschärfen, indem man sagt, dass alle Talentierten und besonders Guten zur Elite gehören. Aber dann fallen schnell 30 oder 40 Prozent der Gesellschaft darunter. Und gerade das sagt der Begriff ja nicht. Zur Elite gehört nur eine ganz kleine Gruppe. Eliteforscher zählen etwa 4000 Leute im Land dazu, Richter, Politiker und Wirtschaftsbosse - also aus Leuten, die die Regeln aufstellen, nach denen wir leben.


[...]

SPIEGEL ONLINE: Bei Ihrer Recherche haben Sie immer wieder Menschen getroffen, die andere in Gewinner und Verlierer einteilen. Haben auch die Studenten an den Elite-Unis so gedacht?

Friedrichs: Den Studenten wurde in Workshops immer wieder vermittelt, dass das Leben ein Wettkampf ist und man zusehen muss, zu den Gewinnern zu gehören. Ein Top-Manager meinte: "Wer 40 Stunden pro Woche arbeitet, ist Minderleister. Ihr müsst Höchstleister sein." Unter den Studenten war dieses Denken weniger verbreitet. Sie haben immer noch versucht, die anderen mitzunehmen. Allerdings glaubten viele, dass man sich nicht genügend angestrengt hat, wenn man es nicht schafft. Und für Bummelstudenten an staatlichen Unis hatte kaum jemand Verständnis. Viele waren hart zu sich selbst - und erwarteten das auch von anderen.

[...]

SPIEGEL ONLINE: Bei Ihren Recherchen haben Sie einen Iraner getroffen, der dank eines Stipendiums auf einer Elite-Uni gelandet ist. Warum ist dieser Weg okay?

Friedrichs: Der Iraner war der einzige, der auf einer Elite-Uni war und das in Frage gestellt hat. Das hat mich überrascht. Denn er war jemand, bei dem ich verstanden habe, dass man sagt: "Er ist Elite." Er hat sich ganz nach oben gekämpft, die anderen nicht nur eingeholt, sondern sogar überholt. Doch gerade dieser Mann hatte die größten Probleme damit, sich zur Elite zu zählen. Er hatte das Gefühl, dass dieser Begriff benutzt wird, um sich von anderen abzugrenzen.

SPIEGEL ONLINE: Was genau wollen Sie mit Ihrem Buch erreichen?

Friedrichs: Ich fände es gut, wenn man den Satz "Wir brauchen Eliten" nicht so unreflektiert benutzen, sondern sich fragen würde: Was soll das eigentlich bedeuten? Und welche Konsequenzen hat es, wenn wir bestimmte Leute fördern, ihnen mehr Chancen geben, mehr Rechte einräumen? Wollen wir das? Wenn ja - nach welchen Kriterien wählen wir diese Leute aus? Das sollte diskutiert und gemeinsam festgelegt werden. Ich habe das Gefühl, dass das Verfahren bisher nicht sehr transparent ist.




Aus: ""Wer 40 Stunden in der Woche arbeitet, ist Minderleister"" Das Interview führte Katrin Schmiedekampf (28. März 2008)

Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,539862,00.html




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[Tatsächlich wächst die Rendite wie auch die Unterschicht... ]
« Reply #25 on: M?RZ 31, 2008, 01:34:31 nachm. »
Quote
[...] Tatsächlich wächst heute beides gleichzeitig, sowohl die Rendite wie auch die Unterschicht. Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt, dass auch die bislang stabile Mittelschicht in atemberaubendem Tempo in einer Richtung wegbricht: nach unten. Die bürgerliche Mitte, bislang der ökonomisch und politisch zuverlässigste Stützpfeiler der Republik, wankt, und selbst der Spiegel, dem es mit der rot-grünen »Steuerverschenkungspolitik« (Franz Walter) gar nicht schnell genug gehen konnte, ist von der »Abwärtsmobilität« alarmiert: »Millionen rutschen ab.«

Bekanntlich beschweren sich konservative wie neuliberale Intellektuelle gern darüber, das linke Gift von Gleichheit und Gerechtigkeit lähme kreative Energien und werfe Deutschland im Standort-Roulette auf hintere Plätze zurück. Das war schon immer ein Gerücht, nun ist es eine Falschmeldung. In Wirklichkeit wird die soziale Bruchlinie tiefer und die »Armut im Überfluss« größer. Jeden kann es treffen. Die Schere zwischen denen, die »drinnen«, und denen, die »draußen« sind, geht zuverlässig auseinander. Die Nettolöhne sanken in den vergangenen drei Jahren um 3,5 Prozent, während die Unternehmensgewinne in der jüngsten Aufschwungphase um 25 Prozent anzogen. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Gehälter der Topmanager um durchschnittlich 20 Prozent. All das lässt den Eindruck entstehen, in Deutschland laufe etwas dramatisch aus dem Ruder: Eine wachsende Klasse von Selbstbereicherern kommt in den Genuss flächendeckender Steuersenkungen und bildet eine risikoarme Parallelgesellschaft mit eigenen Kindergärten, eigenen Schulen und eigenen Universitäten. »Ganz unten« dagegen, bei den Chancenlosen, klingelt der Vollzugsbeamte und schnüffelt an der Matratze, ob der Hartz-IV-Empfänger eine rechtlich anstößige Bedarfsgemeinschaft mit einer staatsfinanzierten Leidensgenossin unterhält.

[...]

Quote
Zaphod Beeblebrox. 30.03.2008 um 11:35


Zu Recht...

...hat man beim manager magazin Angst vor brennenden Barrikaden.
Denn der soziale Frieden ist in Deutschland schwer gestört. Es
verdichtet sich die Erkenntnis, dass eine soziale Durchlässigkeit nicht
gegeben ist, dass wer arm ist, es normalerweise auch bleibt. Dass
dieses Land von Eliten beherrscht wird, die sich zurück in den
Ständestaat wünschen, wo "jeder seinen Platz kennt".
Eigentlich Ironie des Schicksals, dass nach der grossen
Legitimationskrise des Kommunismus nun der Kapitalismus dieser Krise
entgegensteuert.
Es wäre schön, wenn sich die Erkenntnis durchsetzte, dass nur eine
Teilhabe auch am wirtschaftlichen Geschehen den Frieden in unserem Land
sichert.
Sonst gehen wir alle, auch die mit BMW-Roadstern als Zweitwagen, sehr
interessanten Zeiten entgegen, um es mal "chinesisch" auszudrücken...



Quote
Sammy Senkbley, 30.03.2008 um 12:41


Pathos kapitalistischer Verheißungen?

[...] Reichtum und Privilegien werden in dieser Gesellschaft überwiegend als private Früchte genommen und konsumiert. Die dabei auftretenden Glücksgefühle setzen kaum noch Hoffnungen, Entwürfe oder Projekte in Gang, die über die individuelle Sphäre hinausgehen.

Nicht der pathetische Überschuß ist in diesem Falle das Problem, sondern die Amputation des Humanum um eben diese Dimension des Pathos - ohne die das Menschsein insgesamt ein wenig dürftiger und flacher ausfällt.

Sammy Senkbley



Quote
Berliner, 30.03.2008 um 12:57

Wieso hält sich eigentlich der Aberglaube,

Kapitalismus hätte den (freien) Wettbewerb zum Ziel? Dann hieße es doch "Competitionismus"?


[...] "Doch wer sagt eigentlich, dass westliche Demokratien auf diese neue Herausforderung genauso reagieren werden wie bei der Systemkonkurrenz mit dem Kommunismus? Wer sagt, dass sie auf die Freiheit setzen, um dem autoritären Ausbeutungskapitalismus Paroli zu bieten?"

Allende würde im Grabe rotieren, könnte er diesen Unsinn lesen! Wer baute denn auf Diktatoren wie Pinocet, Schah von Persien, Franco, Marcos, Mobuto, Süd Afrikas Apartheit, griechische und türkische Militärdiktaturen -- um nur wenige Terrorregimes zu nennen? Nicht "Freiheit" war das Ziel des Westens, sondern, "Hauptsache der Hurensohn ist unser Hurensohn".

"Wie sehr die Ökonomie eine autonome, politisch kaum zu steuernde Macht geworden ist; wie sehr sie sich dabei von der Gesellschaft entkoppelt und verselbstständigt hat," Wann wird Ihnen, Herr Assheuer, endlich klar, das es sich bei dem hier geschilderten Phänomen um ein politisches Ziel handelt? Dem demokratischen Teil einer westlich geformten Gesellschaft wird die autoritäre Kommandowirtschaft gegenüber gestellt, die im Zweifelsfall das Primat hat.

Diktator Blatter und seine FIFA sind ein augenfälliges Beispiel, wie sich (freie) ökonomische Systeme im Idealfall organisieren. Nämlich wie die Mafia. An deren Casinos wird deutlich, daß ein freier Unternehmer nichts mehr haßt, als Verluste und den Zufall. Dafür werden die Spieltische manipuliert und glückliche Gewinner eleminiert.

Um beim Bild zu bleiben, entspricht Lobbyismus, Korruption, das Kaufen von Politikern und Gesetzen der Manipulation des Spielgerätes. Die Beseitigung der Konkurrenz geschieht gerne durch Monopolbildung, Dumping, Totklagen wegen Verletzung von Patenten, Geistigen Eigentum etc. In Steueroasen -- also Schurkenstaaten, die vom Regelverstoß profitieren -- wird die Beute in Sicherheit gebracht. Letztendlich verläuft die Front zwischen Freiheitlicher Demokratie und Autoritärem System INNERHALB jedes westlichen Staates [...]


Quote
Anachronist, 30.03.2008 um 13:06

Das Traurige ist...

...der Haufen armseeliger BeckPofallaGysiWesterwelles, der uns regiert und dem ich ums Verrecken nicht zutraue auch nur einen Schritt zu unternehmen, der irgendetwas an den Problemen ändert. Unsere Sachzwangsverwalter sind im Begriff lächelnd den Untergang zu moderieren, um dann zu verkünden mehr wäre halt nicht drin gewesen, man habe gute Arbeit geleistet.

Ich erschrecke selbst davor, wie groß der innere Abstand zwischen mir und dem politischen System des Landes, in dem ich lebe, geworden ist. Die große Koalition ist nicht meine Regierung, die Gründen, FDP und die Linken nicht meine Opposition. Nichtwählen wäre die einzige Wahl, die meinen Gedanken und Überzeugungen gerecht würde.

In dieser Situation freut es mich an so prominenter Stelle in der Zeit lesen zu können: "die Bürger stellen die Systemfrage". Ja genau, das tun sie. Und hoffentlich erarbeiten wir uns bald eine Antwort. Und hoffentlich wird das Problem in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren öfter von unseren Medien thematisiert. Es ist dringend nötig. Dringend!


Quote
iDog, 30.03.2008 um 13:18

hat die ZEIT angst vor der eigenen courage ?

ein reisserischer titel wohl aber ein noch besserer artikel.

erstaunlich, dass er nicht mal 12 stunden auf der index seite der ZEIT online ueberlebt, dort nicht kommentierbar war, und sogleich im untermenubereich verschwindet unter KULTUR ???? ist das zu starker tobak fuer die werbekundschaft oder fuer das konservative publikum, das sich sowieso schon angstgelaehmt an die sesellehne klammert ? schade also , dass dieser artikel , der all die thematischen turbulenzen und stimmungen der letzten wochen hier in der zeit zu den aufeinandertreffenden umstaenden der sogenannten "groessten wirtschaftskrise seit..." und einigen anderen begebenheiten wie karl marx 125. todestag, die grundgesetztdebatten um innere sicherheit, gesellschfts- bzw kapitalismuskritig ausgehend von verschiedensten sozialen themenbereichen  etc. so hervorragend zusammenfasst und auf den punkt bringt so sang und klanglos im orkus der archive zu versinken droht. hat die ZEIT angst vor der eigenen courage ? ... oder werden solche inhalte mit kuenstlerisch wertvoller bebilderung aus angst vor etweigen folgen von der redaktion selbst als tabubruch gesehen oder noch schlimmer lediglich als kulturteil schmankerl zur glosse entwertet ?sie machen mich ratlos sehr geehrte redaktion - endlich spricht mal ein koenner gelassen aus, was viele laien, ihre leser- und kundschaft, hier in den foren thematisieren, und sie machen nichts daraus, sondern ersetzen diesen brillianten inhalt mit dem ueblichen, altbekannte noinfotainment ueber sich mit dreck beschmeissende praesidentschftkandidaten.chance vertan - keinen mut gehabt - falsche entscheidung getroffen - seuftz . ihrem herr assheuer alledings meine hochachtung fuer diesen artikel. danke.


Quote
klier, 30.03.2008 um 13:38

Auf den Punkt gebracht

Thomas Assheuer hat in klaren Worten die drohende Gefahr beschrieben: nicht eine liberale Revolution wird unserer Demokratie  den Garaus machen, sondern eher ein Putsch der Oligarchen, die unser offene Gesellschaft als Hemmschuh ihrer Expansionswut betrachten. Das Biotop des Turbokapitalismus braucht die offene Gesellschaft am allerwenigsten. Die Beispiele von China, Russland  bis Saudi Arabien geben all jenen recht, die für ein Ende der Gewaltenteilung eintreten und dafür eine Verschmelzung von Staat und Konzernen fordern. Das dumme Volk soll arbeiten, kaufen und gefälligst das Maul halten. So regiert sich's am Schönsten. Ob diese Rechnung wirklich aufgeht, hängt jedoch von der Stärke des zivilen Ungehorsams ab, den die Bürger leisten wollen.

Heinz Klier, Dubai


Quote
fkuebler, 30.03.2008 um 16:15


Die Gutmensch-Lemminge in der bundesrepublikanischen Lufthoheit

Ich weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll, wenn ich jetzt die Sturmtruppen der modisch linksgewirkten Gutmensch-Lemminge die elektronischen Stammtische stürmen und vom eigenen Narzissmus besoffen die Weltbeklagungsparolen krakeelen sehe...

[...] wie soll eine Gesellschaftsform florieren, in der ein dumpf informations-unwilliger oder unfähiger Prekariatsangehöriger genau das gleiche Stimmrecht hat wie der gesellschaftlich gebildete und zur verantwortungsvollen Abwägung befähigte Soziologe oder Politologe?

[...] Evolution bedeutet Vielfalt, den "Kampf" oder - gelinder ausgedrückt - Wettbewerb der Individuen und Gattungen. In der Demokratie und/oder Marktwirtschaft bedeutet das Pluralismus. Nur wenn wir dieses Grundprinzip erstmal verstehen und in der Folge auch innerlich akzeptieren, können wir innerhalb dieses Systems versuchen, für die Art, also uns selbst, den bestmöglichen Fortschritt zu schaffen.
Es braucht nicht viel, um in Anlehnung an Churchill in aller Demut zu erkennen, dass Demokratie eine der unperfektesten aller Gesellschaftsformen ist, aber die am wenigsten schlechte, die wir in der Realität haben können. Das gilt auch für die Marktwirtschaft. Es ändert nichts daran, dass beides - Demokratie und Marktwirtschaft - Regeln braucht, aber bitte schön aus einem bejahenden und konstruktiven (Ingenieurs-) Geist heraus.
Wenn dieser Kontext vergessen wird, dann werden unsere wirksamen Fortschrittskräfte erlahmen. Dann werden im ungünstigen Fall vielleicht sogar noch viel weniger als 15% der Bürger glauben, dass es in unserem System "gerecht" zugeht. Und nein, es würde gar nicht notwendig sein, dass eine Mehrheit sich dann irgendwann für die Abschaffung von Pluralismus in Demokratie und Marktwirtschaft/Kapitalismus entscheidet. Es würde völlig ausreichen, dass nicht mehr genug Leute von der Notwendigkeit der Verteidigung überzeugt sind. Für die Abschaffung würden dann schon andere sorgen. Davon gibt es genug, wenn man sich in den weltweiten Nachrichten so umsieht.
Und so komme ich unter dem Strich zum Assheuer-Artikel (von vielen Kommentaren ganz zu schweigen) zu der Bewertung: Thema verfehlt!

Falk Kuebler



Quote
Zaphod Beeblebrox, 30.03.2008 um 16:55

@fkuebler

Dazu nur soviel: Reiche Leute sind keine Löwen.  Und die
Evolution ist ein untaugliches Modell zur Erklärung menschlicher
Gesellschaften. Das nennt man nämlich Sozialdarwinismus und ist falsch.
Warum? In dem Moment, in dem einer Ihrer und meiner Vorfahren sich
entschieden hat, einem Bären das Fell abzuziehen und als Umhang zu
tragen, statt darauf zu warten, dass ihm selber ein Pelz wächst, hat
sich der Mensch für einen Sonderweg in der Evolution entschieden, und
zwar Kraft seiner Intelligenz. Also haben wir für uns die Evolution
natürlich nicht abgeschafft, aber doch mindestens vorläufig außer
Funktion gesetzt. Daher sind oberkluge Kommentare zu Löwen und Schafen
nicht besonders zielführend. Interessant, dass Sie bei Löwen und
Schafen an unsere Gesellschaft denken. Und komisch:  wo hat
denn  in  diesem  Forum  jemand  zum Umsturz
aufgerufen?? Oder zur Abschaffung der Marktwirtschaft?
Zentral  ist doch wohl die These, dass  das zentrale
Glücksversprechen der Marktwirtschaft heute nicht mehr erfüllt wird.
Und das wird unsere Gesellschaft schädigen. Um das zu sehen, muss man
kein "linker Gutmensch" sein - was immer Sie darunter verstehen. Ich
beklage mich nicht und Narzissmus scheint mir eher das Merkmal derer zu
sein, die beharrlich leugnen, dass es in D nicht so gerecht zugeht, wie
es sollte. Da haben wohl eher Sie das Thema verfehlt.


Quote
a17, 30.03.2008 um 17:07

Schade dass dieser Artikel nicht als Aufmacher der Printausgabe zu lesen war, statt dessen ein blödsinniges Pro und Contra zur staatlichen Bankenrettung.



Quote
mcfly71, 30.03.2008 um 17:39

@fkuebler

fkuebler,

hier ein Link, damit sie ein wenig Verständnis für die Realitäten im Lande bekommen...Ich weiß nicht, ob man die zunehmende Kinderarmut in einem der reichsten Länder der Welt noch mit der guten alten Natur rechtfertigen kann: www.ndrkultur.de/programm/sendungen/glaubenssachen/gsarmut6.pdf


Quote
iDog, 30.03.2008 um 18:33


@ fKuebler #12

"wie kann es angehen" , dass ein scheinbar gebildeter mensch wie sie verkennt, dass der "dumpf informations-unwillige oder unfähige Prekariatsangehörige" vom system selbst erzeugt wird in der absicht seine macht zu konsolidieren. oder haben wir etwa einen staat , der mit allen zur verfuegung stehenden mitteln die bildung der bevoelkerung betreibt ?

nee , haben wir nicht, sondern das exakte gegenteil - nach phasen der lehrmittelfreiheit und bildungsfoerderung in den 70igern wurde langsam aber sicher wieder auf bildungsverkanppung umgestellet wie es einem echten feudalismus wuerdig ist. lesen koenenn duerfen nur die priester des systems. wenn man ueberschlaegt wie billig bildung wirklich ist, erkennt man , dass es keine andere investition in die zukunft mehr nutzen und profit fuer alle bringen kann, nur der ist eben nicht erwuenscht. sollten sie lust haben hierzu zu antworten sagen sie mir doch bitte vor allem warum die einmal etablierte bildungsoffensieve wieder abgeschaft wurde zumal in einer zeit in der know how angeblich alles ist. die welt, in der ein philosoph gaertnert ist eine besser welt als die, in derder ungebildete soldat wird.





Aus: "Der große Ausverkauf" Von Thomas Assheuer (DIE ZEIT, 27.03.2008 Nr. 14)
Quelle: http://www.zeit.de/2008/14/Vertrauenskrise-Kapitalismus?page=all

« Last Edit: M?RZ 31, 2008, 02:11:27 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Was bisher nur vermutet werden konnte... (Kassenpatienten)]
« Reply #26 on: April 01, 2008, 10:29:36 vorm. »
Quote
[...] Kassenpatienten müssen im Durchschnitt drei mal länger auf einen Termin beim Facharzt warten als privat Krankenversicherte. Das meldet der ''Kölner Stadt-Anzeiger'' und beruft sich dabei auf eine Studie der Universität Köln. ''Wir können mit der Studie erstmals wissenschaftlich fundiert zeigen, was bisher nur vermutet werden konnte, von Ärzteseite aber bestritten wird: dass Kassenpatienten sich bei der Terminvergabe hinten anstellen müssen'', sagte der kommisarische Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemologie, dessen Direktor der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist.

Wissenschaftliche Mitarbeiter meldeten sich telefonisch bei 189 Praxen im Raum Köln/ Bonn/ Leverkusen und baten - wechselweise als Kassen- oder Privatpatient - um eine von fünf ausgewählten Untersuchungen: einen Allergie- und Lungenfunktionstest, eine Augenuntersuchung, eine Magnetresonanztomographie des Knies, einen Hörtest oder eine Magenspiegelung. Dann wurden die Werktage vom Anruf bis zum angebotenen Termin gezählt.

Eindeutiges Ergebnis: Privatpatienten werden bevorzugt behandelt. In absoluten Zahlen reicht der Unterschied von durchschnittlich 4,6 Tagen bei Hörtests bis zu 25 Tagen bei einer Magenspiegelung. Während Privatpatienten im Schnitt nur 11,9 Werktage auf einen Termin warten müssen, können sich Kassenpatienten in Geduld üben: Bei ihnen dauerte es im Durchschnitt 36,7 Werktage, bis sie untersucht wurden.


Aus: "Unterschiedliche Wartezeiten auf FacharzttermineKassenpatienten müssen länger warten" (31.03.2008)
Quelle: http://www.swr.de/nachrichten/-/id=396/nid=396/did=3336496/1gtguhs/



-.-

Quote
[...] In allen fünf untersuchten Facharztbereichen harrten Kassenpatienten etwa dreimal so lange eines Untersuchungstermins wie die Privatpatienten. „Es zeigt sich, dass das Recht auf Versicherungsschutz für alle Bürger nicht ausreicht, um einen gleichen Zugang zur medizinischen Versorgung in Deutschland zu gewährleisten“, betont Studienleiter Lüngen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach , der ebenfalls an der Studie mitwirkte, kritisiert die Benachteiligung der gesetzlich Versicherten als Ausdruck einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Besonders ungerecht sei dies für freiwillig gesetzlich Versicherte, die den Höchstbeitrag zahlten und damit die Versorgung gering verdienender Versicherter mitfinanzierten.

[...]


Aus: "Ärzte lassen Kassenpatienten länger warten" VON STEFAN SAUER (31.03.08, 15:13h, AKTUALISIERT 01.04.08)
Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1206878687579.shtml




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[Die Kluft zwischen dem Management und Angestellten... (Notiz, Allianz)]
« Reply #27 on: April 17, 2008, 11:33:30 vorm. »
Quote
[...] Seit Deutschland-Chef Gerhard Rupprecht 2006 den Umbau des Konzerns angekündigt hatte, sei die Kluft zwischen dem Management und den übrigen Angestellten immer tiefer geworden, schreibt der Innendienstler. „Die Führung hat keine Bindung mehr zu ihren Mitarbeitern. Sie hat keinerlei Unterstützung für den Umbau, sie erteilt deshalb nur noch Befehle. Ihr ist jedes Verständnis für die realen Verhältnisse im Konzern abhandengekommen.“

Einen Grund für die Malaise sieht Theodor M. in eingeschüchterten Führungskräften: „Aus Angst, ihren Job zu verlieren, traut sich keiner, Kritik zu äußern. Jede Führungskraft schönt die Berichte, die nach oben abgegeben werden. Bis die Berichte in der Konzernzentrale in München angekommen sind, sind sie so verfälscht, dass sie fast nichts mehr mit der Realität zu tun haben.“

[...]

Kommentar zu “Explosive Stimmung bei der Allianz”:

Quote
von  G.Schmid  am 16.04.2008 22:54 Uhr

Nicht nur bei der Allianz gibt es diese Zustände. Alle diese Beschreibungen können übertragen werden z. B auf Wüstenrot/Württembergische

Quote
von  unbekannt  am 16.04.2008 21:36 Uhr

als langjähriger mitarbeiter ist es mir absolut unverständlich, wie dieses unternehmen binnen kürzester zeit seinen ruf so ruinieren konnte...und wenn ich sehe, wie die herren oberen in diversen mitarbeitermails, rundschreiben und firmenzeitung den eigenen frustrierten mitarbeitern, die das alltägliche "chaos" hautnah erleben, eine schöne voll funktionierende allianzwelt verkaufen, glaubt man sich im falschen film...


Quote
von  Ein Versicherungsangestellter  am 16.04.2008 20:54 Uhr

Ich würde mich freuen, wenn es so einen Artikel über die Skandia Lebensversicherung geben würde. Die beschriebenen Zustände bei der Alli passen exakt auf die Skandia. Vor Jahren noch der "beste Arbeitgeber Deutschlands". Und heute haben alle nur noch Angst, Ihren Job zu verlieren. Kritik ist offiziell erwünscht, aber keinen interessiert sie. Stattdessen werden die Mitarbeiter, die Kritik üben, unter Druck gesetzt. Es gibt Arbeit ohne Ende, aber die Mitarbeiter werden abgebaut. Der Service leidet entsprechend, aber das wird in Kauf genommen. Wie einer der Vorredner schon sagte: Die Chefs haben kein persönliches Interesse mehr an der Firma, es geht nur noch um Profit. Und das auf Kosten der kleinsten Räder im Getriebe. Das aber ein zufriedener Angestellter viel besser arbeitet, darauf sind sie noch nicht gekommen. Arbeitsrechtler hätten Ihre Freunde an diesem Unternehmen. Das beste aber ist das sogenannte Outsourcing. Programmierer, die kein Wort deutsch sprechen und dann Anforderungen irgendwie umsetzen- nur nicht richtig.
So genug gekotzt.


Quote
von  es reicht  am 16.04.2008 18:19 Uhr

ich bin seit 40 Jahre dabei - so etwas habe ich noch nicht erlebt! H/Diekmann hat in einer internen Zeitschrift mal geschrieben (zum neuen Zielbetriebsmodell) .......er habe nun mal als Manager nur die Gelegenheit alles aus der Vogelperspektive zu sehe. Wissen Sie Herr Diekmann - aus der Vogelperspektive ist auch Afghanistan ein schönes Land. So geht das nicht - so können Sie mit Mitarbeitern nicht umgehen. Von Kundenorientierung zu reden und dann eine Versicherungsfabrik (einschl. Callcenter) einzurichten - es ist lächerlich und traurig. Welche Ziele haben denn Ihre Leute von McK? Kundenorientierung oder Gewinnmaximierung? Denken Sie mal darüber nach. Leider leider leider ist das nicht mehr unsere Firma - und das schmerzt - das können Sie mir glauben.
Wie können Sie nur den geschönten Berichten Ihrer Führungskräfte glauben? Ihre Führungskräfte melden natürlich....Ampel auf grün / Umst.ellung auf ZBM war prima. Ich glaube es nicht. Die Top Führungskräfte der alten Niederlassungen haben früher gemacht was Sie wollten - Vorstandsrundschreiben???was kümmert es mich. Heute predigen Sie "ZBM über alles". Es ist / sie sind einfach nicht mehr glaubwürdig. Sorry - aber es schmerzt!


Quote
von  ExAllianzer  am 16.04.2008 15:21 Uhr

Liebe Ex Kollegen/innen, vor 7Jahren hab ich aus diesen Gründen die allianz verlassen weil damals schon einige Dinge absehbar waren. Ich ging zu dem letzten Familienunternehmen in der Versicherungsbranche, der ARAG, und was soll ich euch sagen: Genau das selbe Spiel. Vielleicht noch ein wenig krasser.... Jeder spielt jeden aus. 3 Vertriebsvorstände in 2 Jahren, ein schelm wer böses dabei denkt das dies nun der ehemalige Chef der Allianz Österreich ist.... Leider werden wir von komplett inkompetenten Führungen gedrückt und nicht geführt.

Also mein Ergebnis aus 15 Jahren Versicherung inklusive Führungspositionen, Innendienst und Aussendienst: Nix wie weg aus der Branche.

...


Quote
von  Makler-Angestellter  am 16.04.2008 15:03 Uhr

Ich habe bis vor neun Jahren selbst bei der Allianz im Außendienst gearbeitet. Dort wird man nicht als Mensch, sondern nur als "Nummer" behandelt. Sehr verwerflich sind auch Wettbewerbe, in deren Rahmen die Kunden Produkte verkauft bekommen, die sie gar nicht brauchen oder die nichts taugen (als Beispiel UPR = Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr). Viele meiner damaligen Kollegen haben die Allianz inzwischen auch schon enttäuscht verlassen. Die jetzige Unruhe wundert mich demzufolge nicht.


Quote
von  Allianzer  am 16.04.2008 00:14 Uhr

Das Unternehmen wird nur noch von McKinsey geführt - was kann man da erwarten. Der neue COO: ein Ex Mc Kinsey, der schon seit Jahren die Strategie der Allianz bestimmt hat. Jemand, der noch nie mit einen Kunden gesprochen oder einen Versicherungsvertrag verhandelt hat.
In der zweiten und dritten Ebene das gleiche Bild. Herr Diekmann traut nur den Beratern etwas zu. Hochqualifizierte Mitarbeiter und Führungskraefte der Allianz kommen nicht mehr weiter und werden von den Beratern gegeneinander ausgespielt. Da gibt es Einstellungsstops, aber für einen Ex-Mck gibt es immer ein warmes Postchen mit Dienstwagen. Dass da die Motivation der Mitarbeiter noch zusätzlich leidet, ist nur allzu verständlich.
In der Zentrale ist es am schlimmsten. Ich frage mich, ob das McK Netzwerk Kopfprämien zahlt fur jeden Berater, den es bei der Allianz unterbringt?
Und wie ist eigentlich Herr Diekmann an seinen CEO Posten gekommen ?


Quote
von  Allianzler  am 15.04.2008 23:53 Uhr

Ich kann zu 100% bestätigen, was hier geschrieben wird. Meine Kollegen und ich gehen nur noch des Geldes wegen zur Arbeit; einen anderen Grund gibt es (leider) nicht (mehr). Alles muss schnell gehen, einzig und allein die Zahlen zählen. Qualität? Wen interessiert das.

RÜCKSTÄNDE ohne Ende, WOCHENENDARBEIT und massenweise UNQUALIFIZIERTE AUSHILFEN, die am laufenden Band Fehler produzieren - ganz genau, das ist die ALLIANZ in 2008!

Mir fällt da nur ein Wort zu ein: PERVERS!

Man sagt ja immer so schön: Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken ...


Quote
von  wiwo-Leser  am 15.04.2008 21:25 Uhr

„Good Corporate Citizen“




 

Aus: "Versicherung - Explosive Stimmung bei der Allianz" Martin Seiwert (15.04.2008)
Quelle: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/explosive-stimmung-bei-der-allianz-272624/



« Last Edit: September 19, 2011, 01:55:11 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Ein perfider Trick [?]... ]
« Reply #28 on: April 27, 2008, 12:11:25 nachm. »
Quote
[...] Es ist ein perfider Trick der herrschenden Klasse, diejenigen, die fast nichts haben, gegen diejenigen auszuspielen, die noch weniger haben.


Aus: "Ein neuer Rassismus" Von Katja Kipping (25.04.2008)
Quelle: http://freitag.de/2008/17/08170203.php


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[Die verunsicherte Mitte [?]... ]
« Reply #29 on: Mai 06, 2008, 09:06:59 vorm. »
Quote
[....] Der Parteichef der Sozialdemokraten kündigte an, etwas für die verunsicherte Mitte der Gesellschaft tun zu wollen.


Aus: "STEUER-DEBATTE: Beck kündigt eigenes Steuerkonzept an" (06. Mai 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,551620,00.html

-.-

Quote
[...] Die Lücke zwischen Arm und Reich wird demnach immer größer - die Mittelschicht kleiner. Dies bestätigt die Union in ihrer Forderung nach schnellen Steuersenkungen: "Ich bin schon dafür, dass wir gerade diese Mittelschicht, die jetzt angesprochen wurde, mehr entlasten müssen", auch steuerlich, sagte der mittelstandspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Michael Fuchs (CDU), im ZDF.


Aus: "VERSCHWINDEN DER MITTELSCHICHT: Alarmierender Armutsbericht entfacht Steuerstreit" (19. Mai 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,554023,00.html

« Last Edit: Mai 19, 2008, 05:05:55 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Gated Community oder auch geschlossene Wohnanlage... ]
« Reply #30 on: Mai 19, 2008, 05:01:33 nachm. »
Quote
[...] Als Gated Community oder auch geschlossene Wohnanlage wird ein Siedlungszentrum der Ober- oder Mittelschicht bezeichnet, welches durch Sicherheitseinrichtungen und Absperrungen - wie Alarmanlagen, Mauern, Zäune, Kameraüberwachung, privates Sicherheitspersonal - von der übrigen Gesellschaft separiert ist.

Die Größe von Gated Communities variiert von einzelnen bewachten Appartementblöcken bis hin zu großflächigen Siedlungen (mit über 100.000 Einwohnern) mit eigener Infrastruktur (Einkaufsmöglichkeiten, Gemeinschaftseinrichtungen, eigene Schulen und Krankenhäuser, sogar eigene Bürozentren und Arbeitsstätten).

Diese Anlagen ähneln dabei den klassischen Ghettos in der Art, dass eine Segregation, in erster Linie auf Basis des sozialen Standes und möglicher Unterschiede in Kultur, Hautfarbe, Religion oder Abstammung geschieht. Aber auch andere Gleichgesinnte oder aus ähnlichen Schichten, Kulturen oder Ethnien stammende Menschen schließen sich, als Gegentrend zur sogenannten Globalisierung vor allem in den USA vermehrt zu derartigen Wohnformen zusammen.

Diese Sonderform eines Ghettos ist jedoch nur selten historisch gewachsen, sondern wird fast ausschließlich außerhalb bereits bestehender Städte neu errichtet.

Die Ursprünge der modernen Gated Communities sind in den Vereinigten Staaten von Amerika zu suchen - ein frühes Beispiel hierfür ist Llewellyn Park in New Jersey (1857). Gated Communities sind darüber hinaus vor allem in Ländern mit erheblichen sozialen Ungleichgewichten vorzufinden, etwa in Südafrika, Brasilien, Argentinien oder anderen ehemaligen Kolonialstaaten. Auch in Südostasien und Europa sind solche oder ähnliche Formen abgeschotteter und speziell gesicherter Wohnanlagen bereits vorhanden.

Bekanntestes Objekt in Deutschland ist die Arcadia-Wohnanlage in Potsdam.

[...]


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gated_Community (9. Mai 2008)



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[Nur wenige Hauptschüler finden... (Notiz, Hauptschüler + Heiseforum)]
« Reply #31 on: Juni 10, 2008, 10:53:17 vorm. »
Quote
[...] Die Hälfte aller Hauptschulabgänger hat 13 Monate nach dem Verlassen der Schule noch keinen Ausbildungsplatz gefunden, und selbst nach zweieinhalb Jahren gilt dies noch für 40 Prozent. Dies geht aus dem Bildungsbericht 2008 von Bund und Ländern hervor, den die Kultusministerkonferenz am Donnerstag vorstellen will.

Nach Informationen von dpa, die bereits vorab aus dem Bericht zitiert, haben insbesondere junge Männer ohne Hauptschulabschluss, mit schlechtem Abschluss und Kinder aus Migrantenfamilien das Nachsehen. Dagegen findet jeder zweite Realschüler bereits nach drei Monaten eine qualifizierte Ausbildung.

Die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem habe sich weiter vergrößert. Das zeige sich, wenn man Kinder gleichen Intelligenzstandes aus Unterschichtenfamilien mit denen aus Akademikerfamilien vergleiche.

Damit bestätigt sich das Bild, das der erstmals vor zwei Jahren veröffentlichte Bildungsbericht schon 2006 gezeichnet hat. Er hatte beklagt, dass sich 2004 über die Hälfte der Absolventen mit Hauptschulabschluss und mehr als 84 Prozent derjenigen ohne Abschluss in Maßnahmen des Übergangssystems aufhielten und dass ihnen annähernd zwei Drittel, im Berufsschulsystem sogar 82 Prozent der Ausbildungsplätze von Absolventen mit mittlerem oder höherem Abschluss weggeschnappt worden sind. (fm/c't)


Quote
9. Juni 2008 13:09
Wie seltsam
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

[...] Was für 'Humanressourcen' muss dieses System haben,
wenn es sich das leisten kann?

Quote
10. Juni 2008 08:57
Re: Wie seltsam
mode7 (516 Beiträge seit 19.11.07)

Tja leider ist das so. [...] Diese Lustlosigkeit, Faulheit und agressivität inkl. grosse Klappe ist typisch. Deshalb auch die Hauptschule. Die waren schon in der Schulezeit zu faul, mal ein Buch in die Hand zu nehmen und zu lernen. Und so geht es, das ganze Leben weiter. Sich immerzu über das System beschweren. Die einen laßen dann andere für sich arbeiten. Prostitution, Diebstahl, Drogenhandel. Oder nehmen selber Drogen und landen früher oder später im Knast.
Einige versuchen es als Pop, Rapstar oder Schauspieler. Da brauchtse nicht viel zu tun und hast Kohle und Mädchen bis zum Abwinken. Merken sie dann, daß auch diese Berufe Arbeit machen. Und man an sich selber arbeiten muss, laßen sie es bleiben. Auch wenn Talent vorhanden wäre. Schuld sind dann wie immer andere und das System!

Die sind keine Opfer.
Die sind einfach nur faul!



Quote
9. Juni 2008 13:10
Und was lernen wir daraus?
Kalle Kloeppel (672 Beiträge seit 07.12.06)

Unis auch für Hauptschüler öffnen, und das Lehrniveau weiter
absenken, bis wirklich _JEDER_ _MINDESTENS_ den Hauptschulabschluss
packt.

Ich wäre z.B. für Pflichtfächer wie z.B. "TV schauen", "SMS
schreiben" und "Unartikulierte Laute gröhlen".
Darin ist die angesprochene Zielgruppe nämlich oftmals wirklich
weltmeisterlich.

Quote
9. Juni 2008 13:12
Re: Und was lernen wir daraus?
Knarz1981 (mehr als 1000 Beiträge seit 30.06.06)

ey alda, machst mich an, oder was lan, alda?

xD


Quote
9. Juni 2008 13:15
Re: Und was lernen wir daraus?
3G-UMTS (mehr als 1000 Beiträge seit 26.02.04)

Das "TV-Schauen" muß man aber auf RTL begrenzen. Es gibt Programme
die würden der Entwicklung entgegenwirken (arte, phoenix,...)

Quote
9. Juni 2008 13:22
Re: Und was lernen wir daraus?
Knarz1981 (mehr als 1000 Beiträge seit 30.06.06)

Vergiss aber nicht die pädagogisch Wertvollen Sendungen wie Galileo.
Da sehen die Kids immerhin schon mal, wie das Fließband aussieht
hinter dem sie irgendwann stehen werden.


Quote
9. Juni 2008 13:21
ey alder produziehr misch net!
monty03 (mehr als 1000 Beiträge seit 21.02.04)

isch weis wo dein haus wohnt!

Ansonsten 100% ACK und ++.

Fakt ist leider, dass sich das allgemeine Niveau immer weiter
(erschreckend) senkt.
Das ist auch an den Realschulen und Gymnasien deutlich zu spüren.

In meinem Bekanntenkreis gibt es mehr als nur ein (deutsches) Kind in
der Oberstufe, welches nicht in der Lage ist, ohne längeres Überlegen
einen einzigen fehlerfreien deutschsprachigen Satz von sich zu geben.
Aber dafür BWL in 12/2 und die Programmliste der Privatsender nebst
Spirituosenangebot beim nächsten Discounter beherrscht man
auswendig...


Quote
9. Juni 2008 13:42
Re: oder kurz:
Noel Byron, Noel Byron (mehr als 1000 Beiträge seit 23.06.00)

[...] Die Dummen leben von der Arbeit und die Schlauen
von den Dummen. Uralt aber wird immer wahrer...

Aber solls, man muss es nur (rechtzeitig) wissen.
;o)

Nur die besten Grüße,
Noel


Quote
9. Juni 2008 19:53
Re: Und was lernen wir daraus?
pk (mehr als 1000 Beiträge seit 10.10.00)

Kalle Kloeppel schrieb am 9. Juni 2008 13:10

> Unis auch für Hauptschüler öffnen, und das Lehrniveau weiter
> absenken, bis wirklich _JEDER_ _MINDESTENS_ den Hauptschulabschluss
> packt.
>
> Ich wäre z.B. für Pflichtfächer wie z.B. "TV schauen", "SMS
> schreiben" und "Unartikulierte Laute gröhlen".
> Darin ist die angesprochene Zielgruppe nämlich oftmals wirklich
> weltmeisterlich.

Und warum ist das so? Mittlerweile dürfte sich herumgesprochen haben,
dass das perverse System der Selektion nach der 4. Klasse in
Deutschland die relativ undurchlässigen Schichtgrenzen des
Bildungssystems noch mal zusätzlich mit einer Betonbarriere
verfestigt. Wer zur Hauptschule geht, ist per Definition ein
Halbidiot, wird dann Jahre lang wie ein Halbidiot behandelt und
erfährt in ausschliesslicher Umgebung anderer "Kandidaten", dass ihm
ein Leben in der Sklavenkaste der Republik bevorsteht und er sich
keine Hoffnung auf irgendetwas besseres machen sollte.

Und solchen arroganten Arschlöchern, die wie DU dann noch mal kräftig
nachtreten, sollten am Besten alle höheren Abschlüsse Aberkannt
werden, um mal zu sehen, ob die Behandlung als Bildungsabschaum
eventuell auch die eine oder andere Auswirkung auf die eigene
Verhaltensweise hat.


Mann, denkt doch mal EINMAL ein bisschen nach, bevor ihr anfangt, auf
irgendeiner anderen Gruppe in diesem System rumzutrampeln.


Quote
9. Juni 2008 13:21
Die Hälfte aller Hauptschüler findet keinen, Jeder zweite Realschüler findet...
matzescd (mehr als 1000 Beiträge seit 11.06.03)

Das ist Journalismus, wie ich ihn liebe!

Lesen wir das mal etwas genauer:

Zitate:

>Die Hälfte aller Hauptschulabgänger hat 13 Monate nach dem Verlassen
>der Schule noch keinen Ausbildungsplatz gefunden

>insbesondere junge Männer ohne Hauptschulabschluss

>Dagegen findet jeder zweite Realschüler bereits nach drei Monaten
>eine qualifizierte Ausbildung

Also wissen wir jetzt, dass "jeder zweite" Realschüler binnen 3
Monaten einen Ausbildungsplatz findet. Die anderen (wieviel Prozent
waren gleich "die Hälfte") finden in welchem Zeitraum?

Was hat plötzlich die Aussage "ohne Hauptschulabschluss" darin
verloren?

Wie schnell die anderen 50% der Hauptschüler etwas gefunden haben
steht auch nirgends...

*kopfschüttel*


Quote
9. Juni 2008 13:22
Ja und ?? (Editiert vom Verfasser am 09.06.08 um 13:53)
3G-UMTS (mehr als 1000 Beiträge seit 26.02.04)

Was wundert einen daran ? Ein Realschüler hat einfach mal eine
bessere Ausbildung und dann bekommt er/sie dann auch die besseren
Chancen. Wo ist das Problem.
Jedem steht es frei seinen Weg selbst zu finden.
Wenn es RTL, Bild und GameBoy sein müssen.... naja dann gibt es
einfach keine guten Chancen.

Im TV kam zu dem Thema mal ein passender Bericht. Es ging um die
Neueröffnung eines Hotels. Es waren 17 Mädels zu Gesprächen
eingeladen. Eine hat eine Weltkarte mit Landesgrenzen gezeigt
bekommen. Es war alles zu sehen außer die Beschriftung. Dann kam die
Frage: "Wo ist Deutschland?" Antwort: Achselzucken.
"Ok... wo ist Europa?" Antwort: Achselzucken "Weis net..."
Und jetzt der Hammer: Sie wurde genommen, da die anderen
Bewerberinnen teilweise deutlich schlechter waren. (Wer ist bei uns
Bundespräsident? Antwort: "Franz Beckenbauer" ).

Was soll man da noch sagen ??? Das waren Deutsche Kinder. Also die
Ausrede mit Migration greift auch hier nicht....

3G-UMTS


Quote
9. Juni 2008 23:26
Das "Problem" dabe ist:
Frittieroel-Porsche (268 Beiträge seit 04.10.03)

Hi,

> Ein Realschüler hat einfach mal eine bessere Ausbildung und dann bekommt
> er/sie dann auch die besseren Chancen. Wo ist das Problem.

das "Problem" dabei ist, dass sich diese Chancen nach der sechsten
oder gar vierten Klasse, zumindest von der Theorie her, für einen
Schüler endgültig entscheiden.

Und das Problem ist, dass dabei Vorurteile offenbar sehr weitgehenden
Einfluss haben. Vorurteile von Lehrern, die dem Schüler nicht mehr
Leistzugsvermögen zutrauen. Vorurteile von gewissen Volksparteien,
die den Lernerfolg ihrer "Eliten" durch "schwache Schüler"
"ausgebremst" durch "Gleichmacherei" sehen. Vorurteile von Eltern,
die sich - oft aus gutem Grund - nicht an die "Laufbahnempfehlungen"
der Schule halten.

Das Problem ist, dass das Bildungssystem eine Chancenungleichheit
nicht etwa verringert, sondern sie geradezu ausprägt. Von besagten
Vorurteilen gestützt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man bei einem Schüler der Klassen
vier bis acht nur wenig über das tatsächliche spätere
Leistungsvermögen aussagen kann.

Ich bin fest davon überzeugt, dass das Leistungsvermögen der Schüler
weit mehr von Motivation und Selbstvertrauen abhängt, dass ein Kind
gerade in diesem Alter mit seinen Aufgaben wachsen kann, sofern nur
die Umgebungsbedingungen dafür vorhanden sind.

Das Problem ist, dass ein guter Prozentsatz "Bodensatz"
offensichtlich politisch gewollt ist. Das ist dabei nicht nur
schelcht für die betroffenen Schulversager, sondern auch für die
Gesellschaft. Denn mit unqualifizierten Arbeitskräften kann ein Land
wie Deutschland kein Hi-Tech produzieren.



Quote
9. Juni 2008 13:23
Die bösen Akademiker sind schuld, das sie ihre Kinder fördern anstatt sie ...
Mardo (903 Beiträge seit 25.11.04)

vor die Glotze zu setzen.

Ich schäme mich auch sehr, daß ich als Akademiker meinen Sohn
versuche möglichst gut zu frödern.
Würde ich ihn einfach vor die Glotze setzen, würde ich etwas für die
Gerechtigkeit tun.

Quote
9. Juni 2008 13:35
Re: Die bösen Akademiker sind schuld, das sie ihre Kinder fördern anstatt sie ..
aeOne (50 Beiträge seit 19.06.07)

Du hast absolut keinen Plan. Mehr Zeit werde ich an dich nicht
verschwenden.


Quote
9. Juni 2008 13:24
Klaus erklärt Hauptschule
Lamarck (74 Beiträge seit 08.07.03)

das video von extra3 ist ne bissel überspitz, aber es leider so.

http://youtube.com/watch?v=RmiRSfKHSLk


Quote
9. Juni 2008 13:35
Es gibt auch Hauptschüler die es zu was gebracht haben!
Patrick123 (15 Beiträge seit 21.09.06)

Das viele der Hauptschüle einfach keine Lust auf Schule haben oder
andere Defizite besitzen möchte ich garnicht abstreiten.
Aber es gibt auch viele die es bis zum Studium schaffen.
Ich hab nach meiner Hauptschule erstmal Metaller gelernt und danach
wieder die Schule besucht.
Jetzt bin ich Elektroniker und SPS-Techniker.
Was ich aber in meiner Ausbildung feststellen konnte, ist das viele
Realschüler und Gymnasiasten dumm und faul sind. Eigendlich genau das
was den Hauptschülern vorgeworfen wird.
Solche Personen gibt es in jeder Bildungsschicht. Nicht nur in den
Hauptschulen.


Quote
9. Juni 2008 13:48
Endlich greift die Selektion mal langsam.. (Editiert vom Verfasser am 09.06.08 um 13:53)
Verschoben, ct5l@gmx.de (505 Beiträge seit 30.07.03)

Wenn ich mir angucke, wie verbreitet mittlerweile Dummheit,
Lernunfähigkeit und asoziales Verhalten in Deutschland ist, freue ich
mich dann doch ein bisschen, dass die Söhne und Töchter der dummen
Bevölkerungsschicht langsam das Problem bekommen, dass sie keinen Job
kriegen.

Auch wenn sie gar nichts dafür können, dass sie von ihren Eltern
vernachlässigt und zu Deutschland-sucht-den-Superstar- und
BigBrother-Guckern wurden und jetzt jeden Morgen auf dem Weg zum
Bierholen BILD-Zeitung lesen.

Wenn dann noch die Sozialhilfe oder wie sich das momentan auch
schimpfen mag gekürzt bzw. zeitlich beschränkt wird, wird vielleicht
sogar dem dümmsten BILD-Leser und Stammtischler klar, dass man eben
DOCH etwas lesen und lernen muss, um hier zu überleben.

Aber staatsführtechnisch gesehen sollte man dem schleunigst
entgegenwirken und die Dummheit wie bisher immer weiter fördern -
schliesslich lässt sich dummes Volk wesentlich einfacher
kontrollieren als selbständig denkendes.

Wir hatten mal eine Stelle ausgeschrieben, was da teilweise für eine
SCHEISSE als Bewerbung kam ist echt unglaublich.

[...]

Quote
9. Juni 2008 14:05
Re: Endlich greift die Selektion mal langsam..
Karsten14478 (mehr als 1000 Beiträge seit 10.12.01)

Das schlimme ist doch nicht das die Kinder aus bildungsfernen
Schichten stammen, sondern das sie den Schulen nix beigebracht
bekommen, das es dort hinten und vorne klemmt. Ich höre da immer
Gruselgeschichten von Erstklässlern die weder die Mappe gepackt
bekommen noch was zu Essen mitbekommen. Da braucht man die Schuld
nicht bei den Kleinen zu suchen: wer _SO_ gross wird der hat NIE eine
Chance was zu Lernen gehabt.



Quote
9. Juni 2008 14:17
Re: Huch, wieso freust du dich da?
SoL2000 (22 Beiträge seit 14.05.08)

Warum sollte etwas dagegen getan werden, dass faule und
lernresistente Jugendliche, die "Kein Bock" auf nen Abschluss haben,
keinen Job kriegen?

Jedem das, was er verdient...

Quote
9. Juni 2008 14:26
Re: Huch, wieso freust du dich da?
Noel Byron, Noel Byron (mehr als 1000 Beiträge seit 23.06.00)

SoL2000 schrieb am 9. Juni 2008 14:17

> Warum sollte etwas dagegen getan werden, dass faule und
> lernresistente Jugendliche, die "Kein Bock" auf nen Abschluss haben,
> keinen Job kriegen?
>
> Jedem das, was er verdient...

Das Problem ist halt, dass man die dann zum Einen verhalten
muss und zum Anderen baut sich damit jede Menge sozialer
Sprengstoff auf. Der kann sich durch Kriminalität bemerkbar
machen oder durch politische Radikalisierung. Das kann dann
alles auch plötzlich Dich betreffen.

Nur die besten Grüße,
Noel

Quote
9. Juni 2008 15:18
Re: Huch, wieso freust du dich da?
EulenNachAthen (mehr als 1000 Beiträge seit 16.03.06)

Noel Byron schrieb am 9. Juni 2008 14:26

> Das Problem ist halt, dass man die dann zum Einen verhalten
> muss und zum Anderen baut sich damit jede Menge sozialer
> Sprengstoff auf. Der kann sich durch Kriminalität bemerkbar
> machen oder durch politische Radikalisierung. Das kann dann
> alles auch plötzlich Dich betreffen.

Deshalb wurde die beste Droge erfunden, seit die Religion nicht mehr
so gut zieht wie im Mittelalter: Das Fernsehen.

Geh mal in ein beliebiges Gefängnis. Dort wird man Dir sicher
bestätigen, dass die Ausbruchsversuche/Umtriebe seit Einführung des
Fernsehens abgenommen haben.

Opium fürs Volk und so.


Quote
9. Juni 2008 18:11
Re: Huch, wieso freust du dich da?
Niederrheinischer Patriarch (mehr als 1000 Beiträge seit 30.08.06)

Noel Byron schrieb am 9. Juni 2008 14:26

> Das Problem ist halt, dass man die dann zum Einen verhalten
> muss und zum Anderen baut sich damit jede Menge sozialer
> Sprengstoff auf. Der kann sich durch Kriminalität bemerkbar
> machen oder durch politische Radikalisierung. Das kann dann
> alles auch plötzlich Dich betreffen.

An diesem Problem wird ja gearbeitet. Früher hat man solche Leute in
Kolonien geschickt. Wir fangen ja jetzt an (auch wenn wir noch am
Anfang stehen), den Weltraum zu kolonialisieren. In 100 Jahren
schießen wir solche Leute also einfach auf den Mond.




Quote
9. Juni 2008 13:40
Kein Wunder.
ichwersonst (mehr als 1000 Beiträge seit 24.04.02)

Wir schauen bei den Einstellungen nicht wirklich danach, aus welcher
Schule das Zeugniss stammt. Wir schauen sogar nur mit einem halben
Auge auf die Noten, wie haben auch attraktive Jobs zu vergeben
(Werbekaufleute), aber was da an Gesocks, an indiskutabelen Volk, an
gelangweilten "Yos" und Checkern auftaucht ist unerträglich - selbst
bei Realschülern setzt das zusehends ein, aber die Hauptschüler sind
durchweg nicht zu gebrauchen.



Quote
9. Juni 2008 13:37
Gibt es hier auch mal 'nen "normalen" Kommentar?
so_ist_es (135 Beiträge seit 26.08.05)

In dem Artikel steht _nicht_, dass das Niveau an der Hauptschule zu
hoch sei, sondern dass allgemein Hauptschueler schlechte Chancen auf
dem Arbeitsmarkt haben und soziale oder ethnische Herkunft stark mit
den Erfolgsaussichten korrelieren. Ausserdem steht dort, dass
nachtraegliche Weiterbildung im Anschluss an den Hauptschulabschluss
vermutlich ineffizienter ist als bessere Foerderung waehrend oder vor
der Schulpflicht.

Ich verstehe nicht, warum hier alle auf der Hauptschule herumhacken.
Das Niveau dort ist niedrig, aber nicht, weil die Schueler per se
ueberhaupt keine Lust auf nix haben (gibt es auch), sondern auch,
weil viele von Ihnen instinktiv wissen, dass sie eh (fast) keine
Chance haben. Ich finde die Tendenz in Deutschland auf andere
herabzublicken und haemisch zu denken "schauen wir mal wie weit
der/die damit kommt" unertraeglich. Das sind in der Regel Schwaechere
(nicht koerperlich gemeint;) ), und deswegen gilt es eher zu stuetzen
als zu unterdruecken.


Quote
9. Juni 2008 13:43
Re: Kein Wunder.
Passat35i (29 Beiträge seit 16.05.08)

Aber, aber...

Ist doch überall im Fernsehen zu sehen, wie man mit Coolness alleine
die dicksten Schlitten, die geilsten Weiber und die größten Villas
bekommt.

Wozu dann noch Schule?

Und notfalls tut's doch H4.

Yo man!


Quote
9. Juni 2008 13:59
Re: Kein Wunder.
wursti (197 Beiträge seit 21.06.05)
[...] Es gibt aber auch Ausnahmen. So gibt es auch Hauptschüler die den
Sprung geschafft haben. Erst den erweitereten Sekundarabschluss II
erreicht und danach ABI gemacht.
Was dieses Yo und Checker Volk betrifft: Leider gibt es auch viele
solcher Leute an Gymnasien. Man sieht also dass das Nivea runter
geht.

Quote
9. Juni 2008 13:49
Kinder sollen immer mehr lernen und das ich kürzerer Zeit
T.Netz, Thomas Netz, t.netz@immo-exchange.net (5 Beiträge seit 05.06.08)

Das will die Industrie.

Aber, wie soll das gehen? Die Technik entwickelt sich permanent
weiter und viele Kinder kommen schon mit 14-16 Jahren damit nicht
mehr klar und deshalb flüchten sie sich in "Jobs" wie
Soap-Darsteller, Modell, Casting Star oder IWMM (Irgend was mit
Medien).

Kinder, die sich Mühe geben, in Mathe mitzukommen, auch mit Brüchen,
Wurzeln rechnen zu können, die auch mal eine Rotation mit dem Zirkel
und Geo-Dreieck hinbekommen, werden gehänselt und für dumm, d.h.
nicht-gesellschaftstauglich angesehen. Warum fehlen heute Fachkräfte
in allen natur-technischen oder wisseschaftlichen Berufen?

1. Weil in den '90-ern an den Unis und Bildungsetats massiv
gestrichen worden ist. Ohne gute Lerner gibt es nur "Superstars"!
2. Weil die Eltern nur damit beschäftigt sind, die Brut mit den
neusten Gadgets zu versorgen, aber im nicht mehr vorlesen, mit denen
nicht mehr die Hausaufgaben machen oder sonst wie sich noch um diese
kümmert. Es sein denn, man entdeckt, die können singen.

Aber da hört es schon auf - welcher dieser "Super Stars" kann noch
ein Instrument spielen? Ein einziges?

Es gibt nur eine Lösung - eine Reform:

1. auf 12 Kinder ein Lehrer.
2. Haupt- und Realschule ganz abschaffen.
3. die Eltern der Kindern die schwänzen wandern hinter gitter, für
jeden Tag
4. Lernzeit verlängern - Studiengänge dürfen auch verknüpfen werden
5. ein Grundeinkommen für Studierende und Einkommenssteuerfreiheit -
je schneller du bist, desto mehr Kohle kannst du machen
6. Firmen, welche in der EU tätig sein möchten (auch die
chinesischen) müssen 10% ihres Gewinns in Bildung und Forschulg in
der EU(!) stecken.

Es gibt noch viele Ideen, aber die werden scheitern. Warum? Weil der
Staat keine gebildeten Menschen brauchen kann. Sie denken. Denken des
Volkes ist Gift für die Politik, denn dann kann man die Menschen mit
2-3 Reden 2 Tage vor den Wahlen beeinflussen.


Quote
9. Juni 2008 13:52
Aus dem Nähkästchen eines Zivis im soz. Brennpunkt
P.Barin (449 Beiträge seit 10.10.07)

Damals (!) ergab es sich, dass ein 9jähriges Mädchen echt was *aufm
Kasten* hatte. Es kam der Zeitpunkt zu wählen, welche Schule besucht
werden sollte. OTon Mama: die braucht kein Gümnassium oder
Realeschule - die heiratet ja später !"

Wenn die Eltern schon Assi sind, was soll aus den Kindern werden ?

Heute seh ich *dasselbe* schon im KiGa meiner Tochter: Es gibt solche
und solche Eltern. Kommt die Mami im Trainingsanzug, Kippe im Maul
und der Sohnemann hat nen *ganz trendy Namen*  ist alles klar !
SORRY, IST ABER SO. Das sind dann auch die Jungens, die sich immer
schlagen, nicht hören oder sonstwie auffallen unhd alle 2 Tage bei
der KiGa-Leiterin sitzen ! DAS gabs zu meiner zeit nicht, im Kiga zum
Direktor ist schon grass, oder? Aber was erwarte ich denn auch von
Menschen, die mit 19 Jahren schon das 3. Balg auf die Welt bringen,
die anderen 2 schon Mangelerscheinungen habe etc .....


Quote
9. Juni 2008 13:56
Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
arnix (348 Beiträge seit 23.12.01)

Wer sich schulische Versager einmal anschaut und sieht die Eltern
dazu, dem wird schnell vieles klar.

Es sind nicht die Schüler die dumm sind, sondern es sind oft die
Eltern die pädagogisch gesehen völlige Versager sind. Wirklich dumme
Kinder (mal abgesehen von den Fällen wo es durch Krankheiten
begründet ist) gibt es nicht.

Wer soll den Schülern denn noch irgendwelche Werte und
Zukunftsperspektiven vermitteln wenn es nicht die Eltern sind? Aber
die sind teilweise so unterbelichtet und mit ihren Kindern
hoffnungslos überfordert, dass es schon eine Schande ist das solche
Menschen überhaupt Kinder haben.

Ja, und sicherlich ist Özgür, der kaum ein Wort Deutsch kann, eher
kein Kandidat der deutlich über das Hauptschullevel hinauskommen
wird. Aber ist das die Schuld von Özgür? Was kann er dafür wenn seine
Eltern ihr Leben wie "Klein Türkei in Deutschland" leben und das
Interesse einer Migration eher wenig bis gar nicht vorhanden ist.

Quote
9. Juni 2008 14:04
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
Wolfgang Nohl, Wolfgang Nohl (mehr als 1000 Beiträge seit 12.05.03)

arnix schrieb am 9. Juni 2008 13:56

> Ja, und sicherlich ist Özgür, der kaum ein Wort Deutsch kann, eher
> kein Kandidat der deutlich über das Hauptschullevel hinauskommen
> wird. Aber ist das die Schuld von Özgür? Was kann er dafür wenn seine
> Eltern ihr Leben wie "Klein Türkei in Deutschland" leben und das
> Interesse einer Migration eher wenig bis gar nicht vorhanden ist.

Hast du die News überhaupt bis zum Schluß gelesen?
In der News steht:
[Zitat]
Die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem habe sich weiter
vergrößert. Das zeige sich, wenn man Kinder gleichen
Intelligenzstandes aus Unterschichtenfamilien mit denen aus
Akademikerfamilien vergleiche.
[/Zitat]

Den Inhalt dieser beiden einfachen Sätze versteht bestimmt auch
"Özgür".
Du scheinst damit jedoch Probleme zu haben.

mfg Wolfgang Nohl

Quote
9. Juni 2008 14:29
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
arnix (349 Beiträge seit 23.12.01)

Emigrantenfamilien sind nicht zwangsläufig Familien der Unterschicht.
Du hast anscheinend grundlegendes nicht verstanden, von der News
einmal gar nicht zu reden.

Wolfgang Nohl schrieb am 9. Juni 2008 14:04
[wirres Zeugs]

[...]

Quote
9. Juni 2008 15:23
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
Attoparsec (mehr als 1000 Beiträge seit 12.11.03)

DasItsch schrieb am 9. Juni 2008 14:48

>
> Na? Wer findet den Fehler?

Der Fehler sind die Lehrer, die ausländische und nicht-kaukasische
Kinder bewusst/unbewusst in die Hauptschule abschieben, unabhängig
vom IQ der Kinder.

Quote
9. Juni 2008 15:26
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
Mettwurscht (mehr als 1000 Beiträge seit 10.05.01)

> Der Fehler sind die Lehrer, die ausländische und nicht-kaukasische
> Kinder bewusst/unbewusst in die Hauptschule abschieben, unabhängig
> vom IQ der Kinder.

Nur mal so am Rande: Der IQ sagt insgesamt recht wenig aus.

Gute Nacht

Quote
9. Juni 2008 16:53
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
moemar (mehr als 1000 Beiträge seit 03.02.04)

Jaja, die Menschen aus dem Kaukasus.



Quote
9. Juni 2008 18:03
Re: Schuld daran sind die (Özgürs) Eltern
Niederrheinischer Patriarch (mehr als 1000 Beiträge seit 30.08.06)

Wolfgang Nohl schrieb am 9. Juni 2008 14:04

> arnix schrieb am 9. Juni 2008 13:56
>
> > Ja, und sicherlich ist Özgür, der kaum ein Wort Deutsch kann, eher
> > kein Kandidat der deutlich über das Hauptschullevel hinauskommen
> > wird. Aber ist das die Schuld von Özgür? Was kann er dafür wenn seine
> > Eltern ihr Leben wie "Klein Türkei in Deutschland" leben und das
> > Interesse einer Migration eher wenig bis gar nicht vorhanden ist.
>
> Hast du die News überhaupt bis zum Schluß gelesen?
> In der News steht:
> [Zitat]
> Die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem habe sich weiter
> vergrößert. Das zeige sich, wenn man Kinder gleichen
> Intelligenzstandes aus Unterschichtenfamilien mit denen aus
> Akademikerfamilien vergleiche.
> [/Zitat]

Die Ursache der Chancenungleichheit liegt bei den Eltern. Da sich die
Unterschicht von ihrer Einstellung und Leistungsbereitschaft immer
stärker von der Mittel- und Oberschicht unterscheidet, bestätigt Dein
Zitat seine Aussage.








Quote
9. Juni 2008 14:18
Migrantenkinder in die Hauptschule - Geschichten aus dem Leben
OzzyBC42 (6 Beiträge seit 12.12.07)

Der Geschichten Teil 1:

Eine gute Bekannte von mir hat einen sehr aufgeweckten 3 Jährigen
Sohn. Die Familie selbst würde ich auch nicht umbedingt als
"Migrantenfamilie" bezeichnen, da Sie auch schon seit 2-3
Generationen hier in Deutschland leben. Die Eltern sind übrigens
beide Akademiker.

Letztens war ich die Familie mal wieder besuchen( haben ein sehr
hübsches, grosses Einfamilienhaus übrigens ) und habe dabei auch eine
Nachbarin, die, wie mir später gesagt wurde, Grundschullehrerin ist,
kennengelernt. Nach einem kurzem Gespräch über das Wetter sind wir
dann zu dem Satz gekommen, den ich wahrscheinlich mein Leben lang
nicht vergessen werde :

" ... da sind Sie doch bestimmt Froh, wenn der Kleine auch endlich in
die Hauptschule gehen kann."

JA, NATÜRLICH! DER TRAUM EINER JEDEN MUTTER!

Wie gesagt, der Kleine ist drei geworden und alles andere als
Auffällig, weder vom Verhalten noch vom Aussehen, bis auf die
schwarzen Haare und braunen Augen ...

Der Geschichten Teil 2:

Ein anderer Bekannter aus Ungarn hat seinen Namen ändern lassen. Der
Vater seiner Freundin, seines Zeichens zuständig für Human Resources
bei einem großen Pharmakonzern, hatte Ihm gesagt, daß er mit seinem
alten Namen höchstens als Putzhilfe in Erwägung gezogen werden
könnte. Er selbst ist auch Akademiker übrigens. Hat
Amerikawissenschaften in B. studiert.

Teil 3:

Als ich ABI gemacht habe, hat mein Geschichte-LK Lehrer in unserem
Dorf Gymnasium uns erklärt wie glücklich wir uns schätzen dürfen, daß
es bei uns nicht so viele türkische Mitschüler ( einer um genau zu
sein, ich ) wie in Schulen der nächst gelegenen Großstadt gibt. Schon
alleine wegen dem Niveau ...
war aber nett von Ihm, daß er während der Ansprache so getan hat als
wäre ich nicht anwesend.
Die Mitschüler haben sich übrigens rechts schnell an mich gewöhnt,
einige wenige Lehrer leider nie.

Ich selbst habe übrigens ein Diplom in Informatik und ich weiß ganz
genau, daß ich diesen Umstand nur der Tatsache zu verdanken habe, daß
sich meine Eltern geweigert haben mich wie empfohlen in die
Hauptschule einzuschreiben, sondern stattdessen zur Realschule
geschickt haben und ich mir mit Zeugnis + Qualifikation aussuchen
konnte wo ich weiter mache.

Nein, ich hatte nie Probleme mit meine schulischen Leistungen, nur
mit einigen "Pädagogen" und deren "Humor": "Unsere ausländischen
Mitbürger können sich nun auch Medizin leisten seitdem es Aldi im
Angebot hat."

Und nein, ich will nicht sagen, daß alle diese Personen "typisch
deutsch und typisch rassistisch" sind, aber das die Vorurteile bei
einigen Menschen so tief im Kopf sind, das Sie es selbst mehr merken,
wann sie einfach mal die Fresse halten sollten.

*FRESSE HALT*


// -------

Quote
[...] ARBEITSMARKT - Jung, gut und unerwünscht

Hochqualifizierte türkischstämmige Akademiker wandern aus, weil sie sich in Deutschland missachtet fühlen - in anderen Ländern werden die Talente umworben.

[...] Für das Bewerbungsgespräch bei einer großen Möbelfirma in der Nähe von Mönchengladbach hatte sich Oguz-Han Yavuz ordentlich in Schale geworfen: feiner Anzug, weißes Hemd, silberfarbene Krawatte. Als dem Betriebswirt der Bus vor der Nase wegfuhr, beschloss er, ein Stück zu Fuß zu gehen. Doch er kam nicht weit.

[...] "Was lungern Sie hier herum?", sagt Yavuz, habe ihn ein Polizist angeherrscht, der seinen Streifenwagen neben ihm zum Stehen gebracht hatte. Obwohl Yavuz keineswegs wie ein Stadtstreicher aussah, bestand der Beamte darauf, dessen Personalien zu überprüfen. Nachdem er seinen Ausweis zurückbekommen hatte, sagte Yavuz "Tschüs". Der Polizist sagte nichts.

Das war der Moment, so erzählt es Yavuz, 30, in dem er genug hatte. Genug von diesem Land, genauer gesagt: genug davon, in diesem Land Türke zu sein. Er ist in Neuss geboren und besitzt seit 13 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Aber er hat eine dunklere Haut als die meisten Deutschen. Deshalb wird er beim Einkaufen oder in der Bank immer wieder gefragt: "Verstehen Sie Deutsch?"

Der Betriebswirt will nun das Land, in dem er geboren wurde und aufgewachsen ist, verlassen. Er plant, in die Türkei auszuwandern. Sein älterer Bruder ist Pilot bei der Fluglinie Emirates und wohnt in Dubai. "Aber ich würde auch nach China gehen", sagt Yavuz. "Ob ich am Ende in Deutschland oder im Ausland Ausländer bin, spielt keine große Rolle."

Yavuz ist Teil einer Bewegung, die türkischstämmige Akademiker in Deutschland erfasst hat. Viele der klügsten Köpfe der rund 2,7 Millionen Menschen starken türkischen Community werden, wie einst ihre Eltern, zu Migranten - allerdings in entgegengesetzter Richtung: Sie kehren Deutschland den Rücken, weil sie sich hier unerwünscht fühlen und anderswo bessere Chancen sehen. Aus Kindern von Einwanderern werden Auswanderer.

Migration sei "wie ein Barometer für den Standort Deutschland", sagt der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU): "Attraktive Länder haben Einwanderer, weniger attraktive haben Auswanderer."

[...] Ein Betriebswirt aus Düsseldorf sah sich unlängst in New York nach Jobs um. "Nach einer Woche", erzählt er, "fühlte ich mich wie ein Amerikaner." In Deutschland fühlt er sich auch nach 26 Jahren nicht ganz heimisch. Hier suchte er auch, obwohl er sein Diplom mit 1,0 machte, wesentlich länger nach einem Job als deutsche Kommilitonen - die deutlich schlechtere Noten hatten.

Eine Erfahrung, die alle türkischstämmigen Akademiker verbindet - irgendwann fordern Deutsche sie mehr oder weniger unfreundlich auf: Geh doch wieder dahin, wo du herkommst.

Dilsad Budak, 27, die mit anderthalb Jahren aus Istanbul nach Deutschland kam, antwortet dann manchmal pampig: "Nein, ich hole alle meine Verwandten aus der Türkei hierher und bekomme noch dazu zehn Kinder."

Im vergangenen Jahr arbeitete die Rechtsreferendarin aus Düsseldorf vier Monate in einer Anwaltskanzlei in Istanbul. Sie bekam sofort mehrere gute Jobangebote. "In der Türkei wird deine Bikulturalität geschätzt", sagt sie.

[...]

Von Michael Sontheimer (19. Mai 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,554163,00.html




// -------

Quote
9. Juni 2008 18:43
An alle, die hier schreiben, die Kinder seien selbst schuld (Editiert vom Verfasser am 09.06.08 um 18:44)
vollbio (610 Beiträge seit 20.02.07)

Als ich mich ein paar Jahre in der Schweiz rumgetrieben habe, ist mir
aufgefallen, dass die Eidgenossen über die Gnadenlosigkeit, mit der
man in Deutschland miteinander umgeht, die Nase gerümpft haben.
Dieses Forum bestätigt diesen Eindruck mal wieder.

Hauptschüler sind Kinder oder pubertierende Jugendliche. Es ist
schlichtweg unmöglich, von diesen jungen Menschen so etwas wie
"Eigenverantwortung" zu verlangen. Sie sind keine gereiften, sondern
schwache Persönlichkeiten.

Verschlimmert wird das Ganze dadurch, dass sie schon mit 10, 11
Jahren von ihren Altersgenossen, mit denen sie vier Jahre auf der
Grundschule verbracht haben, immer wieder aufs Brot geschmiert
bekommen, dass sie Versager sind. Bei vielen wird es dadurch
verschlimmert, dass die familiären Verhältnisse nicht in Ordnung
sind, dass ihre Eltern unfähig sind oder dass niemand ihnen die
Sprache dieses Landes ordentlich beigebracht hat.

Es tut mir leid, aber Gefasel wie "Man muss nur wollen" ist völliger
Bullshit. Selbstverständlich sind diese Kinder NICHT schuld daran,
dass sie so drauf sind, wie sie es sind.

Ich warte noch darauf, dass die Eigenverantwortungs-Fraktion "selbst
schuld!!1" ruft, wenn ein 5jähriges Kind sich eine bestimmte
Infektionskrankheit holt, schließlich hätte es wissen müssen, dass es
sich hätte impfen lassen sollen.

Quote
9. Juni 2008 18:46
Als ob das in der Schweiz anders sei ..
DrNihil (278 Beiträge seit 03.03.08)

Überall der gleiche Schmonz ...

Man kann nicht alle retten .. es ist nunmal so, dass Menschen nicht
gleich-leistungs-fähig sind .. und es ist auch so, dass nicht alle
Menschen die gleichen Chancen haben (können).

Wir können das nun zur gemeinsamen Beruhigung unseres Gewissens alles
total schrecklich finden und heimlich froh drum sein, dass es uns
nicht selbst betrifft.

Quote
9. Juni 2008 20:20
Aufs Maul
D'Spayre (mehr als 1000 Beiträge seit 13.01.02)

DrNihil schrieb am 9. Juni 2008 19:29

> 5. kann ich Sozial-Heuchler nicht ausstehen

[...] Ich mag Leute wie dich, die auf Solidarität und Zusammenhalt
verzichten. :-)


Quote
9. Juni 2008 19:04
Re: An alle, die hier schreiben, die Kinder seien selbst schuld
Norman Railer (mehr als 1000 Beiträge seit 17.01.00)

vollbio schrieb am 9. Juni 2008 18:43

> Es tut mir leid, aber Gefasel wie "Man muss nur wollen" ist völliger
> Bullshit. Selbstverständlich sind diese Kinder NICHT schuld daran,
> dass sie so drauf sind, wie sie es sind.

Bei einem 5-Jährigen: Ja.
Bei einem 19-Jährigen: Nein.

Wenn man jemandem das Wahlrecht, Führerschein, die Berechtigung
Verträge bis hin zur Eher zu schließen und Strafmündigkeit zugesteht,
dann muß man ihm auch die Verantwortlichkeit für seine eigene Bildung
zugestehen und anlasten.
Soweit d'accord?

In der Entwicklung zwischen Kind und Erwachsenem muß sich die
Entscheidungsfähigkeit und die Verantwortung für das eigene Leben
entwickeln, die wird nicht mit dem 18. Geburtstag per Urkunde
ausgeteilt. Entsprechend wird bei anderen Altersgrenzen schon
Entscheidungsfähigkeit zugestanden: Religionswahl, Fächerwahl,
eigenes Sexualleben. Abgesehen von den rechtlichen Grenzen gibt es
auch anderes, was Heranwachsenden von den Eltern schrittweise
zugestanden wird, z.B. alleine aus dem Haus zu gehen oder über
eigenes Geld zu verfügen.

Ab irgend einem Punkt muß jeder Verantwortung für das eigene Leben
übernehmen.
Du kannst jetzt diskutieren, ob die Altersgrenzen zu niedrig gesetzt
wurden und Jugendliche "eine härtere Hand brauchen"; aber sobald sie
selbst entscheiden, müssen sie auch die Konsequenzen tragen.


Quote
9. Juni 2008 19:29
Re: An alle, die hier schreiben, die Kinder seien selbst schuld
Norman Railer (mehr als 1000 Beiträge seit 17.01.00)

vollbio schrieb am 9. Juni 2008 19:17

> Norman Railer schrieb am 9. Juni 2008 19:04
>
>> vollbio schrieb am 9. Juni 2008 18:43
>>
>>> Es tut mir leid, aber Gefasel wie "Man muss nur wollen" ist völliger
>>> Bullshit. Selbstverständlich sind diese Kinder NICHT schuld daran,
>>> dass sie so drauf sind, wie sie es sind.

>> Ab irgend einem Punkt muß jeder Verantwortung für das eigene Leben
>> übernehmen.
>
> Ich finde es dagegen nur recht und billig, dass 15-17jährige
> Hauptschulabgänger, die aufgrund von Pflichtverletzungen von Eltern,
> Schulen und Behörden in eine perspektivlose Lage geraden sind, dafür
> eine Art Schadensersatz verlangen können.

Kann man so sehen.
Allerdings mußt du dann Eltern, Schulen und Behörden auch Mittel
zugestehen, die Kinder zuvor zum erwünschten Verhalten zu zwingen.

Entweder du hältst sie für unmündig und nicht verantwortlich für ihr
eigenes Handeln - dann mußt du aber auch Zwangsmaßnahmen zulassen, ja
fordern.

Oder du läßt den 16-jährigen, rauchenden, obercoolen Schuleschwänzer
mit Jugendstrafe und x-ter "bitch" verantwortlich für sein Handeln
sein und die Folgen selbst tragen.

Ich bin von keiner der beiden Möglichkeiten zur Gänze angetan, aber
gegen Wischiwaschi in den Konsequenzen. Wer nicht selbst entscheiden
darf, ist nicht verantwortlich; wer aber selbst entscheiden darf, der
ist auch selbst verantwortlich.

> > Du kannst jetzt diskutieren, ob die Altersgrenzen zu niedrig gesetzt
> > wurden und Jugendliche "eine härtere Hand brauchen";
>
> Ich glaube eher, dass die Erwachsenen, die bei der Erziehung bzw.
> schulischen Ausbildung dieser Kinder versagt haben, eine härtere Hand
> brauchen.

Du meinst, statt einfach Geld pro existierendes Kind zu bekommen?
Welch schockierende Idee.




Quote
9. Juni 2008 20:48
In der Natur
DrNihil (290 Beiträge seit 03.03.08)

hat es noch keine Spezies nur deshalb zu etwas gebracht, weil man mit
ihr besonders viel gekuschelt hat - oder der Säbelzahntiger sagte
"och dü büschd mer abbär ei niddelischer - disch fressch mär heide
nüsch" ..

Gestern war ich in einem botanischen Garten - da liefen auch ein paar
Küken samt Mama umher (Spezies habe ich noch nicht recherchiert) ..
als die Mama uns entdeckte lief sie samt Bälger in ein Gesträuch.
Eines ihrer Zöglinge - wohl ein Hauptschülerküken - war gerade auf
einem SIDO-Konzert und bemerkte - vollgedrönt vom Gras - unser Kommen
nicht.

Was glaubt ihr? Hat die Mamma das fehlende AGRO-Küken abgeholt? Es
laut zu sich gerufen? Oder hatte es einfach Glück, dass nur ich es
war - und nicht die Säbelzahnwirklichkeit ?

Man sollte nicht an der falschen Stelle anfangen von der Natur
wegzuschauen

Gruß

Quote
9. Juni 2008 23:58
Re: In der Natur
moemar (mehr als 1000 Beiträge seit 03.02.04)

Du kannst dir sicher sein, das meine Nachfahren deine Nachfahren aus
dem Gene- und Memepool entfernen.

Viel Spass weiterhin auf diesem Planeten :D


Quote
10. Juni 2008 07:46
Re: In der Natur
ZOMTEC (mehr als 1000 Beiträge seit 12.09.01)

DrNihil schrieb am 9. Juni 2008 20:48

[...] Sozialdarwinismus?

> Man sollte nicht an der falschen Stelle anfangen von der Natur
> wegzuschauen

Ok. Lass uns treffen und dem biologischen Darwinismus zu seinem Recht
verhelfen. Ist dann Dein Pech, wenn ich dabei der Säbelzahntiger bin
und Du das Küken, das dann aus dem Genpool entfernt wird, oder? Ich
schwanke noch, ob Du mehr dumm oder mehr primitiv gestrickt bist.

MfG

ZOMTEC

Quote
10. Juni 2008 10:00
Re: In der Natur
Der_Irre_Polterer (mehr als 1000 Beiträge seit 23.02.04)

ZOMTEC schrieb am 10. Juni 2008 07:46

[...]
> Ich schwanke noch, ob Du mehr dumm oder mehr primitiv gestrickt bist.

Weder noch: Er propagiert knallhart eine rechte Agenda.








Quote
9. Juni 2008 21:45
Endlich. Das heiseforum ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
FrogmasterL (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

Kein Gerede mehr von Chancengleichheit, statt dessen werden bewährte
Vorurteile ('selber schuld','faules Pack','die Jugend von heute')
propagiert und bejubelt.
Vergleicht man die Beiträge hier mit denen, die bei allem, was mit
der Fachkräftemangel zu tun hat, ist schon ein gewisses Gefälle in
den Ansichten zu
erkennen, und das ist auch nicht verwunderlich:

Die Arbeitswelt kennt hier fast jeder, die Hauptschulwelt kaum
jemand(mich eingeschlossen). Ich finde dieses Gebashe erschreckend.
Das heisst nicht, dass ich nachts jubelnd durch Rothenburgsort laufe
und alle Jugendlichen umarme, aber diese Menschen wird schon in
jungen Jahren eingeimpft, dass sie den Bodensatz der Gesellschaft
darstellen, wen verwundert dann die Gewalt und das ewige
'Digger'-Gerede?


Quote
10. Juni 2008 09:32
Das Bildungssystem liegt darnieder! (Editiert vom Verfasser am 10.06.08 um 09:33)
croorg (619 Beiträge seit 28.05.06)

Es ist ja nicht verwunderlich, dass Hauptschüler heutzutage zu nichts
mehr zu gebrauchen sind. Allerdings liegt die Schuld daran nicht bei
den Jugendlichen, und nicht nur bei den Eltern, sondern vorallem auch
am Bildungssystem. Wir brauchen ein Bildungssystem das die Leute
motiviert und ausbildet, und nicht demotiviert und aussortiert. Wenn
das Bildungssystem nicht schon bei den Eltern versagt hätte, wäre die
Ausgangssituation der Jugendlichen auch besser gewesen, usw.. Das ist
ein Teufelskreis der dringend gestoppt werden müsste. Schon heute
steht das Funktionieren der Demokratie auf der Kippe, weil großen
Teilen des Volkes die Bildung fehlt ...




Aus: "Nur wenige Hauptschüler finden einen Ausbildungsplatz" (09.06.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Nur-wenige-Hauptschueler-finden-einen-Ausbildungsplatz--/meldung/109188


« Last Edit: Juni 18, 2008, 10:58:51 vorm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[In Deutschland studieren... (Notiz)]
« Reply #32 on: Juni 18, 2008, 11:14:04 vorm. »
Quote
[...] 94 Prozent der Abiturienten, deren Eltern Akademiker sind, nehmen ein Studium auf. Bei den Arbeiterkindern sind es nur 50 Prozent. Die Schere ist in den vergangenen Jahren noch weiter auseinander gegangen. Wie diese Zahlen aus der Sozialerhebung des Studentenwerkes zeigen, ist die Aufnahme eines Studiums »komplett unabhängig von der schulischen Leistung«, sagt Bildungsforscher Andrä Wolter. Akademikerkinder mit mäßigen Noten studieren häufiger als die Arbeiterkinder mit guten Zensuren. »Wenn aber nicht Qualifikation ausschlaggebend ist, sondern Herkunft, widerspricht das dem Selbstbild unserer Leistungsgesellschaft«, sagt Wolter.

[...] »Studienfinanzierung« und »Erwerbstätigkeit« sind für Bildungsaufsteiger die größten Probleme im Studium. Das geht aus dem Studierendensurvey hervor, in dem Konstanzer Soziologen regelmäßig Studenten befragen. Aktuelle Reformen könnten diese Probleme noch verschärfen. Sieben Bundesländer erheben mittlerweile Studiengebühren. Das könnte diejenigen, für die die Finanzierung eines Studiums ohnehin ein Problem ist, zusätzlich davon abschrecken.

Erste Zahlen aus Baden-Württemberg, die Ende Mai bekannt wurden, scheinen das zu bestätigen. Dort sank in den zwei Jahren vor der Gebühreneinführung im Frühjahr 2007 die Übergangsquote von Nichtakademikerkindern nach dem Abitur von 62 auf 50 Prozent.

[...] Ein von der Landesregierung eingesetzter Gebührenbeirat aus Hochschul- und Studentenvertretern stellte fest, dass die soziale Selektion »durch die unmittelbar bevorstehende Einführung von Studiengebühren verstärkt worden ist«. Hinzu kommt, dass Bachelorstudenten deutlich weniger Zeit als die Magistervorgänger haben, sich neben der Uni ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Über diese Reformen ist viel gestritten geworden. Weit weniger beachtet wurde eine dritte Reform, der Kritiker ebenfalls soziale Sprengkraft zuschreiben. In Numerus-clausus- Studienfächern können Universitäten nun bis zu 60 Prozent der Studienplätze auch nach Auswahlgesprächen vergeben. Wenn Professoren nach solchen Gesprächen entscheiden, könnten sie unbewusst die Bewerber bevorzugen, die aus dem gleichen Milieu stammen wie sie selbst. Studienbewerber mit nichtakademischem Hintergrund hätten dann das Nachsehen, befürchtet der Soziologe Tino Bargel, der den Studierendensurvey durchführt.

Eine Studie der Uni Marburg zeigte, dass das schon der Fall ist, wenn Professoren Uni-Jobs vergeben: Von 150 studentischen Hilfskräften an der Hochschule waren nur drei Arbeiterkinder.

[...]

Quote
WIHE, 16.06.2008 um 11:45

5. Kommentar

Rohstoffarmes Land

Auch die in Deutschland vererbte Intelligenz ist begrenzt, nicht beliebig vermehrbar. Intelligenz ist heute ein Hindernis  für die Fortpflanzung, wie man an den inteilligenten, gebildeteten aber kinderarmen Frauen sieht. Den Intelligenzpeak haben wir deshalb schon wohl überschritten. Von nun an geht es bergab. Ob Arbeiterkinder studieren oder nicht, ist dabei fast unerheblich.


Quote
Intelligenz
Dies ist eine Antwort auf Kommentar Nr. 5

"Auch die in Deutschland vererbte Intelligenz ist begrenzt, nicht beliebig vermehrbar.Intelligenz ist heute ein Hindernis für die Fortpflanzung, wie man an den inteilligenten, gebildeteten aber kinderarmen Frauen sieht. Den Intelligenzpeak haben wir deshalb schon wohl überschritten. Von nun an geht es bergab."

Das entspricht der Ideologie der Nationalsozialisten, nämlich dass minderwertiges, dümmeres, respektive "asoziales" Leben sich sowieso stärker vermehrt und das "höherwertige", intelligente und edle irgendwann verdrängt.

Leider gibt es auch heute Wissenschaftler die diesen Unsinn gerne glauben und weiter verbreiten:

http://www.welt.de/print-wams/article609081/Deutschland_in_der_Intelligenzfalle.html

Dem spricht schon die bloße Tatsache entgegen, dass der IQ der Bevölkerung von Generation zu Generation steigt. Intelligenz ist nach neuesten Studien nämlich eher: Umwelt x Gene

Eine Ideologie die voraussetzt, dass alle Menschen sich IQ-mässig bereits in der richtigen sozialen Schicht befinden ist daher zwangsläufig falsch. Die höheren Bildungsschichten sind gemischt und bestehen aus Intelligenten ebenso wie aus stark geförderten "Dummköpfen".  Während die mittleren und niederen Bildungsschichten ebenso gemischt sind und mit vernachlässigt Intelligenten durchsetzt.

Fallen wir also bitte nicht auf derart primitive Weltbilder herein, Intelligenz fächert sich über ein breites Spektrum und verschiedene Fähigkeiten, außerdem ist sie kontinuierlich (nicht diskret) und wächst mit der Erfahrung und Förderung.



Quote
Morido, 16.06.2008 um 16:55

7. Tsss

Jetzt haben wir gerade eben mittels Studiengebühren ne halbwegs wirksame Barriere aufgebaut - und jetzt kommen wegen solchen Leuten die Looser wieder...

Was soll man denn da noch alles unternehmen?


Quote
llebanna, 17.06.2008 um 03:05

12. Ich bin ein Arbeiterkind

Ich bin ein Arbeiterkind bzw. man ist ja kein Kind mehr, wenn man studiert.
 Ich schlag mich ganz gut durch und studiere das, was mir liegt.
Mein Eltern hatte diese Chancen nicht ( 1941 geboren)  und sie leide bis heute darunter, dass sie  intellektuell nicht ausreichend gefordert wurden.

Ich will das auf keinen Fall erleben.


[...]


Aus: "Geschlossene Gesellschaft" Von Fabian Reinbold (DIE ZEIT, 05.06.2008 Nr. 24)
In Deutschland studieren vor allem Akademikerkinder. Die Politik tut kaum etwas gegen die soziale Schieflage. Studenten setzen sich nun selbst für mehr Gerechtigkeit ein.
Quelle: http://www.zeit.de/2008/24/C-Soz-Stud?page=1




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[Blindwütiges Hinbeissen... ]
« Reply #33 on: Juni 19, 2008, 02:31:59 nachm. »
Quote

Quote
²ur des °es | 01.05.2008 13:44
Re: Re:
Frontex hilft die elementaren Rechte der EU-Bürger zu schützen.
Ich weiss nicht wie Sie sich kleiden, aber mir ist das Hemd näher als der Rock.

Quote
   ²ur des °es | 16.05.2008 17:55
Re: Re: Re: Re:
Hierbei geht es um Territorialrechte.


Quote
Sponge Bob | 01.05.2008 10:06
Ich würde gerne was für FRONTEX spenden!
hat jemand eine Kontonummer für mich?


Quote
   Dr. Seltsam | 30.04.2008 17:38
Re: Re: Re:
Ahsoo. Jemand der vor Hunger, Dürre oder Gewalt flüchtet, hat also kein Recht auf Leben!

Quote
fahrenheit 451 | 30.04.2008 20:38
Re: Re: Re: Re:
sorry, ihr humanistischer ansatz in ehren aber europa kann 2 mrd menschen nicht einfach aufnehmen...


Quote
woory | 30.04.2008 14:30
Re: Re:
Illegale Einreise ist kein Menschenrecht.
Bis jetzt war die Grenzüberwachung eine nationale Aufgabe, diese Aufgabe wird jetzt eben immer mehr von der EU übernommen, so what.

Quote
Der Wählerwille | 30.04.2008 16:18
Re: Re: Re: Re:
ich wander dann mal in ihre wohnung
verbrauche ab diesem zeitpunkt 33% ihrer ressourcen.

danke im voraus.


Quote
power-cat, 01.05.2008 13:58


Grauen packt mich wenn ich die Postings zu diesem Artikel lese. Bei solchen MitbürgerInnen wundern mich einige Zustände in diesem Staat gar nicht mehr.  Differenzierte Wahrnehmung, erkennen komplexer Zusammenhänge wird durch reflexartiges, blindwütiges Hinbeissen auf sozial schlechter Gestellte und weniger Priveligierte ersetzt. 


Ein Kommentar zu: ""Frontex führt fast ein Eigenleben"" (derStandard.at, 05.05.2008)
Quelle: http://derstandard.at/Text/?id=3312341&_view=forum

-.-

KonText:
Topic: [Fortress Europe... (Notizen)]
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,137.0.html


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[Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen... ]
« Reply #34 on: Juli 07, 2008, 11:07:28 vorm. »
Quote
[...] Das Aschenputtel, das bei Ludwig Bechstein Aschenbrödel genannt wird, ist im englischen Sprachraum als Cinderella bekannt, im französischen als Cendrillon, im spanischen als Cenicienta, im italienischen als Cenerentola, im griechischen als η σταχτοπούτα (i staktopouta), im ungarischen Hamupipőke, im russischen als Soluschka, im tschechischen als Popelka im schwedischen als Askungen.

[...] Der König lässt [...] auf seinem Schloss ein dreitägiges Fest ausrichten, zu dem alle Jungfrauen des Landes eingeladen werden, damit sein Sohn eine Gemahlin wählen kann. Die Stiefmutter und die eitlen Stiefschwestern wollen nicht, dass Aschenputtel auch an dem Fest teilnimmt, obwohl es darum bittet. Die Stiefmutter gibt ihm stattdessen auf, Linsen aus der Asche zu lesen (auszusortieren). Dies gelingt Aschenputtel mit Hilfe der von ihm herbei gerufenen Tauben: „…die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen!“

...


Aus: "Aschenputtel" (30. Juni 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Aschenputtel

-.-

Quote
[...] Köln (dpa) - Die Koalition will die Freizügigkeit für Billiglohn- Arbeiter aus den neuen EU-Ländern im Osten nach den Worten des innenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, um weitere zwei Jahre bis 2011 verschieben. Im Gegenzug wolle man qualifizierte Fachkräfte nach Deutschland holen, sagte Uhl dem Kölner Stadt-Anzeiger . Geduldete Akademiker sollen demnach bereits dann eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn sie zwei Jahre lang hier in ihrem erlernten Beruf gearbeitet haben.




Aus: "Union will keine Freizügigkeit für Billig-Arbeitskräfte bis 2011" (07.07.2008)
Quelle: http://www.focus.de/politik/schlagzeilen?day=20080707&did=868554

-.-

Quote
[...] Köln (dpa) - Die Koalition will die Freizügigkeit für unqualifizierte Billiglohn-Arbeiter aus den neuen EU-Ländern im Osten nach den Worten des innenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), um weitere zwei Jahre bis 2011 verschieben.

[...] Geduldete Akademiker und Facharbeiter sollen nach Uhls Angaben bereits dann eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn sie zwei Jahre lang in Deutschland in ihrem erlernten Beruf gearbeitet haben.


Aus: "Union gegen Freizügigkeit für Billig-Arbeitskräfte" (07. 07. 2008)
Quelle: http://www.badisches-tagblatt.de/html/ticker/00_20080707103251_Union_gegen_Freizuegigkeit_fuer_Billig_Arbeitskr.html

-.-

[...]

Kontext: [Fortress Europe... (Notizen)]
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,137.0.html