Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 275647 times)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« on: February 18, 2007, 02:21:01 PM »
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Wer auf dem Globus zu jener Milliarde Menschen gehört, die akut Hunger leidet, sieht die Weltwirtschafts-"Ordnung" eben mit anderen Augen als der durchschnittliche Europäer. Wer als Geringverdiener für die SPD Plakate klebt, wird die Verhältnisse hierzulande anders beurteilen als jene Genossen der Schröder-Ära, deren Parteikarriere vor allem mit einer privaten Finanz-Lebensplanung verknüpft ist. Ein sozialdemokratischer Gewerkschafter mit hochdotiertem Aufsichtsratsposten hat natürlich einen anderen ökonomischen Standpunkt als ein "Hartz-IV-Empfänger" oder ein prekärer Freiberufler. Auch das gehört zu den Erkenntnisgewinnen der Aufklärung: Es kommt nicht nur auf die funktionierende Gehirnmasse an, sondern ganz entscheidend auch darauf, WER jeweils mit welchen Augen die Weltgeschichte betrachtet.
Aus: "Und die Sozialdemokratie danach?" Peter Bürger (27.06.2012)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/152275

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[...] „Die Unteren darf man nicht so schröpfen, dass sie nicht mehr konsumieren können. Sie müssen als Kunde überleben.“ (Hans-Martin Buhlmann, Aktionär der Allianz AG gegenüber dem Stern vom 12.Mai 2005)


Aus: "Das wahre Elend? - Zur Rede von der „neuen Unterschicht“" (Erschienen in "Wiedersprüche" Heft 98; 2005)
Quelle: http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/agn/ag8/das_wahre_elend.pdf

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... In den unteren Segmenten des Arbeitsmarktes ist es die Angst vor Hunger und Obdachlosigkeit, die einen die Arbeitsdespotie vergessen lässt. In den mittleren und höheren Sphären sind es Wohlstandsversprechen, Anerkennungsdrang und Arbeitsethik, die den Weg zur Knechtschaft ebnen. Geeint sind Arme und Selbstverwirklicher in der Einsicht, dass wir nicht nur vom Brot leben, wie Marcel Reich-Ranicki wusste: „Geld allein macht nicht glücklich. Aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.“


Aus: "Was vom Tage übrig bleibt" Christian Baron (Ausgabe 30/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/cbaron/was-vom-tage-uebrig-bleibt

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Beim Tritt in die Glasscherben leiden wir alle klassenlos. Nur sollte man sich nicht über das Bestreben der Vermögenden wundern, die Strände jenen vorzubehalten, die nachher alles wieder in den Picnickoffer tun.

 - Don Alphonso (Stützen der Gesellschaft), 02. August 2012

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Jugger, 13.11.2019

Wenn [man] wissen will wie ein Vorgesetzter tickt, muss man sich nur sein Verhalten gegenüber der Putzfrau anschauen. Nach oben Buckeln alle, zur Putzfrau sind meistens nur die guten freundlich.


Kommentar zu: https://www.derstandard.at/story/2000110953224/da-wuerde-ich-lieber-putzen

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Menschen aus der working class, die nicht dem britischen Kastensystem als Sklaven dienen mochten, wurden als Exzentriker belächelt und ignoriert – eine raffinierte Methode, selbstbewusste Individualisten und Systemkritiker zu verharmlosen. ... Auch in diesem Jahrtausend gibt es noch tiefe Gräben zwischen den Klassen und riesige Einkommensunterschiede. Ich sage nicht, dass alle Menschen gleich viel besitzen müssen. Manchen Leuten steht mehr zu, weil sie mehr arbeiten, damit habe ich kein Problem. Aber diese drastische Armut ist durch nichts zu rechtfertigen, weder in England noch sonst wo auf der Welt. Wer akzeptiert, dass eine breite Bevölkerungsschicht ohne Geld und Bildung aufwächst, darf sich nicht über künftige Turbulenzen einer abgehängten Generation beschweren.  (John Lydon,  ZEITmagazin 19/2015)

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Aus Sicherheitsgründen werden alle Demonstrationen im Zentrum der spanischen Hauptstadt während der Krönungszeremonie, der anschließenden Militärparade und der Autofahrt des spanischen Königspaares vom Parlament zum Königspalast, sowie während des dort stattfindenden Staatsempfangs verboten. ...
Aus: "Proteste gegen spanische Monarchie verboten" (16. Juni 2014)
Quelle: http://derstandard.at/2000002070517/Proteste-gegen-spanische-Monarchie-verboten


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Schlechter Umgang - Enge Kontakte zwischen einkommensschwachen Eltern schaden ihren Kindern in der Schule, sagt die Soziologieprofessorin Anette Fasang. ...

http://www.zeit.de/2014/11/schule-eltern-netzwerke-anette-fasang

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keats, 16.03.2013: ... Schlechter Umgang ist eine unmögliche Überschrift, weil sie pauschalisierend so tut, als sei einkommensschwach = schlecht. Schlechter Umgang sind Leute ohne Charakter und Manieren, fanden meine Eltern. Das findet man bekanntermassen in allen Schichten.
http://www.zeit.de/2014/11/schule-eltern-netzwerke-anette-fasang?commentstart=1#cid-3464413

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[...] ElitePartner wirbt damit, "Akademiker und Singles mit Niveau" zu verkuppeln. Das Konzept scheint aufzugehen, im Monat Januar tummelten sich bei ElitePartner 557.000 Besucher, wie die Marktforschungsfirma Nielsen ermittelte. ... Im Foyer der loftähnlichen Büro-Etage hängen Hochzeitsfotos und Geburtsanzeigen, "ElitePartner-Kinder" nennt Schwaner diese Babys. ...

Aus: "Online-Partnerbörsen 7E46487C sucht die Liebe" Von Annette Bruhns (08.05.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegelwissen/singleboersen-suche-nach-der-grossen-liebe-a-831821.html

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[...] Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein bevorzugen besonders stark die Kinder der sogenannten "oberen Dienstklasse". Das bedeutet: Kinder aus akademisch gebildetem, reichem Elternhaus bekommen dort, trotz gleicher Leistung, sechsmal so große Chancen aufs Gymnasium wie Arbeiterkinder. ... Das Fazit der Forscher ist ernüchternd: "Die deutschen Schulsysteme bieten Kindern und Jugendlichen sehr unterschiedliche Chancen, ihre Kompetenzen zu entwickeln." ...


Aus: "Deutschland, Land der Schulabsteiger" Von Christian Füller (12.03.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,820475,00.html

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[...] Sledgehammer (23. Juni 2019 — 08:05): "Das Untier in uns präferiert von jeher den abwärtsgerichteten sozialen Vergleich zur Selbstwertsteigerung."
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Elmar Benninghaus: " ... Die Frage, woher der Hass kommt,- ist ein bisschen scheinheilig, – oder? Die Frage, woher die Bösartigkeit kommen könnte, fände ich viel ehrlicher. Bau ne Leistungsgesellschaft, am besten noch per Agenda, lass Sprüche wie; „Ende des Schmusekurses“ los, sprich von Winnern and Loosern, erhebe den Egoismus zum ökonomischen Gesetz, fördere dieses „Ich/wir sind besser als der/die da, hetze und hack gewaltig auch noch per Medien auf Arbeitslose ein, beleg sie auch noch mit Sanktionen und verbreite damit Angst und Schrecken bei den Gläubigen dieses Wahnsinns, bring zwischendurch noch ein; „Wir sind Papst“ und überhaupt die King-Käse-Glocken in Europa, – desozialisiere und dehumansisiere alles für den großen Gott; „Markt“, und nenn die Menschen darin auch noch menschliche Ressourcen,- …. ja was glaubt ihr denn, was ihr danach für Barbaren habt? ..."


Quelle: https://klausbaum.wordpress.com/2019/06/22/woher-der-hass-kommt/

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[...] Der „Schicht“-Begriff ist, verglichen mit dem „Klassen“- und „Standes“-Begriff, verhältnismäßig neu. Als Begründer der Schichtungssoziologie gilt Theodor Geiger, dieser entwickelte 1932 Ansätze des Schichtenbegriffs für die Sozialstrukturanalyse des Deutschen Reiches als eine Auseinandersetzung mit dem „Klassen“-Begriff.

[...] Laut dem französischen Soziologen Georges Balandier gibt es keine Gesellschaft ohne Macht und keine Macht ohne Hierarchie. Diese Vorstellung existiert nicht nur in der Soziologie, sondern hat sich tief in den sozialen Repräsentationen westlicher Gesellschaften verankert. Die Strukturierung der Gesellschaft in Schichten findet sich bereits in der Veda, der Bibel und dem Koran, auch in vielen Mythen von Naturvölkern; Mythen die die gesellschaftliche Schichtung gleichzeitig erklären als auch legitimieren. Andere religiöse/spirituelle Texte versprechen eine Umkehrung der auf der Erde existierenden Verhältnisse (z.B. Lukas 6, 20, vgl. auch Cargokult).

Max Weber, der Begründer der Religionssoziologie, hat in seiner Analyse feudaler Gesellschaften auf den Zusammenhang zwischen Religion und Klasse hingewiesen. Bei Weber reflektiert die Religion einerseits die existierenden gesellschaftlichen Hierarchien, andererseits drückt das Individuum durch seine religiöse Praxis auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht aus.

[...] Unabhängig davon, ob Hierarchien objektiv existieren oder nicht, haben Individuen immer das Bedürfnis, ihre soziale Umwelt zu ordnen und zu strukturieren (→ Kategorisierung). Ein Teilbereich der soziologischen Forschung befasst sich deswegen mit den sozialen Repräsentationen gesellschaftlicher Schichten. Mythen und religiöse Texte stellen einen Schwerpunkt der Analyse dar. So hat Stanislas Ossowski darauf hingewiesen, dass Mythen in den meisten Fällen eine vereinfachte Darstellung unserer Sicht des sozialen Raumes sind und diese erstaunlich häufig einfache Dichotomien aufweisen.

Auf die Schwierigkeiten, die objektive soziale Schichtung einer Gesellschaft zu untersuchen, hat u.a. der US-amerikanische Soziologe W. Lloyd Warner hingewiesen. Warners Ziel war es, eine Typologie des gesellschaftlichen Raumes in US-amerikanischen Städten zu erstellen. Er legte jedoch stattdessen eine Typologie der subjektiven Vorstellungen der US-Amerikaner über ihren sozialen Raum vor. Warner schloss daraus, das Klasse/Schicht nur dann vorhanden sein kann, wenn sich die Individuen ihr zugehörig fühlen und sich mit anderen Mitgliedern derselben Klasse/Schicht identifizieren. Diese Identifikation beruht auf der Vorstellung, die das Individuum von der bestehenden Sozialstruktur hat. Dort ordnet der Akteur sich und andere ein und weist Positionen zu.

Pierre Bourdieu verband das Konzept objektiver sozialer Klassifizierung mit dem der subjektiven Klassifizierung. Er untersuchte anhand einer umfangreichen empirischen Studie mit neu entwickeltem theoretischem Werkzeug, wie diese Klassifizierung vorzunehmen ist. Er stellte dabei fest, dass die Machtverhältnisse zwischen Individuen und Klassen bzw. Schichten ständigem Wandel unterworfen sind und jeweils neu ajustiert werden müssen. Dieser Vorgang ermöglicht es, dass die "hierarchisierte soziale Ordnung innerhalb einer sozialen Formation eine objektive Existenz" bekommt. Diese wird wiederum von den Individuuen verinnerlicht und die "soziale Ordnung brennt sich mit der Zeit in die Hirne ein. So werden soziale Unterschiede zur Grundlage der sozialen Unterscheidung, die die Wahrnehmung der sozialen Welt organisiert" (Bourdieu, 1979, S. 549).


Aus: "Sozialstruktur" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialstruktur

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[...] Klassismus ist die Bezeichnung für die Diskriminierung von Angehörigen einer als 'niedriger' wahrgenommenen sozialen Klasse durch eine andere. Der Begriff setzt damit die Existenz einer Klassengesellschaft voraus und ist eine aus dem Englischen kommende Parallelbildung zu Racism, also Rassismus.

Der Begriff Klassismus ist negativ besetzt. Gegen Klassismus in der Politik, Gesellschaft und Kultur wendet sich der Antiklassismus.


Aus: "Klassismus" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Klassismus

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[...] Unter einem Milieu versteht man in der Soziologie die Gesamtheit der räumlichen, kulturellen und sozialen Bedingungen, die ein Individuum, bzw. eine spezifische Gruppe von Individuen prägen. Zu den sozialen Bedingungen zählen z.B. Normen, Gesetze sowie wirtschaftliche und politische Bedingungen. Nach Hippolyte Taine zählt auch die innere geistige Umgebung (z.B. Mentalitäten und Gesinnungen) zum sozialen Milieu. Alle diese Bedingungen wirken sich auf die bloße Subsistenz, aber auch auf die Möglichkeiten zur Entwicklung (Sozialisation, d.h. Lern- und Reifungsprozesse) und Entfaltung (d.h. soziales Handeln) aus. Terminologisch bezeichnet man diese Bedingungen als Milieufaktoren.

Emile Durkheim unterscheidet begrifflich zwischen äußerem und innerem sozialen Milieu. Beide sind für ihn gesellschaftliche Subsysteme, wobei das äußere Milieu die sozial festgelegten Verhaltens- und Erlebensweisen, sowie die sozialen Gebilde insgesamt umfasst. Das innere Milieu besteht aus denjenigen Weisen der Festlegung von Verhalten und Erleben, sowie aus den Strukturprinzipen des Aufbaus sozialer Gebilde, die innerhalb einer Gesellschaft wirken. Das innere soziale Milieu definiert sich sequentiell als Verhältnis eines abgrenzbaren sozialen Gefüges zu allen seinen zeitlich vorhergegangenen Gegenständen und Produkten sozialer Aktivitäten. Als wichtigste Faktoren für das innere soziale Milieu begreift er Soziales Volumen (Zahl der sozialen Einheiten aus denen sich ein soziales Gebilde zusammensetzt) und Dichte (Anzahl der Interaktionen oder Kontakte innerhalb eines sozialen Volumens) der miteinander in Beziehung stehenden Individuen oder Gruppen.

[...] Jörg Ueltzhöffer, heute Geschäftsführer des SIGMA Instituts, legte 1980 unter dem Titel „Lebensweltanalyse: Explorationen zum Alltagsbewußtsein und Alltagshandeln“ ein Gutachten vor, das erstmals ein für die Markt- und Sozialforschung völlig neuartiges Zielgruppenmodell vorstellte, das er gemeinsam mit dem Marktpsychologen B. Flaig (heute Geschäftsführer des SINUS-Instituts) entwickelt hatte: das „Modell der Sozialen Milieus“. In den folgenden beiden Jahrzehnten erlebte dieses Modell unter verschiedenen Bezeichnungen (SIGMA Milieus, SINUS Milieus) einen Siegeszug ohnegleichen in der Markt-, Media-, Kommunikations- und Sozialforschung.

    * Konservativ gehobenes Milieu
    * Kleinbürgerliches Milieu
    * Traditionelles Arbeitermilieu
    * Traditionsloses Arbeitermilieu
    * Aufstiegsorientiertes Milieu
    * Technokratisch-liberales Milieu
    * Hedonistisches Milieu
    * Alternatives Milieu

Die Typologien wurden von den Sozialwissenschaften übernommen und lösten in den 1990er Jahren in der "neuen Sozialstrukturforschung" eine Welle von Lebensstiluntersuchungen aus. Das SIGMA-Institut führt diese ursprüngliche Milieuforschungs-Tradition in Form des SIGMA-Milieumodells bis heute bruchlos fort. Heute unterscheidet SIGMA die folgenden Sozialen Milieus in Deutschland:

    * Etabliertes Milieu
    * Traditionell Bürgerliches Milieu
    * Traditionelles Arbeitermilieu
    * Konsummaterialistisches Milieu
    * Aufstiegsorientiertes Milieu
    * Liberal-Intellektuelles Milieu
    * Modernes Bürgerliches Milieu
    * Modernes Arbeitnehmer Milieu
    * Hedonistisches Milieu
    * Postmodernes Milieu

Im Jahr 2001 hat das Sinus-Institut (jetzt: Sinus Sociovision) das Modell der Sinus-Milieus vorgelegt, das sich deutlich vom vorherigen Modell unterscheidet.

Ein weiteres Milieumodell, das in den vergangenen zehn Jahren erhebliche Popularität gewann, ist das Modell von Gerhard Schulze, das er in seinem Buch "Die Erlebnisgesellschaft" vertritt. Bei Gerhard Schulze treten an deren Stelle der o.g. Milieus, vegleichbare Milieus, die aber stärker über Freizeitgestaltung und gewähltem Lebensstil charakterisiert und benannt werden:

    * Niveaumilieu
    * Harmoniemilieu
    * Selbstverwirklichungsemilieu
    * Unterhaltungsmilieu
    * Integrationsmilieu



Aus: "Soziales Milieu" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Milieu

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[...] TNS - Infratest beispielsweise hat für die aufsehenerregende Studie über Deutschland im Reformprozess neun Milieus ausgemacht und mit folgenden Namen ausgestattet:

   1. Abgehängtes Prekariat (8 %)
   2. Autoritätsorientierte Geringqualifizierte (7 %)
   3. Selbstgenügsame Traditionalisten (11 %)
   4. Bedrohte Arbeitnehmermitte (16 %)
   5. Zufriedene Aufsteiger (13 %)
   6. Engagiertes Bürgertum (10 %)
   7. Kritische Bildungselite (9 %)
   8. Etablierte Leistungsträger (15 %)
   9. Leistungsindividualisten (11 %)


Aus: "DEUTSCHE MILIEUS - Das alte und neue Unten" Von Franz Walter (SPON; 17. Februar 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,466865,00.html
« Last Edit: November 13, 2019, 03:13:17 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Die Symbolik entstand in analphabetischer Zeit... (Notizen)]
« Reply #1 on: February 18, 2007, 02:47:51 PM »
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[...] Gleichheit ist ein Begriff, der im Allgemeinen eine Übereinstimmung verschiedener Gegenstände, Methoden, Denkweisen oder Eigenschaften zum Ausdruck bringt. Von den Nachbarbegriffen kann Gleichheit wie folgt abgegrenzt werden: Identität bedeutet eine völlige Übereinstimmung in allen Merkmalen. Ähnlichkeit meint eine nur annähernde Übereinstimmung.


Aus: "Gleichheit" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichheit

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[...] Habitus (lateinisch habitus = "Gehaben", von habere = "haben") war im gehobenen Deutsch ein Ausdruck für ein besonderes Auftreten oder Benehmen eines Menschen (Beispiel: Obwohl er nun schon jahrelang Politiker ist, verfällt er immer noch in den Habitus eines Lehrers.)

[...] Der Habitus umfasst:

    * ein „System dauerhafter und übertragbarer Dispositionen“, welche als Erzeugungs- und Ordnungsgrundlage für Praktiken und Vorstellungen dienen, die sich in der Spontaneität des Momentes, also ohne Wissen und ohne Bewusstsein in der Praxis eines Menschen offenbaren;
    * einverleibte, zur Natur gewordene und damit als solche vergessene verinnerlichte, also inkorporierte Geschichte;
    * ein „sozial konstituiertes System von strukturierten und strukturierenden Dispositionen, das durch Praxis erworben wird und konstant auf praktische Funktionen ausgerichtet ist“;
    * Zeichen der Distinktion der einzelnen Klassen, die sich unter anderem in einer speziellen Kleidung, Sprache, Geschmack oder dem Konsumverhalten äußert;
    * Denk- und Sichtweise der Wahrnehmungsschemata, welche die Prinzipien des Urteilens und Bewertens - die "Doxa" - begründen.

Außerdem benutzt Bourdieu in diesem Zusammenhang folgende Terminologie:

    * „Körper gewordene Sprache“ bedeutet: Durch den Habitus verdinglichen sich Denk- und Sichtweisen am menschlichen Körper.

    * Praxis meint, dass der Habitus den Menschen jeden Moment seines Daseins durchdringt und seinen Handlungsspielraum einengt, ihm aber Möglichkeiten der Gestaltung innerhalb dieses Rahmens lässt.

    * Generativer Operator stellt eine erzeugende Verbindung von Strukturierendem und Strukturiertem bereit.

In modernen Industriegesellschaften unterscheiden sich gemäß Bourdieu die einzelnen sozialen Klassen nicht nur durch ihre unterschiedliche Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel, sondern auch durch „feine Unterschiede” in ihren Habitusformen. Diese Unterschiede, die Zeichen der Distinktion, beziehen sich z. B. auf Kleidung, Sprache, Geschmack und das Konsumverhalten.

Habitus meint bei Bourdieu die klassenspezifisch erworbene, unbewusste aber genaue Angepasstheit der Dispositionen, Verhaltensmuster und Einstellungen einer Person an das jeweilige soziale (Um-)Feld. Das gesamte Handeln der Individuen wird von diesem Habitus bestimmt: Der Habitus leistet die Umsetzung objektiver gesellschaftlicher Verhältnisse in subjektive, individuelle und klassenbestimmte Praxis. Unbewusst und trotzdem genau angepasst an das soziale Feld ist diese Praxis deshalb, weil der Habitus geschichtlich erst in Reaktion auf ein immer schon vorhandenes soziales Feld entsteht. Der Habitus ist daher das Produkt eines geschichtlichen Prozesses. In ihm manifestieren sich die objektiven Notwendigkeiten und Möglichkeiten des Handelns einer Klasse und werden mittels eines Klassenethos in subjektiven Sinn verwandelt.


Aus: "Habitus (Soziologie)" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Habitus_%28Soziologie%29

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[...] Habituation (v. lat.: habituari: "etwas an sich haben" bzw. habitus: "Aussehen, Haltung"; Adjektiv habituell: "zur Gewohnheit geworden") bezeichnet eine einfache (und beim Menschen in der Regel nicht-bewusste) Form des Lernens. Habituation setzt ein, wenn ein Individuum wiederholt einem Reiz ausgesetzt ist, der sich als unbedeutend erweist. Die Reaktion auf diesen Reiz schwächt sich dann allmählich ab und unterbleibt schließlich womöglich völlig. Hält man nach Eintritt der Habituation den Reiz genügend lange fern, nimmt die Reaktionsbereitschaft des Individuums in der Regel wieder zu. Das Gegenteil zu Habituation ist Sensitivierung.


Aus: "Habituation" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Habituation


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[...] Unter dem Sammelbegriff Mittelschicht werden in der Soziologie diejenigen Bevölkerungsgruppen bezeichnet, die sich in Bezug auf ihr Einkommen bzw. ihren Besitz weder der vermögenden Oberschicht noch der besitzlosen und einkommensschwachen Unterschicht zuordnen lassen.

Entstanden ist dieser Begriff ursprünglich in Abgrenzung zur Theorie der Zwei-Klassen-Gesellschaft. Es sollte hervorgehoben werden, dass es eine Bevölkerungsschicht gibt, die weder den Kapitalisten noch dem Proletariat zuzurechnen ist.


Aus: "Mittelschicht" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelschicht

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[...] Prekariat ist ein Begriff aus der Soziologie und definiert "ungeschützte Arbeitende und Arbeitslose" als eine neue Soziale Schicht. Der Begriff selbst ist ein Neologismus, der vom Adjektiv prekär (schwierig, misslich, bedenklich) analog zu Proletariat abgeleitet worden ist.

Dabei handelt es sich um keine sozial homogene Gruppierung. Vielmehr setzt sich das Prekariat aus kleinen Selbständigen und Angestellten auf Zeit, aus Praktikanten, aber auch aus chronisch Kranken, Alleinerziehenden und Langzeitarbeitslosen zusammen. Evelyne Perrin von Stop-Précarité sagt hierzu: „In dieser neuen kapitalistischen Organisation wird das Prekariat strukturell und für die Arbeitgeber handelt es sich darum, dem Prekariat das Risiko der Beschäftigung aufzulasten, alles zu veräußerlichen, was sozialer Schutz und gemeinsame Garantie vor dem Verlust des Arbeitsplatzes war.“

[...] Die Idee der Existenz einer sozial als niedrig einzustufenden Gruppierung, die als Prekariat bezeichnet werden kann, ist an sich alt (vgl. Unehrliche Berufe, Lumpenproletariat, Sozial Verachtete), geht gegenwärtig [ab 2006] aber auf die Konzeption des Bordiguismus zurück, nach der das Proletariat als die Leute ohne Mittel definiert wird. Gruppen wie die französische "Sans Reserves" in den 1980er Jahren und die anarchistisch-bordiguistische italienische "Precari Nati" arbeiteten diese Konzeption aus.

Etymologisch sind für den deutschen Sprachbereich die Schreibweisen 'Prekariat' und 'Präkariat' gleichberechtigt akzeptabel. Vgl. lat. precarium = ein bittweises, auf Widerruf gewährtes Besitzverhältnis.

"Prekariat" ist heute eine neue Konzeption der post-industriellen Soziologie, wozu der italienische Politologe Alex Foti erklärt: „Das Prekariat ist in der post-industriellen Gesellschaft das, was das Proletariat in der Industriegesellschaft war“.


Aus: "Prekariat" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Prekariat

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[...] Das Proletariat (vom lat. proletarius „der untersten Volksschicht angehörend“) bezeichnete die gesellschaftliche Schicht der Landlosen (Besitzlosen), welche aber nicht versklavt waren. Der Begriff wird auch so verstanden, dass die Proletarier diejenigen sind, die als Besitz nur ihre Nachkommen (lat. proles) haben.


Aus: "Proletariat" (0272007)
Quelle:  http://de.wikipedia.org/wiki/Proletariat

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[...] Bemerkenswert schnell mündete die Debatte über die Unterschicht, die im Herbst ausbrach, in eine Diskussion über die Nöte der Mitte. SPD-Chef Kurt Beck will sich verstärkt um die »Mitte der Gesellschaft« kümmern. Und Guido Westerwelle positioniert seine FDP als Partei für die »vergessene Mitte«.


Aus: "Die Angst der Mittelschicht" Von Thomas Fischermann (DIE ZEIT, 15.02.2007 Nr. 08)
Quelle: http://www.zeit.de/2007/08/Mittelschicht-Deutschland?page=all

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[...] Den umstrittenen Begriff Neue Unterschicht kann man - trotz Verwendung des „Schicht“-Begriffes - der kulturalistischen Klassentheorie zuordnen. Wichtigster Vertreter ist Paul Nolte, der in seiner Schrift "Generation Reform" von 2004 eine kulturelle Spaltung der „Neuen Unterschicht“ von der Mehrheitsgesellschaft ausmacht.

Wichtige Eckpunkte der Theorie:

    * extreme Vermögensunterschiede würden als gegeben hingenommen
    * die Angehörigen der „Neuen Unterschicht“ seien durch sozialstaatliche Alimentierung kulturell verwahrlost (Zigaretten, Alkohol)
    * und sähen sich außer Stande, sich der „bürgerlichen Leitkultur“ (Nolte) anzupassen.

Kritik an diesem Ansatz: er konstruiert „eine Bedrohung für die Mehrheitsgesellschaft“ und setzt Personen, die zur Gruppe der „Neuen Unterschicht“ gerechnet werden, Diffamierungen aus. Seit Noltes Veröffentlichung wurde dem Begriff in allen größeren Magazinen Leitartikel gewidmet und es erschienen einige Fernsehreportagen eigens zu diesem Thema.


Aus: "Neue Unterschicht" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Unterschicht

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[...] Unter „Elite“ (lat.: Auswahl) versteht man die Zusammenfassung überdurchschnittlich qualifizierter Personen (Funktionseliten, auch Leistungseliten) oder die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise (Machteliten) in einer Gesellschaft, darüber hinaus je nach Bezug auch andere Eliten, wie z. B. die Bildungselite. Da aber die Begriffe ineinander übergehen, werden sie hier in einem Artikel abgehandelt. Als Gegenbegriff wird häufig Masse benutzt.

Im Duden ist Elite mit "Auslese der Besten" umschrieben.


Aus: "Elite" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Elite

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[...] Als Statussymbol wird ein Objekt bezeichnet, das den gesellschaftlichen Stand oder sozialen Status seines Besitzers oder Trägers zum Ausdruck bringt. Die Symbolik entstand in analphabetischer Zeit, wo durch Pikto- oder Hierogramme auf einen Statusträger aufmerksam gemacht wurde. Ein Statussymbol ist umgekehrt ein Indikator für den gesellschaftlichen Status eines Menschen. Dabei kann es um den Status hinsichtlich gesellschaftlicher Werte (Einkommen, Ansehen, Bildung, Bekanntheit usw.) ebenso gehen wie um die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe.

Ein Statussymbol kann beispielsweise ein Titel, ein Abzeichen, ein Wirtschaftsgut oder eine Marke sein, aber auch eine Verhaltensweise oder die Partnerschaft zu einflussreichen, angesehenen oder mächtigen Menschen usw.

In der ursprünglichen Bedeutung kann ein Statussymbol nur erworben werden, wenn sein Besitzer den entsprechenden Status bereits besitzt, z. B. ein Monarch. Auch ein Doktortitel als Ausdruck der akademischen Karriere oder die erkennbare Mitgliedschaft in einem exklusiven Golfclub, die nur durch Fürsprache erworben werden kann.

Darüber hinaus werden aber auch Gegenständen zu Statussymbolen (Krone, Reichsapfel, Zepter), deren Besitz den Status als Voraussetzung haben und anzeigen dass der Betreffende den symbolisierten Status innehat. Für den Betrachter können auch Gegenstände zum Indikator für den Status einen Menschen werden, die von dem Träger nicht mit dieser Absicht angeschafft und getragen wurden.

Irrige Beispiele für Statussymbole: Wer ein teures Auto fährt, will mit großer Wahrscheinlichkeit anzeigen, dass er genug Einkommen hat, sich das leisten zu können oder zumindest ausreichend kreditwürdig zu sein. Wer über viele wissenschaftliche Bücher verfügt, ist wahrscheinlich belesen und verfügt über eine höhere Bildung. Wer einen in einem bestimmten Milieu üblichen Kleidungsstil trägt, gehört mit großer Wahrscheinlichkeit diesem Milieu an.

Umgangssprachlich wird „Statussymbol“ nahezu synonym mit „Prestigeobjekt“ verwendet. Dennoch gibt es auch Statussymbole für einen geringen gesellschaftlichen Status (Beispiel: derbe Umgangsformen als Indikator für geringe Bildung.) Und es gibt Symbole für den Status der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, die man nicht mit „oben“ oder „unten“ deklarieren kann (Beispiel Irokesenfrisur als Indikator der Zugehörigkeit zur Punk-Szene). Diese Statussymbole, die nicht auf einen prestige-trächtigen Status verweisen, sind keine Prestigeobjekte.

Statussymbole können auch dazu benutzt werden, sich den Schein eines höheren oder niedrigeren Status zu geben.


Aus: "Statussymbol" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Statussymbol

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[....] Unter Arbeiterkindern werden, neben der reinen Wortbedeutung „Kinder von Arbeitern und/oder Arbeiterinnen“, Kinder oder Jugendliche mit Zugehörigkeit zu einer unteren sozialen Schicht verstanden, die allgemein über geringes Einkommen, geringes Ansehen und geringe Bildungschancen verfügen. Der Begriff hat eine biographische Bedeutung, da das Umfeld der ersten Lebensjahre eines Menschen besonders prägend ist – diese Prägung wird mit dem Begriff Habitus umschrieben.

[...] Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich in Deutschland allmählich die Arbeiterfamilie vom bäuerlichen zum bürgerlichen Vorbild. Damit einhergehend wurde die Fürsorge- und Erziehungspflicht für Arbeiterkinder immer stärker auf die Mütter verschoben. Allerdings waren Mütter in Arbeiterfamilien im Gegensatz zu Müttern in bürgerlichen Familien in der Regel berufstätig. Die Fröbelschen Halbtagskindergärten, die als familienergänzende Bildungseinrichtungen konzipiert waren, wurden vor allem von Bürgerkindern besucht, für Arbeiterkinder waren bestenfalls Verwahranstalten vorgesehen.

[...] Aus der schwarzen Rude Boy- und der weißen Mod-Szene entwickelte sich in den britischen Arbeitervierteln die Jugendbewegung der Skinheads. Diese grenzten sich von den Mods ab durch das Tragen von typischer Arbeiterkleidung. Sie wollten die Werte der verschwindenen traditionellen Arbeiterkultur ihrer Heimat aufrechterhalten, was sich durch ihre Kleidung und ihr Verhalten ausdrückte.

Auch die Punk-Bewegung hat ihre Wurzeln sehr stark in den US-amerikanischen und westeuropäischen Arbeitervierteln. So war die englische Punk-Musik vormals unter dem Begriff Working Class Rock´n´Roll geläufig (Siehe auch Oi!).

[...] Im französischen und italienischem Sprachgebrauch fiel Ende der 60er Jahre des öfteren der Terminus Arbeiter-Studenten. Hiermit waren Studierende aus der Arbeiterschicht gemeint. Diese beteiligten sich in den Mai-Unruhen an der besetzten Universität Sorbonne oder an Hausbesetzungen in Italien. Auch in Deutschland gab es Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre Hausbesetzungen von Jugendlichen aus Arbeiterfamilien. So ist z.B. das Georg-von-Rauch-Haus in Berlin fast ausschließlich von Arbeiterjugendlichen besetzt worden. Studenten wurden dort geduldet, linke Uni-Professoren hingegen nicht.

Zumindest in Deutschland entstammten die Protagonisten der frühen Punkbewegung jedoch fast durchweg dem bürgerlichen Milieu.

Auch der Hip-Hop hat seine Ursprünge in der urbanen Unterschicht. Vor allem in us-amerikanischen Innenstädten, aus denen die Industriebetriebe seit den 1970ern wegzogen, wodurch die Arbeitslosenrate unter den schwarzen Arbeiterkindern auf bis zu 40% stieg, entwickelten diese den Hip Hop mit seinen Ausprägungen Rap, (MCing), DJing, Breakdance und Graffiti zu einer immer populärer werdenden Subkultur. In Deutschland entwickelten seit den 1980er Jahren türkische Arbeiterkinder den türkischen Hip Hop.

In den letzten Jahren hat sich der ursprünglich rassistische und klassistische Begriff White Trash (Weißer Müll), ähnlich wie Nigger bei den Menschen afrikanischer Herkunft, unter Weißen zur Marke entwickelt. Künstler gehen heute offener mit ihrer proletarische Herkunft um und kokettieren sogar damit. Diese Entwicklung ist wahrscheinlich dem Wunsch nach einer kulturellen Identität dieser Künstler geschuldet und als solche wohl eine Reaktion auf den Urbanismus der Schwarzen, die gern damit prahlen aus dem Ghetto zu stammen, auch wenn dies oft nicht der Wahrheit entspricht.


Aus: "Arbeiterkinder" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterkinder

« Last Edit: February 18, 2007, 08:00:06 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Unterschichtenfernsehen... (Notizen)]
« Reply #2 on: February 18, 2007, 03:16:40 PM »
Quote
[...] Unterschichtenfernsehen ist eine Bezeichnung für Sender und Sendungen mit geringem Anspruch. Zuerst hatte das Satiremagazin Titanic den Ausdruck veröffentlicht. Eine Fernsehshow popularisierte ihn 2005, in der Harald Schmidt das Unterschichtenfernsehen dem Buch Generation Reform von Paul Nolte entnahm. Das beschreibt eine „neue Unterschicht“, die mangelnde Bildung kennzeichne. Schmidt bezieht sich explizit auf die mangelnde Bildung, die auch Schwerverdiener einbezieht und sich somit von der Unterschicht-Debatte löst.

Die Bezeichnung „Unterschicht“ für einkommensschwache und mit geringen Bildungstiteln ausgerüstete Mitglieder der Gesellschaft war längst negativ belegt, bevor „Unterschichtenfernsehen“ ihr einen Mangel an Geschmack und Bildung zuschob, der so eindeutig nicht zu belegen ist. Nach Ansicht von Kommentatoren hatten ausserdem Sozialreformen Angst vor Armut ausgelöst und den Begriff „Unterschichtenfernsehen“ öffentlich umso heftiger diskutieren lassen.

[...] Die Medienkritik trifft mit dem Begriff vor allem das Privatfernsehen. Das produziere - nur auf Gewinnmaximierung aus - mit Reality TV und sogenanntem Affektfernsehen anspruchslose, billig gemachte und geschmacklose Fernsehunterhaltung ohne Bildungswert. Anspruchsvolle Unterhaltung und Information zu kulturell oder politisch reflektierten Inhalten findet demgegenüber gerade im Privatfernsehen eher punktuell statt, da die kaufkraftrelevanten Zielgruppen der 14-49 jährigen Konsumenten mit hohem Bedarf an identitätsstärkenden Produkten und Dienstleistungen gerade zu den attraktiven Sendezeiten ein unterdurchschnittlich hohes Interesse an entsprechenden Sendungen haben. Selbst öffentlich-rechtliches Fernsehen legt bildungsrelevante und wissenschaftlich oder politisch fundierte Inhalte zugunsten der Unterhaltung i. d. R. auf Sendeplätze nach 22 Uhr und (sogenannte) "3. Programme" - wo konsumgüterorientiert kaufkraftrelevante Zuschauergruppen mehrheitlich nicht fernsehen. Insofern ist das Phänomen stark, jedoch nicht nur dem Privatfernsehen zuzuschreiben.

Auf der anderen Seite korreliert der Zusammenhang zwischen dem vermehrten Konsum hochwertiger Unterhaltung und Dokumentation überzufällig hoch mit Zuschauern mittlerer und höherer Bildungsabschlüsse. Sendungen mit obszönem oder niveaulosem Talk-Inhalt können schon aufgrund ihrer Sendezeit zur Kernarbeitszeit vollerwerbstätiger Bevölkerungsanteile überwiegend nur eher einkommensschwache Arbeitslose und Rentner sehen; oder sie kommen eben aufgrund der Sendezeit schon überwiegend zur Entspannung nach einer Wechselschichttätigkeit in Frage.

Die Diskussion führte sogar so weit, dass die ProSiebenSat.1 Media AG im April 2005 eine Studie vorlegte, die zeigen sollte, dass auch Gutverdienende und überdurchschnittlich Gebildete Privatfernsehen schauen. Die Interpretation der Daten durch die zu dem Konzern gehörige Vermarktungsgesellschaft SevenOneMedia ist jedoch umstritten, da zum einen die Unabhängigkeit der Untersuchung in Frage gestellt werden kann und zum anderen die Aussage über sämtliche Inhalte des Privatfernsehens hinweg, wenig über die spezielle Zusammensetzung der angesprochenen Konsumenten von Affektfernsehen und Reality TV zu den besagten Sendezeiten und Zuschauerzielgruppen aussagt.


Aus: "Unterschichtenfernsehen" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Unterschichtenfernsehen


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[Lebensgewohnheiten wurden erforscht wie die von Feldhasen... ]
« Reply #3 on: February 18, 2007, 03:27:39 PM »
Quote
[...] Wir wissen mittlerweile eine ganze Menge über die Unterschichtler von heute, obwohl sie sich kaum zu Wort melden. Sie machen kein großes Aufhebens von sich, kriechen immer tiefer in ihre Wohnsilos hinein, wohin ihnen Dutzende von Soziologen gefolgt sind. Ihre Lebensgewohnheiten wurden erforscht wie die von Feldhasen. Wir verfügen über eine ziemlich scharf gerasterte Typologie, die uns die Fremdlinge im eigenen Land besser erkennen lassen.

Daher wissen wir: der Prolet von heute besitzt mehr Geld als die Arbeiter vergangener Generationen und wenn er im Anzapfen des Sozialstaats eine gewisse Fertigkeit entwickelt hat, verfügt er über ein Haushaltseinkommen, das mit dem von Streifenpolizisten, Lagerarbeitern und Taxifahrern allemal mithalten kann. Es ist nicht die materielle Armut, die ihn von anderen unterscheidet.

Auffällig hingegen sind die Symptome der geistigen Verwahrlosung.

Der neue Prolet schaut den halben Tag fern, weshalb die TV-Macher bereits von "Unterschichtenfernsehen" sprechen. Er isst viel und fettig, er raucht und trinkt gern. Rund acht Prozent der Deutschen konsumieren 40 Prozent allen im Land verkauften Alkohols. Er ist kinderreich und in seinen familiären Bindungen eher instabil. Er wählt am Wahltag aus Protest die Linken oder die Rechten, zuweilen wechselt er schnell hintereinander.

Selbst für seine Kinder unternimmt er keine allzu großen Anstrengungen, die Tür in Richtung Zukunft aufzustoßen. Ihre Spracherziehung ist so schlecht wie ihre Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Der Analphabetismus wächst im gleichen Maß, wie die Chancen auf Integration der Deklassierten schrumpfen. Die Amerikaner sprechen in der ihnen eigenen Direktheit von "white trash", weißem Müll.

Das neue Proletariat als homogene Klasse ist erst in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Überall in jenen Industrienationen, die sich die führenden nennen, bildet es sich heraus. Die moderne Volkswirtschaft hat offenbar nichts zu bieten für Leute, die wenig wissen und dann auch noch das Falsche.


Aus: "SOZIALER VERFALL: Die neuen Proleten" Von Gabor Steingart; Gabor Steingart, 44, leitet das Hauptstadtbüro des SPIEGEL. Sein vorheriges Buch heißt "Deutschland. Der Abstieg eines Superstars"(16. September 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,436351,00.html

Quelle #2: http://de.wikipedia.org/wiki/White_Trash
-.-

Quote
[...] "Nicht einmal Benimm weiß der Pöbel zu wahren. Der Verfassungsrichter
Udo Di Fabio klagt in seinem Buch "Die Kultur der Freiheit" über "Menschen,
die bei der Wahl ihrer Kleidung, in der Art, wie sie speisen oder wie sie
reden, inzwischen wieder dem Niveau vorkultureller Zeit zuzustreben scheinen.
Menschen, die schon morgens mit einer Alkoholfahne in öffentlichen
Verkehrsmitteln reisen, oder solche, die überzogen aggressiv ihre
Freizeitneigungen austoben, dürfen in unserer Kultur der selektiven Toleranz
gegenüber dem individuellen Sosein weder verlacht noch öffentlich auch unter
ästhetischen Gesichtspunkten kritisiert werden."

Aus Wüllenwebers und Di Fabios kaum kaschierten Ekel spricht, was der
Stammtisch schon immer gewusst hat: (Langzeit-)Arbeitslose sind an ihrem
Schicksal nicht nur selbst schuld ("Wer wirklich Arbeit will, der findet auch
welche"), sie sind auch noch ein Ärgernis für die restliche Gesellschaft
(Alkoholfahnen, schlechte Manieren). Neu ist allerdings, dass solche Vorurteile
zum Repertoire eines gesellschaftlichen Dialogs gehören, der sich intellektuell
gibt.

Vom Opfer zum Schuldigen in gut 20 Jahren. Was für eine paradoxe Karriere des
deutschen Arbeitslosen! War es bei einer Million Arbeitslosen nicht viel
wahrscheinlicher, dass die wenigen Betroffenen eine gewisse Mitschuld an ihrem
Schicksal trifft, als bei vier Millionen?

Es hat natürlich einen Grund, warum Langzeitarbeitslose ihren Opferstatus
verloren haben - es gibt einfach zu viele von ihnen, um sie noch zu bedauern.
Die Mittel- und Oberschicht beginnt stattdessen, sich von den Verlierern des
gesellschaftlichen Wandels abzugrenzen, und die neubürgerlichen Autoren
liefern die Argumentationshilfe.

In der Geschichte der Menschheit gab es wahrscheinlich keine Ungerechtigkeit,
die nicht von irgendwem irgendwie rational gerechtfertigt wurde. In den Romanen
Tolstois finden sich Szenen von makabrer Komik, in denen sich (meist selbst
völlig lebensuntüchtige) russische Adelige über die Notwendigkeit der
Leibeigenschaft ergehen: Die Leibeigenen ihre eigenen Äcker bestellen zu
lassen führe zu nichts. Das Gesindel sei derart faul, dass es sich nur unter
der Knute des Aufsehers zum Arbeiten aufraffe. Alles Geld würden sie
vertrinken, keine Kopeke für morgen zurücklegen.

Disziplinlosigkeit, Zukunftsvergessenheit, Alkoholismus: Alles, was Wüllenweber
und Konsorten heute an der Unterschicht beobachten, machten Tolstois Antihelden
schon vor 150 Jahre geltend. Es ging ihnen darum, die Existenz der
Leibeigenschaft vor sich und dem Rest der Gesellschaft zu rechtfertigen. Heute
geht es darum, die Existenz von Massenarbeitslosigkeit zu rechtfertigen.

Die Angehörigen der wiederentdeckten Unterschicht sind ja nicht alle erst in
den letzten 20 Jahren geboren worden. Es gab diese Menschen schon immer, sie
fielen früher nur nicht so auf. Bis in die achtziger Jahre hatte in
Westdeutschland auch das untere Fünftel der Gesellschaft zumeist einen
sicheren Arbeitsplatz, der dem Leben Halt und Struktur gab. Mit den jährlichen
tariflichen Lohnerhöhungen konnte auch diese Schicht vom wachsenden Wohlstand
profitieren. In Ostdeutschland war Arbeitslosigkeit bis zur Wiedervereinigung
ohnehin kein Thema.

Hüben wie drüben war die Unterschicht zur unteren Mittelschicht geworden, die
Bundesrepublik zum Heim einer "nivellierten Mittelstandsgesellschaft", so der
Soziologe Helmut Schelsky 1953. Wie viele Pornos der Fließbandarbeiter nach
Feierabend schaute, wie viel Bier er trank, wurde als das betrachtet, was es
natürlich auch heute noch sein sollte: seine Privatsache.

Doch seit die Arbeitslosigkeit rapide zu steigen begann - im Westen seit Anfang
der achtziger Jahre, im Osten schlagartig mit der Wiedervereinigung - wurde die
untere Mittelschicht von der Wohlstandsentwicklung abgekoppelt. Die bescheidene
berufliche Qualifikation dieser Menschen reichte immer seltener für eine
tariflich abgesicherte Vollzeitbeschäftigung. Heute leben die meisten
Angehörigen dieser Schicht von Hartz IV oder stecken in sogenannten prekären
Arbeitsverhältnissen - meist ohne Aufstiegschancen, Tarifbindung oder
Kündigungsschutz.

Warum aber reichten neun Jahre Hauptschule ohne Abschluss noch vor 30 Jahren
aus, um mit der allgemeinen Wohlstandsentwicklung Schritt zu halten, während
heute oft noch nicht einmal mehr die Mittlere Reife einen Ausbildungsplatz
garantiert?

Wichtigste Ursache ist die gewaltige Ausweitung des effektiven weltweiten
Arbeitsangebots in den letzten zwei Jahrzehnten. Vor einigen Jahrzehnten
begannen deutsche Textilfabriken mit neuen Anbietern in Asien zu konkurrieren -
und verloren, weil die deutschen Arbeiter natürlich ungleich höher bezahlt
wurden.

Die Entwicklung erfasste nach und nach immer weitere Industriezweige. Auf die
Textilindustrie folgten die Unterhaltungselektronik und schließlich auch
Stahlwerke wie das in Rheinhausen. Inzwischen sind es nicht mehr nur
Hilfsarbeiterjobs, die der Globalisierung zum Opfer fallen. Auch Aufträge in
Handwerk und Dienstleistung werden immer häufiger von ausländischen
Unternehmen übernommen, die dazu ihre niedrig entlohnten Mitarbeiter nach
Deutschland schicken - etwa auf Baustellen oder in Schlachthöfe.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es gibt keine vernünftige Alternative zur
Marktöffnung. Zum einen aus ethischen Erwägungen, denn warum sollten ein
türkischer Bekleidungshersteller oder ein polnischer Handwerker weniger Recht
als ein Deutscher darauf haben, seine Ware oder seine Dienstleistung in
Deutschland anzubieten?

Zum anderen aus wirtschaftspolitischen Gründen, weil es keinen wissenschaftlich
begründbaren Zweifel daran gibt, dass freier Handel für Wohlstandszuwächse in
allen daran beteiligten Staaten sorgt und mehr Protektionismus umgekehrt
Wohlstand vernichtet.

Ungerechtigkeit? Welche Ungerechtigkeit?

Die volkswirtschaftliche Begründung des Freihandels weist jedoch einen Haken
auf, der in der öffentlichen Diskussion meist zu kurz kommt: Durch mehr Handel
steigt zwar der Wohlstand aller beteiligten Volkswirtschaften insgesamt.
Innerhalb der einzelnen Volkswirtschaften jedoch gibt es sehr wohl Gewinner und
Verlierer des Freihandels. Theoretisch reichen die Zuwächse zwar aus, um alle
Verlierer angemessen zu entschädigen. Ob und wie weit dies jedoch geschieht -
das ist eine politische Entscheidung jeder einzelnen Gesellschaft.

Die Verlierer des verstärkten internationalen Handels, das sind in Deutschland
die Anbieter gering qualifizierter Tätigkeiten. Egal ob es sich dabei um
Industriearbeiter oder um kleine Selbständige handelt: Sofern sie noch Arbeit
haben, sind ihre Realeinkommen in den vergangenen Jahren gesunken; sind sie
arbeitslos, dann wurde vielen von ihnen im Rahmen der Agenda 2010 die
Arbeitslosenunterstützung auf Sozialhilfeniveau gekürzt.

Kurz: Die deutschen Globalisierungsverlierer wurden für ihre Verluste nicht
entschädigt.

Wie gehen wir mit dieser Ungerechtigkeit um? Ist da überhaupt eine
Ungerechtigkeit?

Die einfachste Antwort besteht darin, die zweite Frage zu verneinen. Bisweilen
trägt der daraus resultierende Versuch, der wiederentdeckten Unterschicht die
Schuld an ihrem Schicksal zuzuschreiben, fast schon absurde Züge. Wenn etwa
die neuen Bürgerlichen beklagen, dass Unterschichtangehörige sich selbst um
ihre Chance auf gesellschaftliche Teilhabe brächten, weil sie sich nur von
ungesundem Fast Food ernährten, zu viel Alkohol tränken, Privatfernsehen
schauten und ihre Kinder nicht vernünftig erzögen. Während die wackeren
Proletarier früherer Zeiten natürlich ihren Körper beim Sport stählten,
sich pausenlos in Lesehallen weiterbildeten, im Arbeitergesangsvereinen die
Fahne hoch hielten und ihre Kinder niemals ohne Pausenbrot in die Volksschule
schickten.

Man wünscht die Herren Wüllenweber und Di Fabio in eine Zeitmaschine, die sie
zurückbefördert ins Deutschland der fünfziger Jahre. Sie könnten sich dann
selbst davon überzeugen, wie die Handlanger auf den unzähligen Baustellen des
Wirtschaftswunders in der Frühstückspause die "Frankfurter Allgemeine"
aufschlagen und vergnügt ihre Rohkostsalate futtern. Wie Frauen am Zahltag
ihre Männer am Werkstor abholen, damit die den Inhalt der Lohntüte nicht
gleich wieder für frischgepresste Fruchtsäfte verprassen; und wie die
Näherin von der Fabrik nach Hause eilt, um ihre Kinder mit einem gekonnten
Medley aus Schubert-Liedern in den Schlaf zu singen.

Im Ernst: Der Lebensstil der Unterschicht war tendenziell schon immer
ungesünder und unvernünftiger als jener der braven Bürgersleut'. Schon immer
drohte der unteren Mittelschicht mit dem Verlust des Arbeitsplatzes auch das
entscheidende bisschen Halt verloren zu gehen, der einen rauen Lebensstil von
einem selbstzerstörerischen trennt. Lange bevor es Fast Food und Privat-TV
gab, zeigte das bereits 1933 der österreichische Sozialforscher Paul Felix
Lazarsfeld in der Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal".

Ebenfalls schon immer war das Bürgertum von den derben Sitten der "einfachen
Leute" abgestoßen und fasziniert zugleich, und umgekehrt war die Unterschicht
schon immer hin- und hergerissen zwischen der Imitation des bürgerlichen
Lebensstils und dem stolzen Beharren auf dem eigenen Proletentum. Warum ist es
gerade heute so populär, genau dies zu leugnen und auf die angeblich so
grundlegenden kulturellen Unterschiede zwischen Bürgertum und
"Unterschichtkultur" zu verweisen?

Zum einen weil, wie gesagt, der Unterschicht Mitschuld an ihrem eigenen
Schicksal zugeschrieben werden soll. Zum anderen weil die Globalisierung
inzwischen auch weite Teile der Mittelschicht in ihrem sozialen Status bedroht.
Es sind ja längst nicht mehr nur die geringqualifizierten Arbeitsplätze, die
von Verlagerung oder Einkommensverlust bedroht werden. Bedroht sind inzwischen
auch die klassischen Biotope der Mittelschicht: Dank gesunkener Kosten für die
elektronische Datenübertragung (auch dies eine Facette der Globalisierung)
lassen sich heute die Tätigkeiten von technischen oder kaufmännischen
Angestellten ebenso global verlagern wie vor zwanzig Jahren die Jobs der
Hilfsarbeiter. Wo dieser Prozess endet, wen es noch alles trifft, das weiß
niemand.

Umso größer das Bedürfnis der Mittelschichten, sich abzusetzen gegenüber den
gesellschaftlichen Verlierern. Sich und anderen zu vergewissern: Mir kann nicht
passieren, was der Unterschicht passiert, denn ich bin grundlegend anders als
die.

Ob es tatsächlich die Menge des Fernsehkonsums, die Häufigkeit der
McDonald's-Besuche oder die Vorliebe für Tätowierungen überm Gesäß sind,
die ursächlich die Verlierer der Globalisierung von denen scheiden, die noch
einmal davonkommen werden? Das ist zwar mehr als fraglich, aber es beruhigt
natürlich enorm, sich genau das von den neuen Bürgerlichen einreden zu
lassen."


Aus: ""BÜRGERTUM VS. UNTERSCHICHT - Arbeitslos? Selbst Schuld!" Von Christian Rickens (22. November 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,449792,00.html

« Last Edit: June 03, 2014, 10:39:23 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit... (Notizen)]
« Reply #4 on: February 18, 2007, 09:05:35 PM »
Quote
[...] Die Französische Revolution war der Höhepunkt eines langen schwelenden Konflikts. Die französische Bevölkerung hatte sehr unterschiedliche Rechte: Alleiniger Herrscher war König Ludwig XVI. Adel und geistige Würdenträger mussten keine Steuern zahlen und hatten Zugang zu Staatsämtern. Die Bürger- gut verdienende Kaufleute- zahlten Steuern, durften aber nicht in der Politik mitsprechen. Die Bauern und Arbeiter hatten keinerlei Rechte, mussten aber bis zu zwei Drittel ihres ohnehin kargen Lohnes als Steuern abführen. Der König hatte durch Kriege und protzige Hofhaltung den Staatshaushalt ruiniert. Die Situation spitzte sich zu, als Missernten die Arbeiter und Bauern ins Elend stürzten. Ludwig XVI versuchte, das Loch im Staatshaushalt durch höhere Steuern zu beseitigen. Doch er hatte nicht mit dem Bürgertum, der Bourgeoisie , gerechnet. Es forderte Mitspracherecht in der Politik.

[...] Die Autoritätskrise ist die erste Ursache der französischen Revolution: Die Philosophie der Aufklärung während des 18. Jahrhunderts propagierte teilweise eine Abkehr von der absolutistischen hin zu einer demokratischen Staatsauffassung, die allgemeine Geltung von Menschen- und Bürgerrechten, den säkularen Staat sowie den Glauben an die Vernunft. Diese Philosophie entzog dem Herrschaftsanspruch von König (Gottesgnadentum) und Klerus die Grundlage.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts beherrschte der kritische Geist der Aufklärung die Gesellschaft. Große Teile des Adels glaubten nicht mehr an die althergebrachten Privilegien, denen sie ihre Stellung verdankten. Die Salons, Zeitschriften, Debattierclubs und Freimaurerlogen wurden Träger der immer kritischer werdenden öffentlichen Meinung. In die breiten Schichten drangen einfache Schlagwörter vor, die Gründe für und einen Ausweg aus der desolaten Situation lieferten.

[...] Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit- unter dieser Parole verweigerten die französischen Bürger dem König den Gehorsam. Die Revolution war ausgebrochen. Die Bürger gründeten am 17.6.1789 die Nationalversammlung und begannen über eine Verfassung zu diskutieren. Sie sollte allen Franzosen gleiche Rechte sichern. Auch das einfache Volk revoltierte. Die Pariser stürmten am 14.7.1989 die Bastille. Im August wurden die Bauern befreit, das Feudalsystem abgeschafft. Die Menschenrechte wurden ausgerufen, doch Gleichheit gab es immer noch nicht. Das Parlament wurde nur von den Reichen gewählt. Am 10. August 1793 wurde der König eingesperrt und die Republik ausgerufen. Nach der Hinrichtung des Königs und seiner Familie 1793 begann in Frankreich eine Schreckensherrschaft und dem >>Wohlfahrtsausschuss<< um Robespierre. Wer sich gegen ihre Politik sperrte, wurde durch die Guillotine hingerichtet.


Aus: "Französische Revolution" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Revolution

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[Die Bezeichnung "Unterschicht"... (Notizen)]
« Reply #5 on: February 18, 2007, 09:33:35 PM »
Quote
[...] Wer ist schuld am Unterschichten-Problem? ...

Quote

Quote
Zitat von elas
In Ihrer Auflistung haben Sie die Hauptsache vergessen:

die Unterschichten selbst.
oder haben die am wenigsten mit ihrem Schicksal zu tun?

Unterschicht wird gemacht!
Oder glauben Sie ernsthaft, Unterschicht wird geboren?

Quote
[...] elas (17.10.2006)

Quote
Zitat von pps
Unterschicht wird gemacht!
Oder glauben Sie ernsthaft, Unterschicht wird geboren?

Frage ist nur von wem sie gemacht wird?
Von den Betroffenen selbst oder von anderen?

Eine urmenschliche Verhaltensweise ist auch die, wenn etwas schief läuft, anderen die Schuld zuzuweisen.

Quote
Jörn Bünning (17.10.2006)
Wie bitte, Unterschicht?
Pfui, so etwas sagt man nicht, habe ich gestern dem Politikermund entnehmen können.

Heute morgen gab es den passenden Begriff, der die Minimalforderungen nach political correctness entspricht:

Das Präkariat

Quote
[...] Alzheimer (17.10.2006)

Die Bezeichnung "Unterschicht" ist eine problematische Angelegenheit. Einen Wissenschaftler, der durch Arbeitslosigkeit zum HartzIV-Empfänger geworden ist, der sich weiterhin um Arbeit bemüht und nicht vor der Glotze versumpft, kann man sicher nicht darin einordnen. Bei einem wohlstandsverwahrlosten Jugendlichen aus finanziell gut situiertem Elternhaus wird es mit dem Begriff "Unterschicht" auch schwierig, weil keine materiellen Defizite vorhanden sind.
Oft standen und stehen Eltern auf dem Standpunkt: "Mein Kind soll es besser haben", was oft dazu führt, daß der Nachwuchs mit Wohltaten überschüttet wird, für die keine Gegenleistung (z.B. gute Schulnoten, entsprechendes Benehmen) erwartet werden. Solche Leute scheitern dann sehr oft, zumal alle Hindernisse von den Eltern aus dem Weg geräumt werden. Früher als noch genügend einfache Arbeit, die ausreichend bezahlt wurde, vorhanden war, konnte ein sozialer Abstieg besser abgefedert werden.


Quote
Karendric (17.10.2006)
Quote
Zitat von Alzheimer
Früher als noch genügend einfache Arbeit, die ausreichend bezahlt wurde, vorhanden war, konnte ein sozialer Abstieg besser abgefedert werden.
Wann soll das gewesen sein?

Gruß,
Karendric

Quote
underdog (17.10.2006)

..und dank der flächendeckenden Einführung von Studiengebühren wird es für die Kinder reicher Eltern nun noch einfacher, sich unliebsame Konkurrenz vom Hals zu halten. Zudem wird dank der nun zunehmenden Tendenz ärmerer Abiturienten, sich statt eines Studienplatzes einen Ausbildungsplatz zu suchen, die sowieso bereits vorhandene Lehrstellenknappheit verstärkt. Und dann wundern sich die Damen und Herren Politiker wieder und appellieren an die Betriebe, mehr auszubilden. Ein Witz.

Quote
Los (17.10.2006)
Was ist eigentlich "die Unterschicht"?

Die Dummen, die Armen, die Ignoranten, die Ungebildeten, die Gewalttätigen...
Sorry, aber ich kenne Menschen, die mit kleinen Einkommen auskommen müssen, zwei Kinder haben und jeden Cent zweimal umdrehen müssen.
Trotzdem passen diese Menschen nicht in das hier gezeichnete Bild "der Unterschicht".
Und ich kenne 18-Jährige, die von "Haus aus erst mal Kohle haben" und trotzdem auf der Hauptschule gescheitert sind und in etwa so viel Chancen auf eine Job haben wie ein Schneeball in der Hölle.
Sind die keine "Unterschicht", nur weil denen nicht das Sozialamt, sondern Daddy das Bier zahlt?

Also, was ist "die Unterschicht"?
Ein Sammlebegriff für Dinge, die wir nicht wollen, nicht mögen oder was?

Bevor man nach der Schuld fragt, sollte man denn doch mal klären woran wer Schuld sein soll.

In diesem Sinne,

Los



Text Bruchstücke aus: " Wer ist schuld am Unterschichten-Problem?" (SPON Forum; 17.10.2006)
Quelle: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=867&page=1&pp=10

« Last Edit: May 18, 2010, 01:35:04 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Ein Unterschichtenphänomen [?]... (Notizen)]
« Reply #6 on: February 25, 2007, 12:06:56 PM »
Quote
[...] „Zigaretten rauchen ist nur noch eine underclass affair“, sagt die Geschäftsfrau. Ein Unterschichtenphänomen.

[...] Noch in den 80er Jahren bestellten die lässigsten aller Café-Besucher ein „Existenzialistenfrühstück“ aus Kaffee, Aspirintablette und Gauloises. Heute ist es aus den Speisekarten verschwunden. Nicht mehr die Künstler sind es, die zur Zigarette greifen, sondern vor allem diejenigen, die eine körperliche Arbeit verrichten (38 Prozent). Die meisten Raucher finden sich in Milieus mit niedrigem gesellschaftlichem Status. Eine Allensbach-Studie besagt, dass 30 Prozent der Deutschen rauchen. Bei denjenigen, die weniger als 1000 Euro Netto pro Haushalt verdienen, liegt dieser Anteil bei 41 Prozent. Steigt das Einkommen, nimmt die Zahl der Raucher kontinuierlich ab. Lediglich 26 Prozent der Gutverdienenden rauchen.

[...] „Welche Menschen rauchen?“ fragt Jochen Groß, wissenschaftlicher Mitarbeiter, verantwortlich für die Studie. „Wir können diese Frage nicht umfassend beantworten. Bei diesem Thema klafft in der Gesellschafts-Forschung eine Lücke.“
Bisher gibt es nur Einzeluntersuchungen und Erklärungsansätze. Dafür, dass mehr Mädchen rauchen, als Jungen. Dass im Osten mehr geraucht wird, als im Westen. Dass mehr arme Leute rauchen als Reiche. „Es ist vor allem eine Frage der Bildung“, sagt Groß. 63 Prozent der Hauptschüler rauchen, nur 30 Prozent der Abiturienten. „Wer gebildet ist, geht verantwortungsvoller mit sich selbst um. Gesundheit ist für ihn ein höheres Gut und er ist über die Risiken, sie zu gefährden, besser aufgeklärt.“

[...] Sabrina Müller zündete sich auch im Beisein ihrer zweijährigen Tochter gern und oft eine Zigarette an. Für Kaspar, Liebhaber schöner Körper, Vegetarier und Nichtraucher, eine Katastrophe. „Du vergiftest deine Tochter“, sagte er. Sabrina rastete aus. „Wenn ich nicht rauchen kann, werde ich nervös und hänge nur noch vor dem Kühlschrank!“ Als Kaspar ein Rauchverbot im Wohnzimmer verhängte, zog Sabrina aus.

[...]  So wie es aussieht, wird es in Deutschland bald nicht mehr viele Möglichkeiten zum Rauchen in Gesellschaft geben – abgesehen vom heimischen Sofa natürlich. Wenn er ein Bier getrunken hat, denkt der Fernfahrer sogar darüber nach, auszuwandern.


Aus: "Rauchverbot: Der neue Klassenkampf" Von Von Freia Peters (24. Februar 2007)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article733976/Der_neue_Klassenkampf_.html

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[Weil die als "asozial und unmoralisch geltenden"... (Notizen)]
« Reply #7 on: February 28, 2007, 01:22:30 PM »
Quote
[...] In der frühen Neuzeit war allein die Antwort darauf wichtig: Haben wir genügend Soldaten, haben wir genügend Arbeiter. Man hatte zu wenig oder man hatte genug. Zu viele gab es nicht. Dann legte der britische Ökonom Thomas Robert Maltus 1798 mit seinem "Essay on the principle of population" den Grundstein. Richtig los ging der Bevölkerungsdiskurs in den 1870ern, also mit der Industrialisierung und den elenden Lebensbedingungen der Menschen. Weil die als asozial und unmoralisch geltenden Unterschichten zu viele Kinder bekamen, hat man angefangen, Bevölkerung als Problem zu sehen. Das war völlig neu. Es drohte ein enormer Bevölkerungsanstieg der Unterschicht, von dem die bürgerliche Gesellschaft Angst hatte, überflutet zu werden.


Eine Parallele dazu ist wohl heute die Dritte Welt?

Ja, denn es geht nicht immer um zu wenig, sondern auch um zu viel Bevölkerung: Die "Falschen", früher die Unterschicht, heute die dritte Welt, bekommen zu viele Kinder. Die "Richtigen" zu wenig. Das ist die bürgerliche Mittelschicht oder die westliche Bevölkerung im Vergleich zur Dritten Welt. Diese Diskussion wird seit über 100 Jahren geführt.

[...] Basis für unsere Sozialsysteme ist immer die Aussage: Wenn wir nicht genügend Kinder von guter Qualität bekommen, sterben wir aus. Und das könne nur verhindert werden, indem Sozialpolitik betrieben wird.


Aus: "Demografie-Experte: "Das ist Politik mit der Angst"" (26. Februar 2007)
Quelle: http://stern.de/politik/deutschland/:Demografie-Experte-Das-Politik-Angst/583402.html

« Last Edit: October 04, 2010, 02:13:34 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Selektieren, klassifizieren und internieren... (Notizen)]
« Reply #8 on: March 01, 2007, 10:12:59 AM »
Quote
[...] Berlin (dpa) - Der UN-Menschenrechtsinspektor, Vernor Muñoz, hat
mit scharfen Worten die deutsche Bildungspolitik gerügt. Das
dreigliedrige Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium
benachteilige durch seine frühe Aufteilung Kinder aus armen
Elternhäusern und aus Migrantenfamilien. Es wirke «extrem selektiv»
und diskriminiere Behinderte, schreibt der Menschenrechtsexperte in
einem vorläufigen Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa)
vorliegt. Der Jura-Professor aus Costa Rica besuchte im Auftrag der
UN-Menschenrechtskommission genau vor einem Jahr Deutschland.
Weitere Kritikpunkte in seinem Berichtsentwurf sind die völlig
unterschiedliche Schulorganisation der 16 Bundesländer, die Eltern
und Schülern den Wohnortwechsel erschwere, fehlende Durchlässigkeit
zwischen den Schulformen, die Lehrerausbildung, die Probleme beim
Schulbesuch von Kindern, deren Familien illegal in Deutschland leben,
sowie zu wenig Autonomie der einzelnen Schule gegenüber der
Verwaltung.
Muñoz will am 21. März bei der vierten Sitzung des
Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf über seine
Deutschland-Inspektion berichten. Sein vorläufiger Text, der vom
Auswärtigen Amt übersetzt wurde, liegt jetzt den Kultusministern und
dem Bundesbildungsministerium «vertraulich» vor.

Der Menschenrechtsexperte legt der Bundesrepublik «eindringlich
nahe», das mehrgliedrige Schulsystem «noch einmal zu überdenken». Bei
der im internationalen Vergleich «untypisch» frühen Aufteilung der in
der Regel zehnjährigen Kinder auf die verschiedenen Schulformen
könnten «die Schüler nicht angemessen beurteilt werden». Dies wirke
sich besonders negativ auf arme Kinder, Schüler aus
Migrationsfamilien sowie auf Kinder mit Behinderungen aus. Auch seien
die Lehrer für das Auswahlverfahren der Schüler «nicht immer
ausreichend geschult». Weltweit verteilt außer Deutschland nur noch
Österreich die Kinder so früh auf verschiedene Schulformen.
Mit Blick auf die PISA-Studie verweist Muñoz darauf, dass in
keinem anderen vergleichbaren Industriestaat der Bildungserfolg so
stark von der sozialen Herkunft abhängt wie in Deutschland. Durch den
internationalen Konkurrenzdruck wachse auch in der Bundesrepublik der
Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitnehmern. Ungelernte hätten
dagegen kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei bezieht sich
Muñoz auch auf die im internationalen Vergleich geringe
Abiturientenquote in Deutschland und bemängelt die hohe Zahl von
Schulabgängern ohne Abschluss, insbesondere bei Migrantenkindern.


Aus: "bdt0506 3 pl 503 dpa 4370; Bildung/Menschenrechte; UN-Menschenrechtsinspektor übt harsche Kritik an deutscher Schule" (02/2007)
Quelle: http://www.gew.de/Binaries/Binary24757/dpaMunoz.pdf

-.-

Quote
Quote
[...] Nach dem nun vorliegenden Report des UN-Sonderberichterstatters hat die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer die Bundesregierung noch einmal nachdrücklich darauf hingewiesen, "dass die ständige Wiederholung konservativer Mythen und Rechtfertigungsrhetorik für ein nachweislich hoch selektives Bildungssystem international keinen Eindruck macht, sondern Kopfschütteln und Befremden hervorruft."


Quote
1. März 2007 9:08
Hallo Herr Muñoz, die extreme Selektivität des Systems ist kein Mangel.....
afreak

....sondern ein Qualitätsmerkmal!
Wo kämen wir denn hin, wenn rauskäme, daß die Deutschen Mittelstands
und Oberschicht - Kinder nicht schlauer oder lernfähiger sind als die
"Asis und Kanacken". Da muß man doch vorsorgen!
Zumindest in der konservativen Oberschicht Deutschlands dürften
solche Ansichten weit verbreitet sein.
Selektieren, klassifizieren und internieren von Volksgruppen war
schon immer ein Hobbie der Deutschen.

-.-

Quote
1. März 2007 0:54
Schulen sind Trivialisierungsanstalten
cassiel

wo Kinder und Jugendliche lernen auf die immer gleichen vorgegebene
Fragen die immer gleichen erwarteten Antworten zu geben. Kreativität,
Individualität und Querdenken ist unerwünscht, von demokratischer
Kultur ganz zu schweigen: ich habe in 13 Jahren Schule nicht ein Wort
über echte (direkte) Demokratie gehört. Dazu musste ich 22 Jahre auf
einen massenmedialen Betriebsunfall warten.
In sofern: Schule hat im preussisch-obrigkeitshörigen Deutschland
noch nie die Funktion einer humanitären Bildungseinrichtung gehabt,
sondern die der Konditionierung des beeinflußbaren aber auch
tendenziell rebellischen jungen Menschen zu einem Untertan und
Staatssklaven. Stohdumme Lohnsklaven nützen der Staatsmafia nichts,
zu schlaue aber auch nicht.


Kommentar zu: "Deutsches Schulsystem: "Extrem selektiv"" von Thorsten Stegemann (TP, 01.03.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24744/1.html

Quelle: http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?list=1&forum_id=113248

-.-

Quote
[...] Wo Rauch aufsteigt, muss irgendwo Feuer sein. Eine ganze Reihe von Kultusministern weist den Bericht eines gewissen Herrn Muñoz wütend zurück. Der Mann sei nur neun Tage durch die Republik gereist, schimpfte Niedersachsens Kultusminister Busemann (CDU), der könne sich gar kein Urteil über Schulen leisten.

[...] in einer Untersuchung hat der Hamburger Bildungsforscher Hans Wocken untersucht, wie sich Kinder in Sonderschulen intellektuell entwickeln. Das Ergebnis war: negativ. Die Sonderschule, die oft Förderschule heißt, fördert nicht etwa, sie macht dümmer. "Je länger ein Schüler in der Förderschule zugebracht hat", schreibt Wocken, "desto schlechter sind sowohl seine Rechtschreibleistungen als auch seine Intelligenztestwerte." Daraufhin forderten die versammelten Forscher für Sonderpädagogik im Februar 2006, die Sonderschulen abzuschaffen.

Das verlangt auch Muñoz. Die Kultusminister aber halten ihm vor, er habe keine Ahnung vom deutschen Bildungssystem. Dabei kokelt und raucht die Schule nicht nur - sie brennt lichterloh.


Aus: "brennpunkt 1 - Kinder ohne Chancen" Von CHRISTIAN FÜLLER (taz vom 5.3.2007, S. 3, 138 Z. (TAZ-Bericht))
Quelle: http://www.taz.de/pt/2007/03/05/a0170.1/text

-.-

Quote
[...] In Österreich sind Bildungserfolg und Milieuzugehörigkeit immer noch eng miteinander verflochten, sagen die Autoren des Sammelbandes und führen als Beleg renommierte Soziologen wie Pierre Bourdieu oder Antonio Gramsci, aber auch die letzte Pisa-Studie an. Tenor: Eltern, die über hohe Bildungsabschlüsse (und, damit oft einhergehend, das nötige finanzielle und kulturelle Kapital) verfügen, vererben ihren sozialen Status an die Sprösslinge. Um dieser Praxis einen legitimen Anstrich zu geben, werden die Begriffe Leistung und Begabung ins Spiel gebracht.

[...] In der Realität, so die Tendenz des Buches, funktionieren die schulischen Spielregeln so, dass etwa Akademikerkinder, vorgeblich einer "natürlichen Begabung" gehorchend, die Anforderungen mehr oder weniger mühelos erfüllen, während Kinder aus bildungsfernen Schichten scheitern, nach und nach "ausgesiebt" werden. Was von Lehrern, Eltern, Schülern als biologisch angelegte Fähigkeit oder Unfähigkeit verstanden wird, ist in Wirklichkeit ein Set an Verhaltensweisen und Einstellungen, das von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben wird und über schulischen Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Wer seine vorgebliche kognitive Unterlegenheit einmal akzeptiert hat, neigt dazu, Hierarchien nicht in Frage zu stellen. "Weil ich dumm bin, drehe ich in einer Fabrik Schrauben in Felgen", zitiert Stefan Vater (S.58) einen Arbeiter.

So gesehen wirkt Schule in einer von Ungleichheit geprägten Gesellschaft als stabilisierender Faktor. Übrigens: Je früher man Kinder verschiedenen Schultypen zuweist, desto eher sind sie in der Lage (oder dazu verdammt), den sozialen Status ihrer Eltern zu übernehmen.


Aus: "Schule als soziales Sieb – zum Misserfolg verurteilt" Von Michael Schmölzer (09. April 2007) / Über: Keine Chance für Lisa Simpson?  Soziale Ungleichheit im Bildungssystem edition mandelbaum (310 Seiten) / Ingolf Erler (Hg.)
Quelle: http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3935&Alias=wzo&cob=278673

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[Das "Stimulierende" der Ungleichheit [?]... ]
« Reply #9 on: March 20, 2007, 10:36:04 AM »
Quote
[...] Dass Ungleichheit auch etwas Stimulierendes, Produktives haben kann, wird in unserer Gleichheitskultur nicht gesehen, und dass Ungleichheit auch leistungssteigernd wirken kann, darf man kaum laut sagen.

[...] Was die Bildungsabstinenz der Jugendlichen aus der Unterschicht angeht - mit oder ohne Migrationshintergrund -, haben wir in der Tat ein erhebliches Problem. Aber das hat wenig mit materieller Armut zu tun und viel mit einer Verweigerungshaltung gegenüber Bildung. Großen Teilen der Unterschicht ist das bürgerliche Bildungs- und Aufstiegsideal schlicht abhanden gekommen. Dies ist unter anderem eine Spätfolge von 1968. Außerdem haben hier alle gesellschaftlichen Gruppen versagt, weil sie die Wichtigkeit von Bildung nicht ausreichend vermittelt und die kulturelle Verwahrlosung lange Zeit achselzuckend hingenommen haben.

Wir haben mehr kulturelle als materielle Armut. Und wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es eine wachsende Gruppe von Menschen gibt, die es gut findet, tagsüber Krawall-Talkshows zu schauen, Bier und Schnaps zu trinken und dabei zwei Schachteln Zigaretten zu rauchen. Für mich mag das erschreckend sein, aber in einer liberalen Gesellschaft muss ich akzeptieren, dass es verschiedene kulturelle Ausdrucksformen gibt.


Aus: "Reichtum wird überschätzt" Aus einem Ein Gespräch mit Klaus Schroeder, Jahrgang 1949, Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin (brand eins 2/2007)
Quelle: http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2235&MenuID=8&MagID=84&sid=su8213570923767144&umenuid=1

-.-

Quote
[...] Dresden. Die Zahl der Niedriglohnbezieher hat in den vergangenen Jahren auch in Sachsen stark zugenommen. „Es gibt immer mehr Arbeitnehmer, die unter sechs bis sieben Euro pro Stunde arbeiten“, sagte der Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Sachsen, Markus Schlimbach. Ein genauer Zahlenvergleich sei aber kaum möglich. Durch die Hartz-Reformen seien zudem viele Sozialleistungen zusammengelegt worden. Derzeit benötigten rund 90 000 Sachsen neben dem Lohn zusätzliche Sozialleistungen, unter ihnen seien allein 40 000 Vollzeitbeschäftigte.


Aus: "Immer mehr Sachsen arbeiten für weniger als sieben Euro" (LVZ-Online vom: Montag, 19. März 2007)
Quelle: http://www.lvz-online.de/aktuell/content/19214.html

-.-

Quote
[...] Müntefering sagte der "Bild am Sonntag": "Ich will sittenwidrige Löhne gesetzlich verbieten. Es verstößt gegen die Menschenwürde, wenn Menschen, die voll arbeiten, mit ihrem Einkommen unter dem Existenzminimum liegen."


Aus: "SOZIALPOLITIK: Müntefering will Mini-Löhne verbieten, Milliarden in Infrastruktur investieren" (SPON; 25. März 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,473730,00.html

-.-

Quote
[...] Zur Begründung sagte der SPD-Politiker, es könne nicht sein, "dass die öffentlichen Kassen von einigen Unternehmern ausgebeutet werden - weil wir über Sozialtransfers die Hungerlöhne aufstocken". 500.000 Menschen mit einem Vollzeitjob verdienten so wenig, dass sie anschließend Arbeitslosengeld II bekämen. Das dürfe "so nicht bleiben". (APA)


Aus: "Deutsche Regierung will "sittenwidrige" Löhne verbieten: Müntefering sieht in Minilöhnen "Verstoß gegen Menschenwürde"" (25. März 2007)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2818394

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Quote
[...] Der Einkommensvorteil einer akademischen Ausbildung gegenüber den Absolventen einer klassischen Lehre im dualen System ist seit 1998 von 30 Prozent auf 53 Prozent gestiegen. Ein so starker Anstieg ist außer in Ungarn in keinem anderen Land zu verzeichnen - ein deutlicher Hinweis auf die Knappheit von Humankapital. Auf der anderen Seite haben sich die Aussichten am Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte im gleichen Zeitraum erheblich verschlechtert. [Andreas Schleicher, 42, ist Chef der Abteilung für Indikatoren und Analysen bei der OECD in Paris und leitet unter anderem die Pisa- Studien.]


Aus: "AKADEMIKERMANGEL: "Wir verschlafen den Bildungsboom"" (SPON; 20. März 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,470285,00.html

-.-

Quote
[...] Das Wort degradiere nicht nur Arbeitskräfte in Betrieben, sondern Menschen überhaupt „zu nur noch ökonomisch interessanten Größen“

[...] In dem Zusammenhang wird oftmals der Vergleich mit der Sklavenwirtschaft angeführt, als Menschen tatsächlich „Kapital“ waren, d.h. einen Preis hatten und wie Sachgüter gehandelt wurden.

Viele Ökonomen zeigen sich entsetzt über diese Argumentation und halten sie für falsch, denn die Sprachwissenschaftler hätten die ursprüngliche Bedeutung und Intention des Begriffs nicht verstanden. Wer sich mit der einschlägigen Literatur auseinandersetze, werde schnell feststellen, dass das Humankapital im ursprünglichen Sinn als Erfolgsfaktor, Ressource oder Potenzial angesehen wird, das maßgeblich die zukünftige Entwicklung und den künftigen Unternehmenserfolg determiniere, bzw. auf volkswirtschaftlicher Ebene den Wohlstand ganzer Nationen.


Aus: "Humankapital" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Humankapital

« Last Edit: March 25, 2007, 01:26:39 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Das Geschäft blüht weiter... (Notizen)]
« Reply #10 on: March 25, 2007, 08:14:13 PM »
Quote
[...] London (AP) Rund 3.000 Menschen haben am Samstag in London an einer Gedenkprozession zur Abschaffung des Sklavenhandels in den britischen Kolonien vor 200 Jahren teilgenommen. An ihrer Spitze gingen die Erzbischöfe von Canterbury und York, Rowan Williams und John Sentamu. Die Kirche von England hat sich für ihre Rolle beim Sklavenhandel entschuldigt. Williams sagte, die Leute, die ein System der Unmenschlichkeit in Gang gehalten hätten, seien "Menschen wie du und ich" gewesen. "Es waren Leute, die in vielerlei Hinsicht anständige und verantwortungsvolle Menschen waren, aber sie waren verblendet."

Der Sklavenhandel - nicht aber die Sklaverei selbst - wurde am 25. März 1807 per Parlamentsbeschluss abgeschafft. Die beiden Erzbischöfe riefen dazu auf, am Jahrestag der Schrecken des transatlantischen Sklavenhandels zu gedenken. Sie drückten die Hoffnung aus, dass die Menschen auch über die bis heute wirksamen Folgen wie etwa Menschenschmuggel nachdenken.


Aus: "Tausende gedenken Abschaffung des Sklavenhandels in London" (03/2007)
Quelle: http://www.solms-braunfelser.de/ap/apnews.php?code=20070324APD5680

-.-

Quote
[...] Es war Daniel Defoe, der 1713 eine unheimliche Rechnung aufmachte, in der der Sklavenhandel die ausschlaggebende Größe war: "Kein afrikanischer Handel, keine Neger. Keine Neger, kein Zucker. Kein Zucker, keine Inseln, keine Inseln, kein Kontinent, kein Kontinent, kein Handel. Und das alles sagt Lebewohl zu Eurem amerikanischen Handel, Eurem westindischen Handel . . ." Fast ein Jahrhundert hat es denn auch gedauert, bis man sich dieser Logik zu entwinden vermochte. Seit dem Juni 1806 wurden in Großbritannien nach einer zwanzigjährigen Kampagne gegen den Sklavenhandel die parlamentarischen Prozeduren eingeleitet, die im März 1807 Jahres zur Verabschiedung der "Bill for the Abolition of the Slave Trade" führten. Von nun an kontrollierte die britische Navy die Handelswege. Britische Kapitäne, die auf ihren Schiffen Sklaven beförderten, machten sich strafbar, und Schiffe anderer Nationen mit Sklaven an Bord konnten als Piratenschiffe behandelt werden.

[...] Im französischen Herrschaftsbereich brachte das Revolutionsjahr 1848 das Ende der Sklaverei, während die Plantagenbesitzer im amerikanischen Süden der Vereinigten Staaten ihre Sklaven erst 1865 freilassen mussten, entschädigungslos. In der spanischen Kolonie Kuba endete die Sklaverei 1886, die Befreiung der mehr als 1,2 Millionen Negersklaven Brasiliens ließ noch länger auf sich warten. In diesen Zusammenhang gehört auch die Aufhebung der bäuerlichen Leibeigenschaft in Russland 1861. Bis dahin waren die Leibeigenen nicht von persönlichem Sacheigentum unterschieden. In allen diesen einzelnen Reformschritten hat man zu Recht eine der großen weltgeschichtlichen Tendenzen des neunzehnten Jahrhunderts gesehen, die das Ende der von Weißen geführten Sklavenhaltersysteme herbeiführten.


Aus: "Die Erfindung der Moralpolitik" Vor zweihundert Jahren beschloss Großbritannien die Abschaffung des Sklavenhandels - Von Henning Ritter (10. März 2007)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub5C2BFD49230B472BA96E0B2CF9FAB88C/Doc~EBC2B809E73D74B7B83080E742C89196A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

-.-

Quote
[...] Der größte Unterschied zu früher aber ist, dass Sklaven noch nie so billig waren. Rechnet man den Preis, den ein Plantagenbesitzer in Alabama um 1850 für einen Leibeigenen bezahlen musste, auf heutige Verhältnisse um, dann kostete dieser 30000 Euro. Heute sind Sklaven für wenige hundert Euro zu bekommen, afrikanische Kinder werden schon für 20 oder 30 Euro verkauft.

Die Gründe für den stetig wachsenden Sklavenmarkt sind offensichtlich. Die Weltbevölkerung hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg verdreifacht, damit wuchs auch die Zahl potentieller Sklaven.

Die wachsende Armut in Entwicklungsländern veranlasst die Eltern dazu, ihre Kinder zu verkaufen - oft mit dem falschen Versprechen der Menschenhändler, die Jungen und Mädchen könnten sich auf den Plantagen, in den Bordellen oder in reichen Familien das Geld für ihre Ausbildung verdienen.

Und schließlich sorgen auch Korruption und Gesetzlosigkeit in vielen Staaten dafür, dass nichts gegen den Sklavenhandel unternommen wird. Oft arbeiten korrupte Beamte oder Polizisten mit Menschenhändlern zusammen - zum Beispiel indem sie entlaufene Sklaven wieder einfangen.


Aus: "200 Jahre nach Abschaffung des Sklavenhandels" - Das Geschäft blüht weiter: Noch nie gab es so viele und so billige Sklaven wie heute. Nur Waffenhandel und Drogen sind profitabler - Von Michael Bitala (SZ vom 24.3.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/205/107098/

-.-

Quote
[...]  Richmond. AP/baz. Das Parlament von Virginia hat «tiefes Bedauern» über die Rolle des US-Staats an der Sklaverei geäussert. Beide Parlamenskammern verabschiedeten am Samstag einstimmig eine Resolution, in der die Sklaverei als die abscheulichste aller Verletzungen der Menschenrechte und der amerikanischen Gründerideale gebrandmarkt wird. Auch nach der Abschaffung der Sklaverei seien die Afroamerikaner weiter systematisch diskriminiert worden, heisst es darin.


Aus: "US-Staat Virginia äussert «tiefes Bedauern» über Sklaverei" (03/2007)
Quelle: http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=F796DB8B-1422-0CEF-70D89AF83D092F34

-.-

Quote
[...] Toyin Agbetu rannte vor den Altar der Westminster Abbey in London, in dem Königin Elizabeth II., Premierminister Tony Blair und zahlreiche weitere Würdenträger versammelt waren, und rief "Sie sollten sich schämen" sowie "Das ist eine Beleidigung für uns". Er kam bis auf drei Meter an die Queen heran, bevor Sicherheitskräfte ihn packten. Später wurde Agbetu in Handschellen abgeführt.

Der 39-jährige Farbige forderte außerhalb von Westminster Abbey, Königin Elizabeth müsse sich im Namen ihrer Vorfahren entschuldigen. "Die Queen und die Regierung und die Kirche sind alle dort drinnen und klopfen sich auf die Schulter", kritisierte er. "Diese Nation hat sich nie entschuldigt, die afrikanischen Freiheitskämpfer sind nicht erwähnt worden."


Aus: "Farbiger stört Londoner Feier zur Abschaffung der Sklaverei" (Dienstag 27. März 2007)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/27032007/286/politik-farbiger-st-rt-londoner-feier-abschaffung-sklaverei.html

« Last Edit: March 28, 2007, 12:07:44 PM by lemonhorse »

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[Pornografie werde zur Leitkultur der Unterschicht... (Notizen)]
« Reply #11 on: April 12, 2007, 12:51:02 PM »
Quote
[...] Pornografie werde zur Leitkultur der Unterschicht, pflichtete der alarmierte Präsident der Deutschen Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Sexualforschung bei, Professor Jakob Pastötter.


Aus: "SCHWARZER bei Maischberger: Pornografisierte Gesellschaft" (12.04.2007)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/archiv/12.04.2007/3194177.asp
« Last Edit: December 06, 2010, 04:21:55 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Wäre Leistungsbereitschaft wirklich das einzige oder wichtigste... ]
« Reply #12 on: May 15, 2007, 12:34:35 PM »
Quote
[...] Leistung ist durch nichts zu ersetzen!

Sicherlich gibt es Leute, die arm und im Unglück leben, weil sie Pech hatten oder ihnen über mitgespielt wurde.
Das ist überall auf der Welt so. Es ist aber die verdammte Pflicht und Schuldigkeit eines jeden, selbst zu schauen und daran zu arbeiten, daß es (wieder) besser wird. "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott" ist eine alte Weislheit, die nichts an ihrer Gültigkeit verloren hat.

Die Weinerlichkeit der Unterschicht, die weder hungern noch frieren muß, finde ich unerträglich.
Noch schlimmer aber sind die Weltverbesserer, die, so wie der Sozialwissenschaftler Roland Merten, den Frustrierten auch noch Wasser auf die Mühlen gießen!

Reinhard Rupsch (14.5.2007 10:35 Uhr)


-.-

Quote
[...] Täuschen wir uns nicht......Genau so war Hartz IV gedacht

denn genau so war Hartz IV gedacht. Schliesslich braucht es auch im Lande wieder eine Sklavenklasse, die für nichts arbeitet und zu Demonstrationszwecken dient. Anders hat diese Gesellschaft nie funktioniert, nur waren (und sind) die Sklaven nicht im eigenen Land zu finden. Die 2% der Gesellschaft, die im Besitz der Reichtümer, sprich grossen Aktienvermögen sind, haben längst beschlossen, den Rest der Gesellschaft an der Wertschöpfung nicht mehr zu beteiligen.
Klatten Quandt und Co. (14.5.2007 12:05 Uhr)


-.-

Quote
[...] es sind nicht nur....

die arbeitslosen die unter die armutsgrenze gerutscht sind sondern auch die die arbeiten gehen und viel zu wenig lohn bekommen, frisoerinnen, kassiererinnen, putzfrauen usw. muessen sich mit bruttoloehne um 800,- bis 1000,- euro zufrieden geben damit kann man seine kinder nicht mehr ernaehren und kleiden obwohl man nicht zu hause sitzt und daeumchen dreht. das problem ist ganz klar die verteilung die nicht mehr statt findet!
Icke Berlin (14.5.2007 12:15 Uhr)


Quote
Geehrter Herr Rupsch

Sie finden die Weinerlichkeit der Unterschicht unerträglich und ich die Ignoranz solcher Leute wie Sie, die zur Bestätigung ihres eher schlichten Weltbildes alle Erkenntnisse ausblenden, die nicht dazupassen.

Was ist mit jenen vielen Menschen (und es werden immer mehr!), die täglich 8 oder mehr Stunden ihrer Arbeit nachgehen und trotzdem am Monatsende nur unwesentlich mehr Geld auf dem Konto haben als ein Hartz 4 Empfänger? Haben die einfach Pech oder ist ihre Leistungsbereitschaft nicht hoch genug?

Was ist mit jenen Jugendlichen, die, obwohl mit guten Zeugnissen ausgestattet, keine Lehrstelle finden, weil sie Vornamen tragen wie Murat oder Stojko oder sonst was Fremdländisches? Wird denen übel mitgespielt oder ist deren Leistungsbereitschaft nicht hoch genug?

Wäre Leistungsbereitschaft wirklich das einzige oder wichtigste Kriterium, das über sozialen Erfolg oder Misserfolg bestimmt, die Welt wäre tatsächlich gerechter!

Mit freundlichen Grüssen
Daniel Bätscher (14.5.2007 13:14 Uhr)

Quote
@ daniel

blödsinn, thomas, karl, und paul bekommen genauso wenig eine lehrstelle , wie ali oder ahmed oder murat. da muß eben neben den zensuren, auch noch das vitamin b, wie beziehung, vorhanden sein, ohne , geht garnichts.
und murat, ali, ahmed, wären als muttersprachler mit einer fremdsprache sogar noch im vorteil, bei unserer globalisierten gesellschaft.
leser (14.5.2007 13:28 Uhr)

Quote
@ leser (14.5.2007 12:16 Uhr)

dann sagen sie ihrem sohn, auf nach bayern! wir haben landesweit 5,7% arbeitslose, tendenz eher fallend. gerade in südbayern wird jeder der laufen kann händeringend gesucht vom einfachen maurer bis hoch zum bauingenieur findet jeder mit qualifikationen GUTBEZAHLTE arbeit (durchschnittseinkommen in der industrie ist in meiner region mehr als 3mal so hoch wie in mecklenburg-vorpommern stand letztens in der zeitung) wer darauf besteht in seinem kuhdorf sonstwo eine arbeit als sonstwas zu bekommen und partu nicht umziehen mag ist aber selbst schuld.
bayer (14.5.2007 13:53 Uhr)

Quote
Was denn

@keinduckmäuser
Warum sollten die Hartz4 Empfänger etwas unternehmen? Keiner muss hungern und frieren und das Geld reicht allemal für das Ganztagsfernsehen und die Kippen und das Bier. (Das trifft nicht auf alle zu, aber auf sehr viele) Und die etwas unternehmen wollen, sind in der Minderzahl, bzw. haben Minijobs und keine Zeit für Demos aller Art...
Wolfgang (14.5.2007 14:39 Uhr)

Quote
@bayer
Ihr Rat ist gut...Aber er bekämpft in kleinem Umfang nur die Symtome, nicht die Ursache. Hat denn Bayern echt 3-4 Millionen freie Arbeitsplätze? Klar ist Flexibilität wichtig, aber sie ist nicht das Allheilmittel, scon jetzt veröden ganze Landstriche (nicht nur im Osten), weil die die können wegziehen...
Wolfgang (14.5.2007 15:08 Uhr)

Quote
Kein Aufschwung für die Unterschicht

An Bürger usw.
Als aktives Gewerkschafts- und im Moment nur passives Parteimitglied und Bürgerin dieses Landes sehe ich mit großem Entsetzen, dass die jährlichen 10 Mio. Euro der Metallarbeitgeber für die Initiative neue soziale Marktwirtschaft auf fruchtbaren Boden fallen. Die Gesellschaft wird in mehrere Schichten geteilt. Die sog. Elite, die teilweise mehr Geld als Hirn hat, die Arbeitnehmer, die sich gegen die unfreiwillig arbeitslosen stellt und immer noch meint, sie würden für ihre Arbeit gerecht entlohnt.
Vom Steuerzahler würde ich gerne wissen, ob er jemals eine Beratungsstelle für Erwerbslose aufgesucht und mit Betroffenen gesprochen hat. Wie die sich fühlen, nach 20 Jahren und mehr mit über 50 Jahren entsorgt worden zu sein. Wie würden Sie sich fühlen?
mm1 (14.5.2007 22:14 Uhr)

Kommentare zu: "Soziales: Kein Aufschwung für die Unterschicht" - Die Wirtschaft boomt, aber die Armen merken nichts davon. Eine wachsende Unterschicht vor allem im Osten bleibt vom derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung ausgenommen, sagt ein Jenaer Sozialwissenschaftler (14.05.2007, 14:03 Uhr)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/soziales-aufschwung/102632.asp

« Last Edit: May 18, 2010, 01:42:23 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Gleiche Arbeit - gleiches Geld [?]... (Notizen)]
« Reply #13 on: June 11, 2007, 02:33:23 PM »
Quote
[...] Deutschland entwickle sich zunehmend zu einer "Zweiklassengesellschaft", "in der Menschen von der Hände Arbeit sich nicht mehr ernähren können", warnen deshalb Gewerkschafter wie Bodo Grzonka von der IG Metall Berlin/Brandenburg/Sachsen. "Sie sind zum Teil darauf angewiesen, noch Alg II, also Aufstockungszahlungen einzufordern, dass sie überhaupt die Familie über die Runden bringen". Jeder achte Vollzeit-Leiharbeiter braucht mittlerweile Unterstützung durch Hartz IV.

[...] Die Zeitarbeitsfirmen bezahlen ihren Mitarbeitern häufig die Hälfte von dem, was sie von ihren Kunden, den Unternehmen, kassieren. Die kostet deshalb ein Leiharbeiter durchaus mehr als die eigenen festen Mitarbeiter. Trotzdem bleibt das Modell Zeitarbeit für sie interessant: Sie ersparen sich Ärger beim Kündigungsschutz, können flexibel auf Auftragsschwankungen reagieren und Krankheits- sowie Urlaubsvertretungen organisieren. Die Zeitarbeits-Branche profitiert mit deutlichen Gewinnsteigerungen von dieser Entwicklung.
 
Nicht selten werden bestehende Jobs gleich ganz durch Leiharbeiter ersetzt. Eine aktuelle Umfrage der IG Metall Nordrhein-Westfalen unter Betriebsräten aus 123 Unternehmen hat ergeben, dass in gut der Hälfte der Betriebe Stammbelegschaft gegen Zeitarbeitnehmer ausgetauscht wurde. Nur in zehn Prozent der Unternehmen, die Beschäftigte in Zeitarbeit einsetzen, wird danach der Grundsatz "Gleiche Arbeit - gleiches Geld" angewandt. Außerdem zeigte die Umfrage, dass es nur für 12 Prozent der Beschäftigten den so genannten "Klebeeffekt" gibt, also den gelungenen Wechsel aus Zeitarbeit in reguläre Beschäftigung im Einsatzunternehmen.

[...] So hoffen viele Leiharbeiter vergeblich auf einen regulären Arbeitsplatz. Im Leipziger BMW-Werk zum Beispiel sind mehr als ein Drittel der Belegschaft Zeitarbeiter. Wenn die sich um eine feste Anstellung bemühen, winkt BMW ab, erzählt Steffen K.: Er habe sich mittlerweile mehrmals beworben. Doch sein Meister habe ihm gesagt: "Du kannst dich 1000 Mal bewerben, wenn du als Leiharbeiter für BMW arbeitest, hast du niemals die Chance, gleichzeitig bei BMW reinzukommen. Die haben dich ja schon."
 
"Einmal Zeitarbeit, immer Zeitarbeit", das weiß auch Gewerkschafter Grzonka. "Die Perspektiven sind auch gesetzlich so formuliert, dass jede Form der Befristung entfallen ist. Das heißt, man kann bis zu seinem Lebensende in der Zeitarbeit stecken." Eine Erkenntnis, an die sich viele erst gewöhnen müssen. Den sicheren Arbeitsplatz, ein Berufsleben lang, wird es für sie nicht mehr geben; der deutsche Arbeitsmarkt auf dem Weg in die "Zweiklassengesellschaft".


Aus: "ZDF (Frontal21 am 15. Mai 2007): Jobs auf Abruf - Fette Gewinne mit Zeitarbeitern" von St. Judzikowski, H. Koberstein und Herbert Klar (14.05.2007)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,5385707,00.html

« Last Edit: December 06, 2010, 04:22:23 PM by Textaris(txt*bot) »

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« Reply #14 on: July 10, 2007, 04:16:10 PM »
Quote
[...] Dabei macht es die besondere Lässigkeit der Oberschicht aus, dass ihre Mitglieder überhaupt keinen Witz und keine herausragenden Anlagen beweisen müssen, solange sie unter sich sind. Das Flügelschlagen ist eine bürgerliche Angestrengtheit. Entspannte Erhabenheit über alle Verdienste sorgt in Adelskreisen für eine gesunde Gemütlichkeit - je schlichter der einzelne im Gemüt, desto kerniger verkörpert er die Unerschütterlichkeit der Werte seiner Welt.

Hat das Buch eine Lehre? Vielleicht diese: Intelligenz, Witz, Schönheit, Leistungsfähigkeit - alles schön und gut, aber auf Dauer ist es doch angenehmer und für die Nerven beruhigender, auch mittelmäßige Vertreter der eigenen Klasse um sich zu haben, die einem die schöne Gewissheit geben, dass der eigene Lebensstil nicht an die Launen eines Tages gebunden ist.


Aus: "Sozialer Aufstieg: "Snobs": Hoch heiraten"  Von Ijoma Mangold (08.05.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt8l1/kultur/artikel/175/113062/