Author Topic: [Depressionen, Essstörungen, Auffälligkeiten...]  (Read 23607 times)

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[Depressionen, Essstörungen, Auffälligkeiten...]
« on: Februar 01, 2007, 11:53:43 vorm. »
Die Epidemie der psychischen Störungen ist ein Mythos.
Jörg Blech (03.04.2014) | http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/depression-angststoerung-psychische-krankheiten-sind-kein-volksleiden-a-961171.html

Quote
[...] Kassel (AP) Immer mehr Schüler in Deutschland leiden an Depressionen, Essstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. Aber viel zu selten werden diese Probleme tatsächlich auch erkannt und angegangen, wie Experten am Mittwoch auf der Fachtagung «Schule und Seelische Gesundheit» in Kassel beklagten. «So leiden bis zu zehn Prozent aller Schüler in einer Klasse unter einer Aufmerksamkeitsstörung, der ADHS», sagte Günter Paul, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters in Kassel.
Gerade Suchterkrankungen und Essstörungen stiegen seit Ende der 80er Jahre
...

Aus: "Immer mehr Schüler psychisch krank" (31. Januar 2007)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/31012007/12/schueler-psychisch-krank-erste-zusammenfassung.html

« Last Edit: April 03, 2014, 10:14:46 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[die keine blauen Flecken oder gebrochene Gliedmaßen haben...]
« Reply #1 on: M?RZ 06, 2007, 12:02:50 nachm. »
Quote
[...] Frankfurt/Main - Viele Todesfälle vernachlässigter Kinder haben die Öffentlichkeit schockiert. Im Zentrum der Wahrnehmung steht dabei stets die körperliche Misshandlung. Dabei ist es gerade um die seelische Gesundheit deutscher Kinder schlecht bestellt.

«18 Prozent aller Kinder im Vorschulalter weisen diagnostizierbare Verhaltensauffälligkeiten auf», berichtete Prof. Klaus Fröhlich- Gildhoff auf einer Tagung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (bkj). Zu den häufigsten Störungen gehörten Aggressivität, Konzentrationsschwächen, Unruhe, Ess- oder Schlafstörungen, aber auch oft Ängste und Depressionen.

Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge verschiebt sich das Krankheitsbild bei Kindern und Jugendlichen derzeit von akuten zu chronischen Krankheiten sowie von körperlichen zu psychischen Störungen. Für die so genannte BELLA-Studie wurden 2863 Familien befragt. Danach lagen bei 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen zumindest Hinweise auf psychische Auffälligkeiten vor, 10 Prozent wurden im engeren Sinn als psychisch auffällig eingestuft.

«Mindestens ein Viertel aller Kinder leben in Umständen, die nicht kindgerecht sind», sagt Wolfram Hartmann, der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Der Verband tagte am Wochenende in Weimar. Dazu zählt Hartmann Mütter mit oft wechselnden Partnern oder überforderte Alleinerziehende, Drogenprobleme, Arbeitslosigkeit oder Geldnöte, aber auch übermäßigen Fernsehkonsum. «Das alles macht die Kinder krank.»

Aber die Risikofaktoren für psychische Erkrankungen lauern nicht nur am Rande der Gesellschaft. Überforderte oder verunsicherte Eltern gibt es in allen Schichten: «Viele Eltern haben zum einen nicht mehr genug Erziehungswissen, zum anderen trauen sie sich nicht in die notwendigen Konflikte zu gehen», konstatiert Albert Matthias Fink, Sozialpädagoge aus Köln.

«Wie können wir Kindern helfen, die keine blauen Flecken oder gebrochene Gliedmaßen haben, aber in ihrer Psyche schwer verletzt werden?», fragt Diplompsychologin Marion Schwarz aus dem hessischen Bad Schwalbach.

[...] Die bundesweit etwa 3000 Psychotherapeuten für Kinder und Jugendlichen würden sich bei vorbeugenden Hilfsangeboten gern einbringen, aber das Psychotherapeutengesetz bindet ihnen die Hände, indem es ihnen nur die Behandlung von Krankheiten erlaubt. Völlig unverständlich findet Wetzorke zudem, dass bei den Vorsorge- Untersuchungen des Kinderarztes (U1-9) psychosoziale Aspekte überhaupt nicht berücksichtigt werden. «Wenn das Kind nicht krabbeln kann, dann schickt der Arzt es zum Orthopäden. Genauso sollte er ein Kind, das psychisch auffällig ist, zu einem Therapeuten schicken.»

Die Kinderärzte bestreiten dieses Defizit nicht: «Körperliche Aspekte werden zu stark, seelische zu wenig beachtet», stimmt Kinderarzt Hartmann den Therapeuten zu. Grund seien die falschen Prioritäten der Gebührenordnung: «Die technische Medizin wird bezahlt, die verbale nicht.» Eine Neuordnung der Vorsorge- Untersuchungen sei längst überfällig, die Aktualisierung stecke jedoch seit Jahren in den Mühlen der Bürokratie fest.

[BELLA-Studie: www.kiggs.de]


Aus: "Seelische Erkrankungen bei Kindern nehmen zu" (ERSTELLT 05.03.07)
Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1172183800007.shtml



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[Probleme entladen sich zunehmend am Arbeitsplatz...]
« Reply #2 on: M?RZ 17, 2007, 10:37:12 nachm. »
Quote
[...] Paris (RP). Eigentlich hätte Bernard F. am Morgen des 26. Februar seinen Dienst in der Leitzentrale des Atomkraftwerks von Avoines in Westfrankreich antreten sollen. Aber der dreifache Familienvater, seit zehn Jahren in dem Kraftwerk beschäftigt, erschien nicht. Man fand ihn später tot in seinem Ferienhäuschen - Selbstmord. Seinen Abschiedsbrief hatte Bernard F. an seinen Arbeitgeber adressiert, den staatlichen Stromkonzern EDF. Es handelte sich bereits um den dritten Selbstmord unter den AKW-Angestellten binnen sechs Monaten.

[...] Die makabere Suizid-Serie bei den Atomstromern ist kein Einzelfall. Im Februar waren die Franzosen bereits durch eine ähnliche Häufung von Selbstmorden beim Autokonzern Renault aufgeschreckt worden. Ausgerechnet im ultramodernen, lichtdurchfluteten Renault-Entwicklungszentrum bei Paris nahmen sich innerhalb von nur vier Monaten drei Mitarbeiter das Leben. Der Ingenieur Raymond D. (38), Vater eines fünfjährigen Sohns, hatte sich in seiner Wohnung aufgeknüpft. Auch er hinterließ eine Klageschrift gegen die Arbeitsbedingungen in seinem Unternehmen. Zuvor war bereits einer seiner Kollegen aus dem fünften Stock des Bürogebäudes gesprungen. Ein anderer hatte sich in einem Zierteich auf dem Firmengelände ertränkt.
 Die drei waren Mitarbeiter eines Teams, das auf Anordnung des neuen Renault-Chefs Carlos Ghosn in kürzester Zeit 26 neue Modelle entwerfen soll.

[...] Einige der betroffenen Unternehmen haben bereits versprochen zu reagieren. Renault-Chef Carlos Ghosn, der von einem der Lebensmüden persönlich für seine verzweifelte Lage verantwortlich gemacht worden war, will ein Suizid-Vorbeugeprogramm für seinen Konzern ausarbeiten lassen. Einstweilen wurde im Renault-Entwicklungszentrum ein Stab von Psychologen eingerichtet, die sich um die gestressten Ingenieure kümmern sollen. Ähnlich beim Stromkonzern EDF, wo Arbeitsmediziner neuerdings auch die seelische Verfassung der Angestellten untersuchen. Für EDF nicht nur eine moralisch, sondern auch juristisch höchst bedeutsame Frage: Unlängst hatte die zuständige Berufgenossenschaft den Selbstmord eines Mitarbeiters im AKW von Avoines als "arbeitsbedingt" eingestuft.


Aus: "Die Hölle am Arbeitsplatz: Selbstmordserie in der Industrie erschüttert Frankreich" (17.03.2007)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/politik/ausland/418698

-.-

Quote
[...] Weil er Probleme am Arbeitsplatz hatte, schoss ein Züricher Anlageberater im Juli 2004 zwei seiner Vorgesetzten in den Kopf. Anschließend ging der 56-Jährige in sein Büro und tötete sich selbst. "Es ist ein großer Fehler zu sagen, das sind Einzelpersonen", meinte der Tiroler Kriminalpsychologe Thomas Müller. Fälle von Gewalt am Arbeitsplatz - wenn auch nicht mit tödlichen Folgen - gehen "exorbitant nach oben", sagte der Bestsellerautors anlässlich des "3. Information-Security-Symposium" in Wien.


Aus: "Probleme entladen sich zunehmend am Arbeitsplatz: Gewaltfälle gehen nach oben" (03/2007)
Quelle: http://www.networld.at/index.html?/articles/0713/35/168910.shtml

-.-

Quote
[...] Dramatische Stunden in Detroit: Ein entlassener Wirtschaftsprüfer hat sich Zugang zum Bürogebäude seines ehemaligen Arbeitgebers verschafft und dort um sich geschossen. Zwei Menschen kamen ums Leben, ein weiterer wurde schwer verletzt. Die Polizei stellte den Täter schließlich.

Chicago - Der Täter war nach Angaben der Polizei wütend darüber, dass er in der vorigen Woche entlassen worden war. Lokalen Zeitungen zufolge hatte die Firma in einem Vorort von Detroit im US-Bundesstaat Michigan zwar die Türschlösser ausgewechselt, der 38-jährige gelangte gestern dennoch in die Büroräume und schoss dort um sich.


Aus: "AMOKLAUF: Entlassener Angestellter erschießt zwei Kollegen" (10. April 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,476321,00.html

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Quote
[...] Jahrelang leiden sie still und leise vor sich hin. Dann kommt der Tag, an dem resignierte Mitarbeiter ausrasten und sich aufgestauter Frust entlädt. Gewalt am Arbeitsplatz: 22 Fälle mit Toten und Schwerverletzten wurden bislang bekannt, die Dunkelziffer ist höher.

Stets erscheint Stefan A. korrekt in Anzug und Krawatte zur Arbeit - bis der stellvertretende Abteilungsleiter einer Möbelabteilung eines Tages zum Amokläufer wird. Ganz in Weiß gekleidet, betritt der damals 24-Jährige die Marketingabteilung mit einem 80 Zentimeter langen Samurai-Schwert. Er will sich von der obersten bis zur untersten Etage seiner Firma durcharbeiten, wird er später im Prozess aussagen. Er hat sich immer benachteiligt gefühlt. Seine Opfer kennt er nur flüchtig.

Seiner Kollegin Christl von der Gathen trennt er den rechten Arm mit dem Schwert ab. Die Schwerverletzte muss mit ansehen, wie der bis dahin unauffällige Stefan A. drei Mitarbeiter niedermetzelt und eine junge Frau tötet. "Dann stehe ich zwischen Schreibtisch und Schrank und höre die Anderen schreien oder rufen und sehe meine linke Hand, die so quer gespalten war und ein bisschen hoch gegangen ist und dann auch die rechte Hand, die so nach unten hing."
 
Auch fast vier Jahre nach dem Vorfall kann von der Gathen ihren rechten Arm nur mit Mühe bewegen. Was Stefan A. zu der Tat bewegte, kann sie ebenso wenig begreifen wie ihre Kollegen. Jens Hoffmann, Leiter des Instituts für Psychologie und Sicherheit an der TU Darmstadt, bescheinigt Amokläufern eine lang verborgene Wut und einen schwachen Selbstwert. Eines Tages wollten sie es der Welt zeigen. Dann laufe eine Art angeborener "Jagdmodus der Gewalt" ab - kühl, berechnend und zielgerichtet: "Wenn sie mal anfangen damit, lassen sie sich sehr, sehr selten stoppen."

[...] Experten sehen als Ursache für das Phänomen den flexibilisierten Arbeitsmarkt: befristete Arbeitsverträge, Leiharbeiter, Mini-Jobber, Dauer-Praktikanten und nicht zuletzt eine Hire-and Fire-Politik. Das Klima ist rauer geworden, der Konkurrenzkampf um Arbeitsplätze brutaler. Das womöglich lebenslange Angestelltenverhältnis, die traditionelle Übereinkunft zwischen Arbeitnehmer und -geber, Engagement und Loyalität für einen sicheren Arbeitsplatz zu tauschen, gibt es immer seltener.


Aus: "Wenn Kollegen durchdrehen: Immer mehr Gewalt am Arbeitsplatz" von Christian Esser und Birte Meier (09.04.2007)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,5261351,00.html

« Last Edit: April 11, 2007, 03:58:58 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[„Helden des Alltags“... (Notiz)]
« Reply #3 on: M?RZ 26, 2007, 01:28:03 nachm. »
Quote
[...] Nachts holen sie ihn ab. Seit 23 Jahren. Die Feldjäger, vor seinem Haus. Hört man nicht ihr Rufen? Seine Männer warten auf ihn. Es ist Krieg! Und er will ihn nicht schon wieder verlieren.

Manchmal hält sich Harald Linde (Name geändert) für einen Soldaten in der Schlacht. Wenn er über die hellen, freundlichen Flure der Klinik schlendert, fällt das nicht weiter auf. Er trifft auf Menschen, die sich mit Toten unterhalten. Auf eine Dame, die gerade Roy Black „Guten Tag“ sagt. Oder er läuft einem manisch-depressiven Rentner über den Weg, der sich von einem Hochhaus stürzen wollte. Der fest davon überzeugt war, fliegen zu können.

Harald Linde ist Dauerpatient in der Psychiatrie des St. Marien-Hospitals in Hamm. Ein Ort, an dem der Wahnsinn Methode hat. Die psychiatrischen „Betreuungsfälle“ haben sich in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland vervierfacht – mehr als eine Million Menschen sind entmündigt. Und die Zahl der Zwangseinweisungen in Psychiatrien hat sich seit 1992 verdoppelt. Mehr als fünf Millionen kämpfen gegen Depressionen oder Ängste. Allein 800 000 sind schizophren. Andere leiden unter Psychosen und Wahnvorstellungen.

Die psychologische Psychotherapeutin Ulrike Wiegard begegnet dem „Wahnsinn“ mit einem professionellen und herzlichen Sanftmut. Sie nennt ihren Patienten Harald Linde einen „Helden des Alltags“. Der kräftige Mann mit den Locken sitzt im Büro der Doktorin und bebt. Starrt auf das Ringen seiner Hände, als gehörten sie einem anderen. In seinem Blick, der ständig Richtung Fenster flüchtet, toben Schlachten. Die ersten Schüsse fielen 1983 während der Grundausbildung bei der Bundeswehr. Mitten im Platzpatronen-Gefecht konnte Linde nicht mehr unterscheiden, was Übung und was Ernstfall ist. Redeten die Feldwebel nicht immer von ihm?

Lindes Worte trotzen seinem nervösen Atem. Der kräftige Mann spricht in reichen Bildern, setzt Pausen und scheint zu horchen. Es wirkt, als warte er auf ein Echo, eine Antwort. Immer wieder fragt er, ob man ihn verstehe, als erzähle er durch eine Wand. Davon, wie er es als 19-jähriger Rekrut nicht länger aushielt. Plötzlich Befehle schrie, seine Kameraden kommandierte. Ein Schalter legte sich um. Etwas, das bei anderen hält, ging entzwei. In der Klinik versucht er nun, etwas von seinem alten Leben vor der Bundeswehr wieder aufzunehmen.

Überall im Gebäude riecht es nach Orangen. Das Putzmittel soll die Patienten nicht an Krankenhäuser erinnern.

Harald Linde war verwundbarer als die Masse, es reichte schon Übungsmunition. Nach seinem „Ausraster“ wurde er aus der Armee entlassen. „Ich war der Versager der Kompanie“, sagt er und die Scham darüber verkantet seine Züge. Er verlor seinen Job und seine Partnerin. Der Krieg ist geblieben, in ihm. Linde ist manisch-depressiv, seine Traurigkeit schlägt in Gefühle von Allmacht um. Bis heute fühlt er manchmal wie ein Soldat. Wenn er Schüsse hört, wenn er Militärfahrzeuge sieht, geht es wieder los.


Aus: "Reportage: Wo der Wahnsinn wohnt" - Immer mehr Deutsche werden einfach „verrückt“ und landen in der Nervenklinik. Zu Besuch in einer Psychiatrie - Von FOCUS-Redakteur Tim Pröse (25.03.07)
Quelle: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/tid-5389/reportage_aid_51547.html

« Last Edit: M?RZ 27, 2007, 09:16:24 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Der Junge sei bislang absolut unauffällig gewesen... (Notiz)]
« Reply #4 on: April 16, 2007, 01:26:29 nachm. »
Quote
[...] Lindau (ddp). Mit einer Pistole bewaffnet hat ein maskierter Jugendlicher im Landkreis Lindau in Bayern mehrere Autofahrer bedroht und zum Anhalten gezwungen. Alarmierte Zivilpolizisten stellten den mit militärischem Tarnanzug, schwarzer Sturmhaube, Brille und Helm verkleideten Täter am Freitagabend und bewegten ihn dazu, seine Waffe niederzulegen,
wie die Polizei am Samstag mitteilte. Erst als ihm die Beamten den Helm und die Sturmhaube abgenommen hatten, erkannte sie, dass es sich um einen Jugendlichen handelte. Die Pistole mit fünf Patronen hatte er aus dem Nachtkästchen seines Vaters entwendet. Zudem war er mit mehreren Messern, einem Wurfstern und einem Schlagring bewaffnet. Außerdem trug der 14-Jährige eine Handgranaten-Attrappe und ein Funkgerät bei sich. Der Hintergrund und das Motiv für sein Verhalten sind nach Polizeiangaben noch unklar. Der Junge sei bislang absolut unauffällig gewesen, ein guter Schüler, Sportler und Musiker. Die Staatsanwaltschaft in Kempten hat nun die Ermittlungen übernommen. (ddp)


Aus: "Militärisch verkleideter Jugendlicher mit Pistole bedroht Autofahrer" (15.04.2007)
Quelle: http://www.pr-inside.com/de/militaerisch-verkleideter-jugendlicher-mit-r93585.htm


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[Der Statistik zufolge entspricht das einem Produktionsausfall... ]
« Reply #5 on: April 22, 2008, 12:56:46 nachm. »
Quote
[...] Für ihren jährlichen Bericht haben sich die Psychologen in diesem Jahr die Arbeitswelt angesehen - und im Zeitraum zwischen 2001 und 2005 einen starken Anstieg der Ausfalltage wegen psychischer Probleme und Verhaltensstörungen registriert.

"Dass die Zahl der Probleme zugenommen hat, ist deutlich erkennbar", sagt Eberhard Ulich vom Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung in Zürich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Innerhalb eines halben Jahrzehnts verdoppelte sich demnach der Anteil an den gesamten Krankheitstagen von Arbeitnehmern beinahe: von 6,6 auf 10,5 Prozent. Der Statistik zufolge entspricht das einem Produktionsausfall von 4,4 Milliarden Euro pro Jahr. Im Februar veröffentlichte Zahlen auf europäischer Ebene waren sogar noch weit dramatischer ausgefallen.

Im Prinzip könnte man die gestiegenen Zahlen auch damit erklären, dass Ärzte und Arbeitnehmer seit einiger Zeit einfach nur genauer hingesehen und hingehört hätten. Doch diese Erklärungen lassen die Psychologen nicht gelten: "Unsichere Arbeitsverhältnisse, widersprüchliche Anforderungen, Zeitdruck, mangelnde Planbarkeit der Arbeit haben die Situation stark verschärft", sagt Eberhard Ulich. Dazu kommen dem Bericht zufolge fehlende Partizipationsmöglichkeiten im Unternehmen, prekäre Arbeitsverhältnisse wie Leiharbeit und Zeitarbeit und mangelnde Wertschätzung durch oft unfähige Vorgesetzte - sowie ein Missverhältnis zwischen Arbeitsaufwand und Gehalt.

"Wir haben in Deutschland nicht nur ein Problem mit Managergehältern, wir haben einen weit verbreiteten Mangel an Managerqualitäten", sagt BDP-Vizepräsidentin Thordis Bethlehem. Dieser Mangel schlage sich auch in psychischen Problemen der Beschäftigten nieder. Starke Arbeitsbelastung führe nicht nur zu einer höheren Zahl von Krankentagen aus psychischen Gründen. Auch das Arbeitsklima verändere sich, Intrigen und Mobbing nähmen zu. Auch die berufsbedingte Trennung von Partnern führe zu psychischen Belastungen. Ein besonderes Problem sei das bei Frauen, die mit Berufstätigkeit und Familienarbeit stärker gefordert - und oft eben auch überfordert - seien.

Der Bericht widmet einzelnen Berufsgruppen spezielle Kapitel, zum Beispiel den Medizinern. So litten mindestens 20 Prozent der Ärzte an einem Burnout-Syndrom, die Selbstmordraten seien bei Medizinern bis zu dreifach erhöht, bei Medizinerinnen sogar bis zu fünffach. Auch das Pflegepersonal klagt immer wieder über extreme Belastungen.

Auch Lehrer bekommen in dem Bericht ein eigenes Kapitel. Ihre Probleme entstehen laut dem BDP-Bericht vor allem durch die fehlende Balance von Wollen, Sollen und Können. Die nach wie vor hohe Zahl von Frühpensionierungen, insbesondere an Grund- und Hauptschulen, sei alarmierend. Fast jeder vierte Lehrer müsse seinen Job frühzeitig verlassen. Bildungsforscher machen dafür allerdings zum Teil auch die Lehrer selbst verantwortlich: Viele Lehramtsstudenten und Referendare seien für die Tätigkeit schlicht ungeeignet - sie suchten einen lauen Job und erlebten später ein Desaster im Klassenzimmer.

...


Aus: "ARBEITSBELASTUNG: Psycho-Probleme von Arbeitnehmern nehmen dramatisch zu" (22. April 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,548790,00.html


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[Depressionen, Essstörungen, Auffälligkeiten...]
« Reply #6 on: Oktober 21, 2008, 01:21:05 nachm. »
Quote
[...] Seit Jahresbeginn nahmen sich nach amtlichen Angaben in den rund 200 französischen Gefängnissen 90 Häftlinge das Leben, ähnlich viel wie in den vergangenen Jahren: 2007 waren es 96 Selbstmorde, im Jahr davor 94.

Justizministerin Rachida Dati kündigte vor zwei Wochen Massnahmen an, um die Lage zu verbessern. Unter anderem sollen Jugendliche ausführlich darüber informiert werden, weshalb sie inhaftiert werden, bevor sie ins Gefängnis gehen. Datis Erklärung erfolgte, nachdem sich innerhalb weniger Tage in Ostfrankreich zwei Jugendliche in ihren Zellen erhängt hatten.

Die Gewerkschaften und die linke Opposition machen die chronische Überbelegung der meisten französischen Gefängnisse für die Lage verantwortlich. Anfang Oktober mussten sich amtlichen Angaben zufolge 63'185 Häftlinge die 51'000 Haftplätze des Landes teilen.

Die Sozialistische Partei (PS) fordert eine bessere psychologische Betreuung der Häftlinge und einen Renovierungsplan für die zum Teil veralteten Justizvollzugsanstalten.

[...] Am Donnerstag hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Frankreich für den Tod eines psychisch kranken Häftlings verantwortlich gemacht, der sich im Juli 2000 in seiner Zelle erhängt hatte. Auch das Anti-Folter-Komitee des Europarats kritisierte die Haftbedingungen in den französischen Gefängnissen wiederholt. (cpm/ap)


Aus: "Selbstmordserie in Frankreichs Gefängnissen" (20.10.2008)
Seit Jahresbeginn nahmen sich in den rund 200 französischen Gefängnissen 90 Häftlinge das Leben. Gewerkschafter und Regierung streiten über Gründe und Massnahmen.
Quelle: http://www.bazonline.ch/ausland/Selbstmordserie-in-Frankreichs-Gefaengnissen/story/23409992


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[Seelisch krank... (Notiz, D)]
« Reply #7 on: Dezember 20, 2009, 01:54:40 nachm. »
Quote
[...] Die psychisch bedingten Arbeitsausfälle haben sich in den vergangenen 20 Jahren fast vervierfacht. Angststörungen und Depressionen sind die häufigsten Erkrankungen, so der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) in einer aktuellen Untersuchung. Der volkswirtschaftliche Schaden durch arbeitsbedingte psychische Belastungen beträgt jährlich fast sieben Milliarden Euro. Allein 3,8 Milliarden davon tragen die Unternehmen, weil Mitarbeiter nicht zur Arbeit kommen. Der Rest sind zum Beispiel die Kosten für Krankenbehandlung.

In Deutschland gehen allein 10,6 Prozent der Krankheitstage auf psychische Beschwerden zurück, zeigt auch eine Umfrage der DAK. Alarmierend ist, dass psychische Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren stetig zugenommen haben. Leistungs- und Zeitdruck sind neben der Angst, den Job zu verlieren, die häufigsten Gründe dafür. Vor allem Menschen in Berufen mit hoher sozialer Verantwortung und geringer gesellschaftlicher Anerkennung werden oft seelisch krank, so die Betriebskrankenkassen.

Krankenschwestern und Sozialarbeiter sind stark gefährdet. Sie arbeiten oft bis zum Umfallen, engagieren sich extrem und erleben schließlich den gesundheitlichen Super-Störfall: ein Burnout. Psychologen charakterisieren es als Prozess des Ausbrennens, der geprägt ist von starker körperlicher und seelischer Erschöpfung, von Zynismus und dem Gefühl der Sinnlosigkeit. Oft gehen Überarbeitung und Frust am Arbeitsplatz diesem Zusammenbruch voraus.

...


Aus: "Druck am Arbeitsplatz - Gemobbt und ausgebrannt" Sibylle Haas (19.12.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,ra7m1/jobkarriere/785/498084/text/


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[...fast doppelt so viel wie noch 1990]
« Reply #8 on: M?RZ 24, 2010, 10:19:13 vorm. »
Quote
[...] Wenig Zeit für eine Vielzahl komplexer Aufgaben, ein geringer Einfluss auf den Arbeitsprozess, mangelnde Wertschätzung und schlechte Aufstiegschancen bestimmen den Alltag von immer mehr ArbeitnehmerInnen. Vor allem die zunehmende Angst vor dem Arbeitsplatzverlust verursacht Stress. Und wie eine am Dienstag vorgestellte Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPTK) zeigt, führt dies immer häufiger zu Depressionen.

Allein 2008 waren 11 Prozent der Fehltage auf Depressionen oder Anpassungsstörungen zurückzuführen - fast doppelt so viel wie noch 1990. Das liegt unter anderem daran, dass psychische Erkrankungen, wie Depressionen, Anpassungsstörungen oder Neurosen, sehr lange nicht ernst genommen wurden.

 Auch die Dauer der Krankschreibung hat sich erhöht. Im Durchschnitt lassen sich ArbeitnehmerInnen wegen psychischer Belastungen zwischen drei und sechs Wochen krankschreiben, Erkrankungen im Verdauungs- oder Atemwegsbereich dauern dagegen nur sechs bis sieben Tage. Diese Entwicklung wird sich nach Einschätzung der Fachleute noch weiter verschärfen. Kein Wunder, dass die Krankenkassen alarmiert sind. Die Behandlungskosten für depressive Störungen in Deutschland betrugen 2004 rund 4,3 Milliarden Euro. Dazu drücken Ausgaben für Krankengeld, Lohnfortzahlung und vorzeitige Berentung auf die Kassen.

Die Depression greift um sich wie eine Epidemie. Aber wer ist eigentlich gefährdet? Zunächst einmal ist der Arbeitssektor ausschlaggebend: Haben Sie schon mal einen depressiven Förster getroffen? Oder einen neurotischen Landwirt? Nach Meinung der BPTK sind diese Berufsgruppen mehr in den Prozess ihrer Arbeit eingebunden, können unabhängiger über die Abläufe bestimmen. Dies trifft auf TelefonistInnen oder SachbearbeiterInnen weniger zu. Die werden fast doppelt so häufig psychisch krank wie Menschen, die in klassischen Arbeiterberufen arbeiten.

 Auch der Wohnort spielt eine Rolle: In Ballungsräumen ist die Zahl psychischer Erkrankungen deutlich höher als in Flächenstaaten wie Thüringen oder Bayern. Die Stadt macht krank, ob das an der Einsamkeit in der Anonymität liegt oder an der erschöpfenden Reizüberflutung. Zudem flüchten depressive LandbewohnerInnen oft auch in die Städte, weil die Akzeptanz für Depressive hier größer ist.

Ferner leiden doppelt so viele Frauen wie Männer unter Depressionen oder Anpassungsstörungen. Das liegt auch an der fehlenden Akzeptanz der Krankheit: Depression ist noch immer ein Tabu, ein Zeichen für Schwäche und sogar Faulheit. Dann schon lieber ein Burn-out-Syndrom. Das steht für überarbeitete Workaholics, die für den beruflichen Erfolg noch das Letzte aus sich rausholen und dadurch Leistungsbereitschaft signalisieren. Entsprechend leidet dabei das Selbstwertgefühl nicht so massiv wie bei depressiven Menschen - und deshalb sind vor allem Arbeitslose betroffen von psychischen Erkrankungen.

...


Aus: "Studie zu psychischen Erkrankungen - Weiblich, städtisch, depressiv" VON SUNNY RIEDEL (24.03.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/weiblich-staedtisch-depressiv/


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[In den letzten 20 Jahren (D, 2010)...]
« Reply #9 on: Juli 28, 2010, 04:57:42 nachm. »
Quote
[...] Berlin –  Die Deutschen leiden immer stärker unter psychischen Erkrankungen. In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Behandlungstage in den Kliniken wegen derartiger Störungen um mehr als 50 Prozent zugenommen. Das geht aus dem Krankenhausreport 2010 hervor, den die Barmer GEK als größte deutschen Krankenkasse gestern vorgelegt hat. Depressionen oder Schizophrenie und nicht mehr Erkrankungen des Kreislaufsystems sind mittlerweile bei Frauen und Männern der Hauptgrund für eine Behandlung im Krankenhaus. Inzwischen entfallen 17 Prozent aller Behandlungstage auf psychische Erkrankungen. 1990 betrug der Anteil erst acht Prozent.

Die Autoren des Reports führen den Anstieg unter anderem auf die instabilen wirtschaftliche Verhältnisse vieler Menschen und zunehmende familiäre Probleme zurück.

[...] Für die repräsentative Untersuchung wurden die Daten der 8,5 Millionen Barmer-GEK-Versicherten ausgewertet.

...


Aus: "Volkskrankheit: Psychische Leiden" Timot Szent-Ivanyi (27.07.2010)
Quelle: http://www.fr-online.de/politik/volkskrankheit--psychische-leiden/-/1472596/4510884/-/index.html


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[Die Menge der verordneten Antidepressiva... (TK, D, 2010)]
« Reply #10 on: August 13, 2010, 01:31:30 nachm. »
Quote
[...] Die Menge der verordneten Antidepressiva hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt
Die Techniker Krankenkasse legt ihren alljährlichen Gesundheitsreport vor

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat in ihrem Gesundheitsreport 2010 erstmals die Arzneimittelverordnungen ihrer 3,4 Millionen Mitglieder über die letzten zehn Jahre analysiert. Daraus geht hervor, dass sich das Volumen der verordneten Antidepressiva im letzten Jahrzehnt bei Frauen wie Männern verdoppelt hat. Damit einhergehend erhöhten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Ausgaben für psychische Erkrankungen zwischen 2002 und 2008 um 5,3 auf 28,7 Milliarden Euro.

Der TK-Vorsitzender Norbert Klusen sah bei der Vorstellung des Reports die veränderte Arbeitswelt als eine Ursache: Immer mehr Beschäftigungsverhältnisse seien befristet, die Kommunikationsmittel würden den Druck erhöhen, der Arbeitsrhythmus sei immer seltener selbstbestimmt. Aber nicht nur Arbeitnehmer erhalten vermehrt Psychopharmaka verschrieben, Arbeitslose sind bei nahezu allen Diagnosen häufiger betroffen als andere Gruppen, wobei die Schere bei den psychischen Störungen besonders groß ist.

...

Quote
12. August 2010 20:04

ein vorschlag für einen neuen feiertag ;) (satire)

nihil_jie

in anlehnung an die unzähligen (psycho)opfer unserers
wirtschaftssystems möchte ich, für den gesamten raum der
Bundesrepublik Deutschland, für die einführung eines neuen feiertags
plädieren.

"Der Tag des Amoklaufs"

an diesem tag ist es jedem erlaubt seinen gefühlen freien lauf zu
lassen und seine arbeitsstelle mit einem gepflegten amoklauf zu
beglücken...

...


Quote
12. August 2010 18:03, Levski

Und wech


Vor ein paar Stunden stand dieselbe Meldung auf der NDR-Webseite
(www.ndr4.de). Kurze Zeit später ein Artikel über Psychotherapeuten,
die darauf Bezug nehmen und dringend eine Humanisierung der
Arbeitswelt in Deutschland fordern (z.B. Anerkennung auf materieller
und psychischer Ebene). Diesen Artikel wollte ich hier zitieren.
Schaue auf die NDR-Webseite: Beide Meldungen sind verschwunden.

Über sowas redet man in Deutschland besser nicht.





Aus: "Die Menge der verordneten Antidepressiva hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt -
Die Techniker Krankenkasse legt ihren alljährlichen Gesundheitsreport vor" Jörg Auf dem Hövel (12.08.2010)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/3/148185

http://www.tk-online.de/tk/broschueren-und-mehr/studien-und-auswertungen/gesundheitsreport-2010/222144


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[Zur psychosozialen Lage in Deutschland (D, 2010)...]
« Reply #11 on: November 15, 2010, 01:50:14 nachm. »
Quote
[...] Sie müssen sich ja nur mal die aktuellen Zahlen der Krankenkassen ansehen. Darin wird deutlich, dass die Anzahl an Menschen, die aufgrund von psychischen Erkrankungen arbeitsunfähig sind, seit Jahren kontinuierlich steigt. Betrachtet man die Anzahl der Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater, und setzt sie in Relation zu den Erkrankungszahlen, dann wird deutlich, dass die Fachleute rund drei- bis fünfmal so viele Patienten behandeln müssten, um allen Betroffenen Hilfe bieten zu können. Somit ist eine angemessene medizinische und therapeutische Versorgung derzeit in Deutschland und auch weltweit nicht mehr möglich. Denn obwohl die Anzahl an psychosozialen medizinischen Versorgungsangeboten wächst, steigen die Betroffenenzahlen bereits seit Jahren schneller als die Zahl aller Fachkräfte.

...


Aus: "Interview mit Dr. Joachim Galuska über die psychosoziale Lage in Deutschland"
Das Interview führte Oliver Bartsch (2010)
Quelle: http://connection-medien.de/artikel/interviews/interview-mit-dr-joachim-galuska-ueber-die-psychosoziale-lage-in-deutschland.html


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21 leitende Ärzte und Wissenschaftler, darunter Dr. Joachim Galuska, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer der Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen, bringen in einem Aufruf ihre persönliche tiefe Erschütterung über die psychosoziale Lage in Deutschland zum Ausdruck. ...
http://www.meinpolitikblog.de/2010/10/28/zur-psychosozialen-lage-in-deutschland-psychische-krisen-als-massenphnomen/


Quote
Wir sind Fachleute, die Verantwortung für die Behandlung seelischer Erkrankungen und den Umgang mit psychosozialem Leid in unserer Gesellschaft tragen.

Wir möchten unsere tiefe Erschütterung über die psychosoziale Lage unserer Gesellschaft zum Ausdruck bringen.

In unseren Tätigkeitsfeldern erfahren wir die persönlichen Schicksale der Menschen, die hin­ter den Statistiken stehen.

Seelische Erkrankungen und psychosoziale Probleme sind häufig und nehmen in allen In­dustrienationen ständig zu.

Circa 30 % der Bevölkerung leiden innerhalb eines Jahres an einer diagnostizierbaren psychischen Störung. Am häufigsten sind Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen und Suchterkrankungen.

Der Anteil psychischer Erkrankungen an der Arbeitsunfähigkeit nimmt seit 1980 kontinuierlich zu und beträgt inzwischen 15 – 20 %.

Der Anteil psychischer Erkrankungen an vorzeitigen Berentungen nimmt kontinuierlich zu. Sie sind inzwischen die häufigste Ursache für eine vorzeitige Berentung.

Psychische Erkrankungen und Verhaltensprobleme bei Kindern und Jugendlichen nehmen kontinuierlich zu.

Psychische Störungen bei älteren Menschen sind häufig und nehmen ständig zu.

Nur die Hälfte der psychischen Erkrankungen wird richtig erkannt, der Spontanverlauf ohne Behandlung ist jedoch ungünstig: Knapp 1/3 verschlechtert sich und knapp die Hälfte zeigt keine Veränderung, chronifiziert also ohne Behandlung.

In allen Altersgruppen, bei beiden Geschlechtern, in allen Schichten und in allen Nationen zunehmenden Wohlstands nehmen seelische Erkrankungen zu und besitzen ein besorgniser­regendes Ausmaß.

Die gesellschaftlichen Kosten der Gesundheitsschäden durch Produktivitätsausfälle, medizi­nische und therapeutische Behandlungen, Krankengeld und Rentenzahlungen sind enorm.

Eine angemessene medizinische und therapeutische Versorgung ist weltweit nicht möglich. Trotz der kontinuierlichen Zunahme an psychosozialen medizinischen Versorgungsangebo­ten ist die Versorgung auch in Deutschland angesichts der Dynamik und des Ausmaßes der seelischen Erkrankungen nur in Ansätzen möglich.

Die Ursache dieser Problemlage besteht nach unseren Beobachtungen in zwei gesellschaftli­chen Entwicklungen:

   1. Die psychosoziale Belastung des Einzelnen durch individuellen und gesellschaftlichen Stress, wie z. B. Leistungsanforderungen, Informationsüberflutung, seelische Verletzun­gen, berufliche und persönliche Überforderungen, Konsumverführungen, usw. nimmt ste­tig zu.
   2. Durch familiäre Zerfallsprozesse, berufliche Mobilität, virtuelle Beziehungen, häufige Tren­nungen und Scheidungen kommt es zu einer Reduzierung tragfähiger sozialer Beziehun­gen und dies sowohl qualitativer als auch quantitativer Art.

Die Kompetenzen zur eigenen Lebensgestaltung, zur Bewältigung psychosozialer Problem­lagen und zur Herstellung erfüllender und tragfähiger Beziehungen sind den Anforderungen und Herausforderungen dieser gesellschaftlichen Entwicklungen bei vielen Menschen nicht gewachsen.

Angesichts der vorherrschenden gesellschaftlichen Orientierung an materiellen und äußeren Werten werden die Bedeutung des Subjektiven, der inneren Werte und der Sinnverbunden­heit dramatisch unterschätzt.

Wir benötigen einen gesellschaftlichen Dialog über die Bedeutung des Subjektiven, des See­lischen, des Geistig-spirituellen, des sozialen Miteinanders und unseres Umgangs mit Problemen und Störungen in diesem Feld.

Wir benötigen einen neuen Ansatz zur Prävention, der sich auf die grundlegenden Kompe­tenzen zur Lebensführung, zur Bewältigung von Veränderungen und Krisen und zur Ent­wicklung von tragfähigen und erfüllenden Beziehungen konzentriert.

Wir benötigen eine Gesundheitsbildung, Erlernen von Selbstführung und die Erfahrung von Gemeinschaft schon im Kindergarten und in der Schule, z. B. in Form eines Schulfaches "Gesundheit".

Wir benötigen eine ganzheitliche, im echten Sinne psychosomatische Medizin, die die ge­genwärtige Technologisierung und Ökonomisierung der Medizin durch eine Subjektorientie­rung und eine Beziehungsdimension ergänzt.

Wir benötigen eine Wirtschaftswelt, in der die Profit- und Leistungsorientierung ergänzt wird durch eine Sinn- und Lebensorientierung für die Tätigen.

Wir benötigen einen integrierenden, sinnstiftenden und soziale Bezüge erhaltenden Umgang mit dem Alter.

Wir benötigen eine das Subjektive und Persönliche respektierende, Grenzen achtende und Menschen wertschätzende Medienwelt.

Wir benötigen ein politisches Handeln, das bei seinen Entscheidungen die Auswirkungen auf das subjektive Erleben und die psychosozialen Bewältigungsmöglichkeiten der Betroffenen reflektiert und berücksichtigt.

Wir benötigen mehr Herz für die Menschen.


Impressum

Impressum zur Seite:
Aufruf zur Psychosozialen Lage in Deutschland
Dr. Joachim Galuska
Altenbergweg 6
97688 Bad Kissingen

Aus: "Zur psychosozialen Lage in Deutschland" (2010)
Quelle: http://www.psychosoziale-lage.de/

Kommentare...
http://www.psychosoziale-lage.de/index.php?option=com_jcomments&Itemid=23

-.-

Kontext 71: der aufruf "zur psychosozialen lage in deutschland" (Sonntag, 14. November 2010)
http://autismuskritik.twoday.net/stories/kontext-71-der-aufruf-zur-psychosozialen-lage-in-deutschland/

« Last Edit: November 15, 2010, 05:17:37 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Grund dafür sei die erneute Zunahme von...]
« Reply #12 on: Februar 14, 2011, 05:13:11 nachm. »
Quote
[...] Hamburg – Auf den steigenden Krankenstand aufgrund psychischer Erkrankungen hat die Techniker Krankenkasse (TK) hingewiesen. Sie bezieht sich dabei auf Krankmeldungen der rund 3,5 Millionen bei der TK versicherten Beschäftigten und Arbeitslosengeld-I-Empfänger.

„Die Beschäftigten waren 2010 seltener krank. Wir verzeichnen für das Jahr 2010 etwa 2,4 Prozent weniger Krankschreibungen als in 2009“, sagte Gudrun Ahlers, bei der TK verantwortlich für die Gesundheitsberichterstattung. Vor allem Atemwegserkrankungen seien deutlich zurück gegangen. Trotzdem stagniere der Krankenstand im vergangenen Jahr mit 3,36 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau (2009: 3,32 Prozent).

Grund dafür sei die erneute Zunahme von Krankschreibungen aufgrund psychischer Störungen. „Binnen eines Jahres sind Fehlzeiten durch psychische Diagnosen um fast 14 Prozent gestiegen“, so Ahlers. Statistisch gesehen war damit jeder Beschäftigte im vergangenen Jahr zwei Tage wegen einer psychischen Diagnose krankgeschrieben.

Deutliche Unterschiede bei den Krankschreibungen insgesamt gibt es laut TK zwischen den einzelnen Bundesländern. Die geringsten Fehlzeiten gab es auch 2010 in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 9,9 Tagen, Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern waren mit 15,5 Tagen je Beschäftigtem am meisten arbeitsunfähig.



Aus: "Krankenstand steigt wegen psychischer Störungen weiter " hil/aerzteblatt.de (11. Februar 2011)
Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/44663/Krankenstand-steigt-wegen-psychischer-St_rungen-weiter.htm


-.-

Quote
[...] Hamburg (dpa/lno) - Arbeitnehmer in Deutschland fehlen nach Zahlen der Techniker Krankenkasse (TK) immer öfter wegen psychischer Erkrankungen. Innerhalb eines Jahres nahmen die Fehlzeiten mit psychischen Diagnosen um fast 14 Prozent auf durchschnittlich rund zwei Tage je Arbeitnehmer zu, teilte die TK am Freitag in Hamburg mit. Damit habe sich der seit Jahren bestehende Trend 2010 beschleunigt. Insgesamt fehlten die gut 3,5 Millionen bei der TK versicherten Beschäftigten im Durchschnitt 12,3 Tage, was einem Krankenstand von 3,36 Prozent entspricht (2009: 3,32 Prozent). Dem Anstieg bei psychischen Diagnosen stand ein Rückgang der Atemwegserkrankungen gegenüber. Die geringsten Fehlzeiten gab es in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 9,9 Tagen. In Mecklenburg-Vorpommern registrierte die TK mit 15,5 Tagen die längsten Ausfälle.

Quote
14.02.2011,
08:08 Uhr

guido sagt:

Dafür sind wir Expooooooortweltmeister! :-)


Quote
14.02.2011,
10:57 Uhr

Mirko sagt:

Ist doch normal. Das heutige Führungspersonal ist nicht nur nur meist fachlich sondern fast immer psychologisch Inkompetent. Ruhige Mitarbeiter werden gezwungen sich zu öffnen, wer keine Vorträge halten kann (Sozial Phobie, Schüchternheit etc.) bekommt Rhetorik-Kurse. Aus Einzelkämpfern und bastlern (z.B. Albert Einstein..) will man oberflächliche Teamplayer machen. Alles muss schnell schnell gehen, wer länger braucht und gerne etwas länger nachdenkt, gilt schon als dumm, langsam und ist schnell Außenseiter. Anstatt individuell zu fördern, soll nur alles angeglichen werden. Man will keine Persönlichkeiten sondern viele möglichst leicht ersetzbare Kettenstückchen.
Der Körper schleppt sich jeden Tag zur Arbeit aber den Geist erreichen diese Führungspersonen nie was dann folgen hat. Letztendlich sitzt die Psyche am längeren Hebel, dass müssen so einige Möchtegern-Top-Manager noch lernen. Aber woher sollen die das auch wissen, das lernt man nicht auf der Elite Universität.





Aus: "Fehlzeiten wegen psychischer Krankheiten steigen stark" (11.02.2011)
Quelle: http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/hamburgschleswigholstein_nt/article12508692/Fehlzeiten-wegen-psychischer-Krankheiten-steigen-stark.html

« Last Edit: Juli 13, 2011, 11:40:40 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Acht Prozent der Europäer nehmen...]
« Reply #13 on: Juni 22, 2011, 11:39:36 vorm. »
Quote
[...] Bonn – Rund acht Prozent aller Europäer nahmen im vergangenen Jahr Medikamente gegen Depressionen. Besonders verbreitet ist die Einnahme in der Altersgruppe von 45 bis 54 Jahren. Darauf weist eine aktuelle Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn hin, die auf der Befragung von 30.000 Europäern in 27 Ländern basiert.

„Gemessen an Wohlstand und Sicherheit ging es den Europäern nie besser als heute. Dass trotzdem so viele Menschen mit Chemie nachhelfen müssen, um glücklich zu sein, sollte uns zu denken geben“, sagte Andrew Oswald, einer der Autoren der Studie.

Am häufigsten greifen die Portugiesen zu Antidepressiva (16 Prozent), am seltensten die Griechen (drei Prozent). In Deutschland liegt der Verbrauch mit fünf Prozent unter dem EU-Durchschnitt, obwohl die Deutschen bei der Lebenszufriedenheit im unteren Mittelfeld rangieren.

In allen Staaten leiden die Menschen im mittleren Alter besonders häufig unter Depressionen. Das deckt sich mit Studien zur Lebenszufriedenheit, die bei Endvierzigern am geringsten ist. „Warum es zu diesem Knick kommt, ist wissenschaftlich noch nicht belegt“, so Oswald. Zu den nachweisbaren Risikofaktoren für psychische Erkrankungen zählten Scheidung und Arbeitslosigkeit.

hil/aerzteblatt.de


Aus: "Acht Prozent der Europäer nehmen Antidepressiva " (21. Juni 2011)
Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46330/Acht-Prozent-der-Europ_er-nehmen-Antidepressiva.htm


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[Störungen bei Studierenden...]
« Reply #14 on: Juli 01, 2011, 08:41:52 vorm. »
Quote
[...] Mit steigendem Alter nehmen die Diagnosen psychischer Störungen bei Studierenden erheblich stärker zu als bei jungen Beschäftigten. Während die Diagnoseraten bei Hochschülern im 20. bis 26. Lebensjahr noch unter denen gleichaltriger Beschäftigter liegen, kehrt sich das Verhältnis ab dem 27. Jahr um. „Dies könnte mit dem steigenden Druck im Alter zusammenhängen, sein Studium zu beenden“, vermutet Heiko Schulz, Diplom-Psychologe bei der TK.

Die Studie stelle zwar keinen kausalen Zusammenhang zwischen Studiensystem und Medikamentengebrauch her. Die Vermutung liege aber sehr nahe, dass die jüngsten Reformen der akademischen Ausbildung nicht spurlos an den jungen Menschen vorbei gegangen seien, erklärte Klusen.

„Der Druck, das Studium zügig zu absolvieren, ist durch Studiengebühren und die Einführung der neuen Studienabschlüsse gestiegen.“ Klusen warnte zugleich vor einem „Etikettierungsproblem“. Man müsse sich Gedanken machen, wo die Grenze zwischen krank und gesund gezogen werde. Oft würden psychische Erkrankungen vorschnell diagnostiziert.

Auch Schulz betonte, dass der Karrieredruck enorm zugenommen habe. Innerhalb von sechs Semestern müsse das Studium beendet werden. „Wünschenswert sind dazu noch Praktikum, Auslandserfahrung und ehrenamtliches Engagement.“

Schulz forderte von der Politik, die Reformen zu überdenken. Auch müssten die Hochschulen die Studenten durch zusätzliche Angebote wie Tutoren-Programme unterstützen. Zudem sollten Studenten von den Krankenkassen angebotene Stressbewältigungstrainings wahrnehmen.

Für die Studie wurden die Daten von 135.000 Studenten im Alter von 20 bis 34 Jahren ausgewertet, die bei der TK eigenständig versichert sind. © sw/dapd/aerzteblatt.de


Aus: "Psychische Erkrankungen bei Studierenden stark angestiegen" (30. Juni 2011)
Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46453/Psychische-Erkrankungen-bei-Studierenden-stark-angestiegen.htm


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[Suizid-Rate im Zuge der Finanzkrise...]
« Reply #15 on: Juli 13, 2011, 11:20:04 vorm. »
Quote
[...] Um bis zu 17 Prozent sei die Selbstmordrate in den europäischen Staaten zwischen 2007 und 2009 gestiegen, schreiben Forscher im Fachmagazin „The Lancet“.

Die Zahl der Suizide ist im Zuge der Finanzkrise in Europa deutlich gestiegen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie US-amerikanischer und britischer Forscher. David Stuckler von der University of Cambridge (UK), Martin McKee von der London School of Hygiene and Tropical Medicine (UK) und Sanjay Basu von der University of California (USA) berichten in der Fachzeitschrift „The Lancet“, dass die Suizid-Rate in 90 Prozent der untersuchten Nationen während der Finanzkrise gestiegen sei.

...


Aus: "Suizid-Rate im Zuge der Finanzkrise gestiegen" (11.07.2011)
Quelle: http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/suizid-rate-im-zuge-der-finanzkrise-gestiegen-809193.php


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[Etwa jedes vierte Kind in Deutschland...]
« Reply #16 on: August 16, 2011, 05:15:34 nachm. »
Quote
[...] Etwa jedes vierte Kind in Deutschland zeigt psychische Auffälligkeiten, vor zehn Jahren war es nur jedes fünfte. Das hat eine Studie des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) in Hamburg ergeben. ...


Aus: "Krank und allein" Von Ulrike Meyer-Timpe (16.8.2011)
Quelle: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/05/Psychisch-kranke-Kinder


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[54 Millionen Fehltage...]
« Reply #17 on: April 30, 2012, 09:50:34 vorm. »
Quote
[...] Frankfurt am Main - Ärzte diagnostizieren bei Krankmeldungen immer häufiger psychische Probleme. Einem Langzeitvergleich zufolge ist die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen drastisch gestiegen. Dem Bundesarbeitsministerium zufolge waren es 2001 deutschlandweit noch 33,6 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Im Jahr 2010 wurden bereits 53,5 Millionen Fehltage wegen psychischer Erkrankungen gemeldet, berichtete die "Frankfurter Rundschau" (FR).

Der Anteil solcher Fälle an allen Arbeitsunfähigkeitstagen kletterte demnach von 6,6 auf 13,1 Prozent. Die Zahlen gehen aus einer Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion an das Arbeitsministerium hervor. Als Gründe für die Häufung der Fälle werden steigende Anforderungen, erhöhte Eigenverantwortung, höhere Flexibilitäts-Anforderungen und nicht-kontinuierliche Beschäftigungsverhältnisse genannt.

Viele Leiharbeiter arbeiteten unter Rahmenbedingungen, "die die Gesundheit negativ beeinflussen können", hieß es. Besonders gefährdet sind demnach Frauen: 2010 gingen rund 39.000 weibliche Beschäftigte aufgrund psychischer Erkrankungen in die Erwerbsminderungsrente. Dies entspreche fast einer Verdoppelung im Vergleich zum Jahr 2000. In vielen Krankheitsfällen komme zur Unzufriedenheit im Beruf auch ein schlechterer Zugang zu Gesundheitsförderungsmaßnahmen.

Trotz des Anstiegs sehe die Bundesregierung aber keinen Bedarf für neue Gesetze gegen Stress, berichtete die "FR". Zunächst müssten der Wissens- und Kenntnisstand verbessert werden. Erst dann könne entschieden werden, ob man konkrete Schutzmaßnahmen vorschreiben müsse, zitierte die Zeitung aus der Antwort auf die Anfrage. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann forderte eine Eindämmung von Leiharbeit und befristeten Verträgen sowie eine Anti-Stress-Verordnung.

Auch Zahlen von Krankenkassen zeigen, dass Erkrankungen wie Depressionen und Burnout ein volkswirtschaftliches Problem sind. Laut einem im Juli 2011 erschienenen Report der Barmer GEK kommen immer mehr Menschen wegen psychischer Störungen ins Krankenhaus. Die Zahl der Betroffenen hat demnach in den vergangenen 20 Jahren um 129 Prozent zugenommen. Laut Barmer GEK waren 1990 rund 3,7 von 1000 Versicherten betroffen, 2010 waren es bereits 8,5.

mmq/dpa/dapd


Aus: "Psychische Erkrankungen verursachen 54 Millionen Fehltage" (30.04.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,830519,00.html


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[Die Zahl sei in den vergangenen acht Jahren...]
« Reply #18 on: Juli 10, 2012, 03:40:47 nachm. »
Quote
[...] Berlin - Erschöpfung, Depressionen, Schlafstörungen - immer mehr Mütter in Deutschland sind psychisch krank. Die Zahl sei in den vergangenen acht Jahren um rund ein Drittel gestiegen, sagte die Kuratoriumsvorsitzende des Müttergenesungswerks, Marlene Rupprecht, am Dienstag in Berlin. Vor allem wachsender Zeitdruck, die Doppelbelastung in Beruf und Familie und mangelnde Anerkennung ihrer Arbeit mache den Frauen zu schaffen. "Sie müssen die Managerinnen für alles sein und sollen dabei auch noch guter Laune sein", so Rupprecht. "Das ist kaum machbar."

Zugleich bewilligen die Krankenkassen aber immer weniger Mutter-Kind-Kuren. Im vergangenen Jahr wurden demnach 39.000 Frauen und 56.000 Kinder in den Kliniken des Müttergenesungswerks behandelt. Das sind 8000 Patientinnen weniger als noch 2008. "2,1 Millionen Mütter sind kurbedürftig", konstatierte Rupprecht. Längst nicht alle wissen allerdings um die Hilfsangebote: "Viele Frauen kommen leider gar nicht auf die Idee, eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen", sagte eine Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt zu SPIEGEL ONLINE. Auch die Angst vor Stigmatisierung oder die Furcht, zu lange am Arbeitsplatz auszufallen, dürfte bei der Entscheidung für oder gegen einen Kurantrag eine wichtige Rolle spielen.

... "Wenn es der Mutter schlecht geht, geht es auch dem Kind nicht gut", erklärt Rupprecht. Bereits Kinder im Grundschulalter übernähmen dann die Rollen von Erwachsenen und versuchten, der Mutter Last abzunehmen. "Die Kinder sind dann nicht rebellisch oder aggressiv, sondern extrem erwachsen für ihr Alter. Das ist eine Überforderung."

Belastungssyndrome beobachtet Rupprecht bei Müttern in allen Einkommensschichten. Bei den Patienten des Müttergenesungswerks habe es eine Verschiebung von den unteren Einkommen hin zu höheren gegeben.

...

Quote
Yestoertchen heute, 15:21 Uhr
Freuen wir uns bereits jetzt auf eine vollkommen am Thema vorbeigehende Diskussion über die Vorzüge traditioneller Rollenverteilung, Betreuungsgeld und KiTa-Plätze. Meine Damen und Herren halten Sie das Popcorn bereit!

http://forum.spiegel.de/f22/ueberfordert-zahl-psychisch-kranker-muetter-steigt-65552.html#post10527608



Aus: "Zahl psychisch kranker Mütter steigt" (10.07.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/psychische-erkrankungen-bei-muettern-nehmen-zu-a-843614.html


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[Statistisch betrachtet hat sich der Medikamentenkonsum...]
« Reply #19 on: November 28, 2012, 04:08:46 nachm. »
Quote
[...] Statistisch betrachtet hat sich der Medikamentenkonsum unter Studenten innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt. Vor allem Stimmungsaufheller werden verschrieben.

Studenten in Deutschland nehmen einer Studie zufolge deutlich mehr Psychopharmaka zu sich als noch vor wenigen Jahren. Im Jahr 2010 erhielt ein Student statistisch betrachtet 13,5 Tagesdosen und damit 55 Prozent mehr als 2006 (8,7 Tagesdosen), teilte die Techniker Krankenkasse (TK) mit.

Der Verbrauch unter Hochschülern stieg damit stärker als unter gleichaltrigen Berufstätigen. In dieser Gruppe erhöhte sich die Quote von 7,1 Dosen im Jahr 2006 auf 9,9 Dosen 2010. Das entspricht einem Plus von 39 Prozent.

Die Studie der Techniker Krankenkasse hat die gesundheitliche Situation von Studenten und jungen Berufstätigen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren untersucht. In dieser Altersklasse stiegen zwischen 2006 und 2010 vor allem die Verordnungsraten von Antidepressiva um mehr als 40 Prozent, ergab die Studie.

Eine Analyse der Daten zeige, dass jedem fünften Studenten oder jungem Berufstätigen mindestens einmal pro Jahr eine psychische Diagnose gestellt werde, teilte die TK mit. Frauen seien mit 30 Prozent viel stärker betroffen gewesen als Männer mit 13 Prozent.

Gründe für den gestiegenen Psychopharmaka-Konsum nannte die TK nicht. Sie verwies auf eine Umfrage aus Nordrhein-Westfalen, wonach sich viele Studenten heutzutage häufig oder ständig gestresst fühlten. Als Hauptursachen seien dabei Prüfungsdruck, Zeitnot und finanzielle Sorgen genannt worden.


Aus: "Studenten nehmen deutlich mehr Psychopharmaka" (28.11.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/studium/2012-11/studenten-medikamente-studie-deutschland


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[Depressionen, Essstörungen, Auffälligkeiten...]
« Reply #20 on: August 14, 2013, 09:39:54 vorm. »
Quote
[...]  Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) wird sie in nur zehn Jahren die zweithäufigste Volkskrankheit sein. In
Deutschland sind derzeit 5,8 Millionen Menschen betroffen. Das sind sechs Prozent
der Bevölkerung, die stationär behandelt werden müssen. Ihre Zahl hat sich in den
letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt. Als Gründe für die Zunahme werden
wachsende berufliche Leistungs- und Flexibilitätsanforderungen sowie
unterbrochene Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitslosigkeit genannt.

Ob Führungskraft oder Geringverdiener, selbst ernannte Leistungselite oder
sogenanntes „Prekariat“, ob Workaholic oder erwerbslos – die Depression
mäandert durch alle Altersgruppen, Bildungsschichten und Gehaltsklassen.
Für die Pharma- und Wellnessindustrie, für Psychotherapeuten, Ratgeberschreiber
oder andere Experten für die Seele ist das gewiss ein lukratives Geschäft. Doch
allmählich wird es zu teuer, wie den Klagen von Unternehmen wegen Arbeitsausfällen
oder den periodisch erscheinenden Krankenkassenberichten zu entnehmen ist. Die
soziale Frage wird dabei weitgehend vermieden. Wer aber die falschen Fragen stellt,
bekommt – wenn nicht gerade falsche – so doch unzulängliche Antworten.

Sind die psychischen Symptome der klinisch Behandlungsbedürftigen das Resultat
ihrer individuellen Lebenssituation? Handelt es sich bei den Betroffenen nur um
bedauerliche Einzelfälle? Oder geben die Erkrankungen Auskunft über den Zustand
der Gesellschaft? Vieles deutet darauf hin, in der Depression, insbesondere der
Erschöpfungsdepression, dem Burnout-Syndrom, eine psychische Manifestation
unserer pervertierten „Kultur“ zu sehen, die den Wert des Subjektes mehr denn je
ausschließlich an seinem „Marktwert“ misst und als Diktum in Köpfe und Seelen
hämmert, bis sie kollabieren. Die totale Ökonomisierung aller Lebensbereiche zeigt
hier ihre verborgene destruktive Kehrseite: Das „flexible Selbst“ (Richard Sennett)
mutiert zum immer „erschöpfteren Selbst“.

... In den Praxen der Psychotherapeuten kumulieren die negativen Auswüchse
gesellschaftlicher Zustände. Psychologen und Mediziner betreuen immer mehr Patienten, die
krank werden von der Angst, die Jagd zu verlieren, von Stress, Selbstbestimmungsverlust,
Sinn- und Hoffnungslosigkeit. So gehört Stress zu den Hauptursachen für die vorzeitige
Verrentung. Laut einem Bericht der Welt am Sonntag, der sich auf eine Studie der
Rentenversicherung bezieht, sind vier von zehn Beschäftigten, die vorzeitig aus dem
Erwerbsleben ausscheiden, psychisch krank, leiden unter Angstzuständen und Depressionen.

... Die Not des Einfach-nicht-mehr-Könnens mündet für das Individuum in Selbstvorwürfe,
Versagensängste und in eine destruktive Auseinandersetzung mit sich selbst. Der Depressive
wird zum seelischen Krüppel, zum „Invaliden“ dieser verinnerlichten Kriegführung. ...


Aus: "Rohstoff Angst – Kapitalismus und Depression" CORNELIA BEUEL (15. Juli 2013)
Quelle: http://www.hintergrund.de/201307152697/feuilleton/zeitfragen/rohstoff-angst-kapitalismus-und-depression.html


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[Die Studie ergab ferner...]
« Reply #21 on: Oktober 31, 2013, 10:43:21 nachm. »
Quote
[...] Hartz-IV-Empfänger leiden nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern besonders häufig unter psychischen Erkrankungen. Bei mehr als einem Drittel von ihnen wurde innerhalb eines Jahres mindestens eine psychische Beeinträchtigung festgestellt. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und der Universität Halle-Wittenberg hervor.

Viele Arbeitslose litten unter affektiven und neurotischen Störungen, Depressionen sowie seelisch bedingten körperlichen Leiden. Die Forscher berufen sich unter anderem auf Krankenkassendaten. Arbeitsvermittler in Jobcentern hätten den Anteil der psychisch kranken Hartz-IV-Betroffenen in Interviews auf 5 bis 40 Prozent geschätzt. Fallmanager der Behörde gehen sogar bei der Hälfte bis zu zwei Dritteln aller Hartz-IV-Empfänger von Problemen aus.

Die Studie ergab ferner, dass sich viele Mitarbeiter in Jobcentern im Umgang mit psychisch kranken Arbeitslosen überfordert fühlten. So falle es vielen schwer, überhaupt zu erkennen, ob jemand eine psychische Störung habe, berichten die Forscher. Dadurch komme es immer wieder zu Missverständnissen, da Jobvermittler die bei manchen Erkrankungen auftretende Symptome wie Antriebsmangel unter Umständen als geringes Interesse an einem Job interpretierten.

In den Augen mancher Jobcenter-Mitarbeiter erlaubten schon die Rahmenbedingungen nicht, dass sie sich angemessen um diese Gruppe kümmern könnten. So fehle es den Vermittlern wegen der Vielzahl der zu betreuenden Arbeitslosen an Zeit, auf psychisch Kranke einzugehen.

Fort- und Weiterbildungskurse, mit denen die Betroffenen fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden sollen, seien außerdem oft zu kurz.
„Zurückgegriffen wird oft mangels Alternativen auf Standardmaßnahmen der allgemeinen Förderung, die nur bedingt eine individuelle Ausrichtung ermöglichen“, kritisieren die Autoren der Studie.

Die Wissenschaftler fordern daher dringend eine Fortbildung von Jobvermittlern. Es müsse vermieden werden, dass „die Fallbearbeitung in den Jobcentern bestehende Probleme verschlimmert, was durch inadäquate Ansprache, falsche Maßnahmezuweisung oder gar Sanktionen wegen fehlender Mitwirkung (...) der Fall sein kann“, warnen sie.

...


Aus: "Studie zeigt: Jeder dritte Hartz-IV-Empfänger ist psychisch krank" (31.10.2013)
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/news/arbeitsmarkt/arbeitslosigkeit/alarmierende-zahlen-studie-zeigt-jeder-dritte-hartz-iv-empfaenger-ist-psychisch-krank_aid_1145393.html


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...
« Reply #22 on: November 21, 2013, 11:17:18 vorm. »
Quote
[...] Der Blick auf eine aktuelle OECD-Studie zeigt, dass ungeachtet der kritischen Debatten Ärzte in reichen Ländern Antidepressiva offenbar immer häufiger verschreiben. Der Trend ist eindeutig: Laut dem neuen OECD-Report "Health at a Glance 2013" ("Gesundheit auf einem Blick"), der am Donnerstag in London veröffentlicht wird, ist der Gebrauch von Antidepressiva in den meisten OECD-Ländern in den vergangenen zehn Jahren dramatisch angestiegen. In manchen Ländern, so der Bericht, werde inzwischen mehr als einem von zehn Erwachsenen ein Antidepressivum verschrieben.

Island, Australien und Kanada führen die Tabelle an. So wurden 2011 in Island etwa hundert Dosen je 1000 Einwohner pro Tag verschrieben. 2000 waren es dagegen nur etwa 70. Auch in Deutschland hat sich die Zahl der Verschreibungen deutlich erhöht: von knapp über 20 Tagesdosen je 1000 Einwohner im Jahr 2000 auf 50 Tagesdosen je 1000 Einwohner in 2011. Damit liegt Deutschland aber unter dem OECD-Durchschnitt, der 2011 56 Tagesdosen pro 1000 Einwohner betrug.

... Laut OECD-Report könnte auch die Finanzkrise einen Einfluss auf den steigenden Gebrauch von Antidepressiva haben. Hinweise darauf geben Studien, wie etwa jene von chinesischen Forschern, die vor kurzem die Daten zu Suizidraten aus 54 Ländern ausgewertet hatten: Demnach gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Suizidraten und dem Ausmaß der Arbeitslosigkeit in den jeweiligen Ländern. Zudem sind laut OECD-Report die Verschreibungsraten von Antidepressiva in Ländern wie Spanien und Portugal, die schwer von der Wirtschaftskrise getroffen wurden, in den vergangenen Jahren um 20 Prozent gestiegen.

Eine alleinige Erklärung für den Trend ist die Finanzkrise jedoch nicht: So ist der Gebrauch von Antidepressiva in Deutschland, das weniger stark davon betroffen war, zwischen 2007 und 2011 viel drastischer gestiegen - um 46 Prozent.

cib

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Heute 01:33 von
insert Randomname here
Antidepressiva und Ritalin...

    ...bitte in den Warenkorb. Damit sie auch Morgen noch bei ihrem Arbeitgeber(in)/Ehegatten(in)/Kindern (in?) und lauter positiven Zukunftsperspektiven ihre Pflicht erfüllen können. Wir leben ja in einer Leistungsgesellschaft. Willkommen im 21. Jahrhundert. /Ironie off

http://forum.spiegel.de/f22/oecd-studie-menschen-aus-reichen-laendern-schlucken-immer-mehr-antidepressiva-106536-2.html#post14274616

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Heute 02:26 von
Stega
Erwartungshaltung

    Es hat sich aber auch die Erwartungshaltung geändert. Das Leben wird jetzt wie ein organisatorischer Vorgang betrachtet, wie ein Geschäft. Wenn's dann nicht nach Plan läuft, sollen die Techniker kommen und die Defekte reparieren. Schließlich hat man ja einen Anspruch auf "Positivität".

http://forum.spiegel.de/f22/oecd-studie-menschen-aus-reichen-laendern-schlucken-immer-mehr-antidepressiva-106536-2.html#post14274646

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Heute 06:55 von
unsichtbarereinzelfall
Antidepressiva werden uns nicht retten!

    Als Betroffene, seit 3 Jahren auf der Suche nach adäquater Hilfe, lehne ich Psychopharmaka strikt ab.

    Aus der Selbstständigkeit in die Realität von ALG 2, Diskriminierung und sozialer Abstieg.
    Nicht ein Hilfeangebot, gerade Depressive stehen unter dem Verdacht der "Drückebergerei".

    Eine Zunahme der Obdachlosigkeit um 10 % in einem Jahr (mit einem hohen Anteil von psychisch Kranken unter den Betroffenen), jeder dritte ALG 2 Empfänger psychisch krank.

    Ich sehe amerikanische Verhältnisse auf uns zu kommen, wo psychisch Kranke, ohne Hilfe, ein elendes Leben auf der Straße führen.

http://forum.spiegel.de/f22/oecd-studie-menschen-aus-reichen-laendern-schlucken-immer-mehr-antidepressiva-106536-4.html#post14274815

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Heute 07:03 von
saaman
Weitere Gründe

    Menschen vertragen im Leben ihren Aufstieg, aber nicht ihren Abstieg. Geld bzw. Reichtum macht nicht glücklich, es macht die Seele oberflächlich und schläfrig. Und wenn dann ein Zustand eintritt, der die Seele wieder zum Leben erweckt, meldet sie sich schmerzhaft zurück. In der modernen Gesellschaft wird die Natürlichkeit des Lebens mit Medikamentation ausgehebelt. Mit Medikamenten lässt sich mehr verdienen als mit seelischer Betreuung durch Aufarbeitung der Lebenssituation.

http://forum.spiegel.de/f22/oecd-studie-menschen-aus-reichen-laendern-schlucken-immer-mehr-antidepressiva-106536-4.html#post14274828

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Heute 08:30 von
atticus_finch
Depression

    Antidepressiva, wie z.B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer werden nicht nur bei Depressionen verschrieben, sondern auch bei Angststörungen und Zwangsstörungen. Dies sollte im Artikel berücksichtigt werden.

http://forum.spiegel.de/f22/oecd-studie-menschen-aus-reichen-laendern-schlucken-immer-mehr-antidepressiva-106536-6.html#post14275105

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Heute 08:45 von
christophe_le_corsaire
Eine Gesellschaft,

    die ihre Bevölkerung zugunsten einiger weniger auspresst, auslutscht und anschließend entsorgt, produziert einfach viel seelische Kolateralschäden. Entschleunigung wäre die Lösung, nicht Medikamente.

http://forum.spiegel.de/f22/oecd-studie-menschen-aus-reichen-laendern-schlucken-immer-mehr-antidepressiva-106536-7.html#post14275180

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Heute 08:47 von
falcon33
wieder so ein halbrecherchierter Bericht

    Mittlerweile ist diese Stimmungsmache gegen psychisch kranke Menschen ekelhaft!
    1. rund 15.000 Menschen nehmen sich jedes Jahr das Leben (zum Vergleich: es gibt rund 5000 Verkehrstote) die Dunkelziffer ist sicher noch viel höher.
    2. Die Zahlen nehmen zum Glück leicht ab, das hat mit der höheren Sensibilität und den besseren Behandlungsmöglichkeiten zu tun.
    3. Medikamente sollten nur in Verbindung mit einer Therapie verschrieben werden. Die Realität ist aber, dass man zB. in Berlin rund 3 Monate auf einen Therapietermin warten muss und viele Hausärzte nicht ausreichend geschult sind. Im Ernstfall (suizidale Krise) ist der Patient in dieser Zeit schon tot.
    3. Auf eine Therapieplatz in einer Klinik wartet man in Berlin rund 9 Wochen.
    4. Sicher können äußere Umstände den Krankheitsverlauf beeinflussen, aber wenn man schwer depressiv ist, ist einem die Umwelt scheissegal, Krise hin oder her. Ich habe in der Klinik Menschen getroffen, denen es scheinbar im Leben an nichts fehlte und die trotzdem mehrere Suizidversuche hintersich hatten.
    4. In der ach so behüteten DDR waren die Zahlen ungefähr doppelt so hoch und wurden von den Genossen sogar unter Verschluss gehalten.
    Depression ist eine Erkrankung des Gehirns und der Betroffene hat selber kaum Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun. Es sei denn, er holt sich professionelle Hilfe.
    Wenn es unmöglich erscheint, morgens aufzustehen und sich die Zähne zu putzen, sind so Ratschläge, wie geh doch mal joggen oder reiss dich mal zusammen, absolut kontraproduktiv. Sie bewirken nur, dass der Patient sich noch mehr in sich zurückzieht und im schlimmsten Fall "völlig unerwartet" in der Garage hängt.

http://forum.spiegel.de/f22/oecd-studie-menschen-aus-reichen-laendern-schlucken-immer-mehr-antidepressiva-106536-7.html#post14275193

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Heute 09:00 von
falcon33
Suizidhäufigkeit nach Ländern

    http://de.wikipedia.org/wiki/Suizidrate_nach_Ländern
    hier für alle die glauben, dass die wirtschaftliche Situation einen Einfluss auf die Suizidrate hat...
    Es gab in der vergangenheit allein in Deutschland Zeiten, wo man annehmen müsste, dass die Menschen "allen Grund" gehabt hätten, sich zu töten. Ende 2. Weltkrieg, Konzentrationslager, Massenvergewaltigungen etc. aber erstaunlicherweise sind die Zahlen in diesen Zeiten nicht signifikant angestiegen.
    Bei aller Küchentischwissenschaft: die Ursachen sind bis heute nur in Ansätzen erforscht. Es ist offensichtlich immer eine bestimmte Mischung aus verschiedenen Faktoren. Aber keiner weiss bis heute, warum in einer vergleichbaren Lebenssituation der Eine sich tötet und der Andere damit umgehen kann und nicht depressiv wird (traumatischer Verlust eines Angehörigen zB. oder Insolvenz des eigenen Unternehmens).

http://forum.spiegel.de/f22/oecd-studie-menschen-aus-reichen-laendern-schlucken-immer-mehr-antidepressiva-106536-7.html#post14275295


Aus: "OECD-Studie: Menschen reicher Länder nehmen immer mehr Antidepressiva" (21.11.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/oecd-studie-menschen-aus-reichen-laendern-nehmen-mehr-antidepressiva-a-934761.html


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[Eine Studie der Bundespsychotherapeutenkammer...]
« Reply #23 on: Januar 28, 2014, 04:18:25 nachm. »
Quote
[...] Bei fast jedem zweiten Frührentner sind psychische Erkrankungen die Ursache für die Pensionierung, besagt eine neue Studie [Eine Studie der Bundespsychotherapeutenkammer - Sie hat die Statistiken der Kranken - und Rentenversicherungen zur Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung für das Jahr 2012 ausgewertet]. ... Laut Studie sind psychische Erkrankungen für 42 Prozent aller Frührentner der Grund für die vorzeitige Pensionierung - wobei die Zahlen nicht klar verraten, ob wirklich die Zahl solcher Erkrankungen so stark geklettert ist oder ob es sich teils auch um eine Diagnosewelle handelt. Vor allem die Anzahl der diagnostizierten Depressionen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen hat seit 2001 deutlich zugenommen.

... Zunehmend haben Arbeitnehmer auch Probleme mit Alkohol und anderen Suchtstoffen, wie mehrere Krankenkassen in ihren jüngsten Gesundheitsreports dargestellt hatten.

dpa/vet


Aus: "Stress im Job treibt Arbeitnehmer in die Frührente" (28.01.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/psychostress-im-job-macht-arbeitnehmer-krank-a-945932.html


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[Rund ein Viertel der Bevölkerung...]
« Reply #24 on: August 31, 2015, 12:14:06 nachm. »
Quote
[...] Angststörung - Zwanghafte Ängste, die immer wieder unkontrolliert auftreten und sich bis zu Panikattacken auswachsen können, nennt man so. Davon sind inzwischen ziemlich viele Menschen betroffen: Rund ein Viertel der Bevölkerung in der industrialisierten und digitalisierten Welt erkrankt einmal im Leben daran, bei Frauen ist es laut einer US-Studie die häufigste psychiatrische Störung (noch vor Depressionen), bei Männern immerhin die zweithäufigste (nach Alkoholmissbrauch).

...


Aus: "Ganz normal gestört" Ina Freudenschuss (30. August 2015)
Quelle: http://derstandard.at/2000021397389/Ganz-normal-gestoert

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[Unter den jährlich...]
« Reply #25 on: September 10, 2015, 10:02:01 vorm. »
Quote
[...]  Die Selbsttötungsrate bei den über 60-Jährigen steigt nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz weiter besorgniserregend an. Unter den jährlich 10.000 Menschen, die sich das Leben nehmen, gehörten 45 Prozent dieser Altersgruppe an, obwohl sie nur 27 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmache, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Während die Bundesregierung den Ausbau von Hospiz- und Palliativarbeit für sterbende Menschen plane, "ist bei der Suizidprophylaxe im Alter keine Verbesserung in Sicht".

An heutigen Donnerstag ist der Weltsuizidtag. Weltweit nehmen sich jährlich schätzungsweise eine Million Menschen das Leben. In Deutschland versuchen 100.000 Menschen, sich selbst zu töten. Etwa 10.000 unter ihnen sterben. "Das sind mehr Tote im Jahr als durch Verkehrsunfälle, Mord, Totschlag, illegale Drogen und Aids zusammen", sagte Brysch.

Häufig leiden die Betroffenen Brysch zufolge an Depressionen, die oft nicht erkannt und somit nicht therapiert werden. ...

Quote
    Meinungsaustauscher, 10.09.2015 09:01 Uhr

Da tritt allmählich was zutage ...
Ein solcher Selbstmordkandidat in spe bin ich doch auch! Ich bin 55, Single, schwul, ohne Sexleben, vereinsamt, seit Jahrzehnten depressiv. Welche Therapie sollte das ändern? Beschafft die mir einen hübschen, attraktiven, jungen Partner, der meine unausgelebte Sexualität und private Einsamkeit und Leere ausfüllt? Den gibt es nicht! Es sein denn, ich ließe mich auf sexuelle Korruption ein ... Was bleibt? Arbeit! Und ein paar "trockene" Hobbys als Ersatz ... und irgendwelche "Freizeitaktivitäten" als ewiges Kompensationsmethadonprogramm für die eigentlichen dauerhaft unbefriedigten Bedürfnisse nach Nähe, Zärtlichkeit, Körperlichkeit, Sex. Die will ich nur leider nicht von Gleichaltrigen bedient bekommen - mein Pech!

Depressionen sind ein tabuisiertes Massenphänomen, das nach meiner Behauptung latente 80% der Menschen betrifft. Keiner will natürlich öffentlich depressiv sein, das sind immer nur die anderen, die "Kranken" ... Depression ist aber nach meinem Dafürhalten keine Krankheit, sondern die logische Folge eines dauerhaft unzufriedenen Zustands, das auf die meisten zutreffen dürfte, auch auf die in vorgeblich "glücklichen Beziehungen".

Peu a peu tritt somit ein dunkles Massenphänomen zutage, das es eigentlich schon immer gegeben hat, nur mittlerweile immer mehr an die Oberfläche tritt, weil das Kaschieren auf Dauer zu viel Kraft kosten wird.

Noch gilt aber die Devise: Och, die arme depressive Minderheit ... nur ich gehöre garantiert nicht dazu .........


Quote
    jotka26, 10.09.2015 08:46 Uhr

Ich versteige mich 'mal zu der böswilligen Unterstellung:
Das kann dem Staat doch sehr gelegen kommen!
Die Vereinsamung in den Städten ist auch einer immer weiter voranschreitenden Verarmung geschuldet.
Ein Umstand, der seit Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bekannt ist.
Mit Einführung der Hartz IV-Regelsätze wurde die ohnehin schon beachtlich hohe Selbstmordrate noch einmal gesteigert.
Mittlerweile ist die Suizidrate unter der "jüngeren Bevölkerung" ebenso rasant gestiegen.
Die Stigmatisierung Depressiver ist leider immer noch sehr verbreitet und so trauen sie Betroffene leider kaum aus ihrer Schattenwelt.
Das Ansinnen den Aufbau mobiler psychotherapeutischer und neurologischer Teams in den Städten mag sinnvoll erscheinen.
In den ländlicheren Gegenden könnte es für die Betroffenen eher zum Spießrutenlaufen werden.



Aus: "Weltsuizidtag: Hohe Selbstmordrate bei über 60-Jährigen in Deutschland" (10.09.2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/weltsuizidtag-hohe-selbstmordrate-bei-ueber-60-jaehrigen-in-deutschland/12301528.html

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[Auffälligkeiten...]
« Reply #26 on: Oktober 13, 2016, 09:55:37 vorm. »
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[...] In den vergangenen 15 Jahren sind Fehlzeiten im Büro wegen psychischer Erkrankungen um 90 Prozent angestiegen. Alle übrigen Beschwerden sind in ihrer Häufigkeit konstant geblieben. Die Mehrheit der Deutschen fühlt sich gestresst, findet ihr Leben anstrengender als vor drei Jahren. Fast die Hälfte fühlt sich „abgearbeitet und verbraucht“. Hauptgrund ist der Job. All das sind Ergebnisse der Stressstudie 2016, die am Mittwoch von der Techniker-Krankenkasse vorgestellt wurde.

Was die Befragten während der Arbeit vor allem belastet, sind ein zu hohes Pensum (64 Prozent), der Termindruck (59 Prozent), Unterbrechungen (52 Prozent) und die Menge an E-Mails (39 Prozent). Obwohl die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in den letzten Jahrzehnten in Deutschland gesunken ist und die Technik das Leben vereinfacht, haben die Menschen laut TK-Chef Jens Baas „das Gefühl, dass sich die Welt immer schneller dreht.“

Weitere Stressfaktoren sind laut der Studie hohe Ansprüche an sich selbst (43 Prozent), zu viele Termine in der Freizeit (33 Prozent) und die Erwartung von ständiger Erreichbarkeit (34 Prozent). Dies sei bei drei von zehn Beschäftigten der Fall. Sie klagen besonders über Stress und haben Probleme damit, abends und am Wochenende abzuschalten. Als Ursachen für die veränderte Arbeitswelt nannte Baas neben der Digitalisierung „den Anspruch der Kunden, rund um die Uhr alles erledigen zu können.“

Damit sich der Trend von zunehmendem Stress nicht weiter fortsetzt, fordert Baas eine neue Unternehmenskultur. Die Betriebe müssten die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben wieder mehr respektieren, die Vereinbarkeit von Karriere und Familie erleichtern – und die Mitarbeiter mehr wertschätzen. Fast die Hälfte der Befragten fühlt sich derzeit nicht genügend anerkannt. Dabei würden Mitarbeiter, die gerne zu Arbeit gingen, Stress eher als Ansporn und weniger als Belastung empfinden. Wollen die Betriebe also keine erschöpften und unmotivierte Mitarbeiter haben, müssen sie umdenken. „Staatliche Regulierungen“ lehnt Baas hingegen ab. Seit einigen Jahren steht zum Beispiel eine Anti-Stress-Verordnung zur Debatte.

Generell haben sieben von zehn Befragten Spaß an ihrer Arbeit. Von den überarbeiteten Befragten sagt das nur ein Drittel. Sie haben oft Verspannungen, fühlen sich ausgebrannt, schlafen schlecht und sind gereizt. Knapp ein Viertel sieht den Job nur als Broterwerb an. Für fünf Prozent ist der Beruf reiner Frust. Einen Ausgleich finden viele in einem Hobby (71 Prozent), im Faulenzen (68 Prozent) und in ihrem sozialen Umfeld (67 Prozent). Außerdem versucht fast die Hälfte, in seiner freien Zeit möglichst viel offline zu sein. Das Handy mit all seinem Ablenkungspotenzial ganz bewusst weg zu legen.


Aus: "Job und eigene Ansprüche sorgen für Stress" Marie Rövekamp (13.10.2016)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/arbeitswelt-job-und-eigene-ansprueche-sorgen-fuer-stress/14677634.html

Quote
[...] So viel Stress war nie. Kaum hat man die traurigen Nachrichten von den gestressten Studierenden vom Dienstag verdaut, kam am Mittwoch die nächste Studie heraus, diesmal zum allgemeinen Stresspegel im Land. Betrübliches Fazit: 61 Prozent der Über-18-Jährigen hecheln ihrem Leben hinterher: zuvorderst den Ansprüchen, die ihre Jobs stellen. Aber dann folgen bereits die Ansprüche, die sie an sich selbst stellen, und der Terminstress in der Freizeit. Es ist die „schneller werdende“ Welt, die viele ihrer Bewohner in den verschiedenen Bereichen überfordert.

Aber sie sind nicht nur Opfer einer Entwicklung, sie sind auch deren Aktivisten. Sie sind Teil des smarten Universums, das vor allem aus Kommunikationserweiterung und -beschleunigung besteht, an der so viele gern und dauernd mitarbeiten. Und da lässt sich einhaken: Wenn man an seinem Job, also dem Leistungsdruck von außen, nichts oder nur wenig ändern kann, warum den dann noch ins Private importieren? Was einen im Privaten stresst, kann man ändern. Zu viele Termine in der Freizeit: absagen! Die Ansprüche an sich selbst sind zu hoch: runter damit. Wenigstens den Versuch sollte jeder sich wert sein.

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A.v.Lepsius 12.10.2016, 18:42 Uhr

Ständiges Erreichbar sein, das Warten, ob eine Nachricht eingeht, wer was mitzuteilen hat, das "alle drei Minuten auf das Display-gegucke" würde mich auch stressen. ... Das Ergebnis ist definitiv weniger Konzentration, denn wenn die Hälfte der Gedanken bei FB oder sonstwo ist, stehen eben nicht die vollen Ressourcen für andere Arbeiten zur Verfügung. Dieser Aspekt kommt etwas kurz in den Berichten, finde ich.



Aus: "Neue Stressstudien: Jeder muss sich selbst entlasten" Ariane Bemmer (12.10.2016)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/neue-stressstudien-jeder-muss-sich-selbst-entlasten/14679320.html

« Last Edit: Oktober 13, 2016, 10:01:45 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Depressionen, Essstörungen, Auffälligkeiten...]
« Reply #27 on: Oktober 20, 2016, 10:21:40 vorm. »
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[...] Kann man sich eine schwerwiegendere Anklage gegen ein System vorstellen als eine epidemische Ausbreitung psychischer Erkrankungen? Heute leiden Menschen auf der ganzen Welt [http://ije.oxfordjournals.org/content/early/2014/03/19/ije.dyu038.full] unter Angststörungen, Stress, Depressionen, sozialen Phobien, Essstörungen, dem Zwang, sich selbst zu verletzen und Einsamkeit. Die jüngsten Zahlen über die psychische Gesundheit von Kindern in England geben ein schreckliches Bild ab machen deutlich, dass es sich um eine globale Krise handelt.

Es mag dafür viele Gründe geben, aber mir scheint, dass ein grundelegende Ursache überall dieselbe ist: Menschliche Wesen, diese ultrasozialen Säugetiere, deren Gehirne darauf ausgerichtet sind, auf andere Menschen zu reagieren, werden systematisch auseinandergetrieben. Wirtschaftliche und technologische Veränderungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie erzählen uns beständig, dass wir unser Glück im kompetetiven Eigeninteresse finden, und in einem grenzenlosen Individualismus.

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Der Konkurrenzdruck im Bildungssystem wird immer härter. Die Jobsuche grenzt oft genug an eine Nahtoderfahrung, bei der immer verzweifeltere Menschen immer weniger Stellen hinterherjagen. Endlose Wettbewerbe und Castingshows im Fernsehen fördern völlig unrealistische Erwartungen, während die realen Möglichkeiten immer weniger werden.

Die wachsende soziale Lücke wird mit Konsum gestopft. Doch er heilt nicht die Krankheit der Isolation, sondern verstärkt den Hang unseren sozialen Status zu vergleichen – bis wir alles andere verschlungen haben und anfangen, uns selbst zu zerfleischen. Die sozialen Medien bringen uns zusammen und treiben uns gleichzeitig auseinander, indem sie uns ermöglichen, unser soziales Ansehen genau zu quantifizieren. Sie zeigen uns, dass andere mehr Freunde und Follower haben als wir.

Wie Rhiannon Lucy Cosslett sehr gut gezeigt hat [https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/sep/08/thinner-retouching-girls-image-manipulation-women], verändern Mädchen und junge Frauen routinemäßig ihre geposteten Fotos, um schlanker zu wirken. Manche Handys machen das mit ihren Beauty-Settings ganz automatisch, ohne ihre Besitzerinnen überhaupt zu fragen. So kann man heute zu seiner eigenen Dünnspiration werden. Willkommen in der nächsten Stufe der Hobb'schen Dystopie: ein Krieg aller gegen sich selbst.

Ist es verwunderlich, dass in diesen einsamen Innenwelten, in denen Berührung durch einen Klick auf die Filterfunktion ersetzt werden, junge Frauen massenhaft an psychischen Störungen leiden? Eine neue Studie in England legt nahe, dass jede vierte Frau zwischen 16 und 24 sich schon einmal selbst verletzt hat und jede achte an posttraumatischen Belastungsstörungen leidet. 26 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe sind von Angst, Depression, Phobien oder Zwangsstörungen betroffen. So sieht eine öffentliche Gesundheitskrise aus.

Wenn soziale Brüche nicht mit derselben Ernsthaftigkeit behandelt werden wie gebrochene Gliedmaßen, dann liegt dies daran, dass wir sie nicht sehen können. Die Neurowissenschaften können dies jedoch sehr wohl. Eine Reihe faszinierender wissenschaftlicher Publikationen legt nahe [http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ejsp.837/abstract], dass sozialer Schmerz und körperlicher Schmerz von denselben neuralen Schaltkreisen verarbeitet werden. Das könnte erklären, warum es in vielen Sprachen sehr schwierig ist, den Bruch sozialer Verbindungen zu beschreiben, ohne das Vokabular zu benutzen, das wir auch im Zusammenhang mit physischem Schmerz und Verletzungen verwenden. Sowohl beim Menschen als auch bei anderen Säugetieren reduziert sozialer Kontakt körperlichen Schmerz. Das ist der Grund dafür, warum wir unsere Kinder in den Arm nehmen, wenn sie sich wehgetan haben: Zuneigung ist ein starkes Mittel gegen Schmerzen. Dass Opioide sowohl körperliche Beschwerden als auch Trennungsschmerz lindern, könnte den Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und Drogenabhängigkeit erklären.

Das Journal Physiology & Behaviour schreibt über aufschlussreiche Experimente [http://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0031938416305583?via=sd]: Stellt man soziale Säugetiere vor die Wahl zwischen körperlichen Schmerzen und sozialer Isolation, entscheiden sie sich für ersteres. Kapuzineraffen, die 22 Stunden lang nichts zu essen bekamen und gleichzeitig in Isolation gehalten wurden, gingen zuerst zu ihren Artgenossen, bevor sie ihren Hunger stillten. Es gibt Hinweise darauf, dass emotional vernachlässigte Kinder schwerwiegendere gesundheitliche Folgen davontragen als Kinder, die emotional vernachlässigt und gleichzeitig misshandelt werden: So grausam das klingt, beinhaltet Gewalt eine abscheuliche Form von Aufmerksamkeit und Kontakt. Oft verletzten sich Menschen selbst, um ihren psychischen Schmerz zu lindern. Es ist ein weiterer Hinweis darauf, dass körperlicher Schmerz leichter zu ertragen ist als emotionaler. Das erkennt man auch am Gefängnissystem: Eine der effektivsten Formen der Folter besteht in der Isolationshaft.

Es ist nicht schwer zu erkennen, worin die evolutionären Gründe für sozialen Schmerz liegen: Die Überlebenschancen sozialer Säugetiere steigen gewaltig, wenn sie enge Verbindungen mit dem Rest ihres Rudels unterhalten. Es sind die isolierten und marginalisierten Tiere, die am leichtesten Raubtieren zum Opfer fallen oder verhungern. So wie körperlicher Schmerz uns vor körperlichen Verletzungen schützt, schützt uns emotionaler Schmerz vor sozialen Veletzungen. Er bringt uns dazu, uns einander zuzuwenden. Vielen Menschen erscheint dies allerdings nahezu unmöglich.

Es ist wenig überraschend, dass soziale Isolation oft Depressionen, Selbstmordgedanken, Angstzustände und Schlaflosigkeit zur Folge hat. Überraschender ist, wie viele körperliche Krankheiten Einsamkeit verursachen oder verstärken: Demenz, Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Hirnschläge, verringerte Widerstandsfähigkeit gegen Viruserkrankungen, selbst Unfälle kommen bei chronisch einsamen Menschen häufiger vor. Der Einfluss von Einsamkeit auf die körperliche Gesundheit ist vergleichbar mit dem Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag. Offenbar erhöht sie das Risiko eines frühen Todes um 26 Prozent. Das liegt zum Teil daran, dass sie zu einer verstärkten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führt, welches das Immunsystem unterdrückt.

Studien, die sowohl bei Tieren als auch bei Menschen durchgeführt wurden, geben Aufschluss darüber, was beim sogenannten Frustessen passiert: Die Isolation verringert die Impulskontrolle und führt so zu Fettleibigkeit. Dies könnte eine Erlärung dafür sein, warum ein starker Zusammenhang zwischen der Gefährdung von Einsamkeit, einem geringem ökonomischem Status und Adipositas besteht.

Offensichtlich läuft hier etwas schief. Etwas, das weitaus wichtiger ist als die meisten Dinge, um die wir uns gemeinhin den Kopf zerbrechen. Warum machen wir bei diesem umwelt- und selbstzerstörerischen Wahnsinn mit? Sollte diese Frage nicht jedem, der am öffentliche Leben teilnimmt, auf den Lippen brennen?

Es gibt ein paar großartige Organisationen und Initiativen, welche diese Entwicklung bekämpfen. Mit einigen von ihnen werde ich mit meinem Einsamkeitsprojekt zusammenarbeiten [https://www.theguardian.com/music/2016/oct/03/loneliness-george-monbiot-ewan-mclennan-songs-tour]. Doch mit jedem, den sie erreichen, rutschen andere durchs Netz.

Dies erfordert keine politische Reaktion. Es erfordert etwas sehr viel Größeres: die Neubewertung einer kompletten Weltsicht. Von all den Hirngespinsten, die Menschen haben können, ist die Vorstellung, dass wir es alleine schaffen können, die absurdeste und vielleicht die gefährlichste. Entweder wir stehen zusammen oder wir gehen unter.

Übersetzung: Holger Hutt



Aus: "Alle gegen sich selbst" George Monbiot (19.10.2016)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/alle-gegen-sich-selbst


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[Depressionen, Essstörungen, Auffälligkeiten...]
« Reply #28 on: M?RZ 21, 2017, 10:23:47 vorm. »
Quote
[...] Immer mehr Menschen nehmen wegen psychischer Erkrankungen Reha-Leistungen in Anspruch, um wieder fit für den beruflichen Alltag zu werden. Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Rentenversicherung 156.500 stationäre Rehabilitationsleistungen wegen psychischer Erkrankungen bewilligt – mehr als jemals zuvor.

Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Jahr 2015 waren 155.000 Patienten Aufenthalte in Reha-Kliniken zugestanden worden. Vor zehn Jahren lag die Zahl noch um rund 70 Prozent niedriger, da waren es 92.750 Rehabilitationen.

Die häufigsten Diagnosen, die eine Reha notwendig erscheinen lassen, sind depressive Störungen und Angsterkrankungen. Im Jahr 2016 waren 55 Prozent der Reha-Patienten Frauen. Die Erfolgsaussichten dieser Behandlungen bewertet die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, als sehr hoch.

Die Rehabilitation ermögliche vielen Versicherten mit psychischen Störungen, trotz einer gesundheitlichen Beeinträchtigung im Erwerbsleben zu bleiben, sagte sie der F.A.Z. in Berlin. „Unsere Erhebungen haben gezeigt, dass bei rund 85 Prozent der Versicherten eine Rehabilitation wegen einer psychischen Erkrankung zu einer Eingliederung in das Berufsleben geführt hat.“ Eine Erwerbsminderungs- oder Altersrente bezogen zwei Jahre nach der Rehabilitation rund 15 Prozent.


Aus: "Immer mehr Rehas wegen psychischer Erkrankungen" (20.03.2017)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/f-a-z-exklusiv-immer-mehr-rehas-wegen-psychischer-erkrankungen-14934710.html

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« Reply #29 on: Juni 28, 2017, 01:12:11 nachm. »
Quote
[...] Krankheitstage aufgrund psychischer Probleme sind bei Auszubildenden überdurchschnittlich stark gestiegen. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Fehlzeiten der 16- bis 25-jährigen Berufsanfänger wegen Depressionen oder Anpassungs- und Belastungsstörungen mehr als verdoppelt: Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) verzeichnet einen Anstieg von 108 Prozent.

Zum Vergleich: Über alle Altersgruppen hinweg betrug der Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten bei Arbeitnehmern 88 Prozent. Auch das ist eine drastische Zunahme, die Auszubildenden sind aber offenbar besonders stark von dem Phänomen betroffen.

Die Depression steht auf Platz drei der Hauptursachen von Krankschreibungen bei Azubis, hinter Atemwegs- und Magen-Darm-Infekten. Überdurchschnittlich betroffen sind sie auch von Verletzungen und Vergiftungen. Vor allem männliche Azubis fallen häufig wegen Unfällen aus.

Insgesamt sind Auszubildende mit 11,5 Fehltagen im Jahr allerdings mehr als drei Tage weniger krankgeschrieben als der Durchschnitt der Beschäftigten in Deutschland - dafür deutlich häufiger. Das heißt, sie fallen öfter, aber im Krankheitsfall kürzer aus.

"Die häufigen, aber relativ kurzen Ausfälle legen den Verdacht nahe, dass es sich vor allem um leichtere Beschwerden handelt", sagte TK-Chef Jens Baas bei der Vorstellung des Berichts. Tatsächlich gehe etwa ein Viertel der Fehlzeiten auf Erkältungen, Mandelentzündungen und Ähnliches zurück.

Zeitgleich gibt es jedoch eine deutliche Zunahme psychischer Beschwerden. Die Ursachen sind laut den Forschern vielfältig: Diagnosen würden heute besser gestellt und es gebe eine bessere medizinische Versorgung.

Aber auch der Lebensstil und der Umgang mit Stress seien entscheidende Faktoren. Eine Ursache für den hohen Stresslevel der Berufseinsteiger sehen die Experten im Medienkonsum. Die Generation "Always on" müsse lernen abzuschalten. Viele verbringen ihren Feierabend mit digitalen Medien. "Das allein muss nicht per se schädlich sein", erklärte der Neurologe Volker Busch. "Aber der Versuch, sie gleichzeitig oder wechselweise zu nutzen und so ständig abgelenkt und unterbrochen zu sein, kostet das Gehirn Kraft und geht auf Kosten der Regeneration."

koe/AFP/dpa


Aus: "Alarmierend viele Azubis haben Depressionen" (28.06.2017)
Quelle: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/depressionen-bei-azubis-nehmen-drastisch-zu-a-1154873.html

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« Reply #30 on: Mai 23, 2018, 09:37:20 vorm. »
Quote
[...] Laut dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse aus dem vergangenen Jahr hat sich seit 2007 die Verordnung von Antidepressiva in Deutschland verdoppelt. ... Vor wenigen Jahren formulierten 21 leitende Ärzte psychosomatischer Kliniken in Deutschland einen „Aufruf zum Leben“. Darin heißt es: „Wir sind erschüttert über die psychosoziale Lage in allen Industrienationen, denn seelische Erkrankungen und psychosoziale Problemlagen sind dermaßen häufig, dass sie trotz einer Zunahme von medizinischen und therapeutischen Versorgungsangeboten bei weitem nicht angemessen behandelt und aufgelöst werden können.“ Was hier anklingt: Eine wirkliche Heilung des Menschen kann nur durch die Heilung seiner Umgebung gelingen. Denn wer täglich an den Bürostuhl gefesselt ist, bekommt irgendwann Rückenschmerzen, der hohe Takt des Alltags führt zu Burnout und das Leistungsparadigma begünstigt Depressionen.

Umgekehrt kann die Gesellschaft nicht weiter das individuelle Leiden ausklammern, schon allein aus volkswirtschaftlicher Perspektive: Chronische Schmerzen verursachen in Deutschland jährlich Kosten in Höhe von 38 Milliarden Euro, die seelischen Erkrankungen 45 Milliarden.

... Steigender Tablettenverbrauch, wachsender Medienkonsum, gigantische soziale Netzwerke: Die Ablenkung, das Außer-sich-sein, die Selbstentfremdung ist vielfach so ausgeprägt, dass das Empfinden von Leid als krankhaft oder widernatürlich wahrgenommen wird. „Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten“, stellte der Sozialpsychologe Erich Fromm fest. „Der Schmerz ist nur ein Symptom. Glücklich der, der ein Symptom hat.“

... Sigmund Freud identifizierte einst drei Quellen des menschlichen Leidens: „Die Übermacht der Natur, die Hinfälligkeit unseres eigenen Körpers und die Unzulänglichkeiten der Einrichtungen, welche die Beziehungen der Menschen zueinander in Familie, Staat und Gesellschaft regeln.“ Der Tod und die Verwundbarkeit des Menschen sind trotz aller medizinischer Fortschritte bis auf weiteres unverrückbare Gegebenheiten. Indes könnten die anderen genannten Ursprünge von Schmerz und Leid geschichtlich überwunden werden: In den westlichen Industrienationen müsste heute niemand mehr Hunger, Durst und Kälte fürchten.

... Die Wunden der Gesellschaft werden noch immer organisiert überspielt. Das Opium für das Volk ist schon lange nicht mehr die Religion. Es ist die Ideologie, dass wir alles erreichen können, wenn wir nur wollen. Es ist die gigantische Unterhaltungsindustrie, die die Möglichkeit von ästhetischer Erfahrung auf eine triviale Konsumentenrolle zusammenstreicht. Es sind die Wohltätigkeitsveranstaltungen, auf denen das Wissen um die Ungerechtigkeiten dieser Welt mit dem Ausstellen eines Spendenschecks übertüncht wird.

Der Psychoanalytiker Wilhelm Reich erkannte in seiner „Massenpsychologie des Faschismus“ einen grundlegenden Zusammenhang zwischen der Unterdrückung menschlicher Triebe und dem Aufkommen faschistischer Ideologien. Der daraus resultierende menschliche Charakter sei tendenziell entfremdet und angepasst. Er kann weder für sich, noch für Mitmenschen Empathie aufbringen. Die Erziehungswissenschaftlerin Alice Miller war sogar überzeugt: „In jedem noch so schrecklichen Diktator, Massenmörder, Terroristen steckt ausnahmslos ein einst schwer gedemütigtes Kind, das nur dank der absoluten Verleugnung seiner Gefühle der totalen Ohnmacht überlebt hat.“ Andersherum: Die vollends betäubte Welt bereitet den Weg für den Triumph des Unmenschlichen.

Heute arbeiten Therapeuten in der tiefenpsychologischen Praxis mit dem Modell des „Inneren Kindes“. Dabei gehen sie davon aus, dass schmerzhafte frühkindliche Erfahrungen, die nicht ausgelebt werden konnten, im Gehirn gespeichert werden. Diese abgespaltenen Emotionen wie Traurigkeit, Angst oder Wut sollen unter therapeutischen Bedingungen dem Bewusstsein wieder zugänglich gemacht werden. Das Durchleben der unbewussten seelischen Wunden führt zu Verarbeitung und Heilung. Erst dann ist ein verantwortlicher Umgang mit sich selbst und anderen möglich.

Auch die Gesellschaft muss sich den Wunden der Vergangenheit und Gegenwart annehmen, die dysfunktionalen Glaubenssätze und Lebensmuster aufspüren und sich einer radikalen Selbstkritik unterziehen. Der Schmerz ist dafür der unumgängliche Ausgangspunkt, wird er doch auf wundersame Weise umso manifester, desto weniger Raum wir ihm in unserem Leben geben. Doch das Wegdrücken ist an seine Grenze gekommen. Durch psychosomatische Beschwerden und psychische Erkrankungen drängt das Leid mit aller Macht ins Bewusstsein zurück.

Sich ihm zu stellen, es zu seinem Recht kommen zu lassen, könnte gleichsam das Moment seiner Überwindung sein: Das hieße wiederum, die Fenster und Türen zu öffnen, den Schmerz hereinzubitten, sich der Geschichte anzunehmen, die er zu erzählen hat. ...



Aus: "Was unser Schmerz über die Gesellschaft verrät" Hannes Soltau (22.05.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/psychosomatik-was-unser-schmerz-ueber-die-gesellschaft-verraet/22591306-all.html

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« Reply #31 on: Juni 12, 2018, 09:58:41 vorm. »
Quote
[...] A new report by the Centers for Disease Control and Prevention has found the U.S. suicide rate rose by 25 percent over the past two decades. Topping the list was North Dakota, where suicides have risen by 57 percent from 1999 levels. Suicide is the 10th leading cause of death in the United States. ...


Aus: "123 Deaths a Day: Inside the Public Health Crisis of Rising Suicide Rates in the United States" (June 11, 2018)
Quelle: https://www.democracynow.org/2018/6/11/123_deaths_a_day_inside_the

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« Reply #32 on: M?RZ 26, 2019, 09:14:53 vorm. »
Quote
[...] Die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme hat sich einem Medienbericht zufolge binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Zahl sei von rund 48 Millionen im Jahr 2007 auf 107 Millionen im Jahr 2017 angestiegen, schreiben die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf eine Antwort des Arbeitsministeriums auf eine Linken-

Die daraus entstehenden wirtschaftlichen Ausfallkosten haben sich demnach im selben Zeitraum von 12,4 Milliarden Euro auf 33,9 Milliarden Euro nahezu verdreifacht.

Männer kamen dem Bericht zufolge auf eine deutlich höhere Zahl an psychisch bedingten Krankheitstagen als Frauen. Ältere Beschäftigte meldeten sich häufiger aus psychischen Gründen krank als jüngere. Die meisten Krankentage gab es 2017 bei Männern zwischen 60 und 65 Jahren (434 Ausfalltage auf 100 Versicherte), die wenigsten bei Frauen zwischen 15 und 20 Jahren (21 Ausfalltage auf 100 Versicherte).

Den Zahlen zufolge stieg zwischen 2007 und 2017 auch die Zahl der Renteneintritte wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund psychischer Störungen von rund 53.900 auf mehr als 71.300. Die Zahlen basieren auf Sozialversicherungsdaten und Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Angaben für das Jahr 2018 liegen demnach noch nicht vor.

...


Aus: "Belastung am Arbeitsplatz: Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme verdoppelt sich" (26.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/belastung-am-arbeitsplatz-zahl-der-krankentage-wegen-psychischer-probleme-verdoppelt-sich/24144478.html

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« Reply #33 on: Juli 25, 2019, 10:00:26 vorm. »
Quote
[...] Die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht. Das geht aus einer Langzeituntersuchung der DAK-Gesundheit hervor. In ihrem „Psychoreport 2019“ hat die Krankenkasse die Fehltage ihrer Versicherten seit 1997 ausgewertet. Die Krankschreibungen von Arbeitnehmern wegen psychischer Leiden erreichten demnach im Jahr 2017 einen Höchststand.

Im Schnitt fiel 2017 jeder Versicherte wegen psychischer Probleme für 2,5 Tage auf der Arbeit aus. Zwanzig Jahre vorher waren es im Schnitt nur 0,7 Krankheitstage pro Versichertem. Erst 2018 ging die Zahl der Fehltage wegen psychischer Leiden nach stetigem Anstieg erstmals wieder leicht zurück.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm führt die Entwicklung auch auf einen offeneren Umgang mit psychischen Problemen zurück: „Vor allem beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heutzutage kein Tabu mehr.“ Deshalb werde auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen. Diese Einschätzung wird von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) geteilt. Die Linke verweist dagegen auch auf einen gestiegenen Arbeitsstress als Ursache.

Über den Gesamtzeitraum dieser DAK-Untersuchung hinweg fehlten Arbeitnehmer am häufigsten wegen der Diagnose Depression. Dahinter folgen sogenannte Anpassungsstörungen - diese treten zum Beispiel nach schweren Schicksalsschlägen auf oder nach einschneidenden Veränderungen im Leben. Danach kommen neurotische Störungen und Angststörungen. „Burn-Out“ spielt kaum eine Rolle. Seit 2012 habe diese Diagnose im Krankheitsgeschehen deutlich an Relevanz verloren, heißt es.

Dass die Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen einen wesentlichen Anteil am Anstieg der Krankmeldungen habe, sei unumstritten, sagte eine DGPPN-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. „Dass heutzutage offen über psychische Erkrankungen gesprochen werden kann, ist aus Sicht der DGPPN sehr zu begrüßen“. Der Verband fordert allerdings mehr Einsatz für Früherkennung und Prävention, denn die meisten psychischen Erkrankungen manifestierten sich bereits in den ersten Lebensjahrzehnten.

... Der DAK-Report zeigt, dass die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen mit dem Alter kontinuierlich zunimmt. Frauen sind demnach deutlich häufiger wegen Seelenleiden krankgeschrieben als Männer. Weiter hieß es, in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen seien „überproportional viele Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen“ zu verzeichnen

Im Ländervergleich sind die Bayern am wenigsten wegen psychischer Probleme krank (1,9 Fehltage pro Versichertem im Jahr 2018), die Saarländer am häufigsten (3,1 Fehltage). In der DAK-Gesundheit sind mehr als fünf Millionen Menschen versichert. Sie gehört damit zu den größten gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland. (dpa)


Aus: "Arbeitsausfälle wegen psychischer Probleme haben sich mehr als verdreifacht" (25.07.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/ueberlastung-depressionen-angststoerungen-arbeitsausfaelle-wegen-psychischer-probleme-haben-sich-mehr-als-verdreifacht/24698112.html

Quote
AgentCooper 08:02 Uhr
Verwundert nicht, und die Zahlen werden steigen - ungebremst. In sozialen Berufen lebt man als Alleinstehender / Alleinstehende / Alleinstehendes  gerade einmal - wenn man Glück hat - etwas über dem Existenzminimum und das bei einem körperlichen und psychischen Einsatz, daß der Politik fremd ist ist. Und das ist nur eine Berufsgruppe von vielen in der die Menschen sprichwörtlich verheizt werden. Darüber hinaus werden immer mehr - beängstigend mehr - Depressionen bei Kindern und Jugendlichen verzeichnet. Selbstmordgedanken sind übrigens auch keine Seltenheit mehr  - ebenfalls bei Kindern und Jugendlichen, was erschreckend ist, aber nachzuvollziehen bei solch einer primitiven Gesellschaft, deren Säulen die Produktion und der Konsum darstellen. Einer Gesellschaft die immer noch primitiv ist und aus den unübersehbaren Fehlern nicht wirklich gelernt hat und scheinbar auch nicht lernen will. Es "muss" ja so sein wie es ist, denn andere  Vorstellungen von Gesellschaftsformen sind ja anscheinend nicht realisierbar. "Seltsam" nur, daß solch ein Tenor hauptsächlich von der Politik und der Industrie zu vernehmen ist. Wieso sollte man denn auch etwas ändern? Von der Überproduktion einmal ganz zu schweigen. Die Bevölkerung schluckt doch eh alles und generiert sogar noch Umsatz durch die physischen und psychischen Leiden. Alles wunderbar, solange die Bevölkerung noch schön mit Bier und anderen Drogen vor der dumpfen Glotze sitzen kann um die deutlichen Signale von Geist und Körper in Passivität, Resignation und stumpfen Gehorsam zu ertränken. Viele Menschen funktionieren einfach nur noch da ihnen ja täglich mit süßen Worten eingeflötet wird, wie toll doch unsere Gesellschaft funktioniert. Zu betonen ist hierbei,  dass "funktionieren" ein ziemlich dehnbarer Begriff darstellt. Es kommt eben u.a. auf die Perspektive und der persönlichen Stellung innerhalb der Gesellschaft an. Willkommen im funktionalem Ersatzteillager Mensch ...     

...

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« Reply #34 on: September 15, 2020, 05:56:02 nachm. »
Quote
[...] Die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Probleme wächst einer Untersuchung zufolge deutlich weiter und hat einen neuen Höchststand erreicht. Nach neuesten Zahlen der Krankenkasse DAK-Gesundheit stiegen die Fehltage von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wegen Depressionen, Angst- oder Belastungsstörungen im Vergleich zu 2018 um 24 auf 260 Tage pro 100 Versicherte, wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland berichtet. Dies sei der höchste Stand seit Beginn dieser DAK-Untersuchungen im Jahr 1997.

Seitdem habe sich die Zahl der Fehltage wegen psychischer Leiden mehr als verdreifacht, und zwar um 239 Prozent. Das geht laut RND aus dem aktuellen DAK-Psychoreport hervor. Arbeitnehmer bleiben ihrem Job demnach am häufigsten wegen einer Depression fern. 2019 seien 105 Fehltage je 100 Versicherte auf diese Erkrankung zurückzuführen gewesen. Dahinter lagen Anpassungsstörungen mit 59 Fehltagen und neurotische Störungen mit 26 Fehltagen je 100 Versicherte. Die Diagnose Angststörungen kommt auf 19 Fehltage.

Frauen waren 2019 laut dem Report mit 328 Tagen je 100 Versicherte deutlich länger wegen psychischer Probleme krankgeschrieben als ihre männlichen Kollegen mit 203 Fehltagen. Zudem verteilen sich die psychischen Erkrankungen unterschiedlich stark auf Branchen. Am stärksten betroffen ist den Angaben zufolge die öffentliche Verwaltung mit 382 Fehltagen je 100 Versicherte. Es folgen das Gesundheitswesen (338 Tage) und der Bereich Verkehr, Lagerei und Kurierdienste (249 Tage). In der Baubranche fällt mit 154 Tagen die geringste Zahl von Fehltagen wegen psychischer Leiden an.

Darüber hinaus bestehen offenbar deutliche regionale Unterschiede. Während im Saarland im vergangenen Jahr 340 Fehltage je 100 Versicherte mit den entsprechenden Diagnosen begründet wurden, waren es in Baden-Württemberg 207.

...


Aus: "Rekord bei Krankschreibungen wegen psychischer Probleme" (15. September 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-09/dak-krankheitstage-psychisch-probleme-depressionen-gesundheit-fehlzeiten-erwerbsminderung

Quote
Südvorstadt #10

Diese Meldung wundert mich kein Stück. Die Ursachen dafür betrachte ich als systemisch.

Wir leben dank der neoliberalen Revolution der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts in einem System der gegenseitigen Ausbeutung. Unser postindustrieller Kapitalismus basiert auf Misstrauen, Egoismus, Konkurrenzdruck, Unsicherheit, Unehrlichkeit, Profitgier und ständiger Überforderung. Diese Eigenschaften werden durch neoliberale Dogmen wie ständiges Wachstum, Effizienzsteigerung, Flexibilisierung, Optimierung oder 'freiwillige' Mehrarbeit zementiert.

In diesem System werden wir nach und nach alle krank. Erst die wenig resilienten Individuen, die mit dem beständigen Leistungsdruck und mit dem Konkurrenzdenken nicht klar kommen. Dann, nach und nach, erwischt es immer mehr der eigentlich leistungswilligen und -bereiten Individuen, denen der Druck in den Unternehmen und Verwaltungen immer mehr zusetzt. Die Folge sind Burn-Out-Erkrankungen, Depressionen oder Zusammenbrüche. Damit schneiden sich die Betriebe natürlich ins eigene Fleisch, denn zum Glück wächst einerseits das Bewusstsein für psychische Gesundheit, andererseits leben wir noch in einer solidarischen Gesellschaft, in der man nicht entlassen wird, wenn man psychisch erkrankt.

Wie so oft heißt das Problem aber neoliberaler Kapitalismus, dessen Mechanismen den menschlichen Bedürfnissen nach Gemeinschaft, Kooperation, Vertrauen, Hilfsbereitschaft und Solidarität widersprechen. Wir müssen das System ändern, um zu gesunden.


Quote
babasikander #10.1

"Wir müssen das System ändern, um zu gesunden."

Das unterschreibe ich.
Meine Burn-Out-Klienten ebenso...


Quote
GlobalPlayer5001 #10.2

Ja, ja, der böse "Neoliberalismus" ist aber auch wirklich an allem Schlechten in dieser Welt schuld. Aber gut, dass Sie uns das noch einmal in Erinnerung rufen, gleich verbunden mit der ebenfalls von Ihnen gewohnten Forderung nach einem Systemwechsel. Haben Sie auch einmal etwas Neus?

Richtig ist (und wir auch von niemandem bestritten), dass es in den letzten Jahrzehnten zu einer deutlichen Arbeitsverdichtung gekommen ist. Wir alle müssen mehr Arbeit in immer kürzerer Zeit verrichten. Was allerdings auch zu berücksichtigen ist: Wir haben heute auch viel mehr technische Unterstützung als von 20 oder 30 Jahren, die eine solche Arbeitsverdichtung auch ermöglicht. Dass sich manche Menschen mit diesen Veränderungen schwertun ist offensichtlich. Daraus jedoch gleich ein Scheitern der wettbewerblichen Gesellschaft abzuleiten, erscheint mir doch etwas vermessen.

Und völlig außen vor bleiben die Vorteile der Veränderungen der letzten Jahre: Größere Flexibilität in der Zeiteinteilung, die Möglichkeit auch außerhalb fester Bürozeiten arbeiten zu können, Home-Office und vieles mehr, das wir jetzt coronabedingt zu schätzen gelernt haben. Nicht für alle, aber doch für sehr viele.

Vor diesem Hintergrund sollten wir die Revolution doch noch ein wenig verschieben ...


Quote
Südvorstadt #10.6

'Ja, ja, der böse "Neoliberalismus" ist aber auch wirklich an allem Schlechten in dieser Welt schuld.'

Die Wahrheit tut eben manchmal weh, vor allem für Menschen wie Sie, die den Heilsverprechen der Neoliberalisten und neoklassischen ÖkonomInnen immer noch anhängen. Dabei liegt doch auf der Hand, dass die Deregulierung der Märkte, die weitgehende Abschaffung von Arbeitnehmerrechten und das Schleifen von Umwelt- und Klimaschutzgesetzen für alle derzeitigen Probleme ursächlich sind.

Meinen Analysen müssen Sie natürlich nicht zustimmen. Es wäre aber glaubhafter, Argumente zu formulieren, die meinen Thesen widersprechen. Sie bestätigen ja aber meine Argumente nur, Sie bestätigen die Arbeitsverdichtung, den gesteigerten Konkurrenzkampf, den wachsenden Wettbewerb auch unter KollegInnen. Jetzt scheitern Sie nur noch daran, den richtigen Schluss zu ziehen: dieses neoliberale System (ups, schon wieder rausgerutscht) ist weder gott- noch naturgegeben. Wir können es ändern, wollen wir die Krisen unserer Zeit bekämpfen. Wer jedoch die Hände in den Schoß legt und glaubt, man müsse alles so hinnehmen, wie es ist, wird auch an der Lösung der derzeitigen Probleme der Menschheit scheitern. Und die Krise der psychischen Gesundheit ist dabei lediglich ein kleiner Aspekt und verschwindet neben gigantischen Problemen wie der Klimakrise.


Quote
Trickle up #10.11

Ja ich unfassbar dankbar für die extra Brotkrumen die mir das System hinwirft, welches an der Spitze die gigantischsten Vermögen der Menschheitsgeschichte produziert hat:

15.07.2020 „Allein das reichste Prozent der Bevölkerung vereint rund 35 (statt knapp 22 Prozent) des Vermögens auf sich.“ ... Ein weiteres Ergebnis: Bei den Reichen handelt sich den Angaben zufolge überdurchschnittlich oft um Männer, die älter, besser gebildet, selbstständig und zufriedener mit ihrem Leben sind. Der Anteil der Frauen sei mit gut 30 Prozent relativ gering. ...
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/vermoegensverteilung-studie-reichste-zehn-prozent-besitzen-gut-zwei-drittel-des-vermoegens/26006588.html


Quote
propacHH #11

Kann ich alles unterstreichen, bin auch schon die zweite Woche zu Hause wegen eines Hörsturzes. Vor zwei Monaten erlitt ein Kollege einen Schlaganfall, vor 6 Monaten ein Anderer einen Herzinfarkt. Letztes Jahr um diese Zeit ein Suizid. Achja, ich habe nur 9 Kollegen.


Quote
GlobalPlayer5001 #11.2

Darf man fragen, in welcher mörderischen Branche Sie arbeiten ...?


Quote
propacHH #11.8

Pflege bzw. Arbeitspädagoge in einer WfbM


Quote
vincentvision #23  —  vor 7 Stunden

Alle wissen es und verschließen dennoch ihre Augen: Seit Jahren nehmen Depressionen, Burn-Outs und psychische Belastungserkrankungen massiv zu - mit alle sozialen, privaten und wirtschaftlichen Folgen. Aber solange psychische Erkrankungen immer noch mit dem Stigma der angeblichen Schwäche belegt sind, wird sich wenig ändern.
Solange bei Depressionen immer noch panisch und ausschließlich nach der Ursache gesucht wird und Medikamente pauschales Teufelszeug sind, bleibt vieles so, wie es ist.
Denn viele Chefs wollen belastbare deutsche Eichen als Mitarbeiter, Frauen starke, „männliche“ Partner und weibliche Kolleginnen werden zwischen Doppelbelastungen aus Haushalt, Kindern und Arbeit zerrieben.
Wenn man sich outet und (im gesunden Sinne aller Beteiligten) Notbremsen der psychischen Grenzüberschreitungen signalisiert, gilt man in vielen Bereichen immer noch als schwächlich und nicht belastbar, die Konkurrenz am Arbeitsplatz scharrt schon mit den Hufen...


Quote
olli-e #26

Es gibt immer Gründe unzufrieden zu sein:
Bullshit Job, zuviel Arbeit, zuwenig Arbeit, schlechte Beziehung, kein Geld, zuviel Geld bei zeitgleicher Angst vor Inflation, usw...
Den Menschen fehlt es an Halt, Perspektiven und Pausen.
Eigentlich besteht ja der Drang aller zur Zufriedenheit, aber der Konsum von Erlebnissen und materiellen Dingen bringt kaum Zufriedenheit.


Quote
karlsion #32

Ich persönlich hab selber Burnout und Depression durch stetig steigende Verdichtung der Anforderungen am Arbeitsplatz erfahren, kann den Artikel also so bestätigen.

Was allerdings auch nicht dem seelischen Wohlbefinden zuträglich ist, ist die Art und Weise wie dieser Staat agiert. Ich habe Dutzende Bekannte und Freunde, die die Vorkommnisse 2015 in Wut und Rage versetzt haben, weil mal eben 1.5 Millionen Fremde auf unsere Kosten eingeladen wurden, während man selber zu den fast 50% gehört, die mal eine Rente von unter 1000€ beziehen werden. Dann wird man noch regelmäßig von Finanzamt, GEZ und den Steuerbehörden für jeden Scheiß geschröpft, während rund um einem herum das Verbrechen von unten wütet und die Oberen Zehntausend sich selber einvernehmlich mit der Politik vom Steuern-Zahlen befreit haben. Man fühlt sich im öffentlichen Raum nicht mehr sicher und erfreut sich jeden Tag auf's neue einer vergammelnden Infrastruktur, die man aus seiner Jugend noch intakt kannte.

Die Liste warum es 'keinen Spaß mehr macht' und ich mich verarscht fühle könnte ich endlos vorsetzen, aber soviel Platz ist hier nicht.


Quote
Schneeregen #32.1

Ja, klar. An allem sind die Ausländer schuld, die Geflüchteten. Gut für einige, dass wir wieder einen Sündenbock haben und nicht mehr immer die Juden verantwortlich machen, schließlich sind wir ja keine Antisemiten, gel?


Quote
Mineralwasser-Junkie #32.3

Er hat doch gesagt, dass die Vorwürfe an den Staat gehen.


Quote
karlsion #32.5

"Wie wäre es denn, wenn Sie mal versuchen aus Ihrer passiven Opferhaltung herauszukommen...?"

Was bleibt mir denn außer 'Opferhaltung' Ihrer Meinung nach ? Soll ich beim Finanzamt oder dem Bundesfinanzminister mal ganz lieb fragen, ob es vllt möglich wäre die Zahlungen für die Versorgung der Migranten einzustellen und statt dessen die jährlichen Milliarden in einen Rentenfond für Die zu investieren, die hier seit Jahrzehnten arbeiten und Steuern zahlen ?

Oder in den Steuerstreik treten ?

Wird kaum gehen, denn dann lande ich im Knast.

Soll ich mein Hab und Gut verkaufen und in ein Land auswandern, in welchem nicht jedem Menschen ohne Vermögen, Sprachkenntnisse und Ausbildung ein lebenslanges leistungsfreies Grundeinkommen garantiert wird ?

Sehe ich nicht ein, denn Das hier ist mein Land. Nicht das Lande Derer, die jetzt auf Lampedusa hocken und 'Deutschland, Deutschland' rufen.


Quote
Schneeregen #32.6

Geht es Ihnen denn schlechter sei 2015 und genau aus diesem Grund?
Ich habe eher den Eindruck, mir nehmen die Reichen das Geld weg.


Quote
Neoman2 #35

Na, dann bin ich ja mal auf die Zahlen von 2020 gespannt ...


Quote
Bartelby d.S. #36

Das Kernproblem meiner Meinung nach ist folgendes:
Menschen wollen innerhalb einer Gruppe kooperieren.
Das macht glücklich.

In den meisten Unternehmen wird hingegen Konkurrenz zwischen Mitarbeiter geschürrt, weil das angeblich effizienter sein soll.
Menschen innerhalb einer Gruppe wollen aber keine Aggression - Die sollte eigentlich exklusiv dem 'Feind' vorbehalten sein.


Quote
GlobalPlayer5001 #36.1

Nun ja, Wettbewerb kann auch ganz befriedigend sein, jedenfalls solange man auf der Gewinnerseite steht ...


Quote
Bartelby d.S. #36.2

Klar, deswegen sind ja auch so viele Menschen Mitläufer und ordenen sich der großen Masse unter. Man gewinnt einfach häufiger als auf verlorenem Posten zu kämpfen.


Quote
Durch Schaden wird man klüger aber niemals klug #48

Ach ja, die armen Arbeitnehmer und das böse System. Im öffentlichen Dienst nehmen die Belastungsstörungen zu?
Ich hab mal im öffentlichen Dienst gearbeitet und die einzige Belastung die ich hatte war den Tag rumzukriegen. ...


Quote
Kybernetik #48.1

Nun, es kommt wohl auch darauf an, wo sie im öffentlichen Dienst arbeiten. ...


Quote
Kassandra5311 #50

Es gibt natürlich auch extrem schlechte Beispiele: Ich hatte zB mal eine Kollegin, deren Schwester als Alleinerziehende mit Hilfe eines psychischen Attest einer befreundeten Ärztin in den Hartz IV Dauerbezug gegangen ist. Das hat die Kollegin auch ganz offen kommuniziert. Als sie sich dann ein altes Haus zugelegt hatte, das umfangreich saniert werden musste, was sie alles während ihrer Arbeitszeit organisierte und das bei mehreren Kollegen/innen auf Ärger und Unverständnis stieß, da sie deren Arbeitsausfall mit übernehmen mussten, hatte sie plötzlich auch ein psychisches Attest und fiel für 1 Jahr ganz aus. Ihren Burnout hat ihr niemand mehr geglaubt.


Quote
Kybernetik #50.1

Es gibt für alles und jedes auch schlechte Beispiele, immer und zu jeder Zeit. Aber nur weil es diese schlechten Beispiele gibt, sollte man nicht von diesen auf die Allgemeinheit schließen.
Man kann das Pech haben und an einen schlechten Zahnarzt geraten sein, aber deshalb würde niemand auf die Idee kommen, alle Zahnärzte als schlecht zu bezeichnen.


Quote
GlobalPlayer5001 #50.2

Das ist natürlich nur anekdotisch, zeigt aber schön das Problem der psychischen Erkrankungen auf: Sie sind eben nicht so eindeutig zu diagnostizieren wie physische Leiden. Das eröffnet Spielraum für die von Ihnen so genannten "schlechten Beispiele".

Außerdem hat die psychische Belastbarkeit ja auch eine starke subjektive Komponente: Viele Leute trauen sich nichts oder zu wenig zu und fühlen sich dementsprechend schnell überfordert, was dann auch in psychische Krankheiten führen kann.

Um nicht missverstanden zu werden: Nicht jeder ist unbegrenzt belastbar oder kann alles klaglos wegstecken. Aber die Tendenz, sich und seine Leistungsfähigkeit systematisch zu unterschätzen, trägt ihren Teil zu dem Problem bei. Oft wundern sich Menschen, was sie zu leisten in der Lage sind, wenn es denn keine Alternative gibt.


Quote
andreas gramatke #60

Die Ärzte haben eine neue Verdienstmöglichkeiten entdeckt.


Quote
elfotografo #60.1

Natürlich - kann gar nicht anders sein.
Alles Simulanten, Weicheier, Pussies ...


Quote
Struktur. #66

Wenn man nicht mehr funktioniert,
wird man ausgetauscht (weggeworfen) oder hat sich gefälligst durch entsprechende Massnahmen schnell wieder ins System einzugliedern.

Du musst Dich ändern, und NUR Du - nur nicht das System,
und zwar immer wieder
und solange bis Deine Persönlichkeit mit
dem neoliberalen System der Ausbeutung
konform geht,
während Du immer kränker wirst,
weil Du die Achtung vor Dir selbst verlierst,
Freizeit und Freunde aufgibst,
um voll ganz und den Unternehmen zu dienen.

Falls nicht, wirst Du dahin gedrängt,
auf Spur gebracht,
wie es intern in den meisten Unternehmen heißen dürfte,
und das mit Methoden wie Mobbing,
Ausgrenzung, Überwachung,
und Manipulation.

Das jetzige System gehört an den Pranger,
jeden einzelnen Tag.

Und jeder, der sich rausnimmt,
gezwungen oder präventiv,
in Therapie geht,
um sich und seine Bedürfnisse wieder spüren zu können,

kann ich nur beglückwünschen.


Quote
Ernst Blache #68

Das ist eben der Preis. Wir haben uns mehrheitlich für ein System entschieden, welches auf Wettbewerb und Konkurrenz basiert. Das hier sind die Folgen. Man spürt es jeden Tag, auf der Straße und im Beruf.
Aber wir wollten es eben so. Mehrheitlich. Kapitalismus / Neoliberalismus / Freie Marktwirtschaft - das ist eben kein Büllerbü. (Die soziale Marktwirtschaft habe ich ganz bewußt nicht genannt, denn die wurde mit der Agenda 2010 beerdigt)
Nun kommt Corona, und die, die sich eben noch einigermaßen abgesichert gefühlt haben, die machen plötzlich auch die Erfahrung, dass die Gesetze des Marktes sich gegen sie wenden. Willkommen in der Realität.
Meine Empfehlung: Keine Pillen nehmen, nicht zum Therapeuten laufen, sondern das, was man als richtig und unumstößlich angesehen hat, eben doch hinterfragen. Es ist nie zu spät dafür.


Quote
MP12 #70

Woher sowas kommt, sieht man auch ganz gut in den Kommentaren unter diesem Artikel.
Menschen, die psychischen Erkrankungen verharmlosen, die Schuld am liebsten ausschließlich den Betroffenen geben wollen, die sich nur mal zusammenreißen müssen.

Daran sieht man, dass viele Leute keine Ahnung von Depression und Angststörung haben - bis man dann selbst oder jemand aus der Familie betroffen ist.

Bei dem Mangel an Empathie, den diese Leute ausstrahlen, wäre das aber auch kein Wunder. In Wahrheit sind solche Menschen nämlich selbst krank und soziopathisch/psychopathisch veranlagt.


Quote
MP12 #70.4

"Der Grund, warum Ihre Aussage eines Kommentars bedarf, ist, dass auch Sie monokausal den Grund für psychische Erkrankungen IMMER in der Umwelt sehen und der Betroffene grundsätzlich passives Opfer ist."

Das wüsste ich aber, wenn ich das geschrieben hätte. Habe ich aber nicht. Bei psychischen Erkrankungen geht es auch nicht wirklich um Opfer oder Täter. Und es geht im Übrigen auch nie um Schuld. Das hilft einem nämlich nicht weiter.


Quote
klaurot #72

Rekord bei Krankschreibungen wegen psychischer Probleme

Schön, dass man etwas über die Zahlen erfährt. Hoffentlich kommt niemand auf die Idee, sich mit den Gründen näher zu befassen.


...